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  • Warum sollte Jehova Zeugen haben?
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • Kapitel 1

      Warum sollte Jehova Zeugen haben?

      JEHOVAS ZEUGEN sind weltweit dafür bekannt, daß sie unermüdlich überall mit den Menschen über Jehova Gott und sein Königreich sprechen. Sie stehen auch in dem Ruf, trotz allen Widerstandes, ja bis in den Tod an ihrem Glauben festzuhalten.

      „Die Hauptopfer religiöser Verfolgung in den Vereinigten Staaten waren im zwanzigsten Jahrhundert die Zeugen Jehovas“, heißt es in dem Buch The Court and the Constitution von Archibald Cox (1987). „Jehovas Zeugen ... sind in der ganzen Welt von Regierungen schikaniert und verfolgt worden“, erklärt Tony Hodges. „Im nationalsozialistischen Deutschland verhaftete man sie und brachte sie in Konzentrationslager. Im Zweiten Weltkrieg war die [Wachtturm-]Gesellschaft in Australien und Kanada verboten. ... Jetzt [in den 70er Jahren] ist man in Afrika hinter den Zeugen Jehovas her“ (Jehovah’s Witnesses in Africa, Ausgabe 1985).

      Weshalb werden Jehovas Zeugen verfolgt? Was wollen sie mit ihrem Predigtwerk erreichen? Handeln sie wirklich in göttlichem Auftrag? Warum sollte Jehova überhaupt Zeugen haben, die noch dazu unvollkommene Menschen sind? Hier sind Streitfragen im Spiel, die in einem universellen Gerichtsfall von unvergleichlicher Tragweite verhandelt werden. Wir müssen diese Streitfragen untersuchen, um verstehen zu können, warum Jehova Zeugen hat und weshalb diese Zeugen selbst den heftigsten Widerstand auf sich nehmen.

      Jehovas Souveränität angefochten

      Bei diesen entscheidenden Streitfragen geht es um die Rechtmäßigkeit der Souveränität oder Oberherrschaft Gottes. Jehova ist wegen seines Wirkens als Schöpfer, seiner Göttlichkeit und Allmacht der Souverän des Universums (1. Mo. 17:1; 2. Mo. 6:3; Offb. 4:11). Somit hat er zu Recht die Herrschaft über alles im Himmel und auf der Erde inne (1. Chr. 29:12, Fußn.). Er übt seine Souveränität indessen immer mit Liebe aus. (Vergleiche Jeremia 9:24.) Was verlangt er dafür von seinen vernunftbegabten Geschöpfen? Daß sie ihn lieben und seine Souveränität anerkennen (Ps. 84:10). Doch vor Jahrtausenden wurde die Rechtmäßigkeit der Souveränität Jehovas in Frage gezogen. Wie? Und von wem? Das erste Bibelbuch, 1. Mose, bringt Licht in die Angelegenheit.

      Dort wird berichtet, daß Gott Adam und Eva, das erste Menschenpaar, erschuf und ihnen eine schöne parkähnliche Heimat gab. Dann erließ er das Gebot: „Von jedem Baum des Gartens darfst du bis zur Sättigung essen. Was aber den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse betrifft, davon sollst du nicht essen, denn an dem Tag, an dem du davon ißt, wirst du ganz bestimmt sterben“ (1. Mo. 2:16, 17). Was war der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, und was bedeutete es, von seinen Früchten zu essen?

      Es war ein buchstäblicher Baum, aber Gott gebrauchte ihn für einen symbolischen Zweck. Da er ihn als den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ bezeichnete und dem ersten Menschenpaar gebot, nicht davon zu essen, versinnbildlichte er treffend Gottes Recht, im Hinblick auf die Menschen zu bestimmen, was ‘gut’ ist (Gott gefällt) und was ‘böse’ ist (Gott mißfällt). Durch das Vorhandensein dieses Baumes wurde also die Achtung des Menschen vor Gottes Souveränität geprüft. Leider war das erste Menschenpaar Gott ungehorsam und aß von den verbotenen Früchten. Es versagte in dieser einfachen, aber bedeutsamen Prüfung, bei der es um Gehorsam und Anerkennung ging (1. Mo. 3:1-6).

      Dieses scheinbar geringfügige Vergehen war ein Akt der Rebellion gegen die Souveränität Jehovas. Wieso? Um die Bedeutung der Tat Adams und Evas verstehen zu können, müssen wir uns mit der menschlichen Natur befassen. Als Jehova die ersten Menschen erschuf, verlieh er ihnen eine bemerkenswerte Gabe — Willensfreiheit. Er ergänzte diese Gabe mit geistigen Fähigkeiten, zu denen Wahrnehmungsvermögen, Vernunft und Urteilskraft gehörten (Heb. 5:14). Sie waren nicht wie geistlose Roboter; auch waren sie nicht wie Tiere, die vorwiegend nach ihrem Instinkt handeln. Ihre Freiheit war allerdings relativ, sie war den Gesetzen Gottes untergeordnet. (Vergleiche Jeremia 10:23, 24.) Sie entschieden sich dafür, von den verbotenen Früchten zu essen. Dadurch mißbrauchten sie ihre Freiheit. Was veranlaßte sie zu dieser Handlung?

      Die Bibel erklärt, daß eines der Geistgeschöpfe Gottes vorsätzlich einen Weg des Widerstands und der Auflehnung gegen Gott eingeschlagen hatte. Dieses Geistgeschöpf, das später als Satan bekannt wurde, sprach in Eden durch eine Schlange zu Eva und veranlaßte sie — und durch sie auch Adam —, sich nicht mehr der Oberherrschaft Gottes unterzuordnen (Offb. 12:9). Dadurch, daß Adam und Eva von dem Baum aßen, stellten sie ihr eigenes Urteil über das Gottes und ließen erkennen, daß sie für sich selbst entscheiden wollten, was gut und was böse ist (1. Mo. 3:22).

      Daraus ergab sich folgende Streitfrage: Hat Gott das Recht, über die Menschheit zu herrschen, und ist er bei der Ausübung seiner Souveränität auf das Wohl seiner Untertanen bedacht? Diese Streitfrage klang deutlich in den Worten an, die die Schlange an Eva richtete: „Sollte Gott wirklich gesagt haben: Ihr dürft nicht von jedem Baum des Gartens essen?“ Damit sollte gesagt werden, daß Gott der Frau und ihrem Mann etwas Gutes vorenthalte (1. Mo. 3:1).

      Durch die Rebellion in Eden wurde noch eine weitere Streitfrage aufgeworfen: Können Menschen Gott unter Prüfungen treu sein? Diese Streitfrage, die mit der ersten in Zusammenhang steht, wurde 24 Jahrhunderte später in Verbindung mit dem treuen Hiob erhellt. Satan, die „Stimme“ hinter der Schlange, forderte Jehova offen heraus mit der Frage: „Ist es etwa umsonst, daß Hiob Gott gefürchtet hat?“ Satan klagte Gott an: „Hast nicht du selbst um ihn und um sein Haus und um alles, was er hat, ringsum eine Hecke aufgerichtet? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet, und sein Viehbestand, er hat sich ausgebreitet auf der Erde.“ Satan deutete also an, Hiob sei aus reinem Eigennutz rechtschaffen. Er behauptete außerdem: „Haut um Haut, und alles, was ein Mensch hat, wird er für seine Seele geben.“ Da es nach Jehovas Worten ‘keinen auf der Erde gab wie Hiob’, behauptete Satan eigentlich, er könne jeden davon abbringen, Gott zu dienen (Hiob 1:8-11; 2:4). Somit wurden alle Diener Gottes indirekt herausgefordert, was ihre Lauterkeit und Loyalität gegenüber der Souveränität Jehovas betrifft.

      Da die Streitfragen nun im Raum standen, mußten sie geklärt werden. Der Verlauf der Menschheitsgeschichte — rund 6 000 Jahre bisher — und das klägliche Scheitern menschlicher Regierungen haben gezeigt, daß die Menschen Gottes Oberherrschaft brauchen. Aber wollen sie sie auch? Gibt es Menschen, die beweisen, daß sie die gerechte Oberherrschaft Gottes aufrichtig anerkennen? Ja! Jehova hat seine Zeugen. Doch bevor wir uns mit ihrem Zeugnis befassen, wollen wir untersuchen, was es heißt, ein Zeuge zu sein.

      Was es bedeutet, ein Zeuge zu sein

      Die Wörter aus den Ursprachen, die mit „Zeuge“ wiedergegeben werden, vermitteln eine Vorstellung davon, was es bedeutet, ein Zeuge für Jehova zu sein. In den Hebräischen Schriften leitet sich das Substantiv für „Zeuge“ (ʽedh) von einem Verb (ʽudh) her, das „wiederkehren“ oder „wiederholen“ bedeutet. Über dieses Substantiv (ʽedh) heißt es in dem Werk Theological Wordbook of the Old Testament: „Zeuge ist, wer durch Wiederholung seine Zeugenaussage mit Nachdruck bestätigt. Das Wort [ʽedh] ist in der Rechtssprache beheimatet.“ Im Theologischen Handwörterbuch zum Alten Testament von Ernst Jenni und Claus Westermann wird die am meisten vorkommende Bedeutung des Verbs ʽudh als „wiederholt und eindringlich sagen“ erklärt.

      In den Christlichen Schriften stammen die griechischen Wörter für „Zeuge“ (mártys) und „Zeugnis ablegen“ (martyréō) ebenfalls aus dem gerichtlichen Bereich, obwohl sie mit der Zeit eine allgemeinere Bedeutung erhielten. Nach dem Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament von Gerhard Kittel wird der „Begriff des Zeugen sowohl im Sinne des Zeugen von feststellbaren Tatsachen wie im Sinne des Zeugen von Wahrheiten, des Bekundens oder Bekennens von Überzeugungen“ gebraucht. Ein Zeuge macht also Aussagen über Tatsachen aus eigener unmittelbarer Kenntnis, oder er verkündigt Ansichten oder Wahrheiten, von denen er überzeugt ist.a

      Durch die Treue der Christen des ersten Jahrhunderts wurde die Bedeutung des Wortes „Zeuge“ umfassender. Viele von ihnen gaben unter Verfolgung und Todesgefahr Zeugnis (Apg. 22:20; Offb. 2:13). So erweiterte sich die Bedeutung des griechischen Wortes für Zeuge (mártys, von dem sich auch das Wort „Märtyrer“ herleitet) bis zum zweiten Jahrhundert u. Z. auf Personen, „die den letzten Ernst dieses ihres Zeugentums durch Erleiden des Todes unter Beweis gestellt haben“. Sie wurden nicht Zeugen genannt, weil sie starben, sondern sie starben, weil sie loyale Zeugen waren.

      Wer waren folglich die ersten Zeugen Jehovas? Wer war bereit, „wiederholt und eindringlich“ — in Wort und Tat — zu verkündigen, daß Jehova der rechtmäßige Souverän ist, dem alle Ehre gebührt? Wer würde an seiner Lauterkeit gegenüber Gott festhalten, selbst bis in den Tod?

      Erste Zeugen Jehovas

      Der Apostel Paulus sagt: „Wir [sind] ... von einer so großen Wolke [gr.: néphos, Bezeichnung für eine Wolkenmasse] von Zeugen umgeben“ (Heb. 12:1). Diese „Wolkenmasse“ von Zeugen begann sich kurz nach der Rebellion gegen Gottes Souveränität herauszubilden.

      In Hebräer 11:4 bezeichnet Paulus Abel als den ersten Zeugen Jehovas: „Durch Glauben brachte Abel Gott ein wertvolleres Opfer dar als Kain, durch welchen Glauben er das Zeugnis erlangte, daß er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab hinsichtlich seiner Gaben; und durch ihn redet er noch, obwohl er gestorben ist.“ Inwiefern diente Abel als ein Zeuge für Jehova? Die Antwort liegt darin begründet, daß Abels Opfer „wertvoller“ war als Kains.

      Einfach ausgedrückt: Abel brachte das rechte Opfer mit dem rechten Beweggrund dar und verlieh ihm durch rechte Werke Nachdruck. Seine Gabe war ein blutiges Opfer, das für das Leben der Erstlinge seiner Herde stand — wohingegen Kain leblose Feldfrüchte darbrachte (1. Mo. 4:3, 4). Kain brachte sein Opfer nicht aus dem Glauben dar, der Abels Opfer annehmbar machte. Kain hätte an seiner Anbetung etwas ändern müssen. Doch dadurch, daß er Gottes mahnenden Rat in den Wind schlug und den treuen Abel ermordete, zeigte er, daß er im Grunde seines Herzens schlecht war (1. Mo. 4:6-8; 1. Joh. 3:11, 12).

      Abel bekundete den Glauben, der seinen Eltern fehlte. Durch seine Treue verlieh er seiner Überzeugung Ausdruck, daß Jehovas Oberherrschaft gerecht ist und zu Recht besteht. Während der etwa hundert Jahre seines Lebens bewies Abel, daß ein Mensch Gott bis zu dem Punkt treu sein kann, daß er sein Zeugnis durch den Tod besiegelt. Und Abels Blut „redet“ weiterhin, denn der inspirierte Bericht über seinen Märtyrertod wurde für spätere Generationen in der Bibel aufgezeichnet.

      Ungefähr fünf Jahrhunderte nach Abels Tod begann Henoch, ‘mit Gott zu wandeln’, indem er sein Leben nach Jehovas Maßstäben für Gut und Böse ausrichtete (1. Mo. 5:24). Die Ablehnung der Souveränität Gottes hatte damals dazu geführt, daß unter den Menschen gottlose Taten überhandnahmen. Henoch war davon überzeugt, daß der höchste Souverän gegen gottlose Menschen vorgehen würde, und von Gottes Geist angetrieben, kündigte er ihnen die Vernichtung an (Jud. 14, 15). Henoch war bis in den Tod ein treuer Zeuge, denn Jehova „entrückte ihn“ — anscheinend um ihm einen gewaltsamen Tod durch seine Feinde zu ersparen (Heb. 11:5). Somit konnte Henochs Name in die anwachsende Liste derer aufgenommen werden, die die „große Wolke von Zeugen“ aus vorchristlicher Zeit bildeten.

      Die Menschenwelt war weiterhin mit einem Geist der Gottlosigkeit durchsetzt. Zu Lebzeiten Noahs, der rund 70 Jahre nach Henochs Tod geboren wurde, kamen Engelsöhne Gottes auf die Erde, nahmen offenbar Menschengestalt an und hatten mit schönen Frauen Geschlechtsbeziehungen. Ihre Nachkommen wurden Nephilim genannt; sie waren Riesen unter den Menschen (1. Mo. 6:1-4). Wozu führte diese widernatürliche Vereinigung von Geistgeschöpfen mit Menschen und das Hervorbringen eines Bastardgeschlechts? Der inspirierte Bericht antwortet: „Da sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und daß jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war. So sah Gott die Erde, und siehe, sie war verderbt, denn alles Fleisch hatte seinen Weg auf der Erde verderbt“ (1. Mo. 6:5, 12). Wie traurig, daß die Erde, Gottes Fußschemel, „voller Gewalttat“ war! (1. Mo. 6:13; Jes. 66:1).

      Noah hingegen „war ein gerechter Mann. Er erwies sich als untadelig unter seinen Zeitgenossen“ (1. Mo. 6:9). Er zeigte seine Unterordnung unter Gottes Souveränität dadurch, daß er ‘geradeso tat, wie Gott ihm geboten hatte’ (1. Mo. 6:22). Aus Glauben „errichtete [er] eine Arche zur Rettung seiner Hausgemeinschaft“ (Heb. 11:7). Aber Noah war nicht nur ein Erbauer; als „Prediger [oder Herold] der Gerechtigkeit“ warnte er vor der kommenden Vernichtung (2. Pet. 2:5). Obwohl er mutig Zeugnis gab, nahm jene böse Generation „keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte“ (Mat. 24:37-39).

      Nach Noahs Tod hatte Jehova unter den Patriarchen aus der Zeit nach der Sintflut Zeugen. Abraham, Isaak, Jakob und Joseph werden mit als erste aus der Wolke vorchristlicher Zeugen aufgeführt (Heb. 11:8-22; 12:1). Durch ihre Lauterkeit bewiesen sie, daß sie die Souveränität Jehovas unterstützten (1. Mo. 18:18, 19). So trugen sie zur Heiligung des Namens Jehovas bei. Statt auf ein irdisches Königreich zu bauen, „erklärten [sie] öffentlich, daß sie Fremde und zeitweilig Ansässige im Land seien“, und warteten gläubig „auf die Stadt, die wahre Grundlagen hat, deren Bildner und Erbauer Gott ist“ (Heb. 11:10, 13). Sie erkannten Jehova als ihren Herrscher an und setzten ihre Hoffnung auf das verheißene himmlische Königreich als Ausdruck seiner rechtmäßigen Souveränität.

      Im 16. Jahrhundert v. u. Z. waren Abrahams Nachkommen Sklaven, die aus der ägyptischen Knechtschaft befreit werden mußten. Damals wurden Moses und sein Bruder Aaron zu Schlüsselfiguren in einem „Kampf der Götter“. Sie erschienen vor Pharao und teilten ihm das Ultimatum Jehovas mit: „Sende mein Volk weg.“ Doch der stolze Pharao verhärtete sein Herz; er wollte kein großes Volk von Zwangsarbeitern verlieren. „Wer ist Jehova“, erwiderte er, „daß ich seiner Stimme gehorchen und Israel wegsenden sollte? Ich kenne Jehova überhaupt nicht, und außerdem werde ich Israel nicht wegsenden“ (2. Mo. 5:1, 2). Durch diese verächtliche Antwort zeigte Pharao, der selbst als lebender Gott galt, daß er Jehovas Göttlichkeit nicht anerkannte.

      Da seine Göttlichkeit angezweifelt wurde, unternahm Jehova Schritte, um zu beweisen, daß er der wahre Gott ist. Pharao bot durch seine Magie treibenden Priester alle Macht der Götter Ägyptens auf, um der Macht Jehovas Trotz zu bieten. Aber Jehova sandte zehn von Moses und Aaron angekündigte Plagen und bewies damit, daß er über die Naturgewalten und die Lebewesen auf der Erde Macht hatte und den Göttern Ägyptens überlegen war (2. Mo. 9:13-16; 12:12). Nach der zehnten Plage führte Jehova Israel „mit starker Hand“ aus Ägypten heraus (2. Mo. 13:9).

      Moses, „der sanftmütigste aller Menschen“, brauchte großen Mut und Glauben, um vor Pharao zu erscheinen — nicht nur einmal, sondern viele Male (4. Mo. 12:3). Doch Moses verwässerte nie die Botschaft, die er im Auftrag Jehovas Pharao überbringen sollte. Nicht einmal Todesgefahr brachte sein Zeugnis zum Verstummen (2. Mo. 10:28, 29; Heb. 11:27). Moses war ein Zeuge im wahrsten Sinne des Wortes; er bezeugte die Göttlichkeit Jehovas „wiederholt und eindringlich“.

      Nach der Befreiung aus Ägypten im Jahre 1513 v. u. Z. schrieb Moses das Bibelbuch Genesis (1. Mose). Damit begann ein neuer Zeitabschnitt — die Ära des Bibelschreibens. Da Moses offensichtlich das Bibelbuch Hiob schrieb, hatte er einen gewissen Einblick in die Streitfrage zwischen Gott und Satan. Während die Niederschrift der Bibel fortschritt, wurden die Streitfragen in bezug auf Gottes Souveränität und die Lauterkeit des Menschen klar dargelegt, so daß alle Betroffenen eine umfassende Kenntnis dieser großen Streitfragen erlangen konnten. Im Jahre 1513 v. u. Z. schuf Jehova auch die Grundlage für das Hervorbringen einer Nation von Zeugen.

      Eine Nation von Zeugen

      Im dritten Monat nach ihrem Auszug aus Ägypten trat Jehova mit den Israeliten in ein einzigartiges Bundesverhältnis und machte sie zu seinem „besonderen Eigentum“ (2. Mo. 19:5, 6). Durch Moses handelte er mit ihnen nun als einer Nation mit einer theokratischen Regierung, die sich auf den Gesetzesbund als nationale Verfassung gründete (Jes. 33:22). Als Jehovas auserwähltes Volk waren sie organisiert, um ihn als ihren Souveränen Herrn zu vertreten.

      In den folgenden Jahrhunderten erkannte die Nation die Souveränität Jehovas allerdings nicht immer an. Nachdem sich die Israeliten im Land der Verheißung niedergelassen hatten, wurden sie wiederholt abtrünnig und beteten die Dämonengötter der Nationen an. Weil sie Jehova als dem rechtmäßigen Souverän nicht gehorchten, ließ er zu, daß sie ausgeplündert wurden, und so schien es, als seien die Götter der Nationen stärker als Jehova (Jes. 42:18-25). Im achten Jahrhundert v. u. Z. forderte Jehova die Götter der Nationen jedoch offen heraus, um diesem falschen Eindruck entgegenzuwirken und die Frage zu klären: Wer ist der wahre Gott?

      Jehova forderte sie durch den Propheten Jesaja heraus: „Wer ist unter ihnen [unter den Göttern der Nationen], der dies [wahre Prophezeiungen] mitteilen kann? Oder können sie uns gar die ersten Dinge [das heißt Künftiges] hören lassen? Laßt sie [als Götter] ihre Zeugen stellen, damit sie gerechtgesprochen werden mögen, oder laßt sie [die Völker] hören und sagen: ‚Es ist die Wahrheit!‘ “ (Jes. 43:9). Ja, die Götter der Nationen sollten Zeugen stellen, die von den Prophezeiungen ihrer Götter sagen könnten: „Es ist die Wahrheit!“ Aber keiner dieser Götter konnte wahre Zeugen benennen, die seine Göttlichkeit bestätigten.

      Jehova führte den Israeliten ihre Verantwortung vor Augen, die Frage zu klären: Wer ist der wahre Gott? Er sagte: „Ihr seid meine Zeugen, ... ja mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr erkennt und an mich glaubt und damit ihr versteht, daß ich derselbe bin. Vor mir wurde kein Gott gebildet, und nach mir war weiterhin keiner. Ich — ich bin Jehova, und außer mir gibt es keinen Retter. Ich selbst habe es verkündet und habe gerettet und habe es hören lassen, als kein fremder Gott unter euch war. Und ihr seid meine Zeugen ... und ich bin Gott“ (Jes. 43:10-12).

      Jehovas Volk Israel war also eine Nation von Zeugen. Sie konnten nachdrücklich bestätigen, daß Jehova der rechtmäßige Souverän ist, dem alle Ehre gebührt. Auf der Grundlage zurückliegender Erlebnisse konnten sie mit Überzeugung verkünden, daß Jehova der große Befreier seines Volkes und der Gott wahrer Prophezeiungen ist.

      Zeugnisgeben im Hinblick auf den Messias

      Trotz des umfangreichen Zeugnisses dieser „Wolkenmasse“ vorchristlicher Zeugen waren die Streitfragen auf Gottes Seite nicht völlig geklärt. Warum nicht? Weil Jehova zu seiner bestimmten Zeit — nachdem es sich deutlich gezeigt haben wird, daß die Menschen seine Herrschaft brauchen und sich nicht erfolgreich selbst regieren können — ein Strafgericht über alle bringen muß, die seine rechtmäßige Autorität nicht anerkennen wollen. Außerdem gehen die aufgeworfenen Streitfragen weit über den menschlichen Bereich hinaus. Da in Eden ein Engel rebelliert hatte, wurden auch Gottes himmlische Geschöpfe in die Frage der Lauterkeit gegenüber seiner Souveränität hineingezogen. Daher beschloß Jehova, daß einer seiner Geistsöhne auf die Erde kommen sollte, wo Satan genug Gelegenheiten hätte, ihn auf die Probe zu stellen. Dieser Geistsohn sollte die Möglichkeit haben, die Frage vollkommen zu klären, ob jemand unter allen Prüfungen Gott treu bleiben würde. Nachdem er seine Loyalität unter Beweis gestellt hätte, würde dieser Sohn Gottes ermächtigt werden, als großer Rechtfertiger Jehovas die Bösen zu vernichten und Gottes ursprünglichen Vorsatz in bezug auf die Erde völlig zu verwirklichen.

      Aber wie könnte man ihn erkennen? In Eden hatte Jehova einen „Samen“ verheißen, der dem schlangenähnlichen Widersacher den Kopf zermalmen und Gottes Souveränität rechtfertigen würde (1. Mo. 3:15). Durch die hebräischen Propheten gab Jehova viele Einzelheiten über diesen messianischen „Samen“ an — seine Herkunft, sein Wirken und sogar die Zeit, in der er erscheinen würde (1. Mo. 12:1-3; 22:15-18; 49:10; 2. Sam. 7:12-16; Jes. 7:14; Dan. 9:24-27; Mi. 5:2).

      Mitte des fünften Jahrhunderts v. u. Z., als die Niederschrift der Hebräischen Schriften abgeschlossen war, waren die Prophezeiungen schriftlich festgehalten und warteten auf ihre Erfüllung durch das Kommen des Messias. Die Aussage dieses Zeugen — ja des größten Zeugen Gottes — wird im nächsten Kapitel behandelt.

      [Fußnote]

      a Beispielsweise konnte eine Reihe Christen des ersten Jahrhunderts aus eigener Erfahrung historische Tatsachen über das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu bezeugen (Apg. 1:21, 22; 10:40, 41). Personen, die später an Jesus glaubten, konnten hingegen Zeugnis ablegen, indem sie anderen die Bedeutung seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung mitteilten (Apg. 22:15).

  • Jesus Christus, der treue Zeuge
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • Kapitel 2

      Jesus Christus, der treue Zeuge

      ÜBER einen Zeitraum von rund 4 000 Jahren hatte eine lange Reihe vorchristlicher Zeugen ihr Zeugnis abgelegt. Doch die Streitfragen über Gottes Souveränität und die Lauterkeit seiner Diener waren bei weitem noch nicht geklärt. Für den verheißenen königlichen „Samen“, den Messias, war nun die Zeit gekommen, auf der Erde zu erscheinen (1. Mo. 3:15).

      Wen wählte Jehova unter den Millionen seiner Geistsöhne für diese Aufgabe aus? Alle hatten das Geschehen in Eden beobachtet und kannten zweifellos die universellen Streitfragen. Aber wem lag am meisten daran, daß Jehovas Name und seine Souveränität gerechtfertigt würden? Wer könnte Satans Behauptung am überzeugendsten widerlegen, daß niemand unter Prüfungen seine Lauterkeit gegenüber Gottes Souveränität bewahren würde? Jehova wählte Jesus aus — seinen Erstgeborenen, seinen einziggezeugten Sohn (Joh. 3:16; Kol. 1:15).

      Jesus nahm die Aufgabe bereitwillig und demütig an, obwohl er dafür sein himmlisches Zuhause verlassen mußte, das er länger als jeder andere Engel mit seinem Vater bewohnt hatte (Joh. 8:23, 58; Phil. 2:5-8). Was bewog ihn dazu? Tiefe Liebe zu Jehova und der innige Wunsch, daß Gottes Name von aller Schmach reingewaschen werde (Joh. 14:31). Jesus handelte auch aus Liebe zur Menschheit (Spr. 8:30, 31; vergleiche Johannes 15:13). Seine Geburt auf der Erde im Frühherbst des Jahres 2 v. u. Z. wurde dadurch ermöglicht, daß Jehova Jesu Leben durch heiligen Geist vom Himmel in den Mutterleib der jüdischen Jungfrau Maria übertrug (Mat. 1:18; Luk. 1:26-38). So wurde Jesus als Israelit geboren (Gal. 4:4).

      Jesus wußte besser als jeder andere Israelit, daß er ein Zeuge Jehovas sein mußte. Wieso? Er gehörte zu dem Volk, zu dem Jehova durch den Propheten Jesaja gesagt hatte: „Ihr seid meine Zeugen“ (Jes. 43:10). Außerdem salbte Jehova Jesus bei seiner Taufe im Jordan im Jahre 29 u. Z. mit heiligem Geist (Mat. 3:16). Dadurch wurde Jesus, wie er später bezeugte, ermächtigt, „das Jahr des Wohlwollens seitens Jehovas“ auszurufen (Jes. 61:1, 2; Luk. 4:16-19).

      Jesus führte seine Aufgabe treu aus und wurde der größte Zeuge Jehovas, der je auf der Erde lebte. Der Apostel Johannes, der bei Jesu Tod in seiner Nähe stand, nennt ihn somit ganz zu Recht den „treuen Zeugen“ (Offb. 1:5). Und gemäß Offenbarung 3:14 bezeichnet sich der verherrlichte Jesus selbst als „der Amen“ und „der treue und wahrhaftige Zeuge“. Was für ein Zeugnis legte dieser „treue Zeuge“ ab?

      ‘Für die Wahrheit Zeugnis abgelegt’

      Als Jesus von dem römischen Statthalter Pilatus verhört wurde, sagte er: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh. 18:37). Für welche Wahrheit legte Jesus Zeugnis ab? Es war die göttliche Wahrheit, die Offenbarung der ewigen Vorsätze Jehovas (Joh. 18:33-36).

      Wie legte Jesus aber Zeugnis für diese Wahrheit ab? Das griechische Verb für „Zeugnis ablegen“ bedeutet auch „bezeugen, bestätigen, ein gutes Zeugnis ausstellen, Beifall spenden, empfehlen“. Auf antiken griechischen Papyri steht eine Form des Verbs (martyrṓ) häufig nach einer Unterschrift, zum Beispiel bei Geschäftsabschlüssen. Jesus sollte durch sein Wirken die göttliche Wahrheit bestätigen. Das erforderte natürlich, daß er diese Wahrheit vor anderen bezeugte, das heißt ihnen predigte. Doch Worte allein genügten nicht.

      „Ich bin ... die Wahrheit“, sagte Jesus (Joh. 14:6). Er lebte der göttlichen Wahrheit entsprechend. Gottes Vorsatz in Verbindung mit dem Königreich und dessen messianischem Herrscher war in Form von Prophezeiungen dargelegt worden. Jesus erfüllte durch seinen irdischen Lebensweg, der in seinem Opfertod gipfelte, alles, was über ihn prophezeit worden war. Dadurch gab er die Bestätigung und Gewähr, daß Jehovas Prophezeiungen wahr sind. Deshalb konnte der Apostel Paulus sagen: „So viele Verheißungen Gottes es auch gibt, sie sind durch ihn zum Ja geworden. Daher wird auch durch ihn das Amen [das „so sei es“ oder „gewiß“ bedeutet] gesagt, Gott zur Herrlichkeit durch uns“ (2. Kor. 1:20). Ja, durch Jesus erfüllen sich Gottes Verheißungen (Offb. 3:14).

      Für Gottes Namen Zeugnis abgelegt

      Jesus lehrte seine Nachfolger beten: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt [oder: „werde heiliggehalten“, „werde als geheiligt behandelt“]“ (Mat. 6:9, Fußn.). In der letzten Nacht seines irdischen Lebens sagte Jesus im Gebet zu seinem himmlischen Vater: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort gehalten. Und ich habe ihnen deinen Namen bekanntgegeben und werde ihn bekanntgeben, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in Gemeinschaft mit ihnen“ (Joh. 17:6, 26). Hauptsächlich zu diesem Zweck kam Jesus auf die Erde. Was schloß es ein, Gottes Namen bekanntzugeben?

      Jesu Nachfolger kannten und gebrauchten Gottes Namen bereits. Sie sahen ihn, wenn sie in den hebräischen Schriftrollen der Bibel lasen, die in ihren Synagogen auslagen. Auch stießen sie auf ihn, wenn sie in der Septuaginta lasen — einer griechischen Übersetzung der Hebräischen Schriften, die sie beim Lehren und beim Abfassen von Schriftstücken verwendeten. In welchem Sinne hatte Jesus ihnen den göttlichen Namen offenbar gemacht oder bekanntgegeben, wenn sie ihn doch schon kannten?

      In biblischer Zeit waren Namen nicht lediglich Bezeichnungen. In dem Werk A Greek-English Lexicon of the New Testament von J. H. Thayer heißt es: „Der Name Gottes im N[euen] T[estament] steht für alle Eigenschaften, die in den Augen seiner Anbeter in diesem Namen zusammengefaßt sind und durch die sich Gott den Menschen zu erkennen gibt.“ Jesus gab Gottes Namen nicht nur dadurch bekannt, daß er ihn gebrauchte, sondern auch indem er die Person offenbarte, die hinter dem Namen stand — ihre Vorsätze, Tätigkeiten und Eigenschaften. Da Jesus „am Busenplatz beim Vater“ gewesen war, konnte er den Vater schildern wie kein anderer (Joh. 1:18). Außerdem war Jesus ein so vollkommenes Abbild seines Vaters, daß seine Jünger den Vater im Sohn „sehen“ konnten (Joh. 14:9). Jesus legte durch das, was er sagte und tat, für Gottes Namen Zeugnis ab.

      Er legte über Gottes Königreich Zeugnis ab

      Als der „treue Zeuge“ war Jesus ein herausragender Verkündiger des Königreiches Gottes. Er sagte ausdrücklich: „Ich [muß] die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Luk. 4:43). In ganz Palästina verkündigte er dieses himmlische Königreich und ging dabei Hunderte von Kilometern zu Fuß. Er predigte überall, wo Menschen waren, die ihm zuhörten: an Stränden und Abhängen, in Städten und Dörfern, in Synagogen und im Tempel, auf Marktplätzen und in Privathäusern. Jesus wußte allerdings, daß er nur ein begrenztes Gebiet bearbeiten und einer begrenzten Zahl Menschen Zeugnis geben konnte. (Vergleiche Johannes 14:12.) Als er seine Jünger für das Verkündigen des Königreiches schulte und sie aussandte, hatte er ein weltweites Predigtwerk im Sinn (Mat. 10:5-7; 13:38; Luk. 10:1, 8, 9).

      Jesus war ein fleißiger, eifriger Zeuge, der sich nicht von seiner Aufgabe ablenken ließ. Er nahm zwar an den Nöten der Menschen Anteil, konzentrierte sich aber nicht so sehr auf kurzzeitig wirksame Hilfsmaßnahmen, daß er deswegen Gottes Auftrag vernachlässigte, die Menschen auf die langfristige Lösung ihrer Probleme hinzuweisen — Gottes Königreich. Als er einmal durch ein Wunder 5 000 Männer speiste (Frauen und Kinder mitgerechnet, waren es vielleicht über 10 000 Menschen), wollte ihn eine Gruppe von Juden ergreifen und zu einem irdischen König machen. Was tat Jesus? „Er [zog] sich wieder auf den Berg zurück, er allein“ (Joh. 6:1-15; vergleiche Lukas 19:11, 12; Apostelgeschichte 1:6-9). Trotz seiner vielen Wunderheilungen galt Jesus nicht in erster Linie als Wundertäter, sondern wurde sowohl von Gläubigen als auch von Ungläubigen als „Lehrer“ anerkannt (Mat. 8:19; 9:11; 12:38; 19:16; 22:16, 24, 36; Joh. 3:2).

      Für Gottes Königreich Zeugnis abzulegen war zweifellos das wichtigste Werk, das Jesus tun konnte. Es ist Jehovas Wille, daß jeder weiß, was sein Königreich ist und wie dadurch sein Vorsatz verwirklicht wird. Daran liegt ihm sehr viel, denn durch dieses Mittel wird er seinen Namen heiligen, indem er ihn von aller Schmach reinwäscht. Jesus wußte das und machte daher das Königreich zum Gegenstand seines Predigens (Mat. 4:17). Dadurch, daß er es ganzherzig verkündigte, hielt er Gottes rechtmäßige Souveränität hoch.

      Ein Zeuge, der bis in den Tod treu war

      Niemandem konnte Jehova und seine Souveränität mehr am Herzen liegen als Jesus. Als „der Erstgeborene aller Schöpfung“ ‘erkannte er den Vater völlig’ durch die enge Gemeinschaft, die er als Geistgeschöpf mit ihm im Himmel hatte (Kol. 1:15; Mat. 11:27). Schon undenkliche Zeiten vor der Erschaffung des ersten Menschenpaares hatte er sich der Oberherrschaft Gottes bereitwillig untergeordnet. (Vergleiche Johannes 8:29, 58.) Wie sehr muß es ihn verletzt haben, als Adam und Eva der Oberherrschaft Gottes den Rücken kehrten! Dennoch wartete er etwa 4 000 Jahre lang geduldig im Himmel, bis endlich die Zeit für ihn gekommen war, als der größte Zeuge zu dienen, den Jehova je auf der Erde hatte.

      Jesus war sich völlig darüber im klaren, daß er direkt in die universellen Streitfragen einbezogen war. Es hätte den Anschein haben können, als hätte Jehova um ihn herum eine Hecke aufgerichtet. (Vergleiche Hiob 1:9-11.) Er hatte im Himmel zwar seine Treue und Ergebenheit bewiesen, würde er aber als Mensch auf der Erde unter jeder Art von Prüfungen seine Lauterkeit bewahren? Könnte er Satan in einer Situation widerstehen, in der sein Feind scheinbar die Oberhand hätte?

      Der schlangenähnliche Widersacher verlor keine Zeit. Kurz nach Jesu Taufe und Salbung wollte Satan Jesus verleiten, selbstsüchtig zu sein, sich selbst zu erhöhen und schließlich die Souveränität Gottes abzulehnen. Doch Jesu unmißverständliche Erklärung gegenüber Satan: „Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen“ zeigte, auf welcher Seite er die Streitfragen betreffend stand. Wie anders er doch war als Adam! (Mat. 4:1-10).

      Der Weg, der Jesus vorgezeichnet war, bedeutete Leiden und Tod, was er nur zu gut wußte (Luk. 12:50; Heb. 5:7-9). Doch „als er in seiner Beschaffenheit als ein Mensch erfunden wurde, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod an einem Marterpfahl“ (Phil. 2:7, 8). Dadurch bewies Jesus, daß Satan ein unverschämter Lügner ist, und klärte eindeutig die Frage: Wird irgend jemand seine Lauterkeit gegenüber der Souveränität Gottes bewahren, wenn Satan gestattet wird, ihn auf die Probe zu stellen? Durch Jesu Tod wurde allerdings noch viel mehr bewirkt.

      Jesus gab durch seinen Tod am Marterpfahl auch „seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele“ (Mat. 20:28; Mar. 10:45). Sein vollkommenes menschliches Leben hatte Opferwert. Dadurch, daß Jesus sein Leben hingab, werden uns nicht nur unsere Sünden vergeben, sondern uns eröffnet sich auch die Gelegenheit, ewig auf einer paradiesischen Erde zu leben, was dem ursprünglichen Vorsatz Gottes entspricht (Luk. 23:43; Apg. 13:38, 39; Heb. 9:13, 14; Offb. 21:3, 4).

      Jehova bewies, daß er Jesus liebte und als den „treuen Zeugen“ anerkannte, indem er ihn am dritten Tag von den Toten auferweckte. Das war die Bestätigung dafür, daß Jesu Zeugnis über das Königreich der Wahrheit entsprach (Apg. 2:31-36; 4:10; 10:36-43; 17:31). Nachdem er 40 Tage in der Umgebung der Erde geblieben war und seinen Aposteln in dieser Zeit mehrmals erschienen war, fuhr er in den Himmel auf (Apg. 1:1-3, 9).

      Jesus hatte angedeutet, daß die Aufrichtung des messianischen Königreiches Gottes in ferner Zukunft liege (Luk. 19:11-27). Dieses Ereignis würde auch den Beginn der „Gegenwart [Jesu] und des Abschlusses des Systems der Dinge“ kennzeichnen (Mat. 24:3). Aber woran könnten seine Nachfolger auf der Erde erkennen, wann das eintreten würde? Jesus gab ihnen ein „Zeichen“ — ein kombiniertes Zeichen, das viele Merkmale enthält, zum Beispiel Kriege, Erdbeben, Lebensmittelknappheit, Seuchen und zunehmende Gesetzlosigkeit. Ein wichtiger Bestandteil des Zeichens wäre auch, daß die gute Botschaft vom Königreich als Zeugnis für alle Nationen auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt würde. Alle Merkmale dieses bedeutsamen Zeichens sind heute zu beobachten, was anzeigt, daß wir in der Zeit der Gegenwart Jesu als himmlischer König und des Abschlusses des Systems der Dinge lebena (Mat. 24:3-14).

      Wie steht es aber mit Jesu Nachfolgern? In der Zeit der Gegenwart Jesu behaupten Angehörige vieler verschiedener Kirchen, Christus nachzufolgen (Mat. 7:22). Die Bibel sagt hingegen, daß ‘da e i n Glaube ist’ (Eph. 4:5). Woran kann man also die wahre Christenversammlung erkennen, die Gottes Anerkennung besitzt und von ihm geleitet wird? Dazu muß man untersuchen, was die Bibel über die Christenversammlung des ersten Jahrhunderts sagt, und darauf achten, wer heute diesem Vorbild folgt.

      [Fußnote]

      a Siehe Kapitel 10: „Eine biblische Prophezeiung, die sich vor unseren Augen erfüllt“ in dem Buch Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.

  • Jesus Christus, der treue Zeuge
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • [Ganzseitiges Bild auf Seite 23]

  • Christliche Zeugen Jehovas im ersten Jahrhundert
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • Kapitel 3

      Christliche Zeugen Jehovas im ersten Jahrhundert

      „IHR werdet Zeugen von mir sein ... bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Apg. 1:8). Mit diesen Abschiedsworten beauftragte Jesus seine Jünger, Zeugen zu sein. Wessen Zeugen? „Zeugen von mir“, sagte Jesus. Bedeuten diese Worte, daß sie keine Zeugen Jehovas sein sollten? Bestimmt nicht!

      Tatsächlich erhielten Jesu Jünger ein beispielloses Vorrecht — Zeugen sowohl von Jehova als auch von Jesus zu sein. Als treue Juden waren Jesu erste Jünger bereits Zeugen Jehovas (Jes. 43:10-12). Doch nun sollten sie auch über Jesu wichtige Rolle bei der Heiligung des Namens Jehovas durch Gottes messianisches Königreich Zeugnis ablegen. Dieses Zeugnis für Jesus diente der Verherrlichung Jehovas (Röm. 16:25-27; Phil. 2:9-11). Jesu Jünger bezeugten, daß Jehova nicht gelogen, sondern nach über 4 000 Jahren endlich den lang erwarteten verheißenen Messias oder Christus gesandt hatte.

      Den christlichen Zeugen Jehovas des ersten Jahrhunderts wurde überdies eine außergewöhnliche Verantwortung übertragen, die wahre Christen noch heute haben.

      „Geht ..., und macht Jünger“

      Nach seiner Auferstehung von den Toten erschien Jesus seinen Jüngern, die sich an einem Berg in Galiläa versammelt hatten. Dort umriß Jesus ihre Verantwortung: „Geht daher hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Systems der Dinge“ (Mat. 28:19, 20). Wir wollen sehen, was dieser gewichtige Auftrag in sich schloß.

      „Geht“, sagte Jesus. Zu wem sollten sie gehen? Zu „Menschen aller Nationen“. Es handelte sich um ein neues Gebot, das besonders für jüdische Gläubige eine Herausforderung war. (Vergleiche Apostelgeschichte 10:9-16, 28.) Vor der Zeit Jesu waren Nichtjuden willkommen, wenn sie aus Interesse für die wahre Anbetung nach Israel kamen (1. Kö. 8:41-43). Bereits zu einem früheren Zeitpunkt seines Wirkens auf der Erde hatte Jesus die Apostel aufgefordert, ‘hinzugehen und zu predigen’, aber nur „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mat. 10:1, 6, 7). Jetzt wurde ihnen geboten, zu Menschen aller Nationen zu gehen. Mit welchem Ziel?

      „Macht Jünger“, gebot Jesus. Ja, seine Jünger wurden beauftragt, selbst Jünger zu machen. Was gehört dazu? Ein Jünger ist ein Lernender, ein Belehrter — doch nicht lediglich ein Schüler, sondern ein Anhänger. Ein Jünger erkennt Jesu Autorität nicht nur innerlich durch Glauben an, sondern auch nach außen hin durch Gehorsam. Im Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament von Gerhard Kittel heißt es über das griechische Wort für „Jünger“ (mathētḗs): Es „stellt stets das Vorhandensein einer persönlichen Bindung fest, die das gesamte Leben des als μαθητής [Jünger] Bezeichneten formt“.

      „Lehrt sie“, fuhr Jesus fort, „alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ Damit jemand eine persönliche Bindung an Jesus entwickeln kann, muß er gelehrt werden, „alles zu halten“, was Christus geboten hat, auch sein Gebot, die „gute Botschaft vom Königreich“ zu predigen (Mat. 24:14). Nur so kann er ein Jünger im eigentlichen Sinne werden. Und nur wer die Lehre annimmt und sich als echter Jünger erweist, wird getauft.

      „Ich bin bei euch“, sicherte Jesus seinen Jüngern zu, „alle Tage bis zum Abschluß des Systems der Dinge.“ Jesu Lehre ist stets gültig, sie veraltet nie. Von daher sind Christen bis heute verpflichtet, Jünger zu machen.

      Christi Nachfolger erhielten also einen verantwortungsvollen Auftrag — unter allen Nationen ein Werk des Jüngermachens zu verrichten. Um Jünger Christi zu machen, mußten sie indessen über Jehovas Namen und sein Königreich Zeugnis ablegen, denn das hatte auch Jesus, ihr Vorbild, getan (Luk. 4:43; Joh. 17:26). Wer Christi Lehre annahm und sich als Jünger erwies, wurde somit ein christlicher Zeuge Jehovas. Nun wurde jemand nicht mehr durch Geburt — als Angehöriger des jüdischen Volkes — ein Zeuge Jehovas, sondern durch eigene Entscheidung. Angehende Zeugen waren von Liebe zu Jehova und dem aufrichtigen Wunsch motiviert, sich seiner unumschränkten Herrschaft unterzuordnen (1. Joh. 5:3).

      Kamen aber die frühchristlichen Zeugen Jehovas ihrem Auftrag nach, als Zeugen Gottes und Christi zu dienen und ‘Jünger aus Menschen aller Nationen zu machen’?

      „Bis zum entferntesten Teil der Erde“

      Kurz nachdem Jesus seinen Jüngern ihren Auftrag gegeben hatte, kehrte er zu dem himmlischen Wohnsitz seines Vaters zurück (Apg. 1:9-11). Zehn Tage später, zu Pfingsten 33 u. Z., wurde das ausgedehnte Werk des Jüngermachens eingeleitet. Jesus goß auf seine wartenden Jünger den verheißenen heiligen Geist aus (Apg. 2:1-4; vergleiche Lukas 24:49 und Apostelgeschichte 1:4, 5). Dadurch konnten sie voller Eifer den auferstandenen Christus und seine künftige Wiederkehr in Königreichsmacht predigen.

      Getreu den Anweisungen Jesu begannen diese Jünger des ersten Jahrhunderts direkt in Jerusalem, Zeugnis über Gott und Christus abzulegen (Apg. 1:8). Der Apostel Petrus übernahm die Führung und legte vor Tausenden von jüdischen Pfingstfestbesuchern aus vielen Ländern „ein gründliches Zeugnis“ ab (Apg. 2:5-11, 40). Bald betrug allein die Zahl der gläubigen Männer etwa 5 000 (Apg. 4:4; 6:7). Später verkündigte Philippus den Samaritern „die gute Botschaft vom Königreich Gottes und vom Namen Jesu Christi“ (Apg. 8:12).

      Doch es gab noch weit mehr zu tun. Ab 36 u. Z., als Kornelius, ein unbeschnittener Heide, bekehrt wurde, gelangte die gute Botschaft zu Nichtjuden aller Nationen (Apg., Kap. 10). Sie breitete sich so rasch aus, daß der Apostel Paulus um das Jahr 60 u. Z. sagen konnte, die gute Botschaft sei „in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt worden“ (Kol. 1:23). Bis zum Ende des ersten Jahrhunderts hatten die treuen Nachfolger Jesu also im ganzen Römischen Reich Jünger gemacht — in Asien, Europa und Afrika.

      Wenn man bedenkt, wieviel die frühchristlichen Zeugen Jehovas in kurzer Zeit erreichten, erhebt sich die Frage: Waren sie organisiert? Wenn ja, wie?

      Die Organisation der Christenversammlung

      Von Moses’ Zeit an befand sich die jüdische Nation in einer einzigartigen Stellung — sie war die Versammlung Gottes. Diese Versammlung war gut organisiert, da Gott darin ältere Männer, Häupter, Richter und Beamte eingesetzt hatte (Jos. 23:1, 2). Doch die jüdische Nation verlor ihre bevorrechtigte Stellung, weil sie den Sohn Jehovas verwarf (Mat. 21:42, 43; 23:37, 38; Apg. 4:24-28). Zu Pfingsten 33 u. Z. trat die Christenversammlung Gottes an die Stelle der Versammlung Israels.a Wie war die Christenversammlung organisiert?

      Schon am Pfingsttag „widmeten sich“ die Jünger „der Lehre der Apostel“, was darauf hindeutet, daß sie gleich zu Anfang eine auf die Lehre gestützte Einheit aufwiesen. Von diesem ersten Tag an versammelten sie sich „einmütig“ (Apg. 2:42, 46). In dem Maße, wie sich das Werk des Jüngermachens ausdehnte, entstanden Versammlungen von Gläubigen — zunächst in Jerusalem und dann außerhalb der Stadt (Apg. 8:1; 9:31; 11:19-21; 14:21-23). Sie versammelten sich regelmäßig in öffentlichen Gebäuden und in Privathäusern (Apg. 19:8, 9; Röm. 16:3, 5; Kol. 4:15).

      Was verhinderte, daß die wachsende Christenversammlung ein loser Zusammenschluß von unabhängigen örtlichen Versammlungen wurde? Sie war unter einem Führer vereint. Jesus Christus war von Anfang an als Herr und Haupt der Versammlung eingesetzt und wurde von allen Versammlungen als solcher anerkannt (Apg. 2:34-36; Eph. 1:22). Vom Himmel aus leitete Christus selbst die Angelegenheiten seiner Versammlung auf der Erde. Wie? Durch den heiligen Geist, den er von seinem Vater empfing, und durch Engel, die Jehova ihm unterstellte (Apg. 2:33; vergleiche Apostelgeschichte 5:19, 20; 8:26; 1. Petrus 3:22).

      Christus stand noch etwas zur Verfügung, um die Einheit der Christenversammlung zu bewahren — eine sichtbare leitende Körperschaft. Zunächst setzte sich die leitende Körperschaft aus den treuen Aposteln Jesu zusammen. Später schloß sie andere ältere Männer der Jerusalemer Versammlung ein und den Apostel Paulus, obgleich er nicht in Jerusalem wohnte. Alle Versammlungen erkannten die Autorität dieser zentralen Körperschaft älterer Männer an und erwarteten von ihr Anleitung, wenn Fragen der Organisation oder der Lehre aufkamen (Apg. 2:42; 6:1-6; 8:14-17; 11:22; 15:1-31). Was war die Folge? „Die Versammlungen wurden daher tatsächlich im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu“ (Apg. 16:4, 5).

      Die leitende Körperschaft überwachte unter der Führung des heiligen Geistes die Ernennung von Aufsehern und ihren Helfern, den Dienstamtgehilfen, die sich alle um die einzelnen Versammlungen kümmerten. Diese Männer erfüllten Voraussetzungen, die in allen Versammlungen gültig waren, nicht nur örtlich (1. Tim. 3:1-13; Tit. 1:5-9; 1. Pet. 5:1-3). Aufseher wurden aufgefordert, sich an die Heilige Schrift zu halten und sich der Leitung des heiligen Geistes unterzuordnen (Apg. 20:28; Tit. 1:9). Alle in der Versammlung sollten ‘denen gehorchen, die die Führung übernehmen’ (Heb. 13:17). So wurde nicht nur die Einheit der einzelnen Versammlungen gewahrt, sondern auch die der Christenversammlung als Ganzes.

      Obwohl eine Reihe Männer verantwortliche Stellungen hatten, gab es unter den frühchristlichen Zeugen Jehovas keine Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien. Sie waren alle Brüder; es gab nur einen Führer — Christus (Mat. 23:8, 10).

      Heiliger Lebenswandel und Liebe als Erkennungsmerkmal

      Die Zeugen Jehovas des ersten Jahrhunderts beschränkten ihr Zeugnis nicht auf „die Frucht der Lippen“ (Heb. 13:15). Jünger zu sein formte das ganze Leben eines christlichen Zeugen. Die Christen verkündigten also nicht nur ihren Glauben, sondern ihr Glaube gestaltete auch ihr Leben um. Sie streiften die alte Persönlichkeit mit ihren sündigen Handlungen ab und bemühten sich, die neue Persönlichkeit anzuziehen, die nach dem Willen Gottes geschaffen ist (Kol. 3:5-10). Sie waren ehrlich und aufrichtig, fleißig und zuverlässig (Eph. 4:25, 28). Sie waren moralisch rein; geschlechtliche Unmoral war streng verboten, auch Trunkenheit und Götzendienst (Gal. 5:19-21). Aus gutem Grund wurde das Christentum als der „Weg“ bekannt — ein Lebensweg oder eine Lebensweise, die sich um den Glauben an Jesus drehte und darin bestand, seinen Fußstapfen genau nachzufolgen (Apg. 9:1, 2; 1. Pet. 2:21, 22).

      Eine Eigenschaft ragt jedoch unter allen anderen heraus — die Liebe. Die ersten Christen nahmen sich liebevoll der Bedürfnisse Mitgläubiger an (Röm. 15:26; Gal. 2:10). Sie liebten ihre Mitgläubigen nicht wie sich selbst, sondern mehr als sich selbst. (Vergleiche Philipper 2:25-30.) Sie waren sogar bereit, füreinander zu sterben. Doch das sollte nicht überraschen. Nahm nicht Jesus für sie den Tod auf sich? (Joh. 15:13; vergleiche Lukas 6:40). Er konnte seinen Jüngern sagen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, daß auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Joh. 13:34, 35). Christus gebot seinen Nachfolgern, aufopfernde Liebe zu zeigen; und dieses Gebot wurde von seinen Jüngern des ersten Jahrhunderts treu befolgt (Mat. 28:20).

      „Kein Teil der Welt“

      Um ihrer Verpflichtung nachzukommen, Jünger zu machen und Zeugen Gottes und Christi zu sein, durften sich die ersten Christen nicht von weltlichen Angelegenheiten ablenken lassen; sie mußten ihren Auftrag in den Brennpunkt rücken. Jesus hatte das zweifellos getan. Er sagte zu Pilatus: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt“ (Joh. 18:36). Und seinen Jüngern erklärte er klar und deutlich: „Ihr ... [seid] kein Teil der Welt“ (Joh. 15:19). Die ersten Christen hielten sich somit wie Jesus von der Welt getrennt; sie mischten sich nicht in die Politik ein und beteiligten sich nicht an Kriegen. (Vergleiche Johannes 6:15.) Sie ließen sich auch nicht vom Verhalten der Welt anstecken — von ihrem begierigen Streben nach materiellen Gütern und ihrer Genußsucht (Luk. 12:29-31; Röm. 12:2; 1. Pet. 4:3, 4).

      Daß sich die frühchristlichen Zeugen von der Welt getrennt hielten, machte sie zu einem besonderen Volk. Der Historiker E. G. Hardy schrieb in seinem Buch Christianity and the Roman Government: „Die Christen waren Fremdlinge und Pilgrime in der Welt, in der sie lebten; ihr Bürgertum war im Himmel; das Reich, auf das sie hofften, war nicht von dieser Welt. Die Passivität gegenüber den Angelegenheiten des Staates war daher von Anfang an ein auffallendes Merkmal des Christentums.“

      Um der Gerechtigkeit willen verfolgt

      „Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr“, mahnte Jesus. „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh. 15:20). Vor seinem Tod am Marterpfahl wurde Jesus schwer mißhandelt (Mat. 26:67; 27:26-31, 38-44). Und wie es nach seiner Warnung zu erwarten war, erging es seinen Jüngern bald ähnlich (Mat. 10:22, 23). Warum aber?

      Es dauerte nicht lange, bis die ersten Christen auffielen. Sie waren rechtschaffene Menschen mit hohen moralischen Grundsätzen. Sie führten mit Freimut und Eifer ein Werk des Jüngermachens durch, woraufhin buchstäblich Tausende der falschen Religion den Rücken kehrten und Christen wurden. Diese hielten sich aus weltlichen Angelegenheiten heraus. Sie beteiligten sich nicht am Kaiserkult. Es überrascht daher nicht, daß sie bald Zielscheibe einer gemeinen Verfolgung wurden, die von Führern der falschen Religion und falsch unterrichteten Machthabern angezettelt wurde (Apg. 12:1-5; 13:45, 50; 14:1-7; 16:19-24). Diese waren allerdings nur Handlanger des eigentlichen Verfolgers — Satans, der „Urschlange“ (Offb. 12:9; vergleiche Offenbarung 12:12, 17). Was war sein Ziel? Die Unterdrückung des Christentums und des mutigen Zeugnisablegens.

      Doch keine noch so schlimme Verfolgung konnte die frühchristlichen Zeugen Jehovas zum Schweigen bringen. Sie hatten ihren Predigtauftrag durch Christus von Gott erhalten und waren entschlossen, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen (Apg. 4:19, 20, 29; 5:27-32). Sie vertrauten auf Jehovas Kraft und waren zuversichtlich, daß er seine treuen Zeugen für ihr Ausharren belohnen würde (Mat. 5:10; Röm. 8:35-39; 15:5).

      Die Geschichte bestätigt, daß die Verfolgung durch Machthaber des Römischen Reiches die frühchristlichen Zeugen Jehovas nicht ausrotten konnte. Der jüdische Historiker Josephus aus dem ersten Jahrhundert u. Z. sagte: „Und noch bis auf den heutigen Tag [um 93 u. Z.] besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm [Jesus] nennen, fort“ (Jüdische Altertümer, 18. Buch, Kap. 3, Abs. 3).

      Die Aufzeichnungen über die christlichen Zeugen Jehovas im ersten Jahrhundert lassen mehrere deutliche Merkmale ihres Zeugnisablegens erkennen: Sie kamen ihrem Auftrag, über Gott und Christus Zeugnis abzulegen und Jünger zu machen, mutig und eifrig nach; sie hatten ein organisatorisches Gefüge, in dem alle Brüder waren und es keine Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien gab; sie hatten hohe moralische Grundsätze und liebten sich gegenseitig; sie hielten zu der Welt und ihrem Verhalten Abstand; und sie wurden um der Gerechtigkeit willen verfolgt.

      Gegen Ende des ersten Jahrhunderts wurde jedoch die vereinte Christenversammlung durch eine ernste, heimtückische Gefahr bedroht.

      [Fußnote]

      a In den Christlichen Griechischen Schriften ist das Wort „Versammlung“ mitunter eine Sammelbezeichnung und steht für die Christenversammlung im allgemeinen (1. Kor. 12:28); es kann sich auch auf eine Gruppe in einer Stadt oder in einem Privathaus beziehen (Apg. 8:1; Röm. 16:5).

      [Herausgestellter Text auf Seite 26]

      Neue Jünger sollten nicht lediglich passive Gläubige sein, sondern gehorsame Nachfolger Jesu

      [Herausgestellter Text auf Seite 27]

      Nun wurde jemand nicht mehr durch Geburt ein Zeuge Jehovas, sondern durch eigene Entscheidung

      [Herausgestellter Text auf Seite 28]

      Bis zum Ende des ersten Jahrhunderts hatten die christlichen Zeugen Jehovas in Asien, Europa und Afrika Jünger gemacht

      [Herausgestellter Text auf Seite 29]

      Unter den Christen des ersten Jahrhunderts gab es keine Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien

      [Kasten auf Seite 27]

      Das Christentum breitete sich durch eifriges Predigen aus

      Angetrieben durch einen nicht auszulöschenden Eifer, verbreiteten die frühchristlichen Zeugen Jehovas die gute Botschaft mit der größten Tatkraft so weit, wie sie nur konnten. Edward Gibbon erklärte in dem Werk „Geschichte des Verfalles und Unterganges des römischen Weltreiches“, daß der „Eifer der ersten Christen sie allmälig in jeder Provinz, ja fast in jeder Stadt des [Römischen] Reiches verbreitet hatte“. Professor J. W. Thompson schrieb in „History of the Middle Ages“: „Das Christentum hat sich in der römischen Welt erstaunlich schnell ausgebreitet. Wahrscheinlich hat es um das Jahr 100 in jeder Mittelmeerprovinz eine Christengemeinde gegeben.“

      [Kasten auf Seite 30]

      Der Triumph des Christentums

      Außerbiblische Quellen bestätigen den guten Lebenswandel und die Liebe der ersten Christen. Der Historiker John Lord sagte: „Der wahre Triumph des Christentums bestand darin, aus denen, die sich dazu bekannten, gute Menschen zu machen. ... Wir haben Zeugnisse für ihr makelloses Leben, ihre untadelige Moral, ihre Untertanentreue und ihre christlichen Tugenden“ („The Old Roman World“).

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