-
„Denkt an Pearl Harbor!“Erwachet! 1991 | 8. Dezember
-
-
„Denkt an Pearl Harbor!“
ES WAR ein herrlicher Sonntagmorgen auf der Insel Oahu. In Honolulu befand sich die zwölfjährige Adeline, ein Mädchen japanisch-hawaiischer Herkunft, draußen im Vorgarten. Sie sah Flugzeuge und Rauch über Pearl Harbor. War das wieder einmal eine Übung?
Die Bewohner der Insel Oahu waren so sehr an Militärmanöver und Übungsgeschützfeuer gewöhnt, daß sogar der Vizeadmiral der US-Pazifikflotte, William S. Pye, aus dem Fenster schaute und zu seiner Frau sagte: „Seltsam, daß die Armee sonntags morgens ein Übungsschießen hat.“ Jener Sonntag war der 7. Dezember 1941.
Ein 13jähriger Junge hörte Flugzeuge herannahen und spähte aus dem Fenster. „Vati“, berichtete er seinem Vater, dem Kommandeur des Marineflugplatzes in Kaneohe, „auf den Flugzeugen sind rote Kreise.“ Ein Blick auf die rote Scheibe (die aufgehende Sonne) auf den Flugzeugen der kaiserlichen Kriegsmarine Japans sagte alles — das war ein Überraschungsangriff!
Admiral H. E. Kimmel, Oberbefehlshaber der US-Pazifikflotte in Pearl Harbor, wurde von dem Angriff telefonisch unterrichtet. Sein Gesicht war „so weiß wie seine Uniform“; wie gelähmt beobachtete er, wie feindliche Flugzeuge, Bienenschwärmen gleich, seine Flotte bombardierten. „Ich wußte sofort“, erzählte er, „daß etwas Furchtbares im Gange war und nicht nur ein paar verirrte Flugzeuge zufällig angriffen. Der Himmel war voll feindlicher Flugzeuge.“
„Tora, Tora, Tora“
Nur wenige Minuten bevor Torpedo- und Bombenexplosionen die Stille in Pearl Harbor zerrissen, sichtete ein Offizier an Bord eines japanischen Sturzbombers die Insel Oahu. „Diese Insel ist zu friedlich, um sie anzugreifen“, dachte er.
Das Loch in der Wolkendecke hatte auf Kommandant Mitsuo Fuchida, den Staffelkapitän der Angreifer, allerdings eine ganz andere Wirkung. „Gott muß mit uns sein“, sagte er sich. „Bestimmt hat Gottes Hand die Wolken direkt über Pearl Harbor beiseite geschoben.“
Um 7.49 Uhr gab Fuchida das Angriffssignal „To, To, To“, was auf japanisch „Zum Angriff!“ bedeutet. Überzeugt davon, daß es die amerikanischen Streitkräfte völlig unvorbereitet getroffen hatte, ließ er die berühmten Kode-Wörter „Tora, Tora, Tora“ („Tiger, Tiger, Tiger“) morsen — die Meldung, daß der Überraschungsschlag gelungen war.
Überraschungsangriff gelungen
Wie konnte sich ein so großer, gemischter Kampfverband samt sechs Flugzeugträgern unbemerkt bis zu 370 km an die Insel Oahu heranschleichen? Und wie konnten 183 Flugzeuge die erste Angriffswelle starten, durch das Radarnetz schlüpfen und der US-Pazifikflotte einen solch schweren Schlag versetzen? Zum einen hatte der japanische Kampfverband trotz der stürmischen See im Winter Kurs nach Norden genommen. Nördlich von Pearl Harbor waren die US-Patrouillen am schwächsten. Zum anderen hielt man auf den japanischen Flugzeugträgern eine strikte Funkstille ein.
Allerdings wurde die strategisch wichtige Insel durch Radar überwacht, um ein eventuell herannahendes Flugzeug orten zu können. Zwei Armeesoldaten, die in der mobilen Radarstation Opanas auf der Insel Oahu Dienst hatten, registrierten an jenem entscheidenden Morgen gegen 7 Uhr auf dem Oszilloskop außergewöhnlich umfangreiche Signale, die von „möglicherweise über 50“ Flugzeugen stammten. Als sie die Nachrichtenzentrale alarmierten, wurde ihnen jedoch gesagt, sich deswegen keine Gedanken zu machen. Der Offizier in der Nachrichtenzentrale nahm an, daß es sich dabei lediglich um die amerikanischen B-17-Bomber handelte, die vom Festland her erwartet wurden.
Aber war denn die US-Regierung darauf nicht gefaßt gewesen? Die japanische Regierung hatte ihren Gesandten in Washington (D. C.) eine 14 Punkte umfassende Note geschickt, die sie Außenminister Cordell Hull am 7. Dezember 1941, Punkt 13 Uhr Ortszeit Washington überreichen sollten. Das wäre in Pearl Harbor der Morgen des 7. Dezember gewesen. In der Note hieß es, daß Japan die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten, die von entscheidender politischer Bedeutung waren, abbrechen wird. Die US-Regierung hatte die Nachricht abgefangen und wurde sich nun des Ernstes der Lage völlig bewußt. Am Vorabend dieses folgenschweren Tages hatte der damals amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, die ersten 13 Punkte jener abgefangenen Note erhalten. Nachdem er sie gelesen hatte, meinte er dazu: „Das bedeutet Krieg.“
Die US-Behörden ahnten zwar, daß eine Aggression der Japaner unmittelbar bevorstand, aber in der New Encyclopædia Britannica heißt es: „Sie kannten weder den Zeitpunkt noch den Ort des Geschehens.“ Die meisten dachten, daß sich alles im Fernen Osten, zum Beispiel in Thailand, abspielen würde.
Der Termin um 13 Uhr mußte verschoben werden, da die Schreibkräfte der japanischen Botschaft die Nachricht nur langsam ins Englische übertrugen. Als der japanische Botschafter das Dokument schließlich Außenminister Hull aushändigte, war es in Washington 14.20 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt lag Pearl Harbor schon unter Beschuß und stand kurz vor einer zweiten Angriffswelle. Die Nachricht von dem Überfall hatte Hull bereits erreicht. Er bot den Gesandten nicht einmal einen Stuhl an, überflog die Note und wies ihnen dann unfreundlich die Tür.
Die verspätete Übergabe des geplanten Ultimatums verschärfte die Empörung Amerikas gegen Japan. Selbst einige Japaner meinten, der strategisch wichtige Überraschungsangriff auf Pearl Harbor sei durch diesen Umstand in einen hinterhältigen Überfall verkehrt worden. „Die Worte ‚DENKT AN PEARL HARBOR!‘ wurden zu einem Schwur, der die Kriegslust des amerikanischen Volkes entfachte“, schrieb Mitsuo Fuchida, der Staffelkapitän der ersten Angriffswelle. Er bekannte: „Der Angriff brachte über Japan eine Schande, die selbst nach der Niederlage im Krieg nicht vergessen war.“
Franklin D. Roosevelt nannte den 7. Dezember „einen Tag der Schande“. An diesem Tag wurden in Pearl Harbor acht US-Schlachtschiffe sowie zehn weitere Schiffe entweder versenkt oder schwer beschädigt und über 140 Flugzeuge zerstört. Außer fünf Klein-U-Booten verloren die Japaner 29 der 360 Jagd- und Bombenflugzeuge, die in zwei Angriffswellen attackierten. Über 2 330 Amerikaner kamen um, 1 140 wurden verwundet.
Ganz Amerika vereinte sich gegen Japan in dem Ruf „Denkt an Pearl Harbor!“ „Mit nur einer einzigen Gegenstimme im Abgeordnetenhaus“, heißt es in dem Buch Pearl Harbor as History—Japanese-American Relations 1931-1941, „stellte sich der Kongreß (wie das amerikanische Volk) einmütig hinter die Entscheidung Roosevelts, den Gegner zu schlagen.“ Der Ruf nach Rache für den Überfall war ihnen Grund genug, den Kampf gegen das Land der aufgehenden Sonne aufzunehmen.
Ein Überraschungsangriff für den Weltfrieden?
Wie begründeten die japanischen Herrscher ihre Aggression? So unglaublich es scheint, behaupteten sie, für den Weltfrieden gehandelt zu haben; die ganze Welt sollte eine große Familie oder hakkō ichiu werden. Mit diesem Schlagwort zogen die Japaner begeistert in die blutige Schlacht. „Das Hauptziel der Politik Japans“, verkündete das japanische Kabinett im Jahre 1940, „besteht darin, im Einklang mit dem erhabenen Geist des hakkō ichiu, in dem dieses Land gegründet wurde, dauerhaften Weltfrieden herbeizuführen und als ersten Schritt dorthin eine neue, großostasiatische Ordnung aufzurichten.“
Außer dem Schlagwort hakkō ichiu bestand ein weiteres wichtiges Kriegsziel der Japaner darin, Asien von den Westmächten zu befreien. Beide Ziele betrachtete man als den Willen des Kaisers. Um die Welt zu erobern, führten Militärbefehlshaber die Nation erst in den Krieg mit China und dann in den Krieg mit den Westmächten, die Vereinigten Staaten inbegriffen.
Isoroku Yamamoto, der Oberbefehlshaber der Vereinigten Flotte Japans, war dagegen realistisch und erkannte, daß die japanischen Streitkräfte die Vereinigten Staaten niemals bezwingen könnten. Er sah nur einen Ausweg, wie Japan seine Vormachtstellung in Asien behalten konnte. Die kaiserliche Kriegsmarine mußte „die US-Hauptflotte gleich zu Beginn des Krieges heftig attackieren und sie vernichten, um die Kampfmoral der US-Kriegsmarine und ihrer Leute ein für allemal zu zersetzen“ — das waren seine Überlegungen. Damit war die Idee eines Überraschungsangriffes auf Pearl Harbor geboren.
[Bild auf Seite 4]
Pearl Harbor unter Beschuß
[Bildnachweis]
Foto: U.S. Navy/U.S. National Archives
-
-
„Nie wieder ein Hiroschima!“Erwachet! 1991 | 8. Dezember
-
-
„Nie wieder ein Hiroschima!“
AUCH wenn die Japaner auf ihren Sieg über Pearl Harbor stolz waren und ihn bei ihren Anfangserfolgen vor Augen hatten, geriet er nach der Niederlage Japans allmählich in Vergessenheit. Als die japanische Regierung kürzlich gefragt wurde, weshalb sie sich für den Angriff nicht entschuldigt hatte, antwortete der Kabinettssekretär: „Ganz allgemein und vom strategischen Gesichtspunkt aus gesehen, denke ich, daß der Angriff auf Pearl Harbor alles andere als ruhmreich war. Aber alle Angelegenheiten in Verbindung mit dem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sind in dem Friedensvertrag von San Francisco geregelt worden.“
Seine Worte stehen stellvertretend für die Meinung einiger Japaner zu dem Überraschungsangriff, der den Pazifikkrieg auslöste. Zwar reisen über eine Million Japaner jedes Jahr nach Hawaii, doch wie die Zeitung Mainichi Shimbun berichtet, besichtigen nur relativ wenige die Gedenkstätte des Arizona Memorial, die an den Angriff auf Pearl Harbor erinnern soll.
Während das Schlagwort „Denkt an Pearl Harbor!“ bei einigen Amerikanern schmerzliche Erinnerungen weckt, gedenken die Japaner ihrer Leiden mit dem Ruf „Nie wieder ein Hiroschima!“ Die Atomexplosionen über Hiroschima und Nagasaki im August 1945 wurden sowohl für die betroffenen Opfer als auch für die gesamte Nation zu einem Trauma.
Augenzeugenberichte helfen uns, mit den Überlebenden mitzufühlen. Itoko zum Beispiel war gerade aus der Schule gekommen und arbeitete als Sekretärin bei der Marineverwaltung in Hiroschima. Obwohl sie sich innerhalb des Gebäudes befand, in dem sie arbeitete, wurde sie von dem Atomblitz erfaßt; ihr war, als würde sie von ihm mitgerissen. „Zusammen mit den Soldaten säuberten wir die Stadt von den Leichnamen“, erzählt Itoko. „Die Soldaten fischten jedesmal, wenn sie ein Schleppnetz ins Boot zogen, über 50 Leichname aus dem Fluß. Wir brachten sie ans Ufer, stapelten jeweils fünf übereinander und verbrannten sie. Die meisten waren unbekleidet. Ich konnte nicht unterscheiden, ob ich einen Mann oder eine Frau vor mir hatte; ihre Lippen waren so geschwollen, daß sie wie Entenschnäbel aussahen.“ Nie wird der Japaner die durch die beiden Atombomben verursachten Greuel vergessen können.
Warum die Massenvernichtungswaffe eingesetzt wurde
Professor Shigetoshi Iwamatsu von der Universität Nagasaki, selbst ein Überlebender der Atomexplosion, schrieb vor über 20 Jahren an westliche Zeitungen und schilderte ihnen das Elend der Opfer. „Das Echo darauf war niederschmetternd“, berichtet die Asahi Evening News. „50 Prozent der Antworten, die er erhielt, besagten, daß die Atombomben schließlich die Aggression Japans gestoppt hätten und es daher recht sonderbar sei, wenn die Bombenopfer um Frieden bitten würden.“
Zur Begründung für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen schreibt The Encyclopedia Americana: „Er [Harry S. Truman] entschied sich dafür, Atombomben gegen Japan einzusetzen, weil er dachte, so den Krieg verkürzen und Leben retten zu können.“ Der japanische Journalist Kenkichi Tomioka beschrieb die chaotische Nachkriegszeit und bekannte, ohne die Gefühle der Atombombenopfer verletzen zu wollen: „Wenn wir auf die Zeit zwischen März/April und August 1945 zurückblicken, als die Einsätze, die den Krieg beenden sollten, einen für die Nation schicksalhaften Höhepunkt erreichten, können wir nicht umhin, die Rolle der beiden Arzneimittel [der Atombomben] anzuerkennen, die die Hitzköpfe ernüchterten und jenen Militaristen verabreicht wurden, die lauthals einen Kraftakt zur Verteidigung des Heimatlandes verlangten. Solch ein Kraftakt hätte für die 100 Millionen Menschen in Japan das gyokusai (eher sterben als kapitulieren) bedeutet.“
Dennoch sind Worte der Rechtfertigung für den Abwurf der pikadon („Blitz-Explosion“), wie Überlebende die Atombombe nannten, kein Balsam für die Wunden derer, die durch die Atombombe liebe Angehörige verloren haben oder zufolge der Strahlung schwer erkrankt sind. Einige Überlebende, die sich lange als unschuldige Opfer gesehen haben, meinen heute, daß sie sich als Japaner, wie Professor Iwamatsu weiter ausführte, „zu den in ihrer Aggression begangenen Verbrechen gegen andere Länder im asiatisch-pazifischen Raum“ bekennen müssen. 1990 entschuldigte sich ein Überlebender anläßlich der in Hiroschima jährlich stattfindenden Demonstrationen gegen die Atombombe vor ausländischen Delegierten für die Kriegsverbrechen Japans.
Mußte das Töten wirklich sein?
Viele Überlebende und Augenzeugen von Pearl Harbor, Hiroschima und Nagasaki verabscheuen den Krieg zutiefst. Rückblickend bezweifeln einige, daß ihr Vaterland berechtigt war, ihre Angehörigen zu opfern.
Um die Kriegslust zu schüren und das Abschlachten zu rechtfertigen, attackierte man sich auf beiden Seiten mit Worten. Die Amerikaner nannten die Japaner „hinterhältige Japse“ und konnten mit den Worten „Denkt an Pearl Harbor!“ Haß- und Rachegefühle immer wieder neu auflodern lassen. In Japan sagte man den Leuten, die Amerikaner seien kichiku — „teuflische Bestien“. In Okinawa wurden viele sogar dazu angehalten, eher Selbstmord zu begehen, als in die Hände der „Bestien“ zu fallen. Ähnlich ging es auch Itoko, die zuvor erwähnt wurde; nachdem die amerikanischen Invasionsstreitkräfte in einem nahe gelegenen Hafen gelandet waren und die Japaner kapituliert hatten, gab ihr der Kommandeur zwei Kapseln Zyankali. „Laß dich nicht zum Spielball der ausländischen Soldaten machen!“ befahl er.
Dank Itokos japanisch-hawaiischer Freunde erweiterte sich ihr Gesichtskreis jedoch immer mehr, und ihr wurde klar, daß auch Amerikaner und Briten freundliche, feine und liebenswürdige Menschen sein können. Dann begegnete sie George, einem aus Singapur gebürtigen Iren, dessen Vater von einem Japaner getötet worden war. Sie lernten sich immer besser kennen und heirateten. Die beiden sind nur zwei von vielen, die entdeckt haben, wie liebenswert ihre ehemaligen Feinde sind. Hätte jeder die „Feinde“ objektiv und nicht durch die vom Krieg gefärbte Brille betrachtet, dann hätte er sie statt mit Bomben mit Liebe überschüttet.
Ja, ein auf gegenseitigem Verständnis beruhender Frieden zwischen Einzelpersonen ist für den Weltfrieden unerläßlich. Aber die vielen Kriege seit 1945 lassen erkennen, daß die Menschheit diese grundlegende Lektion von Pearl Harbor und Hiroschima nicht begriffen hat. Dennoch reicht selbst Frieden zwischen Einzelpersonen für den Weltfrieden nicht aus. Was ist dann erforderlich? Das erläutert der nächste Artikel.
[Herausgestellter Text auf Seite 7]
Während das Schlagwort „Denkt an Pearl Harbor!“ bei einigen Amerikanern schmerzliche Erinnerungen weckt, gedenken die Japaner ihrer Leiden mit dem Ruf „Nie wieder ein Hiroschima!“
[Herausgestellter Text auf Seite 8]
Ein auf gegenseitigem Verständnis beruhender Frieden zwischen Einzelpersonen ist für den Weltfrieden unerläßlich
[Bild auf Seite 7]
Lloyd Barry und Adrian Thompson, Missionare der Zeugen Jehovas, vor der Friedensgedenkstätte in Hiroschima (1950)
[Bild auf Seite 8]
Das zerstörte Hiroschima nach der Atombombenexplosion
[Bildnachweis]
U.S. Army; mit freundlicher Genehmigung des japanischen Friedensmuseums
-
-
Wenn alte Wunden heilenErwachet! 1991 | 8. Dezember
-
-
Wenn alte Wunden heilen
DIE kleine Adeline Nako, von der zu Beginn dieser Artikelserie berichtet wurde, entwickelte eine starke Antipathie gegen Japan, das Heimatland ihrer Vorfahren. Wenn Kinder die Hawaiianer japanischer Abstammung „Japse“ riefen, begehrte sie stets auf: „Wir sind Amerikaner!“ Sie malte Plakate wie: „Fegt die Achsenmächte weg!“ und beteiligte sich mit Feuereifer an der Briefmarkenaktion zur Mitfinanzierung des Krieges. Adeline erzählt: „Ich war richtig stolz auf das 100. und das 442. Bataillon der nisei (der zweiten Generation Amerikaner japanischer Abstammung), die mutig für Amerika kämpften.“
Im Laufe der Jahre überlegte sie sich jedoch: „Wieso bringen sich Menschen gegenseitig um?“ Das alles ergab keinen Sinn. „Buddhisten sind in den Krieg gezogen. Christen ebenfalls. Das sind doch alles Heuchler“, dachte sie. Als sie mit Zeugen Jehovas ein Bibelstudium begann, fragte sie die Zeugin, die mit ihr studierte, herausfordernd: „Geht ihr Zeugen Jehovas in den Krieg?“
Man erklärte ihr, daß Jehovas Zeugen nicht zur Waffe greifen, um andere zu töten. Damals tobte in Europa und in Asien noch immer Krieg. Adeline erfuhr, daß die Zeugen in Deutschland ins Konzentrationslager und in den Vereinigten Staaten ins Gefängnis gehen mußten, weil sie nicht in den Krieg zogen. „Das muß die wahre Religion sein“, dachte sie sich.
Ein friedlicher Auftrag
Was sie aus der Bibel lernte, weckte in ihr den Wunsch, sich Jehova, dem Gott der Bibel, hinzugeben. Ihre Hingabe an den „Gott des Friedens“ bewog sie, in ihrer Liebe zu anderen weiter zu werden und dem Beispiel von fünf Hawaiianern japanischer Abstammung zu folgen, die sich kurz nach dem 2. Weltkrieg bereit erklärt hatten, nach Japan zu gehen (Philipper 4:9). Sie wollten gern als Missionare in dem Land ihrer Vorfahren den ehemaligen Feinden die tröstende biblische Botschaft vom Königreich verkündigen (Matthäus 24:14).
Shinichi Tohara, der bereitwillig in das vom Krieg zerrissene Japan ging, weiß noch, wie er seine damalige Aufgabe empfand. „Ich dachte über die Treue der Japaner gegenüber menschlichen Herren und dem Kaiser nach“, schildert er, „über die Kamikaze-Piloten, die ihr Leben für den Kaiser hingaben, indem sie sich mit ihren Flugzeugen vorsätzlich auf die feindlichen Kriegsschiffe stürzten. Wenn die Japaner Menschen so treu ergeben sind, überlegte ich mir, wie werden sie dann erst reagieren, wenn sie den wahren Herrn, Jehova, finden?“
Mit einer solch positiven Einstellung kamen jene Freiwilligen 1949 in das kurz zuvor von B-29-Bombern in Schutt und Asche gelegte Tokio. Was fanden sie in den Hütten inmitten der Ruinen? Ein eher zurückhaltendes, aber emsiges Volk. Natürlich waren einige Leute noch immer sehr verbittert und voreingenommen. Viele nahmen die biblische Friedensbotschaft jedoch gut auf.
Adeline schloß sich 1953 den ersten Missionaren an. Voller Eifer half sie allen, die nach der tröstenden Botschaft der Bibel hungerten und dürsteten. Freilich traf sie in ihrem Predigtdienst auch gegnerisch eingestellte Menschen. Oft sagten die Leute: „Ihr habt die Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki abgeworfen!“
„Nun“, pflegte sie dann zu entgegnen, „wissen Sie, ich komme von Hawaii. Und Japan hat Pearl Harbor zuerst angegriffen und dort viele Menschen umgebracht. Dennoch hat mich das nicht daran gehindert, nach Japan zu kommen, um den Menschen von der guten Botschaft zu erzählen.“ In der Regel besänftigte das die Leute, und sie nahmen bibelerklärende Literatur entgegen.
Dank der ausgezeichneten Grundlage, die die ersten Missionare von Hawaii und aus anderen Ländern gelegt haben, gehören nun über 150 000 Japaner zu einer Bruderschaft, die den ‘Krieg nicht mehr lernt’ (Jesaja 2:4; 1. Petrus 2:17).
Das Ende aller Kriege
Für den Weltfrieden ist es unbedingt erforderlich, andere gut zu kennen und sie selbstlos zu lieben. Allerdings ist das noch nicht genug. Viele, die Frieden liebten und auf der gegnerischen Seite Freunde hatten, wurden aus sogenannt „berechtigten“ Gründen gegen ihren Willen in den Pazifikkrieg geschickt. Die nationalistische Propaganda unterdrückte ihre natürlichen Empfindungen. Einige weigerten sich zwar, in den Krieg zu gehen, und riskierten dabei sogar, ins Konzentrationslager oder ins Gefängnis zu kommen, aber ihr lobenswertes Verhalten konnte nur wenig, wenn überhaupt etwas gegen die Kriegsleidenschaft ausrichten.
Wenn eine ganze Nation in den Krieg geführt wird, sind dafür nicht nur Menschen verantwortlich. Normalerweise beteuern alle Beteiligten, daß sie keinen Krieg wollen. Doch eine sehr starke Macht dirigiert sie entgegen ihren Wünschen. Die Bibel nennt diese starke Macht den „Gott dieses Systems der Dinge“ (2. Korinther 4:4). Ja, „die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“, Satans, des Teufels (1. Johannes 5:19; siehe auch Johannes 12:31; 14:30).
Die Bibel verheißt allerdings, daß ‘der Gott, der Frieden gibt, Satan zermalmen wird’ (Römer 16:20). Den Auftakt dazu bildete ein Ereignis, das vor etwa 77 Jahren im Himmel stattfand. Hören wir uns an, was der Apostel Johannes in einer begeisternden Vision sah — und das 18 Jahrhunderte vor deren Erfüllung im Jahre 1914: „Krieg brach aus im Himmel ... Und hinabgeschleudert wurde der große Drache — die Urschlange —, der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt; er wurde zur Erde hinabgeschleudert, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeschleudert“ (Offenbarung 12:7-9).
Seitdem darf sich Satan, der Teufel, nur noch im Bereich der Erde aufhalten. Er gebraucht Politiker und Militärs wie Marionetten, wodurch er in den Kriegen unseres Jahrhunderts unermeßliches Leid verursacht hat. Seine Ungeduld spiegelt allerdings lediglich seine Wut wider, „da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat“ (Offenbarung 12:12). Durch die mächtige Hand Jesu Christi, des „Fürsten des Friedens“, wird Gott nach „Har-Magedon“, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, Satans Einfluß ausschalten (Jesaja 9:6; Offenbarung 16:14, 16).
Im Gegensatz zu allen anderen von Menschen geführten Kriegen wird in dem kommenden Krieg Gottes der vollkommene Maßstab der Gerechtigkeit angelegt. Diesen Maßstab stellt der Schöpfer des Menschen auf, dem das Wohl der Menschheit am Herzen liegt. Politische Führer zwingen ihre Untertanen, in den Krieg zu gehen, doch Jehova, unser Schöpfer, sagt zu seinem Volk das, was er der Nation Israel in den Tagen König Josaphats von Juda im 10. Jahrhundert v. u. Z. sagte: „Ihr werdet hierbei nicht zu kämpfen haben. Stellt euch hin, bleibt stehen, und seht die Rettung Jehovas für euch“ (2. Chronika 20:17).
Wenn die finsteren Wolken der Herrschaft Satans fortgeblasen sind, werden Menschen aus allen Nationen weltweit in wahrem Frieden und echter Sicherheit leben. Dann werden die von Jesaja vorhergesagten Verhältnisse eintreten. „Siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und an das Frühere wird man nicht mehr denken, und es wird nicht mehr in den Sinn kommen“ (Jesaja 65:17, Revidierte Elberfelder Bibel).
Es wird keine schmerzlichen Erinnerungen mehr an Pearl Harbor geben, und die Opfer der Atomexplosionen über Hiroschima und Nagasaki werden nicht mehr rufen: „Nie wieder ein Hiroschima!“ Weshalb? Weil dann auch die folgenden prophetischen Worte Jesajas auf alle Menschen zutreffen werden: „Er [Gott] wird gewiß Recht sprechen unter den Nationen und die Dinge richtigstellen hinsichtlich vieler Völker. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nation wird nicht gegen Nation das Schwert erheben, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja 2:4).
Diese Prophezeiungen erfüllen sich schon jetzt an Jehovas Zeugen, die heute eine millionenstarke weltweite Bruderschaft bilden. Das fällt besonders bei ihren internationalen Kongressen auf, die sie in verschiedenen Teilen der Welt abhalten. Auch du kannst ihre internationale Einheit und ihren Frieden erleben. Bemühe dich herauszufinden, wie du zu dem Volk gehören kannst, das bereits ‘seine Schwerter zu Pflugscharen und seine Speere zu Winzermessern geschmiedet’ hat, das ‘den Krieg nicht mehr lernt’ und sich darauf freut, daß es bald auf einer paradiesischen Erde keine Kriege mehr geben wird (Psalm 46:8, 9).
[Bild auf Seite 9]
Jerry und Yoshi Toma, Shinichi und Masako Tohara und Elsie Tanigawa waren bereit, ihren ehemaligen Feinden zu helfen
[Bild auf Seite 10]
Eine weltweite Bruderschaft dient Gott heute in Einheit und Frieden
-