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JapanJahrbuch der Zeugen Jehovas 1998
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Kunihito Kobayashi
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JapanJahrbuch der Zeugen Jehovas 1998
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Ein bemerkenswerter Fall, bei dem man vor Gericht ging, betraf den 16jährigen Kunihito Kobayashi von der Städtischen Fachschule für industrielle Technik in Kobe. (In Japan bieten technische Fachschulen einen fünfjährigen Wahlkurs an, bei dem drei Jahre High-School angerechnet werden.) An gewissen Schulen war es üblich geworden, Schüler, die nicht an Kampfsportkursen teilnahmen, durchfallen zu lassen oder von der Schule zu verweisen. Damit wurde ihnen das Recht auf eine Ausbildung verweigert. Während des Zonenaufseherbesuchs von Bruder Lloyd Barry im Dezember 1986 wurde empfohlen, einen vorbildlichen Bruder, vorzugsweise den Sohn eines Ältesten, der sich gerade mit diesem Problem auseinandersetzte, auszuwählen und Klage gegen die Verweisung von der Schule einzureichen.
Kunihito Kobayashi hatte 1990 zusammen mit vier anderen Schülern die Teilnahme an Kendoübungen (Kendo: japanische Schwertfechtkunst) verweigert, wobei sie dem ausdrücklichen Gebot aus Jesaja 2:4 nachkamen, ‘Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden und den Krieg nicht mehr zu lernen’. Als Ergebnis wurde ihnen die Versetzung in die nächste Jahrgangsstufe verweigert. Obwohl Kunihito Klassenbester war, verwies man ihn später von der Schule, weil er zwei Jahre hintereinander im Schulfach Sport durchgefallen war. Kunihito und vier weitere junge Brüder reichten Klage ein mit der Begründung, das Vorgehen der Schule verstoße gegen das in der Verfassung garantierte Recht auf Religionsfreiheit und gegen das Recht auf Ausbildung. Nachdem verschiedene Rechtsmittel eingelegt worden waren, gelangte Kunihitos Fall schließlich vor den Obersten Gerichtshof. Am 8. März 1996 entschieden die Richter des Kleinen Senats des Obersten Gerichtshofs einstimmig zu Kunihitos Gunsten und erklärten, daß die Schule ein Gesetz verletzt hatte, als sie ihn zwang, sich entweder für seine Religion oder für seine Ausbildung zu entscheiden. Dies war die erste Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, bei der die Religionsfreiheit und die Autorität einer Schule bezüglich ihres Lehrplans gegeneinander abgewogen wurden. Der neue Schulleiter rief die gesamte Schülerschaft zusammen und räumte ein, die Schule habe in diesem Fall kein gutes Urteilsvermögen bekundet; er bat darum, Herrn Kobayashi als Mitschüler wieder herzlich willkommen zu heißen. Im April 1996, vier Jahre nachdem er von der Schule gewiesen worden war, drückte Bruder Kobayashi, der nun 21 Jahre alt war, wieder die Schulbank.
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