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  • „Der Richter der ganzen Erde“ wird immer tun, was richtig ist
    Der Wachtturm (Studienausgabe) 2017 | April
    • Abraham ist zuversichtlich, dass Jehova über die Menschen von Sodom und Gomorra ein vollkommen gerechtes Urteil fällt

      „Der Richter der ganzen Erde“ wird immer tun, was richtig ist

      „Der FELS, vollkommen ist sein Tun, denn Gerechtigkeit sind alle seine Wege“ (5. MO. 32:4)

      LIEDER: 112, 89

      WIE HELFEN UNS FOLGENDE BIBELSTELLEN, WENN UNS UNRECHT WIDERFÄHRT?

      • Micha 7:7

      • Sprüche 19:3

      • Matthäus 18:15

      1. Wodurch wird deutlich, dass Abraham auf Jehova und seine Gerechtigkeit vertraute? (Siehe Anfangsbild.)

      „WIRD der Richter der ganzen Erde nicht tun, was recht ist?“ (1. Mo. 18:25). Diese Frage spiegelt Abrahams Vertrauen wider, dass Jehova über Sodom und Gomorra vollkommen gerecht urteilen würde. Abraham war überzeugt, Jehova würde niemals ungerecht handeln und „den Gerechten mit dem Bösen zu Tode . . . bringen“. Das war für Abraham „undenkbar“. Etwa 400 Jahre später sollte Moses über Jehova aufschreiben: „Der FELS, vollkommen ist sein Tun, denn Gerechtigkeit sind alle seine Wege. Ein Gott der Treue, bei dem es kein Unrecht gibt; gerecht und gerade ist er“ (5. Mo. 31:19; 32:4).

      2. Woher wissen wir, dass Jehova nicht ungerecht sein kann?

      2 Warum war sich Abraham so sicher, dass Jehova immer gerecht urteilt? Weil Jehova das beste Beispiel in Sachen Recht und Gerechtigkeit ist. Die hebräischen Wörter, die mit „Recht“ und „Gerechtigkeit“ wiedergegeben werden, findet man in den Hebräischen Schriften oft zusammen. In ihrer Bedeutung gibt es kaum einen Unterschied. Da Jehova der Maßstab für Gerechtigkeit ist, ist seine Sicht der Dinge immer die richtige. Außerdem lesen wir in der Bibel über ihn: „Er liebt Gerechtigkeit und Recht“ (Ps. 33:5).

      3. Führe ein Beispiel dafür an, wie ungerecht es in der heutigen Welt zugeht.

      3 Jehova ist immer gerecht. Was für ein Trost für jeden, der Gerechtigkeit liebt, zumal Ungerechtigkeit heute an der Tagesordnung ist. Manchmal fallen Menschen großem Unrecht zum Opfer. Es gibt zum Beispiel Personen, die zufolge eines Justizirrtums inhaftiert wurden. Erst als man DNA-Analysen als Beweismittel einführte und Fälle wieder aufrollte, konnten einige, die jahrzehntelang unschuldig im Gefängnis waren, wieder freigelassen werden. Solche unrechtmäßigen Haftstrafen führen natürlich zu Enttäuschung und sogar zu Wut. Für uns als Christen mag es allerdings eine Art Ungerechtigkeit geben, die uns noch mehr zusetzt.

      IN DER CHRISTENVERSAMMLUNG

      4. Wie könnte unser Glaube auf die Probe gestellt werden?

      4 Es befremdet uns nicht, außerhalb der Christenversammlung mit Ungerechtigkeit konfrontiert zu werden. Doch es könnte unseren Glauben auf die Probe stellen, wenn wir oder jemand anders innerhalb der Versammlung anscheinend ungerecht behandelt werden. Wie reagierst du darauf? Wird das für dich zum Stolperstein?

      5. Warum sollte es uns nicht überraschen, wenn wir oder jemand anders in der Versammlung ungerecht behandelt werden?

      5 Da wir alle unvollkommen und der Sünde unterworfen sind, kann es in der Versammlung zu Ungerechtigkeiten kommen — verursacht durch andere oder durch uns selbst (1. Joh. 1:8). Obwohl das selten vorkommt, überrascht das treue Diener Jehovas nicht, noch bringt es sie zu Fall. Damit wir in diesen Situationen Jehova gegenüber treu und loyal bleiben können, hat er in seinem Wort für praktischen Rat gesorgt (Ps. 55:12-14).

      6, 7. Welches Unrecht widerfuhr einem Bruder, und welche Eigenschaften halfen ihm, damit richtig umzugehen?

      6 Betrachten wir das Beispiel von Willi Diehl. Von 1931 an setzte er sich treu im Bethel in Bern (Schweiz) ein. 1946 erhielt er die Einladung zur 8. Klasse der Gileadschule in New York (USA). Danach wurde er als Kreisaufseher in die Schweiz gesandt. In seinem Lebensbericht war zu lesen: „Im Mai 1949 informierte ich das Büro der Gesellschaft in Bern, dass ich . . . heiraten wollte.“ Wie war die Reaktion? „Keinerlei Vorrechte außer dem allgemeinen Pionierdienst.“ Wie Bruder Diehl berichtete, durfte er keine Vorträge mehr halten. „Viele grüßten uns nicht mehr; sie behandelten uns wie Ausgeschlossene.“

      7 Wie ging Bruder Diehl mit dieser Situation um? Er erzählte: „Wir wussten jedoch, dass das Heiraten nicht unbiblisch war; also nahmen wir Zuflucht zum Gebet und setzten unser Vertrauen auf Jehova.“ Später wurde die falsche Ansicht zum Thema Heiraten richtiggestellt und Bruder Diehl erhielt seine Aufgaben zurück. Seine Loyalität Jehova gegenüber wurde belohnt.a Fragen wir uns einmal: „Wäre ich in so einer Situation ähnlich eingestellt? Würde ich geduldig auf Jehova warten oder wäre ich versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen?“ (Spr. 11:2; lies Micha 7:7).

      8. Warum könnten wir fälschlicherweise denken, wir selbst oder jemand anders seien ungerecht behandelt worden?

      8 Es kann aber auch vorkommen, dass wir nur denken, wir selbst oder jemand anders in der Versammlung seien ungerecht behandelt worden. Aufgrund unserer Unvollkommenheit könnte bei uns ein falscher Eindruck entstanden sein oder es könnten uns nicht alle Fakten bekannt sein. Doch ganz gleich ob wir eine Sache richtig oder falsch eingeschätzt haben, wichtig ist, uns vertrauensvoll an Jehova zu wenden und loyal zu ihm zu stehen. Das wird uns davor bewahren, „gegen Jehova [zu ergrimmen]“. (Lies Sprüche 19:3.)

      9. Welche Beispiele besprechen wir im Folgenden?

      9 Auch in biblischer Zeit widerfuhr Jehovas Dienern Unrecht. Dazu drei Beispiele. Zuerst geht es um Abrahams Urenkel Joseph und darum, was er mit seinen Brüdern durchmachte. Im nächsten Artikel besprechen wir Jehovas Handlungsweise mit König Ahab von Israel sowie einen Vorfall in Verbindung mit dem Apostel Petrus in Antiochia (Syrien). Wie helfen uns diese Berichte, uns weiter auf unser Verhältnis zu Jehova zu konzentrieren, besonders wenn wir meinen, ungerecht behandelt worden zu sein?

      JOSEPH — EIN OPFER VON UNGERECHTIGKEIT

      10, 11. (a) Welches Unrecht widerfuhr Joseph? (b) Welche Gelegenheit ergab sich, als Joseph im Gefängnis war?

      10 Joseph, ein treuer Diener Jehovas, wurde nicht nur von Außenstehenden ungerecht behandelt, sondern auch von seinen leiblichen Brüdern, was ihm noch mehr zusetzte. Er war noch keine zwanzig, als ihn seine Brüder entführten und als Sklaven verkauften. Gegen seinen Willen wurde er nach Ägypten gebracht (1. Mo. 37:23-28; 42:21). In dem fremden Land beschuldigte man ihn später der versuchten Vergewaltigung und sperrte ihn ohne Gerichtsverfahren ein (1. Mo. 39:17-20). Die Tortur, die er als Sklave und Gefangener durchmachte, dauerte rund 13 Jahre. Wie können uns die Erfahrungen Josephs helfen, wenn uns ein Glaubensbruder ungerecht behandelt?

      11 Als Joseph im Gefängnis war, kam auch der oberste Mundschenk des Königs ins Gefängnis. Eines Nachts hatte der Mundschenk einen Traum. Mit Gottes Hilfe deutete Joseph den Traum und erklärte, der Mundschenk würde wieder in sein Amt am Hof Pharaos eingesetzt werden. Joseph nutzte die Gelegenheit und schilderte seine Lage. Von dem, was Joseph erwähnte, können wir viel lernen — aber auch von dem, was er nicht erwähnte (1. Mo. 40:5-13).

      12, 13. (a) Woher wissen wir, dass Joseph die Ungerechtigkeiten nicht einfach stillschweigend hinnahm? (b) Was erwähnte Joseph gegenüber dem Mundschenken offensichtlich nicht?

      12 Lies 1. Mose 40:14, 15. Joseph sagte interessanterweise von sich selbst, er sei „entführt“ (wörtlich: „gestohlen“) worden. Ihm war also ganz offensichtlich Unrecht widerfahren. Wie er selbst sagte, war er für etwas eingesperrt worden, dessen er sich nicht schuldig gemacht hatte. Deshalb bat er den Mundschenken, ihn vor Pharao zu erwähnen. Was wollte er damit bezwecken? Er erklärte: „Du sollst mich aus diesem Haus herausbringen.“

      13 Waren das die Worte eines Mannes, der alles stillschweigend hinnahm? Nein. Joseph war sich sehr wohl bewusst, dass er Opfer vieler Ungerechtigkeiten geworden war. Er erklärte dem Mundschenken seine missliche Lage und erhoffte sich Hilfe von ihm. Erzählte er aber jemandem, dass ihn die eigenen Brüder entführt hatten? Nichts weist darauf hin. Das wusste offensichtlich nicht einmal Pharao. Als Josephs Brüder nach Ägypten kamen und sich wieder mit ihm versöhnten, empfing Pharao sie freundlich. Er lud sie ein, sich in Ägypten anzusiedeln und das Beste des Landes zu genießen (1. Mo. 45:16-20).

      Ein Problem gerät außer Kontrolle, weil ein Mann darüber spricht

      Durch negatives Gerede kann ein Problem außer Kontrolle geraten (Siehe Absatz 14)

      14. Was schützt uns vor negativem Gerede, selbst wenn uns innerhalb der Versammlung Ungerechtigkeiten widerfahren?

      14 Wer sich heute ungerecht behandelt fühlt, sollte sich vor negativem Gerede hüten. Natürlich ist es angebracht, sich an die Ältesten zu wenden und sie um Unterstützung zu bitten, falls jemand in der Versammlung schwer gesündigt hat (3. Mo. 5:1). Oft geht es allerdings nicht um schwerwiegende Sünden. Dann dürfte es möglich sein, das Problem ohne Dritte zu lösen, auch ohne die Ältesten. (Lies Matthäus 5:23, 24; 18:15.) Halten wir uns dabei loyal an biblische Grundsätze. Manchmal wird uns vielleicht bewusst, dass wir in Wirklichkeit gar nicht ungerecht behandelt worden sind. Bestimmt sind wir dann sehr erleichtert, unseren Bruder nicht verleumdet zu haben. Das hätte die Sache nur noch verschlimmert. Denken wir daran: Verletzende Worte werden eine Situation nie verbessern — ob wir im Recht sind oder nicht. Wenn wir Jehova und unseren Brüdern gegenüber loyal bleiben, wird uns das vor so einem Fehler bewahren. Der Psalmist sagte über den, der „untadelig wandelt“: „Er hat nicht verleumdet mit seiner Zunge. Seinem Gefährten hat er nichts Böses getan, und keine Schmähung hat er gegen seinen vertrauten Bekannten erhoben“ (Ps. 15:2, 3; Jak. 3:5).

      UNSER VERHÄLTNIS ZU JEHOVA IST DAS WICHTIGSTE

      15. Wie kam Joseph sein Verhältnis zu Jehova zugute?

      15 Von Joseph können wir aber noch etwas Wichtigeres lernen. Es hat mit seinem Verhältnis zu Jehova zu tun. In den 13 schweren Jahren, die Joseph durchmachte, war zu erkennen, dass er die Dinge so sah wie Jehova (1. Mo. 45:5-8). Er gab Jehova nie die Schuld für das, was er durchmachte. Joseph vergaß zwar nicht, was ihm zugefügt wurde, aber er ließ sich dadurch auch nicht verbittern. Doch vor allem ließ er sich nicht durch die Unvollkommenheiten und das Fehlverhalten anderer von Jehova trennen. Er stand loyal zu ihm und konnte so erleben, wie Jehova Ungerechtigkeiten wiedergutmachte und ihn und seine Familie segnete.

      16. Warum sollten wir uns bei Ungerechtigkeiten in der Versammlung noch enger an Jehova halten?

      16 Uns muss das Verhältnis zu Jehova genauso viel bedeuten und wir müssen es schützen. Die Unvollkommenheiten unserer Brüder dürfen uns nie von dem Gott trennen, den wir lieben und anbeten (Röm. 8:38, 39). Verhalten wir uns wie Joseph, wenn wir von Mitbrüdern ungerecht behandelt werden. Versuchen wir, Jehova noch näher zu kommen und seine Sichtweise einzunehmen. Haben wir aus biblischer Sicht alles getan, um das Problem zu lösen, sollten wir die Sache Jehova überlassen. Vertrauen wir darauf, dass er zu seiner Zeit auf seine Weise alles korrigieren wird.

      VERTRAUE DEM „RICHTER DER GANZEN ERDE“

      17. Woran wird deutlich, dass wir dem „Richter der ganzen Erde“ vertrauen?

      17 Solange wir noch in dem gegenwärtigen System der Dinge leben, müssen wir also mit Ungerechtigkeiten rechnen. In seltenen Fällen könnten wir oder jemand anders auch in der Versammlung etwas erleben oder beobachten, was für uns wie eine Ungerechtigkeit aussieht. Lassen wir uns dadurch nicht zu Fall bringen (Ps. 119:165). Bleiben wir stattdessen Jehova gegenüber loyal und stützen uns im Gebet auf ihn. Erkennen wir gleichzeitig bescheiden an, dass uns wahrscheinlich nicht alle Fakten bekannt sind. Machen wir uns bewusst, dass das Problem vielleicht unsere unvollkommene Sicht der Dinge ist. Meiden wir wie Joseph negatives Gerede, weil sonst alles nur noch schlimmer wird. Und zu guter Letzt: Seien wir entschlossen, loyal und geduldig zu warten, bis Jehova sich der Sache annimmt, statt sie selbst in die Hand zu nehmen. Wenn wir so vorgehen, ist Jehova mit uns und wird uns segnen, so wie es auch bei Joseph der Fall war. Eins ist sicher: Jehova, „der Richter der ganzen Erde“, tut immer das, was richtig ist, „denn Gerechtigkeit sind alle seine Wege“ (1. Mo. 18:25; 5. Mo. 32:4).

      18. Worum geht es im nächsten Artikel?

      18 Im nächsten Artikel geht es um zwei weitere Situationen ungerechter Behandlung, zu denen es in biblischer Zeit unter Gottes Volk kam. Es wird herausgestellt, was Demut und die Bereitschaft zu vergeben mit Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit zu tun haben.

      a Siehe den Lebensbericht von Willi Diehl „Jehova ist mein Gott, auf den ich vertrauen will“ im Wachtturm vom 1. November 1991.

  • Teilst du Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit?
    Der Wachtturm (Studienausgabe) 2017 | April
    • Der Apostel Petrus isst in Antiochia mit jüdischen Christen, nicht aber mit nichtjüdischen Christen

      Teilst du Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit?

      „Ich werde den Namen Jehovas verkünden. . . . Ein Gott der Treue, bei dem es kein Unrecht gibt“ (5. MO. 32:3, 4)

      LIEDER: 110, 2

      WIE HELFEN UNS FOLGENDE BIBELSTELLEN, WENN UNS UNRECHT WIDERFÄHRT?

      • 5. Mose 32:4

      • 1. Petrus 5:5

      • Matthäus 6:14

      1, 2. (a) Welches Unrecht widerfuhr Naboth und seinen Söhnen? (b) Mit welchen beiden Eigenschaften beschäftigen wir uns jetzt?

      EIN Vater wird zu Unrecht eines schweren Vergehens beschuldigt. Zeugen, die als Nichtsnutze bekannt sind, sagen falsch gegen ihn aus, woraufhin der unschuldige Mann verurteilt wird. Familie und Freunde sind völlig entsetzt. Gerechtigkeitsliebende Menschen überkommt ein Gefühl der Ohnmacht, als sie Zeugen der Hinrichtung dieses Mannes und seiner Söhne werden. Das ist keine erfundene Geschichte. Genau das erlebte ein treuer Diener Jehovas, der während der Regierung König Ahabs von Israel lebte: Naboth (1. Kö. 21:11-13; 2. Kö. 9:26).

      2 Der vorliegende Artikel geht nicht nur auf den Bericht über Naboth ein, sondern auch auf einen treuen Ältesten in der Christenversammlung des 1. Jahrhunderts, der sich in einer Situation falsch verhielt. Beide Berichte machen deutlich, wie unverzichtbar Demut und die Bereitschaft zu vergeben sind, wenn wir Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit teilen möchten.

      EIN FALL VON RECHTSVERDREHUNG

      3, 4. Was für ein Mensch war Naboth, und warum war er nicht bereit, seinen Weingarten zu verkaufen?

      3 Naboth lebte zu einer Zeit, in der die meisten Israeliten dem schlechten Beispiel König Ahabs und seiner Frau, der bösen Königin Isebel, folgten. Diese Baalsanbeter hatten weder Respekt vor Jehova noch Wertschätzung für seine Maßstäbe. Ganz anders Naboth. Ihm war sein Verhältnis zu Jehova mehr wert als sein Leben.

      4 Lies 1. Könige 21:1-3. Als Ahab Naboth anbot, seinen Weingarten abzukaufen oder ihm im Tausch einen besseren dafür zu geben, lehnte Naboth ab. Warum? Er erklärte respektvoll: „Es ist im Hinblick auf Jehovas Standpunkt für mich undenkbar, dass ich dir den Erbbesitz meiner Vorväter gebe.“ Naboth lehnte ab, weil das Gesetz Jehovas einem Israeliten verbot, das Stammeserbe dauerhaft zu verkaufen (3. Mo. 25:23; 4. Mo. 36:7). Naboth hatte also wirklich Jehovas Sicht der Dinge.

      5. Welche Rolle spielte Isebel bei der Ermordung von Naboth?

      5 Als Naboth das Angebot ablehnte, ließen sich König Ahab und seine Frau leider zu einer Reihe von verwerflichen Taten hinreißen. Isebel fädelte die Falschaussage der Zeugen ein, um doch den Weingarten für ihren Mann zu bekommen. Daraufhin wurden Naboth und seine Söhne hingerichtet. Wie würde Jehova auf dieses himmelschreiende Unrecht reagieren?

      GOTT URTEILT GERECHT

      6, 7. Woran wird deutlich, dass Jehova das Recht liebt, und warum muss das für Naboths Verwandte und Freunde tröstend gewesen sein?

      6 Umgehend sandte Jehova Elia zu Ahab. Völlig zu Recht bezichtigte Elia Ahab des Mordes und Diebstahls. Wie fiel Jehovas Urteil aus? Ahab, seiner Frau und seinen Söhnen sollte das Gleiche widerfahren wie Naboth und seinen Söhnen (1. Kö. 21:17-25).

      7 Ahabs Mordtaten lösten bei Naboths Angehörigen und Freunden tiefe Trauer aus. Doch bestimmt war es für sie ein kleiner Trost, dass Jehova dieses Unrecht nicht entgangen war und er sich sofort der Missetat annahm. Ihre Demut und ihr Vertrauen auf Jehova sollten allerdings schon bald auf die Probe gestellt werden, denn es kam zu einer unerwarteten Wende der Ereignisse.

      8. Wie reagierte Ahab auf Jehovas Urteil, und was hatte das zur Folge?

      8 Als Ahab hörte, wie Jehovas Urteil über ihn ausgefallen war, zerriss er seine Kleider und legte Sacktuch an; „und er ging daran zu fasten und lag fortwährend in Sacktuch und ging gedrückt umher.“ Ahab demütigte sich. Wozu führte das? Jehova sagte zu Elia: „Darum, dass er sich meinetwegen gedemütigt hat, werde ich das Unglück nicht in seinen eigenen Tagen bringen. In den Tagen seines Sohnes werde ich das Unglück über sein Haus bringen“ (1. Kö. 21:27-29; 2. Kö. 10:10, 11, 17). Ahab wurde von Jehova, „dem Prüfer der Herzen“, ein Maß an Barmherzigkeit erwiesen (Spr. 17:3).

      DEMUT — EIN SCHUTZ

      9. Erkläre am Beispiel von Naboths Familie und Freunden, wie uns Demut schützen kann, wenn uns Unrecht widerfährt.

      9 Wie berührte es Naboths Familie und Freunde, dass Jehova Ahab gegenüber barmherzig war? Es mag ihren Glauben auf die Probe gestellt haben, weil es so aussah, als wäre die Strafe aufgehoben worden. Wenn dem so war, wäre Demut ein Schutz für sie gewesen und hätte sie veranlasst, Jehova weiter treu zu dienen und davon überzeugt zu sein, dass er nicht ungerecht sein kann. (Lies 5. Mose 32:3, 4.) Wenn Jehova die Gerechten auferwecken wird, wird Naboth, seinen Söhnen und ihren Familien vollkommenes Recht widerfahren (Hiob 14:14, 15; Joh. 5:28, 29). Ein demütiger Mensch wird daran denken, dass „der wahre Gott . . . jederlei Werk ins Gericht über alles Verborgene bringen [wird] im Hinblick darauf, ob es gut ist oder böse“ (Pred. 12:14). Verkündet Jehova ein Urteil, berücksichtigt er demnach auch Tatsachen, die uns unbekannt sind. Demut schützt also Unschuldige vor dem geistigen Ruin.

      10, 11. (a) Welche Situationen könnten das eigene Rechtsempfinden auf die Probe stellen? (b) Warum ist Demut ein Schutz?

      10 Wie reagierst du, wenn du eine Entscheidung der Ältesten nicht verstehst oder damit nicht einiggehst? Was machst du beispielsweise, wenn du ein lieb gewonnenes Dienstvorrecht verlierst? Oder wenn ein Freund ein Vorrecht verliert? Wie würdest du dich verhalten, wenn dein Ehepartner, dein Sohn, deine Tochter oder ein Freund ausgeschlossen wird und du damit nicht einverstanden bist? Oder was ist, wenn du denkst, dass einem Missetäter zu Unrecht Barmherzigkeit erwiesen wurde? Solche Situationen können unser Vertrauen in Jehova und seine Organisation auf den Prüfstand stellen. Warum kann sich Demut dann als ein Schutz für uns erweisen? Hierzu zwei Gründe.

      Ein Bruder wundert sich über eine Entscheidung der Ältesten, die der Versammlung vorgelesen wird

      Wie reagierst du, wenn die Ältesten eine Entscheidung bekannt geben, mit der du nicht einverstanden bist? (Siehe Absatz 10, 11)

      11 Erstens: Wenn wir demütig sind, gestehen wir uns ein, dass uns nicht alle Fakten bekannt sind. Ganz gleich wie viel wir über eine Situation wissen: Nur Jehova kann in einen Menschen hineinsehen (1. Sam. 16:7). Wer sich dieser wichtigen Wahrheit bewusst ist, erkennt demütig seine Grenzen an und korrigiert seine Sicht der Dinge. Zweitens: Demut macht es leichter, sich unterzuordnen und geduldig darauf zu warten, dass Jehova alles richtigstellen wird, was wirklich ungerecht war. Es ist genauso, wie der weise König Salomo schrieb: „Mit denen, die den wahren Gott fürchten, [wird es] gut ausgehen . . . Mit dem Bösen aber wird es gar nicht gut ausgehen, noch wird er seine Tage verlängern“ (Pred. 8:12, 13). Demütig zu reagieren wirkt sich bestimmt auf alle Beteiligten gut aus. (Lies 1. Petrus 5:5.)

      EIN FALL VON HEUCHELEI

      12. Mit welchem Bericht werden wir uns jetzt beschäftigen, und warum?

      12 Im 1. Jahrhundert standen die Christen in Antiochia (Syrien) vor einer Situation, in der es nicht nur auf Demut, sondern auch auf die Bereitschaft zu vergeben ankam. Dieser Bericht gibt Anlass zur Selbstprüfung. Wie sind wir persönlich zum Vergeben eingestellt und was hat Vergebung mit Jehovas Rechtsempfinden zu tun?

      13, 14. Welche Vorrechte hatte Petrus, und wie bewies er Mut?

      13 Der Apostel Petrus war unter den ersten Christen ein bekannter Ältester. Er war ein persönlicher Gefährte Jesu gewesen und man hatte ihm verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut (Mat. 16:19). Zum Beispiel durfte er 36 u. Z. Kornelius sowie dessen Verwandten und vertrauten Freunden die gute Botschaft überbringen. Das war bemerkenswert, zumal Kornelius ein unbeschnittener Nichtjude war. Als Kornelius und alle, die bei ihm waren, heiligen Geist empfingen, räumte Petrus ein: „Kann jemand das Wasser verwehren, sodass diese nicht getauft würden, die den heiligen Geist ebenso empfangen haben wie wir?“ (Apg. 10:47).

      14 Im Jahr 49 u. Z. kamen die Apostel und die älteren Männer in Jerusalem zusammen, um zu klären, ob sich Nichtjuden, die Christen geworden waren, beschneiden lassen müssen. Mutig erinnerte Petrus die Brüder daran, dass unbeschnittene Nichtjuden einige Jahre zuvor den heiligen Geist erhalten hatten. Sein Augenzeugenbericht erleichterte der leitenden Körperschaft die Entscheidung sehr (Apg. 15:6-11, 13, 14, 28, 29). Sicherlich waren jüdische und nichtjüdische Christen Petrus für seine freimütige Darlegung dankbar. Solch einem geistig reifen Mann zu vertrauen fiel ihnen bestimmt nicht schwer (Heb. 13:7).

      15. Welchen Fehler machte Petrus in Antiochia? (Siehe Anfangsbild.)

      15 Kurz nach der Zusammenkunft in Jerusalem reiste Petrus nach Antiochia (Syrien). Dort verbrachte er ganz ungezwungen Zeit mit seinen Brüdern nichtjüdischer Herkunft. Bestimmt wurden sie durch die Erkenntnis und Erfahrung von Petrus bereichert. Doch plötzlich wollte Petrus nicht mehr mit ihnen essen. Man kann sich vorstellen, wie überrascht und enttäuscht sie waren. Von Petrus beeinflusst verhielten sich andere Brüder jüdischer Herkunft genauso, sogar Barnabas. Das hätte die Versammlung spalten können. Was veranlasste einen reifen Ältesten zu so einem Fehlverhalten? Was aber noch wichtiger ist: Wie kann uns dieser Bericht helfen, wenn uns die Worte oder Taten eines Ältesten verletzen?

      16. Wie wurde Petrus zurechtgebracht, und welche Fragen stellen sich?

      16 Lies Galater 2:11-14. Petrus war der Menschenfurcht erlegen (Spr. 29:25). Obwohl er aus erster Hand wusste, wie Jehova über die Sache dachte, fürchtete er sich davor, was die beschnittenen Juden aus der Versammlung in Jerusalem denken könnten. Der Apostel Paulus, der 49 u. Z. auch bei der Zusammenkunft in Jerusalem anwesend war, sprach Petrus in Antiochia offen darauf an und deckte seine Heuchelei auf (Apg. 15:12; Gal. 2:13, Fn.). Wie würden die betroffenen nichtjüdischen Christen auf das Fehlverhalten von Petrus reagieren? Würde es sie zu Fall bringen? Würde Petrus deshalb die Aufgaben verlieren, die ihm so viel bedeuteten?

      DIE BEREITSCHAFT ZU VERGEBEN

      17. Wie kam Petrus die Vergebung Jehovas zugute?

      17 Petrus nahm den Rat von Paulus offensichtlich demütig an. Nichts in der Bibel weist darauf hin, dass er seine Vorrechte verloren hätte. Jehova ließ ihn später sogar zwei Briefe schreiben, die Teil der Bibel wurden. Interessanterweise bezeichnet Petrus Paulus in seinem zweiten Brief als „unseren geliebten Bruder“ (2. Pet. 3:15). Und Jesus, das Haupt der Versammlung, gebrauchte Petrus trotzdem weiterhin, auch wenn sein Fehlverhalten für die nichtjüdischen Christen schmerzlich gewesen sein muss (Eph. 1:22). Für die Brüder war das eine Gelegenheit, wie Jesus und sein Vater zum Vergeben bereit zu sein. Es ist zu hoffen, dass damals niemand wegen des Fehlers von Petrus, der ja auch nur ein unvollkommener Mensch war, zum Straucheln kam.

      18. Unter welchen Umständen ist es wichtig, Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit widerzuspiegeln?

      18 Es gibt auch heute in der Christenversammlung keine vollkommenen Ältesten — wir alle machen oft Fehler (Jak. 3:2). Dem stimmen wir sicher ohne Weiteres zu. Schwierig wird es erst, wenn wir persönlich von den Unvollkommenheiten eines Bruders betroffen sind. Spiegeln wir dann Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit wider? Wie reagierst du beispielsweise, wenn ein Ältester eine Bemerkung macht, in der eine gewisse Voreingenommenheit mitschwingt? Wird es dich zu Fall bringen, wenn ein Ältester gedankenlos etwas Verletzendes sagt? Schlussfolgerst du sofort, er eigne sich nicht länger als Ältester, oder wartest du geduldig auf Jesus, das Haupt der Versammlung? Bemühst du dich, das große Ganze zu sehen und dich vielleicht daran zu erinnern, wie viele Jahre dieser Bruder schon treu Jehova dient? Kannst du dich mit einem Bruder freuen, der gegen dich gesündigt hat und Ältester bleibt oder sogar noch weitere Vorrechte bekommt? Bist du bereit zu vergeben, ist das eine schöne Möglichkeit, Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit widerzuspiegeln. (Lies Matthäus 6:14, 15.)

      19. Wozu sollten wir entschlossen sein?

      19 Gerechtigkeitsliebende Menschen sehnen sich nach dem Tag, an dem Jehova alles durch Satan und sein böses System verursachte Unrecht vollständig beseitigen wird (Jes. 65:17). Bis dahin wird es immer wieder vorkommen, dass jemand gegen uns sündigt. Teilen wir Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit, werden wir demütig unsere Grenzen anerkennen und großzügig vergeben.

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