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IndonesienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Indonesien
DIESER bewegende Bericht erzählt von demütigen Brüdern und Schwestern, die mutig für Jehova eintraten — und das trotz politischer Unruhen, religiöser Konflikte und eines 25 Jahre anhaltenden Verbots, zu dem die Geistlichkeit angestachelt hatte. Wir lernen einen Bruder kennen, der auf einer Todesliste der Kommunisten stand, und den Boss einer kriminellen Bande, aus dem ein gestandener Christ wurde. Da ist auch die zu Herzen gehende Geschichte von zwei gehörlosen Mädchen, die sich anfreundeten und später herausfanden, dass sie Geschwister sind. Außerdem erfahren wir, wie Jehovas Diener dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil der Welt erfolgreich die gute Botschaft predigen.
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Kurzinformation zu IndonesienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Kurzinformation zu Indonesien
Landesnatur: Indonesien ist die größte Inselgruppe der Welt. Sie erstreckt sich entlang des Äquators und liegt zwischen Australien und dem asiatischen Kontinent. Die Landschaft der rund 17 500 Inseln ist meist geprägt von zerklüfteten Bergen und dichten tropischen Regenwäldern. Mit mehr als 100 aktiven Vulkanen ist Indonesien außerdem die aktivste Vulkanregion der Erde.
Bevölkerung: Indonesien hat die viertgrößte Bevölkerung der Welt (nach China, Indien und den USA) und beheimatet über 300 ethnische Gruppen. Zu ihnen gehören die Javaner und die Sundanesen. Sie machen mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus.
Religion: Etwa 90 Prozent der Indonesier sind Muslime. Die übrigen Indonesier sind vor allem nominelle Christen, Hindus oder Buddhisten. Viele pflegen außerdem althergebrachte, einheimische religiöse Bräuche.
Landessprache: Auf dem Archipel werden über 700 Sprachen gesprochen. Die Verkehrssprache ist Indonesisch (abgeleitet vom Malaiischen). Zusätzlich sprechen die meisten zu Hause eine Regionalsprache.
Wirtschaft: Viele Indonesier sind Kleinbauern oder Händler. Das Land hat reiche Vorkommen an Mineralien, Holz, Erdöl und Erdgas und ist ein Hauptlieferant von Kautschuk und Palmöl.
Essen: Reis ist das Grundnahrungsmittel. Beliebte Mahlzeiten sind Nasigoreng (gebratener Reis mit Ei und Gemüse), Satay (gegrillte Fleischspießchen) und Gado-Gado (Salat mit Erdnusssoße).
Klima: Tropisch-feucht und heiß. Durch die Monsunwinde gibt es zwei Jahreszeiten: die Trockenzeit und die Regenzeit. Häufig kommt es zu Gewittern.
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Der GewürzhandelJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Der Gewürzhandel
IM 16. Jahrhundert kurbelte der Gewürzhandel die Weltwirtschaft genauso an wie der Erdölhandel heute. Muskatnüsse und Gewürznelken, die von den berühmten Gewürzinseln (heute die Provinzen Molukken und Nordmolukken) kamen, erzielten in Europa sagenhafte Gewinne.
Die Entdecker Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan, Samuel de Champlain und Henry Hudson hatten eins gemeinsam: Sie suchten den Seeweg zu den Gewürzinseln. Durch diese Suche bekam der Mensch zum ersten Mal ein umfassendes Verständnis von der geografischen Beschaffenheit der Erde.
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Ich würde dort beginnenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Brüder in Semarang (Java um 1937)
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„Ich würde dort beginnen“
Alexander MacGillivray, der Zweigdiener in Australien, lief gedankenversunken in seinem Büro auf und ab. Schon seit mehreren Tagen beschäftigte ihn ein Problem. Jetzt hatte er die Lösung gefunden und musste nur noch mit Frank Rice sprechen.
Frank war vor einigen Wochen im Zweigbüro angekommen — 28 Jahre alt, Kolporteur (Pionier) und ein zäher Bursche. Er hatte die Wahrheit als Jugendlicher kennengelernt und kurz darauf mit dem Kolporteurdienst begonnen. Frank predigte über zehn Jahre in weiten Teilen Australiens. Er war zu Pferd, mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder einem Wohnmobil unterwegs. Nach diesem kurzen Stopp im Bethel war Frank jetzt auf seine neue Gebietszuteilung gespannt.
Bruder MacGillivray rief Frank zu sich ins Büro und deutete auf eine Karte, auf der die Inseln nördlich von Australien zu sehen waren. „Frank, wo würdest du anfangen zu predigen? Auf all diesen Inseln gibt es nicht einen Bruder!“
Franks Blick fiel auf eine Inselkette, die wie eine Perlenschnur im Indischen Ozean lag — Niederländisch-Indien (heute Indonesien).a Auf diesen Inseln lebten Millionen Menschen, die noch nichts von der guten Botschaft über Gottes Königreich gehört hatten. Frank zeigte auf die Hauptstadt Batavia (heute Jakarta) und sagte: „Ich würde dort beginnen.“
Predigen auf Java
Frank Rice begann 1931 seinen Dienst in Jakarta, einer großen, lebendigen Stadt auf Java. Er mietete sich in der Nähe des Stadtzentrums ein Zimmer. Zum Erstaunen seiner Vermieterin stellte er es mit Literaturkartons voll.
Frank Rice und Clem Deschamp in Jakarta
„Zuerst kam ich mir ziemlich verloren vor und hatte Heimweh“, erzählte Frank. „Während ich in meiner warmen Kleidung fast dahinschmolz, schlenderten die Leute in ihren weißen Baumwollanzügen und Tropenhelmen durch die Straßen. Ich konnte weder ein Wort Niederländisch noch ein Wort Indonesisch. Nach einem Gebet kam mir die Idee, dass es im Geschäftsviertel Englisch sprechende Leute geben musste. Also fing ich dort an zu predigen — und es war wirklich ein fruchtbares Gebiet.“
Da in Jakarta hauptsächlich Niederländisch gesprochen wurde, setzte Frank alles daran, sich in dieser Sprache Grundkenntnisse anzueignen; schon kurz darauf konnte er von Haus zu Haus predigen. Er wagte sich auch ans Indonesische und machte allmählich Fortschritte. Frank sagte: „Das Problem war, dass ich keine indonesische Literatur hatte. Doch Jehova führte mich zu einem Lehrer, der sich für die Wahrheit interessierte. Er war bereit, die Broschüre Wo sind die Toten? zu übersetzen. Weitere Broschüren folgten und bald zeigten viele Indonesisch sprechende Menschen Interesse an der Wahrheit.“
Im November 1931 kamen zwei weitere australische Pioniere in Jakarta an: der 25-jährige Clem Deschamp und der 19-jährige Bill Hunter. Sie brachten ein „Pionierheim auf Rädern“ mit, eine Art Wohnmobil, das in Indonesien eine Attraktion war. Nachdem sie einige Brocken Niederländisch gelernt hatten, starteten sie zu einer Predigttour in die großen Städte von Java.
Charles Harris war mit Fahrrad und Wohnmobil unterwegs
Charles Harris, ein anderer robuster Pionier aus Australien, trat in die Spuren von Clem und Bill. Er bearbeitete ab 1935 einen Großteil von Java und war mit Wohnmobil und Fahrrad unterwegs. Er gab Literatur in fünf Sprachen ab: Arabisch, Chinesisch, Englisch, Indonesisch und Niederländisch. In manchen Jahren verbreitete er rund 17 000 Veröffentlichungen.
Die Unmengen von Veröffentlichungen, die Charles unter die Leute brachte, ließen viele aufhorchen. Ein Beamter aus Jakarta fragte Clem Deschamp: „Wie viele Ihrer Leute sind dort im Osten Javas tätig?“
„Nur einer.“
„Und das soll ich Ihnen abnehmen?“, fuhr ihn der Beamte an. „Gemessen an der Literatur, die dort verbreitet wird, muss eine ganze Armee tätig sein!“
Die ersten Pioniere waren ständig auf Achse, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Bill Hunter erzählt: „Wir bearbeiteten die Insel von einem Ende bis zum anderen und sprachen selten mit jemandem zweimal.“ Die Pioniere säten großzügig Wahrheitssamen aus, was später eine reiche „Ernte“ einbrachte (Pred. 11:6; 1. Kor. 3:6).
Die gute Botschaft erreicht Sumatra
Um das Jahr 1936 überlegten die Pioniere auf Java, wie die gute Botschaft auch nach Sumatra, der sechstgrößten Insel der Welt, gelangen könnte. Auf dieser rauen Insel, die sich über den Äquator erstreckt, gibt es große Städte, aber auch Plantagen und ausgedehnte Sumpfgebiete sowie Regenwälder.
Die Pioniere einigten sich, dass Frank Rice nach Sumatra gehen sollte. Sie legten ihre dürftigen Mittel für die Reise zusammen und schon kurz darauf kam Frank in Medan (Nordsumatra) an. Das Einzige, was er dabeihatte, waren 2 Predigtdiensttaschen, 40 Literaturkartons und ein bisschen Bargeld. Frank hatte einen starken Glauben und machte sich gleich an die Arbeit. Er wusste, Jehova würde für das Nötige sorgen, damit er seine Aufgabe bewältigen konnte (Mat. 6:33).
In seiner letzten Woche in Medan lernte Frank einen freundlichen Niederländer kennen, der ihn auf eine Tasse Kaffee einlud. Frank erzählte dem Mann, dass er ein Auto braucht, um überall auf der Insel die gute Botschaft zu predigen. Der Mann zeigte auf einen kaputten Wagen, der in seinem Garten stand, und sagte: „Wenn Sie den wieder zum Laufen bringen, gehört er für 100 Guldenb Ihnen.“
„Ich habe keine 100 Gulden.“
Der Mann blickte Frank fest in die Augen und fragte: „Und Sie wollen wirklich auf ganz Sumatra predigen?“
„Auf jeden Fall.“
„Also gut. Dann reparieren Sie das Auto und nehmen es. Das Geld können Sie mir geben, sobald Sie wieder welches haben.“
Frank machte sich an die Reparatur und schon bald lief das Auto wieder wie geschmiert. Später schrieb er: „Mit einem Auto voller Literatur, einem vollen Tank und einem Herzen voller Glauben machte ich mich auf den Weg, den Menschen auf Sumatra zu predigen.“
Henry Cockman mit Jean und Clem Deschamp (Sumatra, 1940)
Ein Jahr später hatte Frank die Insel von der nördlichsten Spitze bis zum südlichsten Punkt bearbeitet und kehrte nach Jakarta zurück. Dort verkaufte er das Auto für 100 Gulden und schickte das Geld dem Niederländer in Medan.
Einige Wochen später erhielt Frank aus Australien einen Brief mit einer neuen Pionierzuteilung. Sofort packte er seine Sachen und machte sich auf den Weg, um in Indochina (heute Kambodscha, Laos und Vietnam) mit dem Predigen zu beginnen.
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Die ersten PredigtmethodenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Die ersten Predigtmethoden
Rundfunksendungen
DIE Brüder sorgten 1933 dafür, dass eine Rundfunkstation in Jakarta Vorträge von Bruder Rutherford in Englisch ausstrahlte. Zusätzlich wurden Vorträge in niederländischer Sprache gesendet, die ein Interessierter vorlas. Diese Sendungen stießen auf großes Interesse und halfen den Brüdern, mehr Literatur abzugeben.
Als dann im Rundfunk Bruder Rutherfords offener Vortrag mit dem Thema „Wirkung des Heiligen Jahres auf Frieden und Wohlfahrt“ zu hören war, platzte der katholischen Geistlichkeit der Kragen.a Sie gebrauchte ihre Handlanger dazu, Bruder De Schumaker, der die Rundfunkstation mit Aufnahmen versorgte, wegen „Verleumdung, Spott und Anfeindungen“ anzuklagen. Obwohl er die Beschuldigungen entschieden zurückwies, verurteilte man ihn zu einer Geldstrafe von 25 Guldenb und der Übernahme der Gerichtskosten. Drei große Zeitungen berichteten über den Prozess, was zu einem noch größeren Zeugnis führte.
Die Lightbearer
Am 15. Juli 1935 kam der 16 Meter lange Zweimaster der Watch Tower Society — die Lightbearer (Lichtträger) — in Jakarta an. Die Crew bestand aus sieben eifrigen Pionieren. Sie waren in Sydney (Australien) gestartet und befanden sich schon sechs Monate auf einer Predigttour — entschlossen, die gute Botschaft in ganz Indonesien, Singapur und Malaysia zu verbreiten.
Die Lightbearer lief mehr als zwei Jahre lang große und kleine Häfen in Indonesien an; dabei verteilten die Pioniere riesige Mengen an Literatur. „Immer wenn wir in einen kleinen Hafen einliefen, spielten wir auf dem Grammofon eine Ansprache von J. F. Rutherford ab, dem damaligen Präsidenten der Watch Tower Society“, erzählt Jean Deschamp. „Man stelle sich nur die Überraschung der isoliert lebenden malaiischen Dorfbewohner vor, als sie ein Schiff in ihren Hafen einlaufen sahen und diese laute, kraftvolle Stimme herüberschallen hörten. Eine fliegende Untertasse hätte wohl kaum größere Verwunderung erregt.“
Über das unerschrockene Predigen der Brüder war die Geistlichkeit sehr aufgebracht. Sie zwang schließlich die Behörden, der Lightbearer zu untersagen, die Häfen Indonesiens anzulaufen. Im Dezember 1937 brach die Lightbearer wieder nach Australien auf und ließ Indonesien mit einem großartigen Zeugnis zurück.
Die Crew der Lightbearer
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Der BibelkringJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Der Bibelkring
ENDE der 30er-Jahre tauchte am Tobasee (Nordsumatra) eine neue religiöse Bewegung auf: der Bibelkring (eine niederländische Bezeichnung für eine Gruppe von Bibelstudenten). Wie hatte alles angefangen? Mehrere Schullehrer hatten Literatur von einem Pionier entgegengenommen, wahrscheinlich von Eric Ewins. Er predigte 1936 in dem Gebiet rund um den Tobasee. Was die Lehrer lasen, veranlasste sie, die protestantische Batak-Kirche zu verlassen und eigene Bibelstudiengruppen zu gründen. Diese Gruppen wurden größer und breiteten sich aus, bis schließlich Hunderte von Personen dazugehörten.a
Dame Simbolon gehörte zum Bibelkring und ist heute eine Glaubensschwester
Mithilfe der Literatur konnten die Bibelstudiengruppen verschiedene biblische Lehren erkennen. Eine Frau, Dame Simbolon, die zum Bibelkring gehörte und 1972 die Wahrheit annahm, erzählt: „Wir verweigerten den Fahnengruß und hielten uns von Weihnachts- und Geburtstagsfeiern fern. Einige predigten sogar von Tür zu Tür.“ Doch ohne die Unterstützung von Gottes Organisation fiel die Bewegung schon bald menschlichen Überlegungen zum Opfer. Limeria Nadapdap, die heute auch eine Glaubensschwester ist, berichtet: „Wir Frauen durften weder Make-up, Schmuck, moderne Kleidung noch Schuhe tragen. Außerdem war es Mitgliedern verboten, einen Personalausweis zu besitzen, was die Regierung zornig machte.“
Der Bibelkring zerfiel in etliche Splittergruppen und löste sich allmählich ganz auf. Als Pioniere später zum Tobasee zurückkamen, nahmen viele ehemalige Mitglieder des Bibelkrings die Wahrheit an.
a Einigen Quellen zufolge gehörten zu Spitzenzeiten Tausende dazu.
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Gute Ergebnisse in WestjavaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Gute Ergebnisse in Westjava
Theodorus Ratu
1933 bat Frank Rice einen Einheimischen von Nordsulawesi, Theodorus (Theo) Ratu, ihm zu helfen, das Literaturlager in Jakarta zu führen. Theo erzählt: „Das Königreichswerk beeindruckte mich so sehr, dass ich anfing, mit Bruder Rice predigen zu gehen. Ich begleitete auch Bill Hunter auf einer Predigttour nach Java und ging später mit der Crew der Lightbearer auf eine Reise nach Sumatra.“ Theo war der erste Indonesier, der die Wahrheit annahm. Er diente über Jahrzehnte als Pionier auf Java, Nordsulawesi und Sumatra.
Im Jahr darauf bekam Felix Tan, ein Student, der in Jakarta lebte, von Bill Hunter ein Exemplar der Broschüre Wo sind die Toten?. Als Felix zu seiner Familie in Bandung (Westjava) zurückzog, zeigte er seinem jüngeren Bruder Dodo die Broschüre. Beide waren erstaunt zu erfahren, dass der erste Mensch Adam keine unsterbliche Seele besaß, sondern eine Seele war (1. Mo. 2:7). Felix und Dodo waren jetzt auf den Geschmack gekommen. Auf der Suche nach weiteren Wachtturm-Publikationen durchstöberten sie alle Secondhand-Buchläden in Bandung. Sie erzählten auch ihrer Familie, was sie gelernt hatten. Nachdem sie sämtliche Bücher und Broschüren verschlungen hatten, schrieben sie an das Literaturlager in Jakarta. Sie staunten nicht schlecht, als Frank Rice persönlich kam und ihnen neue Literatur brachte.
Familie Tan
Kurz nachdem Bruder Rice wieder in Jakarta war, besuchten Clem und Jean Deschamp, die gerade geheiratet hatten, für 15 Tage Bandung. Felix berichtet: „Bruder Deschamp fragte unsere Familie, ob wir uns nicht taufen lassen möchten. Vier aus meiner Familie wollten das: Dodo, meine jüngere Schwester Josephine (Pin Nio), meine Mutter (Kang Nio) und ich.“a Diese vier begleiteten nach ihrer Taufe Clem und Jean bei einer 9-tägigen Predigtkampagne. Clem zeigte ihnen, wie man mit einer Zeugniskarte predigt, auf der in drei Sprachen in einfachen Worten eine biblische Botschaft stand. Aus der kleinen Gruppe in Bandung wurde bald eine Versammlung — die zweite in Indonesien.
Die Bischofsmütze
Als das Predigtwerk in Schwung kam, wurde die Geistlichkeit hellhörig. Zusammen mit ihren Vertretern verfasste sie Zeitungsartikel, in denen sie die Glaubensansichten sowie die Tätigkeit von Jehovas Zeugen attackierte. Aufgrund dieser Artikel wurde Frank Rice von den Beamten des Religionsministeriums zu einer Befragung einbestellt. Nach einem zufriedenstellenden Gespräch gestatteten die Beamten den Brüdern, das Werk weiter durchzuführen.b
Anfang der 1930er-Jahre ignorierten oder tolerierten die meisten Kolonialbeamten die Predigttätigkeit. Doch als das NS-Regime in Europa an die Macht kam, schlugen einige Regierungsbeamte einen anderen Ton an, vor allem, wenn sie engagierte Katholiken waren. Clem Deschamp sagt: „Ein katholischer Zollbeamter, der uns nicht gut gesonnen war, beschlagnahmte eine Sendung unserer Bücher. Angeblich enthielten sie negative Anspielungen auf den Nationalsozialismus. Als ich bei der Zollbehörde anrief, um mich zu beschweren, befand sich der besagte Beamte gerade im Urlaub und wurde von einem freundlichen Nichtkatholiken vertreten. Er gab die Bücher sofort frei und meinte: ‚Nutzen Sie die Zeit, solange mein Kollege noch weg ist. Holen Sie, so viel Sie können!‘ “
„Ein andermal bestanden Beamte darauf, dass zwei Bilder aus dem Buch Feinde entfernt werden“, erzählt Jean Deschamp. „Das Problem waren zwei Karikaturen: eine sich vor Schmerz windende Schlange (Satan) und eine betrunkene Hure (falsche Religion). Beide trugen eine Bischofsmütze (Mitra).c Da wir entschlossen waren, das Buch zu verbreiten, setzten sich drei von uns in der brütenden Hitze an den Kai und arbeiteten sich durch Tausende von Büchern, um die Bilder mit der Bischofsmütze zu schwärzen.“
Die Bilder aus dem Buch Feinde, die verboten wurden
Während Europa auf einen Krieg zusteuerte, stellten unsere Publikationen die Heuchelei der Christenheit und ihre Einmischung in die Politik weiter bloß. Die Geistlichkeit übte daraufhin noch mehr Druck auf die Behörden aus, unsere Tätigkeit einzuschränken. Mehrere Publikationen wurden verboten.
Doch die Brüder waren entschlossen, nicht aufzugeben, und machten guten Gebrauch von einer Druckpresse, die sie aus Australien erhalten hatten (Apg. 4:20). Jean Deschamp beschreibt eine ihrer Strategien: „Von jeder Broschüre oder Zeitschrift, die wir druckten, mussten wir den Behörden ein Exemplar zur Genehmigung vorlegen. Wir druckten und verteilten die Publikationen gleich zu Beginn der Woche und erst am Ende der Woche brachten wir ein Exemplar zum Büro des Generalstaatsanwalts. Wurde die Publikation abgelehnt, senkten wir enttäuscht die Köpfe und eilten dann schnell zurück, um die nächste Publikation zu drucken.“
Brüder und Schwestern, die verbotene Literatur verbreiteten, lieferten sich mit der Polizei oft ein Katz-und-Maus-Spiel. Als Charles Harris beispielsweise in Kediri (Ostjava) predigte, sprach er versehentlich bei dem Polizeiinspektor vor.
Der Inspektor sagte: „Ich hab schon den ganzen Tag nach Ihnen gesucht. Warten Sie. Ich hol mal die Liste mit den verbotenen Büchern.“
Charles erzählt weiter: „Während der Inspektor in seiner Wohnung nach der Liste suchte, steckte ich die verbotene Literatur in die geheimen Innentaschen meines Mantels. Als er wiederkam, gab ich ihm 15 Broschüren, die nicht verboten waren. Er nahm sie und gab mir widerwillig eine Spende dafür. Die verbotene Literatur verbreitete ich weiter unten in der Straße.“
Drucken trotz Schwierigkeiten
Als der Zweite Weltkrieg Europa erfasste, wurde auch der Literaturversand von den Niederlanden nach Indonesien eingestellt. Die Brüder hatten das aber schon kommen sehen und wohlweislich alles so geregelt, dass eine Druckerei in Jakarta die Zeitschriften druckte. Die erste Ausgabe der Zeitschrift Trost (heute Erwachet!) in Indonesisch erschien im Januar 1939 und Der Wachtturm folgte kurz darauf. Später kauften die Brüder eine kleine Druckpresse und produzierten selbst die Zeitschriften. 1940 erhielten sie aus Australien eine Flachformpresse, auf der sie Broschüren und Zeitschriften in Indonesisch und Niederländisch herstellten. Die Ausgaben bestritten sie aus eigener Tasche.
Die erste Druckpresse kommt in Jakarta an
Doch am 28. Juli 1941 wurden schließlich alle Wachtturm-Publikationen offiziell verboten. Jean Deschamp erinnert sich: „Ich saß eines Morgens an der Schreibmaschine, als die Bürotüren aufflogen. Hereinmaschiert kamen drei Polizisten sowie ein hoher niederländischer Beamter in voller Montur — Orden, weiße Handschuhe, Degen und Federhelm. Wir waren nicht überrascht. Drei Tage zuvor hatte uns jemand die Information gegeben, dass unsere Publikationen bald verboten werden würden. Der großspurige Beamte verlas eine lange Erklärung und bestand darauf, zur Druckpresse gebracht zu werden, um sie zu verplomben. Aber mein Mann sagte ihm, er sei zu spät. Die Presse war am Vortag verkauft worden.“
Was allerdings nicht verboten wurde, war die Bibel. Mit ihr konnten die Brüder weiter von Haus zu Haus predigen und auch Bibelstudien durchführen. Da sich inzwischen auch in Asien Krieg abzeichnete, wurden die Pioniere aus Australien aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren.
a Später wurden auch drei jüngere Brüder von Felix und sein Vater Zeugen Jehovas. Seine Schwester Josephine heiratete André Elias und besuchte die Wachtturm-Bibelschule Gilead. Ihr Lebensbericht erschien im Erwachet! vom September 2009.
b Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Frank nach Australien zurück und gründete eine Familie. Bruder Rice vollendete sein Leben auf der Erde im Jahr 1986.
c Die Bilder stützten sich auf Offenbarung 12:9 und 17:3-6.
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Unter japanischer HerrschaftJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Unter japanischer Herrschaft
Anfang 1942 rollte die japanische Militärmaschinerie durch Indonesien und riss gewaltsam die Macht an sich. Viele Brüder wurden zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen, wie dem Bau von Straßen oder dem Ausheben von Gräben. Andere internierte man in heruntergekommenen Gefangenenlagern und folterte sie, weil sie den Krieg nicht unterstützen wollten. Mindestens drei Brüder verloren dort ihr Leben.
Johanna Harp, ihre zwei Töchter und Beth Godenze, eine Freundin der Familie (Mitte)
Johanna Harp, eine niederländische Schwester, lebte in einem abgelegenen Bergdorf in Ostjava. In den ersten zwei Kriegsjahren konnte sie einer Inhaftierung entgehen. Sie und ihre drei Teenager nutzten die Freiheit und übersetzten das Buch Die Rettung und Ausgaben des Wachtturms vom Englischen ins Niederländische.a Die Publikationen wurden dann vervielfältigt und nach Java geschmuggelt.
Die wenigen Brüder, die noch frei waren, trafen sich in kleinen Gruppen und predigten vorsichtig. „Ich suchte immer nach Gelegenheiten, informell Zeugnis zu geben“, erzählt Josephine Elias (geborene Tan). „Wenn ich jemand besuchte, der an der Bibel interessiert war, hatte ich immer ein Schachbrett dabei, damit es so aussah, als ob wir nur Schach spielten.“ Während Felix Tan und seine Frau Bola von Haus zu Haus predigten, gaben sie vor, Seife zu verkaufen. Felix sagt: „Wir wurden oft von Spitzeln der kempeitai verfolgt, der gefürchteten japanischen Militärpolizei. Um keinen Verdacht zu erregen, besuchten wir unsere Bibelschüler zu verschiedenen Zeiten. Sechs von ihnen machten sehr gute Fortschritte und ließen sich noch während des Krieges taufen.“
Unstimmigkeiten in Jakarta
Kaum hatten sich die Brüder auf die Härten des Krieges eingestellt, kam eine weitere schwere Prüfung auf sie zu. Die japanischen Behörden verlangten von allen Ausländern (auch von Indonesiern chinesischer Abstammung), sich registrieren zu lassen und einen Ausweis bei sich zu tragen, der einen Treueid auf das japanische Reich enthielt. Viele Brüder fragten sich, ob sie das tun sollten.
Josephine Elias mit ihrem Bruder Felix
Felix Tan erklärt: „Die Brüder in Jakarta wollten uns in Sukabumi unbedingt davon abhalten, den Ausweis zu unterschreiben. Doch wir fragten die Behörden, ob wir den Wortlaut im Ausweis ändern konnten, von ‚die Unterzeichneten haben der japanischen Armee Treue geschworen‘ auf ‚die Unterzeichneten werden die japanische Armee nicht behindern‘. Überraschenderweise waren sie einverstanden und alle erhielten einen Ausweis. Als die Brüder in Jakarta das hörten, bezeichneten sie uns als Abtrünnige und brachen den Kontakt ab.“
Traurigerweise kamen die meisten der Hardliner aus Jakarta in Haft und sagten sich von der Wahrheit los. Ein Bruder, der sich geweigert hatte, den geänderten Ausweis zu unterschreiben, traf im Gefängnis André Elias. André berichtete: „Wir tauschten unsere Meinung zum Thema Registrierung aus, und ich half ihm, das Ganze ausgeglichener zu sehen. Er bat demütig um Verzeihung, dass er den Kontakt zu uns abgebrochen hatte. Wir verbrachten noch eine großartige Zeit zusammen und stärkten uns gegenseitig. Leider starb er aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen.“
merdeka!
Als der Krieg 1945 endete, waren die Brüder und Schwestern entschlossen, mit dem Predigen weiterzumachen. Ein Bruder, den man im Gefängnis misshandelt hatte, schrieb an das Zweigbüro in Australien: „Nach vier langen schweren Jahren bin ich nun wieder hier — ungebrochen. An meiner Haltung hat sich nichts geändert. Trotz all der Schwierigkeiten habe ich meine Brüder nie vergessen. Könnt ihr mir bitte einige Bücher senden?“
Schon bald traf in Indonesien die ersehnte Literatur ein — zunächst nur spärlich, dann immer mehr. In Jakarta gab es zehn Verkündiger, die wieder anfingen, Publikationen ins Indonesische zu übersetzen.
Am 17. August 1945 erklärten die Anführer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung Indonesien zur unabhängigen Republik und lösten damit eine vierjährige Revolution aus, die sich gegen die niederländische Kolonialherrschaft richtete. Zehntausende starben in dem anschließenden Chaos und über sieben Millionen Menschen wurden vertrieben.
Während der Revolution predigten die Brüder weiter von Haus zu Haus. Josephine Elias erzählt: „Patrioten wollten uns zwingen, ihren Schlachtruf ‚merdeka‘ zu rufen, was ‚Freiheit‘ bedeutet. Doch wir erklärten ihnen, dass wir uns in politischen Angelegenheiten neutral verhalten.“ Nach langjähriger Kolonialherrschaft übertrugen die Niederlande 1949 ihren Souveränitätsanspruch auf die Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien (heute Republik Indonesien).b
Im Jahr 1950 hatten die Brüder in Indonesien etwa zehn konfliktreiche Jahre überstanden. Aber es lag noch viel Arbeit vor ihnen. Wie sollten sie den Millionen von Menschen die gute Botschaft verkündigen? Vom menschlichen Standpunkt aus schien das unmöglich. Doch voller Vertrauen begannen sie mit dieser Tätigkeit, weil sie überzeugt waren, dass Jehova „Arbeiter in seine Ernte aussenden“ würde (Mat. 9:38). Und genau das tat Jehova.
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Die ersten MissionareJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Die Versammlung Surabaya (1954)
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Die ersten Missionare
Im Juli 1951 wurde Peter Vanderhaegen, der erste Gileadabsolvent in Indonesien, von der kleinen Versammlung in Jakarta willkommen geheißen. Es folgten noch 13 weitere Missionare aus Australien, Deutschland und den Niederlanden, sodass sich bis zum Jahresende die Zahl der Verkündiger im Land fast verdoppelt hatte.
Fredrika Renskers, eine niederländische Missionarin, erzählt: „Ich hatte mir schon vorgestellt, wie ich mich im Dienst von Haus zu Haus mit Händen und Füßen verständigen würde. Da aber viele Niederländisch sprachen, predigte ich anfangs meist auf Niederländisch.“ Ronald Jacka aus Australien berichtet: „Einige von uns benutzten eine Zeugniskarte mit einer kurzen Predigt in Indonesisch. Vor jeder Tür schaute ich auf die Karte und versuchte, den Text aufzusagen.“
Durch den vollen Einsatz der Missionare stieg die Zahl der Verkündiger in nur einem Jahr von 34 auf 91. Am 1. September 1951 gründete man in Zentraljakarta im Haus von André Elias ein Zweigbüro der Watch Tower Society. Ronald Jacka wurde zum Zweigdiener ernannt.
Neue Gebiete werden erschlossen
Im November 1951 bekam Peter Vanderhaegen eine Zuteilung nach Manado (Nordsulawesi), wo Theo Ratu und seine Frau schon eine kleine Gruppe gegründet hatten. Die meisten Einheimischen bezeichneten sich als Christen und hatten hohe Achtung vor Gottes Wort. Viele baten die Zeugen herein und wollten gern mehr über biblische Lehren erfahren. Oft kamen Gruppen von 10 Personen zusammen. Nach einer Viertelstunde hörten schon etwa 50 zu. Und nach einer knappen Stunde musste das Gespräch nach draußen verlegt werden, da es dann fast 200 Personen waren.
Anfang 1952 sorgten Albert und Jean Maltby dafür, dass in Surabaya (Ostjava), der zweitgrößten Stadt Indonesiens, ein Missionarheim eröffnet werden konnte. Sechs Missionarinnen schlossen sich ihnen an: Gertrud Ott, Fredrika Renskers, Susie und Marian Stoove, Eveline Platte und Mimi Harp. Fredrika sagt: „Die meisten Menschen waren keine strengen Muslime und sehr freundlich. Viele schienen nur auf die Wahrheit zu warten. Es war leicht, Bibelstudien zu beginnen. In nur drei Jahren hatte die Versammlung Surabaya 75 Verkündiger.“
Vor dem Missionarheim in Jakarta
Ungefähr zu dieser Zeit schrieb Azis, ein Muslim aus Padang (Westsumatra), an das Zweigbüro und bat um Hilfe. Er hatte in den 1930er-Jahren mit australischen Pionieren studiert, aber während der japanischen Besetzung den Kontakt zu ihnen verloren. Jahre später stieß er zufällig auf eine Broschüre von Jehovas Zeugen. Er schrieb: „Als ich auf der Broschüre die Adresse von Jakarta sah, hoffte ich, die Verbindung zu ihnen wiederherstellen zu können.“ Das Zweigbüro schickte gleich den Kreisaufseher Frans van Vliet nach Padang. Es stellte sich heraus, dass Azis schon mit seinem Nachbarn Nazar Ris über die Wahrheit gesprochen hatte — ein Beamter, der viele Fragen hatte. Beide Männer und ihre Familien kamen in die Wahrheit. Azis wurde ein treuer Ältester und Nazar Ris ein Sonderpionier; viele von Nazars Kindern sind eifrige Zeugen Jehovas.
Frans van Vliet und seine jüngere Schwester Nel
Kurz darauf besuchte Frans van Vliet einen untätigen niederländischen Bruder in Balikpapan (Ostkalimantan), der gerade eine vom Krieg beschädigte Ölraffinerie wieder aufbaute. Frans begleitete den Bruder in den Dienst und ermunterte ihn, mit einigen Interessierten zu studieren. Bevor dieser Bruder in die Niederlande zurückging, hatte er in Balikpapan eine kleine Gruppe gegründet.
Später zog eine neugetaufte Schwester, Titi Koetin, nach Banjarmasin (Südkalimantan). Sie predigte ihren Verwandten, die einer Volksgruppe der Dayak angehörten, und half vielen von ihnen, die Wahrheit kennenzulernen. Einige kehrten in ihre Dörfer tief im Landesinneren von Kalimantan zurück und gründeten Gruppen, aus denen starke Versammlungen entstanden.
Herstellen von indonesischer Literatur
Da sich das Predigtwerk rasch ausbreitete, benötigten die Brüder mehr Literatur in Indonesisch. 1951 wurde das Buch „Gott bleibt wahrhaftig“ übersetzt. Da die Regierung jedoch eine Reform der indonesischen Rechtschreibung beschlossen hatte, musste der Zweig das Buch überarbeiten.a Als es schließlich herauskam, waren die indonesischen Leser einfach nur begeistert.
1953 druckte das Zweigbüro nach 12 Jahren wieder den Wachtturm in Indonesisch, und zwar mit einer Auflage von 250 Exemplaren. Die vervielfältigte Ausgabe hatte 12 Seiten und enthielt zuerst nur die Studienartikel. Drei Jahre später wurde sie auf 16 Seiten erweitert. Eine Druckerei erhielt den Auftrag, 10 000 Exemplare pro Monat herzustellen.
Die monatliche Ausgabe von Erwachet! erschien 1957 und erreichte schnell eine Auflage von 10 000 Exemplaren. Da es einen landesweiten Engpass an Druckpapier gab, mussten die Brüder eine Lizenz zum Kauf von Druckpapier beantragen. Der zuständige Regierungsbeamte meinte: „Ich betrachte den Menara Pengawal [den Wachtturm] als eine der besten Zeitschriften in Indonesien. Ich bin gerne bereit Ihnen zu helfen, damit Sie die Papiereinkaufsgenehmigung für Ihre neue Zeitschrift bekommen.“
a Seit 1945 gab es in Indonesien zwei große Rechtschreibreformen. Man wollte vor allem die niederländische Rechtschreibung ersetzen.
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Das Predigtwerk erreicht den OstenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Das Predigtwerk erreicht den Osten
Im Jahr 1953 wurde Peter Vanderhaegen in Indonesien als Kreisaufseher eingesetzt. Der ihm zugeteilte Kreis erstreckte sich über das ganze Land: 5 100 km von Ost nach West und 1 800 km von Nord nach Süd. Beim Bearbeiten dieses riesigen Gebiets erlebte er oft Haarsträubendes.
Peter Vanderhaegen
Er reiste 1954 nach Ostindonesien, einem Gebiet mit einer großen religiösen Vielfalt: Bali, auf der viele Hindus leben, Lombok und Sumbawa mit einem überwiegend muslimischen Bevölkerungsanteil, Flores mit vielen Katholiken sowie Sumba, Alor und Timor, die hauptsächlich protestantisch geprägt sind. Mit einem klapprigen Boot fuhr er Richtung Kupang, der Hauptstadt von Westtimor. Auf dem Weg dorthin gab er auf mehreren Inseln ein kurzes Zeugnis. Bruder Vanderhaegen erzählt: „Ich predigte zwei Wochen in Westtimor. Trotz des heftigen Regens war es mir möglich, meine ganze Literatur abzugeben. Außerdem konnte ich 34 Zeitschriftenabonnements abschließen und mehrere Bibelstudien beginnen.“ Sonderpioniere kümmerten sich weiter um die interessierten Personen und gründeten in Kupang eine Versammlung. Von dort breitete sich die gute Botschaft auf die Nachbarinseln Roti, Alor, Sumba und Flores aus.
Als protestantische Geistliche in Kupang mitbekamen, dass sich ihre Schäfchen in Gespräche mit Zeugen Jehovas einließen, tobten sie vor Eifersucht. Ein höherer Geistlicher befahl Thomas Tubulau, einem älteren Blechschmied mit nur einer Hand, sein Bibelstudium abzubrechen. Dann fügte er noch hinzu, es würde Blut fließen, wenn er nicht aufhöre, mit anderen über das Gelernte zu sprechen. Thomas erwiderte mutig: „So etwas würde kein Christ sagen. Mich werden Sie nie wieder in der Kirche sehen.“ Thomas wurde ein eifriger Königreichsverkündiger und seine Tochter eine Sonderpionierin.
Die Geistlichkeit von Westtimor war jedoch nach wie vor entschlossen, Jehovas Zeugen auszulöschen. 1961 gelang es ihr, das Religionsministerium und die Militärbehörden so unter Druck zu setzen, dass diese das Predigen von Haus zu Haus untersagten. Doch die Brüder passten ihre Predigtmethoden einfach an. Sie sprachen mit Menschen auf Märkten, an Brunnen, mit Fischern, die ihren Fang an den Strand brachten, und mit Familien, die auf dem Friedhof ihre Gräber pflegten. Nach einem Monat änderten die Militärbehörden ihre Meinung und gaben über Radio die Religionsfreiheit in Westtimor bekannt. Aber das Religionsministerium bestand weiter auf einem Verbot des Haus-zu-Haus-Dienstes. Die Brüder forderten die Beamten daher auf, dies schriftlich zu begründen. Da sie sich weigerten, predigten die Brüder weiter ungehindert von Haus zu Haus.
Als die Missionare Piet und Nell de Jager sowie Hans und Susie van Vuure 1962 in Papua ankamen, spürten auch sie die Feindseligkeit der Geistlichkeit. Drei führende Kirchenmänner stellten sich den Missionaren entgegen und verlangten von ihnen, woanders zu predigen. Von der Kanzel, in der Presse und über Rundfunk beschuldigte die Geistlichkeit Jehovas Zeugen fälschlicherweise, sie würden gegen die Regierung Stimmung machen. Kirchenmitglieder, die mit den Missionaren die Bibel studierten, wurden überredet, damit aufzuhören, bedroht oder bestochen. Auch Stammesführer bedrängte man, sich dem Predigtwerk zu widersetzen.
Doch das Ganze ging wie ein Schuss nach hinten los. So lud ein Stammesführer die Missionare in sein Dorf ein. Hans berichtet: „Nachdem der Häuptling alle Dorfbewohner zusammengerufen hatte, hielten Piet und ich zwei kurze Reden und erklärten unsere Tätigkeit. Dann führten unsere Frauen vor, wie wir an die Tür klopfen, nach einer Einladung hineingehen und über eine kurze Aussage aus der Bibel sprechen. Der Häuptling und seine Leute reagierten positiv, und es wurde uns gestattet, weiter uneingeschränkt zu predigen.“
Diese und andere Ereignisse spielten sich immer wieder nach dem gleichen Muster ab. Selten behinderten Muslime die Predigttätigkeit; in den allermeisten Fällen steckte die Geistlichkeit der Christenheit dahinter. Das ist noch heute so.
Rede und Antwort stehen
Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ihr werdet vor Statthalter und Könige geschleppt werden um meinetwillen, ihnen und den Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 10:18). Diese Worte haben sich in Indonesien oft bewahrheitet.
1960 veröffentlichte ein bekannter niederländischer Theologe in Jakarta ein Buch, das Jehovas Zeugen als falsche Christen denunzierte. Dieses Buch veranlasste viele Geistliche, gegen die Zeugen hart vorzugehen. Beispielsweise schrieben die Geistlichen einer Stadt an das Religionsministerium und beschuldigten die Zeugen, „ihre Kirchenmitglieder durcheinanderzubringen“. Die Beamten forderten die Brüder auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Daraufhin konnten sie die Fakten sachlich darlegen und ein gutes Zeugnis geben. Ein religiöser Beamter riet seinem Kollegen: „Lassen Sie Jehovas Zeugen in Ruhe. Sie wecken die schlafenden Protestanten auf.“
Beim Abladen einer Sendung von Paradies-Büchern (1963)
Eine Gruppe protestantischer Geistlicher wollte die Tätigkeit von Jehovas Zeugen in Papua verbieten lassen und appellierte deshalb 1964 an den Ausschuss für religiöse und soziale Angelegenheiten. Daraufhin beantragte das Zweigbüro, vor dem Ausschuss etwas zu ihrer Verteidigung vorbringen zu dürfen. Tagor Hutasoit erzählt: „Wir sprachen fast eine Stunde vor dem Ausschuss und erklärten unser biblisches Bildungswerk. Ein protestantischer Politiker war uns nicht gut gesonnen und beschuldigte uns zu Unrecht, in Papua religiöse Unruhen zu schüren. Die meisten muslimischen Mitglieder des Ausschusses waren uns gegenüber aber wohlwollend eingestellt. Sie erklärten uns: ‚Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit — also haben Sie auch das Recht zu predigen.‘ “ Nach dieser Sitzung verkündete ein hochrangiger Regierungsbeamter: „Die neue Regierung . . . hält an der Religionsfreiheit fest. Das schließt auch neue Religionen ein.“
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Missionare dürfen einreisenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Missionare dürfen einreisen
Am 9. Juli 1964 wurde die Bible Students Association (eine Rechtskörperschaft von Jehovas Zeugen) vom indonesischen Justizministerium offiziell registriert. Doch bevor die Brüder in den Genuss der uneingeschränkten Religionsfreiheit kamen, mussten sie die Registrierung zusätzlich beim Religionsministerium eintragen lassen. Das Ministerium zog in dieser Sache das Ressort für christliche Angelegenheiten mit hinzu. Es bestand aus Protestanten, die einen harten Kurs gegen Jehovas Zeugen verfolgten.
Eines Tages kam ein Bruder mit einem leitenden Beamten in Kontakt, der eng mit dem Minister für religiöse Angelegenheiten zusammenarbeitete. Als die beiden merkten, dass sie aus dem gleichen Dorf kamen, unterhielten sie sich angeregt in ihrem Dialekt. Der Bruder erzählte dem Beamten von den Schwierigkeiten, die die Zeugen mit dem Ressort für christliche Angelegenheiten hatten. Daraufhin arrangierte der Beamte für drei Brüder ein Treffen mit dem Minister — ein sympathischer, entgegenkommender Muslim. Der Minister gab am 11. Mai 1968 einen Erlass heraus, in dem Jehovas Zeugen als Religionsgemeinschaft anerkannt wurden, und bekräftigte damit ihr Recht, in Indonesien zu predigen.
Der leitende Beamte bot an, das Ressort für christliche Angelegenheiten zu umgehen, damit Missionare ein Visum erhalten würden. Mit der Unterstützung dieses unvoreingenommenen Beamten durften in den nächsten Jahren 64 Missionare nach Indonesien einreisen.
1968 predigten schon etwa 300 Missionare und Sonderpioniere sowie mehr als 1 200 Verkündiger die gute Botschaft in jedem Winkel des Landes. Die Schulung durch die Missionare war für die Brüder sehr wertvoll und beschleunigte ihren Fortschritt. Sie kam zur rechten Zeit, da sich bereits dunkle Wolken der Verfolgung abzeichneten.
Ein „Weihnachtsgeschenk“ für die Geistlichkeit
1974 nahm das Ressort für christliche Angelegenheiten seine langjährige Kampagne gegen Jehovas Zeugen wieder auf. Der Ministerialdirektor dieses Ressorts schrieb an alle regionalen Dienststellen des Religionsministeriums und behauptete fälschlicherweise, Jehovas Zeugen seien rechtlich nicht anerkannt. Er forderte die Beamten auf, Schritte gegen die Zeugen zu unternehmen, sobald sie ihnen „Probleme“ machen würden. Das war eigentlich ein Freibrief, Jehovas Zeugen zu verfolgen. Die meisten Beamten ignorierten die Anweisung. Für andere war es die perfekte Gelegenheit, die Zusammenkünfte und das Predigen von Haus zu Haus zu verbieten.
Am 24. Dezember 1976 berichtete eine Zeitung über das Verbot von Jehovas Zeugen
Ungefähr zur gleichen Zeit plante der Weltkirchenrat ein internationales Treffen in Jakarta — eine Aktion, die von den Muslimen dort als provokativ empfunden wurde. Da die religiösen Spannungen zu eskalieren drohten, sagte der Weltkirchenrat das Treffen ab. Viele Politiker waren unruhig und das Thema Missionieren war ein heißes Eisen geworden. Wie zu erwarten versuchte die Geistlichkeit, Jehovas Zeugen für alles verantwortlich zu machen, indem sie sich lautstark über ihr Predigen beschwerten. Daher sahen immer mehr Beamte die Zeugen in einem negativen Licht.
Die religiösen Spannungen nahmen weiter zu. Im Dezember 1975 fiel Indonesien in Osttimor (heute Timor-Leste) ein, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie. Sieben Monate später hatte man Osttimor gewaltsam eingenommen und im ganzen Land herrschte eine patriotische Stimmung. Die Brüder blieben politisch neutral und verweigerten den Kriegsdienst sowie den Fahnengruß. Das erregte den Zorn führender Militäroffiziere (Mat. 4:10; Joh. 18:36). Die Geistlichkeit holte zum letzten Schlag aus und forderte die Regierung nachdrücklich auf, gegen die Zeugen vorzugehen. Mitte Dezember 1976 bekam sie schließlich ihr „Weihnachtsgeschenk“: Die Regierung gab bekannt, dass Jehovas Zeugen verboten sind.
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Ein unvergesslicher KongressJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Ein unvergesslicher Kongress
VOM 15. bis 18. August 1963 versammelten sich in der Stadt Bandung (Westjava) Hunderte von Verkündigern aus dem ganzen Land sowie 122 internationale Gäste. Sie besuchten alle den Kongress „Ewige gute Botschaft“, den ersten internationalen Kongress in Indonesien.
Die Brüder mussten zahlreiche Hindernisse überwinden, um bei dem Ereignis dabei sein zu können. Aufgrund von nationalen Feiern zum Unabhängigkeitstag wurde zum Beispiel drei Mal der Veranstaltungsort gewechselt. Außerdem war die Regierung wegen der steigenden Inflation gezwungen, die Fahrpreise um das Vierfache zu erhöhen. Daraufhin wechselten einige Delegierte einfach das Beförderungsmittel. 70 Delegierte von Sulawesi reisten 5 Tage auf dem überfüllten Oberdeck eines Schiffes. Und ein Bruder war sogar 6 Tage zu Fuß unterwegs.
Die indonesischen Brüder waren begeistert, auf dem Kongress ihre Glaubensbrüder aus anderen Ländern kennenzulernen. Dazu gehörten zwei Mitglieder der leitenden Körperschaft, Frederick Franz und Grant Suiter. Ein Delegierter bemerkte: „Die Brüder machen alle so einen glücklichen Eindruck. Sie haben jede Menge Spaß und sind immer am Lächeln.“
Über 750 Personen besuchten den Kongress und 34 ließen sich taufen. Ronald Jacka berichtet: „Dieser unvergessliche Kongress veranlasste viele Interessierte, für die Wahrheit Stellung zu beziehen, und motivierte die einheimischen Brüder, sich mit Feuereifer ans Werk Jehovas zu machen.“
Ronald Jacka (rechts), der 1963 auf dem Kongress „Ewige gute Botschaft“ einen Vortrag hält, und ein Übersetzer
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Entschlossen, weiterzumachenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Ein Kongress unter Verbot, den ein Teil der Anwesenden vom Boot aus mitverfolgt
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Entschlossen, weiterzumachen
Als die Brüder im Zweigbüro in Jakarta von dem Verbot erfuhren, traten sie in Aktion. Ronald Jacka berichtet: „Wir brachten unsere vertraulichen Unterlagen, die Literaturvorräte und die Geldmittel des Zweiges in Sicherheit. Dann verlegten wir das Zweigbüro an einen geheimen Ort und verkauften unauffällig die ehemaligen Zweiggebäude.“
Die meisten Brüder predigten unerschrocken weiter. Schon vor dem Verbot hatten sie schwere Prüfungen bewältigt, und sie vertrauten weiter auf Jehova. Manche wurden von dem Verbot aber auch überrascht. Einige Älteste bekamen es mit der Angst zu tun und unterschrieben eine Erklärung, in der sie einwilligten, mit dem Predigen aufzuhören. Andere verrieten die Namen von Glaubensbrüdern. Das Zweigbüro sandte reife Brüder, um die Versammlungen zu stärken und denen zu helfen, die sich auf Zugeständnisse eingelassen hatten. Auch John Booth, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, besuchte Indonesien und gab dringend benötigten väterlichen Rat.
Ganz offensichtlich war es Jehova, der große Hirte, der sein Volk stärkte und tröstete (Hes. 34:15). Die Ältesten übernahmen wieder die Führung und die Verkündiger fanden neue Mittel und Wege, unauffällig zu predigen (Mat. 10:16). Viele Brüder kauften bei der Indonesischen Bibelgesellschaft moderne, erschwingliche Bibeln und boten sie den Leuten an der Tür an. Wo es möglich war, sprachen sie auch über die Königreichsbotschaft. Andere Verkündiger entfernten aus unseren Veröffentlichungen das Impressum und verteilten sie an interessierte Personen. Um weiter predigen zu können, gaben sich viele Pioniere auch als Haustürverkäufer aus, so wie es die Brüder schon unter der japanischen Besetzung gemacht hatten.
Margarete und Norbert Häusler
Im Jahr 1977 legte das Religionsministerium den Brüdern weitere Steine in den Weg: Die Visa der Missionare wurden nicht verlängert. Die meisten Missionare schickte man in andere Länder.a So erging es auch Norbert Häusler, der zusammen mit seiner Frau Margarete in Manado (Nordsulawesi) diente: „Hunderte von Brüdern und Schwestern kamen zum Flughafen, um uns zu verabschieden. Als wir Richtung Gangway liefen und uns noch einmal umdrehten, sahen wir ein Meer von Händen. Wie aus einem Mund schallte es zu uns herüber: ‚Vielen Dank. Danke, dass ihr hier wart!‘ — wir gingen an Bord und weinten.“
Skandal auf Sumba
Als sich das Verbot auf dem Archipel herumsprach, forderte die Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien ihre Mitglieder auf, jegliche Aktivität der Zeugen den Behörden zu melden. Das löste auf vielen Inseln eine Welle von Verhaftungen und Verhören aus.
Auf der Insel Sumba wurden 23 Brüder vom Militärbefehlshaber in Waingapu zum Militärlager bestellt. Sie sollten eine Erklärung unterschreiben und sich von ihrem Glauben lossagen. Da die Brüder das verweigerten, verlangte der Befehlshaber, dass sie am nächsten Tag wiederkommen. Das bedeutete hin und zurück einen Fußmarsch von 13 Kilometern.
Die Brüder meldeten sich frühmorgens bei dem Befehlshaber und wurden nacheinander aufgerufen, um die Erklärung zu unterschreiben. Wer sich weigerte, wurde von Soldaten mit dornigen Zweigen geschlagen. Die Soldaten vergaßen sich völlig und schlugen einige Brüder sogar bewusstlos. Die anderen Brüder warteten ab, bis sie an der Reihe waren. Zuletzt trat der junge Mone Kele nach vorne und schrieb etwas auf die Erklärung. Den Brüdern blieb fast das Herz stehen, während der Befehlshaber die Nerven verlor. Mone hatte geschrieben: „Ich bin entschlossen, für immer ein Zeuge Jehovas zu bleiben!“ Obwohl man ihn krankenhausreif schlug, blieb er in seiner Überzeugung ungebrochen.
Der Befehlshaber versuchte 11 Tage lang, die Treue der Brüder zu brechen. Er zwang sie, den ganzen Tag in der sengenden tropischen Sonne zu stehen. Außerdem mussten sie mehrere Kilometer auf allen vieren kriechen und über lange Strecken schwere Lasten tragen. Er hielt ihnen eine Stichwaffe an die Kehle und befahl ihnen, die Fahne zu grüßen — doch sie weigerten sich. Daraufhin ordnete er an, sie noch mehr zu schlagen.
Morgens schleppten sich die Brüder ins Lager und fragten sich, welche neuen Schikanen wohl heute auf sie warten würden. Unterwegs beteten sie gemeinsam und machten sich gegenseitig Mut, treu zu bleiben. Abends schleppten sie sich blutig geschlagen wieder nach Hause. Im Herzen empfanden sie aber die Freude, treu zu Jehova gestanden zu haben.
Als die Brüder im Zweigbüro von diesen Misshandlungen erfuhren, telegrafierten sie sofort Protestbriefe an den Militärbefehlshaber in Waingapu, den örtlichen Militärkommandanten in Timor, den Divisionskommandeur auf Bali, den militärischen Oberbefehlshaber in Jakarta und an andere Schaltstellen der Regierung. Dem Militärbefehlshaber in Waingapu war es peinlich, dass sein niederträchtiges Verhalten im ganzen Land publik geworden war, und so hörte er auf, die Brüder zu verfolgen.
„Jehovas Zeugen sind wie Nägel“
In den folgenden Jahren wurden unzählige Zeugen in Indonesien festgenommen, verhört oder körperlich misshandelt. „In einer Region schlug man den Brüdern die Vorderzähne aus“, erinnert sich der Missionar Bill Perrie. „Trafen die Brüder jemand, der seine Vorderzähne noch hatte, fragten sie scherzhaft: ‚Bist du neu? Oder hast du unterschrieben?‘ Obwohl die Brüder so viel durchmachen mussten, verloren sie nie ihre Freude und Begeisterung im Dienst für Jehova.“
„Im Gefängnis habe ich gelernt, mich noch mehr auf Jehova zu verlassen. Mein Glaube ist stärker als je zuvor“
Die unmenschliche Behandlung bestärkte sie noch mehr in ihrer Entschlossenheit, Jehova treu zu bleiben. Innerhalb von 13 Jahren wurden 93 Zeugen zu Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis zu vier Jahren verurteilt. Nachdem Musa Rade eine achtmonatige Gefängnisstrafe verbüßt hatte, besuchte er die Brüder in seiner Gegend und ermunterte sie weiterzupredigen. Er sagt: „Im Gefängnis habe ich gelernt, mich noch mehr auf Jehova zu verlassen. Mein Glaube ist stärker als je zuvor.“ Kein Wunder, dass einige Beobachter zu dem Schluss kamen: „Jehovas Zeugen sind wie Nägel. Je mehr man auf sie ‚schlägt‘, desto fester wird ihr Glaube.“
Verkündiger auf dem Weg zum Predigen auf Ambon (Molukken)
a Da sich die langjährigen Missionare Peter Vanderhaegen und Len Davis schon im Rentenalter befanden und Marian Tambunan (geborene Stoove) mit einem Indonesier verheiratet war, konnten sie im Land bleiben. Alle drei blieben während des Verbots eifrig tätig und erzielten schöne Ergebnisse beim Predigen.
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Sie gaben das Zusammenkommen nicht aufJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Hochzeitsfeiern waren der Deckmantel für Kongresse
INDONESIEN
Sie gaben das Zusammenkommen nicht auf
Während des Verbots trafen sich die meisten Versammlungen zur Anbetung in Privatwohnungen. Um aber nicht unnötig aufzufallen, sangen viele keine Königreichslieder. Es gab Orte, an denen die Behörden Razzien durchführten, doch im Allgemeinen beeinträchtigte das die Brüder nicht.
Oft nahm man Familientreffen oder Hochzeitsfeiern zum Anlass, größere Kongresse abzuhalten. Tagor Hutasoit erklärt: „In der Regel ließen die Paare ihre Ehe gesetzlich eintragen und erhielten eine polizeiliche Genehmigung für eine große Hochzeitsfeier. Bei der Feier saß das Brautpaar und seine Angehörigen auf der Bühne, während Brüder eine Reihe von biblischen Vorträgen hielten.“
Bei einem Kongress sprach ein Polizist Tagor an:
„Die meisten Hochzeiten dauern nur zwei oder drei Stunden. Warum dauern Ihre Hochzeiten den ganzen Tag?“
„Manche Brautpaare haben eine Menge Probleme und brauchen viele Tipps aus Gottes Wort.“
„Das macht Sinn“, meinte der Polizist und nickte zustimmend.
Unter dem Deckmantel einer Mehrfachhochzeit konnten Brüder in Jakarta einen Teil des Bezirkskongresses („Königreichseinheit“, 1983) abhalten. In einem großen Sportstadion kamen dazu rund 4 000 Brüder und Interessierte zusammen. 125 Personen hatten sich bereits vorher im Geheimen taufen lassen. Als das Verbot später gelockert wurde, hielten die Brüder sogar noch größere Kongresse ab. Bei einem wurden über 15 000 Anwesende gezählt.
Bau eines neuen Zweigbüros unter Verbot
Während der 80er- und 90er-Jahre ersuchte das Zweigbüro die Regierung wiederholt, das Verbot von Jehovas Zeugen aufzuheben. Auch Brüder in anderen Ländern schrieben an die indonesische Regierung sowie ihre Botschafter und fragten, warum Jehovas Zeugen in Indonesien verboten seien. Viele Beamte befürworteten eine Aufhebung des Verbots. Doch im Religionsministerium wurden die Bemühungen der Brüder von der einflussreichen Abteilung für Protestantismus immer wieder abgeblockt.
1990 zogen die Brüder in Erwägung, an einem unauffälligen Ort ein neues Zweigbüro zu bauen. Im gleichen Jahr genehmigte die leitende Körperschaft den Kauf eines Grundstücks in der Nähe von Bogor, einer Kleinstadt ungefähr 40 Kilometer südlich von Jakarta. Aber nur wenige einheimische Brüder hatten Bauerfahrung. Was nun?
Die Antwort kam durch die internationale Bruderschaft. Das Brooklyner Bauplanungsbüro und das regionale Planungsbüro in Australien lieferten die Architekturpläne. Etwa 100 internationale Freiwillige brachten während des zweijährigen Projekts das nötige Know-how ein.
Hosea Mansur, ein indonesischer Bruder, der die Verbindung zu den Behörden herstellte, berichtet: „Wenn muslimische Beamte auf meinem Bauhelm die Initialen H.M. sahen, dachten sie, der Buchstabe H stehe für hājjī, einen Ehrentitel, den man bekommt, wenn man nach Mekka pilgert. Deshalb brachten sie mir hohe Achtung entgegen. Dieses kleine Missverständnis machte es leichter, die Arbeit zu organisieren.“
Dieses Zweigbüro wurde während des Verbots gebaut
Die neuen Zweiggebäude wurden am 19. Juli 1996 der Bestimmung übergeben. John Barr, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, hielt die Ansprache. Zu den 285 Anwesenden gehörten 118 Vertreter verschiedener Zweige, ehemalige Missionare sowie die 59 Mitglieder der indonesischen Bethelfamilie. An den zwei darauffolgenden Tagen besuchten 8 793 Delegierte den Bezirkskongress „Boten des göttlichen Friedens“ in Jakarta.
Jehova befreit sein Volk
1998 trat der langjährige indonesische Präsident Soeharto (Suharto) von seinem Amt zurück und machte den Weg für eine neue Regierung frei. Gleichzeitig verstärkten die Brüder ihre Bemühungen, eine Aufhebung des Verbots zu erwirken.
Als der indonesische Staatsminister, Djohan Effendi, 2001 New York besuchte, besichtigte er auch das Bethel in Brooklyn und lernte drei Mitglieder der leitenden Körperschaft kennen. Was er sah, beeindruckte ihn sehr. Er äußerte anerkennend, dass Jehovas Zeugen weltweit in gutem Ruf stehen. Effendi befürwortete die Aufhebung des Verbots, sagte aber, das letzte Wort habe der Generalstaatsanwalt Indonesiens, Marzuki Darusman.
Auch Darusman sprach sich für die Aufhebung des Verbots aus. Feindlich gesinnte Beamte seines Büros zögerten die Angelegenheit aber in der Hoffnung hinaus, dass er bald abgelöst werden würde. Schließlich wurde Tagor Hutasoit am 1. Juni 2001 in das Büro des Generalstaatsanwalts gerufen. Er erinnert sich: „Genau in diesem Büro wurde mir vor 25 Jahren ein Dokument überreicht, das Jehovas Zeugen verbot. Doch an diesem Tag, dem letzten Tag für den Generalstaatsanwalt, gab er mir ein Dokument, das das Verbot widerrief.“
Am 22. März 2002 wurden Jehovas Zeugen in Indonesien offiziell beim Religionsministerium eingetragen. Der Ministerialdirektor sagte zu den Vertretern des Zweigbüros: „Das Registrierungsformular kann Ihnen keine Religionsfreiheit garantieren. Das kann nur Gott. Dieses Formular bescheinigt Ihnen, dass Ihre Religion bei der Regierung jetzt offiziell anerkannt ist. Sie haben nun die gleichen Rechte wie andere Religionen. Sie können sich immer an die Regierung wenden.“
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Brüderliche Liebe in NotzeitenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Brüderliche Liebe in Notzeiten
ERDBEBEN, Tsunamis und Vulkane bringen das Leben in Indonesien oft zum Erliegen. Bei solchen Katastrophen ist Jehovas Volk rasch zur Stelle, um den Betroffenen zu helfen — besonders ihren Glaubensbrüdern. 2005 beispielsweise wurde Gunungsitoli, die größte Stadt auf der Insel Nias (Nordsumatra), durch ein heftiges Erdbeben zerstört. Versammlungen von der Nachbarinsel Sumatra und das Zweigbüro schickten unverzüglich Hilfsgüter in die betroffene Region. Der Kreisaufseher und ein Vertreter des Zweigbüros flogen auf die Insel, um den Brüdern Mut zu machen und sie zu trösten. „Die Menschen um uns herum waren vor Angst wie gelähmt“, berichtet Yuniman Harefa, ein Ältester auf Nias. „Gottes Organisation reagierte schnell. Deshalb fühlten wir uns nicht alleingelassen.“
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Das Werk gewinnt an DynamikJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Zeugnisgeben auf einem Markt in Jakarta
INDONESIEN
Das Werk gewinnt an Dynamik
Unter den Kirchenführern kam es zu einem Aufschrei, als sie davon erfuhren, dass Jehovas Zeugen Religionsfreiheit gewährt worden war. Über 700 Geistliche und führende Laien aus sieben protestantischen Kirchen organisierten in Jakarta eine Veranstaltung. Sie wollten die Regierung aufstacheln, das Verbot wieder in Kraft zu setzen. Die Regierung ließ sich darauf aber nicht ein.
Sobald sich im Land die Aufhebung des Verbots herumgesprochen hatte, schrieben viele an das Zweigbüro und baten um Literatur oder ein Bibelstudium. 2003 gab es beim Gedächtnismahl über 42 000 Besucher — die Zahl war doppelt so hoch wie die der Verkündiger im Land. Fast 10 000 Personen besuchten einen Kongress in Jakarta. Darunter war auch ein hochrangiger Beamter des Religionsministeriums, der überrascht war, dass Jung und Alt versammelt waren und Bibelstellen in ihrer Bibel mitverfolgten. Der Beamte sicherte den Brüdern zu, die Falschinformationen richtigzustellen, die über Jehovas Zeugen im Umlauf waren.
Nach Ende des Verbots konnten auch viele Missionare wieder nach Indonesien zurückkehren. Zuerst kamen Josef und Herawati Neuhardta (von den Salomonen), Esa und Wilhelmina Tarhonen (aus Taiwan), Rainer und Felomena Teichmann (aus Taiwan) sowie Bill und Nena Perrie (aus Japan). Ihnen folgten neue Gileadabsolventen, die nach Nordsumatra, Kalimantan, Nordsulawesi und in andere entlegene Gebiete geschickt wurden.
„Es hat mir wirklich Freude gemacht, den Schülern zu helfen, ihre Lehr- und Redefähigkeit zu verbessern“ (Julianus Benig)
2005 führte das Zweigbüro zwei theokratische Schulen durch, die für das Land neu waren. Julianus Benig, einer der Unterweiser der Schule zur dienstamtlichen Weiterbildung (jetzt Schule für Königreichsverkündiger), erzählt: „Es hat mir wirklich Freude gemacht, den Schülern zu helfen, ihre Lehr- und Redefähigkeit zu verbessern und sich in der Organisation noch mehr einzubringen.“ Viele Absolventen dieser Schule sind jetzt Sonderpioniere oder Kreisaufseher. Die meisten Brüder, die die erste Klasse der Schule für reisende Aufseher (jetzt Schule für Kreisaufseher und ihre Frauen) besuchten, waren zwar anfangs unter Verbot geschult worden, aber die neue Schule rüstete sie für ihre Aufgaben noch besser aus. Ponco Pracoyo, der in der ersten Klasse war, schrieb: „Die Schule hat mir geholfen, mitfühlender zu werden und meine Rolle als Kreisaufseher verantwortungsbewusster auszufüllen. Sie hat mich belebt und motiviert!“
Dringender Bedarf an Königreichssälen
Während des 25-jährigen Verbots versammelten sich die Brüder zur Anbetung meistens in kleinen Wohnungen. Wenige Versammlungen hatten die finanziellen Mittel, einen Königreichssaal zu bauen, und es war fast unmöglich, Baugenehmigungen für neue Anbetungsstätten zu erhalten. Da viele Versammlungen aus allen Nähten platzten, rief das Zweigbüro den „Bereich Königreichssaalbau“ (jetzt Lokale Planungs- und Bauabteilung) ins Leben und half damit einem dringenden Bedarf ab.
Die Brüder auf der Insel Nias (Nordsumatra) waren die Ersten, denen das neue Bauprogramm zugutekam. Haogo’aro Gea, der schon lange zur Versammlung Gunungsitoli gehört, sagt: „Als wir erfuhren, dass wir einen neuen Königreichssaal bekommen würden, waren wir überglücklich. Das Zweigbüro schickte sieben Bauhelfer, um das Projekt zu leiten. Der Saal wurde 2001 fertiggestellt.“ Faonasökhi Laoli, ein Mitglied des örtlichen Baukomitees, erinnert sich: „Bislang kamen wir in kleinen Wohnungen zusammen und die Einwohner der Gemeinde blickten auf Jehovas Zeugen herab. Doch sobald der Königreichssaal fertig war, stieg die durchschnittliche Zahl der Anwesenden von 20 auf 40. Innerhalb eines Jahres erhöhte sich die Besucherzahl um das Fünffache. Unser Saal ist der schönste in der ganzen Gegend, und die Gemeinde begegnet Jehovas Zeugen jetzt mit Respekt.“
Königreichssaal in Bandung
2006 begannen die Brüder, ein Grundstück für den ersten Königreichssaal in Bandung (Westjava) zu suchen. Singap Panjaitan, ein Ältester des Baukomitees, berichtet: „Es dauerte ein Jahr, bis wir ein geeignetes Grundstück gefunden hatten. Um jedoch von den Behörden eine Baugenehmigung zu bekommen, mussten mindestens 60 Nachbarn, die keine Zeugen waren, ihr Einverständnis geben. 76 stimmten zu, einschließlich einer einflussreichen Dame, die anfangs gegnerisch eingestellt war. Als der Saal fertig war, luden wir unsere Nachbarn und den Bürgermeister von Bandung zum Tag der offenen Tür ein. Der Bürgermeister sagte: ‚Dieses saubere und ordentliche Gotteshaus setzt den Maßstab für alle anderen Kirchen.‘ “ Der zweigeschossige Königreichssaal wurde 2010 der Bestimmung übergeben.
Seit 2001 wurden in Indonesien über 100 Königreichssäle gebaut, doch es werden noch viel mehr benötigt.
a Der Lebensbericht von Herawati Neuhardt erschien im Erwachet! vom Februar 2011.
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Jehovas Namen voller Stolz bekannt machenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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Jehovas Namen voller Stolz bekannt machen
Während der langen Verbotszeit beachteten die Brüder in Indonesien Jesu weisen Rat, sich „vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben“ zu erweisen (Mat. 10:16). Als das Verbot endete, mussten viele erst lernen, „mit Freimut“ zu predigen (Apg. 4:31).
Einige Brüder zögerten beispielsweise, von Tür zu Tür zu predigen, und konzentrierten sich eher auf Rückbesuche und Bibelstudien. Manche scheuten sich davor, mit Muslimen zu sprechen. Viele stellten sich nicht als Zeugen Jehovas, sondern als Christen vor und benutzten anstelle der indonesischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung lieber Bibelübersetzungen anderer Kirchen.a Wieder andere verbreiteten biblische Literatur nur zurückhaltend.
Einige dieser Angewohnheiten waren Überbleibsel aus der Verbotszeit oder lagen in der Kultur begründet. Indonesier ziehen einen Kompromiss der Konfrontation vor und kommunizieren lieber indirekt als offen. Wie konnte den Brüdern geholfen werden, sich anzupassen?
Jehova sorgte durch reife Brüder für liebevollen Rat (Eph. 4:11, 12). 2010 kam zum Beispiel Stephen Lett, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, zu Besuch. Er ermunterte die Brüder, den Namen Gottes hochzuhalten, indem sie im Dienst so oft wie möglich die Neue-Welt-Übersetzung gebrauchen. Der Missionar Misja Beerens sagt: „Viele Verkündiger waren von Bruder Letts Vortrag sehr berührt. Ihnen wurde klar: Sie müssen sich als Zeugen Jehovas von anderen abheben und Gottes Wort voller Stolz verteidigen.“
In Indonesien bringen Muslime Jehovas Zeugen oft mit der Christenheit in Verbindung. Daher enthielt der indonesische Königreichsdienst folgenden wertvollen Hinweis: „Sich gleich zu Beginn des Gesprächs eindeutig als Zeuge Jehovas zu erkennen zu geben, ist meistens das Beste . . . Wir sind stolz darauf, Jehova zu vertreten, und wir möchten seinen Namen und Vorsatz in unserem zugeteilten Gebiet bekannt machen!“ Shinsuke Kawamoto, der im Zweigbüro in Indonesien dient, erzählt: „Diese direkte, aber taktvolle Vorgehensweise führt zu guten Ergebnissen. Viele Muslime finden Jehovas Zeugen interessant und wollen wissen, warum wir so anders sind. Ihre Neugier bietet uns die Gelegenheit, ein gutes Zeugnis zu geben.“
Verkündiger wurden auch angespornt, mehr Exemplare der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! abzugeben. Lothar Mihank, der Koordinator des Zweigkomitees, erklärt: „Die Zeitschriften helfen Menschen, uns kennenzulernen. Sie lockern den ‚Boden‘ und machen Menschen für die Wahrheit empfänglicher. Wenn wir sie überall verbreiten, können noch mehr etwas über Jehova erfahren.“
Öffentliches Zeugnisgeben zeigt Wirkung
2013 führte das indonesische Zweigbüro zwei neue Predigtmethoden ein, die von der leitenden Körperschaft genehmigt worden waren: das besondere öffentliche Zeugnisgeben in Ballungszentren und das öffentliche Zeugnisgeben im Versammlungsgebiet. Diese spannenden Entwicklungen ermöglichen es immer mehr Menschen, von der guten Botschaft zu hören.
Im Rahmen des öffentlichen Zeugnisgebens in Ballungszentren wurde der erste Infostand in einem Elektronik-Shoppingcenter in Westjakarta aufgestellt. Dann begannen auch Versammlungen, Infostände und Trolleys in ihrem Gebiet zu verwenden. Innerhalb eines Jahres hatte man in den Städten mehr als 400 Infostände und Trolleys im Einsatz. Was ist dadurch erreicht worden?
Yusak Uniplaita, ein Ältester in Jakarta, berichtet: „Bevor wir mit dem öffentlichen Zeugnisgeben anfingen, bestellte unsere Versammlung 1200 Zeitschriften pro Monat. Sechs Monate später waren es schon 6 000 und jetzt bestellen wir 8 000. Wir geben auch viele Bücher und Broschüren ab.“ In Medan (Nordsumatra) begann eine kleine Gruppe von Pionieren an drei Standorten mit dem Trolley-Dienst. Im ersten Monat verbreiteten sie 115 Bücher und rund 1800 Zeitschriften. Zwei Monate später gaben etwa 60 Pioniere an sieben Standorten über 1200 Bücher und 12 400 Zeitschriften ab. Der Missionar Jesse Clark sagt: „Diese neuen Predigtmethoden begeistern die Brüder und machen deutlich, dass es in Indonesien noch ein großes Potenzial gibt. Das öffentliche Zeugnisgeben ist nicht mehr wegzudenken!“
Die Sprache des Herzens
Indonesien liegt mitten in einer der sprachlich vielfältigsten Regionen der Erde.b Die meisten sprechen Indonesisch (die Verkehrssprache), wobei viele auch eine Regionalsprache verwenden — die Sprache ihres Herzens.
Das Toba-Batak-Übersetzerteam (Nordsumatra)
2012 beschloss das Zweigbüro, den Bedarf in den einzelnen Sprachen zu ermitteln. Tom Van Leemputten berichtet: „Wir starteten mit der Übersetzung in 12 einheimische Sprachen, die von rund 120 Millionen Menschen gesprochen werden. Als unsere javanesischen Übersetzer das erste Muster für ein Traktat in ihrer Sprache sahen, vergossen sie Freudentränen. Endlich hatten sie geistige Speise in ihrer eigenen Sprache!“
Trotzdem hielten die meisten Versammlungen ihre Zusammenkünfte weiter in Indonesisch ab, sogar in Regionen, wo die Mehrheit eine Eingeborenensprache spricht. Lothar Mihank erinnert sich: „2013 besuchten meine Frau Carmen und ich einen zweitägigen Kongress auf Nias (Nordsumatra). Die meisten der 400 Anwesenden sprachen Niassisch, doch alle Vorträge waren in Indonesisch. Nachdem ich mit den Rednern gesprochen hatte, gaben wir bekannt, dass das Programm am nächsten Tag in Niassisch stattfinden wird. Am nächsten Morgen zwängten sich mehr als 600 Personen in den Zuschauerraum.“ Carmen fügt hinzu: „Es war offensichtlich, dass die Anwesenden das Programm aufmerksamer verfolgten als am Tag zuvor, als die Vorträge in Indonesisch dargeboten wurden. Sie waren begeistert, die Botschaft der Bibel in ihrer Sprache zu hören und wirklich zu verstehen.“
Eine gehörlose Frau wird im Dienst angesprochen
In Indonesien können jetzt auch Gehörlose die Wahrheit in ihrer Sprache „hören“. Seit 2010 hat das Übersetzerteam für die Gebärdensprache sieben Broschüren und acht Traktate hergestellt. Außerdem organisierte das Zweigbüro 24 Gebärdensprachkurse, in denen über 750 Personen geschult wurden. Heute betreuen 23 Gebärdensprachversammlungen und -gruppen schätzungsweise drei Millionen Gehörlose in Indonesien.
Momentan besteht die Übersetzungsabteilung aus 37 Teams an 19 verschiedenen Orten. Es gibt 117 Übersetzer, die von 50 Brüdern und Schwestern unterstützt werden.
a Die vollständige Neue-Welt-Übersetzung in Indonesisch kam 1999 heraus. Die Übersetzer hatten sieben Jahre unter Verbot hart daran gearbeitet. Einige Jahre später wurden das zweibändige Bibellexikon Einsichten über die Heilige Schrift und die Watchtower Library auf CD-ROM veröffentlicht — eine bemerkenswerte Übersetzungsleistung.
b Indonesien hat 707 lebende Sprachen, im östlich liegenden Papua-Neuguinea sind es 838.
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Ein Zweigbüro über den WolkenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Ein Zweigbüro über den Wolken
Büros in der 31. Etage
2008 erreichte Indonesien eine Höchstzahl von 21 699 Verkündigern. Die Zweiggebäude, die man unter Verbot gebaut hatte, lagen sehr abgelegen und hatten ihre Kapazität erreicht. Ein größeres Zweigbüro in der Nähe von Jakarta wurde benötigt.
Etwa zwei Jahre später konnten neue Räumlichkeiten erworben werden, die sich sehr von den alten unterschieden. Es war die gesamte 31. Etage eines 42-geschossigen ultramodernen Büroturms in der Nähe von Zentraljakarta. Hinzu kamen 12 Etagen in einem nahe gelegenen Hochhaus, um mindestens 80 aus der Bethelfamilie unterzubringen. Außerdem kauften sie ein 5-geschossiges Gebäude für die Abteilungen des Heimbereichs.
Der Wohnbereich des Bethels verteilt sich über 12 Etagen
Ein Team von Baudienern aus verschiedenen Ländern arbeitete mit ortsansässigen Firmen zusammen, um die Büros und Wohnungen umzubauen. „Jehova half uns immer wieder, wenn wir vor scheinbar unlösbaren Problemen standen“, erzählt der Bauleiter Darren Berg. „Wir wollten zum Beispiel eine moderne Kläranlage einbauen. Weil die Behörden mit dieser Technologie aber nicht vertraut waren, verweigerten sie die Genehmigung. Ein einheimischer Bruder, der Ingenieur ist, wandte sich daraufhin an einen Beamten in leitender Position. Dieser genehmigte unseren Antrag umgehend und sagte, er vertraue den Brüdern völlig.“
„Wir brauchen uns nicht länger zu verstecken. Jehovas Zeugen werden jetzt wahrgenommen und jeder kann sehen, dass wir hierhergehören“
Am 14. Februar 2015 wurden die Räumlichkeiten des neuen Zweigbüros der Bestimmung übergeben. Anthony Morris III, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, hielt die Ansprache. Vincent Witanto Ipikkusuma, ein Mitglied des Zweigkomitees, sagt: „Jetzt befinden wir uns in einem renommierten Viertel, in dem einige der führenden Unternehmen Indonesiens ansässig sind. Wir brauchen uns nicht länger zu verstecken. Jehovas Zeugen werden jetzt wahrgenommen und jeder kann sehen, dass wir hierhergehören.“
Das Zweigkomitee von links nach rechts: Budi Sentosa Lim, Vincent Witanto Ipikkusuma, Lothar Mihank und Hideyuki Motoi
„Hier zu predigen ist der reinste Genuss!“
In den letzten Jahren sind immer mehr Brüder aus aller Welt nach Indonesien gezogen. Lothar Mihank erzählt: „Verkündiger aus anderen Ländern spielen in Indonesien eine wichtige Rolle. Sie bringen Erfahrung, Reife und Begeisterung in die Versammlungen und helfen ihnen, die weltweite Bruderschaft noch mehr zu schätzen.“ Was hat sie motiviert umzuziehen? Und wie ist es ihnen ergangen? Lassen wir sie einmal selbst zu Wort kommen.
Sie waren bereit
1. Janine und Dan Moore
2. Mandy und Stuart Williams
3. Casey und Jason Gibbs
4. Mari (vorne rechts) und Takahiro Akiyama (hinten rechts)
Jason und Casey Gibbs aus den Vereinigten Staaten berichten: „Wir schauten uns im Jahrbuch die Zahlen an und stellten fest, dass Indonesien eines der höchsten Verkündigerverhältnisse hat. Freunde, die sich schon zur Verfügung gestellt hatten, erzählten uns, wie viel Wachstum noch in Indonesien zu erwarten sei. Also telefonierten wir mit dem dortigen Zweigbüro, und die Brüder schickten uns nach Bali. Da sich in Indonesien gerade das englische Gebiet öffnete, konnten wir uns von Anfang an einbringen. Eigentlich wollten wir nur ein Jahr bleiben, doch jetzt sind es schon drei. Die meisten, denen wir predigen, haben noch nie etwas von Jehovas Zeugen gehört. Der Dienst macht so viel Freude!“
Stuart und Mandy Williams, ein australisches Ehepaar mittleren Alters, berichten: „Wir sind hierhergezogen, um Menschen zu finden, die nach der Wahrheit dürsten. In Malang (Ostjava) haben wir Hunderte englisch sprechende Studenten kennengelernt, die förmlich an unseren Lippen hängen, wenn wir mit ihnen über die gute Botschaft reden. Und sie lieben jw.org. Das Predigen hier ist einfach fantastisch!“
Takahiro und Mari Akiyama dienen als Pioniere in Yogyakarta auf der Insel Java. Sie erzählen: „Wir fühlen uns hier sicherer als zu Hause in Japan. Die Menschen sind freundlich und höflich, und viele von ihnen, besonders die jungen Leute, sind an anderen Religionen interessiert. An unserem Infostand konnten wir einmal rund 2 600 Zeitschriften in nur fünf Stunden abgeben.“
Dan und Janine Moore, ein Ehepaar Ende 50, erklären: „Im Dienst scharen sich die Menschen um uns. Wir lächeln sie an und sie lächeln zurück. Zuerst sind sie neugierig, dann interessiert und schließlich begeistert. Zeigen wir ihnen etwas in der Bibel, fragen manche: ‚Kann ich mir das aufschreiben?‘ Sie staunen, wie viel Weisheit in der Bibel steckt. Wir sind jetzt ein Jahr hier und bedauern, dass wir nicht schon früher gekommen sind. Wir haben nach unberührtem Gebiet gesucht und es gefunden!“
Misja und Kristina Beerens kamen 2009 als Missionare und dienen jetzt im Kreisdienst. Sie berichten: „Obwohl die Insel Madura (Ostjava) eines der konservativsten muslimischen Gebiete Indonesiens ist, reagieren die Menschen äußerst positiv. Oft halten die Leute mit ihrem Auto an und fragen nach Zeitschriften. Sie sagen: ‚Ich bin Muslim und lese diese Zeitschriften gern. Kann ich auch welche für meine Freunde haben?‘ Hier zu predigen ist der reinste Genuss!“
Die Felder sind weiß zur Ernte
Als Frank Rice 1931 in Jakarta ankam, lebten circa 60 000 000 Menschen in Indonesien. Heute ist es mit seinen 260 000 000 Einwohnern das Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Welt.
Inzwischen haben dort auch Jehovas Zeugen ein gewaltiges Wachstum erlebt. Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs gab es 1946 zehn treue Verkündiger. Heute gibt es im Land über 26 000 Verkündiger — ein eindeutiger Beweis für den Segen Jehovas. Und die 55 864 Anwesenden beim Gedächtnismahl 2015 kündigen weiteres großes Wachstum an.
Jesus sagte: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende“ (Mat. 9:37, 38). Jehovas Diener in Indonesien schließen sich dieser Bitte an. Sie sind entschlossen, in diesem Inselstaat weiter alles dafür zu tun, dass der große Name Jehovas geheiligt wird (Jes. 24:15).
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Schätze im Himmel bedeuteten ihm mehrJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Schätze im Himmel bedeuteten ihm mehr
Thio Seng Bie
GEBURTSJAHR: 1906
TAUFE: 1937
KURZPORTRÄT: Ein treuer Ältester, der Rassendiskriminierung erdulden musste. Erzählt von seiner Tochter Thio Sioe Nio
IM Mai 1963 brach in Westjava ein Aufstand gegen die dort lebenden Chinesen aus. Am stärksten betroffen war die Stadt Sukabumi, wo unsere Familie ein Transportunternehmen hatte. Hunderte Personen, darunter auch einige unserer Nachbarn, stürmten unkontrolliert in unser Haus. Wir kauerten uns ängstlich zusammen, während die Randalierer unser Hab und Gut zerschlugen oder plünderten.
Als die Meute wieder abzog, kamen andere Nachbarn und trösteten uns. Mein Vater saß mit ihnen auf dem Wohnzimmerboden. Zwischen unseren kaputt geschlagenen Sachen fand er seine große sundanesische Bibel. Er öffnete sie und erzählte unseren Nachbarn, dass diese Schwierigkeiten vorausgesagt worden waren. Dann erklärte er die wunderbare Königreichshoffnung.
Meinem Vater war es nie wichtig, Reichtum zu erwerben. Oft erinnerte er uns: „Geistige Dinge müssen Vorrang haben!“ Dank seines Eifers nahm nicht nur ich die Wahrheit an, sondern auch meine Mutter, meine fünf Geschwister, Papas 90-jähriger Vater sowie viele Verwandte und Nachbarn.
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Ein mutiger PionierJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Ein mutiger Pionier
André Elias
GEBURTSJAHR: 1915
TAUFE: 1940
KURZPORTRÄT: Ein mutiger Pionier, der trotz Verhören und Bedrohungen treu blieb
WÄHREND des Zweiten Weltkriegs erschienen André und seine Frau Josephine vor Beamten im Hauptquartier der gefürchteten japanischen Militärpolizei (kempeitai) in Sukabumi (Westjava). André wurde zuerst verhört. Man bombardierte ihn regelrecht mit Fragen. „Wer sind Jehovas Zeugen? Arbeiten Sie gegen die japanische Regierung? Sind Sie ein Spion?“
„Wir dienen dem allmächtigen Gott und haben nichts Unrechtes getan“, erwiderte André. Darauf griff der befehlshabende Offizier nach einem Samurai-Schwert an der Wand und holte damit aus.
„Was, wenn ich Sie jetzt umbringe?“, schnaubte er. André legte den Kopf auf den Schreibtisch und betete still. Nach einer langen Pause war auf einmal schallendes Gelächter zu hören. „Sie sind mutig!“, sagte der Offizier. Danach verhörte er Josephine. Als sie genau dasselbe sagte wie André, blaffte der Offizier sie an: „Sie sind keine Spione. Machen Sie, dass Sie wegkommen!“
Einige Monate später wurde André von „falschen Brüdern“ denunziert und viele Monate eingesperrt (2. Kor. 11:26). Er überlebte nur, weil er sich aus der Abflussrinne in seiner Zelle Essensreste herausfischte. Dennoch gelang es den Gefängniswärtern nicht, seine Treue zu brechen. Als Josephine ihn besuchen konnte, flüsterte er ihr durch die Gefängnisgitter zu: „Mach dir keine Sorgen. Ob die mich umbringen oder freilassen: Ich bleib Jehova auf jeden Fall treu. Die können mich hier als toten Mann raustragen, aber nicht als Verräter.“
Nach sechs Monaten Gefängnis verteidigte sich André selbst vor dem Obersten Gericht in Jakarta und wurde freigelassen.
Ungefähr 30 Jahre später, als die indonesische Regierung Jehovas Zeugen erneut verbot, zitierte der Bezirksstaatsanwalt in Manado (Nordsulawesi) André zu sich und fragte ihn: „Haben Sie gehört, dass Jehovas Zeugen jetzt verboten sind?“
„Ja“, sagte André.
„Werden Sie jetzt Ihre Religion aufgeben?“
André lehnte sich nach vorn, schlug sich leidenschaftlich auf die Brust und sagte mit durchdringender Stimme: „Sie können mir das Herz aus dem Leib reißen, aber Sie werden mich nie dazu bringen, meine Religion zu wechseln.“
Der Bezirksstaatsanwalt ließ André gehen und behelligte ihn nie wieder.
Nachdem André etwa 60 Jahre ein eifriger Pionier war, verstarb er im Jahr 2000 im Alter von 85 Jahren.
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Eine echte Tochter SarasJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Eine echte Tochter Saras
Titi Koetin
GEBURTSJAHR: 1928
TAUFE: 1957
KURZPORTRÄT: Eine Schwester, die durch ihre liebenswürdige Art ihren gegnerisch eingestellten Mann für die Wahrheit gewann. Erzählt von ihrem Sohn Mario Koetin
MEINE Mutter war eine warmherzige, zugängliche Person, die die Bibel liebte. Als sie Gertrud Ott kennenlernte, eine Missionarin in Manado (Nordsulawesi), stimmte sie einem Bibelstudium zu und kam in die Wahrheit. Doch mein Vater Erwin, ein namhafter Banker und später Vorsitzender der Börse in Jakarta, widersetzte sich vehement ihrem neuen Glauben.
Eines Tages stellte er meine Mutter wütend vor die Wahl:
„Deine Religion oder ich.“
Mutter überlegte sich gut, was sie darauf antworten sollte, und sagte dann freundlich: „Ich möchte beides — dich und Jehova.“
Mein Vater war sprachlos und sein Ärger verflog.
Mit der Zeit wurde er toleranter, weil er Mutter sehr liebte und ihre verständige Art schätzte.
Mutter wünschte sich aber, dass auch mein Vater ein Diener Jehovas wird. Nachdem sie deswegen intensiv gebetet hatte, erinnerte sie sich, dass mein Vater sehr gern Sprachen lernte. Also beschloss sie, zu Hause Bibeltexte in Englisch zu verteilen, und erklärte ihm: „Ich versuche mein Englisch zu verbessern.“ Als ihr klar wurde, wie wichtig ihm öffentliches Reden war, bat sie ihn, mit ihr die Aufgaben für die Theokratische Predigtdienstschule zu üben. Er stimmte zu. Da er gastfreundlich war, fragte sie ihn, ob sie den Kreisaufseher beherbergen könnten. Er war einverstanden. Und weil sie wusste, wie viel ihm seine Familie bedeutete, schlug sie freundlich vor, ob er sie nicht zum Kongress begleiten wollte. Er kam mit.
Meine Mutter war geduldig und überhaupt nicht aufdringlich. Das berührte allmählich Vaters Herz. Dann zog unsere Familie nach England, wo Vater Zusammenkünfte besuchte und sich mit John Barr anfreundete, einem späteren Mitglied der leitenden Körperschaft. Im gleichen Jahr ließ sich mein Vater taufen. Das löste bei meiner Mutter unbeschreibliche Freude aus. In den Jahren darauf überschüttete er sie nur so mit Liebe.
Alle mochten sie wegen ihrer liebenswürdigen Art
Einige unserer Freunde vergleichen meine Mutter mit Lydia, einer Christin aus dem 1. Jahrhundert, die außergewöhnlich gastfreundlich war (Apg. 16:14, 15). Mich erinnert sie eher an Sara, die sich gern ihrem Mann Abraham unterordnete (1. Pet. 3:4-6). Meine Mutter war eine treue und respektvolle Ehefrau mit einer engen Bindung zu Gott. Alle mochten sie. Es war ihr Vorbild, das meinem Vater half, in die Wahrheit zu kommen. Für mich war sie eine echte Tochter Saras.
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Putschversuch überlebtJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Putschversuch überlebt
Ronald Jacka
GEBURTSJAHR: 1928
TAUFE: 1941
KURZPORTRÄT: Er diente über 25 Jahre als Zweigdiener in Indonesien
IN DEN frühen Morgenstunden des 1. Oktober 1965 kam es zu einem Putschversuch. Truppen, die zur kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) gehörten, ermordeten dabei sechs führende Generäle. Die Regierung handelte schnell und gnadenlos. In einer sogenannten landesweiten „Gewaltorgie“ wurden fast 500 000 angebliche Kommunisten hingemordet.
Einige Wochen nach dem gescheiterten Putsch erzählte mir ein führender Militäroffizier, dass die Namen der religiösen Führer, die in unserem Gebiet liquidiert werden sollten, auf einer Liste standen — mein Name stand an erster Stelle. Er wollte mir sogar zeigen, wo man mein Grab ausgehoben hatte. Ich lehnte dankend ab. In dieser politisch stark aufgeheizten Atmosphäre wollte ich nicht in seiner Gesellschaft gesehen werden und meinen Ruf als neutraler Christ gefährden.
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50 Jahre ein SonderpionierJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
50 Jahre ein Sonderpionier
Alisten Lumare
GEBURTSJAHR: 1927
TAUFE: 1962
KURZPORTRÄT: Ein ehemaliger Polizeiinspektor, der über 50 Jahre im Sonderpionierdienst stand
IM Jahr 1964 erhielt ich die Zuteilung als Sonderpionier. Ich sollte eine kleine Versammlung in Manokwari (Westpapua) unterstützen, die von der Geistlichkeit vor Ort erbittert bekämpft wurde. Kurz nach meiner Ankunft stürmte ein protestantischer Geistlicher in mein Haus.
„Ich werde dieses Haus dem Erdboden gleichmachen und Manokwari von Jehovas Zeugen befreien“, donnerte er.
Aufgrund meiner Ausbildung zum Polizisten schüchterte mich sein Tobsuchtsanfall nicht ein. Ich reagierte gelassen, und schließlich ließ er mich in Ruhe (1. Pet. 3:15).
Damals gab es in Manokwari acht Verkündiger. Heute, über 50 Jahre später, gibt es in der Gegend sieben Versammlungen. 2014 besuchten mehr als 1 200 Personen den regionalen Kongress. Es erfüllt mein Herz mit tiefer Zufriedenheit, wenn ich beobachte, was Jehova in dieser abgelegenen Region alles vollbracht hat.
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Vom Boss einer kriminellen Bande zum geachteten BürgerJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Vom Boss einer kriminellen Bande zum geachteten Bürger
Hisar Sormin
GEBURTSJAHR: 1911
TAUFE: 1952
KURZPORTRÄT: Der ehemalige Rädelsführer einer Verbrecherbande wird später ein Mitglied des Zweigkomitees
BRUDER Sormin wurde einmal vom Leiter des Geheimdienstes in das Büro des Generalstaatsanwalts gerufen.
Der Beamte sagte: „Sie sind ein Indonesier. Seien Sie also offen zu mir. Was tun Jehovas Zeugen wirklich in Indonesien?“
Bruder Sormin erwiderte: „Lassen Sie mich meine Geschichte erzählen. Früher war ich der Rädelsführer einer Verbrecherbande, heute erkläre ich den Menschen die Botschaft der Bibel. Das ist es, was Jehovas Zeugen in Indonesien tun — sie verwandeln Nichtsnutze wie mich in geachtete Bürger.“
Der Leiter des Geheimdienstes erklärte später: „Ich höre viele Beschwerden über Jehovas Zeugen. Aber ich weiß, dass es eine gute Religion ist, weil sie Herrn Sormin geholfen hat, sich zu ändern.“
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Zu keinem Kompromiss bereitJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Zu keinem Kompromiss bereit
Daniel Lokollo
GEBURTSJAHR: 1965
TAUFE: 1986
KURZPORTRÄT: Ein Sonderpionier, der unter Verfolgung treu blieb
AM 14. April 1989 leitete ich in der Stadt Maumere auf der Insel Flores gerade eine Zusammenkunft, als Regierungsbeamte in das Gebäude eindrangen. Sie verhafteten mich sowie zwei Brüder und eine Schwester.
Die Gefängniswärter versuchten uns zum Fahnengruß zu zwingen. Als wir das ablehnten, wurden wir geschlagen und man versetzte uns Fußtritte. Anschließend mussten wir 5 Tage in der prallen Sonne stehen. Nachts zitterten wir auf dem harten Betonboden in den winzigen Zellen. Wir waren schmutzig und erschöpft und die Wunden schmerzten. Mehrfach setzte uns das Aufsichtspersonal unter Druck, Kompromisse zu machen. Aber für uns stand fest: „Auch wenn wir sterben müssen, wir werden die Fahne nicht grüßen.“ Wie unzählige Christen vor uns empfanden wir es als eine Ehre, „um der Gerechtigkeit willen [zu] leiden“ (1. Pet. 3:14).
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Gehorsam rettete uns das LebenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Gehorsam rettete uns das Leben
Blasius da Gomes
GEBURTSJAHR: 1963
TAUFE: 1995
KURZPORTRÄT: Ein Ältester, der sich während eines religiösen Konflikts auf Ambon (eine Molukkeninsel) liebevoll um seine Glaubensbrüder kümmerte
AM 19. Januar 1999 eskalierte die Feindseligkeit zwischen Muslimen und Christen. Nur drei Kilometer von unserem Zuhause entfernt kam es zu Gewaltausbrüchen. Es herrschten chaotische Zustände.a
Nachdem ich meine Familie in Sicherheit gebracht hatte, rief ich andere Verkündiger an, um zu fragen, wie es ihnen geht. Ich legte ihnen ans Herz, ruhig zu bleiben und gefährliche Gegenden zu meiden. Später besuchten wir Ältesten die Brüder und Schwestern. Wir stärkten sie im Glauben und ermunterten sie, in kleinen Gruppen zusammenzukommen.
Das Zweigbüro gab uns die Anweisung, alle Verkündiger zu evakuieren, die in gefährlichen Gegenden lebten. Das betraf mehrere Familien. Ein Bruder weigerte sich zu gehen und wurde später von einem bewaffneten Mob getötet. Doch jeder, der sich an die Anweisung des Zweigbüros hielt, überlebte.
a Der Konflikt wütete über zwei Jahre in der Provinz der Molukken. Zehntausende wurden aus ihrer Heimat vertrieben.
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Jehova hat unsere Erwartungen übertroffenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Jehova hat unsere Erwartungen übertroffen
Angeragō Hia
GEBURTSJAHR: 1957
TAUFE: 1997
KURZPORTRÄT: Er kehrte in seine Heimat, ein abgelegenes Dorf auf der Insel Nias, zurück und half beim Bau eines Königreichssaals mit
IM Jahr 2013 erfuhr unsere kleine Versammlung in Tugala Oyo eine begeisternde Neuigkeit: Wir würden einen neuen Königreichssaal bekommen. Die Behörden vor Ort begrüßten das Projekt. Auch 60 Nachbarn waren einverstanden und unterschrieben eine Petition. Ein Nachbar sagte uns: „Ihr könnt auch 200 Unterschriften kriegen, wenn ihr sie braucht.“
Zwei Brüder, die beim Bau von Königreichssälen schon Erfahrung hatten, kamen und beaufsichtigten den Bau. Der Saal wurde im November 2014 fertiggestellt. Wir hätten uns nie träumen lassen, dass wir mal so eine schöne Anbetungsstätte bekommen. Jehova hat unsere Erwartungen wirklich übertroffen!
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Endlich wieder zusammen!Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2016
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INDONESIEN
Endlich wieder zusammen!
Erzählt von Linda und Sally Ong
Linda: Mit 12 erfuhr ich von meiner Mutter, dass ich noch eine jüngere Schwester habe. Meine Eltern hatten sie zur Adoption freigegeben. Aber ich hatte keine Chance, sie kennenzulernen. Ob sie wohl auch von Geburt an gehörlos war?
Sally: Ich wusste nichts von meiner Adoption. Meine Kindheit war traurig und einsam. Nicht nur, dass ich von Geburt an gehörlos war; meine „Mutter“ verprügelte mich auch und behandelte mich wie ein Dienstmädchen. Dann lernte ich Zeugen Jehovas kennen und begann die Bibel zu studieren. Als meine „Mutter“ das mitbekam, schlug sie mich mit einem Gürtel und wechselte die Türschlösser aus, sodass ich das Haus nicht verlassen konnte. Als ich 20 war, lief ich von zu Hause weg und kam bei Brüdern unter. Anfang 2012 ließ ich mich taufen.
Linda: Mit 20 begann ich ein Bibelstudium mit Jehovas Zeugen. Später besuchte ich Bezirkskongresse in Jakarta, wo das Programm für Gehörlose übersetzt wurde. Ich lernte viele andere Gehörlose kennen, unter anderem auch Sally, eine junge Zeugin aus Nordsumatra. Ich spürte, dass uns etwas verbindet, dachte mir aber nichts weiter dabei.
Sally: Linda und ich wurden gute Freundinnen. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns ähnlich sehen, verwarf den Gedanken jedoch gleich wieder.
Linda: Am Tag vor meiner Taufe im August 2012 hatte ich den innigen Wunsch, meine jüngere Schwester zu finden. Ich flehte Jehova an: „Bitte, lass mich meine Schwester finden, damit ich ihr etwas über dich erzählen kann.“ Kurz darauf erhielt meine Mutter unerwartet eine SMS über den Verbleib meiner Schwester. Das setzte eine Reihe von Ereignissen in Gang, die mich zu meiner Schwester führten.
Sally: Als mir Linda erklärte, dass ich ihre verloren geglaubte Schwester bin, flog ich sofort zu ihr nach Jakarta. Nachdem ich den Sicherheitsbereich des Flughafens verlassen hatte, sah ich sie — zusammen mit meinem Vater, meiner Mutter und meiner anderen älteren Schwester, die alle auf mich warteten. Ich zitterte am ganzen Körper. Wir umarmten und küssten uns. Meine Mutter wollte mich gar nicht mehr loslassen. Alle weinten. Als sich mein Vater und meine Mutter unter Tränen für die Adoption entschuldigten, flossen noch mehr Tränen und wir umarmten uns noch inniger.
Linda: Weil wir so ganz anders groß geworden waren und Unterschiedliches erlebt hatten, mussten wir uns erst aneinander gewöhnen. Aber wir stehen uns sehr nahe.
Sally: Meine Schwester und ich wohnen heute zusammen und gehören zur gleichen Gebärdensprachversammlung in Jakarta.
Linda: Sally und ich waren mehr als 20 Jahre voneinander getrennt. Wir danken Jehova, dass wir endlich wieder zusammen sind!
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