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Treu und loyal zu Jehova stehenDer Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Februar
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Treu und loyal zu Jehova stehen
„Möge es sich erweisen, dass Jehova selbst zwischen mir und dir ist und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen bis auf unabsehbare Zeit“ (1. SAM. 20:42)
1, 2. Warum kann man sagen, dass die Freundschaft zwischen Jonathan und David ein außergewöhnliches Beispiel für Loyalität ist?
ZU SEHEN, wie David dem Riesen Goliath gegenübergetreten war, muss Jonathan beeindruckt haben. David stand nun „mit dem Kopf des Philisters in seiner Hand“ vor König Saul, Jonathans Vater (1. Sam. 17:57). Offenkundig war Gott mit David. Und sicherlich bewunderte Jonathan Davids Mut. Die beiden wurden enge Freunde und schlossen sogar einen Freundschaftsbund, weil Jonathan David „liebte wie seine eigene Seele“ (1. Sam. 18:1-3). Für den Rest seines Lebens hielt Jonathan fest zu David.
2 Jonathans Freundschaft hielt sogar, obwohl Gott David zum nächsten König über Israel erwählt hatte. Als Saul David töten wollte, machte sich Jonathan um seinen Freund Sorgen. Um ihm Mut zu machen, reiste er deshalb nach Horesch in die Wildnis von Judäa. Er ermutigte David, sich von Jehova stärken zu lassen. Jonathan sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht; denn . . . du selbst wirst König über Israel sein, und ich meinerseits werde Zweiter nach dir werden“ (1. Sam. 23:16, 17).
3. Was war für Jonathan wichtiger als seine Loyalität gegenüber David, und woher wissen wir das? (Siehe Anfangsbild.)
3 Loyalität wird im Allgemeinen bewundert. Wir würden jedoch etwas Wichtiges außer Acht lassen, wenn wir lediglich Jonathans Loyalität gegenüber David sehen würden, aber nicht seine Loyalität Gott gegenüber. Warum sah er David nicht als Rivalen, sondern als Freund? Offensichtlich gab es für ihn etwas weit Wichtigeres als seinen eigenen Vorteil. Er hatte David ja ermutigt, sich von Jehova stärken zu lassen. Somit nahm die Loyalität zu Jehova den ersten Platz in Jonathans Herzen ein. In Wirklichkeit war sie die Grundlage für seine Loyalität zu David. Die beiden hatten einander geschworen: „Möge es sich erweisen, dass Jehova selbst zwischen mir und dir ist und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen bis auf unabsehbare Zeit“ — und daran hielten sie sich auch (1. Sam. 20:42).
4. (a) Was macht uns wirklich glücklich und zufrieden? (b) Was lernen wir in diesem Artikel?
4 Als Christen bewundern wir nicht nur die Loyalität anderer. Auch wir stehen loyal zu unserer Familie, unseren Freunden und Glaubensbrüdern (1. Thes. 2:10, 11). Doch wem gegenüber sollten wir in erster Linie loyal sein? Natürlich Jehova gegenüber, dem wir ja unser Leben verdanken! (Offb. 4:11). Diese Loyalität zu bewahren gibt uns echte Freude und Zufriedenheit. Aber wenn wir wirklich loyal sein wollen, müssen wir auch unter schweren Prüfungen zu ihm halten. In diesem Artikel wird uns gezeigt, wie Jonathans Beispiel uns in vier schwierigen Situationen helfen kann, Jehova gegenüber loyal zu bleiben: 1. wenn jemand mit Verantwortung keinen Respekt zu verdienen scheint, 2. bei einem Loyalitätskonflikt, 3. wenn man uns missversteht oder falsch beurteilt, und 4. wenn persönliche Interessen und unser Wunsch, loyal zu sein, sich widersprechen.
WENN JEMAND MIT VERANTWORTUNG KEINEN RESPEKT ZU VERDIENEN SCHEINT
5. Warum war es für das Volk Israel unter König Saul schwierig, Gott gegenüber loyal zu bleiben?
5 Obwohl Saul von Gott als König gesalbt worden war, hörte er später nicht auf Jehova, weshalb Jehova ihn verwarf (1. Sam. 15:17-23). Da Gott ihn nicht sofort ersetzte, wurde sein Fehlverhalten für seine Untertanen und alle, die direkt mit ihm zu tun hatten, zu einer Prüfung. Sie standen nun vor der Herausforderung, Gott gegenüber loyal zu bleiben, während der König, der auf dem „Thron Jehovas“ saß, seinen eigenen Kurs verfolgte (1. Chr. 29:23).
6. Wodurch zeigte sich, dass Jonathan loyal zu Jehova hielt?
6 Als Sauls ungehorsame Einstellung offensichtlich wurde, blieb Jonathan, sein Sohn, Jehova loyal (1. Sam. 13:13, 14). Der Prophet Samuel hatte gesagt: „Jehova wird sein Volk um seines großen Namens willen nicht im Stich lassen“ (1. Sam. 12:22). Dass Jonathan an diese Worte glaubte, zeigte sich, als ein gewaltiges Heer der Philister Israel mit 30 000 Streitwagen bedrohte. Saul hatte nur 600 Mann — und nur er und Jonathan hatten Waffen! Doch Jonathan und sein Waffenträger näherten sich einem Vorposten der Philister ganz allein. Jonathan sagte zu ihm: „Für Jehova gibt es kein Hindernis, durch viele oder durch wenige zu retten.“ Die beiden töteten etwa 20 Männer des Vorpostens. Dann begann die Erde zu beben und Gott löste eine Panik aus. Völlig verwirrt töteten sich die Philister gegenseitig. Somit führte Jonathans Glaube an Gott zum Sieg (1. Sam. 13:5, 15, 22; 14:1, 2, 6, 14, 15, 20).
7. Wie ging Jonathan mit seinem Vater um?
7 Sogar als sich das Verhältnis zwischen Saul und Gott immer mehr verschlechterte, arbeitete Jonathan, wann immer möglich, mit seinem Vater zusammen. Zum Beispiel kämpften sie gemeinsam, um Gottes Volk zu verteidigen (1. Sam. 31:1, 2).
8, 9. Auf welche Weise können wir Personen mit Verantwortung Respekt erweisen und so Jehova gegenüber loyal bleiben?
8 Wie Jonathan können auch wir Jehova gegenüber loyal bleiben, wenn wir uns den Regierungen bedingt unterordnen. Immerhin erwartet das Jehova von uns, selbst wenn einige keinen Respekt zu verdienen scheinen. Ist beispielsweise ein Regierungsvertreter korrupt, respektieren wir dennoch seine Stellung, da wir uns „den obrigkeitlichen Gewalten“ bedingt unterordnen. (Lies Römer 13:1, 2.) Jeder von uns kann Jehova außerdem loyal sein, wenn er diejenigen achtet, denen er Verantwortung übertragen hat (1. Kor. 11:3; Heb. 13:17).
Aus Loyalität zu Jehova respektieren wir unseren Ehepartner, auch wenn dieser kein Zeuge Jehovas ist (Siehe Absatz 9)
9 Olga[1] aus Südamerika blieb Gott gegenüber loyal, indem sie ihren Mann sogar unter schwierigen Umständen respektierte. Viele Jahre lang ließ er sie seinen Ärger darüber spüren, dass sie eine Zeugin Jehovas war. Er misshandelte sie emotional, beleidigte sie, sprach nicht mehr mit ihr und drohte ihr, sie zu verlassen und die Kinder mitzunehmen. Doch Olga zahlte es ihm nicht mit gleicher Münze heim. Sie gab ihr Bestes, eine gute Ehefrau zu sein. Sie kochte für ihn, wusch seine Wäsche und kümmerte sich um seine Familie (Röm. 12:17). Wenn möglich, begleitete sie ihn zu Treffen mit seiner Familie oder seinen Arbeitskollegen. Als er beispielsweise zur Beerdigung seines Vaters in eine andere Stadt musste, bereitete sie alles Nötige vor und sorgte dafür, dass die Kinder fertig waren. Sie wartete am Eingang der Kirche auf ihren Mann bis die Zeremonie zu Ende war. Nach vielen Jahren behandelte er sie besser, da Olga immer geduldig war und ihn respektierte. Heute bringt er sie zum Königreichssaal, ja er möchte sogar, dass sie dorthin geht. Und manchmal bleibt er auch zu den Zusammenkünften (1. Pet. 3:1).
BEI EINEM LOYALITÄTSKONFLIKT
10. Woher wusste Jonathan, wem gegenüber er loyal sein sollte?
10 Da Saul entschlossen war David zu töten, geriet Jonathan in einen Loyalitätskonflikt. Er hatte zwar einen Bund mit David geschlossen, war aber dennoch seinem Vater gehorsam. Jonathan wusste jedoch, dass Gott mit David und nicht mit Saul war. Daher hielt er zu David und nicht zu seinem Vater. Er warnte David vor Saul, riet ihm sich zu verstecken und setzte sich bei Saul für ihn ein. (Lies 1. Samuel 19:1-6.)
11, 12. Wie hilft uns die Liebe zu Gott, ihm gegenüber loyal zu sein?
11 Dass ihre Loyalität Gott gehörte, half Alice, einer Schwester aus Australien, zu entscheiden, wie wichtig ihr andere Loyalitäten sein sollten. Als sie begann die Bibel zu studieren, erzählte sie ihrer Familie von dem Guten, das sie lernte. Später sagte sie ihnen, sie würde kein Weihnachten mehr feiern, und erklärte ihnen auch warum. Aber deren anfängliche Bedenken schlugen nach und nach in starke Verärgerung um. Sie warfen Alice vor, dass sie mit ihnen nichts mehr zu tun haben wollte. Alice erzählt: „Meine Mutter sagte mir schließlich, sie wolle mich nicht wiedersehen. Ich war schockiert und tief verletzt, denn ich liebte meine Familie wirklich sehr. Trotzdem sollten Jehova und sein Sohn unbedingt den ersten Platz in meinem Herzen haben. Beim nächsten Kongress ließ ich mich daher taufen“ (Mat. 10:37).
12 Wenn wir nicht aufpassen, könnte die Loyalität gegenüber einer Nation, einem Sportteam oder einer Schule unsere Loyalität gegenüber Gott verdrängen. Ein Beispiel: Henry spielt sehr gern Schach. Seine Schule hat schon oft die Schachmeisterschaft gewonnen. Deshalb wollte auch er sein Bestes geben. Er gab jedoch zu: „Allmählich gehörte meine Loyalität eher der Schule als Gott. Anstatt in die Versammlung oder in den Predigtdienst zu gehen, spielte ich am Wochenende Schach. Also entschied ich mich aus dem Schachteam auszusteigen“ (Mat. 6:33).
13. Was kann uns dabei unterstützen, mit Familienproblemen richtig umzugehen?
13 Loyalitätskonflikte innerhalb der Familie können ebenfalls ein Problem sein. Ken sagt dazu: „Ich wollte meine älter gewordene Mutter regelmäßig besuchen und sie gelegentlich bei uns übernachten lassen. Aber meine Mutter und meine Frau verstanden sich nicht besonders. Anfangs steckte ich in einer Zwickmühle: Machte ich es der einen recht, war die andere verärgert. Dann wurde mir aber bewusst, dass ich in dieser Situation in erster Linie zu meiner Frau halten muss. Daher überlegte ich mir eine Kompromisslösung, mit der sie leben konnte.“ Loyalität gegenüber Gott und Respekt vor seinem Wort gaben Ken den Mut, seiner Frau zu erklären, warum sie seine Mutter freundlich behandeln sollte. Und seiner Mutter erklärte er, warum sie seine Frau respektieren musste. (Lies 1. Mose 2:24; 1. Korinther 13:4, 5.)
WENN MAN UNS MISSVERSTEHT ODER FALSCH BEURTEILT
14. Wie wurde Jonathan von seinem Vater behandelt?
14 Unsere Loyalität gegenüber Jehova könnte geprüft werden, wenn uns jemand in verantwortlicher Stellung falsch beurteilt. Auch Jonathan hatte damit zu kämpfen. König Saul, der Gesalbte Gottes, wusste von der Freundschaft seines Sohnes mit David. Den Grund dafür verstand er aber nicht. In einem Wutanfall demütigte er Jonathan. Doch dieser rächte sich nicht. Er blieb Gott und David loyal, der schließlich der König von Israel werden würde (1. Sam. 20:30-41).
15. Wie sollten wir reagieren, wenn uns ein Bruder ungerecht behandelt?
15 Es ist zwar unwahrscheinlich, dass diejenigen, die in der Versammlung die Führung übernehmen, uns absichtlich ungerecht behandeln. Doch sie sind unvollkommen und können das, was wir tun, falsch einschätzen (1. Sam. 1:13-17). Selbst wenn wir also missverstanden oder falsch beurteilt werden, bleiben wir Jehova loyal.
WENN PERSÖNLICHE INTERESSEN DEM WUNSCH, LOYAL ZU SEIN, WIDERSPRECHEN
16. In welchen Situationen müssen wir selbstlos sein und loyal zu Gott stehen?
16 Saul drängte Jonathan dazu, seine eigenen Interessen zu verfolgen (1. Sam. 20:31). Doch Jonathan versuchte nicht König zu werden, sondern unterstützte David aus Loyalität zu Gott. Jonathan war selbstlos und hielt sich an das, was er David geschworen hatte. Und wann fällt es uns leichter, so selbstlos zu sein wie Jonathan? Wenn uns bewusst ist, dass sich Jehova über Menschen freut, die zu dem stehen, was sie versprochen haben — selbst wenn ihnen daraus Nachteile entstehen (Ps. 15:4). Aus Loyalität zu Gott und aus Respekt vor der Bibel stehen wir wie Jonathan zu unserem Wort. Zum Beispiel wenn eine geschäftliche Vereinbarung schwerer einzuhalten ist als gedacht. Und was, wenn unsere Ehe schwieriger ist als erwartet? Aus Liebe zu Gott werden wir auch dann treu zu unserem Ehepartner halten. (Lies Maleachi 2:13-16.)
Geschäftliche Vereinbarungen können unsere Loyalität zu Gott und unseren Respekt vor der Bibel auf die Probe stellen (Siehe Absatz 16)
17. Wie hat dir dieser Artikel geholfen?
17 Über Jonathans Beispiel nachzudenken spornt uns bestimmt an, so loyal zu Gott zu stehen wie er. Sicher wollen wir keine selbstsüchtigen Interessen verfolgen. Und wie Jonathan möchten wir aus Loyalität gegenüber Jehova loyal zu seinem Volk stehen; selbst wenn uns einer seiner Diener enttäuscht. Wenn wir in schwierigen Situationen loyal zu Jehova halten, erfreuen wir sein Herz — und das gibt uns die tiefste Zufriedenheit überhaupt (Spr. 27:11). Wenn wir loyal bleiben, werden wir miterleben, wie Jehova es letztendlich für alle, die ihn lieben, gut ausgehen lässt. Im nächsten Artikel befassen wir uns mit der Handlungsweise loyaler und illoyaler Zeitgenossen Davids und mit dem, was wir daraus lernen können.
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Was wir von loyalen Dienern Jehovas lernenDer Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | Februar
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Was wir von loyalen Dienern Jehovas lernen
„Was fordert Jehova von dir zurück, als Recht zu üben, loyale Liebe zu üben und bescheiden zu wandeln mit deinem Gott?“ (MI. 6:8, Fn.)
1, 2. Woran zeigte sich, dass David loyal war? (Siehe Anfangsbild.)
DAVID und Abischai schleichen im Dunkeln der Nacht durch ein Lager von 3 000 Soldaten. Mittendrin entdecken sie König Saul, der wie alle anderen tief und fest schläft. Saul ist in die Wildnis von Judäa gekommen, um David aufzuspüren und ihn zu töten. Jetzt flüstert Abischai: „Lass mich ihn bitte mit dem Speer an die Erde spießen, nur einmal, und ich werde es ihm nicht zweimal tun.“ Doch erstaunlicherweise befiehlt David ihm, Saul nichts zu tun, weil niemand die Hand gegen den Auserwählten Jehovas erheben kann, ohne sich schuldig zu machen. Er fügt hinzu: „Es ist im Hinblick auf Jehovas Standpunkt für mich undenkbar, meine Hand gegen den Gesalbten Jehovas auszustrecken!“ (1. Sam. 26:8-12).
2 David wusste, was es heißt, loyal zu sein. Er hatte nicht vor, Saul etwas anzutun, weil dieser der von Gott gesalbte König über Israel war. Loyale Diener Jehovas respektieren diejenigen, die er einsetzt. Ja, Jehova erwartet von allen seinen Dienern, von Herzen loyal zu sein. (Lies Micha 6:8, Fn.)
3. Woran war Abischais Loyalität gegenüber David zu erkennen?
3 Abischai respektierte David als den König, den Gott ernannt hatte. Zum Beispiel hatte David versucht, seinen Ehebruch mit Bathseba zu vertuschen. Er hatte Joab angewiesen Bathsebas Mann, Uria, in der Schlacht töten zu lassen (2. Sam. 11:2-4, 14, 15; 1. Chr. 2:16). Abischai könnte etwas von dieser Sache mitbekommen haben, da Joab sein Bruder war. Trotzdem respektierte er David weiterhin. Und obwohl er einer der Obersten im Heer war, versuchte er nie seine Macht zu missbrauchen, um den Thron an sich zu reißen. Vielmehr schützte er David vor Verrätern und anderen Feinden (2. Sam. 10:10; 20:6; 21:15-17).
4. (a) Warum können wir sagen, dass David loyal zu Gott stand? (b) Worum geht es nun?
4 Warum weigerte sich David, Saul etwas anzutun? Weil er Jehova gegenüber loyal war. Schon als Jugendlicher hatte sich David gegen den Philisterriesen Goliath gestellt, der es unverschämterweise gewagt hatte, „die Schlachtreihen des lebendigen Gottes“ herauszufordern und sich über sie lustig zu machen (1. Sam. 17:23, 26, 48-51). Als König beging er zwar Ehebruch und Mord und sündigte damit schwer. Dennoch nahm er die Zurechtweisung von Nathan an und bereute (2. Sam. 12:1-5, 13). Selbst im Alter blieb David loyal. Er unterstützte beispielsweise den Bau des Tempels großzügig (1. Chr. 29:1-5). David war also trotz seiner schweren Fehler Gott gegenüber immer loyal (Ps. 51:4, 10; 86:2). Nun geht es um weitere Berichte über David und seine Zeitgenossen. Es werden folgende Fragen beantwortet: Wem sollte unsere Loyalität in erster Linie gehören? Und welche Eigenschaften benötigen wir, um loyal sein zu können?
WELCHE LOYALITÄT HAT VORRANG?
5. Was können wir aus Abischais Fehler lernen?
5 Als Abischai in Sauls Lager schlich, hatte nicht die Loyalität gegenüber Jehova Vorrang — was aber richtig gewesen wäre. Er hielt in erster Linie loyal zu David, weshalb er König Saul töten wollte. Doch David hielt ihn davon ab. Er wusste, wie falsch es wäre, „gegen den Gesalbten Jehovas“ vorzugehen (1. Sam. 26:8-11). Daraus lernen wir etwas Wichtiges: Unsere Loyalität kann mehreren Personen gehören. Jedoch ist es nur mithilfe biblischer Grundsätze möglich, die richtige Reihenfolge herauszufinden.
6. Warum müssen wir vorsichtig sein, obwohl es ganz natürlich ist, loyal zu seiner Familie und seinen Freunden zu halten?
6 Loyalität kommt aus dem Herzen. Da unser Herz allerdings verräterisch ist, müssen wir vorsichtig sein (Jer. 17:9). Jemand, der Gott gegenüber loyal ist, könnte sich daher auch geneigt fühlen, loyal zu einem engen Freund oder Verwandten zu halten, selbst wenn dieser Schlechtes tut. Vor allem, wenn jemand, der uns nahesteht, die Wahrheit verlässt, dürfen wir nicht vergessen, dass keiner unsere Loyalität so sehr verdient wie Jehova. (Lies Matthäus 22:37.)
7. Wie blieb eine Schwester in einer schwierigen Situation Jehova gegenüber loyal?
7 Für einen Diener Jehovas kann ein Loyalitätskonflikt entstehen, wenn ein naher Verwandter ausgeschlossen wird. Anne[1] beispielsweise erhielt einen Anruf von ihrer ausgeschlossenen Mutter. Sie wollte Anne besuchen, weil sie darunter litt, von der Familie isoliert zu sein. Das wühlte Anne sehr auf und sie versprach ihr per Brief zu antworten. Bevor sie aber schrieb, dachte sie über biblische Leitlinien nach (1. Kor. 5:11; 2. Joh. 9-11). In ihrem Brief erinnerte sie ihre Mutter freundlich daran, dass diese sich selbst von der Familie abgeschnitten hätte, weil sie ihr Fehlverhalten nicht bereute. Anne schrieb: „Es geht dir nur dann wieder besser, wenn du zu Jehova zurückkehrst“ (Jak. 4:8).
8. Welche Eigenschaften helfen uns, loyal zu Gott zu stehen?
8 Loyale Zeitgenossen Davids hatten Eigenschaften, die es auch uns erleichtern, loyal zu Gott zu stehen. Diese Eigenschaften sind Demut, Freundlichkeit und Mut. Sehen wir uns nun eine nach der anderen an.
LOYALITÄT ERFORDERT DEMUT
9. Warum versuchte Abner, David zu töten?
9 Als David mit König Saul sprach und dabei Goliaths abgetrennten Kopf in der Hand hielt, waren mindestens zwei weitere Männer anwesend. Der eine war Sauls Sohn Jonathan, der andere der Heeroberste Abner. Jonathan schloss mit David einen Freundschaftsbund (1. Sam. 17:57 bis 18:3). Abner dagegen unterstützte Saul, als dieser David später töten wollte. David schrieb: „Tyrannen trachten mir nach der Seele“ (Ps. 54:3; 1. Sam. 26:1-5). Sowohl Jonathan als auch Abner wussten, dass Gott David als nächsten König über Israel auserwählt hatte. Warum handelten sie jedoch so verschieden? Weil Jonathan im Gegensatz zu Abner demütig war. Wäre Abner nämlich demütig gewesen und Gott gegenüber loyal, hätte er nach Sauls Tod nicht dessen Sohn Isch-Boscheth, sondern David unterstützt. Weil er aber stolz war und wohl selbst König werden wollte, schlief er später sogar mit Sauls Nebenfrau (2. Sam. 2:8-10; 3:6-11).
10. Warum war Absalom Gott gegenüber nicht loyal?
10 Auch Davids Sohn Absalom war nicht demütig und blieb Gott nicht loyal. Er wollte selbst König werden, weshalb er „daranging, sich einen Wagen anzuschaffen, mit Pferden und mit fünfzig Mann, die vor ihm herliefen“ (2. Sam. 15:1). Außerdem brachte Absalom die Menschen dazu, zu ihm zu halten. Wie Abner wollte er David töten, und das obwohl Jehova seinen Vater als König über Israel eingesetzt hatte (2. Sam. 15:13, 14; 17:1-4).
11. Warum sind die Berichte über Abner, Absalom und Baruch für uns wertvoll?
11 Wie an Abner und Absalom deutlich wird, kann Ehrgeiz leicht dazu führen, dass jemand Gott gegenüber nicht loyal bleibt. Natürlich möchte kein treuer Diener Jehovas so böse und selbstsüchtig sein wie diese Männer. Doch auch der Wunsch nach Reichtum oder einer angesehenen Stellung in der Welt kann uns von Jehova entfernen. Baruch, der Sekretär des Propheten Jeremia, verlor aus unbekannten Gründen kurzzeitig seinen Blick für das Wesentliche. Jehova ließ ihn daher wissen: „Siehe! Was ich aufgebaut habe, reiße ich nieder, und was ich gepflanzt habe, reiße ich aus, ja das ganze Land selbst. Aber was dich betrifft, du suchst für dich ständig nach großen Dingen. Suche nicht weiter“ (Jer. 45:4, 5). Baruch ließ sich korrigieren. Diese Worte Gottes im Sinn zu behalten ist auch für uns nur weise, während wir auf das Ende der bösen Welt warten.
12. Warum ist es nicht möglich, Gott gegenüber loyal und gleichzeitig selbstsüchtig zu sein?
12 Daniel, ein Bruder in Mexiko, musste sich zwischen der Loyalität zu Gott und seinen eigenen selbstsüchtigen Interessen entscheiden. Er wollte eine Frau heiraten, die keine Zeugin war. Daniel erzählt: „Selbst nachdem ich Pionier geworden war, schrieb ich ihr. Doch irgendwann überwand ich mich und erzählte einem erfahrenen Ältesten von meinem Loyalitätskonflikt. Durch ihn verstand ich, dass ich aufhören musste ihr zu schreiben, wenn ich Gott gegenüber loyal sein wollte. Nach vielen Tränen und Gebeten tat ich das auch. Bald darauf hatte ich mehr Freude im Dienst.“ Später heiratete Daniel eine nette Schwester und heute ist er Kreisaufseher.
AUS LOYALITÄT FREUNDLICH
Wirst du loyal sein und deinen Freund bitten, bei den Ältesten Hilfe zu suchen, wenn du von seinem schweren Fehlverhalten erfährst? (Siehe Absatz 14)
13. Wie hielt Nathan sowohl loyal zu Gott als auch zu David, als dieser sündigte?
13 Loyalität gegenüber Jehova schließt es nicht aus, auch zu Menschen loyal zu sein. Der Prophet Nathan hielt sowohl loyal zu Gott als auch zu David. David hatte ja mit Bathseba Ehebruch begangen und dafür gesorgt, dass ihr Mann in der Schlacht umkam. Als Nathan davon erfuhr und von Jehova zu David gesandt wurde, um diesen zurechtzuweisen, gehorchte er mutig. Weil er David gegenüber loyal war, wollte er ihm verstehen helfen, wie ernst seine Sünden waren. Nathan ging dabei weise und freundlich vor. Er verwendete eine Veranschaulichung, in der ein reicher Mann einem armen Mann das einzige Lamm stiehlt. Als sich David über diese Ungerechtigkeit ärgerte, sagte Nathan: „Du selbst bist der Mann!“ David begriff es sofort (2. Sam. 12:1-7, 13).
14. Wie können wir sowohl loyal zu Jehova stehen als auch zu unseren Freunden oder Verwandten?
14 Freundlich zu sein und das Wohl anderer im Sinn zu haben kann uns in einem Loyalitätskonflikt weiterhelfen. Ein Beispiel: Vielleicht weißt du genau, dass ein Bruder schwer gesündigt hat. Womöglich fühlst du dich verpflichtet, zu ihm zu halten, vor allem wenn er ein enger Freund oder Verwandter ist. Deckst du jedoch seine Missetat, bist du Gott gegenüber nicht loyal. Die Loyalität gegenüber Jehova sollte immer Vorrang haben. Nimm dir daher Nathan zum Vorbild und sei freundlich, aber bleib fest. Leg deinem Freund oder Verwandten nahe, sich an die Ältesten zu wenden. Wenn er das nicht innerhalb einer vernünftigen Zeit tut, solltest du selbst zu den Ältesten gehen. So beweist du nicht nur, dass du loyal zu Gott stehst, sondern auch das Beste für deinen Freund oder Verwandten möchtest. Und die Ältesten werden versuchen, ihn mit Milde wieder zurechtzubringen. (Lies 3. Mose 5:1; Galater 6:1.)
LOYALITÄT ERFORDERT MUT
15, 16. Warum brauchte Huschai Mut, um loyal zu Gott zu stehen?
15 Huschai brauchte Mut, um loyal zu Gott zu stehen. Er war ein treuer Freund von König David. Doch dann wurde seine Loyalität auf die Probe gestellt. Davids Sohn Absalom hatte viele auf seine Seite gebracht und nun wollte er Jerusalem einnehmen und den Thron an sich reißen (2. Sam. 15:13; 16:15). David flüchtete. Aber zu wem würde Huschai halten? Zu einem alten König, der um sein Leben floh, oder zu Absalom? Huschai stand loyal zu dem von Gott eingesetzten König und deshalb traf er sich mit David auf dem Ölberg (2. Sam. 15:30, 32).
16 David bat Huschai nach Jerusalem zurückzugehen. Er sollte so tun, als sei er Absaloms Freund, und Ahithophels Rat vereiteln. Huschai erfüllte Davids Bitte. Obwohl es ihn das Leben hätte kosten können, bewies er so seine Loyalität Gott gegenüber. Wie ging es aus? Durch den Rat des mutigen Huschai wurde Ahithophels Rat vereitelt und so Davids Gebet erhört (2. Sam. 15:31; 17:14).
17. Warum brauchen auch wir Mut, um loyal zu sein?
17 Um loyal zu Jehova zu stehen, brauchen auch wir Mut. Schließlich müssen viele von uns dem Druck standhalten, der von Familienmitgliedern, Arbeitskollegen oder vom Staat ausgeht. Taro zum Beispiel, der in Japan lebt, war seinen Eltern von klein auf immer gehorsam — und zwar nicht aus bloßem Pflichtgefühl, sondern weil er seine Eltern glücklich machen wollte. Dann studierte er jedoch mit Jehovas Zeugen die Bibel, was seinen Eltern überhaupt nicht gefiel. Daher war es besonders schwer für ihn, seinen Eltern zu sagen, dass er die Zusammenkünfte auf jeden Fall besuchen würde. Taro erzählt: „Sie waren so wütend, dass ich sie jahrelang nicht mehr besuchen durfte. Ich betete um Mut, zu meiner Entscheidung zu stehen. Mittlerweile hat sich unser Verhältnis gebessert und ich darf sie wieder regelmäßig besuchen.“ (Lies Sprüche 29:25.)
18. Wie empfindest du nach dieser Betrachtung?
18 Auch wir können wie David, Jonathan, Nathan und Huschai loyal zu Jehova stehen und dadurch tiefe Zufriedenheit verspüren. Außerdem sollte uns das Negativbeispiel von Abner und Absalom eine Warnung sein. Bestimmt wollen wir wie David fest zu Jehova halten. Da wir jedoch unvollkommen sind, können wir Fehler nicht vermeiden. Dennoch können wir beweisen, dass die Loyalität gegenüber Jehova für uns das Wichtigste ist.
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