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JapanJahrbuch der Zeugen Jehovas 1998
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Am 21. Juni 1939 wurden 130 Mitarbeiter der Todaisha („Leuchtturm-Gesellschaft“, wie die Organisation der Zeugen Jehovas in Japan damals genannt wurde) auf einen Schlag verhaftet und ins Gefängnis gebracht, wodurch es gelang, in den Kriegsjahren die organisierte Tätigkeit zum Erliegen zu bringen.
Leider fiel der Zweigaufseher unter jenem Druck von der Wahrheit ab. Die meisten von der Todaisha — ausgenommen einige Loyale wie die Familien Ishii und Miura — folgten seinem Lauf und gaben den Dienst für Jehova auf. Das Versagen dieser Gruppe ist unter anderem dem Umstand zuzuschreiben, daß sie einem Menschen, Junzo Akashi, nachgefolgt war. Er, ein bereits verheirateter Mann, übernahm den traditionellen japanischen Brauch der Polygamie. Seine erste Frau diente weiterhin über 40 Jahre treu als Pionierin in New York, und in der Versammlung Manhattan-West denken so manche, die sie als Schwester Ogawachi gekannt haben, gern an sie zurück. Als nach dem Krieg Gileadmissionare nach Japan kamen, stießen sie in Osaka auf eine große Gruppe der Todaisha. Diese ließen sich die Taufe bezahlen und, was noch schlimmer war, sie folgten Akashi nach, indem sie ein äußerst unmoralisches Leben führten. Da sie es ablehnten, diese Lebensweise aufzugeben, mußte um der sittlichen Reinheit der Versammlung willen etwa 30 von ihnen die Gemeinschaft entzogen werden.
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JapanJahrbuch der Zeugen Jehovas 1998
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Ganz anders verhielt es sich dagegen mit Jizo und Matsue Ishii, die unter den ersten japanischen Kolporteuren waren. In den Jahren 1929 bis 1939 bearbeiteten sie das gesamte Land. Im Juni 1939 wurden sie festgenommen und in Sendai ins Gefängnis geworfen. Matsue erinnert sich noch gut an ihr erstes Jahr in Einzelhaft in einer winzigen, schmutzigen Zelle, in der es von Flöhen wimmelte. Sie durfte weder duschen noch baden, und ihr Körper war von Wanzen zerbissen. Sie magerte auf 30 Kilogramm ab, bestand nur noch aus Haut und Knochen und war dem Tode nahe. Als sie in ein anderes Gefängnis verlegt wurde, erholte sie sich bis zu einem gewissen Grad, und Ende 1944 ließ man sie frei. Ihrem Mann erging es ähnlich, und später bewahrte er außerdem seine Lauterkeit, indem er Bluttransfusionen ablehnte (Apg. 21:25). Er starb im Alter von 71 Jahren. Matsue ist nach wie vor eine treue Zeugin Jehovas. Sie bemerkt: „Die meisten von denen, die sich vor dem Krieg durch ihre Fähigkeiten und ihren Intellekt auszeichneten, verließen Gottes Organisation, als sie unter großen Druck gesetzt wurden. ... Diejenigen, die treu blieben, verfügten nicht über besondere Fähigkeiten und waren eher unauffällig. Bestimmt müssen wir alle stets mit ganzem Herzen auf Jehova vertrauen“ (Spr. 3:5).
Ein weiteres glaubenstreues Ehepaar waren Katsuo und Hagino Miura, die 1931 den Kolporteurdienst aufnahmen. Auch sie wurden 1939 eingesperrt, und zwar in Hiroschima. Sie weigerten sich, den Kaiserkult mitzumachen und Japans Militarismus zu unterstützen. Katsuo wurde heftig geschlagen, und er blieb bis August 1945, als das Gefängnis durch eine Atombombe zerstört wurde, in Haft. Im Alter von nur 38 Jahren war seine Gesundheit bereits ruiniert. Bei seiner Freilassung sah er aus wie ein alter Mann. Er kehrte in das nördlich gelegene Ischinomori zurück, wo Hagino, die bereits früher freigelassen worden war, ihren Sohn, den jungen Tsutomu, aufzog.
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