-
IrlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1988
-
-
Die wenigen Ballungsgebiete wie Dublin, die Hauptstadt der Republik, und Belfast, die Hauptstadt von Nordirland, stehen in starkem Gegensatz zu den ruhigen, friedlichen Städten und Dörfern der ländlichen Gebiete. In dieser Gegend wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Funke der Wahrheit entfacht.
C. T. RUSSELL ENTFACHT DIE WAHRHEIT
Im Jahre 1891 besuchte Charles T. Russell, der erste Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society, Irland. Dies war sein erster Anlaufhafen, als er aus den Vereinigten Staaten anreiste, um das Predigen der christlichen Wahrheit in Europa auszudehnen. Bruder Russell, selbst schottisch-irischer Abstammung, ging in Queenstown (nun Cobh) im Süden Irlands von Bord.
Als Ergebnis seiner Arbeit wurden in Dublin und Belfast Ekklesias oder Versammlungen gegründet, und von diesen begann sich die Botschaft der Wahrheit allmählich auszubreiten. Anfänglich verbreiteten die Brüder Traktate an den Portalen der protestantischen Kirchen und gaben mehr informell als organisiert Zeugnis. Die Zeitschrift The Watchtower von 1904 berichtet: „Auch in Irland dehnte sich die Wahrheit aus: Die treuen Geschwister in Dublin fahren fort, die Botschaft der Liebe auszubreiten, und haben dabei selbst viel Freude.“
Im Jahre 1908 besuchten etwa 300 Personen Bruder Russells Vortrag in Belfast mit dem Thema „Der Sturz von Satans Weltreich“. Zu dieser Zeit gab es in Belfast eine Ekklesia mit ungefähr 24 Bibelforschern. Nachdem sich Bruder Russell in Dublin mit ungefähr 40 Brüdern und anderen interessierten Personen getroffen hatte, sprach er dort zu einer Zuhörerschaft von mehr als tausend Menschen.
-
-
IrlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1988
-
-
Im Jahre 1919 leisteten die Wahlältesten der Versammlung Dublin offenen Widerstand gegen den Rat und die Führung der Organisation Jehovas. Sie stellten sich allem entgegen, was ihnen in der Kontrolle über die Versammlung hinderlich war. Ihre eigenen Ansichten und Gedanken wurden ausschlaggebend (Röm. 12:3). Die Ältesten lasen der Versammlung die Briefe zwar vor, die von der Gesellschaft geschickt wurden, ignorierten aber jeden Rat oder jede Anweisung, die sie enthielten. Einige wenige Treue in der Versammlung fuhren fort, das zu tun, was sie konnten, indem sie sich am Verbreiten von Traktaten und Büchern wie Der göttliche Plan der Zeitalter beteiligten. Die Mehrheit jedoch hatte nicht den Wunsch, diese Tätigkeit durchzuführen.
Charles Wilson, einer der Brüder der ersten Versammlung in Dublin, erinnert sich, wie sich an einem Abend im Jahre 1920 die Dinge zuspitzten. Zu dieser Zeit hatten die meisten schon ihre Wertschätzung für Jehovas Organisation verloren. Er erzählt uns, was passierte:
„Wir gingen abends zur Zusammenkunft, und einer der Ältesten sagte uns, daß die Versammlung beschließen würde, uns aus der Gemeinschaft hinauszutun. Als sie uns mitteilten, daß sie mit den Internationalen Bibelforschern brechen und ihre eigene Organisation gründen würden, entgegnete ich: ‚Gut, ihr braucht uns nicht aus eurer Gemeinschaft hinauszutun. Wir verlassen sie!‘ Ich drehte mich um und verließ den Saal. Bruder und Schwester Brown und Schwester Rutland kamen mir nach.“
Ein Faktor, der entscheidend war, drehte sich um das Predigtwerk mit dem Goldenen Zeitalter und anderen Veröffentlichungen. Ein anderer war, ob man eine mehr theokratische Methode der Organisation befürworten sollte, wie sie damals im Wachtturm besprochen wurde. Es war eine sehr schwierige Zeit, die aber eine Läuterung zur Folge hatte. Von etwa 100 Gliedern der Versammlung hielten nur vier treu zu Jehovas Organisation. Die Abgefallenen zersplitterten sich in noch kleinere, in sich uneinige Gruppen mit eigenen persönlichen Führern.
Das Predigtwerk in Dublin kam fast zum Stillstand. Aber im Laufe der Zeit nahmen andere die Herausforderung an, als Kolporteure oder Vollzeitprediger die gute Botschaft zu verkündigen, und das nicht nur in Dublin, sondern in ganz Irland.
Als Ergebnis des von Geistlichen geschürten Widerstands wurden die Kolporteure manchmal aus ihren Unterkünften vertrieben. Doch waren sie stets bei Schwester Rutland, einer ehemaligen Polizistin, willkommen. Sie war eine der Treuen, die in Dublin übriggeblieben waren. Viele Brüder und Schwestern erinnern sich liebevoll an sie als „Mutter“ Rutland und sind dankbar, daß sie ihr Heim zu einem Zufluchtsort machte, wenn es einmal hart auf hart ging. Bei „Mutter“ Rutland war immer „ein Bissen auf dem Tisch und der Teekessel im Kamin“.
-