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Geben wir nicht auf!Der Wachtturm 1995 | 1. Dezember
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Geben wir nicht auf!
„Laßt uns nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (GALATER 6:9).
1, 2. (a) Welche Jagdmethoden wendet ein Löwe an? (b) Besonders auf wen möchte der Teufel Jagd machen?
EIN Löwe hat verschiedene Jagdmethoden. Manchmal lauert er seiner Beute an Wasserlöchern oder an vielbenutzten Pfaden auf. Doch bisweilen macht sich ein Löwe „einfach eine günstige Gelegenheit zunutze — zum Beispiel wenn er auf ein schlafendes Zebrafohlen trifft“ (Portraits in the Wild).
2 Unser „Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemand zu verschlingen“, erklärt der Apostel Petrus (1. Petrus 5:8). Da Satan weiß, daß seine Zeit kurz ist, übt er immer stärkeren Druck auf die Menschen aus, um sie davon abzuhalten, Jehova zu dienen. Dieser ‘brüllende Löwe’ ist allerdings besonders daran interessiert, auf Diener Jehovas Jagd zu machen (Offenbarung 12:12, 17). Seine Jagdmethoden gleichen denen, die sein Gegenstück im Tierreich anwendet. Inwiefern?
3, 4. (a) Welche Methoden wendet Satan an, wenn er auf Diener Jehovas Jagd macht? (b) Welche Fragen stellen sich angesichts der gegenwärtigen ‘kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird’?
3 Gelegentlich versucht es Satan mit einem Überfall aus dem Hinterhalt — Verfolgung oder Widerstand mit dem Ziel, unsere Lauterkeit zu brechen, damit wir Jehova nicht mehr dienen (2. Timotheus 3:12). Doch wie ein Löwe macht sich auch der Teufel zu anderen Zeiten einfach eine günstige Gelegenheit zunutze. Er wartet, bis wir entmutigt sind oder ermatten, und versucht dann, aus unserer Niedergeschlagenheit Kapital zu schlagen, um uns zum Aufgeben zu veranlassen. Lassen wir es nicht soweit kommen, daß wir eine leichte Beute werden!
4 Wir leben allerdings in der schwierigsten Zeit der gesamten Menschheitsgeschichte. In den gegenwärtigen ‘kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird’, fühlen sich viele von uns manchmal entmutigt oder niedergedrückt (2. Timotheus 3:1). Wie können wir es aber vermeiden, so sehr zu ermüden, daß wir eine leichte Beute für den Teufel sind? Ja wie können wir den inspirierten Rat des Apostels Paulus befolgen: „Laßt uns nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.“ (Galater 6:9)?
Wenn andere uns enttäuschen
5. Was ließ David ermüden, doch was tat er nicht?
5 In biblischen Zeiten mögen sich auch die treuesten Diener Jehovas niedergedrückt gefühlt haben. „Ich bin ermüdet von meinem Seufzen“, schrieb der Psalmist David. „Die ganze Nacht hindurch schwemme ich mein Ruhebett, mit meinen Tränen lasse ich meinen eigenen Diwan überfließen. Vom Verdruß ist mein Auge schwach geworden.“ Warum hatte David solche Empfindungen? „Wegen all derjenigen, die mich befeinden“, erklärte er. Das schädliche Treiben anderer bereitete David einen solchen Herzensschmerz, daß er seinen Tränen freien Lauf ließ. Doch das, was andere Menschen David angetan hatten, veranlaßte ihn nicht, sich von Jehova abzuwenden (Psalm 6:6-9).
6. (a) Wie können sich die Worte oder die Handlungen anderer auf uns auswirken? (b) Wodurch bringen sich einige in Gefahr, für den Teufel eine leichte Beute zu werden?
6 Die Worte oder die Handlungen anderer könnten auch uns ermatten und großen Herzensschmerz verspüren lassen. „Da ist einer, der gedankenlos redet wie mit Schwertstichen“, heißt es in Sprüche 12:18. Wenn es sich bei dem gedankenlos Redenden um einen Glaubensbruder oder eine Glaubensschwester handelt, können die „Stichwunden“ sehr tief sein. Der Mensch neigt dazu, sich beleidigt zu fühlen und vielleicht sogar Groll zu hegen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn wir glauben, unfreundlich oder ungerecht behandelt worden zu sein. Es mag uns schwerfallen, mit dem, der uns gekränkt hat, zu sprechen; möglicherweise meiden wir den Betreffenden bewußt. Von Groll niedergedrückt, haben einige aufgegeben und besuchen die christlichen Zusammenkünfte nicht mehr. Traurigerweise ‘geben sie dem Teufel Raum’, diese Gelegenheit auszunutzen, da sie für ihn eine leichte Beute sind (Epheser 4:27).
7. (a) Wie können wir es vermeiden, dem Teufel in die Hände zu spielen, wenn andere uns enttäuschen oder verletzen? (b) Warum müssen wir von Groll ablassen?
7 Wie können wir es vermeiden, dem Teufel in die Hände zu spielen, wenn andere uns enttäuschen oder verletzen? Wir müssen uns bemühen, keinen Groll zu hegen. Statt dessen sollten wir die Initiative ergreifen, den Frieden wiederherzustellen oder die Angelegenheit so schnell wie möglich wieder in Ordnung zu bringen (Epheser 4:26). Gemäß Kolosser 3:13 werden wir aufgefordert: „Fahrt fort, ... einander bereitwillig zu vergeben, wenn jemand Ursache zu einer Klage gegen einen anderen hat.“ Vergebung ist vor allem dann angebracht, wenn derjenige, der das Ärgernis erregt hat, sein Vergehen zugibt und es ihm wirklich leid tut. (Vergleiche Psalm 32:3-5 und Sprüche 28:13.) Es ist uns auch eine Hilfe, wenn wir im Sinn behalten, daß vergeben nicht bedeutet, die Verfehlungen anderer zu entschuldigen oder herabzuspielen. Vergeben schließt unter anderem ein, von Groll abzulassen. Groll ist eine Bürde, die schwer zu tragen ist. Er kann unsere Gedanken völlig in Anspruch nehmen und uns das Glück rauben. Sogar unserer Gesundheit kann er schaden. Im Gegensatz dazu wirkt sich Vergebung, wo sie angebracht ist, zu unserem eigenen Nutzen aus. Wie David sollten wir uns durch das, was andere uns gesagt oder angetan haben, niemals veranlaßt fühlen, aufzugeben und uns von Jehova zurückzuziehen.
Wenn wir Fehler machen
8. (a) Warum haben einige manchmal besonders starke Schuldgefühle? (b) Welche Gefahr besteht, wenn man so sehr von Schuldgefühlen verzehrt wird, daß man sich selbst aufgibt?
8 „Wir alle straucheln oft“, heißt es in Jakobus 3:2. Wenn es uns passiert, ist es ganz natürlich, Schuldgefühle zu haben (Psalm 38:3-8). Schuldgefühle können dann besonders stark sein, wenn wir gegen eine Schwäche des Fleisches ankämpfen und von Zeit zu Zeit einen Rückschlag erleiden.a Eine Christin, die einen solchen Kampf führte, erklärte: „Ich wollte nicht mehr weiterleben, da ich glaubte, möglicherweise eine unvergebbare Sünde begangen zu haben. Ich hatte das Gefühl, mich im Dienst für Jehova gar nicht mehr anstrengen zu brauchen, weil es für mich wahrscheinlich doch schon zu spät sei.“ Wenn wir so sehr von Schuldgefühlen verzehrt werden, daß wir uns selbst aufgeben, bieten wir dem Teufel eine Blöße — und er wird das wahrscheinlich schnell ausnutzen (2. Korinther 2:5-7, 11). Vielleicht müssen wir in bezug auf Schuld eine ausgeglichenere Ansicht entwickeln.
9. Warum sollten wir auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen?
9 Wenn wir sündigen, ist es durchaus angebracht, ein gewisses Maß an Schuld zu empfinden. Doch manchmal lassen einen Christen die Schuldgefühle nicht wieder los, weil er glaubt, Gottes Barmherzigkeit überhaupt nicht mehr zu verdienen. Die Bibel enthält allerdings die liebevolle Zusicherung: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, uns die Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen“ (1. Johannes 1:9). Gibt es einen vernünftigen Grund für die Annahme, Gott würde es in unserem Fall nicht tun? Denken wir daran, daß Jehova, wie er in seinem Wort sagt, „zum Vergeben bereit [ist]“ (Psalm 86:5; 130:3, 4). Da er nicht lügen kann, wird er das tun, was er durch sein Wort verspricht, vorausgesetzt, wir nahen uns ihm mit einem reumütigen Herzen (Titus 1:2).
10. Welche zu Herzen gehende Zusicherung wurde in einer früheren Wachtturm-Ausgabe in Verbindung mit dem Kampf gegen eine Schwäche des Fleisches gegeben?
10 Was sollten wir tun, wenn wir gegen eine Schwäche ankämpfen, aber rückfällig geworden sind? Geben wir nicht auf! Ein Rückfall muß nicht unbedingt den bereits erzielten Fortschritt zunichte machen. In dieser Zeitschrift wurde in der Ausgabe vom 15. April 1954 in Verbindung mit der Feststellung, daß „wir selbst zufolge einer schlechten Gewohnheit, die sich tiefer, als wir dachten, in unser früheres Lebensmuster eingefressen hatte, oftmals straucheln und fallen [mögen]“, die zu Herzen gehende Zusicherung gegeben: „Verzweifle nicht! Folgere nicht, du habest die Sünde begangen, für die es keine Verzeihung gebe. Genau dies möchte Satan dich folgern lassen. Die Tatsache, daß du in deinem Innern betrübt und beunruhigt bist, ist ein Beweis an sich, daß du nicht zu weit gegangen bist. Ermatte nie, dich demütig und ernst an Gott zu wenden und Vergebung, Reinigung und Hilfe von ihm zu empfangen. Geh zu ihm, wie ein Kind zu seinem Vater geht, wenn es in Schwierigkeit ist, ungeachtet, wie oft es wegen derselben Schwachheit gehen muß, und Jehova wird dir gnädig die Hilfe zukommen lassen, weil er dir unverdiente Güte erweist; und wenn du aufrichtig bist, wird er dir das Bewußtsein eines gereinigten Gewissens schenken.“
Wenn wir glauben, nicht genug zu tun
11. (a) Wie sollten wir zur Beteiligung am Königreichspredigtwerk eingestellt sein? (b) Mit was für Gefühlen kämpfen einige Christen, was die Beteiligung am Predigtdienst betrifft?
11 Das Königreichspredigtwerk spielt eine wichtige Rolle im Leben eines Christen, und es bereitet Freude, sich daran zu beteiligen (Psalm 40:8). Einige Christen haben jedoch starke Schuldgefühle, weil sie im Dienst nicht noch mehr tun können. Solche Schuldgefühle können sogar unsere Freude untergraben und uns zum Aufgeben veranlassen, weil wir uns einbilden, wir würden in den Augen Jehovas nie genug tun. Betrachten wir einmal, mit welchen Gefühlen einige zu kämpfen haben.
„Wißt ihr, wie zeitraubend Armut ist?“ schrieb eine Glaubensschwester, die zusammen mit ihrem Mann drei Kinder großzieht. „Ich muß einsparen, wo irgend es geht. Doch das bedeutet für mich, Zeit einzusetzen, um mich in Secondhandshops und bei Räumungsverkäufen umzusehen oder um Kleidung selbst zu nähen. Außerdem verbringe ich jede Woche ein bis zwei Stunden damit, Rabattcoupons auszuschneiden, abzulegen und einzutauschen. Manchmal verspüre ich eine große Schuld, weil ich all das tue, denn ich denke, ich sollte die Zeit eigentlich im Predigtdienst einsetzen.“
„Ich glaubte, daß ich Jehova nie genug liebte“, erklärte eine Schwester, die vier Kinder und einen ungläubigen Mann hat. „Deshalb war es für mich ein Kampf, Jehova zu dienen. Ich strengte mich wirklich an, aber ich hielt es nie für genug. Tatsächlich hatte ich keinerlei Selbstwertgefühl, weshalb ich mir nicht vorstellen konnte, daß mein Dienst Jehova jemals annehmbar sein würde.“
Eine Christin, die den Vollzeitdienst aufgeben mußte, sagte: „Ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, daß ich meiner Verpflichtung nicht nachkam, ein Vollzeitdiener für Jehova zu sein. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie enttäuscht ich war! Ich weine heute noch, wenn ich nur daran denke.“
12. Warum haben einige Christen große Schuldgefühle, weil sie im Predigtdienst nicht mehr tun können?
12 Es ist ganz normal, Jehova in größtmöglichem Umfang dienen zu wollen (Psalm 86:12). Doch warum haben einige große Schuldgefühle, weil sie nicht mehr tun können? Bei manchen scheint es mit einem allgemeinen Minderwertigkeitsgefühl zusammenzuhängen, das möglicherweise auf unangenehme Lebenserfahrungen zurückzuführen ist. In anderen Fällen kann die Ursache für unangebrachte Schuldgefühle eine unrealistische Ansicht darüber sein, was Jehova von uns erwartet. „Meiner Ansicht nach mußte es weh tun, sonst war es wahrscheinlich nicht genug“, gab eine Christin zu. Deshalb stellte sie an sich übertrieben hohe Anforderungen — und empfand dann noch größere Schuld, wenn sie diesen nicht entsprechen konnte.
13. Was erwartet Jehova von uns?
13 Was erwartet Jehova von uns? Jehova erwartet, einfach gesagt, daß wir ihm mit ganzer Seele dienen und das tun, was unsere Umstände gestatten (Kolosser 3:23). Es kann allerdings eine große Diskrepanz bestehen zwischen dem, was wir gern tun möchten, und dem, was wir realistischerweise tun können. Uns mögen Grenzen gesetzt sein, zum Beispiel durch das Alter, die Gesundheit, die physische Kraft oder durch Familienpflichten. Wenn wir trotzdem alles tun, was uns möglich ist, können wir davon überzeugt sein, daß wir Jehova mit ganzer Seele dienen — nicht mehr und nicht weniger mit ganzer Seele als jemand, dem es auf Grund der Gesundheit und der Umstände möglich ist, im Vollzeitdienst zu stehen (Matthäus 13:18-23).
14. Was können wir tun, wenn wir Hilfe bei der realistischen Einschätzung unserer Möglichkeiten benötigen?
14 Wie können wir denn feststellen, was wir realistischerweise von uns erwarten können? Wir könnten mit einem reifen christlichen Freund unseres Vertrauens, vielleicht mit einem Ältesten oder mit einer erfahrenen Schwester, darüber sprechen, mit jemand, der unsere Fähigkeiten, unsere Grenzen und unsere familiären Verpflichtungen kennt (Sprüche 15:22). Denken wir daran, daß in Gottes Augen unser Wert als Mensch nicht daran gemessen wird, wieviel wir im Predigtdienst tun. Für Jehova sind alle seine Diener kostbar (Haggai 2:7; Maleachi 3:16, 17). Im Vergleich zu anderen mögen wir im Predigtwerk mehr oder weniger tun, doch solange es unser Bestes ist, freut sich Jehova darüber, und es gibt keinen Grund für Schuldgefühle (Galater 6:4).
Wenn von uns viel verlangt wird
15. Inwiefern wird von Versammlungsältesten viel verlangt?
15 „Von jedem, dem viel gegeben wurde, wird viel verlangt werden“, sagte Jesus (Lukas 12:48). Gewiß wird von denjenigen „viel verlangt“, die als Versammlungsälteste dienen. Wie Paulus verbrauchen sie sich für die Versammlung (2. Korinther 12:15). Sie bereiten Ansprachen vor, machen Hirtenbesuche, behandeln Rechtsfälle — und alles, ohne ihre Familie zu vernachlässigen (1. Timotheus 3:4, 5). Manche Älteste helfen außerdem eifrig beim Bau von Königreichssälen mit, dienen in Krankenhaus-Verbindungskomitees oder leisten Freiwilligendienst auf Kongressen. Wie können diese hart arbeitenden, ergebenen Männer vermeiden, daß sie unter der Last solcher Aufgaben ermatten?
16. (a) Auf welche praktische Lösung wurde Moses von Jethro hingewiesen? (b) Welche Eigenschaft wird einen Ältesten befähigen, sich geeignete Aufgaben mit anderen zu teilen?
16 Als sich Moses, ein bescheidener, demütiger Mann, dabei verausgabte, die Probleme anderer zu behandeln, zeigte ihm Jethro, sein Schwiegervater, eine praktische Lösung: Er sollte sich die Verantwortung mit anderen geeigneten Männern teilen (2. Mose 18:17-26; 4. Mose 12:3). „Weisheit ist bei den Bescheidenen“, heißt es in Sprüche 11:2. Bescheiden zu sein bedeutet, sich seiner Grenzen bewußt zu sein und sich damit abzufinden. Ein bescheidener Mensch zögert nicht, anderen etwas zu übertragen, noch befürchtet er, irgendwie die Kontrolle zu verlieren, wenn er sich geeignete Aufgaben mit anderen qualifizierten Männern teilt (4. Mose 11:16, 17, 26-29).b Er bemüht sich statt dessen, ihnen zu helfen, Fortschritte zu machen (1. Timotheus 4:15).
17. (a) Wie können Glieder einer Versammlung die Last der Ältesten erleichtern? (b) Was für Opfer bringen die Frauen der Ältesten, und wie können wir ihnen zeigen, daß wir diese Opfer nicht für selbstverständlich halten?
17 Die Glieder einer Versammlung können viel tun, um die Last der Ältesten zu erleichtern. Wenn andere begreifen, daß auch Älteste eine Familie haben, um die sie sich kümmern müssen, werden sie die Zeit und die Aufmerksamkeit der Ältesten nicht ungebührlich in Anspruch nehmen. Sie werden auch die bereitwilligen Opfer nicht für selbstverständlich nehmen, die die Frauen von Ältesten dadurch bringen, daß sie ihren Mann selbstlos mit der Versammlung teilen. Eine Mutter von drei Kindern, deren Mann als Ältester dient, erklärte: „Etwas, worüber ich nie klage, ist die zusätzliche Last, die ich im Haushalt bereitwillig übernehme, damit mein Mann als Ältester dienen kann. Ich weiß, daß unsere Familie wegen seines Dienstes von Jehova reich gesegnet wird, und es ist mir nicht leid um das, was mein Mann gibt. Doch realistisch gesehen, muß ich, weil mein Mann beschäftigt ist, öfter das Laub zusammenfegen und mich mehr um die Erziehung unserer Kinder kümmern, als es sonst der Fall wäre.“ Diese Schwester mußte leider feststellen, daß einige, statt ihre zusätzliche Belastung anzuerkennen, unüberlegte Bemerkungen machten wie zum Beispiel: „Warum bist du nicht Pionier?“ (Sprüche 12:18). Wieviel besser ist es doch, andere für das zu loben, was sie tun, statt sie wegen etwas zu kritisieren, was sie nicht tun können! (Sprüche 16:24; 25:11).
Weil das Ende noch nicht gekommen ist
18, 19. (a) Warum ist jetzt nicht die Zeit, im Wettlauf um das ewige Leben anzuhalten? (b) Welchen zeitgemäßen Rat gab der Apostel Paulus den Christen in Jerusalem?
18 Wenn ein Langstreckenläufer weiß, daß er kurz vor dem Ziel ist, gibt er nicht auf. Sein Körper mag zwar schon fast die Grenze der Ausdauer erreicht haben — erschöpft, überhitzt und ausgetrocknet sein —, aber so kurz vor dem Ziel ist nicht die Zeit zum Anhalten. In ähnlicher Weise befinden wir Christen uns in einem Wettlauf um den Preis des Lebens, und wir haben die Ziellinie schon fast erreicht. Jetzt ist nicht die Zeit zum Anhalten! (Vergleiche 1. Korinther 9:24; Philipper 2:16; 3:13, 14.)
19 Die Christen des ersten Jahrhunderts standen vor einer ähnlichen Situation. Der Apostel Paulus schrieb um das Jahr 61 u. Z. an die Christen in Jerusalem. Die Zeit lief ab — die böse „Generation“, das abtrünnige jüdische System der Dinge, sollte bald „vergehen“. Vor allem die Christen in Jerusalem mußten wachsam und treu sein; sie sollten aus der Stadt fliehen, wenn sie sie von Heeren umlagert sahen (Lukas 21:20-24, 32). Daher war der inspirierte Rat des Paulus zeitgemäß, ‘nicht müde zu werden und in ihren Seelen nicht zu ermatten’ (Hebräer 12:3). Der Apostel Paulus verwandte hier zwei anschauliche Verben: „müde werden“ (kámno) und „ermatten“ (eklýomai). Gemäß einem Bibelgelehrten wurden die griechischen Wörter „von Aristoteles in bezug auf Läufer gebraucht, die langsamer werden und zusammenbrechen, nachdem sie die Zielmarke erreicht haben. Die Leser [des Briefes des Paulus] standen noch in dem Wettlauf. Sie durften nicht vorzeitig aufgeben. Sie durften nicht zulassen, wegen Müdigkeit schwach zu werden und zusammenzubrechen. Einmal mehr wird hier zum Ausharren angesichts von Schwierigkeiten aufgefordert.“
20. Warum ist der Rat des Paulus für uns heute zeitgemäß?
20 Wie zeitgemäß der Rat des Paulus für uns heute doch ist! Angesichts des zunehmenden Drucks könnten wir uns manchmal wie ein erschöpfter Wettläufer fühlen, dessen Beine fast nicht mehr können. Doch so nahe vor der Ziellinie dürfen wir nicht aufgeben! (2. Chronika 29:11). Unser Feind, der ‘brüllende Löwe’, möchte uns am liebsten dazu veranlassen. Wir können daher froh sein, daß Jehova Vorkehrungen getroffen hat, durch die „dem Müden Kraft“ gegeben wird (Jesaja 40:29). Um welche Vorkehrungen es sich handelt und wie wir sie uns zunutze machen können, wird im nächsten Artikel behandelt.
[Fußnoten]
a Einige mögen beispielsweise damit zu kämpfen haben, einen tiefverwurzelten Charakterzug zu beherrschen wie ein unbeherrschtes Temperament, oder sie mögen ein Problem mit Masturbation haben. (Siehe Erwachet! vom 22. Mai 1988, Seite 19—21 und vom 8. Februar 1982, Seite 16—20 sowie das Buch Fragen junger Leute — Praktische Antworten, Seite 198—211, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.)
b Siehe den Artikel „Ihr Ältesten — delegiert!“ in der Wachtturm-Ausgabe vom 15. Oktober 1992, Seite 20—23.
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Jehova gibt dem Müden KraftDer Wachtturm 1995 | 1. Dezember
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Jehova gibt dem Müden Kraft
„Die auf Jehova hoffen, werden neue Kraft gewinnen. Sie werden sich emporschwingen mit Flügeln wie Adler“ (JESAJA 40:31).
1, 2. Was gibt Jehova denen, die auf ihn vertrauen, und was werden wir jetzt betrachten?
ADLER gehören zu den kraftvollsten Vögeln am Himmel. Sie können im Gleitflug, ohne einen einzigen Flügelschlag, weite Strecken zurücklegen. Mit einer Flügelspannweite von über zwei Metern ist der „König der Vögel“, der Goldadler, „einer der beeindruckendsten Adler überhaupt; er erhebt sich über Hügel und Ebenen, schwebt stundenlang über Bergketten dahin und steigt dann kreisend auf, bis er nur noch ein dunkler Punkt am Himmel ist“ (The Audubon Society Encyclopedia of North American Birds).
2 Jesaja hatte die Flugeigenschaften des Adlers im Sinn, als er schrieb: „[Jehova] gibt dem Müden Kraft; und dem, der ohne dynamische Kraft ist, verleiht er Stärke in Fülle. Knaben werden sowohl müde als auch matt, und selbst junge Männer werden ganz bestimmt straucheln, doch die auf Jehova hoffen, werden neue Kraft gewinnen. Sie werden sich emporschwingen mit Flügeln wie Adler. Sie werden laufen und nicht ermatten; sie werden wandeln und nicht ermüden“ (Jesaja 40:29-31). Welch ein Trost ist doch das Bewußtsein, daß Jehova denen, die auf ihn vertrauen, die Kraft zum Weitermachen gibt, als würde er ihnen die scheinbar nie ermüdenden Flügel des sich emporschwingenden Adlers geben! Betrachten wir nun einige Vorkehrungen, die er getroffen hat, um dem Müden Kraft zu geben.
Die Macht des Gebets
3, 4. (a) Wozu forderte Jesus seine Jünger auf? (b) Welche Erwartungen können wir hegen, was Jehova in Erhörung unserer Gebete tun wird?
3 Jesus forderte seine Jünger auf, daß „sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten“ (Lukas 18:1). Kann es uns wirklich helfen, neue Kraft zu gewinnen und trotz scheinbar überwältigender Belastungen des Lebens nicht aufzugeben, wenn wir Jehova unser Herz ausschütten? Ganz gewiß, aber wir müssen dabei einiges im Sinn behalten.
4 Wir müssen realistische Erwartungen hegen, was Jehova in Erhörung unserer Gebete tun wird. Eine Christin, die unter schweren Depressionen litt, sagte später: „Wie bei anderen Krankheiten darf man nicht erwarten, daß Jehova heute ein Wunder wirkt. Aber er hilft uns, mit der Krankheit zurechtzukommen und wieder so gesund zu werden, wie es im gegenwärtigen System möglich ist.“ Weiter erklärte sie dazu, warum ihre Gebete so entscheidend waren: „Ich hatte 24 Stunden am Tag Zugang zu Jehovas heiligem Geist.“ Jehova bewahrt uns zwar nicht vor den Belastungen des Lebens, die uns niederdrücken können, aber er gibt „denen heiligen Geist ..., die ihn bitten“ (Lukas 11:13; Psalm 88:1-3). Dieser Geist kann bewirken, daß wir jeder Prüfung und jeder Belastung gewachsen sind, mit der wir konfrontiert werden (1. Korinther 10:13). Nötigenfalls kann er uns „die Kraft, die über das Normale hinausgeht“, verleihen, damit wir ausharren können, bis Gottes Königreich in der nahe bevorstehenden neuen Welt alle bedrückenden Probleme beseitigen wird (2. Korinther 4:7).
5. (a) Welche beiden Dinge sind wichtig, damit unsere Gebete wirkungsvoll sind? (b) Wie könnten wir beten, wenn wir gegen eine Schwäche des Fleisches kämpfen? (c) Was werden unsere beharrlichen Gebete, in denen wir auf Einzelheiten eingehen, Jehova zeigen?
5 Damit unsere Gebete wirkungsvoll sind, müssen wir allerdings darin verharren und auf Einzelheiten eingehen (Römer 12:12). Ermatten wir beispielsweise manchmal, weil wir gegen eine Schwäche des Fleisches kämpfen, sollten wir zu Beginn jedes Tages Jehova um Hilfe dabei bitten, dieser speziellen Schwäche im Laufe des Tages nicht nachzugeben. Beten wir auch im Tagesverlauf darum und bevor wir abends schlafen gehen. Sollten wir einen Rückschlag erleiden, werden wir Jehova um Vergebung bitten, aber mit ihm auch darüber sprechen, was zu dem Rückschlag geführt hat und was wir tun müssen, damit diese Umstände in Zukunft nicht mehr auftreten. Solche beharrlichen Gebete, in denen wir auf Einzelheiten eingehen, werden dem „Hörer des Gebets“ die Aufrichtigkeit unseres Wunsches zeigen, den Kampf zu gewinnen (Psalm 65:2; Lukas 11:5-13).
6. Warum dürfen wir erwarten, daß Jehova unsere Gebete selbst dann erhört, wenn wir uns für unwürdig halten zu beten?
6 Manchmal halten sich Ermattete allerdings für unwürdig zu beten. Eine Christin, die so empfand, erklärte später: „Es ist sehr gefährlich, so zu denken, weil es bedeutet, daß wir es selbst übernommen haben, uns zu richten, aber das steht uns gar nicht zu.“ Ja, „Gott selbst ist Richter“ (Psalm 50:6). In der Bibel wird uns zugesichert, daß sogar dann, wenn „uns unser Herz verurteilen mag, ... Gott größer ist als unser Herz und alles weiß“ (1. Johannes 3:20). Welch eine tröstliche Erkenntnis, daß Jehova uns nicht für unwürdig hält zu beten, selbst wenn wir dieses Empfinden haben! Er ‘weiß alles’ über uns, auch was die Lebensumstände betrifft, die die Ursache dafür sind, daß wir uns so unwürdig vorkommen (Psalm 103:10-14). Seine Barmherzigkeit und sein tiefes Verständnis veranlassen ihn, die Gebete eines ‘gebrochenen und zerschlagenen Herzens’ zu erhören (Psalm 51:17). Wie könnte er sich weigern, unsere Hilferufe zu erhören, wenn er doch selbst jeden verurteilt, der „sein Ohr verstopft vor dem Klageschrei des Geringen“! (Sprüche 21:13).
Die Geborgenheit in der Bruderschaft
7. (a) Welche weitere Vorkehrung hat Jehova getroffen, die uns helfen soll, neue Kraft zu gewinnen? (b) Was wissen wir von unserer Bruderschaft, das uns stärken kann?
7 Unsere christliche Bruderschaft ist eine weitere Vorkehrung Jehovas, die uns helfen soll, neue Kraft zu gewinnen. Welch ein kostbares Vorrecht ist es doch, Teil einer weltweiten Familie von Brüdern und Schwestern zu sein! (1. Petrus 2:17). Wenn uns die Belastungen des Lebens niederdrücken, kann uns die Geborgenheit in unserer Bruderschaft helfen, neue Kraft zu gewinnen. Wodurch? Bereits das Bewußtsein, nicht die einzigen zu sein, die prüfungsreichen Herausforderungen gegenüberstehen, kann uns stärken. Unter unseren Brüdern und Schwestern gibt es zweifellos manche, die vergleichbare Belastungen oder Prüfungen durchgemacht haben und dabei ähnlich empfunden haben wie wir (1. Petrus 5:9). Es ist beruhigend zu wissen, daß wir nichts Außergewöhnliches durchmachen und daß unsere Empfindungen nicht ungewöhnlich sind.
8. (a) Welche Beispiele zeigen, daß wir nötigenfalls viel Beistand und Trost in unserer Bruderschaft finden können? (b) Auf welche Weise hat dir ein ‘wahrer Gefährte’ beigestanden oder dich getröstet?
8 In der Geborgenheit der Bruderschaft können wir ‘wahre Gefährten’ finden, die uns in Bedrängnis nötigenfalls viel Beistand leisten und Trost schenken können (Sprüche 17:17). Oft bedarf es nur einiger freundlicher Worte oder wohlüberlegter Taten. Eine Christin, die mit Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen hatte, erinnerte sich: „Ich hatte Freunde, die mir unentwegt die positiven Seiten meiner Person vor Augen führten, um mir zu helfen, über meine negativen Gedanken hinwegzukommen“ (Sprüche 15:23). Einer Schwester fiel es nach dem Tod ihrer kleinen Tochter zunächst schwer, in den Zusammenkünften Königreichslieder zu singen, vor allem Lieder, in denen die Auferstehung erwähnt wird. Sie berichtete: „Einmal sah eine Schwester, die auf der anderen Seite des Ganges saß, daß ich weinte. Sie kam herüber, legte den Arm um mich und sang mit mir das Lied zu Ende. Ich empfand so viel Liebe für die Brüder und Schwestern und war so froh, daß wir in die Zusammenkunft gegangen waren, weil mir bewußt wurde, wo Hilfe zu erwarten ist — dort im Königreichssaal.“
9, 10. (a) Wie können wir zur Geborgenheit in unserer Bruderschaft beitragen? (b) Wer benötigt in besonderem Maß erbauende Gemeinschaft? (c) Was können wir tun, um denjenigen zu helfen, die der Ermunterung bedürfen?
9 Natürlich muß jeder von uns seinen Teil zur Geborgenheit in der christlichen Bruderschaft beitragen. Unser Herz sollte deshalb ‘weit werden’, um alle unsere Brüder und Schwestern einzuschließen (2. Korinther 6:13). Wie traurig wäre es für die Ermatteten, wenn sie feststellen müßten, daß die Liebe der Bruderschaft zu ihnen abgekühlt ist! Einige Christen berichten jedoch, daß sie sich einsam und verlassen fühlen. Eine Schwester, deren Mann ein Gegner der Wahrheit ist, bat: „Wer benötigt und wünscht sich nicht erbauende Freundschaften, Ermunterung und liebevollen Beistand? Erinnert unsere Brüder und Schwestern bitte daran, daß wir sie brauchen!“ Ja, vor allem diejenigen, die durch gewisse Lebensumstände niedergedrückt sind — Personen mit einem ungläubigen Ehepartner, Alleinerziehende, chronisch Kranke, Betagte und andere —, benötigen erbauende Gemeinschaft. Müssen einige von uns daran erinnert werden?
10 Was können wir tun, um zu helfen? Werden wir weit in den Äußerungen unserer Liebe. Wenn wir Gastfreundschaft üben, sollten wir diejenigen nicht vergessen, die der Ermunterung bedürfen (Lukas 14:12-14; Hebräer 13:2). Warum nicht einfach eine Einladung aussprechen, statt vorauszusetzen, ihre Umstände würden sie daran hindern, diese anzunehmen? Lassen wir die Betreffenden entscheiden. Selbst wenn sie absagen müssen, werden sie sich zweifellos durch das Wissen, daß andere an sie gedacht haben, ermuntert fühlen. Vielleicht ist es genau das, was sie brauchen, um neue Kraft zu gewinnen.
11. In welcher Hinsicht benötigt jemand, der niedergedrückt ist, möglicherweise Beistand?
11 Jemand, der niedergedrückt ist, benötigt möglicherweise auch in anderer Hinsicht Beistand. Zum Beispiel wird es eine alleinstehende Mutter wahrscheinlich schätzen, wenn sich ein reifer Bruder ihres vaterlosen Jungen annimmt (Jakobus 1:27). Ein Bruder oder eine Schwester mit einem ernsten gesundheitlichen Problem kann vielleicht jemand gebrauchen, der beim Einkaufen oder im Haushalt hilft. Eine ältere Person mag sich nach Gemeinschaft sehnen oder benötigt Unterstützung, damit sie in den Predigtdienst gehen kann. Wenn die Hilfe laufend erforderlich ist, bedeutet das wirklich eine ‘Prüfung der Echtheit unserer Liebe’ (2. Korinther 8:8). Wir wollen doch sicher die Prüfung unserer christlichen Liebe bestehen, indem wir empfindsam und bereitwillig auf die Bedürfnisse anderer eingehen, statt uns wegen der Zeit und der Mühe, die damit verbunden sind, von den Bedürftigen zurückzuziehen.
Die Kraft des Wortes Gottes
12. Wie hilft uns Gottes Wort, neue Kraft zu gewinnen?
12 Eine Person, die nicht mehr ißt, wird bald kraftlos. Deshalb gibt uns Jehova auch dadurch Kraft zum Weitermachen, daß er für eine gute geistige Ernährung sorgt (Jesaja 65:13, 14). Welche geistige Speise stellt er zur Verfügung? Da ist in erster Linie sein Wort, die Bibel, zu nennen (Matthäus 4:4; vergleiche Hebräer 4:12). Wie kann es uns helfen, neue Kraft zu gewinnen? Sollten die Belastungen und Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, an unseren Kräften zu zehren beginnen, kann uns Gottes Wort Kraft geben, wenn wir darin von den Empfindungen und den echten Kämpfen treuer Männer und Frauen in biblischer Zeit lesen. Denn selbst diejenigen, die herausragende Beispiele der Lauterkeit sind, waren Menschen „mit Gefühlen gleich den unseren“ (Jakobus 5:17; Apostelgeschichte 14:15). Sie wurden mit ähnlichen Prüfungen und Belastungen konfrontiert wie wir. Betrachten wir einige Beispiele.
13. Welche biblischen Beispiele zeigen, daß die Empfindungen und Erfahrungen treuer Männer und Frauen in biblischer Zeit den unseren weitgehend gleichen?
13 Der Patriarch Abraham trauerte sehr um den Tod seiner Frau, obwohl er an die Auferstehung glaubte (1. Mose 23:2; vergleiche Hebräer 11:8-10, 17-19). Der reumütige David glaubte, er sei wegen seiner Sünden unwürdig, Jehova zu dienen (Psalm 51:11). Moses hatte Gefühle der Unzulänglichkeit (2. Mose 4:10). Epaphroditus war niedergeschlagen, weil bekanntgeworden war, daß eine schwere Krankheit seine Betätigung im ‘Werk des Herrn’ eingeschränkt hatte (Philipper 2:25-30). Paulus mußte gegen das gefallene Fleisch kämpfen (Römer 7:21-25). Euodia und Syntyche, zwei gesalbte Schwestern in der Versammlung Philippi, hatten offenbar Schwierigkeiten, miteinander auszukommen (Philipper 1:1; 4:2, 3). Wie ermunternd ist doch das Bewußtsein, daß die Empfindungen und Erfahrungen dieser Treuen den unseren gleichen, daß sie aber nicht aufgaben! Und Jehova ließ sie auch nicht im Stich.
14. (a) Welches Mittel gebraucht Jehova, um uns zu helfen, aus seinem Wort Kraft zu schöpfen? (b) Warum enthielten die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! Artikel über soziale, familiäre und psychische Probleme?
14 Jehova bedient sich des treuen und verständigen Sklaven, um uns beständig mit „Speise zur rechten Zeit“ zu versorgen, die uns hilft, aus seinem Wort Kraft zu schöpfen (Matthäus 24:45). Der treue Sklave gebraucht seit vielen Jahren die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet!, um die biblische Wahrheit zu verteidigen und Gottes Königreich als einzige Hoffnung des Menschen zu verkündigen. Besonders in den letzten Jahrzehnten enthielten diese Zeitschriften aktuelle biblische Artikel über soziale, familiäre und psychische Probleme, mit denen auch einige unter Gottes Volk zu kämpfen haben. In welcher Absicht wurden solche Informationen veröffentlicht? Gewiß um denjenigen, die diese Probleme haben, zu helfen, aus Gottes Wort Kraft und Ermunterung zu schöpfen. Doch solche Artikel helfen jedem von uns, besser zu verstehen, was einige unserer Brüder und Schwestern durchmachen. Dadurch fällt es uns leichter, gemäß den Worten des Paulus zu handeln: „Redet bekümmerten Seelen tröstend zu, steht den Schwachen bei, seid langmütig gegen alle“ (1. Thessalonicher 5:14).
Älteste, die ein „Bergungsort vor dem Wind“ sind
15. Was schrieb Jesaja über diejenigen, die als Älteste dienen, und welche Verantwortung wird ihnen dadurch auferlegt?
15 Jehova hat für eine weitere Hilfe gesorgt, falls wir ermatten sollten — die Versammlungsältesten. Über sie schrieb der Prophet Jesaja: „Jeder soll sich wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines wuchtigen zerklüfteten Felsens in einem erschöpften Land“ (Jesaja 32:1, 2). Den Ältesten ist somit die Verantwortung auferlegt, dem zu entsprechen, was Jehova über sie voraussagen ließ. Sie müssen sich für andere als Quell des Trostes und der Ermunterung „erweisen“ und bereit sein, „einander die Bürden [oder: „die Beschwerlichkeiten“; wörtlich: „die schweren Dinge (die Gewichte)“] zu tragen“ (Galater 6:2, Fußnote). Wie können sie das tun?
16. Was können Älteste tun, um jemandem zu helfen, der sich unwürdig fühlt zu beten?
16 Wie bereits erwähnt, kann sich ein Ermatteter unwürdig fühlen zu beten. Was können Älteste tun? Sie können mit dem Betreffenden und für ihn beten (Jakobus 5:14). Es wäre bestimmt tröstlich, Jehova in Gegenwart des Ermatteten einfach zu bitten, ihm verstehen zu helfen, wie sehr Jehova und andere ihn lieben. Das Vertrauen einer bedrückten Person kann durch das inbrünstige, aufrichtige Gebet eines Ältesten, das er laut spricht, gestärkt werden. Ihr wird möglicherweise geholfen, bei sich folgendes zu überlegen: „Wenn die Ältesten darauf vertrauen, daß Jehova die für mich gesprochenen Gebete erhören wird, kann ich dieses Vertrauen auch haben.“
17. Warum müssen Älteste einfühlsame Zuhörer sein?
17 „Jeder Mensch soll schnell sein zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn“, heißt es in Jakobus 1:19. Älteste, die Ermatteten helfen möchten, neue Kraft zu gewinnen, müssen einfühlsame Zuhörer sein. In manchen Fällen kämpfen Glieder der Versammlung mit Problemen oder Belastungen, die im gegenwärtigen System der Dinge nicht beseitigt werden können. Wahrscheinlich brauchen sie daher keine „Lösungsvorschläge“ für ihre Probleme, sondern einfach einen guten Zuhörer, mit dem sie reden können — jemand, der ihnen nicht erklärt, wie sie sich fühlen sollten, sondern ihnen zuhört, ohne sie zu richten (Lukas 6:37; Römer 14:13).
18, 19. (a) Wieso können Älteste dadurch, daß sie schnell zum Zuhören bereit sind, vermeiden, die Last eines Ermatteten noch schwerer zu machen? (b) Was wird dadurch bewirkt, daß Älteste „Mitgefühl“ bekunden?
18 Älteste, die schnell zum Zuhören bereit sind, können helfen, die Last eines Ermatteten unwissentlich nicht noch schwerer zu machen. Benötigt ein Bruder oder eine Schwester, die beispielsweise einige Zusammenkünfte versäumt hat oder weniger in den Predigtdienst geht, wirklich Rat in bezug darauf, mehr im Predigtdienst zu tun oder die Zusammenkünfte regelmäßiger zu besuchen? Vielleicht. Doch können wir uns wirklich ein Bild von der Gesamtsituation machen? Liegen zunehmende gesundheitliche Probleme vor? Gab es in letzter Zeit Veränderungen der familiären Verpflichtungen? Gibt es andere Umstände oder Belastungen, die ihn oder sie niederdrücken? Bedenken wir, daß die Person bereits starke Schuldgefühle haben mag, weil sie nicht mehr tun kann.
19 Wie können wir denn dem Bruder oder der Schwester helfen? Bevor wir Schlüsse ziehen und Rat geben, sollten wir zuhören (Sprüche 18:13). Versuchen wir, durch wohlüberlegte Fragen ‘herauszuschöpfen’, wie die Person in ihrem Herzen empfindet (Sprüche 20:5). Gehen wir über ihre Empfindungen nicht hinweg — erkennen wir sie an. Der Ermattete benötigt möglicherweise die Versicherung, daß Jehova nicht nur für uns sorgt, sondern auch versteht, daß uns unsere Umstände manchmal einschränken (1. Petrus 5:7). Wenn Älteste solches „Mitgefühl“ bekunden, werden die Ermatteten ‘Erquickung finden für ihre Seele’ (1. Petrus 3:8; Matthäus 11:28-30). Finden sie diese Erquickung, brauchen sie nicht ermuntert zu werden, mehr zu tun; ihr Herz wird sie dazu drängen, alles zu tun, was ihnen vernünftigerweise möglich ist. (Vergleiche 2. Korinther 8:12; 9:7.)
20. Wozu sollten wir angesichts des nahen Endes der gegenwärtigen bösen Generation entschlossen sein?
20 Wir leben wirklich in der schwierigsten Zeit der gesamten Menschheitsgeschichte. Die Belastungen durch das Leben in der Welt Satans nehmen immer mehr zu, je weiter wir in der Zeit des Endes voranschreiten. Denken wir daran, daß der Teufel gleich einem jagenden Löwen darauf wartet, daß wir müde werden und aufgeben — eine Gelegenheit, die er nutzen wird, da wir für ihn dann eine leichte Beute sind. Wie dankbar können wir doch sein, daß Jehova dem Müden Kraft gibt! Wir wollen vollen Nutzen aus den Vorkehrungen ziehen, die er getroffen hat, um uns die Kraft zum Weitermachen zu geben, so, als hätte er uns gleichsam die mächtigen Flügel eines sich emporschwingenden Adlers gegeben. Angesichts des nahen Endes der gegenwärtigen bösen Generation ist jetzt nicht die Zeit zum Anhalten in unserem Wettlauf um den Preis — das ewige Leben (Hebräer 12:1).
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