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„Er hat ein weises Herz“ und ist demütigKomm Jehova doch näher
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Jehova ist vernünftig
13. Was bedeutet das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, und wieso beschreibt es Jehova treffend?
13 Jehovas Demut zeigt sich noch in einer weiteren anziehenden Eigenschaft: Vernünftigkeit. Unter unvollkommenen Menschen ist sie leider ein seltenes Gut. Jehova ist nicht nur bereit, seinen vernunftbegabten Geschöpfen zuzuhören, sondern er ist auch gewillt nachzugeben, wenn das mit seinen gerechten Prinzipien zu vereinbaren ist. Das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, bedeutet wörtlich „nachgiebig“ oder „nachsichtig“. Auch diese Eigenschaft ist ein Merkmal der göttlichen Weisheit. In Jakobus 3:17 heißt es dazu: „Die Weisheit von oben aber ist … vernünftig.“ In welchem Sinne ist Jehova, der unendlich weise Gott, vernünftig? Da ist einmal seine Anpassungsfähigkeit. Schon sein Name lässt erkennen, dass er zu dem wird, was immer notwendig ist, um sein Vorhaben zu verwirklichen (2. Mose 3:14). Zeugt das nicht von einer anpassungsfähigen, vernünftigen Grundhaltung?
14, 15. Was erfahren wir durch Hesekiel über den himmlischen Teil der Organisation Jehovas, und worin besteht der Unterschied zu menschlichen Organisationen?
14 Es gibt eine bemerkenswerte Bibelpassage, die uns in etwa eine Vorstellung von der Anpassungsfähigkeit Jehovas vermittelt. Der Prophet Hesekiel erhielt eine Vision vom himmlischen Teil der Organisation Jehovas bestehend aus Geistgeschöpfen. Er sah einen Wagen von gewaltigen Ausmaßen, mit dem sich Jehova „fortbewegt“ und den er stets unter Kontrolle hat. Die Fortbewegung des Wagens war äußerst interessant. Jedes der gigantischen Räder zeigte in vier Richtungen und war voller Augen, sodass die Räder alles im Blick hatten und im Nu die Richtung wechseln konnten – ohne Stopp oder Wendemanöver. Auch schleppte sich dieser riesige Wagen nicht wie ein schwerfälliges, von Menschen konstruiertes Fahrzeug vorwärts. Er konnte sich blitzschnell fortbewegen und dabei sogar die Richtung um neunzig Grad ändern! (Hesekiel 1:1, 14-28). Ja, die Organisation Jehovas ist genau wie der allmächtige Souverän, der dahintersteht, außerordentlich anpassungsfähig; sie reagiert auf die ständig wechselnden Situationen und jeden aktuellen Bedarf.
15 Menschen können diese perfekte Anpassungsfähigkeit bestenfalls ansatzweise nachahmen. Nur allzu oft sind Menschen und ihre Organisationen eher starr als anpassungsfähig, eher unvernünftig als nachgiebig. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Supertanker oder einem Güterzug an. Beide sind von beeindruckender Größe und Kraft. Können sie sich aber auf plötzlich wechselnde Umstände einstellen? Wenn ein Güterzug auf ein Hindernis zurollt, kann er unmöglich ausweichen. Abrupt anzuhalten ist auch nicht viel leichter. Ein schwerer Güterzug kann einen Bremsweg von weit über einem Kilometer haben. Und ein Supertanker treibt nach dem Maschinenstopp noch gut acht Kilometer weiter. Selbst wenn man auf „Volle Kraft zurück!“ stellt, wird er sich noch bis zu drei Kilometer durch das Wasser schieben. Ähnlich verhält es sich mit den oft starren, unnachgiebigen menschlichen Organisationen. Häufig ist Stolz die Ursache dafür, dass man sich wechselnden Bedürfnissen und Umständen nicht anpasst. Eine solche Starrheit hat schon ganze Unternehmen in den Konkurs getrieben oder sogar Regierungen gestürzt (Sprüche 16:18). Wie froh können wir sein, dass Jehova und seine Organisation damit nichts gemeinsam haben!
Wie Jehova Vernünftigkeit beweist
16. Wie zeigte sich Jehova vor der Vernichtung Sodoms und Gomorras gegenüber Lot nachsichtig?
16 Gehen wir noch einmal zur Vernichtung Sodoms und Gomorras zurück. Lot und seine Familie erhielten von Jehovas Engel die ausdrückliche Anweisung: „Rette dich ins Bergland!“ Doch das sagte Lot nicht zu. „Bitte nicht dorthin, Jehova!“, flehte er. Lot glaubte, die Flucht in die Berge wäre sein sicherer Tod, und bat deshalb für sich und seine Familie um Erlaubnis, in die nahe gelegene Stadt Zoar zu fliehen. Nun beabsichtigte Jehova aber, auch diese Stadt zu vernichten. Außerdem waren Lots Ängste nicht wirklich begründet. Jehova hätte ihn auf jeden Fall in den Bergen am Leben erhalten können. Trotzdem gab er dem Drängen Lots nach. „Ich nehme auch darin Rücksicht auf dich und werde die Stadt, von der du sprichst, nicht zerstören“, sagte der Engel zu Lot (1. Mose 19:17-22). War das nicht nachsichtig von Jehova?
17, 18. Wieso lässt Jehovas Handlungsweise mit den Niniviten seine Vernünftigkeit erkennen?
17 Jehova reagiert auch auf ehrliche Reue und handelt dabei immer barmherzig und richtig. Sehen wir uns an, was geschah, als der Prophet Jona in die Stadt Ninive geschickt wurde, wo Bosheit und Gewalt um sich griffen. Als Jona durch die Straßen von Ninive zog, verkündete er eine göttliche Botschaft, die schlicht und einfach lautete: Diese mächtige Stadt wird in vierzig Tagen vernichtet. Doch es kam zu einer aufsehenerregenden Wende. Die Niniviten bereuten! (Jona, Kapitel 3).
18 Es ist aufschlussreich, zu vergleichen, wie Jehova und wie Jona auf diesen Umschwung reagierte. Jehova passte sich an und wurde zu einem Sündenvergeber statt zu einem „mächtigen Krieger“ (2. Mose 15:3).d Jona dagegen war geistig unbeweglich und weit weniger barmherzig. Statt Jehovas Vernünftigkeit nachzuahmen, reagierte er eher wie der erwähnte Güterzug oder der Supertanker. Der Untergang war angekündigt, also sollte er auch kommen! Geduldig erteilte Jehova seinem ungeduldigen Propheten eine einprägsame Lektion in Vernünftigkeit und Barmherzigkeit (Jona, Kapitel 4).
Jehova ist vernünftig und hat Verständnis für unsere Grenzen
19. (a) Weshalb können wir sicher sein, dass Jehova von uns nichts Unzumutbares erwartet? (b) Wieso kann man aus Sprüche 19:17 ableiten, dass Jehova ein „guter und vernünftiger“ Herr und zudem äußerst demütig ist?
19 Vernünftig ist Jehova auch in seinen Erwartungen an uns. König David sagte: „Er kennt unsere Beschaffenheit nur zu gut, er denkt daran, dass wir Staub sind“ (Psalm 103:14). Jehova kennt unsere Grenzen und Schwächen besser als wir selbst. Er erwartet niemals mehr von uns, als wir tun können. In der Bibel finden wir eine Gegenüberstellung von „guten und vernünftigen“ menschlichen Herren und solchen, die „schwer zufriedenzustellen sind“ (1. Petrus 2:18). Was für ein Herr ist Jehova? Bezeichnend ist die Aussage in Sprüche 19:17: „Wer zu den Schwachen gut ist, leiht Jehova.“ Ganz klar, nur ein guter und vernünftiger Herr würde von jeder Freundlichkeit, die man anderen erweist, Notiz nehmen. Und nicht nur das: Diese Textstelle lässt erkennen, dass sich der Schöpfer des Universums kleinen und unbedeutenden Menschen, die barmherzig handeln, sogar zu Dank verpflichtet fühlt. Das ist Demut im höchsten Grad.
20. Welche Zusicherung haben wir, dass Jehova unsere Gebete hört und erhört?
20 Mit seinen Dienern der heutigen Zeit geht Jehova genauso sanft und vernünftig um. Wenn wir glaubensvoll beten, hört er zu. Zwar schickt er keine Engelboten zu uns, die mit uns sprechen würden, aber daraus dürfen wir nicht schließen, unsere Gebete würden unbeantwortet bleiben. Als der Apostel Paulus im Gefängnis war, bat er seine Glaubensbrüder, für seine Freilassung zu beten. Der Grund? „Damit ich recht bald wieder bei euch sein kann“ (Hebräer 13:18, 19). Unsere Gebete können Jehova also tatsächlich zu etwas veranlassen, was er sonst nicht tun würde (Jakobus 5:16).
21. Was dürfen wir keinesfalls aus Jehovas Demut folgern, und was sollten wir vielmehr an ihm schätzen?
21 Das, was die Demut Jehovas kennzeichnet – seine Milde, seine Bereitschaft zuzuhören, seine Geduld und seine Vernünftigkeit –, bedeutet natürlich keinesfalls, dass Jehova von seinen gerechten Prinzipien abrücken würde. Geistliche der Christenheit halten es vielleicht für vernünftig, die Moralbegriffe Jehovas zu verwässern und ihren Schäfchen damit die Ohren zu kitzeln (2. Timotheus 4:3). Doch die menschliche Neigung, aus Eigennutz Zugeständnisse zu machen, hat mit göttlicher Vernünftigkeit nichts zu tun. Jehova ist heilig und wird seine gerechten Normen niemals verunreinigen (3. Mose 11:44). Muss Jehovas Vernünftigkeit nicht umso anziehender auf uns wirken, als sie ein Beweis seiner Demut ist? Begeistert es uns nicht, dass Jehova Gott, die weiseste Person im Universum, gleichzeitig zutiefst demütig ist? Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir uns diesem Ehrfurcht einflößenden und zugleich sanften, geduldigen und vernünftigen Gott nähern dürfen!
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„Er hat ein weises Herz“ und ist demütigKomm Jehova doch näher
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d In Psalm 86:5 lesen wir, dass Jehova gut ist und gern vergibt. Im Griechischen wurde der Ausdruck „vergibt gern“ mit epieikḗs oder „vernünftig“ wiedergegeben.
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