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Lerne Jehovas Eigenschaften noch mehr schätzenDer Wachtturm 2013 | 15. Juni
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Lerne Jehovas Eigenschaften noch mehr schätzen
„Werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder“ (EPH. 5:1)
1. (a) Welche Eigenschaften Jehovas könnte man studieren? (b) Wie kommt uns das zugute?
WORAN denkst du, wenn von Jehovas wunderbaren Eigenschaften die Rede ist? Vielen von uns kommt spontan Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht in den Sinn. Natürlich ist uns klar, dass er sich noch durch viele andere Eigenschaften auszeichnet, die ihn liebenswert machen. In unseren Veröffentlichungen sind im Lauf der Jahre schon über 40 verschiedene Facetten seiner Persönlichkeit ausführlich behandelt worden — eine regelrechte „Schatztruhe“ voller faszinierender Details, die nur darauf wartet, von uns entdeckt zu werden! Wie kommt es uns zugute, diese Eigenschaften persönlich oder als Familie zu studieren? Wir lernen unseren Vater im Himmel noch mehr lieben und schätzen. Und dadurch wird der Wunsch umso stärker, ihm nahe zu sein und uns an ihm ein Beispiel zu nehmen (Jos. 23:8; Ps. 73:28).
2. (a) Welche Veranschaulichung zeigt, wie wir Jehovas Eigenschaften noch mehr schätzen lernen können? (b) Womit wollen wir uns jetzt befassen?
2 Wie kann man denn etwas noch mehr schätzen lernen? Indem man sich den Wert stärker bewusst macht. Das ist oft ein fortlaufender Prozess. Ein Beispiel: Angenommen, du probierst zum ersten Mal ein bestimmtes Gericht. Erst genießt du den Duft, der davon aufsteigt. Dann lässt du dir jeden Bissen auf der Zunge zergehen. Und schließlich kochst du es selbst nach. So ähnlich lernen wir eine Eigenschaft Jehovas noch mehr schätzen, wenn wir sie zunächst etwas genauer untersuchen, tief darüber nachdenken und uns dann bemühen, sie auch selbst auszuleben (Eph. 5:1). In diesem und in den nächsten beiden Artikeln wollen wir uns deshalb mit einigen Eigenschaften unseres Gottes befassen, über die wir vielleicht nicht so oft nachdenken, und uns dabei jeweils fragen: Was genau ist das für eine Eigenschaft? Wie zeigt sie sich an Jehova? Und wie können wir ihn auf diesem Gebiet nachahmen?
JEHOVA — NAHBAR UND ZUGÄNGLICH
3, 4. (a) Wie würdest du jemand beschreiben, der nahbar oder zugänglich ist? (b) Wie versichert uns Jehova, dass er nahbar ist?
3 Wie würdest du jemanden beschreiben, der nahbar oder zugänglich ist? Vielleicht sagst du: „Er ist freundlich, ich brauche keine Hemmungen zu haben, ihn anzusprechen, und er ist nie zu beschäftigt, mit mir zu reden.“ Ob jemand so ist, erkennt man nicht nur daran, wie er redet, sondern schon an seiner Körpersprache — etwa an Gesten und am Gesichtsausdruck.
4 Wie macht Jehova deutlich, dass er nahbar ist? Er — der allmächtige Schöpfer des gigantischen Weltalls — sichert uns zu, dass er nur zu gern unsere Gebete hört und darauf reagiert. (Lies Psalm 145:18; Jesaja 30:18, 19.) Wir können so lange mit ihm reden, wie wir möchten, ganz gleich, wie viel Uhr es ist oder wo wir gerade sind. Wir brauchen nie Hemmungen zu haben, uns an ihn zu wenden, denn wir wissen, er würde uns deswegen nie Vorwürfe machen (Ps. 65:2; Jak. 1:5). Er wünscht sich, dass wir zu ihm kommen — und damit uns das leichter fällt, beschreibt ihn die Bibel in Begriffen, die wir Menschen gut nachvollziehen können. Zum Beispiel schrieb David in einem Psalm, dass Jehova seine Augen auf uns gerichtet hat und uns mit seiner rechten Hand festhält oder stützt (Ps. 34:15; 63:8). Der Prophet Jesaja verglich Jehova mit einem Hirten und schrieb: „Mit seinem Arm wird er die Lämmer zusammenbringen; und in seinem Busen wird er sie tragen“ (Jes. 40:11). Stell dir vor: Jehova möchte, dass wir ihm so nahe sind wie ein kleines Lamm, das sich an seinen liebevollen Hirten kuschelt! Geht es uns nicht zu Herzen, wie überaus nahbar unser himmlischer Vater ist? Wie können wir sein Vorbild nachahmen?
EINE AUSGESPROCHEN WERTVOLLE EIGENSCHAFT
5. Warum ist es für Älteste besonders wichtig, nahbar zu sein?
5 Kürzlich wurden einige Brüder und Schwestern aus aller Welt gefragt: „Welche Eigenschaft ist dir bei einem Ältesten am wichtigsten?“ Die überwältigende Mehrheit antwortete: „Dass er nahbar ist.“ Natürlich möchten wir alle daran arbeiten, uns auf diesem Gebiet stetig zu verbessern. Doch für Älteste gilt das ganz besonders (Jes. 32:1, 2). Zu der Frage, warum ihr dieser Charakterzug so wichtig ist, bemerkte eine Schwester: „So viele gute Eigenschaften ein Ältester auch hat, sie kommen uns nur zugute, wenn er nahbar ist.“ Klingt das nicht logisch? Nur: Was genau macht jemand denn nahbar?
6. Was ist mitentscheidend dafür, ob jemand nahbar ist?
6 Mitentscheidend dafür ist, andere spüren zu lassen, dass man ehrlich an ihnen interessiert ist. Liegen einem Ältesten seine Brüder und Schwestern am Herzen und ist er bereit, sich für sie einzusetzen, dann werden sie das in aller Regel merken — auch die Kinder (Mar. 10:13-16). Carlos, 12 Jahre alt, sagt: „Ich schau zu, wie die Ältesten im Königreichssaal lächeln und lieb mit allen umgehen. Und das mag ich.“ Es ist also nicht damit getan, von sich zu sagen, man sei nahbar, sondern das sollte sich am Verhalten zeigen (1. Joh. 3:18). Wie?
7. Warum sprechen uns oft Leute auf unsere Kongressplakette an, und was lässt sich daraus ableiten?
7 Dazu ein Beispiel: Ein Bruder trug auf dem Heimflug von einem Kongress im Ausland noch seine Kongressplakette. Ein Flugbegleiter, der die Aufschrift „Gottes Königreich komme!“ sah, ließ die Bemerkung fallen: „Ja, das ist echt nötig! Darüber müssen wir noch mal reden.“ Später kam es zu einem netten Gespräch und am Ende nahm er gern unsere Zeitschriften. So etwas haben bestimmt viele von uns schon erlebt. Warum sprechen uns Leute eigentlich auf unsere Plakette an? Weil wir damit quasi signalisieren: „Fühlen Sie sich frei, mich anzusprechen und nachzufragen, was es damit auf sich hat!“ Die Plakette ist wie ein deutlich sichtbares Signal, das sie wissen lässt: Wir sprechen gern über unseren Glauben. Älteste möchten ihren Brüdern und Schwestern ebenfalls deutlich signalisieren: „Fühl dich frei, mich anzusprechen!“ Wie gelingt ihnen das?
8. Wie können Älteste ihren Brüdern deutlich signalisieren, dass sie ihnen am Herzen liegen? Wie wirkt sich das auf die Brüder aus?
8 So unterschiedlich Gewohnheiten und Bräuche von Land zu Land auch sind — durch ein strahlendes Lächeln, einen freundschaftlichen Händedruck, eine herzliche Begrüßung senden wir das deutliche Signal: „Du liegst mir am Herzen!“ Wer steht dabei in der Pflicht, den ersten Schritt zu tun? Das zeigt das Beispiel Jesu. Matthäus berichtet über eine Zusammenkunft mit den Jüngern: „Jesus trat herzu und redete zu ihnen“ (Mat. 28:18). Es ist also Aufgabe der Ältesten, wie Jesus von sich aus auf ihre Brüder zuzugehen und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Wie wirkt das auf sie? Eine 88-jährige Pionierin erklärte: „Mir wachsen die Ältesten wirklich ans Herz, wenn sie mich mit einem lieben Lächeln und ein paar netten Worten im Saal begrüßen.“ Und eine andere treue Schwester sagte: „Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber mir bedeutet es enorm viel, wenn mich ein Ältester mit einem Lächeln in der Zusammenkunft willkommen heißt.“
FÜR ANDERE DA SEIN
9, 10. (a) Worin ist Jehova das beste Vorbild? (b) Wie können Älteste für ihre Brüder da sein?
9 Es liegt auf der Hand, dass sich andere nur dann frei fühlen, uns anzusprechen, wenn wir auch für sie da sind. Das beste Vorbild darin ist Jehova, der „einem jeden von uns nicht fern ist“ (Apg. 17:27). Älteste können sich an ihm ein Beispiel nehmen, indem sie vor und nach den Zusammenkünften Zeit dafür reservieren, sich mit ihren Brüdern und Schwestern zu unterhalten — den jungen wie auch den älteren. Ein Pionier erklärte: „Wenn mich ein Ältester fragt, wie es mir geht, und er dann stehen bleibt und mir zuhört, merke ich: Ihm liegt etwas an mir.“ Eine Schwester, die Jehova schon seit fast 50 Jahren dient, sagte: „Nehmen sich Älteste die Zeit, nach der Zusammenkunft mit mir zu reden, geben sie mir das Gefühl, dass ich wertvoll bin.“
10 Natürlich gibt es noch andere Aufgaben, um die sich Älteste kümmern müssen. Aber als Hirten ist es ihnen bei den Zusammenkünften am wichtigsten, sich erst einmal um die Schafe Jehovas zu kümmern.
JEHOVA IST UNPARTEIISCH
11, 12. (a) Was genau ist damit gemeint, unparteiisch zu sein? (b) Wie gibt uns Jehova darin ein Beispiel?
11 Eine weitere Eigenschaft, die Jehova so liebenswert macht, ist seine Unparteilichkeit. Was genau ist damit gemeint, unparteiisch zu sein? Dazu gehört, dass man fair ist, anderen also weder mit Vorurteilen begegnet noch sie bevorzugt. Zu dieser Eigenschaft gehört zweierlei: die richtige Einstellung und das richtige Verhalten. Warum ist beides wichtig? Nur wer seinen Mitmenschen gegenüber unparteiisch eingestellt ist, wird sie auch unparteiisch behandeln. In den Christlichen Griechischen Schriften bedeutet „nicht parteiisch sein“ buchstäblich, dass man „nicht die Person ansieht“, sprich, keine Person einer anderen vorzieht (Apg. 10:34, Kingdom Interlinear). Wer unparteiisch ist, achtet nicht auf die äußere Erscheinung oder die Lebensumstände eines Menschen, sondern auf seine Wesensart.
12 Jehova ist das beste Beispiel für Unparteilichkeit. Sein Wort sagt über ihn, dass er „nicht parteiisch ist“ und „niemand parteiisch behandelt“. (Lies Apostelgeschichte 10:34, 35; 5. Mose 10:17.) Das zeigte sich bei einer Begebenheit zur Zeit von Moses.
Zelophhads Töchter waren dankbar, dass Gott unparteiisch ist (Siehe Absatz 13, 14)
13, 14. (a) Vor welchem Problem standen die fünf Töchter Zelophhads? (b) Wie bewies Jehova, dass er unparteiisch ist?
13 Kurz bevor die Israeliten in das Land der Verheißung einzogen, standen fünf ledige Schwestern vom Stamm Manasse vor einem schwierigen Problem. Wie alle anderen hätte auch ihre Familie demnächst eine Landzuteilung erhalten (4. Mo. 26:52-55). Doch ihr Vater Zelophhad war mittlerweile gestorben. Dem Brauch nach wäre das Recht auf Landbesitz auf seine Söhne übergegangen. Er hatte aber nur Töchter (4. Mo. 26:33). Würden die Töchter deshalb leer ausgehen und das Land der Familie an andere Verwandte fallen?
14 Die fünf wandten sich an Moses und fragten ihn: „Warum sollte der Name unseres Vaters aus der Mitte seiner Familie weggenommen werden, weil er keinen Sohn hatte?“ Inständig baten sie: „O gib uns ein Besitztum in der Mitte der Brüder unseres Vaters!“ Wie reagierte Moses? Sagte er: „Das ist die Regel und da gibt es keine Ausnahme!“? Nein. Wie der Bibelbericht sagt, „brachte Moses ihren Fall vor Jehova“ (4. Mo. 27:2-5). Wie fiel die Antwort aus? Jehova sagte zu Moses: „Die Töchter Zelophhads reden recht. Du solltest ihnen auf alle Fälle einen Erbbesitz in der Mitte der Brüder ihres Vaters geben, und du sollst ihres Vaters Erbe auf sie übergehen lassen.“ Aber Jehova ging noch weiter. Er machte die Ausnahme zur Regel und wies Moses an: „Falls irgendein Mann sterben sollte, ohne einen Sohn zu haben, so sollt ihr sein Erbe auf seine Tochter übergehen lassen“ (4. Mo. 27:6-8; Jos. 17:1-6). Von nun an waren alle Israelitinnen, die vor derselben Problematik standen, geschützt.
15. (a) Wie geht Jehova mit seinen Dienern um, vor allem, wenn sie auf Schutz angewiesen sind? (b) Welche biblischen Begebenheiten zeigen das ebenfalls?
15 Wie rücksichtsvoll und unparteiisch von Jehova, so zu entscheiden! Er behandelte diese schutzlosen Frauen genauso mit Würde wie Israeliten, denen es besser ging (Ps. 68:5). Das ist nur einer von vielen zu Herzen gehenden Bibelberichten, die beweisen: Jehova behandelt alle seine Diener unparteiisch (1. Sam. 16:1-13; Apg. 10:30-35, 44-48).
VON JEHOVA LERNEN
16. Was kann uns helfen, an Unparteilichkeit zu arbeiten?
16 Wie können wir von Jehova lernen, unparteiisch zu sein? Wie gesagt gehört zweierlei dazu. Nur wer unparteiisch eingestellt ist, wird andere auch unparteiisch behandeln. Nun denkt ja jeder gern von sich, er sei fair und aufgeschlossen. Uns ist aber auch klar, dass es gar nicht so leicht ist, die eigenen Gefühle objektiv zu beurteilen. Wie können wir denn herausfinden, in welchem Licht uns andere sehen? Als Jesus einmal wissen wollte, was die Leute über ihn sagten, fragte er seine engsten Freunde: „Was sagen die Menschen, wer der Menschensohn sei?“ (Mat. 16:13, 14). Spricht etwas dagegen, das auch zu tun? Frag doch einen Freund, von dem du weißt, dass er dir offen seine Meinung sagt: „Denkst du, ich behandle andere fair? Denken andere das auch von mir?“ Vielleicht räumt er ein, dass bei dir ab und zu noch gewisse Vorurteile zu spüren sind, wenn jemand zum Beispiel eine andere Hautfarbe hat. Oder dass du dazu neigst, Personen mit besserer Bildung oder mehr Geld zu bevorzugen. Was dann? Lege Jehova deine Gefühle dar und bitte ihn inständig um Hilfe, umzudenken, damit es dir besser gelingt, seine Unparteilichkeit widerzuspiegeln (Mat. 7:7; Kol. 3:10, 11).
17. Woran zeigt sich, dass wir andere unparteiisch behandeln?
17 Uns liegt viel daran, wie Jehova unparteiisch zu sein. Woran zeigt sich das in der Versammlung? Daran, dass wir alle Brüder und Schwestern liebevoll und mit Würde behandeln. Wir laden zum Beispiel nicht immer nur dieselben ein, sondern auch solche, die aus einer anderen Kultur stammen, die weniger Geld haben, die ihren Ehepartner verloren haben oder die als Einzige in ihrer Familie in der Wahrheit sind. (Lies Galater 2:10; Jakobus 1:27.) Und wie sieht es im Predigtdienst aus? Wir bringen allen ohne Unterschied die gute Botschaft, woher sie auch kommen. Und wir sind froh, dass unsere Literatur in weit über 600 Sprachen zur Verfügung steht. Wenn das kein handfester Beweis für Unparteilichkeit ist!
18. Wie möchtest du zeigen, was es dir bedeutet, dass Jehova nahbar und unparteiisch ist?
18 Wir sehen: Je mehr wir darüber nachdenken, wie nahbar und unparteiisch Jehova ist, desto mehr lernen wir ihn wirklich schätzen. Und das weckt in uns den starken Wunsch, seine Eigenschaften noch besser nachzuahmen — im Umgang mit unseren Brüdern ebenso wie im Predigtdienst.
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Lerne Jehovas Freigebigkeit und Vernünftigkeit schätzenDer Wachtturm 2013 | 15. Juni
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Lerne Jehovas Freigebigkeit und Vernünftigkeit schätzen
„Jehova ist gut gegen alle, und seine Erbarmungen sind über alle seine Werke“ (PS. 145:9)
1, 2. Worauf dürfen wir uns als Freunde Jehovas freuen?
„NACH fast 35 Jahren Ehe kennen mein Mann und ich uns wirklich gut. Und trotzdem entdecken wir auch nach so vielen Jahren immer noch neue Seiten aneinander.“ Das geht nicht nur dieser Schwester so, sondern mit Sicherheit vielen von uns — sei es in der Ehe oder in einer anderen engen Freundschaft.
2 Wenn wir jemand lieben, dann genießen wir es, ihn besser kennenzulernen. Und Jehova ist der beste Freund, den wir uns wünschen könnten. Über ihn werden wir nie alles herausfinden (Röm. 11:33). Wie viel Freude wird es uns machen, buchstäblich eine Ewigkeit lang Gelegenheit zu haben, seine Eigenschaften immer mehr schätzen zu lernen! (Pred. 3:11).
3. Womit befassen wir uns in diesem Artikel?
3 Durch den vorigen Artikel haben wir bestimmt noch mehr schätzen gelernt, dass Jehova nahbar und unparteiisch ist. Jetzt wollen wir uns mit zwei weiteren sehr anziehenden Facetten seiner Persönlichkeit befassen: Freigebigkeit und Vernünftigkeit. Dadurch wird uns sicher noch deutlicher bewusst: Jehova ist wirklich „gut gegen alle, und seine Erbarmungen sind über alle seine Werke“ (Ps. 145:9).
JEHOVA IST FREIGEBIG
4. Was bedeutet es, freigebig zu sein?
4 Was bedeutet es denn, freigebig oder großzügig zu sein? Jesu Antwort darauf finden wir in Apostelgeschichte 20:35: „Beglückender ist Geben als Empfangen.“ Mit diesen wenigen Worten bringt Jesus die Sache auf den Punkt: Wer freigebig ist, setzt seine Zeit, Kraft und Mittel für andere ein — und er tut es gern. Freigebigkeit zeigt sich nicht daran, wie groß ein Geschenk ist, sondern daran, ob es von Herzen kommt. (Lies 2. Korinther 9:7.) Niemand ist freigebiger als unser „glücklicher Gott“, Jehova (1. Tim. 1:11).
5. Wie stellt Jehova seine Freigebigkeit unter Beweis?
5 Wie stellt Jehova seine Freigebigkeit unter Beweis? Er sorgt für die Bedürfnisse aller Menschen — auch derer, die ihn noch nicht anbeten. Er ist wirklich gut zu allen, lässt „seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen“ (Mat. 5:45). Deshalb konnte der Apostel Paulus zu Personen, die gar nicht an Jehova glaubten, sagen, dass „er Gutes tat, da er euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gab und euer Herz mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte“ (Apg. 14:17). Jehova ist ganz offensichtlich allen Menschen gegenüber großzügig (Luk. 6:35).
6, 7. (a) Für wen sorgt Jehova besonders gern? (b) An welchem Beispiel wird das deutlich?
6 Besonders viel Freude macht es Jehova, für seine ergebenen Diener zu sorgen. König David sagte dazu: „Ein junger Mann bin ich gewesen, ich bin auch alt geworden, und doch habe ich keinen Gerechten gänzlich verlassen gesehen noch seine Nachkommen nach Brot suchen“ (Ps. 37:25). Diese liebevolle Fürsorge Jehovas haben schon viele treue Christen am eigenen Leib verspürt. Ein Beispiel:
7 Nancy, eine Pionierin, die sich ihren Lebensunterhalt als Kellnerin verdiente, war vor einigen Jahren einmal ziemlich in der Klemme: Am nächsten Tag war die Miete fällig und sie wusste nicht, woher sie die 66 Dollar dafür nehmen sollte. Sie erzählt: „Ich hab Jehova das Problem vorgetragen und bin dann zur Arbeit gegangen. Es war ein Wochentag, an dem in der Regel nicht viel Betrieb ist, und deshalb hab ich nicht damit gerechnet, eine Menge Trinkgeld zu bekommen. Doch zu meiner Überraschung war das Restaurant an diesem Abend gut besucht. Als ich nach meiner Schicht abrechnete und mein Trinkgeld zusammenzählte, waren es exakt 66 Dollar!“ Nancy ist überzeugt: Jehova war so großzügig, für genau das zu sorgen, was sie brauchte (Mat. 6:33).
8. Was ist das größte Geschenk Jehovas?
8 Das großzügigste Geschenk Jehovas kann sich jeder zunutze machen. Worum handelt es sich? Um das Loskaufsopfer seines Sohnes. Jesus erklärte: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Joh. 3:16). In diesem Zusammenhang ist mit der Welt die Menschheit gemeint. Das heißt: Jehova ist bereit, dieses größte Geschenk jedem zugutekommen zu lassen, der es annehmen möchte. Und wer Glauben an Jesus ausübt, wird Leben „in Fülle“ erhalten: ewiges Leben! (Joh. 10:10). Könnte es einen größeren Beweis dafür geben, dass Jehova freigebig ist?
JEHOVAS FREIGEBIGKEIT NACHAHMEN
Den Israeliten wurde nahegelegt, Jehovas Freigebigkeit nachzuahmen (Siehe Absatz 9)
9. Wie können wir Jehovas Freigebigkeit nachahmen?
9 Wie können wir Jehovas Freigebigkeit nachahmen? Er gibt uns ja alles reichlich, was wir brauchen, damit wir uns daran freuen und es genießen können. Drängt es uns da nicht, mit anderen zu teilen und ihnen ebenfalls Freude zu machen? (1. Tim. 6:17-19). Wie gern gebrauchen wir doch unsere Mittel, um denen etwas zu schenken, die wir lieben, und die zu unterstützen, die Hilfe benötigen! (Lies 5. Mose 15:7.) Und was können wir tun, um im Alltag auch daran zu denken? Manche gehen da ganz praktisch vor: Jedes Mal, wenn sie selbst etwas geschenkt bekommen, suchen sie nach Gelegenheiten, auch jemand anders etwas zu schenken. Ist es nicht ein Segen, dass es in der Versammlung zahllose Brüder und Schwestern gibt, die sich aktiv darum bemühen, großzügig und freigebig zu sein?
10. Was ist eine hervorragende Ausdrucksform von Freigebigkeit?
10 Was ist eine der besten Ausdrucksformen von Freigebigkeit? Für andere da zu sein und unsere Zeit und Kraft einzusetzen, um ihnen zu helfen und Mut zu machen (Gal. 6:10). Werfen wir doch ab und zu einen Blick in den Spiegel und fragen uns: „Können meine Mitmenschen spüren, dass ich gern für sie da bin und sie mit ihren Sorgen bei mir ein offenes Ohr finden? Wie reagiere ich, wenn mich jemand fragt, ob ich ihm bei etwas helfen oder ihm etwas abnehmen würde? Sage ich wenn irgend möglich Ja? Wann habe ich eigentlich das letzte Mal jemand aus der Familie oder der Versammlung aufrichtig gelobt?“ Wenn wir uns im Geben „üben“, dann bringt uns das sowohl Jehova als auch unseren Freunden mit Sicherheit näher (Luk. 6:38; Spr. 19:17).
11. Wie kann Freigebigkeit gegenüber Jehova aussehen?
11 Sogar Jehova gegenüber können wir freigebig sein. In der Heiligen Schrift wird uns ans Herz gelegt: „Ehre Jehova mit deinen wertvollen Dingen“ (Spr. 3:9). Unsere Kraft, unsere Zeit und unsere Mittel sind „wertvolle Dinge“, die wir großzügig im Dienst für Jehova nutzen können. Schon kleine Kinder können lernen, Jehova gegenüber freigebig zu sein. „Wenn wir als Familie etwas spenden, lassen wir unsere Kinder das Geld in den Spendenkasten werfen“, erzählt Jason, ihr Vater. „Darüber freuen sie sich immer sehr, weil sie so ‚Jehova etwas schenken‘, wie sie es ausdrücken.“ Wer schon als Kind erfährt, wie viel Freude es macht, Jehova etwas zu geben, der wird sich auch später als Erwachsener bestimmt gern für ihn einsetzen (Spr. 22:6).
JEHOVA IST VERNÜNFTIG
12. Was bedeutet es, vernünftig zu sein?
12 Jehova ist auch vernünftig — eine weitere Eigenschaft, die ihn sehr anziehend macht. Was genau ist mit Vernünftigkeit gemeint? Das griechische Wort, das in der Neuen-Welt-Übersetzung meistens mit „vernünftig“ wiedergegeben wird, bedeutet wörtlich „nachgiebig“ oder „nachsichtig“ (Tit. 3:1, 2, Fn.). Ein vernünftiger Mensch pocht nicht auf den Buchstaben des Gesetzes, noch ist er übermäßig streng oder unbeugsam. Er geht vielmehr sanft mit anderen um, bemüht sich, ihre Umstände zu verstehen. Er ist offen dafür, was andere zu sagen haben; und wenn angebracht, geht er auf ihre Wünsche ein und passt seine Erwartungen entsprechend an.
13, 14. (a) Woran zeigt sich, dass Jehova vernünftig ist? (b) Was lernen wir über Vernünftigkeit, wenn wir uns ansehen, wie Jehova mit Lot umging?
13 Woran zeigt sich, dass Jehova vernünftig ist? Er geht liebevoll auf die Gefühle seiner Diener ein und sucht oft nach Wegen, ihren Wünschen entgegenzukommen. Ein Paradebeispiel dafür ist sein Verhalten gegenüber Lot. Jehova hatte entschieden, Sodom und Gomorra sollten vernichtet werden. Lot erhielt die klare Anweisung, in die Berge zu fliehen. Aus irgendeinem Grund aber flehte Lot Jehova an, woandershin fliehen zu dürfen. Eigentlich ein Unding: Lot verlangt doch tatsächlich von Jehova, er solle seine Anweisung ändern! (Lies 1. Mose 19:17-20.)
14 Man könnte nun Lot schnell als schwach oder ungehorsam abstempeln. Schließlich war doch völlig klar, dass Jehova Lot so oder so am Leben bewahren konnte! Seine Angst war also völlig unbegründet. Aber: Lot konnte nicht aus seiner Haut. Er hatte nun mal Angst — und Jehova respektierte seine Gefühle. Er erlaubte diesem gerechten Mann, in eine Stadt zu fliehen, die er eigentlich hatte vernichten wollen. (Lies 1. Mose 19:21, 22.) Nein, Jehova ist weder streng noch unbeugsam. Er ist wirklich nachsichtig — sprich: vernünftig.
15, 16. Wie zeigte sich im Gesetz Mose, dass Jehova vernünftig ist? (Siehe Anfangsbild.)
15 Dass Jehova vernünftig ist, wird auch an einem Beispiel aus dem Gesetz Mose deutlich. War ein Israelit zu arm, um ein Lamm oder eine junge Ziege als Opfer zu bringen, durfte er stattdessen zwei Tauben opfern. Und wenn er nicht einmal dafür genug hatte? Dann erlaubte ihm Jehova, ein wenig Mehl zu opfern. Wichtiges Detail dabei: Er durfte nicht irgendein Mehl bringen, sondern es musste „Feinmehl“ sein — von der Qualität, die man für besondere Gäste verwendete (1. Mo. 18:6). Warum war das wichtig? (Lies 3. Mose 5:7, 11.)
16 Nun, stell dir vor, du bist der arme Israelit und kommst mit deinem bisschen Mehl zur Stiftshütte, um zu opfern. Dort siehst du, wie viele wohlhabendere Israeliten ihr Groß- oder Kleinvieh als Opfer bringen. Du würdest dich am liebsten verstecken mit deinem scheinbar kümmerlichen Mehlopfer. Doch dann besinnst du dich darauf, dass dein Opfer in den Augen Jehovas sehr wohl wertvoll ist. Warum? Nicht zuletzt deshalb, weil Jehova erwartete, dass das Mehl von sehr guter Qualität war. Jehova sagte praktisch zu dem ärmeren Israeliten: „Mir ist klar, dass du nicht so viel geben kannst wie andere, aber ich weiß genau, dass du mir dein Bestes gibst.“ Jehova hat also ganz offensichtlich Verständnis für die Einschränkungen und Umstände seiner Diener und nimmt darauf Rücksicht — er ist vernünftig! (Ps. 103:14).
17. Über was für einen Dienst freut sich Jehova mit Sicherheit?
17 Ist es nicht sehr beruhigend zu wissen, dass Jehova vernünftig ist und sich über unseren Dienst freut, wenn wir ihn mit ganzer Seele verrichten? (Kol. 3:23). Constance, eine ältere Schwester in Italien, drückte das so aus: „Mit anderen über meinen Gott zu sprechen war stets meine Lieblingsbeschäftigung. Deshalb predige ich weiter und studiere mit anderen die Bibel. Manchmal bedauere ich, dass ich wegen meiner Gesundheit eingeschränkt bin. Aber ich weiß, dass Jehova meine Grenzen kennt, mich liebt und dass er das schätzt, was ich noch tun kann.“
VON JEHOVA LERNEN, VERNÜNFTIG ZU SEIN
18. Wie können sich Eltern an Jehova ein Beispiel nehmen?
18 Wie können wir von Jehova lernen, vernünftig zu sein? Denken wir daran, wie Jehova mit Lot umging. Obwohl er das Sagen hatte, hörte er sich geduldig an, was Lot auf dem Herzen hatte. Und dann tat er ihm den Gefallen. Kannst du dir als Vater oder Mutter an Jehova ein Beispiel nehmen — dir anhören, was sich deine Kinder wünschen, und ihnen wenn angebracht entgegenkommen? Zu diesem Thema wurde im Wachtturm vom 1. September 2007 gesagt, dass einige Eltern ihre Kinder beim Aufstellen von Familienregeln sogar mitreden lassen. Geht es zum Beispiel darum, wann die Kinder zu Hause sein sollen, haben Eltern selbstverständlich das Recht, eine bestimmte Uhrzeit festzulegen. Es wäre aber sicher nicht verkehrt, sich anzuhören, wie ihre Kinder darüber denken. Und in manchen Fällen finden sie vielleicht eine Möglichkeit, den Kindern entgegenzukommen, sofern keine biblischen Grundsätze auf dem Spiel stehen. Das Ergebnis? Bemühen sich Eltern zu verstehen, wie die Kinder denken, und berücksichtigen das bei ihrer Entscheidung, fällt es den Kindern vermutlich leichter, die Familienregeln zu akzeptieren und sich daran zu halten.
19. Wie können sich Älteste an Jehova orientieren?
19 Auch Älteste bemühen sich, wie Jehova vernünftig zu sein, indem sie für die Umstände ihrer Glaubensbrüder Verständnis zeigen. Vergessen wir nicht: Die Opfer der ärmeren Israeliten waren für Jehova nicht weniger wertvoll. Manche in der Versammlung können vielleicht nur sehr wenig im Dienst tun, weil sie schon älter sind oder nicht gesund. Und wenn diese lieben Brüder und Schwestern deshalb deprimiert sind? Dann werden ihnen die Ältesten immer wieder versichern, dass Jehova sie von Herzen liebt, weil sie ihm ihr Bestes geben (Mar. 12:41-44).
20. Was ist mit Vernünftigkeit im Dienst für Jehova gemeint, und was nicht?
20 Es versteht sich von selbst, dass wir im Dienst für Jehova Vernünftigkeit nie mit Bequemlichkeit verwechseln wollen, nach dem Motto: „Sei gütig mit dir“ (Mat. 16:22). Wir würden nicht den Schongang einlegen und uns damit herausreden, wir müssten ja „vernünftig sein“. Nein, für jeden von uns gilt: Wir wollen das Königreich „mit allen Kräften“ unterstützen (Luk. 13:24, Einheitsübersetzung). Genau genommen geht es darum, ausgeglichen zu sein: Einerseits, uns im Dienst für Jehova nicht zu schonen, sondern voll einzubringen; andererseits daran zu denken, dass Jehova nie zu viel von uns verlangt. Geben wir ihm unser Bestes, freut er sich darüber — da können wir sicher sein! Ist es nicht eine wahre Freude, einem Herrn zu dienen, der so dankbar und vernünftig ist? Jehova ist wirklich überaus liebenswert. Noch zwei Facetten seiner anziehenden Persönlichkeit werden wir im nächsten Artikel behandeln (Ps. 73:28).
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Lerne Jehovas Loyalität und Bereitschaft zu vergeben schätzenDer Wachtturm 2013 | 15. Juni
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Lerne Jehovas Loyalität und seine Bereitschaft zu vergeben schätzen
„Du, o Jehova, bist gut und zum Vergeben bereit; und überströmend ist die liebende Güte all denen gegenüber, die dich anrufen“ (PS. 86:5)
1, 2. (a) Warum ist es uns bei Freunden so wichtig, dass sie loyal sind und bereit zu vergeben? (b) Worum geht es in diesem Artikel?
WAS macht jemand deiner Meinung nach zu einem echten Freund? Eine Schwester sagte dazu: „Ein echter Freund ist immer für mich da und verzeiht mir meine Fehler.“ Sind wir nicht alle froh, Freunde zu haben, die treu zu uns halten und zum Vergeben bereit sind? Bei ihnen fühlen wir uns geliebt und geborgen (Spr. 17:17).
2 Jehova ist der beste Freund, den wir uns nur wünschen können. Niemand ist so loyal wie er und seine Bereitschaft zu vergeben ist unübertroffen. Ein Psalmendichter brachte es mit den Worten auf den Punkt: „Du, o Jehova, bist gut und zum Vergeben bereit; und überströmend ist die liebende Güte [oder „loyale Liebe“] all denen gegenüber, die dich anrufen“ (Ps. 86:5). Was ist unter diesen schönen Eigenschaften eigentlich genau zu verstehen? Wie kommen sie bei Jehova zum Tragen? Und was können wir uns von ihm abschauen? Wenn wir uns damit beschäftigen, lernen wir unseren besten Freund, Jehova, noch mehr lieben. Und die Freundschaft zu unseren Brüdern und Schwestern wird dadurch auch gefestigt (1. Joh. 4:7, 8).
JEHOVA IST LOYAL
3. Was ist unter Loyalität zu verstehen?
3 Loyalität, wie die Bibel sie beschreibt, hat etwas mit Hingabe, Treue, unerschütterlicher Ergebenheit zu tun. Eine loyale Person ist nicht heute so, morgen so, sondern hält aus Liebe fest zu jemand (oder hält an einer Sache fest), auch wenn es die Umstände schwer machen. Jehova weist diese Eigenschaft in höchster Vollendung auf (Offb. 16:5).
4, 5. (a) Wie erweist sich Jehova als loyal? (b) Wieso gibt es uns Kraft, uns damit zu beschäftigen, wie loyal Jehova ist?
4 Wie erweist sich Jehova als loyal? Er lässt seine treuen Diener nie im Stich. König David wusste genau, wovon er redete, als er Jehova loyal nannte. (Lies 2. Samuel 22:26.) Er hatte erlebt, wie Jehova in schweren Zeiten fest zu ihm hielt, für Anleitung sorgte und ihn beschützte und befreite (2. Sam. 22:1). Er wusste: Jehovas Loyalität zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er immer Wort hält. Warum war Jehova so loyal? Weil David selbst auch loyal war. Jehova liebt diese Eigenschaft an seinen Dienern, und er dankt es ihnen, indem er loyal zu ihnen hält (Spr. 2:6-8).
5 Uns damit zu beschäftigen, wie loyal sich Jehova schon immer verhalten hat, kann uns viel Kraft geben. Ein treuer Bruder sagte einmal: „Mir hilft es enorm, wenn ich nachlese, wie Jehova David durch schwere Zeiten hindurchgeholfen hat. Sogar als er auf der Flucht war und sich ein ums andere Mal in Höhlen verstecken musste, hat Jehova ihm immer beigestanden. Das macht mir echt Mut! Es bestärkt mich nämlich in dem Vertrauen, dass Jehova auch für mich da sein wird, solange ich fest zu ihm halte — und wenn die Umstände noch so schlimm oder die Aussichten noch so düster sind!“ Dir geht es bestimmt ganz genauso (Röm. 8:38, 39).
6. Wie beweist Jehova noch, dass er loyal ist, und wie kommt das seinen Dienern zugute?
6 Jehova beweist noch auf andere Weise, dass er loyal ist. Wie? Indem er seinen Prinzipien treu bleibt. „Auch bis zu jemandes Alter bin ich derselbe“, sichert er uns zu (Jes. 46:4). Seine Entscheidungen beruhen ausnahmslos auf seinen unveränderlichen Maßstäben dafür, was richtig und falsch ist (Mal. 3:6). Zudem steht Jehova immer loyal zu seinen Zusagen (Jes. 55:11). Folglich kommt seine Loyalität all seinen Dienern zugute. Wieso? Wenn wir uns nach besten Kräften bemühen, nach seinen Maßstäben zu leben, können wir fest darauf bauen, dass er uns segnet, weil er das ja versprochen hat (Jes. 48:17, 18).
SEI WIE JEHOVA LOYAL
7. Was wäre eine Möglichkeit, Jehovas Loyalität nachzuahmen?
7 Wie können wir Jehova darin nachahmen? Zum Beispiel, indem wir denen unter die Arme greifen, die in Schwierigkeiten stecken (Spr. 3:27). Kennst du jemand in der Versammlung, der deprimiert ist — vielleicht wegen angeschlagener Gesundheit, Widerstand in der Familie oder weil er einen Fehler gemacht hat? Warum nicht auf ihn zugehen und ihn „mit guten Worten, tröstlichen Worten“ aufbauen? (Sach. 1:13).a So kannst du dich als echter, loyaler Freund erweisen, der „anhänglicher ist als ein Bruder“ (Spr. 18:24).
8. Wie können wir beispielsweise in der Ehe Loyalität beweisen?
8 Wie Jehova erweisen wir uns auch dadurch als loyal, dass wir fest zu denen halten, die wir lieben. Wir wissen ja, dass wir als Verheiratete unserem Ehepartner Treue schulden (Spr. 5:15-18). Daher hüten wir uns schon vor dem allerersten Schritt in Richtung Ehebruch (Mat. 5:28). Und unseren Glaubensbrüdern erweisen wir Loyalität, indem wir uns vor schädlichem Geschwätz oder gar Verleumdung hüten. Solch abfälliges Gerede über sie würden wir uns nicht einmal anhören, geschweige denn weitertragen (Spr. 12:18).
9, 10. (a) Wem wollen wir vor allem die Treue halten? (b) Warum ist es nicht immer leicht, sich an Jehovas Gebote zu halten?
9 Vor allem aber wollen wir loyal zu Jehova halten. Wie schaffen wir das? Indem wir daran arbeiten, alles so zu sehen, wie er es sieht — lieben, was er liebt, und hassen, was er hasst —, und uns dann auch entsprechend verhalten. (Lies Psalm 97:10.) Je besser wir lernen, so zu denken und zu fühlen wie Jehova denkt und fühlt, desto leichter fällt es uns, ihm zu gehorchen (Ps. 119:104).
10 Sich an die Gebote Jehovas zu halten ist natürlich nicht immer leicht. Manchmal ist es sogar ein richtiger Kampf, loyal zu bleiben. Denken wir nur an ledige Christen, die gern heiraten würden, aber unter Jehovas Dienern noch nicht den richtigen Partner gefunden haben (1. Kor. 7:39). Zum Beispiel könnte eine ledige Schwester ständigen Versuchen ihrer Arbeitskollegen ausgesetzt sein, sie mit jemand zu verkuppeln. Und dass sie sich oft einsam fühlt, macht die Sache auch nicht gerade leichter. Aber sie ist fest entschlossen, Jehova treu zu bleiben. Sind uns solche bewundernswerten Vorbilder an Loyalität nicht lieb und teuer? Jehova wird alle, die trotz Schwierigkeiten fest zu ihm halten, mit Sicherheit belohnen (Heb. 11:6).
„Da ist ein Freund, der anhänglicher ist als ein Bruder“ (Spr. 18:24) (Siehe Absatz 7)
Vergebt einander bereitwillig (Eph. 4:32) (Siehe Absatz 16)
JEHOVA IST ZUM VERGEBEN BEREIT
11. Was bedeutet es, zum Vergeben bereit zu sein?
11 Einer der liebenswertesten Charakterzüge Jehovas überhaupt ist seine Bereitschaft zu vergeben. Was genau ist das für eine Eigenschaft? Einfach ausgedrückt zeigt sie sich darin, jemandem, der einem wehgetan hat, zu verzeihen, wenn es dafür eine ausreichende Grundlage gibt. Sie hat nichts damit zu tun, ein verkehrtes Verhalten gutzuheißen oder so zu tun, als wäre nichts passiert. Man entscheidet sich vielmehr bewusst dafür, die negativen Gefühle loszulassen. Wie die Bibel lehrt, ist Jehova gegenüber denen, die echte Reue zeigen, „zum Vergeben bereit“ (Ps. 86:5).
12. (a) Wie umfassend ist Jehovas Bereitschaft zu vergeben? (b) Was vermittelt die Aussage, unsere Sünden könnten „ausgelöscht“ werden?
12 Wie umfassend ist Jehovas Bereitschaft zu vergeben? Er ist dazu „in großem Maße“ bereit, vergibt also sowohl vollständig als auch endgültig (Jes. 55:7). Woher wissen wir, dass er vollständig vergibt? Nehmen wir als Beispiel die Zusicherung aus Apostelgeschichte 3:19. (Lies.) Der Apostel Petrus legte seinen Zuhörern ans Herz: „Bereut . . . und kehrt um.“ Echte Reue setzt voraus, dass einem Sünder sein verkehrtes Verhalten von Herzen leidtut. Und er will die Sünde auf keinen Fall wiederholen (2. Kor. 7:10, 11). Echte Reue drängt ihn auch dazu, „umzukehren“ — den verkehrten Weg zu verlassen und einen Weg einzuschlagen, der Gott gefällt. Was wäre nach den Worten des Apostels das Ergebnis, wenn seine Zuhörer diese echte Reue zeigen würden? Petrus sagte, ihre Sünden könnten „ausgelöscht“ werden. Dieser Ausdruck leitet sich in Griechisch von einem Wort ab, das „abwischen“ bedeutet. Wenn Jehova vergibt, ist es demnach so, als würde er einen Schwamm nehmen und alles wegwischen, was auf einer Tafel steht. So vollständig vergibt Jehova (Heb. 10:22; 1. Joh. 1:7).
13. Was versichert Jehova mit den Worten: „Ihrer Sünde werde ich nicht mehr gedenken“?
13 Und woher wissen wir, dass Jehova auch endgültig vergibt? Das geht zum Beispiel aus einer Prophezeiung Jeremias hervor, die sich an gesalbten Christen erfüllt. Darin geht es um den neuen Bund, der auf der Grundlage des Loskaufsopfers Jesu echte Vergebung möglich macht. (Lies Jeremia 31:34.) Jehova sagte voraus: „Ich werde ihre Vergehung vergeben, und ihrer Sünde werde ich nicht mehr gedenken.“ Damit versichert Jehova: Hat er vergeben, dann verzichtet er darauf, wegen dieser Sünden je wieder gegen uns vorzugehen. Statt uns deswegen immer wieder Vorwürfe zu machen oder uns zu bestrafen, vergibt er sie und zieht — ein für alle Mal — einen Schlussstrich darunter (Röm. 4:7, 8).
14. Warum kann es uns sehr trösten, über Jehovas Bereitschaft zu vergeben nachzudenken? An welchem Beispiel wird das deutlich?
14 Uns bewusst zu machen, wie groß Jehovas Bereitschaft zu vergeben ist, kann uns sehr trösten. Wieso? Das zeigt die Erfahrung einer Schwester, die wir Helena nennen wollen. Vor langer Zeit war ihr die Gemeinschaft entzogen worden; nach ein paar Jahren konnte sie aber wieder aufgenommen werden. Sie erzählt: „Ich hab mir zwar gesagt, dass Jehova mir vergeben hat (und das auch vor anderen vertreten), aber trotzdem hatte ich immer so ein Gefühl, als ob zwischen ihm und mir eine gewisse Distanz wäre — als ob andere ihm näher stünden und er realer für sie sei.“ Irgendwann beschäftigte sie sich mit einigen Sprachbildern, mit denen die Bibel Jehovas Bereitschaft zu vergeben beschreibt, und ließ das auf sich wirken. „Von da an spürte ich Jehovas innige Zuneigung und Liebe auf eine Weise, wie ich sie nie gekannt hatte“, erzählt sie. Besonders zu Herzen ging ihr folgender Gedanke: „Wenn Jehova unsere Sünden vergibt, bleibt nicht für den Rest unseres Lebens ein Makel an uns haften.“b Sie sagt: „Mir ging auf, dass ich gar nicht geglaubt hatte, Jehova könne mir vollständig vergeben — ich hatte mir eingebildet, ich müsse diese Last mein Leben lang mit mir herumtragen. Jetzt spüre ich allmählich, wie ich Jehova wirklich näherkommen kann, auch wenn es seine Zeit braucht. Mir ist, als hätte jemand eine Riesenlast von meinen Schultern genommen.“ Wie liebevoll ist doch der Gott, dem wir dienen dürfen — bereit, wirklich in großem Maße zu vergeben! (Ps. 103:9).
LERNE VON JEHOVAS BEREITSCHAFT ZU VERGEBEN
15. Wie ahmen wir Jehovas Bereitschaft zu vergeben nach?
15 Wir ahmen Jehova dadurch nach, dass wir uns bewusst entscheiden, einander zu vergeben, wenn es dafür eine Grundlage gibt. (Lies Lukas 17:3, 4.) Denken wir dabei daran: Wenn Jehova vergibt, dann vergisst er unsere Sünden — hält sie uns nie wieder vor. Wir können ebenfalls vergessen, die Sache also für uns abschließen und dann auch nicht mehr davon anfangen.
16. (a) Ist mit Vergeben gemeint, dass man verkehrtes Verhalten billigt oder sich ausnutzen lassen muss? (b) Wozu sind wir verpflichtet, wenn wir möchten, dass Jehova uns vergibt?
16 Vergeben heißt natürlich nicht, verkehrtes Verhalten stillschweigend zu billigen oder sich von anderen ausnutzen zu lassen, sondern im Wesentlichen, die negativen Gefühle ganz bewusst loszulassen. Uns muss aber auch klar sein: Nur wenn wir im Umgang mit anderen wirklich dazu bereit sind, wie Jehova zu vergeben, wird er uns ebenfalls vergeben (Mat. 6:14, 15). Und Jehova geht ja nicht zuletzt deshalb verständnisvoll mit uns um, weil er immer daran denkt, „dass wir Staub sind“ (Ps. 103:14). Sollten wir da nicht auch im Sinn behalten, dass es den anderen genauso geht wie uns — ihnen zugestehen, dass sie wie wir unvollkommen sind —, und ihnen bereitwillig, von Herzen vergeben? (Eph. 4:32; Kol. 3:13).
Unsere Gebete um Vergebung müssen von Herzen kommen (Siehe Absatz 17)
17. Was kann uns weiterhelfen, wenn uns ein Glaubensbruder verletzt hat?
17 Das ist allerdings manchmal viel leichter gesagt als getan. Sogar manche geistgesalbten Christen im ersten Jahrhundert taten sich offensichtlich ganz schön schwer damit, sich wieder zu vertragen (Phil. 4:2). Was kann uns denn weiterhelfen, wenn uns ein Glaubensbruder verletzt hat? Denken wir an Hiob. Es muss ihn tief getroffen haben, als seine „Freunde“ Eliphas, Bildad und Zophar ihn mit haltlosen Anschuldigungen überhäuften (Hiob 10:1; 19:2). Am Ende wurden die drei von Jehova streng zurechtgewiesen. Er befahl ihnen, zu Hiob zu gehen und ein Schlachtopfer für ihre Sünden darzubringen (Hiob 42:7-9). Doch auch von Hiob erwartete Jehova etwas. Was denn? Er sollte für seine Ankläger beten. Hiob ließ sich dazu bewegen und Jehova segnete seine versöhnliche Einstellung. (Lies Hiob 42:10, 12, 16, 17.) Die Moral für uns? Vielleicht fällt es uns ja leichter, die negativen Gefühle loszulassen, wenn wir für den, der uns gekränkt hat, aufrichtig beten.
LERNE JEHOVA IMMER MEHR LIEBEN UND SCHÄTZEN
18, 19. Wie können wir Jehova immer mehr lieben und schätzen lernen?
18 War es nicht ein Genuss, sich mit all den Facetten der liebevollen Persönlichkeit Jehovas zu befassen? Wie wir gesehen haben, ist er überaus nahbar, völlig unparteiisch, sehr freigebig, ausgesprochen vernünftig, absolut loyal und in großem Maß bereit zu vergeben. Mit diesem Studium haben wir jedoch bestenfalls gestreift, was seine Eigenschaften ausmacht. Wir können uns darauf freuen, bis in alle Ewigkeit immer mehr über ihn dazuzulernen (Pred. 3:11). Es geht uns genauso wie dem Apostel Paulus, der ausrief: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ — ganz zu schweigen von seiner Liebe und den hier behandelten Eigenschaften (Röm. 11:33).
19 Ist das nicht ein Ansporn für uns alle, uns ständig weiter mit Jehovas liebenswerter Persönlichkeit zu beschäftigen, um ihn immer mehr lieben und schätzen zu lernen? Machen wir uns daher gut mit seinen Eigenschaften vertraut, denken wir tief darüber nach und bemühen wir uns, sie auch selbst zu entwickeln (Eph. 5:1). Dann werden wir immer stärker nachempfinden können, warum der Psalmist schrieb: „Was aber mich betrifft, so ist es für mich gut, mich Gott zu nahen“ (Ps. 73:28).
a Gute Tipps, wie man dabei vorgeht, enthalten die Artikel „Wann hast du das letzte Mal jemand ermuntert?“ im Wachtturm vom 15. Januar 1995 und „Wie können wir zur Liebe und zu vortrefflichen Werken anspornen?“ in der Ausgabe vom 1. April 1995.
b Siehe das Buch Komm Jehova doch näher, Kapitel 26, Absatz 10.
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