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Jehova kennen lernen und ihm dienenLebe mit dem Tag Jehovas vor Augen
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TEIL 2
Jehova kennen lernen und ihm dienen
Wodurch wecken die Bücher der 12 Propheten in uns den Wunsch, Jehova noch besser kennen zu lernen? Warum sind die Botschaften, die er durch diese Propheten übermitteln ließ, heute so aktuell? In den Kapiteln 4 bis 7 des vorliegenden Buches finden wir Hinweise, wie man Gott anbeten und sich von seinen Maßstäben leiten lassen sollte; zum Beispiel Hinweise, wie man gerecht handelt. Ja, wir werden feststellen, dass diese 12 prophetischen Bücher unsere Lebensqualität verbessern können.
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Jehova — der Gott zuverlässiger VoraussagenLebe mit dem Tag Jehovas vor Augen
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KAPITEL VIER
Jehova — der Gott zuverlässiger Voraussagen
1, 2. (a) Warum ist man der Meinung, niemand sei mehr Herr der Lage? (b) Was für ein Bild zeichnen die 12 Propheten von der Persönlichkeit Jehovas?
VIELE haben heute das Gefühl, ihr Leben nicht mehr im Griff zu haben. Und aus den Nachrichten schlussfolgern sie, dass es mit der Menschheit allgemein nur noch bergab geht. Egal was gegen die Weltprobleme unternommen wird, die Lage scheint immer hoffnungsloser zu werden. Bemerkenswerterweise standen einige der 12 Propheten, mit denen wir uns hier befassen, vor ähnlichen besorgniserregenden Situationen. Doch sie übermittelten hoffnungsvolle Botschaften, die auch für uns überaus wertvoll sind und mit denen wir andere trösten können (Micha 3:1-3; Habakuk 1:1-4).
2 Ein Kerngedanke in diesen prophetischen Büchern ist, dass Jehova als Souverän des Universums immer Herr der Lage ist, was die Angelegenheiten der Menschen betrifft, und dass er sehr an ihrem Wohl interessiert ist. Eigentlich kann jeder von uns sagen: „Jehova ist an meinem Wohl interessiert.“ Das Bild, das die 12 Propheten von „Jehova der Heerscharen“ zeichnen, ist sehr ansprechend. Er, der „das Land anrührt, sodass es zerschmilzt“, versichert seinem Volk: „Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Sacharja 2:8; Amos 4:13; 9:5). Geht es uns nicht zu Herzen, in der Bibel zu lesen, dass Gott aus Liebe handelt, barmherzig ist und gern vergibt? (Hosea 6:1-3; Joel 2:12-14). Natürlich ergibt sich aus den Schriften dieser Propheten kein vollständiges Bild der Persönlichkeit Gottes; dazu müssten wir alle 66 Bücher der Bibel heranziehen. Doch sie bieten uns einen ausgezeichneten Einblick in Gottes anziehende Persönlichkeit und seine Handlungsweise.
3. Wie machen die 12 Propheten deutlich, dass Jehova ein zielstrebiger Gott ist?
3 Die Schriften der 12 Propheten bestärken uns in der Überzeugung, dass Jehova in seinen Voraussagen absolut glaubwürdig ist und dass genau das geschieht, was er sich vorgenommen hat. Sie sichern uns zu, dass unter der göttlichen Herrschaft die Erde schließlich zum Paradies wird (Micha 4:1-4). Einige von ihnen beschreiben, wie Jehova das Kommen des Messias ermöglichte und für das Lösegeld sorgte, durch das die Menschheit von Sünde und Tod befreit wird (Maleachi 3:1; 4:5). Warum ist es wichtig, all das zu wissen?
DER LIEBEVOLLE SOUVERÄN HAT ALLES UNTER KONTROLLE
4, 5. (a) Welche grundlegende Wahrheit über Gott betonen die 12 Propheten? (b) Wie berührt uns persönlich die Allmacht Jehovas?
4 Denken wir daran, dass Gottes Herrscherrecht angefochten worden ist, wie im vorangegangenen Kapitel erläutert wurde. Die Auflehnung gegen Jehovas Herrschergewalt — sowie Zweifel an seinen Beweggründen — verleitete einige Geschöpfe im Himmel dazu, Gott ungehorsam zu werden und auf der Erde großen Schaden anzurichten. Wenn im Universum Ordnung herrschen soll und Frieden unter den Menschen, dann müssen offensichtlich alle die Oberhoheit Jehovas achten und sich ihr unterordnen. Zu Recht ist Jehova daher entschlossen, seine Souveränität zu rechtfertigen. Lassen wir uns das einmal durch die 12 prophetischen Bücher verdeutlichen.
5 Als Boten Jehovas legten die Propheten Nachdruck auf seine erhabene Stellung. Amos gebrauchte zum Beispiel 21-mal die Bezeichnung „Souveräner Herr“ und betonte damit den Namen und die Oberhoheit des Allmächtigen. Der wahre Gott ist unermesslich groß. Nichts liegt außerhalb seiner Reichweite (Amos 9:2-5; siehe den Kasten „Jehova, der Allmächtige“). Niemand anders als Jehova ist der rechtmäßige Souverän des Universums; er ist leblosen Götzen unendlich überlegen (Micha 1:7; Habakuk 2:18-20; Zephanja 2:11). Als Schöpfer aller Dinge hat er naturgemäß das unbestreitbare Recht, uneingeschränkt über alle zu herrschen (Amos 4:13; 5:8, 9; 9:6). Warum ist das für jeden von uns wichtig?
6. Wieso betrifft das, was Gott vorhat, jeden?
6 Gehörst du zu denen, die wissen, was es heißt, diskriminiert oder ungerecht behandelt zu werden oder Vorurteilen zu begegnen? Dann tut es dir bestimmt gut, zu erfahren, dass sich der Souverän liebevoll aller Menschen annimmt. In alter Zeit hatte Jehova zwar zu einer Nation ein besonderes Verhältnis, doch kündigte er an, dass er sich allen Nationen und Sprachgruppen zuwenden werde. Er ist der ‘wahre Herr der ganzen Erde’ (Micha 4:13). Gott versprach, sein Name werde schließlich „groß sein unter den Nationen“ (Maleachi 1:11). Der himmlische Vater lädt unterschiedslos alle ein, ihn kennen zu lernen, und Menschen „aus allen Sprachen der Nationen“ kommen dieser Einladung freudig nach und werden seine Anbeter (Sacharja 8:23).
7. Wieso ist die Bedeutung des Namens Jehova so beachtenswert?
7 Was für ein Gott Jehova ist und was er tun wird, hängt eng mit seinem Namen zusammen (Psalm 9:10). Zur Zeit Michas wurde Jehovas Name in Verruf gebracht, weil viele, die seinen Namen trugen, äußerst ungehorsam waren. Unter Inspiration hob der Prophet die „Hoheit des Namens Jehovas“ hervor und erklärte: „Wer von praktischer Weisheit ist, wird . . . [Gottes] Namen fürchten“ (Micha 5:4; 6:9). Wieso? Unsere gesamte Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft hängt mit der umfassenden Bedeutung dieses Namens zusammen: „Er veranlasst zu werden“. Wenn wir Joel 2:26 lesen, sollten wir darüber nachdenken, wie froh wir sein können, diesen Namen zu tragen und anderen von dem Gott erzählen zu dürfen, der jeweils zu dem wird, was für das Wohl all seiner Geschöpfe nötig ist. Er hat diese unbegrenzte Fähigkeit bewiesen. Das zeigt die Erfüllung sehr vieler der von den 12 Propheten geäußerten Voraussagen.
8. Wozu bewegt uns der Name Jehovas?
8 Millionen profitieren bereits von der Erkenntnis, dass Jehova das veranlassen oder in Erfüllung gehen lassen kann, was er möchte. Joel deutete das mit den berühmten, von christlichen Bibelschreibern zitierten Worten an, „dass jeder, der den Namen Jehovas anruft, sicher davonkommen wird“ (Joel 2:32; Apostelgeschichte 2:21; Römer 10:13). Empfinden wir so wie Micha, der sagte: „Wir . . . unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf unabsehbare Zeit, ja immerdar“ (Micha 4:5)? Tatsächlich können wir unter Verfolgung oder in einer für uns persönlich schwierigen Zeit vertrauensvoll „Zuflucht nehmen zum Namen Jehovas“ (Zephanja 3:9, 12; Nahum 1:7).
9. Wozu kann Gott Herrscher veranlassen?
9 Das Lesen dieser prophetischen Bücher kann uns in der Überzeugung bestärken, dass Jehova Herrscher und einflussreiche Entscheidungsträger veranlassen kann, so zu handeln, wie er es will (Sprüche 21:1). Greifen wir einmal Darius den Großen von Persien heraus. Feinde der wahren Anbetung suchten seine Hilfe, um den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem zu stoppen. Doch genau das Gegenteil geschah! Um das Jahr 520 v. u. Z. erneuerte er den Erlass des Cyrus und unterstützte die Bauarbeiten der Juden. Als weitere Hindernisse auftraten, ließ Gott dem jüdischen Statthalter Serubbabel sagen: „ ‚Nicht durch eine Streitmacht noch durch Kraft, sondern durch meinen Geist‘, hat Jehova der Heerscharen gesagt. Wer bist du, o großer Berg? Vor Serubbabel wirst du zu ebenem Land werden“ (Sacharja 4:6, 7). Nichts wird Jehova daran hindern können, das gegenwärtige böse System der Dinge zu vernichten und für seine Anbeter ein Paradies entstehen zu lassen (Jesaja 65:21-23).
10. Wie weit reicht Gottes Macht, und wieso ist das von Bedeutung?
10 Berücksichtigen wir auch, dass die Naturkräfte Jehova gehorchen und er gegebenenfalls durch sie seine Feinde vernichten könnte (Nahum 1:3-6). Wie Jehova sein Volk verteidigen kann, betonte Sacharja in bildhafter Sprache wie folgt: „Jehova wird über ihnen gesehen werden, und wie der Blitz wird sein Pfeil gewiss herausfahren. Und der Souveräne Herr Jehova wird ins Horn stoßen, und er wird bestimmt mit den Windstürmen des Südens einherziehen“ (Sacharja 9:14). Für Gott ist es somit überhaupt keine Schwierigkeit, zu beweisen, dass er den gottlosen Nationen in unserer Zeit überlegen ist! (Amos 1:3-5; 2:1-3).
SEINE VERSPRECHEN SIND ZUVERLÄSSIG
11, 12. (a) Warum hielt man Ninive für uneinnehmbar? (b) Wie kam es, dass sich Gottes prophetisches Wort an Ninive erfüllte?
11 Nehmen wir an, wir hätten im 9. Jahrhundert v. u. Z. im Nahen Osten gelebt. Von welcher großen Stadt war damals häufig die Rede? Natürlich von Ninive. Diese bekannte assyrische Stadt lag rund 900 Kilometer nordöstlich von Jerusalem am Ostufer des Tigris. Wahrscheinlich hätten wir von ihrer beeindruckenden Größe gehört. Ihr Umfang betrug immerhin fast 100 Kilometer. Besucher berichteten, die Stadt habe mit ihrer Pracht — den Königspalästen, Tempeln, breiten Straßen, öffentlichen Gärten und einer beeindruckenden Bibliothek — sogar Babylon Konkurrenz gemacht. Militärstrategen sprachen zudem von massiven, unüberwindlichen Außen- und Innenmauern.
12 Ninive muss bei vielen als uneinnehmbar gegolten haben. Doch einige Propheten der winzigen Nation Juda behaupteten, Jehova habe diese „Stadt des Blutvergießens“ zum Untergang verurteilt. Da ihre Bewohner aber auf die Botschaft Jonas hörten, blieb die Stadt noch einige Zeit vor dem göttlichen Strafgericht verschont. Später wurden die Niniviten jedoch rückfällig. Nahum prophezeite: „Ninive . . . Ein Schwert wird dich wegtilgen. . . . Es gibt keine Erleichterung für deine Katastrophe“ (Nahum 3:1, 7, 15, 19; Jona 3:5-10). Um dieselbe Zeit ließ Gott durch Zephanja vorhersagen, die Stadt werde zu einer wüsten Einöde werden (Zephanja 2:13). Würde die bis dahin unbesiegte Macht tatsächlich gestürzt werden und sich damit das Wort Jehovas erfüllen? Diese Frage wurde um das Jahr 632 v. u. Z. geklärt, als die Babylonier, die Skythen und die Meder Ninive belagerten. Eine plötzliche Überschwemmung zerstörte einen Teil der Mauern und die Angreifer konnten die Verteidigungsanlagen erstürmen (Nahum 2:6-8). Schon bald war die einst mächtige Metropole nur noch ein Ruinenhügel. Bis heute ist Ninive verwüstet.a „Die frohlockende Stadt“ konnte die Erfüllung des Wortes Gottes nicht verhindern (Zephanja 2:15).
13. Welche Prophezeiungen in den 12 Prophetenbüchern haben sich erfüllt?
13 Was mit Ninive geschah, ist nur ein Beispiel für erfüllte Prophetie. Sind auf heutigen Landkarten vom Nahen Osten noch Ammon, Assyrien, Babylonien, Edom oder Moab verzeichnet? Wohl kaum. Diese Nationen waren zwar einmal sehr bekannt, doch die 12 Propheten sagten ihren Untergang voraus (Amos 2:1-3; Obadja 1, 8; Nahum 3:18; Zephanja 2:8-11; Sacharja 2:7-9). Und tatsächlich verschwand eine nach der anderen, genau so, wie Jehova es gesagt hatte. Auch die Voraussage der Propheten, dass Juden aus der Gefangenschaft in Babylon zurückkehren würden, erfüllte sich.
14. Warum können wir unser ganzes Leben vertrauensvoll nach den Verheißungen Jehovas ausrichten?
14 Wie berühren dich diese Beweise für die Fähigkeit Jehovas, die Zukunft vorauszusagen? Es besteht wirklich kein Grund, daran zu zweifeln, dass er seine Versprechen hält; er ist der Gott, „der nicht lügen kann“ (Titus 1:2). Außerdem unterrichtet er uns in seinem Wort darüber, wie wir unser ganzes Leben nach seinem Willen und seinen zuverlässigen Prophezeiungen ausrichten können. Bei den Voraussagen in den 12 Büchern handelt es sich nicht lediglich um Beispiele für Prophezeiungen, die sich in der Vergangenheit erfüllt haben. Viele erfüllen sich gerade jetzt oder werden sich in naher Zukunft erfüllen. Der Inhalt dieser 12 Bücher kann also unsere Überzeugung stärken, dass sich alle Voraussagen über die heutige Zeit und die Zukunft wirklich erfüllen werden. Nehmen wir sie daher ernst!
Was geschah mit Ninive, wie vorausgesagt, obwohl die Stadt uneinnehmbar zu sein schien?
EIN FÜRSORGLICHER VATER
15. Inwiefern können uns Michas Erfahrungen eine Hilfe sein, wenn uns ein Problem sehr zu schaffen macht?
15 Gottes Zuverlässigkeit zeigt sich aber nicht nur in Voraussagen darüber, was mit bestimmten Nationen oder allgemein auf der Weltbühne geschehen soll. Oftmals können seine Voraussagen und ihre Erfüllung uns ganz persönlich berühren. Inwiefern? Mitunter macht uns ein bestimmtes Problem sehr zu schaffen. Dann bräuchten wir natürlich nicht nur jemanden, der uns versteht, sondern jemanden, auf dessen Hilfe auch Verlass ist. Der Prophet Micha beispielsweise muss sich im 8. Jahrhundert v. u. Z. unter den stolzen Menschen in Juda ziemlich einsam gefühlt haben. Es kam ihm womöglich so vor, als ob er der letzte treue Mensch auf der Erde wäre und nicht einmal seinen Angehörigen vertrauen könnte. Wohin er sich auch wandte, überall gab es blutrünstige, hinterlistige und korrupte Menschen. Doch Micha konnte beruhigt sein, weil Gott versprochen hatte, sich um die Treuen zu kümmern, ganz gleich, wie sich andere verhalten würden. Das ist auch für uns ein Trost, besonders wenn wir als Anbeter Jehovas in der Minderheit oder allein sind, umgeben von Personen, die Gott nicht ehren (Micha 7:2-9).
16. Warum können wir davon überzeugt sein, dass Gott Korruption und Unterdrückung nicht gleichgültig sind und dass er die Gerechten befreien wird?
16 Die Reichen und Mächtigen in Juda und Israel waren habgierig und unverschämt, genauso, wie man es heute oftmals beobachtet. Überhöhte Steuern und Landenteignungen führten zu gesetzwidriger Sklaverei. Die Armen behandelte man gefühllos, ja grausam (Amos 2:6; 5:11, 12; Micha 2:1, 2; 3:9-12; Habakuk 1:4). Gott machte durch seine Boten deutlich, dass er Korruption und Unterdrückung nicht toleriert und hartnäckige Missetäter bestrafen wird (Habakuk 2:3, 6-16). Ja, Jehova sagte voraus, er werde „die Dinge richtigstellen hinsichtlich mächtiger Nationen“, und seine ihm wohlgefälligen Diener würden „tatsächlich sitzen, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und da wird niemand sein, der sie aufschreckt“ (Micha 4:3, 4). Stellen wir uns diese Erleichterung vor! Noch vieles andere, was Gott voraussagte, hat sich bereits erfüllt. Können wir dann nicht davon überzeugt sein, dass er auch dieses Versprechen hält?
17, 18. (a) Warum gibt Gott den Menschen Hoffnung? (b) Wie sollten wir darüber denken, wenn Jehova wie ein Vater erzieherische Maßnahmen ergreift?
17 Jehova erfüllt seine Verheißungen nicht etwa, um seine Fähigkeit zu beweisen, etwas vorauszusagen, als ob er Menschen beeindrucken möchte. Er handelt vielmehr aus grundsatztreuer Liebe, denn „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:16). Erinnern wir uns an Hosea, der im 8. Jahrhundert v. u. Z. lebte. Gomer, seine Frau, war ihm genauso untreu wie die Israeliten Jehova. Der Götzendienst der Israeliten war mit Ehebruch zu vergleichen; sie befleckten die reine Anbetung Jehovas mit dem Baalskult. Bildlich gesprochen begingen sie außerdem mit Assyrien und Ägypten „Hurerei“. Wie reagierte Jehova darauf? Hosea sollte nach seiner untreuen Frau suchen und sie zurückbringen. Ebenso bemühte sich Jehova aus Liebe um sein Volk. „Mit den Seilen des Erdenmenschen zog ich sie beständig, mit den Stricken der Liebe, . . . und sanft brachte ich einem jeden Speise“ (Hosea 2:5; 11:4). Hätten sie aufrichtig bereut, hätte Gott ihnen vergeben, und es wäre alles wieder wie früher gewesen (Hosea 1:3, 4; 2:16, 23; 6:1-3; 14:4). Berührt dich diese Zuneigung Jehovas nicht? Überleg einmal: Wenn Jehova damals so liebevoll war, warum soll dann seine Liebe zu dir nicht genauso sein — so zärtlich, treu, loyal und unvergänglich? (Hosea 11:8).
18 Wie aus den 12 prophetischen Büchern hervorgeht, kann Gottes Liebe auch von Zurechtweisung begleitet sein. Jehova versicherte seinem auf Abwege geratenen Volk zwar, es „nicht vollständig [zu] vertilgen“ (Amos 9:8). Doch wenn eine Strafe nötig war, sah Gott nicht davon ab. Gleichzeitig war es aber eine Erleichterung, zu wissen, dass die Strafe vorübergehen würde. In Maleachi 1:6 wird Jehova mit einem liebevollen Vater verglichen. Ein Vater, der seine Kinder liebt, ergreift Erziehungsmaßnahmen, weil er möchte, dass sie sich bessern (Nahum 1:3; Hebräer 12:6). Aus Liebe ist unser himmlischer Vater aber langsam zum Zorn und verspricht seinen Dienern gemäß Maleachi 3:10, 16, sie großzügig zu belohnen.
19. Welche Selbstprüfung ist angebracht?
19 Maleachi beginnt sein Buch mit der Zusicherung: „ ‚Ich habe euch geliebt‘, hat Jehova gesprochen“ (Maleachi 1:2). Denk einmal über diese an Israel gerichtete göttliche Zusicherung nach und frag dich: Tue ich irgendetwas, wodurch ich mir Gottes Liebe verscherzen könnte? Welche Facetten der Liebe Gottes sollte ich noch besser kennen lernen und noch bewusster erleben? Je mehr du Gottes Liebe verspürst, desto sicherer wirst du dir sein, dass er dich bis in alle Ewigkeit liebt.
VERGEBUNG ERMÖGLICHT RETTUNG
20. Inwiefern macht die göttliche Vergebung Rettung möglich?
20 Beim Lesen der 12 prophetischen Bücher fällt uns auf, dass Jehova mitunter Unglück ankündigte. Warum? Vorwiegend, um sein Volk zur Reue zu bewegen. Deshalb schritt er nicht ein, als Ausländer im Jahr 740 v. u. Z. Samaria zerstörten und 607 v. u. Z. Jerusalem. Gottes Voraussagen trafen ein. Reumütige durften aber später in ihre Heimat zurückkehren. Immer wieder wird gesagt, dass Gott gütigerweise vergibt und diejenigen wieder aufrichtet, die von ihrer Sünde lassen und zu ihm zurückkehren (Habakuk 3:13; Zephanja 2:2, 3). Micha fühlte sich zu dem Ausruf gedrängt: „Wer ist ein Gott wie du, einer, der Vergehung verzeiht und an der Übertretung des Überrestes seines Erbteils vorübergeht? Er wird gewiss nicht für immer an seinem Zorn festhalten, denn er hat Gefallen an liebender Güte“ (Micha 7:18; Joel 2:13; Sacharja 1:4). Das wird durch die Erfüllung von Prophezeiungen bestätigt.
21. (a) Was sagten die 12 Propheten über den Messias? (b) Welche messianischen Prophezeiungen findest du interessant?
21 Jehova sagte das Kommen des Messias voraus. Dieser sollte sein Leben als ein „entsprechendes Lösegeld“ für Menschen opfern und damit eine dauerhafte Rechtsgrundlage schaffen, auf der ihnen ihre Sünden endgültig vergeben werden können (1. Timotheus 2:6). Amos wies auf eine Wiederherstellung hin, die der Messias, der Sohn Davids, herbeiführen würde (Amos 9:11, 12; Apostelgeschichte 15:15-19). Micha nannte sogar im Voraus den Geburtsort Jesu, dessen Erscheinen lebengebende Segnungen für alle ermöglicht, die Glauben an sein Opfer ausüben (Micha 5:2). Und Sacharja sprach von einem „Spross“ (Jesus), der „sich setzen und auf seinem Thron herrschen“ solle (Sacharja 3:8; 6:12, 13; Lukas 1:32, 33). Unser Glaube wird zweifellos gestärkt, wenn wir uns mit weiteren dieser Prophezeiungen eingehend befassen. (Siehe den Kasten „Bedeutende Prophezeiungen über den Messias“.)
22. Wieso stärkt das, was die 12 Propheten über Jehova offenbaren, dein Vertrauen zu ihm?
22 Wenn wir die Botschaften der 12 Propheten lesen, wächst unser Vertrauen, dass Jehova den Endsieg erringen wird. Er ist unser Anwalt und wird für wahre Gerechtigkeit sorgen. Gottes Wort bleibt bestehen. Er vergisst nicht, was er seinem Volk zugesagt hat; er nimmt sich seiner Diener an und befreit sie von allen Unterdrückern (Micha 7:8-10; Zephanja 2:6, 7). Jehova verändert sich nicht (Maleachi 3:6). Wie beruhigend, zu wissen, dass ihn keinerlei Schwierigkeiten oder Hindernisse davon abhalten können, das wahr zu machen, was er sich vorgenommen hat! Wenn er sagt, dass der Tag seines Strafgerichts kommt, dann ist daran nicht zu rütteln. Seien wir daher wachsam im Hinblick auf den Tag Jehovas! „Jehova wird König werden über die ganze Erde. An jenem Tag wird sich Jehova als e i n e r erweisen und sein Name als e i n e r“ (Sacharja 14:9). Was er voraussagt, erfüllt sich auch.
a Vor dem Irakkrieg besuchte Professor Dan Cruickshank im November 2002 die Gegend. In einer Fernsehsendung der BBC berichtete er: „Am Stadtrand von Mosul liegt das ausgedehnte Ruinenfeld von Ninive, wo britische Archäologen von 1840 an ebenso begeistert wie in Nimrud . . . Ausgrabungen durchführten. . . . die Erforschung dieser assyrischen Städte bedeutete nicht weniger als die Entdeckung einer längst verlorenen — beinahe mystischen — Zivilisation, die man nur aus kurzen, eher rätselhaften und nicht allzu schmeichelhaften Beschreibungen in der Bibel kennt.“
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„Sucht Jehova“ durch eine ihm wohlgefällige AnbetungLebe mit dem Tag Jehovas vor Augen
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KAPITEL FÜNF
„Sucht Jehova“ durch eine ihm wohlgefällige Anbetung
1. Welche Segnungen genießen wir als Einzelne in Gottes Volk?
WAS für eine Ehre es doch ist, den Gott zu kennen, dessen Prophezeiungen sich erfüllen! Wir sind daher in der glücklichen Lage, die der Prophet Hosea mit den Worten umschrieb: „Ich will dich mir in Treue verloben; und du wirst Jehova gewiss erkennen.“ Hosea sprach von einer Art paradiesischer Geborgenheit, in der sich Gottes Volk nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil befand. Auch der geistige Wohlstand und die geistige Geborgenheit, die Gottes Volk in der Gegenwart genießt, ist mit einem Paradies vergleichbar (Hosea 2:18-20). Als Gott hingegebene Diener tragen wir alle heute seinen Namen; wir sind Zeugen Jehovas und möchten es auch bleiben (Jesaja 43:10, 12; Apostelgeschichte 15:14).
Amos
2, 3. (a) Wie kam es dazu, dass Jehova die Art und Weise, wie sein Volk ihn in alter Zeit anbetete, hasste? (b) Warum sollten wir uns mit den Botschaften befassen, die die Propheten übermittelten?
2 Das Volk Israel war eine Gott hingegebene Nation. Jehova hatte ihr eine Sammlung von Gesetzen und Grundsätzen gegeben, wie sie sonst keine andere Nation kannte (5. Mose 4:33-35). Doch gegen Ende des 9. Jahrhunderts v. u. Z. waren die Israeliten so weit davon abgewichen, dass ihnen Gott durch den Propheten Amos sagen ließ: „Ich habe gehasst, ich habe verworfen eure Feste . . . Wenn ihr mir Ganzbrandopfer darbringt, werde ich selbst an euren Opfergaben kein Wohlgefallen finden“ (Amos 5:21, 22). So urteilt Gott heute natürlich nicht über die weltweite Christenversammlung. Wie hättest du aber empfunden, wenn er deine Anbetung so eingeschätzt hätte? Können wir als Einzelne etwas daraus lernen?
3 Damals nahmen die Israeliten als Volk Gottes für sich in Anspruch, Jehova so anzubeten, wie es ihm gefiel. Doch viele verehrten heidnische Götter, wie zum Beispiel den kanaanitischen Baal und die Kälberstatuen, oder sie opferten auf den Höhen. Obwohl sie immer noch bei Jehova schworen, beugten sie sich vor dem „Heer der Himmel“ nieder. Daher sandte der wahre Gott Propheten, die dem Volk dringend rieten, zu ihm zurückzukehren und ihn in Reinheit anzubeten (2. Könige 17:7-17; 21:3; Amos 5:26). Es könnte also auch heute bei einem Diener Gottes Bereiche geben, denen er seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Vielleicht muss er bestimmte Verhaltensweisen oder Ansichten darauf überprüfen, ob sie von einer Anbetung zeugen, die Jehova gefällt.
„GOTTESERKENNTNIS“
4. Welche Verhältnisse herrschten während der Regierung von König Jerobeam II.?
4 Denken wir an die Zeit, als der erste der 12 Propheten im Auftrag Gottes redete. Dem Zehnstämmereich Israel wurde der Tag Jehovas angekündigt. Oberflächlich betrachtet herrschte in Israel Wohlstand. Wie Jona prophezeit hatte, erhielt Israel unter König Jerobeam II. wieder seine ursprünglichen Grenzen — vom Toten Meer bis südlich von Damaskus (2. Könige 14:24-27). Jerobeam tat zwar, was böse war, doch Jehova war langmütig und wollte Israel nicht ‘unter den Himmeln hinweg vertilgen’. Er räumte den Israeliten Zeit ein, zu bereuen, ‘Jehova zu suchen und am Leben zu bleiben’ (Amos 5:6).
5. Was fehlte den Israeliten, sodass sie von Jehova verworfen wurden?
5 Die Israeliten, die ihren Wohlstand genossen, hätten in der verbleibenden Zeit Jehova besser kennen lernen und das tun sollen, was er guthieß. Dadurch wären sie zu ihm zurückgekehrt. Stattdessen waren sie selbstsicher und meinten, ‘das Unglück werde nicht nahen noch sie erreichen’ (Amos 9:10). Sie vergaßen Jehova gewissermaßen, denn „sie wurden satt, und ihr Herz begann sich zu erheben“ (Hosea 13:6). Wir sollten nicht denken, all das gehöre der Vergangenheit an und habe nichts mit uns zu tun. Beachten wir, weshalb Jehova einen Rechtsfall gegen Israel führte: „Weil du selbst sogar die Erkenntnis verworfen hast, werde ich auch dich verwerfen, sodass du mir nicht als Priester dienst.“ Die Israeliten waren als Volk Jehova hingegeben und jeder hatte nur Gott hingegebene Familienangehörige. Dennoch fehlte den Einzelnen die wahre „Gotteserkenntnis“ (Hosea 4:1, 6).
6. In welchem Sinne fehlte den Israeliten Gotteserkenntnis?
6 Das bedeutete nicht etwa, dass sie die Worte Gottes noch nie gehört hätten. In Israel sollten Eltern ja mit ihren Kindern darüber reden. Die meisten hatten wahrscheinlich schon als Kind zu Hause Berichte aus den Schriften gehört, oder in Gesprächen mit anderen sowie bei öffentlichen Versammlungen (2. Mose 20:4, 5; 5. Mose 6:6-9; 31:11-13). Sie wussten zum Beispiel, was geschehen war, als Aaron ein goldenes Kalb machte, während Moses auf dem Berg Sinai war, wo er die Zehn Gebote erhielt (2. Mose 31:18 bis 32:9). Es ist also nicht so, dass den Israeliten zur Zeit der Propheten das Gesetz und historische Berichte fremd gewesen wären. Aber ihre Erkenntnis veranlasste sie nicht dazu, Gott so anzubeten, wie er es wünschte. Sie war sozusagen tot.
Wie könnte man beginnen, Jehova zu vergessen?
7. (a) Wie konnten die Israeliten so leicht ungehorsam werden? (b) Wie könnte ein Christ ‘beginnen, den zu vergessen, der ihn gemacht hat’?
7 Du fragst dich vielleicht, wie sich die Israeliten so leicht zum Ungehorsam verleiten lassen konnten. Es war ein Prozess, den Hosea mit den Worten beschrieb: „Israel begann den, der es gemacht hat, zu vergessen“ (Hosea 8:14). Die hebräische Verbform ist mit „begann . . . zu vergessen“ treffend wiedergegeben. Denn die Israeliten hatten nicht plötzlich das Erinnerungsvermögen verloren, sondern sie vergaßen allmählich, wie wichtig es ist, Jehova so anzubeten, wie es ihm gefällt. Könnte das auch fast unmerklich einem Christen passieren? Stellen wir uns zum Beispiel einen Glaubensbruder vor, der gewissenhaft für seine Familie sorgt (1. Timotheus 5:8). Er sieht seine Berufstätigkeit zu Recht als wichtig an. An seinem Arbeitsplatz könnten bestimmte Umstände eintreten, weshalb er sich sagt, er müsse wohl oder übel einige Zusammenkünfte versäumen. Nach einiger Zeit hat er weniger Skrupel und fehlt häufiger. Ganz allmählich wird seine Bindung zu Jehova schwächer — er ‘beginnt den, der ihn gemacht hat, zu vergessen’. In eine ähnliche Lage könnte jemand geraten, dessen Eltern oder Verwandte ungläubig sind. Er steht womöglich vor der Frage, wann er ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken sollte und wie viel (2. Mose 20:12; Matthäus 10:37). Und muss man solche Überlegungen nicht auch anstellen, wenn es um Reisen, Hobbys und Vergnügungen geht?
8. Was hatte in den Tagen des Amos die „Reinheit der Zähne“ zu bedeuten?
8 Wir studieren Gottes Wort und richten uns danach aus. Dennoch sollte jeder von uns im Buch Amos den Ausdruck „Reinheit der Zähne“ beachten. Gott warnte sein Volk: „Auch ich meinerseits gab euch Reinheit der Zähne in all euren Städten und Brotmangel an all euren Orten“ (Amos 4:6). Diese Reinheit hatte nichts mit Zahnpflege zu tun, sondern damit, dass man nichts zu essen hatte und hungerte. Außerdem war es ein mahnender Hinweis auf „einen Hunger, nicht nach Brot, und einen Durst, nicht nach Wasser, sondern die Worte Jehovas zu hören“ (Amos 8:11).
Könnte ein Christ trotz einer Fülle an geistiger Speise hungern?
9, 10. (a) Wie könnte ein Christ schließlich geistig verhungern? (b) Warum müssen wir uns der Gefahr bewusst sein, geistig zu verhungern?
9 In übertragenem Sinn erfüllt sich das, was Amos schilderte, an der Christenheit, die sich in einem beklagenswerten Zustand befindet. Für Gottes Volk auf der ganzen Erde sind dagegen „die Schleusen der Himmel“ geöffnet. Es ist mit geistiger Speise im Überfluss gesegnet (Maleachi 3:10; Jesaja 65:13, 14). Ein Diener Jehovas sollte sich allerdings fragen: Inwieweit nehme ich diese geistige Speise zu mir? Forscher stellten interessanterweise bei Versuchstieren fest, dass Schädigungen des Hungerzentrums im Gehirn die Fresslust stoppen und die Tiere trotz reichlichem Futtervorrat verhungern! Könnte das geistige Hungerzentrum eines Christen so sehr geschädigt sein, dass er trotz einer Fülle an geistiger Speise allmählich verhungert?
10 Berücksichtigen wir unsere persönliche Situation und bedenken wir dabei Folgendes: Jehova versorgte die Israeliten reichlich mit geistiger Speise. Sie hatten das Gesetz, durch das ihr Verhältnis zu ihm gestärkt werden konnte; sie hatten ein Bildungsprogramm, mit dem sie ihren Kindern die göttliche Erkenntnis vermitteln konnten; und sie hatten Propheten, die ihnen halfen, Gottes Willen zu verstehen. Dennoch vergaßen sie Jehova nach und nach. Die Bibel sagt über die Israeliten in den Tagen Hoseas: „Sie wurden [in materieller Hinsicht] satt, und ihr Herz begann sich zu erheben“ (Hosea 13:6; 5. Mose 8:11; 31:20). Dieser Gefahr müssen wir uns tagtäglich bewusst sein, wenn wir nicht möchten, dass unsere wirtschaftliche Situation für uns wichtiger wird als unsere Bindung zu Gott (Zephanja 2:3).
AUF DIE WICHTIGEREN DINGE ACHTEN
11, 12. (a) Warum mussten die Propheten in der Herrschaftszeit des Königs Usija das Volk anspornen, zu Jehova zurückzukehren? (b) Auf welche Notwendigkeit machte Joel aufmerksam?
11 Als Jerobeam II. in Israel regierte, herrschte Usija (auch Asarja genannt) in Juda. Usija dehnte sein Herrschaftsgebiet aus und befestigte Jerusalem noch stärker. Er „entfaltete Stärke in außergewöhnlichem Maße“, denn „der wahre Gott half ihm weiterhin“. Er „tat fortwährend, was recht war in Jehovas Augen“, und „strebte ständig danach, Gott zu suchen“. Viele in Juda räucherten jedoch weiter auf den Höhen (2. Chronika 26:4-9).
12 Daran ist zu erkennen, dass man sich in Juda und Israel zwar als Anbeter Jehovas bezeichnete, die Anbetung aber oft mit etwas vermischte, was er nicht guthieß. Die Propheten bemühten sich, den Israeliten verständlich zu machen, dass sich wahre Anbeter von der falschen Anbetung fern halten mussten. „Kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen“, ließ Gott sie durch Joel eindringlich bitten (Joel 2:12). Beachten wir: Jehova wollte, dass sein Volk ‘mit ganzem Herzen’ zu ihm zurückkehrte. Das Problem der Israeliten war also ihr Herz (5. Mose 6:5). Sie beteten Jehova zwar der Form nach an, doch nicht mit ganzem Herzen. Wiederholt betonte Jehova durch die Propheten, wie wichtig liebende Güte, Gerechtigkeit und Sanftmut sind — alles Eigenschaften des Herzens (Matthäus 23:23).
13. Was hätten die aus dem Babylonischen Exil zurückgekehrten Juden tun sollen?
13 Sehen wir uns als Nächstes an, wie sich die Juden nach der Rückkehr in ihr Heimatland verhielten. Die wahre Anbetung wurde zwar dem Gesetz entsprechend wieder eingeführt, dennoch war nicht alles in Ordnung. Die Juden fasteten nämlich an jährlichen Gedenktagen, die an Ereignisse in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems erinnerten. „Habt ihr wirklich für mich gefastet?“, fragte Jehova. War die Stadt nicht deshalb verwüstet worden, weil Jehova nach dem Recht verfahren war? Das war kein Grund zum Klagen. Jene Juden hätten sich zu den Festzeiten über die Segnungen der wahren Anbetung freuen, ja hätten frohlocken sollen, statt traurig zurückzublicken und zu fasten (Sacharja 7:3-7; 8:16, 19). Und da war noch mehr, worauf sie hätten achten sollen. Was zum Beispiel? „Nach wahrem Recht haltet Gericht; und übt liebende Güte und Erbarmungen gegeneinander; . . . und plant nichts Schlechtes gegeneinander in eurem Herzen“ (Sacharja 7:9, 10). Jene Propheten lehrten das Volk Gottes, was alles dazugehört, Jehova mit ungeteiltem Herzen anzubeten, und davon kann jeder von uns profitieren.
14. (a) Worauf mussten die zurückgekehrten Exilanten bei ihrer Anbetung achten? (b) Wie betonten die Propheten wichtige Aspekte der Anbetung?
14 Was ist unter Anbetung mit ungeteiltem Herzen zu verstehen? Nun, was wurde von Gottes Volk vor und nach dem Exil erwartet? Es mussten Gottes Sittennormen eingehalten werden. Das Gesetz schrieb unter anderem Zusammenkünfte vor, in denen man den Willen Gottes kennen lernen konnte. Außerdem legte Gott durch seine Propheten Nachdruck auf liebende Güte, Gerechtigkeit, Sanftmut, Barmherzigkeit und Bescheidenheit. Beachten wir, wie Jehova das tat: „An liebender Güte habe ich Gefallen gefunden und nicht am Schlachtopfer; und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Ganzbrandopfern.“ „Sät Samen für euch in Gerechtigkeit; erntet gemäß liebender Güte“ (Hosea 6:6; 10:12; 12:6). Micha erklärte: „Was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?“ (Micha 6:6-8). Und der Prophet Zephanja ermahnte Gottes Volk: „Sucht Jehova, all ihr Sanftmütigen der Erde . . . Sucht Gerechtigkeit, sucht Sanftmut“ (Zephanja 2:3). Eine solche Einstellung ist unerlässlich, wenn unsere Anbetung Gott gefallen soll.
Bemühst du dich, alle Arten von Menschen mit der guten Botschaft zu erreichen?
15. Was sollte gemäß den Propheten im Dienst für Gott unbedingt eine Rolle spielen?
15 Wie kommt diese Einstellung in unserem Dienst für Gott zum Tragen? Jeder weiß, dass das Predigen der guten Botschaft vom Königreich wichtig ist (Matthäus 24:14; Apostelgeschichte 1:8). Aber wir könnten uns einmal fragen: Betrachte ich das Predigen in meinem Gebiet vielleicht manchmal als etwas Unangenehmes oder als Last? Oder sehe ich darin eine Möglichkeit, Menschen zu helfen, die ja die lebensrettende Botschaft der Bibel hören müssen? Erweise ich ihnen Barmherzigkeit? Barmherzigkeit und liebende Güte sollten uns also bewegen, andere warnend auf den Tag Jehovas hinzuweisen. Auch Recht und Gerechtigkeit kommen dabei ins Spiel, denn wir möchten alle Arten von Menschen mit der Botschaft erreichen (1. Timotheus 2:4).
16, 17. Warum kommt es beim Besuch der Zusammenkünfte auf Sanftmut und Bescheidenheit an?
16 Da ist aber auch unsere Verpflichtung, die Zusammenkünfte zu besuchen, die ja sehr wichtig sind (Hebräer 10:24, 25). Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, inwiefern es dabei auf Sanftmut und Bescheidenheit ankommt? Ein sanftmütiger Mensch ist demütig genug, Unterweisung anzunehmen und das Gelernte umzusetzen, sich also an Jehovas richterliche Entscheidungen zu halten. Wer bescheiden ist, erkennt seine Grenzen an und ist sich dessen bewusst, dass er die Erkenntnis und die Ermunterung, die in den Zusammenkünften vermittelt werden, benötigt.
17 Das alles lässt erkennen, wie viel wir von dem profitieren können, was die Propheten gelehrt haben. Was ist, wenn du feststellst, dass du dich auf einem oder mehreren der zuvor erwähnten Gebiete noch verbessern müsstest? Oder wie verhält es sich, wenn dich die Erinnerung an schwerwiegende Fehler immer wieder einmal beunruhigt? Die 12 Propheten bieten dir Trost und Hilfe.
ZU JEHOVA ZURÜCKKEHREN
18. (a) Für wen haben die 12 Propheten eine besonders tröstende Botschaft? (b) Wie denkst du über Jehova, der Menschen bittet, zu ihm zurückzukehren?
18 Wie wir festgestellt haben, ging es den Propheten, mit denen wir uns hier befassen, nicht bloß darum, anzuprangern und zu verurteilen. Sie stellten Jehova als jemanden dar, der Menschen dringend rät, zu ihm zurückzukehren. Überlegen wir doch einmal, welche Gefühle in der Aufforderung Hoseas mitschwingen: „Kommt, und lasst uns doch zu Jehova umkehren, denn er selbst hat zerrissen, aber er wird uns heilen. Er schlug fortgesetzt, doch wird er uns verbinden. . . . Und wir werden erkennen, wir werden danach jagen, Jehova zu erkennen“ (Hosea 6:1-3)! Jehova Gott vollstreckte zwar in seiner Gerechtigkeit das Urteil — zunächst an Israel und dann an Juda. Doch sein eigensinniges Volk hätte diese „Schläge“ als Maßnahmen ansehen sollen, durch die es geistig wieder genesen konnte (Hebräer 12:7-13). Wenn sie zu ihm zurückkehren würden, würde er ‘sie heilen’ und ‘sie verbinden’. Stellen wir uns einen Mann vor, der sich niederkniet und die Wunde eines anderen verbindet. Übertragen wir dieses Bild jetzt auf Jehova. Wie barmherzig Gott doch ist, wenn er diejenigen ‘verbindet’, die bereit sind, zu ihm zurückzukehren! Weckt dieses Bild in uns nicht den Wunsch, zu ihm zurückzukehren, falls wir gegen ihn sündigen? (Joel 2:13).
19. Was heißt es, Jehova zu kennen?
19 Was heißt es, zu Gott zurückzukehren? Wie Hosea sagt, sollten wir Gott nicht nur „erkennen“, sondern sogar „danach jagen, Jehova zu erkennen“. In einem modernen Nachschlagewerk kann man zu Hosea 6:3 lesen: „Etwas über Gott zu wissen ist etwas ganz anderes, als Gott zu kennen. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied, ob man etwas über Liebe liest oder sich selbst verliebt.“ Eine oberflächliche Erkenntnis über Jehova genügt nicht. Er muss für uns eine Realität sein, unser vertrauter Freund, an den wir uns jederzeit wenden können (Jeremia 3:4). Hast du ein solches Verhältnis zu ihm, dann kannst du dir vorstellen, wie er empfindet, wenn du etwas Bestimmtes tust. Und das wiederum macht es dir viel leichter, ihm so zu dienen, wie es ihm gefällt.
20, 21. Wie machte sich König Josia die Erkenntnis Gottes zu eigen?
20 In der wahren Anbetung vorbildlich war König Josia. Berücksichtigen wir dabei, was er erlebt hatte. Als er König wurde, war die Nation bereits verkommen, denn in der Herrschaftszeit von Manasse und Amon hatten Götzendienst, Gewalt und Betrügereien überhandgenommen (2. Könige 21:1-6, 19-21). Zephanjas Aufforderung „Sucht Jehova“ muss sich positiv auf Josia ausgewirkt haben, denn er „begann . . . den Gott Davids, seines Vorvaters, zu suchen“. Systematisch rottete er in Juda nach und nach den Götzendienst aus und dehnte sein Wirken sogar auf ein Gebiet aus, das einmal zum Nordreich gehört hatte (Zephanja 1:1, 14-18; 2:1-3; 3:1-4; 2. Chronika 34:3-7).
Josia machte keine Ausflüchte, als eine Reinigungsaktion nötig war
21 Nach dieser Reinigungsaktion suchte er weiterhin Jehova. Er ordnete Ausbesserungsarbeiten am Tempel an. Dabei fand man „das durch die Hand Mose übermittelte Buch des Gesetzes Jehovas“ — offensichtlich die Originalhandschrift. Wie reagierte Josia, als ihm aus dem Buch vorgelesen wurde? „Es geschah, sobald der König die Worte des Gesetzes hörte, dass er sogleich seine Kleider zerriss.“ Auch ‘sein Herz zerriss’ er und handelte unverzüglich nach dem Vorgelesenen. Er suchte sich nicht etwa mit dem Argument zu rechtfertigen, er habe doch bereits sehr viel getan. Erinnern wir uns an das Ergebnis seiner Reform? „Alle seine Tage wichen sie [die Söhne Israels] nicht davon ab, Jehova, dem Gott ihrer Vorväter, zu folgen“ (2. Chronika 34:8, 14, 19, 21, 30-33; Joel 2:13).
Sind wir zu jeder nötigen Änderung bereit, um biblischen Maßstäben zu entsprechen?
22. Wozu kann uns das Beispiel Josias veranlassen?
22 Wir könnten uns fragen: „Wie hätte ich reagiert?“ Hätten wir wie Josia auf die Worte der Propheten gehört und unsere Denk- und Handlungsweise geändert? Wir leben zwar nicht in den Tagen Zephanjas und Josias, doch uns ist klar, dass wir heute auf Gottes Botschaften und auf seine Ermahnung reagieren sollten. Die Betrachtung der 12 Propheten kann für jemanden, dem bewusst wird, er muss an seiner Lebensweise oder seiner Glaubensausübung etwas ändern, ein großer Ansporn sein (Hebräer 2:1).
23. Was können wir tun, wenn wir feststellen, dass wir uns auf einem bestimmten Gebiet verbessern müssten?
23 Mitunter kommen uns vielleicht Gedanken, wie sie Jona im Bauch des großen Fisches kamen: „Ich bin vertrieben worden, von deinen Augen hinweg! Wie werde ich wieder deinen heiligen Tempel anschauen?“ (Jona 2:4). Doch wie ermutigend sind für uns unvollkommene Menschen, die wir zu Fehlern neigen, die Worte Jehovas: „Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren“ (Maleachi 3:7)! Wenn du merkst, dass dein Verhältnis zu Jehova enger sein sollte, dann wende dich an die Ältesten deiner Versammlung. Sie stehen dir gern zur Seite. Natürlich ist aller Anfang schwer. Aber wenn du die ersten Schritte geschafft hast, geht es immer leichter und du bist bald wieder in Schwung. Du darfst überzeugt sein: Jehova wird dich mit offenen Armen aufnehmen und dir beistehen, „denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte“ (Joel 2:12-14). Bestimmt sind die Botschaften der Propheten für alle ermutigend, die Gott so anbeten möchten, wie es ihm gefällt.
Einige müssen ‘Jehova suchen’, indem sie zu ihm zurückkehren
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„Möge sich das Recht einherwälzen“ — Voraussetzung für GotteserkenntnisLebe mit dem Tag Jehovas vor Augen
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KAPITEL SECHS
„Möge sich das Recht einherwälzen“ — Voraussetzung für Gotteserkenntnis
1. Woher haben wir den Gerechtigkeitssinn?
IM Lauf der Jahrhunderte gab es immer wieder Menschen, die berühmt wurden, weil sie sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzten. Berücksichtigen wir jedoch: Uns Menschen liegt an Gerechtigkeit deshalb so viel, weil wir im Bilde Gottes gemacht worden sind, der an Gerechtigkeit ‘Gefallen hat’. Wir haben einen Sinn für Gerechtigkeit. Und daher möchten wir von anderen gerecht behandelt werden (Jeremia 9:24; 1. Mose 1:27; Jesaja 40:14).
2, 3. Warum sollten wir uns mit den Büchern der 12 Propheten befassen und Jehovas Gerechtigkeit kennen lernen?
2 Die Gerechtigkeit Gottes lernen wir beim Lesen von Bibelbüchern kennen. Das trifft ganz besonders auf die Bücher der 12 Propheten zu. Recht und Gerechtigkeit sind darin so augenfällig, dass eine Bibelgesellschaft einen Band mit den Büchern Hosea, Amos und Micha unter dem Titel Justice Now! (Gerechtigkeit jetzt!) herausgegeben hat. Denken wir beispielsweise an die flehentlichen Worte von Amos: „Möge sich das Recht einherwälzen wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein beständig fließender Wildbach.“ Und beachten wir, welche Verpflichtung Micha in einer Aufzählung als Erstes erwähnt: „Was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?“ (Amos 5:24; Micha 6:8).
3 Damit wir Jehova besser kennen lernen und uns an ihm ein Beispiel nehmen können, müssen wir natürlich das achten, was er für gerecht erklärt. Seine Gerechtigkeit ist Teil seines Wesens. Würden wir sie nicht verstehen, könnten wir nicht sagen, dass wir ihn kennen. Auch seine Diener in alter Zeit wussten: „Jehova liebt das Recht“ (Psalm 33:5; 37:28).
Habakuk
4. Veranschauliche, warum durch die Schriften der 12 Propheten unser Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit gestärkt werden kann.
4 Einige Zeit bevor Jehova das Strafgericht an Jerusalem vollstreckte, warf Habakuk die Frage auf: „Wie lange, o Jehova, soll ich um Hilfe schreien . . .? Das Gesetz [wird] kraftlos, und das Recht geht niemals hervor. Denn der Böse umgibt den Gerechten, darum kommt das Recht verdreht hervor“ (Habakuk 1:2, 4). Dieser treue Prophet hatte Jehova durch die ihm zugänglichen heiligen Schriften und durch eigene Erfahrung kennen gelernt. Daher vertraute er darauf, dass Gott die Gerechtigkeit hochhält und das Recht stützt. Doch er fragte sich, weshalb Jehova das Böse zulässt. Gott sicherte ihm zu, die Treuen gerecht zu behandeln (Habakuk 2:4). Wenn schon Habakuk und andere darauf vertrauen konnten, wie viel mehr dann wir! Wieso? Wir verfügen heute über die ganze Bibel und können daraus wesentlich mehr über die Taten und Äußerungen Jehovas erfahren. Das ermöglicht uns einen tieferen Einblick in seine Persönlichkeit und damit auch in seine Gerechtigkeit. Wir sind daher umso besser in der Lage, Jehova kennen zu lernen und uns von seiner vollkommenen Gerechtigkeit zu überzeugen.
5. Womit wollen wir uns jetzt befassen, was die Gerechtigkeit angeht?
5 Durch seine Boten forderte Jehova die Israeliten immer wieder auf, gerecht zu handeln (Jesaja 1:17; 10:1, 2; Jeremia 7:5-7; Hesekiel 45:9). Auch durch die 12 Propheten legte er eindeutig Nachdruck darauf (Amos 5:7, 12; Micha 3:9; Sacharja 8:16, 17). Beim Lesen ihrer Schriften fällt einem auf, dass sie dazu aufriefen, im alltäglichen Leben Recht zu üben. Hierzu bieten sich auch uns viele Möglichkeiten. Wenden wir uns einmal zwei Bereichen zu, in denen jene Propheten Nachdruck auf die Gerechtigkeit legten, und stellen wir fest, wie wir das, was wir daraus lernen, in die Praxis umsetzen können.
GERECHTIGKEIT IN GESCHÄFTS- UND GELDANGELEGENHEITEN
6, 7. Warum sollten wir uns bei Geschäfts- und Geldangelegenheiten von Gerechtigkeit leiten lassen?
6 Jesus sagte: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben“ (Lukas 4:4; 5. Mose 8:3). Damit wollte er nicht sagen, dass wir kein Brot benötigen. Wir müssen schließlich etwas essen. In den meisten Fällen heißt das, dass jemand in der Familie einer Arbeit nachgehen muss, um für das Lebensnotwendige zu sorgen. So war es auch bei Dienern Gottes in alter Zeit. Es gab Selbstständige, die Feldfrüchte anbauten oder etwas herstellten, wie Kleidung, Möbel oder Kochgeräte. Andere waren Arbeitgeber; sie stellten Leute ein, die bei der Ernte mithalfen oder bei der Herstellung von Mehl, Olivenöl oder Wein. Wieder andere waren Händler; sie kauften und verkauften Waren. Einige boten womöglich Dienstleistungen an; sie reparierten vielleicht Dächer oder machten Musik (2. Mose 35:35; 5. Mose 24:14, 15; 2. Könige 3:15; 22:6; Matthäus 20:1-8; Lukas 15:25).
7 Lassen sich zwischen der damaligen Zeit und dem Leben, das wir oder unsere Freunde oder Verwandten heute führen, Parallelen ziehen? Natürlich hat sich in der Arbeitswelt mittlerweile viel verändert. Ist aber Gottes Rechtsstandpunkt in diesen Angelegenheiten nicht immer noch derselbe? Nach wie vor erwartet Jehova von seinem Volk, auf diesem Gebiet gerecht zu handeln; das geht aus den Botschaften der 12 Propheten hervor. Denk einmal bei der Betrachtung einiger einschlägiger Beispiele darüber nach, inwiefern auch von dir gottgefällige Gerechtigkeit erwartet wird (Psalm 25:4, 5).
8, 9. (a) Warum fiel die Verurteilung in Maleachi 3:5 besonders streng aus? (b) Welche ausgeglichene Ansicht über ein Arbeitsverhältnis empfiehlt die Bibel?
8 Gott erklärte durch Maleachi: „Ich will mich euch nahen zum Gericht, und ich will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer und gegen die Ehebrecher und gegen die falsch Schwörenden und gegen diejenigen, die mit dem Lohn eines Lohnarbeiters, mit der Witwe und mit dem vaterlosen Knaben betrügerisch handeln . . ., wobei sie mich nicht gefürchtet haben“ (Maleachi 3:5). Ja, Jehova verurteilte Personen, die mit Lohnarbeitern ungerecht umgingen. Wie schwerwiegend war das? Nun, er erwähnte diesen Betrug in einem Atemzug mit Spiritismus, Ehebruch und Lügen. Als Christen wissen wir, dass Gott ‘Hurer und solche, die Spiritismus ausüben, und alle Lügner’ richten wird (Offenbarung 21:8).
9 In der Arbeitswelt standen damals nicht lediglich menschliche Moralbegriffe auf dem Spiel; es ging um die Gerechtigkeit Jehovas. Wie er sagte, würde er sich denjenigen, die ‘mit dem Lohn eines Lohnarbeiters betrügerisch handelten’, wegen ihrer Treulosigkeit ‘zum Gericht nahen’. Damit wollte er natürlich nicht sagen, ein Arbeitgeber müsse auf jede x-beliebige Forderung eines Arbeitnehmers oder einer Gruppe von Arbeitnehmern eingehen. Jesu Gleichnis von den Männern, die eingestellt wurden, um in einem Weingarten zu arbeiten, macht deutlich, dass ein Arbeitgeber berechtigt ist, den Lohn und die Arbeitsbedingungen festzulegen (Matthäus 20:1-7, 13-15). Bezeichnenderweise erhielten in Jesu Gleichnis alle Arbeiter den vereinbarten Tageslohn von einem Denar, ob sie nun einen ganzen Tag gearbeitet hatten oder nicht. Der Arbeitgeber handelte auch nicht unehrlich, um auf Kosten seiner Arbeiter größeren Profit zu machen (Jeremia 22:13).
10. Warum ist es von Bedeutung, wie man Arbeitnehmer behandelt?
10 Ein Firmenchef — oder auch jemand, der sich einen Arbeiter nur für eine bestimmte Tätigkeit nimmt — kann sich fragen, wie seine Lohnzahlungen, seine Leistungsforderungen und sein Finanzgebaren im Licht von Maleachi 3:5 abschneiden. Darüber nachzudenken ist sinnvoll, da auch in den Christlichen Griechischen Schriften die ungerechte Behandlung von Arbeitern angesprochen wird. An alle, die in dieser Hinsicht nicht korrekt handeln, richtet sich die Frage des Jüngers Jakobus: „Widersteht er [Jehova] euch nicht?“ (Jakobus 5:1, 4, 6). Zu Recht kommen wir zu dem Schluss: Wer sich an Jehovas Gerechtigkeit kein Beispiel nimmt und in Bezug auf den „Lohn eines Lohnarbeiters“ ungerecht handelt, hat Jehova nicht wirklich kennen gelernt.
11, 12. (a) Auf welche Ungerechtigkeit macht Hosea 5:10 aufmerksam? (b) Für wen gilt der Grundsatz aus Hosea 5:10?
11 Beachten wir nun, warum Jehova in Hoseas Tagen einigen prominenten Männern widerstand: „Die Fürsten Judas sind so wie die geworden, die eine Grenze zurücksetzen. Auf sie werde ich meinen überwallenden Zorn ausgießen wie Wasser“ (Hosea 5:10). Welches Vergehen prangerte Hosea an? Für einen judäischen Bauern war sein Land die Existenzgrundlage; die Grenzen des Landes waren durch Grenzsteine markiert. Eine ‘Grenze zurückzusetzen’ bedeutete, das Grundstück zu verkleinern und den Landwirt so um einen Teil seines Lebensunterhalts zu bringen. Hosea verglich judäische Fürsten, die eigentlich für das Recht hätten eintreten sollen, mit jemandem, der Grenzmarkierungen zurücksetzte (5. Mose 19:14; 27:17; Hiob 24:2; Sprüche 22:28).
Lassen wir uns am Arbeitsplatz und in geschäftlichen Angelegenheiten von gerechten Grundsätzen leiten?
12 Heutzutage könnten Immobilienhändler versucht sein, sozusagen die ‘Grenze zurückzusetzen’, indem sie Käufer betrügen. Aber der Grundsatz gilt nicht nur für Händler, sondern auch für Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Kunden, ja für alle, die mit Verträgen oder Vereinbarungen zu tun haben. Bekanntlich zögert man in der Geschäftswelt mitunter, einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen, weil man sich sagt, es sei dann hinterher leichter, die Vereinbarung nicht voll einzuhalten oder neue Forderungen zu stellen. Manchmal bietet man auch einen schriftlichen Vertrag an, verschleiert aber im Kleingedruckten Einzelheiten, durch die dem Vertragspartner Nachteile entstehen. Würden wir sagen, dass jemand, der so handelt — ob Geschäftsmann oder Kunde, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer —, den Gott der Gerechtigkeit wirklich kennen gelernt hat? Jehova sagt in seinem Wort: „Setz die Grenze . . . [vaterloser Knaben] nicht zurück . . . Denn ihr ERLÖSER ist stark; er selbst wird ihre Rechtssache mit dir führen“ (Sprüche 23:10, 11; Habakuk 2:9).
13. Welche Ungerechtigkeiten gab es gemäß Micha 6:10-12 unter Gottes Volk der alten Zeit?
13 Noch eingehender wird das Thema Gerechtigkeit in Micha 6:10-12 beleuchtet: „Sind im Haus eines Bösen noch die Schätze der Bosheit vorhanden und das knappe Epha-Maß, das öffentlich verurteilte? Kann ich sittlich rein sein bei falscher Waage und bei einem Beutel mit trügerischen Gewichtssteinen? Denn . . . ihre Bewohner, sie haben Falschheit geredet, und ihre Zunge ist trügerisch.“ Heute hat man als Hohlmaß nicht das Epha, sondern den Liter und das Gewicht ermittelt man nicht mehr mit Gewichtssteinen, sondern liest es meist auf der Skala einer Waage in Kilogramm ab. Was Micha sagen wollte, liegt dennoch auf der Hand. Händler oder Geschäftsleute in seinen Tagen waren Betrüger; sie handelten ungerecht, weil sie keine standardisierten Gewichte und Maßeinheiten gebrauchten. Gott bezeichnete solche Menschen, deren „Zunge“ und deren Geschäfte „trügerisch“ waren, als „Böse“ (5. Mose 25:13-16; Sprüche 20:10; Amos 8:5).
14. Vor welchen heute üblichen Praktiken warnen uns Michas Worte?
14 Man könnte sich fragen: Beeinflussen Michas Worte über trügerische Gewichtssteine und Maßeinheiten mein Geschäftsgebaren oder mein Verhalten als Arbeitnehmer? Darüber sollte man nachdenken, denn die Methoden, Kunden oder Klienten zu betrügen, sind zahllos. Skrupellose Bauunternehmer fügen einer Betonmischung womöglich weniger als die normale oder gesetzlich vorgeschriebene Menge Zement bei. Handwerker verwenden vielleicht in Bereichen, die hinterher nicht mehr zu sehen sind, minderwertigeres Material als das, was sie in Rechnung stellen. Manche Händler verkaufen eventuell Gegenstände als nagelneu, die eigentlich gebraucht sind. Und vielleicht haben wir noch von anderen so genannten Tricks gehört, mit denen man im Geschäftsleben höhere Gewinne erzielen möchte. Sind wir persönlich versucht, so etwas einmal auszuprobieren? In einem kürzlich erschienenen Buch zum Thema Schutz der Privatsphäre hieß es über Jehovas Zeugen, sie glaubten, ihr Gott sehe sie, und die meisten würden lieber sterben als stehlen. Weiter war zu lesen: „Wo es im Geschäftsleben um hohe Summen geht, sind sie gefragt.“ Warum? Weil wahre Christen wissen, dass Jehova von ihnen ‘fordert, Recht zu üben’, auch im Geschäftsleben oder bei finanziellen Angelegenheiten (Micha 6:8).
„FÜR DAS RECHT ALS FÜRSTEN HERRSCHEN“
15, 16. Wie behandelten die führenden Männer in den Tagen Michas das Volk?
15 Aus den Büchern der 12 Propheten geht hervor, dass es zu gewissen Zeiten um das Recht äußerst schlecht bestellt war. Personen in verantwortlicher Stellung, die in der Handhabung des Rechts hätten vorbildlich sein sollen, waren es nicht (2. Mose 18:21; 23:6-8; 5. Mose 1:17; 16:18). Micha flehte sie geradezu an: „Hört bitte, ihr Häupter Jakobs und ihr Befehlshaber des Hauses Israel. Ist es nicht eure Sache, das Recht zu kennen? Die ihr das Gute hasst und das Böse liebt, die ihr den Leuten ihre Haut abreißt und ihren Organismus von ihren Knochen“ (Micha 3:1-3; Jesaja 1:17).
16 Diese Worte hätten Menschen, die das Landleben kannten, erschüttern müssen. Es war üblich, dass ein Hirt die Schafe, die er versorgte und hütete, von Zeit zu Zeit schor (1. Mose 38:12, 13; 1. Samuel 25:4). Aber die „Befehlshaber des Hauses Israel“, die das Recht hätten kennen sollen, beuteten das Volk der Weide Gottes aus; es war, als ob sie Schafen die Haut und das Fleisch abrissen und ihnen die Knochen brachen (Psalm 95:7). Micha zieht noch eine andere Veranschaulichung aus dem Landleben heran und sagt, die Fürsten, die ‘gegen Belohnung richten’, seien wie ein Dorngewächs oder eine Dornenhecke (Micha 7:3, 4). Stellen wir uns vor, wir würden ein Gebiet voller Dorngewächse und Dornenhecken durchqueren. Wahrscheinlich wären wir hinterher voller Kratzer und unsere Kleidung hätte etliche Risse. Das veranschaulicht, wie sehr die Führer dem Volk Gottes zusetzten. Sie behandelten ihre Brüder nicht gerecht, sondern waren hinterhältig und bestechlich (Micha 3:9, 11).
17. Wie waren die führenden Männer gemäß Zephanja 3:3 eingestellt?
17 Zephanja erwähnte einen ähnlichen Gedanken: „Ihre Fürsten in ihrer Mitte waren brüllende Löwen. Ihre Richter waren Abendwölfe, die nicht Knochen zernagten bis zum Morgen“ (Zephanja 3:3). Können wir uns in der Führung des Volkes Gottes Männer vorstellen, die sich über Recht und Gerechtigkeit einfach hinwegsetzten, sodass sie Löwen auf einem Raubzug glichen? Oder Richter, die wie raubgierige, unersättliche Wölfe alles verschlangen, sodass am Morgen nur noch Knochen übrig waren? Wie konnte sich unter solchen Umständen das Recht behaupten? Die führenden Männer traten das Recht mit Füßen und beuteten die Menschen aus, statt an ihrem Wohl interessiert zu sein.
Die Fürsten der Tage Michas und Zephanjas kannten Jehova nicht
18. Wie hätten die Richter in Israel Gottes Volk behandeln sollen?
18 Es lag auf der Hand: Jene Führer der Gott hingegebenen Nation kannten Jehova nicht. Hätten sie ihn gekannt, wären sie der Aufforderung in Sacharja 8:16 nachgekommen: „Dies sind die Dinge, die ihr tun solltet: Redet die Wahrheit miteinander. Mit Wahrheit und dem Gericht des Friedens richtet in euren Toren.“ Am Stadttor trafen sich in Israel die älteren Männer, um Rechtsfälle zu verhandeln. Sie durften nicht nach dem ersten Eindruck oder einer persönlichen Neigung urteilen, sondern mussten sich daran orientieren, wie Gott über etwas dachte (5. Mose 22:15). Und Jehova hatte davor gewarnt, parteiisch zu sein, zum Beispiel reiche oder angesehene Personen zu begünstigen (3. Mose 19:15; 5. Mose 1:16, 17). Die Richter sollten sich bemühen, den Frieden unter den streitenden Parteien wiederherzustellen, ja ein „Gericht des Friedens“ zu üben.
19, 20. (a) Warum können Älteste von den 12 Propheten viel lernen? (b) Wie zeigt sich, dass Älteste Jehova und seine Gerechtigkeit kennen?
19 Der Apostel Paulus zitierte in einem Brief an Christen aus Sacharja 8:16 (Epheser 4:15, 25). Folglich gelten die Warnungen und Ermahnungen der 12 Propheten, was Recht und Gerechtigkeit betrifft, mit Sicherheit auch heute für die Christenversammlung. Ältere Männer oder Aufseher sollten vorbildlich sein, wenn es darum geht, Jehova zu kennen und seine Gerechtigkeit widerzuspiegeln. In Jesaja 32:1 finden wir eine herzerfrischende Beschreibung von ihnen. Dort wird gesagt, dass sie „für das Recht als Fürsten herrschen“. Welche praxisbezogenen Punkte enthalten die Warnungen und Ermahnungen der 12 Propheten für Älteste?
20 Älteste müssen sich auf die Bibel stützen und berücksichtigen, wie Jehova über eine Sache denkt. Ihre Entscheidungen dürfen nicht auf einer persönlichen Ansicht beruhen oder aus dem Bauch heraus getroffen werden. Wie die Bibel zeigt, gibt es mitunter auch schwierige Fälle. Zur Vorbereitung darauf benötigen sie mehr Zeit, um in der Bibel nachzuforschen und sich auch den praktischen Rat in den Veröffentlichungen der treuen und verständigen Sklavenklasse zunutze zu machen (2. Mose 18:26; Matthäus 24:45). Wenn sich Älteste darum bemühen, werden sie eher hassen, was von Gottes Standpunkt aus böse ist, und lieben, was gut ist. Es fällt ihnen dadurch leichter, ‘dem Recht einen Platz im Tor zu geben’ und ‘nach wahrem Recht Gericht zu halten’ (Amos 5:15; Sacharja 7:9).
21. Warum dürfen Älteste nicht parteiisch sein, aber was könnte sie dazu verleiten?
21 Aber selbst jemand, der zum Richten befugt ist und sich in der Bibel gut auskennt, könnte nicht ganz unparteiisch sein. Maleachi beklagte, dass die Priester, die eigentlich andere lehren sollten, ‘Parteilichkeit im Gesetz bekundeten’ (Maleachi 2:7-9). Wie konnte das geschehen? Micha sagte: „Häupter richten lediglich um eine Bestechung, und . . . Priester . . . unterweisen bloß um einen Kaufpreis“ (Micha 3:11). Wann könnte auch ein Ältester unter Umständen nicht mehr unvoreingenommen sein? Was ist zum Beispiel, wenn der Älteste es mit jemandem zu tun hat, der ihm gegenüber immer sehr großzügig gewesen ist, oder wenn sich der Älteste irgendetwas erhofft? Oder angenommen, in einen Fall ist ein Angehöriger verwickelt. Was ist dann stärker: verwandtschaftliche Bindungen oder die Treue zu biblischen Grundsätzen? Der Älteste ist eventuell nicht mehr ganz unparteiisch, ganz gleich, ob er sich mit einer Missetat befassen muss oder ob es um die Frage geht, inwieweit jemand die biblischen Erfordernisse für weitere Dienstvorrechte in der Versammlung erfüllt (1. Samuel 2:22-25, 33; Apostelgeschichte 8:18-20; 1. Petrus 5:2).
Älteste sind stets bemüht, ‘dem Recht einen Platz im Tor zu geben’
22. (a) Wozu sind Älteste bei der Ausübung des Rechts verpflichtet? (b) Welche gottgefälligen Eigenschaften sollten Älteste erkennen lassen, wenn sie mit Missetätern zu tun haben?
22 Bei schweren Sünden schreiten die Hirten ein, um die Versammlung vor einem gefährlichen, verderblichen Einfluss zu schützen (Apostelgeschichte 20:28-30; Titus 3:10, 11). Erkennen die Ältesten bei jemandem allerdings aufrichtige Reue, liegt ihnen daran, „einen solchen Menschen im Geist der Milde wieder zurechtzubringen“ (Galater 6:1). Sie verfahren nicht streng mit ihm, sondern halten sich an die Anweisung: „Nach wahrem Recht haltet Gericht; und übt liebende Güte und Erbarmungen gegeneinander“ (Sacharja 7:9). Die Bestimmungen Jehovas über die Behandlung von Rechtsfällen beim Volk Israel zeugen von seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Die Richter hatten oft einen Ermessensspielraum; je nach den Umständen und der Einstellung des Missetäters konnten sie Barmherzigkeit walten lassen. Dementsprechend müssen sich auch christliche Aufseher bemühen, ‘nach wahrem Recht Gericht zu halten’ und „liebende Güte und Erbarmungen“ zu üben; so zeigt sich, dass sie Jehova kennen.
23, 24. (a) Wie können Älteste für ein „Gericht des Friedens“ eintreten? (b) Was haben wir von den 12 Propheten in Bezug auf Gerechtigkeit gelernt?
23 Denken wir an Sacharja 8:16: „Mit Wahrheit und dem Gericht des Friedens richtet in euren Toren.“ Was soll durch das „Gericht“ erreicht werden? Frieden. Schon zur Zeit der Apostel waren manche Christen unterschiedlicher Meinung und stritten sich. Paulus befasste sich beispielsweise mit den Spannungen zwischen Euodia und Syntyche. Auch heute müssen Älteste manchmal ähnliche Hilfe leisten (Philipper 4:2, 3). Sie sollten sich ernstlich bemühen, zerstrittene Parteien durch ein „Gericht des Friedens“ wieder zu beruhigen. Wozu sie anhand der Bibel raten und die Art, wie sie es tun, sollte den Frieden in der Versammlung und den Frieden mit Gott fördern. So zeigt sich, dass sie Jehova kennen und mit seinem Recht wirklich vertraut sind.
24 Die beiden besprochenen Bereiche zeigen, wie wichtig es ist, uns im alltäglichen Leben von dem leiten zu lassen, was die 12 Propheten über Recht und Gerechtigkeit aufgezeichnet haben. Was für ein Segen ist es doch, wenn wir alle dazu beitragen, dass ‘sich das Recht einherwälzt’!
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Jehova gemäß seinen hohen Maßstäben dienenLebe mit dem Tag Jehovas vor Augen
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KAPITEL SIEBEN
Jehova gemäß seinen hohen Maßstäben dienen
1. Wie dachten die Bewohner Jerusalems in den Tagen Zephanjas über Jehovas Maßstäbe?
„JEHOVA wird nicht Gutes tun, und er wird nicht Böses tun.“ So dachten die Bewohner Jerusalems in den Tagen Zephanjas. Sie meinten, er verlange von ihnen nicht, sich an bestimmte Maßstäbe oder Normen zu halten. Wie Zephanja erklärte, ‘erstarrten sie auf ihren Hefen’; gemeint ist der Bodensatz, der sich beim Lagern von Wein absetzt. Der Prophet sagte damit, jene Juden wollten ein bequemes Leben führen und nicht durch die Ankündigung eines göttlichen Eingriffs gestört werden. Aber Gott ließ ihnen sagen, er werde „Jerusalem sorgfältig mit Leuchten durchsuchen“ und denen „Aufmerksamkeit schenken“, die seine Maßstäbe außer Acht ließen. Ja, Jehova hat Maßstäbe und ihm liegt etwas daran, wie sein Volk dazu steht (Zephanja 1:12).
2. Wie ist man in deiner Gegend allgemein dazu eingestellt, sich an Maßstäbe zu halten?
2 Für viele gibt es heute nichts Schlimmeres, als sich einem Maßstab oder einer Norm anzupassen. Sie sagen: „Ich tu, was mir gefällt.“ Einige vertreten auch die Ansicht: „Wenn ich nicht genug Geld habe und mir nicht alles leisten kann, was ich mir wünsche, dann muss ich mir einfach irgendetwas einfallen lassen, um wieder an Geld zu kommen.“ Was Gott davon hält oder was er von ihnen erwartet, kümmert sie wenig. Wie steht es mit dir? Gefällt es dir, dass der Schöpfer Maßstäbe aufgestellt hat?
3, 4. Warum halten wir es für wichtig, Standards oder Normen zu haben?
3 Viele wehren sich gegen Gottes Maßstäbe, haben allerdings nichts dagegen, dass die Menschen für die verschiedensten Lebensbereiche Normen aufgestellt haben. Nehmen wir beispielsweise die Wasserqualität. In den meisten Ländern gibt es Standards dafür. Was aber, wenn diese nicht streng genug sind? Dann kann es unter anderem zu Erkrankungen wie Durchfall kommen, die vorwiegend bei Kindern auftreten. Höchstwahrscheinlich profitieren wir also von hohen Trinkwasserstandards. „Das Fehlen von Standards würde sich recht bald bemerkbar machen“, heißt es in einer Erklärung der Internationalen Organisation für Standardisierung. „Gewöhnlich ist man sich gar nicht bewusst, wie wichtig Standards sind, wenn es um bessere Qualität, mehr Sicherheit, größere Zuverlässigkeit, höhere Leistungsfähigkeit und Austauschbarkeit geht, und zwar mit einem wirtschaftlich vertretbaren Kostenaufwand.“
4 Wenn wir schon in vielen Lebensbereichen hohe Standards oder Normen für unerlässlich halten, ist es dann nicht logisch, zu erwarten, dass Gott für das Volk, das seinen Namen trägt, hohe Maßstäbe festgesetzt hat? (Apostelgeschichte 15:14).
SIND GOTTES MASS-STÄBE VERNÜNFTIG?
5. Wie zeigte Jehova durch Amos, wie wichtig es ist, sich an seine Maßstäbe zu halten?
5 Auch bei einem Hausbau sind Normen einzuhalten. Wenn eine einzige Mauer nicht senkrecht steht, kann das ganze Haus schief aussehen; und durch Mauerlücken kann es unbewohnbar werden. Dieser Gedanke kommt in einer Vision zum Ausdruck, die Amos im 9. Jahrhundert v. u. Z. von dem Zustand des Zehnstämmereiches Israel hatte. Amos sah Jehova auf einer Mauer stehen „und ein Senkblei war in seiner Hand“. Gott sagte: „Siehe, ich lege ein Senkblei an mitten in meinem Volk Israel. Ich werde es nicht mehr weiter entschuldigen“ (Amos 7:7, 8). Ein Senkblei ist ein an einer Schnur hängendes Gewicht; man prüft damit, ob etwas senkrecht oder im Lot ist. Die sinnbildliche Mauer, auf der Amos Jehova stehen sah, war „mit einem Senkblei“ gebaut worden. Sie war genau im Lot. Aber die Israeliten zur Zeit des Amos waren, was ihre geistige Rechtschaffenheit betraf, aus dem Lot geraten; sie glichen einer schiefen Mauer, die sich immer mehr neigte und abgerissen werden musste, bevor sie einstürzte.
6. (a) Welcher wesentliche Gedanke wird in den Schriften der 12 Propheten betont? (b) Weshalb können wir sagen, dass Gottes Maßstäbe vernünftig sind?
6 Beim Studium der 12 Propheten stoßen wir immer wieder auf den Gedanken: Es ist unerlässlich, sich an Gottes Maßstäbe zu halten. Nicht in allen Botschaften dieser Bücher wird das Volk jedoch beschuldigt, den hohen Maßstäben Gottes nicht zu entsprechen. Mitunter stellte Jehova bei einer Prüfung auch fest, dass sein Volk seine Maßstäbe tatsächlich einhielt. Gottes Maßstäbe sind also vernünftig, denn trotz Unvollkommenheit ist es dem Menschen möglich, sich daran zu halten. Sehen wir uns ein Beispiel dafür an.
7. Wie hilft uns Sacharja zu erkennen, dass Menschen trotz ihrer Unvollkommenheit die Maßstäbe Jehovas einhalten können?
7 Nachdem die aus dem Exil zurückgekehrten Juden die Grundlage des Tempels gelegt hatten, kamen die Wiederaufbauarbeiten zum Erliegen. Gott schickte daher seine Propheten Haggai und Sacharja, um das Volk anzuspornen, die Bauarbeiten fortzusetzen. Jehova ließ den Propheten Sacharja in einer Vision Serubbabel, den Statthalter von Juda, sehen, der das „Senkblei in der Hand“ hatte, als er den Hauptstein legte und damit den Tempel vollendete. Der Tempel wurde nach den von Gott vorgegebenen Normen gebaut (Sacharja 4:10). Beachten wir folgende interessante Einzelheit, die in Verbindung mit dem fertig gestellten Tempel erwähnt wird: „Diese sieben sind die Augen Jehovas. Sie schweifen umher auf der ganzen Erde.“ Gott, dessen Augen nichts entgeht, sah Serubbabel den Hauptstein legen und stellte nach genauer Prüfung fest, dass der wieder erbaute Tempel seinen Normen entsprach. Wir sehen also: Jehova hat zwar hohe Maßstäbe, doch es ist möglich, sie einzuhalten. Das war Serubbabel und seinen Leuten dank der Ermutigung von Haggai und Sacharja gelungen. Wie Serubbabel kannst auch du den Erwartungen Gottes entsprechen. Ist das nicht beruhigend?
WARUM JEHOVAS MASS-STÄBE AKZEPTIEREN?
8, 9. (a) Warum ist es passend, dass Jehova für uns Menschen Maßstäbe aufstellt? (b) Warum erwartete Gott von den Israeliten zu Recht, seine Gebote zu halten?
8 Als Schöpfer ist Jehova befugt, für uns Maßstäbe aufzustellen, und er darf erwarten, dass wir uns daran halten (Offenbarung 4:11). Er muss uns nicht alles bis ins Kleinste vorschreiben, denn er hat uns eine wertvolle Orientierungshilfe gegeben: das Gewissen (Römer 2:14, 15). Die ersten Menschen durften nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ essen; das hatte Gott ausdrücklich gesagt. Dieser Baum stand für Gottes Recht, einen Maßstab für Gut und Böse aufzustellen. Aber wir wissen, was geschah (1. Mose 2:17; 3:1-19). Hosea spielte auf Adams Fehlentscheidung an, als er schrieb: „[Die Israeliten] selbst haben wie der Erdenmensch den Bund übertreten“ (Hosea 6:7). Damit zeigte Hosea, dass die Israeliten vorsätzlich sündigten.
9 Worin bestand ihre Sünde? „Sie haben den [Gesetzes-]Bund gebrochen“ (New International Version). Gott hatte sein Volk aus Ägypten befreit. Dadurch wurden die Israeliten sein Eigentum und er war eindeutig berechtigt, Maßstäbe für sie aufzustellen. Sie gingen einen Bund mit Jehova ein und erklärten sich mit diesen Maßstäben einverstanden (2. Mose 24:3; Jesaja 54:5). Dennoch machten sich viele des Blutvergießens, des Mordes und der Hurerei schuldig und brachen damit das Gesetz (Hosea 6:8-10).
10. Wie versuchte Gott denen zu helfen, die nicht seinen Maßstäben entsprachen?
10 Jehova sandte Propheten wie Hosea, um seinem Volk zu helfen. Das Buch Hosea schließt mit den Worten: „Wer ist weise, dass er diese Dinge verstehen kann? Verständig, dass er sie erkennen kann? Denn die Wege Jehovas sind gerade, und die Gerechten sind es, die darauf wandeln werden; aber die Übertreter, sie werden darauf straucheln“ (Hosea 14:9). Einige Verse vorher in Kapitel 14 rief Hosea dazu auf, zu Jehova zurückzukehren. Die Weisen würden verstehen, dass Jehova seinem Volk nur gerade Wege aufzeigt. Bestimmt möchtest du als ein Gott hingegebener Diener weiterhin auf Jehovas Wegen wandeln.
Warum beachten wir die Vorschriften und Empfehlungen des Herstellers?
11. Warum möchten wir Gottes Gebote halten?
11 In Hosea 14:9 werden wir auch darauf aufmerksam gemacht, dass es sich positiv auswirkt, redlich zu sein. Wer Gottes Maßstäben entspricht, wird reich gesegnet. Als Schöpfer kennt Jehova unsere Veranlagung. Was er von uns erwartet, ist zum Guten für uns. Unser Verhältnis zu ihm lässt sich anhand eines Autos und seines Herstellers veranschaulichen. Dieser weiß, wie der Wagen konstruiert worden ist. Er schreibt beispielsweise vor, regelmäßig das Öl zu wechseln. Was wäre, wenn man das nicht beachten würde, weil man meint, der Wagen fahre doch einwandfrei? Wahrscheinlich würde der Motor darunter leiden und viel früher versagen, als es sonst der Fall wäre. Das lässt sich auf uns Menschen übertragen. Wir haben von unserem Schöpfer Gebote erhalten. Sie zu beachten ist nur zum Guten für uns (Jesaja 48:17, 18). Wenn wir das verstanden haben, haben wir umso mehr Grund, uns an seine Maßstäbe zu halten, das heißt seinen Geboten zu gehorchen (Psalm 112:1).
12. Wieso kann es unsere Bindung zu Gott stärken, wenn wir in seinem Namen wandeln?
12 Der größte Lohn für jeden, der Gottes Gebote beachtet, ist eine stärkere Bindung zu Gott. Wenn wir uns an seine Maßstäbe halten und sehen, wie vernünftig und nützlich sie sind, wächst unsere Zuneigung zu ihm. Ein solch inniges Verhältnis kommt schön durch die Worte des Propheten Micha zum Ausdruck: „Alle Völker ihrerseits werden wandeln, jedes im Namen seines Gottes; wir aber unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf unabsehbare Zeit, ja immerdar“ (Micha 4:5). Welch ein Vorrecht wir doch haben, im Namen Jehovas zu wandeln, indem wir seinen guten Ruf verteidigen und ihn in unserem Leben als Autorität anerkennen. Deshalb möchten wir natürlich auch seine Eigenschaften widerspiegeln. Stärken wir als Einzelne somit unsere Bindung zu Gott (Psalm 9:10).
13. Warum ist es weder negativ noch verkehrt, Gottes Namen zu fürchten?
13 Von denen, die Gottes Maßstäbe beachten und in seinem Namen wandeln, heißt es, dass sie seinen Namen fürchten. Diese Furcht ist weder negativ noch verkehrt. Denn Jehova versichert ihnen: „Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird bestimmt die Sonne der Gerechtigkeit aufleuchten mit Heilung in ihren Flügeln; und ihr werdet tatsächlich ausziehen und den Boden stampfen wie Mastkälber“ (Maleachi 4:2). In der Erfüllung dieser Prophezeiung ist Jesus Christus die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Offenbarung 1:16). Heute leuchtet er mit geistiger Heilung auf und letztendlich wird er es mit physischer Heilung tun. Die Freude der Geheilten wird mit der Freude von Mastkälbern verglichen, die „ausziehen und den Boden stampfen“, so aufgeregt sind sie und so sehr freuen sie sich über ihre Freiheit. Sind wir nicht heute schon in vieler Hinsicht befreit? (Johannes 8:32).
14, 15. Welcher Nutzen ergibt sich, wenn wir Jehovas Maßstäbe beachten?
14 Ein weiterer Nutzen, der sich aus dem Beachten göttlicher Maßstäbe ergibt, sind bessere zwischenmenschliche Beziehungen. Jehova kündigte durch Habakuk fünf Kategorien von Personen Unheil an: Habsüchtigen, Wucherern, Mördern, vorsätzlichen Übertretern der Sittengesetze und Götzendienern (Habakuk 2:6-19). Das zeigt eindeutig, dass Jehova Verhaltensmaßstäbe aufgestellt hat. Beachtenswert dabei ist: Bei vier der Vergehen ging es um Verfehlungen gegenüber Mitmenschen. Wer sich also Gottes Standpunkt zu eigen macht, fügt seinem Nächsten keinen Schaden zu. Das Verhältnis zu den meisten sollte sich eigentlich verbessern.
15 Der dritte Nutzen besteht in einem glücklicheren Familienleben. Eine Scheidung hält man heute oftmals für den einzigen Ausweg aus einer Ehekrise. Doch der Prophet Maleachi sagte über Jehova: „Er hat Ehescheidung gehasst“ (Maleachi 2:16). Mit Maleachi 2:16 werden wir uns später noch eingehender befassen; doch schon jetzt möchten wir festhalten: Gott hat in seiner Weisheit Maßstäbe für jeden in der Familie aufgestellt. Je enger sich die Einzelnen daran halten, desto größer der Frieden in der Familie (Epheser 5:28, 33; 6:1-4). Wir sind natürlich alle unvollkommen. Deshalb kommt es unweigerlich zu Problemen. Im Buch Hosea erteilte der, „dem jede Familie im Himmel und auf Erden ihren Namen verdankt“, sozusagen Anschauungsunterricht darin, wie selbst die größten Eheprobleme gelöst werden können. Auch damit werden wir uns in einem späteren Kapitel des vorliegenden Buches befassen (Epheser 3:15). Sehen wir uns jetzt einmal an, was das Beachten der Maßstäbe Gottes noch einschließt.
„HASST DAS BÖSE, UND LIEBT DAS GUTE“
16. Wie hängt Amos 5:15 mit Gottes Maßstäben zusammen?
16 Der erste Mensch, Adam, machte einen törichten Fehler, als es darum ging, zu entscheiden, wessen Maßstab für Gut und Böse der beste sei. Sind unsere Entscheidungen klüger? Amos legt uns Entschiedenheit nahe, wenn er sagt: „Hasst das Böse, und liebt das Gute“ (Amos 5:15). William Rainey Harper, ehemals Professor für semitische Sprachen und Literatur an der Universität von Chicago, bemerkte zu diesem Vers: „Der Maßstab für Gut und Böse, an den . . . [Amos] denkt, ist Konformität mit dem Willen Jahwes.“ Das ist die von den 12 Propheten vermittelte Grundidee. Sind wir bereit, Jehovas hohen Maßstab für Gut und Böse zu akzeptieren? Er wird in der Bibel dargelegt und uns von reifen, erfahrenen Christen erläutert, die den „treuen und verständigen Sklaven“ bilden (Matthäus 24:45-47).
Wie können einem die Mahnungen der 12 Propheten helfen, Pornographie zu meiden?
17, 18. (a) Warum sollten wir unbedingt das Böse hassen? (b) Führe Beispiele dafür an, wie wir tiefen Hass gegen das Böse entwickeln können.
17 Wenn man das Böse hasst, ist es viel leichter, sich von dem fern zu halten, was Gott missfällt. Ein Mann kann sich zum Beispiel bewusst sein, dass Internetpornographie gefährlich ist, und er bemüht sich, sie zu meiden. Wie empfindet aber ‘der Mensch, der er innerlich ist’, den Inhalt pornographischer Websites? (Epheser 3:16). Die göttliche Ermahnung aus Amos 5:15 hilft ihm, das Böse wirklich zu hassen. So kann er seinen geistigen Kampf gewinnen.
18 Betrachten wir ein anderes Beispiel. Könnten wir uns vorstellen, uns vor Götzenbildern niederzuwerfen, die den Geschlechtskult verherrlichen? Ist nicht allein schon der Gedanke daran widerlich? Wie Hosea erwähnte, hatten die Vorväter der Israeliten vor dem Baal von Peor unsittliche Beziehungen (4. Mose 25:1-3; Hosea 9:10). Das führte er offensichtlich deshalb an, weil der Baalskult eine der größten Sünden des Zehnstämmereiches Israel war (2. Könige 17:16-18; Hosea 2:8, 13). Stellen wir uns diese Abscheulichkeit vor: Die Israeliten beugten sich bei Sexorgien vor Götzen nieder! Zu wissen, wie sehr Gott das verurteilt hat, kann jeden von uns darin bestärken, sich vor den Schlingen zu hüten, die Satan über das Internet auslegt. Viele vergöttern heute schöne Frauen und gut aussehende Männer aus der Unterhaltungsbranche. Wer die Warnung der Propheten vor Götzendienst verstanden hat, wird sich jedoch davor hüten.
IMMER GOTTES WORT BERÜCKSICHTIGEN
19. Was tat Jona im Bauch eines großen Fisches, und was lehrt uns das?
19 Wir bemühen uns, trotz Versuchungen und Schwierigkeiten an Gottes hohen Maßstäben festzuhalten, doch hin und wieder fühlen wir uns vielleicht überfordert oder wissen uns keinen Rat. Wie können wir eine kritische Situation meistern, wenn wir emotional erschöpft sind und kaum noch Kraft zum Denken haben? (Sprüche 24:10). Wir können etwas von Jona lernen, der wie jeder andere Mensch seine Schwächen hatte. Was tat er, als er sich im Bauch eines Fisches befand? Er betete zu Jehova. Beachten wir, wie er sich in seinem Gebet ausdrückte.
20. Wie können wir uns darauf vorbereiten, so wie Jona zu handeln?
20 Als Jona „aus dem Bauch des Scheols“ zu Gott betete, benutzte er viele Worte und Wendungen, die ihm geläufig waren — Worte aus den Psalmen (Jona 2:2). In seiner Verzweiflung bat er Jehova flehentlich um Barmherzigkeit und gebrauchte Worte, die David geäußert hatte. Man vergleiche zum Beispiel Jona 2:3, 5 mit Psalm 69:1, 2.a Offensichtlich war Jona mit Psalmen Davids gut vertraut. Deshalb kamen ihm auch Worte und Ausdrücke daraus in den Sinn. Er hatte Gottes inspiriertes Wort ‘in seinem Innern’ (Psalm 40:8). Können wir uns unter emotionalem Druck an passende Aussprüche Gottes erinnern? Mit seinem Wort immer vertrauter zu werden ist außerordentlich hilfreich, falls Entscheidungen oder Probleme auf uns zukommen, bei denen Gottes Maßstäbe zu berücksichtigen sind.
GESUNDE GOTTESFURCHT
21. Was ist noch erforderlich, damit wir an Gottes Maßstäben festhalten?
21 Gottes Wort zu unserem Wissensschatz zu zählen genügt natürlich noch nicht. Der Prophet Micha sagt uns, was noch nötig ist, damit wir an Jehovas Maßstäben festhalten: „Wer von praktischer Weisheit ist, wird deinen Namen fürchten“ (Micha 6:9). Damit wir Menschen mit praktischer Weisheit sind, die ihr Wissen im Leben anwenden können, müssen wir Gottes Namen fürchten.
22, 23. (a) Warum sandte Jehova Haggai zu den zurückgekehrten Juden? (b) Warum können wir davon überzeugt sein, dass wir an Gottes Maßstäben festhalten können?
22 Wie können wir es lernen, Gottes Namen zu fürchten? Ziehen wir dazu den nachexilischen Propheten Haggai zurate. In seinem sehr kurzen Buch von nur 38 Versen gebraucht er 35-mal den Namen Jehova. Als Haggai im Jahr 520 v. u. Z. von Jehova beauftragt wurde zu prophezeien, waren bereits 16 Jahre vergangen, in denen nur wenig am Wiederaufbau des Tempels gearbeitet worden war. Gottes Volk hatte sich durch den Widerstand der Feinde entmutigen lassen (Esra 4:4, 5). Die Juden dachten, es sei nicht die Zeit für den Wiederaufbau des Tempels. Doch Jehova ermahnte sie: „Richtet euer Herz auf eure Wege. . . . baut das Haus, damit ich Gefallen daran habe und ich verherrlicht werde“ (Haggai 1:2-8).
23 Der Statthalter Serubbabel, der Hohe Priester Josua und „alle Übriggebliebenen des Volkes begannen auf die Stimme Jehovas, ihres Gottes, . . . zu hören . . .; und das Volk begann sich Jehovas wegen zu fürchten“. Daraufhin sagte Jehova: „Ich bin mit euch.“ Wie ermutigend! Jehovas Geist half ihnen, und „sie begannen hereinzukommen und das Werk im Haus Jehovas der Heerscharen, ihres Gottes, zu tun“ (Haggai 1:12-14). Die gesunde Furcht, Gott zu missfallen, bewog die verzagten Juden, sich trotz Widerstand an die Arbeit zu machen.
24, 25. Veranschauliche anhand von Beispielen, wie man die in diesem Kapitel erwähnten Grundsätze anwenden kann.
24 Wie steht es mit uns? Wenn uns in einer bestimmten Situation klar ist, was Gott gemäß seinem Maßstab eigentlich von uns erwartet, sind wir dann mutig genug, nicht Menschen zu fürchten, sondern Gott? Vielleicht hast du als junge Frau an deinem Arbeitsplatz einen Kollegen, der sich zwar nicht wie du an göttliche Grundsätze hält, aber freundlich und aufmerksam ist. Kommt dir dann ein Schrifttext in den Sinn, der dich an die Maßstäbe Jehovas erinnert und daran, wie gefährlich es ist, sie außer Acht zu lassen? Eventuell ist es Hosea 4:11: „Hurerei und Wein und süßer Wein sind das, was den guten Beweggrund wegnimmt.“ Ist deine Gottesfurcht so groß, dass sie dich veranlasst, an den Maßstäben Jehovas festzuhalten und höflich, aber bestimmt abzulehnen, falls dich dieser Mann einlädt, mit ihm auszugehen? Die Furcht, deinem liebevollen Gott zu missfallen, sollte sogar so groß sein, dass du ‘die Flucht ergreifst’, wenn er anfängt, mit dir zu flirten (1. Mose 39:12; Jeremia 17:9).
Welche Hilfe ist die Gottesfurcht in einer solchen Situation?
25 Denken wir noch einmal an den Mann, der der Versuchung widerstehen will, sich im Internet pornographisches Material anzusehen. Wird er sich an die Worte aus Psalm 119:37 erinnern, die in Form eines Gebets formuliert sind, nämlich: „Lass meine Augen an dem vorübergehen, was zu sehen wertlos ist“? Und wird er sich Jesu Worte aus der Bergpredigt ins Gedächtnis rufen: „Jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, [hat] in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen“ (Matthäus 5:28)? Die Furcht Jehovas und der Wunsch, sich nach seinen Maßstäben auszurichten, sollten einen Christen bewegen, sich von allem abzuwenden, was ihn zum Schlechten verleiten könnte. Falls unser Denken oder unser Handeln den Maßstäben Gottes widerspricht, müssen wir uns bemühen, unsere Gottesfurcht zu vertiefen. Und denken wir dabei an das, was uns Jehova durch Haggai sagt: „Ich bin mit euch.“
26. Was werden wir als Nächstes betrachten?
26 Wir können Jehova tatsächlich gemäß seinen hohen Maßstäben dienen und werden dabei nur gewinnen. Im weiteren Verlauf unserer Betrachtung der 12 prophetischen Bücher werden wir noch besser mit Gottes Maßstäben vertraut, das heißt mit dem, was er von jedem Einzelnen erwartet. Der folgende Teil des vorliegenden Buches geht auf drei wichtige Gebiete ein, für die Jehova geniale Maßstäbe aufgestellt hat: unser Lebenswandel, unser Verhalten gegenüber anderen und unser Familienleben.
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