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  • „Er hat ein weises Herz“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 3

      „Er hat ein weises Herz“

      Echte Weisheit ist einer der wertvollsten Schätze, die man finden kann. Nur Jehova allein ist ihr Urheber. In diesem Abschnitt richten wir unseren Blick auf die grenzenlose Weisheit Jehovas, des Gottes, von dem der treue Hiob sagte: „Er hat ein weises Herz“ (Hiob 9:4).

  • Wie tief ist doch die Weisheit Gottes!
    Komm Jehova doch näher
    • Gänse im Flug.

      KAPITEL 17

      Wie tief ist doch die Weisheit Gottes!

      1, 2. Worin bestand Jehovas Vorsatz für den siebten Tag, und wie wurde Gottes Weisheit zu Beginn dieses Tages auf die Probe gestellt?

      AUS und vorbei! Der Mensch, die Krönung des sechsten Schöpfungstages, fiel aus höchster Höhe in die tiefsten Tiefen. Jehova hatte „alles, was er gemacht hatte“, für „sehr gut“ erklärt, auch den Menschen (1. Mose 1:31). Doch Adam und Eva schlossen sich zu Beginn des siebten Tages der Rebellion Satans an. Sie stürzten in den Abgrund der Sünde, der Unvollkommenheit und des Todes.

      2 Es hatte den Anschein, als sei Jehovas Vorsatz – das, was er am siebten Tag erreichen wollte – hoffnungslos gescheitert. Dieser Tag sollte Tausende von Jahren dauern, genau wie die sechs vorangegangenen. Jehova hatte ihn für heilig erklärt, und an seinem Ende sollte die ganze Erde als ein mit vollkommenen Menschen bevölkertes Paradies erstrahlen (1. Mose 1:28; 2:3). Aber wie wäre das nach der katastrophalen Rebellion je möglich? Was würde Gott unternehmen? Jehovas Weisheit wurde auf eine dramatische Probe gestellt – vielleicht die größte Probe aller Zeiten.

      3, 4. (a) Warum ist Jehovas Reaktion auf die Rebellion im Garten Eden ein beeindruckendes Beispiel für seine Weisheit? (b) Welche Tatsache sollten wir aus Demut im Sinn behalten, während wir uns mit Jehovas Weisheit befassen?

      3 Jehova reagierte augenblicklich. Er verkündete das Urteil über die Rebellen im Garten Eden und deutete gleichzeitig etwas Großartiges an – seinen Vorsatz, die soeben angerichtete Katastrophe wieder­gut­zu­machen (1. Mose 3:15). Der weitsichtige Vorsatz Jehovas erstreckt sich, ausgehend von Eden über die Jahrtausende der Menschheits­geschichte hinweg, bis in die ferne Zukunft. Er ist in seiner Einfachheit genial, geht dabei aber so sehr in die Tiefe, dass sich ein Bibelleser sein Leben lang damit beschäftigen könnte, ohne die Faszination zu verlieren. Darüber hinaus ist der Vorsatz Jehovas absolut erfolgssicher. Das Böse, die Sünde und der Tod werden ausgelöscht. Treue Menschen werden zur Vollkommenheit gebracht. Und all das wird noch vor dem Ende des siebten Tages geschehen, sodass Jehovas Vorhaben mit der Erde und der Menschheit auf jeden Fall rechtzeitig verwirklicht wird.

      4 Eine solche Weisheit ist überwältigend – keine Frage. Der Apostel Paulus fühlte sich zu der Aussage gedrängt: „Wie tief ist doch … die Weisheit … Gottes!“ (Römer 11:33). Während wir die unterschiedlichen Aspekte dieser göttlichen Eigenschaft untersuchen, gebietet es die Demut, eine wichtige Tatsache im Sinn zu behalten: Wir können Jehovas unermessliche Weisheit bestenfalls oberflächlich streifen (Hiob 26:14). Zunächst möchten wir diese beeindruckende Eigenschaft aber genauer definieren.

      Was ist göttliche Weisheit?

      5, 6. Wie sind Erkenntnis und Weisheit miteinander verwandt, und wie umfassend ist Jehovas Wissen?

      5 Weisheit ist nicht dasselbe wie Erkenntnis oder Wissen. Computer können enormes Wissen speichern, aber wohl kaum jemand käme auf die Idee, solche Maschinen als weise zu bezeichnen. Trotzdem sind Erkenntnis und Weisheit miteinander verwandt (Sprüche 10:14). Wer wegen einer schweren Krankheit einen weisen Rat braucht, wird sich sicher nicht an jemand wenden, der wenig oder gar keine medizinischen Kenntnisse besitzt. Genaue Erkenntnis ist eine unentbehrliche Voraussetzung für wahre Weisheit.

      6 Jehova besitzt einen grenzenlosen Wissensschatz. Er, der „König der Ewigkeit“, hat als Einziger schon immer gelebt (Offenbarung 15:3). Und in den unzähligen Zeitaltern ist ihm nichts entgangen. Die Bibel sagt: „Es gibt nichts in der Schöpfung, was vor seinen Augen verborgen ist, sondern alles ist nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen“ (Hebräer 4:13; Sprüche 15:3). Als Schöpfer kennt Jehova alles, was er gemacht hat, ganz genau, und er hat das Tun und Treiben des Menschen von Anfang an beobachtet. Er untersucht jedes Menschenherz und übersieht nichts (1. Chronika 28:9). Da er uns mit einem freien Willen geschaffen hat, freut er sich, wenn er sieht, dass wir von uns aus weise Entscheidungen treffen. Als „Hörer des Gebets“ hört er sich unzählige Gebete gleichzeitig an (Psalm 65:2). Und dass Jehova ein vollkommenes Gedächtnis hat, versteht sich von selbst.

      7, 8. Wie beweist Jehova Verständnis, Urteilsfähigkeit und Weisheit?

      7 Jehova besitzt aber mehr als nur Wissen. Er erkennt auch, in welcher Wechselbeziehung Dinge zueinander stehen, und sieht das Gesamtbild, das sich aus zahllosen Einzelheiten ergibt. Er schätzt ab und beurteilt, wobei er zwischen Gut und Böse, zwischen Wichtigem und Unbedeutendem unterscheidet. Auch sieht er durch die Oberfläche hindurch direkt ins Herz (1. Samuel 16:7). Jehova verfügt somit über Verständnis und Urteilsfähigkeit – Eigenschaften, die dem Wissen oder der Erkenntnis überlegen sind. Die Weisheit allerdings ist noch höher anzusiedeln.

      8 Sie vereinigt Erkenntnis, Urteilsfähigkeit und Verständnis in sich und setzt sie in die Praxis um. Einige der biblischen Ausdrücke, die mit „Weisheit“ übersetzt werden, bedeuten wörtlich „erfolgreiches Wirken“ oder „praktische Weisheit“. Jehovas Weisheit ist also nichts rein Theoretisches. Sie ist praktisch und funktioniert. Da Jehova aus seinem reichen Wissensschatz und seinem tiefen Verständnis schöpfen kann, trifft er stets die bestmöglichen Entscheidungen, die er dann auch auf die denkbar beste Art und Weise umsetzt. Das ist wahre Weisheit! An Jehova zeigt sich die Wahrhaftigkeit der Aussage Jesu: „Weisheit zeigt sich an ihren Taten“ (Matthäus 11:19). Jehovas Werke im ganzen Universum sind ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Weisheit.

      Zeugnisse göttlicher Weisheit

      9, 10. (a) Was für eine Weisheit offenbart Jehova, und wie? (b) Wieso verrät die Zelle Jehovas Weisheit?

      9 Hast du schon einmal staunend einem Tüftler zugesehen, der mit Geschick und Einfallsreichtum etwas Schönes konstruiert, das auch noch einwandfrei funktioniert? Dahinter verbirgt sich eine beeindruckende Art von Weisheit (2. Mose 31:1-3). Jehova besitzt eine solche Weisheit in ungeahntem Ausmaß und lässt sie unentwegt hervorströmen. König David sagte über ihn: „Ich preise dich, weil ich auf Ehrfurcht einflößende Weise wunderbar gemacht bin. Deine Werke sind wunderbar, das weiß ich nur zu gut“ (Psalm 139:14). Je mehr wir über den menschlichen Körper lernen, umso mehr werden wir über die Weisheit Jehovas staunen.

      10 Dafür ein Beispiel: Du hast einmal aus einer einzigen Zelle bestanden – aus einer Eizelle, die von einer Samenzelle befruchtet wurde. Diese Zelle fing an sich zu teilen. Du, das Endprodukt, bestehst aus rund 100 Billionen Zellen, die alle winzig klein sind. Ungefähr 10 000 mittelgroße Zellen hätten auf einem Stecknadelkopf Platz. Doch jede ist eine Schöpfung von umwerfender Komplexität. Die Zelle ist weit komplizierter als jede von Menschen hergestellte Maschine oder Fabrik. Wissenschaftler vergleichen sie mit einer ummauerten Stadt, die über bewachte Ein- und Ausgänge verfügt, über ein Verkehrs- und Nachrichtennetz, Kraftwerke, Produktionsstätten, Abfallbeseitigungs- und Recyclinganlagen, Abwehrmechanismen und sogar über eine Art zentrale Verwaltung im Zellkern. Darüber hinaus kann die Zelle innerhalb weniger Stunden eine komplette Kopie von sich selbst herstellen.

      11, 12. (a) Was bewirkt, dass sich die Zellen eines Embryos unterschiedlich ausbilden, und wieso passt das gut zu Psalm 139:16? (b) Wieso erkennen wir am menschlichen Gehirn, dass wir „wunderbar gemacht“ sind?

      11 Natürlich sind nicht alle Zellen gleich. Während des Teilungsprozesses übernehmen die Zellen eines Embryos ganz unterschiedliche Aufgaben. Einige werden zu Nervenzellen, andere zu Knochen-, Muskel-, Blut- oder Augenzellen. Diese Differenzierung ist in der DNA programmiert, der Zell-„Bibliothek“ mit ihren genetischen Bauplänen. Interessanter­weise sagte David unter Inspiration zu Jehova: „Deine Augen sahen mich sogar als Embryo. Alle seine Teile waren in deinem Buch verzeichnet“ (Psalm 139:16).

      12 Einige Organe sind ungeheuer komplex, so zum Beispiel das menschliche Gehirn. Man hat es als das komplizierteste Objekt bezeichnet, das jemals im Universum entdeckt wurde. Es besteht aus rund 100 Milliarden Neuronen – vielleicht so viele, wie es Sterne in unserer Galaxis gibt. Jede dieser Nervenzellen ist so verzweigt, dass Tausende von Verbindungen zu anderen Neuronen hergestellt werden. Wie es heißt, könnte ein menschliches Gehirn alle Informationen aller Bibliotheken der Welt fassen. Seine Speicherkapazität soll unmessbar sein. Obwohl Wissenschaftler seit Jahrzehnten dieses wunderbar gemachte Organ erforschen, müssen sie zugeben, dass sie seine Funktionsweise wahrscheinlich nie voll und ganz verstehen werden.

      13, 14. (a) Wie zeigen sich Ameisen und andere Geschöpfe „instinktiv weise“, und was erfahren wir dadurch über ihren Schöpfer? (b) Wieso kann man sagen, dass Konstruktionen wie das Spinnennetz „in Weisheit … gemacht“ sind?

      13 Der Mensch ist jedoch nur ein Beispiel für Jehovas schöpferische Weisheit. In Psalm 104:24 lesen wir: „Wie zahlreich sind deine Werke, o Jehova! In Weisheit hast du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von dem, was du geschaffen hast.“ Die Weisheit Jehovas zeigt sich in der ganzen Schöpfung um uns herum. Die Ameise etwa ist „instinktiv weise“ (Sprüche 30:24). Ameisenkolonien sind hervorragend organisiert. Manche halten sich Blattläuse wie Vieh, geben ihnen Unterschlupf und „melken“ sie. Andere betätigen sich als Gärtner und „züchten“ Pilze. Viele Tiere sind so programmiert, dass sie instinktiv Erstaunliches leisten. Die Hausfliege vollbringt akrobatische Leistungen, mit denen das modernste vom Menschen konstruierte Flugzeug nicht mithalten kann. Zugvögel orientieren sich an den Sternen, am Magnetfeld der Erde oder nach einer Art inneren Landkarte. Biologen bringen Jahre damit zu, die ausgeklügelten Verhaltensmuster, die diesen Geschöpfen einprogrammiert sind, zu erforschen. Wie weise muss der göttliche Programmierer sein!

      14 Die Wissenschaft profitiert sehr von der schöpferischen Weisheit Jehovas. Es gibt einen ganzen Technologiezweig, der Konstruktionen aus der Natur nachzuahmen versucht – die Bionik. Ein Spinnennetz ist in unseren Augen vielleicht bewundernswert schön. Ein Ingenieur dagegen sieht darin eine geniale Konstruktion. Die zarten Spinnenfäden sind im Verhältnis oft stärker als Stahl und reißfester als die Fasern einer kugelsicheren Weste. Aber wie stark genau? Stellen wir uns ein maßstabsgetreu vergrößertes Spinngewebe von den Ausmaßen eines Fischernetzes vor. Es könnte ein Passagierflugzeug mitten im Flug abfangen! Ja, Jehova hat alles „in Weisheit … gemacht“.

      Collage: Die Schöpfung zeugt von Jehovas Weisheit: (1) ein Spinnennetz, (2) Ameisen, die Blätter tragen, (3) Gänse im Flug.

      Wer hat die Lebewesen auf der Erde so programmiert, dass sie „instinktiv weise“ sind?

      Weisheit außerhalb der Erde

      15, 16. (a) Wieso lässt der Sternenhimmel Jehovas Weisheit erkennen? (b) Weshalb zeugt Jehovas Stellung als oberster Befehlshaber großer Engelscharen von seiner Weisheit als Organisator?

      15 Im ganzen Universum erkennen wir Jehovas Weisheit an seinen Werken. Die Sterne sind nicht willkürlich im Weltraum angeordnet, wie schon in Kapitel 5 etwas ausführlicher besprochen wurde. Dank der weisen „Gesetze des Himmels“ besteht das Universum aus wunderschön angeordneten, strukturierten Galaxien, die sich zu Galaxienhaufen gruppieren, die dann wieder Superhaufen bilden (Hiob 38:33). Kein Wunder, dass Jehova die Himmelskörper als „Heer“ bezeichnet! (Jesaja 40:26). Es gibt allerdings ein Heer, das die Weisheit Jehovas noch anschaulicher demonstriert.

      16 Wie wir in Kapitel 4 gesehen haben, trägt Gott den Titel „Herr der Heere“, denn er ist oberster Befehlshaber eines immensen Heeres von Hunderten Millionen Geistgeschöpfen. Das ist ein Beweis für die Macht Jehovas. Aber wie kommt hier die Weisheit ins Spiel? Zunächst muss man vorausschicken, dass Jehova und Jesus nie untätig sind (Johannes 5:17). Logischerweise sind dann auch die Engel, die im Dienst des Höchsten stehen, unentwegt im Einsatz. Und zudem sind sie dem Menschen übergeordnet, sind superintelligent und supermächtig (Hebräer 1:7; 2:7). All die Engel beschäftigt Jehova seit Milliarden von Jahren mit befriedigenden Aufgaben, indem er sie seine Befehle ausführen und seinen Willen erfüllen lässt (Psalm 103:20, 21). Wie überwältigend muss die Weisheit dieses Organisators sein!

      Jehova, der „allein Weise“

      17, 18. Warum spricht die Bibel von Jehova als dem „allein Weisen“, und weshalb sollte uns seine Weisheit ehrfürchtig stimmen?

      17 Ist es da verwunderlich, wenn die Bibel von Jehovas Weisheit in Superlativen spricht? Sie nennt Jehova den „allein Weisen“ (Römer 16:27). Nur Jehova besitzt Weisheit im absoluten Sinn. Er ist die Quelle aller wahren Weisheit (Sprüche 2:6). Deshalb vertraute selbst Jesus, das weiseste Geschöpf Jehovas, nicht auf seine eigene Weisheit, sondern redete nach den Anweisungen seines Vaters (Johannes 12:48-50).

      18 Die Einzigartigkeit der Weisheit Jehovas schildert der Apostel Paulus so: „Wie tief ist doch der Reichtum und die Weisheit und die Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Entscheidungen und wie unergründlich seine Wege!“ (Römer 11:33). Mit dem einleitenden Ausruf „Wie tief ist doch“ drückt Paulus starke Emotionen aus – in diesem Fall tiefe Ehrfurcht. Das griechische Wort, das er für „tief“ wählte, ist eng verwandt mit dem Wort für „Abgrund“. Diese Wörter rufen lebhafte Vorstellungen wach. Über Jehovas Weisheit nachzudenken ist wie ein Blick in eine unendlich tiefe und weite Schlucht – eine Landschaft, die wir in ihren gewaltigen Ausmaßen niemals erfassen und schon gar nicht vermessen oder kartografieren könnten (Psalm 92:5). Kommt man sich da nicht sehr klein und unbedeutend vor?

      19, 20. (a) Warum ist der Adler ein passendes Symbol für Gottes Weisheit? (b) Wie hat Jehova seine Fähigkeit demonstriert, in die Zukunft zu blicken?

      19 Jehova ist noch in einem anderen Sinn der „allein Weise“: Nur er kann in die Zukunft schauen. Wie bereits erwähnt, gebraucht er den scharfsichtigen Adler als Symbol für seine Weisheit. Ein Steinadler wiegt vielleicht gerade mal fünf Kilo, aber seine Augen sind größer als die eines erwachsenen Menschen. Adleraugen sind so scharf, dass sie winzige Beutetiere aus Hunderten von Metern Höhe erspähen können, wenn nicht gar aus mehreren Kilometern Entfernung. Jehova sagte einmal über den Adler: „Seine Augen blicken weit in die Ferne“ (Hiob 39:29). Und was Jehova selbst betrifft, er schaut „weit in die Ferne“ der Zeit – in die Zukunft.

      20 Die Bibel kann mit zahlreichen Belegen dafür aufwarten. In Hunderten von Prophezeiungen erzählt sie im Voraus geschriebene Geschichte. Der Ausgang von Kriegen, Aufstieg und Niedergang von Weltmächten und sogar die Kampfstrategien bestimmter Befehlshaber – all das wurde in der Bibel zum Teil Hunderte von Jahren zuvor prophezeit (Jesaja 44:25 bis 45:4; Daniel 8:2-8, 20-22).

      21, 22. (a) Wieso wäre es absurd, zu glauben, Jehova würde alle unsere Entscheidungen voraussehen? Veranschauliche es. (b) Woher wissen wir, dass Jehovas Weisheit nicht kalt oder gefühllos ist?

      21 Sieht Gott demnach auch die Entscheidungen voraus, die wir in unserem Leben treffen? Ein Verfechter der Vorherbestimmungs­lehre würde darauf mit einem nachdrücklichen Ja antworten. Doch diese Vorstellung würde der Weisheit Jehovas Abbruch tun, denn das hieße, er könnte seine Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, nicht kontrolliert einsetzen. Zur Verdeutlichung: Stell dir vor, du hättest eine atemberaubende Stimme. Bliebe dir dann nichts anderes übrig, als ununterbrochen zu singen? Dieser Gedanke ist grotesk! So hat auch Jehova zwar die Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, aber er macht davon nicht ständig Gebrauch. Andernfalls könnte er unsere Willensfreiheit verletzen – ein wertvolles Geschenk, das uns Jehova nie wegnehmen wird (5. Mose 30:19, 20).

      22 Die Idee einer Vorherbestimmung würde außerdem den Gedanken nahelegen, Jehovas Weisheit sei kalt – ohne Herz, Gefühl oder Mitleid. Nichts könnte absurder sein! Aus der Bibel erfahren wir über Jehova: „Er hat ein weises Herz“ (Hiob 9:4). Nicht dass er ein buchstäbliches Herz hätte. In der Bibel steht dieser Begriff oft für das innerste Ich, den Sitz der Beweggründe und Gefühle, wie Liebe. Folglich wird Jehovas Weisheit von Liebe bestimmt, was übrigens auch auf seine anderen Eigenschaften zutrifft (1. Johannes 4:8).

      23. Wozu sollte uns die überlegene Weisheit Jehovas veranlassen?

      23 Natürlich ist Jehovas Weisheit absolut vertrauenswürdig. Sie ist unserer eigenen Weisheit dermaßen überlegen, dass wir in Gottes Wort liebevoll aufgefordert werden: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen und verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Beachte ihn auf allen deinen Wegen und er wird deine Pfade ebnen“ (Sprüche 3:5, 6). Befassen wir uns nun noch eingehender mit der Weisheit Jehovas, damit wir unserem unendlich weisen Gott näherkommen können.

      Fragen zum Nachdenken

      • Hiob 28:11-28 Wie wertvoll ist die göttliche Weisheit, und welche positiven Auswirkungen hat es, darüber nachzudenken?

      • Psalm 104:1-25 Wie zeigt sich Jehovas Weisheit in der Schöpfung, und wie berührt dich das?

      • Sprüche 3:19-26 Wie wirkt es sich auf unser tägliches Leben aus, wenn wir über Jehovas Weisheit nachdenken und uns von ihr leiten lassen?

      • Daniel 2:19-28 Warum wird Jehova als „Offenbarer von Geheimnissen“ bezeichnet, und wie sollten wir auf die Weisheit der biblischen Prophezeiungen reagieren?

  • Die Weisheit im „Wort Gottes“
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Bibelschreiber schreibt in eine Schriftrolle.

      KAPITEL 18

      Die Weisheit im „Wort Gottes“

      1, 2. Was für einen „Brief“ hat uns Jehova geschrieben, und warum?

      ERINNERST du dich an den letzten Brief eines lieben Menschen, der weit von dir entfernt wohnt? Nur weniges freut uns so sehr wie die tief empfundenen Zeilen von jemandem, der uns viel bedeutet. Wir sind gespannt zu erfahren, wie es ihm geht, was er so erlebt und welche Pläne er hat. Diese Kommunikation verbindet, auch wenn man räumlich stark voneinander getrennt ist.

      2 Was könnte uns größere Freude bringen, als von dem Gott, den wir lieben, eine schriftliche Nachricht zu erhalten? Jehova hat uns gewissermaßen einen „Brief“ geschrieben – sein Wort, die Bibel. Darin teilt er uns mit, wer er ist, was er getan hat, was er zu tun beabsichtigt und noch vieles mehr. Er hat uns die Bibel gegeben, weil er unsere Nähe wünscht. Unser unendlich weiser Gott hat die bestmögliche Form der Kommunikation mit uns gewählt. Die Art und Weise, wie die Bibel geschrieben ist, und ihr Inhalt zeugen von unvergleichlicher Weisheit.

      Warum schriftlich?

      3. Wie gab Jehova das Gesetz an Moses weiter?

      3 Manche fragen sich: „Warum hat Jehova keine dramatischere Methode benutzt – sagen wir mal eine Stimme vom Himmel –, um mit den Menschen zu kommunizieren?“ Tatsächlich hat Jehova hin und wieder durch Engel vom Himmel her gesprochen, etwa als er den Israeliten das Gesetz gab (Galater 3:19). Die Stimme aus dem Himmel war jedoch derart furchteinflößend, dass die Israeliten erschrocken darum baten, Jehova möge nicht so mit ihnen reden, sondern durch Moses (2. Mose 20:18-20). Das Gesetz mit seinen rund 600 Bestimmungen wurde Moses deshalb Wort für Wort mündlich übermittelt.

      4. Erkläre, weshalb die mündliche Übermittlung keine zuverlässige Methode gewesen wäre, Gottes Gesetze weiterzugeben.

      4 Was aber, wenn dieses Gesetz nie schriftlich niedergelegt worden wäre? Hätte sich Moses den genauen Wortlaut dieser detaillierten Gesetzessammlung merken und ihn dem Volk fehlerfrei übermitteln können? Und spätere Generationen? Sollten sie einzig und allein auf das gesprochene Wort angewiesen sein? Das wäre sicher nicht die zuverlässigste Methode gewesen, Gottes Gesetze weiterzugeben. Stellen wir uns vor, was dabei herauskäme, wenn eine Geschichte in einer langen Menschenkette von einem zum anderen weitererzählt würde. Die ursprüngliche Version wäre am Ende wahrscheinlich kaum noch wiederzuerkennen. Beim Gesetz Gottes war das nicht zu befürchten.

      5, 6. Was sollte Moses mit den Worten Jehovas tun, und warum ist es ein Segen, dass uns Gottes Wort schriftlich vorliegt?

      5 In weiser Voraussicht ließ Jehova seine Worte aufschreiben. Er beauftragte Moses: „Schreibe diese Worte auf, denn auf ihrer Grundlage schließe ich mit dir und Israel einen Bund“ (2. Mose 34:27). Damit setzte 1513 v. u. Z. die Niederschrift der Bibel ein. Im Verlauf der folgenden 1610 Jahre redete Jehova „bei vielen Gelegenheiten und auf vielfältige Weise“ zu ungefähr 40 Menschen, die die Bibel niederschrieben (Hebräer 1:1). Und die ganze Zeit über waren Abschreiber in hingebungsvoller Arbeit peinlich darauf bedacht, dass die Schriften exakt bewahrt blieben (Esra 7:6; Psalm 45:1).

      6 Es ist für uns ein großer Segen, dass sich Jehova schriftlich mitgeteilt hat. Hast du schon einmal einen Brief erhalten, der dir so viel bedeutete – vielleicht weil du gerade dringend Trost gebrauchen konntest –, dass du ihn aufgehoben und immer wieder gelesen hast? So einen „Brief“ hat uns Jehova zukommen lassen. Da er seine Worte schriftlich festhielt, können wir sie immer wieder lesen und über ihren Aussagewert nachdenken (Psalm 1:2). Wir können auf „den Trost aus den Schriften“ zurückgreifen, wann immer wir ihn brauchen (Römer 15:4).

      Warum Menschen als Schreiber?

      7. Wieso zeigt sich Jehovas Weisheit darin, dass er Menschen als Schreiber zu Hilfe nahm?

      7 In seiner Weisheit ließ Jehova die Bibel von Menschen niederschreiben. Ob Gottes Wort wohl die gleiche Anziehungskraft hätte, wenn er es von Engeln hätte aufzeichnen lassen? Sicher könnten die Engel Jehova aus ihrem erhabenen Blickwinkel schildern, ihrer Ergebenheit ihm gegenüber Ausdruck verleihen und über treue menschliche Diener Gottes berichten. Aber wären wir überhaupt in der Lage, die Dinge aus der Perspektive vollkommener Geistgeschöpfe zu sehen, die uns an Wissen, Erfahrung und Stärke weit überlegen sind? (Hebräer 2:6, 7).

      8. Wie konnten die Bibelschreiber ihre eigenen mentalen Fähigkeiten nutzen? (Siehe auch Fußnote.)

      8 Dadurch, dass Jehova Menschen zu Hilfe nahm, gab er uns genau das an die Hand, was wir brauchen – Aufzeichnungen, die „von Gott eingegeben“ sind und zugleich das menschliche Element enthalten (2. Timotheus 3:16). Wie hat er das erreicht? In vielen Fällen konnten die Schreiber offenbar ihre eigenen mentalen Fähigkeiten nutzen, um „ansprechende Worte zu finden und die exakten Worte der Wahrheit aufzuzeichnen“ (Prediger 12:10, 11). Das erklärt den abwechslungs­reichen Stil der Bibel; die Schriften spiegeln Erfahrungshintergrund und Persönlichkeit der einzelnen Schreiber wider.a Und doch redeten diese Menschen „auf Veranlassung Gottes, wie sie vom heiligen Geist geleitet wurden“ (2. Petrus 1:21). Somit ist das Endprodukt wirklich „das Wort Gottes“ (1. Thessalonicher 2:13).

      „Die ganze heilige Schrift ist von Gott eingegeben“

      9, 10. Wieso wirkt die Bibel dadurch, dass sie von Menschen geschrieben wurde, zusätzlich warm und ansprechend?

      9 Gerade weil die Bibel von Menschen nieder­geschrieben wurde, wirkt sie ausgesprochen warm und ansprechend. Die Schreiber waren Menschen mit Gefühlen, wie wir sie haben. Ihre Unvollkommenheit bescherte ihnen ähnliche Prüfungen und Belastungen wie uns. Manchmal wurden sie von Jehovas Geist dazu inspiriert, ihre eigenen Gefühle und Kämpfe zu schildern (2. Korinther 12:7-10). Daher schrieben sie zuweilen in der Ichform Worte, die ein Engel niemals hätte äußern können.

      10 So komponierte König David von Israel, nachdem er schwer gesündigt hatte, einen Psalm, in dem er sein Herz ausschüttete und Gott um Vergebung bat. Er schrieb: „Reinige mich von meiner Sünde. Denn meine Übertretungen sind mir deutlich bewusst und meine Sünde geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Schuldig wurde ich geboren und in Sünde empfing mich meine Mutter. Vertreib mich nicht aus deiner Gegenwart und entzieh mir nicht deinen heiligen Geist. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist. Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen“ (Psalm 51:2, 3, 5, 11, 17). Spürt man nicht geradezu die Verzweiflung des Schreibers? Wer außer einem unvollkommenen Menschen könnte solche tief empfundenen Gefühle äußern?

      Warum ein Buch über Menschen?

      11. Was für Tatsachenberichte sind „zu unserer Anleitung“ in der Bibel festgehalten?

      11 Noch etwas macht die Bibel zusätzlich ansprechend. Sie handelt zum großen Teil von Menschen – realen Menschen –, die Gott dienten oder ihm nicht dienten. Wir lesen von ihren Erlebnissen, von ihren schönen und von ihren leidvollen Erfahrungen. Wir sehen, wie sich ihre Entscheidungen auswirkten. Solche Berichte wurden „zu unserer Anleitung“ festgehalten (Römer 15:4). Durch diese Geschichten, die das Leben schrieb, lehrt uns Jehova auf eine Weise, die unser Herz anspricht. Das soll im Folgenden verdeutlicht werden.

      12. Wieso sind uns biblische Berichte, die von untreuen Menschen handeln, eine Hilfe?

      12 Die Bibel erzählt von untreuen, ja schlechten Menschen und wie es ihnen ergangen ist. Dabei treten unerwünschte Eigenschaften hervor und werden für uns begreifbarer. Wie könnte man eindringlicher vor Treulosigkeit warnen als am Beispiel des Judas, der Jesus hinterhältig verriet? (Matthäus 26:14-16, 46-50; 27:3-10). Solche Schilderungen dringen gezielter an unser Herz, weil sie uns gemeine Charakterzüge auf abschreckende Weise vor Augen führen.

      13. Wie führt uns die Bibel wünschenswerte Eigenschaften vor Augen?

      13 In der Bibel werden auch viele treue Diener Gottes beschrieben. Wir lesen von ihrer Ergebenheit und Loyalität. Vor unseren Augen werden Eigenschaften lebendig, an denen wir arbeiten müssen, um Gott näherzukommen. Greifen wir einmal den Glauben heraus. Die Bibel definiert Glauben und zeigt uns, wie wichtig er ist, um Gott zu gefallen (Hebräer 11:1, 6). Aber nicht nur das: Sie liefert uns auch anschauliche Beispiele für einen aktiven Glauben. Denken wir nur an den Glauben, den Abraham bewies, als er im Begriff war, Isaak zu opfern (1. Mose, Kapitel 22; Hebräer 11:17-19). Durch solche Berichte gewinnt das Wort „Glaube“ an Bedeutung und wird zu etwas Konkretem. Wie weise von Jehova, dass er uns wünschenswerte Eigenschaften nicht nur dringend ans Herz legt, sondern sie auch mit Leben erfüllt.

      14, 15. Was sagt die Bibel über eine bestimmte Frau, die zum Tempel kam, und was erfahren wir dadurch über Jehova?

      14 Die Tatsachenberichte der Bibel verraten uns viel über die Persönlichkeit Jehovas. Da ist zum Beispiel die Frau, die im Tempel von Jesus beobachtet wurde. Er saß in der Nähe der Schatzkästen und sah zu, wie die Leute etwas einwarfen. Viele Reiche kamen und gaben „aus ihrem Überfluss heraus“. Doch Jesus heftete seinen Blick auf eine einfache, bescheidene Witwe. Alles, was sie gab, waren „zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert“.b Das war ihr letztes bisschen Geld. Jesus, der den Standpunkt Jehovas vollkommen widerspiegelte, sagte, dass „diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle anderen, die Geld in die Schatzkästen geworfen haben“. Demnach gab sie mehr als alle anderen zusammen (Markus 12:41-44; Lukas 21:1-4; Johannes 8:28).

      15 Ist es nicht interessant, dass von all den Leuten, die an jenem Tag zum Tempel kamen, gerade diese Witwe in der Bibel erwähnt wird? Jehova gibt uns dadurch zu verstehen, dass er ein dankbarer Gott ist. Er nimmt unsere von Herzen kommenden Gaben gern an, ganz egal wie sie im Vergleich zu dem abschneiden, was andere geben können. Jehova hätte schwerlich eine bessere Methode finden können, uns diese herzerfrischende Wahrheit näherzubringen.

      Was die Bibel nicht enthält

      16, 17. Wieso zeigt sich Jehovas Weisheit sogar durch das, was er in der Bibel unerwähnt ließ?

      16 Wenn man einen Brief an einen lieben Menschen schreibt, kann man darin nicht unendlich viel erzählen. Also trifft man eine bewusste Auswahl. Auch Jehova traf eine Auswahl, welche Personen und Ereignisse in der Bibel vorkommen sollten. Gottes Wort geht in diesen Schilderungen nicht immer auf alle Einzelheiten ein (Johannes 21:25). Wenn beispielsweise von Urteilen Gottes die Rede ist, kann es sein, dass die gelieferten Informationen nicht alle unsere Fragen beantworten. Doch Jehovas Weisheit zeigt sich sogar durch das, was er in der Bibel unerwähnt ließ. Weshalb?

      17 Die Bibel ist so geschrieben, dass unser Herz geprüft wird. In Hebräer 4:12 heißt es: „Das Wort [oder die Botschaft] Gottes ist lebendig und übt Macht aus. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt sogar so weit durch, dass es Seele und Geist trennt … Es kann Gedanken und Absichten des Herzens beurteilen.“ Die Botschaft der Bibel dringt tief ein und deckt unsere wahren Gedanken und Beweggründe auf. Wer sie mit kritischem Herzen liest, wird sich immer wieder an Berichten stoßen, die seiner Meinung nach keine ausreichenden Informationen enthalten. Er wird vielleicht sogar daran zweifeln, dass Jehova liebevoll, weise und gerecht ist.

      18, 19. (a) Warum sollte es uns nicht beunruhigen, wenn eine Bibelpassage Fragen aufkommen lässt, auf die wir nicht sofort eine Antwort finden? (b) Was ist erforderlich, um Gottes Wort zu verstehen, und wieso zeugt das von Jehovas großer Weisheit?

      18 Wenn wir Gottes Wort dagegen mit aufrichtigem Herzen intensiv studieren, sehen wir Jehova immer deutlicher in dem Gesamtbild, das die Bibel von ihm zeichnet. Wir sind dann nicht beunruhigt, wenn eine bestimmte Passage Fragen aufkommen lässt, auf die wir nicht sofort eine Antwort finden. Hier bietet sich der Vergleich mit einem großen Puzzle an. Manchmal findet man eins der Puzzleteile nicht gleich oder man erkennt nicht, wo man ein bestimmtes Teil einsetzen soll. Sobald aber genügend Teile zusammengesetzt sind, hat man eine Vorstellung davon, wie das komplette Bild hinterher aussehen muss. Ähnlich ist es beim Bibelstudium. Wir erfahren ganz allmählich, was für ein Gott Jehova ist, und vor unseren Augen entsteht ein konkretes Bild. Falls wir nun einen bestimmten Bericht nicht auf Anhieb verstehen oder nicht mit Gottes Persönlichkeit vereinbaren können, wissen wir doch durch unser Studium der Bibel mehr als genug über Jehova, um ihn als stets liebevollen, fairen und gerechten Gott zu sehen.

      19 Damit wir Gottes Wort verstehen, müssen wir es also aufrichtig und unvoreingenommen lesen und studieren. Zeugt das nicht von Jehovas großer Weisheit? Kluge Menschen können Bücher schreiben, die ausschließlich für die „Weisen und Intellektuellen“ verständlich sind. Doch ein Buch zu verfassen, das nur Menschen mit den richtigen Beweggründen verstehen können – dazu gehört die Weisheit Gottes! (Matthäus 11:25).

      Ein Buch, das sich durch „praktische Weisheit“ auszeichnet

      20. Weshalb kann uns nur Jehova den besten Lebensweg zeigen, und wieso ist uns die Bibel hierbei eine Hilfe?

      20 Jehova zeigt uns in seinem Wort den besten Lebensweg. Als unser Schöpfer kennt er unsere Bedürfnisse besser als wir selbst. Und die menschlichen Grundbedürfnisse wie Liebe, Glück und gute zwischen­menschliche Beziehungen haben sich nicht geändert. Die Bibel enthält reichlich „praktische Weisheit“, die uns zu einem sinnvollen Leben verhilft (Sprüche 2:7). Jeder Abschnitt des vorliegenden Lehrbuchs enthält ein ganzes Kapitel darüber, wie wir die weisen biblischen Ratschläge umsetzen können. Deshalb wollen wir hier nur ein Beispiel herausgreifen.

      21-23. Welcher weise Rat kann uns davor bewahren, nachtragend zu sein?

      21 Oft beobachtet man, dass Menschen, die nachtragend oder übelnehmerisch sind, sich selbst schaden. Ärger, den man mit sich herumschleppt, ist eine erdrückende Last. Wenn wir ihn nähren, vereinnahmt er unsere Gedanken, raubt uns den Frieden und erstickt unsere Freude. Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass angestaute Wut das Risiko von Herzkrankheiten und vielen anderen chronischen Leiden erhöht. Lange bevor solche Studien aufkamen, gab die Bibel schon den klugen Rat: „Lass die Wut gehen und gib den Zorn auf“ (Psalm 37:8). Wie lässt sich das aber umsetzen?

      22 In Gottes Wort finden wir den weisen Ausspruch: „Ein Mensch mit Einsicht wird nicht schnell zornig, und es ist etwas Schönes für ihn, einen Fehler zu übergehen“ (Sprüche 19:11). Einsicht ist die Fähigkeit, unter die Oberfläche zu blicken, über das Offensichtliche hinauszusehen. Einsicht fördert das Verständnis, denn sie lässt uns erkennen, warum jemand etwas Bestimmtes gesagt oder getan hat. Wenn wir versuchen, die wahren Beweggründe, Empfindungen und Umstände unseres Gegenübers zu begreifen, können wir negative Gedanken und Gefühle leichter überwinden.

      23 Die Bibel gibt noch eine weitere gute Empfehlung: „Ertragt einander weiterhin und vergebt einander großzügig“ (Kolosser 3:13). Die Worte „Ertragt einander weiterhin“ legen uns nahe, mit anderen geduldig zu sein und lästige Eigenarten hinzunehmen. Eine solche Nachsicht schützt uns davor, wegen Belanglosigkeiten verärgert zu sein. „Vergeben“ vermittelt den Gedanken, nicht nachtragend zu sein. Unserem weisen Gott ist bewusst, wie wichtig angebrachte Vergebung ist. Sie kommt nicht nur dem anderen zugute, sondern auch unserem eigenen Herzensfrieden (Lukas 17:3, 4). Wie viel Weisheit doch im Wort Gottes steckt!

      24. Wie wirkt es sich aus, wenn wir unser Leben nach der Weisheit Gottes ausrichten?

      24 Getrieben von seiner grenzenlosen Liebe hatte Jehova den Wunsch, mit uns zu kommunizieren. Dafür wählte er das denkbar beste Mittel – die schriftliche Kommunikation durch einen „Brief“, den Menschen unter der Leitung des heiligen Geistes aufzeichneten. Aus den Briefzeilen spricht folglich die Weisheit Jehovas. Diese Weisheit ist „sehr zuverlässig“ (Psalm 93:5). Wenn wir unser Leben nach ihr ausrichten und sie an andere weitergeben, werden wir unserem unendlich weisen Gott automatisch näherkommen. Jehovas weitblickende Weisheit zeigt sich auch eindrucksvoll in seiner Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen und seinen Vorsatz zu verwirklichen. Davon handelt das nächste Kapitel.

      a David zieht als Schäfer Beispiele aus dem Hirtenleben heran (Psalm 23). Bei dem früheren Steuereinnehmer Matthäus finden sich zahlreiche Bezugnahmen auf Zahlen und Geldbeträge (Matthäus 17:27; 26:15; 27:3). Lukas, ein Arzt, verwendet Ausdrücke, die seine medizinischen Kenntnisse widerspiegeln (Lukas 4:38; 14:2; 16:20).

      b Bei diesen Münzen handelte es sich jeweils um ein Lepton, die kleinste jüdische Münze, die damals in Umlauf war. Zwei Lepta entsprachen 1⁄64 eines Tagelohns. Diese beiden Münzen hätten nicht einmal für einen einzigen Spatz gereicht – der billigste zum Verzehr geeignete Vogel.

      Fragen zum Nachdenken

      • Sprüche 2:1-6 Welche Anstrengungen gehören dazu, die Weisheit aus Gottes Wort zu erlangen?

      • Sprüche 2:10-22 Wie profitieren wir davon, wenn wir unser Leben an den weisen Ratschlägen der Bibel orientieren?

      • Römer 7:15-25 Wie wird an dieser Passage deutlich, dass es weise war, die Bibel von Menschen aufzeichnen zu lassen?

      • 1. Korinther 10:6-12 Was lernen wir aus dem warnenden Beispiel Israels?

  • „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“
    Komm Jehova doch näher
    • Abraham blickt zu den zahllosen Sternen am Himmel.

      KAPITEL 19

      „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“

      1, 2. Welches „heilige Geheimnis“ sollte uns interessieren, und weshalb?

      GEHEIMNISSE! Sie haben etwas so Spannendes, Faszinierendes und Rätselhaftes an sich, dass Menschen sie oft nur schwer für sich behalten können. Doch in der Bibel heißt es: „Es ehrt Gott, eine Sache geheim zu halten“ (Sprüche 25:2). Als souveräner Herrscher und Schöpfer ist Jehova berechtigt, Verschiedenes bis zur gegebenen Zeit vor der Menschheit geheim zu halten.

      2 Es gibt aber ein faszinierendes, spannendes Geheimnis, das Jehova sehr wohl in seinem Wort enthüllt. Gemeint ist das „heilige Geheimnis seines Willens“ (Epheser 1:9). Darüber Näheres zu erfahren stillt nicht nur unsere Neugier. Es kann für uns auch Rettung bedeuten und lässt uns Jehovas unergründliche Weisheit erahnen.

      Nach und nach enthüllt

      3, 4. Wieso weckte die Prophezeiung aus 1. Mose 3:15 Hoffnung, und welches Rätsel oder „heilige Geheimnis“ enthielten diese Worte?

      3 Die Sünde Adams und Evas schien den Vorsatz Jehovas, ein irdisches Paradies mit vollkommenen Menschen zu bevölkern, durchkreuzt zu haben. Doch Gott ging das Problem sofort an. Er sagte: „Ich lasse Feindschaft herrschen zwischen dir [der Schlange] und der Frau und zwischen deinen Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er wird dir den Kopf zermalmen und du wirst ihn an der Ferse verwunden“ (1. Mose 3:15).

      4 Das waren in Dunkel gehüllte Worte. Wer war diese Frau? Wer war die Schlange? Wer war der „Nachkomme“, der den Kopf der Schlange zermalmen würde? Adam und Eva konnten nur raten. Doch Gottes Worte weckten Hoffnung für treue Nachkommen des untreuen Menschenpaars. Die Gerechtigkeit sollte siegen. Jehovas Vorsatz würde sich verwirklichen. Aber wie? Tja, das war ein Geheimnis! Die Bibel nennt es „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“ oder die „verborgene Weisheit“ (1. Korinther 2:7).

      5. Erkläre an einem Beispiel, warum Jehova sein Geheimnis nach und nach enthüllt.

      5 Als „Offenbarer von Geheimnissen“ würde Jehova mit der Zeit Einzelheiten dieses Geheimnisses entschleiern (Daniel 2:28). Aber das sollte fortschreitend geschehen, nach und nach. Zum Vergleich wollen wir einen warmherzigen Vater heranziehen, der von seinem kleinen Sohn gefragt wird: „Wo kommen die Babys her, Papa?“ Ein kluger Vater wird nur so viele Informationen geben, wie der Kleine verdauen kann. Mit den Jahren wird er ihn detaillierter aufklären. Auch Jehova bestimmt, wann sein Volk dazu in der Lage ist, Enthüllungen seines Willens und Vorsatzes zu verstehen (Sprüche 4:18; Daniel 12:4).

      6. (a) Welchen Zweck erfüllt ein Bund oder Vertrag? (b) Weshalb ist es bedeutsam, dass Jehova wiederholt mit Menschen einen Bund geschlossen hat?

      6 Wie ging Jehova bei der Enthüllung vor? Vieles offenbarte er durch eine Reihe von Bundesschließungen oder Verträgen. Wohl die meisten von uns haben schon einmal einen Vertrag abgeschlossen, vielleicht als wir ein Auto kauften, einen Kredit aufnahmen oder Geld verliehen. So ein Vertrag bietet die rechtliche Gewähr, dass die vereinbarten Bedingungen eingehalten werden. Aber warum sollte es Jehova nötig haben, mit Menschen einen formellen Bund oder Vertrag zu schließen? Sein Wort ist ja eigentlich Garantie genug für seine Versprechen. Trotzdem hat er es in seiner Güte hin und wieder mit rechtlichen Verträgen besiegelt. Diese unverrückbaren Abmachungen geben uns unvollkommenen Menschen eine noch solidere Grundlage für das Vertrauen auf Jehovas Zusagen (Hebräer 6:16-18).

      Der Bund mit Abraham

      7, 8. (a) Welchen Bund schloss Jehova mit Abraham, und wie wurde das heilige Geheimnis dadurch erhellt? (b) Wie grenzte Jehova die Abstammungsfolge des angekündigten Nachkommen nach und nach ein?

      7 Ungefähr zweitausend Jahre nachdem der Mensch aus dem Paradies vertrieben worden war, versprach Jehova seinem treuen Diener Abraham, er werde seine „Nachkommen ganz bestimmt so viele werden lassen wie die Sterne am Himmel“. Weiter sagte Gott: „Weil du auf meine Stimme gehört hast, werden alle Völker der Erde durch deinen Nachkommen gesegnet werden“ (1. Mose 22:17, 18). Das war mehr als ein Versprechen; Jehova bettete es in einen rechtlichen Vertrag und bekräftigte es mit seinem unwiderruflichen Eid (1. Mose 17:1, 2; Hebräer 6:13-15). Dass der Souveräne Herr vertraglich zugesichert hat, die Menschheit zu segnen, ist wirklich bemerkenswert!

      „Ich werde … deine Nachkommen ganz bestimmt so viele werden lassen wie die Sterne am Himmel“

      8 Wie der abrahamische Bund erkennen ließ, würde der angekündigte Nachkomme als Mensch erscheinen, denn er sollte ein Nachkomme Abrahams sein. Aber wer genau? Im Lauf der Zeit enthüllte Jehova, dass von den Söhnen Abrahams Isaak derjenige war, der ein Vorfahr des Nachkommens sein würde. Von Isaaks zwei Söhnen wurde Jakob ausgewählt (1. Mose 21:12; 28:13, 14). Später machte Jakob über einen seiner zwölf Söhne die Aussage: „Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab von der Stelle zwischen seinen Füßen, bis Schilo [„Derjenige, dem es gehört“] kommt, und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören“ (1. Mose 49:10). Jetzt wusste man, dass der Nachkomme ein von Juda abstammender König sein sollte.

      Der Bund mit Israel

      9, 10. (a) Welchen Bund schloss Jehova mit dem Volk Israel, und wieso diente er als Schutz? (b) Wie wurde durch das Gesetz deutlich, dass die Menschheit ein Lösegeld brauchte?

      9 Im Jahr 1513 v. u. Z. legte Jehova eine Grundlage, auf der weitere Enthüllungen des heiligen Geheimnisses aufbauten. Er schloss mit den Nachkommen Abrahams, dem Volk Israel, einen Bund. Dieser mosaische Gesetzesbund ist zwar heute nicht mehr in Kraft, doch er spielte eine wesentliche Rolle in Jehovas Vorsatz, den versprochenen Nachkommen hervorzubringen. Weshalb? Aus drei Gründen. Erstens war das Gesetz eine Schutzmauer (Epheser 2:14). Seine gerechten Verordnungen grenzten die Juden von den Nichtjuden ab. So trug es dazu bei, dass die Abstammung des versprochenen Nachkommen gesichert blieb. Diesem Schutz war es weitgehend zu verdanken, dass das Volk noch existierte, als für den Messias die von Gott bestimmte Zeit gekommen war, im Stamm Juda geboren zu werden.

      10 Zweitens wurde durch das Gesetz deutlich, dass die Menschheit ein Lösegeld brauchte. Als vollkommenes Gesetz konnte es von sündigen Menschen nicht vollkommen gehalten werden; das war klar zu erkennen. Es diente somit dazu, „Übertretungen sichtbar zu machen, bis der Nachkomme kommen würde, dem das Versprechen gegeben worden war“ (Galater 3:19). Durch Tieropfer ermöglichte das Gesetz eine vorläufige Sündensühnung. Da jedoch nach den Worten des Paulus „das Blut von Stieren und Ziegenböcken unmöglich Sünden wegnehmen kann“, deuteten diese Tieropfer einfach auf Christi Opfer hin (Hebräer 10:1-4). Für treue Juden war dieser Bund also ein „Betreuer …, der zu Christus führt“ (Galater 3:24).

      11. Welche fantastische Aussicht eröffnete der Gesetzesbund den Israeliten, aber warum ging sie der Nation als Ganzes verloren?

      11 Drittens eröffnete dieser Bund der Nation Israel eine fantastische Aussicht. Wenn sie ihn treu hielte, so sagte Jehova, würde sie „eine königliche Priesterschaft und eine heilige Nation“ werden (2. Mose 19:5, 6). Tatsächlich gingen aus dem natürlichen Israel die ersten Mitglieder einer königlichen Priesterschaft im Himmel hervor. Doch als Ganzes gesehen rebellierte Israel gegen den Gesetzesbund, verwarf den messianischen Nachkommen und verspielte diese Aussicht. Wie sollte die königliche Priesterschaft nun aber vervollständigt werden? Und welche Verbindung bestünde zwischen der gesegneten Nation und dem versprochenen Nachkommen? Diese Aspekte des heiligen Geheimnisses sollten zu der von Gott bestimmten Zeit geklärt werden.

      Der Königreichsbund mit David

      12. Welchen Bund schloss Jehova mit David, und wie brachte er Licht in Gottes heiliges Geheimnis?

      12 Im 11. Jahrhundert v. u. Z. brachte Jehova durch einen weiteren Bund mehr Licht in das heilige Geheimnis. Er versprach dem treuen König David: „Ich [werde] deinen Nachkommen … als deinen Nachfolger einsetzen, und ich werde sein Königtum festigen. … ich werde dem Thron seines Königreiches für immer festen Bestand geben“ (2. Samuel 7:12, 13; Psalm 89:3). Die Abstammung des versprochenen Nachkommen war nun eingegrenzt. Er sollte aus dem Haus Davids kommen. Könnte aber ein gewöhnlicher Mensch für immer regieren? (Psalm 89:20, 29, 34-36). Und wäre er imstande, die Menschheit von Sünde und Tod zu befreien?

      13, 14. (a) Was versprach Jehova seinem gesalbten König gemäß Psalm 110? (b) Was enthüllten die Propheten Jehovas noch über den künftigen Nachkommen?

      13 David schrieb unter Inspiration: „Jehova sagte zu meinem Herrn: ‚Setz dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde als Schemel für deine Füße hinlege.‘ Jehova hat geschworen und er wird seine Meinung nicht ändern: ‚Du bist Priester auf ewig, nach der Art Melchisedeks!‘“ (Psalm 110:1, 4). Davids Worte galten direkt dem versprochenen Nachkommen, dem Messias (Apostel­geschichte 2:35, 36). Dieser König sollte nicht in Jerusalem regieren, sondern im Himmel an der „rechten Seite“ Jehovas. Damit hätte er nicht nur über das Land Israel Machtbefugnisse, sondern über die ganze Erde (Psalm 2:6-8). Und noch etwas wurde hier enthüllt. Jehova leistete einen feierlichen Eid, dass der Messias ein „Priester … nach der Art Melchisedeks“ sein würde. Der künftige Nachkomme sollte von Gott direkt zum König und Priester ernannt werden und damit Melchisedek gleichen, der zu Lebzeiten Abrahams als König und zugleich als Priester fungierte (1. Mose 14:17-20).

      14 Im Lauf der Jahre verriet Jehova durch seine Propheten noch mehr über das heilige Geheimnis. So enthüllte Jesaja, dass der Nachkomme einen Opfertod sterben sollte (Jesaja 53:3-12). Micha sagte den Geburtsort des Messias voraus (Micha 5:2). Und Daniel prophezeite sogar, wann genau der Nachkomme erscheinen sollte und wann er sterben würde (Daniel 9:24-27).

      Das heilige Geheimnis gelüftet!

      15, 16. (a) Wie kam es, dass Jehovas Sohn „von einer Frau“ geboren wurde? (b) Was erbte Jesus von seinen menschlichen Eltern, und wann trat er als der versprochene Nachkomme auf?

      15 Wie sich diese Prophezeiungen erfüllen würden, blieb bis zum eigentlichen Erscheinen des Nachkommen ein Geheimnis. In Galater 4:4 lesen wir: „Als aber die festgesetzte Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der von einer Frau geboren wurde.“ Im Jahr 2 v. u. Z. sagte ein Engel zu der jüdischen Jungfrau Maria: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, und du sollst ihn Jesus nennen. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben. … Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird auf dir ruhen. Darum wird der, der geboren wird, heilig und Gottes Sohn genannt werden“ (Lukas 1:31, 32, 35).

      16 Darauf übertrug Jehova das Leben seines Sohnes vom Himmel in den Mutterleib Marias, sodass er „von einer Frau“ geboren wurde. Maria war eine unvollkommene Frau. Doch Jesus erbte ihre Unvollkommenheit nicht, denn er war „Gottes Sohn“. Gleichzeitig erhielt er aber durch seine menschlichen Eltern, die von David abstammten, die natürlichen und gesetzlichen Rechte eines Erben Davids (Apostel­geschichte 13:22, 23). Jehova salbte Jesus bei seiner Taufe im Jahr 29 u. Z. mit heiligem Geist und sagte: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn“ (Matthäus 3:16, 17). Endlich war der Nachkomme da! (Galater 3:16). Es war an der Zeit, weitere Einblicke in das heilige Geheimnis zu geben (2. Timotheus 1:10).

      17. Wie wurde in die Bedeutung von 1. Mose 3:15 Licht gebracht?

      17 Während seines Erdendaseins identifizierte Jesus die Schlange aus 1. Mose 3:15 und ihre Nachkommen als den Teufel und seine Anhänger (Matthäus 23:33; Johannes 8:44). Später wurde enthüllt, wie sie alle restlos zermalmt würden (Offenbarung 20:1-3, 10, 15). Die Frau wurde als das „Jerusalem oben“ identifiziert – Gottes sinnbildliche Frau, das heißt der himmlische Teil seiner Organisation bestehend aus Geistgeschöpfen (Galater 4:26; Offenbarung 12:1-6).a

      Der neue Bund

      18. Worin besteht der Zweck des „neuen Bundes“?

      18 Zu der wahrscheinlich dramatischsten Enthüllung kam es, als Jesus am Abend vor seinem Tod seine treuen Jünger über einen „neuen Bund“ unterrichtete (Lukas 22:20). Dieser neue Bund sollte wie sein Vorläufer, der mosaische Gesetzesbund, „eine königliche Priesterschaft“ hervorbringen (2. Mose 19:6; 1. Petrus 2:9). Allerdings würde er keine buchstäbliche Nation ins Leben rufen, sondern eine geistige, das „Israel Gottes“, das ausschließlich aus treuen gesalbten Nachfolgern Christi bestünde (Galater 6:16). Gemeinsam mit Jesus sollten diese Teilhaber des neuen Bundes der Menschheit Segnungen zukommen lassen.

      19. (a) Wie ist es möglich, dass der neue Bund „ein königliches Priestertum“ hervorbringt? (b) Warum werden gesalbte Christen als „eine neue Schöpfung“ bezeichnet, und wie viele werden mit Christus im Himmel dienen?

      19 Doch wie ist es überhaupt möglich, dass durch den neuen Bund „eine königliche Priesterschaft“ entsteht, die der Menschheit Segen bringt? Es ist deshalb möglich, weil Christi Jünger unter diesem Bund nicht mehr als Sünder dastehen, sondern ihre Sünden durch Jesu Opfer vergeben werden (Jeremia 31:31-34). In ihrem nun reinen Zustand nimmt Jehova sie wie durch Adoption in seine himmlische Familie auf und salbt sie mit heiligem Geist (Römer 8:15-17; 2. Korinther 1:21). So erleben sie „eine neue Geburt mit einer lebendigen Hoffnung“ – mit einem Erbe, das „im Himmel aufbewahrt“ ist (1. Petrus 1:3, 4). Da eine so hohe Stellung für Menschen etwas ganz und gar Neues ist, werden die geistgezeugten gesalbten Christen als „eine neue Schöpfung“ bezeichnet (2. Korinther 5:17). Wie die Bibel offenbart, werden letztendlich 144 000 daran beteiligt sein, die erlöste Menschheit vom Himmel aus zu regieren (Offenbarung 5:9, 10; 14:1-4).

      20. (a) Welcher Aspekt des heiligen Geheimnisses hellte sich im Jahr 36 u. Z. auf? (b) Wem sind die Segnungen, die dem Abraham versprochen wurden, zugedacht?

      20 Zusammen mit Jesus bilden diese Gesalbten „Abrahams Nachkommen“ (Galater 3:29).b Die ersten Auserwählten waren gebürtige Juden. Doch im Jahr 36 u. Z. hellte sich ein weiterer Aspekt des heiligen Geheimnisses auf: Die himmlische Hoffnung sollte auf Nichtjuden ausgedehnt werden (Römer 9:6-8; 11:25, 26; Epheser 3:5, 6). Sind aber die Segnungen, die dem Abraham versprochen wurden, einzig und allein gesalbten Christen zugedacht? Nein, denn Jesu Opfer kommt der ganzen Welt zugute (1. Johannes 2:2). Mit der Zeit enthüllte Jehova, dass eine unzählbar „große Volksmenge“ das Ende von Satans System der Dinge überleben würde (Offenbarung 7:9, 14). Weitere Menschenmengen haben die Aussicht, von den Toten auferweckt zu werden und für immer in einem Paradies zu leben (Lukas 23:43; Johannes 5:28, 29; Offenbarung 20:11-15; 21:3, 4).

      Gottes Weisheit und das heilige Geheimnis

      21, 22. Wie wird am heiligen Geheimnis die Weisheit Jehovas deutlich?

      21 An dem heiligen Geheimnis wird die „überaus vielfältige Weisheit Gottes“ auf beeindruckende Weise deutlich (Epheser 3:8-10). Was für eine Weisheit Jehova doch dadurch erkennen ließ, dass er dieses Geheimnis ersann und dann ganz allmählich lüftete! Er berücksichtigte dabei das begrenzte Auffassungs­vermögen der Menschen und ermöglichte es ihnen, zu zeigen, wie es wirklich in ihrem Herzen aussah (Psalm 103:14).

      22 Auch bei der Wahl Jesu als König zeigte Jehova unvergleichliche Weisheit. Sein Sohn ist zuverlässiger als jedes andere Geschöpf im Universum. Als Mensch aus Fleisch und Blut machte Jesus viel Schweres durch. Er ist deshalb mit den menschlichen Problemen voll und ganz vertraut (Hebräer 5:7-9). Und was ist von Jesu Mitherrschern zu sagen? Über die Jahrhunderte sind sowohl Männer als auch Frauen gesalbt worden – ausgewählt aus allen Völkern, Sprachen und Gesellschafts­schichten. Es gibt einfach kein Problem, das einzelne von ihnen nicht durchgemacht und überwunden haben (Epheser 4:22-24). Unter der Herrschaft dieser barmherzigen Könige und Priester zu leben wird eine einzige Freude sein!

      23. Welche Ehre haben Christen in Verbindung mit dem heiligen Geheimnis Jehovas?

      23 Der Apostel Paulus schrieb: „Das heilige Geheimnis, das während der vergangenen Weltsysteme und der vergangenen Generationen verborgen war“, ist „seinen Heiligen offenbart worden“ (Kolosser 1:26). Ja, Jehovas gesalbte Heilige haben nach und nach viel über das heilige Geheimnis gelernt, und sie haben diese Erkenntnis an Millionen von Menschen weitergegeben. Wie glücklich wir alle uns doch schätzen können! Jehova hat „uns das heilige Geheimnis seines Willens bekannt gemacht“ (Epheser 1:9). Sprechen wir doch mit anderen über dieses großartige Geheimnis und helfen wir ihnen, in die unergründlichen Tiefen der Weisheit Jehovas vorzudringen!

      a Außerdem klärte sich durch Jesus das heilige Geheimnis der Gottergebenheit (1. Timotheus 3:16). Lange war es ein Geheimnis, ein Rätsel, ob irgendjemand Jehova absolut treu und ergeben bleiben könnte. Jesus lieferte die Antwort. Er blieb unter jeder Prüfung, die der Teufel ihm auferlegte, treu (Matthäus 4:1-11; 27:26-50).

      b Jesus schloss mit derselben Gruppe auch „einen Bund … für ein Königreich“ (Lukas 22:29, 30). Er sicherte dieser „kleinen Herde“ vertraglich zu, dass sie mit ihm als sekundärer Teil des Nachkommen Abrahams im Himmel regieren wird (Lukas 12:32).

      Fragen zum Nachdenken

      • Johannes 16:7-12 Wie ahmte Jesus seinen Vater darin nach, Wahrheiten allmählich zu offenbaren?

      • 1. Korinther 2:6-16 Warum sind viele nicht in der Lage, Jehovas heilige Geheimnisse zu begreifen, und wie können wir sie verstehen?

      • Epheser 3:10 Welche Ehre haben Christen in Verbindung mit Gottes heiligem Geheimnis?

      • Hebräer 11:8-10 Wie erhielt das heilige Geheimnis den Glauben von Männern der alten Zeit lebendig, obwohl die Einzelheiten nicht klar waren?

  • „Er hat ein weises Herz“ und ist demütig
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Vater kniet sich zu seinem kleinen Sohn hinunter und schaut ihn liebevoll an.

      KAPITEL 20

      „Er hat ein weises Herz“ und ist demütig

      1-3. Woher wissen wir, dass Jehova demütig ist?

      EIN Vater möchte seinem kleinen Kind etwas Wichtiges klarmachen. Ihm liegt viel daran, zum Herzen durchzudringen. Wie geht er am besten vor? Sollte er sich vor dem Kind aufbauen und es mit schroffen Worten einschüchtern? Oder geht er besser in die Hocke, auf die Ebene des Kindes, und redet sanft und freundlich mit ihm? Ein weiser, demütiger Vater würde es sicher auf die nette Art versuchen.

      2 Was für ein Vater ist Jehova? Hochmütig oder demütig? Schroff oder sanft? Jehova ist allwissend und unendlich weise. Menschen werden durch Wissen und Intelligenz nicht unbedingt demütig, wie uns sicher schon aufgefallen ist. „Erkenntnis macht aufgeblasen“, sagt die Bibel (1. Korinther 3:19; 8:1). Jehova dagegen „hat ein weises Herz“ und ist zugleich demütig (Hiob 9:4). Nicht dass seine Stellung in irgendeiner Weise niedrig wäre oder es ihm an Erhabenheit mangelte – nein, sondern Hochmut liegt ihm einfach fern. Wieso?

      3 Jehova ist heilig, weshalb eine unreine Eigenschaft wie Hochmut seinem Wesen fremd ist (Markus 7:20-22). Sehen wir uns auch an, was der Prophet Jeremia zu Jehova sagte: „Du wirst bestimmt daran denken und dich tief über mich beugen“ (Klagelieder 3:20).a Stellen wir uns das vor! Jehova, der Souveräne Herr des Universums, war bereit sich zu „beugen“, das heißt sich auf die Ebene Jeremias zu begeben, um diesem unvollkommenen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken (Psalm 113:7). Ja, Jehova ist demütig. Aber was ist unter Gottes Demut zu verstehen? Was hat sie mit Weisheit zu tun? Und warum ist sie für uns wichtig?

      Wie sich Jehova demütig zeigt

      4, 5. (a) Was ist Demut, wie zeigt sie sich, und warum darf man sie niemals mit Schwäche oder Ängstlichkeit verwechseln? (b) Wie zeigte sich Jehova gegenüber David demütig, und wie wichtig ist Jehovas Demut für uns?

      4 Demut ist das Fehlen von Arroganz und Stolz. Sie gehört zu den inneren Qualitäten des Herzens und zeigt sich in Eigenschaften wie Milde, Geduld und Vernünftigkeit (Galater 5:22, 23). Allerdings dürfen diese göttlichen Eigenschaften niemals mit Schwäche oder Ängstlichkeit verwechselt werden. Sie sind auch nicht unvereinbar mit Jehovas gerechtem Zorn oder dem Einsatz seiner vernichtenden Macht. Jehova demonstriert durch seine Demut und Milde seine immense Stärke, ja seine Macht, sich vollkommen zu beherrschen (Jesaja 42:14). Wie steht Demut mit Weisheit in Verbindung? In einem biblischen Nachschlagewerk heißt es dazu: „Demut lässt sich letztendlich … als Selbstlosigkeit definieren und ist eine unabdingbare Grundlage aller Weisheit.“ Demut ist somit von echter Weisheit nicht wegzudenken. Wie kommt uns Jehovas Demut zugute?

      Ein weiser Vater verhält sich demütig und sanft

      5 König David sang in einem Lied für Jehova: „Du gibst mir deinen rettenden Schild, deine rechte Hand stützt mich und deine Demut macht mich groß“ (Psalm 18:35). Jehova beugte sich gewissermaßen zu diesem kleinen unvollkommenen Menschen hinunter, beschützte ihn Tag für Tag und stand ihm bei. David wusste ganz genau: Seine Rettung und seine eventuelle Größe als König hätte er allein der Bereitschaft Jehovas zu verdanken, eine solche Demut zu zeigen. Wer von uns hätte auch nur einen Funken Hoffnung auf Rettung, wäre Jehova nicht demütig, das heißt bereit sich herunterzubeugen, um uns ein sanfter und liebevoller Vater zu sein?

      6, 7. (a) Warum wird Jehova in der Bibel nie als bescheiden beschrieben? (b) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Milde und Weisheit, und wer gibt darin das beste Beispiel?

      6 Es ist an dieser Stelle erwähnenswert, dass zwischen Demut und Bescheidenheit ein Unterschied besteht. Bescheidenheit ist für gläubige Menschen eine erstrebenswerte, anziehende Eigenschaft. Genauso wie Demut hat sie mit Weisheit zu tun. In Sprüche 11:2 heißt es deshalb: „Bei den Bescheidenen ist Weisheit.“ Jehova wird in der Bibel jedoch nirgends als bescheiden beschrieben. Warum nicht? Das Wort Bescheidenheit wird in der Heiligen Schrift in dem Sinne gebraucht, dass man sich seiner Grenzen bewusst ist. Dem Allmächtigen sind aber keine Grenzen gesetzt – außer denen, die er sich wegen seiner gerechten Normen selbst auferlegt (Markus 10:27; Titus 1:2). Auch ist er als Höchster niemandem untergeben. Der Begriff Bescheidenheit lässt sich einfach nicht auf Jehova übertragen.

      7 Doch Jehova ist demütig und sanft. Er führt seinen Dienern vor Augen, dass echte Weisheit nicht ohne Sanftmut und Milde auskommt. In Gottes Wort ist von einer Milde die Rede, „die in der Weisheit wurzelt“ (Jakobus 3:13).b Sehen wir uns das am Beispiel Jehovas an.

      Jehova – ein Gott, der demütig delegiert und zuhört

      8-10. (a) Warum ist es erstaunlich, dass Jehova bereit ist zu delegieren und zuzuhören? (b) Wie zeigt Jehova im Umgang mit seinen Engeln Demut?

      8 Ein herzerfrischender Beweis für Jehovas Demut ist seine Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren und zuzuhören. Das ist an sich schon erstaunlich, denn Jehova ist ja nicht auf Hilfe oder Rat angewiesen (Jesaja 40:13, 14; Römer 11:34, 35). Dennoch lässt die Bibel wiederholt erkennen, dass er es nicht als unter seiner Würde betrachtet, so zu handeln.

      9 Wenden wir uns einem bedeutenden Vorfall im Leben Abrahams zu. Es kamen drei Besucher zu ihm, von denen er einen mit „Jehova“ anredete. Die Besucher waren in Wirklichkeit Engel, aber einer von ihnen kam direkt im Namen Jehovas und handelte in seinem Namen. Sobald dieser Engel agierte, war es praktisch Jehova, der redete und handelte. Jehova teilte Abraham auf diesem Weg mit, dass er einen großen „Aufschrei gegen Sodom und Gomorra“ gehört hatte. Er sagte: „Ich werde hinuntergehen und nachsehen, ob ihr Handeln tatsächlich dem Aufschrei entspricht, den ich gehört habe. Und wenn nicht, kann ich es herausfinden“ (1. Mose 18:3, 20, 21). Mit dieser Aussage meinte Jehova natürlich nicht, dass er persönlich „hinuntergehen“ wollte. Erneut sandte er Engel als seine Stellvertreter aus (1. Mose 19:1). Warum? Konnte Jehova, der alles sieht, nicht selbst herausfinden, wie es um diese Gegend stand? Selbst­verständlich. Aber in seiner Demut beauftragte er lieber diese Engel damit, die Lage zu erkunden und die Familie Lots in Sodom zu besuchen.

      10 Darüber hinaus hört Jehova auch zu. Einmal bat er seine Engel um Vorschläge, wie man den Untergang des bösen Königs Ahab bewirken könnte. Jehova hatte diese Hilfe nicht nötig. Doch er ging auf den Vorschlag eines Engels ein und beauftragte ihn mit der Ausführung (1. Könige 22:19-22). Was für eine Demut!

      11, 12. Woran erkannte Abraham die Demut Jehovas?

      11 Jehova ist sogar bereit zuzuhören, wenn unvollkommene Menschen ihre Bedenken äußern möchten. Als er Abraham von seiner Absicht unterrichtete, Sodom und Gomorra zu vernichten, verstand dieser treue Mann die Welt nicht mehr. „Es ist undenkbar, dass du so etwas tust“, sagte Abraham. „Wird der Richter der ganzen Erde nicht tun, was gerecht ist?“ Er fragte Jehova, ob er die Städte verschonen würde, wenn dort 50 Gerechte zu finden wären. Jehova sicherte ihm das zu. Doch Abraham fragte weiter und ging auf 45 herunter, dann auf 40 und noch weiter. Trotz der Zusicherungen Jehovas ließ Abraham nicht locker, bis er bei 10 angelangt war. Vielleicht begriff Abraham nicht völlig, wie barmherzig Jehova ist. Wie dem auch sei, geduldig und demütig ließ Jehova seinen Freund und Diener Abraham seine Bedenken äußern (1. Mose 18:23-33).

      12 Wie viele Gelehrte oder Genies würden wohl einem intellektuell weit unterlegenen Menschen so geduldig zuhören?c Hier sehen wir die Demut unseres Gottes! Im Verlauf derselben Unterhaltung erkannte Abraham auch, dass Jehova „nicht schnell zornig wird“ (2. Mose 34:6). Möglicherweise in dem Bewusstsein, dass er kein Recht hatte, das Tun des Höchsten infrage zu stellen, bat Abraham zweimal: „Jehova, werde bitte nicht zornig“ (1. Mose 18:30, 32). So weit kam es natürlich nicht. Denn Jehova besitzt wahrhaftig die „Milde …, die in der Weisheit wurzelt“.

      Jehova ist vernünftig

      13. Was bedeutet das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, und wieso beschreibt es Jehova treffend?

      13 Jehovas Demut zeigt sich noch in einer weiteren anziehenden Eigenschaft: Vernünftigkeit. Unter unvollkommenen Menschen ist sie leider ein seltenes Gut. Jehova ist nicht nur bereit, seinen vernunftbegabten Geschöpfen zuzuhören, sondern er ist auch gewillt nachzugeben, wenn das mit seinen gerechten Prinzipien zu vereinbaren ist. Das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, bedeutet wörtlich „nachgiebig“ oder „nachsichtig“. Auch diese Eigenschaft ist ein Merkmal der göttlichen Weisheit. In Jakobus 3:17 heißt es dazu: „Die Weisheit von oben aber ist … vernünftig.“ In welchem Sinne ist Jehova, der unendlich weise Gott, vernünftig? Da ist einmal seine Anpassungs­fähigkeit. Schon sein Name lässt erkennen, dass er zu dem wird, was immer notwendig ist, um sein Vorhaben zu verwirklichen (2. Mose 3:14). Zeugt das nicht von einer anpassungsfähigen, vernünftigen Grundhaltung?

      14, 15. Was erfahren wir durch Hesekiel über den himmlischen Teil der Organisation Jehovas, und worin besteht der Unterschied zu menschlichen Organisationen?

      14 Es gibt eine bemerkenswerte Bibelpassage, die uns in etwa eine Vorstellung von der Anpassungs­fähigkeit Jehovas vermittelt. Der Prophet Hesekiel erhielt eine Vision vom himmlischen Teil der Organisation Jehovas bestehend aus Geistgeschöpfen. Er sah einen Wagen von gewaltigen Ausmaßen, mit dem sich Jehova „fortbewegt“ und den er stets unter Kontrolle hat. Die Fortbewegung des Wagens war äußerst interessant. Jedes der gigantischen Räder zeigte in vier Richtungen und war voller Augen, sodass die Räder alles im Blick hatten und im Nu die Richtung wechseln konnten – ohne Stopp oder Wendemanöver. Auch schleppte sich dieser riesige Wagen nicht wie ein schwerfälliges, von Menschen konstruiertes Fahrzeug vorwärts. Er konnte sich blitzschnell fortbewegen und dabei sogar die Richtung um neunzig Grad ändern! (Hesekiel 1:1, 14-28). Ja, die Organisation Jehovas ist genau wie der allmächtige Souverän, der dahintersteht, außerordentlich anpassungsfähig; sie reagiert auf die ständig wechselnden Situationen und jeden aktuellen Bedarf.

      15 Menschen können diese perfekte Anpassungs­fähigkeit bestenfalls ansatzweise nachahmen. Nur allzu oft sind Menschen und ihre Organisationen eher starr als anpassungsfähig, eher unvernünftig als nachgiebig. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Supertanker oder einem Güterzug an. Beide sind von beeindruckender Größe und Kraft. Können sie sich aber auf plötzlich wechselnde Umstände einstellen? Wenn ein Güterzug auf ein Hindernis zurollt, kann er unmöglich ausweichen. Abrupt anzuhalten ist auch nicht viel leichter. Ein schwerer Güterzug kann einen Bremsweg von weit über einem Kilometer haben. Und ein Supertanker treibt nach dem Maschinenstopp noch gut acht Kilometer weiter. Selbst wenn man auf „Volle Kraft zurück!“ stellt, wird er sich noch bis zu drei Kilometer durch das Wasser schieben. Ähnlich verhält es sich mit den oft starren, unnachgiebigen menschlichen Organisationen. Häufig ist Stolz die Ursache dafür, dass man sich wechselnden Bedürfnissen und Umständen nicht anpasst. Eine solche Starrheit hat schon ganze Unternehmen in den Konkurs getrieben oder sogar Regierungen gestürzt (Sprüche 16:18). Wie froh können wir sein, dass Jehova und seine Organisation damit nichts gemeinsam haben!

      Wie Jehova Vernünftigkeit beweist

      16. Wie zeigte sich Jehova vor der Vernichtung Sodoms und Gomorras gegenüber Lot nachsichtig?

      16 Gehen wir noch einmal zur Vernichtung Sodoms und Gomorras zurück. Lot und seine Familie erhielten von Jehovas Engel die ausdrückliche Anweisung: „Rette dich ins Bergland!“ Doch das sagte Lot nicht zu. „Bitte nicht dorthin, Jehova!“, flehte er. Lot glaubte, die Flucht in die Berge wäre sein sicherer Tod, und bat deshalb für sich und seine Familie um Erlaubnis, in die nahe gelegene Stadt Zoar zu fliehen. Nun beabsichtigte Jehova aber, auch diese Stadt zu vernichten. Außerdem waren Lots Ängste nicht wirklich begründet. Jehova hätte ihn auf jeden Fall in den Bergen am Leben erhalten können. Trotzdem gab er dem Drängen Lots nach. „Ich nehme auch darin Rücksicht auf dich und werde die Stadt, von der du sprichst, nicht zerstören“, sagte der Engel zu Lot (1. Mose 19:17-22). War das nicht nachsichtig von Jehova?

      17, 18. Wieso lässt Jehovas Handlungsweise mit den Niniviten seine Vernünftigkeit erkennen?

      17 Jehova reagiert auch auf ehrliche Reue und handelt dabei immer barmherzig und richtig. Sehen wir uns an, was geschah, als der Prophet Jona in die Stadt Ninive geschickt wurde, wo Bosheit und Gewalt um sich griffen. Als Jona durch die Straßen von Ninive zog, verkündete er eine göttliche Botschaft, die schlicht und einfach lautete: Diese mächtige Stadt wird in vierzig Tagen vernichtet. Doch es kam zu einer aufsehenerregenden Wende. Die Niniviten bereuten! (Jona, Kapitel 3).

      18 Es ist aufschlussreich, zu vergleichen, wie Jehova und wie Jona auf diesen Umschwung reagierte. Jehova passte sich an und wurde zu einem Sündenvergeber statt zu einem „mächtigen Krieger“ (2. Mose 15:3).d Jona dagegen war geistig unbeweglich und weit weniger barmherzig. Statt Jehovas Vernünftigkeit nachzuahmen, reagierte er eher wie der erwähnte Güterzug oder der Supertanker. Der Untergang war angekündigt, also sollte er auch kommen! Geduldig erteilte Jehova seinem ungeduldigen Propheten eine einprägsame Lektion in Vernünftigkeit und Barmherzigkeit (Jona, Kapitel 4).

      Ein junger Bruder unterstützt einen älteren Bruder im Predigtdienst.

      Jehova ist vernünftig und hat Verständnis für unsere Grenzen

      19. (a) Weshalb können wir sicher sein, dass Jehova von uns nichts Unzumutbares erwartet? (b) Wieso kann man aus Sprüche 19:17 ableiten, dass Jehova ein „guter und vernünftiger“ Herr und zudem äußerst demütig ist?

      19 Vernünftig ist Jehova auch in seinen Erwartungen an uns. König David sagte: „Er kennt unsere Beschaffenheit nur zu gut, er denkt daran, dass wir Staub sind“ (Psalm 103:14). Jehova kennt unsere Grenzen und Schwächen besser als wir selbst. Er erwartet niemals mehr von uns, als wir tun können. In der Bibel finden wir eine Gegenüberstellung von „guten und vernünftigen“ menschlichen Herren und solchen, die „schwer zufrieden­zustellen sind“ (1. Petrus 2:18). Was für ein Herr ist Jehova? Bezeichnend ist die Aussage in Sprüche 19:17: „Wer zu den Schwachen gut ist, leiht Jehova.“ Ganz klar, nur ein guter und vernünftiger Herr würde von jeder Freundlichkeit, die man anderen erweist, Notiz nehmen. Und nicht nur das: Diese Textstelle lässt erkennen, dass sich der Schöpfer des Universums kleinen und unbedeutenden Menschen, die barmherzig handeln, sogar zu Dank verpflichtet fühlt. Das ist Demut im höchsten Grad.

      20. Welche Zusicherung haben wir, dass Jehova unsere Gebete hört und erhört?

      20 Mit seinen Dienern der heutigen Zeit geht Jehova genauso sanft und vernünftig um. Wenn wir glaubensvoll beten, hört er zu. Zwar schickt er keine Engelboten zu uns, die mit uns sprechen würden, aber daraus dürfen wir nicht schließen, unsere Gebete würden unbeantwortet bleiben. Als der Apostel Paulus im Gefängnis war, bat er seine Glaubensbrüder, für seine Freilassung zu beten. Der Grund? „Damit ich recht bald wieder bei euch sein kann“ (Hebräer 13:18, 19). Unsere Gebete können Jehova also tatsächlich zu etwas veranlassen, was er sonst nicht tun würde (Jakobus 5:16).

      21. Was dürfen wir keinesfalls aus Jehovas Demut folgern, und was sollten wir vielmehr an ihm schätzen?

      21 Das, was die Demut Jehovas kennzeichnet – seine Milde, seine Bereitschaft zuzuhören, seine Geduld und seine Vernünftigkeit –, bedeutet natürlich keinesfalls, dass Jehova von seinen gerechten Prinzipien abrücken würde. Geistliche der Christenheit halten es vielleicht für vernünftig, die Moralbegriffe Jehovas zu verwässern und ihren Schäfchen damit die Ohren zu kitzeln (2. Timotheus 4:3). Doch die menschliche Neigung, aus Eigennutz Zugeständnisse zu machen, hat mit göttlicher Vernünftigkeit nichts zu tun. Jehova ist heilig und wird seine gerechten Normen niemals verunreinigen (3. Mose 11:44). Muss Jehovas Vernünftigkeit nicht umso anziehender auf uns wirken, als sie ein Beweis seiner Demut ist? Begeistert es uns nicht, dass Jehova Gott, die weiseste Person im Universum, gleichzeitig zutiefst demütig ist? Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir uns diesem Ehrfurcht einflößenden und zugleich sanften, geduldigen und vernünftigen Gott nähern dürfen!

      a Die alten Schrift­gelehrten oder Sopherim änderten diesen Vers dahin gehend ab, dass sich Jeremia und nicht Jehova beugt. Sie hielten es offensichtlich für unpassend, Gott einen solchen Akt der Demut zuzuschreiben. Deshalb geht die Kernaussage dieses schönen Verses in vielen Übersetzungen verloren. Die New English Bible lässt Jeremia dagegen richtigerweise zu Gott sagen: „Gedenke, o gedenke, und beuge dich zu mir herunter.“

      b Andere Übersetzungen sprechen von der „Demut, die aus Weisheit erwächst“ oder der „Sanftmut, die aus der Weisheit fließt“.

      c Interessanter­weise werden in der Bibel Geduld und Überheblichkeit einander gegenüber­gestellt (Prediger 7:8). Jehovas Geduld ist ein weiterer Beweis für seine Demut (2. Petrus 3:9).

      d In Psalm 86:5 lesen wir, dass Jehova gut ist und gern vergibt. Im Griechischen wurde der Ausdruck „vergibt gern“ mit epieikḗs oder „vernünftig“ wiedergegeben.

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Mose 32:9-14 Wieso zeigte Jehova Demut durch seine Reaktion auf Moses’ Bitte für Israel?

      • Richter 6:36-40 Weshalb zeugte Jehovas Reaktion auf Gideons Wünsche von Geduld und Vernünftigkeit?

      • Psalm 113:1-9 Wie zeigt sich Jehova in seiner Handlungsweise mit der Menschheit demütig?

      • Lukas 1:46-55 Wie beurteilte Maria Jehovas Ansicht über einfache Menschen? Wie könnte sich seine Ansicht auf uns auswirken?

  • Jesus offenbart die „Weisheit von Gott“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus lehrt eine große Menschenmenge.

      KAPITEL 21

      Jesus offenbart die „Weisheit von Gott“

      1-3. Wie reagierten Jesu frühere Nachbarn auf seine Lehren, und was erkannten sie nicht?

      DIE Zuhörer glaubten ihren Ohren nicht zu trauen. Vor ihnen in der Synagoge stand dieser junge Mann – Jesus – und lehrte. Fremd war er ihnen nicht. Er war ja in ihrer Stadt aufgewachsen und hatte dort jahrelang als Zimmermann gearbeitet. Einige von ihnen wohnten möglicherweise in Häusern, an denen er gebaut hatte, oder bestellten ihr Land mit Pflügen und Jochen, die er selbst gefertigt hatte.a Wie aber würden sie wohl auf die Lehren des ehemaligen Zimmermanns reagieren?

      2 Die meisten Zuhörer waren verblüfft und fragten: „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“ Aber sie setzten auch gleich hinzu: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn von Maria?“ (Matthäus 13:54-58; Markus 6:1-3). Bedauerlicher­weise argumentierten Jesu frühere Nachbarn, dieser Zimmermann sei doch nur einer von ihnen. Trotz der Weisheit, die in seinen Worten mitschwang, lehnten sie ihn ab. Dass es nicht seine eigene Weisheit war, entging ihnen.

      3 Woher hatte Jesus denn seine Weisheit? Er sagte: „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7:16). Der Apostel Paulus erklärte, dass Jesus „für uns Weisheit von Gott geworden ist“ (1. Korinther 1:30). Jehova offenbarte seine eigene Weisheit durch seinen Sohn, Jesus, und zwar in einem Ausmaß, dass Jesus sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30). Wir wollen drei Bereiche untersuchen, in denen Jesus die „Weisheit von Gott“ erkennen ließ.

      Was er lehrte

      4. (a) Was stand im Mittelpunkt der Lehren Jesu, und warum war das hochbedeutsam? (b) Warum war Jesu Rat durchweg praktisch und zum Besten seiner Zuhörer?

      4 Nehmen wir uns als Erstes Jesu Lehren vor. In ihrem Mittelpunkt stand „die gute Botschaft von Gottes Königreich“ (Lukas 4:43). Das war hochbedeutsam, weil gerade durch das Königreich Jehovas Name geheiligt wird – und damit sein guter Ruf als gerechter Herrscher wiederher­gestellt wird – und die Menschheit zu dauerhaften Segnungen gelangt. Jesus gab beim Lehren auch weisen Rat für das tägliche Leben. Er erwies sich als der vorausgesagte „Wunderbare Ratgeber“ (Jesaja 9:6). Sein Rat konnte eigentlich nur wunderbar sein! Er hatte eine umfassende Erkenntnis des Wortes und des Willens Gottes, ein klares Verständnis der menschlichen Natur und eine tiefe Liebe zur Menschheit. Deshalb war sein Rat durchweg praktisch und zum Besten seiner Zuhörer. Jesus sprach „Worte des ewigen Lebens“. Auf ihn zu hören führt zur Rettung (Johannes 6:68).

      5. Welche Themen behandelte Jesus in der Bergpredigt unter anderem?

      5 Die in Matthäus 5:3 bis 7:27 aufgezeichnete Bergpredigt ist ein Paradebeispiel für die unvergleichliche Weisheit der Lehren Jesu. Die Ratschläge darin sind zeitlos, heute so aktuell wie damals. Jesus behandelte in dieser Predigt, die sich wahrscheinlich in nur zwanzig Minuten halten ließe, ein breites Themenspektrum: wie man die zwischen­menschlichen Beziehungen verbessern kann (5:23-26, 38-42; 7:1-5, 12), wie man moralisch rein bleibt (5:27-32) und wie man ein sinnvolles Leben führt (6:19-24; 7:24-27). Doch Jesus sagte seinen Zuhörern nicht nur, was weise ist, sondern verdeutlichte es durch Erklärungen, Argumente und Beweise.

      6-8. (a) Welche zwingenden Gründe führt Jesus dafür an, sich keine Sorgen zu machen? (b) Was zeigt, dass Jesu Rat die Weisheit von oben widerspiegelt?

      6 Greifen wir einmal Jesu weisen Rat heraus, wie man mit Geldsorgen umgehen kann, nachzulesen in Matthäus, Kapitel 6. „Hört auf, euch über euer Leben Sorgen zu machen, also was ihr essen oder trinken sollt, oder über euren Körper, also was ihr anziehen sollt“, rät uns Jesus (Vers 25). Nahrung und Kleidung sind Grundbedürfnisse, und es ist ganz normal, sich darüber Gedanken zu machen. Nach Jesu Worten sollten wir aber aufhören, uns deswegen Sorgen zu machen.b Warum?

      7 Hören wir uns Jesu überzeugende Argumentation an. Jehova hat uns das Leben und einen Körper gegeben. Kann er da nicht Nahrung beschaffen, um dieses Leben zu erhalten, und Kleidung, um diesen Körper zu bedecken? (Vers 25). Wenn Gott Vögel ernährt und Blumen mit Schönheit kleidet, wird er dann nicht erst recht für Menschen sorgen, die ihm dienen? (Vers 26, 28-30). Sich große Sorgen zu machen bringt ohnehin nichts. Dadurch können wir unser Leben kein bisschen verlängern (Vers 27).c Wie können wir Sorgen vertreiben? Jesus rät uns: Rück die Anbetung Gottes in deinem Leben immer an den ersten Platz. Wer das tut, kann darauf vertrauen, dass er alles, was er täglich braucht, von seinem himmlischen Vater „dazubekommen“ wird (Vers 33). Zum Schluss gibt Jesus eine äußerst praktische Anregung: Nimm einen Tag nach dem andern in Angriff. Warum sich die Sorgen von morgen schon heute aufladen? (Vers 34). Und überhaupt: Warum sich wegen etwas beunruhigen, was vielleicht nie eintritt? Diesen weisen Rat zu beherzigen kann uns in der heutigen stressgeplagten Welt viel Kummer ersparen.

      8 Der Rat Jesu ist heute eindeutig genauso praktikabel wie damals vor nahezu 2000 Jahren. Spricht daraus nicht die Weisheit von oben? Selbst die besten Tipps von menschlichen Ratgebern sind oft schon nach kurzer Zeit überholt und müssen revidiert werden. Die Lehren Jesu dagegen haben dem Zahn der Zeit standgehalten. Das braucht uns aber nicht zu überraschen, denn dieser „Wunderbare Ratgeber“ redete „die Worte Gottes“ (Johannes 3:34).

      Wie er lehrte

      9. Was sagten Soldaten einmal über Jesu Art zu lehren, und warum war das keine Übertreibung?

      9 Ein zweites Gebiet, auf dem Jesus die Weisheit Gottes widerspiegelte, war seine Art zu lehren. Einmal wurden Soldaten mit seiner Festnahme beauftragt. Doch sie kehrten unverrichteter Dinge zurück und sagten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet“ (Johannes 7:45, 46). Das war keine Übertreibung. Von allen Menschen, die je lebten, konnte Jesus, der „von oben“ stammte, auf den größten Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen (Johannes 8:23). So wie er konnte wahrhaftig kein anderer Mensch lehren. Untersuchen wir nur zwei Methoden dieses weisen Lehrers.

      „Da staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“

      10, 11. (a) Warum sind Jesu Veranschaulichungen einfach bewundernswert? (b) Was sind Gleichnisse, und welches Beispiel zeigt, warum Jesu Gleichnisse ein so wirkungsvolles Lehrmittel sind?

      10 Wirkungsvolle Veranschaulichungen. „All das teilte Jesus den Leuten in Bildern mit. Ja, er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden“, heißt es (Matthäus 13:34). Seine einzigartige Fähigkeit, tiefe Wahrheiten durch Szenen aus dem Alltag zu vermitteln, ist einfach bewundernswert. Landwirte, die Samen ausstreuen; Frauen, die Brotteig kneten; Kinder, die auf dem Marktplatz spielen; Fischer, die ihre Netze einholen; Hirten, die nach verlorenen Schafen suchen – das waren für seine Zuhörer gewohnte Anblicke. Wenn wichtige Wahrheiten mit etwas Vertrautem verknüpft werden, graben sie sich schnell und tief in Sinn und Herz ein (Matthäus 11:16-19; 13:3-8, 33, 47-50; 18:12-14).

      11 Jesus erzählte oft Gleichnisse – kleine Geschichten, die moralisch wertvolle, glaubens­stärkende Wahrheiten vermittelten. Da Erzählungen leichter zu begreifen und zu behalten sind als abstrakte Ideen, trugen die Gleichnisse dazu bei, dass Jesu Lehren bewahrt blieben. In vielen Gleichnissen beschrieb Jesus seinen Vater mit anschaulichen Wortbildern, die nicht so leicht in Vergessenheit gerieten. Ist beispielsweise die Kernaussage des Gleichnisses vom verlorenen Sohn nicht klar und deutlich? Jehova bringt jemandem, der auf Abwege geraten ist, dann aber ehrlich bereut, Mitgefühl entgegen und nimmt ihn herzlich auf (Lukas 15:11-32).

      12. (a) Wie setzte Jesus beim Lehren Fragen ein? (b) Wie ließ Jesus die Zweifel an seiner Befugnis verstummen?

      12 Geschickte Fragen. Durch Fragen erreichte Jesus, dass seine Zuhörer selbst Schlüsse zogen, ihre Beweggründe überprüften oder Entscheidungen trafen (Matthäus 12:24-30; 17:24-27; 22:41-46). Als die geistlichen Führer seine göttliche Befugnis anzweifelten, stellte er die Gegenfrage: „War die Taufe, die Johannes durchführte, vom Himmel oder von Menschen?“ Durch diese Frage wie vor den Kopf geschlagen, überlegten sie unter sich: „Wenn wir sagen: ‚Vom Himmel‘, wird er uns fragen: ‚Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‘ Und wenn wir sagen: ‚Von Menschen‘, haben wir die Leute gegen uns, denn sie alle halten Johannes für einen Propheten.“ Schließlich antworteten sie: „Wir wissen es nicht“ (Markus 11:27-33; Matthäus 21:23-27). Mit einer einfachen Frage bewirkte Jesus, dass es ihnen die Sprache verschlug und ihre verräterischen Absichten zum Vorschein kamen.

      13-15. Wie zeigt sich Jesu Weisheit am Gleichnis vom barmherzigen Samariter?

      13 Bisweilen kombinierte Jesus die beiden Methoden und flocht in seine Erzählungen nachdenklich stimmende Fragen ein. Als er von einem jüdischen Gesetzesexperten nach den Voraussetzungen für ewiges Leben gefragt wurde, verwies Jesus auf das mosaische Gesetz, das die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen gebietet. In der Absicht, sich als gerecht hinzustellen, fragte der Mann nun: „Wer ist denn eigentlich mein Mitmensch?“ Jesus antwortete ihm mit einer Geschichte. Ein gewisser Jude war allein unterwegs, als er von Räubern überfallen und halb tot liegen gelassen wurde. Es kamen zwei Juden des Weges – zuerst ein Priester und dann ein Levit. Beide gingen achtlos an ihm vorüber. Aber dann trat ein Samariter auf den Schauplatz. Von Mitleid gerührt, verband er ihm behutsam die Wunden und brachte ihn zu einer Herberge, wo er gut aufgehoben war und sich erholen konnte. Als Jesus mit Erzählen fertig war, wollte er von dem Fragesteller wissen: „Wer von den drei hat sich deiner Meinung nach für den Überfallenen als Mitmensch erwiesen?“ Dem Mann blieb nichts anderes übrig, als zu erwidern: „Der, der ihn barmherzig behandelt hat“ (Lukas 10:25-37).

      14 Wie tritt in diesem Gleichnis die Weisheit Jesu zutage? Zur Zeit Jesu galt den Juden nur der als „Mitmensch“, der sich an ihre Überlieferungen hielt – und ganz gewiss kein Samariter (Johannes 4:9). Jesus hätte die Geschichte auch so erzählen können, dass ein Samariter das Opfer und ein Jude der Helfer gewesen wäre. Hätte er damit aber Vorurteile abgebaut? In weiser Absicht ließ er einen Samariter liebevoll für einen Juden sorgen. Doch nun zurück zu der Frage, die Jesus am Ende seiner Erzählung stellte. Er rückte den Ausdruck „Mitmensch“ in den Brennpunkt. Der Gesetzesexperte wollte eigentlich wissen: „Wem sollte meine Nächstenliebe gelten?“ Aber Jesus fragte: „Wer von den drei hat sich deiner Meinung nach für den Überfallenen als Mitmensch erwiesen?“ Jesus stellte nicht den Empfänger der gütigen Tat in den Vordergrund, sondern den Geber, den Samariter. Wer ein guter Mitmensch sein will, ergreift die Initiative und begegnet anderen – ungeachtet ihrer Herkunft – mit Liebe. Deutlicher hätte es Jesus kaum auf den Punkt bringen können.

      15 Ist es da ein Wunder, dass die Leute über Jesu „Art zu lehren“ staunten und sich zu ihm hingezogen fühlten? (Matthäus 7:28, 29). Einmal blieb „eine große Menschenmenge“, obwohl sie nichts zu essen dabeihatte, drei Tage lang bei ihm (Markus 8:1, 2).

      Wie er lebte

      16. Wie bewies Jesus „in der Praxis“, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten ließ?

      16 Als Drittes spiegelte Jesus die Weisheit Jehovas durch seine Lebensweise wider. Weisheit bewährt sich in der Praxis. „Wer unter euch ist weise?“, fragte der Jünger Jakobus. Die Antwort gab er selbst: „Er beweise es in der Praxis durch seinen rechten Lebenswandel“ (Jakobus 3:13, The New English Bible). Jesu Lebenswandel bewies „in der Praxis“, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten ließ. Durch seine Lebensweise und im Umgang mit anderen zeigte er, dass er vernünftig und ausgeglichen war.

      17. Was deutet darauf hin, dass Jesus vollkommen ausgeglichen war?

      17 Bei Menschen, denen es an Klarblick fehlt, kann man oft beobachten, dass sie zu Extremen neigen. Ausgeglichen zu sein setzt Weisheit voraus. Jesus, der die göttliche Weisheit widerspiegelte, war vollkommen ausgeglichen. Alles, was mit dem Glauben zusammenhing, stand in seinem Leben an erster Stelle. Intensiv widmete er sich dem Verkündigen der guten Botschaft. „Dazu bin ich gekommen“, sagte er (Markus 1:38). Wie nicht anders zu erwarten, legte er auf materielle Güter keinen großen Wert; anscheinend besaß er sehr wenig (Matthäus 8:20). Doch er war kein Asket. Wie sein Vater, der „glückliche Gott“, hatte Jesus eine fröhliche Wesensart und das übertrug sich auch auf andere (1. Timotheus 1:11; 6:15). Auf einer Hochzeitsfeier, die er besuchte – ein Anlass, bei dem man musizierte, sang und sich freute –, saß er nicht mürrisch da. Als der Wein ausging, verwandelte er Wasser in einen vortrefflichen Wein, „der das Herz des Menschen erfreut“ (Psalm 104:15; Johannes 2:1-11). Jesus nahm viele Einladungen zum Essen an und nutzte solche Gelegenheiten oft zum Lehren (Lukas 10:38-42; 14:1-6).

      18. Wie bewies Jesus Scharfblick im Umgang mit seinen Jüngern?

      18 Scharfblick bewies Jesus auch im Umgang mit anderen. Durch seine Menschenkenntnis hatte er ein klares Bild von seinen Jüngern. Er wusste genau, dass sie nicht vollkommen waren. Doch worauf er achtete, waren ihre guten Eigenschaften. Er erkannte das Potenzial dieser Männer, die Jehova zu sich gezogen hatte (Johannes 6:44). Jesus war gewillt, ihnen trotz ihrer Schwächen zu vertrauen. In diesem Vertrauen übertrug er seinen Jüngern eine große Verantwortung. Er beauftragte sie, die gute Botschaft zu predigen, und traute ihnen das auch zu (Matthäus 28:19, 20). Wie die Apostel­geschichte bezeugt, führten sie treu das Werk aus, das er ihnen geboten hatte (Apostel­geschichte 2:41, 42; 4:33; 5:27-32). Ja, es war weise von Jesus, ihnen zu vertrauen.

      19. Woran kann man erkennen, dass Jesus „ein mildes Wesen“ hatte und „von Herzen demütig“ war?

      19 Wie in Kapitel 20 erörtert, bringt die Bibel Demut und Milde mit Weisheit in Zusammenhang. Jehova gibt darin selbst­verständlich das beste Beispiel. Und Jesus? Es ist bewegend, zu sehen, wie demütig sich Jesus gegenüber seinen Jüngern verhielt. Als vollkommener Mensch war er ihnen überlegen. Doch er blickte nicht auf sie herab. Nie gab er ihnen das Gefühl, minderwertig oder unfähig zu sein. Im Gegenteil, er nahm auf ihre Grenzen Rücksicht und ertrug geduldig ihre Schwächen (Markus 14:34-38; Johannes 16:12). Sagt es nicht viel über Jesus aus, dass sich sogar Kinder bei ihm wohlfühlten? Bestimmt fühlten sie sich zu ihm hingezogen, weil er „ein mildes Wesen“ hatte und „von Herzen demütig“ war (Matthäus 11:29; Markus 10:13-16).

      20. Wie zeigte sich Jesus gegenüber einer Nichtjüdin vernünftig, die eine dämonisierte Tochter hatte?

      20 Jesus bewies noch in einem anderen wichtigen Punkt gottgefällige Demut. Er war vernünftig oder nachgiebig, wenn die Barmherzigkeit es verlangte. Einmal wurde er von einer Nichtjüdin gebeten, ihre stark dämonisierte Tochter zu heilen. Jesus gab ihr auf dreierlei Weise zu verstehen, dass er ihr nicht helfen würde: Zuerst antwortete er ihr nicht; als Nächstes erklärte er rundheraus, dass er zu den Juden gesandt worden war, nicht zu den anderen Völkern; und dann unterstrich er das Ganze noch durch einen freundlich gemeinten Vergleich. Doch die Frau war beharrlich und ließ dadurch einen außergewöhnlichen Glauben erkennen. Wie reagierte Jesus in dieser Ausnahmesituation? Entgegen dem, was er angedeutet hatte, heilte er die Tochter dieser Frau (Matthäus 15:21-28). Damit bewies er bemerkenswerte Demut – eine Demut, wie sie echter Weisheit zugrunde liegt.

      21. Warum sollten wir uns bemühen, Jesu Persönlichkeit und seine Rede- und Handlungsweise nachzuahmen?

      21 Wie dankbar können wir sein, dass uns die Evangelien die Worte und Taten des weisesten Menschen enthüllen, der je lebte! Dabei wollen wir im Sinn behalten, dass Jesus das perfekte Spiegelbild seines Vaters war. Wenn wir seine Persönlichkeit und seine Rede- und Handlungsweise nachahmen, eignen wir uns die Weisheit von oben an. Wie wir diese göttliche Weisheit in unserem Leben praktizieren können, erfahren wir als Nächstes.

      a In biblischen Zeiten bauten Zimmerleute Häuser und fertigten Möbel und Ackerbaugeräte. Justinus der Märtyrer schrieb im 2. Jahrhundert u. Z. über Jesus: „Er stellte nämlich, als er unter den Menschen weilte, Zimmermannsarbeiten her, Pflüge und Joche.“

      b Das griechische Verb, das mit „sich Sorgen machen“ wiedergegeben ist, bedeutet auch „sich ablenken lassen“. In Matthäus 6:25 bezeichnet es eine bange Sorge, die die Gedanken ablenkt oder spaltet und damit dem Leben die Freude raubt.

      c Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Stress und übertriebene Sorge Herzkrankheiten und eine Vielzahl anderer lebensbedrohlicher Leiden begünstigen.

      Fragen zum Nachdenken

      • Sprüche 8:22-31 Weshalb passt die Beschreibung der Weisheit zu dem, was die Bibel über Jehovas erstgeborenen Sohn sagt?

      • Matthäus 13:10-15 Wieso brachten Jesu Gleichnisse zum Vorschein, wie es im Herzen seiner Zuhörer aussah?

      • Johannes 1:9-18 Warum war Jesus in der Lage, die Weisheit Gottes zu offenbaren?

      • Johannes 13:2-5, 12-17 Wie erteilte Jesus Anschauungs­unterricht, und was lehrte er seine Apostel dadurch?

  • Zeigt sich „die Weisheit von oben“ in deinem Leben?
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Schwester studiert die Bibel und biblische Veröffentlichungen.

      KAPITEL 22

      Zeigt sich „die Weisheit von oben“ in deinem Leben?

      1-3. (a) Wie bewies Salomo bei einem Streit um die Mutterschaft außergewöhnliche Weisheit? (b) Was sichert uns Jehova zu, und welche Fragen ergeben sich daraus?

      DIE Rechtslage war kompliziert – zwei Frauen stritten um ein Baby. Sie wohnten unter einem Dach und hatten beide im Abstand von wenigen Tagen einen Sohn zur Welt gebracht. Der eine Sohn war gestorben, und nun behaupteten beide, die Mutter des lebenden Babys zu sein.a Zeugen gab es keine. Wahrscheinlich war der Fall von einer niedrigeren Instanz angehört worden, ohne dass man zu einem Ergebnis gelangt war. Schließlich trug man die Angelegenheit Salomo vor, dem König von Israel. Ob er wohl die Wahrheit herausfinden würde?

      2 Nachdem Salomo den zankenden Frauen eine Weile zugehört hatte, ließ er ein Schwert holen. Er schien es ernst zu meinen, als er befahl, das Kind in zwei Stücke zu teilen und jeder Frau eine Hälfte zu geben. Sofort flehte die richtige Mutter den König an, das Baby – ihr geliebtes Kind – der anderen Frau zu überlassen. Die aber bestand darauf, das Kind in zwei Stücke zu teilen. Jetzt war Salomo alles klar. Er hatte eine Vorstellung davon, wie eine Mutter für das Kind empfindet, das sie unter dem Herzen getragen hat, und nutzte dieses Wissen, um den Streit zu schlichten. Wie erleichtert die Mutter gewesen sein muss, als Salomo ihr das Baby zuerkannte und sagte: „Sie ist seine Mutter“ (1. Könige 3:16-27).

      3 Zeugt das nicht von außergewöhnlicher Weisheit? Als das Volk hörte, wie Salomo den Fall gelöst hatte, staunte es nur so, „denn es sah, dass Gott ihm Weisheit gegeben hatte“. Ja, die Weisheit Salomos war ein Geschenk Gottes. Jehova hatte ihm „ein weises und verständiges Herz“ gegeben (1. Könige 3:12, 28). Und wir? Können auch wir göttliche Weisheit erhalten? Ganz sicher, denn Salomo schrieb unter Inspiration: „Es ist Jehova, der Weisheit gibt“ (Sprüche 2:6). Denen, die ernstlich danach suchen, sichert Jehova Weisheit zu – die Fähigkeit, Wissen, Verständnis und Urteilsvermögen richtig umzusetzen. Wie gelangen wir zu dieser Weisheit von oben? Und wie können wir weise handeln?

      Weisheit erwerben – wie?

      4-7. Welche vier Erfordernisse gehören dazu, Weisheit zu erwerben?

      4 Müssen wir hochintelligent oder sehr gebildet sein, um göttliche Weisheit zu erhalten? Nein. Jehova lässt uns gern an seiner Weisheit teilhaben, ganz ungeachtet unserer Herkunft und Bildung (1. Korinther 1:26-29). Aber es liegt an uns, die Initiative zu ergreifen, denn die Bibel fordert uns auf, Weisheit zu erwerben (Sprüche 4:7). Was ist dazu nötig?

      5 Als Erstes ist es für uns wichtig, Ehrfurcht vor Gott zu haben. In Sprüche 9:10 lesen wir: „Die Ehrfurcht vor Jehova ist der Anfang der Weisheit [„der erste Schritt zur Weisheit“, The New English Bible].“ Gottesfurcht ist die Grundlage wahrer Weisheit. Warum? Wir erinnern uns, dass Weisheit einschließt, Wissen oder Erkenntnis erfolgreich umzusetzen. Ehrfurcht vor Gott zu haben bedeutet nicht, sich ängstlich vor ihm zu ducken, sondern sich respektvoll, vertrauensvoll und voller Bewunderung vor ihm niederzubeugen. Diese Haltung ist gut für uns und motiviert uns, das Richtige zu tun. Sie veranlasst uns, entsprechend unserer Erkenntnis des Willens und der Wege Gottes zu leben. Einen weiseren Kurs könnten wir nicht einschlagen, denn Jehovas Maßstäbe wirken sich für alle, die sich daran halten, stets zum Guten aus.

      6 Zweitens werden Demut und Bescheidenheit von uns verlangt. Diese Eigenschaften sind von göttlicher Weisheit nicht wegzudenken (Sprüche 11:2). Wieso? Wenn wir demütig und bescheiden sind, werden wir ohne Weiteres zugeben, dass wir nicht auf alles eine Antwort wissen, dass unsere Ansichten nicht immer richtig sind und dass Jehovas Standpunkt für uns ausschlaggebend sein sollte. Jehova „stellt sich den Überheblichen entgegen“, aber wer ein demütiges Herz hat, dem gibt er gern Weisheit (Jakobus 4:6).

      7 Ein drittes Erfordernis ist, Gottes Wort zu studieren. Darin offenbart Jehova nämlich seine Weisheit. Wollen wir sie erwerben, müssen wir danach graben (Sprüche 2:1-5). Als Viertes wäre das Gebet zu erwähnen. Wenn wir Gott aufrichtig um Weisheit bitten, schenkt er sie uns großzügig (Jakobus 1:5). Unsere Bitten um die Hilfe seines Geistes verhallen nicht ungehört. Durch seinen Geist kann Gott uns auf Kostbarkeiten in seinem Wort stoßen, die uns helfen, Probleme zu lösen, Gefahren zu meiden und weise Entscheidungen zu treffen (Lukas 11:13).

      Göttliche Weisheit ist etwas, wonach man angestrengt graben muss

      8. Woran ist zu erkennen, ob wir wirklich göttliche Weisheit erworben haben?

      8 In Kapitel 17 war schon davon die Rede, dass Jehovas Weisheit auf die Praxis ausgerichtet ist. Wenn wir also göttliche Weisheit erworben haben, wird das an unserem Verhalten zu erkennen sein. Der Jünger Jakobus beschrieb die göttliche Weisheit wie folgt: „Die Weisheit von oben … ist vor allem rein, dann friedlich, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Taten, unparteiisch, nicht heuchlerisch“ (Jakobus 3:17). Während wir diese Merkmale der göttlichen Weisheit durchgehen, könnten wir uns jedes Mal fragen: Zeigt sich die Weisheit von oben in meinem Leben?

      „Rein, dann friedlich“

      9. Was bedeutet es, rein zu sein, und warum ist es passend, dass die Reinheit als erstes Merkmal der Weisheit aufgeführt wird?

      9 „Vor allem rein“. Moralische Reinheit zeigt sich nicht nur im Verhalten, sondern auch im Denken. Die Bibel bringt Weisheit mit dem Herzen in Verbindung. In ein Herz, das von schlechten Gedanken, Wünschen und Beweggründen verunreinigt ist, findet die himmlische Weisheit keinen Eingang (Sprüche 2:10; Matthäus 15:19, 20). Ist unser Herz dagegen rein – soweit es unvollkommenen Menschen möglich ist –, werden wir uns vom Schlechten abwenden und Gutes tun (Psalm 37:27; Sprüche 3:7). Passt es da nicht gut, dass die Reinheit als erstes Merkmal der Weisheit aufgeführt wird? Wie könnten wir sonst die anderen Merkmale der Weisheit von oben widerspiegeln?

      10, 11. (a) Warum ist es wichtig, friedlich zu sein? (b) Wie kann man sich als Friedensstifter erweisen, wenn man glaubt, einen Glaubensbruder gekränkt zu haben? (Siehe auch Fußnote.)

      10 „Dann friedlich“. Die himmlische Weisheit veranlasst uns, den Frieden zu suchen, den der Geist Gottes hervorbringt (Galater 5:22). Wir bemühen uns, das „Band des Friedens“, das Jehovas Volk verbindet, nicht zu zerreißen (Epheser 4:3). Ist der Frieden gestört, tun wir unser Bestes ihn wiederher­zu­stellen. Warum ist das so wichtig? Die Bibel sagt: „Lebt in Frieden, dann wird der Gott der Liebe und des Friedens bei euch sein“ (2. Korinther 13:11). Solange wir friedlich leben, wird also der Gott des Friedens bei uns sein. Unser Verhalten gegenüber unseren Glaubensbrüdern hat einen direkten Einfluss auf unsere Beziehung zu Jehova. Wie können wir uns als Friedensstifter erweisen? Sehen wir uns hierzu ein Beispiel an.

      11 Was ist zu tun, wenn man das Gefühl hat, einen Glaubensbruder gekränkt zu haben? Jesus sagte: „Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe“ (Matthäus 5:23, 24). Dieser Rat verlangt von uns, die Initiative zu ergreifen und zu dem anderen hinzugehen. Was ist das Ziel dabei? Versöhnung.b Dazu muss man ihm seine verletzten Gefühle wahrscheinlich zugestehen und darf sie nicht vom Tisch wischen. Wenn man in der Absicht auf ihn zugeht, den Frieden wiederher­zu­stellen, und dieses Ziel auch nicht aus den Augen verliert, werden sich irgendwelche Missverständnisse wahrscheinlich klären, man wird sich wenn nötig entschuldigen und einander verzeihen. Wer sein Möglichstes tut, Frieden zu schließen, zeigt, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten lässt.

      „Vernünftig, zum Gehorchen bereit“

      12, 13. (a) Was bedeutet das Wort, das in Jakobus 3:17 mit „vernünftig“ wiedergegeben wird? (b) Wie können wir zeigen, dass wir vernünftig sind?

      12 „Vernünftig“. Was ist damit gemeint, vernünftig zu sein? Gelehrte finden das griechische Wort, das in Jakobus 3:17 mit „vernünftig“ wiedergegeben wird, schwer zu übersetzen. Es enthält den Gedanken von „nachgiebig“ und „nachsichtig“. Bibelübersetzer haben an dieser Stelle auch Ausdrücke wie „milde“ oder „freundlich“ gebraucht. Wie können wir zeigen, dass dieses Merkmal der Weisheit von oben in uns wirksam ist?

      13 „Eure Vernünftigkeit soll allen Menschen bekannt werden“, heißt es in Philipper 4:5. Eine andere Übersetzung lautet: „Steht in dem Ruf, vernünftig zu sein“ (The New Testament in Modern English, J. B. Phillips). Es geht also nicht so sehr darum, wie wir uns sehen, sondern darum, wie andere uns sehen oder wofür wir bekannt sind. Ein vernünftiger Mensch pocht nicht auf den Buchstaben des Gesetzes und muss nicht unbedingt seinen Willen durchsetzen. Er ist bereit, anderen zuzuhören und nach Möglichkeit auf ihre Wünsche einzugehen. Auch benimmt er sich freundlich und nicht grob oder barsch. Wenn das für alle Christen gilt, dann erst recht für Älteste. Freundlichkeit ist anziehend und macht Älteste zugänglich (1. Thessalonicher 2:7, 8). Doch wir alle tun gut daran, uns zu fragen: Stehe ich in dem Ruf, mild, nachgiebig und freundlich zu sein?

      14. Wie können wir beweisen, dass wir „zum Gehorchen bereit“ sind?

      14 „Zum Gehorchen bereit“. Das griechische Wort für „zum Gehorchen bereit“ kommt nirgendwo sonst in den Christlichen Griechischen Schriften vor. Einem Gelehrten zufolge wird dieser Ausdruck „oft für militärische Disziplin gebraucht“. Er vermittelt den Gedanken „leicht zu überzeugen“ und „fügsam“ zu sein. Wer sich nach der Weisheit von oben ausrichtet, fügt sich bereitwillig dem, was die Bibel sagt. Er gilt nicht als jemand, der für keinerlei Gegenargumente offen ist, nachdem er eine Entscheidung getroffen hat. Vielmehr wird er sich ohne Weiteres revidieren, wenn ihm anhand der Bibel klar dargelegt wird, dass er einen verkehrten Standpunkt eingenommen oder irrige Schluss­folgerungen gezogen hat. Stehst du in diesem Ruf?

      „Voller Barmherzigkeit und guter Taten“

      15. Was ist Barmherzigkeit, und warum ist es passend, dass in Jakobus 3:17 „Barmherzigkeit“ und „gute Taten“ als etwas Zusammengehöriges erwähnt werden?

      15 „Voller Barmherzigkeit und guter Taten“. Barmherzigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Weisheit von oben, denn es heißt von ihr, sie sei „voller Barmherzigkeit“. Interessanter­weise werden „Barmherzigkeit“ und „gute Taten“ als etwas Zusammengehöriges erwähnt. Das ist auch passend, denn in der Bibel bezeichnet Barmherzigkeit meistens ein aktives Interesse an anderen, ein Mitgefühl, das sich in vielen guten Taten zeigt. Ein Nachschlagewerk definiert Barmherzigkeit als „ein Gefühl der Betrübnis über die schlimme Lage eines anderen und das Bemühen, etwas dagegen zu unternehmen“. Die göttliche Weisheit ist also nicht nüchtern oder kalt und wird auch nicht rein vom Intellekt bestimmt. Nein, sie ist warm, empfindsam und hat Herz. Wie können wir zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind?

      16, 17. (a) Was außer der Liebe zu Gott motiviert uns zu predigen, und warum? (b) Wie können wir zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind?

      16 Ein wichtiger Punkt ist sicher das Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich. Mit welcher Motivation beteiligen wir uns daran? Hauptsächlich aus Liebe zu Gott. Aber auch die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl mit anderen drängt uns dazu (Matthäus 22:37-39). Heutzutage sind viele „wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9:36). Sie werden von falschen religiösen Hirten vernachlässigt und in geistiger Finsternis gehalten. Von der weisen Anleitung im Wort Gottes wissen sie nichts, genauso wenig wie von den Segnungen, die Gottes Königreich in Kurzem der Erde bringen wird. Wenn wir daher über die geistige Unterversorgung der Menschen um uns herum nachdenken, motiviert uns ein von Herzen kommendes Mitgefühl, ihnen nach besten Kräften den liebevollen Vorsatz Jehovas näherzubringen.

      Ein Ehepaar und seine zwei Kinder kommen mit Lebensmitteln und einem Werkzeugkoffer zu einer älteren Schwester.

      Anderen Barmherzigkeit oder Mitgefühl entgegen­zu­bringen ist ein Ausdruck der „Weisheit von oben“

      17 Wie können wir noch zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind? Denken wir an Jesu Gleichnis von dem Samariter zurück, der am Wegrand einen ausgeraubten, übel zugerichteten Reisenden entdeckte. Aus Mitleid behandelte er ihn barmherzig, verband dem Verletzten die Wunden und kümmerte sich um ihn (Lukas 10:29-37). Wird daran nicht deutlich, dass Barmherzigkeit praktische Hilfe für Notleidende einschließt? Die Bibel hält uns dazu an, „allen Gutes [zu] tun, besonders denen, die im Glauben mit uns verwandt sind“ (Galater 6:10). Sehen wir uns dazu einige Möglichkeiten an. Ein älterer Glaubensbruder benötigt vielleicht Hilfe, um zu den christlichen Zusammenkünften und wieder nach Hause zu kommen. Eine Witwe aus der Versammlung kann bei Reparaturen in der Wohnung tatkräftige Unterstützung gebrauchen (Jakobus 1:27). Jemand, der bedrückt ist, sehnt sich nach einem „guten Wort“, das ihn aufheitert (Sprüche 12:25). Hier können wir Barmherzigkeit üben und die Weisheit von oben zum Vorschein bringen.

      „Unparteiisch, nicht heuchlerisch“

      18. Wogegen werden wir ankämpfen, wenn wir uns von der göttlichen Weisheit leiten lassen, und weshalb?

      18 „Unparteiisch“. Die göttliche Weisheit überwindet Rassismus und Nationalstolz. Wenn wir uns von dieser Weisheit leiten lassen, werden wir jeden Hang zur Parteilichkeit in uns rigoros bekämpfen (Jakobus 2:9). Wir werden andere nicht wegen ihrer Bildung, finanziellen Situation oder Verantwortung in der Versammlung bevorzugt behandeln und auch nicht auf irgendeinen unserer Glaubensbrüder herabblicken, sei er noch so unscheinbar. Wenn Jehova ihm seine Liebe geschenkt hat, sollten wir ihn bestimmt auch unserer Liebe für würdig erachten.

      19, 20. (a) Welchen Hintergrund hat das griechische Wort für „Heuchler“? (b) Wie beweisen wir „ungeheuchelte brüderliche Zuneigung“, und warum ist das so wichtig?

      19 „Nicht heuchlerisch“. Das griechische Wort für „Heuchler“ kann sich auf einen „Schauspieler, der eine Rolle verkörpert“, beziehen. Bei den alten Griechen und Römern trugen die Schauspieler auf der Bühne große Masken. Daher bezeichnete das griechische Wort für „Heuchler“ mit der Zeit auch jemand, der ein falsches Spiel trieb oder sich verstellte. Das hier beschriebene Merkmal der göttlichen Weisheit sollte sich nicht nur darauf auswirken, wie wir unsere Glaubensbrüder behandeln, sondern auch darauf, wie wir für sie empfinden.

      20 Der Apostel Petrus schrieb, unser „Gehorsam gegenüber der Wahrheit“ solle „ungeheuchelte brüderliche Zuneigung“ mit sich bringen (1. Petrus 1:22). Ja, die Zuneigung zu unseren Brüdern darf nichts Aufgesetztes sein. Wir tragen keine Masken und spielen ihnen nichts vor; schließlich wollen wir andere nicht täuschen. Unsere Zuneigung muss echt sein, muss von Herzen kommen. Dadurch gewinnen wir das Vertrauen unserer Glaubensbrüder, denn sie wissen, dass wir ihnen nichts vormachen. Eine solche Aufrichtigkeit fördert offene und ehrliche Freundschaften und trägt in der Versammlung zu einem Klima des Vertrauens bei.

      „Bewahre praktische Weisheit“

      21, 22. (a) Wie kam es, dass Salomo die Weisheit nicht bewahrte? (b) Wie können wir die Weisheit bewahren, und was trägt uns das ein?

      21 Göttliche Weisheit ist ein Geschenk Jehovas, das wir behüten sollten. Salomo sagte: „Mein Sohn … Bewahre praktische Weisheit und Denkfähigkeit“ (Sprüche 3:21). Er selbst versäumte das leider. Solange Salomo sich ein gehorsames Herz bewahrte, blieb er weise. Doch seine vielen ausländischen Frauen zogen sein Herz mit der Zeit von der reinen Anbetung Jehovas weg (1. Könige 11:1-8). An Salomo wird deutlich, dass Wissen nur dann etwas nützt, wenn man richtigen Gebrauch davon macht.

      22 Wie können wir praktische Weisheit bewahren? Nicht nur dadurch, dass wir die Bibel und die biblischen Veröffentlichungen des „treuen und verständigen Sklaven“ regelmäßig lesen, sondern wir müssen das Gelernte auch ausleben (Matthäus 24:45). Wir haben allen Grund, die göttliche Weisheit in die Praxis umzusetzen. Das bedeutet für uns heute schon ein besseres Leben. Und wir können „das wirkliche Leben fest ergreifen“ – das Leben in Gottes neuer Welt (1. Timotheus 6:19). Doch was am wichtigsten ist: Die Weisheit von oben zu entwickeln bringt uns der Quelle aller Weisheit näher – Jehova Gott.

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