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Warum nimmt organisierte Kriminalität zu?Erwachet! 1997 | 8. März
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Als die Yakuza in den 80er Jahren feststellten, wie leicht es war, Kredite aufzunehmen und damit Geld zu verdienen, gründeten sie Firmen und stürzten sich in Spekulationen mit Grundstücken und Aktien. Banken und andere Geldinstitute investierten eine Menge Geld in diese Firmen, offensichtlich in der Hoffnung, selbst daran zu verdienen. Als die Konjunktur schließlich einen Rückschlag erlitt, hatten die Banken alle Mühe, ihr Geld wiederzubekommen. In der Zeitschrift Newsweek wurde ein ehemaliger Polizist zitiert, der über die anhaltende Rezession in Japan folgendes gesagt hatte: „Der wahre Grund dafür, warum die Probleme mit den überfälligen Krediten nicht schnell gelöst werden können, ist, daß nicht wenige Kredite mit dem organisierten Verbrechen zusammenhängen.“
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Warum nimmt organisierte Kriminalität zu?Erwachet! 1997 | 8. März
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Nur eine Pseudofamilie
Außer der Nachfrage nach unerlaubten Handlungen gibt es ein weiteres Bedürfnis, das heute zur Ausbreitung der organisierten Kriminalität beiträgt. Der bereits verstorbene Boß eines der größten Yakuza-Syndikate in Japan behauptete, er würde verhindern, daß Banditen moralisch verkommen, indem er sie aufnehmen und für sie sorgen würde. Er sah sich als Vater der Gangmitglieder. Die meisten Verbrechersyndikate bauen ihre Organisation auf vermeintlich familiären Bindungen auf, ganz gleich, welcher Nationalität sie angehören.
Da ist zum Beispiel Chi Suna in Hongkong, der aus einer armen Familie stammt. Oft wurde er von seinem Vater wegen Lappalien brutal geschlagen. Chi Sun wurde aufsässig und schloß sich im Alter von 12 Jahren schließlich den berüchtigten Triaden an. Die kriminelle Vereinigung wurde für ihn zu einem Ort, wo er sich „zugehörig“ fühlte. Auf Grund seiner Tapferkeit bei bewaffneten Kämpfen stieg er bald in eine Position auf, in der er mehrere Männer unter sich hatte. Doch dann, mit nur 17 Jahren, kam er ins Gefängnis.
Viele wenden sich wie Chi Sun einer kriminellen Vereinigung zu, um die familiäre Bindung zu finden, die in ihrem Zuhause fehlte. Die Gangmitglieder geben vor, für sie zu sorgen, aber die jungen Leute sind oft enttäuscht, wenn sie schließlich feststellen, daß jedes Mitglied hauptsächlich an sich selbst interessiert ist.
Engel des Lichts
Als 1992 in Japan das größte Verbrechersyndikat durch ein neues Antibandengesetz als „gewalttätige Vereinigung“ eingestuft wurde, beharrte einer der Anführer darauf, die Gruppe würde sich selbst als „ritterlich“ verstehen, sie würde das Böse bekämpfen. Dieses Syndikat verteilte Wasser, Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter an Mitbürger, als 1995 Kobe durch ein heftiges Erdbeben heimgesucht wurde. „Die Großzügigkeit“, so die Zeitung Asahi Evening News, „zielt darauf ab, das in Japan seit langem bestehende Image der Yakuza als ehrenhafte Verbrecher zu festigen.“
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Warum nimmt organisierte Kriminalität zu?Erwachet! 1997 | 8. März
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Ähnliches sagte auch ein junger Yakuza in Asien, der freiwillig als lebender Schutzschild für seinen Boß fungiert: „Zu Hause war ich die ganze Zeit allein. Obwohl wir eine richtige Familie waren, hatte ich nie das Gefühl, daß wir ehrlich und offen miteinander reden konnten. ... Das kann ich jetzt mit den Jungs hier tun.“ Einsame Jugendliche sind Mitgliedern krimineller Vereinigungen dankbar, die sie in ein familienähnliches Gefüge einbeziehen.
„Die Yakuza sind echt fürsorglich“, sagt die Anführerin einer Motorradbande auf Okinawa. „Vielleicht ist das ihre Masche; uns spricht es nun mal an, denn zu uns ist nie jemand nett gewesen.“ Der Direktor einer Einrichtung für straffällige Mädchen bestätigt, daß die Gangster „es wirklich verstehen, die Herzen der Mädchen zu erobern“. Wenn sich ein Mädchen einsam fühlt und mitten in der Nacht einen Gangster anruft, eilt dieser zu ihr und hört ihr zu, ohne unbedingt Annäherungsversuche zu machen.
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Eine Welt ohne Verbrechen — Wie?Erwachet! 1997 | 8. März
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In Japan versetzte die Regierung den Yakuza durch das Gesetz zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, das am 1. März 1992 in Kraft trat, einen Schlag. Nachdem eine Organisation als kriminell eingestuft worden ist, sind ihr 11 Handlungen der gewaltsamen Nötigung nicht mehr möglich; darunter fällt das Fordern von Schweigegeld, die Beteiligung am Einziehen von Schutzgeldern sowie das Regeln von Streitigkeiten gegen Bezahlung. Die Regierung erhofft sich durch das Anwenden des Gesetzes, daß alle Einkommensquellen des Mobs versiegen. Die kriminellen Vereinigungen sind durch das Gesetz hart getroffen worden. Einige Gruppen haben sich aufgelöst, und ein Gangsterboß beging Selbstmord, anscheinend weil das Gesetz unerbittlich zur Anwendung kommt.
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Eine Welt ohne Verbrechen — Wie?Erwachet! 1997 | 8. März
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Ein Gangster, der aus einer Yakuza-Gruppe aussteigen möchte, muß entweder eine große Summe Geld zahlen oder sich einen kleinen Finger ganz oder teilweise abschneiden lassen.
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