-
Warum halten manche Gott für grausam?Der Wachtturm 2013 | 1. Mai
-
-
Der Mensch neigt von Natur aus dazu, Mitgefühl zu zeigen und Grausamkeit zu hassen
TITELTHEMA: IST GOTT GRAUSAM?
Warum halten manche Gott für grausam?
DIE Frage „Ist Gott grausam?“ wirkt vielleicht auf den einen oder anderen schockierend. Doch heute gibt es viele Menschen, die sich tatsächlich fragen, ob Gott grausam ist — oder die darauf mit Ja antworten würden. Warum?
Manche haben eine Naturkatastrophe erlebt und fragen sich: Wieso lässt Gott so etwas zu? Ist ihm alles egal? Oder ist er grausam?
Andere stolpern über bestimmte Passagen in der Bibel, wie zum Beispiel den Bericht über Noah und die Sintflut. Da kommt schnell mal der Gedanke auf: Wie kann ein liebender Gott so viele Menschen vernichten? Ist das nicht grausam?
Sind Ihnen solche Fragen auch schon gekommen? Oder wissen Sie nicht so recht, was Sie zu jemandem sagen sollen, der sich fragt, ob Gott grausam ist? Rollen wir die Sache einmal von einer anderen Seite auf.
WARUM HASSEN WIR GRAUSAMKEIT?
Einfach ausgedrückt, weil wir — im Gegensatz zu den Tieren — einen Gerechtigkeitssinn haben. Unser Schöpfer hat uns Menschen „in seinem Bilde“ erschaffen (1. Mose 1:27). Was bedeutet das? Wir können Gottes Eigenschaften und Moralmaßstäbe, sein Empfinden für Recht und Unrecht, widerspiegeln. Deshalb die Frage: Wenn Gott uns einen Sinn für Recht und Unrecht eingepflanzt hat und wir Grausamkeit eigentlich hassen, müsste dann nicht auch er sie hassen?
Die Bibel stützt diese Schlussfolgerung, denn Gott versichert uns in seinem Wort: „Meine Wege [sind] höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken“ (Jesaja 55:9). Würden wir Gott als grausam beurteilen, würden wir dann nicht genau das Gegenteil behaupten — nämlich dass unsere Wege höher sind als seine Wege? Bevor man diesen Standpunkt vertritt, wäre es sicher klug, weitere Fakten einzuholen. Vielleicht sollte man anders fragen. Also nicht, ob Gott grausam ist, sondern warum uns manches, was er tut, grausam erscheint. Am besten, wir definieren erst einmal, was „grausam“ eigentlich bedeutet.
Wenn wir jemand als grausam bezeichnen, beurteilen wir seine Beweggründe. Ein grausamer Mensch freut sich, andere leiden zu sehen — oder es ist ihm gleichgültig, wenn es ihnen schlecht geht. Ein Vater, der seinen Sohn zurechtweist, weil es ihm Freude macht, den Jungen zu schikanieren, wäre demnach grausam. Würde er seinen Sohn jedoch zurechtweisen, weil er ihm etwas beibringen oder ihn beschützen möchte, wäre er ein guter Vater. Beweggründe werden schnell falsch gedeutet. Das weiß jeder, der selbst schon einmal verkehrt beurteilt wurde.
Gehen wir nun auf zwei der Gründe ein, warum manche Menschen Gott für grausam halten: die Naturkatastrophen, die wir heute erleben, und die Strafgerichte Gottes, von denen die Bibel berichtet. Zeigt eine objektive Beurteilung wirklich, dass Gott grausam ist?
-
-
Naturkatastrophen: Beweisen sie, dass Gott grausam ist?Der Wachtturm 2013 | 1. Mai
-
-
Naturkatastrophen: Beweisen sie, dass Gott grausam ist?
WAS MAN HÖRT: „Gott regiert die Welt. Dann gehen Naturkatastrophen auf sein Konto. Also muss er grausam sein.“
WAS DIE BIBEL SAGT: „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19). Wer ist das? Die Bibel verrät es uns: Satan, der Teufel (Matthäus 13:19; Markus 4:15). Ist das nachvollziehbar? Überlegen wir einmal: Wenn Satan die Macht über die Welt hat, dann bringt er die Menschen dazu, so egoistisch, habgierig und kurzsichtig zu sein wie er. Würde das nicht erklären, warum der Mensch so verantwortungslos mit seinem Lebensraum umgeht? Nach Meinung vieler Experten könnten Eingriffe in die Umwelt bei Naturkatastrophen eine Rolle spielen — ob sie sie nun verursachen, verschlimmern oder ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft verstärken.
Aber warum lässt Gott Satan dann so schalten und walten? Die Antwort müssen wir am Anfang der Menschheitsgeschichte suchen — als sich unsere Ureltern gegen Gott stellten. Die meisten Menschen, die seitdem gelebt haben, sind den gleichen Weg gegangen. Durch die bewusste Ablehnung der Herrschaft Gottes ist die Menschheit in die Hände von Gottes Feind, Satan, geraten. Jesus nannte Satan daher den „Herrscher der Welt“ (Johannes 14:30). Wird Satan für immer die Welt beherrschen? Nein.
Jehovaa schaut nicht mitleidlos zu, wenn Satan Leid verursacht. In Wirklichkeit geht ihm das Leid der Menschen sehr nahe. Zum Beispiel sagt die Bibel, dass „es für ihn bedrängend“ war, als die Nation Israel harte Zeiten durchmachte (Jesaja 63:9). Gott hat in seiner Barmherzigkeit in die Wege geleitet, dass Satans grausamer Herrschaft ein Ende gemacht wird — und zwar bald! Er hat seinen Sohn, Jesus Christus, als König eingesetzt, damit er für immer für Recht und Gerechtigkeit eintritt.
WIE ES UNS BETRIFFT: Satans Herrschaftsweise hat versagt. Er hat die Menschen nicht vor Naturkatastrophen beschützt. Unter Jesu Regierung wird das anders sein. Einmal beschützte er seine Jünger in einem starken Sturm. Die Bibel erzählt: „Er . . . schalt den Wind und sprach zum Meer: ‚Schweig! Sei still!‘ Und der Wind legte sich, und eine große Stille trat ein.“ Die Jünger sagten: „Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?“ (Markus 4:37-41). Dieser Bericht flößt uns Vertrauen ein. Jesus wird unter seiner Herrschaft als König alle gehorsamen Menschen beschützen (Daniel 7:13, 14).
a Jehova ist laut der Bibel der Name Gottes.
-
-
Strafgerichte Gottes: Waren sie grausam?Der Wachtturm 2013 | 1. Mai
-
-
Bevor Gott die Bösen in der Sintflut vernichtete, ließ er durch Noah eine Warnung ergehen
Strafgerichte Gottes: Waren sie grausam?
UM DIESE Frage zu klären, möchten wir kurz auf zwei Beispiele aus der Bibel eingehen: die Sintflut und die Vernichtung der Kanaaniter.
DIE SINTFLUT
WAS MAN HÖRT: „Es war grausam von Gott, dass er eine Flut über die Menschen hereinbrechen ließ und alle außer Noah und seiner Familie auslöschte.“
WAS DIE BIBEL SAGT: Gott erklärte: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Bösen, sondern daran, dass ein Böser von seinem Weg umkehrt und tatsächlich am Leben bleibt“ (Hesekiel 33:11). Es machte Gott also absolut keine Freude, die bösen Menschen zur Zeit Noahs zu vernichten. Warum tat er es dann?
Die Bibel gibt die Antwort, wenn sie sagt, dass Gott durch solche Strafmaßnahmen in der Vergangenheit ein Exempel statuierte. Sie sollten gottlosen Menschen als „ein Beispiel kommender Dinge“ dienen (2. Petrus 2:5, 6). Was für ein Beispiel oder Muster war das?
Erstens machte Gott dadurch deutlich, dass es ihm nicht entgeht, wenn grausame Menschen Leid verursachen, und dass er sie dafür zur Rechenschaft zieht — obwohl es ihn schmerzt, wenn er sie vernichten muss. Er wird eines Tages sämtliche Ungerechtigkeit und alles Leid aus der Welt schaffen.
Zweitens sieht man an diesen Beispielen, dass Gott in seiner Liebe immer eine Warnung ergehen lässt, bevor er eingreift. Noah warnte die Menschen, doch die meisten beachteten ihn nicht. In der Bibel steht: „Sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte“ (Matthäus 24:39).
Hielt sich Gott auch später an dieses Muster? Ja. Er warnte beispielsweise sein Volk Israel. Er ließ ihnen sagen, er würde zulassen, dass Feinde in das Land einfallen, ihre Hauptstadt Jerusalem zerstören und sie ins Exil führen würden, wenn sie so schlecht handelten wie die umliegenden Nationen. Doch genau das taten sie. Sie schreckten sogar vor Kinderopfern nicht zurück. Hat Jehova darauf reagiert? Ja, aber vorher schickte er Propheten zu seinem Volk, um es immer wieder aufzufordern, sich zu ändern, bevor es zu spät wäre. Er sagte sogar: „Der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart“ (Amos 3:7).
WIE ES UNS BETRIFFT: Das Muster, das bei Jehovas Strafgerichten in der Vergangenheit zu erkennen ist, gibt uns Hoffnung. Wir können voll Zuversicht der Zeit entgegensehen, in der Gott an denen Gericht übt, die auf grausame Weise Leid verursachen. Die Bibel sagt: „Die Übeltäter, sie werden weggetilgt . . . Die Sanftmütigen aber werden die Erde besitzen, und sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:9-11). Wie würde man ein Strafgericht einstufen, durch das die Menschheit von allem Leid befreit wird? Als Ausdruck von Grausamkeit oder von Barmherzigkeit?
DIE VERNICHTUNG DER KANAANITER
WAS MAN HÖRT: „Die Vernichtung der Kanaaniter war ein grausames Kriegsverbrechen, vergleichbar mit neuzeitlichen Völkermorden.“
WAS DIE BIBEL SAGT: In 5. Mose 32:4 heißt es über Gott: „Gerechtigkeit sind alle seine Wege. Ein Gott der Treue [ist er], bei dem es kein Unrecht gibt.“ Wenn Gott Gericht übt, ist das nicht mit einem Krieg zwischen Menschen vergleichbar. Warum nicht? Weil Gott im Gegensatz zu uns Menschen ins Herz sehen kann — er weiß, was in uns vorgeht.
Als Gott zum Beispiel die Städte Sodom und Gomorra zum Untergang verurteilte, machte sich der treue Abraham Gedanken, ob das denn gerecht sei. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Gott „die Gerechten mit den Bösen wegraffen“ würde. Gott versicherte ihm dann geduldig, er würde Sodom verschonen, wenn es dort auch nur zehn Gerechte gäbe (1. Mose 18:20-33). Ganz offensichtlich hat Gott die Herzen dieser Menschen durchforscht und gesehen, wie schlecht sie waren (1. Chronika 28:9).
Auch die Kanaaniter wurden von Gott als böse beurteilt und zu Recht der Vernichtung geweiht. Sie waren für ihre Grausamkeit bekannt; unter anderem verbrannten sie Kinder lebendig als Opfer (2. Könige 16:3).a Die Kanaaniter wussten, dass Jehova den Israeliten geboten hatte, das ganze Land in Besitz zu nehmen. Diejenigen, die im Land blieben und zu den Waffen griffen, stellten sich nicht nur bewusst gegen die Israeliten, sondern auch gegen Jehova — obwohl er so eindrucksvoll bewiesen hatte, dass er hinter seinem Volk stand.
Mit denen, die sich änderten und seine hohen Moralmaßstäbe übernahmen, ging Jehova jedoch barmherzig um. Die Prostituierte Rahab beispielsweise wurde zusammen mit ihrer Familie gerettet. Und als die Bewohner der Stadt Gibeon um Gnade baten, blieben sie und alle ihre Kinder verschont (Josua 6:25; 9:3, 24-26).
WIE ES UNS BETRIFFT: Aus Gottes Strafgericht an den Kanaanitern können wir etwas Wichtiges ableiten. Der von Gott vorausgesagte „Tag des Gerichts und der Vernichtung der gottlosen Menschen“ kommt rasant auf uns zu (2. Petrus 3:7). Jehova wird dem Leid der Menschen ein Ende machen, indem er diejenigen beseitigt, die seine gerechte Herrschaft ablehnen. Alle, die Gott lieben, werden dann aufatmen.
Die Kanaaniter waren für ihre Grausamkeit bekannt und stellten sich bewusst gegen Gott und sein Volk
Jehova gibt uns den liebevollen Hinweis, dass sich die Entscheidungen von Eltern auch auf ihre Kinder auswirken, wenn er sagt: „Du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem du Jehova, deinen Gott, liebst, indem du auf seine Stimme hörst und indem du fest zu ihm hältst“ (5. Mose 30:19, 20). Sind das die Worte eines grausamen Gottes, oder kommen sie von jemand, der die Menschen liebt und möchte, dass sie die richtige Wahl treffen?
a Wie archäologische Ausgrabungen bestätigen, gehörten Kinderopfer tatsächlich zum Kult der Kanaaniter.
-
-
Gott vertrauen: Ja oder nein?Der Wachtturm 2013 | 1. Mai
-
-
Gott vertrauen: Ja oder nein?
STELLEN wir uns einmal vor, ein Freund, den wir sehr bewundern, tut etwas, was wir nicht verstehen. Andere kritisieren ihn, unterstellen ihm schlechte Beweggründe und stempeln ihn als grausam ab. Würden wir sofort in die Kritik mit einstimmen oder uns lieber erst anhören, was er dazu zu sagen hat? Falls er selbst nicht da ist, um die Sache zu erklären, würden wir dann abwarten und ihm einen Vertrauensbonus geben?
Bevor man sich festlegt, würde man wahrscheinlich mehr wissen wollen und sich fragen: Wie gut kenne ich meinen Freund eigentlich und warum bewundere ich ihn? Das ist völlig legitim. Und wie ist das jetzt mit Gott? Könnte man solche Überlegungen im Grundsatz nicht auch auf die Frage übertragen, ob er grausam ist?
Vielleicht ist auch manches, was Gott tut, für uns unverständlich, oder wir können uns keinen Reim darauf machen, warum er dieses oder jenes zulässt. Es gibt eine Menge Menschen, die Gott für grausam halten und möchten, dass andere genauso denken. Werden wir Gott einen Vertrauensbonus geben, bis wir mehr wissen? Die Antwort hat wahrscheinlich damit zu tun, wie gut wir Gott kennen. Deswegen sollten wir uns fragen: War mir Gott bisher ein guter Freund oder eher nicht?
Wer es im Leben schwer gehabt hat, würde Gott vielleicht nicht als guten Freund bezeichnen. Aber halt! Wofür ist Gott denn verantwortlich? Für die Schwierigkeiten oder für die Freuden in unserem Leben? Wie wir gesehen haben, ist nicht Jehova, sondern Satan „der Herrscher dieser Welt“ (Johannes 12:31). In der Regel ist es also der Teufel, der hinter dem Unrecht steckt, das auf der Welt geschieht. Und wenn wir ehrlich sind, gehen doch auch viele Probleme auf unser eigenes Konto oder sind die Folge von unvorhersehbaren Umständen.
Wofür ist Gott verantwortlich? Für die Schwierigkeiten oder für die Freuden in unserem Leben?
Und was hat Gott getan? In der Bibel steht, dass Jehova „Himmel und Erde gemacht hat“, dass zu seinen Werken unser Körper gehört, der „wunderbar gemacht“ ist, und dass er unser „ganzes Leben in seiner Hand hat“ (Psalm 124:8; 139:14; Daniel 5:23, Hoffnung für alle). Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass wir unsere ganze Existenz, jeden Atemzug, unserem Schöpfer verdanken (Apostelgeschichte 17:28). Es bedeutet, dass das Leben, die Schönheit der Natur, Liebe und Freundschaft, die Fähigkeit zu schmecken, zu fühlen, zu hören und zu riechen alles Geschenke von Gott sind (Jakobus 1:17). Wer uns so viel Schönes gibt, ist doch bestimmt ein Freund, den man schätzen und dem man vertrauen kann!
Möglicherweise fällt es dem einen oder anderen aber trotzdem schwer, Gott zu vertrauen. Vielleicht denkt er, dass er Gott noch nicht gut genug kennt. Das ist durchaus verständlich. In diesen kurzen Artikeln ist es nicht möglich, auf alle Gründe einzugehen, warum manche Gott für grausam halten. Aber würde es sich nicht lohnen, Gott genauer kennenzulernen?a Wer sich das vornimmt, wird bestimmt immer besser verstehen, wie Gott wirklich ist. Ist er grausam? Nein, ganz im Gegenteil: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:16).
a In dem Buch Was lehrt die Bibel wirklich? (herausgegeben von Jehovas Zeugen) wird zum Beispiel in Kapitel 11 beantwortet, warum Gott Böses zulässt.
-