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Ein neuer Name für eine alte OrgieErwachet! 1995 | 8. Februar
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Yuko in Japan fing vor kurzem an, in einem Büro zu arbeiten. Bald wird Valentinstag sein. Yuko hat ausgerechnet, daß sie 20 000 Yen (200 US-Dollar) ausgeben muß, damit sie jedem Arbeitskollegen eine kleine Schachtel Schokolade kaufen kann. In der Mittagspause geht Yuko mit ihren Freundinnen die obligatorische Schokolade kaufen — hierzulande giri-choco genannt.
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Ein neuer Name für eine alte OrgieErwachet! 1995 | 8. Februar
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[Kasten auf Seite 27]
Wenn Liebe kommerzialisiert wird
RÜCKT in Japan die Zeit für den Valentinstag näher, werden starke Gefühle geweckt — nicht nur romantische Gefühle, sondern auch die der Geschäftswelt. Jahrzehntelang hat die Schokoladenindustrie die Öffentlichkeit dazu animiert, am 14. Februar etwas Süßes als Liebesbeweis zu verschenken. Die aufwendigen Werbekampagnen haben sich bezahlt gemacht, denn der Umsatz von Schokolade ist ständig gestiegen.
Im Gegensatz zur westlichen Welt ist es in Japan Sitte, daß die Frauen für die Männer Geschenke kaufen. Aber mit dem 14. Februar hört die Geschäftemacherei in Verbindung mit dem Valentinstag nicht auf. Einen Monat später, am 14. März, müssen sich die Männer revanchieren — mit weißer Schokolade. Warum? Die Zeitung The Daily Yomiuri kommentiert: „Das Muß, ‚weiße Geschenke‘ zu machen, verhindert, daß geizige oder listige Männer die Schokolade zurückgeben, die sie selbst geschenkt bekommen, jedoch nicht gegessen haben.“
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