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  • Warum ist Gott so geduldig?
    Der Wachtturm 1991 | 1. Oktober
    • Warum ist Gott so geduldig?

      SCHAU dir das traurige Gesicht des hungernden Kindes an, seinen ausgemergelten Körper und seinen aufgeblähten Bauch. Denke an sein dringendes Bedürfnis nach Nahrung, denn die Schale, die du in seiner Hand siehst, ist leer. Vielleicht schaut seine Mutter aus eingesunkenen Augen zu, auch ihr Gesicht ist ein erschütterndes Bild der Hoffnungslosigkeit. Dann versuche, deinen Schmerz zu unterdrücken — und deine Tränen zurückzuhalten.

      Solche Szenen spielen sich millionenmal in dem 6 Millionen km2 großen Hungergebiet ab, das als Sahelzone bezeichnet wird. Sie erstreckt sich am südlichen Rand der Sahara über 4 800 km quer durch Afrika, von Senegal an der Atlantikküste bis nach Äthiopien am Roten Meer. Lebensmittelknappheit bedroht natürlich auch in anderen Ländern viele Menschen. So sind gemäß der Weltgesundheitsorganisation auf der ganzen Erde etwa 1,1 Milliarden Menschen schwer krank oder unterernährt.

      Der Hunger ist allerdings nur ein Aspekt des menschlichen Leids. Der Mensch verschmutzt die Erde, wovon letztlich jeder von uns betroffen ist. Regierungen billigen Unrecht und Krieg, was für viele Elend und Tod bedeutet. Warum läßt Gott so etwas zu? Kümmert er sich überhaupt um uns?

      Gott kümmert sich um uns!

      Unser Schöpfer kümmert sich durchaus um uns. Es gibt viele Beweise dafür sowie für seine Fähigkeit, Dinge zu unserem Guten und zur Eintracht in der gesamten Schöpfung zusammenwirken zu lassen. Schau dir beispielsweise das obige Bild von einer Biene in der Blüte eines Obstbaumes an. Die Biene benötigt den Blütennektar als Nahrung. Der Baum wiederum ist auf den Pollen angewiesen, den die Biene an ihrem Körper von einem anderen Baum seiner Art mitbringt. Die Blüte wird so bestäubt, und eine Frucht kann sich bilden. Die Befruchtung erfolgt zwar nicht bei allen Bäumen auf diese Weise, aber eine solch ungewöhnliche Art der Zusammenarbeit wurde gewiß von Gott veranlaßt. Dank seiner Güte entsteht eine Frucht, die uns schmeckt und uns Kraft gibt.

      Die Biene ihrerseits gehört zu einem gut organisierten Volk von über 30 000 Artgenossen. Einige bewachen den Stock, während andere diesen sauberhalten oder belüften. Wieder andere legen einen Vorrat an Nektar und Pollen an, füttern die Larven oder suchen nach neuen Nektarquellen. Gott hat alles so eingerichtet, daß es zu unserem Nutzen dient, wenn die emsigen Bienen süßen, nahrhaften Honig produzieren, der für uns eine Gaumenfreude ist.

      Das wunderbare Zusammenwirken zwischen Bienen und Pflanzen sowie unter den Insekten selbst ist nur einer von vielen Beweisen dafür, daß der Schöpfer völlig dazu befähigt ist, Lebewesen zur Zusammenarbeit zu veranlassen. Ja, „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Korinther 14:33). Doch warum hat er dann zugelassen, daß unter den Menschen eine solche Uneinigkeit besteht, die für das Leid vieler verantwortlich ist? Wenn sich Gott um uns kümmert, warum wartet er dann so lange damit, dieser Situation ein Ende zu machen? Ja, warum ist Gott so geduldig?

      Gottes Wort, die Bibel, beantwortet diese Fragen. Aus diesem bemerkenswerten Buch erfahren wir, daß Gott aus gutem Grund so geduldig ist. Welchen Grund hat er dafür? Und wie lange wird Gottes Geduld noch andauern?

  • Wie lange wird Gottes Geduld andauern?
    Der Wachtturm 1991 | 1. Oktober
    • Wie lange wird Gottes Geduld andauern?

      VOR etwa 3 000 Jahren schrieb ein weiser Mann, daß „der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht hat“ (Prediger 8:9). Seit diese Feststellung getroffen wurde, haben sich die Zustände nicht gebessert. Im Verlauf der Geschichte haben immer wieder Einzelpersonen oder Gruppen die Macht an sich gerissen und andere Menschen beherrscht und ausgebeutet. Jehova Gott hat dies geduldig ertragen.

      Jehova übte Geduld, während Regierungen in Kriegen Millionen Menschen in den Tod geschickt und empörende wirtschaftliche Ungerechtigkeiten geduldet haben. Er tut es heute immer noch, während die Menschen die Ozonschicht zerstören und die Atmosphäre und das Meer verschmutzen. Wie sehr muß es ihn schmerzen, wenn er sieht, daß mutwillig gutes Ackerland verdorben wird oder Wälder und Wildtiere dezimiert werden!

      Warum ist Gott so geduldig?

      Eine einfache Veranschaulichung kann uns helfen, diese Frage zu beantworten. Wie wirkt es sich beispielsweise auf einen Betrieb aus, wenn einer der Beschäftigten ständig zu spät kommt? Was kann der Inhaber tun? Sieht man es nur von der Seite der Gerechtigkeit, müßte er den Mitarbeiter fristlos entlassen. Womöglich erinnert er sich jedoch an den Bibelspruch: „Wer langsam ist zum Zorn, hat Fülle von Unterscheidungsvermögen, wer aber ungeduldig ist, erhöht Torheit“ (Sprüche 14:29). Unterscheidungsvermögen könnte ihn veranlassen, noch zu warten, bis er irgendwelche Maßnahmen ergreift. Vielleicht möchte er in der Zwischenzeit einen Ersatzmann schulen, damit für den Betrieb nicht noch größerer Schaden entsteht.

      Auch Mitgefühl könnte ihn veranlassen zu warten. Sollte man den nachlässigen Mitarbeiter unter Umständen warnen, um festzustellen, ob er sein Verhalten gegebenenfalls ändert? Warum nicht mit ihm sprechen, um sich zu vergewissern, ob sein gewohnheitsmäßiges Zuspätkommen möglicherweise durch ein Problem verursacht wird, das gelöst werden kann, oder ob er tatsächlich eine unverbesserliche, schlechte Einstellung hat? Der Betriebsinhaber mag sich zwar entschließen, Geduld zu üben, aber seine Geduld wäre gewiß nicht grenzenlos. Der Mitarbeiter müßte sich entweder ändern oder mit Entlassung rechnen. Denkt man an den Betrieb und die Kollegen, die sich an die Vorschriften halten, so wäre das nur gerecht.

      In ganz ähnlicher Weise übt Jehova Gott Geduld, wenn es zu Missetaten kommt, und zwar um Zeit einzuräumen, damit eine gerechte Lösung für bestimmte Probleme herbeigeführt werden kann. Außerdem erhalten Missetäter durch seine Geduld Gelegenheit, umzukehren und ewige Segnungen zu erlangen. Deshalb werden wir in der Bibel aufgefordert, uns nicht über Gottes Geduld zu beklagen. Es heißt darin: „Betrachtet ... die Geduld unseres Herrn als Rettung“ (2. Petrus 3:15).

      Ein Beispiel für Gottes Geduld

      Jehova Gott übte bereits vor der großen Flut der Tage Noahs Geduld. Die damalige Welt war von Gewalttat erfüllt und durch und durch böse. Wir lesen: „Jehova [sah], daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde ... Da sprach Jehova: ‚Ich werde die Menschen, die ich erschaffen habe, von der Oberfläche des Erdbodens wegwischen‘“ (1. Mose 6:5, 7). Ja, Jehova wollte schließlich das Problem der Bosheit lösen — durch die Vernichtung der bösen Menschen. Doch er handelte nicht sofort. Warum nicht?

      Weil nicht alle böse waren. Noah und seine Angehörigen waren gerecht in Gottes Augen. Zu ihrem Nutzen wartete Jehova geduldig, und zwar um es ihnen, den wenigen gerechten Menschen, zu ermöglichen, Vorbereitungen für ihre Rettung zu treffen. Außerdem konnte Noah während der langen Wartezeit als „Prediger der Gerechtigkeit“ wirken, wodurch die bösen Menschen Gelegenheit zur Umkehr erhielten. In der Bibel wird gesagt, daß „die Geduld Gottes in den Tagen Noahs wartete, während die Arche errichtet wurde, in der wenige Personen, nämlich acht Seelen, sicher durch das Wasser getragen wurden“ (2. Petrus 2:5; 1. Petrus 3:20).

      Warum Gott heute Geduld übt

      Heute herrscht eine ähnliche Situation. Die Welt ist wieder von Gewalttat erfüllt. Wie in den Tagen Noahs hat Gott die Welt bereits gerichtet; sie ist nach den Worten der Bibel „aufbehalten für den Tag des Gerichts und der Vernichtung der gottlosen Menschen“ (2. Petrus 3:7). Damit werden dann Umweltzerstörung, die Unterdrückung der Schwachen, Habsucht und Machtmißbrauch ein Ende haben.

      Aber warum hat Gott nicht schon vor langer Zeit die gottlosen Menschen vernichtet? Weil Streitfragen zu klären waren und wichtige Dinge vorbereitet werden mußten. Ja, Jehova strebt eine dauerhafte Lösung des Problems der Bosheit an, eine Lösung, die vieles einschließt, zum Beispiel auch die Rettung gerechtgesinnter Menschen aus der Knechtschaft von Krankheit und Tod.

      Um das herbeizuführen, faßte Jehova den Vorsatz, für einen Retter zu sorgen, der ein Lösegeld für unsere Sünden zahlen würde. In bezug auf ihn heißt es in der Bibel: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3:16). Es dauerte Tausende von Jahren, den Weg für das Kommen Jesu vorzubereiten, so daß er sein Leben zugunsten der Menschheit hingeben konnte. In all den Jahren übte Gott liebevollerweise Geduld. Doch war eine solche Vorkehrung nicht alles Warten wert?

      Jesus erbrachte das Lösegeld für die Menschheit allerdings schon vor fast zweitausend Jahren. Warum übt Gott also immer noch Geduld? Unter anderem deshalb, weil Jesu Tod den Beginn eines Bildungswerkes kennzeichnete. Die Menschheit mußte von dieser liebevollen Vorkehrung in Kenntnis gesetzt werden, und ihr mußte Gelegenheit eingeräumt werden, sie anzunehmen oder zu verwerfen. Das erforderte Zeit — jedoch gut genutzte Zeit. Die Bibel sagt: „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam, wie es einige für Langsamkeit halten, sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2. Petrus 3:9).

      Die Streitfrage der Herrschaft

      Eine andere wichtige Angelegenheit erforderte ebenfalls Zeit. Das Problem der Herrschaft über die Menschheit mußte gelöst werden. Zu Anfang stand der Mensch unter der Herrschaft Gottes. Aber unsere Ureltern wandten sich bereits im Garten Eden davon ab. Sie wollten von Gott unabhängig sein, selbst über sich bestimmen (1. Mose 3:1-5). Der Mensch war indes gar nicht dafür geschaffen, sich selbst zu regieren. Der Prophet Jeremia schrieb: „Ich weiß wohl, o Jehova, daß nicht beim Erdenmenschen sein Weg steht. Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten“ (Jeremia 10:23; Sprüche 20:24).

      Da die Streitfrage bezüglich der Herrschaft jedoch einmal aufgeworfen worden war, räumte Jehova geduldig Zeit ein, um sie zu klären. Er hat den Menschen in großzügiger Weise sogar Tausende von Jahren gestattet, jede nur erdenkliche Regierungsform auszuprobieren. Mit welchem Ergebnis? Es hat sich gezeigt, daß keine menschliche Regierung in der Lage ist, Unterdrückung und Ungleichheit oder andere Ursachen des Leids zu beseitigen.

      Könnte angesichts der Geschichte der Menschheit irgend jemand Gott der Ungerechtigkeit beschuldigen, wenn er seine Absicht bekanntgibt, alle menschlichen Regierungen zu beseitigen und sie durch seine eigene Herrschaft zu ersetzen? Bestimmt nicht. Wir erwarten freudig die Erfüllung folgender biblischer Prophezeiung: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird an kein anderes Volk übergehen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und selbst wird es für unabsehbare Zeiten bestehen“ (Daniel 2:44).

      Der himmlische König dieses Königreiches ist der auferstandene Jesus. Es kostete Zeit, ihn auf seine Stellung vorzubereiten sowie Menschen als seine Mitregenten auszuwählen. Während all der Zeit hat Gott Geduld geübt.

      Heute aus Gottes Geduld Nutzen ziehen

      Heute ziehen Millionen von Menschen in mindestens 212 Ländern und Inselgebieten Nutzen aus Gottes Geduld. Sie sind in dem Wunsch vereint, Gott zu gehorchen und seiner himmlischen Regierung zu dienen. Wenn sie in ihren Königreichssälen zusammenkommen, lernen sie, von welchem Vorteil es für sie ist, biblische Grundsätze anzuwenden. Sie haben keinen Anteil an der entzweienden Politik der Welt, obwohl sie sich menschlichen Regierungen unterwerfen, solange Gott geduldig zuläßt, daß diese in Funktion sind (Matthäus 22:21; Römer 13:1-5).

      Durch die Zusammenarbeit so vieler Menschen wird Jehova als derjenige gerechtfertigt, der unter Menschen mit einem freien Willen, die ihn liebengelernt haben und ihm dienen möchten, Eintracht herbeiführen kann. Zweifellos sind dir diese Menschen bereits bekannt, da sie das Werk verrichten, mit dem schon Jesus begann, nämlich die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen. Jesus sagte mit folgenden Worten den Höhepunkt jenes Werkes voraus: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).

      Nicht mehr lange!

      Es gibt deutliche Beweise dafür, daß die Vorbereitungen für die Übernahme der irdischen Regierungsgeschäfte durch Gottes gerechte Regierung nahezu abgeschlossen sind. Jesus sagte, nachdem er die furchtbaren Folgen des Versagens der menschlichen Regierungen beschrieben hatte, von denen wir in unserem Jahrhundert Zeuge geworden sind: „Wenn ihr diese Dinge geschehen seht, erkennt, daß das Königreich Gottes nahe ist“ (Lukas 21:10, 11, 31).

      Gott wird die Bösen bald vom irdischen Schauplatz beseitigen. Die Worte des Psalmisten werden sich dann buchstäblich erfüllen: „Die Übeltäter, sie werden weggetilgt, ... nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; und du wirst dich sicherlich umsehen nach seiner Stätte, und er wird nicht dasein“ (Psalm 37:9, 10). Kannst du dir eine Welt ohne Bosheit vorstellen? Wer wird sich dann um die Angelegenheiten der Menschen kümmern? Die Bibel sagt: „Für Gerechtigkeit wird ein König [der im Himmel inthronisierte Christus Jesus] regieren; und was Fürsten [seine loyalen Vertreter auf der Erde] betrifft, sie werden für das Recht als Fürsten herrschen. Und das Werk der wahren Gerechtigkeit soll Frieden werden und der Dienst der wahren Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit bis auf unabsehbare Zeit. Und mein Volk soll an einem friedlichen Aufenthaltsort wohnen und an Wohnsitzen völliger Zuversicht und an ungestörten Ruheorten“ (Jesaja 32:1, 17, 18).

      So wird Gottes himmlische Regierung die schlimmen Auswirkungen der Untaten des Menschen ungeschehen machen und diejenigen, die auf ihn hoffen, zu einer geeinten menschlichen Gesellschaft organisieren. Die Bibel beschreibt diese Einheit wie folgt: „Der Wolf wird tatsächlich eine Zeitlang bei dem männlichen Lamm weilen, und der Leopard wird bei dem Böckchen lagern, und das Kalb und der mähnige junge Löwe und das wohlgenährte Tier, alle beieinander; und ein noch kleiner Knabe wird sie führen. ... Sie werden keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird bestimmt erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“ (Jesaja 11:6-9).

      Welch ein großartiger Ausgang — und das, weil Gott Geduld geübt hat! Statt sich zu beklagen, daß Gott zu lange wartet, sollte daher jeder aus seiner Geduld Nutzen ziehen und sich seinem Königreich unterwerfen. Laß dir in der Bibel seine Maßstäbe zeigen, und bemühe dich, ihnen zu entsprechen. Pflege Gemeinschaft mit denen, die sich ihm in Einheit unterworfen haben. Dann wird Gottes Geduld dir ewigwährende Segnungen eintragen.

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