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  • Der Oktobermarkt — „Europas ältester internationaler Pferdemarkt“
  • Erwachet! 1999
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Erwachet! 1999
g99 22. 3. S. 15-17

Der Oktobermarkt — „Europas ältester internationaler Pferdemarkt“

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN IRLAND

VERGANGENE Woche noch war es ein friedliches, verschlafenes Städtchen, in dem die Menschen ruhig ihrer Arbeit nachgingen. Aber diese Woche ist die Stadt wie im Aufruhr. Sie ist brechend voll, denn die etwa 6 000 Einwohner spielen für über 50 000 Besucher den Gastgeber. Was aber besonders ins Auge fällt, sind nicht die sich drängenden Menschenmassen oder die vielen Marktstände und auch nicht die buntgekleideten Straßenkünstler, sondern die Pferde! Überall Pferde!

Wo sind wir? In der kleinen Stadt Ballinasloe etwa 140 Kilometer westlich von Dublin, der Hauptstadt Irlands. Was hat diese normalerweise ruhige Stadt so drastisch verändert? Der Oktobermarkt oder „Europas ältester internationaler Pferdemarkt“, wie die Organisatoren ihn bezeichnen.

Warum in Ballinasloe?

Warum ist der Oktobermarkt so beliebt? Erwachet! sprach mit George, einem einheimischen Farmer, der hier schon viele Pferde verkauft hat. Er sagte: „Jeder, egal, ob arm oder reich, kann ein Pferd nach Ballinasloe bringen und hier verkaufen. So einfach ist das.“ Aber was ist denn daran so außergewöhnlich? „In vielen anderen Orten ist der Pferdehandel sehr eingeschränkt und zahllosen Regeln unterworfen“, erläuterte George. „Bei manchen öffentlichen Verkäufen werden nur Pferde einer einzigen Rasse angeboten. Und der Verkauf ist gewöhnlich mit einer Menge schriftlicher Formalitäten verbunden. Es gibt nicht so viele Pferdemärkte, wo man mit seinem Pferd hingeht, es auf die Wiese des Marktgeländes führt und einfach verkauft. Auf dem Oktobermarkt geht der Pferdehandel im großen und ganzen noch genauso vor sich wie in den letzten zweihundert oder dreihundert Jahren — direkte Verhandlungen ganz ohne Formalitäten, direkt auf der Wiese des Marktes.“

Die Frage entstand, wieso Ballinasloe zum Zentrum dieses bunten Treibens geworden ist. Warum kamen Händler sogar aus dem weit entfernten Rußland, um Pferde zu kaufen? Ein kurzer Blick in die Geschichte gibt die Antwort.

Einige irische Könige herrschten von Tara aus, das etwa 30 Kilometer nordwestlich von Dublin liegt. Tara war ein religiöses — und später auch ein politisches — Zentrum in Irland. Die Leute bezahlten in Tara ihre Steuern und erfuhren dort von Gesetzen, die neu erlassen worden waren. Was hat Tara mit Ballinasloe zu tun? Nun, Ballinasloe entstand an einer Furt im Verlauf der aus Westen kommenden Hauptverbindung nach Tara. Wer zur königlichen Residenz unterwegs war oder von dort kam, mußte diese Furt passieren; sie lag etwa einen Tagesritt von der Westküste entfernt, und die Stelle eignete sich sehr gut zum Austausch von Neuigkeiten und Waren. Die Organisatoren des Oktobermarktes behaupten, es gebe Hinweise darauf, daß in dem Gebiet bereits im fünften Jahrhundert u. Z. mit Pferden gehandelt wurde.

Später bot sich Ballinasloe auf Grund seiner günstigen Lage für einen großen offiziellen Markt geradezu an. Er etablierte sich schließlich hier zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Einige Farmer machten sich ungefähr einen Monat vorher auf den Weg und trieben ihr Vieh zum Verkauf auf diesen Markt, obwohl sie dazu ungefähr 200 Kilometer zurücklegen mußten. Mit der Zeit wurden hauptsächlich Pferde gehandelt.

Die Gegend um Ballinasloe ist sehr fruchtbar und eignet sich vorzüglich für die Viehzucht. Dort gedeihen starkknochige, gesunde, fruchtbare Tiere. Der Autor Mark Holdstock schreibt, irische Pferde seien für ihre Robustheit bekannt. Außerdem sagt er, Rassen wie Irish Draught würden in der Gegend seit Hunderten von Jahren gezüchtet und sie seien im Laufe der Jahrhunderte immer kräftiger geworden.

Der Bedarf an Pferden

Heute ist der Pferdehandel das Wichtigste auf dem Markt. Wieso wurden Pferde so bedeutend? Im 18. und 19. Jahrhundert bearbeiteten die Farmer in ganz Irland das Land überwiegend mit Pferden. Sie brauchten kräftige, zuverlässige Pferde, die den Pflug durch den oftmals nassen, morastigen Boden zogen. Aber noch andere benötigten viele Pferde. Armeen brauchten kräftige Pferde, die sich durch den Schlachtenlärm nicht erschrecken ließen und stark und ausdauernd genug waren, schwere Lasten über schwieriges Gelände zu transportieren. Das Irish Draught hat all diese Eigenschaften und war daher sehr gefragt. Aus der Kreuzung mit Thoroughbred entstand ein mutiges, athletisches Pferd, das für die Kavallerie ideal war.

Ebenso wie Soldaten, so fielen auch zahllose Pferde den Kriegen zum Opfer. Um die Pferde zu ersetzen, die in zahlreichen europäischen Schlachten verlorengingen, waren Vertreter des Heeres aus vielen Ländern Europas, ja sogar aus dem weit entfernten Rußland bereit, nach Ballinasloe zu reisen und neue, zuverlässige Vollblutpferde zu kaufen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich der Oktobermarkt zum „größten Pferdemarkt Europas“ entwickelt. Holdstock zufolge gingen Gerüchte um, daß die Hälfte der Pferde, die in der Schlacht bei Waterloo eingesetzt wurden, in Ballinasloe gekauft worden waren.a

Bräuche beim Pferdehandel

Diese spezielle Nachfrage nach Pferden ging im 20. Jahrhundert natürlich drastisch zurück. Pferde der Kavallerie wurden durch Militärfahrzeuge ersetzt, und vor die Pflüge wurden Traktoren „gespannt“. Ja, beinahe wäre der Handel in Ballinasloe zu Ende gegangen. Vor zirka 40 Jahren wurde der Markt jedoch wiederbelebt.

Wie wickelte George, der bereits erwähnt wurde, den Pferdehandel ab? „Ich ging mit den Pferden, die ich verkaufen wollte, einfach auf die Wiese des Marktes“, berichtete er, „und früher oder später kam jemand zu mir und fragte nach dem Preis.“ George erläuterte dann einige Geheimnisse des Pferdehandels: „Wir verhandelten eine Weile, oftmals ziemlich energisch. Wenn der Käufer wirklich an meinem Pferd interessiert war, achtete er bewußt darauf, nicht zu viel Interesse zu zeigen, aus Angst, ich könnte den Preis in die Höhe treiben. Möglicherweise ging er weg, um später wiederzukommen in der Hoffnung, daß ich in der Zwischenzeit kein besseres Angebot erhalten hatte. Vielleicht schickte er auch jemand anders, der mit mir verhandelte und mich beschäftigt hielt, damit andere mir kein Angebot machen konnten. Irgendwann einigten wir uns dann auf einen Preis und besiegelten dies mit Handschlag. Üblicherweise bezahlte der Käufer bar, und das Pferd wechselte sofort den Eigentümer. Eine zentrale Stelle, die irgend etwas regelte, gab es nicht, und war das Geld einmal bezahlt, konnten keinerlei Ansprüche geltend gemacht werden.“

Ein Außenstehender hat vielleicht Schwierigkeiten, festzustellen, welches Pferd verkauft werden soll und welches nicht. George sagte: „Wenn es sich auf der Wiese befindet, dann soll es verkauft werden.“ Weiter wies er auf einige der ortsüblichen Bräuche hin: „Früher — und manchmal heute noch — wurde nach dem Verkauf ein Klumpen Erde auf die Hinterhand des Pferdes gesetzt. Ansonsten wurde es von dem neuen Eigentümer einfach mitgenommen. Nach einer anderen alten Tradition im irischen Pferdehandel gab der Verkäufer des Pferdes etwas ‚Glücksgeld‘ an den Käufer zurück. Das war ein geringer Geldbetrag, der nach Abschluß der Transaktion zurückgegeben wurde und dem Pferd beim neuen Eigentümer ‚Glück bringen‘ sollte.“

„Man muß Pferde und ihren Wert wirklich kennen“, sagte George warnend. „Normalerweise bekommt man das, wofür man bezahlt, und die meisten gehen zufrieden weg. Doch selbst erfahrene Pferdehändler müssen vorsichtig sein. Ich weiß von einem Händler, der ein Pferd verkaufte und, bevor er nach Hause ging, ein Lokal aufsuchte und etwas trank. In der Zwischenzeit kämmte und schnitt der neue Eigentümer die Haare des Pferdes, wodurch er dessen Äußeres völlig veränderte. Das ‚neue‘ Pferd wurde dem ursprünglichen Eigentümer gezeigt, der es sofort zu einem viel höheren Preis kaufte, weil er es für ein anderes Pferd hielt.“

Außer der Gefahr eines Fehlkaufes gibt es auch andere Gefahren. „Man muß darauf achten, wo man steht!“ riet George. „Es ist daran zu denken, daß viele von den zahlreichen Pferden, die möglicherweise stundenlang dicht beieinander sind, durch das Treiben um sie herum nervös werden und dazu neigen, auszuschlagen. Ich habe oft gesehen, daß sich ein verängstigtes Tier aufbäumt, auch wenn es von einem erfahrenen Züchter geführt wird.“ Weiter sagte er: „Ach, noch etwas! Gute Gummistiefel sind vonnöten, denn man wird nicht nur in den Matsch treten!“

[Fußnote]

a Die Schlacht bei Waterloo fand 1815 statt. Darin waren verschiedene Armeen mit insgesamt 185 000 Soldaten verwickelt. Sehr wahrscheinlich wurden Pferde zu Tausenden in der Kavallerie und im Transportwesen eingesetzt.

[Bild auf Seite 16]

Ein Scheck wartet auf einen Käufer

[Bild auf Seite 16, 17]

Die Wiese des Marktes in Ballinasloe am Eröffnungstag

[Bild auf Seite 17]

Eine Kreuzung zwischen Irish Draught und Thoroughbred

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