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  • „Gott ist Liebe“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 4

      „Gott ist Liebe“

      Von allen Eigenschaften, die Jehova besitzt, ist die Liebe die bedeutendste. Sie ist auch seine anziehendste Eigenschaft. Wie einen Edelstein möchten wir nun einige ihrer schönen Facetten unter die Lupe nehmen. Dabei werden wir feststellen, warum es in der Bibel heißt: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8).

  • Er hat uns zuerst geliebt
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus stirbt am Pfahl.

      KAPITEL 23

      Er hat uns zuerst geliebt

      1-3. Worin unterschied sich der Tod Jesu von jedem anderen Tod in der Geschichte?

      AN EINEM Frühlingstag vor 2000 Jahren stand ein unschuldiger Mann vor Gericht. Er wurde verurteilt, ohne etwas Schlechtes getan zu haben, und dann zu Tode gefoltert. Es war nicht die erste grausame und ungerechte Hinrichtung in den Annalen der Geschichte – und leider auch nicht die letzte. Doch dieser Tod war anders.

      2 Als der Verurteilte seine letzten, qualvollen Stunden durchlitt, verkündete der Himmel selbst die Bedeutung des Geschehens. Am helllichten Tag „brach über das ganze Land eine Finsternis herein, … weil das Sonnenlicht weg war“, wie ein Historiker schrieb (Lukas 23:44, 45). Kurz bevor der Mann seinen letzten Atemzug tat, sprach er die denkwürdigen Worte: „Es ist vollbracht!“ Dadurch, dass er sein Leben hingab, bewirkte er etwas Wunderbares. Sein Opfer war der größte Liebesbeweis, den je ein Mensch erbracht hat (Johannes 15:13; 19:30).

      3 Die Rede ist natürlich von Jesus Christus. Was er an jenem traurigen Tag, dem 14. Nisan 33 u. Z., bis zu seinem Tod durchmachte, ist wohlbekannt. Dabei wird aber oft eine bedeutende Tatsache übersehen. Obwohl Jesus furchtbare Qualen ausstand, gab es jemand, der noch mehr litt. Dieser Jemand brachte damals ein noch größeres Opfer: Es bestand in dem größten Liebesbeweis, der jemals im ganzen Universum erbracht wurde. Worum handelte es sich? Die Antwort auf diese Frage führt uns direkt zum wichtigsten aller Themen: Jehovas Liebe.

      Der größte Liebesbeweis

      4. Woran erkannte ein römischer Soldat, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch war, und zu welchem Schluss kam er?

      4 Die Finsternis vor Jesu Tod und das heftige Erdbeben danach befremdeten den Zenturio, der Jesu Hinrichtung überwachte. „Er war wirklich Gottes Sohn“, sagte er (Matthäus 27:54). Eindeutig: Jesus war kein gewöhnlicher Mensch. Der Soldat hatte bei der Hinrichtung des einziggezeugten Sohnes des Allerhöchsten Hand angelegt! Wie viel bedeutete dieser Sohn seinem Vater?

      5. Wie lässt sich die enorme Zeitspanne veranschaulichen, die Jehova und sein Sohn zusammen im Himmel waren?

      5 In der Bibel wird Jesus als „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ bezeichnet (Kolosser 1:15). Jehovas Sohn existierte folglich schon vor dem Universum. Wie lange waren Vater und Sohn also zusammen? Manche Wissenschaftler schätzen das Alter des Universums auf 13 Milliarden Jahre. Kannst du dir einen solchen Zeitraum auch nur annähernd vorstellen? Es gibt ein Planetarium, das seinen Besuchern mithilfe einer 110 Meter langen Linie das ungefähre Alter des Universums begreiflich machen möchte. Jeder Schritt, den man an dieser Linie entlanggeht, steht für 75 Millionen Jahre. Am Ende der Linie repräsentiert ein haarfeiner Strich die gesamte Menschheits­geschichte. Angenommen, diese Schätzung wäre korrekt, dann wäre die gesamte Linie immer noch nicht lang genug, um die Lebensdauer des Sohnes Jehovas darzustellen. Womit war der Sohn wohl in all den Zeitaltern beschäftigt?

      6. (a) Womit war Jehovas Sohn während seiner vormenschlichen Existenz beschäftigt? (b) Was verbindet Jehova und seinen Sohn?

      6 Es machte ihm Freude, der „Werkmeister“ seines Vaters zu sein (Sprüche 8:30). Die Bibel sagt: „Ohne das Wort [den Sohn] kam gar nichts ins Dasein“ (Johannes 1:3). Jehova und sein Sohn erschufen somit alles gemeinsam. Was für eine spannende, glückliche Zeit das gewesen sein muss! Die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist ohne Zweifel außerordentlich stark. Auch ist die Liebe „ein vollkommenes Band der Einheit“ (Kolosser 3:14). Wer von uns könnte sich die Stärke eines Bandes, das schon so ungeheuer lange existiert, auch nur im Entferntesten vorstellen? Jehova Gott und seinen Sohn schweißt das stärkste Band der Liebe zusammen, das je geschmiedet wurde.

      7. Wie brachte Jehova bei Jesu Taufe seine Gefühle für seinen Sohn zum Ausdruck?

      7 Dennoch wurde der Sohn vom Vater zur Erde gesandt, um als Menschenkind geboren zu werden. Das bedeutete, dass Jehova für einige Jahrzehnte darauf verzichten musste, mit seinem geliebten Sohn im Himmel zusammen zu sein. Mit regem Interesse beobachtete er vom Himmel aus, wie Jesus zu einem vollkommenen Mann heranwuchs. Im Alter von ungefähr dreißig Jahren ließ Jesus sich taufen. Wir werden nicht im Unklaren darüber gelassen, wie Jehova für ihn empfand. Der Vater sagte höchstpersönlich vom Himmel aus: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe“ (Matthäus 3:17). Zu sehen, dass Jesus alles treu ausführte, was prophezeit worden war, ja alles, was von ihm erwartet wurde, muss den Vater von Herzen gefreut haben (Johannes 5:36; 17:4).

      8, 9. (a) Was machte Jesus am 14. Nisan 33 u. Z. alles durch, und wie berührte das seinen himmlischen Vater? (b) Warum ließ Jehova seinen Sohn leiden und sterben?

      8 Doch was empfand Jehova am 14. Nisan 33 u. Z.? Wie war ihm zumute, als Jesus verraten und dann mitten in der Nacht von einer aufgebrachten Menge festgenommen wurde? Oder als Jesus von seinen Freunden verlassen und einem ungesetzlichen Verhör unterzogen wurde? Als man ihn verspottete, anspuckte und mit Fäusten schlug? Als man ihn auspeitschte und ihm dabei Fleischfetzen aus dem Rücken riss? Als man seine Hände und Füße an einen Pfahl nagelte und ihn daran hängen ließ, während die Leute ihn beschimpften? Was ging in dem Vater vor, als sein geliebter Sohn im Todeskampf zu ihm schrie? Wie empfand Jehova, als Jesus sein Leben aushauchte und zum ersten Mal seit den Anfängen aller Schöpfung nicht existierte? (Matthäus 26:14-16, 46, 47, 56, 59, 67; 27:38-44, 46; Johannes 19:1).

      9 Jehova ist ein Gott mit tiefen Empfindungen. Wie soll man da den Schmerz, den er beim Tod seines Sohnes litt, in Worte fassen können? Wir können es nicht. Was sich aber sehr wohl ausdrücken lässt, ist der Beweggrund, aus dem Jehova all das geschehen ließ. Warum setzte sich der Vater diesem Schmerz aus? In Johannes 3:16 – eine Textstelle, die man wegen ihrer Wichtigkeit als Evangelium in Kurzform bezeichnet hat – enthüllt uns Jehova etwas Großartiges. Dort heißt es: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat.“ Liebe! Das war der Beweggrund Jehovas. Das Geschenk, das uns Jehova dadurch machte, dass er seinen Sohn für uns leiden und sterben ließ, war der größte Liebesbeweis aller Zeiten.

      Gott gab seinen einziggezeugten Sohn

      Die Definition göttlicher Liebe

      10. Welches Bedürfnis haben die Menschen, und was ist mit der Bedeutung des Wortes „Liebe“ geschehen?

      10 Was bedeutet das Wort „Liebe“? Liebe gilt als das, was die Menschen am meisten brauchen. Vom Augenblick der Geburt an bis zum Lebensende sucht der Mensch nach Liebe. Mit ihr blüht er auf; ohne sie verkümmert er und geht zugrunde. Dabei ist Liebe erstaunlich schwer zu definieren. Sicher, über sie wird viel geredet, und der Strom von Büchern, Liedern und Gedichten über die Liebe scheint nie zu versiegen. Aber was Liebe wirklich bedeutet, wird dadurch nicht unbedingt erhellt. Dieses Wort wird so oft strapaziert, dass seine wahre Bedeutung zusehends verloren geht.

      11, 12. (a) Wo erfahren wir viel über die Liebe, und warum dort? (b) Welche Arten von Liebe kennt das Altgriechische, und welche kommt in den Christlichen Griechischen Schriften am häufigsten vor? (Siehe auch Fußnote.) (c) Wie wird das Wort agápē in der Bibel häufig gebraucht?

      11 Aus der Bibel hingegen geht klar hervor, was Liebe ist. In dem Werk Expository Dictionary of New Testament Words heißt es: „Die Liebe ist nur an Taten zu erkennen.“ Durch die biblischen Berichte über Jehovas Taten erfahren wir viel über seine Liebe – seine Zuneigung und sein Wohlwollen gegenüber seinen Geschöpfen. Was könnte beispielsweise mehr über diese Eigenschaft aussagen als der gerade erwähnte größte Liebesbeweis Jehovas? In den anschließenden Kapiteln werden wir noch etliche weitere Beispiele für Jehovas aktive Liebe kennenlernen. Auch die in der Bibel verwendeten Wörter aus den Ursprachen runden unser Verständnis des Begriffs „Liebe“ ab. Das Altgriechische kannte vier Ausdrücke für „Liebe“.a Davon kommt agápē in den Christlichen Griechischen Schriften am häufigsten vor. Ein biblisches Wörterbuch bezeichnet agápē als „das kraftvollste Wort, das man sich für Liebe vorstellen kann“. Weshalb?

      12 In der Bibel bezeichnet agápē oft eine Liebe, die sich von Grundsätzen leiten lässt. Sie ist mehr als eine bloße emotionale Reaktion auf einen anderen Menschen. Es handelt sich um eine umfassendere und prinzipiell eher wohlüberlegte und bewusste Liebe. Doch vor allem ist christliche Liebe vollkommen selbstlos. Gehen wir nochmals zurück zu Johannes 3:16. Was ist „die Welt“, die Gott so sehr geliebt hat, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab? Es ist die Welt der erlösbaren Menschheit. Dazu gehören viele, die Sünde treiben. Liebt Jehova jeden Einzelnen von ihnen wie einen persönlichen Freund, so wie er den treuen Abraham liebte? (Jakobus 2:23). Nein. Aber Jehova lässt in seiner Liebe allen Gutes zukommen, auch wenn ihn das viel kostet. Er möchte, dass alle bereuen und sich ändern (2. Petrus 3:9). Viele tun das auch, und solche Menschen macht er gern zu seinen Freunden.

      13, 14. Was zeigt, dass christliche Liebe oft innige Zuneigung einschließt?

      13 Manche haben allerdings eine verkehrte Vorstellung davon, was die Bibel mit agápē meint. Für sie ist es eine kalte, vernunftbetonte Art von Liebe. Tatsache ist jedoch, dass christliche Liebe häufig eine innige persönliche Zuneigung einschließt. Als Johannes beispielsweise schrieb: „Der Vater liebt den Sohn“, gebrauchte er eine Form des Wortes agápē. Fehlt es dieser Liebe an inniger Zuneigung? Bemerkenswerter­weise sagte Jesus: „Der Vater hat den Sohn lieb.“ Hier steht eine Form des Wortes philéō (Johannes 3:35; 5:20). Die Liebe Jehovas birgt oft zärtliche Zuneigung in sich. Doch seine Liebe lässt sich nie von bloßer Sentimentalität leiten. Sie orientiert sich immer an seinen weisen und gerechten Grundsätzen.

      14 Wie wir gesehen haben, sind alle Eigenschaften Jehovas von höchster Güte, vollkommen und anziehend. Doch die anziehendste von allen ist die Liebe. Nichts zieht uns mit solcher Macht zu Jehova wie sie. Glücklicher­weise ist die Liebe auch seine dominierende Eigenschaft. Woher wissen wir das?

      „Gott ist Liebe“

      15. Was sagt die Bibel über die Liebe Jehovas, und weshalb ist diese Aussage einzigartig? (Siehe auch Fußnote.)

      15 Die Bibel sagt über die Liebe etwas, was sie über die anderen Haupt­eigenschaften Jehovas an keiner Stelle sagt. Es heißt nirgends, dass Gott Macht ist oder dass er Gerechtigkeit ist, auch nicht Weisheit. Er besitzt diese Eigenschaften, ist ihre ureigentliche Quelle und ist in allen drei Eigenschaften unvergleichlich. Doch die vierte Eigenschaft geht noch tiefer, denn „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8).b Was bedeutet das?

      16-18. (a) Warum sagt die Bibel: „Gott ist Liebe“? (b) Warum ist der Mensch von allen Geschöpfen auf der Erde das passendste Symbol für Jehovas Liebe?

      16 Die Aussage „Gott ist Liebe“ darf nicht als eine Art mathematische Gleichung aufgefasst werden, als wollte man sagen: „Gott gleich Liebe.“ Schließlich kann man ja auch nicht einfach umgekehrt „Liebe ist Gott“ sagen. Jehova ist viel mehr als eine abstrakte Eigenschaft. Er ist eine Person, die außer Liebe noch eine ganze Reihe anderer Gefühle und Wesensmerkmale aufweist. Doch die Liebe durchdringt ihn ganz und gar. Ein Nachschlagewerk kommentiert diese Textstelle wie folgt: „Gott ist seinem ganzen Wesen oder seiner ganzen Natur nach Liebe.“ Vorstellen kann man sich das in etwa so: Jehovas Macht ermöglicht ihm zu handeln. Gerechtigkeit und Weisheit bestimmen sein Handeln. Aber die Liebe motiviert ihn dazu. Und alle seine anderen Eigenschaften werden stets von Liebe getragen.

      17 Jehova wird oft als die Liebe in Person bezeichnet. Wenn wir also etwas über grundsatztreue Liebe erfahren möchten, müssen wir mehr über Jehova lernen. Natürlich ist diese schöne Eigenschaft auch bei Menschen zu beobachten. Aber warum ist das so? Bei der Schöpfung sagte Jehova, offensichtlich an seinen Sohn gewandt: „Wir wollen Menschen machen in unserem Bild, die uns ähnlich sind“ (1. Mose 1:26). Von allen Geschöpfen auf der Erde kann sich nur der Mensch bewusst dafür entscheiden, zu lieben, und so seinen himmlischen Vater nachahmen. Wir erinnern uns, dass Jehova seine Haupt­eigenschaften durch verschiedene Geschöpfe versinnbildlichte. Dabei nahm er sein höchstes irdisches Schöpfungswerk, den Menschen, zum Symbol für seine dominierende Eigenschaft – die Liebe (Hesekiel 1:10).

      18 Wenn unsere Liebe selbstlos ist und sich von Grundsätzen leiten lässt, spiegeln wir Jehovas hervorstechendste Eigenschaft wider. Es ist so, wie der Apostel Johannes schrieb: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4:19). Woran ist aber ersichtlich, dass Jehova uns zuerst geliebt hat?

      Jehova ergriff die Initiative

      19. Wieso kann man sagen, dass die Liebe in dem schöpferischen Werk Jehovas eine Schlüsselrolle spielte?

      19 Die Liebe war schon immer da. Denn was hat Jehova bewogen, mit der Schöpfung zu beginnen? Einsamkeit oder das Bedürfnis nach Gesellschaft war nicht das Motiv. Jehova ist von niemandem abhängig, und ihm fehlt es an nichts. Doch aufgrund seiner Liebe, einer aktiven Eigenschaft, war es für ihn etwas ganz Natürliches, die Freude am Leben mit vernunftbegabten Geschöpfen teilen zu wollen – Geschöpfen, die ein solches Geschenk zu schätzen wussten. „Der Anfang der Schöpfung Gottes“ war sein einziggezeugter Sohn (Offenbarung 3:14). Zusammen mit diesem Werkmeister brachte Jehova, angefangen von den Engeln, alles andere ins Dasein (Hiob 38:4, 7; Kolosser 1:16). Ausgestattet mit Freiheit, Intelligenz und Gefühlen konnten diese mächtigen Geistwesen selbst Beziehungen aufbauen – zueinander und vor allem zu Jehova Gott (2. Korinther 3:17). Sie liebten, weil sie zuerst geliebt worden waren.

      20, 21. Welche Beweise für Jehovas Liebe sahen Adam und Eva, doch wie reagierten sie darauf?

      20 So war es auch bei der Menschheit. Vom ersten Augenblick an waren Adam und Eva von Liebe umgeben. Wohin sie in ihrem paradiesischen Garten Eden auch blickten, überall konnten sie Beweise für die Liebe ihres Vaters entdecken. Wie die Bibel schreibt, „legte Jehova Gott einen Garten in Eden an, im Osten. Dorthin setzte er den Menschen, den er gebildet hatte“ (1. Mose 2:8). Warst du schon einmal in einem wirklich schönen Garten oder Park? Was hat dir am besten gefallen? Die Sonnenstrahlen, die im Halbschatten durch das Blätterdach brachen? Das Zusammenspiel der Farben in einem Blütenmeer? Die Geräuschkulisse von fröhlich plätscherndem Wasser, Vogelgezwitscher und Insektensummen? Oder der Duft der Bäume, Früchte und Blumen? Wie auch immer: Kein Park unserer Zeit könnte es mit dem Garten Eden aufnehmen. Warum nicht?

      21 Diesen Garten hatte Jehova selbst angelegt. Er muss unbeschreiblich schön gewesen sein. Ein Baum war prächtiger als der andere. Köstliche Früchte, wohin man auch sah! Der Garten war gut bewässert und weitläufig. Eine faszinierende Vielfalt von Tieren erfüllte ihn mit Leben. Es war alles da, was Adam und Eva für ein ausgefülltes, glückliches Leben brauchten – sogar befriedigende Arbeit und die perfekte Partnerschaft. Jehova hatte sie zuerst geliebt, und sie hatten allen Grund, diese Liebe zu erwidern. Doch das taten sie nicht. Statt ihrem himmlischen Vater aus Liebe zu gehorchen, lehnten sie sich selbstsüchtig gegen ihn auf (1. Mose, Kapitel 2).

      22. Wie bewies Jehova durch seine Reaktion auf die Rebellion im Garten Eden, dass seine Liebe loyal ist?

      22 Wie sehr muss das Jehova wehgetan haben! Wurde durch diese Rebellion aber die Liebe in seinem Herzen von Bitterkeit verdrängt? Nein! „Seine loyale Liebe bleibt für immer“ (Psalm 136:1). Sofort unternahm er liebevoll Schritte, durch die aufrichtige Nachkommen Adams und Evas erlöst werden könnten. Wie wir gesehen haben, gehört dazu das Loskaufsopfer seines geliebten Sohnes – ein Opfer, das Jehova großen Schmerz bereitete (1. Johannes 4:10).

      23. Was ist ein Grund dafür, dass Jehova der „glückliche Gott“ ist, und mit welcher wichtigen Frage befasst sich das nächste Kapitel?

      23 Ja, von Anfang an hat Jehova die Initiative ergriffen und der Menschheit Liebe erwiesen. In jeder nur erdenklichen Hinsicht hat „er uns zuerst geliebt“. Liebe fördert Harmonie und Freude; deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Jehova als der „glückliche Gott“ beschrieben wird (1. Timotheus 1:11). Allerdings erhebt sich hier eine wichtige Frage: Liebt uns Jehova denn auch als Einzelne? Darauf geht das nächste Kapitel ein.

      a In den Christlichen Griechischen Schriften wird oft das Verb philéō gebraucht. Es bedeutet „Zuneigung haben, lieb haben, gernhaben oder mögen (wie etwa einen guten Freund oder einen Bruder)“. Eine Form des Wortes storgḗ, das die tiefe Liebe in der Familie bezeichnet, kommt in 2. Timotheus 3:3 vor, wo erwähnt wird, dass es in den letzten Tagen an dieser Art Liebe schmerzlich mangeln würde. érōs, die sinnliche Liebe zwischen Mann und Frau, erscheint in den Christlichen Griechischen Schriften nicht, obwohl diese Art Liebe in der Bibel erörtert wird (Sprüche 5:15-20).

      b Es gibt noch andere biblische Aussagen, die in eine ähnliche Richtung gehen. So heißt es: „Gott ist Licht“ oder: „Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (1. Johannes 1:5; Hebräer 12:29). Doch dabei handelt es sich um Metaphern, durch die Gott mit etwas Stofflichem verglichen wird. Jehova ist wie Licht, denn alles an ihm ist heilig und aufrichtig. In ihm gibt es keine „Finsternis“ oder Unreinheit. Und mit Feuer ist er zu vergleichen, wenn er seine vernichtende Macht einsetzt.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 63:1-11 Wie wertvoll sollte uns Jehovas Liebe sein, und welche Zuversicht kann diese Liebe in uns entstehen lassen?

      • Hosea 11:1-4; 14:4-8 Wie zeigte sich Israel (oder Ephraim) ungehorsam, doch wie erwies Jehova ihnen trotzdem väterliche Liebe?

      • Matthäus 5:43-48 Wie bringt Jehova den Menschen ganz allgemein väterliche Liebe entgegen?

      • Johannes 17:15-26 Wie wird an dem Gebet Jesu für seine Nachfolger deutlich, dass Jehova uns liebt?

  • Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen
    Komm Jehova doch näher
    • Einer Frau laufen Tränen über die Wangen.

      KAPITEL 24

      Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen

      1. Welche negativen Gefühle können selbst wahre Christen überkommen?

      LIEBT Jehova Gott dich als Individuum? Manche glauben zwar, dass Gott die Menschheit im Allgemeinen liebt, wie es ja in Johannes 3:16 steht, denken aber: „Mich persönlich könnte Gott niemals lieben.“ Selbst wahre Christen mögen da hin und wieder Zweifel haben. Ein Mann sagte mutlos: „Mir fällt es sehr schwer, zu glauben, dass sich Gott überhaupt für mich interessiert.“ Kommen dir auch manchmal solche Zweifel?

      2, 3. Wer möchte uns einreden, wir seien in Jehovas Augen wertlos oder nicht liebenswert, und wie können wir diesen Gedanken bekämpfen?

      2 Satan möchte uns gern einreden, dass Jehova Gott uns weder liebt noch schätzt. Zwar besteht seine Taktik oft darin, an die Eitelkeit oder den Stolz zu appellieren (2. Korinther 11:3). Aber er weidet sich auch daran, die Selbstachtung verletzlicher Menschen zu zerstören (Johannes 7:47-49; 8:13, 44). Das ist besonders in den gegenwärtigen kritischen „letzten Tagen“ der Fall. Viele wachsen heutzutage in lieblosen Familien auf. Andere sind ständig von brutalen, selbstsüchtigen und eigensinnigen Menschen umgeben (2. Timotheus 3:1-5). Nach jahrelanger gemeiner, diskriminierender oder feindseliger Behandlung sind sie womöglich zu der Überzeugung gelangt, wertlos oder einfach nicht liebenswert zu sein.

      3 Verzweifle nicht, wenn sich auch in dir solche negativen Gefühle regen. Viele von uns sind ab und zu unvernünftig hart mit sich selbst. Denk aber daran, dass Gottes Wort „zum Richtigstellen“ da ist und dazu, „starke Befestigungen umzustoßen“ (2. Timotheus 3:16; 2. Korinther 10:4). Die Bibel sagt: „Wir werden unser Herz vor ihm beruhigen in allem, worin unser Herz uns verurteilen mag, weil Gott größer ist als unser Herz und alles weiß“ (1. Johannes 3:19, 20). Befassen wir uns nun mit vier Punkten, durch die uns die Bibel hilft, unser Herz der Liebe Jehovas zu versichern.

      Jehova schätzt dich

      4, 5. Wie zeigte Jesus am Beispiel der Spatzen, dass wir in Jehovas Augen wertvoll sind?

      4 Erstens geht aus der Bibel klar hervor, dass Gott jeden seiner Diener als wertvoll ansieht. So sagte Jesus: „Was zahlt man schon für zwei Spatzen? Eine Münze, die kaum etwas wert ist. Trotzdem fällt keiner von ihnen auf den Boden, ohne dass euer Vater es weiß. Und sogar die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Deshalb keine Angst: Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“ (Matthäus 10:29-31). Denken wir einmal darüber nach, was diese Worte für Jesu Zuhörer im 1. Jahrhundert bedeuteten.

      Ein Spatz füttert einen jungen Spatz.

      „Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“

      5 Wir fragen uns wahrscheinlich, wie jemand überhaupt auf die Idee kam, einen Spatz zu kaufen. In Jesu Tagen waren das die billigsten zum Verzehr angebotenen Vögel. Für eine Münze von geringem Wert bekam der Käufer zwei Spatzen. War er jedoch bereit, zwei Münzen auszugeben, dann bekam er, wie Jesus später einmal erwähnte, nicht vier, sondern fünf Spatzen. Der zusätzliche Vogel war gratis, so als hätte er überhaupt keinen Wert. Solche Geschöpfe waren in den Augen von Menschen vielleicht wertlos, aber wie sah sie der Schöpfer an? Jesus erklärte: „Gott vergisst keinen einzigen von ihnen“ – auch nicht den Gratisvogel (Lukas 12:6, 7). Jetzt wird uns wahrscheinlich klar, was Jesus damit sagen wollte. Wenn Jehova einem einzigen Spatz so viel Wert beimisst, wie viel mehr ist dann ein Mensch wert! Jesus machte deutlich, dass Jehova uns bis in alle Einzelheiten kennt. Sogar die Haare, die auf unserem Kopf wachsen, sind gezählt.

      6. Wieso können wir sicher sein, dass Jesu Aussage, unsere Haare seien gezählt, nicht unrealistisch war?

      6 Unsere Haare gezählt? Manch einer wird diese Aussage Jesu für unrealistisch halten. Aber denken wir nur einmal an die Auferstehungs­hoffnung. Wie genau muss uns Jehova doch kennen, um uns wiedererschaffen zu können! Ihm liegt so viel an uns, dass er jede Einzelheit im Gedächtnis behält, auch unseren genetischen Bauplan, unsere Erinnerungen und die Erfahrungen, die wir über die Jahre gemacht haben.a Unsere Haare zu zählen – im Durchschnitt sind es 100 000 – wäre im Vergleich dazu ein Leichtes.

      Was sieht Jehova in uns?

      7, 8. (a) Über welche Einstellung freut sich Jehova, wenn er Menschenherzen erforscht? (b) Was zählt zu den guten Werken, die Jehova schätzt?

      7 Zweitens erfahren wir aus der Bibel, was Jehova an seinen Dienern schätzt. Einfach ausgedrückt, freut er sich über unsere guten Eigenschaften und über unsere Bemühungen. König David sagte zu seinem Sohn Salomo: „Jehova erforscht alle Herzen und erkennt jede Tendenz der Gedanken“ (1. Chronika 28:9). Wie sehr muss sich Gott freuen, wenn er unter den Milliarden von Menschenherzen in der heutigen gewalttätigen, hasserfüllten Welt ein Herz entdeckt, das Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit liebt! Was geschieht, wenn Gott ein Herz findet, das vor Liebe zu ihm überströmt, das sich bemüht, ihn kennenzulernen und diese Erkenntnis an andere weiterzugeben? Jehova lässt uns wissen, dass er von Menschen, die mit anderen über ihn sprechen, Notiz nimmt. Er hat „ein Gedenkbuch“ für alle, „die Ehrfurcht vor Jehova haben und über seinen Namen nachdenken“ (Maleachi 3:16). Eine solche Einstellung ist für ihn kostbar.

      8 Was zählt zu den guten Werken, die Jehova schätzt? Auf jeden Fall unsere Bemühungen, seinen Sohn, Jesus Christus, nachzuahmen (1. Petrus 2:21). Ein lebenswichtiges Werk, das Gott schätzt, ist die Verbreitung der guten Botschaft von seinem Königreich. In Römer 10:15 lesen wir: „Wie schön sind die Füße derer, die eine gute Botschaft von etwas Gutem verkünden!“ Wenn wir unsere eigenen Füße anschauen, finden wir sie vielleicht nicht unbedingt „schön“. Aber die Füße versinnbildlichen hier den Einsatz, den Jehovas Diener beim Predigen der guten Botschaft bringen. Diese Anstrengungen sind in Gottes Augen schön und kostbar (Matthäus 24:14; 28:19, 20).

      9, 10. (a) Wieso können wir sicher sein, dass Jehova unser Ausharren unter schwierigen Bedingungen schätzt? (b) Wie würde Jehova nie über seine treuen Diener denken?

      9 Jehova schätzt auch unser Ausharren (Matthäus 24:13). Schließlich möchte Satan ja, dass wir uns von Jehova abwenden. Jeder Tag, an dem wir Jehova treu bleiben, ist ein weiterer Tag, an dem wir dazu beitragen, auf das Höhnen Satans eine Antwort zu geben (Sprüche 27:11). Auszuharren ist manchmal alles andere als leicht. Krankheiten, Geldprobleme, emotionelle Belastungen und andere Schwierigkeiten können jeden Tag zu einer Prüfung werden lassen. Man könnte auch mutlos werden, „wenn sich eine Hoffnung lange nicht erfüllt“ (Sprüche 13:12). Das Ausharren unter solch erschwerten Bedingungen schätzt Jehova umso mehr. Deshalb bat König David Jehova, seine Tränen in einem „Lederbeutel“ zu sammeln, und fragte zuversichtlich: „Sind sie nicht aufgezeichnet in deinem Buch?“ (Psalm 56:8). Ja, Jehova sammelt alle Tränen und Leiden, die von unserer Loyalität ihm gegenüber zeugen, und bewahrt sie in seinem Gedächtnis auf. Auch sie sind kostbar in seinen Augen.

      Jehova schätzt es, wenn wir unter Prüfungen ausharren

      10 Das von Selbstzweifeln geplagte Herz will die Beweise, dass wir für Gott wertvoll sind, allerdings oft nicht wahrhaben. Womöglich flüstert es uns unentwegt ein: „Es gibt so viele andere, die vorbildlicher sind als du. Wie enttäuscht Jehova doch sein muss, wenn er dich mit ihnen vergleicht!“ Jehova zieht aber keine Vergleiche und ist in seinem Denken auch nicht starr oder hart (Galater 6:4). Er liest unsere Herzen sehr sorgsam und schätzt das Gute hoch ein – selbst wenn nur ein bisschen davon vorhanden wäre.

      Jehova siebt das Gute aus

      11. Was können wir daraus lernen, wie Jehova mit Abija umging?

      11 Drittens: Wenn Jehova uns durchforscht, siebt er sorgfältig das Gute aus. Als Jehova beispielsweise bestimmte, dass die gesamte abtrünnige Dynastie des Königs Jerobeam ausgelöscht werden sollte, ordnete er für Abija, einen der Königssöhne, ein würdiges Begräbnis an. Warum? „Jehova, der Gott Israels“, hatte „an ihm etwas Gutes gefunden“ (1. Könige 14:1, 10-13). Jehova durchsuchte das Herz des jungen Mannes und fand „etwas Gutes“. So klein oder unbedeutend diese Spur von etwas Gutem auch gewesen sein mag, sie war Jehova einen Vermerk in seinem Wort wert. Er belohnte Abija sogar dafür und erwies diesem Mitglied eines abtrünnigen Königshauses in vertretbarem Maß Barmherzigkeit.

      12, 13. (a) Wie wird an König Josaphat deutlich, dass Jehova das Gute in uns sucht, auch wenn wir gesündigt haben? (b) Weshalb kann man sagen, Jehova handle ähnlich wie liebevolle Eltern, wenn es um unsere guten Werke und Eigenschaften geht?

      12 Ein positiveres Beispiel ist Josaphat, der ein guter König war. Nachdem er etwas Unvernünftiges getan hatte, sagte ein Prophet Jehovas zu ihm: „Jehova ist deswegen zornig auf dich.“ Ein ernüchternder Gedanke! Aber Jehovas Botschaft war hier nicht zu Ende. Sie lautete weiter: „Trotzdem hat Gott Gutes in dir gefunden“ (2. Chronika 19:1-3). Jehova war in seinem gerechten Zorn nicht blind für die guten Seiten Josaphats. Wie ganz anders sind da unvollkommene Menschen! Wenn wir uns über andere ärgern, sehen wir oft nichts Gutes mehr an ihnen. Und wenn wir selbst sündigen, kann es sein, dass wir vor lauter Enttäuschung und vor Scham- und Schuldgefühlen auch für unsere eigenen guten Seiten blind sind. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass Jehova uns vergibt, sofern wir unsere Sünden bereuen und unser Bestes tun, sie nicht zu wiederholen.

      13 Wenn Jehova uns „siebt“, wirft er solche Sünden weg, ähnlich wie ein Goldsucher wertlosen Kies wegwirft. Und wie sieht es mit unseren guten Eigenschaften und Werken aus? Das müssen dann wohl die „Goldklümpchen“ sein, die er aufbewahrt. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Eltern die Zeichnungen oder Schulprojekte ihrer Kinder manchmal jahrzehntelang aufheben, obwohl die Kinder sie längst vergessen haben? Was Elternliebe angeht, ist Jehova unübertroffen. Solange wir ihm treu bleiben, wird er unsere guten Werke und Eigenschaften niemals vergessen. Das würde er nämlich als ungerecht ansehen, und ungerecht ist er nie (Hebräer 6:10). Doch er durchforscht uns noch in anderer Hinsicht.

      14, 15. (a) Warum machen unsere Fehler und Schwächen Jehova nie blind für das Gute in uns? Veranschauliche es. (b) Was wird Jehova mit dem Guten in uns tun, und wie sieht er seine treuen Diener?

      14 Jehovas Blick geht an unseren Fehlern und Schwächen vorüber und richtet sich auf das Potenzial, das in uns steckt. Dazu ein Vergleich: Kunstliebhaber tun alles nur Erdenkliche, um stark beschädigte Gemälde oder andere Kunstwerke zu restaurieren. In der Londoner Nationalgalerie wurde einmal mit einer Schrotflinte auf einen Entwurf von Leonardo da Vinci geschossen, der 35 Millionen Euro wert war. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die beschädigte Zeichnung einfach wegzuwerfen. Stattdessen machte man sich sofort an die Restauration des fast 500 Jahre alten Meisterwerks. Warum? Weil es in den Augen von Kunstliebhabern von sehr hohem Wert war. Bist du nicht mehr wert als eine Kreide- oder Kohlezeichnung? In Gottes Augen bestimmt – ganz gleich, wie sehr die Unvollkommenheit, die du geerbt hast, an dir genagt hat (Psalm 72:12-14). Jehova Gott, der geniale Schöpfer der Menschheit, wird das Nötige unternehmen, um alle, die für seine liebevolle Fürsorge empfänglich sind, vollkommen zu „restaurieren“ (Apostel­geschichte 3:21; Römer 8:20-22).

      15 Jehova sieht das Gute in uns, für das wir selbst vielleicht blind sind. Und solange wir ihm dienen, wird er das Gute in uns wachsen lassen, bis wir eines Tages vollkommen sind. Egal wie wir in der Welt Satans behandelt worden sind, für Jehova sind wir als seine treuen Diener wertvoll (Haggai 2:7).

      Jehova stellt seine Liebe unter Beweis

      16. Was ist der größte Beweis für Jehovas Liebe zu uns, und woher wissen wir, dass dieses Geschenk für uns persönlich gedacht ist?

      16 Viertens: Jehova tut vieles, wodurch er seine Liebe zu uns beweist. Christi Loskaufsopfer ist das überzeugendste Argument gegen die satanische Lüge, wir seien wertlos oder nicht liebenswert. Der qualvolle Tod Jesu am Marterpfahl und die noch größere Qual Jehovas, als er seinen geliebten Sohn sterben sah, sind ein Beweis ihrer Liebe zu uns. Das dürfen wir nie vergessen. Leider fällt es vielen schwer, zu glauben, dass dieses Geschenk für sie persönlich gedacht ist. Sie fühlen sich unwürdig. Denken wir aber nur einmal an den Apostel Paulus. Er hatte die Nachfolger Christi verfolgt, und doch schrieb er: Der „Sohn Gottes … [hat] mich geliebt und sich selbst für mich geopfert“ (Galater 1:13; 2:20).

      17. Wodurch zieht uns Jehova zu sich und zu seinem Sohn?

      17 Jehova beweist seine Liebe dadurch, dass er dem Einzelnen hilft, sich das Opfer Christi zunutze zu machen. Jesus sagte: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater, der mich gesandt hat, zieht ihn“ (Johannes 6:44). Jehova „zieht“ uns zu seinem Sohn und zu der Hoffnung auf ewiges Leben. Wie? Durch das Predigtwerk, bei dem Einzelpersonen erreicht werden, und durch den heiligen Geist, mit dem Jehova uns trotz unserer Fehler und Schwächen hilft, tiefe Wahrheiten zu begreifen und danach zu leben. Jehova kann von uns dasselbe sagen wie damals von Israel: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Darum habe ich dich mit loyaler Liebe zu mir gezogen“ (Jeremia 31:3).

      18, 19. (a) Wodurch spüren wir Jehovas Liebe am innigsten, und woher wissen wir, dass Jehova uns diese Aufmerksamkeit höchstpersönlich schenkt? (b) Wie geht aus Gottes Wort hervor, dass Jehova ein einfühlsamer Zuhörer ist?

      18 Dadurch, dass wir zu Jehova beten dürfen, spüren wir seine Liebe wahrscheinlich am innigsten. Die Bibel hält uns alle dazu an, „ständig“ zu Gott zu beten (1. Thessalonicher 5:17). Und Gott hört zu. Er wird der „Hörer des Gebets“ genannt (Psalm 65:2). Diese Funktion hat er keinem anderen übertragen, nicht einmal seinem Sohn. Der Schöpfer des Universums fordert uns sogar eindringlich auf, uns freimütig im Gebet an ihn zu wenden. Und was für ein Zuhörer ist er? Distanziert, unbeteiligt, gleichgültig? Nicht im Geringsten.

      19 Jehova ist einfühlsam. Was ist Einfühlungs­vermögen? Ein treuer älterer Christ sagte: „Einfühlungs­vermögen ist dein Schmerz in meinem Herzen.“ Berührt unser Schmerz Jehova wirklich? Was die Leiden seines Volkes Israel betraf, lesen wir: „Während all ihres Leids litt auch er“ (Jesaja 63:9). Nicht nur, dass er ihre Not sah, er fühlte mit ihnen. Wie stark Jehova empfindet, geht aus dem hervor, was er selbst zu seinen Dienern sagte: „Wer euch antastet, tastet meine Pupille an“ (Sacharja 2:8).b Wie schmerzhaft so etwas ist! Ja, Jehova fühlt mit uns. Was uns schmerzt, schmerzt auch ihn.

      20. Welche unausgeglichene Denkweise dürfen wir nicht haben, wenn wir den Rat in Römer 12:3 beachten wollen?

      20 Ein ausgeglichener Christ würde diese Beweise, dass Gott uns liebt und schätzt, niemals als Entschuldigung für Stolz oder Egoismus nehmen. Der Apostel Paulus schrieb: „Aufgrund der unverdienten Güte, die mir erwiesen wurde, sage ich jedem von euch, dass er nicht höher von sich denken soll, als nötig ist. Seid vielmehr in eurem Denken vernünftig, entsprechend dem Maß des Glaubens, das Gott jedem gegeben hat“ (Römer 12:3). Eine andere Übersetzung sagt hier: „Keiner unter euch denke höher von sich als es recht ist, vielmehr seid auf eine besonnene Selbst­einschätzung bedacht“ (Viebahn). Während wir die wohlige Wärme der Liebe unseres himmlischen Vaters genießen, sollten wir gleichzeitig in unserem Denken vernünftig sein und nicht vergessen, dass wir Gottes Liebe weder verdienen noch uns erarbeiten können (Lukas 17:10).

      21. Welche satanischen Lügen müssen wir unentwegt zurückweisen, und mit welcher Tatsache sollten wir unser Herz immer wieder beruhigen?

      21 Wir wollen alles tun, was in unserer Macht steht, um Satans Lügen zurückzuweisen, auch die Lüge, wir seien wertlos oder nicht liebenswert. Falls du dich aufgrund früherer Erlebnisse selbst als Hindernis siehst, das von Gottes unendlicher Liebe nicht überwunden werden kann; falls dir deine guten Werke zu unbedeutend vorkommen, um von Gottes wachsamen Augen wahrgenommen zu werden; oder falls dir deine Sünden zu groß erscheinen, um durch den Tod seines kostbaren Sohnes gesühnt zu werden – dann bist du einer Lüge aufgesessen. Lass solche Lügen nicht an dich herankommen! Beruhige dein Herz immer wieder mit der Tatsache, die Paulus mit folgenden inspirierten Worten festhielt: „Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben noch Engel noch Regierungen noch Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Mächte noch Höhe noch Tiefe noch irgendeine andere Schöpfung uns von Gottes Liebe trennen können, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8:38, 39).

      a In der Bibel wird die Auferstehungs­hoffnung öfter mit dem Gedächtnis Jehovas in Zusammenhang gebracht. Der treue Hiob sagte zu Jehova: „Würdest du mir doch nur eine Frist setzen und dich an mich erinnern!“ (Hiob 14:13). Jesus sprach von der Auferstehung aller, „die in den Gedenkgräbern sind“. Das war sehr passend, denn Jehova erinnert sich ganz genau an die Toten, die er auferwecken möchte (Johannes 5:28, 29, Fußnote).

      b Verschiedene Übersetzungen geben hier den Gedanken wieder, dass derjenige, der Gottes Volk antastet, nicht Gottes Auge, sondern Israels Auge oder sein eigenes Auge antastet. Diesen Irrtum brachten einige Abschreiber auf, die diese Passage für respektlos hielten und daher abänderten. Durch ihr fehlgeleitetes Verständnis wurde die Tiefe des Einfühlungs­vermögens Jehovas verschleiert.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 139:1-24 Wie geht aus den inspirierten Worten König Davids hervor, dass Jehova an uns als Einzelnen großes Interesse hat?

      • Jesaja 43:3, 4, 10-13 Wie empfindet Jehova für seine Zeugen, und durch welche Taten unterstreicht er seine Gefühle?

      • Römer 5:6-8 Wieso können wir sicher sein, dass uns Jehovas Liebe trotz unserer Sündhaftigkeit zugutekommt?

      • Judas 17-25 Wie können wir in Gottes Liebe bleiben, und welche Einflüsse stehen uns dabei im Weg?

  • Das innige Mitgefühl unseres Gottes
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Frau mit zärtlichem Blick.

      KAPITEL 25

      Das innige Mitgefühl unseres Gottes

      1, 2. (a) Wie reagiert eine Mutter, wenn ihr Baby schreit? (b) Welches Gefühl ist noch stärker als das Mitgefühl einer Mutter?

      MITTEN in der Nacht weint ein Baby. Die Mutter wird sofort wach. Seit der Geburt schläft sie nicht mehr so tief wie gewohnt. Sie hat gelernt, am Klang zu unterscheiden, warum ihr Kind schreit. Oft kann sie gleich sagen, ob es Hunger hat, gewickelt werden muss oder schmusen will. Was auch immer der Grund für das Schreien ist, die Mutter reagiert darauf. Sie bringt es nicht übers Herz, die Bedürfnisse ihres Babys zu ignorieren.

      2 Das Mitgefühl einer Mutter für das Kind, das sie geboren hat, gehört zu den zärtlichsten Gefühlen, die man bei Menschen kennt. Es gibt jedoch ein Gefühl, das unendlich stärker ist: das innige Mitgefühl unseres Gottes, Jehova. Uns mit diesem gewinnenden Wesensmerkmal zu befassen kann uns Jehova näherbringen. Sehen wir uns deshalb an, was Mitgefühl ist und wie Gott es zum Ausdruck bringt.

      Was ist Mitgefühl?

      3. Was drückt das hebräische Verb aus, das unter anderem mit „Barmherzigkeit zeigen“ übersetzt wird?

      3 In der Bibel steht Mitgefühl in enger Beziehung zu Barmherzigkeit. Es gibt eine Anzahl hebräische und griechische Wörter, die inniges Mitgefühl ausdrücken. Dazu gehört das hebräische Verb rachám, das oft mit „Barmherzigkeit zeigen“, „Erbarmen haben“ oder „Mitleid haben“ übersetzt wird. In einem Nachschlagewerk heißt es dazu: Es „drückt tiefes, inniges Mitleid aus, wie es beispielsweise durch den Anblick der Schwäche oder des Leids derjenigen ausgelöst wird, die uns lieb und teuer sind und unserer Hilfe bedürfen“. Dieser hebräische Ausdruck, den Jehova auf sich selbst anwendet, ist mit dem Wort für „Mutterleib“ verwandt und lässt sich als „zartes Mitgefühl“ beschreiben (2. Mose 33:19; Jeremia 33:26).a

      Eine Mutter hält ihr Baby im Arm.

      „Kann eine Frau ihren Säugling vergessen?“

      4, 5. Wie macht die Bibel am Beispiel mütterlicher Gefühle das Mitgefühl Jehovas verständlich?

      4 Um uns das Mitgefühl Jehovas verständlich zu machen, vergleicht die Bibel es mit den Gefühlen einer Mutter für ihr Baby. In Jesaja 49:15 lesen wir: „Kann eine Frau ihren Säugling vergessen, wird sie für den Sohn, den sie unter dem Herzen trug, kein Mitgefühl empfinden [rachám]? Und selbst wenn diese Frauen vergessen, ich würde dich nie vergessen.“ Diese zu Herzen gehende Beschreibung unterstreicht, wie groß Jehovas Mitgefühl gegenüber seinem Volk ist. Warum kann man das sagen?

      5 Es ist kaum vorstellbar, dass eine Mutter vergessen würde, ihr Baby zu füttern oder zu wickeln. Schließlich ist so ein Säugling völlig hilflos und braucht ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung Tag und Nacht. Traurigerweise hört man gerade in den heutigen „kritischen Zeiten“, in denen viele „lieblos“ sind, immer wieder von Müttern, die ihre Kinder vernachlässigen (2. Timotheus 3:1, 3). Doch Jehova erklärt: „Ich würde dich nicht vergessen.“ Das innige Mitgefühl Jehovas gegenüber seinen Dienern versagt nie. Es ist unendlich stärker als das innigste natürliche Empfinden, das wir uns vorstellen können – das Mitgefühl, das eine Mutter normalerweise mit ihrem Baby hat. Kein Wunder, dass ein Kommentator über Jesaja 49:15 schrieb: „Dies sind wahrscheinlich die ausdrucksstärksten Worte für die Liebe Gottes im Alten Testament.“

      6. Wie denken viele Menschen über Mitgefühl, aber was versichert uns Jehova?

      6 Ist Mitgefühl ein Zeichen von Schwäche? Diese Ansicht haben viele unvollkommene Menschen vertreten. So lehrte der Philosoph Seneca – ein Zeitgenosse Jesu und führender Intellektueller in Rom –, es sei „eine Fehlhaltung einer schwächlichen Seele“. Seneca vertrat den Stoizismus, eine Philosophie, die auf eine von Gefühlsregungen freie Gelassenheit Nachdruck legte. Ein weiser Mensch könne Notleidenden ruhig helfen, so Seneca, aber er dürfe sich kein Mitleid erlauben, da ihm ein solches Gefühl die Heiterkeit nehme. Diese egozentrische Lebensanschauung ließ kein Mitgefühl zu. Wie sehr sich Jehova doch davon abhebt! In seinem Wort versichert er uns, dass er „sehr mitfühlend und barmherzig ist“ (Jakobus 5:11, Fußnote). Wie wir sehen werden, ist Mitgefühl keine Schwäche, sondern eine starke, lebenswichtige Eigenschaft. Die Art und Weise, wie Jehova sie offenbart, lässt sich mit dem Verhalten liebevoller Eltern vergleichen. Befassen wir uns damit einmal näher.

      Jehovas Mitgefühl mit einem Volk

      7, 8. Was machten die Israeliten im alten Ägypten durch, und wie reagierte Jehova auf ihr Leid?

      7 Das Mitgefühl Jehovas zeigt sich deutlich an seiner Handlungsweise mit dem Volk Israel. Ende des 16. Jahrhunderts v. u. Z. lebten Millionen von Israeliten als Sklaven in Ägypten und wurden dort grausam unterdrückt. Die Ägypter „machten ihnen das Leben durch harte Arbeit schwer. Die Israeliten mussten mit Lehmmörtel und Ziegelsteinen arbeiten und sich mit allen möglichen Sklavenarbeiten auf dem Feld abplagen“ (2. Mose 1:11, 14). In ihrer Not schrien sie zu Jehova um Hilfe. Wie reagierte Gott in seinem innigen Mitgefühl darauf?

      8 Es ging ihm sehr nahe. Jehova sagte: „Ich habe sehr wohl gesehen, wie schlecht es meinem Volk in Ägypten geht. Ich habe sie wegen der Leute, die sie zur Arbeit antreiben, schreien hören, und ich weiß genau, wie sehr sie leiden“ (2. Mose 3:7). Als er sein Volk leiden sah und schreien hörte, fühlte er mit ihm. Wie wir in Kapitel 24 dieses Buches gesehen haben, ist Jehova ein einfühlsamer Gott. Und Einfühlungs­vermögen – die Fähigkeit, sich in den Schmerz anderer hineinzudenken – ist dem Mitgefühl ähnlich. Doch Jehova fühlte nicht nur mit seinem Volk, sondern sah sich auch veranlasst zu handeln. In Jesaja 63:9 heißt es: „In seiner Liebe und aus Mitgefühl kaufte er sie zurück.“ „Mit starker Hand“ befreite Jehova die Israeliten aus Ägypten (5. Mose 4:34). Danach versorgte er sie durch ein Wunder mit Nahrung und brachte sie in ein fruchtbares Land, das ihnen gehören sollte.

      9, 10. (a) Wie kam es, dass Jehova die Israeliten im Land der Verheißung wiederholt befreite? (b) Von welcher Unterdrückung befreite Jehova die Israeliten in den Tagen Jephthas, und was bewog ihn dazu?

      9 Doch damit endete Jehovas Mitgefühl nicht. Nachdem sich die Israeliten im Land der Verheißung niedergelassen hatten, wurden sie wiederholt untreu und brachten dadurch Leid über sich. Dann aber kamen sie wieder zur Besinnung und riefen zu Jehova. Und immer wieder befreite er sie. Warum? „Es tat ihm um sein Volk … leid“ (2. Chronika 36:15; Richter 2:11-16).

      10 So war es auch in den Tagen Jephthas. Da sich die Israeliten falschen Göttern zugewandt hatten, ließ Jehova zu, dass sie 18 Jahre lang von den Ammonitern unterdrückt wurden. Schließlich bereuten die Israeliten. Die Bibel berichtet: „Sie schafften die fremden Götter aus ihrer Mitte weg und dienten Jehova. Da konnte er Israels Leid nicht länger ertragen“ (Richter 10:6-16).b Als die Israeliten echte Reue zeigten, konnte Jehova ihr Leid nicht mehr mit ansehen. Der Gott innigen Mitgefühls verlieh Jephtha die Macht, sie aus der Hand ihrer Feinde zu befreien (Richter 11:30-33).

      11. Was erfahren wir aus der Handlungsweise Jehovas mit den Israeliten über Mitgefühl?

      11 Was erfahren wir aus der Handlungsweise Jehovas mit dem Volk Israel über inniges Mitgefühl? Wir sehen, dass mehr dazugehört als ein feinfühliges Wahrnehmen der Nöte anderer. Ähnlich wie bei der Mutter, die aus Mitleid auf das Schreien ihres Babys reagiert, stoßen auch bei Jehova die Hilferufe seiner Diener nicht auf taube Ohren. Sein inniges Mitgefühl veranlasst ihn, ihre Not zu lindern. Außerdem lehrt uns das Verhalten Jehovas gegenüber den Israeliten, dass Mitgefühl keinesfalls eine Schwäche ist, denn aus diesem Zartgefühl heraus trat er machtvoll und entschieden für sein Volk ein. Tut er das aber auch für seine Diener als einzelne?

      Jehovas Mitgefühl mit Einzelnen

      12. Wie lässt das mosaische Gesetz Jehovas Mitgefühl mit Einzelpersonen erkennen?

      12 Das Gesetz, das Gott dem Volk Israel gab, zeugte von seinem Mitgefühl mit Einzelnen, so zum Beispiel mit den Armen. Jehova wusste, dass ein Israelit durch unvorhergesehene Umstände in Armut geraten konnte. Wie hatte man sich den Armen gegenüber zu verhalten? Jehova gebot den Israeliten ausdrücklich: „Sei nicht hartherzig und verschließe deine Hand nicht gegenüber deinem armen Bruder. Du sollst großzügig zu ihm sein und du sollst ihm nicht widerwillig geben. Denn dafür wird Jehova, dein Gott, alles segnen, was du tust und unternimmst“ (5. Mose 15:7, 10). Jehova verlangte von den Israeliten auch, die Ränder ihrer Felder nicht ganz abzuernten und keine Nachlese zu halten. Was übrig blieb, war nämlich für die Benachteiligten gedacht (3. Mose 23:22; Ruth 2:2-7). Solange sich das Volk an diese rücksichtsvolle Gesetzgebung hielt, brauchten die Armen in Israel nicht um Nahrung zu betteln. Kann man daran nicht Jehovas inniges Mitgefühl ablesen?

      13, 14. (a) Wie erfahren wir aus Davids Worten, dass Jehova viel an uns persönlich liegt? (b) Womit könnte man es vergleichen, dass Jehova denen nah ist, die „ein gebrochenes Herz haben“ oder „am Boden zerstört sind“?

      13 Auch heute liegt unserem liebevollen Gott viel an uns persönlich. Wir können sicher sein, dass ihm nichts von dem entgeht, was wir durchmachen müssen. Der Psalmist David schrieb: „Die Augen Jehovas schauen auf die Gerechten und seine Ohren hören ihren Hilferuf. Jehova ist denen nah, die ein gebrochenes Herz haben. Er befreit die, die am Boden zerstört sind“ (Psalm 34:15, 18). Ein Bibelkommentator erklärte, diese Menschen seien wegen der Sünde gedemütigt und ohne Selbstwertgefühl; sie würden sich selbst für gering erachten und seien von ihrem eigenen Wert nicht überzeugt. In ihren Augen ist Jehova vielleicht weit weg, und sie halten sich für zu unbedeutend, als dass er sich für sie interessieren würde. Aber das ist nicht der Fall. Davids Worte geben uns die Gewissheit, dass Jehova diejenigen, die sich selbst für gering erachten, nicht im Stich lässt. Unser mitfühlender Gott weiß, dass wir ihn in einer solchen Lage ganz besonders dringend brauchen, und er ist uns nah.

      14 Dazu ein Beispiel: Als ein zweijähriger Junge schwer an Diphtherie erkrankte, brachte ihn seine Mutter schleunigst ins Krankenhaus. Nach der Untersuchung teilten ihr die Ärzte mit, sie müssten den Kleinen über Nacht dabehalten. Wo verbrachte die Mutter die Nacht? In einem Sessel direkt neben dem Bett des Jungen. Ihr kleiner Sohn war krank und sie musste einfach bei ihm sein. Von unserem liebevollen himmlischen Vater können wir ganz bestimmt noch mehr erwarten. Er hat uns ja in seinem Bild erschaffen (1. Mose 1:26). Die ergreifenden Worte in Psalm 34:18 sagen uns: Wenn wir „ein gebrochenes Herz haben“ oder „am Boden zerstört sind“, ist Jehova uns nah – immer mitfühlend und bereit zu helfen, wie man es auch bei liebevollen Eltern beobachten kann.

      15. Wie hilft Jehova uns persönlich?

      15 Wie aber hilft Jehova uns persönlich? Die Ursache unseres Leids wird er nicht unbedingt beseitigen. Doch er hat für alle, die ihn um Hilfe anrufen, großzügig Vorsorge getroffen. Sein Wort, die Bibel, gibt praktische Hinweise, die wirklich weiterhelfen können. In der Versammlung hat Jehova befähigte Aufseher eingesetzt, die bemüht sind, sein Mitgefühl nachzuahmen, wenn sie ihren Glaubensbrüdern beistehen (Jakobus 5:14, 15). Als der „Hörer des Gebets“ gibt er „denen, die ihn bitten, heiligen Geist“ (Psalm 65:2; Lukas 11:13). Dieser Geist kann uns mit „Kraft, die über das Normale hinausgeht“, erfüllen, sodass wir ausharren können, bis uns Gottes Königreich von allen erdrückenden Belastungen befreit (2. Korinther 4:7). Sind wir für alle diese Hilfen nicht sehr dankbar? Vergessen wir nie, dass sie ein Ausdruck von Jehovas innigem Mitgefühl sind.

      16. Wodurch kommt Jehovas Mitgefühl am deutlichsten zum Ausdruck, und wie sind wir persönlich davon betroffen?

      16 Am deutlichsten kommt Jehovas Mitgefühl natürlich dadurch zum Ausdruck, dass er denjenigen für uns als Lösegeld gegeben hat, der ihm am meisten bedeutet. Dieses Opfer hat Jehova aus Liebe gebracht und uns damit den Weg zur Rettung erschlossen. Denken wir daran, dass das Lösegeld uns persönlich zugutekommt. Treffend deutete Sacharja, der Vater Johannes des Täufers, an, dadurch würde Gottes „inniges Mitgefühl“ besonders deutlich werden (Lukas 1:78).

      Wann Jehova kein Mitleid hat

      17-19. (a) Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehovas Mitgefühl nicht grenzenlos ist? (b) Was führte dazu, dass Jehovas Mitleid mit seinem Volk ein Ende hatte?

      17 Können wir davon ausgehen, dass das innige Mitgefühl Jehovas grenzenlos ist? Auf keinen Fall, denn aus der Bibel ist klar ersichtlich, dass Jehova denen, die sich gegen seine gerechten Wege stellen, kein Mitleid erweist, und zwar mit Recht (Hebräer 10:28). Das sehen wir am Volk Israel.

      18 Obwohl Jehova die Israeliten wiederholt aus der Hand ihrer Feinde befreite, war eines Tages die Grenze seines Mitgefühls erreicht. Das störrische Volk praktizierte Götzendienst und brachte die widerlichen Götzen sogar in den Tempel Jehovas (Hesekiel 5:11; 8:17, 18). Weiter erfahren wir: „Sie verspotteten die Boten des wahren Gottes ständig. Sie verachteten seine Worte und machten sich über seine Propheten lustig, bis Jehova auf sein Volk zornig wurde und es keine Hoffnung auf Heilung gab“ (2. Chronika 36:16). Irgendwann war ein Punkt erreicht, wo es keine berechtigte Grundlage für Gottes Mitgefühl mehr gab und Jehovas gerechter Zorn erregt wurde. Was hatte das zur Folge?

      19 Jehova konnte mit seinem Volk kein Mitleid mehr haben. Er verkündete: „Ich werde kein Mitleid zeigen, es wird mir nicht leidtun und ich werde kein Erbarmen mit ihnen haben. Nichts wird mich davon abhalten, sie zugrunde zu richten“ (Jeremia 13:14). Jerusalem wurde mitsamt dem Tempel zerstört, und die Israeliten kamen nach Babylon in Gefangenschaft. Wie tragisch, wenn sündige Menschen so rebellisch werden, dass Gottes Mitgefühl seine Grenze erreicht! (Klagelieder 2:21).

      20, 21. (a) Was wird geschehen, wenn das göttliche Mitgefühl seine Grenze erreicht? (b) Welches Angebot, durch das Jehovas Mitgefühl zum Ausdruck kommt, wird im nächsten Kapitel behandelt?

      20 Wie ist es heute? Jehova hat sich nicht geändert. In seinem Mitgefühl hat er seine Zeugen beauftragt, die „gute Botschaft vom Königreich“ auf der ganzen bewohnten Erde bekannt zu machen (Matthäus 24:14). Aufrichtigen Menschen, die positiv darauf reagieren, hilft Jehova, die Königreichs­botschaft zu verstehen (Apostel­geschichte 16:14). Dieses Werk wird allerdings nicht endlos weitergehen. Es wäre wohl kaum mitfühlend von Jehova, wenn er die heutige schlechte Welt mit all ihrem Elend und Leid ewig bestehen ließe. Wenn Jehovas Mitgefühl seine Grenze erreicht hat, wird er am gegenwärtigen Weltsystem das Urteil vollstrecken. Aber selbst dann wird er Mitleid zeigen: Es wird ihm leidtun um seinen „heiligen Namen“ und um seine treuen Diener (Hesekiel 36:20-23). Jehova wird das Böse auslöschen und eine gerechte neue Welt schaffen. Was die Bösen angeht, erklärt Jehova: „Mein Auge wird kein Mitleid haben und ich werde kein Mitgefühl empfinden. Ich werde die Folgen ihres Verhaltens auf sie zurückfallen lassen“ (Hesekiel 9:10).

      21 Bis dahin hat Jehova Mitgefühl mit den Menschen, selbst mit denen, die der Vernichtung entgegengehen. Sünder, die ehrlich bereuen, können nämlich ein Angebot wahrnehmen, durch das Jehovas Mitgefühl besonders stark zum Ausdruck kommt: die Vergebung. Das nächste Kapitel geht auf einige der schönen Wortbilder in der Bibel ein, mit denen Jehovas vollständige Vergebung beschrieben wird.

      a Interessanter­weise bezeichnet das hebräische Verb rachám in Psalm 103:13 jedoch die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl, das ein Vater seinen Kindern erweist.

      b Die Formulierung „konnte er … nicht länger ertragen“ bedeutet wörtlich „seine Seele wurde kurz“, „seine Geduld war erschöpft“. Die Gute Nachricht Bibel schreibt hier: „Da konnte er das Leiden der Israeliten nicht länger mit ansehen.“ Und in der Einheits­übersetzung heißt es: „Da wurde ihm die Mühsal Israels unerträglich.“

      Fragen zum Nachdenken

      • Jeremia 31:20 Welche innigen Gefühle hat Jehova für sein Volk, und wie berührt dich das?

      • Joel 2:12-14, 17-19 Was musste Jehovas Volk tun, um Mitgefühl zu erfahren, und was lernen wir daraus?

      • Jona 4:1-11 Mit welcher Lektion führte Jehova Jona vor Augen, wie wichtig Mitleid ist?

      • Hebräer 10:26-31 Warum dürfen wir die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl Jehovas nicht ausnutzen?

  • Ein Gott, der gern vergibt
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Mann betet.

      KAPITEL 26

      Ein Gott, der gern vergibt

      1-3. (a) Wovon fühlte sich David erdrückt, und wie fand sein aufgewühltes Herz Trost? (b) Welche Last kann uns durch die Sünde aufgeladen werden, aber was sichert uns Jehova zu?

      „MEINE Vergehen türmen sich über meinem Kopf auf“, schrieb der Psalmist David. „Wie eine schwere Last sind sie mehr, als ich ertragen kann. Ich bin betäubt und völlig zerschlagen“ (Psalm 38:4, 8). David wusste, wie schwer man an einem schuldbeladenen Gewissen zu tragen hat. Doch sein aufgewühltes Herz fand Trost. Ihm wurde klar, dass Jehova zwar die Sünde hasst, nicht aber den Sünder – vorausgesetzt, er bereut wirklich und gibt sein sündiges Verhalten auf. In dem vollen Vertrauen, dass Jehova reumütigen Sündern gern Barmherzigkeit erweist, sagte David: „Du, o Jehova, … vergibst gern“ (Psalm 86:5).

      2 Auch wir werden wahrscheinlich unter der erdrückenden Last eines schlechten Gewissens leiden, wenn wir sündigen. Solche Gewissensbisse sind eigentlich etwas Gutes. Sie können uns dazu motivieren, unsere Fehler wieder­gut­zu­machen. Andererseits besteht aber die Gefahr, dass unsere Schuldgefühle übermächtig werden. Von Selbstvorwürfen zermürbt reden wir uns ein, Jehova werde uns nie vergeben, sosehr wir auch bereuen. Wenn wir uns von Schuldgefühlen oder „übergroßer Traurigkeit“ überwältigen lassen, wird Satan versuchen uns so weit zu bringen, dass wir aufgeben – dass wir uns in Jehovas Augen wertlos fühlen, nicht würdig ihm zu dienen (2. Korinther 2:5-11).

      3 Denkt Jehova so? Ganz sicher nicht! Das Vergeben ist eine Facette seiner großen Liebe. In seinem Wort sichert er uns zu, dass er gern vergibt, wenn wir ehrlich und von Herzen bereuen (Sprüche 28:13). Damit uns Jehovas Vergebung nie unerreichbar erscheint, wollen wir einmal untersuchen, warum und wie er vergibt.

      Warum Jehova gern vergibt

      4. Was ist Jehova bewusst, und wie geht er deshalb mit uns um?

      4 Jehova ist sich dessen bewusst, dass uns Grenzen gesetzt sind. „Er kennt unsere Beschaffenheit nur zu gut, er denkt daran, dass wir Staub sind“, heißt es in Psalm 103:14. Er vergisst nicht, dass wir wegen unserer Schwächen, ja als Folge unserer Unvollkommenheit, wie Staub sind. Die Formulierung, „er kennt unsere Beschaffenheit“, erinnert uns daran, dass Jehova in der Bibel mit einem Töpfer verglichen wird und wir mit seinen Tongefäßen (Jeremia 18:2-6). Wie der große Töpfer mit uns umgeht, hängt davon ab, wie zerbrechlich wir durch unsere Sündhaftigkeit sind und inwieweit wir uns von ihm formen lassen.

      5. Wie wird die Macht der Sünde im Römerbrief beschrieben?

      5 Jehova weiß um die Macht der Sünde. In seinem Wort wird sie als starke Kraft beschrieben, die den Menschen mit ihren tödlichen Klauen umfängt. Wie fest hat uns die Sünde im Griff? Im Römerbrief erklärt der Apostel Paulus: Wir sind „der Sünde unterworfen“, so wie Soldaten einem Befehlshaber unterstehen (Römer 3:9); die Sünde „regiert“ die Menschheit wie ein König (Römer 5:21); sie „wohnt“ in uns (Römer 7:17, 20); ihr „Gesetz“ übt ständig einen starken Einfluss auf unser Verhalten aus (Römer 7:23, 25). Was für eine Macht die Sünde doch über uns unvollkommene Menschen hat! (Römer 7:21, 24).

      6, 7. (a) Wie denkt Jehova über jemand, der reumütig seine Barmherzigkeit sucht? (b) Warum dürfen wir Gottes Barmherzigkeit nicht ausnutzen?

      6 Somit weiß Jehova, dass vollkommener Gehorsam für uns ein Ding der Unmöglichkeit ist – so gern wir ihn Gott auch leisten würden. Liebevoll sichert er uns zu, dass er uns vergeben wird, wenn wir reumütig seine Barmherzigkeit suchen. In Psalm 51:17 lesen wir: „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist. Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen.“ Jehova wird ein unter der Last von Schuldgefühlen „gebrochenes und zerschlagenes Herz“ niemals abweisen.

      7 Heißt das aber, wir könnten Gottes Barmherzigkeit ausnutzen und unsere Sündhaftigkeit zum Vorwand nehmen, etwas Schlechtes zu tun? Auf keinen Fall! Jehova handelt nicht aus Sentimentalität. Seine Barmherzigkeit hat Grenzen. Wer rücksichtslos und willentlich sündigt und keine Reue zeigt, dem wird er bestimmt nicht vergeben (Hebräer 10:26). Trifft er dagegen auf ein zerknirschtes Herz, ist er zum Vergeben bereit. Sehen wir uns nun die ausdrucksvolle Sprache an, mit der die Bibel diese anziehende Facette der Liebe Jehovas beschreibt.

      Wie weit geht Jehovas Vergebung?

      8. Was tut Jehova gewissermaßen, wenn er uns unsere Sünden verzeiht, und welche Zuversicht erhalten wir dadurch?

      8 Der reumütige David sagte: „Schließlich gestand ich dir meine Sünde. Mein Vergehen habe ich nicht zugedeckt. … Und du hast mein Vergehen, meine Sünden, verziehen“ (Psalm 32:5). Das mit „verzeihen“ übersetzte hebräische Wort hat die Grundbedeutung von „heben“ oder „tragen“. An dieser Stelle bezieht es sich darauf, dass „Schuld, Sünde, Übertretung“ weggenommen werden. Jehova hob Davids Sünden sozusagen hoch und trug sie weg. Dadurch wurde die Last seiner Schuldgefühle zweifellos leichter (Psalm 32:3). Auch wir können fest auf den Gott vertrauen, der unsere Sünden wegträgt, wenn wir auf der Grundlage unseres Glaubens an Jesu Loskaufsopfer seine Vergebung suchen (Matthäus 20:28).

      9. Wie weit trägt Jehova unsere Sünden von uns weg?

      9 David gebrauchte noch andere anschauliche Worte für Jehovas Vergebung: „So weit weg, wie der Sonnenaufgang vom Sonnenuntergang ist, so weit hat er unsere Übertretungen von uns entfernt“ (Psalm 103:12). Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Wie weit ist der Osten vom Westen entfernt? Ost und West liegen in genau der entgegen­gesetzten Richtung; die beiden Punkte treffen nie zusammen. Nach Ansicht eines Gelehrten ist mit dieser Aussage gemeint: „so weit entfernt wie nur möglich; so weit entfernt, wie man sich nur vorstellen kann“. Die inspirierten Worte Davids wollen uns also sagen, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden so weit von uns wegträgt, wie wir uns nur denken können.

      Schneebedeckte Berge.

      Eure Sünden werden „so weiß werden wie Schnee“

      10. Warum brauchen wir uns nicht ein Leben lang mit Sünden behaftet zu fühlen, die Jehova uns vergeben hat?

      10 Hast du schon einmal versucht, einen hartnäckigen Fleck von einem hellen Kleidungsstück zu entfernen? Du hast vielleicht alles Mögliche ausprobiert, und trotzdem ist er nicht ganz weggegangen. Achte einmal darauf, wie weitreichend Jehovas Vergebung ist: „Wenn eure Sünden auch scharlachrot sind, werden sie so weiß werden wie Schnee. Wenn sie auch rot sind wie Karmesinstoff, werden sie so weiß werden wie Wolle“ (Jesaja 1:18). „Scharlachrot“ ist ein leuchtendes, helles Rot.a Und der Ausdruck „Karmesinstoff“ bezeichnet einen intensiv gefärbten Stoff (Nahum 2:3). Durch eigene Anstrengungen könnten wir niemals die Flecken der Sünde beseitigen. Doch Jehova kann Sünden, die so auffällig sind wie Scharlach oder Karmesin, entfernen und weiß machen wie Schnee oder ungefärbte Wolle. Wenn Jehova uns unsere Sünden vergibt, brauchen wir uns nicht ein Leben lang damit behaftet zu fühlen.

      11. Was bedeutet es, dass Jehova unsere Sünden hinter seinen Rücken wirft?

      11 In einem bewegenden Dankeslied, das Hiskia nach seiner Genesung von einer tödlichen Krankheit komponierte, richtete er an Jehova die Worte: „Du hast alle meine Sünden hinter deinen Rücken geworfen“ (Jesaja 38:17). Hier wird bildlich dargestellt, wie Jehova die Sünden eines reumütigen Menschen nimmt und hinter sich wirft, wo er sie nicht mehr sieht und auch nicht mehr beachtet. Dieser Gedanke wird in einem Nachschlagewerk so ausgedrückt, als hätte Gott die Sünden „ungeschehen gemacht“. Ist das nicht beruhigend?

      12. Wie machte der Prophet Micha deutlich, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden für immer verschwinden lässt?

      12 In einer Wiederherstellungs­prophezeiung brachte der Prophet Micha die Überzeugung zum Ausdruck, dass Jehova seinem reumütigen Volk vergeben würde: „Wer ist ein Gott wie du, der … die Übertretung des Überrestes seines Erbes übergeht? … Du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Micha 7:18, 19). Versuchen wir uns vorzustellen, was diese Worte für die Menschen in biblischer Zeit bedeuteten. Wie hätte man damals etwas, was „in die Tiefen des Meeres“ gesunken war, zurückholen können? Micha machte damit deutlich, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden für immer verschwinden lässt.

      13. Was bedeuten Jesu Worte „Vergib uns unsere Schuld“?

      13 Jesus wies auf das Verhältnis zwischen einem Gläubiger und seinem Schuldner hin, um Jehovas Vergebung zu veranschaulichen. Er forderte uns auf zu beten: „Vergib uns unsere Schuld“ (Matthäus 6:12). Jesus verglich hier Sünden mit Schulden (Lukas 11:4). Wenn wir sündigen, „verschulden“ wir uns bei Jehova. Das griechische Verb für „vergeben“ hat laut einem Nachschlagewerk die Bedeutung von „eine Schuld erlassen, auf Rückzahlung verzichten, sie nicht einfordern“. Vergibt Jehova, dann streicht er praktisch die Schuld, mit der unser Konto sonst belastet wäre. Das ist für reumütige Sünder ein großer Trost. Jehova wird uns niemals eine Schuld anrechnen, die er getilgt hat (Psalm 32:1, 2).

      14. Welches Bild lässt die Formulierung „damit eure Sünden ausgelöscht werden“ entstehen?

      14 Auch in Apostel­geschichte 3:19 wird gezeigt, wie Jehova vergibt: „Bereut also und kehrt um, damit eure Sünden ausgelöscht werden.“ Der letzte Begriff kommt von einem griechischen Verb, das sich auch mit „abwischen“, „ausstreichen“ oder „beseitigen“ wiedergeben lässt. Nach Ansicht verschiedener Gelehrter sieht man hier etwas Geschriebenes vor sich, das weggewischt wird. Ging das denn so einfach? In alter Zeit war die Tinte meistens eine Mischung aus Ruß, Klebstoff und Wasser. Etwas frisch Geschriebenes konnte man mit einem nassen Schwamm ohne Weiteres auslöschen. Das ist ein schönes Bild von der Barmherzigkeit Jehovas. Wenn er uns unsere Sünden vergibt, ist das so, als würde er einen Schwamm nehmen und sie wegwischen.

      15. Was möchte uns Jehova vor Augen führen?

      15 Erkennt Jehova bei uns echte Reue, so ist er wirklich bereit, uns unsere Sünden zu vergeben. Das möchte er uns durch diese verschiedenen Wortbilder vor Augen führen. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass er uns diese Sünden irgendwann in der Zukunft vorhält. Das wird noch durch etwas anderes deutlich, was wir aus der Bibel über Jehovas große Barmherzigkeit erfahren: Wenn er vergibt, vergisst er auch.

      Jehova möchte uns vor Augen führen, dass er gern vergibt

      „An ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“

      16, 17. Was ist damit gemeint, dass Jehova nicht mehr an unsere Sünden denkt?

      16 Allen, die in den neuen Bund aufgenommen werden, sichert Jehova zu: „Ich werde ihr Vergehen vergeben und an ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“ (Jeremia 31:34). Das heißt nicht, dass sich Jehova nicht mehr an Sünden erinnern könnte, die jemand begangen hat. In der Bibel lesen wir ja von den Sünden Davids und vieler anderer, denen Jehova vergab (2. Samuel 11:1-17; 12:13). Offensichtlich weiß Jehova nach wie vor von ihren Fehlern. Ihre Sünden sowie ihre Reue und die Vergebung Gottes sind in unserem Interesse aufgezeichnet worden (Römer 15:4). Was ist dann aber damit gemeint, dass Jehova nicht mehr an die Sünden denkt, die er vergeben hat?

      17 Das hebräische Verb für „an etwas denken“ oder „sich erinnern“ bedeutet nicht nur, sich etwas Vergangenes ins Gedächtnis zu rufen. Es enthält „den zusätzlichen tieferen Sinn, angemessen vorzugehen“ (Theological Wordbook of the Old Testament). An die Sünden zu „denken“ oder sich daran zu „erinnern“ hieße somit, gegen den Sünder vorzugehen (Hosea 9:9). Wenn Gott nun sagt: „An ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“, versichert er uns: Er wird gegen einen reumütigen Sünder, dem er vergeben hat, nicht doch noch irgendwann wegen derselben Sünden einschreiten (Hesekiel 18:21, 22). Er wird uns also nicht immer wieder von Neuem wegen unserer Sünden anklagen oder bestrafen. Ist das nicht ein Trost?

      Wie steht es mit den Folgen?

      18. Warum bedeutet Vergebung nicht, dass ein reumütiger Sünder vor den Folgen seiner verkehrten Handlungen bewahrt bleibt?

      18 Läuft Jehovas Bereitschaft zu vergeben darauf hinaus, dass ein reumütiger Sünder von allen Folgen seines verkehrten Handelns verschont bleibt? Sicher nicht. Wir können nicht ungestraft sündigen. Paulus schrieb: „Was immer jemand sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Es ist gut möglich, dass unser Verhalten bestimmte Konsequenzen nach sich zieht. Das heißt aber nicht, dass Jehova, nachdem er uns vergeben hat, Unglück über uns bringt. Treten Schwierigkeiten auf, sollte ein Christ nicht denken: „Vielleicht bestraft mich Jehova für frühere Sünden“ (Jakobus 1:13). Andererseits bewahrt uns Jehova aber auch nicht vor den Folgen verkehrter Handlungen. Die traurigen, unvermeidlichen Folgen der Sünde sind oft Ehescheidung, unerwünschte Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten, Verlust des Vertrauens oder der Achtung anderer. Denken wir daran, dass Jehova zwar die Sünden vergab, die David in Verbindung mit Bathseba und Uria begangen hatte, ihn jedoch nicht von den katastrophalen Folgen verschonte (2. Samuel 12:9-12).

      19-21. (a) Wie kam das Gesetz in 3. Mose 6:1-7 sowohl dem Geschädigten als auch dem Täter zugute? (b) Über welches Verhalten freut sich Jehova, falls andere durch unsere Sünden zu Schaden gekommen sind?

      19 Unsere Sünden können auch noch weitere Konsequenzen haben, besonders wenn jemand anders dadurch zu Schaden gekommen ist. Sehen wir uns dazu 3. Mose, Kapitel 6 an. Im mosaischen Gesetz wird hier der Fall geschildert, dass jemand eine schwere Sünde begeht, indem er sich den Besitz eines anderen Israeliten durch Raub, Erpressung oder Betrug aneignet. Der Sünder leugnet dann seine Schuld und wagt es sogar, falsch zu schwören. Aussage steht gegen Aussage. Später rührt sich jedoch das Gewissen des Täters, und er bekennt seine Sünde. Damit er aber Gottes Vergebung erlangen kann, muss er erstens das Entwendete zurückgeben, zweitens an den Geschädigten eine Strafe in Höhe von 20 Prozent des Wertes zahlen und drittens einen Schafbock als Schuldopfer darbringen. Danach, so heißt es im Gesetz, soll der Priester „vor Jehova für ihn Sühne leisten, und es wird ihm alles vergeben werden“ (3. Mose 6:1-7).

      20 Dieses Gesetz war ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Es kam dem Bestohlenen zugute, der sein Eigentum zurückerhielt und zweifellos sehr erleichtert war, dass der Täter seine Sünde schließlich eingestand. Gleichzeitig kam dieses Gesetz auch dem Täter zugute, der getrieben von Gewissensbissen seine Schuld zugab und den Fehler wiedergutmachte. Hätte er das nicht getan, wäre ihm Gottes Vergebung verwehrt geblieben.

      21 Das mosaische Gesetz gilt für uns zwar nicht mehr, aber es gibt uns Einblick in Jehovas Denkweise, sodass wir seinen Standpunkt zur Vergebung kennenlernen können (Kolosser 2:13, 14). Ist jemand durch unsere Sünden zu Schaden gekommen, wird es Gott gefallen, wenn wir unser Möglichstes tun, die Sache wieder­gut­zu­machen (Matthäus 5:23, 24). Dazu müssen wir wahrscheinlich unsere Sünde eingestehen, unsere Schuld zugeben und uns darüber hinaus bei dem Geschädigten entschuldigen. Dann können wir auf der Grundlage des Opfers Jesu Jehova anrufen und dessen gewiss sein, dass er uns vergibt (Hebräer 10:21, 22).

      22. Was wird unter Umständen mit Jehovas Vergebung einhergehen?

      22 Ähnlich wie liebevolle Eltern wird Jehova die Vergebung unter Umständen mit Zurechtweisung verbinden (Sprüche 3:11, 12). Ein reumütiger Christ kann möglicherweise kein Ältester, Dienstamtgehilfe oder Pionier mehr sein. Es wird ihn wahrscheinlich tief treffen, für eine gewisse Zeit Aufgaben zu verlieren, die ihm viel bedeutet haben. Eine solche Maßnahme bedeutet jedoch nicht, dass Jehova ihm nicht vergeben hätte. Schließlich ist die Erziehung von Jehova ja ein Beweis seiner Liebe zu uns. Sie anzunehmen und entsprechend zu handeln ist in unserem eigenen Interesse (Hebräer 12:5-11).

      23. Warum dürfen wir nie denken, Jehovas Barmherzigkeit sei für uns unerreichbar, und warum sollten wir ihn im Vergeben nachahmen?

      23 Wie gut es doch tut, zu wissen, dass unser Gott gern vergibt! Was für Fehler wir auch gemacht haben, wir dürfen nie denken, Jehovas Barmherzigkeit sei für uns unerreichbar. Wenn wir ehrlich bereuen, Schritte unternehmen, um den Fehler wieder­gut­zu­machen, und Jehova flehentlich bitten, uns auf der Grundlage des vergossenen Blutes Jesu zu vergeben, können wir völlig darauf vertrauen, dass Jehova uns vergibt (1. Johannes 1:9). Ahmen wir doch im Umgang miteinander Jehovas Bereitschaft zu vergeben nach. Wenn Jehova, der nie sündigt, in Liebe vergeben kann, sollten wir sündigen Menschen dann nicht erst recht unser Bestes tun, einander zu vergeben?

      a Einem Gelehrten zufolge war Scharlach „eine echte oder beständige Farbe. Weder Tau noch Regen noch Waschen noch langes Tragen ließ sie ausbleichen.“

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Chronika 33:1-13 Warum vergab Jehova Manasse, und was erfahren wir dadurch über seine Barmherzigkeit?

      • Matthäus 6:12, 14, 15 Warum sollten wir anderen vergeben, wenn es eine berechtigte Grundlage dafür gibt?

      • Lukas 15:11-32 Was erfahren wir aus diesem Gleichnis über Jehovas Bereitschaft zu vergeben, und wie berührt dich das?

      • 2. Korinther 7:8-11 Wie müssen wir uns verhalten, damit Gott uns vergibt?

  • „Wie unendlich gut er doch ist!“
    Komm Jehova doch näher
    • Reife Trauben an einer Weinrebe.

      KAPITEL 27

      „Wie unendlich gut er doch ist!“

      1, 2. Wie zeigt sich Gottes Güte, und wie wird diese Eigenschaft in der Bibel hervorgehoben?

      IM WARMEN Licht eines Sonnenuntergangs sitzen ein paar gute Freunde bei einem Picknick zusammen. In ihr fröhliches Geplauder mischt sich immer wieder Bewunderung für den fantastischen Anblick. Weit weg von ihnen richtet ein Bauer zufrieden den Blick auf sein Land. Es sind dunkle Wolken aufgezogen und schon fallen die ersten Regentropfen auf die durstigen Felder. Wieder woanders beobachten Eltern glückstrahlend, wie ihr Kind die ersten wackligen Schritte wagt.

      2 Bewusst oder unbewusst sind alle diese Menschen Nutznießer der Güte Jehovas. Religiöse Menschen sagen oft: „Gott ist gut.“ Doch die Bibel äußert sich da viel nachdrücklicher: „Wie unendlich gut er doch ist!“ (Sacharja 9:17). Heutzutage ist allerdings nur wenigen klar, was diese Worte bedeuten. Woran sieht man, dass Jehova gut ist, und wie wirkt sich seine Güte auf uns persönlich aus?

      Eine besondere Facette der Liebe Gottes

      3, 4. Was ist mit „Güte“ oder „gut“ gemeint, und warum lässt sich Jehovas Güte am besten als ein Ausdruck seiner Liebe beschreiben?

      3 In vielen Sprachen sind „Güte“ oder „gut“ heute eher farblose Ausdrücke. In der Bibel dagegen ist das absolut nicht der Fall. Dort beziehen sich diese Ausdrücke in erster Linie auf Vorzüge, Tugenden und moralisch einwandfreies Verhalten. Deshalb kann man auch sagen, dass Jehova vom Guten durchdrungen ist. Alle seine Eigenschaften – einschließlich seiner Macht, Gerechtigkeit und Weisheit – sind durch und durch gut. Doch am besten lässt sich Jehovas Güte als ein Ausdruck seiner Liebe beschreiben. Wieso?

      4 Güte ist eine aktive, nach außen gerichtete Eigenschaft. Wie der Apostel Paulus andeutete, wirkt ein guter Mensch noch anziehender als ein gerechter (Römer 5:7). Bei dem gerechten Menschen kann man davon ausgehen, dass er sich treu an die Gesetze hält, aber ein guter Mensch tut mehr. Er ergreift die Initiative und sucht nach Mitteln und Wegen, anderen etwas Gutes zu tun. Wie wir sehen werden, ist Jehova mit Sicherheit in diesem Sinne gut. Diese Güte entspringt seiner grenzenlosen Liebe.

      5-7. Warum ließ sich Jesus nicht „Guter Lehrer“ nennen, und welche tiefe Wahrheit bekräftigte er dadurch?

      5 Jehovas ist außerdem gut im absoluten Sinn. Nicht lange vor seinem Tod wurde Jesus von einem Mann, der ihn etwas fragen wollte, mit „Guter Lehrer“ angesprochen. Jesus entgegnete: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer einem: Gott“ (Markus 10:17, 18). Diese Antwort ist vielleicht etwas irritierend. Warum korrigierte Jesus den Mann? War Jesus denn kein guter Lehrer?

      6 Der Mann gebrauchte den Ausdruck „Guter Lehrer“ offensichtlich als schmeichelhaften Titel. Diese Ehre gab Jesus in seiner Bescheidenheit an seinen himmlischen Vater weiter, der im höchsten Maße gut ist (Sprüche 11:2). Gleichzeitig bekräftigte Jesus eine tiefe Wahrheit. Jehova allein ist der Maßstab für das Gute. Nur er als Höchster hat das Recht zu bestimmen, was gut und was böse ist. Als Adam und Eva sich gegen ihn auflehnten und vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nahmen, wollten sie dieses Recht für sich beanspruchen. Jesus dagegen überlässt es aus Demut seinem Vater, Normen festzulegen.

      7 Davon abgesehen wusste Jesus, dass Jehova die Quelle alles wirklich Guten ist. Von ihm stammt „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk“ (Jakobus 1:17). Wir möchten nun beleuchten, wie Jehovas Güte durch seine Großzügigkeit zum Ausdruck kommt.

      Beweise dafür, dass Jehova gut ist

      8. Wie hat Jehova der ganzen Menschheit gezeigt, dass er gut ist?

      8 Jeder Mensch, der je gelebt hat, konnte die Güte Jehovas verspüren. In Psalm 145:9 heißt es: „Jehova ist gut zu allen.“ Woran kann man das unter anderem erkennen? Die Bibel sagt, dass „es zu jeder Zeit Zeugnisse von ihm gab: Er hat Gutes getan, er hat euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gegeben, er hat euch mit genügend Nahrung versorgt und euer Herz mit Freude erfüllt“ (Apostel­geschichte 14:17). Hast du schon einmal erlebt, was für ein Hochgenuss ein gutes Essen sein kann? Hätte Jehova nicht in seiner Güte die Erde mit einem sich ständig erneuernden Frischwasservorrat ausgestattet und „fruchtbare Zeiten“ mit einem reichen Nahrungsangebot gegeben, dann hätten wir auch keine Mahlzeiten. Und Jehova lässt diese Güte nicht nur denen zukommen, die ihn lieben, sondern jedem. Jesus sagte über ihn: „Er lässt seine Sonne über schlechten und guten Menschen aufgehen und er lässt es auf Gerechte und Ungerechte regnen“ (Matthäus 5:45).

      9. Wieso kann man an einem Apfel die Güte Jehovas erkennen?

      9 Viele nehmen die Großzügigkeit Jehovas, die der Menschheit durch die Sonne, den Regen und die fruchtbaren Zeiten zukommt, für selbst­verständlich. Denken wir nur einmal an einen Apfel. In den gemäßigten Zonen der Erde ist er eine ganz alltägliche Frucht. Dabei sieht er appetitlich aus, schmeckt gut, ist erfrischend und steckt voller lebenswichtiger Nährstoffe. Hast du gewusst, dass es weltweit um die 7500 verschiedene Apfelsorten gibt? Es gibt rote, goldgelbe, gelbe und grüne Sorten. Manche Äpfel sind kaum größer als eine Kirsche, andere haben die Ausmaße einer Grapefruit. Wenn man so einen kleinen Apfelkern in den Fingern hält, sollte man kaum glauben, dass daraus einer der schönsten Bäume werden kann, die es gibt (Hohes Lied 2:3). Jedes Frühjahr ist der Apfelbaum mit einem prächtigen Blütenkranz geschmückt, jeden Herbst hängt er voller Früchte. Bis zu 75 Jahre lang produziert ein durchschnittlicher Apfelbaum Jahr für Jahr so viele Äpfel, dass man damit 20 Obstkisten zu je 20 Kilo füllen könnte.

      Jehova gibt „Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten“

      Apfelbäume voller reifer Äpfel. Im Nebenbild hält jemand einen winzigen Apfelkern zwischen Daumen und Zeigefinger.

      Aus diesem winzigen Samen wird ein Baum, der jahrzehntelang Nahrung und Freude schenkt

      10, 11. Wie beweisen unsere Sinne, dass Gott gut ist?

      10 In seiner unendlichen Güte hat Jehova uns „wunderbar gemacht“ und mit Sinnen ausgestattet, durch die wir seine Werke wahrnehmen und uns daran freuen können (Psalm 139:14). Rufen wir uns nochmals die zu Beginn dieses Kapitels beschriebenen Szenen in Erinnerung. Welche optischen Eindrücke machen solche Momente zu etwas Schönem? Durch unseren Gesichtssinn können wir die roten Bäckchen eines freudestrahlenden Kindes sehen, den Regenvorhang, wie er über die Felder zieht, und die Rot-, Orange- und Lilatöne, in die der Horizont getaucht ist. Das menschliche Auge kann Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Farb­schattierungen unterscheiden. Und unser Gehör nimmt die abwechslungsreiche Sprachmelodie einer sympathischen Stimme wahr, das Rauschen des Windes, wie er durch die Blätter streicht, und das Glucksen eines Babys. Warum können wir uns an solchen Anblicken und Klängen erfreuen? Die Bibel sagt: „Das hörende Ohr und das sehende Auge – Jehova hat sie beide gemacht“ (Sprüche 20:12). Aber das sind nur zwei unserer Sinne.

      11 Auch der Geruchssinn ist ein Beweis dafür, dass Jehova gut ist. Die menschliche Nase kann unzählige Gerüche unterscheiden – Schätzungen reichen von einigen Tausend bis zu einer Billion. Denk nur einmal an ein brutzelndes Essen, einen Blumenstrauß, an Herbstlaub oder an den leichten Rauchgeruch, der von einem Kaminfeuer aufsteigt. Durch deinen Tastsinn spürst du das Streicheln einer Brise auf deinem Gesicht, einen Arm, der sich tröstend um deine Schulter legt, oder die glatte Haut einer frischen Frucht. Ein herzhafter Biss, und dein Geschmackssinn wird geweckt. Sobald die Geschmacksknospen angeregt werden, entfaltet sich das ganze Zusammenspiel feinster Geschmacksnuancen, die in dieser Frucht enthalten sind. Wir haben allen Grund, Jehova mit den Worten zu preisen: „Wie überströmend doch deine Güte ist! Du hast sie aufgehoben für die, die Ehrfurcht vor dir haben“ (Psalm 31:19). Wie hat Jehova denn für gottesfürchtige Menschen Güte „aufgehoben“?

      Güte, die unser ewiges Wohl im Auge hat

      12. Welche Gaben Jehovas sind am wichtigsten, und warum?

      12 Jesus sagte: „In den Schriften steht: ‚Der Mensch soll nicht allein von Brot leben, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Jehovas kommt‘“ (Matthäus 4:4). Jehovas Worte, die wir in der Bibel finden, sind noch besser für uns als die buchstäbliche Nahrung, für die er sorgt. Seine Worte führen zu ewigem Leben. Kapitel 8 dieses Buches spricht von einem immer größer werdenden geistigen Paradies, das Jehova in den heutigen letzten Tagen durch seine wiederher­stellende Macht geschaffen hat. Ein wichtiges Merkmal dieses Paradieses ist der Überfluss an geistiger Nahrung.

      13, 14. (a) Was sah der Prophet Hesekiel in einer Vision, und was bedeutet das für uns heute? (b) Welche Leben spendenden Gaben lässt Jehova seinen treuen Dienern zukommen?

      13 In einer der großen Wiederherstellungs­prophezeiungen der Bibel hatte der Prophet Hesekiel eine Vision von einem neuen, herrlichen Tempel. Von diesem Tempel ging ein Wasserlauf aus, der immer breiter und tiefer wurde, bis er zu einem Wildbach anschwoll. Wo immer das Wasser entlangfloss, bewirkte es etwas Gutes. An den Ufern wuchsen Bäume, die Nahrung hervorbrachten und Heilkräfte besaßen. Und der Fluss bescherte sogar dem salzigen, leblosen Toten Meer Fischreichtum und ließ es von Leben nur so wimmeln (Hesekiel 47:1-12). Aber was bedeutete all das?

      14 Die Tempelvision deutete darauf hin, dass Jehova die reine Anbetung wiederherstellen würde. Sie würde wieder seinen gerechten Maßstäben entsprechen. Ähnlich wie der Fluss, den Hesekiel sah, würden Gottes Leben spendende Gaben in immer reichlicherem Maß fließen. Seit der Wiederherstellung der reinen Anbetung im Jahr 1919 hat Jehova sein Volk mit allem versorgt, was zum Leben führt. Wie? Millionen von Menschen sind durch Bibeln, biblische Publikationen, Zusammenkünfte und Kongresse mit lebenswichtigen Wahrheiten in Berührung gekommen. Jehova hat die Menschen dadurch auch über die bedeutendste seiner Leben spendenden Gaben belehrt – Christi Loskaufsopfer. Durch dieses Opfer können Menschen, die Jehova lieben und Ehrfurcht vor ihm haben, in seinen Augen rein sein und auf ewiges Leben hoffen.a Solange die letzten Tage andauern, hat Jehovas Volk immer an einer geistigen Festtafel gesessen, während in der Welt geistiger Hunger herrscht (Jesaja 65:13).

      15. Wie wird die treue Menschheit während der Tausendjahr­herrschaft Christi spüren, dass Jehova gut ist?

      15 Doch nach dem Ende des heutigen Weltsystems hört der Fluss aus Hesekiels Vision nicht auf zu fließen. Im Gegenteil, er wird während der Tausendjahr­herrschaft Christi noch mehr Wasser führen. Dann wird Jehova der treuen Menschheit durch das messianische Königreich den vollen Nutzen des Opfers Jesu zukommen lassen und sie allmählich zur Vollkommenheit bringen. Wir werden vor Freude über Jehovas Güte nur so jubeln!

      Weitere Facetten der Güte Jehovas

      16. Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehovas Güte noch andere Eigenschaften einschließt, und welche gehören dazu?

      16 Jehovas Güte drückt sich aber nicht allein in Großzügigkeit aus. Gott sagte zu Moses: „Ich werde meine ganze Güte vor dir vorüberziehen lassen und den Namen Jehovas vor dir ausrufen.“ Etwas später heißt es: „Jehova ging vor ihm vorbei und rief aus: ‚Jehova, Jehova, ein Gott, der barmherzig und gnädig ist, der nicht schnell zornig wird und reich ist an loyaler Liebe und Wahrheit‘“ (2. Mose 33:19; 34:6, Fußnote). Das Gute oder die Güte Jehovas schließt demnach eine ganze Reihe hervorragender Eigenschaften ein. Wir wollen nur zwei davon herausgreifen.

      17. Was ist damit gemeint, dass Jehova gnädig ist, und wie zeigt er das gegenüber kleinen, unvollkommenen Menschen?

      17 Gnädig. Das entsprechende hebräische Wort wird auch mit „mitfühlend“ übersetzt. Diese Eigenschaft sagt viel darüber aus, wie Jehova mit seinen Geschöpfen umgeht. Statt schroff, kühl oder tyrannisch zu sein, wie man es von vielen Machthabern kennt, ist Jehova liebenswürdig und freundlich. Zu Abram sagte er beispielsweise: „Schau bitte von der Stelle, wo du stehst, nach Norden, Süden, Osten und Westen“ (1. Mose 13:14). In etlichen Bibel­übersetzungen fehlt das Wort „bitte“ an dieser Stelle. Verschiedene Bibelgelehrte erwähnen jedoch, dass im Hebräischen hier eine Partikel steht, die einen Befehl in eine höfliche Bitte verwandelt. Dafür gibt es noch ähnliche Beispiele (1. Mose 31:12; Hesekiel 8:5). Der Souverän des Universums sagt also zu kleinen, unbedeutenden Menschen „bitte“. Tut es in einer Welt, in der man grob, rücksichtslos und unhöflich miteinander umgeht, nicht gut, über die Freundlichkeit unseres Gottes, Jehova, nachzudenken?

      18. Was bedeutet es, dass Jehova reich an Wahrheit ist, und warum ist das beruhigend zu wissen?

      18 Reich an Wahrheit. Unehrlichkeit ist etwas ganz Alltägliches geworden. Doch in der Bibel heißt es: „Gott ist kein Mensch, der Lügen erzählt“ (4. Mose 23:19). In Titus 1:2 lesen wir sogar, dass „Gott … nicht lügen kann“. Seine Güte erlaubt das nicht. Deshalb sind seine Versprechen auch völlig zuverlässig, seine Worte immer glaubwürdig. Jehova wird der „Gott der Wahrheit“ genannt (Psalm 31:5). Ja, er sagt nie die Unwahrheit, sondern lässt uns Wahrheit in Hülle und Fülle zuteilwerden. Er ist nicht verschlossen, reserviert oder geheimnistuerisch, sondern erleuchtet seine treuen Diener großzügig mit seinem unerschöpflichen Schatz an Weisheit.b Er lehrt sie auch, ihr Leben nach seinen Wahrheiten auszurichten, damit sie auf dem „Weg der Wahrheit“ bleiben können (3. Johannes 3). Welche Grundhaltung sollte die Güte Jehovas in uns persönlich fördern?

      Strahle vor Freude, „weil Jehova gut ist“

      19, 20. (a) Wie versuchte Satan, Evas Vertrauen, dass Jehova gut ist, zu unterhöhlen, und mit welchem Ergebnis? (b) Wie sollte sich Jehovas Güte auf uns auswirken, und warum?

      19 Als Satan im Garten Eden Eva versuchte, unterhöhlte er geschickt ihr Vertrauen darauf, dass Gott gut ist. Jehova hatte zu Adam gesagt: „Du darfst von jedem Baum im Garten essen, bis du satt bist.“ Von den Tausenden Bäumen, die den Garten geschmückt haben müssen, war ihnen nur einer verboten. Doch achten wir einmal darauf, wie Satan seine erste Frage an Eva formulierte: „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr nicht von jedem Baum im Garten essen dürft?“ (1. Mose 2:9, 16; 3:1). Satan verdrehte Jehovas Worte so, dass Eva auf den Gedanken kam, Jehova würde den Menschen etwas Gutes vorenthalten. Leider hatte die Taktik Erfolg. In Eva regten sich Zweifel an der Güte Gottes, obwohl er ihr doch alles gegeben hatte. Und so erging es noch vielen Männern und Frauen nach ihr.

      20 Wir wissen nur zu gut, wie viel Leid und Elend solche Zweifel verursacht haben. Nehmen wir uns deshalb die Worte aus Jeremia 31:12 zu Herzen: „Sie werden strahlen, weil Jehova gut ist.“ Ja, wir können wirklich vor Freude strahlen! Wir haben keinerlei Grund, an den Beweggründen unseres von Güte überströmenden Gottes zu zweifeln. Er verdient unser absolutes Vertrauen, denn er möchte für alle, die ihn lieben, nur das Beste.

      21, 22. (a) Wie möchtest du Jehovas Güte erwidern? (b) Um welche Eigenschaft geht es im nächsten Kapitel, und worin unterscheidet sie sich von der Güte?

      21 Wir freuen uns auch über jede Gelegenheit, mit anderen über Gottes Güte zu sprechen. In Psalm 145:7 wird von Jehovas Volk gesagt: „In der Erinnerung daran, wie unendlich gut du bist, werden sie übersprudeln.“ Tag für Tag können wir in irgendeiner Form Jehovas Güte verspüren. Deshalb wäre es sicher gut, wenn wir uns angewöhnten, Jehova jeden Tag für seine Güte zu danken und dabei ruhig Einzelheiten zu erwähnen. Wenn wir über diese Eigenschaft nachdenken, Jehova täglich für seine Güte danken und mit anderen darüber sprechen, wird uns das helfen, die Güte unseres Gottes nachzuahmen. Und während wir wie Jehova stets nach Möglichkeiten suchen, Gutes zu tun, werden wir ihm immer näher kommen. Der betagte Apostel Johannes schrieb: „Lieber Freund, nimm dir kein Beispiel am Schlechten, sondern am Guten. Wer Gutes tut, stammt von Gott“ (3. Johannes 11).

      22 Jehovas Güte geht aber noch weiter. Gott ist „reich ist an loyaler Liebe“ (2. Mose 34:6). Diese Eigenschaft ist zielgerichteter als die Güte, denn Jehova bringt sie nur seinen treuen Dienern entgegen. Wie? Das erfahren wir im nächsten Kapitel.

      a Das Lösegeld ist das beste Beispiel dafür, wie gut Jehova ist. Von all den Millionen Geistgeschöpfen wählte Jehova seinen geliebten, einziggezeugten Sohn aus, um für uns zu sterben.

      b In der Bibel wird Wahrheit passenderweise mit Licht in Verbindung gebracht. „Sende dein Licht und deine Wahrheit aus“, sang der Psalmist in einem Lied (Psalm 43:3). Jehova gibt allen, die sich bereitwillig von ihm belehren oder erleuchten lassen, geistiges Licht im Übermaß (2. Korinther 4:6; 1. Johannes 1:5).

      Fragen zum Nachdenken

      • 1. Könige 8:54-61, 66 Wie drückte Salomo seine Dankbarkeit für all das Gute von Jehova aus, und wie berührte das die Israeliten?

      • Psalm 119:66, 68 Wie könnten wir in unseren Gebeten den Wunsch zum Ausdruck bringen, Jehovas Güte nachzuahmen?

      • Lukas 6:32-38 Was kann uns motivieren, Jehovas Großzügigkeit nachzuahmen?

      • Römer 12:2, 9, 17-21 Wie können wir im täglichen Leben Gutes tun?

  • „Du allein bist loyal“
    Komm Jehova doch näher
    • Der Mond am Nachthimmel.

      KAPITEL 28

      „Du allein bist loyal“

      1, 2. Warum kann man sagen, dass König David wusste, was Illoyalität bedeutet?

      KÖNIG DAVID wusste nur zu gut, was Illoyalität bedeutet. Während seiner wechselvollen Regierungszeit wurde er einmal das Opfer boshafter Intrigen, als sich seine eigenen Landsleute gegen ihn verschworen. Er wurde sogar von Menschen verraten, die eigentlich seine engsten Gefährten hätten sein sollen. Nehmen wir nur einmal Michal, Davids erste Frau. Am Anfang war sie „in David verliebt“ und unterstützte ihn sicherlich bei seinen Aufgaben als König. Später jedoch „verachtete sie ihn in ihrem Herzen“, und er war für sie „wie ein Hohlkopf“ (1. Samuel 18:20; 2. Samuel 6:16, 20).

      2 Etwas Ähnliches erlebte David mit seinem Ratgeber Ahithophel. Sein Rat galt so viel, als wäre er direkt von Jehova gekommen (2. Samuel 16:23). Doch mit der Zeit wurde dieser enge Vertraute zum Verräter und schloss sich einer raffiniert eingefädelten Verschwörung gegen David an. Und wer war der Drahtzieher? Absalom, Davids eigener Sohn! Er war ein hinterhältiger Opportunist. Zuerst „stahl er sich in die Herzen der Männer Israels“ und dann schwang er sich zu einem rivalisierenden König auf. Absalom hatte so großen Zulauf, dass König David gezwungen war, um sein Leben zu fliehen (2. Samuel 15:1-6, 12-17).

      3. Welches Vertrauen hatte David?

      3 Gab es denn niemand, der ihm treu war? Doch. David wusste, dass ihm in all seinen Nöten jemand loyal zur Seite stand. Wer? Kein Geringerer als Jehova Gott. „Mit dem Loyalen handelst du loyal“, sagte David über Jehova (2. Samuel 22:26). Aber was ist Loyalität, und wieso ist Jehova darin das größte Vorbild?

      Was ist Loyalität?

      4, 5. (a) Was ist Loyalität? (b) Wie unterscheidet sich Loyalität von Zuverlässigkeit?

      4 Das hebräische Wort für „Loyalität“ oder „loyal“ bezieht sich auf eine Person, die aus Güte, Freundlichkeit und Liebe unerschütterlich an etwas festhält oder zu jemandem steht, bis das beabsichtigte Ziel erreicht ist. Diese Loyalität beruht nicht auf reinem Pflichtgefühl, sondern auf Liebe.a Sie ist auch mehr als Zuverlässigkeit. Vom Mond schrieb der Psalmist zum Beispiel, er sei „ein treuer Zeuge am Himmel“ (Psalm 89:37). Der Mond ist in dem Sinne treu, dass er zuverlässig ist – er ist beständig jede Nacht am Himmel zu sehen. Doch man kann den Mond nicht als „loyal“ bezeichnen. Warum nicht? Weil Loyalität im biblischen Sinn von Liebe motiviert ist. Etwas Unbelebtes kann nicht lieben.

      Der Mond wird zwar als ein „treuer Zeuge“ bezeichnet, aber nur vernunftbegabte Geschöpfe können die Loyalität Jehovas nachahmen

      5 Loyalität im biblischen Sinne drückt Wärme aus. Sie setzt eine vertraute Beziehung zwischen Geber und Empfänger voraus. Loyalität ist nicht launisch. Sie lässt sich nicht wie Meereswellen vom Wind hin und her treiben. Im Gegenteil, Loyalität oder loyale Liebe ist so gefestigt und stark, dass sie selbst die bedrohlichsten Hindernisse überwindet.

      6. (a) Wie ist es bei den Menschen um die Loyalität bestellt, und wie wird das in der Bibel angedeutet? (b) Wie können wir am besten verstehen, was mit Loyalität gemeint ist, und warum?

      6 Eine solche Loyalität ist allerdings rar geworden. Nicht selten kann man beobachten, was die Bibel so beschreibt: „Manche Freunde sind bereit, sich gegenseitig zu schaden.“ Es kommt auch immer häufiger vor, dass jemand seinen Ehepartner verlässt (Sprüche 18:24; Maleachi 2:14-16). Treuloses Verhalten ist etwas so Alltägliches, dass man manchmal geneigt ist, wie der Prophet Micha zu sagen: „Der Loyale ist von der Erde verschwunden“ (Micha 7:2). Während man bei Menschen Loyalität oft vermisst, ist diese wunderschöne Eigenschaft bei Jehova ein hervorstechendes Wesensmerkmal. Was mit Loyalität genau gemeint ist, verstehen wir deshalb auch am besten, wenn wir untersuchen, wie Jehova diese großartige Facette seiner Liebe zum Ausdruck bringt.

      Jehovas unvergleichliche Loyalität

      7, 8. Weshalb kann man sagen, dass Jehova allein loyal ist?

      7 In der Bibel heißt es von Jehova: „Du allein bist loyal“ (Offenbarung 15:4). Wieso das? Haben nicht schon Menschen und Engel außergewöhnliche Loyalität bewiesen? (Hiob 1:1; Offenbarung 4:8). Und Jesus Christus? Niemand steht so loyal zu Jehova wie er (Psalm 16:10). Weshalb kann man dann sagen, Jehova allein sei loyal?

      8 Zunächst einmal ist Loyalität ja eine Facette der Liebe. Wer könnte somit loyaler sein als Jehova, der Liebe ist, diese Eigenschaft also verkörpert? (1. Johannes 4:8). Engel und Menschen können Gottes Eigenschaften zwar widerspiegeln, aber nur Jehova ist im höchsten Grad loyal. Da er der „Alte an Tagen“ ist, ist er schon länger loyal als irgendein Geschöpf im Himmel oder auf der Erde (Daniel 7:9). Jehova ist der Inbegriff der Loyalität. Er offenbart diese Eigenschaft in einer Art und Weise, wie es ihm kein Geschöpf gleichtun könnte. Hierzu einige Beispiele.

      9. Wieso ist Jehova „loyal in allem, was er tut“?

      9 Jehova ist „loyal in allem, was er tut“ (Psalm 145:17). Was heißt das? Psalm 136 gibt die Antwort. Dort werden eine ganze Reihe Rettungstaten Jehovas aufgeführt, etwa die aufsehenerregende Befreiung der Israeliten am Roten Meer. Bedeutsamerweise klingt jeder Vers dieses Psalms mit den Worten aus: „Seine loyale Liebe bleibt für immer.“ Psalm 136 ist übrigens auch Gegenstand der „Fragen zum Nachdenken“ am Ende dieses Kapitels. Wenn man diese Verse liest, kann man nur staunen, wie Jehova immer wieder loyal zu seinem Volk gehalten hat. Ja, Jehova ist seinen treuen Dienern gegenüber loyal, indem er ihre Hilferufe hört und zur gegebenen Zeit handelt (Psalm 34:6). Solange sie ihm gegenüber loyal bleiben, gerät seine loyale Liebe zu ihnen nicht ins Wanken.

      10. Wie beweist Jehova Loyalität, wenn es um seine Maßstäbe geht?

      10 Außerdem beweist Jehova gegenüber seinen Dienern auch dadurch Loyalität, dass er seinen Maßstäben treu bleibt. Im Unterschied zu Menschen, die sich oft einzig und allein von Launen und Gefühlen leiten lassen, schwankt Jehova nie in seiner Ansicht darüber, was richtig oder falsch ist. Sein Standpunkt zu Spiritismus, Götzendienst, Mord und dergleichen ist über die Jahrtausende unverändert geblieben. „Bis ihr alt seid, werde ich derselbe sein“, erklärte er durch den Propheten Jesaja (Jesaja 46:4). Wir können darauf vertrauen, dass die klaren Moralbegriffe in Gottes Wort zu unserem Besten sind (Jesaja 48:17-19).

      11. Nenne Beispiele dafür, dass Jehova treu zu seinen Versprechen steht.

      11 Jehovas Loyalität zeigt sich ferner darin, dass er treu zu seinen Versprechen steht. Was er vorhersagt, trifft immer ein. Er sagte über seine Worte: „Sie werden nicht ergebnislos zu mir zurückkehren, sondern sie werden mit Sicherheit alles erreichen, woran ich Freude habe, und sie werden ganz bestimmt Erfolg haben bei dem, was ich ihnen aufgetragen habe“ (Jesaja 55:11). Dadurch, dass Jehova Wort hält, erweist er sich seinen Dienern gegenüber als loyal. Er lässt sie nicht gespannt etwas erwarten, was er gar nicht zu tun vorhat. Jehova hat in dieser Hinsicht einen so einwandfreien Ruf, dass sein Diener Josua sagen konnte: „Von all dem Guten, das Jehova dem Haus Israel versprochen hatte, blieb kein einziges Versprechen unerfüllt – alles traf ein“ (Josua 21:45). Wir können uns also darauf verlassen, dass uns Jehova niemals durch leere Versprechungen enttäuschen wird (Jesaja 49:23; Römer 5:5).

      12, 13. Was ist damit gemeint, dass Jehovas loyale Liebe für immer bleibt?

      12 Wie gesagt heißt es in der Bibel über Jehova: „Seine loyale Liebe bleibt für immer“ (Psalm 136:1). Was ist damit gemeint? Ein Punkt wäre, dass Jehovas Sündenvergebung endgültig ist. Er rechnet vergangene, bereits verziehene Fehler nicht mehr an, wie in Kapitel 26 erläutert wurde. „Alle [haben] gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ – Grund genug für einen jeden von uns, dankbar zu sein, dass Jehovas loyale Liebe für immer bleibt (Römer 3:23).

      13 Aber Jehovas loyale Liebe bleibt noch in einem anderen Sinn für immer. In seinem Wort heißt es von dem Gerechten: „Er wird sein wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, ein Baum, der Frucht trägt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht welkt. Und alles, was er tut, wird gelingen“ (Psalm 1:3). Ein üppiger Baum voller Saft und Kraft, dessen Laub nie welkt! Ein ähnlich langes, friedliches und produktives Leben steht auch uns in Aussicht, wenn wir an Gottes Wort Freude finden. Die Segnungen, die Jehova seinen treuen Dienern aus Loyalität zukommen lässt, sind von ewiger Dauer. In der gerechten neuen Welt, die er schaffen wird, können sich gehorsame Menschen für immer an seiner loyalen Liebe freuen (Offenbarung 21:3, 4).

      Jehova „wird seine Loyalen nicht im Stich lassen“

      14. Wie zeigt Jehova, dass er die Treue seiner Diener schätzt?

      14 Jehova hat seine Loyalität immer und immer wieder unter Beweis gestellt. Da er absolut beständig ist, ist auch seine Loyalität gegenüber seinen treuen Dienern stets gleichbleibend. Der Psalmist schrieb: „Früher war ich jung, jetzt bin ich alt, aber nie sah ich einen Gerechten verlassen oder seine Kinder nach Brot suchen. Denn Jehova liebt das Recht und er wird seine Loyalen nicht im Stich lassen“ (Psalm 37:25, 28). Natürlich verdient es Jehova als unser Schöpfer so oder so, von uns angebetet zu werden (Offenbarung 4:11). Doch weil er loyal ist, schätzt er unsere Treue sehr (Maleachi 3:16, 17).

      15. Erkläre, wie Jehovas Loyalität in seiner Handlungsweise mit Israel hervortrat.

      15 In seiner loyalen Liebe kommt Jehova seinem Volk immer wieder zu Hilfe, wenn es in Not ist. Der Psalmist sagte: „Er behütet das Leben seiner Loyalen. Aus der Hand der Bösen befreit er sie“ (Psalm 97:10). Denken wir nur daran, wie er sich gegenüber dem Volk Israel verhielt. Nach der übernatürlichen Befreiung am Roten Meer sangen die Israeliten in einem Lied für Jehova: „In deiner loyalen Liebe hast du das Volk geführt, das du erlöst hast“ (2. Mose 15:13). Die Befreiung am Roten Meer war mit Sicherheit ein Akt loyaler Liebe. Deshalb sagte Moses auch zu den Israeliten: „Es war nicht, weil ihr das größte von allen Völkern wart, dass Jehova euch Zuneigung gezeigt hat und euch ausgewählt hat – ihr wart ja das kleinste von allen Völkern. Es war vielmehr, weil Jehova euch geliebt hat und weil er sich an den Eid gehalten hat, den er gegenüber euren Vorfahren abgelegt hatte – deswegen hat Jehova euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus der Sklaverei, aus der Gewalt des Pharao, des Königs von Ägypten, befreit“ (5. Mose 7:7, 8).

      16, 17. (a) Wie weit ging die Undankbarkeit der Israeliten, doch wie erwies Jehova ihnen Mitgefühl? (b) Woran zeigte es sich, dass es für die meisten Israeliten „keine Hoffnung auf Heilung gab“, und wieso ist uns das eine Warnung?

      16 Als Ganzes gesehen zeigten sich die Israeliten allerdings nicht dankbar für die loyale Liebe Jehovas, denn nach ihrer Befreiung „sündigten [sie] weiter gegen ihn, als sie in der Wüste gegen den Höchsten rebellierten“ (Psalm 78:17). Im Lauf der Jahrhunderte lehnten sie sich immer wieder auf, kehrten Jehova den Rücken und wandten sich falschen Göttern und schändlichen heidnischen Bräuchen zu. Trotzdem brach Jehova seinen Bund mit ihnen nicht. Er flehte sein Volk durch den Propheten Jeremia an: „Kehr zurück, o Israel, du Abtrünnige … Ich werde nicht zornig auf dich blicken, denn ich bin loyal“ (Jeremia 3:12). Wie in Kapitel 25 erwähnt, blieben die meisten Israeliten jedoch ungerührt. „Sie verspotteten die Boten des wahren Gottes ständig. Sie verachteten seine Worte und machten sich über seine Propheten lustig.“ Was war die Folge? Es kam so weit, dass „Jehova auf sein Volk zornig wurde und es keine Hoffnung auf Heilung gab“ (2. Chronika 36:15, 16).

      17 Was lernen wir daraus? Dass Jehovas Loyalität weder blind noch naiv ist. Jehova ist zwar reich an loyaler Liebe und erweist gern Barmherzigkeit, wo sie berechtigt ist. Doch was ist, wenn sich jemand als unverbesserlich schlecht herausstellt? Einen solchen Menschen verurteilt er auf der Grundlage seiner eigenen gerechten Maßstäbe. Wie schon Moses erfuhr, wird Jehova „Schuldige auf keinen Fall ungestraft lassen“ (2. Mose 34:6, 7).

      18, 19. (a) Wieso ist es ein Akt der Loyalität, dass Jehova die Bösen bestraft? (b) Wie wird sich Jehova gegenüber seinen Dienern, die bis in den Tod verfolgt worden sind, als loyal erweisen?

      18 Dass Gott die Bösen bestraft, ist im Grunde genommen ein Akt der Loyalität. Weshalb? Einen Hinweis gibt uns das Bibelbuch Offenbarung, wo wir lesen, dass Jehova sieben Engel beauftragt: „Geht und gießt die sieben Schalen des Zorns Gottes über die Erde aus.“ Als der dritte Engel seine Schale „in die Flüsse und die Wasserquellen“ ausgießt, werden sie zu Blut. Darauf sagt der Engel zu Jehova: „Du, der du bist und der du warst, du Loyaler, bist gerecht, weil du diese Urteile gesprochen hast, denn du hast denen, die das Blut von Heiligen und von Propheten vergossen haben, Blut zu trinken gegeben. Sie verdienen es“ (Offenbarung 16:1-6).

      19 Mitten in der Gerichts­botschaft wird Jehova von dem Engel als „Loyaler“ angeredet. Warum? Weil sich Jehova durch die Vernichtung der Bösen gegenüber seinen Dienern, die oft bis in den Tod verfolgt wurden, als loyal erweist. Aus Loyalität hält Jehova sie in seinem Gedächtnis lebendig. Er sehnt sich danach, diese verstorbenen Treuen wiederzusehen, und die Bibel bestätigt uns, dass er sie mit einer Auferstehung belohnen wird (Hiob 14:14, 15). Jehova vergisst seine loyalen Diener nicht, nur weil sie gestorben sind. Im Gegenteil: „Für ihn leben sie alle“ (Lukas 20:37, 38). Es ist ein großer Beweis seiner Loyalität, dass er alle, die in seinem Gedächtnis sind, zum Leben zurückbringen wird.

      Aus Loyalität behält Jehova alle in Erinnerung, die bis in den Tod loyal zu ihm gehalten haben, und er wird sie auferwecken

      Bernard Luimes (oben) und Wolfgang Kusserow (Mitte) wurden unter dem NS-Regime hingerichtet

      Moses Nyamussua wurde von Anhängern einer politischen Gruppe mit Speeren getötet

      Jehovas loyale Liebe ebnet den Weg zur Rettung

      20. Wer sind die „Gefäße der Barmherzigkeit“, und wie erweist sich Jehova ihnen gegenüber als loyal?

      20 Jehova hat treuen Menschen schon immer außergewöhnliche Loyalität erwiesen. Tausende von Jahren hat er „die Gefäße des Zorns, die für die Vernichtung passend gemacht sind, mit viel Geduld“ ertragen. Wieso? „Um seine große Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit zum Ausdruck zu bringen, die er im Voraus für die Herrlichkeit vorbereitet hat“ (Römer 9:22, 23). Diese „Gefäße der Barmherzigkeit“ sind aufrichtige Menschen, die mit heiligem Geist gesalbt sind, um Miterben mit Christus in seinem Königreich zu sein (Matthäus 19:28). Dadurch, dass Jehova ihnen den Weg zur Rettung geebnet hat, erweist er sich gegenüber Abraham als loyal. Er hatte ihm in einem Bund versprochen: „Weil du auf meine Stimme gehört hast, werden alle Völker der Erde durch deinen Nachkommen gesegnet werden“ (1. Mose 22:18).

      Glücklich lächelnde Brüder und Schwestern aus unterschiedlichen Kulturen und Altersgruppen.

      Weil Jehova loyal ist, haben alle seine treuen Diener eine sichere Hoffnung

      21. (a) Wie zeigt sich Jehovas Loyalität gegenüber einer „großen Volksmenge“, die aus der „großen Drangsal“ herauskommen wird? (b) Wozu fühlst du dich durch Jehovas Loyalität gedrängt?

      21 Jehovas Loyalität zeigt sich auch gegenüber einer „großen Volksmenge“. Sie hat die Aussicht, aus der „großen Drangsal“ herauszukommen und für immer eine paradiesische Erde zu bewohnen (Offenbarung 7:9, 10, 14). Obwohl es sich dabei um unvollkommene Menschen handelt, gibt Jehova ihnen in seiner Loyalität die Chance, ewig in einem irdischen Paradies zu leben. Wie ist das möglich? Durch das Lösegeld – den größten Beweis seiner Loyalität (Johannes 3:16; Römer 5:8). Auf Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, wirkt die Loyalität Jehovas anziehend (Jeremia 31:3). Fühlst du dich nicht durch die tiefe Loyalität, die Jehova bewiesen hat und auch künftig beweisen wird, noch mehr zu ihm hingezogen? Als Reaktion auf seine Liebe und aus dem Wunsch heraus, ihm näherzukommen, möchten wir bestimmt unseren Entschluss festigen, ihm loyal zu dienen.

      a Interessanter­weise wird das Wort, das in 2. Samuel 22:26 mit „loyal“ wiedergegeben ist, an anderen Stellen auch mit „loyale Liebe“ übersetzt.

      Fragen zum Nachdenken

      • 1. Samuel 24:1-22 Wie brachte David durch sein Verhalten gegenüber König Saul genau die Loyalität zum Ausdruck, die Jehova schätzt?

      • Esther 3:7-9; 4:6 bis 5:1 Wie bewies Esther gegenüber ihrem Volk Loyalität, obwohl sie dadurch ihr Leben aufs Spiel setzte?

      • Psalm 136:1-26 Was erfahren wir durch diesen Psalm über Jehovas loyale Liebe?

      • Obadja 1-4, 10-16 Wieso war es ein Ausdruck der Loyalität Jehovas gegenüber seinem Volk, dass er die Edomiter für ihr illoyales Verhalten bestrafte?

  • „Die Liebe des Christus … erkennen“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus empfindet tiefes Mitgefühl.

      KAPITEL 29

      „Die Liebe des Christus … erkennen“

      1-3. (a) Was veranlasste Jesus, wie sein Vater sein zu wollen? (b) Mit welchen Facetten der Liebe Jesu werden wir uns befassen?

      HAST du schon einmal einen kleinen Jungen beobachtet, der versucht, wie sein Vater zu sein? Er imitiert vielleicht den Gang, die Ausdrucksweise oder das Benehmen seines Vaters. Es kann auch sein, dass er mit der Zeit die moralischen und religiösen Werte von ihm übernimmt. Wenn ein Junge genauso werden möchte wie sein Vater, steckt höchst­wahrscheinlich Liebe und Bewunderung dahinter.

      2 Wie lässt sich das auf die Beziehung zwischen Jesus und seinem himmlischen Vater übertragen? Jesus sagte einmal: „Ich [liebe] den Vater“ (Johannes 14:31). Niemand könnte Jehova mehr lieben als dieser Sohn, der, schon lange bevor irgendwelche anderen Geschöpfe ins Dasein kamen, beim Vater war. Aus Liebe wollte dieser treue Sohn wie sein Vater sein (Johannes 14:9).

      3 In anderen Kapiteln dieses Buches wurde schon darauf eingegangen, dass Jesus die Macht, Gerechtigkeit und Weisheit Jehovas vollkommen nachahmte. Wie spiegelte er aber die Liebe seines Vaters wider? Befassen wir uns mit drei Facetten der Liebe Jesu: seiner Opfer­bereitschaft, seinem tiefen Mitgefühl und seiner Bereitschaft zu vergeben.

      „Die größte Liebe“

      4. Wie gab Jesus von allen Menschen das beste Beispiel für aufopfernde Liebe?

      4 Jesus hat ein hervorragendes Beispiel für aufopfernde Liebe gegeben. Aufopferung bedeutet, dass man die Bedürfnisse und Interessen anderer selbstlos den eigenen voranstellt. Wie zeigte Jesus eine solche Liebe? Er erklärte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Jesus gab aus freien Stücken sein vollkommenes Leben für uns hin. Das war der größte Liebesbeweis, den je ein Mensch erbracht hat. Doch Jesus bewies noch in anderer Hinsicht aufopfernde Liebe.

      5. Warum beweist es große Liebe, dass der einziggezeugte Sohn Gottes den Himmel verließ?

      5 Während seiner vormenschlichen Existenz hatte der einziggezeugte Sohn Gottes im Himmel eine ehrenvolle, hohe Stellung inne. Er hatte enge Gemeinschaft mit Jehova und einer Vielzahl von Geistgeschöpfen. Und obwohl dieser geliebte Sohn solche Vorzüge genoss, heißt es über ihn: „Er gab … alles auf, was er hatte, nahm Sklavengestalt an und wurde Mensch“ (Philipper 2:7). Er begab sich freiwillig unter sündige Menschen in eine Welt, die „in der Gewalt des Bösen“ ist (1. Johannes 5:19). Beweist dieses Opfer des Sohnes Gottes nicht große Liebe?

      6, 7. (a) Wie ließ Jesus auf der Erde aufopfernde Liebe erkennen? (b) Welches bewegende Beispiel für selbstlose Liebe ist in Johannes 19:25-27 aufgezeichnet?

      6 Jesu Wirken auf der Erde ist von unterschiedlichen Arten aufopfernder Liebe geprägt. Er war völlig selbstlos. Seine Tätigkeit erfüllte ihn so sehr, dass er auf ganz normale, eigentlich selbst­verständliche Annehmlichkeiten verzichtete. „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel des Himmels ihr Nest“, sagte er, „aber der Menschensohn hat kein eigenes Zuhause“ (Matthäus 8:20). Als geschickter Zimmermann hätte Jesus durchaus ein wenig Zeit dafür reservieren können, sich ein komfortables Haus zu bauen oder als kleine Einnahmequelle schöne Möbel zu fertigen. Doch er nutzte seine Fähigkeiten nicht für materiellen Gewinn.

      7 Ein wirklich bewegendes Beispiel für Jesu aufopfernde Liebe ist in Johannes 19:25-27 aufgezeichnet. Stellen wir uns vor, was Jesus in den letzten Stunden vor seinem Tod alles durch den Kopf gegangen sein muss. Während er am Stamm Qualen litt, machte er sich Gedanken über seine Jünger, über das Predigtwerk und vor allem über seine Integrität und wie der Name seines Vaters davon berührt wurde. Tatsächlich lastete die ganze Zukunft der Menschheit auf seinen Schultern. Trotz alldem war er in seinen letzten Minuten auch um seine Mutter Maria besorgt, die damals anscheinend schon Witwe war. Jesus bat den Apostel Johannes, Maria wie seine eigene Mutter zu behandeln, worauf Johannes sie bei sich zu Hause aufnahm. Jesus war somit auf das körperliche Wohl und das Glaubensleben seiner Mutter bedacht. Wie innig und selbstlos seine Liebe doch war!

      Er „empfand tiefes Mitgefühl“

      8. Was bedeutet das griechische Wort, mit dem die Bibel Jesu Mitgefühl beschreibt?

      8 Jesus war mitfühlend wie sein Vater. Die Bibel beschreibt ihn als jemand, der Notleidenden die Hand reichte, weil ihr Leid ihn tief berührte. Für das Mitgefühl Jesu gebraucht die Bibel ein griechisches Wort, das von einem Gelehrten als ein Gefühl beschrieben wird, „das den Menschen bis ins tiefste Innere erschüttert. Es ist das stärkste griechische Wort für Mitgefühl.“ Wenden wir uns nun einigen Situationen zu, in denen Jesus von tiefem Mitgefühl zum Handeln motiviert wurde.

      9, 10. (a) Weswegen wollten Jesus und seine Apostel an einen einsamen Ort gehen? (b) Wie reagierte Jesus, als eine Menschenmenge seine Ruhe störte, und warum?

      9 Aus tiefem Mitgefühl half er Menschen, Jehova näherzukommen. Der Bericht in Markus 6:30-34 zeigt, was Jesus in erster Linie bewog, tiefes Mitgefühl zu zeigen. Versetzen wir uns einmal in die Szene hinein. Die Apostel waren ganz aufgeregt! Sie hatten gerade eine ausgedehnte Predigtreise hinter sich. Jetzt waren sie wieder bei Jesus und berichteten begeistert, was sie alles gesehen und gehört hatten. Doch da versammelte sich eine große Menschenmenge, sodass Jesus und seine Apostel nicht einmal Zeit hatten, etwas zu essen. Als guter Beobachter merkte Jesus, dass die Apostel müde waren. „Kommt mit, ihr allein, an einen einsamen Ort und ruht euch ein bisschen aus“, sagte er zu ihnen. Sie stiegen in ein Boot und fuhren quer über die Nordspitze des Galiläischen Meeres zu einer ruhigen Stelle. Die Menge sah aber, wie sie wegfuhren. Und noch andere hörten davon. Alle diese Leute liefen am Nordufer entlang und kamen schon vor dem Boot auf der anderen Seite an.

      10 Ärgerte sich Jesus darüber, dass er in seiner Ruhe gestört wurde? Nicht im Geringsten. Der Anblick dieser Tausende von wartenden Menschen bewegte ihn sehr. Markus schrieb: „Als er ausstieg, sah er eine große Menschenmenge und empfand tiefes Mitgefühl mit den Leuten, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten. Und er fing an, sie vieles zu lehren.“ Jesus sah, wie sehr die einzelnen Menschen Gott brauchten. Sie waren wie umherirrende Schafe, die von keinem Hirten geleitet oder beschützt wurden. Jesus wusste, dass das einfache Volk von den kaltherzigen religiösen Oberhäuptern, die eigentlich fürsorgliche Hirten hätten sein sollen, vernachlässigt wurde (Johannes 7:47-49). Die Leute taten ihm leid, und deshalb „erzählte [er] ihnen von Gottes Königreich“ (Lukas 9:11). Es ist bemerkenswert, dass Jesus schon Mitleid mit ihnen hatte, bevor er sah, wie sie auf seine Lehren reagierten. Sein tiefes Mitgefühl war das Motiv, warum er die Menschenmenge lehrte, und stellte sich nicht erst als Reaktion ein.

      Jesus empfindet tiefes Mitgefühl mit einem Aussätzigen und fasst ihn an. Andere ekeln sich vor dem Aussätzigen.

      Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn

      11, 12. (a) Wie sah man in biblischen Zeiten Aussätzige an, aber wie reagierte Jesus auf einen Mann, der „voller Aussatz“ war? (b) Was empfand der Aussätzige wohl bei Jesu Berührung, und wie wird das am Erlebnis eines Arztes deutlich?

      11 Aus tiefem Mitgefühl linderte er Leid. Menschen mit den verschiedensten Krankheiten spürten, dass Jesus Mitgefühl hatte, und fühlten sich zu ihm hingezogen. Das zeigte sich besonders deutlich, als Jesus mit einer Menschenmenge im Gefolge von einem Mann angesprochen wurde, der „voller Aussatz“ war (Lukas 5:12). In biblischen Zeiten standen Aussätzige unter Quarantäne, damit andere sich nicht infizierten (4. Mose 5:1-4). Die Rabbiner allerdings ließen allmählich eine herzlose Haltung gegenüber Aussätzigen aufkommen und stellten ihre eigenen bedrückenden Vorschriften auf.a Achten wir nun einmal darauf, wie Jesus mit dem Aussätzigen umging. Wir lesen: „Es kam auch ein Aussätziger zu ihm und flehte ihn sogar auf Knien an: ‚Wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen.‘ Da empfand er tiefes Mitgefühl, streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: ‚Das will ich! Du sollst gesund werden.‘ Im selben Augenblick verschwand der Aussatz“ (Markus 1:40-42). Jesus wusste, dass der Aussätzige nach dem Gesetz überhaupt nicht dort sein durfte. Doch statt ihn abzuweisen, war Jesus so ergriffen, dass er etwas Unvorstellbares tat. Er berührte ihn!

      12 Kannst du dir vorstellen, wie viel diese Berührung dem Aussätzigen bedeutete? Ein Vorfall in Indien soll das verdeutlichen. Dr. Paul Brand, ein Lepraspezialist, berichtet von einem Mann, den er behandelte. Bei der Untersuchung legte er dem Leprakranken die Hand auf die Schulter und erklärte ihm durch einen Dolmetscher, was er mit ihm vorhatte. Da fing der Kranke an zu weinen. „Hab ich etwas Verkehrtes gesagt?“, fragte der Arzt. Der Dolmetscher übersetzte dem jungen Mann die Frage und meinte dann: „Nein, Herr Doktor. Er sagt, dass er weint, weil Sie ihm den Arm um die Schulter gelegt haben. Seit Jahren hat ihn niemand mehr berührt.“ Für den Aussätzigen, der sich an Jesus wandte, hatte es eine noch viel größere Bedeutung, berührt zu werden. Nach dieser einzigen Berührung verschwand die Krankheit, die ihn zu einem Ausgestoßenen gemacht hatte.

      13, 14. (a) Was sah Jesus, als er sich der Stadt Nain näherte, und was war an der Situation besonders tragisch? (b) Was tat Jesus aus tiefem Mitgefühl für die Witwe von Nain?

      13 Aus tiefem Mitgefühl vertrieb er Kummer. Der Kummer anderer Menschen ging Jesus sehr nahe. Ein Beispiel dafür ist der Bericht in Lukas 7:11-15. Etwa in der Mitte seines Dienstes auf der Erde kam Jesus zu der galiläischen Stadt Nain. Vor dem Stadttor traf er auf einen Trauerzug. Die Umstände waren ganz besonders tragisch. Ein junger Mann, der einzige Sohn einer Witwe, war gestorben. Sehr wahrscheinlich war die Mutter schon beim Tod ihres Mannes in einem solchen Trauerzug mitgelaufen. Und jetzt war ihr Sohn tot – womöglich die einzige Stütze, die ihr geblieben war. In dem Gefolge befanden sich bestimmt Frauen, die Trauerlieder sangen, und Musiker, die traurige Melodien spielten (Jeremia 9:17, 18; Matthäus 9:23). Doch Jesus konnte seinen Blick nicht von der gramgebeugten Mutter wenden, die sicher neben der Totenbahre herging.

      14 Er empfand tiefes Mitgefühl für sie. Beruhigend redete er ihr zu: „Hör auf zu weinen.“ Unaufgefordert ging er zu der Bahre hin und berührte sie. Da blieben die Träger stehen – und möglicherweise auch alle anderen. Jesus befahl dem leblosen Körper: „Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!“ Was geschah nun? „Da setzte sich der Tote auf und fing an zu reden“, als sei er aus einem tiefen Schlaf erwacht. Darauf folgt eine ergreifende Bemerkung: „Und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.“

      15. (a) Wie wird an Jesus die Verbindung zwischen Mitgefühl und Handeln deutlich? (b) Wie können wir Jesus darin nachahmen?

      15 Was lernen wir aus diesen Berichten? Auffällig ist jedes Mal die Verbindung zwischen Mitgefühl und Handeln. Jesus konnte nicht die Not anderer sehen, ohne tiefes Mitgefühl zu empfinden, und er konnte nicht Mitgefühl empfinden, ohne etwas zu unternehmen. Wie können wir ihm nacheifern? Als Christen sind wir verpflichtet, die gute Botschaft zu predigen und Menschen zu Jüngern zu machen. Unser Hauptbeweggrund dabei ist unsere Liebe zu Gott. Vergessen wir aber nicht, dass es sich hier auch um ein von Mitgefühl getragenes Werk handelt. Wenn wir für die Menschen so empfinden wie Jesus, werden wir uns von Herzen gedrängt fühlen, beim Predigen der guten Botschaft unser Bestes zu geben (Matthäus 22:37-39). Wie können wir leidenden oder trauernden Glaubensbrüdern Mitgefühl erweisen? Wunderheilungen oder Auferweckungen können wir natürlich nicht vollbringen. Doch wir können aktives Mitgefühl zeigen, indem wir auf andere zugehen und unsere Anteilnahme zum Ausdruck bringen oder auch praktische Hilfe leisten (Epheser 4:32).

      „Vater, vergib ihnen“

      16. Wie ließ Jesus seine Bereitschaft zum Vergeben sogar am Marterpfahl erkennen?

      16 Jesus spiegelte die Liebe seines Vaters noch in einem anderen wichtigen Punkt vollkommen wider – er vergab gern (Psalm 86:5). Das ließ er sogar am Marterpfahl erkennen. Welche Worte äußerte er, als er mit durchbohrten Händen und Füßen am Pfahl hing und wie ein Verbrecher starb? Bat er Jehova, die Vollstrecker zu bestrafen? Im Gegenteil, seine letzten Worte waren unter anderem: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23:34).b

      17-19. Woran ist zu erkennen, dass Jesus dem Apostel Petrus die dreimalige Verleugnung vergeben hatte?

      17 Ein vielleicht noch bewegenderes Beispiel für Jesu Bereitschaft zu vergeben ist sein Verhalten gegenüber dem Apostel Petrus. Es steht außer Frage, dass Petrus Jesus von ganzem Herzen liebte. Am 14. Nisan, am Abend vor Jesu Tod, sagte er zu ihm: „Herr, ich bin bereit, mit dir sowohl ins Gefängnis als auch in den Tod zu gehen.“ Doch nur wenige Stunden später leugnete Petrus drei Mal, Jesus auch nur zu kennen. Aus der Bibel erfahren wir, was geschah, als er ihn zum dritten Mal verleugnete: „Da drehte sich der Herr um und sah Petrus direkt an.“ Petrus brach unter der Last seiner Sünde zusammen. „Er ging hinaus und weinte bitterlich.“ Als Jesus Stunden später starb, fragte sich der Apostel wahrscheinlich, ob sein Herr ihm wohl vergeben hatte (Lukas 22:33, 61, 62).

      18 Petrus musste nicht lange auf eine Antwort warten. Jesus wurde am Morgen des 16. Nisan auferweckt und suchte ihn offenbar noch am selben Tag persönlich auf (Lukas 24:34; 1. Korinther 15:4-8). Warum schenkte Jesus dem Apostel, der ihn so nachdrücklich verleugnet hatte, so große Aufmerksamkeit? Vielleicht wollte er dem reumütigen Petrus versichern, dass er ihn nach wie vor liebte und schätzte. Doch Jesus ging noch weiter.

      19 Irgendwann später erschien er seinen Jüngern am See von Galiläa. Jesus fragte Petrus (der seinen Herrn ja drei Mal verleugnet hatte) drei Mal, ob er ihn liebe. Nach dem dritten Mal erwiderte Petrus: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus, der ins Herz schauen konnte, war sich natürlich der Liebe des Petrus bewusst. Doch er gab Petrus Gelegenheit, ihm seine Liebe zu versichern. Und nicht nur das, Jesus beauftragte ihn, seine „Schäfchen“ zu „weiden“ und zu „hüten“ (Johannes 21:15-17). Schon früher einmal hatte Petrus einen Predigtauftrag erhalten (Lukas 5:10). Aber jetzt übertrug ihm Jesus als bemerkenswerten Vertrauensbeweis noch eine weitere große Verantwortung: die Sorge für seine künftigen Nachfolger. Kurz darauf wies er ihm eine herausragende Rolle im christlichen Betätigungsfeld zu (Apostel­geschichte 2:1-41). Wie erleichtert muss Petrus gewesen sein, dass Jesus ihm vergeben hatte und ihm vertraute!

      „Die Liebe des Christus“ – „erkennen“ wir sie?

      20, 21. Wie können wir „die Liebe des Christus“ voll und ganz „erkennen“?

      20 In Gottes Wort wird die Liebe des Christus sehr ansprechend beschrieben. Wie sollten wir aber auf Jesu Liebe reagieren? In der Bibel werden wir aufgefordert, „die Liebe des Christus zu erkennen, die die Erkenntnis übersteigt“ (Epheser 3:19). Wie wir gesehen haben, machen uns die Evangelien­berichte über Jesu Leben und Wirken gut mit der Liebe Christi vertraut. Wenn wir „die Liebe des Christus“ aber voll und ganz „erkennen“ wollen, reicht es nicht aus, sich damit zu befassen, was die Bibel über ihn sagt.

      21 Das griechische Wort, das mit „erkennen“ wiedergegeben wird, bedeutet „in der Praxis, durch Erfahrung“ kennenlernen. Wenn wir so wie Jesus Liebe zeigen – anderen von uns selbst geben, mitfühlend auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihnen von Herzen vergeben –, können wir uns wirklich in ihn hineindenken. So werden wir allmählich durch persönliche Erfahrung „die Liebe des Christus … erkennen, die die Erkenntnis übersteigt“. Und dabei wollen wir nie vergessen: Je mehr wir uns Christus angleichen, umso näher werden wir demjenigen kommen, den Jesus vollkommen nachahmte – unserem liebevollen Gott, Jehova.

      a Laut den rabbinischen Vorschriften durfte man sich einem Aussätzigen nur bis auf 4 Ellen (knapp 2 Meter) nähern. Und bei Wind musste man mindestens 100 Ellen (fast 50 Meter) Abstand halten. Der Midrasch Rabba berichtet von einem Rabbi, der sich vor Aussätzigen versteckte, und von einem, der Aussätzige mit Steinen bewarf, um sie fernzuhalten. Aussätzige kannten also den Schmerz der Zurückweisung und das Gefühl, verachtet zu werden und unerwünscht zu sein.

      b In mehreren alten Handschriften kommt der erste Teil von Lukas 23:34 nicht vor. Da diese Worte aber in vielen anderen maßgeblichen Handschriften erscheinen, wurden sie in die Neue-Welt-Übersetzung und zahlreiche andere Bibel­übersetzungen aufgenommen. Jesus könnte die römischen Soldaten gemeint haben, die ihn an den Pfahl gebracht hatten. Sie wussten nicht, was sie taten, denn sie wussten nicht, wer Jesus wirklich war. Er könnte aber auch die Juden im Sinn gehabt haben, die seine Hinrichtung gefordert hatten, später jedoch an ihn glaubten (Apostel­geschichte 2:36-38). Die religiösen Führer, die diese Hinrichtung eingefädelt hatten, trugen freilich eine weit größere Schuld, denn sie hatten wissentlich und in böser Absicht gehandelt. Vielen von ihnen konnte nicht vergeben werden (Johannes 11:45-53).

      Fragen zum Nachdenken

      • Matthäus 9:35-38 Auf welche bedeutsame Art und Weise zeigte Jesus Mitgefühl, und wie sollte uns das berühren?

      • Johannes 13:34, 35 Warum ist es so wichtig, dass wir die Liebe des Christus widerspiegeln?

      • Römer 15:1-6 Wie können wir die selbstlose Einstellung Christi nachahmen?

      • 2. Korinther 5:14, 15 Wie sollte sich unsere Dankbarkeit für das Lösegeld auf unsere Anschauungen, Ziele und unsere Lebensweise auswirken?

  • „Geht weiter den Weg der Liebe“
    Komm Jehova doch näher
    • Brüder und Schwestern in einer Versammlung unterhalten sich freundlich.

      KAPITEL 30

      „Geht weiter den Weg der Liebe“

      1-3. Was wird das Ergebnis sein, wenn wir uns in der Liebe Jehova zum Vorbild nehmen?

      „GEBEN macht glücklicher als Empfangen“ (Apostel­geschichte 20:35). Diese Worte Jesu unterstreichen eine wichtige Tatsache: Selbstlose Liebe macht sich auf ihre Art bezahlt. Liebe zu empfangen ist sehr beglückend, aber sie zu schenken macht noch glücklicher.

      2 Das weiß niemand besser als unser himmlischer Vater. Wie wir in den vorigen Kapiteln dieses Abschnitts gesehen haben, ist Jehova ein vollendetes Beispiel für Liebe. Niemand hat über einen so langen Zeitraum so viel Liebe gezeigt wie er. Kein Wunder, dass Jehova als der „glückliche Gott“ bezeichnet wird! (1. Timotheus 1:11).

      3 Unser liebevoller Gott möchte, dass wir versuchen, wie er zu sein – vor allem wenn es um die Liebe geht. In Epheser 5:1, 2 werden wir aufgefordert: „Nehmt euch Gott zum Vorbild als geliebte Kinder, und geht weiter den Weg der Liebe.“ Wenn wir uns in der Liebe an Jehova orientieren, werden wir verspüren, wie viel mehr Glück im Geben liegt. Auch haben wir dann das befriedigende Bewusstsein, Jehova zu gefallen, denn in seinem Wort werden wir ja angehalten, einander zu lieben (Römer 13:8). Doch es gibt noch andere Gründe, weiterhin den Weg der Liebe zu gehen.

      Warum die Liebe so wichtig ist

      Ein älterer Bruder legt einem jüngeren Bruder lächelnd die Hand auf die Schulter.

      Die Liebe veranlasst uns, unseren Brüdern zu vertrauen

      4, 5. Warum ist aufopfernde Liebe unter Glaubensbrüdern so wichtig?

      4 Warum ist es so wichtig, unsere Glaubensbrüder zu lieben? Kurz gesagt ist die Liebe das, was echtes Christentum ausmacht. Ohne Liebe ist kein enger Zusammenhalt unter Christen möglich, und was noch schlimmer wäre, wir wären in Jehovas Augen nichts wert. Sehen wir uns einmal an, wie diese Wahrheiten in Gottes Wort herausgestellt werden.

      5 Am Abend vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:34, 35). „So wie ich euch geliebt habe“ – damit wird uns geboten, die gleiche Liebe zu zeigen wie Jesus. In Kapitel 29 haben wir Jesus als ein überragendes Beispiel für aufopfernde Liebe kennengelernt, als jemand, der die Bedürfnisse und Interessen anderer seinen eigenen voranstellte. Auch wir sind zu selbstloser Liebe aufgerufen, und diese Liebe sollte so markant sein, dass sie sogar Außenstehenden auffällt. Aufopfernde brüderliche Liebe ist das Markenzeichen wahrer Nachfolger Christi.

      6, 7. (a) Woher wissen wir, dass Gottes Wort der Liebe großen Wert beimisst? (b) Auf welche Liebe konzentrierte sich Paulus in 1. Korinther 13:4-8?

      6 Was aber, wenn es uns an Liebe fehlt? „Wenn ich … keine Liebe habe“, sagte der Apostel Paulus, „bin ich ein dröhnender Gong oder eine scheppernde Zimbel geworden“ (1. Korinther 13:1). Eine scheppernde Zimbel tut den Ohren weh. Und ein dröhnender Gong ist auch nicht besser. Wirklich treffende Vergleiche! Ein liebloser Mensch ist wie ein Musikinstrument, das einen lauten Misston von sich gibt. Wie könnte so jemand ein enges Verhältnis zu anderen aufbauen? Paulus sagte weiter: „Wenn mein Glaube so groß ist, dass er Berge versetzen kann, ich aber keine Liebe habe, dann bin ich nichts“ (1. Korinther 13:2). Ein Mensch ohne Liebe ist trotz all seiner Leistungen „eine Null“ (Bruns). Das zeigt, was für einen Stellenwert die Liebe in Gottes Wort hat.

      7 Wie können wir diese Eigenschaft aber im Umgang miteinander unter Beweis stellen? Befassen wir uns dazu mit den Worten des Paulus in 1. Korinther 13:4-8. In dieser Passage geht es weder um Gottes Liebe zu uns noch um unsere Liebe zu Gott. Paulus konzentrierte sich hier darauf, wie wir einander lieben sollten. Er beschrieb, was Liebe ist und was sie nicht ist.

      Was Liebe ist

      8. Wieso erleichtert Geduld das menschliche Miteinander?

      8 „Die Liebe ist geduldig.“ Wer liebt, erträgt andere mit Geduld (Kolosser 3:13). Diese Geduld brauchen wir bestimmt alle. Als unvollkommene Menschen, die Schulter an Schulter tätig sind, müssen wir einfach damit rechnen, dass wir uns hin und wieder mit unseren Glaubensbrüdern reiben. Mit Geduld und Nachsicht können wir die kleineren Schrammen und Kratzer, die wir im menschlichen Miteinander abbekommen, hinnehmen, ohne dass der Frieden in der Versammlung gestört wird.

      9. Wie können wir anderen Güte erweisen?

      9 „Die Liebe ist … gütig.“ Güte zeigt sich in tatkräftiger Hilfe und wohlüberlegten Worten. Die Liebe hält nach Gelegenheiten Ausschau, Güte zu üben, vor allem gegenüber denen, die sie dringend brauchen. Es kann sein, dass ein älterer Glaubensbruder einsam ist und sich über einen aufmunternden Besuch freuen würde. Eine alleinerziehende Mutter oder eine Schwester, deren Mann ihren Glauben nicht teilt, braucht vielleicht ein wenig Beistand. Jemand, der krank ist oder gerade viel durchmacht, sehnt sich wahrscheinlich nach ein paar lieben Worten von einem treuen Freund (Sprüche 12:25; 17:17). Wenn wir in solchen Situationen von uns aus Güte zeigen, beweisen wir, dass unsere Liebe echt ist (2. Korinther 8:8).

      10. Wie hilft uns die Liebe, auch in schwierigen Situationen die Wahrheit zu sagen und für sie einzutreten?

      10 „Die Liebe … freut sich mit der Wahrheit.“ In der Neuen Genfer Übersetzung steht hier: „Wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.“ Die Liebe veranlasst uns, für die Wahrheit einzutreten und miteinander die Wahrheit zu reden (Sacharja 8:16). Wenn beispielsweise jemand, der uns nahesteht, eine schwere Sünde begangen hat, wird uns die Liebe zu Jehova und auch zu dem Betreffenden helfen, Gottes Maßstäben treu zu bleiben und die Sache nicht zu verheimlichen, zu rechtfertigen oder gar deswegen zu lügen. Der Wahrheit ins Auge zu sehen ist natürlich oft hart. Doch wenn einem das Wohl des anderen am Herzen liegt, möchte man, dass ihm die liebevolle Zurechtweisung Gottes zukommt und er darauf anspricht (Sprüche 3:11, 12). Als Christen, die sich in der Liebe üben, möchten „wir uns in allem ehrlich benehmen“ (Hebräer 13:18).

      11. Wie sollten wir aus Liebe mit den Unzulänglichkeiten unserer Glaubensbrüder umgehen?

      11 „Die Liebe … erträgt alles.“ Dieser Ausdruck bedeutet wörtlich „deckt alles zu“. In 1. Petrus 4:8 heißt es: „Liebe deckt eine Menge von Sünden zu.“ Ein Christ, der sich von Liebe leiten lässt, hat nicht das Bedürfnis, alle Unzulänglichkeiten seiner Glaubensbrüder bloßzulegen. Oft sind diese Schwächen und Fehler geringfügiger Natur und lassen sich mit dem Mantel der Liebe zudecken (Sprüche 10:12; 17:9).

      12. Wie ließ der Apostel Paulus erkennen, dass er von Philemon das Beste annahm, und was können wir aus diesem Beispiel lernen?

      12 „Die Liebe … glaubt alles.“ Die Wiedergabe von Moffatt lautet, dass die Liebe „immer darauf bedacht ist, das Beste anzunehmen“. Wir begegnen unseren Glaubensbrüdern also nicht mit unnötigem Misstrauen und stellen nicht ständig ihre Beweggründe infrage. Die Liebe hilft uns, von unseren Brüdern „das Beste anzunehmen“ und ihnen zu vertrauen.a Das kommt auch im Brief des Paulus an Philemon zum Ausdruck. Paulus legte Philemon ans Herz, den entlaufenen Sklaven Onesimus, der inzwischen ein Christ geworden war, freundlich wiederaufzunehmen. Doch er nötigte ihn nicht dazu, sondern appellierte an seine Liebe. Er vertraute darauf, dass Philemon richtig handeln würde, und sagte: „Ich bin zuversichtlich, dass du mir entgegenkommst, deshalb schreibe ich dir. Ich weiß, dass du sogar noch mehr tun wirst, als ich sage“ (Philemon 21). Wenn uns die Liebe motiviert, unseren Brüdern ein solches Vertrauen auszusprechen, holen wir das Beste aus ihnen heraus.

      13. Wie können wir zeigen, dass wir für unsere Brüder das Beste hoffen?

      13 „Die Liebe … hofft alles.“ Die Liebe ist nicht nur voller Vertrauen, sondern auch voller Hoffnung. Aus Liebe hoffen wir für unsere Brüder das Beste. Wenn ein Bruder beispielsweise „einen Fehltritt tut, ohne dass es ihm bewusst ist“, hoffen wir, dass er auf die liebevollen Bemühungen, ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen, positiv reagiert (Galater 6:1). Wir verlieren auch nicht die Hoffnung, dass sich jemand, der im Glauben schwach geworden ist, wieder fängt. Wir sind geduldig mit ihm und tun unser Möglichstes, damit sein Glaube wieder stark wird (Römer 15:1; 1. Thessalonicher 5:14). Sollte jemand, der uns viel bedeutet, den richtigen Weg verlassen, geben wir die Hoffnung nicht auf, dass er eines Tages zur Besinnung kommt und wie der verlorene Sohn aus Jesu Gleichnis zu Jehova zurückkehrt (Lukas 15:17, 18).

      14. Wie kann unsere Geduld in der Versammlung auf die Probe gestellt werden, und wie werden wir aus Liebe darauf reagieren?

      14 „Die Liebe … erduldet alles.“ Ausharren hilft uns, bei Enttäuschungen und Schwierigkeiten nicht den Mut zu verlieren. Belastungsproben kommen nicht nur von außen. Manchmal wird unsere Geduld auch innerhalb der Versammlung auf die Probe gestellt. Die Unvollkommenheit bringt es mit sich, dass unsere Brüder uns hin und wieder enttäuschen. Vielleicht fühlen wir uns durch eine gedankenlose Bemerkung verletzt (Sprüche 12:18). Oder in der Versammlung läuft etwas nicht nach unseren Vorstellungen. Womöglich stoßen wir uns an dem Verhalten eines angesehenen Bruders und denken: Wie kann sich ein Christ nur so benehmen? Werden wir uns deswegen von der Versammlung zurückziehen und aufhören, Jehova zu dienen? Nicht, wenn wir Liebe haben! Die Liebe bewahrt uns davor, dass uns die Schwächen eines Bruders für seine guten Seiten oder auch das Gute in der Versammlung blind machen. Ganz egal was irgendein unvollkommener Mensch sagt oder tut, die Liebe hilft uns, Gott treu zu bleiben und die Versammlung weiter zu unterstützen (Psalm 119:165).

      Was Liebe nicht ist

      15. Was ist Eifersucht, und wie kann uns die Liebe vor dieser zerstörerischen Neigung bewahren?

      15 „Die Liebe ist nicht eifersüchtig.“ Eifersucht kann dazu führen, dass man andere um ihren Besitz, ihre Segnungen von Jehova oder ihre Fähigkeiten beneidet. Eine solche Eifersucht ist egoistisch und zerstörerisch und kann, wenn man nichts dagegen unternimmt, den Frieden in der Versammlung stören. Was hilft uns, „neidischen Sehnsüchten“ zu widerstehen? (Jakobus 4:5). Mit einem Wort: Liebe. Diese wertvolle Eigenschaft kann bewirken, dass wir uns mit denen freuen, die scheinbar vom Leben mehr verwöhnt werden als wir (Römer 12:15). Wir fassen es dann auch nicht als persönliche Kränkung auf, wenn jemand für besondere Fähigkeiten oder Leistungen gelobt wird.

      16. Warum werden wir aus Liebe zu unseren Brüdern nicht mit unserem Einsatz im Dienst für Jehova prahlen?

      16 „Die Liebe … prahlt nicht, ist nicht aufgeblasen.“ Die Liebe hält uns davon zurück, unsere Fähigkeiten oder Leistungen zur Schau zu stellen. Wenn wir unsere Brüder wirklich lieben, werden wir nicht ständig über unseren Erfolg im Predigtdienst oder unsere verantwortungs­vollen Aufgaben in der Versammlung reden. Solche Prahlereien können andere niederreißen, weil sie ihnen das Gefühl geben, uns unterlegen zu sein. Die Liebe lässt nicht zu, dass wir damit angeben, wie Jehova uns in seinem Dienst gebraucht (1. Korinther 3:5-9). Ja, die Liebe „ist nicht aufgeblasen“ oder „ist nicht eingebildet“ (Neue Genfer Übersetzung). Die Liebe bewahrt uns davor, zu hoch von uns zu denken (Römer 12:3).

      17. Wieso fördert die Liebe Rücksichtnahme, und vor was für einem Verhalten werden wir uns deshalb hüten?

      17 „Die Liebe … benimmt sich nicht unanständig.“ Sich unanständig zu benehmen hieße, sich anstoßerregend oder respektlos zu verhalten. Das wäre lieblos, denn es würde davon zeugen, dass man die Gefühle und das Wohl anderer mit Füßen tritt. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die Liebe durch Rücksicht und Freundlichkeit aus. Sie fördert gutes Benehmen, gottgefälliges Verhalten und Achtung vor unseren Glaubensbrüdern. Die Liebe lässt also kein „schamloses Verhalten“ zu, also kein Verhalten, das unsere Mitchristen schockieren oder vor den Kopf stoßen würde (Epheser 5:3, 4).

      18. Warum verlangt ein liebevoller Mensch nicht, dass alles nach seinem Kopf geht?

      18 „Die Liebe … hat nicht ihre eigenen Interessen im Sinn.“ In der Revised Standard Version heißt es hier: „Die Liebe besteht nicht darauf, ihren Willen durchzusetzen.“ Ein liebevoller Mensch verlangt nicht, dass alles nach seinem Kopf geht, so als ob seine Meinung allein ausschlaggebend wäre. Er manipuliert andere nicht und benutzt seine Überzeugungs­kraft nicht dazu, jeden, der anderer Ansicht ist als er, mundtot zu machen. Ein solcher Eigensinn würde einen gewissen Hochmut verraten, und die Bibel sagt: „Hochmut kommt vor dem Fall“ (Sprüche 16:18). Wenn wir unsere Brüder wirklich lieben, werden wir ihre Ansichten respektieren und nach Möglichkeit die Bereitschaft signalisieren, nachzugeben. Auch Paulus forderte zu Nachgiebigkeit auf, als er sagte: „Jeder soll stets auf den Vorteil des anderen bedacht sein, nicht auf seinen eigenen“ (1. Korinther 10:24).

      19. Wozu veranlasst uns die Liebe, wenn uns jemand gekränkt hat?

      19 „Die Liebe … lässt sich nicht provozieren. Sie rechnet das Böse nicht an.“ Die Liebe lässt sich durch das, was andere sagen oder tun, nicht provozieren. Es ist zwar ganz natürlich, dass wir uns aufregen, wenn uns jemand kränkt. Aber selbst wenn unsere Verärgerung berechtigt ist, sorgt die Liebe dafür, dass unsere gereizte Stimmung nicht anhält (Epheser 4:26, 27). Über verletzende Worte oder Taten Buch zu führen, damit sie ja nicht in Vergessenheit geraten, wäre nicht im Sinne der Liebe. Sie motiviert uns vielmehr, unseren liebevollen Gott nachzuahmen. Wie wir in Kapitel 26 gesehen haben, vergibt Jehova, wo immer die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Vergeben heißt für ihn vergessen. Er wird uns unsere Sünden also nicht irgendwann in der Zukunft vorhalten. Wir können uns glücklich schätzen, dass Jehova das Böse nicht anrechnet.

      20. Wie sollten wir reagieren, wenn sich ein Glaubensbruder in Sünden verstrickt und bittere Erfahrungen macht?

      20 „Die Liebe … freut sich nicht über Ungerechtigkeit.“ In der Gute Nachricht Bibel heißt es an dieser Stelle: „Sie ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht“. Die Wiedergabe von Moffatt lautet: „Die Liebe freut sich nie, wenn andere vom rechten Weg abkommen.“ Da die Liebe an Ungerechtigkeit kein Gefallen findet, werden wir Unmoral niemals auf die leichte Schulter nehmen. Und wie reagieren wir, wenn sich ein Glaubensbruder in Sünden verstrickt und bittere Erfahrungen macht? Die Liebe wird uns davon abhalten, schadenfroh zu denken: „Gut so! Das geschieht ihm recht!“ (Sprüche 17:5). Vielmehr freuen wir uns, wenn sich ein Bruder, der auf Abwege geraten ist, wieder aufrafft und den richtigen Weg einschlägt.

      „Ein noch überragenderer Weg“

      21-23. (a) Was meinte Paulus mit den Worten „Die Liebe versagt nie“? (b) Womit befasst sich das letzte Kapitel?

      21 „Die Liebe versagt nie.“ Was meinte Paulus damit? Im Kontext geht es um die Gaben des Geistes bei den ersten Christen. An diesen Gaben war zu erkennen, dass die neu gegründete Versammlung die Gunst Gottes genoss. Aber nicht alle Christen konnten Krankheiten heilen, prophezeien oder in Zungen reden. Das war auch nicht das Entscheidende, denn die Wundergaben sollten ohnehin irgendwann aufhören. Etwas anderes jedoch, was jeder Christ hervorbringen könnte, würde bleiben. Es war etwas Herausragenderes, etwas Dauerhafteres als irgendeine Wundergabe. Paulus bezeichnete es als „einen noch überragenderen Weg“ (1. Korinther 12:31). Was war dieser „überragendere Weg“? Es war der Weg der Liebe.

      22 Die christliche Liebe, die Paulus hier beschrieb, „versagt nie“, das heißt, sie wird nie enden. Aufopfernde brüderliche Liebe ist bis zum heutigen Tag das Kennzeichen der wahren Nachfolger Jesu. Diese Liebe ist weltweit in den Versammlungen der Anbeter Jehovas zu beobachten. Sie wird für immer bestehen, denn Jehova hat seinen treuen Dienern ewiges Leben versprochen (Psalm 37:9-11, 29). Tun wir weiterhin unser Bestes, „den Weg der Liebe“ zu gehen. Dadurch erfahren wir, wie viel Glück im Geben liegt. Und noch mehr: Wir können für immer leben und bis in alle Ewigkeit die Liebe unseres Gottes Jehova nachahmen.

      Jehovas Volk ist an seiner Liebe zu erkennen

      23 In diesem Kapitel, mit dem der Abschnitt über die Liebe endet, ging es darum, wie wir einander lieben können. Wenn wir aber nun daran denken, in wie vieler Hinsicht uns die Liebe Jehovas zugutekommt – und noch dazu seine Macht, Gerechtigkeit und Weisheit –, wäre es gut, sich zu fragen: Wie kann ich Jehova zeigen, dass ich ihn wirklich liebe? Mit dieser Frage befasst sich das letzte Kapitel.

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