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    Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
    • Kapitel 9

      Prophezeiungen, die sich erfüllt haben

      Menschen können die Zukunft nicht mit Sicherheit vorhersagen. Ihre diesbezüglichen Versuche sind immer wieder kläglich gescheitert. Ein Buch mit Prophezeiungen, die sich erfüllt haben, lenkt daher unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Die Bibel ist ein solches Buch.

      1 (und Einleitung). Was wird dadurch bewiesen, daß die Bibel Prophezeiungen enthält, die sich erfüllt haben?

      VIELE Prophezeiungen der Bibel haben sich in ihren Einzelheiten derart genau erfüllt, daß Kritiker behaupten, sie seien erst nach ihrer Erfüllung aufgezeichnet worden. Doch solche Behauptungen sind falsch. Da Gott allmächtig ist, verfügt er über die uneingeschränkte Fähigkeit zu prophezeien (Jesaja 41:21-26; 42:8, 9; 46:8-10). Biblische Prophezeiungen, die sich erfüllt haben, zeugen nicht von einer späteren Autorschaft, sondern von göttlicher Inspiration. Einige herausragende dieser Prophezeiungen sollen nun besprochen werden. Sie sind ein weiterer Beweis dafür, daß es sich bei der Bibel um Gottes Wort handelt und nicht lediglich um Menschenwort.

      Das Exil in Babylon

      2, 3. Was führte dazu, daß König Hiskia den Gesandten aus Babylon alle Schätze seines Hauses und seines Herrschaftsgebiets zeigte?

      2 Hiskia war etwa 30 Jahre König in Jerusalem. 740 v. u. Z. hatte er erlebt, daß die Assyrer das nördliche Nachbarreich Israel vernichtet hatten. 732 v. u. Z. war er Zeuge der rettenden Macht Gottes gewesen, als der assyrische Versuch, Jerusalem zu erobern, mit katastrophalen Folgen für die Invasoren fehlgeschlagen war (Jesaja 37:33-38).

      3 Jetzt empfängt Hiskia eine Delegation Merodach-Baladans, des Königs von Babylon. Oberflächlich betrachtet, sind die Gesandten gekommen, um Hiskia zu seiner Genesung von einer schweren Krankheit zu beglückwünschen. Doch wahrscheinlich sieht Merodach-Baladan in Hiskia einen möglichen Verbündeten gegen die Weltmacht Assyrien. Aber Hiskia unternimmt nichts, um ein solches Ansinnen abzuwenden, denn er zeigt den Besuchern aus Babylon allen Reichtum seines Hauses und Herrschaftsgebiets. Vielleicht wünscht auch er sich Verbündete für den Fall, daß die Assyrer zurückkehren (Jesaja 39:1, 2).

      4. Welche tragischen Folgen des Fehlers Hiskias sagte Jesaja voraus?

      4 Jesaja, der damals herausragende Prophet, erkennt sofort, daß Hiskia unbedacht gehandelt hat. Er weiß, daß nicht Babylon, sondern Jehova der sicherste Schutz Hiskias ist, und erklärt dem König, der Umstand, daß er den Babyloniern seinen Reichtum gezeigt habe, werde katastrophale Folgen haben. „Tage kommen“, sagt Jesaja, „und alles, was in deinem eigenen Haus ist und was deine Vorväter aufgehäuft haben bis auf diesen Tag, wird tatsächlich nach Babylon weggeführt werden.“ Jehova hat entschieden: „Nichts wird übrigbleiben“ (Jesaja 39:5, 6).

      5, 6. (a) Welche Äußerung Jeremias bestätigte Jesajas Prophezeiung? (b) Wie erfüllten sich die Prophezeiungen Jesajas und Jeremias?

      5 Vielleicht hielt man im achten Jahrhundert v. u. Z. eine Erfüllung dieser Prophezeiung für unwahrscheinlich. Aber hundert Jahre später änderte sich die Situation. Babylon löste Assyrien als vorherrschende Weltmacht ab, während Juda in religiöser Hinsicht so sehr entartet war, daß Gott dieser Nation seinen Segen entzog. Ein anderer Prophet, Jeremia, wurde von Gott dazu inspiriert, Jesajas Ankündigung zu wiederholen. Jeremia erklärte, daß Jehova sagte: „Ich will [die Babylonier] ... gegen dieses Land und gegen seine Bewohner ... bringen ... Und dieses ganze Land soll ein verwüsteter Ort werden, ein Gegenstand des Entsetzens, und diese Nationen werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssen“ (Jeremia 25:9, 11).

      6 Etwa vier Jahre nachdem Jeremia diese Prophezeiung geäußert hatte, wurde Juda dem Babylonischen Reich einverleibt. Drei Jahre danach brachten die Babylonier einige jüdische Gefangene zusammen mit etlichen Wertgegenständen aus dem Tempel in Jerusalem nach Babylon. Nach weiteren acht Jahren lehnte sich Juda auf, und erneut rückte der babylonische König, Nebukadnezar, gegen die Stadt vor. Dieses Mal wurde sie samt ihrem Tempel zerstört. Aller Reichtum der Stadt wurde zusammen mit den Juden nach Babylon gebracht. Es geschah genau das, was Jesaja und Jeremia vorausgesagt hatten (2. Chronika 36:6, 7, 12, 13, 17-21).

      7. Inwiefern bestätigt die Archäologie die Erfüllung von Jesajas und Jeremias Prophezeiungen über Jerusalem?

      7 Nach dem Ansturm der Babylonier war, wie es in dem Werk The Archaeological Encyclopedia of the Holy Land heißt, „die Stadt [Jerusalem] total zerstört“.1 Der Archäologe W. F. Albright sagt: „Ausgrabungen und Geländeuntersuchungen in Juda haben ergeben, daß die Städte Judas bei den beiden Einfällen der Chaldäer nicht nur vollständig zerstört wurden, sondern daß sie auch für Generationen nicht wieder bewohnt waren — in vielen Fällen nie wieder.“2 Die Archäologie bestätigt somit die schreckliche Erfüllung dieser Prophezeiung.

      Das Schicksal von Tyrus

      8, 9. Welche Prophezeiung äußerte Hesekiel über Tyrus?

      8 Ein weiterer Schreiber, der in alter Zeit von Gott inspirierte Prophezeiungen aufzeichnete, war Hesekiel. Er prophezeite gegen Ende des siebten bis hinein in das sechste Jahrhundert v. u. Z., d. h. in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems und anschließend in den ersten Jahrzehnten des Exils der Juden in Babylon. Selbst einige neuzeitliche Kritiker sagen, daß das Buch ungefähr um jene Zeit geschrieben wurde.

      9 Hesekiel zeichnete eine eindrucksvolle Prophezeiung über die Zerstörung von Tyrus auf, einer Stadt, die unweit der Nordgrenze Israels lag und freundschaftliche Beziehungen zu Gottes Volk unterhielt, sich aber dann zu dessen Feind entwickelte (1. Könige 5:1-9; Psalm 83:2-8). Er schrieb: „Dies ist ..., was der Souveräne Herr Jehova gesprochen hat: ‚Siehe, ich bin gegen dich, o Tyrus, und ich will viele Nationen gegen dich heraufführen, so wie das Meer seine Wellen heraufführt. Und sie werden bestimmt die Mauern von Tyrus zerstören und seine Türme niederreißen, und ich will seinen Staub von ihm abkratzen und es zu einer glänzenden kahlen Oberfläche eines zerklüfteten Felsens machen. ... Und deine Steine und dein Holzwerk und deinen Staub werden sie direkt mitten ins Wasser legen‘ “ (Hesekiel 26:3, 4, 12).

      10—12. Wann erfüllte sich schließlich Hesekiels Prophezeiung, und wie?

      10 Ist das wirklich geschehen? Nun, einige Jahre nachdem Hesekiel diese Prophezeiung geäußert hatte, wurde Tyrus von Nebukadnezar, dem König von Babylon, belagert (Hesekiel 29:17, 18). Die Belagerung war jedoch keine einfache Sache. Tyrus lag zum Teil auf dem Festland (das sogenannte Alttyrus) und zum Teil auf einer 800 Meter von der Küste entfernten Insel. Nebukadnezar belagerte die Inselstadt 13 Jahre lang. Erst dann kapitulierte sie unter Bedingungen.

      11 Aber 332 v. u. Z. erfüllte sich die Prophezeiung schließlich in allen Einzelheiten. Damals fiel Alexander der Große, der mazedonische Eroberer, in Asien ein. Aufgrund ihrer sicheren Lage behauptete sich die Inselstadt Tyrus gegen ihn. Alexander gefiel es aber nicht, einen potentiellen Feind im Rücken zu haben, doch wollte er auch nicht wie Nebukadnezar Tyrus jahrelang belagern.

      12 Wie löste er dieses militärische Problem? Er baute eine Mole oder Landbrücke zur Insel, so daß seine Soldaten auf dem Landweg die Stadt angreifen konnten. Man beachte, welches Baumaterial er für die Mole verwandte! In dem Werk The Encyclopedia Americana wird berichtet: „Mit dem Schutt des Festlandteils der Stadt, den er zerstört hatte, baute er 332 eine riesige Mole, um die Insel mit dem Festland zu verbinden.“ Nach einer verhältnismäßig kurzen Belagerung wurde die Inselstadt zerstört. Damit hatte sich übrigens Hesekiels Prophezeiung in allen Einzelheiten erfüllt. Selbst ‘die Steine, das Holzwerk und der Staub’ von Alttyrus waren ‘mitten ins Wasser gelegt’ worden.

      13. Wie beschrieb ein Reisender im 19. Jahrhundert das Gebiet des alten Tyrus?

      13 Ein Reisender berichtete im 19. Jahrhundert, was zu seiner Zeit vom alten Tyrus übrig war: „Von dem ursprünglichen Tyrus, das Salomo und die Propheten Israels kannten, ist außer den in Felsen gehauenen Grabstätten in den Bergen und einigen Grundmauern keine Spur mehr verblieben ... Selbst die Insel, die Alexander der Große bei der Belagerung der Stadt zu einer Halbinsel machte, indem er vom Festland aus einen Damm zu ihr aufschüttete, enthält keine bestimmbaren Relikte aus einer früheren Periode als der Zeit der Kreuzzüge. Die neuzeitliche Stadt, die in ihrer Gesamtheit verhältnismäßig neu ist, nimmt die nördliche Hälfte der einstigen Insel ein, während nahezu das gesamte übrige Gebiet von unbestimmbaren Ruinen bedeckt ist.“3

      Als Babylon an der Reihe war

      14, 15. Welche Prophezeiungen über Babylon zeichneten Jesaja und Jeremia auf?

      14 Im achten Jahrhundert v. u. Z. sagte Jesaja, der Prophet, der die Juden warnend auf ihre bevorstehende Unterwerfung durch Babylon hinwies, erstaunlicherweise auch noch etwas anderes voraus: die völlige Vernichtung Babylons. In anschaulichen Worten nannte er dabei folgende Einzelheiten: „Siehe, ich errege gegen sie die Meder ... Und Babylon, die Zierde der Königreiche, die Schönheit des Stolzes der Chaldäer, soll werden wie Sodom und Gomorra, als Gott sie umkehrte. Sie wird niemals bewohnt werden, noch wird sie Generation um Generation verweilen“ (Jesaja 13:17-20).

      15 Auch der Prophet Jeremia sagte den Fall der Stadt Babylon voraus, der sich viele Jahre später ereignete. Und Jeremia erwähnte eine interessante Einzelheit: „Verheerung ist über ihren Wassern, und sie sollen ausgetrocknet werden. ... Die starken Männer Babylons haben aufgehört zu kämpfen. Sie sind an den festen Orten sitzen geblieben. Ihre Kraft ist ausgetrocknet“ (Jeremia 50:38; 51:30).

      16. Wann wurde Babylon erobert, und von wem?

      16 Im Jahre 539 v. u. Z. ging für Babylon die Zeit der Vorherrschaft als Weltmacht zu Ende, als der tatkräftige persische Herrscher Cyrus mit Unterstützung des Heeres der Meder gegen die Stadt vorrückte. Aber Cyrus stand vor einer eindrucksvollen Aufgabe. Babylon war von riesigen und schier unüberwindbaren Mauern umgeben. Auch floß der breite Euphrat durch die Stadt und bildete einen wichtigen Teil ihrer Verteidigungsanlagen.

      17, 18. (a) Inwiefern war ‘Verheerung über den Wassern Babylons’? (b) Warum ‘hörten die starken Männer Babylons auf zu kämpfen’?

      17 Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie Cyrus das Problem löste: „Den Hauptteil seines Heeres stellte er dort auf, wo der Fluß in die Stadt strömt, den andern hinter der Stadt dort, wo er aus der Stadt heraustritt. Dann gab er den Befehl, auf diesem Wege in die Stadt einzudringen, sobald sie sahen, daß man den Fluß durchschreiten könne. ... Er leitete den Fluß mit Hilfe eines Durchstiches in den See [der von einer früheren Königin Babylons künstlich angelegt worden war], der ja eigentlich ein Sumpf war. Dadurch erreichte er dann, daß das alte Flußbett zu durchwaten war; der Wasserspiegel im Fluß sank. Durch dieses Flußbett drangen nun die Perser in Babylon ein, die Kyros zu diesem Zwecke am Strom aufgestellt hatte; denn das Wasser des Euphrat reichte dem Mann höchstens bis zum halben Schenkel.“4

      18 Auf diese Weise fiel die Stadt, wie Jeremia und Jesaja prophezeit hatten. Man beachte aber, wie genau sich diese Prophezeiungen selbst in Einzelheiten erfüllten. Es war buchstäblich ‘Verheerung über ihren Wassern, und sie wurden ausgetrocknet’. Durch das Senken des Wasserspiegels im Euphrat gelang es Cyrus, in die Stadt einzudringen. ‘Hörten die starken Männer Babylons auf zu kämpfen’, wie Jeremia vorausgesagt hatte? Die Bibel berichtet — ebenso wie die griechischen Historiker Herodot und Xenophon —, daß die Babylonier gerade ein Festmahl veranstalteten, als die Perser angriffen.5 In der Nabonid-Chronik, einem offiziellen Keilschriftdokument, heißt es, die Truppen des Cyrus seien „ohne Kampf“ in Babylon eingezogen, d. h. wahrscheinlich ohne eine regelrechte Schlacht.6 Die starken Männer Babylons taten offensichtlich nicht viel, um die Stadt zu schützen.

      19. Erfüllte sich die Prophezeiung, daß Babylon „niemals [wieder] bewohnt werden“ würde? Welche Einzelheiten könnte man dazu anführen?

      19 Wie verhält es sich mit der Vorhersage, Babylon werde „niemals [wieder] bewohnt werden“? Sie ging nicht sogleich im Jahre 539 v. u. Z. in Erfüllung. Aber auch diese Prophezeiung bewahrheitete sich unfehlbar. Die Stadt war nach ihrem Fall Ausgangspunkt etlicher Aufstände, bis sie schließlich 478 v. u. Z. von Xerxes verwüstet wurde. Ende des vierten Jahrhunderts nahm sich Alexander der Große vor, Babylon neu aufzubauen, doch er starb, bevor sein Werk allzuweit vorangeschritten war. Von da an verfiel die Stadt. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war sie zwar immer noch bewohnt, doch heute ist vom alten Babylon nichts weiter übrig als ein Ruinenhügel im Irak. Selbst wenn die Ruinen teilweise restauriert werden sollten, würde Babylon nur ein Schaustück für Touristen sein, keine lebensprühende Stadt. Das verwüstete Gebiet bezeugt die endgültige Erfüllung der inspirierten Prophezeiung über Babylon.

      Der Aufmarsch der Weltmächte

      20, 21. Welche prophetische Vision hatte Daniel über den Aufmarsch der Weltmächte, und wie erfüllte sie sich?

      20 Im sechsten Jahrhundert v. u. Z. wurde Daniel, ein weiterer Prophet, während des Exils der Juden in Babylon inspiriert, einige bemerkenswerte Visionen aufzuzeichnen, in denen der künftige Lauf der Weltereignisse vorhergesagt wurde. In einer Vision beschreibt Daniel mehrere sinnbildliche Tiere, die einander auf der Weltbühne ablösen. Ein Engel erklärt, daß die Tiere den Aufmarsch der Weltmächte von dieser Zeit an darstellen. In bezug auf zwei Tiere sagt er: „Der Widder, den du sahst, der die zwei Hörner hatte, steht für die Könige von Medien und Persien. Und der haarige Ziegenbock steht für den König von Griechenland; und was das große Horn betrifft, das zwischen seinen Augen war, es steht für den ersten König. Und daß eins zerbrochen worden war, so daß an seiner Stelle schließlich vier aufstanden: Da sind vier Königreiche aus seiner Nation, die aufstehen werden, aber nicht mit seiner Kraft“ (Daniel 8:20-22).

      21 Diese prophetische Vorschau erfüllte sich ganz genau. Das Babylonische Reich wurde von Medo-Persien gestürzt, das 200 Jahre später der griechischen Weltmacht weichen mußte. Das Griechische Reich wurde von Alexander dem Großen (dem „großen Horn“) angeführt. Doch nach Alexanders Tod kämpften seine Generäle unter sich um die Macht, und das ausgedehnte Imperium zerfiel schließlich in vier kleinere Reiche, „vier Königreiche“.

      22. Welche weitere Weltmacht wurde in einer ähnlichen Prophezeiung über den Aufmarsch der Weltmächte vorhergesagt?

      22 In Daniel, Kapitel 7 wird eine ähnliche Vision beschrieben, in der ein Blick weit in die Zukunft geworfen wird. Die babylonische Weltmacht wird durch einen Löwen dargestellt, die persische durch einen Bären und die griechische durch einen Leoparden mit vier Köpfen und vier Flügeln auf seinem Rücken. Dann sieht Daniel ein anderes wildes Tier, „furchteinflößend und schrecklich und ungewöhnlich stark ..., und es hatte zehn Hörner“ (Daniel 7:2-7). Dieses vierte wilde Tier stellte das mächtige römische Imperium dar, dessen Entwicklung, etwa drei Jahrhunderte nachdem Daniel diese Prophezeiung aufgezeichnet hatte, begann.

      23. In welcher Hinsicht war das vierte wilde Tier der Prophezeiung Daniels „von all den anderen Königreichen verschieden“?

      23 Über Rom prophezeite der Engel: „Was das vierte Tier betrifft, es gibt ein viertes Königreich, das schließlich auf der Erde sein wird, das von all den anderen Königreichen verschieden sein wird; und es wird die ganze Erde verzehren und wird sie zertreten und sie zermalmen“ (Daniel 7:23). H. G. Wells schreibt in seinem Werk Die Geschichte unserer Welt: „Diese neue Macht, dieses Römische Reich, das sich im zweiten und ersten Jahrhundert v. Chr. zur Herrschaft über die westliche Welt emporschwang, war in mancher Hinsicht anders geartet als irgendeines der großen Reiche, die es bis dahin in der zivilisierten Welt gegeben hatte.“7 Es war anfänglich eine Republik und wurde dann eine Monarchie. Im Gegensatz zu früheren Reichen ging es nicht auf einen Eroberer zurück, sondern war im Laufe der Jahrhunderte unaufhörlich angewachsen. Es bestand wesentlich länger und herrschte über ein weit größeres Gebiet als irgendein früheres Reich.

      24, 25. (a) Wie traten die zehn Hörner des wilden Tieres in Erscheinung? (b) Welchen Kampf zwischen den Hörnern des wilden Tieres sah Daniel voraus?

      24 Was hatte es aber mit den zehn Hörnern des riesigen Tieres auf sich? Der Engel sagte: „Und was die zehn Hörner betrifft, aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und noch ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und er selbst wird von den ersten verschieden sein, und drei Könige wird er erniedrigen“ (Daniel 7:24). Wie erfüllte sich das?

      25 Als im fünften Jahrhundert u. Z. der Verfall des Römischen Reiches begann, wurde es nicht sogleich von einer anderen Weltmacht abgelöst, sondern zerfiel in mehrere Königreiche — „zehn Könige“. Schließlich schaltete das Britische Reich die drei Rivalen Spanien, Frankreich und die Niederlande aus, wodurch es die vorherrschende Weltmacht wurde. So erniedrigte das zuletzt aufgestiegene ‘Horn’ tatsächlich „drei Könige“.

      Daniels Prophezeiungen — nach den Ereignissen aufgezeichnet?

      26. Wann soll das Buch Daniel gemäß der Behauptung von Kritikern geschrieben worden sein, und wieso?

      26 Die Bibel läßt erkennen, daß das Buch Daniel im sechsten Jahrhundert v. u. Z. geschrieben wurde. Die darin enthaltenen Prophezeiungen haben sich jedoch so genau erfüllt, daß Kritiker behaupten, das Buch müsse um 165 v. u. Z. geschrieben worden sein, als sich mehrere der Prophezeiungen bereits erfüllt hatten.8 Dieses späte Datum für die Niederschrift des Buches Daniel wird in vielen Nachschlagewerken einzig und allein deshalb als eine erwiesene Tatsache hingestellt, weil sich Daniels Prophezeiungen erfüllt haben.

      27, 28. Welche Tatsachen beweisen, daß das Buch Daniel nicht 165 v. u. Z. geschrieben wurde?

      27 Einer solchen Theorie sind jedoch folgende Tatsachen entgegenzuhalten: Erstens wurde auf das Buch in jüdischen Werken Bezug genommen, die im zweiten Jahrhundert v. u. Z. entstanden, wie zum Beispiel im ersten Makkabäerbuch. Zweitens wurde es in die Septuaginta aufgenommen, eine griechische Übersetzung, mit der im dritten Jahrhundert v. u. Z. begonnen wurde.9 Drittens waren Bruchstücke von Abschriften des Buches Daniel unter den Schriftrollen vom Toten Meer mit am häufigsten vertreten. Und diese Bruchstücke sollen etwa in das Jahr 100 v. u. Z. zu datieren sein.10 Folglich war das Buch Daniel bald nach der vermeintlichen Zeit seiner Niederschrift bereits weithin bekannt und geachtet — ein untrüglicher Beweis dafür, daß es lange vor der von Kritikern genannten Zeit geschrieben wurde.

      28 Das Buch Daniel enthält zudem Einzelheiten, die einem Schreiber des zweiten Jahrhunderts unbekannt gewesen wären. Ein herausragendes Beispiel ist die Erwähnung Belsazars, des Herrschers von Babylon, der 539 v. u. Z. bei der Einnahme der Stadt getötet wurde. Die bedeutendsten nichtbiblischen Quellen, aus denen wir etwas über den Sturz Babylons erfahren, sind Herodot (fünftes Jahrhundert), Xenophon (fünftes und viertes Jahrhundert) und Berossos (drittes Jahrhundert). Keiner von ihnen wußte etwas von Belsazar.11 Wie unwahrscheinlich, daß ein Schreiber im zweiten Jahrhundert über Aufschluß verfügt hätte, der diesen früheren Autoren nicht zugänglich gewesen wäre! Der Bericht über Belsazar in Daniel, Kapitel 5 ist folglich ein stichhaltiges Argument dafür, daß Daniel sein Buch eher schrieb als die anderen Schreiber die ihrigen.a

      29. Warum kann das Buch Daniel unmöglich nach der Erfüllung der darin enthaltenen Prophezeiungen geschrieben worden sein?

      29 Letztendlich enthält das Buch Daniel mehrere Prophezeiungen, die sich lange nach 165 v. u. Z. erfüllten. Eine davon ist die bereits erwähnte Prophezeiung über das Römische Reich. Bei einer weiteren handelt es sich um eine bemerkenswerte Prophezeiung über das Kommen Jesu, des Messias.

      Das Kommen des Gesalbten

      30, 31. (a) In welcher Prophezeiung Daniels wurde die Zeit für das Erscheinen des Messias vorausgesagt? (b) Wie läßt sich, gestützt auf Daniels Prophezeiung, das Jahr errechnen, in dem der Messias erscheinen sollte?

      30 Diese Prophezeiung steht in Daniel, Kapitel 9 und lautet: „Siebzig Jahrwochen [d. h. vierhundertneunzig Jahre] sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt“ (Daniel 9:24, Henne). Was sollte in diesen 490 Jahren geschehen? Es heißt: „Von der Zeit, da das Wort ergeht, Jerusalem wieder aufzubauen, bis der Gesalbte, der Fürst, ersteht, vergehen sieben Jahrwochen und zweiundsechzig Jahrwochen“ (Daniel 9:25, Henne). Diese Prophezeiung handelt also von der Zeit, zu der der „Gesalbte“, der Messias, ersteht oder auftritt. Wie erfüllte sie sich?

      31 Das Wort oder der Befehl, Jerusalem wieder aufzubauen, ‘erging’ „im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes“ von Persien, d. h. 455 v. u. Z. (Nehemia 2:1-9). Am Ende von 49 Jahren (7 Jahrwochen) war viel von Jerusalems Herrlichkeit wiederhergestellt. Die vollen 483 Jahre (7 plus 62 Jahrwochen) zählen von 455 v. u. Z. bis 29 u. Z. Bei diesem Jahr handelte es sich um das ‘fünfzehnte Jahr der Regierung des Tiberius Cäsar’, das Jahr, in dem Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde (Lukas 3:1). Jesus wurde damals öffentlich als Sohn Gottes identifiziert und nahm seinen Dienst auf, indem er der jüdischen Nation die gute Botschaft verkündigte (Matthäus 3:13-17; 4:23). Damit war er der „Gesalbte“ oder Messias.

      32. Wie lang sollte gemäß der Prophezeiung Daniels der irdische Dienst Jesu dauern, und was würde am Ende davon geschehen?

      32 In der Prophezeiung heißt es weiter: „Nach zweiundsechzig Jahrwochen wird der Gesalbte hingerichtet werden.“ Auch wird gesagt: „Mit vielen wird er während der einen [„für eine“, The Amplified Bible] Jahrwoche einen festen Bund schließen und in der Hälfte der Jahrwoche Schlacht- und Speisopfer abschaffen“ (Daniel 9:26, 27, Henne). Im Einklang damit wandte sich Jesus ausschließlich an die „vielen“, d. h. an die fleischlichen Juden. Gelegentlich predigte er auch den Samaritern, die an einige der heiligen Schriften glaubten, aber eine vom Judaismus getrennte Sekte bildeten. Dann, „in der Hälfte der Jahrwoche“ oder nach dreieinhalb Jahren des Predigens, gab er sein Leben als ein Schlachtopfer, wurde also „hingerichtet“. Das bedeutete das Ende des mosaischen Gesetzes mit seinen Schlachtopfern und Opfergaben (Galater 3:13, 24, 25). Somit schaffte Jesus durch seinen Tod „Schlacht- und Speisopfer“ ab.

      33. Wie lange handelte Jehova ausschließlich mit den Juden, und welches Ereignis kennzeichnete das Ende dieser Zeit?

      33 Aber Juden und später die mit ihnen verwandten Samariter waren weitere dreieinhalb Jahre die einzigen, denen die neu ins Leben gerufene Christenversammlung Zeugnis gab. Im Jahre 36 u. Z. jedoch, am Ende der 70 Jahrwochen, predigte der Apostel Petrus unter göttlicher Leitung einem Nichtjuden: Kornelius (Apostelgeschichte 10:1-48). Nun war der „Bund“ nicht mehr auf ‘die vielen’, die Juden, beschränkt. Auch den unbeschnittenen Nichtjuden wurde die Rettung gepredigt.

      34. Was geschah im Einklang mit Daniels Prophezeiung mit dem fleischlichen Israel, weil es den Messias verworfen hatte?

      34 Die jüdische Nation hatte Jesus verworfen und sich dazu verschworen, ihn hinrichten zu lassen. Daher wurde sie von Jehova nicht beschützt, als die Römer 70 u. Z. kamen und Jerusalem zerstörten. Daniels weitere Worte erfüllten sich: „Die Stadt samt dem Heiligtum wird von dem Kriegsvolk eines Fürsten zerstört, der heranrückt. Ihr Ende erfolgt durch eine Flut. Am Ende eines Krieges kommt die beschlossene Verwüstung“ (Daniel 9:26b, Henne). Dieser zweite „Fürst“ war Titus, der römische Feldherr, der Jerusalem im Jahre 70 u. Z. zerstörte.

      Inspirierte Prophezeiungen

      35. Welche weiteren Prophezeiungen über Jesus erfüllten sich?

      35 Daniels Prophezeiung von den 70 Wochen ging auf diese Weise bemerkenswert genau in Erfüllung. Ja, viele Prophezeiungen in den Hebräischen Schriften erfüllten sich im ersten Jahrhundert, und mehrere davon betrafen Jesus. Sein Geburtsort, sein Eifer für das Haus Gottes, seine Predigttätigkeit und daß er für 30 Silberstücke verraten wurde sowie seine Todesart und daß man Lose über seine Kleider warf — all diese Einzelheiten waren in den Hebräischen Schriften prophezeit worden. Die Erfüllung bewies unleugbar, daß Jesus der Messias war, und bestätigte erneut, daß diese Prophezeiungen inspiriert waren (Micha 5:2; Lukas 2:1-7; Sacharja 11:12; 12:10; Matthäus 26:15; 27:35; Psalm 22:18; 34:20; Johannes 19:33-37).

      36, 37. Was lehrt uns die Tatsache, daß sich biblische Prophezeiungen erfüllt haben, und welche Überzeugung verleiht uns diese Erkenntnis?

      36 Tatsächlich sind die biblischen Prophezeiungen immer zu ihrer bestimmten Zeit eingetroffen. Die Ereignisse sind genauso abgelaufen, wie es gemäß der Bibel der Fall sein sollte. Das beweist eindeutig, daß die Bibel das Wort Gottes ist. Hinter den prophetischen Äußerungen mußte mehr als menschliche Weisheit stehen, damit sie sich so genau erfüllen konnten.

      37 Die Bibel enthält jedoch noch weitere Voraussagen, die sich damals noch nicht erfüllten. Warum? Weil sie sich in unserer Zeit erfüllen sollten und sogar in noch ferner Zukunft. Die Zuverlässigkeit der bereits erfüllten Prophezeiungen aus alter Zeit verleiht uns die Überzeugung, daß sich auch die anderen Voraussagen unfehlbar bewahrheiten werden. Wie das folgende Kapitel zeigt, ist das auch tatsächlich der Fall.

      [Fußnote]

      a Siehe Kapitel 4, „Wie glaubwürdig ist das ‚Alte Testament‘?“, Absatz 16 und 17.

  • Eine biblische Prophezeiung, die sich vor unseren Augen erfüllt
    Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
    • Kapitel 10

      Eine biblische Prophezeiung, die sich vor unseren Augen erfüllt

      Warum ist heute vieles so anders als noch vor hundert Jahren? Zwar sind gewisse Verbesserungen zu verzeichnen; beispielsweise sind heute in vielen Ländern Krankheiten heilbar, die früher unweigerlich den Tod brachten, und der Durchschnittsbürger genießt einen Lebensstandard, den sich seine Vorfahren nicht hätten träumen lassen. Aber unser Jahrhundert hat auch die schlimmsten Kriege und einige der furchtbarsten Greueltaten der Menschheitsgeschichte erlebt. Außerdem ist die Wohlfahrt der Menschheit, ja selbst ihr Fortbestand bedroht — durch die Bevölkerungsexplosion, durch die Umweltverschmutzung und durch die ungeheuren Arsenale von atomaren, biologischen und chemischen Waffen, die weltweit vorhanden sind. Warum unterscheidet sich das 20. Jahrhundert so sehr von früheren Jahrhunderten?

      1 (und Einleitung). (a) Inwiefern unterscheidet sich das 20. Jahrhundert von früheren Jahrhunderten? (b) Was hilft uns, zu verstehen, warum unsere Zeit so anders ist?

      DIE Antwort auf diese Frage hängt mit einer bemerkenswerten biblischen Prophezeiung zusammen, die sich vor unseren Augen erfüllt. Diese Prophezeiung wurde von Jesus geäußert, und sie liefert zum einen den Beweis für die Inspiration der Bibel, aber sie zeigt zum anderen auch, daß sehr drastische Veränderungen in der Szene dieser Welt unmittelbar bevorstehen. Was ist das für eine Prophezeiung? Und wieso wissen wir, daß sie sich erfüllt?

      Die große Prophezeiung Jesu

      2, 3. Welche Fragen wurden Jesus von seinen Jüngern gestellt, und wo ist seine Antwort zu finden?

      2 Wie die Bibel berichtet, sprachen die Jünger Jesu kurz vor dessen Tod mit ihm über die großartigen Tempelbauten in Jerusalem; sie zeigten sich beeindruckt von deren Größe und deren anscheinender Unvergänglichkeit. Jesus sagte jedoch: „Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird“ (Matthäus 24:1, 2).

      3 Diese Worte müssen Jesu Jünger überrascht haben. Später kamen sie zu ihm und baten um weiteren Aufschluß: „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3). Jesu Antwort ist in den weiteren Versen von Matthäus, Kapitel 24 und 25 zu finden. Seine Darlegungen wurden auch in Markus, Kapitel 13 und Lukas, Kapitel 21 aufgezeichnet. Es handelt sich eindeutig um die wichtigste Prophezeiung, die Jesus während seines Erdenlebens äußerte.

      4. Nach welchen zwei verschiedenen Dingen fragten Jesu Jünger?

      4 Die Jünger fragten Jesus eigentlich nach mehreren Dingen. Zunächst stellten sie die Frage: „Wann werden diese Dinge geschehen?“ Mit anderen Worten: Wann werden Jerusalem und der Tempel zerstört werden? Außerdem wollten sie wissen, welches Zeichen den Beginn der Gegenwart Jesu als König des himmlischen Königreiches Gottes und das bevorstehende Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge anzeigen würde.

      5. (a) Welche erste Erfüllung hatte Jesu Prophezeiung, aber wann sollten sich seine Worte vollständig erfüllen? (b) Wie begann Jesus seine Antwort auf die Frage der Jünger?

      5 In seiner Antwort ging Jesus auf beide Punkte ein. Viele seiner Worte erfüllten sich bereits im ersten Jahrhundert, in der Zeit, die bis zu der furchtbaren Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. noch verblieb (Matthäus 24:4-22). Doch seine Prophezeiung sollte später, ja in unseren Tagen eine größere Erfüllung haben. Was führte Jesus alles an? Gemäß Vers 7 und 8 sprach er zunächst über folgendes: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben. Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“

      6. An welche parallele Prophezeiung erinnern uns Jesu Worte aus Matthäus 24:7, 8?

      6 Jesu Gegenwart als himmlischer König sollte offensichtlich durch großen Aufruhr auf der Erde gekennzeichnet sein. Das wird durch eine parallele Prophezeiung in der Offenbarung bestätigt: die Vision von den vier Apokalyptischen Reitern (Offenbarung 6:1-8). Der erste dieser Reiter stellt Jesus selbst als siegreichen König dar. Die Reiter auf den anderen Pferden veranschaulichen Geschehnisse auf der Erde, die den Beginn der Herrschaft Jesu kennzeichnen: Krieg, Hungersnot und frühzeitiger Tod aus den verschiedensten Gründen. Ist die Erfüllung der beiden Prophezeiungen heute zu sehen?

      Krieg

      7. Was wurde durch den Ritt des zweiten Apokalyptischen Reiters prophetisch dargestellt?

      7 Schauen wir uns die Prophezeiungen einmal etwas genauer an. Als erstes sagte Jesus: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich.“ Damit wurde Krieg vorausgesagt. Der zweite der vier Apokalyptischen Reiter ist ebenfalls ein Sinnbild für Krieg. Wir lesen: „Ein anderes, ein feuerfarbenes Pferd kam hervor; und dem, der darauf saß, wurde gewährt, den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden, und ein großes Schwert wurde ihm gegeben“ (Offenbarung 6:4). Die Menschen führen seit Jahrtausenden Krieg gegeneinander. Wieso sollten diese Worte ausgerechnet für unsere Tage eine besondere Bedeutung haben?

      8. Wieso würden Kriege erwartungsgemäß ein hervorstechendes Merkmal des Zeichens sein?

      8 Es gilt zu beachten, daß Kriege allein nicht das Zeichen für Jesu Gegenwart sind. Das Zeichen setzt sich aus allen Einzelheiten der Prophezeiung Jesu zusammen, die in einem bestimmten Zeitraum zu sehen sind. Krieg ist allerdings das erste der erwähnten Kennzeichen, weshalb eine außergewöhnliche, aufsehenerregende Erfüllung zu erwarten wäre. Und jeder muß zugeben, daß die Kriege des 20. Jahrhunderts in der Geschichte ohnegleichen sind.

      9, 10. Wie begannen sich die Prophezeiungen über Krieg zu erfüllen?

      9 Beispielsweise erreichten keine früheren Kriege — so grausam und verheerend viele auch waren — auch nur entfernt das Ausmaß der Zerstörungen, die die beiden Weltkriege unseres Jahrhunderts anrichteten. Der Erste Weltkrieg forderte letztlich ungefähr 14 Millionen Todesopfer; viele Länder haben nicht einmal so viele Einwohner. Es war wirklich „gewährt [worden], den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden“.

      10 Gemäß der Prophezeiung wurde dem kriegerischen zweiten Apokalyptischen Reiter „ein großes Schwert ... gegeben“. Worauf deutet das hin? Auf immer todbringendere Kriegswaffen. Ausgerüstet mit Panzern, Flugzeugen, tödlichem Giftgas, Unterseebooten und einer Artillerie, die Sprenggranaten über mehrere Kilometer verschoß, konnte man immer wirkungsvoller andere Menschen töten. Und seit dem Ersten Weltkrieg ist das „große Schwert“ durch Funkverkehr und Radar sowie durch den Einsatz von weiterentwickelten Schußwaffen, bakteriologischen und chemischen Waffen, Flammenwerfern, Napalm, neuartigen Bomben, Interkontinentalraketen, Atomunterseebooten, modernen Flugzeugen und riesigen Schlachtschiffen — um nur einiges zu nennen — noch zerstörerischer geworden.

      „Ein Anfang der Bedrängniswehen“

      11, 12. In welchem Sinn war der Erste Weltkrieg nur ein „Anfang der Bedrängniswehen“?

      11 Die ersten Verse der Prophezeiung Jesu schließen mit den Worten ab: „Diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“ Das traf auf den Ersten Weltkrieg ganz bestimmt zu. Sein Ende im Jahre 1918 brachte keinen dauerhaften Frieden. Ihm folgten nach kurzer Zeit zwar begrenzte, aber mit großer Grausamkeit geführte Militäraktionen in Äthiopien, Libyen, Spanien, Rußland, Indien und anderen Staaten. Dann brach der furchtbare Zweite Weltkrieg aus, der etwa 50 Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben kostete.

      12 Außerdem befindet sich die Menschheit trotz zeitweiliger Friedensabkommen und vorübergehender Kampfpausen immer noch im Kriegszustand. 1987 wurde berichtet, daß seit 1960 81 größere Kriege ausgefochten wurden, in denen 12 555 000 Männer, Frauen und Kinder umkamen. Im Jahre 1987 tobten mehr Kriege gleichzeitig als irgendwann zuvor in der Menschheitsgeschichte.1 Außerdem belaufen sich die jährlichen Militärausgaben inzwischen auf eine Billion Dollar, wodurch die Weltwirtschaft nicht unerheblich belastet wird.2 Jesu Prophezeiung, daß sich ‘Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben wird’, hat sich auf jeden Fall erfüllt. Das rote Pferd, das Krieg symbolisiert, setzt seinen furchtbaren Galopp über die Erde fort. Doch was ist zu dem zweiten Merkmal des Zeichens zu sagen?

      Lebensmittelknappheit

      13. Welche tragischen Ereignisse sagte Jesus voraus, und inwiefern unterstützt die Vision von dem dritten Apokalyptischen Reiter diese Prophezeiung?

      13 Jesus sagte voraus: „Es wird Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen geben.“ Man beachte, welche Übereinstimmung in dieser Hinsicht mit dem Ritt des dritten Apokalyptischen Reiters besteht: „Ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd; und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme, als ob sie inmitten der vier lebenden Geschöpfe sagte: ‚Einen Liter Weizen für einen Denar und drei Liter Gerste für einen Denar, und das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht‘ “ (Offenbarung 6:5, 6). Wirklich eine schwere Lebensmittelknappheit!

      14. Welche größeren Hungersnöte sind in Erfüllung der Prophezeiung Jesu seit 1914 aufgetreten?

      14 Kann sich diese Prophezeiung heute erfüllen, da doch einige Länder einen wirklich hohen Lebensstandard erreicht haben? Eine Betrachtung der globalen Situation gibt eine deutliche Antwort. Die Geschichte zeigt, daß Hungersnöte durch Kriege und Naturkatastrophen verursacht werden. Es überrascht daher nicht, daß unser Jahrhundert, in dem es mehr Katastrophen und Kriege gegeben hat als in früheren, wiederholt von Hungersnöten heimgesucht wurde. Viele Gebiete der Erde haben seit 1914 solche Katastrophen erlebt. In einer Aufstellung werden mehr als 60 größere Hungersnöte angeführt, zu denen es seit jenem Jahr in so weit auseinander liegenden Ländern wie Griechenland, den Niederlanden, der Sowjetunion, Nigeria, dem Tschad, Chile, Peru, Bangladesch, Bengalen, Kambodscha, Äthiopien und Japan gekommen ist.3 Einige dieser Hungersnöte dauerten mehrere Jahre an und brachten Millionen den Tod.

      15, 16. Welche andere Form der Lebensmittelknappheit hat heute wahrhaft verheerende Ausmaße?

      15 Über schwere Hungersnöte wird normalerweise weltweit in den Medien berichtet; wenn sie nach einiger Zeit überwunden sind, kehren die Überlebenden allmählich zu einem relativ normalen Leben zurück. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch eine andere, noch bedrohlichere Art der Lebensmittelknappheit entwickelt. Sie ist weniger dramatisch und wird daher oft übersehen. Aber sie besteht Jahr für Jahr. Es handelt sich um die schwere Geißel der Mangelernährung, von der etwa ein Fünftel der Erdbevölkerung betroffen ist und an der jährlich zwischen 13 und 18 Millionen Menschen sterben.4

      16 Mit anderen Worten: Diese Art der Lebensmittelknappheit fordert in etwa zwei Tagen so viele Opfer, wie in Hiroschima durch die Atombombe umkamen. In zwei Jahren sterben mehr Menschen an den Folgen des Hungers, als Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg insgesamt gefallen sind. Hat es also seit 1914 „Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen“ gegeben? Ganz bestimmt!

      Erdbeben

      17. Welches zerstörerische Erdbeben ereignete sich bald nach 1914?

      17 Am 13. Januar 1915, nur einige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, erschütterte ein Erdbeben die Abruzzen (Italien) und forderte 32 610 Todesopfer. Diese Katastrophe erinnerte daran, daß die Kriege und Lebensmittelknappheiten während der Gegenwart Jesu noch von etwas anderem begleitet sein sollten: „Es wird ... Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben.“ Das Erdbeben in den Abruzzen war aber wie der Krieg und die Hungersnot nur „ein Anfang der Bedrängniswehen“.a

      18. Wie hat sich Jesu Prophezeiung über Erdbeben erfüllt?

      18 Das 20. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Erdbeben, und durch die modernen Nachrichtenmedien hat die gesamte Menschheit Kenntnis von den Verwüstungen, die sie anrichten. Um nur einige wenige zu nennen: 1920 starben 200 000 Menschen bei einem Erdbeben in China; in Japan gab es 1923 etwa 99 300 Tote bei einem Beben; 1935 tötete ein weiteres Erdbeben 25 000 Menschen im heutigen Pakistan; 1939 kamen in der Türkei 32 700 Personen durch ein Beben zu Tode. Bei einem Erdbeben, das sich 1970 in Peru ereignete, gab es 66 800 Tote. Und 1976 starben in Tangschan (China) etwa 240 000 (oder gemäß anderen Quellen 800 000) Menschen. Unlängst, im Jahre 1988, gab es 25 000 Tote bei einem verheerenden Erdbeben in Armenien.b Ohne Frage „Erdbeben an einem Ort nach dem anderen“!6

      ‘Tödliche Plagen’

      19. Welche weitere Einzelheit des Zeichens, die durch den vierten Apokalyptischen Reiter dargestellt wurde, sagte Jesus voraus?

      19 Eine weitere Einzelheit der Prophezeiung Jesu hat mit Krankheiten zu tun. Der Evangelist Lukas berichtet, daß Jesus „an einem Ort nach dem anderen Seuchen“ voraussagte (Lukas 21:11). Auch das stimmt mit der prophetischen Vision von den vier Apokalyptischen Reitern überein. Der Name des vierten Reiters lautet Tod. Er veranschaulicht den vorzeitigen Tod aus den verschiedensten Gründen, verursacht unter anderem durch ‘tödliche Plagen und durch die wilden Tiere der Erde’ (Offenbarung 6:8).

      20. Welche außergewöhnliche Epidemie war Teil der Erfüllung der Prophezeiung Jesu über Seuchen?

      20 In den Jahren 1918 und 1919 erkrankten über 1 Milliarde Menschen an der spanischen Grippe, und sie forderte mehr als 20 Millionen Menschenleben, also noch mehr Opfer als der große Krieg.7 Und unsere Generation wird trotz vieler bemerkenswerter medizinischer Fortschritte weiterhin von ‘tödlichen Plagen’ oder „Seuchen“ heimgesucht. Wieso? Weil die ärmeren Länder nicht immer am Segen des wissenschaftlichen Fortschritts teilhaben. Arme Menschen leiden und sterben an Krankheiten, die geheilt werden könnten, wenn mehr Geld zur Verfügung stünde.

      21, 22. Wie leiden die Menschen sowohl in reichen als auch in armen Ländern unter ‘tödlichen Plagen’?

      21 So sind weltweit beispielsweise etwa 150 Millionen Menschen an Malaria erkrankt. Etwa 200 Millionen haben sich mit Bilharziose infiziert. Von der Chagas-Krankheit sind ungefähr 10 Millionen Menschen betroffen. Schätzungsweise 40 Millionen leiden an Onchozerkose („Flußblindheit“). An akuten Durchfallerkrankungen sterben jährlich Millionen von Kindern.8 Tuberkulose und Lepra sind immer noch eine ernste Bedrohung für die Gesundheit. Vor allem die Armen dieser Welt werden „an einem Ort nach dem anderen [von] Seuchen“ heimgesucht.

      22 Den Reichen ergeht es jedoch nicht besser. An Grippe erkranken beispielsweise Arme und Reiche. Im Jahre 1957 forderte eine Grippeepidemie allein in den Vereinigten Staaten 70 000 Tote. Schätzungsweise jeder sechste erkrankt in der Bundesrepublik Deutschland an Krebs.9 Sexuell übertragbare Krankheiten treffen ebenfalls Arme und Reiche in gleicher Weise. In einigen Teilen Afrikas leiden bis zu 18,9 Prozent der Bevölkerung an Gonorrhöe, und in den Vereinigten Staaten ist sie die häufigste ansteckende Krankheit.10 Syphilis, Chlamydieninfektionen und Herpes genitalis sind einige weitere der weltweit auftretenden sexuell übertragbaren „Seuchen“.

      23. Welche ‘tödliche Plage’ macht in letzter Zeit Schlagzeilen?

      23 In den letzten Jahren ist die ‘tödliche Plage’ Aids zur Liste der „Seuchen“ hinzugekommen. Aids ist deshalb eine gefürchtete Krankheit, weil (bei Abfassung dieses Buches) kein Heilmittel in Sicht ist und die Zahl der Opfer ständig steigt. Dr. Jonathan Mann, Direktor des globalen Aidsprogramms der WHO (Weltgesundheitsorganisation), sagte: „Wir rechnen damit, daß heute weltweit schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen mit dem menschlichen Immunschwächevirus (HIV) infiziert sind.“11 Gemäß einer Schätzung findet das Aidsvirus jede Minute ein neues Opfer. Eine wahrhaft ‘tödliche Plage’! Doch wie verhält es sich mit der Prophezeiung über den Tod durch wilde Tiere?

      „Die wilden Tiere der Erde“

      24, 25. (a) Auf welche Art von „wilden Tieren“ bezog sich der Prophet Hesekiel? (b) Was sagte Jesus darüber, daß während seiner Gegenwart „wilde Tiere“ auf der Erde ihr Unwesen treiben würden?

      24 Wenn gegenwärtig in der Zeitung von wilden Tieren die Rede ist, dann zumeist deshalb, weil bestimmte Arten gefährdet oder nahezu ausgerottet sind. „Die wilden Tiere der Erde“ sind weit mehr durch den Menschen bedroht als umgekehrt. In einigen Ländern fallen jedoch immer wieder Menschen wilden Tieren, in Indien beispielsweise Tigern, zum Opfer.

      25 Die Bibel lenkt unsere Aufmerksamkeit allerdings auch auf eine andere Art von wilden Tieren, die in den letzten Jahren Angst und Schrecken verbreiten. Der Prophet Hesekiel verglich gewalttätige Menschen mit wilden Tieren, als er sagte: „Ihre Fürsten in ihrer Mitte sind wie Wölfe, die Raub zerreißen, indem sie Blut vergießen, indem sie Seelen vernichten, um ungerechten Gewinn zu machen“ (Hesekiel 22:27). Als Jesus ‘zunehmende Gesetzlosigkeit’ prophezeite, sagte er im Grunde, daß während seiner Gegenwart solche „wilden Tiere“ auf der Erde ihr Unwesen treiben würden (Matthäus 24:12). Der Bibelschreiber Paulus fügte hinzu, daß die Menschen während der „letzten Tage“ „geldliebend, ... ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten“ seien (2. Timotheus 3:1-3). Ist das seit 1914 der Fall?

      26—28. Welche Berichte aus der ganzen Welt zeigen, daß kriminelle „wilde Tiere“ die Erde durchstreifen?

      26 Ganz bestimmt! Fast jeder, der irgendwo auf der Erde in einer Großstadt lebt, kann das bestätigen. Sollte jemand daran zweifeln, braucht er sich nur einmal die folgenden Zeitungszitate anzuschauen. Kolumbien: „Im letzten Jahr registrierte die Polizei ... etwa 10 000 Morde und 25 000 bewaffnete Raubüberfälle.“ Victoria (Australien): „Starker Anstieg der Schwerverbrechen“. Vereinigte Staaten: „Morde in New York vor neuer Rekordmarke“. „Detroit überrundete im letzten Jahr Gary (Indiana) als Großstadt mit der höchsten Mordrate der Nation — 58 auf je 100 000 Einwohner.“

      27 Simbabwe: „Kindermorde nehmen krisenhafte Ausmaße an.“ Brasilien: „Es werden so viele Verbrechen begangen, und so viele Leute tragen Waffen, daß Nachrichten über Gewalttätigkeiten keine große Aufregung mehr verursachen.“ Neuseeland: „Sexualverbrechen und Schwerkriminalität weiterhin Hauptsorge der Polizei“. „Die Gewalttätigkeit der Neuseeländer untereinander kann nur als barbarisch bezeichnet werden.“ Spanien: „Spanien kämpft gegen zunehmende Verbrechen.“ Italien: „Sizilianische Mafia meldet sich nach Rückschlag mit einer Mordserie zurück.“

      28 Das ist nur eine kleine Sammlung von Zeitungsberichten, die kurz vor der Abfassung dieses Buches erschienen sind. Ohne Zweifel durchstreifen „wilde Tiere“ die Erde und lassen die Menschen um ihre Sicherheit fürchten.

      Das Predigen der guten Botschaft

      29, 30. Welche religiöse Situation herrscht in Erfüllung der Prophezeiung Jesu in der Christenheit?

      29 Wie würde es in der schwierigen Zeit der Gegenwart Jesu um die Religion bestellt sein? Jesus sagte einerseits eine vermehrte religiöse Tätigkeit voraus: „Viele falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen“ (Matthäus 24:11). Andererseits zeigte er aber auch, daß das Interesse an Gott in der Christenheit im allgemeinen einen Tiefstand erreichen würde: „Die Liebe der meisten [wird] erkalten“ (Matthäus 24:12).

      30 Das ist eine genaue Beschreibung dessen, was heute in der Christenheit geschieht. Überall geht es mit den großen Kirchen bergab, weil es ihnen an Unterstützung fehlt. In den einst streng protestantischen Ländern Nordeuropas und in England ist die Religion so gut wie tot. Die katholische Kirche leidet unter Priestermangel, und ihre Unterstützung schwindet. Religiöse Randgruppen erleben dagegen einen plötzlichen Aufschwung. Sekten östlicher Religionen breiten sich aus, und habgierige Fernsehprediger pressen den Menschen Millionen von Dollar ab.

      31. Was sagte Jesus voraus, woran man heute wahre Christen erkennen kann?

      31 Wie steht es jedoch mit dem wahren Christentum, jener Religion, die von Jesus eingeführt und von seinen Aposteln gepredigt wurde? Sie sollte während Jesu Gegenwart noch existieren. Aber woran könnte man sie erkennen? Für das wahre Christentum gibt es eine ganze Reihe von Erkennungsmerkmalen, und eines wird auch in der großen Prophezeiung Jesu erwähnt. Wahre Christen wären mit einem weltumspannenden Predigtwerk beschäftigt. Er sagte voraus: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).

      32. Nur welche Gruppe hat Jesu Prophezeiung aus Matthäus 24:14 erfüllt?

      32 Dieses Predigen erfolgt gegenwärtig weltweit. Heute führt die religiöse Gruppe, die sich Jehovas Zeugen nennt, das umfangreichste Predigtwerk in der Geschichte des Christentums durch (Jesaja 43:10, 12). Im Jahre 1919, als sich die politisch gesinnten großen Kirchen der Christenheit für den zum Scheitern verurteilten Völkerbund einsetzten, wurden Jehovas Zeugen auf diesen globalen Predigtfeldzug vorbereitet.

      33, 34. In welchem Umfang wird die gute Botschaft vom Königreich auf der ganzen Erde gepredigt?

      33 Damals gab es nur etwa 10 000 Zeugen, aber sie waren sich bewußt, welches Werk getan werden mußte. Mutig nahmen sie das Predigtwerk in Angriff. Sie erkannten, daß eine Trennung in Geistliche und Laien sowohl dem biblischen Gebot als auch dem apostolischen Vorbild widersprach. Daher lernten sie alle ohne Ausnahme, mit ihren Mitmenschen über Gottes Königreich zu sprechen. Sie bildeten eine Organisation von Predigern.

      34 Im Laufe der Zeit erduldeten diese Prediger heftigen Widerstand. In Europa wurden sie von verschiedenen totalitären Regimen angegriffen. In den Vereinigten Staaten und in Kanada mußten sie Rechtskämpfe führen und waren Pöbelaktionen ausgesetzt. In anderen Ländern mußten sie mit fanatischen religiösen Vorurteilen und grausamer Verfolgung durch tyrannische Diktatoren fertig werden. Gegenwärtig müssen sie sich mit dem Geist des Skeptizismus und des Hedonismus auseinandersetzen, den viele Menschen entwickelt haben. Sie haben jedoch bis heute ausgeharrt, und ihre Zahl ist inzwischen auf über dreieinhalb Millionen in 212 Ländern und Inselgebieten gestiegen. Nie zuvor ist die gute Botschaft in einem solchen Umfang gepredigt worden — eine eindeutige Erfüllung dieses Teils des Zeichens!

      Was hat das alles zu bedeuten?

      35. (a) Inwiefern ist die Erfüllung von Prophezeiungen in der Gegenwart ein Beweis für die göttliche Inspiration der Bibel? (b) Was bedeutet die Erfüllung des Zeichens, das Jesus für unsere Tage gab?

      35 Wir sind zweifellos Zeugen der Erfüllung des großen Zeichens, das Jesus gab. Diese Tatsache ist ein weiterer Beweis dafür, daß die Bibel tatsächlich das inspirierte Wort Gottes ist. Kein Mensch hätte so lange im voraus die Ereignisse beschreiben können, die sich in unserem 20. Jahrhundert zugetragen haben. Außerdem zeigt die Erfüllung des Zeichens, daß wir in der Zeit der Gegenwart Jesu und des Abschlusses des Systems der Dinge leben (Matthäus 24:3). Was bedeutet das? Was ist mit Jesu Gegenwart verbunden? Und was ist mit dem System der Dinge gemeint, das vor seinem Abschluß steht? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns einem weiteren klaren Beweis für die Inspiration der Bibel zuwenden: ihrer bemerkenswerten inneren Harmonie. Dieses Merkmal werden wir als nächstes betrachten und außerdem erörtern, wieso in Verbindung mit dem Hauptthema der Bibel gerade jetzt ein ehrfurchtgebietender Höhepunkt bevorsteht.

      [Fußnoten]

      a Zwischen 1914 und 1918 ereigneten sich wenigstens fünf Erdbeben, die auf der Richter-Skala die Stärke 8 und mehr erreichten, also stärker waren als das Beben in den Abruzzen. Diese erschütterten jedoch abgelegene Gebiete der Erde und erregten daher nicht soviel Aufmerksamkeit wie das Beben in Italien.5

      b In Verbindung mit einigen dieser Katastrophen werden unterschiedliche Zahlen genannt, was die Opfer betrifft. Alle richteten jedoch große Zerstörungen an.

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