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Schätzen wir Jehova als unseren Töpfer?Der Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Juni
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Schätzen wir Jehova als unseren Töpfer?
„O Jehova, . . . du bist unser Töpfer; und wir alle sind das Werk deiner Hand“ (JES. 64:8)
1. Warum ist Jehova der größte Töpfer überhaupt?
IM November 2010 wurden in London umgerechnet 50 Millionen Euro für eine chinesische Vase aus dem 18. Jahrhundert geboten. Wie man sieht, kann ein Töpfer aus etwas, was so preisgünstig und reichlich vorhanden ist wie Ton, ein wunderschönes und teures Meisterwerk herstellen. Dennoch kann sich kein Töpfer mit Jehova vergleichen. Gegen Ende des sechsten Schöpfungstages bildete Gott „aus Staub [oder Ton] vom Erdboden“ einen vollkommenen Menschen, der die Fähigkeit hatte, die Eigenschaften seines Schöpfers widerzuspiegeln (1. Mo. 2:7, siehe auch Fußnote). Dieser vollkommene Mensch, Adam, der aus Erde gemacht wurde, konnte zu Recht Gottes Sohn genannt werden (Luk. 3:38).
2, 3. Wie können wir die Einstellung reuevoller Israeliten nachahmen?
2 Als Adam jedoch gegen seinen Schöpfer rebellierte, war er nicht mehr Gottes Sohn. Trotzdem hat sich über Generationen hinweg eine „große Wolke“ von Adams Nachkommen dafür entschieden, Gottes Souveränität zu unterstützen (Heb. 12:1). Sie haben sich ihrem Schöpfer demütig untergeordnet und so gezeigt, dass sie ihn und nicht den Teufel als ihren Vater und Töpfer möchten (Joh. 8:44). Ihre Loyalität gegenüber Gott erinnert an Jesajas Worte, mit denen er die reuevolle Einstellung der Israeliten ausdrückt: „O Jehova, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer; und wir alle sind das Werk deiner Hand“ (Jes. 64:8).
3 Alle, die Jehova heute mit Geist und Wahrheit anbeten, bemühen sich, genauso demütig zu sein und sich ihm unterzuordnen. Sie betrachten es als Ehre, Jehova mit Vater anreden zu können und sich ihm als ihrem Töpfer unterzuordnen. Betrachtest du dich selbst als weichen Ton in Gottes Hand und bist du bereit, dich zu einem Gefäß formen zu lassen, das in seinen Augen wertvoll ist? Siehst du jeden deiner Glaubensbrüder als ein Werk, das noch in Arbeit ist und von Gott noch weiter geformt wird? Um uns in dieser Hinsicht zu verbessern, sehen wir uns nun drei Fragen an, die Jehovas Arbeit als unser Töpfer betreffen: Wie sucht er diejenigen aus, die er formt? Warum formt er sie? Und wie tut er das?
JEHOVA SUCHT AUS, WEN ER FORMT
4. Wie sucht Jehova diejenigen aus, die er zu sich zieht? Nenne Beispiele.
4 Wenn Jehova Menschen beobachtet, konzentriert er sich nicht auf Äußerlichkeiten. Vielmehr durchforscht er das Herz: den inneren Menschen. (Lies 1. Samuel 16:7b.) Diese Tatsache wurde deutlich, als Gott die Christenversammlung gründete. Er zog viele Menschen, die aus der Sicht anderer wahrscheinlich wertlos schienen, zu sich und seinem Sohn (Joh. 6:44). Einer dieser Menschen war Saulus, ein Pharisäer. Er war „ein Lästerer und ein Verfolger und ein unverschämter Mensch“ (1. Tim. 1:13). Doch „der Prüfer der Herzen“ sah Saulus nicht als unbrauchbaren Ton an (Spr. 17:3). Stattdessen betrachtete Gott ihn als jemand, der zu einem kostbaren Gefäß geformt werden konnte, ja „einem auserwählten Gefäß“, um sowohl den Nationen als auch Königen und den Söhnen Israels Zeugnis zu geben (Apg. 9:15). Andere, die Gott als zukünftige Gefäße „für einen ehrenhaften Gebrauch“ ansah, waren Trinker, unmoralische Menschen und Diebe (Röm. 9:21; 1. Kor. 6:9-11). Sie eigneten sich eine genaue Erkenntnis von Gottes Wort an und stärkten ihren Glauben, wodurch sie sich von Jehova formen ließen.
5, 6. Wie beeinflusst Vertrauen in Jehova als Töpfer unsere Einstellung zu (a) den Menschen im Gebiet, (b) unseren Brüdern und Schwestern?
5 Wir haben also erfahren, dass Jehova die Fähigkeit hat, ins Herz zu sehen und diejenigen zu sich zu ziehen, die er erwählt. Daran zu glauben, sollte uns davon abhalten, andere Menschen zu richten — seien sie in unserem Gebiet oder in der Versammlung. Nehmen wir zum Beispiel Michael. Er erinnert sich: „Wenn Zeugen Jehovas mich besuchten, drehte ich mich einfach um und behandelte sie wie Luft. Ich war wirklich unhöflich! Bei einer späteren Gelegenheit lernte ich eine Familie kennen, die ich wegen ihres guten Benehmens bewunderte. Ich war jedoch entsetzt, als ich eines Tages erfuhr, dass sie Zeugen Jehovas sind! Ihr Verhalten bewog mich dazu, meine Vorurteile zu überdenken. Bald wurde mir bewusst, dass meine Haltung auf Unwissenheit und auf Gerüchten beruhte, nicht auf Fakten.“ Um die Tatsachen herauszufinden, nahm er das Angebot eines Bibelstudiums an. Schließlich kam er in die Wahrheit und nahm den Vollzeitdienst auf.
6 Jehova als Töpfer anzuerkennen, kann auch unsere Einstellung zu Glaubensbrüdern beeinflussen. Siehst du sie, wie Gott sie sieht — nicht als fertiges Gefäß, sondern als eines, das noch in Arbeit ist? Jehova kann sowohl den inneren Menschen sehen als auch den Menschen, der durch seine geschickten Hände entstehen kann. Deshalb sieht er das Positive in uns und konzentriert sich nicht auf vorübergehende Unvollkommenheiten (Ps. 130:3). Wir ahmen ihn nach, wenn wir seine Diener in einem guten Licht sehen. Ja, wir können mit unserem Töpfer zusammenarbeiten, wenn wir unsere Brüder bei ihren Bemühungen unterstützen, geistige Fortschritte zu machen (1. Thes. 5:14, 15). Als „Gaben in Form von Menschen“ sollten die Ältesten hierbei die Führung übernehmen (Eph. 4:8, 11-13).
WARUM JEHOVA UNS FORMT
7. Warum schätzt du Jehovas Erziehung?
7 Vielleicht haben wir schon jemand sagen hören: „Ich habe es nie so richtig geschätzt, wie mich meine Eltern erzogen haben, bis ich selbst Kinder hatte.“ Wenn wir an Lebenserfahrung gewinnen, sehen wir Erziehung womöglich in einem neuen Licht, nämlich so, wie Jehova sie sieht: als Liebesbeweis. (Lies Hebräer 12:5, 6, 11.) Ja, aus Liebe zu seinen Kindern formt Jehova uns geduldig. Er möchte, dass wir weise und glücklich sind und seine Liebe erwidern (Spr. 23:15). Er freut sich weder über unser Leid noch will er, dass wir als „Kinder des Zorns“ sterben, was als Nachkommen Adams unsere Erblast wäre (Eph. 2:2, 3).
8, 9. Wie schult uns Jehova heute, und wie wird er die Schulung in der Zukunft fortsetzen?
8 Als „Kinder des Zorns“ hatten wir viele Eigenschaften, die Gott missfielen, und wir benahmen uns womöglich sogar wie wilde Tiere. Doch dank Jehovas Töpferhand änderten wir uns und wurden eher wie Lämmer (Jes. 11:6-8; Kol. 3:9, 10). Aus diesem Grund kann das Umfeld, in dem Jehova uns heute formt, als geistiges Paradies betrachtet werden, das gegenwärtig Formen annimmt. Trotz der bösen Welt um uns herum fühlen wir uns sicher und geborgen. Außerdem können alle, die in lieblosen und zerrütteten Familien aufgewachsen sind, im geistigen Paradies endlich echte Liebe erfahren (Joh. 13:35). Und wir haben gelernt, anderen Liebe zu zeigen. Aber vor allem haben wir Jehova kennengelernt und verspüren nun seine väterliche Liebe (Jak. 4:8).
9 In der neuen Welt werden wir die Segnungen des geistigen Paradieses voll und ganz erleben dürfen. Dieses wird dann sein perfektes Gegenstück haben — ein buchstäbliches Paradies unter der Herrschaft des Königreiches Gottes. In jener Zeit der weltweiten Wiederherstellung wird Jehova die Bewohner der Erde weiterhin formen und in einem Ausmaß schulen, das heute kaum vorstellbar ist (Jes. 11:9). Zudem wird Gott unseren Körper und Geist vollkommen werden lassen, sodass wir seine Lehren in uns aufnehmen und seinem Willen uneingeschränkt nachkommen können. Seien wir daher entschlossen, uns Jehova weiter unterzuordnen, und zeigen wir ihm so, dass wir seine Korrekturen als Ausdruck seiner Liebe sehen (Spr. 3:11, 12).
WIE JEHOVA UNS FORMT
10. Wie spiegelte Jesus die Geduld und das Geschick des großen Töpfers wider?
10 Ähnlich wie ein äußerst geschickter Töpfer kennt Jehova die Art und Qualität des Tons und formt ihn entsprechend. (Lies Psalm 103:10-14.) Er befasst sich mit uns als Einzelnen und berücksichtigt unsere Schwächen und Grenzen sowie den Grad unserer geistigen Reife. Wie er zu seinen unvollkommenen Dienern eingestellt ist, wurde durch Jesus deutlich. Denken wir nur daran, wie dieser mit den Fehlern seiner Apostel umging, besonders mit ihrem Hang, darüber zu diskutieren, wer der Größte sei. Wenn wir erlebt hätten, wie heftig sich die Apostel stritten, hätten wir sie dann für sanftmütig und formbar gehalten? Jesus hatte jedoch kein negatives Bild von ihnen. Er wusste, dass sie durch freundlichen und geduldigen Rat sowie durch sein demütiges Vorbild geformt werden konnten (Mar. 9:33-37; 10:37, 41-45; Luk. 22:24-27). Nachdem Jesus auferweckt und der heilige Geist ausgegossen worden war, konzentrierten sich die Apostel nicht mehr auf Stellung und Ansehen, sondern auf ihren Auftrag (Apg. 5:42).
11. Wie erwies sich David als weicher Ton, und wie können wir ihn nachahmen?
11 Heute formt Jehova seine Diener hauptsächlich durch sein Wort, seinen heiligen Geist und die Christenversammlung. Gottes Wort kann uns formen, wenn wir es aufmerksam lesen, über das Gelesene nachdenken und Jehova darum bitten, es anwenden zu können. David schrieb: „Wenn ich deiner gedacht habe auf meinem Lager, sinne ich über dich nach während der Nachtwachen“ (Ps. 63:6). Er schrieb auch: „Ich werde Jehova segnen, der mir Rat gegeben hat. In der Tat, während der Nächte haben mich meine Nieren [oder innersten Gedanken] zurechtgewiesen“ (Ps. 16:7). David ließ Gottes Rat — selbst wenn er ernst war — bis ins tiefste Innere vordringen, um seine innersten Gedanken und Empfindungen formen zu lassen (2. Sam. 12:1-13). Was für ein ausgezeichnetes Beispiel uns David doch in Demut und Unterordnung gab! Denkst auch du über Gottes Wort nach und lässt es dein Innerstes berühren? Könntest du dich darin noch verbessern? (Ps. 1:2, 3).
12, 13. Wie formt uns Jehova durch den heiligen Geist und die Christenversammlung?
12 Der heilige Geist kann uns auf unterschiedliche Weise formen. Zum Beispiel kann er bei uns zu einer christusähnlichen Persönlichkeit beitragen, die sich durch die Frucht des Geistes auszeichnet (Gal. 5:22, 23). Zu dieser Frucht gehört die Liebe. Weil wir Gott lieben, möchten wir ihm gehorchen und von ihm geformt werden. Seine Gebote sind für uns keine Last. Der heilige Geist kann uns auch die nötige Widerstandskraft geben, damit die Welt und ihr schlechter Geist uns nicht verformen können (Eph. 2:2). Der Apostel Paulus war als junger Mann von der stolzen Einstellung der jüdischen Religionsführer stark beeinflusst worden. Doch später konnte er schreiben: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Phil. 4:13). Bitten wir daher wie Paulus immer wieder um heiligen Geist. Jehova wird die aufrichtigen Bitten sanftmütiger Menschen nicht ignorieren (Ps. 10:17).
Jehova formt uns durch Älteste, doch wir müssen unseren Teil tun (Siehe Absatz 12, 13)
13 Jehova formt uns als Einzelne auch durch die Christenversammlung und ihre Aufseher. Wenn die Ältesten beispielsweise bei uns Anzeichen für eine geistige Schwäche bemerken, versuchen sie uns zu helfen — aber nicht auf Grundlage menschlicher Weisheit (Gal. 6:1). Vielmehr bitten sie Gott demütig um Einsicht und Weisheit. Mit unserer Situation im Sinn handeln sie dann im Einklang mit ihren Gebeten und forschen in der Bibel und den Veröffentlichungen nach. So können sie die Hilfe bieten, die auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wenn sie dir also freundlich und liebevoll Rat geben möchten, zum Beispiel zu deinem Kleidungsstil, nimmst du ihn dann als Ausdruck von Gottes Liebe an? Wenn ja, dann bist du wie weicher Ton in Jehovas Hand, bereit dich zu deinem Nutzen formen zu lassen.
14. Wie respektiert Jehova unseren freien Willen, obwohl er die Macht über uns als Ton hat?
14 Zu verstehen, wie Gott uns formt, kann sich gut auf das Verhältnis zu unseren Glaubensbrüdern auswirken. Das gilt auch für unsere Einstellung zu den Menschen im Gebiet einschließlich derer, mit denen wir die Bibel studieren. In biblischen Zeiten nahm ein Töpfer nicht einfach einen Klumpen Ton und formte ihn sofort. Als Erstes bereitete er den Ton vor und beseitigte Steine sowie andere Fremdkörper. In geistiger Hinsicht handelt Gott bei bereitwilligen Menschen ähnlich. Er bereitet sie darauf vor, von ihm geformt zu werden. Er zwingt sie nicht sich zu ändern, sondern lässt sie seine gerechten Maßstäbe erkennen — damit sie ihr Leben von sich aus in Ordnung bringen oder Änderungen vornehmen können.
15, 16. Wie lassen Bibelschüler erkennen, dass sie von Jehova geformt werden möchten? Nenne ein Beispiel.
15 Sehen wir uns das Beispiel von Tessie an, einer Schwester in Australien. Die Schwester, die früher mit ihr studierte, erzählte: „Tessie verstand die biblische Wahrheit relativ mühelos. Allerdings machte sie in geistiger Hinsicht keine besonderen Fortschritte — sie besuchte nicht einmal die Zusammenkünfte. Nachdem ich unter Gebet darüber nachgedacht hatte, beschloss ich das Studium einzustellen. Doch dann passierte etwas Erstaunliches. Bei dem Bibelstudium, das ich für unser letztes hielt, schüttete mir Tessie ihr Herz aus. Sie sagte, sie würde sich wie eine Heuchlerin vorkommen, weil sie das Glücksspiel liebte. Aber jetzt wollte sie damit aufhören.“
16 Kurz darauf begann Tessie Zusammenkünfte zu besuchen und verhielt sich wie eine Christin — sogar dann, wenn sie von ihren Bekannten verspottet wurde. Die Schwester fügte hinzu: „Nach einiger Zeit ließ sich Tessie taufen und diente später als Pionier, und das obwohl sie noch kleine Kinder hatte.“ Ja, wenn Bibelschüler ihr Leben in Ordnung bringen, um Gott zu gefallen, wird er sich ihnen nahen und sie zu wirklich wertvollen Gefäßen formen.
17. (a) Was berührt dich daran, dass Jehova dein Töpfer ist? (b) Worum geht es im nächsten Artikel?
17 Bis heute wird manches noch mit der Hand getöpfert. Dabei bearbeitet der Töpfer den Ton sehr individuell. Auch unser Töpfer geht auf uns als Einzelne ein und behandelt uns mit Geduld, wenn er uns durch seinen Rat formt und dann beobachtet, wie wir darauf reagieren. (Lies Psalm 32:8.) Spürst du Jehovas Interesse an dir? Erkennst du, wie seine fürsorglichen Hände dich formen? Wenn ja, welche weiteren Eigenschaften helfen dir, in Jehovas Händen wie weicher und formbarer Ton zu bleiben? Was solltest du meiden, damit du formbar bleibst und nicht verhärtest? Und wie können Eltern mit Jehova zusammenarbeiten, wenn es darum geht, ihre Kinder zu formen? Darum geht es im nächsten Artikel.
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Lässt du dich von dem großen Töpfer formen?Der Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Juni
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Lässt du dich von dem großen Töpfer formen?
„Siehe! Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand“ (JER. 18:6)
1, 2. Warum war Daniel für Gott ein „sehr begehrenswerter Mann“, und wie können wir wie Daniel eingestellt sein?
ALS die jüdischen Gefangenen in Babylon ankamen, fanden sie eine Stadt voller Götzen vor und ein Volk, das bösen Geistern versklavt war. Trotzdem ließen sich treue Juden wie Daniel und seine drei Freunde nicht von der babylonischen Welt formen (Dan. 1:6, 8, 12; 3:16-18). Sie waren entschlossen, sich ausschließlich von Jehova als ihrem Töpfer formen zu lassen und nur ihm ergeben zu sein. Und das schafften sie auch! Obwohl Daniel fast sein ganzes Leben in Babylon verbrachte, nannte Gottes Engel ihn einen „sehr begehrenswerten Mann“ (Dan. 10:11, 19).
2 In biblischen Zeiten presste ein Töpfer den Ton manchmal in eine Form, um ihm das gewünschte Aussehen zu geben. Als universeller Souverän hat Jehova das Recht, Völker und Nationen zu formen, und das erkennen wahre Anbeter an. (Lies Jeremia 18:6.) Er hat auch das Recht, uns als Einzelne zu formen. Dennoch respektiert er unseren freien Willen und möchte, dass wir uns ihm freiwillig unterordnen. Wie können wir daher in Gottes Händen wie weicher Ton bleiben? Dazu befassen wir uns nun mit drei Fragen: 1. Wie können wir Dinge meiden, die uns verhärten und uns so für Gottes Rat unempfänglich machen? 2. Wie können wir Eigenschaften entwickeln, die uns dabei helfen, uns unterzuordnen und formbar zu bleiben? 3. Wie können Eltern auf Gott hören, wenn sie ihre Kinder formen?
DINGE MEIDEN, DIE DAS HERZ VERHÄRTEN
3. Was könnte unser Herz verhärten? Nenne ein Beispiel.
3 In Sprüche 4:23 heißt es: „Mehr als alles sonst, was zu behüten ist, behüte dein Herz, denn aus ihm sind die Quellen des Lebens.“ Wovor müssen wir uns hüten, um nicht zu verhärten? Unter anderem vor unangebrachtem Stolz, gewohnheitsmäßiger Sünde und vor Unglauben. All das könnte einen ungehorsamen und rebellischen Geist fördern (Dan. 5:1, 20; Heb. 3:13, 18, 19). Stolz wurde König Usija von Juda zum Verhängnis. (Lies 2. Chronika 26:3-5, 16-21.) Anfangs tat er, „was recht war in Jehovas Augen“, und „er strebte ständig danach, Gott zu suchen“. „Sobald er jedoch stark war, wurde sein Herz hochmütig“, und das obwohl er seine Stärke Gott zu verdanken hatte! Usija wollte sogar Räucherwerk im Tempel verbrennen — ein Vorrecht, das nur die aaronischen Priester hatten. Als die Priester ihn aufhalten wollten, wurde der stolze Usija wütend! Die Folge? Er erlebte durch Gottes Hand einen demütigenden „Sturz“ und starb als Aussätziger (Spr. 16:18).
4, 5. Was könnte geschehen, wenn wir uns nicht vor Stolz hüten? Erzähle ein Beispiel.
4 Wenn wir uns nicht vor Stolz hüten, könnten auch wir beginnen, „höher von . . . [uns] zu denken, als zu denken nötig ist“, und dabei womöglich so weit gehen, dass wir biblischen Rat ablehnen (Röm. 12:3; Spr. 29:1). Dazu ein Beispiel: Jim war in einer Versammlungsangelegenheit nicht der gleichen Meinung wie seine Mitältesten. Er erzählt: „Ich sagte den Brüdern, dass sie nicht liebevoll wären, und verließ die Sitzung.“ Nach etwa sechs Monaten wechselte er in eine nahe gelegene Versammlung. Aber dort wurde er nicht wieder zum Ältesten ernannt. Er gibt zu: „Ich war am Boden zerstört. Doch weil ich so selbstgerecht war, zog ich mich von der Wahrheit zurück.“ Jim blieb zehn Jahre lang untätig. Er räumt ein: „Mein Stolz war verletzt und ich fing an, Jehova für das, was passierte, die Schuld zu geben. Die ganzen Jahre über besuchten mich Brüder und versuchten, mir gut zuzureden. Aber ich lehnte ihre Hilfe ab.“
5 Wie an Jim deutlich wird, kann uns Stolz dazu bringen, eine verkehrte Handlungsweise zu rechtfertigen — was uns alles andere als formbar macht (Jer. 17:9). Jim erklärt: „Ich konnte einfach nicht aufhören, daran zu denken, wie falsch die anderen meiner Meinung nach lagen.“ Hat dich ein Bruder oder der Verlust einer bestimmten Aufgabe je verletzt? Wie hast du darauf reagiert? War Stolz im Spiel? Oder war es dir am wichtigsten, mit deinem Bruder Frieden zu schließen und Jehova loyal zu bleiben? (Lies Psalm 119:165; Kolosser 3:13.)
6. Was kann passieren, wenn wir gewohnheitsmäßig sündigen?
6 Gewohnheitsmäßig zu sündigen — und das womöglich im Geheimen — kann uns ebenfalls gegen göttlichen Rat immun machen. Die Sünde fällt dann immer leichter. Wie ein Bruder sagte, machte ihm sein Fehlverhalten mit der Zeit nichts mehr aus (Pred. 8:11). Ein anderer Bruder, der sich regelmäßig Pornografie ansah, gab später zu: „Ich entwickelte eine kritische Einstellung gegenüber den Ältesten.“ Seine Gewohnheit schadete ihm in geistiger Hinsicht. Doch schließlich kam alles ans Licht und er bekam die Hilfe, die er dringend benötigte. Natürlich sind wir alle unvollkommen. Wenn wir jedoch eine kritische Einstellung entwickeln oder falsches Verhalten rechtfertigen, anstatt Gott um Vergebung und um Hilfe zu bitten, könnte unser Herz schon dabei sein zu verhärten.
7, 8. (a) Wie wird an den Israeliten deutlich, dass Unglaube Herzen verhärten kann? (b) Was lehrt uns das Beispiel der Israeliten?
7 Auch Unglaube kann Herzen verhärten. Ein Beispiel dafür sind die Israeliten, die Jehova aus Ägypten befreit hatte. Sie hatten erlebt, wie Gott viele ehrfurchteinflößende Wunder für sie gewirkt hatte. Doch als sie sich dem verheißenen Land näherten, mangelte es ihnen an Glauben. Anstatt Jehova zu vertrauen, bekamen sie es mit der Angst zu tun und murrten gegen Moses. Sie wollten sogar nach Ägypten zurück, wo sie Sklaven gewesen waren. Das verletzte Jehova zutiefst. Er fragte: „Wie lange wird dieses Volk mir gegenüber respektlos handeln?“ (4. Mo. 14:1-4, 11; Ps. 78:40, 41). Unglaube und ein verhärtetes Herz waren die Ursache, warum jene Generation in der Wildnis umkam.
8 Wir nähern uns heute der neuen Welt und auch unser Glaube wird geprüft. Deshalb ist es wichtig festzustellen, von welcher Qualität unser Glaube ist. Wie denken wir beispielsweise über Jesu Worte aus Matthäus 6:33? Fragen wir uns: „Verraten meine Prioritäten und Entscheidungen, dass ich Jesu Worten wirklich vertraue? Würde ich Zusammenkünfte versäumen oder weniger in den Predigtdienst gehen, um mein Einkommen zu verbessern? Was tue ich, wenn der Druck weiter zunimmt? Lasse ich mich von der Welt dann in ihre Form pressen, sodass ich sogar die Wahrheit aufgebe?“
9. Warum sollten wir immer wieder prüfen, ob wir im Glauben sind, und wie können wir das tun?
9 Oder was ist zum Beispiel, wenn ein Diener Jehovas die biblischen Maßstäbe in Bezug auf Umgang, Ausgeschlossene oder Unterhaltung nur ungern befolgt? Ist das vielleicht sogar bei uns der Fall? Falls wir bemerken sollten, dass wir in dieser Hinsicht verhärten, müssen wir dringend unseren Glauben überprüfen. Die Bibel rät: „Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid, bewährt euch immer wieder“ (2. Kor. 13:5). Wir sollten uns daher regelmäßig anhand der Bibel überprüfen, um unser Denken zu korrigieren.
FORMBAR BLEIBEN
10. Was kann uns dabei helfen, wie weicher Ton in Jehovas Händen zu bleiben?
10 Wofür sorgt Gott, damit wir wie weicher Ton bleiben können? Er gab uns sein Wort, die Christenversammlung und den Predigtdienst. Wie Ton durch Wasser weich gemacht wird, können wir durch tägliches Bibellesen und Nachsinnen in Jehovas Händen formbar bleiben. Den Königen Israels gebot Jehova, eine Abschrift des Gesetzes anzufertigen und täglich darin zu lesen (5. Mo. 17:18, 19). Die Apostel erkannten, dass das Lesen der Schriften und das Nachdenken darüber für den Dienst unerlässlich war. Sie zitierten aus den Hebräischen Schriften und bezogen sich Hunderte Male darauf. Und die Menschen, denen sie predigten, ermunterten sie, ebenfalls die Schriften zu lesen und darüber nachzudenken (Apg. 17:11). Auch heute sehen wir, wie wichtig es ist, Gottes Wort täglich zu lesen und unter Gebet über das Gelesene nachzudenken (1. Tim. 4:15). So können wir demütig und in Jehovas Händen formbar bleiben.
Nutzt du alles, wofür Gott sorgt, damit du formbar bleibst? (Siehe Absatz 10—13)
11, 12. Erkläre anhand eines Beispiels, wie Jehova uns durch die Christenversammlung entsprechend unseren Bedürfnissen formt.
11 Jehova nutzt die Christenversammlung, um uns entsprechend unseren persönlichen Bedürfnissen zu formen. Jim, von dem schon die Rede war, wurde in seiner Einstellung weicher, als ein Ältester persönliches Interesse an ihm zeigte. Jim sagt: „Er gab mir kein einziges Mal die Schuld an meiner Situation, noch kritisierte er mich. Stattdessen blieb er positiv und wollte mir wirklich helfen.“ Der Älteste lud Jim nach etwa drei Monaten zu einer Zusammenkunft ein. Jim erzählt: „Die Versammlung hieß mich herzlich willkommen und ihre Liebe brachte mich zum Umdenken. Ich verstand allmählich, dass meine Gefühle nicht das Wichtigste sind. Mit der Unterstützung der Brüder und meiner lieben Frau — die im Glauben nie wankte — kam ich in geistiger Hinsicht nach und nach wieder auf die Beine. Außerdem halfen mir die Artikel ‚Jehova trifft keine Schuld‘ und ‚Diene Jehova loyal‘ im Wachtturm vom 15. November 1992.“
12 Nach einiger Zeit wurde Jim wieder zum Ältesten ernannt. Seitdem hat er anderen Brüdern geholfen, ähnliche Probleme zu überwinden und sich in geistiger Hinsicht wieder zu fangen. Sein Fazit? „Ich dachte, ich hätte ein stabiles Verhältnis zu Jehova, aber die Realität sah anders aus! Ich bereue es, zugelassen zu haben, dass mich Stolz für die wichtigeren Dinge blind machen konnte und ich nur noch die Fehler anderer gesehen habe“ (1. Kor. 10:12).
13. Welche Eigenschaften können wir im Predigtdienst erwerben, und was erreichen wir dadurch?
13 Wie kann es uns zum Guten formen, wenn wir im Predigtdienst mit anderen über die gute Botschaft sprechen? Wir lernen Demut und erwerben Eigenschaften, die zur Frucht des Geistes Gottes gehören (Gal. 5:22, 23). Denken wir nur an die guten Eigenschaften, die wir im Dienst bereits entwickelt haben. Außerdem schmücken wir durch eine christliche Persönlichkeit die gute Botschaft, was die Einstellung Außenstehender beeinflussen kann. Dazu ein Beispiel: Obwohl zwei Zeugen in Australien im Dienst von einer Frau sehr unfreundlich behandelt wurden, hörten sie ihr respektvoll zu. Später bedauerte sie jedoch ihr Verhalten und schrieb an das Zweigbüro. Auszugsweise heißt es in dem Brief: „Ich möchte mich bei den beiden sehr geduldigen und demütigen Menschen für mein äußerst selbstgerechtes und herablassendes Verhalten entschuldigen. Es war dumm von mir, zwei Menschen, die mir Gottes Wort verkündigen wollten, so davonzujagen.“ Hätte sie das wohl geschrieben, wenn die Verkündiger auch nur ansatzweise verärgert reagiert hätten? Wahrscheinlich nicht. Ja, unser Dienst wirkt sich wirklich zum Guten aus — für uns selbst und für unsere Mitmenschen.
BEI DER KINDERERZIEHUNG AUF GOTT HÖREN
14. Was müssen Eltern tun, wenn sie ihre Kinder erfolgreich formen möchten?
14 Kinder sind in der Regel lernbegierig und demütig (Mat. 18:1-4). Kluge Eltern bemühen sich daher, die Wahrheit und die Liebe dazu in das Herz und den Sinn ihrer Kleinen zu pflanzen (2. Tim. 3:14, 15). Um erfolgreich sein zu können, müssen Eltern die Wahrheit als Erstes in ihrem eigenen Herzen haben und die Wahrheit zu ihrem Lebensweg machen. Wenn sie das tun, können die Kinder nicht nur etwas über die Wahrheit hören, sondern sie auch erleben. Außerdem sehen sie, dass Erziehung ein Ausdruck von Liebe ist, die wiederum Jehovas Liebe widerspiegelt.
15, 16. Wie lassen Eltern ihr Vertrauen zu Gott erkennen, wenn ihr Kind ausgeschlossen wird?
15 Trotz christlicher Erziehung verlassen einige später die Wahrheit oder werden ausgeschlossen, was der Familie sehr wehtut. Eine Schwester in Südafrika sagte: „Als mein Bruder ausgeschlossen wurde, war es so, als wäre er gestorben. Es war herzzerreißend!“ Wie reagierten sie und ihre Eltern? Sie befolgten die Anweisung aus Gottes Wort. (Lies 1. Korinther 5:11, 13.) Die Eltern sagten: „Wir beschlossen, uns an die Bibel zu halten. Uns war bewusst, dass Gottes Weg immer der beste ist. Wir betrachteten den Ausschluss als Zuchtmaßnahme von Gott und waren überzeugt, dass Jehova aus Liebe und im rechten Maß zurechtweist. Deshalb hatten wir mit unserem Sohn nur dann Kontakt, wenn es um absolut wichtige Familienangelegenheiten ging.“
16 Wie empfand der Sohn? Er erzählte später: „Ich wusste, dass meine Familie mich nicht hasste, sondern auf Jehova und seine Organisation hörte.“ Er sagte auch: „Wenn du dich nur an Jehova um Hilfe wenden kannst und auf seine Vergebung angewiesen bist, merkst du erst, wie sehr du ihn brauchst.“ Stellen wir uns nur vor, wie glücklich die Familie war, als dieser junge Mann wiederaufgenommen wurde! Ja, wenn wir Gott auf all unseren Wegen beachten, können wir die besten Ergebnisse erzielen (Spr. 3:5, 6; 28:26).
17. Warum sollte es unser Lebensweg sein, uns Jehova unterzuordnen, und wie kommt uns das zugute?
17 Wie der Prophet Jesaja schrieb, würden reuevolle Juden am Ende des Exils erkennen: „O Jehova, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer; und wir alle sind das Werk deiner Hand.“ Dann würden sie flehen: „Gedenke nicht immerdar unserer Vergehung. Schau nun bitte: Wir alle sind dein Volk“ (Jes. 64:8, 9). Wenn auch wir uns Jehova demütig unterordnen, und das zu unserem Lebensweg machen, betrachtet er uns wie den Propheten Daniel als sehr begehrenswert. Außerdem formt uns Jehova dann weiterhin durch sein Wort, seinen Geist und seine Organisation, damit wir eines Tages als vollkommene „Kinder Gottes“ vor ihm stehen können (Röm. 8:21).
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