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Jeder braucht TrostDer Wachtturm (Öffentlichkeitsausgabe) 2016 | Nr. 5
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TITELTHEMA | WIE ÜBERSTEHT MAN SCHWERE ZEITEN?
Jeder braucht Trost
Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch: Als Kind ist man beim Spielen hingefallen und hat sich die Hände oder die Knie aufgeschürft. Dann ist man schnell zur Mama gelaufen. Die Tränen sind nur so geflossen, aber sie hat einen getröstet, die Wunde gesäubert und mit einem Pflaster versorgt. Sobald man ihre liebe Umarmung gespürt und ihre beruhigenden Worte gehört hat, war alles wieder gut. Als Kind konnte man so leicht getröstet werden.
Doch wenn man erwachsen wird, wird das Leben komplizierter. Die Probleme werden größer und Trost ist oft nur schwer zu finden. Eine Umarmung und ein Pflaster reichen jetzt nicht mehr aus. Hier nur einige Beispiele:
Das vernichtende Gefühl, plötzlich arbeitslos zu sein. Für Julian war die Kündigung ein Schock und er fühlte sich völlig hilflos. Fragen schossen ihm durch den Kopf: „Wie soll ich jetzt für meine Familie sorgen? Ich habe so viele Jahre für die Firma gearbeitet und jetzt setzen sie mich einfach vor die Tür — wie kann das sein?“
Tiefe Verzweiflung, weil die Ehe gescheitert ist. „Es zerriss mir das Herz, als mich mein Mann vor 18 Monaten von heute auf morgen verlassen hat. Mich überkam eine unglaubliche Traurigkeit“, erzählt Raquel. „Ich hatte nicht nur emotionale Schmerzen, sondern auch körperliche. Ich hatte richtig Angst.“
Bei einer schweren Krankheit ist keine Besserung in Sicht. Vielleicht fühlt man sich manchmal wie Hiob aus alter Zeit, der enttäuscht sagte: „Ich gebe auf! So will ich nicht mehr weiterleben!“ (Hiob 7:16, Hoffnung für alle). Oder man denkt genauso wie der 80-jährige Luis: „Manchmal würde ich am liebsten einfach einschlafen.“
Man sehnt sich nach Trost, weil man einen Menschen durch den Tod verloren hat. „Als mein Sohn bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam, konnte ich es zuerst gar nicht fassen“, erzählt Robert. „Und dann kam der Schmerz. Der Schmerz, den die Bibel mit einem langen Schwert vergleicht, das einen durchbohrt“ (Lukas 2:35).
Trotz dieser schlimmen Erlebnisse fühlen sich Robert, Luis, Raquel und Julian nicht alleingelassen. Sie haben denjenigen kennengelernt, der echten Trost bietet — Gott, den Allmächtigen. Wie tröstet er? Und kann man das selbst erleben?
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Wie Gott tröstetDer Wachtturm (Öffentlichkeitsausgabe) 2016 | Nr. 5
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TITELTHEMA | WIE ÜBERSTEHT MAN SCHWERE ZEITEN?
Wie Gott tröstet
Der Apostel Paulus beschrieb Jehovaa als den „Gott allen Trostes“, der uns in jeder Notlage beisteht (2. Korinther 1:3, 4). Die Bibel versichert uns damit: Kein Mensch befindet sich außerhalb der Reichweite von Gottes Trost. Und kein Unglück ist so schlimm, dass unser Vater im Himmel uns nicht helfen könnte.
Wer möchte, dass Gott ihm in schweren Zeiten hilft, muss auch selbst aktiv werden — so wie man auch selbst zum Arzt gehen muss, damit einem geholfen wird. Deswegen legt uns die Bibel ans Herz: „Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen“ (Jakobus 4:8).
Woher weiß man, dass Gott uns nahe sein und uns helfen möchte? Zum einen hat er das immer wieder versichert. (Siehe Kasten.) Und zum anderen gibt es überzeugende Berichte von Menschen, die von Gott getröstet wurden — ob in der Vergangenheit oder heute.
Zum Beispiel König David aus biblischer Zeit. Er wusste nur zu gut, was es bedeutet, durch schwere Zeiten zu gehen. Einmal bat er Jehova: „Höre mich, wenn ich rufe und zu dir um Hilfe schreie.“ Hat Gott reagiert? Ja. David sagte: „Er hat mir geholfen. Darum freue ich mich“ (Psalm 28:2, 7, Neues Leben [NL]).
JESU BESONDERE ROLLE
Gott hat seinem Sohn Jesus eine besondere Rolle übertragen, wenn es darum geht, Trost zu spenden. Er beauftragte ihn unter anderem damit, alle Trauernden zu trösten und „die zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind“ (Jesaja 61:1, 2). Jesus hatte, wie vorausgesagt, besonders für diejenigen ein Auge, die zu kämpfen hatten und belastet waren (Matthäus 11:28-30).
Wie stand Jesus Menschen bei? Er gab ihnen guten Rat, behandelte sie rücksichtsvoll und heilte manche sogar. Ein Mann, der Lepra hatte, flehte Jesus zum Beispiel an: „Wenn du nur willst, kannst du mich rein machen.“ Voller Mitleid sagte Jesus: „Ich will es. Werde rein!“ (Markus 1:40, 41). Und der Mann war geheilt!
Jesus ist heute nicht mehr auf der Erde, um Menschen persönlich beizustehen. Doch sein Vater Jehova, „der Gott allen Trostes“, sorgt immer noch für Trost (2. Korinther 1:3). Wodurch?
Die Bibel. „Aus dem, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt wurde, sollen wir lernen. Sie ermutigt und tröstet uns, damit wir unsere Hoffnung auf ihre Zusagen setzen und daran festhalten“ (Römer 15:4, Hoffnung für alle).
Gottes heiliger Geist. Die Gruppe der Christen im 1. Jahrhundert erlebte nach Jesu Tod „eine Zeitspanne des Friedens“. Warum? Weil sie Gottes Leitung folgte und „den Trost des heiligen Geistes hatte“ (Apostelgeschichte 9:31). Der heilige Geist ist Gottes Kraft, die sehr viel bewirken kann. Durch diese Kraft kann Gott jeden trösten, ganz gleich, was derjenige auch durchmacht.
Gebet. „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern lasst in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekannt werden; und der Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, wird euer Herz und eure Denkkraft durch Christus Jesus behüten“ (Philipper 4:6, 7).
Mitgläubige. Durch sie kann man in schweren Zeiten wie durch ein Rettungsnetz aufgefangen werden. Der Apostel Paulus beschrieb seine Freunde als eine „stärkende Hilfe“ in allen Zeiten der „Not und Drangsal“ (Kolosser 4:11; 1. Thessalonicher 3:7).
Vielleicht fragt man sich jetzt: Wie sieht das in der Praxis aus? Im folgenden Artikel erzählen einige, wie sie bei den eingangs erwähnten Problemen getröstet wurden. Genau wie sie kann man erleben, dass Gott sein Versprechen wahr macht: „Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet“ (Jesaja 66:13, NL).
a Jehova ist laut der Bibel der Name Gottes.
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Wie man schwere Zeiten überstehtDer Wachtturm (Öffentlichkeitsausgabe) 2016 | Nr. 5
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TITELTHEMA | WIE ÜBERSTEHT MAN SCHWERE ZEITEN?
Wie man schwere Zeiten übersteht
Sorgen haben viele Gesichter. Greifen wir einmal die vier Situationen heraus, die im ersten Artikel erwähnt wurden. Einige Betroffene erzählen, wie sie von Gott Trost und Hilfe erhalten haben.
PLÖTZLICH ARBEITSLOS
„Ich habe gelernt, einfach jede Arbeit anzunehmen. Gleichzeitig reduzierten wir alle unnötigen Ausgaben“ (Jonathan)
„Meine Frau Priscillaa und ich wurden zur gleichen Zeit arbeitslos“, erzählt Seth. „Zwei Jahre lang hielten wir uns mit dem einen oder anderen Aushilfsjob und der Unterstützung unserer Familie über Wasser. Meine Frau war völlig deprimiert und ich kam mir wertlos vor.
Aber wir konnten diese Zeit überstehen. Priscilla dachte viel über die Worte von Jesus aus Matthäus 6:34 nach. Dort sagt er, dass wir uns keine Sorgen um den nächsten Tag machen sollen, weil jeder Tag seine eigenen Herausforderungen hat. Außerdem betete meine Frau wegen allem, was sie belastete, und das gab ihr die Kraft weiterzumachen. Mir hat Psalm 55:22 sehr geholfen. Ich habe wie der Schreiber dieses Psalms alle Sorgen bei Gott abgeladen und gemerkt, wie er für mich da war. Mittlerweile habe ich wieder eine Arbeit. Aber trotzdem versuchen wir, unser Leben einfach zu halten, so wie es Jesus in Matthäus 6:20-22 geraten hat. Auf jeden Fall hat uns diese Zeit Gott und auch einander nähergebracht.“
„Als unser kleiner Familienbetrieb in Konkurs ging, hatte ich keine Ahnung, wie es weitergehen sollte“, erzählt Jonathan. „20 Jahre harte Arbeit hatten sich durch die Wirtschaftskrise einfach in Rauch aufgelöst. Meine Frau und ich stritten uns viel wegen Geld. Wir haben uns in der Zeit nicht mal mehr getraut, etwas mit der Kreditkarte zu kaufen, weil wir nicht wussten, ob sie noch akzeptiert wird.
Aber dank Gottes Wort und seinem heiligen Geist konnten wir vernünftige Entscheidungen treffen. Ich habe gelernt, einfach jede Arbeit anzunehmen. Gleichzeitig reduzierten wir alle unnötigen Ausgaben. Und unsere Freunde, die wie wir Zeugen Jehovas sind, waren auch für uns da. Sie haben uns gut zugeredet und uns unter die Arme gegriffen, wenn es hart auf hart kam.“
WENN DIE EHE ZERBRICHT
Raquel erinnert sich: „Als mich mein Mann einfach sitzen ließ, war ich tief verletzt und wütend. Eine unglaubliche Traurigkeit überfiel mich. Aber ich habe mich fest an Gott geklammert und er hat mich wirklich getröstet. Jeden Tag habe ich gebetet und gespürt, wie sein Frieden mein Herz beschützt. Mir war, als ob er mein gebrochenes Herz heilt.
Sein Wort, die Bibel, hat mir geholfen, meine Wut und meine Verbitterung loszulassen. Ich hielt mich an den Rat vom Apostel Paulus aus Römer 12:21: ‚Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem Guten.‘
„Irgendwann kommt die Zeit, etwas als verloren aufzugeben. . . . Jetzt habe ich wieder Ziele im Leben“ (Raquel)
Außerdem half mir ein guter Freund zu verstehen, wie wichtig es ist, nach vorn zu blicken. Mit Prediger 3:6 zeigte er mir, dass irgendwann die Zeit kommt, etwas als verloren aufzugeben. Das war zwar ganz schön hart, aber es war genau das, was ich brauchte. Jetzt habe ich wieder Ziele im Leben.“
„Du schaffst es einfach nicht alleine, wenn deine Ehe zerbricht“, sagt Elizabeth. „Ich hatte eine gute Freundin, die tagaus, tagein für mich da war. Sie hat mit mir geweint, sie hat mich getröstet und mir das Gefühl gegeben, doch etwas wert zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass Jehova sie gebraucht hat, um meine Wunden zu heilen.“
KRANKHEIT ODER ALTER
„Ich bete ganz oft zu Jehova. Dann spüre ich, wie er mir durch seinen heiligen Geist Kraft gibt“ (Luis)
Luis, der schon im ersten Artikel erwähnt wurde, ist schwer herzkrank. Schon zweimal wäre er deswegen beinahe gestorben. Inzwischen ist er 16 Stunden am Tag auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Er sagt: „Ich bete ganz oft zu Jehova. Dann spüre ich, wie er mir durch seinen heiligen Geist Kraft gibt. Das Gebet hilft mir, nicht aufzugeben. Ich glaube fest daran, dass Gott sich um mich kümmert.“
Petra, die bereits über 80 ist, erzählt: „Ich würde gerne noch so viel machen, aber es geht einfach nicht. Zu merken, wie die eigenen Kräfte nachlassen, ist schrecklich. Ich bin schnell erschöpft. Außerdem bin ich auf Medikamente angewiesen. Oft denke ich daran, wie Jesus seinen Vater bat, eine schwer erträgliche Situation von ihm abzuwenden. Jehova hat ihm die nötige Kraft gegeben, und das tut er auch bei mir. Das Gebet ist meine tägliche Therapie. Danach geht es mir jedes Mal besser“ (Matthäus 26:39).
So ähnlich empfindet auch Julian, der schon seit 30 Jahren an multipler Sklerose leidet. Er sagt: „Ich musste meinen Chefsessel gegen einen Rollstuhl eintauschen. Aber ich finde mein Leben trotzdem lebenswert, weil ich mich für andere einsetze. Sich um andere zu kümmern lässt die eigenen Sorgen kleiner werden. Außerdem hält Jehova sein Versprechen, für uns da zu sein, wenn wir ihn brauchen. Ich kann wie der Apostel Paulus sagen: ‚Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht‘ “ (Philipper 4:13).
WENN EIN GELIEBTER MENSCH STIRBT
„Erst wollte ich es gar nicht wahrhaben, dass mein Vater durch einen Verkehrsunfall gestorben ist“, erinnert sich Antonio. „Es kam mir so unfair vor — er war doch nur ein unbeteiligter Fußgänger. Aber ich konnte nichts daran ändern. Fünf Tage lang lag er im Koma und dann starb er. Wenn meine Mutter da war, versuchte ich, nicht zu weinen. Aber wenn ich alleine war, brach ich zusammen. Ich fragte mich immer wieder: ‚Warum? Warum?‘
In dieser schrecklichen Zeit bat ich Jehova, mir zu helfen, mein Gefühlschaos kontrollieren zu können, und mir inneren Frieden zu geben. Mit der Zeit wurde es besser. In der Bibel steht ja, dass Unvorhergesehenes jeden treffen kann. Außerdem hat Gott eine Auferstehung versprochen. Und weil er nicht lügen kann, bin ich davon überzeugt, dass ich meinen Vater wiedersehen werde“ (Prediger 9:11; Johannes 11:25; Titus 1:2).
„Das Flugzeugunglück hat uns zwar unseren Sohn genommen, aber die vielen schönen Erinnerungen an die Zeit mit ihm kann uns niemand nehmen“ (Robert)
Robert, der schon im ersten Artikel zu Wort kam, geht es ähnlich. Er sagt: „Meine Frau Maribel und ich haben durch das Gebet erlebt, wie Jehova uns den inneren Frieden gegeben hat, der in Philipper 4:6, 7 beschrieben wird. Dadurch, dass wir innerlich ruhig waren, fiel es uns leichter, mit den Reportern über unseren Glauben an eine Auferstehung zu sprechen. Das Flugzeugunglück hat uns zwar unseren Sohn genommen, aber die vielen schönen Erinnerungen an die Zeit mit ihm kann uns niemand nehmen; darauf konzentrieren wir uns jetzt.
Einige befreundete Zeugen Jehovas erzählten uns später, sie hätten im Fernsehen gesehen, wie gefasst wir über unseren Glauben gesprochen haben. Wir sagten ihnen, dass uns dabei ganz sicher ihre unzähligen Gebete geholfen haben. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass Jehova uns durch die vielen Beileidsbekundungen unserer Freunde gestärkt hat.“
All diese Erlebnisse zeigen, dass Gott Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen Trost geben kann. Dieser Trost kann jeden stärken, ganz gleich wie schwer die Zeiten sind, durch die man gerade geht. Jeder kann Jehova kennenlernen und bei ihm Hilfe finden — bei dem „Gott allen Trostes“ (2. Korinther 1:3).b
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