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IrlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1988
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Ehe sie das Missionarheim verließen, um in den Dienst zu gehen, wiederholte jeder mit seinem Dienstpartner die für diesen Tag festgelegte Zeichensprache mit der Hand oder durch Achselzucken. Diese Gesten dienten als stille Warnung vor einem sich nähernden Mob.
Mildred Barr (früher Schwester Willet; jetzt mit ihrem Mann John im Bethel in Brooklyn) erinnert sich an einen Tag, an dem sie mit ihrem grauen Motorrad in den Dienst fuhr. Ihre dunkelbraunen Satteltaschen aus Spaltleder — vollgepackt mit Predigtdienstliteratur, der Mittagsmahlzeit, der Teeflasche und den Überschuhen — hingen über dem hinteren Schutzblech des Motorrads. Sie und Frieda Miller fuhren in ein katholisches Gebiet in Dublin. Dort angekommen, trennten sie sich und parkten ihre Räder an verschiedenen Stellen, wobei sie sich vergewisserten, daß die Räder außer Sichtweite der Wohnungsinhaber waren, aber nahe genug, sie schnell zu erreichen für den Fall, daß sie rasch verschwinden mußten.
Mildred befestigte ihr Motorrad mit Kette und Schloß an einem Geländer und begann mit dem Zeugnisgeben von Haus zu Haus. Sie erinnert sich an folgendes: „Ich sprach mit einer sehr interessierten Frau, als diese plötzlich die Augen weit aufriß und ihr die Kinnlade herunterfiel. Ich fragte sie: ‚Was ist denn passiert?‘ Keine Antwort, nur dieser starre Angstblick. Ich drehte mich um und sah einen Pöbel von acht oder neun Frauen, die das Eingangstor zum Haus blockierten. Aus einem Augenwinkel nahm ich Frieda wahr, die mir das Handzeichen gab — aber es war zu spät. Andere Frauen rannten auf das Haus zu. Ich wußte, daß ich nicht mehr durch das Tor entkommen konnte. So flitzte ich quer durch den Garten, stürmte durch den Nachbargarten, setzte über eine Mauer und sauste zu meinem Motorrad.
Frieda hatte eben ihr Motorrad gestartet; aber meines war noch angekettet. Ich schloß es auf und schwang mich auf den Sattel — aber das Motorrad startete nicht. Ich hatte die Zündkerze in meiner Tasche! Nun also die Zündkerze hineingeschraubt, nochmals den Starter getreten und nichts wie weg! Aber nicht schnell genug — und darüber lachen alle heute noch. Eine Frau, einen Mop schwingend, rannte mir nach. Sie stieß den Mop durch einen Rost des Abwasserkanals, und als ich davonjagte, schwang sie den Mop. Und aus dem Mop floß die Abwasserbrühe über meinen Kopf und den ganzen Rücken. Als ich Frieda einholte, sagte sie: ‚Mann! Mildred, ih! Wenn wir heimkommen, komm mir bloß nicht ins Haus!‘
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IrlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1988
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PÖBELANGRIFF BEI LIMERICK
Obwohl die Leute in Irland meistens freundlich und gastfrei waren, konnten die religiösen Führer einige doch zu Gewalt anstiften. Am 13. Mai 1956 ging Stephen Miller, ein Missionar, mit einem neuen Verkündiger in einem Landgebiet im Westen des Landes in den Predigtdienst. Plötzlich versperrte ihm und seinem Gefährten ein Pöbelhaufen den Weg. Sie sprangen auf ihr Motorrad, um zu entkommen. Aber der Mob verfolgte sie mit ihren Autos, bis sie schließlich in einer Sackgasse in der Falle saßen.
Der Mob, von einem Priester angeführt, umringte Bruder Miller. Einer der Schläger gab Bruder Miller einen Kinnhaken. Dann nahmen sie ihm sämtliche Literatur ab und verbrannten sie auf dem Platz des kleinen Dorfes Cloonlara nahe bei Limerick.
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