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  • „Seht! Das ist unser Gott!“
    Komm Jehova doch näher
    • Moses bedeckt sein Gesicht vor dem brennenden Dornbusch.

      KAPITEL 1

      „Seht! Das ist unser Gott!“

      1, 2. (a) Was würdest du Gott gern fragen? (b) Wonach fragte Moses Gott?

      KANNST du dir ein Gespräch mit Gott vorstellen? Schon allein der Gedanke ist überwältigend – der Souverän des Universums spricht mit dir! Erst zögerst du, aber dann bringst du es irgendwie fertig, zu antworten. Er hört dir zu, er geht auf dich ein und er gibt dir sogar das Gefühl, dass du ganz unbefangen fragen kannst, was immer du auf dem Herzen hast. Was würdest du ihn fragen?

      2 Vor langer Zeit lebte ein Mensch, der sich in genau dieser Lage befand. Es war Moses. Die Frage, die er an Gott richtete, wird dich möglicherweise überraschen. Es ging dabei nicht um ihn selbst oder um seine Zukunft und auch nicht um die trostlose Lage der Menschheit. Nein, er erkundigte sich nach Gottes Namen. Vielleicht findest du das merkwürdig, denn schließlich kannte Moses Gottes Eigennamen ja schon. Seine Frage musste somit einen tieferen Sinn gehabt haben. Tatsächlich war es die bedeutsamste Frage, die Moses überhaupt stellen konnte. Die Antwort geht uns alle an. Sie kann dich Gott ein entscheidendes Stück näher bringen. Wieso? Schalten wir uns einmal in diese außergewöhnliche Unterhaltung ein.

      3, 4. Was ging dem Gespräch zwischen Moses und Gott voraus, und worum drehte sich die Unterhaltung?

      3 Moses war 80 Jahre alt. Er hatte 40 Jahre weitab von seinem Volk zugebracht, den Israeliten, die als Sklaven in Ägypten lebten. Eines Tages, als er gerade die Herden seines Schwiegervaters hütete, sah er an einem Berg ein seltsames Phänomen. Ein Dornbusch stand in Flammen, verbrannte aber nicht. Er leuchtete einfach an dem Hang wie eine Fackel. Moses ging näher hin, um sich das Ganze genauer anzusehen. Was für einen Schreck er bekommen haben muss, als mitten aus dem Feuer eine Stimme zu ihm sprach! Durch einen Engel, der als Sprecher fungierte, führten Gott und Moses ein längeres Gespräch. Das war die bekannte Begebenheit, bei der Gott den zögernden Moses beauftragte, sein friedliches Leben aufzugeben und nach Ägypten zurückzukehren, um die Israeliten aus der Sklaverei zu befreien (2. Mose 3:1-12).

      4 Moses hätte nun jede beliebige Frage an Gott richten können. Es ist interessant, welche er sich aussuchte: „Angenommen, ich gehe zu den Israeliten und sage zu ihnen: ‚Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt‘, und sie fragen mich dann: ‚Wie ist sein Name?‘ Was soll ich ihnen antworten?“ (2. Mose 3:13).

      5, 6. (a) Welche einfache, wichtige Tatsache erfahren wir durch Moses’ Frage? (b) Was wurde dem Eigennamen Gottes angetan? (c) Warum ist es so bedeutsam, dass Gott der Menschheit seinen Namen enthüllt hat?

      5 Durch Moses’ Frage erfahren wir zunächst einmal, dass Gott einen Namen hat. Diese einfache Tatsache sollte man nicht als belanglos abtun, was leider oft geschieht. Gottes Eigenname ist in zahllosen Bibel­übersetzungen weggelassen und gegen Bezeichnungen wie „Herr“ und „Gott“ ausgetauscht worden. Das ist eines der traurigsten und schlimmsten Kapitel in der Geschichte der Religion. Denn was steht schließlich am Anfang jeder Bekanntschaft? Ist es nicht die Frage nach dem Namen? Möchte man mit Gott bekannt werden, verhält es sich ganz ähnlich. Er ist kein namenloses, auf Distanz bedachtes Wesen, das uns unbekannt und unbegreiflich bleibt. Obwohl unsichtbar, ist er eine Person mit einem Namen – Jehova.

      6 Die Tatsache, dass Gott seinen Eigennamen enthüllt, lässt außerdem auf etwas Großartiges und Begeisterndes schließen. Er bietet uns an, ihn kennenzulernen. Er möchte, dass wir in unserem Leben die beste Wahl treffen: ihm näher zu kommen. Jehova verrät uns aber nicht nur seinen Namen, sondern auch, was für eine Persönlichkeit dahintersteht.

      Die Bedeutung des Namens Gottes

      7. (a) Wie wird die Bedeutung des Namens Gottes aufgefasst? (b) Worum ging es Moses, als er Gott nach seinem Namen fragte?

      7 Gott hat sich seinen bedeutungsvollen Namen selbst ausgewählt. Die Bedeutung des Namens „Jehova“ wird als „Er lässt werden“ aufgefasst. Jehova ist ohnegleichen, denn er hat alles ins Dasein gebracht, und was immer er sich vorgenommen hat, das verwirklicht er auch. Er kann sogar seine unvollkommenen Diener zu allem werden lassen, was er möchte. Das sind erhebende Gedanken. Aber beinhaltet sein Name noch eine andere Facette? Moses wollte offensichtlich mehr erfahren. Schließlich wusste er ja schon, dass Jehova der Schöpfer ist, und kannte auch seinen Namen. Der göttliche Name war nichts Neues. Er war bereits Jahrhunderte in Gebrauch. Als Moses nach dem Namen Gottes fragte, ging es ihm darum, etwas über die Person zu erfahren, für die der Name steht. Eigentlich wollte er sagen: „Was kann ich deinem Volk Israel über dich berichten, damit es an dich glaubt und sich davon überzeugen lässt, dass du es befreien wirst?“

      8, 9. (a) Wie beantwortete Jehova Moses’ Frage, und was ist daran, wie die Antwort oft übersetzt wird, unkorrekt? (b) Was ist mit der Aussage „Ich werde, was ich werden möchte“ gemeint?

      8 Als Antwort offenbarte Jehova ein begeisterndes Merkmal seiner Persönlichkeit, das mit der Bedeutung seines Namens zusammenhängt. Er sagte zu Moses: „Ich werde, was ich werden möchte“ (2. Mose 3:14). In vielen Bibel­übersetzungen heißt es an dieser Stelle: „Ich bin, der ich bin.“ Doch genaue Wiedergaben zeigen, dass Jehova nicht lediglich seine Existenz bekräftigte. Vielmehr teilte er Moses – und im Grunde uns allen – mit, dass er zu dem „werden“ würde, was immer notwendig wäre, um seine Versprechen wahr zu machen. In der Übersetzung von J. B. Rotherham lautet die Textstelle treffend: „Ich will werden, was immer mir gefällt.“ Ein Hebraist erklärt diese Formulierung wie folgt: „Wie die Lage auch immer aussieht, welcher Bedarf auch immer besteht …, Gott wird zur Rettung ‚werden‘.“

      9 Was hieß das für die Israeliten? Egal welches Hindernis sich vor ihnen auftürmte, egal wie ausweglos ihre Lage schien, Jehova würde zu dem „werden“, was erforderlich wäre, um sie aus der Sklaverei zu befreien und in das Land der Verheißung zu bringen. Bestimmt weckte dieser Name Vertrauen zu Gott. Und dasselbe kann er bei uns heute bewirken (Psalm 9:10). Warum?

      10, 11. Wieso veranlasst uns Jehovas Name, ihn als den vielseitigsten und besten Vater zu sehen, den man sich vorstellen kann? Führe ein Beispiel an.

      10 Ein Beispiel: Eltern wissen nur zu gut, wie vielseitig und anpassungsfähig sie im Umgang mit ihren Kindern sein müssen. Im Verlauf eines einzigen Tages wird von einer Mutter manchmal verlangt, Krankenschwester, Köchin, Lehrerin, Erzieherin, Richterin und noch etliches mehr zu sein. Viele Eltern fühlen sich bei diesem großen Repertoire von Rollen, in die sie schlüpfen sollen, geradezu überfordert. Ihnen ist bewusst, dass ihre Kinder ihnen absolut vertrauen und niemals daran zweifeln: Mama oder Papa können jeden Schmerz lindern, jeden Streit schlichten, jedes Spielzeug reparieren und jede Frage, die in ihrem unendlich wissbegierigen Kopf auftaucht, beantworten. Manche Eltern fühlen sich beschämt und sind manchmal direkt frustriert, wenn sie an ihre Grenzen stoßen. Sie haben das schmerzliche Empfinden, vielen dieser Rollen nicht gewachsen zu sein.

      11 Auch Jehova ist ein liebevoller Vater. Doch es gibt nichts, was er im Rahmen seiner vollkommenen Prinzipien nicht „werden“ könnte, um für seine irdischen Kinder optimal zu sorgen. Deshalb soll uns sein Name veranlassen, ihn als den besten Vater zu sehen, den man sich vorstellen kann (Jakobus 1:17). Moses und alle anderen treuen Israeliten merkten recht schnell, dass Jehova seinem Namen gerecht wird. Sie waren tief beeindruckt, als sie beobachteten, wie er zum unbesiegbaren Befehlshaber wurde, zum Herrn über die Naturgewalten, zum Gesetzgeber, Richter, Baumeister und Versorger ohnegleichen, der ihnen Nahrung und Wasser beschaffte und bewirkte, dass sich ihre Kleider und Schuhe nicht abnutzten – und vieles mehr.

      12. Worin unterschied sich die Haltung des Pharao gegenüber Jehova von der des Moses?

      12 Gott hat also seinen persönlichen Namen mitgeteilt, begeisternde Einzelheiten über die Person dahinter offenbart und sogar bewiesen, dass alles, was er über sich selbst sagt, auch wahr ist. Ohne Frage: Gott möchte, dass wir ihn kennenlernen. Und wir? Gehen wir darauf ein? Moses jedenfalls wollte Gott kennenlernen. Dieser starke Wunsch prägte sein ganzes Leben und bewirkte, dass er seinem himmlischen Vater sehr nahekam (4. Mose 12:6-8; Hebräer 11:27). Leider hatten nur wenige seiner Zeitgenossen denselben Wunsch. Als Moses gegenüber dem Pharao den Namen Jehova erwähnte, erwiderte dieser hochmütige Monarch: „Wer ist Jehova?“ (2. Mose 5:2). Der Pharao legte keinen Wert darauf, mehr über Jehova zu erfahren. Zynisch gab er zu verstehen, dass der Gott Israels für ihn völlig unbedeutend war. Dieser Haltung begegnet man auch heute allzu oft. Sie macht die Menschen blind für eine der wichtigsten Tatsachen: Jehova ist der Souveräne Herr.

      Der Souveräne Herr Jehova

      13, 14. (a) Weshalb trägt Jehova in der Bibel viele Titel, und wie lauten einige davon? (Siehe Kasten auf Seite 14.) (b) Wieso steht es nur Jehova zu, „Souveräner Herr“ genannt zu werden?

      13 Jehova ist vielseitig und anpassungsfähig. Deshalb trägt er in der Bibel auch eine ganze Reihe von Titeln, die ihn treffend beschreiben. Sie konkurrieren aber nicht mit seinem Eigennamen, sondern machen noch deutlicher, wofür sein Name steht. Zum Beispiel wird er „Souveräner Herr Jehova“ genannt (2. Samuel 7:22). Dieser hohe Titel, der Hunderte von Malen in der Bibel vorkommt, verrät uns Jehovas Stellung. Ihm allein steht es zu, Herrscher des ganzen Universums zu sein. Sehen wir uns einmal an warum.

      14 Jehova ist einzigartig, weil er der Schöpfer ist. In Offenbarung 4:11 heißt es: „Du, unser Gott Jehova, verdienst den Ruhm, die Ehre und die Macht, weil du alles erschaffen hast und weil durch deinen Willen alles ins Dasein kam und erschaffen wurde.“ Diese feierlichen Worte könnten auf niemand anders zutreffen. Das ganze Universum hat Jehova seine Existenz zu verdanken! Als Souveräner Herr und Schöpfer aller Dinge hat Jehova eindeutig Ruhm, Ehre und Macht verdient.

      15. Warum wird Jehova als „König der Ewigkeit“ bezeichnet?

      15 Ein anderer Titel, den ausschließlich Jehova trägt, lautet „König der Ewigkeit“ (1. Timotheus 1:17; Offenbarung 15:3). Was ist damit gemeint? Es übersteigt zwar unsere Vorstellungs­kraft, doch Jehova ist in zwei Richtungen ewig: Vergangenheit und Zukunft. In Psalm 90:2 wird gesagt: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.“ Jehova hat also keinen Anfang; er war schon immer da. Passenderweise wird er der „Alte an Tagen“ genannt, denn schon eine Ewigkeit bevor irgendetwas oder irgendjemand ins Dasein kam, existierte er (Daniel 7:9, 13, 22). Wer könnte ihm je das Recht absprechen, der Souveräne Herr zu sein?

      16, 17. (a) Warum können wir Jehova nicht sehen, und warum sollte uns das nicht überraschen? (b) Wieso ist Jehova realer als alles, was wir sehen oder fühlen können?

      16 Und trotzdem stellen manche, ähnlich wie der Pharao, dieses Recht infrage. Das liegt zum Teil daran, dass der unvollkommene Mensch zu sehr auf das fixiert ist, was er mit den Augen sieht. Den Souveränen Herrn können wir nun aber nicht sehen. Er ist ein Geist und somit für Menschenaugen unsichtbar (Johannes 4:24). Davon abgesehen hätte es für einen Menschen aus Fleisch und Blut fatale Folgen, in die unmittelbare Gegenwart Gottes zu kommen. Jehova selbst sagte zu Moses: „Du kannst mein Gesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben“ (2. Mose 33:20; Johannes 1:18).

      17 Das sollte uns nicht überraschen. Moses bekam nur einen Teil der Herrlichkeit Jehovas zu sehen, offenbar stellvertretend durch einen Engel. Wie wirkte sich das aus? Es führte dazu, dass Moses’ Gesicht eine Zeit lang „Strahlen warf“. Die Israeliten hatten sogar Angst, Moses direkt anzusehen (2. Mose 33:21-23; 34:5-7, 29, 30). Ganz klar: Kein gewöhnlicher Sterblicher kann den Souveränen Herrn in all seiner Herrlichkeit anschauen. Ist er deswegen aber weniger real als das, was man sehen und fühlen kann? Nein, für uns ist vieles, was wir nicht sehen können, ohne Weiteres real – etwa Schallwellen, Gedanken oder der Wind. Hinzu kommt, dass Jehova von der Zeit unberührt bleibt. Sie geht spurlos an ihm vorüber, seien es auch Milliarden Jahre. Von daher ist er viel realer als alles, was wir fühlen oder sehen können, denn die stoffliche Welt ist dem Alterungsprozess und dem Verfall unterworfen (Matthäus 6:19). Sollten wir uns Gott aber lediglich als abstrakte, unpersönliche Kraft oder als schwer fassbaren Urgrund aller Dinge vorstellen? Schauen wir weiter.

      Ein Gott mit einer Persönlichkeit

      18. Welche Vision hatte Hesekiel, und wofür stehen die vier Gesichter der „lebenden Geschöpfe“ in der Nähe Jehovas?

      18 Wenn wir Gott auch nicht sehen können, lassen uns doch faszinierende Bibelpassagen sozusagen einen Blick in den Himmel werfen. Das erste Kapitel des Buches Hesekiel ist ein Beispiel dafür. Hesekiel erhielt eine Vision vom himmlischen Teil der Organisation Jehovas, den er als riesigen himmlischen Wagen wahrnahm. Besonders beeindruckend ist die Beschreibung der mächtigen Geistgeschöpfe in der Nähe Jehovas (Hesekiel 1:4-10). Diese „lebenden Geschöpfe“ stehen in enger Beziehung zu Jehova, und ihr Aussehen verrät uns etwas Wichtiges über den Gott, dem sie dienen. Jedes von ihnen hat vier Gesichter – das eines Stiers, eines Löwen, eines Adlers und eines Menschen. Die Gesichter stehen offensichtlich für vier Eigenschaften, die zusammengenommen die Grundlage für Jehovas Ehrfurcht einflößende Persönlichkeit bilden (Offenbarung 4:6-8, 10).

      19. Welche Eigenschaft verkörpert (a) das Stiergesicht, (b) das Löwengesicht, (c) das Adlergesicht und (d) das Menschengesicht?

      19 Stiere verkörpern in der Bibel meistens Macht, und das ist bei ihrer enormen Kraft bestimmt ein treffender Vergleich. Löwen dagegen stehen oft für Gerechtigkeit, denn wahre Gerechtigkeit erfordert Mut – eine Eigenschaft, für die Löwen bekannt sind. Von Adlern weiß man, dass sie scharfe Augen haben und selbst meilenweit entfernte winzige Ziele ausmachen können. Das Adlergesicht wäre somit ein passendes Bild für Gottes weitblickende Weisheit. Und das Menschengesicht? Der in Gottes Bild erschaffene Mensch zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, Gottes hervorstechendste Eigenschaft widerzuspiegeln: die Liebe (1. Mose 1:26). Diese Facetten der Persönlichkeit Jehovas – Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe – werden in der Bibel so häufig betont, dass man sie als Gottes Haupt­eigenschaften bezeichnen kann.

      20. Haben wir Grund zur Sorge, Jehova könnte seine Persönlichkeit geändert haben, und warum antwortest du so?

      20 Haben wir Grund zu der Sorge, Gott könnte sich in den Tausenden von Jahren seit der Niederschrift der Bibel geändert haben? Nein, Gott verändert seine Persönlichkeit nicht. Er sagt: „Ich bin Jehova, ich ändere mich nicht“ (Maleachi 3:6). Weit davon entfernt, sprunghaft zu sein, stellt sich Jehova aber dennoch auf die verschiedensten Situationen ein und erweist sich so als idealer Vater. Er lässt immer die Aspekte seiner Persönlichkeit hervortreten, die der jeweiligen Situation am besten gerecht werden. Von all seinen Eigenschaften sticht besonders die Liebe hervor. Sie bestimmt sein ganzes Tun. Gott entfaltet seine Macht, Gerechtigkeit und Weisheit mit Liebe. Die Bibel enthält eine ungewöhnliche Aussage über Gott und diese Eigenschaft. Sie sagt: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8). Bemerkenswerter­weise heißt es nicht, dass Gott Liebe hat oder dass er liebevoll ist, sondern dass Gott Liebe ist. Die Liebe, die sein ganzes Wesen ausmacht, ist die Triebkraft bei allem, was er tut.

      „Seht! Das ist unser Gott!“

      21. Wie werden wir empfinden, wenn wir Jehovas Eigenschaften besser kennenlernen?

      21 Wohl die meisten haben schon einmal beobachtet, wie ein kleines Kind freudestrahlend auf seinen Vater zeigt und voller Stolz zu jemandem sagt: „Das ist mein Papa!“ Gottes Anbeter haben allen Grund, für Jehova ganz ähnlich zu empfinden. In der Bibel wird eine Zeit vorausgesagt, in der gläubige Menschen ausrufen: „Seht! Das ist unser Gott!“ (Jesaja 25:8, 9). Je mehr Einblick wir in die Eigenschaften Jehovas gewinnen, umso stärker wird uns bewusst, dass wir den besten Vater haben, den wir uns vorstellen können.

      22, 23. Welches Bild zeichnet die Bibel von unserem himmlischen Vater, und woher wissen wir, dass er unsere Nähe wünscht?

      22 Dieser Vater ist entgegen dem, was manche Philosophen oder strenggläubigen Religionslehrer sagen, nicht kalt, gleichgültig oder unnahbar. Zu einem gefühlskalten Gott würde man sich kaum hingezogen fühlen, und in der Bibel wird unser himmlischer Vater auch nicht so dargestellt. Im Gegenteil, er wird als der „glückliche“ Gott bezeichnet (1. Timotheus 1:11). Er hat sowohl starke als auch zärtliche Gefühle. Die Bibel beschreibt zum Beispiel, wie er empfand, als seine vernunftbegabten Geschöpfe die Richtlinien missachten, die er in ihrem eigenen Interesse festgelegt hatte: „Es tat ihm im Herzen weh“ (1. Mose 6:6; Psalm 78:41). Handeln wir dagegen einsichtig und halten uns an Gottes Wort, werden wir seinem Herzen Freude machen (Sprüche 27:11).

      23 Unser Vater wünscht, dass wir ihm nah sind. In seinem Wort werden wir dazu ermutigt, ihn sozusagen zu ertasten und wirklich zu finden. „Tatsächlich ist er einem jeden von uns nicht fern“ (Apostel­geschichte 17:27). Aber wie soll es uns schwachen Menschen möglich sein, dem Souveränen Herrn des Universums näherzukommen?

  • Können wir Gott wirklich näherkommen?
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Frau denkt über das nach, was sie gerade in der Bibel gelesen hat.

      KAPITEL 2

      Können wir Gott wirklich näherkommen?

      1, 2. (a) Welche Vorstellung erscheint vielen weit hergeholt, aber was versichert uns die Bibel? (b) Welche Freundschaft wurde Abraham gewährt, und wie kam sie zustande?

      WIE wäre dir zumute, wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde von dir sagen würde: „Das ist mein Freund“? Vielen erscheint diese Vorstellung wahrscheinlich weit hergeholt. Wie sollte ein Mensch aus Fleisch und Blut je Freundschaft mit Jehova Gott schließen können? Dennoch: Die Bibel versichert uns, dass wir Gott wirklich nah sein können.

      2 Abraham, der in alter Zeit lebte, verspürte eine solche Nähe zu Gott. Jehova bezeichnete diesen Patriarchen als seinen Freund (Jesaja 41:8). Ja, er sah Abraham als einen persönlichen Freund an. Dieses enge Verhältnis kam dadurch zustande, dass Abraham an Jehova glaubte (Jakobus 2:23). Auch heute möchte Jehova mit Menschen, die ihm dienen, befreundet sein und sich ihnen liebevoll zuwenden (5. Mose 10:15). In Gottes Wort werden wir aufgefordert: „Kommt Gott näher und er wird euch näherkommen“ (Jakobus 4:8). Diese Worte enthalten sowohl eine Aufforderung als auch ein Versprechen.

      3. Wozu fordert uns Jehova auf, und welches Versprechen ist damit verbunden?

      3 Jehova fordert uns auf, ihm näherzukommen. Er möchte uns gern als Freunde gewinnen. Im Gegenzug gibt er denen, die seine Nähe suchen, ein Versprechen. Er wird ihnen näherkommen. Dadurch wird für sie etwas äußerst Kostbares erreichbar: eine „enge Freundschaft“ mit Jehova (Psalm 25:14). Der Ausdruck „enge Freundschaft“ vermittelt hier die Vorstellung von einem vertraulichen Gespräch mit einem guten Freund.

      4. Was macht einen guten Freund aus, und wie erweist sich Jehova denen, die ihm näherkommen, als ein solcher Freund?

      4 Hast du einen guten Freund, dem du dich anvertrauen kannst? So ein Freund ist jemand, der an dir interessiert ist. Du vertraust ihm, weil er seine Treue bewiesen hat. Deine Freude steigert sich, sobald du sie mit ihm teilen kannst. Während er dir verständnisvoll zuhört, erscheinen dir deine Sorgen nur noch halb so groß. Das Gefühl, nicht verstanden zu werden, hast du bei ihm nicht. Wenn du dich Gott näherst, gewinnst du einen guten Freund, der dich wirklich schätzt, der ehrlich an dir interessiert ist und der dich voll und ganz versteht (Psalm 103:14; 1. Petrus 5:7). Du vertraust ihm mit jeder Faser deines Herzens, denn du weißt, dass er mit Loyalen loyal handelt (Psalm 18:25). Diese besondere Freundschaft mit Gott ist aber nur deshalb möglich, weil er sie ermöglicht hat.

      Jehova hat den Weg geebnet

      5. Wie hat Jehova es uns ermöglicht, ihm nah zu sein?

      5 Auf uns allein gestellt, könnten wir als Sünder Gott niemals nah sein (Psalm 5:4). „Doch Gott zeigt seine eigene Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren“, schrieb der Apostel Paulus (Römer 5:8). Jehova sorgte dafür, dass Jesus „sein Leben als Lösegeld für viele“ gab (Matthäus 20:28). Unser Glaube an dieses Loskaufsopfer ermöglicht es uns, Gott nah zu sein. Dadurch, dass Gott „uns zuerst geliebt hat“, schuf er die Grundlage für eine Freundschaft mit ihm (1. Johannes 4:19).

      6, 7. (a) Woher wissen wir, dass Jehova kein verborgener, verschlossener Gott ist? (b) Wie hat sich Jehova offenbart?

      6 Jehova ging aber noch einen Schritt weiter: Er hat sich uns offenbart. Vertrautheit zwischen Freunden beruht darauf, dass man den anderen gut kennt, dass man seine Eigenschaften und sein Verhalten schätzt. Wäre Jehova also ein verborgener, verschlossener Gott, könnten wir ihm niemals nah sein. Doch es liegt ihm fern, sich zu verbergen. Er möchte, dass wir ihn kennenlernen (Jesaja 45:19). Davon abgesehen ist das, was er über sich offenbart, allen zugänglich, selbst denen, die sich auf der Schattenseite des Lebens befinden (Matthäus 11:25).

      Collage: Wie sich Jehova zu erkennen gibt. 1. Eine Blume und ein Schmetterling. 2. Ein Sonnenuntergang an einem Strand. 3. Eine aufgeschlagene Bibel.

      Jehova offenbart sich durch seine Schöpfungswerke und sein geschriebenes Wort

      7 Wie hat sich Jehova uns offenbart? Seine Schöpfungswerke zeugen von bestimmten Merkmalen seiner Persönlichkeit – seiner enormen Macht, seiner unendlichen Weisheit, seiner tiefen Liebe (Römer 1:20). Jehova gibt sich aber nicht nur durch das, was er erschaffen hat, zu erkennen. Da er großen Wert darauf legt, sich mitzuteilen, hat er sich in seinem Wort, der Bibel, schriftlich offenbart.

      Wie Jehova sich in seinem Wort offenbart

      8. Warum ist die Bibel an sich schon ein Beweis, dass Jehova uns liebt?

      8 Die Bibel an sich ist schon ein Beweis, dass Jehova uns liebt. In seinem Wort offenbart er sich in Begriffen, die für uns verständlich sind. Daran erkennen wir, dass er uns liebt, aber nicht nur das, sondern er wünscht auch, dass wir ihn kennenlernen und lieben. Was wir in diesem wertvollen Buch lesen, bringt uns ihm näher (Psalm 1:1-3). Befassen wir uns nun mit einigen ergreifenden Beispielen dafür, wie Jehova sich in seinem Wort offenbart.

      9. Welche direkten Aussagen macht die Bibel unter anderem über Gottes Eigenschaften?

      9 Die Bibel enthält viele direkte Aussagen über Gottes Eigenschaften. Hier einige Beispiele: „Jehova liebt das Recht“ (Psalm 37:28). Gott ist „erhaben an Macht“ (Hiob 37:23). „‚Ich bin loyal‘, erklärt Jehova“ (Jeremia 3:12). „Er hat ein weises Herz“ (Hiob 9:4). Er ist „ein Gott, der barmherzig und mitfühlend ist, der nicht schnell zornig wird und reich ist an loyaler Liebe und Wahrheit“ (2. Mose 34:6). „Du, o Jehova, bist … gut und vergibst gern“ (Psalm 86:5). Und wie im vorigen Kapitel erwähnt, sticht eine Eigenschaft besonders hervor: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8). Fühlst du dich, wenn du über solche ansprechenden Eigenschaften nachdenkst, nicht zu diesem unvergleichlichen Gott hingezogen?

      10, 11. (a) Was hat Jehova in seinem Wort festgehalten, um uns seine Persönlichkeit näherzubringen? (b) Welcher biblische Bericht gibt uns eine lebhafte Vorstellung von Gottes Macht?

      10 Jehova teilt uns seine Eigenschaften aber nicht nur mit, sondern er hat in seinem Wort liebevollerweise auch konkrete Beispiele dafür festgehalten, wie diese Eigenschaften in der Praxis aussehen. Solche Berichte lassen vor unseren Augen Bilder lebendig werden, die uns die verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit verdeutlichen und uns helfen, ihm näherzukommen. Greifen wir einen Bericht heraus.

      Die Bibel hilft uns, Jehova näherzukommen

      11 Es ist beeindruckend, zu lesen, dass Gott „Ehrfurcht einflößende Macht“ besitzt (Jesaja 40:26). Eine viel größere Wirkung hat es jedoch, wenn wir erfahren, wie er die Israeliten durch das Rote Meer geführt und dann vierzig Jahre lang in der Wildnis versorgt hat. Du siehst vor dir, wie sich die Wassermassen teilen. Du malst dir aus, wie das Volk – alles in allem an die drei Millionen Menschen – über den trockenen Meeresboden zieht, während sich das Wasser zu beiden Seiten auftürmt (2. Mose 14:21; 15:8). Du erkennst Beweise für Gottes fürsorglichen Schutz in der Wildnis. Wasser sprudelte aus dem Felsen hervor. Nahrung, die wie weißer Samen aussah, bildete sich auf dem Boden (2. Mose 16:31; 4. Mose 20:11). Jehova demonstrierte hier nicht nur, dass er Macht hat, sondern auch, dass er sie für sein Volk einsetzt. Ist es nicht beruhigend, zu wissen, dass unsere Gebete zu einem mächtigen Gott aufsteigen, der „unsere Zuflucht und Stärke“ ist und „eine Hilfe, die in der Not leicht zu finden ist“? (Psalm 46:1).

      12. Wie hilft uns Jehova durch verständliche Begriffe, ihn zu „sehen“?

      12 Jehova, der ja ein Geist ist, hat noch mehr getan, damit wir ihn besser kennenlernen können. Als Menschen sind wir stark auf sichtbare Realitäten angewiesen und können in geistige Bereiche keinen Einblick nehmen. Würde Gott sich in geistigen Begriffen schildern, wäre das ungefähr so, als würden wir jemandem, der von Geburt an blind ist, unsere Augenfarbe, unsere Sommersprossen oder andere Einzelheiten unseres Aussehens beschreiben. In seiner Güte hilft uns Jehova durch verständliche Begriffe, ihn zu „sehen“. Manchmal greift er zu Metaphern und Vergleichen, die uns geläufig sind. Er schildert sich sogar so, als hätte er menschliche Merkmale.a

      13. Welches Bild ruft Jesaja 40:11 in deiner Vorstellung wach, und wie berührt es dich?

      13 Sehen wir uns einmal an, wie Jehova in Jesaja 40:11 beschrieben wird: „Wie ein Hirte wird er sich um seine Herde kümmern. Mit seinem Arm wird er die Lämmer zusammenbringen und an seiner Brust wird er sie tragen.“ Jehova wird hier mit einem Hirten verglichen, der mit „seinem Arm“ Lämmer hochhebt. Das zeigt, dass Gott sein Volk beschützen und stärken kann – auch die besonders Verletzlichen. In seinen starken Armen können wir uns geborgen fühlen, denn solange wir ihm treu sind, wird er uns nie verlassen (Römer 8:38, 39). Der große Hirte trägt die Lämmer „an seiner Brust“ – ein Ausdruck, der sich auf die weiten Falten des Obergewands bezieht, in denen Hirten manchmal neugeborene Lämmer trugen. Wir können also sicher sein, dass Jehova liebevoll und behutsam mit uns umgeht. Es ist deshalb etwas ganz Natürliches, ihm nah sein zu wollen.

      „Der Sohn [möchte] ihn offenbaren“

      14. Wieso kann man sagen, dass sich Jehova am deutlichsten durch Jesus offenbart?

      14 Am deutlichsten offenbart sich Jehova in der Bibel durch seinen geliebten Sohn Jesus. Niemand könnte Gottes Gedanken und Gefühle genauer widerspiegeln oder Gott lebendiger schildern als Jesus. Immerhin lebte er als erstgeborener Sohn schon an der Seite seines Vaters, bevor die anderen Geistgeschöpfe und das Universum erschaffen wurden (Kolosser 1:15). Jesus war mit Jehova bestens vertraut. Deswegen konnte er auch sagen: „Niemand weiß, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren möchte“ (Lukas 10:22). Während Jesus als Mensch auf der Erde lebte, offenbarte er seinen Vater im Wesentlichen auf zweierlei Weise.

      15, 16. Durch welche zwei Vorgehensweisen offenbarte Jesus seinen Vater?

      15 Zum einen helfen uns Jesu Lehren, seinen Vater kennenzulernen. Jesus beschrieb Jehova mit ergreifenden Worten. Um beispielsweise den barmherzigen Gott zu schildern, der bereuenden Sündern die Hand reicht, verglich er Jehova mit einem versöhnlichen Vater, der bei der Rückkehr seines reumütigen Sohnes so tief bewegt ist, dass er ihm entgegenläuft, ihm um den Hals fällt und ihn liebevoll küsst (Lukas 15:11-24). Jesus beschrieb Jehova auch als einen Gott, der Menschen mit der richtigen Herzens­einstellung zu sich „zieht“, weil er jeden einzelnen von ihnen liebt (Johannes 6:44). Ihm entgeht es nicht einmal, wenn ein kleiner Spatz zur Erde fällt. „Keine Angst“, erklärte Jesus. „Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“ (Matthäus 10:29, 31). Zu einem so warmherzigen Gott muss man sich einfach hingezogen fühlen.

      16 Zum anderen lernen wir durch Jesu Beispiel viel über Jehova. Jesus spiegelte seinen Vater so perfekt wider, dass er sagen konnte: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“ (Johannes 14:9). Wenn wir in den Evangelien also etwas über Jesus lesen – welche Gefühle er zeigte und wie er mit anderen umging –, haben wir gewissermaßen ein lebendiges Porträt seines Vaters vor uns. Jehova hätte uns seine Eigenschaften wohl kaum deutlicher offenbaren können. Wieso?

      17. Veranschauliche, wie Jehova vorgegangen ist, damit wir seine Persönlichkeit besser begreifen können.

      17 Angenommen, du solltest erklären, was Güte ist. Du könntest den Begriff mit Worten definieren. Wenn du aber auf eine gütige Tat hinweisen und sagen kannst: „Das ist ein Beispiel für Güte“, dann gewinnt dieser Begriff gleich an Bedeutung und ist leichter zu verstehen. Jehova ist ähnlich vorgegangen, damit wir seine Persönlichkeit besser erfassen können. Er hat sich einerseits mit Worten beschrieben, uns andererseits aber auch das lebendige Beispiel seines Sohnes gegeben. An Jesus zeigen sich die Eigenschaften Gottes in Aktion. Durch die Evangelien­berichte, in denen uns Jesus begegnet, sagt Jehova praktisch: „So bin ich.“ Wie schildert der inspirierte Bericht Jesus während seines Lebens auf der Erde?

      18. Wie kommen die Eigenschaften Macht, Gerechtigkeit und Weisheit durch Jesus zum Tragen?

      18 Die vier Haupt­eigenschaften Gottes kommen durch Jesus sehr schön zum Tragen. Jesus hatte Macht über Krankheiten, Hunger und sogar den Tod. Doch im Gegensatz zu Menschen, die ihre Macht oft egoistisch ausnutzen, gebrauchte er seine Wunderkräfte nie für sich selbst oder um anderen zu schaden (Matthäus 4:2-4). Er liebte Gerechtigkeit. Als er beobachtete, wie die Händler das Volk ausbeuteten, packte ihn gerechter Zorn (Matthäus 21:12, 13). Er behandelte die Armen und Unterdrückten unparteiisch und ließ sie „neue Kraft gewinnen“ (Matthäus 11:4, 5, 28-30). Unvergleichliche Weisheit kennzeichnete die Lehren Jesu, denn er war bedeutender als Salomo (Matthäus 12:42). Doch Jesus stellte seine Weisheit nie zur Schau. Was er sagte, ging einfachen Menschen zu Herzen, weil seine Lehren klar, leicht verständlich und aus dem Leben gegriffen waren.

      19, 20. (a) Wieso zeichnete sich Jesus durch außergewöhnliche Liebe aus? (b) Was sollten wir uns vor Augen halten, während wir von Jesus lesen und über ihn nachdenken?

      19 Jesus zeichnete sich zudem durch außergewöhnliche Liebe aus. Während seiner gesamten Tätigkeit brachte er die Liebe in ihren vielen Facetten zum Ausdruck, ja er war einfühlsam und mitfühlend. Er konnte andere nicht leiden sehen, ohne Mitleid zu empfinden. Dieses Mitgefühl trieb ihn immer und immer wieder zum Handeln an (Matthäus 14:14). Davon abgesehen, dass er Kranke heilte und Hungrigen zu essen gab, zeigte er auf noch viel bedeutsamere Weise Mitleid. Er half anderen, die Wahrheit über Gottes Königreich kennenzulernen, sie anzunehmen und zu lieben, was ihnen langfristige Segnungen in Aussicht stellte (Markus 6:34; Lukas 4:43). Und vor allem bewies er dadurch, dass er sein Leben freiwillig für andere gab, aufopferungsvolle Liebe (Johannes 15:13).

      20 Ist es da ein Wunder, dass sich Menschen jeden Alters und unterschied­lichster Herkunft zu diesem Menschen hingezogen fühlten, der so große Wärme und Gefühlstiefe ausstrahlte? (Markus 10:13-16). Während wir von Jesus lesen und über das nachdenken, was er uns vorgelebt hat, sollten wir uns jedoch immer vor Augen halten, dass wir in ihm das Spiegelbild seines Vaters sehen (Hebräer 1:3).

      Ein Studien­hilfsmittel für uns

      21, 22. Was heißt es, Jehova zu suchen, und wie ist dieses Studien­hilfsmittel aufgebaut, um uns dabei behilflich zu sein?

      21 Nachdem sich Jehova in seinem Wort so deutlich offenbart hat, gibt es keinen Zweifel, dass er unsere Nähe wünscht. Gleichzeitig zwingt er uns aber auch nicht, uns um seine Gunst zu bemühen. Es liegt an uns, Jehova zu suchen, „während er sich finden lässt“ (Jesaja 55:6). Jehova zu suchen heißt unter anderem, seine Eigenschaften und seine Handlungsweise durch die Bibel kennenzulernen. Das vorliegende Studien­hilfsmittel soll dabei behilflich sein.

      22 Es gliedert sich in mehrere Abschnitte, die sich auf die vier Haupt­eigenschaften Jehovas konzentrieren: Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Überblick über die jeweilige Eigenschaft. In den anschließenden Kapiteln wird erörtert, wie Jehova diese Eigenschaft mit ihren verschiedenen Aspekten entfaltet. Zwei weitere Kapitel befassen sich damit, wie uns Jesus diese Eigenschaft vorlebte und wie wir sie selbst ausleben können.

      23, 24. (a) Erkläre, worauf die „Fragen zum Nachdenken“ abzielen. (b) Wieso bringt uns tiefes Nachdenken Gott noch näher?

      23 Ab hier erscheint in jedem Kapitel ein spezieller Kasten mit „Fragen zum Nachdenken“. Sieh dir hierzu den Kasten auf dieser Seite an. Die Bibelstellen und Fragen sind nicht als Wiederholung des Kapitels gedacht. Sie sollen dir helfen, über andere wichtige Gesichtspunkte des Themas nachzudenken. Wie kannst du sie am wirkungsvollsten nutzen? Am besten, du schlägst jede angeführte Textstelle nach und liest dir die Verse sorgfältig durch. Die dazugehörige Frage soll dich zum Nachdenken anregen. Du könntest außerdem selbst Nachforschungen anstellen. Es wäre auch gut, wenn du dir noch über zusätzliche Fragen Gedanken machen würdest: „Was erfahre ich durch diese Informationen über Jehova? Wie wird mein Leben davon berührt? Wie kann ich anderen damit helfen?“

      24 Solche Überlegungen können uns Jehova noch näher bringen. Wieso? Die Bibel lässt erkennen, dass tiefes Nachdenken eine Sache des Herzens ist (Psalm 19:14). Wenn wir dankbar über das nachdenken, was wir über Gott lernen, dringen diese Informationen in unser sinnbildliches Herz ein, wo sie unser Denken beeinflussen, unser Gefühl ansprechen und uns letztlich zum Handeln motivieren. Unsere Liebe zu Gott wird tiefer und drängt uns, ihm als unserem besten Freund gefallen zu wollen (1. Johannes 5:3). Um eine solche Beziehung aufbauen zu können, müssen wir uns mit Jehovas Eigenschaften und seiner Handlungsweise vertraut machen. Als Erstes möchten wir aber einen Aspekt der Persönlichkeit Gottes untersuchen, der uns einen starken Anreiz gibt, ihm näherzukommen: seine Heiligkeit.

      a Die Bibel spricht unter anderem von Gottes Gesicht, seiner Nase, seinem Mund, seinen Augen, Ohren, Armen und Füßen (Psalm 18:15; 27:8; 44:3; Jesaja 60:13; Matthäus 4:4; 1. Petrus 3:12). Diese bildhaften Ausdrücke sind, genau wie die Bezugnahmen auf Jehova als „Fels“ oder „Schild“, nicht wörtlich aufzufassen (5. Mose 32:4; Psalm 84:11).

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 15:1-5 Was erwartet Jehova von jemandem, der sein Freund sein möchte?

      • Psalm 34:1-18 Wem ist Jehova nahe, und worauf können diejenigen vertrauen?

      • Psalm 145:18-21 Wie können wir Jehova näherkommen?

      • 2. Korinther 6:14 bis 7:1 Was ist unerlässlich, wenn wir ein enges Verhältnis zu Jehova bewahren möchten?

  • „Heilig, heilig, heilig ist Jehova“
    Komm Jehova doch näher
    • Ein schöner Wasserfall, umgeben von hohen Bäumen und Bergen.

      KAPITEL 3

      „Heilig, heilig, heilig ist Jehova“

      1, 2. Was für eine Vision hatte der Prophet Jesaja, und was erfahren wir dadurch über Jehova?

      JESAJA war von dem Anblick überwältigt: eine Vision von Gott. Sie wirkte auf ihn so real, dass er später schrieb, er habe Jehova mit eigenen Augen auf seinem hohen Thron gesehen. Der Saum seines Gewandes füllte den riesigen Tempel in Jerusalem (Jesaja 6:1, 2).

      2 Jesaja war auch von dem, was er hörte, beeindruckt: ein so machtvoller Gesang, dass die Fundamente des Tempels erbebten. Es waren Seraphim, die da sangen – Geistgeschöpfe von hohem Rang. In klangvoller Harmonie ertönten schlichte und zugleich feierliche Worte: „Heilig, heilig, heilig ist Jehova, der Herr der Heere. Die ganze Erde ist von seiner Herrlichkeit erfüllt“ (Jesaja 6:3, 4). Dadurch, dass das Wort „heilig“ drei Mal gesungen wurde, erhielt es besonderen Nachdruck, und das mit Recht, denn Jehova ist an Heiligkeit nicht zu übertreffen (Offenbarung 4:8). Jehovas Heiligkeit wird in der ganzen Bibel betont. In Hunderten von Textstellen kommt sein Name zusammen mit den Wörtern „heilig“ oder „Heiligkeit“ vor.

      3. Welche irrigen Ansichten über Jehovas Heiligkeit führen dazu, dass sich viele von Gott abwenden, statt seine Nähe zu suchen?

      3 Seine Heiligkeit ist mit das Wichtigste, was uns Jehova über sich begreiflich machen möchte. Heutzutage schrecken allerdings viele genau davor zurück. Manche verwechseln Heiligkeit mit Selbst­gerechtigkeit oder Frömmelei. Auf Menschen mit einem negativen Selbstbild wirkt Gottes Heiligkeit womöglich eher beängstigend als anziehend. Oft halten sie sich für viel zu unwürdig, als dass sie diesem heiligen Gott näherkommen könnten. Deshalb wenden sich etliche gerade wegen seiner Heiligkeit von ihm ab. Das ist bedauerlich, denn Gottes Heiligkeit sollte uns eigentlich drängen, seine Nähe zu suchen. Wieso? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns zunächst einmal ansehen, was echte Heiligkeit ist.

      Was ist Heiligkeit?

      4, 5. (a) Was bedeutet Heiligkeit, und was ist nicht damit gemeint? (b) In welchen zwei wichtigen Punkten ist Jehova „getrennt“?

      4 Gottes Heiligkeit bedeutet nicht, dass er selbstgefällig oder hochmütig wäre oder andere gering schätzen würde. Im Gegenteil, er hasst solche Eigenschaften (Sprüche 16:5; Jakobus 4:6). Was ist mit „heilig“ dann gemeint? Im biblischen Hebräisch leitet sich dieses Wort von einem Ausdruck her, der „getrennt“ bedeutet. Bei der Anbetung bezeichnet „heilig“ etwas, was vom gewöhnlichen Gebrauch getrennt ist oder heilig gehalten wird. Das Wort „Heiligkeit“ vermittelt auch stark die Vorstellung von Reinheit. Was bedeutet Heiligkeit auf Jehova angewandt? Ist er „getrennt“ von unvollkommenen Menschen, also weit entfernt von uns?

      5 Auf keinen Fall. Als „der Heilige Israels“ versicherte Jehova seinem Volk: „Ich bin … in deiner Mitte“, und das obwohl es so sündig war (Jesaja 12:6; Hosea 11:9). Seine Heiligkeit rückt ihn also nicht in die Ferne. In welcher Hinsicht ist er dann „getrennt“? In zwei wichtigen Punkten. Erstens ist er deshalb von der gesamten Schöpfung getrennt, weil er allein der Höchste ist. Er ist unendlich rein, ja absolut rein (Psalm 40:5; 83:18). Zweitens ist Jehova getrennt von aller Sündhaftigkeit, und das ist ein beruhigender Gedanke. Warum?

      6. Wieso ist es ein Trost für uns, dass Jehova von aller Sündhaftigkeit getrennt ist?

      6 Wir leben in einer Welt, in der echte Heiligkeit eine Seltenheit ist. Alles an der von Gott entfremdeten menschlichen Gesellschaft ist irgendwie verunreinigt, mit Sünde und Unvollkommenheit behaftet. Wir alle müssen gegen unsere sündige Natur ankämpfen. Und wir alle laufen Gefahr, von der Sünde besiegt zu werden, wenn wir nicht aufpassen (Römer 7:15-25; 1. Korinther 10:12). Für Jehova besteht da keine Gefahr. Weit entfernt von aller Sündhaftigkeit, wird er sich auch nicht mit der leisesten Spur von Sünde beflecken. Das bekräftigt unseren Eindruck von Jehova als einem idealen Vater, denn es bedeutet, dass er absolut zuverlässig ist. Im Unterschied zu vielen menschlichen Vätern würde Jehova niemals jemand betrügen, verletzen oder misshandeln. Seine Heiligkeit macht das ganz und gar unmöglich. Jehova hat gelegentlich sogar bei seiner Heiligkeit geschworen, denn nichts könnte verlässlicher sein (Amos 4:2). Ist das nicht ermutigend?

      7. Warum kann man sagen, dass Heiligkeit ein Wesensmerkmal Jehovas ist?

      7 Heiligkeit ist ein Wesensmerkmal Jehovas. Was heißt das? So wie wir Menschen in unserem ganzen Sein und Verhalten von Unvollkommenheit geprägt sind, so ist Jehovas ganzes Wesen und Verhalten von Heiligkeit geprägt. Er ist durch und durch heilig, rein und aufrichtig. Wir können Jehova nicht so kennenlernen, wie er wirklich ist, ohne uns mit dem inhaltsschweren Wort „heilig“ auseinander­zu­setzen.

      „Heiligkeit gehört Jehova“

      8, 9. Was zeigt, dass Jehova unvollkommenen Menschen hilft, in relativem Sinne heilig zu werden?

      8 Da Jehova die Heiligkeit verkörpert, kann man mit Recht sagen, dass er die Quelle aller Heiligkeit ist. Er beansprucht diese wertvolle Eigenschaft nicht für sich allein, sondern gibt großzügig davon ab. Als Gott an dem brennenden Busch durch einen Engel mit Moses sprach, wurde dort sogar der Boden heilig, weil eine Verbindung zu Jehova da war (2. Mose 3:5).

      9 Können unvollkommene Menschen mit Jehovas Hilfe heilig werden? In relativem Sinne schon. Gott stellte seinem Volk Israel in Aussicht, „eine heilige Nation“ zu werden (2. Mose 19:6). Er segnete das Volk mit einem heiligen und reinen System der Anbetung. Heiligkeit ist im mosaischen Gesetz ein häufig wiederkehrendes Thema. Der Hohe Priester trug ein goldenes Stirnblatt an seinem Turban, das man im Licht glänzen sah. Darauf waren die Worte eingraviert: „Heiligkeit gehört Jehova“ (2. Mose 28:36). Die Anbetung und auch die Lebensweise der Israeliten sollte sich somit durch ein hohes Niveau an Reinheit auszeichnen. Jehova sagte zu ihnen: „Ihr sollt heilig sein, weil ich, Jehova, euer Gott, heilig bin“ (3. Mose 19:2). Solange sich die Israeliten so weit an Gottes Anweisungen hielten, wie es unvollkommenen Menschen möglich ist, waren sie in relativem Sinne heilig.

      10. Welcher Kontrast bestand zwischen dem alten Israel und den umliegenden Völkern, was die Heiligkeit anging?

      10 Diese Betonung der Heiligkeit bildete einen starken Kontrast zu den Kulten der umliegenden Völker. Diese heidnischen Völker beteten Götter an, deren Existenz Lug und Trug war – Götter, die als gewalttätig, gierig und triebhaft dargestellt wurden. Sie waren in jeder nur erdenklichen Hinsicht unheilig. Die Anbetung solcher Götter machte auch die Menschen unheilig. Deshalb ermahnte Jehova seine Diener, sich von Götzenanbetern und ihren unreinen religiösen Bräuchen getrennt zu halten (3. Mose 18:24-28; 1. Könige 11:1, 2).

      11. Wie zeigt sich die Heiligkeit des himmlischen Teils der Organisation Jehovas an (a) den Engeln, (b) den Seraphim und an (c) Jesus?

      11 Jehovas auserwähltes Volk, das alte Israel, konnte die Heiligkeit des himmlischen Teils der Organisation Gottes allenfalls ganz schwach widerstrahlen. Die Millionen von Geistgeschöpfen, die Gott treu dienen, werden indessen als seine „heiligen Myriaden“ bezeichnet (5. Mose 33:2; Judas 14). Sie spiegeln die strahlende, reine Schönheit der Heiligkeit Gottes perfekt wider. Oder denken wir an die Seraphim, die Jesaja in seiner Vision sah. Der Inhalt ihres Liedes deutet darauf hin, dass diese mächtigen Geistgeschöpfe eine wichtige Rolle dabei spielen, Jehovas Heiligkeit im ganzen Universum bekannt zu machen. Ein bestimmtes Geistgeschöpf steht jedoch über allen anderen: der einziggezeugte Sohn Gottes. Er strahlt die Heiligkeit Jehovas in höchstem Maße wider. Ganz treffend gilt er als der „Heilige Gottes“ (Johannes 6:68, 69).

      Heiliger Name, heiliger Geist

      12, 13. (a) Warum wird Gottes Name zu Recht als heilig bezeichnet? (b) Wieso muss Gottes Name von allen Anschuldigungen befreit werden?

      12 Was ist über den Namen Gottes zu sagen? Wie im ersten Kapitel dieses Buches erwähnt, ist dieser Name nicht bloß ein Titel oder Etikett. Er repräsentiert Jehova Gott und alle seine Eigenschaften. Deshalb heißt es in der Bibel, dass sein „Name heilig ist“ (Jesaja 57:15). Im mosaischen Gesetz war es ein Kapitalverbrechen, über den Namen Gottes zu lästern (3. Mose 24:16). Beachtenswert ist auch, was nach Jesu Worten im Gebet oberste Priorität hat: „Unser Vater im Himmel, dein Name soll geheiligt werden“ (Matthäus 6:9). Etwas zu heiligen bedeutet, es als heilig abzusondern und zu verehren – es heilig zu halten. Aber warum muss etwas so durch und durch Reines wie Gottes Eigenname geheiligt werden?

      13 Gottes heiliger Name ist entweiht und durch Lügen und Verleumdungen in den Schmutz gezogen worden. Im Garten Eden erzählte Satan Lügen über Jehova und unterstellte ihm, ein ungerechter Herrscher zu sein (1. Mose 3:1-5). Seitdem hat Satan – der die heutige unheilige Welt regiert – eine Unmenge Lügen über Gott in Umlauf gebracht (Johannes 8:44; 12:31; Offenbarung 12:9). Verschiedene Religionen stellen Gott als launenhaft, unnahbar oder grausam hin. Sie behaupten, ihre blutigen Kriege hätten seine Unterstützung. Gottes geniale Schöpfungswerke werden oft dem blinden Zufall oder der Evolution zugeschrieben. Ja, Gottes Name wird übel verleumdet. Er muss geheiligt werden, muss seine verdiente Ehre zurückerhalten. Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem Jehova seinen Namen ein für alle Mal von sämtlichen Anschuldigungen befreien wird. Das wird durch das Königreich erreicht, an dessen Spitze Jesus steht. Wir empfinden es als große Ehre, wenn wir irgendwie zur Heiligung des Namens Gottes beitragen können.

      14. Warum wird Gottes Geist als heilig bezeichnet, und weshalb ist es so schwerwiegend, gegen den heiligen Geist zu lästern?

      14 Noch etwas, was untrennbar mit Jehova verbunden ist, wird fast ausnahmslos als heilig bezeichnet: sein Geist oder seine aktive Kraft (1. Mose 1:2). Jehova gebraucht diese unbezwingbare Kraft, um seine Vorsätze zu verwirklichen. Gottes Vorgehensweise ist immer heilig und rein, weshalb seine aktive Kraft passenderweise als heiliger Geist oder Geist der Heiligkeit bezeichnet wird (Lukas 11:13; Römer 1:4). Gegen den heiligen Geist zu lästern, was einschließen würde, Jehovas Vorsätzen bewusst entgegenzuarbeiten, ist eine unvergebbare Sünde (Markus 3:29).

      Warum Jehovas Heiligkeit anziehend auf uns wirkt

      15. Warum ist Ehrfurcht vor Gott oder Gottesfurcht eine angebrachte Reaktion auf Jehovas Heiligkeit, und was ist mit dieser Ehrfurcht gemeint?

      15 Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum in der Bibel die Heiligkeit Gottes mit Ehrfurcht vor ihm oder Gottesfurcht in Verbindung gebracht wird. So heißt es in Psalm 99:3: „Deinen großen Namen sollen sie preisen, denn er ist Ehrfurcht einflößend und heilig.“ Diese Ehrfurcht ist ein tief empfundenes Gefühl von Verehrung und Bewunderung – Respekt in edelster Form. So zu empfinden ist völlig angebracht, denn Gottes Heiligkeit steht weit über uns. Sie ist strahlend rein und prachtvoll. Und doch sollte sie nicht abschreckend auf uns wirken. Im Gegenteil, die richtige Ansicht über Gottes Heiligkeit wird uns ihm näherbringen. Weshalb?

      16. (a) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Heiligkeit und Herrlichkeit oder Schönheit? Nenne ein Beispiel. (b) Wie werden in den Visionen von Jehova Reinheit und Licht hervorgehoben?

      16 Die Bibel bringt Heiligkeit mit Schönheit in Zusammenhang. Jesaja 63:15 beschreibt den Himmel als Gottes „erhabenen Wohnsitz der Heiligkeit und Herrlichkeit [oder „Schönheit“, Fußnote]“. Herrlichkeit und Schönheit wirken auf uns anziehend. Sieh dir zum Beispiel das Bild auf Seite 33 an. Fühlst du dich von dieser Umgebung nicht angezogen? Was macht ihren Reiz aus? Ist dir aufgefallen, wie klar das Wasser aussieht? Auch die Luft muss rein sein, denn der Himmel ist blau und das Licht glitzert richtig. Wäre dieses Bild jetzt verändert – der Fluss voller Abfälle, die Bäume und Felsen mit Graffiti verunstaltet, die Luft mit Smog verpestet –, würden wir uns davon nicht mehr angezogen, sondern abgestoßen fühlen. Wir bringen Schönheit oder Herrlichkeit fast automatisch mit Reinheit und Licht in Verbindung. Mit denselben Wörtern lässt sich auch Jehovas Heiligkeit beschreiben. Kein Wunder, dass uns visionäre Beschreibungen Jehovas begeistern! Strahlend hell, funkelnd wie Edelsteine, glühend wie Feuer oder wie reine, blinkende Edelmetalle – so wirkt die Herrlichkeit oder Schönheit unseres heiligen Gottes (Hesekiel 1:25-28; Offenbarung 4:2, 3).

      So wie Schönheit sollte auch Heiligkeit anziehend auf uns wirken

      17, 18. (a) Wie wurde Jesaja von seiner Vision zunächst berührt? (b) Wie tröstete ihn Jehova, und welche Bedeutung hatte das Vorgehen des Seraphs?

      17 Sollten wir uns angesichts der Heiligkeit Gottes unterlegen fühlen? Selbst­verständlich. Schließlich sind wir Jehova ja unterlegen – und das ist noch eine kolossale Untertreibung. Entsteht dadurch aber eine unüberbrückbare Distanz? Interessant ist Jesajas Reaktion, als er hörte, wie die Seraphim Jehovas Heiligkeit verkündeten. „‚Wehe mir!‘, sagte ich. ‚Ich bin so gut wie tot, denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten unter einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König gesehen, Jehova, den Herrn der Heere, höchstpersönlich!‘“ (Jesaja 6:5). Die unermessliche Heiligkeit Jehovas erinnerte Jesaja daran, wie sündig und unvollkommen er war. Dieser treue Mann war zunächst einmal nieder­geschmettert. Doch Jehova ließ ihn nicht in diesem Zustand.

      18 Der Prophet wurde augenblicklich von einem Seraph getröstet. Wie? Der mächtige Geist flog zum Altar, holte eine Kohle und berührte damit Jesajas Lippen. Das hört sich vielleicht eher nach einem schmerzlichen als nach einem tröstlichen Erlebnis an. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es sich um eine Vision voller Symbolik handelte. Jesaja, ein treuer Jude, wusste genau, dass auf dem Tempelaltar tagtäglich Opfer zur Sündensühnung dargebracht wurden. Und der Seraph erinnerte ihn liebevoll daran, dass er vor Gott rein dastehen konnte, obwohl er „unreine Lippen“ hatte, also unvollkommen war.a Jehova war bereit, einen unvollkommenen, sündigen Menschen als heilig anzusehen – zumindest in relativem Sinne (Jesaja 6:6, 7).

      19. Wie ist es uns möglich, trotz unserer Unvollkommenheit in relativem Sinne heilig zu sein?

      19 Genauso ist es heute. All die Opfer, die auf dem Altar in Jerusalem dargebracht wurden, waren nur Schatten von etwas Größerem – dem einen vollkommenen Opfer, das Jesus Christus im Jahr 33 u. Z. darbrachte (Hebräer 9:11-14). Wenn wir unsere Sünden ehrlich bereuen, unsere verkehrte Handlungsweise korrigieren und Glauben an dieses Opfer beweisen, wird uns vergeben (1. Johannes 2:2). Auch wir können vor Gott rein dastehen. Der Apostel Petrus erinnert uns daran, dass „in den Schriften steht: ‚Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin‘“ (1. Petrus 1:16). Jehova sagte wohlgemerkt nicht, wir sollten so heilig sein wie er. Er würde nie etwas Unmögliches von uns verlangen (Psalm 103:13, 14). Nein, er fordert uns auf, heilig zu sein, weil er heilig ist. Als „geliebte Kinder“ versuchen wir ihn nachzuahmen, so gut es uns unvollkommenen Menschen möglich ist (Epheser 5:1). Heiligkeit zu erreichen ist somit ein fortlaufender Prozess. Während wir geistig wachsen, arbeiten wir Tag für Tag daran, „völlige Heiligkeit“ anzustreben (2. Korinther 7:1).

      20. (a) Warum ist das Bewusstsein wichtig, dass wir in den Augen unseres heiligen Gottes rein sein können? (b) Wie berührte es Jesaja, zu erfahren, dass seine Sünden gesühnt waren?

      20 Jehova liebt alles, was rechtschaffen und rein ist. Er hasst Sünde (Habakuk 1:13). Aber uns hasst er nicht. Solange wir über Sünden genauso denken wie er – das Schlechte hassen, das Gute lieben – und uns bemühen, in Jesu Christi vollkommene Fußspuren zu treten, verzeiht uns Jehova unsere Sünden (Amos 5:15; 1. Petrus 2:21). Das Bewusstsein, dass wir in den Augen unseres heiligen Gottes rein sein können, hat tiefgreifende Auswirkungen. Jehovas Heiligkeit machte Jesaja zunächst seine eigene Unreinheit bewusst. „Wehe mir!“, klagte er. Aber sowie ihm klar wurde, dass seine Sünden gesühnt waren, eröffnete sich ihm eine neue Perspektive. Als Jehova einen Freiwilligen für einen Auftrag suchte, reagierte er sofort, obwohl er noch gar nicht wusste, worum es ging. Er rief: „Hier bin ich! Sende mich!“ (Jesaja 6:5-8).

      21. Was gibt uns die Gewissheit, dass wir Heiligkeit entwickeln können?

      21 Wir sind im Bild des heiligen Gottes erschaffen und haben deshalb sittliche Eigenschaften und einen Sinn für geistige Dinge (1. Mose 1:26). In uns allen steckt ein Potenzial für Heiligkeit. Und Jehova hilft uns nur allzu gern, Heiligkeit zu entwickeln. Dadurch kommen wir unserem heiligen Gott immer näher. Und wenn wir uns in den nächsten Kapiteln mit Jehovas Eigenschaften befassen, lernen wir noch viele weitere überzeugende Gründe kennen, ihm näherzukommen.

      a Der Ausdruck „unreine Lippen“ ist deshalb passend, weil die Lippen in der Bibel oft für die Sprache stehen. Bei allen unvollkommenen Menschen hat ein Großteil ihrer Sünden mit dem Sprechen zu tun (Sprüche 10:19; Jakobus 3:2, 6).

      Fragen zum Nachdenken

      • 3. Mose 19:1-18 Welche Grundsätze müssen wir beachten, wenn unser Verhalten heilig sein soll?

      • 5. Mose 23:9-14 Was hat persönliche Reinheit mit Heiligkeit zu tun? Wie sollte sich das auf unsere Erscheinung und unser Zuhause auswirken?

      • Römer 6:12-23; 12:1-3 Wie sollten wir in unserem Bemühen um Heiligkeit über Sünden und weltliche Einflüsse denken?

      • Hebräer 12:12-17 Wie können wir nach Heiligung oder Heiligkeit streben?

  • „Jehova … hat große Macht“
    Komm Jehova doch näher
    • Von einer Höhle aus beobachtet Elia, wie der Allmächtige seine Macht demonstriert. Er sieht die Auswirkungen eines starken Sturms, eines Erdbebens und eines Feuers.

      KAPITEL 4

      „Jehova … hat große Macht“

      1, 2. Welche erstaunlichen Erlebnisse hatte Elia schon gehabt, doch was für Phänomene sah er am Horeb von einer Höhle aus?

      ELIA hatte schon allerhand Erstaunliches gesehen. Er hatte erlebt, wie Raben ihn zweimal täglich mit Nahrung versorgten, als er sich versteckt hielt. Er hatte beobachtet, dass zwei Gefäße mit Mehl und Öl während einer langen Hungersnot nie leer wurden. Als Antwort auf ein Gebet hatte er sogar Feuer vom Himmel fallen sehen (1. Könige, Kapitel 17 und 18). Aber das, was jetzt geschah, hatte er noch nie erlebt.

      2 Am Horeb wurde er von einer Höhle aus Zeuge einer Reihe außergewöhnlicher Phänomene. Als Erstes kam ein Wind auf. Es muss ein heulender, ohrenbetäubender Sturm gewesen sein, denn er war so gewaltig, dass er Berge spaltete und Felsen sprengte. Darauf folgte ein Erdbeben, das enorme Kräfte entfesselte. Dann loderte ein Feuer. Während es um sich griff, spürte Elia wahrscheinlich eine sengende Hitze (1. Könige 19:8-12).

      3. Welche göttliche Eigenschaft beobachtete Elia, und wo können wir Beweise für diese Eigenschaft sehen?

      3 Die verschiedenen Phänomene, die Elia beobachtete, hatten eins gemeinsam: Es waren Beweise der großen Macht Jehovas. Natürlich brauchen wir kein Wunder, um uns bewusst zu machen, dass Gott diese Eigenschaft besitzt. Sie ist leicht zu erkennen. In der Bibel heißt es, dass in der Schöpfung die „ewige Macht und Göttlichkeit“ Jehovas deutlich wird (Römer 1:20). Man braucht nur an die grellen Blitze und krachenden Donnerschläge bei einem Gewitter zu denken, an die Gischt eines in die Tiefe stürzenden Wasserfalls, an die unendliche Weite des Sternenhimmels. Sehen wir in solchen Naturschauspielen nicht die Macht Gottes? In der heutigen Welt nehmen allerdings nur wenige Gottes Macht wahr. Und noch wenigere haben die richtige Ansicht darüber. Das Verständnis dieser göttlichen Eigenschaft liefert uns jedoch reichlich Gründe, uns zu Jehova hingezogen zu fühlen. In diesem Abschnitt werden wir Jehovas unvergleichliche Macht eingehend untersuchen.

      „Da ging Jehova vorbei“

      Ein Wesensmerkmal Jehovas

      4, 5. (a) Wie wird Jehovas Name bezeichnet? (b) Warum ist es passend, dass Jehova den Stier als Symbol für seine Macht gewählt hat?

      4 Jehovas Macht ist einzigartig. In Jeremia 10:6 heißt es: „Keiner ist wie du, o Jehova. Du bist groß, dein Name ist groß und mächtig.“ Jehovas Name wird also als groß und mächtig bezeichnet. Er bedeutet ja offensichtlich „Er lässt werden“. Wie ist es Jehova möglich, zu erschaffen, was immer er möchte, und zu werden, was immer er möchte? Unter anderem durch seine Macht. Der Fähigkeit Jehovas, so zu handeln, dass sein Wille verwirklicht wird, sind keine Grenzen gesetzt. Diese Macht ist eines seiner Wesensmerkmale.

      5 Da wir das volle Ausmaß seiner Macht niemals begreifen könnten, kommt uns Jehova durch Vergleiche entgegen. Wie wir gesehen haben, nimmt er den Stier als Symbol für seine Macht (Hesekiel 1:4-10). Dieser Vergleich ist treffend, denn selbst der domestizierte Stier ist stattlich und kräftig. In biblischer Zeit begegneten die Bewohner Palästinas selten, wenn überhaupt jemals, einem stärkeren Tier. Aber sie kannten eine Art Stier, die noch furchterregender war – der inzwischen ausgestorbene Wildstier oder Auerochse (Hiob 39:9-12). Nach den Worten des römischen Herrschers Julius Cäsar waren diese Stiere nicht viel kleiner als Elefanten. „Sie besitzen gewaltige Kräfte“, schrieb er, und „sind sehr schnell“. Stellen wir uns vor, wie klein und schwach wir uns neben einem solchen Koloss vorkommen würden!

      6. Warum wird nur Jehova der „Allmächtige“ genannt?

      6 Im Vergleich zu Jehova, dem Gott der Macht, ist der Mensch erst recht jämmerlich klein. Für Gott sind sogar mächtige Nationen wie eine Staubschicht auf einer Waage (Jesaja 40:15). Im Gegensatz zu allen Geschöpfen hat Jehova grenzenlose Macht und nur er wird der „Allmächtige“a genannt (Offenbarung 15:3). Jehova besitzt „unermessliche dynamische Kraft“ und „Ehrfurcht einflößende Macht“ (Jesaja 40:26). Er ist eine übersprudelnde, unerschöpfliche Kraftquelle. Selbst ist er auf keine Energiequelle angewiesen, denn „Macht gehört Gott“ (Psalm 62:12, Das Alte Testament Deutsch [62:11, NWT]). Aber durch welches Mittel übt Jehova seine Macht aus?

      Wodurch Jehova seine Macht ausübt

      7. Was ist Jehovas heiliger Geist, und worauf deuten die Bezeichnungen aus den Ursprachen hin?

      7 Der heilige Geist strömt endlos aus Jehova hervor. Er ist Gottes Macht in Aktion. In 1. Mose 1:2 spricht die Bibel von Gottes „aktiver Kraft“. Die ursprünglichen hebräischen und griechischen Wörter für „Geist“ können in anderem Zusammenhang mit „Wind“, „Atem“ oder „Windstoß“ übersetzt werden. Nach Aussage von Lexikografen deuten die Wörter der Ursprachen auf eine unsichtbare Kraft in Aktion hin. Wie der Wind, so ist auch Gottes Geist für unsere Augen unsichtbar, doch seine Wirkung ist real und wahrnehmbar.

      8. Womit wird Gottes Geist in der Bibel versinnbildlicht, und wieso sind diese Vergleiche treffend?

      8 Gottes heiliger Geist ist unendlich vielseitig. Jehova kann ihn einsetzen, um alles nur Erdenkliche auszuführen, was er sich vorgenommen hat. Passenderweise wird deshalb in der Bibel Gottes Geist mit seinem „Finger“, seiner „starken Hand“ oder seinem „ausgestreckten Arm“ versinnbildlicht (Lukas 11:20; 5. Mose 5:15; Psalm 8:3). Genauso wie ein Mensch seine Hände für unterschiedlich schwere oder knifflige Arbeiten benutzt, kann Gott seinen Geist gebrauchen, um jedes beliebige Vorhaben umzusetzen – das winzige Atom zu erschaffen, das Rote Meer zu teilen oder die Christen des 1. Jahrhunderts in fremden Sprachen sprechen zu lassen.

      9. Wie weitreichend ist Jehovas Herrschermacht?

      9 Jehova übt auch durch seine Autorität als Souverän des Universums Macht aus. Können wir uns vorstellen, Millionen und Abermillionen intelligente, fähige Untergebene zu haben, die unsere Befehle bereitwillig ausführen? Jehova verfügt über eine solche Herrschermacht. Da sind einmal seine menschlichen Diener, die in der Bibel oft mit einem Heer verglichen werden (Psalm 68:11; 110:3). Doch im Vergleich zu einem Engel ist ein Mensch nur ein schwaches Geschöpf. Als die assyrischen Streitkräfte Gottes Volk angriffen, tötete ein einziger Engel 185 000 ihrer Soldaten in einer Nacht (2. Könige 19:35). Gottes Engel sind „stark und mächtig“ (Psalm 103:19, 20).

      10. (a) Weshalb wird der Allmächtige „Jehova, der Herr der Heere“ genannt? (b) Wer ist das mächtigste Geschöpf Jehovas?

      10 Wie viele Engel gibt es denn? Der Prophet Daniel hatte eine Vision vom Himmel, in der er weit über 100 Millionen Geistgeschöpfe vor dem Thron Jehovas sah. Aber nirgends wird gesagt, dass er die gesamte Engelschar gesehen hätte (Daniel 7:10). Es könnte also Hunderte Millionen von Engeln geben. Deshalb wird Gott auch „Jehova, der Herr der Heere“ genannt. Dieser Titel beschreibt seine machtvolle Stellung als Befehlshaber einer enormen organisierten Schar mächtiger Engel. An die Spitze all dieser Geistgeschöpfe hat er seinen eigenen geliebten Sohn gestellt, den „Erstgeborenen der gesamten Schöpfung“ (Kolosser 1:15). Als Erzengel – Oberster über alle Engel, Seraphim und Cherubim – ist Jesus das mächtigste Geschöpf Jehovas.

      11, 12. (a) Wie übt Gottes Wort Macht aus? (b) Wie bestätigte Jesus das Ausmaß der Macht Gottes?

      11 Doch Jehova verfügt noch über ein anderes Mittel, Macht auszuüben. In Hebräer 4:12 heißt es: „Das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus.“ Haben wir selbst schon beobachtet, was für eine phänomenale Macht das Wort Gottes ausübt? Die inspirierten Aussagen der Bibel können uns Kraft geben, sie können unseren Glauben stärken und uns helfen, tiefgreifende Änderungen an uns vorzunehmen. Der Apostel Paulus warnte seine Glaubensbrüder vor Menschen, die ein äußerst unmoralisches Leben führten, und sagte im selben Atemzug: „Doch waren das einige von euch“ (1. Korinther 6:9-11). „Das Wort Gottes“ hatte Macht auf sie ausgeübt und ihnen geholfen sich zu ändern.

      12 Jehovas Macht ist so gewaltig und seine Mittel, Macht auszuüben, sind so wirkungsvoll, dass sich ihm nichts in den Weg stellen kann. Jesus sagte: „Für Gott ist alles möglich“ (Matthäus 19:26). Wozu gebraucht Jehova seine Macht?

      Zielgerichtete Macht

      13, 14. (a) Warum kann man sagen, dass Jehova keine unpersönliche Kraftquelle ist? (b) Wozu gebraucht Jehova seine Macht?

      13 Jehovas Geist ist jeder physikalischen Kraft weit überlegen. Jehova ist aber keine unpersönliche Macht, keine bloße Kraftquelle. Er ist ein persönlicher Gott, der seine Macht voll unter Kontrolle hat. Doch was veranlasst ihn, sie zu gebrauchen?

      14 Wie wir noch sehen werden, gebraucht Gott seine Macht, um zu erschaffen, zu vernichten, zu beschützen und wiederher­zu­stellen – kurz: für alles, was seinen vollkommenen Vorsätzen entspricht (Jesaja 46:10). Hin und wieder setzt Jehova seine Macht ein, um wichtige Aspekte seiner Persönlichkeit oder seiner Prinzipien zu offenbaren. Vor allem aber gebraucht er sie, um seinen Willen auszuführen, der darin besteht, durch das messianische Königreich seinen Namen zu heiligen und zu zeigen, dass seine Art zu regieren die beste ist. Nichts kann diesen Vorsatz jemals vereiteln.

      15. Wozu gebraucht Jehova seine Macht bei seinen Dienern, und wie zeigte sich das am Beispiel Elias?

      15 Jehova setzt seine Macht auch ein, um uns als Einzelnen zu helfen. So heißt es in 2. Chronika 16:9: „Jehovas Augen suchen die ganze Erde ab, um denen beizustehen, die ihm völlig ergeben sind.“ Elias Erlebnisse, die am Anfang dieses Kapitels erwähnt werden, sind ein typisches Beispiel dafür. Warum hat ihm Jehova seine Macht so eindrucksvoll demonstriert? Vorweg muss man wissen, dass die böse Königin Isebel geschworen hatte, Elia hinrichten zu lassen. Der Prophet war auf der Flucht, floh um sein Leben. Er war allein, verängstigt und mutlos. Für nichts und wieder nichts hatte er sich abgemüht, so kam es ihm vor. Um dem aufgewühlten Elia Mut zu machen, führte ihm Jehova seine Macht plastisch vor Augen. Der Wind, das Erdbeben und das Feuer bezeugten, dass das mächtigste Wesen im Universum mit ihm war. Was hatte er schon von Isebel zu befürchten, wenn ihm doch der allmächtige Gott zur Seite stand? (1. Könige 19:1-12).b

      16. Warum ist es für uns beruhigend, über Jehovas große Macht nachzudenken?

      16 Obwohl heute nicht die Zeit ist, Wunder zu wirken, hat sich Jehova seit den Tagen Elias nicht geändert (1. Korinther 13:8). Für alle, die ihn lieben, setzt er seine Macht heute genauso gern ein wie damals. Er wohnt zwar hoch oben in einem geistigen Bereich, aber dennoch ist er uns nicht fern. Seine Macht ist grenzenlos, sodass die Entfernung kein Hindernis ist. „Allen, die ihn anrufen, ist Jehova nah“ (Psalm 145:18). Als der Prophet Daniel Jehova einmal um Hilfe bat, erschien ihm, noch bevor er sein Gebet beendet hatte, ein Engel (Daniel 9:20-23). Nichts kann Jehova davon abhalten, denen, die er liebt, zu helfen und ihnen Kraft zu geben (Psalm 118:6).

      Ist Gott wegen seiner Macht unnahbar?

      17. In welchem Sinne weckt Jehovas Macht bei uns Furcht, aber welche Art Furcht ruft sie nicht hervor?

      17 Sollte uns Gottes Macht veranlassen, ihn zu fürchten? Ja und nein. Ja – weil diese Eigenschaft Grund genug ist, Gottesfurcht zu haben, und zwar die tiefe Ehrfurcht und Achtung, die im vorigen Kapitel angeschnitten wurde. Diese Ehrfurcht ist laut der Bibel die Voraussetzung für Weisheit (Psalm 111:10). Und nein – weil Gottes Macht kein Grund ist, krankhafte Angst vor ihm zu haben oder sich ihm aus Scheu nicht zu nähern.

      18. (a) Warum misstrauen viele den Mächtigen? (b) Woher wissen wir, dass Jehova durch seine Macht nicht verdorben wird?

      18 „Macht verdirbt, und absolute Macht verdirbt absolut“, schrieb der britische Historiker Lord Acton im Jahr 1887. Seine Aussage ist etliche Male zitiert worden, vielleicht weil viele sie für unbestreitbar wahr halten. Unvollkommene Menschen missbrauchen ihre Macht häufig, wie die Geschichte immer wieder belegt (Prediger 4:1; 8:9). Deshalb misstraut man den Mächtigen oft und geht ihnen aus dem Weg. Jehova besitzt nun aber absolute Macht. Hat sie ihn irgendwie verdorben? Mit Sicherheit nicht! Wie wir gesehen haben, ist er heilig, ganz und gar integer. Jehova ist mit den unvollkommenen Männern und Frauen, die in der heutigen korrupten Welt Macht innehaben, nicht zu vergleichen. Er hat seine Macht nie missbraucht und wird das auch in Zukunft niemals tun.

      19, 20. (a) Von welchen Eigenschaften ist Jehovas Machtausübung immer begleitet, und warum ist das beruhigend? (b) Wie könnte man Jehovas Selbst­beherrschung veranschaulichen, und wieso spricht dich das an?

      19 Vergessen wir jedoch nicht, dass Macht nicht die einzige Eigenschaft Jehovas ist. Mit seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe werden wir uns erst noch befassen. Wir dürfen indessen nicht denken, Gottes Eigenschaften würden in einer starren, mechanischen Art und Weise, also immer nur einzeln, in Erscheinung treten. Im Gegenteil, in den nächsten Kapiteln wird erläutert, dass Jehova seine Macht immer zusammen mit seiner Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe ausübt. Zunächst wollen wir uns aber einer Eigenschaft Gottes zuwenden, die bei den Mächtigen der Welt rar ist: Selbst­beherrschung.

      20 Stell dir vor, du begegnest jemandem, der so groß und mächtig wirkt, dass du dich regelrecht eingeschüchtert fühlst. Mit der Zeit merkst du allerdings, dass er eigentlich ganz freundlich ist. Er ist immer hilfsbereit, wenn es darum geht, seine Macht zum Schutz anderer einzusetzen – vor allem zugunsten der Wehrlosen und Verletzlichen. Er missbraucht seine Stärke nie. Du beobachtest, wie er grundlos verleumdet wird. Doch seine Haltung ist fest und zugleich ruhig, würdevoll und sogar liebenswürdig. Du fragst dich unwillkürlich, ob du in der Lage wärst, genauso freundlich und beherrscht zu reagieren – besonders wenn du so stark wärst wie er. Würdest du dich, nachdem du so einen Menschen näher kennengelernt hättest, nicht zu ihm hingezogen fühlen? Wir haben weit mehr Gründe, die Nähe Jehovas, des Allmächtigen, zu suchen. Sehen wir uns den Satz, auf den sich der Titel dieses Kapitels stützt, einmal im Ganzen an: „Jehova wird nicht schnell zornig und hat große Macht“ (Nahum 1:3). Jehova ist nicht schnell dabei, seine Macht gegen Menschen einzusetzen, nicht einmal gegen die Bösen. Er ist mild gesinnt und gütig. Er hat angesichts vieler Provokationen bewiesen, dass er „nicht schnell zornig“ wird (Psalm 78:37-41).

      21. Warum zwingt Jehova die Menschen nicht, seinen Willen zu tun, und was lehrt uns das über ihn?

      21 Betrachten wir Jehovas Selbst­beherrschung noch aus einem anderen Blickwinkel. Wären wir, wenn wir unbegrenzte Macht hätten, nicht ab und zu versucht, Menschen zu manipulieren? Bei all seiner Macht zwingt Jehova die Menschen nicht, ihm zu dienen. Gott zu dienen ist zwar der einzige Weg zu ewigem Leben, aber Jehova nötigt niemand dazu. In seiner Güte gesteht er allen Menschen Entscheidungs­freiheit zu. Er warnt vor den Folgen einer schlechten Wahl und teilt uns die Belohnung einer guten Wahl mit. Doch die Wahl an sich bleibt uns überlassen (5. Mose 30:19, 20). Jehova liegt nichts an einem Dienst aus Zwang oder aus krankhafter Angst vor seiner überwältigenden Macht. Er sucht Menschen, die ihm bereitwillig, aus Liebe dienen (2. Korinther 9:7).

      22, 23. (a) Woran ist zu erkennen, dass Jehova andere gern stark macht? (b) Womit befasst sich das nächste Kapitel?

      22 Sehen wir uns noch einen letzten Grund an, warum wir nicht in Angst vor dem allmächtigen Gott zu leben brauchen. Mächtige Menschen schrecken oft davor zurück, ihre Macht mit anderen zu teilen. Jehova dagegen freut sich, wenn er seine loyalen Anbeter stark machen kann. Er betraut andere mit beträchtlicher Autorität, so zum Beispiel seinen Sohn (Matthäus 28:18). Doch Jehova macht seine Diener noch auf andere Weise stark. Die Bibel erklärt: „Dir, o Jehova, gehören die Größe und die Macht und die Schönheit und die Pracht und die Majestät, denn dir gehört alles im Himmel und auf der Erde. … In deiner Hand sind Stärke und Macht, und deine Hand ist imstande, Größe zu verleihen und allen Kraft zu geben“ (1. Chronika 29:11, 12).

      23 Ja, Jehova gibt dir gern Stärke. Er schenkt denen, die ihm dienen möchten, sogar „Kraft, die über das Normale hinausgeht“ (2. Korinther 4:7). Fühlst du dich zu diesem dynamischen Gott, der seine Macht so gütig ausübt und sich dabei immer von Prinzipien leiten lässt, nicht hingezogen? Im nächsten Kapitel wird beleuchtet, wie Jehova seine Macht als Schöpfer einsetzt.

      a Das mit „Allmächtiger“ wiedergegebene griechische Wort bedeutet wörtlich „Allherrscher“ oder „Allgewaltiger“.

      b Die Bibel sagt: „Jehova war nicht in dem Sturm … dem Erdbeben … dem Feuer.“ Im Unterschied zu Anbetern mythischer Naturgottheiten suchen Jehovas Diener Gott nicht in den Naturgewalten. Er ist viel zu groß, als dass irgendeines seiner Schöpfungswerke ihn fassen könnte (1. Könige 8:27).

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Chronika 16:7-13 Wie zeigt sich am Beispiel von König Asa, dass es schwerwiegende Folgen hat, nicht auf Jehovas Macht zu vertrauen?

      • Psalm 89:6-18 Welche Wirkung hat Jehovas Macht auf seine Anbeter?

      • Jesaja 40:10-31 Wie wird Jehovas Macht hier beschrieben, wie umfassend ist sie, und wie kann sie uns persönlich zugutekommen?

      • Offenbarung 11:16-18 Was hat Jehova versprochen, in Zukunft durch seine Macht zu bewirken, und wieso ist das für wahre Christen ein Trost?

  • Schöpferische Macht – Jehova hat „Himmel und Erde gemacht“
    Komm Jehova doch näher
    • Die Sonne geht über einem Weizenfeld auf.

      KAPITEL 5

      Schöpferische Macht – Jehova hat „Himmel und Erde gemacht“

      1, 2. Wie zeugt die Sonne von Jehovas Schöpfermacht?

      HAST du schon einmal in einer kalten Nacht an einem Lagerfeuer gestanden? Vielleicht hast du die Hände genau im richtigen Abstand zu den Flammen gehalten, sodass du die wohlige Wärme genießen konntest. Wärst du dem Feuer zu nahe gekommen, wäre die Hitze unerträglich geworden. Wärst du zu weit weggegangen, hättest du die kalte Nachtluft gespürt und angefangen zu frieren.

      2 Es gibt ein „Feuer“, das uns tagsüber wärmt. Es brennt in rund 150 Millionen Kilometer Entfernung.a Was für eine Kraft muss die Sonne haben, dass wir ihre Wärme über so eine Distanz wahrnehmen können! Die Erde umkreist diesen gewaltigen thermonuklearen Ofen genau in der richtigen Entfernung. Wäre sie der Sonne zu nah, würde das Wasser der Erde verdampfen; wäre sie zu weit weg, würde alles Wasser gefrieren. Beide Extreme würden das Leben auf unserem Planeten komplett auslöschen. Das Sonnenlicht ist nicht nur lebenswichtig, sondern außerdem eine saubere, leistungsstarke Energiequelle und obendrein noch wohltuend (Prediger 11:7).

      3. Welche wichtige Tatsache bezeugt die Sonne?

      3 Doch für die meisten Menschen ist die Sonne, obschon lebenswichtig, etwas ganz Selbst­verständliches. Dabei übersehen sie, dass uns die Sonne einiges zu sagen hat. In der Bibel heißt es über Jehova: „Du machtest das Licht und die Sonne“ (Psalm 74:16). Die Sonne ehrt Jehova – den, „der Himmel und Erde gemacht hat“ (Psalm 19:1; 146:6). Sie ist nur einer der zahllosen Himmelskörper, durch die wir etwas über Jehovas enorme Schöpfermacht erfahren. Einige davon möchten wir uns nun näher ansehen, bevor wir uns der Erde und dem Leben darauf zuwenden.

      Jehova machte das Licht und die Sonne

      „Schaut zum Himmel hoch und seht“

      4, 5. Wie machtvoll und groß ist die Sonne, doch was zeigt ein Vergleich mit anderen Sternen?

      4 Die Sonne ist bekanntlich ein Stern. Sie wirkt größer als die Sterne am Nachthimmel, weil sie uns relativ nah ist. Was für eine Macht steckt in ihr? In ihrem Kern herrscht eine Temperatur von zirka 15 Millionen Grad Celsius. Würde man dem Kern der Sonne ein stecknadelkopfgroßes Stück entnehmen und es auf die Erde bringen, könnte man sich nicht einmal in 140 Kilometer Entfernung von dieser winzigen Wärmequelle gefahrlos aufhalten. Jede Sekunde gibt die Sonne eine Energiemenge ab, die der Explosion vieler Hunderte Millionen von Atombomben entspricht.

      5 Die Sonne ist so groß, dass unsere Erde 1 300 000-mal in sie hineinpassen würde. Ist die Sonne ein außergewöhnlich großer Stern? Nein, Astronomen bezeichnen sie als Gelben Zwerg. Der Apostel Paulus schrieb: „Ein Stern unterscheidet sich vom anderen an Pracht“ (1. Korinther 15:41). Er konnte gar nicht wissen, wie wahr diese inspirierten Worte sind. Es gibt einen Stern, der so groß ist, dass er, wenn er sich an der Stelle der Sonne befände, die Erde schlucken würde. Ein anderer Riesenstern würde, wenn er den Platz der Sonne einnähme, bis zum Saturn reichen, obwohl dieser Planet so weit von der Erde entfernt ist, dass eine Raumsonde vier Jahre für diese Strecke gebraucht hat – und das mit der 40-fachen Geschwindigkeit einer Revolverkugel!

      6. Wie lässt die Bibel erkennen, dass die Zahl der Sterne vom menschlichen Standpunkt aus gigantisch ist?

      6 Noch beeindruckender als die Größe der Sterne ist ihre Zahl. In der Bibel wird erwähnt, dass die Sterne praktisch unzählbar sind, ähnlich wie der „Sand des Meeres“ (Jeremia 33:22). Demnach müsste es weit mehr Sterne geben, als man mit bloßem Auge sehen kann. Hätte ein Bibelschreiber wie Jeremia zum Nachthimmel geblickt und versucht, die Sterne zu zählen, wäre er nämlich nur auf rund 3000 gekommen. So viele Sterne kann man in einer klaren Nacht ohne Teleskop erkennen. Diese Zahl ließe sich allenfalls mit der Anzahl von Körnern in einer Handvoll Sand vergleichen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Sterne aber überwältigend – vergleichbar mit dem „Sand des Meeres“.b Wer könnte so eine Menge zählen?

      Blick durch ein Teleskop auf Sterne und Galaxien.

      Er ruft die Sterne alle mit Namen

      7. Was kann man über die Zahl der Sterne in unserer Galaxie und die Zahl der Galaxien im Universum sagen?

      7 Jesaja 40:26 antwortet: „Schaut zum Himmel hoch und seht. Wer hat das alles erschaffen? Er ist es, der das Heer der Sterne abgezählt hervortreten lässt und sie alle mit Namen ruft.“ Und in Psalm 147:4 heißt es: „Er zählt die Sterne.“ Wie viele Sterne gibt es? Das ist keine leichte Frage. Astronomen schätzen, dass es allein in unserer Milchstraße über 100 Milliarden Sterne gibt.c Manche gehen von noch viel mehr aus. Dabei ist die Milchstraße nur eine von vielen Galaxien, und etliche davon besitzen noch mehr Sterne. Wie viele Galaxien gibt es? Die Schätzungen von Astronomen gehen von Hunderten von Milliarden bis in die Billionen. Bisher kann der Mensch also nicht einmal die genaue Zahl der Galaxien feststellen, ganz zu schweigen von der exakten Gesamtzahl all der Milliarden Sterne, aus denen sie bestehen. Doch Jehova kennt die Zahl. Und darüber hinaus nennt er jeden Stern mit Namen.

      8. (a) Wie könnte man die Größe der Milchstraße erklären? (b) Wodurch bestimmt Jehova die Bewegungsabläufe der Himmelskörper?

      8 Unsere Ehrfurcht kann nur zunehmen, wenn wir uns die Größe der Galaxien vergegenwärtigen. Der Durchmesser der Milchstraße wird mit 100 000 Lichtjahren angegeben. Stellen wir uns einen Lichtstrahl vor, der sich mit rasanten 300 000 Kilometern in der Sekunde fortbewegt. Er würde 100 000 Jahre brauchen, um unsere Galaxis zu durchqueren. Und manche Galaxien sind um ein Vielfaches größer als unsere. Die Bibel sagt über Jehova: „Den Himmel spannst du aus wie ein Zelttuch“ (Psalm 104:2). Jehova bestimmt auch die Bewegungsabläufe. Vom kleinsten interstellaren Staubteilchen bis zur riesigsten Galaxie bewegt sich alles nach physikalischen Gesetzen, die Gott aufgestellt und in Kraft gesetzt hat (Hiob 38:31-33). Wissenschaftler haben die präzisen Bewegungsabläufe der Himmelskörper mit der ausgefeilten Choreografie eines Balletts verglichen. Denken wir jetzt einmal an den, der das alles erschaffen hat. Muss man vor dem Gott, der eine so ungeheure schöpferische Macht besitzt, nicht Ehrfurcht haben?

      „Der die Erde durch seine Macht geschaffen hat“

      9, 10. Wieso zeugt die Lage unseres Sonnensystems, des Jupiters, der Erde und des Mondes von Jehovas Macht?

      9 Unsere Heimat, die Erde, zeugt von Jehovas Schöpfermacht. Gott hat die Erde in dem gigantischen Universum wohlüberlegt platziert. Nach Ansicht mancher Wissenschaftler würden viele Galaxien gar nicht die Bedingungen für einen Planeten bieten, auf dem Leben existiert. Auch ein Großteil unserer Milchstraße ist offensichtlich lebensfeindlich. Im galaktischen Zentrum ist eine hohe Sterndichte zu beobachten. Die Strahlung ist intensiv, und Beinahezusammenstöße von Sternen sind keine Seltenheit. An den Rändern der Galaxis fehlen dagegen viele lebenswichtige Elemente. Unser Sonnensystem hat die ideale Lage, weil es keines dieser Extreme aufweist.

      10 Die Erde hat einen fernen, aber gigantischen Beschützer – den Planeten Jupiter. Da er über 1000-mal so groß ist wie die Erde, übt er eine ungeheure Anziehungskraft aus. Was bewirkt das? Er fängt Objekte, die durch das All rasen, ein oder lenkt sie ab. Man schätzt, dass ohne den Jupiter 10 000-mal so viele massive Geschosse auf die Erde hageln würden, wie es gegenwärtig der Fall ist. In der näheren Umgebung leistet der Erde ein ungewöhnlicher Satellit nützliche Dienste – der Mond. Er ist nicht nur schön anzusehen und ein „Nachtlicht“, sondern er hält die Erde außerdem in einer konstanten Schräglage. Dieser Neigungswinkel beschert der Erde ihre festen, vorhersagbaren Jahreszeiten – ein weiteres Plus für das Leben.

      11. Wie fungiert die Erdatmosphäre als Schutzschild?

      11 Der Aufbau der Erde zeugt bis ins Detail von Jehovas schöpferischer Macht. Die Atmosphäre beispielsweise fungiert als Schutzschild. Die Sonne sendet sowohl gesunde als auch gefährliche Strahlen aus. Sobald die tödlichen Strahlen auf die obere Atmosphäre der Erde treffen, verwandeln sie gewöhnlichen Sauerstoff in Ozon. Die dadurch entstehende Ozonschicht absorbiert dann die meisten dieser Strahlen. Unser Planet hat praktisch einen eingebauten Sonnenschirm.

      12. Wie wird Jehovas schöpferische Macht am Wasserkreislauf deutlich?

      12 Das ist nur ein Vorteil unserer Atmosphäre, einer komplexen Gasmischung, die für die Lebewesen auf der Erdoberfläche ideale Bedingungen schafft. Zu den Wundern der Atmosphäre gehört auch der Wasserkreislauf. Jedes Jahr lässt die Sonne über 400 000 Kubikkilometer Wasser aus den Ozeanen der Erde verdunsten. Das Wasser formiert sich zu Wolken, die von den atmosphärischen Winden hierhin und dorthin getrieben werden. Gefiltert und gereinigt geht dieses Wasser dann als Regen, Schnee oder Eis nieder und füllt die Wasserreserven auf. Es ist so, wie in Prediger 1:7 beschrieben: „Alle Bäche fließen ins Meer und doch ist das Meer nicht voll. An den Ort, aus dem die Bäche kommen, kehren sie zurück, um von Neuem zu fließen.“ Nur Jehova konnte einen solchen Kreislauf in Gang setzen.

      13. Welche Beweise für die Macht des Schöpfers sind in der Pflanzenwelt und im Erdboden zu entdecken?

      13 Wo immer wir Leben sehen, sehen wir auch Beweise für die Macht des Schöpfers. Von den gewaltigen Mammutbäumen, die höher aufragen als ein 30-stöckiges Gebäude, bis zu den mikroskopisch kleinen Pflanzen, mit denen die Meere angereichert sind und die uns einen Großteil des Sauerstoffs liefern – überall ist Jehovas schöpferische Macht deutlich wahrnehmbar. Der Erdboden wimmelt von lebenden Organismen – Würmer, Pilze und Mikroben –, die durch ihre komplizierte Wechselwirkung das Pflanzenwachstum fördern. Schon die Bibel spricht davon, dass der Boden Kraft hat (1. Mose 4:12, Fußnote).

      14. Welche Kraft steckt in einem winzigen Atom?

      14 Kein Zweifel, Jehova hat „die Erde durch seine Macht geschaffen“ (Jeremia 10:12). Gottes Macht ist selbst in den winzigsten Gebilden zu erkennen. So wären eine Million Atome nebeneinandergelegt noch nicht einmal so dick wie ein menschliches Haar. Und würde man ein Atom als 14-stöckiges Gebäude darstellen, wäre der Atomkern gerade mal so groß wie ein Salzkorn, das auf der siebten Etage liegt. Doch dieser winzige Kern ist der Sitz der ungeheuren Kraft, die bei einer Atomexplosion entfesselt wird!

      „Alles, was atmet“

      15. Welche Lektion erteilte Jehova Hiob, als er mit ihm über verschiedene wilde Tiere sprach?

      15 Ein weiterer lebendiger Beweis für die schöpferische Macht Jehovas ist der Tierreichtum der Erde. In Psalm 148 ist vieles aufgelistet, wodurch Jehova gepriesen wird – in Vers 10 werden zum Beispiel die wilden Tiere und die Haustiere erwähnt. Um zu verdeutlichen, warum der Mensch Ehrfurcht vor dem Schöpfer haben sollte, sprach Jehova mit Hiob über Tiere wie den Löwen, das Zebra, den Wildstier, den Behemoth (das Flusspferd) und den Leviathan (offenbar das Krokodil). Was wollte er damit sagen? Wenn der Mensch schon vor diesen starken, furchterregenden und unzähmbaren Geschöpfen Respekt hat, wie sollte er dann erst über ihren Schöpfer denken? (Hiob, Kapitel 38 bis 41).

      16. Was beeindruckt dich an einigen Vögeln, die Jehova erschaffen hat?

      16 In Psalm 148:10 kommen auch die Vögel vor. Halten wir uns die Vielfalt in der Vogelwelt einmal vor Augen. Jehova machte Hiob auf die Straußenhenne aufmerksam: Sie „lacht … das Pferd und seinen Reiter aus“. Der zweieinhalb Meter hohe Strauß kann zwar nicht fliegen, dafür aber mit einer Geschwindigkeit von 65 Kilometern in der Stunde laufen und dabei viereinhalb Meter lange Schritte machen (Hiob 39:13, 18). Der Albatros hingegen bringt den größten Teil seines Lebens über dem Meer zu. Dieser Meister des Segelflugs hat eine Flügelspannweite von zirka 3 Metern. Er kann stundenlang gleiten, ohne auch nur einmal mit den Flügeln zu schlagen. Einen starken Kontrast dazu bildet die Bienenelfe – mit gut 5 Zentimeter Länge der kleinste Vogel der Welt. Sie bringt es auf 80 Flügelschläge in der Sekunde! Die glitzernden Edelsteine der Lüfte, die Kolibris, zu denen die Bienenelfe gehört, können wie Hubschrauber in der Luft „stillstehen“ und sogar rückwärts fliegen.

      17. Wie groß ist der Blauwal, und zu welchem Schluss kommen wir, wenn wir uns mit der von Jehova erschaffenen Tierwelt befassen?

      17 In Psalm 148:7 heißt es, dass sogar die „großen Meerestiere“ Jehova preisen. Nehmen wir den Blauwal, der von vielen als das größte Tier aller Zeiten angesehen wird. Dieser Riese in den „Wassertiefen“ kann eine Länge von 30 Metern und mehr erreichen. Er wiegt so viel wie 30 ausgewachsene Elefanten. Allein die Zunge des Blauwals ist schon so schwer wie ein Elefant. Sein Herz hat die Größe eines Kleinwagens. Dieses riesige Organ schlägt nur 9-mal in der Minute – das Herz des Kolibris dagegen um die 1200-mal. Mindestens eins der Blutgefäße des Blauwals ist so groß, dass ein Kind darin krabbeln könnte. Bestimmt fühlen wir uns gedrängt, in den abschließenden Aufruf der Psalmen einzustimmen: „Alles, was atmet – es preise Jah“ (Psalm 150:6).

      Was uns Jehovas schöpferische Macht lehrt

      18, 19. Wie vielfältig sind die Lebewesen, die Jehova auf der Erde geschaffen hat, und was lehrt uns die Schöpfung über seine Souveränität?

      18 Was lehrt uns Jehovas schöpferische Macht? Die Vielfalt in der Schöpfung ist einfach überwältigend. Ein Psalmenschreiber rief: „Wie zahlreich sind deine Werke, o Jehova! … Die Erde ist voll von dem, was du geschaffen hast“ (Psalm 104:24). Wie wahr! Biologen haben bereits über eine Million Tierarten bestimmt. Es könnte jedoch noch viele Millionen mehr geben. Bei menschlichen Künstlern kann es vorkommen, dass ihnen die Ideen ausgehen. Im Unterschied dazu ist Jehovas Kreativität – seine Macht, immer wieder etwas Neues und anderes zu erfinden und zu schaffen – offenbar unerschöpflich.

      19 Jehovas Schöpfermacht verdeutlicht uns auch seine Souveränität. Allein das Wort „Schöpfer“ grenzt Jehova von allem anderen im Universum ab. Alles ist „Schöpfung“. Selbst Jehovas einziggezeugter Sohn, der bei der Schöpfung als „Werkmeister“ fungierte, wird nirgends in der Bibel als Schöpfer oder Mitschöpfer bezeichnet (Sprüche 8:30; Matthäus 19:4). Er ist der „Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ (Kolosser 1:15). Die Stellung als Schöpfer gibt Jehova automatisch das Recht, als einziger Souverän Macht über das ganze Universum auszuüben (Römer 1:20; Offenbarung 4:11).

      20. In welchem Sinne ruht Jehova seit dem Ende seiner irdischen Schöpfung?

      20 Hat Jehova aufgehört seine Schöpfermacht zu gebrauchen? Die Bibel sagt: „Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet, und am siebten Tag fing er an, von seinem ganzen Werk zu ruhen“ (1. Mose 2:2). Der Apostel Paulus deutete an, dass dieser siebte „Tag“ Tausende von Jahren dauert, denn er war zu seinen Lebzeiten noch nicht zu Ende (Hebräer 4:3-6). Ist mit „ruhen“ aber gemeint, dass Jehova seine Tätigkeit ganz eingestellt hat? Nein, er wird nie untätig (Psalm 92:4; Johannes 5:17). Sein Ruhen kann somit nur bedeuten, dass er mit der materiellen Schöpfung auf der Erde aufgehört hat. Er hat indessen ununterbrochen darauf hingewirkt, seine Vorsätze zu verwirklichen. Dazu gehörte die Inspiration der Heiligen Schrift. Seine Tätigkeit umfasste auch das Hervorbringen einer „neuen Schöpfung“, worauf in Kapitel 19 eingegangen wird (2. Korinther 5:17).

      21. Wie wird Jehovas Schöpfermacht treue Menschen bis in alle Ewigkeit berühren?

      21 Wenn der Ruhetag zu Ende ist, wird Jehova sein gesamtes Werk auf der Erde für „sehr gut“ erklären können, ähnlich wie am Ende der sechs Schöpfungstage (1. Mose 1:31). Was er mit seiner grenzenlosen Schöpfermacht danach bewirken wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall können wir sicher sein, dass uns Jehovas schöpferische Macht stets aufs Neue faszinieren wird. Bis in alle Ewigkeit werden wir durch die Schöpfung immer mehr über Jehova lernen können (Prediger 3:11). Und je mehr wir über ihn erfahren, desto tiefer wird unsere Ehrfurcht vor unserem großartigen Schöpfer – und umso näher werden wir ihm kommen.

      a Um sich eine Vorstellung von dieser gigantischen Zahl machen zu können: Würde man mit dem Auto rund um die Uhr mit Tempo 160 fahren, brauchte man über 100 Jahre, um diese Entfernung zurückzulegen.

      b Manche sind der Auffassung, es habe schon in biblischen Zeiten eine Art primitives Fernrohr existiert. Wie sonst, argumentieren sie, hätte man damals wissen können, dass es so unsagbar viele Sterne gibt, ja dass sie für Menschen unzählbar sind? Bei solchen haltlosen Spekulationen wird Jehova, der Autor der Bibel, völlig übergangen (2. Timotheus 3:16).

      c Stellen wir uns einmal vor, wie lange wir brauchen würden, um 100 Milliarden Sterne nur allein zu zählen. Wenn wir rund um die Uhr zählten, würden wir bei einem Tempo von einem Stern pro Sekunde 3171 Jahre benötigen!

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 8:3-9 Wieso lehrt uns Jehovas Schöpfung Demut?

      • Psalm 19:1-6 Wozu wird uns Jehovas Schöpfermacht anregen, und weshalb?

      • Matthäus 6:25-34 Wie hilft uns das Nachdenken über Jehovas Schöpfermacht, gegen Sorgen anzukämpfen und die richtigen Prioritäten zu setzen?

      • Apostel­geschichte 17:22-31 Wieso zeigt Jehovas Schöpfermacht, dass Götzendienst verkehrt ist und dass Gott uns nicht fern ist?

  • Vernichtende Macht – „Jehova ist ein mächtiger Krieger“
    Komm Jehova doch näher
    • Der Pharao geht mit seinem Heer im Roten Meer unter.

      KAPITEL 6

      Vernichtende Macht – „Jehova ist ein mächtiger Krieger“

      1-3. (a) Wie wurden die Israeliten von den Ägyptern bedroht? (b) Wie kämpfte Jehova für sein Volk?

      DIE Israeliten saßen in der Falle – eingekesselt zwischen drohenden Felsen und dem unpassierbaren Meer. Das schlagkräftige und grausame ägyptische Heer hetzte ihnen in wilder Jagd hinterher, entschlossen sie zu vernichten.a Trotzdem bat Moses das Volk Gottes eindringlich, die Hoffnung nicht aufzugeben. „Jehova selbst wird für euch kämpfen“, versicherte er ihnen (2. Mose 14:14).

      2 Gleichzeitig rief Moses offenbar Jehova an, worauf Gott erwiderte: „Warum schreist du ständig zu mir um Hilfe? … Halte du deinen Stab hoch und streck deine Hand über das Meer aus. Teile es“ (2. Mose 14:15, 16). Stellen wir uns die Abfolge der Handlung einmal vor: Jehova gibt augenblicklich seinem Engel einen Befehl, und die Wolkensäule wandert hinter die Israeliten, sodass sie sich möglicherweise wie eine Wand vor die Ägypter schiebt und ihren Angriff abblockt (2. Mose 14:19, 20; Psalm 105:39). Moses streckt die Hand aus. Durch einen starken Wind spaltet sich das Meer. Das Wasser erstarrt, baut sich zu beiden Seiten wie eine Mauer auf und gibt einen Durchgang frei – breit genug für das ganze Volk (2. Mose 14:21; 15:8).

      3 Dieses Schauspiel der Macht hätte den Pharao eigentlich veranlassen sollen, sein Heer nach Hause zu schicken. Stattdessen ruft der stolze Herrscher zum Angriff auf (2. Mose 14:23). Die Ägypter stürmen in das Meeresbecken. Doch ihr Angriff verwandelt sich in ein Chaos, als sich von ihren Streitwagen die Räder lösen. Sobald die Israeliten sicher am anderen Ufer angekommen sind, befiehlt Jehova Moses: „Streck deine Hand über das Meer aus, damit das Wasser zurückkehrt und die Ägypter, ihre Kriegswagen und Reiter unter sich begräbt.“ Die Wasserwände stürzen ein und begraben den Pharao und sein Heer unter sich (2. Mose 14:24-28; Psalm 136:15).

      4. (a) Als was erwies sich Jehova am Roten Meer? (b) Wie wirkt diese Beschreibung Jehovas auf einige?

      4 Die Befreiung des Volkes Israel am Roten Meer war ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der Taten Gottes für die Menschen. Jehova erwies sich dort als „mächtiger Krieger“ (2. Mose 15:3). Wie berührt dich diese Beschreibung Jehovas? Kriege haben der Menschheit unleugbar viel Schmerz und Elend beschert. Kann es sein, dass Gottes vernichtende Macht auf dich eher abschreckend als anziehend wirkt?

      Am Roten Meer trat Jehova als „mächtiger Krieger“ auf

      Göttlicher Krieg und menschliche Konflikte

      5, 6. (a) Weshalb ist der Titel „Herr der Heere“ für Jehova passend? (b) Worin unterscheiden sich göttliche Kriege von menschlichen?

      5 Jehova trägt den Titel „Herr der Heere“. Dieser Titel kommt in den Hebräischen Schriften über 250 Mal vor und in den Christlichen Griechischen Schriften 2 Mal (1. Samuel 1:11). Als souveräner Herrscher befehligt Jehova ein gewaltiges Engelheer (Josua 5:13-15; 1. Könige 22:19). Die Schlagkraft dieses Heeres ist überwältigend (Jesaja 37:36). Natürlich ist die Vernichtung von Menschen kein schöner Anblick. Man muss aber bedenken, dass Gottes Kriege mit den nichtigen menschlichen Konflikten nichts gemeinsam haben. Generäle und Politiker versuchen zwar oft, ihren Aggressionen einen edlen Anstrich zu geben. Doch bei den Kriegen der Menschen ist ausnahmslos Habgier und Egoismus im Spiel.

      6 Jehova dagegen wird nicht von blinden Gefühlen getrieben. In 5. Mose 32:4 heißt es: „Der Fels, was er tut, ist vollkommen, denn alle seine Wege sind gerecht. Ein treuer Gott, der nie ungerecht ist, gerecht und aufrichtig ist er.“ Gottes Wort verurteilt ungezügelte Wut, Grausamkeit und Gewalt (1. Mose 49:7; Psalm 11:5). Jehova handelt also nie ohne Grund. Er setzt seine vernichtende Macht sparsam und nur als letztes Mittel ein. Es ist so, wie er durch seinen Propheten Hesekiel erklären ließ: „‚Habe ich auch nur die geringste Freude am Tod eines schlechten Menschen?‘, erklärt der Souveräne Herr Jehova. ‚Ist es mir nicht lieber, dass er sich von seinen Wegen abwendet und am Leben bleibt?‘“ (Hesekiel 18:23).

      7, 8. (a) Welche irrige Ansicht hatte Hiob über sein Leid? (b) Wie korrigierte Elihu Hiobs Denken? (c) Was lernen wir aus Hiobs Erfahrung?

      7 Warum gebraucht dann Jehova seine Macht überhaupt zum Vernichten? Denken wir zunächst einmal an den gerechten Hiob zurück. Satan stellte infrage, ob Hiob – und im Grunde jeder Mensch – unter Prüfungen seine Treue bewahren würde. Jehova begegnete dieser Herausforderung, indem er zuließ, dass Satan Hiobs Treue auf die Probe stellte. Daraufhin wurde Hiob krank und verlor seinen Reichtum und seine Kinder (Hiob 1:1 bis 2:8). Da Hiob die zugrunde liegenden Streitfragen nicht kannte, dachte er irrtümlich, sein Leid sei eine ungerechte Strafe von Gott. Er fragte Gott, warum er ihn zur „Zielscheibe“, zum „Feind“ gemacht habe (Hiob 7:20; 13:24).

      8 Ein junger Mann namens Elihu deckte den Denkfehler Hiobs mit der Frage auf: „Bist du so davon überzeugt, im Recht zu sein, dass du behauptest: ‚Ich bin gerechter als Gott‘?“ (Hiob 35:2). Es wäre unklug, zu denken, wir wüssten es besser als Gott, oder ihm zu unterstellen, er hätte ungerecht gehandelt. „Für den wahren Gott ist es undenkbar, schlecht zu handeln. Für den Allmächtigen ist es unvorstellbar, etwas Verkehrtes zu tun!“, erklärte Elihu. Später sagte er noch: „Den Allmächtigen zu verstehen ist für uns unerreichbar. Er ist erhaben an Macht und verstößt nie gegen sein Recht und seine überströmende Gerechtigkeit“ (Hiob 34:10; 36:22, 23; 37:23). Wir können sicher sein, dass Gott, wenn er kämpft, allen Grund dazu hat. Das wollen wir im Sinn behalten, während wir untersuchen, warum der Gott des Friedens bisweilen in die Rolle eines Kriegers schlüpft (1. Korinther 14:33).

      Warum der Gott des Friedens gezwungen ist, zu kämpfen

      9. Warum kämpft der Gott des Friedens?

      9 Moses sagte, nachdem er Gott als „mächtigen Krieger“ gepriesen hatte: „Wer von den Göttern ist wie du, o Jehova? Wer ist dir gleich, der du dich mächtig erweist in Heiligkeit?“ (2. Mose 15:11). Der Prophet Habakuk schrieb etwas Ähnliches: „Deine Augen sind zu rein, um Böses anzusehen, Schlechtigkeit kannst du nicht dulden“ (Habakuk 1:13). Jehova ist zwar ein Gott der Liebe, aber er ist auch ein Gott der Heiligkeit und der Gerechtigkeit. Manchmal zwingen ihn diese Eigenschaften, seine vernichtende Macht einzusetzen (Jesaja 59:15-19; Lukas 18:7). Seine Heiligkeit wird dadurch, dass er kämpft, nicht geschmälert. Er kämpft, weil er heilig ist! (2. Mose 39:30).

      10. Wie nur wäre die in 1. Mose 3:15 vorhergesagte Feindschaft zu beseitigen, und was könnten sich gerechte Menschen davon erhoffen?

      10 Denken wir an die Situation, die dadurch entstand, dass sich die ersten Menschen, Adam und Eva, gegen Gott auflehnten (1. Mose 3:1-6). Das Unrecht zu dulden hätte für Jehova bedeutet, seine eigene Stellung als höchster Souverän zu untergraben. Als gerechter Gott war er gezwungen, sie zum Tode zu verurteilen (Römer 6:23). In der ersten Prophezeiung der Bibel sagte er voraus, dass zwischen seinen eigenen Dienern und den Anhängern der „Schlange“ (Satan) Feindschaft herrschen würde (Offenbarung 12:9; 1. Mose 3:15). Die Feindschaft wäre nur dadurch zu beseitigen, dass Satan schließlich zermalmt würde (Römer 16:20). Diese Urteils­vollstreckung würde gerechten Menschen große Segnungen bringen, denn die Erde wäre dann vom Einfluss Satans befreit und einem globalen Paradies würde nichts mehr im Weg stehen (Matthäus 19:28). Bis dahin wären diejenigen, die auf Satans Seite stehen, allerdings eine konstante Bedrohung für das körperliche und geistige Wohl des Volkes Gottes. Jehova würde deshalb hin und wieder einschreiten müssen.

      Gott schreitet gegen das Böse ein

      11. Weshalb sah sich Gott gezwungen, eine weltweite Flut herbeizuführen?

      11 Die Flut der Tage Noahs ist ein Beispiel für ein solches Einschreiten. In 1. Mose 6:11, 12 heißt es: „Die Erde jedoch war aus der Sicht des wahren Gottes verdorben und voll Gewalt. Ja, Gott sah auf die Erde und sie war verdorben. Alle Menschen auf der Erde hatten einen schlechten Weg eingeschlagen.“ Würde Gott zulassen, dass die Bösen den letzten Funken Moral auf der Erde auslöschen? Nein. Jehova sah sich gezwungen, die Erde durch eine weltweite Flut von allen zu befreien, die Gewalt und Unmoral liebten.

      12. (a) Was sagte Jehova über Abrahams „Nachkommen“ voraus? (b) Warum sollten die Amoriter ausgerottet werden?

      12 Ähnlich war es bei dem Urteil, das Gott gegen die Kanaaniter fällte. Jehova offenbarte, dass Abraham einen „Nachkommen“ hervorbringen würde, durch den alle Familien der Erde gesegnet werden sollten. Zu diesem Zweck bestimmte Gott, dass Abrahams Nachkommen das Land Kanaan erhielten, in dem die Amoriter wohnten. Wie lässt es sich rechtfertigen, dass Gott dieses Volk gewaltsam aus seinem Land vertrieb? Jehova sagte voraus, dass die Vertreibung erst nach zirka 400 Jahren einsetzen würde, denn „das Vergehen der Amoriter hat[te] noch nicht sein volles Maß erreicht“ (1. Mose 12:1-3; 13:14, 15; 15:13, 16; 22:18).b In dieser Zeit sanken sie moralisch immer tiefer. Kanaan wurde zu einem Land des Götzendienstes, des Blutvergießens und abartiger Sexualpraktiken (2. Mose 23:24; 34:12, 13; 4. Mose 33:52). Die Bewohner verbrannten sogar Kinder in Opferfeuern. Könnte ein heiliger Gott sein Volk einer solchen Schlechtigkeit aussetzen? Nein! Er erklärte: „Das Land [ist] unrein. Ich werde es für sein Vergehen bestrafen und das Land wird seine Bewohner ausspucken“ (3. Mose 18:21-25). Jehova vernichtete die Bewohner jedoch nicht wahllos. Gut gesinnte Kanaaniter wie Rahab und die Gibeoniter wurden verschont (Josua 6:25; 9:3-27).

      Gott kämpft für seinen Namen

      13, 14. (a) Wieso sah sich Jehova gezwungen, seinen Namen zu heiligen? (b) Wie tilgte Jehova die Schande von seinem Namen?

      13 Da Jehova heilig ist, ist auch sein Name heilig (3. Mose 22:32). Jesus lehrte seine Jünger beten: „Dein Name soll geheiligt werden“ (Matthäus 6:9). Durch die Rebellion im Garten Eden wurde Gottes Name entweiht und Gottes Ruf und Herrschaftsweise infrage gestellt. Jehova konnte über eine solche Verleumdung und Rebellion auf keinen Fall hinwegsehen. Er sah sich gezwungen, seinen Namen von aller Schande zu befreien (Jesaja 48:11).

      14 Gehen wir nochmals zurück zu den Israeliten: Solange sie als Sklaven in Ägypten waren, erschien ihnen Gottes Versprechen, dass durch Abrahams Nachkommen alle Familien der Erde gesegnet würden, nichtssagend. Doch als Jehova sie befreite und zu einer Nation machte, tilgte er die Schande von seinem Namen. Deshalb sagte der Prophet Daniel in einem Gebet: „O Jehova, unser Gott, der du dein Volk mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt und dir einen Namen gemacht hast“ (Daniel 9:15).

      15. Weshalb befreite Jehova die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft?

      15 Dieses Gebet sprach Daniel interessanter­weise zu einer Zeit, als die Juden erneut darauf angewiesen waren, dass Jehova für seinen Namen eintrat. Die ungehorsamen Juden befanden sich in Gefangenschaft – diesmal in Babylon. Jerusalem, ihre Hauptstadt, lag in Trümmern. Daniel war klar, dass Jehovas Name verherrlicht würde, wenn die Juden in ihre Heimat zurückkehrten. Deshalb betete er: „O Jehova, vergib doch! O Jehova, schenk uns doch Aufmerksamkeit und handle! In deinem eigenen Interesse, o mein Gott, zögere nicht, denn deine Stadt und dein Volk tragen deinen Namen“ (Daniel 9:18, 19).

      Gott kämpft für sein Volk

      16. Erkläre, wieso Jehovas Interesse an seinem Namen nicht bedeutet, dass er kalt oder ichbezogen wäre.

      16 Kann man sagen, Jehova sei kalt und ichbezogen, weil er darauf bedacht ist, seinen Namen zu verteidigen? Nein, denn dadurch, dass er im Einklang mit seiner Heiligkeit und Gerechtigkeits­liebe handelt, schützt er sein Volk. In 1. Mose, Kapitel 14 lesen wir von vier Königen, die bei ihrem Angriff Abrahams Neffen Lot und dessen Familie verschleppten. Mit Gottes Hilfe brachte Abraham dem haushoch überlegenen Heer eine schwere Niederlage bei. Der Bericht über diesen Sieg war wahrscheinlich der erste Eintrag im „Buch der Kriege Jehovas“, das offensichtlich auch einige militärische Zusammenstöße enthielt, von denen die Bibel nichts sagt (4. Mose 21:14). Zahlreiche weitere Siege sollten folgen.

      17. Was zeigt, dass Jehova nach dem Einzug ins Land Kanaan für die Israeliten kämpfte? Nenne Beispiele.

      17 Kurz vor dem Einzug ins Land Kanaan versicherte Moses den Israeliten: „Jehova, euer Gott, wird vor euch hergehen und für euch kämpfen, so wie er es in Ägypten vor euren Augen getan hat“ (5. Mose 1:30; 20:1). Beginnend mit Josua, Moses’ Nachfolger, und weiter während der Richterzeit und der Regentschaft treuer judäischer Könige kämpfte Jehova für sein Volk und schenkte ihm viele aufsehenerregende Siege über seine Feinde (Josua 10:1-14; Richter 4:12-17; 2. Samuel 5:17-21).

      18. (a) Warum können wir dankbar sein, dass sich Jehova nicht geändert hat? (b) Was wird geschehen, wenn die in 1. Mose 3:15 beschriebene Feindschaft ihren Höhepunkt erreicht?

      18 Jehova hat sich nicht geändert, genauso wenig wie sein Vorsatz, aus unserem Planeten ein friedliches Paradies zu machen (1. Mose 1:27, 28). Gott hasst das Böse nach wie vor. Gleichzeitig liebt er seine Anbeter innig und wird bald für sie einschreiten (Psalm 11:7). Die in 1. Mose 3:15 beschriebene Feindschaft wird sich in naher Zukunft dramatisch zuspitzen. Jehova tritt dann erneut als „mächtiger Krieger“ auf, um seinen Namen zu heiligen und sein Volk zu schützen (Sacharja 14:3; Offenbarung 16:14, 16).

      19. (a) Veranschauliche, warum Gottes vernichtende Macht auf uns anziehend wirken kann. (b) Wie sollte sich Gottes Bereitschaft, zu kämpfen, auf uns auswirken?

      19 Denken wir einmal über folgendes Beispiel nach: Angenommen, eine Familie wird von einem bösartigen Tier angegriffen. Der Mann stürzt sich auf die Bestie und tötet sie. Würden sich seine Frau und seine Kinder von dieser Tat abgestoßen fühlen? Ganz im Gegenteil, seine selbstlose Liebe würde sie bestimmt tief bewegen. Genauso sollten auch wir uns von Gottes vernichtender Macht nicht abgestoßen fühlen. Seine Bereitschaft, zu unserem Schutz zu kämpfen, sollte unsere Liebe zu ihm vertiefen und unsere Achtung vor seiner grenzenlosen Macht steigern. So können wir „für Gott heiligen Dienst tun“ – „mit Gottesfurcht und Respekt“ (Hebräer 12:28).

      Dem „mächtigen Krieger“ näherkommen

      20. Wie sollten wir reagieren, wenn wir biblische Berichte über göttliche Kriege nicht ganz verstehen, und warum?

      20 Natürlich erklärt die Bibel die Entscheidungen, die Jehova in seiner Kriegführung trifft, nicht jedes Mal in allen Einzelheiten. Doch Jehova übt seine vernichtende Macht niemals mutwillig, grausam oder zu Unrecht aus – dessen können wir immer sicher sein. Der Kontext eines Bibelberichts oder Hintergrund­informationen sind oft eine Hilfe, die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel zu sehen (Sprüche 18:13). Schon dadurch, dass wir mehr über Jehova lernen und über seine wertvollen Eigenschaften nachdenken, können sich Zweifel, die in uns aufsteigen mögen, in Luft auflösen – selbst wenn wir nicht immer alle Details kennen. Uns wird dann klar, dass wir allen Grund haben, unserem Gott Jehova zu vertrauen (Hiob 34:12).

      21. Wie ist Jehova im Grunde seines Herzens, obwohl er manchmal als „mächtiger Krieger“ auftritt?

      21 Jehova tritt zwar als „mächtiger Krieger“ auf, wenn es die Situation erfordert, aber das heißt nicht, dass er im Grunde seines Herzens kriegerisch ist. In Hesekiels Vision von dem himmlischen Wagen ist Jehova für den Kampf gegen seine Feinde bereit. Doch Hesekiel sah ihn von einem Regenbogen umgeben – ein Friedenssymbol (1. Mose 9:13; Hesekiel 1:28; Offenbarung 4:3). Jehova strahlt eindeutig Ruhe und Frieden aus. Der Apostel Johannes schrieb über ihn: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8). Alle Eigenschaften Jehovas sind vollkommen im Gleichgewicht. Wie glücklich wir uns doch schätzen können, dass wir uns einem so mächtigen und zugleich liebevollen Gott nähern dürfen!

      a Nach Angaben des jüdischen Historikers Josephus hatten die Ägypter, die die Hebräer verfolgten, „sechshundert Wagen, fünfzigtausend Reiter und zweihundert­tausend Fußsoldaten“ (Jüdische Altertümer, 2. Buch, Kap. 15, Abs. 3).

      b Der Ausdruck „Amoriter“ steht hier offenbar für alle Völker Kanaans (5. Mose 1:6-8, 19-21, 27; Josua 24:15, 18).

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Könige 6:8-17 Wie kann uns Jehovas Rolle als „Herr der Heere“ in schweren Zeiten Mut machen?

      • Hesekiel 33:10-20 Wie übt Jehova gegenüber denen, die sein Gesetz übertreten, Barmherzigkeit, ehe er seine vernichtende Macht einsetzt?

      • 2. Thessalonicher 1:6-10 Wieso wird die künftige Vernichtung der Bösen den treuen Dienern Gottes Erleichterung bringen?

      • 2. Petrus 2:4-13 Was veranlasst Jehova, seine vernichtende Macht auszuüben, und welche Lehre kann die Menschheit daraus ziehen?

  • Schützende Macht – „Gott ist unsere Zuflucht“
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Hirte hält ein Lamm in den Armen.

      KAPITEL 7

      Schützende Macht – „Gott ist unsere Zuflucht“

      1, 2. Wieso waren die Israeliten in Gefahr, als sie 1513 v. u. Z. in die Sinairegion kamen, und wie sprach ihnen Jehova Mut zu?

      DIE Israeliten waren in Gefahr, als sie Anfang des Jahres 1513 v. u. Z. in die Sinairegion kamen. Vor ihnen lag eine beängstigende Reise durch eine „große, Furcht einflößende Wildnis“ mit „Giftschlangen und Skorpionen“ (5. Mose 8:15). Auch lauerten feindliche Völker auf sie. In diese Lage hatte Jehova sie gebracht. War er als ihr Gott imstande sie zu beschützen?

      2 Seine Worte klangen äußerst vertrauenerweckend: „Ihr habt selbst gesehen, was ich mit den Ägyptern gemacht habe, um euch auf Adlerflügeln zu tragen und zu mir zu bringen“ (2. Mose 19:4). Jehova erinnerte sein Volk daran, dass er es vor den Ägyptern gerettet, ja wie auf Adlerflügeln in Sicherheit gebracht hatte. Aber es gibt noch andere Gründe, warum „Adlerflügel“ ein passendes Bild für göttlichen Schutz sind.

      3. Warum sind „Adlerflügel“ ein passendes Bild für göttlichen Schutz?

      3 Seine großen, kräftigen Schwingen – die eine Spannweite von über zwei Metern haben können – benutzt der Adler nicht nur, um hoch am Himmel zu kreisen. In der Mittagshitze breitet die Adlermutter ihre Flügel über ihre hilflosen Jungen aus, um sie gegen die sengende Sonne abzuschirmen. Bläst ein kalter Wind, hüllt sie die Nestlinge mit ihren Schwingen ein. So wie der Adler über seinen Nachwuchs wacht, beschützte und verteidigte Jehova die noch junge Nation Israel. Auch jetzt in der Wildnis würde sein Volk jederzeit im Schatten seiner mächtigen Flügel Zuflucht finden, solange es ihm treu bliebe (5. Mose 32:9-11; Psalm 36:7). Aber können auch wir heute mit Gottes Schutz rechnen?

      Göttlicher Schutz zugesagt

      4, 5. Warum können wir uns auf Gottes Versprechen, uns zu beschützen, hundertprozentig verlassen?

      4 Jehova ist mit Sicherheit in der Lage, seine Diener zu schützen. Er ist „Gott, der Allmächtige“ – ein Titel, der auf seine unbezwingbare Macht hindeutet (1. Mose 17:1). Jehova an seiner Machtausübung hindern zu wollen wäre so, als würde man sich gegen eine Flutwelle stemmen. Da er alles tun kann, was sein Wille ist, könnte in uns die Frage aufkommen: Ist es denn Jehovas Wille, seine Macht zum Schutz seines Volkes einzusetzen?

      5 Die Antwort lautet mit einem Wort: Ja! Jehova sichert seinem Volk zu, es zu beschützen. „Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, eine Hilfe, die in der Not leicht zu finden ist“, heißt es in Psalm 46:1. Da Gott „nicht lügen kann“, können wir uns auf sein Versprechen, uns zu beschützen, hundertprozentig verlassen (Titus 1:2). Sehen wir uns einige der anschaulichen Wortbilder an, mit denen Jehova seinen fürsorglichen Schutz beschreibt.

      6, 7. (a) Wie beschützte ein Hirte in biblischer Zeit seine Schafe? (b) Wie veranschaulicht die Bibel Jehovas innigen Wunsch, seine Schafe zu behüten und zu beschützen?

      6 Jehova ist ein Hirte und „wir sind sein Volk und die Schafe seiner Weide“ (Psalm 23:1; 100:3). Kaum ein Tier ist so hilflos wie das Hausschaf. In biblischer Zeit brauchte ein Hirte Mut, um seine Herde vor Löwen, Wölfen und Bären sowie vor Dieben zu schützen (1. Samuel 17:34, 35; Johannes 10:12, 13). Es gab aber auch Momente, da kam es auf Behutsamkeit an. Wenn ein Schaf weitab von der Herde ein Junges zur Welt brachte, bewachte es der fürsorgliche Hirte in diesen kritischen Augenblicken, hob dann das wehrlose Lamm auf und trug es zur Herde.

      Ein Hirte trägt ein Lamm an seiner Brust.

      „An seiner Brust wird er sie tragen“

      7 Durch den Vergleich mit einem Hirten zeigt Jehova, dass es sein inniger Wunsch ist, uns zu beschützen (Hesekiel 34:11-16). Vielleicht erinnern wir uns an die Beschreibung Jehovas in Jesaja 40:11, auf die bereits Kapitel 2 dieses Buches einging: „Wie ein Hirte wird er sich um seine Herde kümmern. Mit seinem Arm wird er die Lämmer zusammenbringen und an seiner Brust wird er sie tragen.“ Wie kommt das kleine Lamm an die Brust des Hirten – in die Falten seines Obergewands? Vielleicht läuft es zu ihm hin und stupst ihn sogar ans Bein. Aber es ist der Hirte, der sich bücken, es hochheben und behutsam an seiner Brust bergen muss. Was für ein ansprechendes Bild für die Bereitschaft unseres großen Hirten, uns zu behüten und zu beschützen!

      8. (a) Wem kommt Gottes Schutzversprechen zugute, und wie wird das in Sprüche 18:10 angedeutet? (b) Was heißt es, zum Namen Gottes Zuflucht zu nehmen?

      8 Gottes Versprechen, uns zu beschützen, ist an eine Bedingung geknüpft: dass wir seine Nähe suchen. In Sprüche 18:10 wird erklärt: „Der Name Jehovas ist ein starker Turm. Der Gerechte läuft hinein und wird beschützt.“ In biblischer Zeit wurden in der Wildnis manchmal Türme als Zufluchtsorte gebaut. Wer sich in Gefahr befand, musste allerdings selbst dorthin fliehen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ähnlich ist es, wenn man zum Namen Gottes Zuflucht nimmt. Dazu gehört mehr, als Gottes Namen nur herzusagen, denn dieser Name ist keine Zauberformel. Das Entscheidende ist, den Namensträger zu kennen, ihm zu vertrauen und nach seinen gerechten Normen zu leben. Wie gütig von Jehova, uns zu versichern, dass er sich als schützender Turm erweisen wird, wenn wir uns glaubensvoll an ihn wenden!

      Unser Gott kann uns befreien

      9. Hat Jehova seinen Schutz lediglich mit Worten zugesagt?

      9 Jehova hat uns seinen Schutz aber nicht nur zugesagt. In biblischer Zeit bewies er durch Wunder, dass er sein Volk wirklich beschützen kann. Die Geschichte Israels ist voller Beispiele dafür, dass Gottes starke „Hand“ mächtige Feinde in Schach hielt (2. Mose 7:4). Doch auch für Einzelpersonen gebrauchte Jehova seine schützende Macht.

      10, 11. Welche biblischen Beispiele zeigen, wie Jehova Einzelpersonen durch seine Macht beschützte?

      10 Als sich drei junge Hebräer – Schadrach, Meschach und Abednego – nicht vor der goldenen Statue Nebukadnezars niederbeugten, drohte der wütende König damit, sie in einen überhitzten Ofen zu werfen. „Welcher Gott kann euch … aus meiner Hand befreien?“, höhnte Nebukadnezar, der mächtigste Herrscher der damaligen Zeit (Daniel 3:15). Die drei jungen Männer hatten volles Vertrauen in die Macht ihres Gottes, sie zu beschützen, aber sie setzten nicht voraus, dass er es auch tun würde. Sie erwiderten: „Wenn nötig kann unser Gott, dem wir dienen, uns … befreien“ (Daniel 3:17). Der brennende Ofen stellte für ihren allmächtigen Gott kein Problem dar, obwohl er siebenmal stärker geheizt war als normal. Gott beschützte sie, und der König musste zugeben: „Kein anderer Gott ist in der Lage, so zu retten wie dieser Gott“ (Daniel 3:29).

      11 Auch als Jehova das Leben seines einziggezeugten Sohnes in den Mutterleib der jüdischen Jungfrau Maria übertrug, bewies er auf außergewöhnliche Weise seine schützende Macht. Ein Engel teilte Maria mit: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen.“ Er erklärte weiter: „Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird auf dir ruhen“ (Lukas 1:31, 35). Gottes Sohn war wohl nie so verwundbar wie damals. Würde die Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit der menschlichen Mutter dem Embryo schaden? Könnte es Satan gelingen, diesen Sohn vor seiner Geburt zu verletzen oder zu töten? Unmöglich! Jehova errichtete praktisch eine Schutzmauer um Maria, sodass vom Moment der Empfängnis an nichts und niemand dem keimenden Leben etwas anhaben konnte: keine Unvollkommenheit, kein schädlicher Einfluss, kein Mensch mit Mordabsichten und kein Dämon. Auch während seiner Kindheit und Jugend wurde Jesus von Jehova beschützt (Matthäus 2:1-15). Bis zu der von Gott bestimmten Zeit war sein geliebter Sohn unantastbar.

      12. Warum beschützte Jehova in biblischer Zeit Einzelpersonen auf übernatürliche Weise?

      12 Weshalb beschützte Jehova Einzelpersonen auf übernatürliche Weise? In vielen Fällen tat er das, um etwas noch viel Wichtigeres zu schützen: die Verwirklichung seines Vorsatzes. So war das Überleben des kleinen Jesus für Gottes Vorsatz, der letztlich allen Menschen zugutekommen wird, von höchster Wichtigkeit. Die vielen Berichte über Gottes schützende Macht sind Teil der inspirierten Schriften, die „zu unserer Anleitung aufgeschrieben worden [sind], damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Römer 15:4). Ja, diese Beispiele stärken unseren Glauben an den allmächtigen Gott. Aber was für einen Schutz können wir heutzutage von Gott erwarten?

      Was göttlicher Schutz nicht bedeutet

      13. Ist Jehova verpflichtet, für uns Wunder zu wirken? Erkläre es.

      13 Das Versprechen, uns zu beschützen, bedeutet nicht, dass Jehova verpflichtet wäre, für uns Wunder zu wirken. Unser Gott garantiert uns in dem heutigen Weltsystem kein problemfreies Leben. Viele treue Diener Jehovas machen schweres Leid durch und bleiben von Armut, Kriegen, Krankheiten und dem Tod nicht verschont. Jesus sagte seinen Jüngern rundheraus, dass einzelne von ihnen wegen ihres Glaubens getötet würden. Deswegen betonte Jesus, dass sie bis zum Ende ausharren müssten (Matthäus 24:9, 13). Würde Jehova in allen Fällen durch seine Macht eine übernatürliche Befreiung bewirken, würde Satan ihn mit Sicherheit verhöhnen und die Echtheit unserer Gottergebenheit anzweifeln (Hiob 1:9, 10).

      14. Welche Beispiele zeigen, dass Jehova seine Diener nicht immer genau gleich beschützt?

      14 Auch in biblischer Zeit gebrauchte Jehova seine schützende Macht nicht, um jeden seiner Diener vor einem verfrühten Tod zu bewahren. So wurde der Apostel Jakobus um das Jahr 44 u. Z. von Herodes hingerichtet, während Petrus kurz danach „aus der Hand von Herodes befreit“ wurde (Apostel­geschichte 12:1-11). Und Johannes, der Bruder von Jakobus, überlebte sogar noch Petrus. Ganz klar, wir können nicht erwarten, dass Gott alle seine Diener genau gleich beschützt. Außerdem treffen „Zeit und unerwartete Ereignisse“ jeden von uns (Prediger 9:11). Wie schützt Jehova uns also heute?

      Jehova gibt uns buchstäblichen Schutz

      15, 16. (a) Was beweist, dass Jehova seine Anbeter als Gruppe buchstäblich schützt? (b) Weshalb können wir uns darauf verlassen, dass Jehova seine Diener jetzt und während der „großen Drangsal“ beschützt?

      15 Befassen wir uns als Erstes mit dem buchstäblichen Schutz. Anbeter Jehovas können als Gruppe mit einem solchen Schutz rechnen. Andernfalls wären sie für Satan eine leichte Beute. Wir brauchen nur daran zu denken, dass Satan, „der Herrscher dieser Welt“, nichts lieber täte, als die wahre Anbetung auszulöschen (Johannes 12:31; Offenbarung 12:17). Einige der mächtigsten Staaten haben unser Predigtwerk verboten und versucht uns auszurotten. Doch Jehovas Volk ist standhaft geblieben und hat unbeirrt weitergepredigt. Warum ist es mächtigen Nationen nicht gelungen, die Tätigkeit dieser relativ kleinen und scheinbar wehrlosen Gruppe von Christen zu stoppen? Weil Jehova seine starken Flügel über uns ausbreitet (Psalm 17:7, 8).

      16 Wie sieht es während der kommenden „großen Drangsal“ mit buchstäblichem Schutz aus? Wir brauchen vor der Vollstreckung des göttlichen Gerichts keine Angst zu haben, denn Jehova weiß, „wie er gottergebene Menschen aus der Prüfung rettet, Ungerechte dagegen aufbewahrt, damit sie am Tag des Gerichts vernichtet werden“ (Offenbarung 7:14; 2. Petrus 2:9). Bis dahin können wir uns auf Folgendes felsenfest verlassen: Erstens wird Jehova nicht zulassen, dass seine loyalen Diener auf der Erde ausgelöscht werden. Zweitens wird er alle, die treu geblieben sind, in seiner gerechten neuen Welt mit ewigem Leben belohnen – wenn nötig durch eine Auferstehung. Die Verstorbenen könnten nirgendwo sicherer aufgehoben sein als in Gottes Gedächtnis (Johannes 5:28, 29).

      17. Wie schützt uns Jehova durch sein Wort?

      17 Schon heute schützt uns Jehova durch sein lebendiges Wort, von dem eine motivierende Kraft ausgeht, die tiefe Wunden heilen und das Leben von Grund auf verändern kann (Hebräer 4:12). Dadurch, dass wir uns von biblischen Grundsätzen leiten lassen, werden wir auf verschiedenen Gebieten vor Schaden bewahrt. Aus Jesaja 48:17 erfahren wir, dass Jehova uns zu unserem Nutzen lehrt. Nach Gottes Wort zu leben ist eindeutig unserer Gesundheit förderlich und kann unser Leben verlängern. Der biblische Rat beispielsweise, uns von sexueller Unmoral zu enthalten und uns von „jeder Verunreinigung“ zu reinigen, bewahrt uns vor den Praktiken und Gewohnheiten, die das Leben vieler gottloser Menschen ruinieren (2. Korinther 7:1; Apostel­geschichte 15:29). Wie dankbar können wir doch für den Schutz sein, den Gottes Wort uns bietet!

      Jehova gibt uns geistigen Schutz

      18. Welchen geistigen Schutz bietet uns Jehova?

      18 Am wichtigsten ist jedoch, dass Jehova uns geistigen Schutz bietet. Unser liebevoller Gott versorgt uns mit allem, was wir brauchen, um Prüfungen durchzustehen und unsere Beziehung zu ihm aufrecht­zu­erhalten. Jehova möchte unser Leben nicht nur für einige wenige Jahre bewahren, sondern für die Ewigkeit. Sehen wir uns einmal an, was Jehova zu unserem geistigen Schutz tut.

      19. Wie wappnet uns Jehovas Geist für alle Prüfungen?

      19 Jehova ist der „Hörer des Gebets“ (Psalm 65:2). Wenn uns die Belastungen des Lebens hart zusetzen, können wir ihm unser Herz ausschütten und dadurch Erleichterung verspüren (Philipper 4:6, 7). Er wird unsere Probleme wahrscheinlich nicht durch ein Wunder lösen, aber er kann uns als Antwort auf unsere innigen Gebete die Weisheit geben, richtig damit umzugehen (Jakobus 1:5, 6). Und noch mehr: Jehova gibt denen, die ihn darum bitten, heiligen Geist (Lukas 11:13). Dieser machtvolle Geist kann bewirken, dass wir jeder Prüfung und jedem Problem gewachsen sind. Er erfüllt uns mit „Kraft, die über das Normale hinausgeht“, damit wir durchhalten, bis Jehova in der nahe bevorstehenden neuen Welt alles Leid beseitigt (2. Korinther 4:7).

      20. Wie wirkt Jehovas schützende Macht durch unsere Glaubensbrüder?

      20 Bisweilen wirkt Jehovas schützende Macht durch unsere Glaubensbrüder. Jehova hat sein Volk zu einer weltweiten „Bruderschaft“ zusammengebracht (1. Petrus 2:17; Johannes 6:44). In der Geborgenheit dieser großen Familie sehen wir ein lebendiges Zeugnis für den machtvollen positiven Einfluss des heiligen Geistes Gottes auf Menschen. Dieser Geist bringt Frucht hervor: anziehende, wertvolle Eigenschaften wie Liebe, Freundlichkeit und Güte (Galater 5:22, 23). Wenn wir also Kummer haben und ein Bruder oder eine Schwester fühlt sich gedrängt, uns einen hilfreichen Rat zu geben oder uns genau im richtigen Moment Mut zuzusprechen, können wir darin Jehovas fürsorglichen Schutz sehen und ihm dafür danken.

      21. (a) Welche zeitgemäße geistige Nahrung stellt Jehova durch den „treuen und verständigen Sklaven“ bereit? (b) Wie hast du persönlich von dem profitiert, was Jehova für unseren geistigen Schutz tut?

      21 Jehova bietet uns noch etwas anderes zu unserem Schutz: zeitgemäße geistige Nahrung. Um uns zu helfen, aus seinem Wort Kraft zu gewinnen, hat Jehova den „treuen und verständigen Sklaven“ beauftragt, geistige Nahrung auszuteilen. Der treue Sklave versorgt uns durch Druckschriften wie den Wachtturm und das Erwachet!, durch die Website jw.org, durch Zusammenkünfte und Kongresse zur richtigen Zeit mit Nahrung – Bedarf entdeckt, Bedarf gedeckt (Matthäus 24:45). Hast du schon einmal etwas in einer christlichen Zusammenkunft gehört – in einem Kommentar, einem Vortrag oder sogar in einem Gebet –, was dir genau im richtigen Moment Kraft und Mut gegeben hat? Oder hat schon einmal ein bestimmter Artikel in einer unserer Zeitschriften dein Blickfeld erweitert? Dann denk daran: Jehova stellt das alles zu unserem geistigen Schutz bereit.

      22. Wozu gebraucht Jehova seine Macht immer, und wieso ist das in unserem Interesse?

      22 Jehova ist mit Sicherheit „für alle, die bei ihm Schutz suchen, … ein Schild“ (Psalm 18:30). Das heißt nicht, dass er seine Macht einsetzt, um uns schon heute vor allem Unglück zu bewahren. Doch er wird seine schützende Macht immer dazu gebrauchen, die Verwirklichung seines Vorsatzes zu garantieren. Damit ist seinem Volk auf lange Sicht am besten gedient. Wenn wir uns Jehova nähern und in seiner Liebe bleiben, liegt eine Ewigkeit vollkommenen Lebens vor uns. Mit dieser Aussicht können wir alles Leid, das uns im heutigen Weltsystem trifft, als „vorübergehend und leicht“ ansehen (2. Korinther 4:17).

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 23:1-6 Wie schützt und umsorgt Jehova, der große Hirte, sein mit Schafen vergleichbares Volk?

      • Psalm 91:1-16 Was tut Jehova, damit unsere Beziehung zu ihm keinen Schaden nimmt, und was müssen wir tun, um diesen Schutz zu genießen?

      • Daniel 6:16-22, 25-27 Wie führte Jehova einem König seine schützende Macht vor Augen, und was können wir daraus lernen?

      • Matthäus 10:16-22, 28-31 Mit welchem Widerstand müssen wir rechnen, aber warum sollten wir vor Gegnern keine Angst haben?

  • Wiederherstellende Macht – Jehova macht „alles neu“
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Witwe umarmt voller Freude ihren gerade auferweckten kleinen Jungen.

      KAPITEL 8

      Wiederher­stellende Macht – Jehova macht „alles neu“

      1, 2. Unter welchen Verlusten leidet die Menschheit heute, und wie wirken sie sich aus?

      EIN Kind hat sein Lieblingsspielzeug verloren oder kaputt gemacht und das Geschrei ist groß – zum Steinerweichen! Hast du schon einmal beobachtet, wie sich so ein Kindergesicht aufhellt, sobald die Mutter oder der Vater den Schaden behebt? Für die Eltern ist es oft nur eine Kleinigkeit, das Spielzeug zu finden oder auch zu reparieren. Aber das Kind strahlt übers ganze Gesicht und staunt nur so. Etwas, was für immer verloren schien, ist wieder da!

      2 Jehova, das Idealbild eines Vaters oder einer Mutter, hat die Macht, das wiederher­zu­stellen, was seine irdischen Kinder rettungslos verloren glauben. Hierbei geht es natürlich um mehr als nur um Spielsachen. In den heutigen „kritischen Zeiten …, mit denen man schwer fertigwird“, gibt es weit schlimmere Verluste zu beklagen (2. Timotheus 3:1-5). Vieles, worauf die Menschen großen Wert legen, ist gefährdet: Wohnung, Besitz, Arbeit, Gesundheit. Auch die Umweltzerstörung und die damit einhergehenden Verluste, etwa das Artensterben, sind erschreckend. Doch nichts trifft einen so schwer wie der Tod eines geliebten Menschen. Das Gefühl des Verlusts und der Hilflosigkeit kann übermächtig sein (2. Samuel 18:33).

      3. Welchen Trost stellt uns Apostel­geschichte 3:21 in Aussicht, und wie wird Jehova das erreichen?

      3 Wie tröstlich ist es da, etwas über Jehovas wiederher­stellende Macht zu erfahren! Wie wir sehen werden, kann Gott für seine irdischen Kinder unfassbar vieles wiederherstellen und er wird es auch tun. Die Bibel verrät sogar, dass Jehova alles wiederherstellen wird (Apostel­geschichte 3:21). Das erreicht er durch das messianische Königreich, an dessen Spitze sein Sohn, Jesus Christus, steht. Alles deutet darauf hin, dass dieses Königreich 1914 im Himmel zu regieren begonnen hat (Matthäus 24:3-14).a Was wird wiederher­gestellt? Befassen wir uns mit einigen großartigen Wiederherstellungstaten Jehovas. Eine davon können wir jetzt schon beobachten und miterleben. Andere werden künftig weitreichende Auswirkungen haben.

      Die Wiederherstellung der reinen Anbetung

      4, 5. Was erlebte Gottes Volk 607 v. u. Z., und welche Hoffnung weckte Jehova?

      4 Etwas, was Jehova bereits wiederher­gestellt hat, ist die reine Anbetung. Um zu erfassen, was das bedeutet, wollen wir kurz die Geschichte des Königreichs Juda streifen. Dadurch erhalten wir faszinierende Einblicke in Jehovas wiederher­stellende Macht (Römer 15:4).

      5 Versuchen wir uns vorzustellen, wie treuen Juden bei der Zerstörung Jerusalems 607 v. u. Z. zumute war. Ihre geliebte Stadt war dem Erdboden gleichgemacht, die Mauern niedergerissen. Schlimmer noch: Der prächtige Tempel, den Salomo gebaut hatte und der weltweit das einzige Zentrum der reinen Anbetung Jehovas war, lag in Trümmern (Psalm 79:1). Die Überlebenden wurden nach Babylon weggeführt, und ihre Heimat wurde zu einer Einöde, dem Wohnsitz wilder Tiere (Jeremia 9:11). Vom menschlichen Standpunkt gesehen, war alles aus und vorbei (Psalm 137:1). Doch Jehova, der diese Zerstörung schon lange vorhergesagt hatte, weckte die Hoffnung auf eine Wiederherstellung.

      6-8. (a) Welches Thema griffen die hebräischen Propheten immer wieder auf, und welche erste Erfüllung hatten diese Prophezeiungen? (b) Welche Wiederherstellung hat Gottes Volk in der heutigen Zeit erlebt?

      6 Die hebräischen Propheten griffen das Thema Wiederherstellung wiederholt auf.b Durch sie verhieß Jehova ein wiederher­gestelltes, wieder bevölkertes, fruchtbares, vor wilden Tieren und feindlichen Angriffen geschütztes Land. Er beschrieb das wiederher­gestellte Land als regelrechtes Paradies (Jesaja 65:25; Hesekiel 34:25; 36:35). Vor allem sollte die reine Anbetung wieder eingeführt und der Tempel wieder aufgebaut werden (Micha 4:1-5). Diese Prophezeiungen machten den Juden Hoffnung und halfen ihnen, die 70-jährige Gefangenschaft in Babylon zu ertragen.

      7 Endlich kam die Zeit der Wiederherstellung. Aus Babylon befreit kehrten die Juden nach Jerusalem zurück und bauten den Tempel Jehovas wieder auf (Esra 1:1, 2). Solange sie an der reinen Anbetung festhielten, segnete Jehova sie und ließ ihr Land gedeihen. Er beschützte sie vor Feinden und vor den wilden Tieren, die das Land jahrzehntelang unsicher gemacht hatten. Wie sie sich über Jehovas wiederher­stellende Macht gefreut haben müssen! Doch es handelte sich nur um eine erste, begrenzte Erfüllung der Wiederherstellungs­prophezeiungen. Eine größere Erfüllung sollte „am Ende der Tage“ kommen, wenn der lang verheißene Erbe König Davids den Thron bestiegen hätte, also in unserer Zeit (Jesaja 2:2-4; 9:6, 7).

      8 Kurz nach seiner Inthronisierung im himmlischen Königreich 1914 wandte sich Jesus den treuen Dienern Gottes auf der Erde zu. So, wie der persische Eroberer Cyrus 537 v. u. Z. einen Überrest der Juden aus Babylon befreite, befreite auch Jesus einen Überrest sinnbildlicher Juden – seine eigenen Nachfolger – vom Einfluss von „Babylon der Großen“, dem Weltreich der falschen Religion (Offenbarung 18:1-5; Römer 2:29). Seit 1919 hat die reine Anbetung wieder ihren richtigen Platz im Leben wahrer Christen (Maleachi 3:1-5). Seitdem wird Jehova von seinem Volk in seinem gereinigten geistigen Tempel angebetet. Dieser Tempel steht für alles, wofür Jehova gesorgt hat, damit man ihn auf annehmbare Weise anbeten kann. Warum ist die Wiederherstellung der reinen Anbetung für uns heute wichtig?

      Warum die Wiederherstellung der reinen Anbetung so bedeutend ist

      9. Was machte die Christenheit nach dem apostolischen Zeitalter mit der Anbetung Gottes, aber was hat Jehova in unserer Zeit bewirkt?

      9 Sehen wir uns das Ganze einmal aus dem historischen Blickwinkel an. Die Christen im 1. Jahrhundert beten Jehova so an, wie er es wollte. Doch Jesus und die Apostel sagten voraus, dass die wahre Anbetung verunreinigt und nicht mehr ausgeübt würde (Matthäus 13:24-30; Apostel­geschichte 20:29, 30). Nach dem apostolischen Zeitalter bildete sich die Christenheit heraus. Ihre Geistlichen übernahmen heidnische Lehren und Bräuche. Auch versperrten sie quasi den Zutritt zu Gott, da sie ihn als unbegreifbaren dreieinigen Gott darstellten und die Leute anhielten, Priestern zu beichten und zu Maria und verschiedenen „Heiligen“ zu beten statt zu Jehova. Was hat Jehova bewirkt, nachdem jahrhundertelang verderbliche Einflüsse am Werk waren? Mitten in einer von falschen religiösen Vorstellungen und gottlosen Bräuchen durchsetzten Welt hat er die reine Anbetung wiederher­gestellt. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass diese Wiederherstellung eine der bedeutendsten Entwicklungen in neuerer Zeit ist.

      10, 11. (a) Aus welchen zwei Elementen besteht das geistige Paradies, und wie wirkt sich das auf uns aus? (b) Was für Menschen hat Jehova im geistigen Paradies zusammengebracht, und was werden sie miterleben dürfen?

      10 Wahre Christen leben heute somit in einem geistigen Paradies, das immer größer und schöner wird. Woraus besteht dieses Paradies? Im Wesentlichen aus zwei Elementen. Da ist einmal die reine Anbetung des wahren Gottes, Jehova. Er hat uns mit einer Form der Anbetung gesegnet, die von Lügen und Entstellungen frei ist. Er versorgt uns mit geistiger Nahrung. Dadurch sind wir in der Lage, unseren himmlischen Vater kennenzulernen, ihm zu gefallen und uns ihm zu nähern (Johannes 4:24). Der zweite Aspekt des geistigen Paradieses hat mit Menschen zu tun. Jehova lehrt seine Anbeter „am Ende der Tage“ die Wege des Friedens, wie es Jesaja vorhersagte. Kriege hat er unter ihnen abgeschafft. Trotz unserer Fehler hilft er uns die „neue Persönlichkeit“ anzuziehen. Er unterstützt unsere Bemühungen durch seinen heiligen Geist, der anziehende Eigenschaften in uns hervorbringt (Epheser 4:22-24; Galater 5:22, 23). Wenn wir uns von Gottes Geist leiten lassen, sind wir wirklich Teil des geistigen Paradieses.

      11 Jehova hat im geistigen Paradies die Art Menschen zusammengebracht, die er liebt – Menschen, die ihn lieben, die den Frieden lieben und „denen bewusst ist, dass sie Gott brauchen“ (Matthäus 5:3). Sie werden eine noch viel spektakulärere Wiederherstellung miterleben dürfen – die Wiederherstellung der Menschheit und der ganzen Erde.

      „Ich mache alles neu“

      12, 13. (a) Weshalb müssen die Wiederherstellungs­prophezeiungen eine weitere Erfüllung haben? (b) Was hat Jehova laut seinen Worten im Garten Eden mit der Erde vor, und wieso macht uns das Hoffnung?

      12 Viele Wiederherstellungs­prophezeiungen beziehen sich eindeutig nicht nur auf die Wiederherstellung der reinen Anbetung. So schrieb Jesaja über eine Zeit, in der die Kranken, Lahmen, Blinden und Tauben geheilt würden und sogar der Tod endgültig beseitigt wäre (Jesaja 25:8; 35:1-7). Diese Prophezeiungen erfüllten sich im alten Israel nicht buchstäblich. Und obwohl wir heute schon eine sinnbildliche Erfüllung beobachten, haben wir doch allen Grund zu der Annahme, dass die Zukunft eine buchstäbliche, umfassende Erfüllung bringen wird. Woher wissen wir das?

      13 Schon im Garten Eden machte Jehova seinen Vorsatz im Hinblick auf die Erde klar: Sie sollte von einer glücklichen, gesunden und geeinten Menschheits­familie bewohnt werden. Mann und Frau sollten sich um die Erde mitsamt allen Geschöpfen kümmern und das Paradies auf den ganzen Planeten ausdehnen (1. Mose 1:28). Die heutigen Zustände sind himmelweit davon entfernt. Wir können uns jedoch darauf verlassen, dass Jehova sein Vorhaben durch nichts vereiteln lässt (Jesaja 55:10, 11). Jesus wird als der von Gott eingesetzte messianische König dieses globale Paradies herbeiführen (Lukas 23:43).

      14, 15. (a) Wie wird Jehova „alles neu“ machen? (b) Wie wird das Leben im Paradies sein, und was sagt dir daran am meisten zu?

      14 Malen wir uns einmal aus, wie sich die ganze Erde in ein Paradies verwandelt! Jehova sagt über diese Zeit: „Ich mache alles neu“ (Offenbarung 21:5). Was wird das bedeuten? Wenn Jehova seine vernichtende Macht gegen das verkommene alte Weltsystem eingesetzt hat, bleiben „ein neuer Himmel und eine neue Erde“ übrig. Das heißt, dass eine neue Regierung vom Himmel aus über eine neue irdische Gesellschaft herrschen wird – über Menschen, die Jehova lieben und seinen Willen tun (2. Petrus 3:13). Satan und seine Dämonen werden handlungsunfähig sein (Offenbarung 20:3). Zum ersten Mal nach Tausenden von Jahren wird die Menschheit von diesem negativen, verderblichen, abscheulichen Einfluss frei sein. Die Erleichterung wird grenzenlos sein.

      15 Endlich werden wir uns um unseren schönen Planeten so kümmern können, wie es ursprünglich beabsichtigt war. Die Erde hat regenerierende Kräfte. Verschmutzte Seen und Flüsse reinigen sich von selbst, sobald die Verschmutzungsursache ausgeschaltet ist. Landschaften voller Kriegsnarben erholen sich, sobald die Kämpfe ein Ende haben. Wie befriedigend wird es sein, im Einklang mit der Natur zu arbeiten und die Erde in einen Park zu verwandeln – in einen globalen Garten Eden, der den Reiz unendlicher Vielfalt hat! Statt mutwillig Tier- und Pflanzenarten auszurotten, wird der Mensch mit der gesamten irdischen Schöpfung friedlich umgehen. Nicht einmal Kinder brauchen sich dann vor wilden Tieren zu fürchten (Jesaja 9:6, 7; 11:1-9).

      16. Was für eine Wiederherstellung wird jeder treue Mensch im Paradies erleben?

      16 Wir werden auch an uns selbst eine Wiederherstellung erleben. Nach Armageddon werden die Überlebenden auf der ganzen Erde Wunderheilungen beobachten. Wie zur Zeit seines irdischen Lebens wird Jesus mit seiner von Gott übertragenen Macht Blinde, Gehörlose, Gehbehinderte und Gebrechliche heilen (Matthäus 15:30). Ältere Menschen werden sich über ihre zurückgewonnene Jugendkraft, Gesundheit und Vitalität freuen (Hiob 33:25). Falten glätten sich, Gelenke werden wieder beweglich und Muskeln erhalten neue Spannkraft. Alle treuen Menschen werden spüren, wie die Auswirkungen von Sünde und Unvollkommenheit allmählich nachlassen und schließlich ganz verschwinden. Wie dankbar werden wir Jehova Gott für seine geniale wiederher­stellende Macht sein! Wenden wir uns jetzt aber einem besonders bewegenden Geschehen in dieser spannenden Wiederherstellungsphase zu.

      Leben wiederher­gestellt

      17, 18. (a) Was warf Jesus den Sadduzäern vor? (b) Was führte dazu, dass Elia von Jehova ein Auferstehungswunder erbat?

      17 Im 1. Jahrhundert gab es Religionslehrer, Sadduzäer genannt, die nicht an die Auferstehung glaubten. Jesus warf ihnen vor: „Ihr irrt euch, denn ihr kennt weder die Schriften noch die Macht Gottes“ (Matthäus 22:29). Aus der Bibel geht nämlich hervor, dass Jehova eine solche wiederher­stellende Macht besitzt. Was erfahren wir darüber?

      18 Versetzen wir uns in die Zeit Elias. Eine Witwe hielt den schlaffen Körper ihres einzigen Kindes in den Armen. Der Junge war tot. Das muss für den Propheten Elia, der schon einige Zeit bei der Witwe zu Gast war, ein Schock gewesen sein. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte er dazu beigetragen, das Kind vor dem Verhungern zu retten. Es kann gut sein, dass ihm der Kleine ans Herz gewachsen war. Die Mutter war untröstlich. Der Junge war die einzige lebendige Erinnerung an ihren verstorbenen Mann gewesen. Vielleicht hatte sie gehofft, ihr Sohn würde im Alter für sie sorgen. Völlig aufgelöst befürchtete sie, für einen vergangenen Fehler bestraft worden zu sein. Elia konnte dieses geballte Elend nicht mit ansehen. Behutsam nahm er den Leichnam aus den Armen der Mutter, trug ihn hinauf in sein Zimmer und bat Jehova Gott, das Leben des Kindes wiederher­zu­stellen (1. Könige 17:8-21).

      19, 20. (a) Wie bewies Abraham seinen Glauben an Jehovas wiederher­stellende Macht, und worauf beruhte dieser Glaube? (b) Wie belohnte Jehova Elias Glauben?

      19 Elia war nicht der Erste, der an die Auferstehung glaubte. Schon Jahrhunderte zuvor war Abraham davon überzeugt, dass Jehova eine solche wiederher­stellende Macht besaß – und das mit gutem Grund. Als Abraham 100 Jahre alt war und Sara 90, stellte Jehova die Fortpflanzungs­fähigkeit der beiden wieder her. Durch ein Wunder brachte Sara einen Sohn zur Welt (1. Mose 17:17; 21:2, 3). Als der Junge erwachsen war, wurde Abraham von Jehova gebeten, ihn zu opfern. Abraham bewies Glauben und rechnete damit, dass Jehova seinen geliebten Isaak wieder zum Leben bringen könnte (Hebräer 11:17-19). Dieser starke Glaube mag erklären, warum Abraham, bevor er den Berg bestieg, um seinen Sohn zu opfern, seinen Dienern versicherte, er und Isaak würden gemeinsam zurückkehren (1. Mose 22:5).

      Eine Witwe umarmt ihren kleinen Jungen; Elia hat ihn gerade auferweckt und schaut zu.

      „Sieh doch, dein Sohn lebt!“

      20 Jehova verschonte Isaak, sodass damals keine Auferstehung nötig war. Im Fall Elias dagegen war der Sohn der Witwe bereits tot – wenn auch nicht für lange Zeit. Jehova belohnte den Propheten für seinen Glauben, indem er das Kind auferweckte. Elia übergab den Jungen seiner Mutter mit den unvergesslichen Worten: „Sieh doch, dein Sohn lebt!“ (1. Könige 17:22-24).

      21, 22. (a) Welchem Zweck dienten die in der Bibel aufgezeichneten Auferstehungen? (b) Wie umfangreich wird die Auferstehung im Paradies sein, und wer wird dafür zuständig sein?

      21 Dies war das erste Mal in der Bibel, dass Jehova seine Macht gebrauchte, um menschliches Leben wiederher­zu­stellen. Später ermächtigte er auch Elisa, Jesus, Paulus und Petrus, Tote wieder zum Leben zu bringen. Natürlich starben die Auferweckten schließlich wieder. Doch solche Bibelberichte geben eine faszinierende Vorschau auf künftige Ereignisse.

      22 Im Paradies wird Jesus seine Rolle als „die Auferstehung und das Leben“ erfüllen (Johannes 11:25). Er wird unzählige Millionen auferwecken und ihnen die Gelegenheit geben, für immer im Paradies auf der Erde zu leben (Johannes 5:28, 29). Stellen wir uns vor, wie enge Freunde und Verwandte nach langer Trennung wieder vereint werden, sich in die Arme fallen und außer sich sind vor Freude! Die ganze Menschheit wird Jehova für seine wiederher­stellende Macht preisen.

      23. Was war die größte Demonstration der Macht Jehovas, und wieso ist sie eine Garantie für unsere Zukunftshoffnung?

      23 Jehova hat für diese Hoffnung eine absolut sichere Garantie gegeben. Die größte Demonstration seiner Macht war die Auferweckung seines Sohnes, Jesus, zu einem mächtigen Geistgeschöpf, über dem nur noch er selbst steht. Der auferstandene Jesus erschien Hunderten von Augenzeugen (1. Korinther 15:5, 6). Das sollte sogar für Skeptiker Beweis genug sein. Jehova hat die Macht, Leben wiederher­zu­stellen.

      24. Warum können wir sicher sein, dass Jehova die Toten auferwecken wird, und welche Hoffnung sollten wir in Ehren halten?

      24 Doch er hat nicht nur die Macht, sondern auch den Wunsch, die Toten wieder zum Leben zu bringen. Der treue Hiob sagte unter Inspiration, dass sich Jehova danach sehnt, die Toten aufzuerwecken (Hiob 14:15). Zieht es dich nicht zu diesem Gott, der den brennenden Wunsch hat, seine wiederher­stellende Macht so liebevoll zu gebrauchen? Und dabei ist die Auferstehung nur ein Aspekt des großen künftigen Wiederherstellungs­werkes Jehovas. Halte die kostbare Hoffnung, dass du miterleben kannst, wie Jehova „alles neu“ macht, immer in Ehren, während du ihm Stück für Stück näher kommst (Offenbarung 21:5).

      a Die „Zeiten …, in denen alles wiederher­gestellt wird“, begannen, als das messianische Königreich aufgerichtet und ein Thronerbe des treuen Königs David eingesetzt wurde. Jehova hatte David einen Erben versprochen, der für immer regieren würde (Psalm 89:35-37). Aber nachdem Jerusalem 607 v. u. Z. von den Babyloniern zerstört worden war, saß kein menschlicher Nachkomme Davids mehr auf Gottes Thron. Jesus, der als Erbe Davids zur Welt kam, ist seit seiner Inthronisierung im Himmel der lang verheißene König.

      b Unter anderem entwickelten Moses, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Micha und Zephanja dieses Thema.

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Könige 5:1-15 Wie kam ein Mann in biblischer Zeit durch Demut in den Genuss der wiederher­stellenden Macht Jehovas?

      • Hiob 14:12-15 Welche Zuversicht hatte Hiob, und wie kann sich diese Passage auf unsere Zukunftshoffnung auswirken?

      • Psalm 126:1-6 Wie berührt Christen heute die Wiederherstellung der reinen Anbetung und ihre Rolle dabei?

      • Römer 4:16-25 Weshalb ist es wichtig, an Jehovas wiederher­stellende Macht zu glauben?

  • Christus – „die Kraft Gottes“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus geht in einer stürmischen Nacht über den See von Galiläa.

      KAPITEL 9

      Christus – „die Kraft Gottes“

      1-3. (a) Welches beängstigende Erlebnis hatten die Jünger auf dem See von Galiläa, und was tat Jesus? (b) Warum ist die Bezeichnung „die Kraft Gottes“ für Christus passend?

      DIE Jünger gerieten in Panik. Sie waren gerade auf dem See von Galiläa, als überraschend ein Sturm aufzog. Sicherlich erlebten sie dort nicht zum ersten Mal ein Unwetter. Immerhin waren einige der Männer erfahrene Fischer (Matthäus 4:18, 19).a Doch diesmal war es ein „gewaltiger Sturm“, der das Wasser zum Tosen brachte. Verbissen mühten sich die Männer ab, das Boot zu steuern, aber der Sturm war übermächtig. Hohe Wellen schlugen in das Boot und es lief voll Wasser. Mitten in dem Tumult lag Jesus im Heck und war, nachdem er den ganzen Tag Menschenmengen belehrt hatte, erschöpft in tiefen Schlaf gesunken. Aus Angst um ihr Leben weckten ihn die Jünger und riefen: „Herr, rette uns, wir sterben!“ (Markus 4:35-38; Matthäus 8:23-25).

      2 Jesus fürchtete sich nicht. Voller Vertrauen sprach er ein Machtwort und sagte zum Wind und zum See: „Ruhe! Sei still!“ Der Wind und das Wasser gehorchten augenblicklich. Der Sturm ließ nach, die Wellen glätteten sich und „alles war ganz still“. Den Jüngern wurde es unheimlich. „Wer ist das nur?“, flüsterten sie sich zu. Ja, was für ein Mensch konnte den Wind und das Wasser zurechtweisen, als hätte er ein bockiges Kind vor sich? (Markus 4:39-41; Matthäus 8:26, 27).

      3 Doch Jesus war kein gewöhnlicher Mensch. Jehovas Macht zeigte sich an ihm und durch ihn auf außergewöhnliche Weise. Der Apostel Paulus bezeichnete Christus unter Inspiration treffend als „die Kraft Gottes“ (1. Korinther 1:24). Wie manifestierte sich Gottes Kraft an Jesus? Und wie kann sich Jesu Machtausübung auf unser Leben auswirken?

      Die Macht des einziggezeugten Sohnes Gottes

      4, 5. (a) Welche Macht übertrug Jehova seinem einziggezeugten Sohn? (b) Wie war er ausgerüstet, um das schöpferische Vorhaben seines Vaters ausführen zu können?

      4 Befassen wir uns zunächst mit der Macht, die Jesus während seiner vormenschlichen Existenz besaß. Jehova erschuf seinen einziggezeugten Sohn, der als Jesus Christus bekannt wurde, allein mit seiner „ewigen Macht“ (Römer 1:20; Kolosser 1:15). Danach übertrug er diesem Sohn enorme Macht, als er ihn mit seinem schöpferischen Vorhaben betraute. Die Bibel sagt über den Sohn, hier „das Wort“ genannt: „Alles kam durch das Wort ins Dasein und ohne das Wort kam gar nichts ins Dasein“ (Johannes 1:3).

      5 Von dem Ausmaß dieser Aufgabe können wir uns kaum ein Bild machen. Stellen wir uns vor, was für eine Macht erforderlich war, um Millionen mächtige Engel ins Dasein zu bringen, das Universum mit seinen Milliarden von Galaxien und die Erde mit ihren vielfältigen Lebensformen. Für diese Aufgaben stand dem einziggezeugten Sohn Gottes die mächtigste Kraft im Universum zur Verfügung – Gottes heiliger Geist. Es bereitete ihm große Freude, der Werkmeister zu sein, den Jehova einsetzte, um alles andere zu erschaffen (Sprüche 8:22-31).

      6. Welche Macht erhielt Jesus nach seinem Tod als Mensch und seiner Auferstehung?

      6 Konnte der einziggezeugte Sohn Gottes noch mehr Macht erhalten? Nach seinem Tod auf der Erde und seiner Auferstehung sagte er: „Mir ist im Himmel und auf der Erde alle Macht gegeben worden“ (Matthäus 28:18). Ja, Jesus wurde die Fähigkeit und das Recht übertragen, universelle Macht auszuüben. Als „König der Könige und Herr der Herren“ ist er ermächtigt, „jede Art Regierung und alle Autorität und Macht“ auszuschalten, ja alle Mächte, die sich seinem Vater widersetzen – sichtbare und unsichtbare (Offenbarung 19:16; 1. Korinther 15:24-26). Es „ist nichts ausgenommen, was ihm nicht unterworfen ist“, außer Jehova selbst (Hebräer 2:8; 1. Korinther 15:27).

      7. Weshalb können wir sicher sein, dass Jesus seine von Gott erhaltene Macht nie missbrauchen wird?

      7 Müssen wir befürchten, Jesus könnte seine Macht missbrauchen? Absolut nicht! Jesus liebt seinen Vater und würde nie etwas tun, was ihm missfiele (Johannes 8:29; 14:31). Er weiß genau: Jehova missbraucht seine Allmacht niemals. Jesus hat mit eigenen Augen beobachtet, dass Jehova nach Gelegenheiten sucht, „denen beizustehen, die ihm völlig ergeben sind“ (2. Chronika 16:9). Jesus teilt die Liebe seines Vaters zur Menschheit, weshalb wir darauf vertrauen können, dass er seine Macht immer zum Guten einsetzen wird (Johannes 13:1). Diesen Ruf hat er sich zweifelsfrei erworben. Sehen wir uns nun die Macht an, die er auf der Erde hatte, und was ihn motivierte, sie zu gebrauchen.

      „Mächtig in Wort“

      8. Wozu wurde Jesus nach seiner Salbung ermächtigt, und wie gebrauchte er seine Macht?

      8 Offensichtlich wirkte Jesus während seiner Kindheit in Nazareth keine Wunder. Das tat er erst nach seiner Taufe im Jahr 29 u. Z., als er ungefähr dreißig war (Lukas 3:21-23). Die Bibel berichtet, „wie Gott ihn mit heiligem Geist und Kraft salbte und wie er durchs Land zog, Gutes tat und alle, die unter dem Teufel litten, gesund machte, weil Gott ihm zur Seite stand“ (Apostel­geschichte 10:38). Jesus tat Gutes. Zeigt das nicht, dass er mit seiner Macht richtig umging? Nach seiner Salbung wurde er „ein Prophet – mächtig in Wort und Tat“ (Lukas 24:19).

      9-11. (a) Wo lehrte Jesus oft, und vor welcher Herausforderung stand er? (b) Warum staunten die Volksmengen über Jesu Lehrmethode?

      9 Wieso war Jesus mächtig im Wort? Oft lehrte er im Freien – an Seeufern und Hängen, auf Straßen und Marktplätzen (Markus 6:53-56; Lukas 5:1-3; 13:26). Seine Zuhörer hätten ohne Weiteres weggehen können, wenn seine Worte ihr Interesse nicht wachgehalten hätten. Damals, in der Ära vor dem Buchdruck, blieb den wissbegierigen Zuhörern nichts anderes übrig, als seine Worte in Herz und Sinn zu bewahren. Deshalb mussten seine Lehren ausgesprochen fesselnd und leicht zu verstehen und zu behalten sein. Doch diese Herausforderung bereitete Jesus keine Schwierigkeiten, wie an der Bergpredigt zu erkennen ist.

      10 Eines Morgens im Frühjahr 31 u. Z. strömte an einem Abhang nahe dem See von Galiläa eine Menschenmenge zusammen. Teilweise waren die Leute aus dem gut 100 Kilometer entfernten Judäa und Jerusalem gekommen. Andere stammten von den nördlichen Küstenregionen bei Tyrus und Sidon. Viele Kranke näherten sich Jesus, um ihn zu berühren, und er heilte sie alle. Danach fing er an zu lehren (Lukas 6:17-19). Als er zu Ende geredet hatte, waren die Zuhörer völlig verblüfft. Weshalb?

      11 Jahre später schrieb jemand, der diese Predigt mitverfolgt hatte: „Da staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren, denn er lehrte sie wie jemand mit Autorität“ (Matthäus 7:28, 29). Von Jesu Worten strömte eine Kraft aus, die sie spüren konnten. Er trat für Gott ein und untermauerte seine Lehren mit dem Wort Gottes (Johannes 7:16). Jesu Aussagen waren klar, seine Ermahnungen überzeugend und seine Argumente unwiderlegbar. Seine Worte gingen in die Tiefe und unter die Haut. Er lehrte seine Zuhörer, wie man Glück findet, wie man betet, wie man Gottes Königreich an die erste Stelle setzt und wie man sich eine sichere Zukunft aufbaut (Matthäus 5:3 bis 7:27). Menschen, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit hungerten, wurden durch seine Aussagen wachgerüttelt. Sie waren bereit, sich selbst zu verleugnen und alles aufzugeben, um ihm zu folgen (Matthäus 16:24; Lukas 5:10, 11). Was für ein Zeugnis für die Macht der Worte Jesu!

      „Mächtig in … Tat“

      12, 13. In welchem Sinne waren Jesu Taten mächtig, und wie vielfältig waren seine Wunder?

      12 Jesus vollbrachte auch mächtige Taten (Lukas 24:19). Die Evangelien gehen auf 30 Wunder ein, die er wirken konnte, weil Jehova ihm die Macht dazu gab (Lukas 5:17).b Jesu Wunder berührten das Leben Tausender. Jesus versorgte zum Beispiel große Menschenmengen mit Essen – einmal 5000 und später 4000 Männer, und dazu kamen wahrscheinlich noch Tausende von Frauen und Kindern! (Matthäus 14:13-21; 15:32-38).

      13 Jesu Wunder waren ausgesprochen vielfältig. Er hatte Macht über Dämonen und trieb sie mit Leichtigkeit aus (Lukas 9:37-43). Er hatte Macht über die Elemente und verwandelte Wasser in Wein (Johannes 2:1-11). Unter den verwunderten Blicken seiner Jünger schritt er über den aufgewühlten See von Galiläa (Johannes 6:18, 19). Er hatte Macht über Krankheiten und heilte Behinderungen und chronische oder auch lebensbedrohliche Leiden (Markus 3:1-5; Johannes 4:46-54). Dabei ging er ganz unterschiedlich vor. Einige Personen heilte er aus der Ferne, wogegen er andere direkt mit den Händen berührte (Matthäus 8:2, 3, 5-13). Manche wurden auf der Stelle gesund, andere nach und nach (Markus 8:22-25; Lukas 8:43, 44).

      Sie sahen, „wie Jesus über den See lief“

      14. Unter welchen Umständen bewies Jesus seine Macht über den Tod?

      14 Besonders außergewöhnlich war, dass Jesus Macht über den Tod besaß. Bei drei schriftlich festgehaltenen Gelegenheiten auferweckte er Tote: Er gab Eltern ihre zwölfjährige Tochter zurück, einer Witwe ihr einziges Kind und Schwestern ihren geliebten Bruder (Lukas 7:11-15; 8:49-56; Johannes 11:38-44). Keine Situation erwies sich als ausweglos. Das zwölfjährige Mädchen brachte er, kurz nachdem es gestorben war, wieder zum Leben. Den Sohn der Witwe ließ er offenbar noch am Tag seines Todes von der Bahre aufstehen. Und Lazarus war schon vier Tage tot, als er ihn aus dem Grab rief.

      Selbstlose, verantwortungs­volle und rücksichtsvolle Machtausübung

      15, 16. Was zeigt, dass Jesus seine Macht selbstlos gebrauchte?

      15 Was für ein enormes Potenzial für Missbrauch, wenn Jesu Macht in die Hände eines unvollkommenen Herrschers gelangt wäre! Doch Jesus war sündenlos (1. Petrus 2:22). Selbstsucht, Ehrgeiz und Gier, die unvollkommene Menschen veranlassen, anderen mit ihrer Macht zu schaden, lehnte er entschieden ab.

      16 Jesus gebrauchte seine Macht selbstlos, niemals zu seinem persönlichen Vorteil. Als er hungrig war, weigerte er sich, für sich selbst Steine in Brot zu verwandeln (Matthäus 4:1-4). Seine dürftigen Habseligkeiten bewiesen, dass er aus seiner Macht kein Kapital schlug (Matthäus 8:20). Aber es gibt noch mehr Beweise, dass seine Machttaten von Selbstlosigkeit zeugten. Die Wunder, die er wirkte, kosteten ihn etwas. Wenn er Kranke heilte, ging Kraft von ihm aus. Schon bei einer einzelnen Heilung spürte er, wie Kraft von ihm wich (Markus 5:25-34). Doch er ließ sich von Menschenmengen anfassen, und sie wurden geheilt (Lukas 6:19). Was für ein Beispiel der Selbstlosigkeit!

      17. Wie bewies Jesus, dass er seine Macht verantwortungs­voll gebrauchte?

      17 Jesus ging mit seiner Macht verantwortungs­voll um. Nie zog er mit seinen Machttaten eine Schau ab oder ließ sich auf einen sinnlosen theatralischen Akt ein (Matthäus 4:5-7). Er war nicht bereit, ein Zeichen zu vollbringen, nur um die pure Neugier des Herodes zu befriedigen (Lukas 23:8, 9). Statt seine Macht an die große Glocke zu hängen, wies er die Geheilten oft an, mit niemandem darüber zu reden (Markus 5:43; 7:36). Er wollte nicht, dass die Leute aufgrund von Sensations­meldungen zu falschen Schluss­folgerungen über ihn kamen (Matthäus 12:15-19).

      18-20. (a) Was beeinflusste die Art und Weise, wie Jesus seine Macht gebrauchte? (b) Wie empfindest du die Vorgehensweise Jesu, als er einen Gehörlosen heilte?

      18 Dieser mächtige Mensch, Jesus, hatte nichts mit den Herrschern gemeinsam, die sich bei ihrer Machtausübung rigoros über die Nöte und das Leid anderer hinwegsetzten. Jesus war an Menschen interessiert. Der bloße Anblick Leidender ging ihm so nahe, dass er sich gedrängt fühlte, ihre Not zu lindern (Matthäus 14:14). Er nahm Rücksicht auf ihre Gefühle und Bedürfnisse, und dieses einfühlsame Interesse beeinflusste die Art und Weise, wie er seine Macht gebrauchte. Ein ergreifendes Beispiel ist in Markus 7:31-37 zu finden.

      19 Große Menschenmengen suchten Jesus auf und brachten viele Kranke zu ihm, die er alle heilte (Matthäus 15:29, 30). Doch auf einen Mann ging Jesus ganz individuell ein. Er war gehörlos und konnte nicht richtig sprechen. Wahrscheinlich spürte Jesus, wie nervös oder verlegen dieser Mann war. Rücksichtsvoll nahm er ihn mit an einen ruhigen Ort, weg von der Masse. Dann machte Jesus ihm durch Zeichen klar, was er mit ihm vorhatte: „Er legte ihm die Finger in die Ohren, spuckte und berührte dann die Zunge des Mannes“ (Markus 7:33).c Als Nächstes blickte Jesus zum Himmel und stieß einen tiefen Seufzer aus. Diese Gesten gaben dem Mann zu verstehen: „Was ich jetzt für dich tue, geschieht durch die Macht Gottes.“ Schließlich sagte Jesus: „Öffne dich“ (Markus 7:34). Da erhielt der Mann sein Gehör zurück und konnte normal sprechen.

      20 Wie bewegend, dass Jesus, wenn er mit Gottes Kraft heilte, auch noch für die Gefühle der Leidenden Verständnis zeigte! Ist es daher nicht ein beruhigender Gedanke, dass Jehova das messianische Königreich einem so mitfühlenden, rücksichtsvollen Herrscher anvertraut hat?

      Eine Vorschau auf die Zukunft

      21, 22. (a) Worauf deuteten die Wunder Jesu hin? (b) Was können wir von Jesu Königreichs­herrschaft erwarten, zumal er Macht über die Naturgewalten hat?

      21 Die Machttaten, die Jesus auf der Erde vollbrachte, waren nur ein Vorgeschmack von noch großartigeren Segnungen unter seiner Königsherrschaft. In Gottes neuer Welt wird Jesus erneut Wunder wirken – diesmal in globalem Umfang. Lassen wir diese faszinierenden Aussichten einmal vor unseren Augen vorbeiziehen.

      22 Jesus wird das ökologische Gleichgewicht der Erde vollkommen wiederherstellen. Wir erinnern uns, dass er seine Macht über die Naturgewalten demonstrierte, als er einen Sturm beruhigte. Unter Christi Königreichs­herrschaft braucht die Menschheit mit Sicherheit keine Angst vor Taifunen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder anderen Natur­katastrophen zu haben. Als Werkmeister, den Jehova einsetzte, um unseren Planeten mit allen seinen Lebensformen zu erschaffen, kennt Jesus die Mechanismen der Erde ganz genau. Er weiß, wie man mit ihren Ressourcen richtig umgeht. Unter seiner Regierung wird die ganze Erde in ein Paradies umgewandelt (Lukas 23:43).

      23. Wie wird Jesus als König die Bedürfnisse der Menschheit befriedigen?

      23 Wie sieht es mit den Bedürfnissen der Menschheit aus? Jesu Fähigkeit, mit ein paar mageren Vorräten Tausende großzügig zu versorgen, gibt uns die Gewissheit, dass unter seiner Herrschaft niemand hungern muss. Nahrung in Hülle und Fülle, gerecht verteilt, wird dem Hunger definitiv ein Ende setzen (Psalm 72:16). Jesu Macht über Krankheiten zeigt uns, dass kranke, blinde, gehörlose, verkrüppelte und gehbehinderte Menschen geheilt werden – vollständig und für immer (Jesaja 33:24; 35:5, 6). Seine Fähigkeit, Tote aufzuerwecken, gewährleistet, dass er als himmlischer König die Macht hat, die unzähligen Millionen wieder zum Leben zu bringen, an die sich sein Vater gern erinnert (Johannes 5:28, 29).

      24. Was sollten wir im Sinn behalten, wenn wir über Jesu Macht nachdenken, und warum?

      24 Wenn wir über die Macht Jesu nachdenken, sollten wir im Sinn behalten, dass er seinen Vater perfekt nachahmt (Johannes 14:9). Jesu Machtausübung vermittelt ein klares Bild davon, wie Jehova mit seiner Macht umgeht. Denken wir nur daran, wie einfühlsam sich Jesus verhielt, als er einen Aussätzigen heilte. Von Mitleid bewegt berührte Jesus den Mann und sagte: „Das will ich!“ (Markus 1:40-42). Durch solche Berichte sagt Jehova praktisch: „So gebrauche ich meine Macht.“ Fühlen wir uns nicht gedrängt, unseren allmächtigen Gott zu preisen und ihm zu danken, dass er seine Macht derart liebevoll ausübt?

      a Plötzlich aufkommende Stürme sind auf dem See von Galiläa keine Seltenheit. Wegen seiner tiefen Lage (zirka 200 Meter unter dem Meeresspiegel) ist die Lufttemperatur dort viel höher als in der Umgebung. Dadurch kommt es zu atmosphärischen Störungen. Auch wehen vom Hermon, der im Norden liegt, starke Winde durch das Jordantal. Wie aus heiterem Himmel kann ein wütender Sturm losbrechen.

      b In den Evangelien werden zudem viele Wunder unter einer einzigen allgemein gehaltenen Schilderung zusammengefasst. So kam einmal eine „ganze Stadt“ zu Jesus und er heilte „viele“ Kranke (Markus 1:32-34).

      c Spucken war ein Mittel oder Zeichen des Heilens, das von Juden und Nichtjuden akzeptiert wurde, und in rabbinischen Schriften ist die Verwendung von Speichel als Heilmittel dokumentiert. Vielleicht spuckte Jesus einfach deshalb, um dem Mann mitzuteilen, dass er geheilt würde. Jedenfalls benutzte er seinen Speichel nicht als Naturheilmittel.

      Fragen zum Nachdenken

      • Jesaja 11:1-5 Wie offenbart Jesus den „Geist … der Macht“, und welches Vertrauen können wir deshalb in seine Herrschaft setzen?

      • Markus 2:1-12 Welche Macht wurde Jesus übertragen, wie seine Wunderheilungen erkennen lassen?

      • Johannes 6:25-27 Jesus befriedigte zwar durch Wunder die physischen Bedürfnisse der Menschen, doch was war sein Hauptanliegen?

      • Johannes 12:37-43 Warum glaubten etliche Augenzeugen der Wunder Jesu nicht an ihn, und was können wir daraus lernen?

  • „Nehmt euch Gott zum Vorbild“ im Gebrauch der Macht
    Komm Jehova doch näher
    • Zwei Zeuginnen Jehovas sprechen vor einem Haus mit einer Frau über die gute Botschaft.

      KAPITEL 10

      „Nehmt euch Gott zum Vorbild“ im Gebrauch der Macht

      1. In welche heimtückische Schlinge geraten unvollkommene Menschen leicht?

      „KEINE Macht ohne eine verborgene Schlinge.“ Diese Worte einer Dichterin aus dem 19. Jahrhundert machen auf eine heimtückische Gefahr aufmerksam: Machtmissbrauch. Leider geraten unvollkommene Menschen allzu leicht in diese Schlinge. Schon immer „hat der Mensch über den Menschen zu dessen Schaden geherrscht“ (Prediger 8:9). Machtausübung ohne Liebe hat unsagbar viel menschliches Leid verursacht.

      2, 3. (a) Was ist an der Machtausübung Jehovas bemerkenswert? (b) Was alles könnte zu unserer Macht gehören, und wie sollten wir sie gebrauchen?

      2 Ist es nicht bemerkenswert, dass Jehova Gott seine unbegrenzte Macht nie missbraucht? Wie wir in den vorigen Kapiteln gesehen haben, setzt er seine schöpferische, vernichtende, schützende oder auch wiederher­stellende Macht durchweg so ein, dass seinen liebevollen Vorsätzen gedient ist. Wenn wir darüber nachdenken, wie er seine Macht ausübt, fühlen wir uns gedrängt, seine Nähe zu suchen. Und das motiviert uns dann wieder, uns „Gott zum Vorbild“ zu nehmen (Epheser 5:1). Aber welche Macht haben wir kleinen Menschen denn schon?

      3 Immerhin wurde der Mensch im Bild Gottes erschaffen (1. Mose 1:26, 27). Also haben auch wir zumindest ein gewisses Maß an Macht. Unsere Macht oder Kraft besteht vielleicht darin, dass wir durch Arbeit etwas zustande bringen können; dass wir Autorität über andere haben; dass wir andere beeinflussen können, vor allem Menschen, die uns lieben; dass wir Körperkraft besitzen oder über materielle Mittel verfügen. Ein Psalmendichter sagte über Jehova: „Du bist der Ursprung des Lebens“ (Psalm 36:9). Jegliche Macht, die wir rechtmäßig besitzen, haben wir somit direkt oder indirekt Gott zu verdanken. Deshalb wäre es naheliegend, sie so zu gebrauchen, wie er es möchte. Wie gelingt uns das?

      Der Schlüssel ist Liebe

      4, 5. (a) Was ist der Schlüssel für den richtigen Gebrauch der Macht, und wie wird das am Beispiel Gottes deutlich? (b) Wie hilft uns die Liebe, mit unserer Macht richtig umzugehen?

      4 Der Schlüssel für den richtigen Gebrauch von Macht ist die Liebe. Wird das nicht an Gottes eigenem Beispiel deutlich? Denken wir noch einmal an die Erörterung der vier Haupt­eigenschaften Gottes in Kapitel 1 zurück: Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe. Welche der vier Eigenschaften ist dominierend? Die Liebe. In 1. Johannes 4:8 heißt es: „Gott ist Liebe.“ Jehova ist seinem ganzen Wesen nach Liebe; sie beeinflusst alles, was er tut. Jede Demonstration seiner Macht wird von Liebe getragen und wirkt sich im Endeffekt für alle, die ihn lieben, zum Vorteil aus.

      5 Liebe wird auch uns helfen, unsere Macht richtig zu gebrauchen. Schließlich erfahren wir ja aus der Bibel, dass die Liebe „gütig“ ist und „nicht ihre eigenen Interessen im Sinn“ hat (1. Korinther 13:4, 5). Die Liebe wird nicht zulassen, dass wir jemand, über den wir eine gewisse Autorität haben, schroff oder gefühllos behandeln. Wir werden die Würde anderer achten und ihre Bedürfnisse und Gefühle unseren überordnen (Philipper 2:3, 4).

      6, 7. (a) Was ist Gottesfurcht, und wieso bewahrt sie uns vor Machtmissbrauch? (b) Verdeutliche den Zusammenhang zwischen der Furcht, Gott zu missfallen, und der Liebe zu Gott.

      6 Die Liebe steht in Beziehung zu einer anderen Eigenschaft, die uns davor bewahrt, unsere Macht zu missbrauchen: Gottesfurcht oder Ehrfurcht vor Jehova. Wie wertvoll ist diese Eigenschaft? „Aus Ehrfurcht vor Jehova vermeidet man Schlechtes“, lesen wir in Sprüche 16:6. Machtmissbrauch zählt mit Sicherheit zu dem Schlechten, das wir vermeiden sollten. Gottesfurcht hält uns davon ab, Menschen, über die wir Macht haben, schlecht zu behandeln. Wieso? Zum einen wissen wir, dass wir Gott für die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen, Rechenschaft schulden (Nehemia 5:1-7, 15). Aber Ehrfurcht vor Jehova umfasst noch mehr. Die Bibel bringt sie auch mit Liebe zu ihm in Verbindung (5. Mose 10:12, 13). Aus Liebe zu Gott – und nicht nur aus Angst vor den Folgen – haben wir eine gesunde Furcht davor, etwas zu tun, was ihm missfällt.

      7 Verdeutlichen lässt sich das an einer intakten Vater-Sohn-Beziehung. Der kleine Junge spürt das lebhafte, liebevolle Interesse seines Vaters. Doch er weiß auch, was sein Vater von ihm erwartet und dass er bestraft wird, wenn er sich danebenbenimmt. Der Junge hat aber keine krankhafte Angst vor seinem Vater. Im Gegenteil, er liebt ihn von ganzem Herzen. Es macht ihm Freude, etwas zu tun, was seinem Vater ein anerkennendes Lächeln entlockt. Ähnlich ist es mit der Gottesfurcht. Da wir unseren himmlischen Vater Jehova lieben, fürchten wir uns davor, etwas zu tun, was ihm im Herzen wehtut (1. Mose 6:6). Wir wünschen uns sehnlich, seinem Herzen Freude zu machen (Sprüche 27:11). Deshalb möchten wir mit unserer Macht richtig umgehen. Sehen wir uns einmal genauer an, wie wir das tun können.

      Innerhalb der Familie

      8. (a) Welche Autorität hat der Mann in der Familie, und wie sollte er sie ausüben? (b) Wie kann ein Mann zeigen, dass er seine Frau ehrt?

      8 Zunächst zur Familie. „Ein Mann ist das Haupt seiner Frau“, heißt es in Epheser 5:23. Wie sollte der Mann seine von Gott erhaltene Autorität ausüben? Die Bibel fordert Ehemänner auf: „Lebt weiter mit euren Frauen gemäß Erkenntnis. Erweist ihnen Ehre, da sie als Frauen schwächere Gefäße sind“ (1. Petrus 3:7). Das griechische Wort für „Ehre“ bedeutet „Preis“, „Wert“, „Achtung“. Andere Formen dieses Wortes werden mit „Geschenk“ und „kostbar“ übersetzt (Apostel­geschichte 28:10; 1. Petrus 2:7). Ein Mann, der seine Frau ehrt, wird ihr gegenüber nie gewalttätig werden noch sie sonst wie demütigen oder herabsetzen, sodass sie sich wertlos vorkäme. Er weiß, was er an ihr hat, und bringt ihr Achtung entgegen. In Wort und Tat – privat und öffentlich – zeigt er, dass sie für ihn kostbar ist (Sprüche 31:28). Ein solcher Mann gewinnt nicht nur die Liebe und Achtung seiner Frau, sondern auch Gottes Gunst, was noch wichtiger ist.

      Ein Ehepaar geht Hand in Hand spazieren.

      Ehepartner, die sich Liebe und Respekt entgegenbringen, zeigen, dass sie mit ihrer Macht richtig umgehen

      9. (a) Welche Macht haben Frauen in der Familie? (b) Was hilft einer Frau, ihren Mann mit ihren Fähigkeiten zu unterstützen, und was hat das zur Folge?

      9 Auch Frauen haben eine gewisse Macht in der Familie. Die Bibel spricht von gottesfürchtigen Frauen, die, ohne die Stellung des Hauptes anzugreifen, Initiative zeigten und ihren Mann positiv beeinflussten oder ihn vor Fehlurteilen bewahrten (1. Mose 21:9-12; 27:46 bis 28:2). Es kann sein, dass eine Frau klüger ist als ihr Mann oder Fähigkeiten besitzt, die er nicht hat. Dennoch sollte sie „großen Respekt“ vor ihm haben und sich ihm „unterordnen wie dem Herrn“ (Epheser 5:22, 33). Aus dem Wunsch heraus, Gott zu gefallen, kann eine Frau ihre Fähigkeiten nutzen, um ihren Mann zu unterstützen, statt ihn schlechtzumachen oder beherrschen zu wollen. Eine „wirklich weise Frau“ arbeitet eng mit ihrem Mann zusammen, um die Familie aufzubauen. Dadurch wahrt sie den Frieden mit Gott (Sprüche 14:1).

      10. (a) Welche Autorität hat Gott Eltern übertragen? (b) Wie sollten Eltern ihre Kinder erziehen?

      10 Gott hat auch Eltern Autorität übertragen. Die Bibel sagt: „Ihr Väter, provoziert eure Kinder nicht, sondern erzieht sie weiter nach den Maßstäben und der Anleitung Jehovas“ (Epheser 6:4). Kinder brauchen Erziehung. Wo es klare Richtlinien und Grenzen gibt, können sie sich gut entwickeln. Die Bibel bringt diese Erziehung und Bildung mit Liebe in Verbindung (Sprüche 13:24). Deshalb darf Erziehung nie Misshandlung bedeuten – weder emotionell noch körperlich (Sprüche 22:15; 29:15).a Eine harte, strenge Erziehung, die keine Liebe ausstrahlt, ist ein Missbrauch der elterlichen Autorität und kann die kindliche Psyche kaputtmachen (Kolosser 3:21). Eine ausgeglichene, konsequente Erziehung dagegen zeigt dem Kind, dass es von seinen Eltern geliebt wird und es ihnen nicht gleichgültig ist, was für ein Mensch aus ihm wird.

      11. Wie können Kinder ihre Macht oder Kraft richtig gebrauchen?

      11 Wie sieht es mit den Kindern aus? Wie können sie ihre Macht oder Kraft richtig gebrauchen? „Die Herrlichkeit junger Menschen ist ihre Kraft“, heißt es in Sprüche 20:29. Es gibt für junge Leute bestimmt keine bessere Möglichkeit, ihre Kraft und Energie einzusetzen, als ihrem „großen Schöpfer“ zu dienen (Prediger 12:1). Sie tun gut, daran zu denken, dass ihre Handlungen die Gefühle ihrer Eltern beeinflussen (Sprüche 23:24, 25). Wenn sie ihren gottesfürchtigen Eltern gehorchen und auf dem richtigen Weg bleiben, machen sie ihnen Freude (Epheser 6:1). Über ein solches Verhalten „freut sich der Herr“ (Kolosser 3:20).

      Innerhalb der Versammlung

      12, 13. (a) Wie sollten Älteste zu ihrer Autorität in der Versammlung eingestellt sein? (b) Erkläre, warum Älteste behutsam mit der Herde umgehen sollten.

      12 In der Christen­versammlung hat Jehova Aufseher damit betraut, die Führung zu übernehmen (Hebräer 13:17). Diese befähigten Männer sind dazu angehalten, ihre von Gott erhaltene Autorität so zu nutzen, dass sie Beistand leisten, wo immer er gebraucht wird, und das Wohl der Herde im Auge behalten. Gibt ihre Stellung ihnen aber das Recht, sich gegenüber ihren Glaubensbrüdern als Herren aufzuspielen? Auf keinen Fall! Sie müssen eine ausgeglichene, demütige Einstellung zu ihrer Rolle in der Versammlung haben (1. Petrus 5:2, 3). Die Bibel legt Aufsehern ans Herz, „die Versammlung Gottes zu hüten, die er mit dem Blut seines eigenen Sohnes erworben hat“ (Apostel­geschichte 20:28). Das ist ein triftiger Grund, mit allen in der Herde behutsam umzugehen.

      13 Veranschaulichen könnte man das so: Ein guter Freund bittet dich, auf einen Gegenstand aufzupassen, an dem er sehr hängt. Du weißt, dass er eine hohe Summe dafür ausgegeben hat. Würdest du nicht äußerst vorsichtig damit umgehen? Auch Gott hat den Ältesten die Verantwortung für ein wertvolles Gut übertragen: die Versammlung, deren Mitglieder mit Schafen verglichen werden (Johannes 21:16, 17). Diese Schafe liegen Jehova am Herzen – so sehr, dass er sie mit dem kostbaren Blut seines einziggezeugten Sohnes, Jesus Christus, erworben hat. Einen höheren Preis hätte Jehova für sie nicht bezahlen können. Demütige Älteste vergessen das nie und gehen mit den Schafen Jehovas entsprechend um.

      Die „Macht der Zunge“

      14. Welche Macht hat die Zunge?

      14 „Tod und Leben liegen in der Macht der Zunge“, sagt die Bibel (Sprüche 18:21). Die Zunge kann in der Tat großen Schaden anrichten. Wer von uns hat den Stachel einer gedankenlosen oder gar abschätzigen Bemerkung noch nie zu spüren bekommen? Auf der anderen Seite hat die Zunge aber auch heilende Macht. „Die Zunge der Weisen bringt Heilung“, heißt es in Sprüche 12:18. Positive, erbauende Worte sind wohltuender Balsam für das Herz. Hierzu einige Beispiele.

      15, 16. Wie können wir anderen Mut zusprechen?

      15 In 1. Thessalonicher 5:14 werden wir aufgefordert, „die Nieder­geschlagenen zu trösten“. Selbst treue Diener Jehovas haben hin und wieder mit einem emotionellen Tief zu kämpfen. Wie kann man ihnen helfen? Spende ihnen ein konkretes, aufrichtiges Lob, damit sie erkennen, wie wertvoll sie in Jehovas Augen sind. Zeig ihnen durch machtvolle biblische Gedanken, dass Menschen, die „ein gebrochenes Herz haben“ oder „am Boden zerstört sind“, Jehova sehr am Herzen liegen (Psalm 34:18). Wenn wir die Macht der Zunge nutzen, um andere aufzumuntern, ahmen wir unseren mitfühlenden Gott nach, „der die Nieder­geschlagenen tröstet“ (2. Korinther 7:6).

      16 Durch die Macht der Zunge können wir auch jemandem helfen, der dringend Zuspruch braucht. Trauert eine Schwester oder ein Bruder um einen lieben Menschen? Verständnisvolle Worte, die von liebevoller Anteilnahme zeugen, können ein bekümmertes Herz trösten. Haben ältere Brüder oder Schwestern das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden? Wohlüberlegte Worte können ihnen versichern, dass sie wertvoll sind und geschätzt werden. Leidet jemand an einer chronischen Krankheit? Liebe Worte am Telefon, von Angesicht zu Angesicht oder in schriftlicher Form können den Kranken wiederaufleben lassen. Wie sehr muss es unseren Schöpfer freuen, wenn wir die Macht der Worte nutzen, um etwas weiterzugeben, „was andere aufbaut“ (Epheser 4:29).

      17. Durch welchen wichtigen Gebrauch der Zunge können wir anderen nützen, und warum sollten wir das tun?

      17 Es gibt nichts Wichtigeres, wozu wir die Macht der Zunge gebrauchen könnten, als anderen die gute Botschaft von Gottes Königreich zu überbringen. „Enthalte denen nichts Gutes vor, denen es zusteht, wenn es in deiner Macht liegt zu helfen“, heißt es in Sprüche 3:27. Wir schulden es den Menschen, sie an der lebensrettenden guten Botschaft teilhaben zu lassen. Es wäre nicht richtig, die dringliche Botschaft, die Jehova uns großzügig übermittelt hat, für uns zu behalten (1. Korinther 9:16, 22). Wie groß ist nun der Einsatz, den Jehova in diesem Werk von uns erwartet?

      Beim Predigen der guten Botschaft können wir unsere Kraft hervorragend einsetzen

      Jehova mit unserer „ganzen Kraft“ dienen

      18. Was erwartet Jehova von uns?

      18 Aus Liebe zu Jehova werden wir uns im Dienst für ihn voll einsetzen. Aber was erwartet Jehova von uns konkret? Etwas, was wir alle geben können, egal wie unsere Lebensumstände aussehen: „Arbeitet an allem, was ihr tut, mit ganzer Seele, als wäre es für Jehova und nicht für Menschen“ (Kolosser 3:23). Als größtes Gebot nannte Jesus Folgendes: „Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft“ (Markus 12:30). Ja, Jehova erwartet von uns allen, ihn mit ganzer Seele zu lieben und ihm mit ganzer Seele zu dienen.

      19, 20. (a) Warum werden in Markus 12:30 Herz, Denken und Kraft erwähnt, wenn der Begriff Seele das doch alles abdeckt? (b) Was bedeutet es, Jehova mit ganzer Seele zu dienen?

      19 Was bedeutet es, Jehova mit ganzer Seele zu dienen? Die Seele bezeichnet den ganzen Menschen mit all seinen körperlichen und mentalen Fähigkeiten. Wenn die Seele aber das Herz, das Denken und die Kraft einschließt, warum werden diese Aspekte in Markus 12:30 dann noch zusätzlich aufgeführt? Ein Beispiel: In biblischer Zeit konnte jemand sich selbst (seine Seele) in die Sklaverei verkaufen. Doch der Sklave diente seinem Herrn vielleicht nicht mit ganzem Herzen. Er setzte möglicherweise nicht seine ganze Kraft oder seine volle geistige Kapazität ein, um die Interessen seines Herrn wahrzunehmen (Kolosser 3:22). Allem Anschein nach erwähnte Jesus diese anderen Aspekte, um zu betonen, dass wir Gott in unserem Dienst nichts vorenthalten dürfen. Gott mit ganzer Seele zu dienen heißt, von uns selbst zu geben, unsere Kraft und Energie in größtmöglichem Ausmaß einzusetzen.

      20 Bedeutet Dienst mit ganzer Seele, dass wir alle gleich viel Zeit und Energie dafür aufwenden? Das wäre wohl kaum realistisch, denn die Umstände und Fähigkeiten sehen bei jedem anders aus. Zum Beispiel kann ein junger Mensch, der eine gute Gesundheit und Kondition hat, wahrscheinlich mehr Zeit für das Predigen einsetzen als jemand, der durch sein Alter an Kraft eingebüßt hat. Und wer unverheiratet und von familiären Verpflichtungen frei ist, kann sich oft mehr einsetzen als jemand, der für eine Familie sorgen muss. Wenn wir aufgrund unserer Kraft und Umstände in der Lage sind, sehr viel zu tun, können wir uns glücklich schätzen! Aber das gibt uns natürlich nicht das Recht, kritisch zu sein und uns mit anderen zu messen (Römer 14:10-12). Vielmehr möchten wir unsere Kraft gebrauchen, um andere zu ermutigen.

      21. Wie können wir unsere Macht oder Kraft am besten und sinnvollsten gebrauchen?

      21 Jehova hat uns ein vollkommenes Beispiel für den richtigen Gebrauch der Macht gegeben. Wir möchten ihn nachahmen, so gut es uns unvollkommenen Menschen nur möglich ist. Unsere Macht richtig zu gebrauchen bedeutet, dass wir die Würde derer nicht verletzen, über die wir eine gewisse Autorität haben. Außerdem möchten wir uns mit ganzer Seele in dem lebensrettenden Predigtwerk einsetzen, das Jehova uns aufgetragen hat (Römer 10:13, 14). Denk daran, dass sich Jehova freut, wenn du das Beste gibst, was du – deine Seele – geben kannst. Drängt dich dein Herz nicht, im Dienst für einen so verständnisvollen und liebevollen Gott dein Möglichstes zu tun? Besser und sinnvoller kannst du deine Macht oder Kraft gar nicht gebrauchen.

      a In der Bibel wird für Erziehung auch das Wort „Rute“ verwendet. Das entsprechende hebräische Wort bezog sich auf einen Stock oder Stab, wie ihn Hirten benutzten, um ihre Schafe zu führen (Psalm 23:4). Ähnlich ist es mit der „Rute“ der elterlichen Autorität. Sie lässt an liebevolle Anleitung denken, nicht an harte, brutale Bestrafung.

      Fragen zum Nachdenken

      • Sprüche 3:9, 10 Wie können wir „Jehova mit dem Kostbaren“, das wir besitzen, ehren?

      • Prediger 9:5-10 Warum sollten wir jetzt unsere Kraft auf eine Weise gebrauchen, die Gott gutheißt?

      • Apostel­geschichte 8:9-24 Um was für einen Machtmissbrauch geht es hier, und wie können wir uns davor bewahren?

      • Apostel­geschichte 20:29-38 Was kann jemand, der in der Versammlung mit Verantwortung betraut ist, von Paulus lernen?

  • „Alle seine Wege sind gerecht“
    Komm Jehova doch näher
    • Joseph und andere Gefangene gefesselt in einem Kerker.

      KAPITEL 11

      „Alle seine Wege sind gerecht“

      1, 2. (a) Welche schlimmen Ungerechtigkeiten erlebte Joseph? (b) Was unternahm Jehova dagegen?

      EINE himmelschreiende Ungerechtigkeit! Der gut aussehende junge Mann hatte kein Verbrechen begangen und lag trotzdem im Kerker. Man warf ihm versuchte Vergewaltigung vor. Und das war nicht das erste Mal, dass ihm Unrecht widerfuhr. Jahre zuvor war der damals 17-jährige Joseph von seinen eigenen Brüdern verraten und um ein Haar umgebracht worden. Sie hatten ihn als Sklaven in ein fremdes Land verkauft. Dort hatte er sich gegen die Annäherungs­versuche der Frau seines Herrn gewehrt. Die zurückgewiesene Frau konstruierte eine Falschanklage, die ihn ins Gefängnis brachte. Traurigerweise sah es so aus, als würde sich niemand für Joseph einsetzen.

      2 Doch der Gott, der „Gerechtigkeit und Recht“ liebt, beobachtete das Ganze (Psalm 33:5). Jehova unternahm etwas gegen diese Ungerechtigkeiten und lenkte alles so, dass Joseph freikam. Nicht nur das: Joseph, der Mann, den man ins Gefängnis geworfen hatte, erhielt schließlich eine äußerst verantwortungs­volle und angesehene Stellung (1. Mose 40:15; 41:41-43; Psalm 105:17, 18). Zu guter Letzt wurde Joseph rehabilitiert und nutzte seine hohe Stellung, um Gottes Vorsatz voranzutreiben (1. Mose 45:5-8).

      Joseph litt zu Unrecht im Gefängnis

      3. Warum ist es nicht verwunderlich, dass wir alle gerecht behandelt werden möchten?

      3 Solche Berichte sprechen uns an, denn wer hat noch nie Ungerechtigkeit mit ansehen oder selbst erfahren müssen? Wir alle sehnen uns danach, gerecht und fair behandelt zu werden. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Jehova hat uns mit Eigenschaften ausgestattet, die seine eigene Persönlichkeit widerspiegeln, und Gerechtigkeit ist eine seiner Haupt­eigenschaften (1. Mose 1:27). Um Jehova gut kennenzulernen, ist es wichtig, sein Gerechtigkeits­empfinden zu verstehen. Dadurch werden uns seine wunderbaren Wege noch klarer, und wir fühlen uns noch stärker zu ihm hingezogen.

      Was ist Gerechtigkeit?

      4. Was gilt aus menschlicher Sicht oft als gerecht?

      4 Aus menschlicher Sicht ist Gerechtigkeit oft nichts weiter als eine faire Anwendung der Gesetze. In dem Buch Right and Reason—Ethics in Theory and Practice heißt es: „Gerechtigkeit ist mit Gesetz verknüpft, mit Verpflichtung, mit Rechten und Pflichten, und sie misst Strafe nach dem Gleichbehandlungs­grundsatz und nach Verdienst zu.“ Jehovas Gerechtigkeit ist jedoch keine rein mechanische, pflichtgetreue Umsetzung von Vorschriften.

      5, 6. (a) Was bedeuten die mit „Recht“ oder „Gerechtigkeit“ wiedergegebenen Wörter? (b) Was ist damit gemeint, dass Gott gerecht ist?

      5 Die Weite und Tiefe der Gerechtigkeit Jehovas wird verständlicher, wenn man die biblischen Begriffe aus den Ursprachen mit berücksichtigt. In den Hebräischen Schriften sind es im Wesentlichen drei Ausdrücke. Das Wort, das überwiegend mit „Recht“ wiedergegeben wird, kann auch „das Rechte im Sinne des richtigen … Verhaltens“ bedeuten (1. Mose 18:25). Die beiden anderen Ausdrücke werden meistens mit „Gerechtigkeit“ übersetzt, haben aber außerdem die Bedeutung von „das Rechte“, „das Recht“. Der Begriff, der in den Christlichen Griechischen Schriften mit „Gerechtigkeit“ übersetzt wird, lässt sich auch als „Rechtlichkeit“, „rechte Beschaffenheit, Richtigkeit“ definieren. Es wird also kein großer Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Recht gemacht (Amos 5:24).

      6 Wenn die Bibel folglich davon spricht, dass Gott gerecht ist, will sie uns sagen, dass er sich richtig und fair verhält – und das beständig und ohne Parteilichkeit (Römer 2:11). Eigentlich wäre es auch unvorstellbar, dass er anders handeln würde. Der treue Elihu erklärte: „Für den wahren Gott ist es undenkbar, schlecht zu handeln. Für den Allmächtigen ist es unvorstellbar, etwas Verkehrtes zu tun!“ (Hiob 34:10). Es ist für Jehova unmöglich, ungerecht zu handeln. Wieso? Das hat zwei bedeutsame Gründe.

      7, 8. (a) Warum ist Jehova nicht imstande, ungerecht zu handeln? (b) Was drängt Jehova, gerecht zu handeln?

      7 Erstens ist er heilig. Wie in Kapitel 3 erläutert wurde, ist alles an Jehova rein und aufrichtig. Er ist also gar nicht imstande, unrecht oder ungerecht zu handeln. Sehen wir uns an, was das bedeutet. Die Heiligkeit unseres himmlischen Vaters gibt uns das starke Vertrauen, dass er seine Kinder niemals schlecht behandeln wird. Jesus hatte dieses Vertrauen. In der letzten Nacht seines irdischen Lebens betete er: „Heiliger Vater, wache über sie [die Jünger] wegen deines Namens“ (Johannes 17:11). „Heiliger Vater“ – diese Anrede bezieht sich in der Bibel einzig und allein auf Jehova. Und das mit Recht, denn kein menschlicher Vater kommt ihm an Heiligkeit gleich. Jesus war fest davon überzeugt, dass seine Jünger in der Obhut seines Vaters, der absolut rein und ganz und gar von Sünde getrennt ist, gut aufgehoben wären (Matthäus 23:9).

      8 Zweitens ist Gott der Inbegriff selbstloser Liebe. Diese Liebe drängt ihn, andere gerecht zu behandeln. Die Ungerechtigkeit in ihren vielen Formen wie Rassismus, Diskriminierung und Parteilichkeit ist dagegen oft von Gier und Selbstsucht getrieben, die der Liebe entgegengesetzt sind. Was den Gott der Liebe betrifft, versichert uns die Bibel: „Jehova ist gerecht, er liebt gerechte Taten“ (Psalm 11:7). Jehova sagt von sich selbst: „Ich, Jehova, liebe das Recht“ (Jesaja 61:8). Ist es nicht ein beruhigender Gedanke, dass unser Gott Gefallen daran hat, richtig oder gerecht zu handeln? (Jeremia 9:24).

      Barmherzigkeit und Jehovas vollkommene Gerechtigkeit

      9-11. (a) Wie ist Jehovas Gerechtigkeit mit seiner Barmherzigkeit verwoben? (b) Wie zeigt sich Jehovas Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in seiner Handlungsweise mit sündigen Menschen?

      9 Jehovas Gerechtigkeit ist wie jede andere Facette seiner unvergleichlichen Persönlichkeit vollkommen, sie lässt nichts vermissen. Moses rühmte Jehova mit den Worten: „Der Fels, was er tut, ist vollkommen, denn alle seine Wege sind gerecht. Ein treuer Gott, der nie ungerecht ist, gerecht und aufrichtig ist er“ (5. Mose 32:3, 4). Die Art und Weise, wie Jehova Gerechtigkeit übt, ist immer ideal – niemals zu nachsichtig, niemals zu hart.

      10 Jehovas Gerechtigkeit und seine Barmherzigkeit sind eng miteinander verwoben. In Psalm 116:5 heißt es: „Jehova ist mitfühlend und gerecht. Unser Gott ist barmherzig.“ Ja, Jehova ist sowohl gerecht als auch barmherzig. Diese zwei Merkmale vertragen sich durchaus. Seine Gerechtigkeit wird nicht durch seine Barmherzigkeit verwässert, als wäre sie ansonsten zu streng. Die beiden Eigenschaften kommen oft gleichzeitig und sogar bei ein und derselben Handlung zum Tragen. Dazu ein Beispiel.

      11 Alle Menschen sind durch Vererbung Sünder und verdienen daher die Strafe für Sünde – den Tod (Römer 5:12). Jehova freut sich nicht über den Tod von Sündern. Er ist „ein Gott, der gern vergibt, der mitfühlend und barmherzig ist“ (Nehemia 9:17). Doch als heiliger Gott kann er Ungerechtigkeit nicht billigen. Wie ist es ihm nun möglich, Menschen in ihrer Sündhaftigkeit Barmherzigkeit zu erweisen? Die Antwort auf diese Frage ist zugleich eine der kostbarsten Wahrheiten in Gottes Wort: Es geht um das Lösegeld, das Gott zur Rettung der Menschheit beschafft hat. In Kapitel 14 erfahren wir mehr über dieses liebevolle Geschenk Gottes. Es ist ganz und gar gerecht und zugleich äußerst barmherzig. Durch das Lösegeld kann Jehova reumütigen Sündern innige Barmherzigkeit entgegenbringen, während er gleichzeitig an seinen Maßstäben für vollkommene Gerechtigkeit festhält (Römer 3:21-26).

      Jehovas Gerechtigkeit spricht das Herz an

      12, 13. (a) Warum zieht uns Jehovas Gerechtigkeit zu ihm? (b) Wie dachte David über Jehovas Gerechtigkeit, und wieso ist das ein Trost?

      12 Jehovas Gerechtigkeit ist keine kalte Eigenschaft, die uns abstößt, sondern eine gewinnende Eigenschaft, die uns zu ihm zieht. In der Bibel kommt die mitfühlende Seite der Gerechtigkeit Jehovas deutlich zum Ausdruck. Wenden wir uns nun einigen ergreifenden Beispielen zu, wie Jehova Gerechtigkeit übt.

      13 Jehovas vollkommene Gerechtigkeit veranlasst ihn, seinen Dienern gegenüber treu und loyal zu sein. Der Psalmist David erfuhr diese Facette der Gerechtigkeit Jehovas an sich selbst. Zu welchem Schluss kam David durch eigene Erfahrung und durch sein Studium der Handlungsweise Gottes? Er erklärte: „Jehova liebt das Recht und er wird seine Loyalen nicht im Stich lassen. Zu allen Zeiten werden sie beschützt“ (Psalm 37:28). Was für eine tröstende Zusicherung! Unser Gott wird jemand, der loyal zu ihm hält, nicht im Stich lassen, auch nicht für einen Augenblick. Wir können auf seine Nähe und liebevolle Fürsorge zählen. Seine Gerechtigkeit ist die Garantie dafür (Sprüche 2:7, 8).

      14. Wie wird Jehovas Sorge für die Benachteiligten am Gesetz für Israel deutlich?

      14 Die göttliche Gerechtigkeit nimmt die Nöte Leidender wahr. Jehovas Sorge für die Benachteiligten wird an dem Gesetz, das er Israel gab, deutlich. Darin war beispielsweise die Versorgung von Waisen und Witwen ausdrücklich geregelt (5. Mose 24:17-21). In dem Bewusstsein, wie schwer es solche Familien oft hatten, machte sich Jehova zu ihrem väterlichen Richter und Beschützer, der „dem vaterlosen Kind und der Witwe zum Recht [verhilft]“ (5. Mose 10:18; Psalm 68:5).a Jehova warnte die Israeliten davor, wehrlose Frauen und Kinder zu schikanieren, denn er werde ihren Hilferuf ganz bestimmt hören. „Mein Zorn wird dann aufflammen“, sagte er (2. Mose 22:22-24). Zorn gehört zwar nicht zu den hervorstechenden Verhaltensmerkmalen Jehovas, aber vorsätzliche Ungerechtigkeit – vor allem gegenüber Menschen, auf die andere herabblicken oder die hilflos sind – ruft bei ihm gerechte Entrüstung hervor (Psalm 103:6).

      15, 16. Was ist ein wirklich bemerkenswerter Beweis der Unparteilichkeit Jehovas?

      15 Jehova versichert uns auch, dass er „niemand parteiisch behandelt und sich nicht bestechen lässt“ (5. Mose 10:17). Im Unterschied zu vielen mächtigen und einflussreichen Menschen lässt sich Jehova von Reichtum oder von Äußerlichkeiten nicht beeindrucken. Er ist völlig unvoreingenommen und unparteiisch. Sehen wir uns einen wirklich bemerkenswerten Beweis für Jehovas Unparteilichkeit an. Die Möglichkeit, ein wahrer Anbeter Gottes mit der Aussicht auf endloses Leben zu werden, ist nicht einer Elite vorbehalten. Vielmehr heißt es über Jehova, dass er „in jedem Volk den Menschen annimmt, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was richtig ist“ (Apostel­geschichte 10:34, 35). Diese herrliche Aussicht steht allen offen, ganz unabhängig von ihrer Gesellschafts­schicht, Hautfarbe oder Nationalität. Ist das nicht Gerechtigkeit, wie sie im Buche steht?

      16 Aber noch ein anderer Aspekt der vollkommenen Gerechtigkeit Gottes verdient Aufmerksamkeit und Achtung. Es geht um seine Handlungsweise mit Menschen, die gegen seine gerechten Normen verstoßen.

      Keine Straffreiheit

      17. Erkläre, weshalb die heutigen Ungerechtigkeiten Gottes Gerechtigkeit auf keinen Fall infrage stellen.

      17 Da Jehova Ungerechtigkeit nicht billigt, fragt man sich unwillkürlich: Wie lassen sich die ungerechten Leiden und die korrupten Praktiken erklären, die in der heutigen Welt grassieren? Auf keinen Fall stellen sie Jehovas Gerechtigkeit infrage. Die vielen Ungerechtigkeiten in der gegenwärtigen schlechten Welt sind Auswirkungen der Sünde, die wir von Adam geerbt haben. In einer Welt, in der sich unvollkommene Menschen ihre eigenen sündigen Wege ausgesucht haben, nehmen Ungerechtigkeiten überhand – aber nicht mehr lange (5. Mose 32:5).

      18, 19. Was zeigt, dass Jehova willentliche Übertreter seiner gerechten Gesetze nicht endlos dulden wird?

      18 Denen, die seine Nähe aufrichtig suchen, erweist Jehova große Barmherzigkeit, doch er wird eine Situation, die seinem heiligen Namen Schande macht, nicht endlos dulden (Psalm 74:10, 22, 23). Der Gott der Gerechtigkeit lässt sich nicht verspotten. Er wird willentliche Sünder nicht vor dem Strafgericht verschonen, das sie durch ihr Verhalten auf sich ziehen. Jehova ist „ein Gott, der barmherzig und mitfühlend ist, der nicht schnell zornig wird und reich ist an loyaler Liebe und Wahrheit. … Doch er wird Schuldige auf keinen Fall ungestraft lassen“ (2. Mose 34:6, 7). Ganz im Sinne dieser Aussage erachtet es Jehova manchmal für notwendig, Menschen zu bestrafen, die seine gerechten Gesetze absichtlich übertreten.

      19 Davon zeugt zum Beispiel Gottes Handlungsweise mit dem alten Israel. Selbst nachdem sich die Israeliten im Land der Verheißung angesiedelt hatten, wurden sie wiederholt untreu. Durch ihre Verdorbenheit kränkten sie Jehova, aber er verwarf sie nicht sofort (Psalm 78:38-41). Aus Barmherzigkeit gab er ihnen Gelegenheiten zur Umkehr. Bittend redete er ihnen zu: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Bösen, sondern daran, dass ein Böser seinen Kurs ändert und am Leben bleibt. Kehrt um, kehrt um von euren schlechten Wegen, denn warum solltet ihr sterben, Volk Israel?“ (Hesekiel 33:11). Da das Leben für Jehova kostbar ist, sandte er immer wieder Propheten aus, damit die Israeliten von ihren schlechten Wegen umkehrten. Doch das hartherzige Volk wollte als Ganzes gesehen nicht hören und bereuen. Jehova war es seinem heiligen Namen und allem, wofür sein Name steht, schuldig, die Israeliten schließlich ihren Feinden auszuliefern (Nehemia 9:26-30).

      20. (a) Was lehrt uns Jehovas Handlungsweise mit Israel? (b) Wieso ist der Löwe ein passendes Symbol für Jehovas Gerechtigkeit?

      20 Jehovas Handlungsweise mit Israel ist für uns sehr aufschlussreich. Wir erfahren, dass seine alles überwachenden Augen von Ungerechtigkeiten Notiz nehmen und dass ihm das, was er sieht, nahegeht (Sprüche 15:3). Es ist auch ein Trost, zu wissen, dass er gern Barmherzigkeit erweist, wenn es eine Grundlage dafür gibt. Außerdem wird uns klar, dass er in seiner Gerechtigkeit niemals übereilt handelt. Viele Menschen ziehen aus der Geduld Jehovas den falschen Schluss, er werde niemals ein Gericht über die Bösen bringen. Weit gefehlt! Denn an der Handlungsweise Gottes mit Israel ist zu erkennen, dass die göttliche Geduld ihre Grenzen hat. Jehova tritt entschieden für Gerechtigkeit ein. Im Gegensatz zu Menschen, die oft davor zurückschrecken, Recht zu üben, fehlt es ihm nie an dem Mut, für das Rechte einzutreten. Passenderweise wird der Löwe als Symbol mutiger Gerechtigkeit mit Gottes Gegenwart und seinem Thron in Verbindung gebracht (Hesekiel 1:10; Offenbarung 4:7).b Wir können daher sicher sein, dass er sein Versprechen halten wird, die Erde von aller Ungerechtigkeit zu befreien. Seine Art zu urteilen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Festigkeit, wo nötig, Barmherzigkeit, wo immer möglich (2. Petrus 3:9).

      Dem Gott der Gerechtigkeit näherkommen

      21. Wie sollten wir uns Jehova vorstellen, wenn wir darüber nachdenken, wie er Recht übt, und warum?

      21 Wenn wir darüber nachdenken, wie Jehova Recht übt, dürfen wir ihn nicht als kalten, strengen Richter sehen, dem es nur darum geht, Sünder zu verurteilen. Stattdessen sollten wir uns Gott als liebevollen, aber konsequenten Vater vorstellen, der stets das Beste für seine Kinder will. Bei Jehova als gerechtem Vater hält sich entschiedenes Eintreten für das Rechte die Waage mit zartem Mitgefühl gegenüber seinen irdischen Kindern, die seine Hilfe und Vergebung brauchen (Psalm 103:10, 13).

      22. Welche Perspektive bietet uns Jehova in seiner Gerechtigkeit, und weshalb handelt er so mit uns?

      22 Wie dankbar können wir sein, dass die göttliche Gerechtigkeit viel mehr umfasst, als Unrecht zu bestrafen! In seiner Gerechtigkeit bietet uns Jehova eine ganz und gar begeisternde Perspektive: vollkommenes, endloses Leben in einer Welt, in der „Gerechtigkeit herrschen“ wird (2. Petrus 3:13). Gott handelt mit uns deshalb so, weil seine Gerechtigkeit darauf bedacht ist zu retten, statt zu verurteilen. Die ganze Bandbreite der Gerechtigkeit Jehovas besser zu verstehen, bringt uns ihm näher. Die nächsten Kapitel gehen darauf ein, wie Jehova diese bewundernswerte Eigenschaft entfaltet.

      a Wie sehr sich Jehova nicht nur um vaterlose Jungen, sondern auch um vaterlose Mädchen kümmert, zeigt der Bericht über die Töchter von Zelophhad. Da er keine Söhne hinterließ, entschied Jehova, dass seine Töchter als Erben eingesetzt wurden. Jehova sorgte dafür, dass diese Entscheidung im Gesetz verankert wurde. Dadurch wurden die Rechte vaterloser Mädchen geschützt (4. Mose 27:1-8).

      b Interessanter­weise vergleicht sich Jehova in seiner Funktion als Urteils­vollstrecker am untreuen Israel mit einem Löwen (Jeremia 25:38; Hosea 5:14).

      Fragen zum Nachdenken

      • Jeremia 18:1-11 Wie führte Jehova Jeremia vor Augen, dass er niemand übereilt verurteilt?

      • Habakuk 1:1-4, 13; 2:2-4 Wie sicherte Jehova Habakuk zu, dass er Ungerechtigkeit nicht endlos duldet?

      • Sacharja 7:8-14 Was hält Jehova von Menschen, die die Rechte anderer mit Füßen treten?

      • Römer 2:3-11 Auf welcher Grundlage beurteilt Jehova sowohl Einzelne als auch Nationen?

  • „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit?“
    Komm Jehova doch näher
    • Während es auf Sodom und Gomorra Feuer und Schwefel regnet, kommt Lot mit seinen beiden Töchtern sicher in Zoar an.

      KAPITEL 12

      „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit?“

      1. Wie berührt uns Ungerechtigkeit?

      EINE betagte Witwe wird um ihr Erspartes gebracht. Ein hilfloses Baby wird von einer herzlosen Mutter ausgesetzt. Ein Mann kommt für ein Verbrechen ins Gefängnis, das er gar nicht begangen hat. Wie reagieren wir auf solche Vorfälle? Wahrscheinlich mit großem Unbehagen, und das ist verständlich. Wir Menschen haben ein starkes Empfinden für Recht und Unrecht. Ungerechtigkeit erbost uns. Wir möchten, dass das Opfer entschädigt und der Täter den Händen der Gerechtigkeit übergeben wird. Geschieht das nicht, steigt in uns vielleicht die Frage auf: Sieht Gott nicht, was hier passiert? Warum tut er nichts?

      2. Wie reagierte Habakuk auf Ungerechtigkeit, und weshalb kritisierte Jehova ihn nicht dafür?

      2 Im Verlauf der Geschichte haben treue Diener Jehovas immer wieder solche Fragen gestellt. Der Prophet Habakuk sagte in einem Gebet: „Warum lässt du mich Unrecht mit ansehen? Warum tolerierst du Unterdrückung? Warum gibt es um mich herum Zerstörung und Gewalt? Warum so viel Streit, so viele Konflikte?“ (Habakuk 1:3). Jehova kritisierte Habakuk nicht für diese offenen, direkten Fragen, denn schließlich hat er dem Menschen einen Sinn für Gerechtigkeit verliehen. Ja, Jehova hat uns eine kleine Portion seines tiefen Gerechtigkeits­empfindens gegeben.

      Jehova hasst Ungerechtigkeit

      3. Wieso kann man sagen, dass Jehova Ungerechtigkeit deutlicher wahrnimmt als wir?

      3 Jehova ist für Ungerechtigkeit nicht blind. Er sieht, was vor sich geht. Über die Zeit Noahs heißt es in der Bibel: „Da sah Jehova, dass die Menschen auf der Erde sehr schlecht waren und die Gedanken in ihrem Herzen immer nur zum Bösen neigten“ (1. Mose 6:5). Denken wir einmal darüber nach, wie viel in dieser Aussage steckt. Was wir als Ungerechtigkeit wahrnehmen, basiert oft auf einigen wenigen Vorfällen, von denen wir gehört oder die wir persönlich erlebt haben. Jehova dagegen nimmt die Ungerechtigkeit in globalem Ausmaß wahr. Ihm entgeht nichts! Und obendrein kann er noch die Neigung des Herzens erkennen – die niedrigen Gedanken hinter ungerechten Taten (Jeremia 17:10).

      4, 5. (a) Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehova um die Opfer von Ungerechtigkeit besorgt ist? (b) Wie ist Jehova selbst von Ungerechtigkeit betroffen?

      4 Doch Jehova nimmt nicht nur von der Ungerechtigkeit Notiz. Er ist auch um die Opfer besorgt. Als die Israeliten unter der Grausamkeit feindlicher Völker litten, hatte Jehova „Mitleid, wenn sie stöhnten, weil man sie unterdrückte und misshandelte“ (Richter 2:18). Manche Leute werden durch die vielen Ungerechtigkeiten, die sie sehen, immer abgestumpfter. Nicht so Jehova! Er beobachtet seit rund 6000 Jahren das gesamte Ausmaß der Ungerechtigkeit, und er hasst sie wie eh und je. In der Bibel heißt es ausdrücklich, dass er „eine verlogene Zunge“, „Hände, die unschuldiges Blut vergießen“, „einen falschen Zeugen, der bei jedem Atemzug lügt“, und dergleichen verabscheut (Sprüche 6:16-19).

      5 Bemerkenswert ist auch, wie hart Jehova mit den ungerechten Führern Israels ins Gericht ging. „Müsstet ihr nicht wissen, was gerecht ist?“, fragte ein Prophet unter göttlicher Inspiration. Nach einer plastischen Schilderung ihres Machtmissbrauchs sagte Jehova voraus, wie es mit diesen korrupten Männern ausgehen würde: „Sie [werden] zu Jehova um Hilfe rufen, aber er wird ihnen nicht antworten. Er wird in dieser Zeit sein Gesicht vor ihnen verbergen wegen ihrer schlechten Taten“ (Micha 3:1-4). Wie sehr Jehova doch Ungerechtigkeit zuwider ist! Er ist selbst Leidtragender! Seit Tausenden von Jahren wird er von Satan zu Unrecht verhöhnt (Sprüche 27:11). Außerdem war Jehova von der schrecklichsten aller Ungerechtigkeiten betroffen: Sein Sohn „beging keine Sünde“ und wurde trotzdem wie ein Verbrecher hingerichtet (1. Petrus 2:22; Jesaja 53:9). Jehova ist für die Not der Opfer von Ungerechtigkeit weder blind, noch lässt sie ihn unberührt.

      6. Wie reagieren Menschen oft auf Ungerechtigkeit, und warum?

      6 Was uns betrifft, ist es ganz natürlich, dass wir heftig reagieren, wenn wir Ungerechtigkeit beobachten oder selbst unter unfairer Behandlung leiden. Wir sind im Bild Gottes erschaffen, und Ungerechtigkeit ist allem, wofür Jehova steht, absolut entgegengesetzt (1. Mose 1:27). Aber warum lässt Gott Ungerechtigkeit dann überhaupt zu?

      Eine wichtige Streitfrage

      7. Wie wurde Jehovas Name verleumdet und seine Regierungsweise infrage gestellt?

      7 Der Grund, warum Gott Ungerechtigkeit zulässt, hängt mit einer wichtigen Streitfrage zusammen. Wie schon erwähnt, hat der Schöpfer das Recht, über die Erde und alle ihre Bewohner zu herrschen (Psalm 24:1; Offenbarung 4:11). Doch zu Beginn der Menschheits­geschichte wurde Gottes guter Name verleumdet und seine Art zu regieren infrage gestellt. Wie kam es dazu? Jehova hatte dem ersten Menschen, Adam, verboten, von einem bestimmten Baum in seiner paradiesischen Heimat zu essen. Und wenn er sich nicht daran halten würde? Dann „wirst du ganz bestimmt sterben“, hatte Gott gesagt (1. Mose 2:17). Gottes Gebot war für Adam und seine Frau Eva keine Zumutung. Trotzdem ließ sich Eva von Satan einreden, Gott würde sie unnötig einschränken. Was wäre, wenn sie von dem Baum essen würde? Der Teufel behauptete: „Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. Gott weiß, dass euch an dem Tag, an dem ihr davon esst, die Augen geöffnet werden. Ihr werdet wie Gott sein und erkennen, was gut und böse ist“ (1. Mose 3:1-5).

      8. (a) Was deutete der Teufel mit seinen Äußerungen gegenüber Eva an? (b) Was stellte der Teufel infrage?

      8 Mit dieser Aussage unterstellte der Teufel Jehova nicht nur, er habe Eva bedeutsame Informationen vorenthalten, sondern auch, er habe sie belogen. Satan brachte Eva dazu, anzuzweifeln, dass Jehova gut ist. Er entehrte dadurch Gottes Namen und stellte seine Art zu regieren infrage. Der Teufel war vorsichtig genug, nicht die Tatsache anzuzweifeln, dass Gott der Souverän ist. Nein, er stellte infrage, dass Gottes Souveränität oder Oberherrschaft rechtens, gerecht und verdient ist. Mit anderen Worten: Er behauptete, Jehova übe seine Souveränität nicht gerecht und nicht zum Wohl seiner Untertanen aus.

      9. (a) Was war für Adam und Eva die Folge des Ungehorsams, und welche hochbedeutsamen Fragen ergaben sich daraus? (b) Warum vernichtete Jehova die Rebellen nicht einfach?

      9 Daraufhin missachteten sowohl Adam als auch Eva Jehovas Gebot und aßen von dem verbotenen Baum. Wegen ihres Ungehorsams erwartete sie die Todesstrafe, so wie Gott es verfügt hatte. Durch Satans Lüge wurden hochbedeutsame Fragen aufgeworfen: Hat Jehova überhaupt das Recht, über die Menschheit zu herrschen, oder sollte sich der Mensch selbst regieren? Übt Jehova seine Souveränität auf bestmögliche Weise aus? Allmächtig, wie er ist, hätte Jehova die Rebellen auf der Stelle vernichten können. Doch bei den aufgeworfenen Fragen ging es nicht um seine Macht. Vielmehr ging es um seine Art zu regieren und damit um seinen guten Namen oder Ruf. Adam, Eva und den Teufel auszuschalten hätte die Rechtmäßigkeit seiner Souveränität nicht bewiesen. Womöglich wären dadurch noch mehr Zweifel an seiner Regierungsweise aufgekommen. Nur die Zeit würde zeigen, ob sich die Menschen erfolgreich selbst – also unabhängig von Gott – regieren könnten.

      10. Was sagt die Geschichte über die Menschen­herrschaft aus?

      10 Was hat die Zeit gezeigt? Im Verlauf der Jahrtausende hat der Mensch viele Regierungsformen ausprobiert, darunter Autokratie, Demokratie, Sozialismus und Kommunismus. Über die Quintessenz all dieser Experimente sagt die Bibel ganz unverblümt, dass „der Mensch über den Menschen zu dessen Schaden geherrscht“ hat (Prediger 8:9). Aus gutem Grund erklärte der Prophet Jeremia: „Ich weiß nur zu gut, Jehova, dass es dem Menschen nicht zusteht, seinen Weg selbst zu bestimmen. Es steht dem Menschen nicht zu, auf seinem Lebensweg auch nur seinen Schritt zu lenken“ (Jeremia 10:23).

      11. Warum lässt Jehova zu, dass die Menschheit Leid ertragen muss?

      11 Jehova wusste von Anfang an, dass die Unabhängigkeit oder Selbstregierung des Menschen viel Leid verursachen würde. War es ungerecht von ihm, den Dingen ihren Lauf zu lassen? Auf keinen Fall! Ein Beispiel: Angenommen, dein Kind braucht eine Operation, um von einer lebens­bedrohlichen Krankheit geheilt zu werden. Dir ist klar, dass es bei diesem Eingriff leiden muss, und darüber bist du tief betrübt. Du weißt aber auch, dass die Behandlung deinem Kind auf lange Sicht zu besserer Gesundheit verhelfen wird. Ebenso wusste Gott – und prophezeite es sogar –, dass die von ihm geduldete Menschen­herrschaft Schmerz und Leid mit sich bringen würde (1. Mose 3:16-19). Aber er wusste auch, dass eine sinnvolle Dauerlösung nur dann möglich wäre, wenn die ganze Menschheit die verheerenden Folgen der Rebellion sehen könnte. So ließe sich die Streitfrage endgültig und für alle Ewigkeit klären.

      Die Integrität des Menschen infrage gestellt

      12. Was unterstellte der Teufel den Menschen, wie an Hiob deutlich wird?

      12 Die Sache hat aber noch einen anderen Aspekt. Als der Teufel die Rechtmäßigkeit und Gerechtigkeit der Herrschaft Gottes anfocht, verleumdete er nicht nur Jehova als Souverän und griff seinen Namen an. Er stellte auch die Integrität der Diener Gottes infrage. Bezeichnend ist, was Satan über den gerechten Hiob zu Jehova sagte: „Hast du nicht um ihn, um sein Haus und um alles, was er hat, eine schützende Hecke gezogen? Alles, was seine Hände tun, hast du gesegnet, und sein Viehbestand hat sich im Land ausgebreitet. Aber streck doch zur Abwechslung mal deine Hand aus und nimm ihm alles weg, was er hat, und er wird dir bestimmt direkt ins Gesicht fluchen“ (Hiob 1:10, 11).

      13. Was wollte Satan mit seinen Anklagen gegen Hiob sagen, und wieso sind alle Menschen davon betroffen?

      13 Satan unterstellte Jehova, er hätte sich mit seiner schützenden Macht Hiobs Ergebenheit erkauft. Hiob hätte seine Integrität also nur vorgetäuscht und Gott nur für eine Gegenleistung gedient. Müsste Hiob auf den Segen Gottes verzichten, würde selbst er seinen Schöpfer verfluchen. Satan wusste über Hiob: „Er ist ein aufrichtiger Mann, der sich nichts zuschulden kommen lässt. Er ist gottesfürchtig und meidet alles Schlechte.“a Wenn Satan Hiob dazu bringen könnte, seine Integrität aufzugeben, wie sähe es dann mit dem Rest der Menschheit aus? In Wirklichkeit zweifelte Satan die Loyalität aller an, die Gott dienen möchten. Das sieht man daran, dass er zu Jehova sagte: „Alles, was ein Mensch hat, wird er für sein Leben geben“ (Hiob 1:8; 2:4).

      14. Wie hat die Geschichte Satans Anklagen gegen die Menschen widerlegt?

      14 Die Geschichte hat Satans Behauptung Lügen gestraft, denn so wie Hiob sind viele Menschen Jehova unter Prüfungen treu geblieben. Durch ihren treuen Lebenswandel haben sie Jehova Freude gemacht und ihm eine Antwort auf Satans prahlerische und höhnische Unterstellung geliefert, dass sich die Menschen unter widrigen Bedingungen von Gott lossagen würden (Hebräer 11:4-38). Wer die richtige Herzens­einstellung hat, lässt sich nicht von Gott wegziehen. In den tragischsten Situationen, in denen er weder aus noch ein weiß, vertraut er umso mehr darauf, dass Jehova ihm die Kraft gibt alles durchzustehen (2. Korinther 4:7-10).

      15. Welche Frage könnten Gottes vergangene und künftige Urteile aufkommen lassen?

      15 Jehovas Gerechtigkeit ist also daran zu erkennen, wie er mit den Streitfragen um die Rechtmäßigkeit seiner Souveränität und um die Integrität des Menschen umgeht. In der Bibel sind aber auch Urteile dokumentiert, die er an Einzelnen und sogar an ganzen Völkern vollstreckt hat. Außerdem enthält sie Prophezeiungen über Urteile, die er in Zukunft fällen wird. Warum können wir uns darauf verlassen, dass die Urteile Jehovas immer gerecht sind?

      Warum Gottes Gerechtigkeit überlegen ist

      Während es auf Sodom und Gomorra Feuer und Schwefel regnet, kommt Lot mit seinen beiden Töchtern sicher in Zoar an. Im Hintergrund ist Lots Frau als Salzsäule zu sehen.

      Jehova wird niemals „die Gerechten zusammen mit den Bösen vernichten“

      16, 17. Welche Beispiele zeigen, dass Menschen einen eingeschränkten Blick für wahre Gerechtigkeit haben?

      16 Treffend heißt es von Jehova: „Alle seine Wege sind gerecht“ (5. Mose 32:4). Keiner von uns kann so etwas von sich behaupten, denn durch unsere eingeschränkte Wahrnehmung erkennen wir oft nicht klar, was richtig ist. So war es auch bei Abraham. Als es um die Zerstörung Sodoms ging, richtete er trotz der dort grassierenden Schlechtigkeit einen flehentlichen Appell an Jehova. Er fragte ihn: „Wirst du wirklich die Gerechten zusammen mit den Bösen vernichten?“ (1. Mose 18:23-33). Die Antwort lautete selbst­verständlich nein. Erst als der gerechte Lot und seine Töchter sicher in der Stadt Zoar angekommen waren, ließ Jehova „Schwefel und Feuer“ auf Sodom regnen (1. Mose 19:22-24). Jona dagegen „wurde sehr zornig“, als Gott den Bewohnern Ninives Barmherzigkeit erwies. Da Jona ihnen die Vernichtung bereits angekündigt hatte, wäre es ihm nur recht gewesen, sie auch ausgerottet zu sehen – ungeachtet ihrer aufrichtigen Reue (Jona 3:10 bis 4:1).

      17 Jehova versicherte Abraham, dass er, wenn er Recht übt, nicht nur die Bösen vernichtet, sondern auch die Gerechten rettet. Und Jona musste lernen, dass Jehova barmherzig ist. Wenn sich schlechte Menschen ändern, vergibt er gern (Psalm 86:5). Jehova spricht nicht einfach deshalb ein Urteil aus, weil er seine Macht demonstrieren will, wie es oft bei unsicheren Menschen der Fall ist. Auch hält er sein Mitgefühl nicht zurück aus Furcht, das könnte ihm als Schwäche ausgelegt werden. Er handelt nach dem Prinzip, Barmherzigkeit zu üben, wann immer es eine Grundlage dafür gibt (Jesaja 55:7; Hesekiel 18:23).

      18. Belege durch biblische Beispiele, dass sich Jehova nicht von Sentimentalität leiten lässt.

      18 Doch Jehovas Blick wird nicht durch Sentimentalität getrübt. Als sein Volk dem Götzendienst verfiel, erklärte Jehova mit allem Nachdruck: „Ich werde … ein Urteil über dich sprechen, das du für dein Verhalten verdienst, und dich für all deine abscheulichen Taten zur Rechenschaft ziehen. Mein Auge wird kein Mitleid mit dir haben und ich werde kein Mitgefühl empfinden, denn ich werde dich für die Wege, die du selbst gegangen bist, zahlen lassen“ (Hesekiel 7:3, 4). Wenn Menschen also starrsinnig auf ihrem Kurs beharren, fällt Jehova auch ein entsprechendes Urteil. Es gründet sich allerdings auf unumstößliche Beweise. Als ihm ein Aufschrei über Sodom und Gomorra zu Ohren kam, sagte er: „Ich werde hinuntergehen und nachsehen, ob ihr Handeln tatsächlich dem Aufschrei entspricht, den ich gehört habe“ (1. Mose 18:20, 21). Wie dankbar können wir sein, dass Jehova nicht Menschen gleicht, die Schlüsse ziehen, bevor sie alle Fakten kennen! Jehova ist wirklich „ein treuer Gott, der nie ungerecht ist“ (5. Mose 32:4).

      Der Gerechtigkeit Jehovas vertrauen

      19. Was können wir tun, wenn uns die Art und Weise, wie Jehova Recht übt, vor ein Rätsel stellt?

      19 Die Bibel geht nicht auf jede Frage ein, die durch Jehovas vergangene Taten aufkommen könnte. Auch erklärt sie nicht detailliert, wie Jehova künftig Einzelpersonen und Gruppen beurteilen wird. Wenn uns bestimmte biblische Berichte oder Prophezeiungen verwirren, weil sie Details vermissen lassen, können wir uns ähnlich loyal zeigen wie der Prophet Micha, der schrieb: „Auf den Gott, von dem meine Rettung kommt, werde ich geduldig warten“ (Micha 7:7).

      20, 21. Wieso können wir darauf vertrauen, dass Jehova immer das Richtige tut?

      20 Wir können darauf vertrauen, dass Jehova in jeder Situation das Richtige tut. Menschen scheinen Ungerechtigkeiten zwar oft zu ignorieren, doch Jehova verspricht: „Es ist meine Sache, Rache zu nehmen. Ich werde Vergeltung üben“ (Römer 12:19). Durch unsere wartende Haltung können wir die feste Überzeugung des Apostels Paulus widerspiegeln: „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit? Auf keinen Fall!“ (Römer 9:14).

      21 Unterdessen erleben wir „kritische Zeiten“, „mit denen man schwer fertigwird“ (2. Timotheus 3:1). Ungerechtigkeiten und „Taten der Unterdrückung“ verursachen viele schreckliche Missstände (Prediger 4:1). Doch Jehova hat sich nicht geändert. Nach wie vor hasst er Ungerechtigkeit und ist sehr um die Opfer besorgt. Wenn wir treu für Jehova und seine Souveränität einstehen, wird er uns die Kraft geben auszuharren, bis er zur gegebenen Zeit durch seine Königreichs­regierung alle Ungerechtigkeit wiedergutmachen wird (1. Petrus 5:6, 7).

      a Jehova sagte über Hiob: „Auf der Erde gibt es keinen wie ihn“ (Hiob 1:8). Höchst­wahrscheinlich lebte Hiob also nach dem Tod Josephs und bevor Moses zum Führer Israels eingesetzt wurde. Folglich konnte man damals sagen, dass Hiobs Integrität ohnegleichen war.

      Fragen zum Nachdenken

      • 5. Mose 10:17-19 Weshalb können wir darauf vertrauen, dass Jehova unparteiisch handelt?

      • Hiob 34:1-12 Wieso können Elihus Worte unser Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit stärken, wenn uns Ungerechtigkeit widerfährt?

      • Psalm 1:1-6 Warum ist es beruhigend, zu wissen, dass Jehova die Taten der Gerechten und der Bösen genau beurteilt?

      • Maleachi 2:13-16 Wie dachte Jehova über die ungerechte Behandlung der Frauen, deren Männer sich ohne berechtigten Grund scheiden ließen?

  • „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“
    Komm Jehova doch näher
    • Moses hält die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten unter dem Arm.

      KAPITEL 13

      „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“

      1, 2. Warum haben viele Menschen keine große Achtung vor dem Recht, doch welche Empfindungen für Gottes Gesetze können in uns wachsen?

      „DIE Rechtsprechung ist ein Fass ohne Boden, sie … verschlingt alles.“ Diese Aussage stand in einem Buch aus dem Jahr 1712. Der Verfasser beklagte sich über eine Justiz, bei der sich Prozesse manchmal über Jahre hinschleppten und der Hilfesuchende in den finanziellen Ruin getrieben wurde. In vielen Ländern ist das Rechtswesen dermaßen kompliziert, ungerecht, voreingenommen und inkonsequent, dass mangelnde Achtung vor dem Recht gang und gäbe ist.

      2 Einen Kontrast dazu bilden folgende Worte, die vor ungefähr 2700 Jahren nieder­geschrieben wurden: „Wie sehr liebe ich doch dein Gesetz!“ (Psalm 119:97). Warum hatte der Psalmist diese tiefen Empfindungen? Weil das Gesetz, das er so hoch lobte, nicht von einer weltlichen Regierung stammte, sondern von Jehova Gott. Während du dich mit Jehovas Gesetzen befasst, wird es dir mit der Zeit wahrscheinlich genauso gehen wie dem Psalmisten. Durch ein solches Studium gewinnst du einen Eindruck von dem größten Rechtsgenie im ganzen Universum.

      Der höchste Gesetzgeber

      3, 4. Wie hat sich Jehova als Gesetzgeber erwiesen?

      3 „Es gibt nur einen, der Gesetzgeber und Richter ist“, sagt die Bibel (Jakobus 4:12). Ja, Jehova ist ein Gesetzgeber ohnegleichen. Selbst die Bewegungsabläufe der Himmelskörper werden durch die „Gesetze des Himmels“ bestimmt (Hiob 38:33). Auch die zahllosen heiligen Engel Jehovas lassen sich von Gottes Gesetz leiten, denn unter ihnen gibt es eine feste Aufgabenverteilung und sie stehen als Diener Jehovas unter göttlichem Befehl (Psalm 104:4; Hebräer 1:7, 14).

      4 Jehova hat auch der Menschheit Gesetze gegeben. Wir alle haben ein Gewissen, das Jehovas Rechtsempfinden widerspiegelt. Als eine Art inneres Gesetz kann uns das Gewissen helfen, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden (Römer 2:14). Unsere Ureltern waren mit einem vollkommenen Gewissen ausgestattet und brauchten deshalb nur einige wenige Gesetze (1. Mose 2:15-17). Der unvollkommene Mensch dagegen benötigt mehr Gesetze, die ihn anleiten, Gottes Willen zu tun. Patriarchen wie Noah, Abraham und Jakob erhielten von Jehova Gott Gesetze, die sie an ihre Familie weiterleiteten (1. Mose 6:22; 9:3-6; 18:19; 26:4, 5). Jehova wurde zu einem unvergleichlichen Gesetzgeber, als er der Nation Israel durch Moses eine Gesetzessammlung gab. Sie gibt uns einen tiefen Einblick in Jehovas Rechtsempfinden.

      Das mosaische Gesetz – ein Überblick

      5. War das mosaische Gesetz eine unhandliche, komplizierte Gesetzessammlung, und warum antwortest du so?

      5 Offenbar halten viele das mosaische Gesetz für eine unhandliche, komplizierte Gesetzessammlung. Diese Ansicht entspricht jedoch absolut nicht den Tatsachen. Der gesamte Kodex besteht aus über 600 Gesetzen. Das klingt vielleicht nach viel, aber sehen wir uns zum Vergleich einmal die Bundesgesetze der Vereinigten Staaten an. Ende des 20. Jahrhunderts füllten sie in den Rechtsbüchern über 150 000 Seiten. Alle zwei Jahre kommen um die 600 Gesetze hinzu. Wenn es also rein um das Volumen geht, lassen die menschlichen Gesetzesberge das mosaische Gesetz direkt winzig erscheinen. Und das, obwohl Gottes Gesetz in Israel Lebensbereiche regelte, mit denen sich moderne Gesetze überhaupt nicht abgeben. Hier ein Überblick.

      6, 7. (a) Was unterscheidet das mosaische Gesetz von jedem anderen Gesetz, und wie lautet sein größtes Gebot? (b) Wie konnten die Israeliten beweisen, dass sie die Souveränität Jehovas anerkannten?

      6 Das Gesetz pries Jehovas Souveränität. Darin hebt sich das mosaische Gesetz von allen anderen Gesetzes­sammlungen ab. Das größte Gebot daraus lautete: „Höre, Israel: Jehova ist unser Gott, es gibt nur einen Jehova. Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft.“ Wie sollte Gottes Volk seine Liebe zeigen? Es sollte Gott dienen und sich seiner Souveränität unterordnen (5. Mose 6:4, 5; 11:13).

      7 Der einzelne Israelit erkannte die Souveränität Jehovas dadurch an, dass er sich denen unterordnete, die Autorität besaßen. Eltern, Vorsteher, Richter, Priester und später auch der König repräsentierten alle Gottes Autorität. Die Auflehnung gegen solche Autoritätspersonen war für Jehova gleichbedeutend mit der Auflehnung gegen ihn. Andererseits konnte sich jemand, der Autorität innehatte, den Zorn Jehovas zuziehen, wenn er Gottes Volk ungerecht oder arrogant behandelte (2. Mose 20:12; 22:28; 5. Mose 1:16, 17; 17:8-20; 19:16, 17). Beide Seiten waren angehalten, Gottes Souveränität zu unterstützen.

      8. Wie wurde durch das Gesetz der Standard Jehovas für Heiligkeit gewahrt?

      8 Das Gesetz wahrte Jehovas Standard für Heiligkeit. Die Wörter „heilig“ und „Heiligkeit“ kommen im mosaischen Gesetz über 280 Mal vor. Das Gesetz half dem Volk Gottes, zwischen Reinem und Unreinem zu unterscheiden, und führte ungefähr 70 Punkte auf, durch die ein Israelit zeremoniell unrein werden konnte. Diese Gesetze berührten die Körperhygiene, die Ernährung und sogar die Abfallbeseitigung. Das brachte enorme gesundheitliche Vorteile mit sich.a Aber es war noch ein höherer Zweck damit verbunden: Das Volk konnte dadurch, dass es sich von den sündigen Bräuchen der verdorbenen Nachbarvölkern fernhielt, in der Gunst Jehovas bleiben. Dazu ein Beispiel.

      9, 10. Welche Bestimmungen enthielt der Gesetzesbund für sexuelle Beziehungen und Geburten, und wieso war das von Vorteil?

      9 Im Gesetzesbund gab es Bestimmungen, wonach sexuelle Beziehungen – selbst für Verheiratete – und Geburten eine Phase der Unreinheit mit sich brachten (3. Mose 12:2-4; 15:16-18). Durch solche Vorschriften wurden diese reinen Gaben Gottes nicht herabgesetzt (1. Mose 1:28; 2:18-25). Vielmehr blieb dadurch Jehovas Heiligkeit gewahrt, weil diese Gesetze seine Anbeter vor Verunreinigung schützten. Immerhin war bei den Nachbarvölkern Israels zu beobachten, dass sie ihre Kulte mit Sex und Fruchtbarkeits­riten vermischten. Die kanaanitische Religion kannte männliche und weibliche Prostitution. Dadurch entstanden und verbreiteten sich Perversionen schlimmster Art. Das mosaische Gesetz hingegen zog eine klare Trennung zwischen der Anbetung Jehovas und der Sexualität.b Doch es gab noch einen weiteren Vorteil.

      10 Diese Gesetze lehrten das Volk eine wichtige Wahrheit.c Wie wird nämlich der Makel der adamischen Sünde von einer Generation an die nächste weitergegeben? Geschieht das nicht gerade durch sexuelle Beziehungen und Geburten? (Römer 5:12). Das Gesetz erinnerte Gottes Volk an die stets präsente Realität der Sünde. Tatsache ist, dass wir alle in Sünde geboren wurden (Psalm 51:5). Wir sind auf Vergebung und Erlösung angewiesen, um die Nähe unseres heiligen Gottes suchen zu können.

      11, 12. (a) Für welches wichtige Rechtsprinzip trat das Gesetz ein? (b) Wie wirkte das Gesetz der Rechtsbeugung entgegen?

      11 Das Gesetz hielt Jehovas vollkommene Gerechtigkeit hoch. Das mosaische Gesetz trat für das Prinzip der Gleichwertigkeit in Rechtsfragen ein. So hieß es darin: „Es gilt Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß“ (5. Mose 19:21). Bei einem Verbrechen musste die Strafe somit der Tat angemessen sein. Dieser Aspekt der göttlichen Gerechtigkeit zieht sich durch das ganze Gesetz. Er ist bis zum heutigen Tag entscheidend dafür, dass man die Notwendigkeit des Loskaufsopfers Jesu Christi versteht, wie in Kapitel 14 erläutert wird (1. Timotheus 2:5, 6).

      12 Das Gesetz wirkte außerdem der Rechtsbeugung entgegen. So waren mindestens zwei Zeugen nötig, damit eine Anklage rechtlich zulässig war. Auf Meineid stand eine schwere Strafe (5. Mose 19:15, 18, 19). Bestechung war ebenfalls streng verboten (2. Mose 23:8; 5. Mose 27:25). Selbst in Geschäfts­angelegenheiten musste Gottes Volk die hohen Rechtsnormen Jehovas wahren (3. Mose 19:35, 36; 5. Mose 23:19, 20). Diese edle und gerechte Gesetzessammlung war für Israel ein großer Segen.

      Barmherzigkeit und Fairness gesetzlich verankert

      13, 14. Wie förderte das Gesetz eine faire Behandlung von Dieben und Bestohlenen?

      13 War das mosaische Gesetz ein starres, unbarmherziges Regelwerk? Absolut nicht! König David schrieb unter Inspiration: „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“ (Psalm 19:7). Wie er nur zu gut wusste, förderte das Gesetz Barmherzigkeit und Fairness. Woran zeigte sich das?

      14 In manchen Ländern scheint die Rechtsprechung heutzutage mehr Wert darauf zu legen, Verbrecher nachsichtig und wohlwollend zu behandeln, als für die Opfer da zu sein. Während ein Dieb beispielsweise im Gefängnis sitzt, steht der Bestohlene mit seinem Verlust da und muss obendrein noch Steuern zahlen, mit denen Kost und Unterbringung des Verbrechers finanziert werden. Im alten Israel gab es keine Gefängnisse, wie wir sie heute kennen. Und für Strafen galten strikte Beschränkungen (5. Mose 25:1-3). Ein Dieb musste den Bestohlenen für den Verlust entschädigen. Auch musste er noch zusätzlich etwas zahlen. Wie viel? Das kam darauf an. Offenbar hatten die Richter einen gewissen Spielraum, um eine Reihe von Faktoren wie zum Beispiel die Reue des Sünders abzuwägen. Damit ließe sich erklären, warum die von einem Dieb geforderte Entschädigung in 3. Mose 6:1-7 weit niedriger angegeben wird als in 2. Mose 22:7.

      15. Wie gewährleistete das Gesetz sowohl Barmherzigkeit als auch Gerechtigkeit, wenn jemand versehentlich getötet worden war?

      15 In dem Gesetz wurde barmherzigerweise berücksichtigt, dass nicht jedes Unrecht vorsätzlich begangen wird. Tötete jemand versehentlich einen Menschen, brauchte er nicht Leben für Leben zu geben, sofern er die richtigen Schritte unternahm und in eine der Zufluchtsstädte floh, die in ganz Israel verstreut lagen. Nachdem befähigte Richter den Fall verhandelt hatten, musste er bis zum Tod des Hohen Priesters dort wohnen. Danach konnte er frei wählen, wo er leben wollte. So kam ihm die göttliche Barmherzigkeit zugute. Gleichzeitig bekräftigte dieses Gesetz den hohen Wert des menschlichen Lebens (4. Mose 15:30, 31; 35:12-25).

      16. Wie blieb das Persönlichkeits­recht durch das Gesetz gewahrt?

      16 Das Gesetz wahrte ferner das Persönlichkeits­recht. Welchen Schutz bot es Schuldnern? Laut Gesetz war es verboten, das Haus eines Schuldners zu betreten, um sich ein Pfand für ein Darlehen zu holen. Der Gläubiger musste draußen bleiben und den Schuldner das Pfand herausbringen lassen. So blieb das Haus unangetastet. Nahm der Gläubiger das Obergewand des Schuldners als Pfand, musste er es bei Einbruch der Dunkelheit zurückgeben, denn der Schuldner brauchte es wahrscheinlich, um sich nachts warm zu halten (5. Mose 24:10-14).

      17, 18. Wie unterschieden sich die Israeliten in der Kriegführung von anderen Völkern, und warum?

      17 Das Gesetz regelte sogar die Kriegführung. Gottes Volk durfte nicht aus purem Machtstreben oder Eroberungsdrang Krieg führen, sondern war Gottes Werkzeug in den „Kriegen Jehovas“ (4. Mose 21:14). In vielen Fällen mussten die Israeliten zuerst die Bedingungen für eine Kapitulation nennen. Lehnte eine Stadt dieses Angebot ab, konnte Israel sie belagern. Allerdings mussten Gottes Regeln eingehalten werden. Im Unterschied zu dem, was sich in den Kriegen der Geschichte abgespielt hat, durften die israelitischen Soldaten keine Frauen vergewaltigen oder mutwillig Menschen niedermetzeln. Sie mussten sogar Respekt vor der Natur haben und durften die Obstbäume des Feindes nicht umhauen.d Andere Heere kannten solche Einschränkungen nicht (5. Mose 20:10-15, 19, 20; 21:10-13).

      18 Läuft es dir bei dem Gedanken, dass in manchen Ländern Kinder als Soldaten ausgebildet werden, eiskalt den Rücken hinunter? Im alten Israel wurde kein Mann unter 20 einberufen (4. Mose 1:2, 3). Auch überängstliche Erwachsene waren freigestellt. Ein frisch verheirateter Mann war ein ganzes Jahr lang befreit, sodass er eventuell die Geburt eines Erben miterlebte, bevor er einen so gefährlichen Dienst antrat. So konnte der junge Ehemann, wie es im Gesetz hieß, „seiner Frau Freude machen“ (5. Mose 20:5, 6, 8; 24:5).

      19. Wie wurden durch das Gesetz Frauen, Kinder, Familien, Witwen und Waisen geschützt?

      19 Das Gesetz schützte auch Frauen, Kinder und Familien und stellte sicher, dass sie versorgt waren. Eltern wurde geboten, ihren Kindern konstant Aufmerksamkeit zu schenken und sie im Glauben zu belehren (5. Mose 6:6, 7). Alle Formen von Inzest waren bei Todesstrafe verboten (3. Mose, Kapitel 18). Ebenso war Ehebruch untersagt, der ja allzu oft Familien zerrüttet und ihre Geborgenheit und Würde zerstört. Im Gesetz wurde für Witwen und Waisen gesorgt, und es war unter den schlimmsten Androhungen verboten, sie schlecht zu behandeln (2. Mose 20:14; 22:22-24).

      20, 21. (a) Weshalb gestattete das mosaische Gesetz unter den Israeliten Polygamie? (b) Warum wich das Gesetz in Scheidungsfragen von der Norm ab, die Jesus später wieder einführte?

      20 In diesem Zusammenhang könnte allerdings die Frage aufkommen, warum das Gesetz Polygamie erlaubte (5. Mose 21:15-17). Solche Gesetze muss man im Kontext der damaligen Zeit sehen. Wer das mosaische Gesetz aus dem Blickwinkel der heutigen Zeit und der heutigen Kultur beurteilt, wird es höchst­wahrscheinlich nicht verstehen (Sprüche 18:13). Nach den Normen, die Jehova im Garten Eden aufstellte, war die Ehe eine dauerhafte Bindung zwischen einem Mann und einer Frau (1. Mose 2:18, 20-24). Doch als Israel von Jehova das Gesetz erhielt, hatten Bräuche wie die Polygamie schon eine jahrhundertelange Tradition. Jehova wusste nur zu gut, „wie eigensinnig dieses Volk“ war; es würde oft selbst die grundlegendsten Gebote missachten, wie zum Beispiel das Verbot des Götzendienstes (2. Mose 32:9). In seiner Weisheit wählte er nicht gerade die damalige Epoche aus, um alle Ehebräuche zu reformieren. Wohlgemerkt, Jehova hat die Polygamie nicht eingeführt. Aber er nutzte das mosaische Gesetz dazu, die Polygamie unter seinem Volk zu regeln und Missbräuche zu verhindern.

      21 Unter dem mosaischen Gesetz war es einem Mann außerdem erlaubt, sich aus recht unterschiedlichen schwerwiegenden Gründen von seiner Frau scheiden zu lassen (5. Mose 24:1-4). Jesus sprach in diesem Zusammenhang von einem Zugeständnis Gottes an die Juden, weil sie „so hartherzig“ waren. Doch solche Zugeständnisse waren vorübergehender Natur. Für seine Nachfolger setzte Jesus die ursprünglichen Ehenormen Jehovas wieder ein (Matthäus 19:8).

      Das Gesetz förderte die Liebe

      22. Wie förderte das mosaische Gesetz die Liebe, und wem gegenüber?

      22 Kannst du dir ein modernes Rechtssystem vorstellen, das Liebe propagiert? Das mosaische Gesetz stellte die Liebe über alles andere. Allein im 5. Buch Mose kommt das Wort für „Liebe“ in seinen verschiedenen Formen über 20 Mal vor. „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“, lautete das zweitgrößte Gebot des ganzen Gesetzes (3. Mose 19:18; Matthäus 22:37-40). Die Israeliten sollten diese Liebe nicht nur untereinander praktizieren, sondern auch gegenüber den Fremden, die in ihrer Mitte wohnten – in dem Bewusstsein, dass sie selbst einmal in der Fremde gelebt hatten. Sie sollten den Armen und Unterdrückten Liebe zeigen, ihnen materielle Hilfe leisten und sich davor hüten, ihre missliche Lage auszunutzen. Sie waren sogar angehalten, Arbeitstiere gut und rücksichtsvoll zu behandeln (2. Mose 23:6; 3. Mose 19:14, 33, 34; 5. Mose 22:4, 10; 24:17, 18).

      23. Wozu wurde der Schreiber von Psalm 119 motiviert, und was können wir uns vornehmen?

      23 Welches andere Volk war mit einem solchen Gesetz gesegnet? Kein Wunder, dass der Psalmist schrieb: „Wie sehr liebe ich doch dein Gesetz!“ Seine Liebe war jedoch keine reine Gefühlssache. Sie motivierte ihn zur Tat, denn er bemühte sich, dem Gesetz zu gehorchen und danach zu leben. Auch fügte er noch hinzu: „Den ganzen Tag denke ich darüber nach“ (Psalm 119:11, 97). Ja, er verbrachte regelmäßig Zeit damit, Jehovas Gesetze zu erforschen. Ganz ohne Zweifel ist seine Liebe zu den Gesetzen dadurch stärker geworden. Gleichzeitig ist auch seine Liebe zu dem Gesetzgeber, Jehova Gott, gewachsen. Auch du kannst dadurch, dass du dich weiter mit dem göttlichen Gesetz befasst, dem großen Gesetzgeber und Gott der Gerechtigkeit, Jehova, immer näherkommen.

      a Die Gesetze, in denen verlangt wurde, menschliche Exkremente zu vergraben, Kranke unter Quarantäne zu stellen und sich zu waschen, wenn man eine Leiche angefasst hatte, waren ihrer Zeit viele Jahrhunderte voraus (3. Mose 13:4-8; 4. Mose 19:11-13, 17-19; 5. Mose 23:13, 14).

      b Während es in kanaanitischen Tempeln spezielle Räume für sexuelle Aktivitäten gab, durfte nach dem mosaischen Gesetz jemand, der sich in einem unreinen Zustand befand, den Tempel nicht einmal betreten. Da sexuelle Beziehungen also eine Zeit der Unreinheit nach sich zogen, konnte niemand auf legalem Weg Sexualität mit der Anbetung im Haus Jehovas vermengen.

      c Das Lehren war ein Hauptzweck des Gesetzes. In der Encyclopædia Judaica heißt es, dass das hebräische Wort für „Gesetz“, toráh, auch „Lehre, Unterweisung“ bedeutet.

      d In dem Gesetz heißt es ausdrücklich: „Willst du etwa einen Baum auf dem Feld belagern, als wäre es ein Mensch?“ (5. Mose 20:19). Wie Philon, ein jüdischer Gelehrter aus dem 1. Jahrhundert, anhand dieses Gesetzes erklärte, hält Gott es für „unstatthaft, dass der gegen Menschen gerichtete Zorn sich auf Dinge entlade, die nichts Böses verschuldet haben“.

      Fragen zum Nachdenken

      • 3. Mose 19:9, 10; 5. Mose 24:19 Wie empfindest du für den Gott, der solche Gesetze ins Leben ruft?

      • Psalm 19:7-14 Wie dachte David über das „Gesetz Jehovas“, und wie kostbar sollten Gottes Gesetze für uns sein?

      • Micha 6:6-8 Wie hilft uns diese Passage erkennen, dass man Jehovas Gesetze nicht zu Recht als Last ansehen kann?

      • Matthäus 23:23-39 Wie ließen die Pharisäer erkennen, dass sie den Sinn des Gesetzes nicht erfasst hatten, und wieso ist das für uns eine Warnung?

  • Jehova beschafft ein „Lösegeld für viele“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus steht vor einer Balkenwaage.

      KAPITEL 14

      Jehova beschafft ein „Lösegeld für viele“

      1, 2. Wie beschreibt die Bibel den Zustand der Menschheit, und was ist der einzige Ausweg?

      „WIR wissen, dass die gesamte Schöpfung bis jetzt zusammen seufzt und Schmerzen leidet“ (Römer 8:22). Mit diesen Worten beschreibt der Apostel Paulus den jämmerlichen Zustand, in dem wir uns befinden. Vom menschlichen Standpunkt aus scheint an Leid, Sünde und Tod kein Weg vorbeizugehen. Doch Jehova sind keine menschlichen Grenzen gesetzt (4. Mose 23:19). Der Gott der Gerechtigkeit hat einen Ausweg aus der Misere geschaffen. Die Rede ist vom Lösegeld.

      2 Das Lösegeld ist Jehovas größtes Geschenk für die Menschheit. Es ermöglicht unsere Befreiung von Sünde und Tod (Epheser 1:7). Es ist die Grundlage der Hoffnung auf ewiges Leben im Himmel oder auf einer paradiesischen Erde (Lukas 23:43; Johannes 3:16; 1. Petrus 1:4). Aber was ist denn das Lösegeld genau? Wie lernen wir dadurch Jehovas unübertreffliche Gerechtigkeit besser kennen?

      Wie es dazu kam, dass wir das Lösegeld brauchen

      3. (a) Warum wurde das Lösegeld erforderlich? (b) Weshalb konnte Gott die Todesstrafe bei Adams Nachkommen nicht einfach abmildern?

      3 Das Lösegeld wurde wegen der Sünde Adams erforderlich. Durch seinen Ungehorsam gegenüber Gott vererbte Adam seinen Nachkommen Krankheit, Kummer, Schmerz und Tod (1. Mose 2:17; Römer 8:20). Gott konnte die Todesstrafe nicht einfach aus Sentimentalität abmildern. Damit hätte er sein eigenes Gesetz umgestoßen: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod“ (Römer 6:23). Würde Jehova seine eigenen Rechtsnormen aufheben, würden im ganzen Universum Chaos und Gesetzlosigkeit herrschen.

      4, 5. (a) Wie wurde Gott von Satan verleumdet, und warum war Jehova verpflichtet, auf diese Streitfragen einzugehen? (b) Was unterstellte Satan den loyalen Dienern Jehovas?

      4 Wie wir in Kapitel 12 gesehen haben, entstanden durch die Rebellion im Garten Eden Streitfragen von großer Tragweite. Satan warf einen dunklen Schatten auf Gottes guten Namen. Er klagte Jehova an, ein Lügner und ein grausamer Diktator zu sein, der seinen Geschöpfen die Freiheit nimmt (1. Mose 3:1-5). Und dadurch, dass er Gottes Vorsatz, die Erde mit gerechten Menschen zu bevölkern, scheinbar vereitelte, stellte er Gott als Versager hin (1. Mose 1:28; Jesaja 55:10, 11). Hätte Jehova diese Heraus­forderungen im Raum stehen lassen, wären wahrscheinlich viele seiner vernunftbegabten Geschöpfe in ihrem Vertrauen zu seiner Herrschaft erschüttert worden.

      5 Satan verleumdete außerdem die loyalen Diener Jehovas, indem er behauptete, sie würden Gott aus purer Selbstsucht dienen und ihm unter Belastungen samt und sonders die Treue brechen (Hiob 1:9-11). Diese Streitfragen waren weit bedeutsamer als die traurige Lage der Menschheit. Jehova fühlte sich zu Recht verpflichtet, auf Satans verleumderische Behauptungen einzugehen. Aber wie könnte Gott diese Streitfragen klären und gleichzeitig die Menschheit retten?

      Das Lösegeld – etwas Gleichwertiges

      6. Mit welchen Ausdrücken wird Gottes Mittel zur Rettung der Menschheit in der Bibel beschrieben?

      6 Jehovas Lösung war sowohl äußerst barmherzig als auch durch und durch gerecht – kein Mensch wäre jemals darauf gekommen. Zugleich war sie aber bestechend einfach. Die Bezeichnungen dafür sind recht unterschiedlich: von Loskauf oder Erlösung bis Versöhnung oder auch Sühne (Psalm 49:8, Fußnote; Daniel 9:24; Galater 3:13; Kolosser 1:20; Hebräer 2:17). Doch der Ausdruck, der den Kern wahrscheinlich am besten trifft, wurde von Jesus selbst gewählt. Er sagte, dass „der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld [griechisch: lýtron] für viele zu geben“ (Matthäus 20:28).

      7, 8. (a) Was bedeutet der Ausdruck „Lösegeld“ in der Bibel? (b) Welche Bedingung muss ein Lösegeld erfüllen?

      7 Was ist ein Lösegeld? Der hier verwendete griechische Ausdruck geht auf ein Verb zurück, das „lösen“ oder „losbinden“ bedeutet. Er bezeichnete das Geld, das im Austausch gegen die Befreiung von Kriegsgefangenen bezahlt wurde. Lösegeld lässt sich als etwas definieren, was bezahlt wird, um etwas oder jemanden zurückzukaufen. In den Hebräischen Schriften ist das Wort für „Lösegeld“ (kópher) von einem Verb abgeleitet, das „bedecken“ oder „zudecken“ bedeutet. Gott gebrauchte eine Form dieses Wortes zum Beispiel, als er Noah anwies, die Arche mit Teer zu überziehen (1. Mose 6:14). Das hilft uns verstehen, dass mit loskaufen auch das Zudecken von Sünden gemeint ist (Psalm 65:3).

      8 Wie es im Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament bedeutsamerweise heißt, „steht … [kópher] stets im Sinne eines Äquivalents“, das heißt einer gleichwertigen Entsprechung. Das Loskaufen oder Zudecken von Sünde erfordert demnach einen Preis, der den entstandenen Schaden voll abdeckt oder ihm ganz und gar entspricht. In dem Gesetz, das Gott den Israeliten gab, hieß es: „Es gilt Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß“ (5. Mose 19:21).

      9. Warum brachten Glaubensmänner Tieropfer dar, und wie betrachtete Jehova solche Opfer?

      9 Beginnend mit Abel brachten Glaubensmänner Gott Tieropfer dar. Dadurch gestanden sie ihre Sündhaftigkeit und die Notwendigkeit einer Erlösung ein. Auch bewiesen sie ihren Glauben an die von Gott versprochene Befreiung durch seinen „Nachkommen“ (1. Mose 3:15; 4:1-4; 3. Mose 17:11; Hebräer 11:4). Jehova betrachtete solche Opfer mit Wohlwollen und die Opfernden standen bei ihm in gutem Ansehen. Die Tieropfer hatten jedoch allenfalls symbolischen Charakter. Da die Tiere ja unter den Menschen stehen, konnten sie deren Sünden nicht wirklich zudecken (Psalm 8:4-8). Die Bibel sagt, dass „das Blut von Stieren und Ziegenböcken unmöglich Sünden wegnehmen kann“ (Hebräer 10:1-4). Diese Opfer waren nur ein Sinnbild für das künftige wahre Loskaufsopfer.

      Ein „entsprechendes Lösegeld“

      10. (a) Wem musste der Loskäufer entsprechen, und weshalb? (b) Warum war nur ein menschliches Opfer notwendig?

      10 Der Apostel Paulus schrieb, dass „in Adam alle sterben“ (1. Korinther 15:22). Das Lösegeld erforderte somit den Tod einer Person, die Adam ebenbürtig war, also eines vollkommenen Menschen (Römer 5:14). Kein anderes Geschöpf war in der Lage, die Waagschalen der Gerechtigkeit auszutarieren. Nur ein vollkommener Mensch, der nicht unter dem adamischen Todesurteil stand, konnte ein „entsprechendes Lösegeld für alle“ erbringen – ein Lösegeld, das Adam vollkommen entsprach (1. Timotheus 2:6). Es war nicht notwendig, dass unzählige Millionen Einzelpersonen geopfert wurden, etwa als Entsprechung für jeden Nachkommen Adams. Der Apostel Paulus erklärte, dass „durch einen einzigen Menschen [Adam] die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod“ (Römer 5:12). Und „da der Tod durch einen Menschen gekommen ist“, ermöglichte Gott auch „durch einen Menschen“ die Erlösung der Menschheit (1. Korinther 15:21). Wie?

      Ein „entsprechendes Lösegeld für alle“

      11. (a) Wie würde der Loskäufer für jeden den Tod schmecken? (b) Warum profitieren Adam und Eva nicht von dem Lösegeld? (Siehe Fußnote.)

      11 Jehova leitete in die Wege, dass ein vollkommener Mensch freiwillig sein Leben opferte. In Römer 6:23 heißt es: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod.“ Durch das Opfern seines Lebens würde der Loskäufer für jeden den Tod schmecken. Mit anderen Worten: Er würde den Lohn für Adams Sünde zahlen (2. Korinther 5:21; Hebräer 2:9; 1. Petrus 2:24). Das hätte tiefgreifende rechtliche Auswirkungen. Das Lösegeld würde die gehorsamen Nachkommen Adams von ihrem Todesurteil befreien. Damit wäre die zerstörerische Macht der Sünde im Keim erstickt (Römer 5:16).a

      12. Veranschauliche, wie das Tilgen einer Schuld vielen zugutekommen kann.

      12 Um das Ganze zu verdeutlichen: Stell dir vor, du wohnst in einer Stadt, in der die meisten Einwohner zu der Belegschaft einer großen Fabrik gehören. Du wirst, genau wie deine Nachbarn, gut für deine Arbeit bezahlt und hast ein angenehmes Leben. Damit ist es allerdings vorbei, als die Fabrik ihre Tore schließt. Was ist geschehen? Der Geschäftsführer hat sich zur Korruption hinreißen lassen und das Unternehmen in den Bankrott getrieben. Die Beschäftigten, die über Nacht ihre Arbeit verloren haben, sind nicht mehr in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen. Ehepartner, Kinder und Gläubiger leiden unter der Korruption eines einzigen Mannes. Gibt es einen Ausweg? Ja! Ein reicher Wohltäter schaltet sich ein. Er weiß um den Wert des Unternehmens. Davon abgesehen tun ihm die vielen Arbeitnehmer und ihre Familien leid. Er sorgt deshalb dafür, dass die Schulden des Unternehmens getilgt und die Fabriktore wieder geöffnet werden. Die Tilgung dieser einen Schuld kommt der ganzen Belegschaft, den Angehörigen und den Gläubigern zugute. Auch die Tilgung der Schuld Adams hat weitreichende Auswirkungen. Viele Millionen Menschen profitieren davon.

      Wer beschafft das Lösegeld?

      13, 14. (a) Wie beschaffte Jehova das Lösegeld für die Menschheit? (b) An wen wird das Lösegeld gezahlt, und weshalb ist diese Zahlung notwendig?

      13 Nur Jehova konnte „das Lamm“ beschaffen, „das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Johannes 1:29). Doch Gott sandte nicht einfach irgendeinen Engel, um die Menschheit zu befreien. Er nahm dafür denjenigen, der Satans Anklage gegen Jehovas Diener restlos und überzeugend widerlegen konnte – seinen einziggezeugten Sohn, „den er … besonders lieb hatte“ (Sprüche 8:30). Es war das größte Opfer, das Jehova bringen konnte. Bereitwillig gab Gottes Sohn alles auf, was er im Himmel hatte, und wurde Mensch (Philipper 2:7). Durch ein Wunder übertrug Jehova das Leben seines erstgeborenen himmlischen Sohnes in den Mutterleib einer jüdischen Jungfrau mit Namen Maria (Lukas 1:27, 35). Als Mensch wurde er Jesus genannt. Aber in rechtlichem Sinne konnte man ihn als den zweiten Adam bezeichnen, denn er entsprach Adam vollkommen (1. Korinther 15:45, 47). Jesus konnte sich folglich als Lösegeld für die sündige Menschheit opfern.

      14 An wen würde das Lösegeld gezahlt werden? In Psalm 49:7 heißt es ausdrücklich, dass Gott das Lösegeld gegeben wird. Aber ist es nicht Jehova, der das Lösegeld überhaupt erst beschaffte? Das schon, doch das Lösegeld wird dadurch nicht zu einem reinen Pro-forma-Austausch, so als würde man Geld von der einen Jackentasche in die andere stecken. Man darf das Lösegeld nicht als materiellen Austausch sehen, sondern es ist eine rechtliche Transaktion. Durch die Beschaffung des Lösegelds, die Jehova ungeheuer viel kostete, bekräftigte er, dass er sich unerschütterlich an seine eigenen vollkommenen Rechtsnormen hält (1. Mose 22:7, 8, 11-13; Hebräer 11:17; Jakobus 1:17).

      15. Warum musste Jesus leiden und sterben?

      15 Im Frühjahr 33 u. Z. setzte sich Jesus Christus freiwillig einer Tortur aus, die zur Zahlung des Lösegelds führte. Er ließ sich unter falschen Anklagen festnehmen, schuldig sprechen und an einen Hinrichtungspfahl nageln. War es für Jesus wirklich notwendig, so sehr zu leiden? Ja, denn die Streitfrage, bei der es um die Integrität der Diener Gottes ging, musste geklärt werden. Bedeutsamerweise ließ Gott nicht zu, dass der kleine Jesus von Herodes umgebracht wurde (Matthäus 2:13-18). Als Jesus jedoch erwachsen war, konnte er den Frontalangriffen Satans in dem vollen Bewusstsein der Streitfragen standhalten.b Dadurch, dass er trotz schrecklicher Behandlung „loyal, unschuldig, ohne Makel, getrennt von den Sündern“ blieb, bewies er eindrucksvoll und bis zur letzten Konsequenz, dass Jehova Diener hat, die ihm unter Prüfungen die Treue halten (Hebräer 7:26). Kein Wunder, dass Jesus in dem Augenblick vor seinem Tod triumphierend rief: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30).

      Der Erlösungsauftrag wird zu Ende geführt

      16, 17. (a) Wie führte Jesus seinen Erlösungsauftrag zu Ende? (b) Warum war es nötig, dass Jesus vor Gott für uns erschien?

      16 Jesus musste seinen Erlösungsauftrag allerdings noch zu Ende führen. Am dritten Tag nach seinem Tod wurde er von Jehova auferweckt (Apostel­geschichte 3:15; 10:40). Durch diesen bedeutsamen Akt belohnte Jehova seinen Sohn nicht nur für seinen treuen Dienst, sondern gab ihm auch die Gelegenheit, seinen Erlösungsauftrag als Hoher Priester zu vollenden (Römer 1:4; 1. Korinther 15:3-8). Der Apostel Paulus erklärt: „Christus [kam] als Hoher Priester … Er ging ein für alle Mal an den heiligen Ort – aber nicht mit dem Blut von Ziegenböcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut – und erlangte eine ewige Befreiung für uns. Denn Christus begab sich nicht an einen mit Händen gemachten heiligen Ort, der ein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern in den Himmel, um jetzt vor Gott für uns zu erscheinen“ (Hebräer 9:11, 12, 24).

      17 Christus konnte sein buchstäbliches Blut nicht in den Himmel mitnehmen (1. Korinther 15:50). Stattdessen nahm er das mit, was sein Blut symbolisierte: den rechtlichen Wert seines geopferten vollkommenen menschlichen Lebens. Den Wert dieses Lebens brachte er dann formell vor Gott dar – als Lösegeld für die sündige Menschheit. Nahm Jehova das Opfer an? Ja. Das wurde zu Pfingsten 33 u. Z. deutlich, als der heilige Geist auf etwa 120 Jünger in Jerusalem ausgegossen wurde (Apostel­geschichte 2:1-4). Doch so begeisternd das auch war, es war erst der Anfang der herrlichen Segnungen, die das Lösegeld mit sich bringt.

      Segnungen des Lösegelds

      18, 19. (a) Welchen zwei Gruppen kommt die Versöhnung durch Christi Blut zugute? (b) Welche gegenwärtigen und künftigen Segnungen bringt das Lösegeld der „großen Volksmenge“?

      18 In seinem Brief an die Kolosser erklärt Paulus, dass Gott es für gut befand, durch Christus alles andere wieder mit sich zu versöhnen, indem durch das Blut, das Jesus am Marterpfahl vergoss, Frieden geschlossen wurde. Wie Paulus weiter ausführt, betrifft diese Versöhnung zwei verschiedene Gruppen – eine „im Himmel“ und eine „auf der Erde“ (Kolosser 1:19, 20; Epheser 1:10). Die erste Gruppe setzt sich aus 144 000 Christen zusammen, die die Hoffnung haben, als himmlische Priester zu dienen und mit Jesus Christus zusammen als Könige über die Erde zu regieren (Offenbarung 5:9, 10; 7:4; 14:1-3). Durch sie werden die Segnungen des Lösegelds über einen Zeitraum von tausend Jahren nach und nach gehorsamen Menschen zugutekommen (1. Korinther 15:24-26; Offenbarung 20:6; 21:3, 4).

      19 Die Gruppe „auf der Erde“ setzt sich aus Menschen zusammen, die ein Leben in Vollkommenheit auf einer paradiesischen Erde erwarten. In Offenbarung 7:9-17 werden sie als „eine große Volksmenge“ beschrieben, die die bevorstehende „große Drangsal“ überleben wird. Sie müssen jedoch nicht bis dahin warten, um die Segnungen des Lösegelds genießen zu können. „Sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und weiß gemacht im Blut des Lammes.“ Da sie an das Lösegeld glauben, bringt es ihnen schon jetzt geistige Segnungen. Sie sind als Freunde Gottes für gerecht erklärt worden (Jakobus 2:23). Durch Jesu Opfer können sie sich „ganz offen dem Thron der unverdienten Güte“ nähern (Hebräer 4:14-16). Wenn sie einen Fehler machen, können sie auf echte Vergebung zählen (Epheser 1:7). Trotz ihrer Unvollkommenheit erfreuen sie sich eines reinen Gewissens (Hebräer 9:9; 10:22; 1. Petrus 3:21). Die Versöhnung mit Gott ist für sie somit weniger etwas Erhofftes als vielmehr etwas bereits Reales! (2. Korinther 5:19, 20). Während der tausend Jahre werden sie allmählich „aus der Sklaverei des Verderbens befreit“ und gelangen zur „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Römer 8:21).

      20. Wie berührt es dich persönlich, über das Lösegeld nachzudenken?

      20 „Dank sei Gott durch Jesus Christus“ für das Lösegeld! (Römer 7:25). Diese Lösung ist vom Prinzip her einfach, geht aber so sehr in die Tiefe, dass uns große Ehrfurcht packt (Römer 11:33). Ganz bewusst über das Lösegeld nachzudenken berührt unser Herz und bringt uns dem Gott der Gerechtigkeit noch näher. Wie der Psalmist haben wir allen Grund, Jehova zu preisen, denn „er liebt Gerechtigkeit und Recht“ (Psalm 33:5).

      a Adam und Eva profitieren nicht von dem Lösegeld. Das mosaische Gesetz enthielt folgenden Grundsatz, der für willentliche Mörder galt: „Ihr dürft kein Lösegeld für das Leben eines Mörders annehmen, der den Tod verdient“ (4. Mose 35:31). Adam und Eva verdienten eindeutig den Tod, weil sie Gott wissentlich und willentlich ungehorsam waren. Dadurch verscherzten sie sich die Aussicht auf ewiges Leben.

      b Um die Sünde Adams aufwiegen zu können, musste Jesus als vollkommener Mann sterben, nicht als vollkommenes Kind. Schließlich sündigte Adam ja willentlich und war sich über die Schwere seiner Tat und die Konsequenzen völlig im Klaren. Damit Jesus diese Sünde als „der letzte Adam“ zudecken konnte, musste er sich als erwachsener Mensch ganz bewusst dafür entscheiden, seine Treue gegenüber Jehova zu bewahren (1. Korinther 15:45, 47). So diente der gesamte treue Lebensweg Jesu – einschließlich seines Opfertodes – als „ein einziger Akt der Rechtfertigung“ (Römer 5:18, 19).

      Fragen zum Nachdenken

      • 4. Mose 3:39-51 Warum muss das Lösegeld eine gleichwertige Entsprechung sein?

      • Psalm 49:7, 8 Warum stehen wir durch das Lösegeld in Gottes Schuld?

      • Jesaja 43:25 Wie geht hieraus hervor, dass Jehova das Lösegeld nicht in erster Linie zur Rettung der Menschen beschafft hat?

      • 1. Korinther 6:20 Wie sollte sich das Lösegeld auf unser Verhalten und unsere Lebensweise auswirken?

  • Jesus sorgt auf der Erde für Recht
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus wirft einen Tisch mit Münzen um und verbietet den Geldwechslern, im Tempel Handel zu treiben.

      KAPITEL 15

      Jesus sorgt auf der Erde für Recht

      1, 2. Bei welcher Gelegenheit wurde Jesus zornig, und weshalb?

      JESUS war sichtlich verärgert. Man kann sich das vielleicht nur schwer vorstellen, weil er ein so mildes Wesen hatte (Matthäus 21:5). Natürlich hatte er sich vollkommen unter Kontrolle, denn sein Zorn war ein gerechter Zorn.a Doch was brachte einen friedliebenden Menschen wie ihn dermaßen in Rage? Eine empörende Ungerechtigkeit.

      2 Der Tempel in Jerusalem lag Jesus sehr am Herzen. Er war auf der ganzen Welt die einzige heilige Stätte, die der Anbetung seines himmlischen Vaters gewidmet war. Aus vielen weit entfernten Ländern kamen die Juden dorthin. Selbst gottesfürchtige Nichtjuden suchten den für sie gedachten Tempelvorhof auf. Als Jesus am Anfang seines Wirkens das Tempelgebiet betrat, war er entsetzt. Man hätte meinen können, man wäre auf einem Marktplatz statt in einem Haus der Anbetung. Es wimmelte von Händlern und Geldwechslern. Worin bestand nun aber die Ungerechtigkeit? Für diese Männer war Gottes Tempel nichts weiter als ein Ort, wo man Leute ausbeuten, ja Wucher treiben konnte. Wie kam das? (Johannes 2:14).

      3, 4. Wie wurden die Leute im Haus Jehovas ausgebeutet, und wie schritt Jesus dagegen ein?

      3 Die religiösen Führer hatten entschieden, dass die Tempelsteuer nur mit einer bestimmten Art Münze zu entrichten war. Die Besucher mussten ihr Geld umtauschen, um solche Münzen zu erhalten. Deshalb stellten Geldwechsler ihre Tische im Tempel auf und verlangten für jeden Umtausch eine Gebühr. Auch der Verkauf von Tieren war äußerst einträglich. Besucher, die ein Opfer darbringen wollten, konnten es sich zwar bei irgendeinem Händler in der Stadt besorgen, doch es war gut möglich, dass die Tempelbeamten das Opfertier als ungeeignet zurückwiesen. Direkt im Tempelgebiet gekaufte Opfertiere wurden dagegen mit Sicherheit akzeptiert. Die Händler verlangten zuweilen maßlos überhöhte Preise, da ihnen die Leute ja auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren.b Das war noch schlimmer als krasse Geschäftemacherei. Es war der reinste Wucher!

      4 Jesus konnte diese Ungerechtigkeit nicht ertragen. Es war schließlich das Haus seines Vaters! Er machte sich aus Stricken eine Peitsche und trieb die Rinder- und Schafherden aus dem Tempel. Dann ging er mit energischen Schritten zu den Geldwechslern und stieß ihre Tische um. Die Münzen flogen nur so über den Marmorboden! „Schafft das hier weg!“, fuhr er die Taubenverkäufer an (Johannes 2:15, 16). Allem Anschein nach wagte es niemand, sich diesem mutigen Mann in den Weg zu stellen.

      „Schafft das hier weg!“

      Wie der Vater, so der Sohn

      5-7. (a) Wie beeinflusste Jesu vormenschliche Existenz seinen Gerechtigkeits­sinn, und was können wir durch sein Vorbild besser verstehen? (b) Wie hat Christus die Ungerechtigkeiten bekämpft, für die der Teufel verantwortlich ist, und wie wird er das in Zukunft tun?

      5 Die Händler kamen selbst­verständlich wieder. Ungefähr drei Jahre später wandte sich Jesus gegen dieselbe Ungerechtigkeit und zitierte diesmal Jehovas Ausspruch gegen diejenigen, die sein Haus zu einer „Räuberhöhle“ gemacht hatten (Jeremia 7:11; Matthäus 21:13). Ja, als Jesus sah, mit welcher Gier die Leute ausgebeutet wurden und wie Gottes Tempel verschandelt wurde, empfand er genau wie sein Vater. Kein Wunder, denn Jesus hatte unzählige Jahrmillionen von seinem Vater gelernt. Deshalb war er von Jehovas Gerechtigkeits­sinn durchdrungen. Er war ein Paradebeispiel für das Sprichwort: „Wie der Vater, so der Sohn.“ Wenn wir also ein klares Bild von der Gerechtigkeit Jehovas gewinnen möchten, können wir nichts Besseres tun, als über das Vorbild Jesu Christi nachzudenken (Johannes 14:9, 10).

      6 Jehovas einziggezeugter Sohn war dabei, als Satan Gott der Lüge bezichtigte und die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft anfocht. Was für eine Verleumdung! Der Sohn musste später auch Satans provozierende Behauptung mit anhören, niemand würde Jehova selbstlos, aus Liebe, dienen. Diese falschen Anschuldigungen gaben dem Sohn bestimmt einen Stich in sein gerechtes Herz. Wie muss es ihn begeistert haben, zu erfahren, dass er beim Richtigstellen dieser Vorwürfe die Schlüsselrolle spielen würde! (2. Korinther 1:20). Was war seine Aufgabe?

      7 Wie in Kapitel 14 erwähnt, widerlegte Jesus Christus die anklagenden Zweifel des Teufels an der Integrität der Geschöpfe Jehovas restlos und überzeugend. Dadurch schuf er die Grundlage dafür, dass Gottes heiliger Name, Jehova, von allen Anklagen befreit wird, wozu auch die Lüge gehört, Jehova würde nicht gut regieren. Als Jehovas „Hauptvermittler“ wird Jesus im ganzen Universum dem göttlichen Recht Geltung verschaffen (Apostel­geschichte 5:31). Auch während seines Lebens auf der Erde spiegelte er Gottes Recht und Gerechtigkeit wider. Jehova sagte über ihn: „Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern das Recht erklären“ (Matthäus 12:18). Wie erfüllten sich diese Worte an Jesus?

      Jesus erklärt „das Recht“

      8-10. (a) Wie förderten die mündlichen Überlieferungen der jüdischen religiösen Führer die Verachtung von Nichtjuden und von Frauen? (b) Wieso machten die mündlichen Gesetze das Sabbatgebot Jehovas zu einer Bürde?

      8 Jesus liebte Jehovas Gesetz und lebte danach. Die religiösen Führer seiner Tage hingegen verdrehten es und wandten es falsch an. Jesus sagte zu ihnen: „Wehe euch, ihr Schrift­gelehrten und Pharisäer! Heuchler! … das Wichtigere im Gesetz von Moses – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue –, das habt ihr vernachlässigt“ (Matthäus 23:23). Diese Lehrer des Gesetzes Gottes erklärten mit Sicherheit nicht „das Recht“. Stattdessen entstellten sie die göttliche Gerechtigkeit. Wie? Das sollen ein paar Beispiele verdeutlichen.

      9 Jehova wies sein Volk an, sich von den umliegenden heidnischen Völkern getrennt zu halten (1. Könige 11:1, 2). Doch einige fanatische religiöse Führer riefen dazu auf, Nichtjuden regelrecht zu verachten. Die Mischna schrieb sogar vor: „Man darf kein Vieh in die Gasthöfe der Heiden stellen, weil sie der schändlichen Vermischung [Sodomie] verdächtig sind.“ Solche Pauschalurteile gegen Nichtjuden waren ungerecht und mit dem Geist des mosaischen Gesetzes unvereinbar (3. Mose 19:34). Andere Vorschriften menschlicher Machart waren frauenverachtend. Im mündlichen Gesetz hieß es, eine Frau solle hinter ihrem Mann gehen, nicht neben ihm. Männer durften sich in der Öffentlichkeit nicht mit einer Frau unterhalten, nicht einmal mit der eigenen. Ähnlich wie Sklaven durften Frauen nicht vor Gericht aussagen. Es gab sogar ein offizielles Gebet, in dem Männer Gott dafür dankten, keine Frau zu sein.

      10 Die religiösen Führer schütteten Gottes Gesetz mit einem Berg menschlicher Regeln und Vorschriften zu. Das Sabbatgesetz beispielsweise untersagte einfach das Arbeiten am Sabbat, sodass dieser Tag für die Anbetung, Stärkung des Glaubens und Ruhe reserviert war. Doch die Pharisäer machten dieses Gesetz zu einer Bürde. Sie maßten sich an, genau definieren zu dürfen, was „Arbeit“ sei. Unter den Begriff Arbeit reihten sie 39 verschiedene Tätigkeiten ein, darunter auch das Ernten und das Jagen. Diese Einteilung ließ Fragen ohne Ende aufkommen. Wenn jemand am Sabbat einen Floh tötete, jagte er dann? Wenn er eine Handvoll Getreide pflückte, um es auf dem Weg zu essen, erntete er dann? Zählte es als Arbeit, einen Kranken zu heilen? Solche Fragen wurden mit starren, detaillierten Regeln beantwortet.

      11, 12. Wie zeigte Jesus, dass er gegen die unbiblischen Überlieferungen der Pharisäer war?

      11 Wie sollte Jesus in einem solchen Klima den Menschen das Recht verständlich machen? Durch seine Lehren und seine Lebensweise stellte er sich den religiösen Führern mutig entgegen. Sehen wir uns zunächst an, was er lehrte. Er verurteilte die unzähligen von Menschen aufgestellten Vorschriften rundheraus und sagte: „So setzt ihr Gottes Wort durch die Traditionen, die ihr weitergebt, außer Kraft“ (Markus 7:13).

      12 Jesus lehrte eindrucksvoll, dass die Pharisäer mit ihrer Auffassung vom Sabbatgesetz im Irrtum waren – dass sie den Zweck des Gesetzes völlig verfehlt hatten. Der Messias, so erklärte er, ist „Herr über den Sabbat“ und somit berechtigt, am Sabbat Menschen zu heilen (Matthäus 12:8). Um das herauszustellen, vollbrachte er am Sabbat in aller Öffentlichkeit Wunderheilungen (Lukas 6:7-10). Das war eine Vorschau auf die Heilungen, die er während der Tausendjahr­herrschaft weltweit vollbringen wird. Dieses Millennium wird ein Sabbat ohnegleichen sein, denn die gesamte treue Menschheit wird dann endlich von der jahrhundertealten drückenden Last der Sünde und des Todes frei sein und ruhen.

      13. Welches Gesetz kam durch Christi irdisches Wirken ins Dasein, und worin unterschied es sich von seinem Vorläufer?

      13 Jesus erklärte das Recht auch durch ein neues Gesetz, das „Gesetz des Christus“, das nach dem Ende seines irdischen Wirkens in Kraft trat (Galater 6:2). Im Unterschied zu seinem Vorläufer, dem mosaischen Gesetz, beruhte dieses neue Gesetz weitgehend auf Grundsätzen und nicht auf einer Sammlung schriftlicher Gebote. Es enthielt aber auch einige direkte Gebote. Eins davon bezeichnete Jesus als „neues Gebot“. Jesus lehrte alle seine Nachfolger, einander so zu lieben, wie er sie geliebt hatte (Johannes 13:34, 35). Aufopfernde Liebe sollte das Gütesiegel all derer sein, die nach dem „Gesetz des Christus“ leben.

      Ein lebendes Beispiel für Gerechtigkeit

      14, 15. Wie ließ Jesus erkennen, dass er seine Kompetenzen nicht überschreiten wollte, und warum ist das beruhigend?

      14 Jesus hat die Liebe jedoch nicht nur gelehrt. Er hat das „Gesetz des Christus“ ausgelebt. Er verkörperte es durch seine Lebensweise. Wir wollen drei Bereiche beleuchten, in denen Jesus durch sein eigenes Beispiel das Recht erklärte.

      15 Als Erstes war Jesus peinlich darauf bedacht, kein Unrecht zu begehen. Wie wir vielleicht schon beobachtet haben, rührt Ungerechtigkeit oft daher, dass unvollkommene Menschen anmaßend werden und ihre Kompetenzen überschreiten. Das war bei Jesus nicht der Fall. Einmal kam ein Mann zu ihm und bat ihn: „Lehrer, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.“ Was antwortete Jesus? „Mensch, wer hat mich zum Schlichter zwischen euch beiden eingesetzt?“ (Lukas 12:13, 14). Ist das nicht beeindruckend? Immerhin reichte niemand auf der Erde an Jesu Verstand, sein Urteilsvermögen und seine göttlichen Befugnisse heran. Und trotzdem ließ er sich nicht in die Sache hineinziehen, weil er genau diese Befugnis nicht hatte. Eine solche Bescheidenheit kennzeichnete Jesus schon in den Jahrtausenden seiner vormenschlichen Existenz (Judas 9). Dass er demütig und vertrauensvoll Jehova bestimmen lässt, was recht ist, spricht sehr für Jesus.

      16, 17. (a) Wie übte Jesus beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich Gerechtigkeit? (b) Was zeigt, dass sich Jesu Gerechtigkeits­sinn durch Barmherzigkeit auszeichnete?

      16 Zweitens übte Jesus beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich Gerechtigkeit. Er war unvoreingenommen und bemühte sich aufrichtig, Menschen aller Art zu erreichen – ob arm oder reich. Die Pharisäer dagegen bedachten die armen, einfachen Leute mit der verächtlichen Bezeichnung ‛am-haʼárez oder „Volk des Landes“. Jesus ging mutig gegen diese Ungerechtigkeit an. Als er die gute Botschaft lehrte – oder auch als er mit den Menschen aß, ihnen zu essen gab, sie heilte, ja sogar auferweckte –, verfocht er die Gerechtigkeit Gottes, des Gottes, der möchte, dass „Menschen aller Art“ erreicht werden (1. Timotheus 2:4).c

      17 Drittens zeichnete sich Jesu Gerechtigkeits­sinn durch große Barmherzigkeit aus. Er reichte Sündern die Hand (Matthäus 9:11-13). Gern stand er Menschen bei, die sich selbst nicht helfen konnten. Zum Beispiel blies er nicht ins gleiche Horn wie die religiösen Führer, die Misstrauen gegen alle Nichtjuden schürten. In seiner Barmherzigkeit half er verschiedentlich Nichtjuden und lehrte sie, obwohl sein Auftrag in erster Linie dem jüdischen Volk galt. Er erklärte sich bereit, für einen römischen Offizier eine Wunderheilung zu vollbringen, und sagte: „Bei niemandem in Israel habe ich so einen starken Glauben entdeckt“ (Matthäus 8:5-13).

      18, 19. (a) Wie wahrte Jesus die Würde von Frauen? (b) Wie wird an Jesu Beispiel der Zusammenhang zwischen Mut und Gerechtigkeit deutlich?

      18 Auch die allgemein üblichen Ansichten über Frauen stützte Jesus nicht. Mutig tat er das, was recht war. Samariterinnen wurden damals als ebenso unrein eingestuft wie Nichtjuden. Doch Jesus zögerte nicht, der Samariterin am Brunnen von Sychar zu predigen. Ihr gab sich Jesus auch zum ersten Mal ganz klar als der versprochene Messias zu erkennen (Johannes 4:6, 25, 26). Die Pharisäer meinten, Frauen sollten nicht im Gesetz Gottes unterwiesen werden, wohingegen Jesus viel Zeit und Kraft dafür aufwandte, Frauen zu lehren (Lukas 10:38-42). Und während man Frauen traditionell keine glaubwürdige Zeugenaussage zutraute, ließ Jesus mehreren Frauen die Ehre zukommen, ihn nach seiner Auferstehung als Erste zu sehen. Er beauftragte sie sogar, seine männlichen Jünger von diesem höchst bedeutsamen Ereignis zu unterrichten (Matthäus 28:1-10).

      19 Ja, Jesus erklärte den Völkern das Recht. In vielen Fällen nahm er dabei ein großes Risiko auf sich. An Jesu Beispiel wird deutlich, dass es Mut erfordert, für wahre Gerechtigkeit einzutreten. Treffend wird er als „der Löwe vom Stamm Juda“ bezeichnet (Offenbarung 5:5). Und der Löwe ist ja ein Symbol für mutige Gerechtigkeit. In naher Zukunft wird Jesus in noch größerem Umfang dem Recht Geltung verschaffen. Dann wird er im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Erde für Recht“ sorgen (Jesaja 42:4).

      Der messianische König sorgt auf der Erde für Recht

      20, 21. Wie setzt sich der messianische König heute weltweit und innerhalb der Christen­versammlung für das Recht ein?

      20 Im Jahr 1914 wurde Jesus als der messianische König eingesetzt. Seither tritt er weltweit für das Recht ein. Wie? Indem er hinter der Erfüllung seiner Prophezeiung aus Matthäus 24:14 steht. Jesu Nachfolger auf der Erde lehren Menschen aller Länder die Wahrheit über Jehovas Königreich. Wie Jesus sind sie beim Predigen unparteiisch, gerecht und darum bemüht, dass jeder – Jung oder Alt, Reich oder Arm, Mann oder Frau – die Gelegenheit erhält, Jehova, den Gott der Gerechtigkeit, kennenzulernen.

      21 Jesus setzt sich auch innerhalb der Christen­versammlung, deren Haupt er ist, für das Recht ein. Wie vorhergesagt, gibt er „Menschen als Gaben“ – treue christliche Älteste, die in der Versammlung die Führung übernehmen (Epheser 4:8-12). Beim Hüten der kostbaren Herde Gottes treten diese Männer nach dem Vorbild Jesu Christi für das Recht ein. Sie vergessen nie, dass Jesus seine Schafe gerecht behandelt wissen möchte – ohne Ansehen der Stellung, Bekanntheit oder der finanziellen Situation.

      22. Wie empfindet Jehova die überhandnehmenden Ungerechtigkeiten in der heutigen Welt, und womit hat er deswegen seinen Sohn beauftragt?

      22 Binnen Kurzem wird Jesus auf eine noch nie gekannte Weise weltweit für Recht sorgen. In der heutigen korrupten Welt nehmen Ungerechtigkeiten überhand. Jedes Kind, das verhungert, ist Opfer unentschuldbarer Ungerechtigkeit, zumal die Produktion von Kriegswaffen und die Launen egoistischer, vergnügungshungriger Menschen Unsummen verschlingen. Die Millionen Hungertoten jedes Jahr sind nur einer von vielen Auswüchsen der Ungerechtigkeit, die Jehovas gerechten Zorn hervorrufen. Gott hat seinen Sohn dazu bestimmt, einen gerechten Krieg gegen das gesamte böse Weltsystem zu führen, um endgültig mit aller Ungerechtigkeit Schluss zu machen (Offenbarung 16:14, 16; 19:11-15).

      23. Wie wird Christus nach Armageddon bis in alle Ewigkeit für Gerechtigkeit eintreten?

      23 Doch die Gerechtigkeit Jehovas verlangt mehr als nur die Vernichtung der Bösen. Er hat seinen Sohn auch dazu bestimmt, als „Friedensfürst“ zu regieren. Nach dem Krieg von Armageddon wird Jesu „durch Recht“ gestützte Herrschaft auf der ganzen Erde Frieden schaffen (Jesaja 9:6, 7). Jesus wird mit Freuden all die Ungerechtigkeiten wiedergutmachen, die weltweit so großes Leid und Elend angerichtet haben. Bis in alle Ewigkeit wird er treu für die vollkommene Gerechtigkeit Jehovas eintreten. Wir sollten uns deshalb schon heute unbedingt bemühen, Jehovas Gerechtigkeit nachzuahmen. Wie wir das erreichen können, wird im Folgenden erörtert.

      a In seinem gerechten Zorn glich Jesus Jehova, der bereit ist, gegen alles Schlechte „seinen Zorn zu zeigen“ (Nahum 1:2). Als Jehova seinem eigensinnigen Volk beispielsweise vorwarf, es habe sein Haus zu einer „Räuberhöhle“ gemacht, sagte er: „Meine Verärgerung, mein Zorn, wird sich über diesen Ort ergießen“ (Jeremia 7:11, 20).

      b Der Mischna zufolge erhob sich Jahre später ein Protest gegen die Unsummen, die im Tempelgebiet für Tauben verlangt wurden. Prompt fiel der Preis um 99 Prozent! Wer profitierte am meisten von dem lukrativen Handel im Tempelgebiet? Einige Historiker gehen davon aus, dass die Tempelmärkte der Familie des Hohen Priesters Annas gehörten und sehr zu dem unermesslichen Reichtum dieser Priesterdynastie beitrugen (Johannes 18:13).

      c Die Pharisäer waren der Ansicht, die einfachen Menschen, die sich nicht im Gesetz auskannten, seien „verfluchte Leute“ (Johannes 7:49). Man solle sie weder lehren noch Geschäfte mit ihnen treiben noch mit ihnen essen oder beten. Die eigene Tochter mit ihnen zu verheiraten sei schlimmer, als sie wilden Tieren vorzuwerfen. Nach Auffassung der Pharisäer war dem einfachen Volk die Auferstehungs­hoffnung verschlossen.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 45:1-7 Warum können wir sicher sein, dass der messianische König für vollkommene Gerechtigkeit eintreten wird?

      • Matthäus 12:19-21 Wie würde der Messias laut der Prophezeiung einfache Menschen behandeln?

      • Matthäus 18:21-35 Wie lehrte Jesus, dass wahre Gerechtigkeit barmherzig ist?

      • Markus 5:25-34 Wie machte Jesus deutlich, dass wahre Gerechtigkeit die Umstände mit berücksichtigt?

  • Recht üben, während wir mit Gott gehen
    Komm Jehova doch näher
    • Zwei Älteste besuchen eine Schwester mit ihren zwei Kindern und hören ihr aufmerksam zu.

      KAPITEL 16

      Recht üben, während wir mit Gott gehen

      1-3. (a) Warum stehen wir in Jehovas Schuld? (b) Was erwartet unser liebevoller Retter von uns?

      STELL dir vor, du bist auf einem sinkenden Schiff und kannst nicht weg. Du hast die Hoffnung schon aufgegeben – da kommt jemand und rettet dich. Wie erleichtert du bist, als er dich aus der Gefahrenzone holt und sagt: „Jetzt bist du in Sicherheit“! Wärst du ihm nicht zu Dank verpflichtet? Immerhin hat er dir das Leben gerettet!

      2 Das verdeutlicht in etwa, was Jehova für uns getan hat. Wir stehen eindeutig in seiner Schuld. Schließlich hat er ja das Lösegeld beschafft, durch das wir aus dem Würgegriff von Sünde und Tod befreit werden können. Das Bewusstsein, dass unsere Sünden vergeben werden und uns eine ewige Zukunft sicher ist, solange wir an dieses wertvolle Opfer glauben, schenkt uns Geborgenheit (1. Johannes 1:7; 4:9). Wie wir in Kapitel 14 gesehen haben, ist das Lösegeld die höchste Ausdrucksform der Liebe und der Gerechtigkeit Jehovas. Wie sollten wir darauf reagieren?

      3 Es wäre gut, zu untersuchen, was unser liebevoller Retter von uns erwartet. Jehova lässt uns durch den Propheten Micha sagen: „Er hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was erwartet Jehova von dir? Nur dies: Recht zu üben, Loyalität von Herzen zu lieben und deinen Weg bescheiden mit deinem Gott zu gehen!“ (Micha 6:8). Zu dem, was Jehova von uns erwartet, gehört also „Recht zu üben“. Wie ist uns das möglich?

      Nach „wahrer Gerechtigkeit“ suchen

      4. Woher wissen wir, dass Jehova von uns erwartet, nach seinen gerechten Normen zu leben?

      4 Jehova erwartet von uns, dass wir uns nach seinen Maßstäben für Recht und Unrecht richten. Da seine Normen gerecht sind, suchen wir Recht und Gerechtigkeit, wenn wir sie einhalten. „Lernt Gutes tun; bemüht euch um Gerechtigkeit“, heißt es in Jesaja 1:17. Gottes Wort fordert uns auf: „Sucht Gerechtigkeit“ (Zephanja 2:3). Auch werden wir angehalten, „die neue Persönlichkeit“ anzuziehen, „die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit … geschaffen worden ist“ (Epheser 4:24). Wahre Gerechtigkeit – wahres Recht – ist mit Gewalt, Unreinheit und Unmoral nicht zu vereinbaren, denn all das verletzt, was heilig ist (Psalm 11:5; Epheser 5:3-5).

      5, 6. (a) Warum ist es für uns keine Last, uns an die gerechten Maßstäbe Jehovas zu halten? (b) Wie deutet die Bibel an, dass es ein fortlaufender Prozess ist, nach Gerechtigkeit zu suchen?

      5 Ist es für uns eine Last, Jehovas gerechte Maßstäbe einzuhalten? Nein. Wenn wir uns von Herzen zu Jehova hingezogen fühlen, ärgern wir uns nicht über das, was er von uns erwartet. Da wir unseren Gott und alles, wofür er steht, lieben, möchten wir so leben, wie es ihm gefällt (1. Johannes 5:3). Denken wir daran: Jehova „liebt gerechte Taten“ (Psalm 11:7). Gottes Recht oder Gerechtigkeit wirklich umzusetzen verlangt von uns, das lieben zu lernen, was Jehova liebt, und das hassen zu lernen, was Jehova hasst (Psalm 97:10).

      6 Unvollkommenen Menschen fällt es nicht leicht, nach Gerechtigkeit zu suchen. Wir müssen die alte Persönlichkeit mit ihren sündigen Handlungen ausziehen und die neue anziehen. In der Bibel heißt es, dass die neue Persönlichkeit durch genaue Erkenntnis „erneuert wird“ (Kolosser 3:9, 10). Diese Formulierung deutet an, dass das Erwerben der neuen Persönlichkeit ein fortlaufender Prozess ist, der angestrengtes Bemühen voraussetzt. Aber so sehr wir uns auch anstrengen, richtig zu handeln, wird unsere sündige Natur uns immer wieder veranlassen, in Gedanken, Worten oder Taten danebenzugreifen (Römer 7:14-20; Jakobus 3:2).

      7. Wie sollten wir Rückschläge in unserem Streben nach Gerechtigkeit ansehen?

      7 Wie sollten wir Rückschläge in unserem Streben nach Gerechtigkeit ansehen? Natürlich werden wir die Schwere der Sünde nicht herunterspielen wollen. Aber gleichzeitig dürfen wir auch nie aufgeben und denken, wir seien wegen unserer Fehler für den Dienst Jehovas ungeeignet. Unser Gott hat in seiner Güte dafür gesorgt, dass wir, sofern wir ehrlich bereuen, wieder in seine Gunst kommen können. Der Apostel Johannes äußerte die beruhigenden Worte: „Ich schreibe euch das alles, damit ihr keine Sünde begeht.“ Aber dann schloss er die realistische Aussage an: „Und doch: Wenn jemand eine Sünde begeht [aufgrund der angeborenen Unvollkommenheit], dann haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus“ (1. Johannes 2:1). Ja, Jehova hat Jesu Loskaufsopfer bereitgestellt, damit wir ihm trotz unserer sündigen Natur auf annehmbare Weise dienen können. Motiviert uns das nicht, unser Bestes zu tun, um Jehova zu gefallen?

      Die gute Botschaft und göttliche Gerechtigkeit

      8, 9. Wieso zeugt die Verkündigung der guten Botschaft von der Gerechtigkeit Jehovas?

      8 Wir können Recht üben – ja die göttliche Gerechtigkeit nachahmen –, indem wir uns beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich voll einsetzen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Jehovas Gerechtigkeit und der guten Botschaft?

      9 Jehova wird das heutige böse Weltsystem nicht auslöschen, ohne vorher eine Warnung geben zu lassen. Jesus sagte in seiner Prophezeiung über die Zeit des Endes: „Auch muss unter allen Völkern zuerst die gute Botschaft bekannt gemacht werden“ (Markus 13:10; Matthäus 24:3). Das Wort „zuerst“ deutet darauf hin, dass dem weltweiten Predigtwerk bestimmte Ereignisse folgen werden. Dazu gehört die vorhergesagte große Drangsal, die einerseits den Bösen die Vernichtung bringt, andererseits aber auch den Weg in eine gerechte neue Welt ebnet (Matthäus 24:14, 21, 22). Niemand kann Jehova mit Recht vorwerfen, er behandle die Bösen ungerecht. Dadurch, dass er sie warnen lässt, gibt er ihnen reichlich Gelegenheit, ihr Verhalten zu ändern, um so der Vernichtung zu entgehen (Jona 3:1-10).

      10, 11. Wieso spiegeln wir Gottes Gerechtigkeit wider, wenn wir die gute Botschaft predigen?

      10 Wieso spiegeln wir Gottes Gerechtigkeit wider, wenn wir die gute Botschaft predigen? Zunächst einmal ist es nur recht und billig, dass wir unser Möglichstes tun, um anderen zur Rettung zu verhelfen. Nochmals zurück zu dem Beispiel mit dem sinkenden Schiff: Wenn wir uns in einem Rettungsboot in Sicherheit befänden, würden wir bestimmt anderen, die noch im Wasser treiben, helfen wollen. Genauso sind wir denen verpflichtet, die mit den „Wasserfluten“ der heutigen bösen Welt kämpfen. Zwar lehnen viele unsere Botschaft ab, doch solange Jehova Geduld übt, ist es unsere Aufgabe, ihnen Gelegenheit zu geben, „zur Reue [zu] finden“ und gerettet zu werden (2. Petrus 3:9).

      11 Dadurch dass wir allen, denen wir begegnen, die gute Botschaft predigen, üben wir noch in einem weiteren wichtigen Punkt Gerechtigkeit: Wir sind unparteiisch. Denken wir daran, dass „Gott nicht parteiisch ist, sondern dass er in jedem Volk den Menschen annimmt, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was richtig ist“ (Apostel­geschichte 10:34, 35). Wenn wir seine Gerechtigkeit nachahmen möchten, dürfen wir nicht vorschnell über andere urteilen. Wir sollten die gute Botschaft an andere weitergeben, ganz egal welche Hautfarbe sie haben, welcher Gesellschafts­schicht sie angehören oder wie sie finanziell gestellt sind. So eröffnen wir jedem, der zuhört, die Möglichkeit, von der guten Botschaft zu erfahren und entsprechend zu reagieren (Römer 10:11-13).

      Wie wir mit anderen umgehen

      12, 13. (a) Warum sollten wir nicht vorschnell über andere urteilen? (b) Was meinte Jesus mit der Aufforderung „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen“ und „Hört auf, andere zu verurteilen“? (Siehe auch Fußnote.)

      12 Wir können auch dadurch Recht üben, dass wir mit anderen so umgehen, wie Jehova mit uns umgeht. Es ist so leicht, über andere zu urteilen, ihre Fehler zu kritisieren oder ihre Beweggründe anzuzweifeln. Aber würden wir uns wünschen, dass Jehova unsere Beweggründe und Fehler gnadenlos unter die Lupe nimmt? Das tut er jedenfalls nicht. Der Psalmist erklärte: „Wären Vergehen das, worauf du achtest, o Jah, wer, o Jehova, könnte bestehen?“ (Psalm 130:3). Sind wir nicht dankbar, dass sich unser gerechter und barmherziger Gott gar nicht mit unseren Fehlern und Schwächen aufhalten möchte? (Psalm 103:8-10). Wie sollten wir deshalb mit anderen umgehen?

      13 Wenn wir erkennen, dass Gottes Gerechtigkeit dem Wesen nach barmherzig ist, werden wir in Angelegenheiten, die uns eigentlich gar nichts angehen oder nicht weiter wichtig sind, nicht vorschnell über andere urteilen. In seiner Bergpredigt sagte Jesus warnend: „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen, damit kein Urteil über euch gefällt wird“ (Matthäus 7:1). Nach dem Lukasbericht fügte Jesus noch hinzu: „Hört auf, andere zu verurteilen, und ihr werdet ganz sicher nicht verurteilt werden“ (Lukas 6:37).a Jesus war sich also dessen bewusst, dass unvollkommene Menschen zu Werturteilen neigen. Wer unter seinen Zuhörern die Angewohnheit hatte, mit anderen hart ins Gericht zu gehen, sollte damit aufhören.

      Eine Schwester spricht mit einem gehbehinderten Mann und einem Mädchen über die Bibel.

      Wir ahmen die Gerechtigkeit Gottes nach, wenn wir die gute Botschaft unvoreingenommen predigen

      14. Aus welchen Gründen müssen wir aufhören zu urteilen?

      14 Warum müssen wir aufhören zu urteilen? Zum einen haben wir nur eine begrenzte Autorität. Der Jünger Jakobus erinnert uns an Folgendes: „Es gibt nur einen, der Gesetzgeber und Richter ist“ – Jehova. Deshalb fragt Jakobus unverblümt: „Wer bist du, dass du ein Urteil über deinen Mitmenschen fällst?“ (Jakobus 4:12; Römer 14:1-4). Zum anderen können unsere Urteile durch unsere sündige Natur nur allzu leicht unfair ausfallen. Bestimmte Auffassungen und Beweggründe – Vorurteile, verletzter Stolz, Eifersucht oder Selbst­gerechtigkeit – können das Bild, das wir uns von anderen machen, verzerren. Das Bewusstsein der Grenzen, die uns selbst gesetzt sind, sollte uns eigentlich davon abhalten, jemandem vorschnell etwas anzukreiden. Wir können anderen nicht ins Herz sehen und kennen auch nicht alle ihre persönlichen Umstände. Wer sind wir deshalb, dass wir unseren Glaubensbrüdern verkehrte Beweggründe unterschieben oder ihren Einsatz im Dienst für Gott kritisieren? Wie viel besser ist es, Jehova nachzuahmen und bei unseren Brüdern und Schwestern das Gute zu sehen, statt uns auf ihre Schwächen zu konzentrieren!

      15. Welches Verhalten ist unter Gottes Anbetern fehl am Platz, und warum?

      15 Wie sieht es in der Familie aus? Eigentlich sollte sie eine Insel des Friedens sein. Doch heutzutage wird dort leider oft am härtesten verurteilt. Ehepartner oder Kinder, die unaufhörlich Beschimpfungen und Misshandlungen über sich ergehen lassen müssen, sind keine Seltenheit. Unter Gottes Anbetern dagegen sind boshafte Bemerkungen, beißender Sarkasmus und Misshandlungen völlig fehl am Platz (Epheser 4:29, 31; 5:33; 6:4). Jesu Aufforderung, mit dem Urteilen und Verurteilen aufzuhören, verliert in den eigenen vier Wänden nicht an Gültigkeit. Recht zu üben schließt wie gesagt ein, mit anderen so umzugehen, wie Jehova mit uns umgeht. Und unser Gott geht nie hart oder grausam mit uns um. Vielmehr ist er gegenüber denen, die ihn lieben, „voll inniger Liebe“ (Jakobus 5:11). Was für ein nachahmenswertes Beispiel!

      Älteste sorgen für Recht

      16, 17. (a) Was erwartet Jehova von Ältesten? (b) Was ist zu tun, wenn ein Sünder nicht wirklich bereut, und weshalb?

      16 Wir alle sind verpflichtet, Recht zu üben, doch die Ältesten in der Christen­versammlung haben da eine besondere Verantwortung. Achten wir einmal auf Jesajas prophetische Beschreibung der „Fürsten“ oder Ältesten: „Seht! Ein König wird regieren und für Gerechtigkeit sorgen und Fürsten werden herrschen und für Recht sorgen“ (Jesaja 32:1). Jehova erwartet also von Ältesten, im Interesse von Recht und Gerechtigkeit zu handeln. Wie können sie das tun?

      17 Diese reifen Christen sind sich deutlich bewusst, dass die Versammlung rein bleiben muss, wenn das Recht oder die Gerechtigkeit gewahrt werden soll. Ab und zu sehen sich Älteste gezwungen, sich mit Rechtsfällen zu befassen, bei denen es um schweres Fehlverhalten geht. Dabei behalten sie im Sinn, dass die göttliche Gerechtigkeit immer nach Möglichkeiten sucht, Barmherzigkeit zu erweisen. Deshalb versuchen sie, den Sünder zur Reue zu bewegen. Was aber, wenn der Sünder trotz dieses Beistands nicht wirklich bereut? In diesem Fall sieht Jehovas Wort vollkommen zu Recht eine entschiedene Maßnahme vor: „Entfernt den schlechten Menschen aus eurer Mitte.“ Das bedeutet, ihn aus der Versammlung auszuschließen (1. Korinther 5:11-13; 2. Johannes 9-11). Es macht die Ältesten traurig, so weit gehen zu müssen, aber ihnen ist klar, dass die moralische und geistige Reinheit der Versammlung nur so gewahrt werden kann. Doch sie hoffen dann immer noch, dass der Sünder eines Tages zur Besinnung kommt und in die Versammlung zurückkehrt (Lukas 15:17, 18).

      18. Was behalten Älteste im Sinn, wenn sie jemandem einen biblischen Rat geben?

      18 Im Interesse von Recht und Gerechtigkeit zu handeln bedeutet außerdem, biblisch fundierten Rat zu geben, wo er nötig ist. Selbst­verständlich suchen Älteste bei anderen nicht nach Fehlern. Auch ergreifen sie nicht jede Gelegenheit, jemand zur Seite zu nehmen. Allerdings kann es vorkommen, dass ein Glaubensbruder „einen Fehltritt tut, ohne dass es ihm bewusst ist“. Dann werden Älteste versuchen, „ihn im Geist der Milde wieder auf den richtigen Weg zu bringen“ – ohne zu vergessen, dass die göttliche Gerechtigkeit weder grausam noch gefühllos ist (Galater 6:1). Sie würden also nicht schimpfen oder schroff werden. Vielmehr zielt ihr Rat darauf ab, dem Empfänger liebevoll Mut zu machen. Selbst wenn sie jemand ernst zurechtweisen müssen, ihm also ganz offen die Folgen seines unklugen Verhaltens aufzeigen, behalten sie im Sinn, dass ein Glaubensbruder, der einen Fehler gemacht hat, immer noch ein Schaf der Herde Jehovas ist (Lukas 15:7).b Ein Rat oder eine Zurechtweisung, die aus Liebe und in Liebe erteilt wird, bewirkt eher eine Änderung.

      19. Welche Entscheidungen haben Älteste zu treffen, und worauf müssen solche Entscheidungen beruhen?

      19 Älteste haben oft Entscheidungen zu treffen, die sich auf ihre Glaubensbrüder auswirken. In gewissen Abständen kommen sie zusammen, um zu beraten, ob sich noch andere Brüder in der Versammlung als Älteste oder Dienstamt­gehilfen eignen. Die Ältesten wissen, wie wichtig Unparteilichkeit ist. Ausschlaggebend für ihre Entscheidungen sind die Erfordernisse, die Gott für solche Ernennungen festgelegt hat – keine persönlichen Empfindungen. Sie handeln somit „völlig vorurteilslos und unvoreingenommen“ (1. Timotheus 5:21).

      20, 21. (a) Was möchten Älteste für andere sein, und weshalb? (b) Wie können Älteste Nieder­geschlagenen helfen?

      20 Älteste verhalten sich auch auf anderen Gebieten im Sinne der göttlichen Gerechtigkeit. Jesaja sagte voraus, dass sie „für Recht sorgen“ würden, und fuhr fort: „Jeder von ihnen wird wie ein sicherer Ort bei Sturm sein, wie ein schützender Ort bei einem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines massiven Felsens in einem trockenen Land“ (Jesaja 32:1, 2). Die Ältesten bemühen sich also, ihre Glaubensbrüder zu trösten und sie wieder aufleben zu lassen.

      21 Bei all den Problemen, die uns heutzutage zusetzen, ist Ermutigung sehr gefragt. Älteste, wie könnt ihr Nieder­geschlagenen helfen? (1. Thessalonicher 5:14). Seid ihnen ein einfühlsamer Zuhörer (Jakobus 1:19). Vielleicht brauchen sie jemand, dem sie ihre Sorgen anvertrauen können (Sprüche 12:25). Versichert ihnen, dass sie gebraucht, geschätzt und geliebt werden – von Jehova und auch von ihren Brüdern und Schwestern (1. Petrus 1:22; 5:6, 7). Außerdem könnt ihr mit ihnen und für sie beten. Zu hören, wie ein Ältester ein inniges Gebet für einen spricht, kann sehr tröstend sein (Jakobus 5:14, 15). Euer liebevoller Einsatz für Niedergeschlagene bleibt von dem Gott der Gerechtigkeit nicht unbemerkt.

      Älteste, die Nieder­geschlagenen Mut machen, spiegeln Gottes Gerechtigkeit wider

      22. Wie können wir Jehovas Gerechtigkeit nachahmen, und was bewirkt das?

      22 Wenn wir Jehovas Gerechtigkeit nachahmen, werden wir ihm mit Sicherheit immer näher kommen. Gottes Gerechtigkeit zu praktizieren bedeutet, dass wir für seine gerechten Maßstäbe eintreten, die lebensrettende gute Botschaft bekannt machen und bei anderen bewusst das Gute sehen, statt nach Fehlern zu suchen. Älteste spiegeln Gottes Gerechtigkeit wider, wenn sie die Reinheit der Versammlung wahren, konstruktiven biblischen Rat geben, unparteiische Entscheidungen treffen und Nieder­geschlagenen Mut machen. Wie sich Jehova doch freuen muss, vom Himmel herunterzuschauen und zu sehen, wie seine Diener nach besten Kräften Recht üben, während sie mit ihrem Gott gehen!

      a Manche Bibel­übersetzungen schreiben hier einfach „verurteilt nicht“. Darunter könnte man verstehen, dass man nicht damit anfangen soll. Doch im Griechischen steht die verneinte Aufforderung im Präsens. Solche Formulierungen bedeuten oft, dass mit einer bereits stattfindenden Handlung aufgehört werden soll.

      b Die Bibel sagt in 2. Timotheus 4:2, dass Älteste mitunter zurechtweisen, Verweise erteilen und ermahnen müssen. Das mit „ermahnen“ wiedergegebene griechische Wort (parakaléō) bedeutet auch „ermutigen“. Ein verwandtes griechisches Wort, parákletos, kann sich auf einen Anwalt beziehen, der jemandem vor Gericht beisteht. Selbst wenn Älteste jemanden streng zurechtweisen müssen, sollten sie ihm beistehen, damit er Jehova wieder näherkommt.

      Fragen zum Nachdenken

      • 5. Mose 1:16, 17 Was verlangte Jehova von Richtern in Israel, und was können Älteste daraus lernen?

      • Jeremia 22:13-17 Vor welchen Ungerechtigkeiten warnt Jehova, und was gehört dazu, seine Gerechtigkeit nachzuahmen?

      • Matthäus 7:2-5 Warum sollten wir bei unseren Glaubensbrüdern nicht schnell Fehler sehen?

      • Jakobus 2:1-9 Wie denkt Jehova über Parteilichkeit, und wie können wir diese Hinweise im Umgang mit anderen beherzigen?

  • Wie tief ist doch die Weisheit Gottes!
    Komm Jehova doch näher
    • Gänse im Flug.

      KAPITEL 17

      Wie tief ist doch die Weisheit Gottes!

      1, 2. Worin bestand Jehovas Vorsatz für den siebten Tag, und wie wurde Gottes Weisheit zu Beginn dieses Tages auf die Probe gestellt?

      AUS und vorbei! Der Mensch, die Krönung des sechsten Schöpfungstages, fiel aus höchster Höhe in die tiefsten Tiefen. Jehova hatte „alles, was er gemacht hatte“, für „sehr gut“ erklärt, auch den Menschen (1. Mose 1:31). Doch Adam und Eva schlossen sich zu Beginn des siebten Tages der Rebellion Satans an. Sie stürzten in den Abgrund der Sünde, der Unvollkommenheit und des Todes.

      2 Es hatte den Anschein, als sei Jehovas Vorsatz – das, was er am siebten Tag erreichen wollte – hoffnungslos gescheitert. Dieser Tag sollte Tausende von Jahren dauern, genau wie die sechs vorangegangenen. Jehova hatte ihn für heilig erklärt, und an seinem Ende sollte die ganze Erde als ein mit vollkommenen Menschen bevölkertes Paradies erstrahlen (1. Mose 1:28; 2:3). Aber wie wäre das nach der katastrophalen Rebellion je möglich? Was würde Gott unternehmen? Jehovas Weisheit wurde auf eine dramatische Probe gestellt – vielleicht die größte Probe aller Zeiten.

      3, 4. (a) Warum ist Jehovas Reaktion auf die Rebellion im Garten Eden ein beeindruckendes Beispiel für seine Weisheit? (b) Welche Tatsache sollten wir aus Demut im Sinn behalten, während wir uns mit Jehovas Weisheit befassen?

      3 Jehova reagierte augenblicklich. Er verkündete das Urteil über die Rebellen im Garten Eden und deutete gleichzeitig etwas Großartiges an – seinen Vorsatz, die soeben angerichtete Katastrophe wieder­gut­zu­machen (1. Mose 3:15). Der weitsichtige Vorsatz Jehovas erstreckt sich, ausgehend von Eden über die Jahrtausende der Menschheits­geschichte hinweg, bis in die ferne Zukunft. Er ist in seiner Einfachheit genial, geht dabei aber so sehr in die Tiefe, dass sich ein Bibelleser sein Leben lang damit beschäftigen könnte, ohne die Faszination zu verlieren. Darüber hinaus ist der Vorsatz Jehovas absolut erfolgssicher. Das Böse, die Sünde und der Tod werden ausgelöscht. Treue Menschen werden zur Vollkommenheit gebracht. Und all das wird noch vor dem Ende des siebten Tages geschehen, sodass Jehovas Vorhaben mit der Erde und der Menschheit auf jeden Fall rechtzeitig verwirklicht wird.

      4 Eine solche Weisheit ist überwältigend – keine Frage. Der Apostel Paulus fühlte sich zu der Aussage gedrängt: „Wie tief ist doch … die Weisheit … Gottes!“ (Römer 11:33). Während wir die unterschiedlichen Aspekte dieser göttlichen Eigenschaft untersuchen, gebietet es die Demut, eine wichtige Tatsache im Sinn zu behalten: Wir können Jehovas unermessliche Weisheit bestenfalls oberflächlich streifen (Hiob 26:14). Zunächst möchten wir diese beeindruckende Eigenschaft aber genauer definieren.

      Was ist göttliche Weisheit?

      5, 6. Wie sind Erkenntnis und Weisheit miteinander verwandt, und wie umfassend ist Jehovas Wissen?

      5 Weisheit ist nicht dasselbe wie Erkenntnis oder Wissen. Computer können enormes Wissen speichern, aber wohl kaum jemand käme auf die Idee, solche Maschinen als weise zu bezeichnen. Trotzdem sind Erkenntnis und Weisheit miteinander verwandt (Sprüche 10:14). Wer wegen einer schweren Krankheit einen weisen Rat braucht, wird sich sicher nicht an jemand wenden, der wenig oder gar keine medizinischen Kenntnisse besitzt. Genaue Erkenntnis ist eine unentbehrliche Voraussetzung für wahre Weisheit.

      6 Jehova besitzt einen grenzenlosen Wissensschatz. Er, der „König der Ewigkeit“, hat als Einziger schon immer gelebt (Offenbarung 15:3). Und in den unzähligen Zeitaltern ist ihm nichts entgangen. Die Bibel sagt: „Es gibt nichts in der Schöpfung, was vor seinen Augen verborgen ist, sondern alles ist nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen“ (Hebräer 4:13; Sprüche 15:3). Als Schöpfer kennt Jehova alles, was er gemacht hat, ganz genau, und er hat das Tun und Treiben des Menschen von Anfang an beobachtet. Er untersucht jedes Menschenherz und übersieht nichts (1. Chronika 28:9). Da er uns mit einem freien Willen geschaffen hat, freut er sich, wenn er sieht, dass wir von uns aus weise Entscheidungen treffen. Als „Hörer des Gebets“ hört er sich unzählige Gebete gleichzeitig an (Psalm 65:2). Und dass Jehova ein vollkommenes Gedächtnis hat, versteht sich von selbst.

      7, 8. Wie beweist Jehova Verständnis, Urteilsfähigkeit und Weisheit?

      7 Jehova besitzt aber mehr als nur Wissen. Er erkennt auch, in welcher Wechselbeziehung Dinge zueinander stehen, und sieht das Gesamtbild, das sich aus zahllosen Einzelheiten ergibt. Er schätzt ab und beurteilt, wobei er zwischen Gut und Böse, zwischen Wichtigem und Unbedeutendem unterscheidet. Auch sieht er durch die Oberfläche hindurch direkt ins Herz (1. Samuel 16:7). Jehova verfügt somit über Verständnis und Urteilsfähigkeit – Eigenschaften, die dem Wissen oder der Erkenntnis überlegen sind. Die Weisheit allerdings ist noch höher anzusiedeln.

      8 Sie vereinigt Erkenntnis, Urteilsfähigkeit und Verständnis in sich und setzt sie in die Praxis um. Einige der biblischen Ausdrücke, die mit „Weisheit“ übersetzt werden, bedeuten wörtlich „erfolgreiches Wirken“ oder „praktische Weisheit“. Jehovas Weisheit ist also nichts rein Theoretisches. Sie ist praktisch und funktioniert. Da Jehova aus seinem reichen Wissensschatz und seinem tiefen Verständnis schöpfen kann, trifft er stets die bestmöglichen Entscheidungen, die er dann auch auf die denkbar beste Art und Weise umsetzt. Das ist wahre Weisheit! An Jehova zeigt sich die Wahrhaftigkeit der Aussage Jesu: „Weisheit zeigt sich an ihren Taten“ (Matthäus 11:19). Jehovas Werke im ganzen Universum sind ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Weisheit.

      Zeugnisse göttlicher Weisheit

      9, 10. (a) Was für eine Weisheit offenbart Jehova, und wie? (b) Wieso verrät die Zelle Jehovas Weisheit?

      9 Hast du schon einmal staunend einem Tüftler zugesehen, der mit Geschick und Einfallsreichtum etwas Schönes konstruiert, das auch noch einwandfrei funktioniert? Dahinter verbirgt sich eine beeindruckende Art von Weisheit (2. Mose 31:1-3). Jehova besitzt eine solche Weisheit in ungeahntem Ausmaß und lässt sie unentwegt hervorströmen. König David sagte über ihn: „Ich preise dich, weil ich auf Ehrfurcht einflößende Weise wunderbar gemacht bin. Deine Werke sind wunderbar, das weiß ich nur zu gut“ (Psalm 139:14). Je mehr wir über den menschlichen Körper lernen, umso mehr werden wir über die Weisheit Jehovas staunen.

      10 Dafür ein Beispiel: Du hast einmal aus einer einzigen Zelle bestanden – aus einer Eizelle, die von einer Samenzelle befruchtet wurde. Diese Zelle fing an sich zu teilen. Du, das Endprodukt, bestehst aus rund 100 Billionen Zellen, die alle winzig klein sind. Ungefähr 10 000 mittelgroße Zellen hätten auf einem Stecknadelkopf Platz. Doch jede ist eine Schöpfung von umwerfender Komplexität. Die Zelle ist weit komplizierter als jede von Menschen hergestellte Maschine oder Fabrik. Wissenschaftler vergleichen sie mit einer ummauerten Stadt, die über bewachte Ein- und Ausgänge verfügt, über ein Verkehrs- und Nachrichtennetz, Kraftwerke, Produktionsstätten, Abfallbeseitigungs- und Recyclinganlagen, Abwehrmechanismen und sogar über eine Art zentrale Verwaltung im Zellkern. Darüber hinaus kann die Zelle innerhalb weniger Stunden eine komplette Kopie von sich selbst herstellen.

      11, 12. (a) Was bewirkt, dass sich die Zellen eines Embryos unterschiedlich ausbilden, und wieso passt das gut zu Psalm 139:16? (b) Wieso erkennen wir am menschlichen Gehirn, dass wir „wunderbar gemacht“ sind?

      11 Natürlich sind nicht alle Zellen gleich. Während des Teilungsprozesses übernehmen die Zellen eines Embryos ganz unterschiedliche Aufgaben. Einige werden zu Nervenzellen, andere zu Knochen-, Muskel-, Blut- oder Augenzellen. Diese Differenzierung ist in der DNA programmiert, der Zell-„Bibliothek“ mit ihren genetischen Bauplänen. Interessanter­weise sagte David unter Inspiration zu Jehova: „Deine Augen sahen mich sogar als Embryo. Alle seine Teile waren in deinem Buch verzeichnet“ (Psalm 139:16).

      12 Einige Organe sind ungeheuer komplex, so zum Beispiel das menschliche Gehirn. Man hat es als das komplizierteste Objekt bezeichnet, das jemals im Universum entdeckt wurde. Es besteht aus rund 100 Milliarden Neuronen – vielleicht so viele, wie es Sterne in unserer Galaxis gibt. Jede dieser Nervenzellen ist so verzweigt, dass Tausende von Verbindungen zu anderen Neuronen hergestellt werden. Wie es heißt, könnte ein menschliches Gehirn alle Informationen aller Bibliotheken der Welt fassen. Seine Speicherkapazität soll unmessbar sein. Obwohl Wissenschaftler seit Jahrzehnten dieses wunderbar gemachte Organ erforschen, müssen sie zugeben, dass sie seine Funktionsweise wahrscheinlich nie voll und ganz verstehen werden.

      13, 14. (a) Wie zeigen sich Ameisen und andere Geschöpfe „instinktiv weise“, und was erfahren wir dadurch über ihren Schöpfer? (b) Wieso kann man sagen, dass Konstruktionen wie das Spinnennetz „in Weisheit … gemacht“ sind?

      13 Der Mensch ist jedoch nur ein Beispiel für Jehovas schöpferische Weisheit. In Psalm 104:24 lesen wir: „Wie zahlreich sind deine Werke, o Jehova! In Weisheit hast du sie alle gemacht. Die Erde ist voll von dem, was du geschaffen hast.“ Die Weisheit Jehovas zeigt sich in der ganzen Schöpfung um uns herum. Die Ameise etwa ist „instinktiv weise“ (Sprüche 30:24). Ameisenkolonien sind hervorragend organisiert. Manche halten sich Blattläuse wie Vieh, geben ihnen Unterschlupf und „melken“ sie. Andere betätigen sich als Gärtner und „züchten“ Pilze. Viele Tiere sind so programmiert, dass sie instinktiv Erstaunliches leisten. Die Hausfliege vollbringt akrobatische Leistungen, mit denen das modernste vom Menschen konstruierte Flugzeug nicht mithalten kann. Zugvögel orientieren sich an den Sternen, am Magnetfeld der Erde oder nach einer Art inneren Landkarte. Biologen bringen Jahre damit zu, die ausgeklügelten Verhaltensmuster, die diesen Geschöpfen einprogrammiert sind, zu erforschen. Wie weise muss der göttliche Programmierer sein!

      14 Die Wissenschaft profitiert sehr von der schöpferischen Weisheit Jehovas. Es gibt einen ganzen Technologiezweig, der Konstruktionen aus der Natur nachzuahmen versucht – die Bionik. Ein Spinnennetz ist in unseren Augen vielleicht bewundernswert schön. Ein Ingenieur dagegen sieht darin eine geniale Konstruktion. Die zarten Spinnenfäden sind im Verhältnis oft stärker als Stahl und reißfester als die Fasern einer kugelsicheren Weste. Aber wie stark genau? Stellen wir uns ein maßstabsgetreu vergrößertes Spinngewebe von den Ausmaßen eines Fischernetzes vor. Es könnte ein Passagierflugzeug mitten im Flug abfangen! Ja, Jehova hat alles „in Weisheit … gemacht“.

      Collage: Die Schöpfung zeugt von Jehovas Weisheit: (1) ein Spinnennetz, (2) Ameisen, die Blätter tragen, (3) Gänse im Flug.

      Wer hat die Lebewesen auf der Erde so programmiert, dass sie „instinktiv weise“ sind?

      Weisheit außerhalb der Erde

      15, 16. (a) Wieso lässt der Sternenhimmel Jehovas Weisheit erkennen? (b) Weshalb zeugt Jehovas Stellung als oberster Befehlshaber großer Engelscharen von seiner Weisheit als Organisator?

      15 Im ganzen Universum erkennen wir Jehovas Weisheit an seinen Werken. Die Sterne sind nicht willkürlich im Weltraum angeordnet, wie schon in Kapitel 5 etwas ausführlicher besprochen wurde. Dank der weisen „Gesetze des Himmels“ besteht das Universum aus wunderschön angeordneten, strukturierten Galaxien, die sich zu Galaxienhaufen gruppieren, die dann wieder Superhaufen bilden (Hiob 38:33). Kein Wunder, dass Jehova die Himmelskörper als „Heer“ bezeichnet! (Jesaja 40:26). Es gibt allerdings ein Heer, das die Weisheit Jehovas noch anschaulicher demonstriert.

      16 Wie wir in Kapitel 4 gesehen haben, trägt Gott den Titel „Herr der Heere“, denn er ist oberster Befehlshaber eines immensen Heeres von Hunderten Millionen Geistgeschöpfen. Das ist ein Beweis für die Macht Jehovas. Aber wie kommt hier die Weisheit ins Spiel? Zunächst muss man vorausschicken, dass Jehova und Jesus nie untätig sind (Johannes 5:17). Logischerweise sind dann auch die Engel, die im Dienst des Höchsten stehen, unentwegt im Einsatz. Und zudem sind sie dem Menschen übergeordnet, sind superintelligent und supermächtig (Hebräer 1:7; 2:7). All die Engel beschäftigt Jehova seit Milliarden von Jahren mit befriedigenden Aufgaben, indem er sie seine Befehle ausführen und seinen Willen erfüllen lässt (Psalm 103:20, 21). Wie überwältigend muss die Weisheit dieses Organisators sein!

      Jehova, der „allein Weise“

      17, 18. Warum spricht die Bibel von Jehova als dem „allein Weisen“, und weshalb sollte uns seine Weisheit ehrfürchtig stimmen?

      17 Ist es da verwunderlich, wenn die Bibel von Jehovas Weisheit in Superlativen spricht? Sie nennt Jehova den „allein Weisen“ (Römer 16:27). Nur Jehova besitzt Weisheit im absoluten Sinn. Er ist die Quelle aller wahren Weisheit (Sprüche 2:6). Deshalb vertraute selbst Jesus, das weiseste Geschöpf Jehovas, nicht auf seine eigene Weisheit, sondern redete nach den Anweisungen seines Vaters (Johannes 12:48-50).

      18 Die Einzigartigkeit der Weisheit Jehovas schildert der Apostel Paulus so: „Wie tief ist doch der Reichtum und die Weisheit und die Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Entscheidungen und wie unergründlich seine Wege!“ (Römer 11:33). Mit dem einleitenden Ausruf „Wie tief ist doch“ drückt Paulus starke Emotionen aus – in diesem Fall tiefe Ehrfurcht. Das griechische Wort, das er für „tief“ wählte, ist eng verwandt mit dem Wort für „Abgrund“. Diese Wörter rufen lebhafte Vorstellungen wach. Über Jehovas Weisheit nachzudenken ist wie ein Blick in eine unendlich tiefe und weite Schlucht – eine Landschaft, die wir in ihren gewaltigen Ausmaßen niemals erfassen und schon gar nicht vermessen oder kartografieren könnten (Psalm 92:5). Kommt man sich da nicht sehr klein und unbedeutend vor?

      19, 20. (a) Warum ist der Adler ein passendes Symbol für Gottes Weisheit? (b) Wie hat Jehova seine Fähigkeit demonstriert, in die Zukunft zu blicken?

      19 Jehova ist noch in einem anderen Sinn der „allein Weise“: Nur er kann in die Zukunft schauen. Wie bereits erwähnt, gebraucht er den scharfsichtigen Adler als Symbol für seine Weisheit. Ein Steinadler wiegt vielleicht gerade mal fünf Kilo, aber seine Augen sind größer als die eines erwachsenen Menschen. Adleraugen sind so scharf, dass sie winzige Beutetiere aus Hunderten von Metern Höhe erspähen können, wenn nicht gar aus mehreren Kilometern Entfernung. Jehova sagte einmal über den Adler: „Seine Augen blicken weit in die Ferne“ (Hiob 39:29). Und was Jehova selbst betrifft, er schaut „weit in die Ferne“ der Zeit – in die Zukunft.

      20 Die Bibel kann mit zahlreichen Belegen dafür aufwarten. In Hunderten von Prophezeiungen erzählt sie im Voraus geschriebene Geschichte. Der Ausgang von Kriegen, Aufstieg und Niedergang von Weltmächten und sogar die Kampfstrategien bestimmter Befehlshaber – all das wurde in der Bibel zum Teil Hunderte von Jahren zuvor prophezeit (Jesaja 44:25 bis 45:4; Daniel 8:2-8, 20-22).

      21, 22. (a) Wieso wäre es absurd, zu glauben, Jehova würde alle unsere Entscheidungen voraussehen? Veranschauliche es. (b) Woher wissen wir, dass Jehovas Weisheit nicht kalt oder gefühllos ist?

      21 Sieht Gott demnach auch die Entscheidungen voraus, die wir in unserem Leben treffen? Ein Verfechter der Vorherbestimmungs­lehre würde darauf mit einem nachdrücklichen Ja antworten. Doch diese Vorstellung würde der Weisheit Jehovas Abbruch tun, denn das hieße, er könnte seine Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, nicht kontrolliert einsetzen. Zur Verdeutlichung: Stell dir vor, du hättest eine atemberaubende Stimme. Bliebe dir dann nichts anderes übrig, als ununterbrochen zu singen? Dieser Gedanke ist grotesk! So hat auch Jehova zwar die Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, aber er macht davon nicht ständig Gebrauch. Andernfalls könnte er unsere Willensfreiheit verletzen – ein wertvolles Geschenk, das uns Jehova nie wegnehmen wird (5. Mose 30:19, 20).

      22 Die Idee einer Vorherbestimmung würde außerdem den Gedanken nahelegen, Jehovas Weisheit sei kalt – ohne Herz, Gefühl oder Mitleid. Nichts könnte absurder sein! Aus der Bibel erfahren wir über Jehova: „Er hat ein weises Herz“ (Hiob 9:4). Nicht dass er ein buchstäbliches Herz hätte. In der Bibel steht dieser Begriff oft für das innerste Ich, den Sitz der Beweggründe und Gefühle, wie Liebe. Folglich wird Jehovas Weisheit von Liebe bestimmt, was übrigens auch auf seine anderen Eigenschaften zutrifft (1. Johannes 4:8).

      23. Wozu sollte uns die überlegene Weisheit Jehovas veranlassen?

      23 Natürlich ist Jehovas Weisheit absolut vertrauenswürdig. Sie ist unserer eigenen Weisheit dermaßen überlegen, dass wir in Gottes Wort liebevoll aufgefordert werden: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen und verlass dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Beachte ihn auf allen deinen Wegen und er wird deine Pfade ebnen“ (Sprüche 3:5, 6). Befassen wir uns nun noch eingehender mit der Weisheit Jehovas, damit wir unserem unendlich weisen Gott näherkommen können.

      Fragen zum Nachdenken

      • Hiob 28:11-28 Wie wertvoll ist die göttliche Weisheit, und welche positiven Auswirkungen hat es, darüber nachzudenken?

      • Psalm 104:1-25 Wie zeigt sich Jehovas Weisheit in der Schöpfung, und wie berührt dich das?

      • Sprüche 3:19-26 Wie wirkt es sich auf unser tägliches Leben aus, wenn wir über Jehovas Weisheit nachdenken und uns von ihr leiten lassen?

      • Daniel 2:19-28 Warum wird Jehova als „Offenbarer von Geheimnissen“ bezeichnet, und wie sollten wir auf die Weisheit der biblischen Prophezeiungen reagieren?

  • Die Weisheit im „Wort Gottes“
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Bibelschreiber schreibt in eine Schriftrolle.

      KAPITEL 18

      Die Weisheit im „Wort Gottes“

      1, 2. Was für einen „Brief“ hat uns Jehova geschrieben, und warum?

      ERINNERST du dich an den letzten Brief eines lieben Menschen, der weit von dir entfernt wohnt? Nur weniges freut uns so sehr wie die tief empfundenen Zeilen von jemandem, der uns viel bedeutet. Wir sind gespannt zu erfahren, wie es ihm geht, was er so erlebt und welche Pläne er hat. Diese Kommunikation verbindet, auch wenn man räumlich stark voneinander getrennt ist.

      2 Was könnte uns größere Freude bringen, als von dem Gott, den wir lieben, eine schriftliche Nachricht zu erhalten? Jehova hat uns gewissermaßen einen „Brief“ geschrieben – sein Wort, die Bibel. Darin teilt er uns mit, wer er ist, was er getan hat, was er zu tun beabsichtigt und noch vieles mehr. Er hat uns die Bibel gegeben, weil er unsere Nähe wünscht. Unser unendlich weiser Gott hat die bestmögliche Form der Kommunikation mit uns gewählt. Die Art und Weise, wie die Bibel geschrieben ist, und ihr Inhalt zeugen von unvergleichlicher Weisheit.

      Warum schriftlich?

      3. Wie gab Jehova das Gesetz an Moses weiter?

      3 Manche fragen sich: „Warum hat Jehova keine dramatischere Methode benutzt – sagen wir mal eine Stimme vom Himmel –, um mit den Menschen zu kommunizieren?“ Tatsächlich hat Jehova hin und wieder durch Engel vom Himmel her gesprochen, etwa als er den Israeliten das Gesetz gab (Galater 3:19). Die Stimme aus dem Himmel war jedoch derart furchteinflößend, dass die Israeliten erschrocken darum baten, Jehova möge nicht so mit ihnen reden, sondern durch Moses (2. Mose 20:18-20). Das Gesetz mit seinen rund 600 Bestimmungen wurde Moses deshalb Wort für Wort mündlich übermittelt.

      4. Erkläre, weshalb die mündliche Übermittlung keine zuverlässige Methode gewesen wäre, Gottes Gesetze weiterzugeben.

      4 Was aber, wenn dieses Gesetz nie schriftlich niedergelegt worden wäre? Hätte sich Moses den genauen Wortlaut dieser detaillierten Gesetzessammlung merken und ihn dem Volk fehlerfrei übermitteln können? Und spätere Generationen? Sollten sie einzig und allein auf das gesprochene Wort angewiesen sein? Das wäre sicher nicht die zuverlässigste Methode gewesen, Gottes Gesetze weiterzugeben. Stellen wir uns vor, was dabei herauskäme, wenn eine Geschichte in einer langen Menschenkette von einem zum anderen weitererzählt würde. Die ursprüngliche Version wäre am Ende wahrscheinlich kaum noch wiederzuerkennen. Beim Gesetz Gottes war das nicht zu befürchten.

      5, 6. Was sollte Moses mit den Worten Jehovas tun, und warum ist es ein Segen, dass uns Gottes Wort schriftlich vorliegt?

      5 In weiser Voraussicht ließ Jehova seine Worte aufschreiben. Er beauftragte Moses: „Schreibe diese Worte auf, denn auf ihrer Grundlage schließe ich mit dir und Israel einen Bund“ (2. Mose 34:27). Damit setzte 1513 v. u. Z. die Niederschrift der Bibel ein. Im Verlauf der folgenden 1610 Jahre redete Jehova „bei vielen Gelegenheiten und auf vielfältige Weise“ zu ungefähr 40 Menschen, die die Bibel niederschrieben (Hebräer 1:1). Und die ganze Zeit über waren Abschreiber in hingebungsvoller Arbeit peinlich darauf bedacht, dass die Schriften exakt bewahrt blieben (Esra 7:6; Psalm 45:1).

      6 Es ist für uns ein großer Segen, dass sich Jehova schriftlich mitgeteilt hat. Hast du schon einmal einen Brief erhalten, der dir so viel bedeutete – vielleicht weil du gerade dringend Trost gebrauchen konntest –, dass du ihn aufgehoben und immer wieder gelesen hast? So einen „Brief“ hat uns Jehova zukommen lassen. Da er seine Worte schriftlich festhielt, können wir sie immer wieder lesen und über ihren Aussagewert nachdenken (Psalm 1:2). Wir können auf „den Trost aus den Schriften“ zurückgreifen, wann immer wir ihn brauchen (Römer 15:4).

      Warum Menschen als Schreiber?

      7. Wieso zeigt sich Jehovas Weisheit darin, dass er Menschen als Schreiber zu Hilfe nahm?

      7 In seiner Weisheit ließ Jehova die Bibel von Menschen niederschreiben. Ob Gottes Wort wohl die gleiche Anziehungskraft hätte, wenn er es von Engeln hätte aufzeichnen lassen? Sicher könnten die Engel Jehova aus ihrem erhabenen Blickwinkel schildern, ihrer Ergebenheit ihm gegenüber Ausdruck verleihen und über treue menschliche Diener Gottes berichten. Aber wären wir überhaupt in der Lage, die Dinge aus der Perspektive vollkommener Geistgeschöpfe zu sehen, die uns an Wissen, Erfahrung und Stärke weit überlegen sind? (Hebräer 2:6, 7).

      8. Wie konnten die Bibelschreiber ihre eigenen mentalen Fähigkeiten nutzen? (Siehe auch Fußnote.)

      8 Dadurch, dass Jehova Menschen zu Hilfe nahm, gab er uns genau das an die Hand, was wir brauchen – Aufzeichnungen, die „von Gott eingegeben“ sind und zugleich das menschliche Element enthalten (2. Timotheus 3:16). Wie hat er das erreicht? In vielen Fällen konnten die Schreiber offenbar ihre eigenen mentalen Fähigkeiten nutzen, um „ansprechende Worte zu finden und die exakten Worte der Wahrheit aufzuzeichnen“ (Prediger 12:10, 11). Das erklärt den abwechslungs­reichen Stil der Bibel; die Schriften spiegeln Erfahrungshintergrund und Persönlichkeit der einzelnen Schreiber wider.a Und doch redeten diese Menschen „auf Veranlassung Gottes, wie sie vom heiligen Geist geleitet wurden“ (2. Petrus 1:21). Somit ist das Endprodukt wirklich „das Wort Gottes“ (1. Thessalonicher 2:13).

      „Die ganze heilige Schrift ist von Gott eingegeben“

      9, 10. Wieso wirkt die Bibel dadurch, dass sie von Menschen geschrieben wurde, zusätzlich warm und ansprechend?

      9 Gerade weil die Bibel von Menschen nieder­geschrieben wurde, wirkt sie ausgesprochen warm und ansprechend. Die Schreiber waren Menschen mit Gefühlen, wie wir sie haben. Ihre Unvollkommenheit bescherte ihnen ähnliche Prüfungen und Belastungen wie uns. Manchmal wurden sie von Jehovas Geist dazu inspiriert, ihre eigenen Gefühle und Kämpfe zu schildern (2. Korinther 12:7-10). Daher schrieben sie zuweilen in der Ichform Worte, die ein Engel niemals hätte äußern können.

      10 So komponierte König David von Israel, nachdem er schwer gesündigt hatte, einen Psalm, in dem er sein Herz ausschüttete und Gott um Vergebung bat. Er schrieb: „Reinige mich von meiner Sünde. Denn meine Übertretungen sind mir deutlich bewusst und meine Sünde geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Schuldig wurde ich geboren und in Sünde empfing mich meine Mutter. Vertreib mich nicht aus deiner Gegenwart und entzieh mir nicht deinen heiligen Geist. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist. Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen“ (Psalm 51:2, 3, 5, 11, 17). Spürt man nicht geradezu die Verzweiflung des Schreibers? Wer außer einem unvollkommenen Menschen könnte solche tief empfundenen Gefühle äußern?

      Warum ein Buch über Menschen?

      11. Was für Tatsachenberichte sind „zu unserer Anleitung“ in der Bibel festgehalten?

      11 Noch etwas macht die Bibel zusätzlich ansprechend. Sie handelt zum großen Teil von Menschen – realen Menschen –, die Gott dienten oder ihm nicht dienten. Wir lesen von ihren Erlebnissen, von ihren schönen und von ihren leidvollen Erfahrungen. Wir sehen, wie sich ihre Entscheidungen auswirkten. Solche Berichte wurden „zu unserer Anleitung“ festgehalten (Römer 15:4). Durch diese Geschichten, die das Leben schrieb, lehrt uns Jehova auf eine Weise, die unser Herz anspricht. Das soll im Folgenden verdeutlicht werden.

      12. Wieso sind uns biblische Berichte, die von untreuen Menschen handeln, eine Hilfe?

      12 Die Bibel erzählt von untreuen, ja schlechten Menschen und wie es ihnen ergangen ist. Dabei treten unerwünschte Eigenschaften hervor und werden für uns begreifbarer. Wie könnte man eindringlicher vor Treulosigkeit warnen als am Beispiel des Judas, der Jesus hinterhältig verriet? (Matthäus 26:14-16, 46-50; 27:3-10). Solche Schilderungen dringen gezielter an unser Herz, weil sie uns gemeine Charakterzüge auf abschreckende Weise vor Augen führen.

      13. Wie führt uns die Bibel wünschenswerte Eigenschaften vor Augen?

      13 In der Bibel werden auch viele treue Diener Gottes beschrieben. Wir lesen von ihrer Ergebenheit und Loyalität. Vor unseren Augen werden Eigenschaften lebendig, an denen wir arbeiten müssen, um Gott näherzukommen. Greifen wir einmal den Glauben heraus. Die Bibel definiert Glauben und zeigt uns, wie wichtig er ist, um Gott zu gefallen (Hebräer 11:1, 6). Aber nicht nur das: Sie liefert uns auch anschauliche Beispiele für einen aktiven Glauben. Denken wir nur an den Glauben, den Abraham bewies, als er im Begriff war, Isaak zu opfern (1. Mose, Kapitel 22; Hebräer 11:17-19). Durch solche Berichte gewinnt das Wort „Glaube“ an Bedeutung und wird zu etwas Konkretem. Wie weise von Jehova, dass er uns wünschenswerte Eigenschaften nicht nur dringend ans Herz legt, sondern sie auch mit Leben erfüllt.

      14, 15. Was sagt die Bibel über eine bestimmte Frau, die zum Tempel kam, und was erfahren wir dadurch über Jehova?

      14 Die Tatsachenberichte der Bibel verraten uns viel über die Persönlichkeit Jehovas. Da ist zum Beispiel die Frau, die im Tempel von Jesus beobachtet wurde. Er saß in der Nähe der Schatzkästen und sah zu, wie die Leute etwas einwarfen. Viele Reiche kamen und gaben „aus ihrem Überfluss heraus“. Doch Jesus heftete seinen Blick auf eine einfache, bescheidene Witwe. Alles, was sie gab, waren „zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert“.b Das war ihr letztes bisschen Geld. Jesus, der den Standpunkt Jehovas vollkommen widerspiegelte, sagte, dass „diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle anderen, die Geld in die Schatzkästen geworfen haben“. Demnach gab sie mehr als alle anderen zusammen (Markus 12:41-44; Lukas 21:1-4; Johannes 8:28).

      15 Ist es nicht interessant, dass von all den Leuten, die an jenem Tag zum Tempel kamen, gerade diese Witwe in der Bibel erwähnt wird? Jehova gibt uns dadurch zu verstehen, dass er ein dankbarer Gott ist. Er nimmt unsere von Herzen kommenden Gaben gern an, ganz egal wie sie im Vergleich zu dem abschneiden, was andere geben können. Jehova hätte schwerlich eine bessere Methode finden können, uns diese herzerfrischende Wahrheit näherzubringen.

      Was die Bibel nicht enthält

      16, 17. Wieso zeigt sich Jehovas Weisheit sogar durch das, was er in der Bibel unerwähnt ließ?

      16 Wenn man einen Brief an einen lieben Menschen schreibt, kann man darin nicht unendlich viel erzählen. Also trifft man eine bewusste Auswahl. Auch Jehova traf eine Auswahl, welche Personen und Ereignisse in der Bibel vorkommen sollten. Gottes Wort geht in diesen Schilderungen nicht immer auf alle Einzelheiten ein (Johannes 21:25). Wenn beispielsweise von Urteilen Gottes die Rede ist, kann es sein, dass die gelieferten Informationen nicht alle unsere Fragen beantworten. Doch Jehovas Weisheit zeigt sich sogar durch das, was er in der Bibel unerwähnt ließ. Weshalb?

      17 Die Bibel ist so geschrieben, dass unser Herz geprüft wird. In Hebräer 4:12 heißt es: „Das Wort [oder die Botschaft] Gottes ist lebendig und übt Macht aus. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt sogar so weit durch, dass es Seele und Geist trennt … Es kann Gedanken und Absichten des Herzens beurteilen.“ Die Botschaft der Bibel dringt tief ein und deckt unsere wahren Gedanken und Beweggründe auf. Wer sie mit kritischem Herzen liest, wird sich immer wieder an Berichten stoßen, die seiner Meinung nach keine ausreichenden Informationen enthalten. Er wird vielleicht sogar daran zweifeln, dass Jehova liebevoll, weise und gerecht ist.

      18, 19. (a) Warum sollte es uns nicht beunruhigen, wenn eine Bibelpassage Fragen aufkommen lässt, auf die wir nicht sofort eine Antwort finden? (b) Was ist erforderlich, um Gottes Wort zu verstehen, und wieso zeugt das von Jehovas großer Weisheit?

      18 Wenn wir Gottes Wort dagegen mit aufrichtigem Herzen intensiv studieren, sehen wir Jehova immer deutlicher in dem Gesamtbild, das die Bibel von ihm zeichnet. Wir sind dann nicht beunruhigt, wenn eine bestimmte Passage Fragen aufkommen lässt, auf die wir nicht sofort eine Antwort finden. Hier bietet sich der Vergleich mit einem großen Puzzle an. Manchmal findet man eins der Puzzleteile nicht gleich oder man erkennt nicht, wo man ein bestimmtes Teil einsetzen soll. Sobald aber genügend Teile zusammengesetzt sind, hat man eine Vorstellung davon, wie das komplette Bild hinterher aussehen muss. Ähnlich ist es beim Bibelstudium. Wir erfahren ganz allmählich, was für ein Gott Jehova ist, und vor unseren Augen entsteht ein konkretes Bild. Falls wir nun einen bestimmten Bericht nicht auf Anhieb verstehen oder nicht mit Gottes Persönlichkeit vereinbaren können, wissen wir doch durch unser Studium der Bibel mehr als genug über Jehova, um ihn als stets liebevollen, fairen und gerechten Gott zu sehen.

      19 Damit wir Gottes Wort verstehen, müssen wir es also aufrichtig und unvoreingenommen lesen und studieren. Zeugt das nicht von Jehovas großer Weisheit? Kluge Menschen können Bücher schreiben, die ausschließlich für die „Weisen und Intellektuellen“ verständlich sind. Doch ein Buch zu verfassen, das nur Menschen mit den richtigen Beweggründen verstehen können – dazu gehört die Weisheit Gottes! (Matthäus 11:25).

      Ein Buch, das sich durch „praktische Weisheit“ auszeichnet

      20. Weshalb kann uns nur Jehova den besten Lebensweg zeigen, und wieso ist uns die Bibel hierbei eine Hilfe?

      20 Jehova zeigt uns in seinem Wort den besten Lebensweg. Als unser Schöpfer kennt er unsere Bedürfnisse besser als wir selbst. Und die menschlichen Grundbedürfnisse wie Liebe, Glück und gute zwischen­menschliche Beziehungen haben sich nicht geändert. Die Bibel enthält reichlich „praktische Weisheit“, die uns zu einem sinnvollen Leben verhilft (Sprüche 2:7). Jeder Abschnitt des vorliegenden Lehrbuchs enthält ein ganzes Kapitel darüber, wie wir die weisen biblischen Ratschläge umsetzen können. Deshalb wollen wir hier nur ein Beispiel herausgreifen.

      21-23. Welcher weise Rat kann uns davor bewahren, nachtragend zu sein?

      21 Oft beobachtet man, dass Menschen, die nachtragend oder übelnehmerisch sind, sich selbst schaden. Ärger, den man mit sich herumschleppt, ist eine erdrückende Last. Wenn wir ihn nähren, vereinnahmt er unsere Gedanken, raubt uns den Frieden und erstickt unsere Freude. Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass angestaute Wut das Risiko von Herzkrankheiten und vielen anderen chronischen Leiden erhöht. Lange bevor solche Studien aufkamen, gab die Bibel schon den klugen Rat: „Lass die Wut gehen und gib den Zorn auf“ (Psalm 37:8). Wie lässt sich das aber umsetzen?

      22 In Gottes Wort finden wir den weisen Ausspruch: „Ein Mensch mit Einsicht wird nicht schnell zornig, und es ist etwas Schönes für ihn, einen Fehler zu übergehen“ (Sprüche 19:11). Einsicht ist die Fähigkeit, unter die Oberfläche zu blicken, über das Offensichtliche hinauszusehen. Einsicht fördert das Verständnis, denn sie lässt uns erkennen, warum jemand etwas Bestimmtes gesagt oder getan hat. Wenn wir versuchen, die wahren Beweggründe, Empfindungen und Umstände unseres Gegenübers zu begreifen, können wir negative Gedanken und Gefühle leichter überwinden.

      23 Die Bibel gibt noch eine weitere gute Empfehlung: „Ertragt einander weiterhin und vergebt einander großzügig“ (Kolosser 3:13). Die Worte „Ertragt einander weiterhin“ legen uns nahe, mit anderen geduldig zu sein und lästige Eigenarten hinzunehmen. Eine solche Nachsicht schützt uns davor, wegen Belanglosigkeiten verärgert zu sein. „Vergeben“ vermittelt den Gedanken, nicht nachtragend zu sein. Unserem weisen Gott ist bewusst, wie wichtig angebrachte Vergebung ist. Sie kommt nicht nur dem anderen zugute, sondern auch unserem eigenen Herzensfrieden (Lukas 17:3, 4). Wie viel Weisheit doch im Wort Gottes steckt!

      24. Wie wirkt es sich aus, wenn wir unser Leben nach der Weisheit Gottes ausrichten?

      24 Getrieben von seiner grenzenlosen Liebe hatte Jehova den Wunsch, mit uns zu kommunizieren. Dafür wählte er das denkbar beste Mittel – die schriftliche Kommunikation durch einen „Brief“, den Menschen unter der Leitung des heiligen Geistes aufzeichneten. Aus den Briefzeilen spricht folglich die Weisheit Jehovas. Diese Weisheit ist „sehr zuverlässig“ (Psalm 93:5). Wenn wir unser Leben nach ihr ausrichten und sie an andere weitergeben, werden wir unserem unendlich weisen Gott automatisch näherkommen. Jehovas weitblickende Weisheit zeigt sich auch eindrucksvoll in seiner Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen und seinen Vorsatz zu verwirklichen. Davon handelt das nächste Kapitel.

      a David zieht als Schäfer Beispiele aus dem Hirtenleben heran (Psalm 23). Bei dem früheren Steuereinnehmer Matthäus finden sich zahlreiche Bezugnahmen auf Zahlen und Geldbeträge (Matthäus 17:27; 26:15; 27:3). Lukas, ein Arzt, verwendet Ausdrücke, die seine medizinischen Kenntnisse widerspiegeln (Lukas 4:38; 14:2; 16:20).

      b Bei diesen Münzen handelte es sich jeweils um ein Lepton, die kleinste jüdische Münze, die damals in Umlauf war. Zwei Lepta entsprachen 1⁄64 eines Tagelohns. Diese beiden Münzen hätten nicht einmal für einen einzigen Spatz gereicht – der billigste zum Verzehr geeignete Vogel.

      Fragen zum Nachdenken

      • Sprüche 2:1-6 Welche Anstrengungen gehören dazu, die Weisheit aus Gottes Wort zu erlangen?

      • Sprüche 2:10-22 Wie profitieren wir davon, wenn wir unser Leben an den weisen Ratschlägen der Bibel orientieren?

      • Römer 7:15-25 Wie wird an dieser Passage deutlich, dass es weise war, die Bibel von Menschen aufzeichnen zu lassen?

      • 1. Korinther 10:6-12 Was lernen wir aus dem warnenden Beispiel Israels?

  • „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“
    Komm Jehova doch näher
    • Abraham blickt zu den zahllosen Sternen am Himmel.

      KAPITEL 19

      „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“

      1, 2. Welches „heilige Geheimnis“ sollte uns interessieren, und weshalb?

      GEHEIMNISSE! Sie haben etwas so Spannendes, Faszinierendes und Rätselhaftes an sich, dass Menschen sie oft nur schwer für sich behalten können. Doch in der Bibel heißt es: „Es ehrt Gott, eine Sache geheim zu halten“ (Sprüche 25:2). Als souveräner Herrscher und Schöpfer ist Jehova berechtigt, Verschiedenes bis zur gegebenen Zeit vor der Menschheit geheim zu halten.

      2 Es gibt aber ein faszinierendes, spannendes Geheimnis, das Jehova sehr wohl in seinem Wort enthüllt. Gemeint ist das „heilige Geheimnis seines Willens“ (Epheser 1:9). Darüber Näheres zu erfahren stillt nicht nur unsere Neugier. Es kann für uns auch Rettung bedeuten und lässt uns Jehovas unergründliche Weisheit erahnen.

      Nach und nach enthüllt

      3, 4. Wieso weckte die Prophezeiung aus 1. Mose 3:15 Hoffnung, und welches Rätsel oder „heilige Geheimnis“ enthielten diese Worte?

      3 Die Sünde Adams und Evas schien den Vorsatz Jehovas, ein irdisches Paradies mit vollkommenen Menschen zu bevölkern, durchkreuzt zu haben. Doch Gott ging das Problem sofort an. Er sagte: „Ich lasse Feindschaft herrschen zwischen dir [der Schlange] und der Frau und zwischen deinen Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er wird dir den Kopf zermalmen und du wirst ihn an der Ferse verwunden“ (1. Mose 3:15).

      4 Das waren in Dunkel gehüllte Worte. Wer war diese Frau? Wer war die Schlange? Wer war der „Nachkomme“, der den Kopf der Schlange zermalmen würde? Adam und Eva konnten nur raten. Doch Gottes Worte weckten Hoffnung für treue Nachkommen des untreuen Menschenpaars. Die Gerechtigkeit sollte siegen. Jehovas Vorsatz würde sich verwirklichen. Aber wie? Tja, das war ein Geheimnis! Die Bibel nennt es „Gottes Weisheit in einem heiligen Geheimnis“ oder die „verborgene Weisheit“ (1. Korinther 2:7).

      5. Erkläre an einem Beispiel, warum Jehova sein Geheimnis nach und nach enthüllt.

      5 Als „Offenbarer von Geheimnissen“ würde Jehova mit der Zeit Einzelheiten dieses Geheimnisses entschleiern (Daniel 2:28). Aber das sollte fortschreitend geschehen, nach und nach. Zum Vergleich wollen wir einen warmherzigen Vater heranziehen, der von seinem kleinen Sohn gefragt wird: „Wo kommen die Babys her, Papa?“ Ein kluger Vater wird nur so viele Informationen geben, wie der Kleine verdauen kann. Mit den Jahren wird er ihn detaillierter aufklären. Auch Jehova bestimmt, wann sein Volk dazu in der Lage ist, Enthüllungen seines Willens und Vorsatzes zu verstehen (Sprüche 4:18; Daniel 12:4).

      6. (a) Welchen Zweck erfüllt ein Bund oder Vertrag? (b) Weshalb ist es bedeutsam, dass Jehova wiederholt mit Menschen einen Bund geschlossen hat?

      6 Wie ging Jehova bei der Enthüllung vor? Vieles offenbarte er durch eine Reihe von Bundesschließungen oder Verträgen. Wohl die meisten von uns haben schon einmal einen Vertrag abgeschlossen, vielleicht als wir ein Auto kauften, einen Kredit aufnahmen oder Geld verliehen. So ein Vertrag bietet die rechtliche Gewähr, dass die vereinbarten Bedingungen eingehalten werden. Aber warum sollte es Jehova nötig haben, mit Menschen einen formellen Bund oder Vertrag zu schließen? Sein Wort ist ja eigentlich Garantie genug für seine Versprechen. Trotzdem hat er es in seiner Güte hin und wieder mit rechtlichen Verträgen besiegelt. Diese unverrückbaren Abmachungen geben uns unvollkommenen Menschen eine noch solidere Grundlage für das Vertrauen auf Jehovas Zusagen (Hebräer 6:16-18).

      Der Bund mit Abraham

      7, 8. (a) Welchen Bund schloss Jehova mit Abraham, und wie wurde das heilige Geheimnis dadurch erhellt? (b) Wie grenzte Jehova die Abstammungsfolge des angekündigten Nachkommen nach und nach ein?

      7 Ungefähr zweitausend Jahre nachdem der Mensch aus dem Paradies vertrieben worden war, versprach Jehova seinem treuen Diener Abraham, er werde seine „Nachkommen ganz bestimmt so viele werden lassen wie die Sterne am Himmel“. Weiter sagte Gott: „Weil du auf meine Stimme gehört hast, werden alle Völker der Erde durch deinen Nachkommen gesegnet werden“ (1. Mose 22:17, 18). Das war mehr als ein Versprechen; Jehova bettete es in einen rechtlichen Vertrag und bekräftigte es mit seinem unwiderruflichen Eid (1. Mose 17:1, 2; Hebräer 6:13-15). Dass der Souveräne Herr vertraglich zugesichert hat, die Menschheit zu segnen, ist wirklich bemerkenswert!

      „Ich werde … deine Nachkommen ganz bestimmt so viele werden lassen wie die Sterne am Himmel“

      8 Wie der abrahamische Bund erkennen ließ, würde der angekündigte Nachkomme als Mensch erscheinen, denn er sollte ein Nachkomme Abrahams sein. Aber wer genau? Im Lauf der Zeit enthüllte Jehova, dass von den Söhnen Abrahams Isaak derjenige war, der ein Vorfahr des Nachkommens sein würde. Von Isaaks zwei Söhnen wurde Jakob ausgewählt (1. Mose 21:12; 28:13, 14). Später machte Jakob über einen seiner zwölf Söhne die Aussage: „Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab von der Stelle zwischen seinen Füßen, bis Schilo [„Derjenige, dem es gehört“] kommt, und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören“ (1. Mose 49:10). Jetzt wusste man, dass der Nachkomme ein von Juda abstammender König sein sollte.

      Der Bund mit Israel

      9, 10. (a) Welchen Bund schloss Jehova mit dem Volk Israel, und wieso diente er als Schutz? (b) Wie wurde durch das Gesetz deutlich, dass die Menschheit ein Lösegeld brauchte?

      9 Im Jahr 1513 v. u. Z. legte Jehova eine Grundlage, auf der weitere Enthüllungen des heiligen Geheimnisses aufbauten. Er schloss mit den Nachkommen Abrahams, dem Volk Israel, einen Bund. Dieser mosaische Gesetzesbund ist zwar heute nicht mehr in Kraft, doch er spielte eine wesentliche Rolle in Jehovas Vorsatz, den versprochenen Nachkommen hervorzubringen. Weshalb? Aus drei Gründen. Erstens war das Gesetz eine Schutzmauer (Epheser 2:14). Seine gerechten Verordnungen grenzten die Juden von den Nichtjuden ab. So trug es dazu bei, dass die Abstammung des versprochenen Nachkommen gesichert blieb. Diesem Schutz war es weitgehend zu verdanken, dass das Volk noch existierte, als für den Messias die von Gott bestimmte Zeit gekommen war, im Stamm Juda geboren zu werden.

      10 Zweitens wurde durch das Gesetz deutlich, dass die Menschheit ein Lösegeld brauchte. Als vollkommenes Gesetz konnte es von sündigen Menschen nicht vollkommen gehalten werden; das war klar zu erkennen. Es diente somit dazu, „Übertretungen sichtbar zu machen, bis der Nachkomme kommen würde, dem das Versprechen gegeben worden war“ (Galater 3:19). Durch Tieropfer ermöglichte das Gesetz eine vorläufige Sündensühnung. Da jedoch nach den Worten des Paulus „das Blut von Stieren und Ziegenböcken unmöglich Sünden wegnehmen kann“, deuteten diese Tieropfer einfach auf Christi Opfer hin (Hebräer 10:1-4). Für treue Juden war dieser Bund also ein „Betreuer …, der zu Christus führt“ (Galater 3:24).

      11. Welche fantastische Aussicht eröffnete der Gesetzesbund den Israeliten, aber warum ging sie der Nation als Ganzes verloren?

      11 Drittens eröffnete dieser Bund der Nation Israel eine fantastische Aussicht. Wenn sie ihn treu hielte, so sagte Jehova, würde sie „eine königliche Priesterschaft und eine heilige Nation“ werden (2. Mose 19:5, 6). Tatsächlich gingen aus dem natürlichen Israel die ersten Mitglieder einer königlichen Priesterschaft im Himmel hervor. Doch als Ganzes gesehen rebellierte Israel gegen den Gesetzesbund, verwarf den messianischen Nachkommen und verspielte diese Aussicht. Wie sollte die königliche Priesterschaft nun aber vervollständigt werden? Und welche Verbindung bestünde zwischen der gesegneten Nation und dem versprochenen Nachkommen? Diese Aspekte des heiligen Geheimnisses sollten zu der von Gott bestimmten Zeit geklärt werden.

      Der Königreichsbund mit David

      12. Welchen Bund schloss Jehova mit David, und wie brachte er Licht in Gottes heiliges Geheimnis?

      12 Im 11. Jahrhundert v. u. Z. brachte Jehova durch einen weiteren Bund mehr Licht in das heilige Geheimnis. Er versprach dem treuen König David: „Ich [werde] deinen Nachkommen … als deinen Nachfolger einsetzen, und ich werde sein Königtum festigen. … ich werde dem Thron seines Königreiches für immer festen Bestand geben“ (2. Samuel 7:12, 13; Psalm 89:3). Die Abstammung des versprochenen Nachkommen war nun eingegrenzt. Er sollte aus dem Haus Davids kommen. Könnte aber ein gewöhnlicher Mensch für immer regieren? (Psalm 89:20, 29, 34-36). Und wäre er imstande, die Menschheit von Sünde und Tod zu befreien?

      13, 14. (a) Was versprach Jehova seinem gesalbten König gemäß Psalm 110? (b) Was enthüllten die Propheten Jehovas noch über den künftigen Nachkommen?

      13 David schrieb unter Inspiration: „Jehova sagte zu meinem Herrn: ‚Setz dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde als Schemel für deine Füße hinlege.‘ Jehova hat geschworen und er wird seine Meinung nicht ändern: ‚Du bist Priester auf ewig, nach der Art Melchisedeks!‘“ (Psalm 110:1, 4). Davids Worte galten direkt dem versprochenen Nachkommen, dem Messias (Apostel­geschichte 2:35, 36). Dieser König sollte nicht in Jerusalem regieren, sondern im Himmel an der „rechten Seite“ Jehovas. Damit hätte er nicht nur über das Land Israel Machtbefugnisse, sondern über die ganze Erde (Psalm 2:6-8). Und noch etwas wurde hier enthüllt. Jehova leistete einen feierlichen Eid, dass der Messias ein „Priester … nach der Art Melchisedeks“ sein würde. Der künftige Nachkomme sollte von Gott direkt zum König und Priester ernannt werden und damit Melchisedek gleichen, der zu Lebzeiten Abrahams als König und zugleich als Priester fungierte (1. Mose 14:17-20).

      14 Im Lauf der Jahre verriet Jehova durch seine Propheten noch mehr über das heilige Geheimnis. So enthüllte Jesaja, dass der Nachkomme einen Opfertod sterben sollte (Jesaja 53:3-12). Micha sagte den Geburtsort des Messias voraus (Micha 5:2). Und Daniel prophezeite sogar, wann genau der Nachkomme erscheinen sollte und wann er sterben würde (Daniel 9:24-27).

      Das heilige Geheimnis gelüftet!

      15, 16. (a) Wie kam es, dass Jehovas Sohn „von einer Frau“ geboren wurde? (b) Was erbte Jesus von seinen menschlichen Eltern, und wann trat er als der versprochene Nachkomme auf?

      15 Wie sich diese Prophezeiungen erfüllen würden, blieb bis zum eigentlichen Erscheinen des Nachkommen ein Geheimnis. In Galater 4:4 lesen wir: „Als aber die festgesetzte Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, der von einer Frau geboren wurde.“ Im Jahr 2 v. u. Z. sagte ein Engel zu der jüdischen Jungfrau Maria: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, und du sollst ihn Jesus nennen. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben. … Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird auf dir ruhen. Darum wird der, der geboren wird, heilig und Gottes Sohn genannt werden“ (Lukas 1:31, 32, 35).

      16 Darauf übertrug Jehova das Leben seines Sohnes vom Himmel in den Mutterleib Marias, sodass er „von einer Frau“ geboren wurde. Maria war eine unvollkommene Frau. Doch Jesus erbte ihre Unvollkommenheit nicht, denn er war „Gottes Sohn“. Gleichzeitig erhielt er aber durch seine menschlichen Eltern, die von David abstammten, die natürlichen und gesetzlichen Rechte eines Erben Davids (Apostel­geschichte 13:22, 23). Jehova salbte Jesus bei seiner Taufe im Jahr 29 u. Z. mit heiligem Geist und sagte: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn“ (Matthäus 3:16, 17). Endlich war der Nachkomme da! (Galater 3:16). Es war an der Zeit, weitere Einblicke in das heilige Geheimnis zu geben (2. Timotheus 1:10).

      17. Wie wurde in die Bedeutung von 1. Mose 3:15 Licht gebracht?

      17 Während seines Erdendaseins identifizierte Jesus die Schlange aus 1. Mose 3:15 und ihre Nachkommen als den Teufel und seine Anhänger (Matthäus 23:33; Johannes 8:44). Später wurde enthüllt, wie sie alle restlos zermalmt würden (Offenbarung 20:1-3, 10, 15). Die Frau wurde als das „Jerusalem oben“ identifiziert – Gottes sinnbildliche Frau, das heißt der himmlische Teil seiner Organisation bestehend aus Geistgeschöpfen (Galater 4:26; Offenbarung 12:1-6).a

      Der neue Bund

      18. Worin besteht der Zweck des „neuen Bundes“?

      18 Zu der wahrscheinlich dramatischsten Enthüllung kam es, als Jesus am Abend vor seinem Tod seine treuen Jünger über einen „neuen Bund“ unterrichtete (Lukas 22:20). Dieser neue Bund sollte wie sein Vorläufer, der mosaische Gesetzesbund, „eine königliche Priesterschaft“ hervorbringen (2. Mose 19:6; 1. Petrus 2:9). Allerdings würde er keine buchstäbliche Nation ins Leben rufen, sondern eine geistige, das „Israel Gottes“, das ausschließlich aus treuen gesalbten Nachfolgern Christi bestünde (Galater 6:16). Gemeinsam mit Jesus sollten diese Teilhaber des neuen Bundes der Menschheit Segnungen zukommen lassen.

      19. (a) Wie ist es möglich, dass der neue Bund „ein königliches Priestertum“ hervorbringt? (b) Warum werden gesalbte Christen als „eine neue Schöpfung“ bezeichnet, und wie viele werden mit Christus im Himmel dienen?

      19 Doch wie ist es überhaupt möglich, dass durch den neuen Bund „eine königliche Priesterschaft“ entsteht, die der Menschheit Segen bringt? Es ist deshalb möglich, weil Christi Jünger unter diesem Bund nicht mehr als Sünder dastehen, sondern ihre Sünden durch Jesu Opfer vergeben werden (Jeremia 31:31-34). In ihrem nun reinen Zustand nimmt Jehova sie wie durch Adoption in seine himmlische Familie auf und salbt sie mit heiligem Geist (Römer 8:15-17; 2. Korinther 1:21). So erleben sie „eine neue Geburt mit einer lebendigen Hoffnung“ – mit einem Erbe, das „im Himmel aufbewahrt“ ist (1. Petrus 1:3, 4). Da eine so hohe Stellung für Menschen etwas ganz und gar Neues ist, werden die geistgezeugten gesalbten Christen als „eine neue Schöpfung“ bezeichnet (2. Korinther 5:17). Wie die Bibel offenbart, werden letztendlich 144 000 daran beteiligt sein, die erlöste Menschheit vom Himmel aus zu regieren (Offenbarung 5:9, 10; 14:1-4).

      20. (a) Welcher Aspekt des heiligen Geheimnisses hellte sich im Jahr 36 u. Z. auf? (b) Wem sind die Segnungen, die dem Abraham versprochen wurden, zugedacht?

      20 Zusammen mit Jesus bilden diese Gesalbten „Abrahams Nachkommen“ (Galater 3:29).b Die ersten Auserwählten waren gebürtige Juden. Doch im Jahr 36 u. Z. hellte sich ein weiterer Aspekt des heiligen Geheimnisses auf: Die himmlische Hoffnung sollte auf Nichtjuden ausgedehnt werden (Römer 9:6-8; 11:25, 26; Epheser 3:5, 6). Sind aber die Segnungen, die dem Abraham versprochen wurden, einzig und allein gesalbten Christen zugedacht? Nein, denn Jesu Opfer kommt der ganzen Welt zugute (1. Johannes 2:2). Mit der Zeit enthüllte Jehova, dass eine unzählbar „große Volksmenge“ das Ende von Satans System der Dinge überleben würde (Offenbarung 7:9, 14). Weitere Menschenmengen haben die Aussicht, von den Toten auferweckt zu werden und für immer in einem Paradies zu leben (Lukas 23:43; Johannes 5:28, 29; Offenbarung 20:11-15; 21:3, 4).

      Gottes Weisheit und das heilige Geheimnis

      21, 22. Wie wird am heiligen Geheimnis die Weisheit Jehovas deutlich?

      21 An dem heiligen Geheimnis wird die „überaus vielfältige Weisheit Gottes“ auf beeindruckende Weise deutlich (Epheser 3:8-10). Was für eine Weisheit Jehova doch dadurch erkennen ließ, dass er dieses Geheimnis ersann und dann ganz allmählich lüftete! Er berücksichtigte dabei das begrenzte Auffassungs­vermögen der Menschen und ermöglichte es ihnen, zu zeigen, wie es wirklich in ihrem Herzen aussah (Psalm 103:14).

      22 Auch bei der Wahl Jesu als König zeigte Jehova unvergleichliche Weisheit. Sein Sohn ist zuverlässiger als jedes andere Geschöpf im Universum. Als Mensch aus Fleisch und Blut machte Jesus viel Schweres durch. Er ist deshalb mit den menschlichen Problemen voll und ganz vertraut (Hebräer 5:7-9). Und was ist von Jesu Mitherrschern zu sagen? Über die Jahrhunderte sind sowohl Männer als auch Frauen gesalbt worden – ausgewählt aus allen Völkern, Sprachen und Gesellschafts­schichten. Es gibt einfach kein Problem, das einzelne von ihnen nicht durchgemacht und überwunden haben (Epheser 4:22-24). Unter der Herrschaft dieser barmherzigen Könige und Priester zu leben wird eine einzige Freude sein!

      23. Welche Ehre haben Christen in Verbindung mit dem heiligen Geheimnis Jehovas?

      23 Der Apostel Paulus schrieb: „Das heilige Geheimnis, das während der vergangenen Weltsysteme und der vergangenen Generationen verborgen war“, ist „seinen Heiligen offenbart worden“ (Kolosser 1:26). Ja, Jehovas gesalbte Heilige haben nach und nach viel über das heilige Geheimnis gelernt, und sie haben diese Erkenntnis an Millionen von Menschen weitergegeben. Wie glücklich wir alle uns doch schätzen können! Jehova hat „uns das heilige Geheimnis seines Willens bekannt gemacht“ (Epheser 1:9). Sprechen wir doch mit anderen über dieses großartige Geheimnis und helfen wir ihnen, in die unergründlichen Tiefen der Weisheit Jehovas vorzudringen!

      a Außerdem klärte sich durch Jesus das heilige Geheimnis der Gottergebenheit (1. Timotheus 3:16). Lange war es ein Geheimnis, ein Rätsel, ob irgendjemand Jehova absolut treu und ergeben bleiben könnte. Jesus lieferte die Antwort. Er blieb unter jeder Prüfung, die der Teufel ihm auferlegte, treu (Matthäus 4:1-11; 27:26-50).

      b Jesus schloss mit derselben Gruppe auch „einen Bund … für ein Königreich“ (Lukas 22:29, 30). Er sicherte dieser „kleinen Herde“ vertraglich zu, dass sie mit ihm als sekundärer Teil des Nachkommen Abrahams im Himmel regieren wird (Lukas 12:32).

      Fragen zum Nachdenken

      • Johannes 16:7-12 Wie ahmte Jesus seinen Vater darin nach, Wahrheiten allmählich zu offenbaren?

      • 1. Korinther 2:6-16 Warum sind viele nicht in der Lage, Jehovas heilige Geheimnisse zu begreifen, und wie können wir sie verstehen?

      • Epheser 3:10 Welche Ehre haben Christen in Verbindung mit Gottes heiligem Geheimnis?

      • Hebräer 11:8-10 Wie erhielt das heilige Geheimnis den Glauben von Männern der alten Zeit lebendig, obwohl die Einzelheiten nicht klar waren?

  • „Er hat ein weises Herz“ und ist demütig
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Vater kniet sich zu seinem kleinen Sohn hinunter und schaut ihn liebevoll an.

      KAPITEL 20

      „Er hat ein weises Herz“ und ist demütig

      1-3. Woher wissen wir, dass Jehova demütig ist?

      EIN Vater möchte seinem kleinen Kind etwas Wichtiges klarmachen. Ihm liegt viel daran, zum Herzen durchzudringen. Wie geht er am besten vor? Sollte er sich vor dem Kind aufbauen und es mit schroffen Worten einschüchtern? Oder geht er besser in die Hocke, auf die Ebene des Kindes, und redet sanft und freundlich mit ihm? Ein weiser, demütiger Vater würde es sicher auf die nette Art versuchen.

      2 Was für ein Vater ist Jehova? Hochmütig oder demütig? Schroff oder sanft? Jehova ist allwissend und unendlich weise. Menschen werden durch Wissen und Intelligenz nicht unbedingt demütig, wie uns sicher schon aufgefallen ist. „Erkenntnis macht aufgeblasen“, sagt die Bibel (1. Korinther 3:19; 8:1). Jehova dagegen „hat ein weises Herz“ und ist zugleich demütig (Hiob 9:4). Nicht dass seine Stellung in irgendeiner Weise niedrig wäre oder es ihm an Erhabenheit mangelte – nein, sondern Hochmut liegt ihm einfach fern. Wieso?

      3 Jehova ist heilig, weshalb eine unreine Eigenschaft wie Hochmut seinem Wesen fremd ist (Markus 7:20-22). Sehen wir uns auch an, was der Prophet Jeremia zu Jehova sagte: „Du wirst bestimmt daran denken und dich tief über mich beugen“ (Klagelieder 3:20).a Stellen wir uns das vor! Jehova, der Souveräne Herr des Universums, war bereit sich zu „beugen“, das heißt sich auf die Ebene Jeremias zu begeben, um diesem unvollkommenen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken (Psalm 113:7). Ja, Jehova ist demütig. Aber was ist unter Gottes Demut zu verstehen? Was hat sie mit Weisheit zu tun? Und warum ist sie für uns wichtig?

      Wie sich Jehova demütig zeigt

      4, 5. (a) Was ist Demut, wie zeigt sie sich, und warum darf man sie niemals mit Schwäche oder Ängstlichkeit verwechseln? (b) Wie zeigte sich Jehova gegenüber David demütig, und wie wichtig ist Jehovas Demut für uns?

      4 Demut ist das Fehlen von Arroganz und Stolz. Sie gehört zu den inneren Qualitäten des Herzens und zeigt sich in Eigenschaften wie Milde, Geduld und Vernünftigkeit (Galater 5:22, 23). Allerdings dürfen diese göttlichen Eigenschaften niemals mit Schwäche oder Ängstlichkeit verwechselt werden. Sie sind auch nicht unvereinbar mit Jehovas gerechtem Zorn oder dem Einsatz seiner vernichtenden Macht. Jehova demonstriert durch seine Demut und Milde seine immense Stärke, ja seine Macht, sich vollkommen zu beherrschen (Jesaja 42:14). Wie steht Demut mit Weisheit in Verbindung? In einem biblischen Nachschlagewerk heißt es dazu: „Demut lässt sich letztendlich … als Selbstlosigkeit definieren und ist eine unabdingbare Grundlage aller Weisheit.“ Demut ist somit von echter Weisheit nicht wegzudenken. Wie kommt uns Jehovas Demut zugute?

      Ein weiser Vater verhält sich demütig und sanft

      5 König David sang in einem Lied für Jehova: „Du gibst mir deinen rettenden Schild, deine rechte Hand stützt mich und deine Demut macht mich groß“ (Psalm 18:35). Jehova beugte sich gewissermaßen zu diesem kleinen unvollkommenen Menschen hinunter, beschützte ihn Tag für Tag und stand ihm bei. David wusste ganz genau: Seine Rettung und seine eventuelle Größe als König hätte er allein der Bereitschaft Jehovas zu verdanken, eine solche Demut zu zeigen. Wer von uns hätte auch nur einen Funken Hoffnung auf Rettung, wäre Jehova nicht demütig, das heißt bereit sich herunterzubeugen, um uns ein sanfter und liebevoller Vater zu sein?

      6, 7. (a) Warum wird Jehova in der Bibel nie als bescheiden beschrieben? (b) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Milde und Weisheit, und wer gibt darin das beste Beispiel?

      6 Es ist an dieser Stelle erwähnenswert, dass zwischen Demut und Bescheidenheit ein Unterschied besteht. Bescheidenheit ist für gläubige Menschen eine erstrebenswerte, anziehende Eigenschaft. Genauso wie Demut hat sie mit Weisheit zu tun. In Sprüche 11:2 heißt es deshalb: „Bei den Bescheidenen ist Weisheit.“ Jehova wird in der Bibel jedoch nirgends als bescheiden beschrieben. Warum nicht? Das Wort Bescheidenheit wird in der Heiligen Schrift in dem Sinne gebraucht, dass man sich seiner Grenzen bewusst ist. Dem Allmächtigen sind aber keine Grenzen gesetzt – außer denen, die er sich wegen seiner gerechten Normen selbst auferlegt (Markus 10:27; Titus 1:2). Auch ist er als Höchster niemandem untergeben. Der Begriff Bescheidenheit lässt sich einfach nicht auf Jehova übertragen.

      7 Doch Jehova ist demütig und sanft. Er führt seinen Dienern vor Augen, dass echte Weisheit nicht ohne Sanftmut und Milde auskommt. In Gottes Wort ist von einer Milde die Rede, „die in der Weisheit wurzelt“ (Jakobus 3:13).b Sehen wir uns das am Beispiel Jehovas an.

      Jehova – ein Gott, der demütig delegiert und zuhört

      8-10. (a) Warum ist es erstaunlich, dass Jehova bereit ist zu delegieren und zuzuhören? (b) Wie zeigt Jehova im Umgang mit seinen Engeln Demut?

      8 Ein herzerfrischender Beweis für Jehovas Demut ist seine Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren und zuzuhören. Das ist an sich schon erstaunlich, denn Jehova ist ja nicht auf Hilfe oder Rat angewiesen (Jesaja 40:13, 14; Römer 11:34, 35). Dennoch lässt die Bibel wiederholt erkennen, dass er es nicht als unter seiner Würde betrachtet, so zu handeln.

      9 Wenden wir uns einem bedeutenden Vorfall im Leben Abrahams zu. Es kamen drei Besucher zu ihm, von denen er einen mit „Jehova“ anredete. Die Besucher waren in Wirklichkeit Engel, aber einer von ihnen kam direkt im Namen Jehovas und handelte in seinem Namen. Sobald dieser Engel agierte, war es praktisch Jehova, der redete und handelte. Jehova teilte Abraham auf diesem Weg mit, dass er einen großen „Aufschrei gegen Sodom und Gomorra“ gehört hatte. Er sagte: „Ich werde hinuntergehen und nachsehen, ob ihr Handeln tatsächlich dem Aufschrei entspricht, den ich gehört habe. Und wenn nicht, kann ich es herausfinden“ (1. Mose 18:3, 20, 21). Mit dieser Aussage meinte Jehova natürlich nicht, dass er persönlich „hinuntergehen“ wollte. Erneut sandte er Engel als seine Stellvertreter aus (1. Mose 19:1). Warum? Konnte Jehova, der alles sieht, nicht selbst herausfinden, wie es um diese Gegend stand? Selbst­verständlich. Aber in seiner Demut beauftragte er lieber diese Engel damit, die Lage zu erkunden und die Familie Lots in Sodom zu besuchen.

      10 Darüber hinaus hört Jehova auch zu. Einmal bat er seine Engel um Vorschläge, wie man den Untergang des bösen Königs Ahab bewirken könnte. Jehova hatte diese Hilfe nicht nötig. Doch er ging auf den Vorschlag eines Engels ein und beauftragte ihn mit der Ausführung (1. Könige 22:19-22). Was für eine Demut!

      11, 12. Woran erkannte Abraham die Demut Jehovas?

      11 Jehova ist sogar bereit zuzuhören, wenn unvollkommene Menschen ihre Bedenken äußern möchten. Als er Abraham von seiner Absicht unterrichtete, Sodom und Gomorra zu vernichten, verstand dieser treue Mann die Welt nicht mehr. „Es ist undenkbar, dass du so etwas tust“, sagte Abraham. „Wird der Richter der ganzen Erde nicht tun, was gerecht ist?“ Er fragte Jehova, ob er die Städte verschonen würde, wenn dort 50 Gerechte zu finden wären. Jehova sicherte ihm das zu. Doch Abraham fragte weiter und ging auf 45 herunter, dann auf 40 und noch weiter. Trotz der Zusicherungen Jehovas ließ Abraham nicht locker, bis er bei 10 angelangt war. Vielleicht begriff Abraham nicht völlig, wie barmherzig Jehova ist. Wie dem auch sei, geduldig und demütig ließ Jehova seinen Freund und Diener Abraham seine Bedenken äußern (1. Mose 18:23-33).

      12 Wie viele Gelehrte oder Genies würden wohl einem intellektuell weit unterlegenen Menschen so geduldig zuhören?c Hier sehen wir die Demut unseres Gottes! Im Verlauf derselben Unterhaltung erkannte Abraham auch, dass Jehova „nicht schnell zornig wird“ (2. Mose 34:6). Möglicherweise in dem Bewusstsein, dass er kein Recht hatte, das Tun des Höchsten infrage zu stellen, bat Abraham zweimal: „Jehova, werde bitte nicht zornig“ (1. Mose 18:30, 32). So weit kam es natürlich nicht. Denn Jehova besitzt wahrhaftig die „Milde …, die in der Weisheit wurzelt“.

      Jehova ist vernünftig

      13. Was bedeutet das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, und wieso beschreibt es Jehova treffend?

      13 Jehovas Demut zeigt sich noch in einer weiteren anziehenden Eigenschaft: Vernünftigkeit. Unter unvollkommenen Menschen ist sie leider ein seltenes Gut. Jehova ist nicht nur bereit, seinen vernunftbegabten Geschöpfen zuzuhören, sondern er ist auch gewillt nachzugeben, wenn das mit seinen gerechten Prinzipien zu vereinbaren ist. Das Wort „vernünftig“, wie es in der Bibel vorkommt, bedeutet wörtlich „nachgiebig“ oder „nachsichtig“. Auch diese Eigenschaft ist ein Merkmal der göttlichen Weisheit. In Jakobus 3:17 heißt es dazu: „Die Weisheit von oben aber ist … vernünftig.“ In welchem Sinne ist Jehova, der unendlich weise Gott, vernünftig? Da ist einmal seine Anpassungs­fähigkeit. Schon sein Name lässt erkennen, dass er zu dem wird, was immer notwendig ist, um sein Vorhaben zu verwirklichen (2. Mose 3:14). Zeugt das nicht von einer anpassungsfähigen, vernünftigen Grundhaltung?

      14, 15. Was erfahren wir durch Hesekiel über den himmlischen Teil der Organisation Jehovas, und worin besteht der Unterschied zu menschlichen Organisationen?

      14 Es gibt eine bemerkenswerte Bibelpassage, die uns in etwa eine Vorstellung von der Anpassungs­fähigkeit Jehovas vermittelt. Der Prophet Hesekiel erhielt eine Vision vom himmlischen Teil der Organisation Jehovas bestehend aus Geistgeschöpfen. Er sah einen Wagen von gewaltigen Ausmaßen, mit dem sich Jehova „fortbewegt“ und den er stets unter Kontrolle hat. Die Fortbewegung des Wagens war äußerst interessant. Jedes der gigantischen Räder zeigte in vier Richtungen und war voller Augen, sodass die Räder alles im Blick hatten und im Nu die Richtung wechseln konnten – ohne Stopp oder Wendemanöver. Auch schleppte sich dieser riesige Wagen nicht wie ein schwerfälliges, von Menschen konstruiertes Fahrzeug vorwärts. Er konnte sich blitzschnell fortbewegen und dabei sogar die Richtung um neunzig Grad ändern! (Hesekiel 1:1, 14-28). Ja, die Organisation Jehovas ist genau wie der allmächtige Souverän, der dahintersteht, außerordentlich anpassungsfähig; sie reagiert auf die ständig wechselnden Situationen und jeden aktuellen Bedarf.

      15 Menschen können diese perfekte Anpassungs­fähigkeit bestenfalls ansatzweise nachahmen. Nur allzu oft sind Menschen und ihre Organisationen eher starr als anpassungsfähig, eher unvernünftig als nachgiebig. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Supertanker oder einem Güterzug an. Beide sind von beeindruckender Größe und Kraft. Können sie sich aber auf plötzlich wechselnde Umstände einstellen? Wenn ein Güterzug auf ein Hindernis zurollt, kann er unmöglich ausweichen. Abrupt anzuhalten ist auch nicht viel leichter. Ein schwerer Güterzug kann einen Bremsweg von weit über einem Kilometer haben. Und ein Supertanker treibt nach dem Maschinenstopp noch gut acht Kilometer weiter. Selbst wenn man auf „Volle Kraft zurück!“ stellt, wird er sich noch bis zu drei Kilometer durch das Wasser schieben. Ähnlich verhält es sich mit den oft starren, unnachgiebigen menschlichen Organisationen. Häufig ist Stolz die Ursache dafür, dass man sich wechselnden Bedürfnissen und Umständen nicht anpasst. Eine solche Starrheit hat schon ganze Unternehmen in den Konkurs getrieben oder sogar Regierungen gestürzt (Sprüche 16:18). Wie froh können wir sein, dass Jehova und seine Organisation damit nichts gemeinsam haben!

      Wie Jehova Vernünftigkeit beweist

      16. Wie zeigte sich Jehova vor der Vernichtung Sodoms und Gomorras gegenüber Lot nachsichtig?

      16 Gehen wir noch einmal zur Vernichtung Sodoms und Gomorras zurück. Lot und seine Familie erhielten von Jehovas Engel die ausdrückliche Anweisung: „Rette dich ins Bergland!“ Doch das sagte Lot nicht zu. „Bitte nicht dorthin, Jehova!“, flehte er. Lot glaubte, die Flucht in die Berge wäre sein sicherer Tod, und bat deshalb für sich und seine Familie um Erlaubnis, in die nahe gelegene Stadt Zoar zu fliehen. Nun beabsichtigte Jehova aber, auch diese Stadt zu vernichten. Außerdem waren Lots Ängste nicht wirklich begründet. Jehova hätte ihn auf jeden Fall in den Bergen am Leben erhalten können. Trotzdem gab er dem Drängen Lots nach. „Ich nehme auch darin Rücksicht auf dich und werde die Stadt, von der du sprichst, nicht zerstören“, sagte der Engel zu Lot (1. Mose 19:17-22). War das nicht nachsichtig von Jehova?

      17, 18. Wieso lässt Jehovas Handlungsweise mit den Niniviten seine Vernünftigkeit erkennen?

      17 Jehova reagiert auch auf ehrliche Reue und handelt dabei immer barmherzig und richtig. Sehen wir uns an, was geschah, als der Prophet Jona in die Stadt Ninive geschickt wurde, wo Bosheit und Gewalt um sich griffen. Als Jona durch die Straßen von Ninive zog, verkündete er eine göttliche Botschaft, die schlicht und einfach lautete: Diese mächtige Stadt wird in vierzig Tagen vernichtet. Doch es kam zu einer aufsehenerregenden Wende. Die Niniviten bereuten! (Jona, Kapitel 3).

      18 Es ist aufschlussreich, zu vergleichen, wie Jehova und wie Jona auf diesen Umschwung reagierte. Jehova passte sich an und wurde zu einem Sündenvergeber statt zu einem „mächtigen Krieger“ (2. Mose 15:3).d Jona dagegen war geistig unbeweglich und weit weniger barmherzig. Statt Jehovas Vernünftigkeit nachzuahmen, reagierte er eher wie der erwähnte Güterzug oder der Supertanker. Der Untergang war angekündigt, also sollte er auch kommen! Geduldig erteilte Jehova seinem ungeduldigen Propheten eine einprägsame Lektion in Vernünftigkeit und Barmherzigkeit (Jona, Kapitel 4).

      Ein junger Bruder unterstützt einen älteren Bruder im Predigtdienst.

      Jehova ist vernünftig und hat Verständnis für unsere Grenzen

      19. (a) Weshalb können wir sicher sein, dass Jehova von uns nichts Unzumutbares erwartet? (b) Wieso kann man aus Sprüche 19:17 ableiten, dass Jehova ein „guter und vernünftiger“ Herr und zudem äußerst demütig ist?

      19 Vernünftig ist Jehova auch in seinen Erwartungen an uns. König David sagte: „Er kennt unsere Beschaffenheit nur zu gut, er denkt daran, dass wir Staub sind“ (Psalm 103:14). Jehova kennt unsere Grenzen und Schwächen besser als wir selbst. Er erwartet niemals mehr von uns, als wir tun können. In der Bibel finden wir eine Gegenüberstellung von „guten und vernünftigen“ menschlichen Herren und solchen, die „schwer zufrieden­zustellen sind“ (1. Petrus 2:18). Was für ein Herr ist Jehova? Bezeichnend ist die Aussage in Sprüche 19:17: „Wer zu den Schwachen gut ist, leiht Jehova.“ Ganz klar, nur ein guter und vernünftiger Herr würde von jeder Freundlichkeit, die man anderen erweist, Notiz nehmen. Und nicht nur das: Diese Textstelle lässt erkennen, dass sich der Schöpfer des Universums kleinen und unbedeutenden Menschen, die barmherzig handeln, sogar zu Dank verpflichtet fühlt. Das ist Demut im höchsten Grad.

      20. Welche Zusicherung haben wir, dass Jehova unsere Gebete hört und erhört?

      20 Mit seinen Dienern der heutigen Zeit geht Jehova genauso sanft und vernünftig um. Wenn wir glaubensvoll beten, hört er zu. Zwar schickt er keine Engelboten zu uns, die mit uns sprechen würden, aber daraus dürfen wir nicht schließen, unsere Gebete würden unbeantwortet bleiben. Als der Apostel Paulus im Gefängnis war, bat er seine Glaubensbrüder, für seine Freilassung zu beten. Der Grund? „Damit ich recht bald wieder bei euch sein kann“ (Hebräer 13:18, 19). Unsere Gebete können Jehova also tatsächlich zu etwas veranlassen, was er sonst nicht tun würde (Jakobus 5:16).

      21. Was dürfen wir keinesfalls aus Jehovas Demut folgern, und was sollten wir vielmehr an ihm schätzen?

      21 Das, was die Demut Jehovas kennzeichnet – seine Milde, seine Bereitschaft zuzuhören, seine Geduld und seine Vernünftigkeit –, bedeutet natürlich keinesfalls, dass Jehova von seinen gerechten Prinzipien abrücken würde. Geistliche der Christenheit halten es vielleicht für vernünftig, die Moralbegriffe Jehovas zu verwässern und ihren Schäfchen damit die Ohren zu kitzeln (2. Timotheus 4:3). Doch die menschliche Neigung, aus Eigennutz Zugeständnisse zu machen, hat mit göttlicher Vernünftigkeit nichts zu tun. Jehova ist heilig und wird seine gerechten Normen niemals verunreinigen (3. Mose 11:44). Muss Jehovas Vernünftigkeit nicht umso anziehender auf uns wirken, als sie ein Beweis seiner Demut ist? Begeistert es uns nicht, dass Jehova Gott, die weiseste Person im Universum, gleichzeitig zutiefst demütig ist? Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir uns diesem Ehrfurcht einflößenden und zugleich sanften, geduldigen und vernünftigen Gott nähern dürfen!

      a Die alten Schrift­gelehrten oder Sopherim änderten diesen Vers dahin gehend ab, dass sich Jeremia und nicht Jehova beugt. Sie hielten es offensichtlich für unpassend, Gott einen solchen Akt der Demut zuzuschreiben. Deshalb geht die Kernaussage dieses schönen Verses in vielen Übersetzungen verloren. Die New English Bible lässt Jeremia dagegen richtigerweise zu Gott sagen: „Gedenke, o gedenke, und beuge dich zu mir herunter.“

      b Andere Übersetzungen sprechen von der „Demut, die aus Weisheit erwächst“ oder der „Sanftmut, die aus der Weisheit fließt“.

      c Interessanter­weise werden in der Bibel Geduld und Überheblichkeit einander gegenüber­gestellt (Prediger 7:8). Jehovas Geduld ist ein weiterer Beweis für seine Demut (2. Petrus 3:9).

      d In Psalm 86:5 lesen wir, dass Jehova gut ist und gern vergibt. Im Griechischen wurde der Ausdruck „vergibt gern“ mit epieikḗs oder „vernünftig“ wiedergegeben.

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Mose 32:9-14 Wieso zeigte Jehova Demut durch seine Reaktion auf Moses’ Bitte für Israel?

      • Richter 6:36-40 Weshalb zeugte Jehovas Reaktion auf Gideons Wünsche von Geduld und Vernünftigkeit?

      • Psalm 113:1-9 Wie zeigt sich Jehova in seiner Handlungsweise mit der Menschheit demütig?

      • Lukas 1:46-55 Wie beurteilte Maria Jehovas Ansicht über einfache Menschen? Wie könnte sich seine Ansicht auf uns auswirken?

  • Jesus offenbart die „Weisheit von Gott“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus lehrt eine große Menschenmenge.

      KAPITEL 21

      Jesus offenbart die „Weisheit von Gott“

      1-3. Wie reagierten Jesu frühere Nachbarn auf seine Lehren, und was erkannten sie nicht?

      DIE Zuhörer glaubten ihren Ohren nicht zu trauen. Vor ihnen in der Synagoge stand dieser junge Mann – Jesus – und lehrte. Fremd war er ihnen nicht. Er war ja in ihrer Stadt aufgewachsen und hatte dort jahrelang als Zimmermann gearbeitet. Einige von ihnen wohnten möglicherweise in Häusern, an denen er gebaut hatte, oder bestellten ihr Land mit Pflügen und Jochen, die er selbst gefertigt hatte.a Wie aber würden sie wohl auf die Lehren des ehemaligen Zimmermanns reagieren?

      2 Die meisten Zuhörer waren verblüfft und fragten: „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“ Aber sie setzten auch gleich hinzu: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn von Maria?“ (Matthäus 13:54-58; Markus 6:1-3). Bedauerlicher­weise argumentierten Jesu frühere Nachbarn, dieser Zimmermann sei doch nur einer von ihnen. Trotz der Weisheit, die in seinen Worten mitschwang, lehnten sie ihn ab. Dass es nicht seine eigene Weisheit war, entging ihnen.

      3 Woher hatte Jesus denn seine Weisheit? Er sagte: „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7:16). Der Apostel Paulus erklärte, dass Jesus „für uns Weisheit von Gott geworden ist“ (1. Korinther 1:30). Jehova offenbarte seine eigene Weisheit durch seinen Sohn, Jesus, und zwar in einem Ausmaß, dass Jesus sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30). Wir wollen drei Bereiche untersuchen, in denen Jesus die „Weisheit von Gott“ erkennen ließ.

      Was er lehrte

      4. (a) Was stand im Mittelpunkt der Lehren Jesu, und warum war das hochbedeutsam? (b) Warum war Jesu Rat durchweg praktisch und zum Besten seiner Zuhörer?

      4 Nehmen wir uns als Erstes Jesu Lehren vor. In ihrem Mittelpunkt stand „die gute Botschaft von Gottes Königreich“ (Lukas 4:43). Das war hochbedeutsam, weil gerade durch das Königreich Jehovas Name geheiligt wird – und damit sein guter Ruf als gerechter Herrscher wiederher­gestellt wird – und die Menschheit zu dauerhaften Segnungen gelangt. Jesus gab beim Lehren auch weisen Rat für das tägliche Leben. Er erwies sich als der vorausgesagte „Wunderbare Ratgeber“ (Jesaja 9:6). Sein Rat konnte eigentlich nur wunderbar sein! Er hatte eine umfassende Erkenntnis des Wortes und des Willens Gottes, ein klares Verständnis der menschlichen Natur und eine tiefe Liebe zur Menschheit. Deshalb war sein Rat durchweg praktisch und zum Besten seiner Zuhörer. Jesus sprach „Worte des ewigen Lebens“. Auf ihn zu hören führt zur Rettung (Johannes 6:68).

      5. Welche Themen behandelte Jesus in der Bergpredigt unter anderem?

      5 Die in Matthäus 5:3 bis 7:27 aufgezeichnete Bergpredigt ist ein Paradebeispiel für die unvergleichliche Weisheit der Lehren Jesu. Die Ratschläge darin sind zeitlos, heute so aktuell wie damals. Jesus behandelte in dieser Predigt, die sich wahrscheinlich in nur zwanzig Minuten halten ließe, ein breites Themenspektrum: wie man die zwischen­menschlichen Beziehungen verbessern kann (5:23-26, 38-42; 7:1-5, 12), wie man moralisch rein bleibt (5:27-32) und wie man ein sinnvolles Leben führt (6:19-24; 7:24-27). Doch Jesus sagte seinen Zuhörern nicht nur, was weise ist, sondern verdeutlichte es durch Erklärungen, Argumente und Beweise.

      6-8. (a) Welche zwingenden Gründe führt Jesus dafür an, sich keine Sorgen zu machen? (b) Was zeigt, dass Jesu Rat die Weisheit von oben widerspiegelt?

      6 Greifen wir einmal Jesu weisen Rat heraus, wie man mit Geldsorgen umgehen kann, nachzulesen in Matthäus, Kapitel 6. „Hört auf, euch über euer Leben Sorgen zu machen, also was ihr essen oder trinken sollt, oder über euren Körper, also was ihr anziehen sollt“, rät uns Jesus (Vers 25). Nahrung und Kleidung sind Grundbedürfnisse, und es ist ganz normal, sich darüber Gedanken zu machen. Nach Jesu Worten sollten wir aber aufhören, uns deswegen Sorgen zu machen.b Warum?

      7 Hören wir uns Jesu überzeugende Argumentation an. Jehova hat uns das Leben und einen Körper gegeben. Kann er da nicht Nahrung beschaffen, um dieses Leben zu erhalten, und Kleidung, um diesen Körper zu bedecken? (Vers 25). Wenn Gott Vögel ernährt und Blumen mit Schönheit kleidet, wird er dann nicht erst recht für Menschen sorgen, die ihm dienen? (Vers 26, 28-30). Sich große Sorgen zu machen bringt ohnehin nichts. Dadurch können wir unser Leben kein bisschen verlängern (Vers 27).c Wie können wir Sorgen vertreiben? Jesus rät uns: Rück die Anbetung Gottes in deinem Leben immer an den ersten Platz. Wer das tut, kann darauf vertrauen, dass er alles, was er täglich braucht, von seinem himmlischen Vater „dazubekommen“ wird (Vers 33). Zum Schluss gibt Jesus eine äußerst praktische Anregung: Nimm einen Tag nach dem andern in Angriff. Warum sich die Sorgen von morgen schon heute aufladen? (Vers 34). Und überhaupt: Warum sich wegen etwas beunruhigen, was vielleicht nie eintritt? Diesen weisen Rat zu beherzigen kann uns in der heutigen stressgeplagten Welt viel Kummer ersparen.

      8 Der Rat Jesu ist heute eindeutig genauso praktikabel wie damals vor nahezu 2000 Jahren. Spricht daraus nicht die Weisheit von oben? Selbst die besten Tipps von menschlichen Ratgebern sind oft schon nach kurzer Zeit überholt und müssen revidiert werden. Die Lehren Jesu dagegen haben dem Zahn der Zeit standgehalten. Das braucht uns aber nicht zu überraschen, denn dieser „Wunderbare Ratgeber“ redete „die Worte Gottes“ (Johannes 3:34).

      Wie er lehrte

      9. Was sagten Soldaten einmal über Jesu Art zu lehren, und warum war das keine Übertreibung?

      9 Ein zweites Gebiet, auf dem Jesus die Weisheit Gottes widerspiegelte, war seine Art zu lehren. Einmal wurden Soldaten mit seiner Festnahme beauftragt. Doch sie kehrten unverrichteter Dinge zurück und sagten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet“ (Johannes 7:45, 46). Das war keine Übertreibung. Von allen Menschen, die je lebten, konnte Jesus, der „von oben“ stammte, auf den größten Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen (Johannes 8:23). So wie er konnte wahrhaftig kein anderer Mensch lehren. Untersuchen wir nur zwei Methoden dieses weisen Lehrers.

      „Da staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“

      10, 11. (a) Warum sind Jesu Veranschaulichungen einfach bewundernswert? (b) Was sind Gleichnisse, und welches Beispiel zeigt, warum Jesu Gleichnisse ein so wirkungsvolles Lehrmittel sind?

      10 Wirkungsvolle Veranschaulichungen. „All das teilte Jesus den Leuten in Bildern mit. Ja, er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden“, heißt es (Matthäus 13:34). Seine einzigartige Fähigkeit, tiefe Wahrheiten durch Szenen aus dem Alltag zu vermitteln, ist einfach bewundernswert. Landwirte, die Samen ausstreuen; Frauen, die Brotteig kneten; Kinder, die auf dem Marktplatz spielen; Fischer, die ihre Netze einholen; Hirten, die nach verlorenen Schafen suchen – das waren für seine Zuhörer gewohnte Anblicke. Wenn wichtige Wahrheiten mit etwas Vertrautem verknüpft werden, graben sie sich schnell und tief in Sinn und Herz ein (Matthäus 11:16-19; 13:3-8, 33, 47-50; 18:12-14).

      11 Jesus erzählte oft Gleichnisse – kleine Geschichten, die moralisch wertvolle, glaubens­stärkende Wahrheiten vermittelten. Da Erzählungen leichter zu begreifen und zu behalten sind als abstrakte Ideen, trugen die Gleichnisse dazu bei, dass Jesu Lehren bewahrt blieben. In vielen Gleichnissen beschrieb Jesus seinen Vater mit anschaulichen Wortbildern, die nicht so leicht in Vergessenheit gerieten. Ist beispielsweise die Kernaussage des Gleichnisses vom verlorenen Sohn nicht klar und deutlich? Jehova bringt jemandem, der auf Abwege geraten ist, dann aber ehrlich bereut, Mitgefühl entgegen und nimmt ihn herzlich auf (Lukas 15:11-32).

      12. (a) Wie setzte Jesus beim Lehren Fragen ein? (b) Wie ließ Jesus die Zweifel an seiner Befugnis verstummen?

      12 Geschickte Fragen. Durch Fragen erreichte Jesus, dass seine Zuhörer selbst Schlüsse zogen, ihre Beweggründe überprüften oder Entscheidungen trafen (Matthäus 12:24-30; 17:24-27; 22:41-46). Als die geistlichen Führer seine göttliche Befugnis anzweifelten, stellte er die Gegenfrage: „War die Taufe, die Johannes durchführte, vom Himmel oder von Menschen?“ Durch diese Frage wie vor den Kopf geschlagen, überlegten sie unter sich: „Wenn wir sagen: ‚Vom Himmel‘, wird er uns fragen: ‚Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‘ Und wenn wir sagen: ‚Von Menschen‘, haben wir die Leute gegen uns, denn sie alle halten Johannes für einen Propheten.“ Schließlich antworteten sie: „Wir wissen es nicht“ (Markus 11:27-33; Matthäus 21:23-27). Mit einer einfachen Frage bewirkte Jesus, dass es ihnen die Sprache verschlug und ihre verräterischen Absichten zum Vorschein kamen.

      13-15. Wie zeigt sich Jesu Weisheit am Gleichnis vom barmherzigen Samariter?

      13 Bisweilen kombinierte Jesus die beiden Methoden und flocht in seine Erzählungen nachdenklich stimmende Fragen ein. Als er von einem jüdischen Gesetzesexperten nach den Voraussetzungen für ewiges Leben gefragt wurde, verwies Jesus auf das mosaische Gesetz, das die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen gebietet. In der Absicht, sich als gerecht hinzustellen, fragte der Mann nun: „Wer ist denn eigentlich mein Mitmensch?“ Jesus antwortete ihm mit einer Geschichte. Ein gewisser Jude war allein unterwegs, als er von Räubern überfallen und halb tot liegen gelassen wurde. Es kamen zwei Juden des Weges – zuerst ein Priester und dann ein Levit. Beide gingen achtlos an ihm vorüber. Aber dann trat ein Samariter auf den Schauplatz. Von Mitleid gerührt, verband er ihm behutsam die Wunden und brachte ihn zu einer Herberge, wo er gut aufgehoben war und sich erholen konnte. Als Jesus mit Erzählen fertig war, wollte er von dem Fragesteller wissen: „Wer von den drei hat sich deiner Meinung nach für den Überfallenen als Mitmensch erwiesen?“ Dem Mann blieb nichts anderes übrig, als zu erwidern: „Der, der ihn barmherzig behandelt hat“ (Lukas 10:25-37).

      14 Wie tritt in diesem Gleichnis die Weisheit Jesu zutage? Zur Zeit Jesu galt den Juden nur der als „Mitmensch“, der sich an ihre Überlieferungen hielt – und ganz gewiss kein Samariter (Johannes 4:9). Jesus hätte die Geschichte auch so erzählen können, dass ein Samariter das Opfer und ein Jude der Helfer gewesen wäre. Hätte er damit aber Vorurteile abgebaut? In weiser Absicht ließ er einen Samariter liebevoll für einen Juden sorgen. Doch nun zurück zu der Frage, die Jesus am Ende seiner Erzählung stellte. Er rückte den Ausdruck „Mitmensch“ in den Brennpunkt. Der Gesetzesexperte wollte eigentlich wissen: „Wem sollte meine Nächstenliebe gelten?“ Aber Jesus fragte: „Wer von den drei hat sich deiner Meinung nach für den Überfallenen als Mitmensch erwiesen?“ Jesus stellte nicht den Empfänger der gütigen Tat in den Vordergrund, sondern den Geber, den Samariter. Wer ein guter Mitmensch sein will, ergreift die Initiative und begegnet anderen – ungeachtet ihrer Herkunft – mit Liebe. Deutlicher hätte es Jesus kaum auf den Punkt bringen können.

      15 Ist es da ein Wunder, dass die Leute über Jesu „Art zu lehren“ staunten und sich zu ihm hingezogen fühlten? (Matthäus 7:28, 29). Einmal blieb „eine große Menschenmenge“, obwohl sie nichts zu essen dabeihatte, drei Tage lang bei ihm (Markus 8:1, 2).

      Wie er lebte

      16. Wie bewies Jesus „in der Praxis“, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten ließ?

      16 Als Drittes spiegelte Jesus die Weisheit Jehovas durch seine Lebensweise wider. Weisheit bewährt sich in der Praxis. „Wer unter euch ist weise?“, fragte der Jünger Jakobus. Die Antwort gab er selbst: „Er beweise es in der Praxis durch seinen rechten Lebenswandel“ (Jakobus 3:13, The New English Bible). Jesu Lebenswandel bewies „in der Praxis“, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten ließ. Durch seine Lebensweise und im Umgang mit anderen zeigte er, dass er vernünftig und ausgeglichen war.

      17. Was deutet darauf hin, dass Jesus vollkommen ausgeglichen war?

      17 Bei Menschen, denen es an Klarblick fehlt, kann man oft beobachten, dass sie zu Extremen neigen. Ausgeglichen zu sein setzt Weisheit voraus. Jesus, der die göttliche Weisheit widerspiegelte, war vollkommen ausgeglichen. Alles, was mit dem Glauben zusammenhing, stand in seinem Leben an erster Stelle. Intensiv widmete er sich dem Verkündigen der guten Botschaft. „Dazu bin ich gekommen“, sagte er (Markus 1:38). Wie nicht anders zu erwarten, legte er auf materielle Güter keinen großen Wert; anscheinend besaß er sehr wenig (Matthäus 8:20). Doch er war kein Asket. Wie sein Vater, der „glückliche Gott“, hatte Jesus eine fröhliche Wesensart und das übertrug sich auch auf andere (1. Timotheus 1:11; 6:15). Auf einer Hochzeitsfeier, die er besuchte – ein Anlass, bei dem man musizierte, sang und sich freute –, saß er nicht mürrisch da. Als der Wein ausging, verwandelte er Wasser in einen vortrefflichen Wein, „der das Herz des Menschen erfreut“ (Psalm 104:15; Johannes 2:1-11). Jesus nahm viele Einladungen zum Essen an und nutzte solche Gelegenheiten oft zum Lehren (Lukas 10:38-42; 14:1-6).

      18. Wie bewies Jesus Scharfblick im Umgang mit seinen Jüngern?

      18 Scharfblick bewies Jesus auch im Umgang mit anderen. Durch seine Menschenkenntnis hatte er ein klares Bild von seinen Jüngern. Er wusste genau, dass sie nicht vollkommen waren. Doch worauf er achtete, waren ihre guten Eigenschaften. Er erkannte das Potenzial dieser Männer, die Jehova zu sich gezogen hatte (Johannes 6:44). Jesus war gewillt, ihnen trotz ihrer Schwächen zu vertrauen. In diesem Vertrauen übertrug er seinen Jüngern eine große Verantwortung. Er beauftragte sie, die gute Botschaft zu predigen, und traute ihnen das auch zu (Matthäus 28:19, 20). Wie die Apostel­geschichte bezeugt, führten sie treu das Werk aus, das er ihnen geboten hatte (Apostel­geschichte 2:41, 42; 4:33; 5:27-32). Ja, es war weise von Jesus, ihnen zu vertrauen.

      19. Woran kann man erkennen, dass Jesus „ein mildes Wesen“ hatte und „von Herzen demütig“ war?

      19 Wie in Kapitel 20 erörtert, bringt die Bibel Demut und Milde mit Weisheit in Zusammenhang. Jehova gibt darin selbst­verständlich das beste Beispiel. Und Jesus? Es ist bewegend, zu sehen, wie demütig sich Jesus gegenüber seinen Jüngern verhielt. Als vollkommener Mensch war er ihnen überlegen. Doch er blickte nicht auf sie herab. Nie gab er ihnen das Gefühl, minderwertig oder unfähig zu sein. Im Gegenteil, er nahm auf ihre Grenzen Rücksicht und ertrug geduldig ihre Schwächen (Markus 14:34-38; Johannes 16:12). Sagt es nicht viel über Jesus aus, dass sich sogar Kinder bei ihm wohlfühlten? Bestimmt fühlten sie sich zu ihm hingezogen, weil er „ein mildes Wesen“ hatte und „von Herzen demütig“ war (Matthäus 11:29; Markus 10:13-16).

      20. Wie zeigte sich Jesus gegenüber einer Nichtjüdin vernünftig, die eine dämonisierte Tochter hatte?

      20 Jesus bewies noch in einem anderen wichtigen Punkt gottgefällige Demut. Er war vernünftig oder nachgiebig, wenn die Barmherzigkeit es verlangte. Einmal wurde er von einer Nichtjüdin gebeten, ihre stark dämonisierte Tochter zu heilen. Jesus gab ihr auf dreierlei Weise zu verstehen, dass er ihr nicht helfen würde: Zuerst antwortete er ihr nicht; als Nächstes erklärte er rundheraus, dass er zu den Juden gesandt worden war, nicht zu den anderen Völkern; und dann unterstrich er das Ganze noch durch einen freundlich gemeinten Vergleich. Doch die Frau war beharrlich und ließ dadurch einen außergewöhnlichen Glauben erkennen. Wie reagierte Jesus in dieser Ausnahmesituation? Entgegen dem, was er angedeutet hatte, heilte er die Tochter dieser Frau (Matthäus 15:21-28). Damit bewies er bemerkenswerte Demut – eine Demut, wie sie echter Weisheit zugrunde liegt.

      21. Warum sollten wir uns bemühen, Jesu Persönlichkeit und seine Rede- und Handlungsweise nachzuahmen?

      21 Wie dankbar können wir sein, dass uns die Evangelien die Worte und Taten des weisesten Menschen enthüllen, der je lebte! Dabei wollen wir im Sinn behalten, dass Jesus das perfekte Spiegelbild seines Vaters war. Wenn wir seine Persönlichkeit und seine Rede- und Handlungsweise nachahmen, eignen wir uns die Weisheit von oben an. Wie wir diese göttliche Weisheit in unserem Leben praktizieren können, erfahren wir als Nächstes.

      a In biblischen Zeiten bauten Zimmerleute Häuser und fertigten Möbel und Ackerbaugeräte. Justinus der Märtyrer schrieb im 2. Jahrhundert u. Z. über Jesus: „Er stellte nämlich, als er unter den Menschen weilte, Zimmermannsarbeiten her, Pflüge und Joche.“

      b Das griechische Verb, das mit „sich Sorgen machen“ wiedergegeben ist, bedeutet auch „sich ablenken lassen“. In Matthäus 6:25 bezeichnet es eine bange Sorge, die die Gedanken ablenkt oder spaltet und damit dem Leben die Freude raubt.

      c Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Stress und übertriebene Sorge Herzkrankheiten und eine Vielzahl anderer lebensbedrohlicher Leiden begünstigen.

      Fragen zum Nachdenken

      • Sprüche 8:22-31 Weshalb passt die Beschreibung der Weisheit zu dem, was die Bibel über Jehovas erstgeborenen Sohn sagt?

      • Matthäus 13:10-15 Wieso brachten Jesu Gleichnisse zum Vorschein, wie es im Herzen seiner Zuhörer aussah?

      • Johannes 1:9-18 Warum war Jesus in der Lage, die Weisheit Gottes zu offenbaren?

      • Johannes 13:2-5, 12-17 Wie erteilte Jesus Anschauungs­unterricht, und was lehrte er seine Apostel dadurch?

  • Zeigt sich „die Weisheit von oben“ in deinem Leben?
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Schwester studiert die Bibel und biblische Veröffentlichungen.

      KAPITEL 22

      Zeigt sich „die Weisheit von oben“ in deinem Leben?

      1-3. (a) Wie bewies Salomo bei einem Streit um die Mutterschaft außergewöhnliche Weisheit? (b) Was sichert uns Jehova zu, und welche Fragen ergeben sich daraus?

      DIE Rechtslage war kompliziert – zwei Frauen stritten um ein Baby. Sie wohnten unter einem Dach und hatten beide im Abstand von wenigen Tagen einen Sohn zur Welt gebracht. Der eine Sohn war gestorben, und nun behaupteten beide, die Mutter des lebenden Babys zu sein.a Zeugen gab es keine. Wahrscheinlich war der Fall von einer niedrigeren Instanz angehört worden, ohne dass man zu einem Ergebnis gelangt war. Schließlich trug man die Angelegenheit Salomo vor, dem König von Israel. Ob er wohl die Wahrheit herausfinden würde?

      2 Nachdem Salomo den zankenden Frauen eine Weile zugehört hatte, ließ er ein Schwert holen. Er schien es ernst zu meinen, als er befahl, das Kind in zwei Stücke zu teilen und jeder Frau eine Hälfte zu geben. Sofort flehte die richtige Mutter den König an, das Baby – ihr geliebtes Kind – der anderen Frau zu überlassen. Die aber bestand darauf, das Kind in zwei Stücke zu teilen. Jetzt war Salomo alles klar. Er hatte eine Vorstellung davon, wie eine Mutter für das Kind empfindet, das sie unter dem Herzen getragen hat, und nutzte dieses Wissen, um den Streit zu schlichten. Wie erleichtert die Mutter gewesen sein muss, als Salomo ihr das Baby zuerkannte und sagte: „Sie ist seine Mutter“ (1. Könige 3:16-27).

      3 Zeugt das nicht von außergewöhnlicher Weisheit? Als das Volk hörte, wie Salomo den Fall gelöst hatte, staunte es nur so, „denn es sah, dass Gott ihm Weisheit gegeben hatte“. Ja, die Weisheit Salomos war ein Geschenk Gottes. Jehova hatte ihm „ein weises und verständiges Herz“ gegeben (1. Könige 3:12, 28). Und wir? Können auch wir göttliche Weisheit erhalten? Ganz sicher, denn Salomo schrieb unter Inspiration: „Es ist Jehova, der Weisheit gibt“ (Sprüche 2:6). Denen, die ernstlich danach suchen, sichert Jehova Weisheit zu – die Fähigkeit, Wissen, Verständnis und Urteilsvermögen richtig umzusetzen. Wie gelangen wir zu dieser Weisheit von oben? Und wie können wir weise handeln?

      Weisheit erwerben – wie?

      4-7. Welche vier Erfordernisse gehören dazu, Weisheit zu erwerben?

      4 Müssen wir hochintelligent oder sehr gebildet sein, um göttliche Weisheit zu erhalten? Nein. Jehova lässt uns gern an seiner Weisheit teilhaben, ganz ungeachtet unserer Herkunft und Bildung (1. Korinther 1:26-29). Aber es liegt an uns, die Initiative zu ergreifen, denn die Bibel fordert uns auf, Weisheit zu erwerben (Sprüche 4:7). Was ist dazu nötig?

      5 Als Erstes ist es für uns wichtig, Ehrfurcht vor Gott zu haben. In Sprüche 9:10 lesen wir: „Die Ehrfurcht vor Jehova ist der Anfang der Weisheit [„der erste Schritt zur Weisheit“, The New English Bible].“ Gottesfurcht ist die Grundlage wahrer Weisheit. Warum? Wir erinnern uns, dass Weisheit einschließt, Wissen oder Erkenntnis erfolgreich umzusetzen. Ehrfurcht vor Gott zu haben bedeutet nicht, sich ängstlich vor ihm zu ducken, sondern sich respektvoll, vertrauensvoll und voller Bewunderung vor ihm niederzubeugen. Diese Haltung ist gut für uns und motiviert uns, das Richtige zu tun. Sie veranlasst uns, entsprechend unserer Erkenntnis des Willens und der Wege Gottes zu leben. Einen weiseren Kurs könnten wir nicht einschlagen, denn Jehovas Maßstäbe wirken sich für alle, die sich daran halten, stets zum Guten aus.

      6 Zweitens werden Demut und Bescheidenheit von uns verlangt. Diese Eigenschaften sind von göttlicher Weisheit nicht wegzudenken (Sprüche 11:2). Wieso? Wenn wir demütig und bescheiden sind, werden wir ohne Weiteres zugeben, dass wir nicht auf alles eine Antwort wissen, dass unsere Ansichten nicht immer richtig sind und dass Jehovas Standpunkt für uns ausschlaggebend sein sollte. Jehova „stellt sich den Überheblichen entgegen“, aber wer ein demütiges Herz hat, dem gibt er gern Weisheit (Jakobus 4:6).

      7 Ein drittes Erfordernis ist, Gottes Wort zu studieren. Darin offenbart Jehova nämlich seine Weisheit. Wollen wir sie erwerben, müssen wir danach graben (Sprüche 2:1-5). Als Viertes wäre das Gebet zu erwähnen. Wenn wir Gott aufrichtig um Weisheit bitten, schenkt er sie uns großzügig (Jakobus 1:5). Unsere Bitten um die Hilfe seines Geistes verhallen nicht ungehört. Durch seinen Geist kann Gott uns auf Kostbarkeiten in seinem Wort stoßen, die uns helfen, Probleme zu lösen, Gefahren zu meiden und weise Entscheidungen zu treffen (Lukas 11:13).

      Göttliche Weisheit ist etwas, wonach man angestrengt graben muss

      8. Woran ist zu erkennen, ob wir wirklich göttliche Weisheit erworben haben?

      8 In Kapitel 17 war schon davon die Rede, dass Jehovas Weisheit auf die Praxis ausgerichtet ist. Wenn wir also göttliche Weisheit erworben haben, wird das an unserem Verhalten zu erkennen sein. Der Jünger Jakobus beschrieb die göttliche Weisheit wie folgt: „Die Weisheit von oben … ist vor allem rein, dann friedlich, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Taten, unparteiisch, nicht heuchlerisch“ (Jakobus 3:17). Während wir diese Merkmale der göttlichen Weisheit durchgehen, könnten wir uns jedes Mal fragen: Zeigt sich die Weisheit von oben in meinem Leben?

      „Rein, dann friedlich“

      9. Was bedeutet es, rein zu sein, und warum ist es passend, dass die Reinheit als erstes Merkmal der Weisheit aufgeführt wird?

      9 „Vor allem rein“. Moralische Reinheit zeigt sich nicht nur im Verhalten, sondern auch im Denken. Die Bibel bringt Weisheit mit dem Herzen in Verbindung. In ein Herz, das von schlechten Gedanken, Wünschen und Beweggründen verunreinigt ist, findet die himmlische Weisheit keinen Eingang (Sprüche 2:10; Matthäus 15:19, 20). Ist unser Herz dagegen rein – soweit es unvollkommenen Menschen möglich ist –, werden wir uns vom Schlechten abwenden und Gutes tun (Psalm 37:27; Sprüche 3:7). Passt es da nicht gut, dass die Reinheit als erstes Merkmal der Weisheit aufgeführt wird? Wie könnten wir sonst die anderen Merkmale der Weisheit von oben widerspiegeln?

      10, 11. (a) Warum ist es wichtig, friedlich zu sein? (b) Wie kann man sich als Friedensstifter erweisen, wenn man glaubt, einen Glaubensbruder gekränkt zu haben? (Siehe auch Fußnote.)

      10 „Dann friedlich“. Die himmlische Weisheit veranlasst uns, den Frieden zu suchen, den der Geist Gottes hervorbringt (Galater 5:22). Wir bemühen uns, das „Band des Friedens“, das Jehovas Volk verbindet, nicht zu zerreißen (Epheser 4:3). Ist der Frieden gestört, tun wir unser Bestes ihn wiederher­zu­stellen. Warum ist das so wichtig? Die Bibel sagt: „Lebt in Frieden, dann wird der Gott der Liebe und des Friedens bei euch sein“ (2. Korinther 13:11). Solange wir friedlich leben, wird also der Gott des Friedens bei uns sein. Unser Verhalten gegenüber unseren Glaubensbrüdern hat einen direkten Einfluss auf unsere Beziehung zu Jehova. Wie können wir uns als Friedensstifter erweisen? Sehen wir uns hierzu ein Beispiel an.

      11 Was ist zu tun, wenn man das Gefühl hat, einen Glaubensbruder gekränkt zu haben? Jesus sagte: „Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe“ (Matthäus 5:23, 24). Dieser Rat verlangt von uns, die Initiative zu ergreifen und zu dem anderen hinzugehen. Was ist das Ziel dabei? Versöhnung.b Dazu muss man ihm seine verletzten Gefühle wahrscheinlich zugestehen und darf sie nicht vom Tisch wischen. Wenn man in der Absicht auf ihn zugeht, den Frieden wiederher­zu­stellen, und dieses Ziel auch nicht aus den Augen verliert, werden sich irgendwelche Missverständnisse wahrscheinlich klären, man wird sich wenn nötig entschuldigen und einander verzeihen. Wer sein Möglichstes tut, Frieden zu schließen, zeigt, dass er sich von göttlicher Weisheit leiten lässt.

      „Vernünftig, zum Gehorchen bereit“

      12, 13. (a) Was bedeutet das Wort, das in Jakobus 3:17 mit „vernünftig“ wiedergegeben wird? (b) Wie können wir zeigen, dass wir vernünftig sind?

      12 „Vernünftig“. Was ist damit gemeint, vernünftig zu sein? Gelehrte finden das griechische Wort, das in Jakobus 3:17 mit „vernünftig“ wiedergegeben wird, schwer zu übersetzen. Es enthält den Gedanken von „nachgiebig“ und „nachsichtig“. Bibelübersetzer haben an dieser Stelle auch Ausdrücke wie „milde“ oder „freundlich“ gebraucht. Wie können wir zeigen, dass dieses Merkmal der Weisheit von oben in uns wirksam ist?

      13 „Eure Vernünftigkeit soll allen Menschen bekannt werden“, heißt es in Philipper 4:5. Eine andere Übersetzung lautet: „Steht in dem Ruf, vernünftig zu sein“ (The New Testament in Modern English, J. B. Phillips). Es geht also nicht so sehr darum, wie wir uns sehen, sondern darum, wie andere uns sehen oder wofür wir bekannt sind. Ein vernünftiger Mensch pocht nicht auf den Buchstaben des Gesetzes und muss nicht unbedingt seinen Willen durchsetzen. Er ist bereit, anderen zuzuhören und nach Möglichkeit auf ihre Wünsche einzugehen. Auch benimmt er sich freundlich und nicht grob oder barsch. Wenn das für alle Christen gilt, dann erst recht für Älteste. Freundlichkeit ist anziehend und macht Älteste zugänglich (1. Thessalonicher 2:7, 8). Doch wir alle tun gut daran, uns zu fragen: Stehe ich in dem Ruf, mild, nachgiebig und freundlich zu sein?

      14. Wie können wir beweisen, dass wir „zum Gehorchen bereit“ sind?

      14 „Zum Gehorchen bereit“. Das griechische Wort für „zum Gehorchen bereit“ kommt nirgendwo sonst in den Christlichen Griechischen Schriften vor. Einem Gelehrten zufolge wird dieser Ausdruck „oft für militärische Disziplin gebraucht“. Er vermittelt den Gedanken „leicht zu überzeugen“ und „fügsam“ zu sein. Wer sich nach der Weisheit von oben ausrichtet, fügt sich bereitwillig dem, was die Bibel sagt. Er gilt nicht als jemand, der für keinerlei Gegenargumente offen ist, nachdem er eine Entscheidung getroffen hat. Vielmehr wird er sich ohne Weiteres revidieren, wenn ihm anhand der Bibel klar dargelegt wird, dass er einen verkehrten Standpunkt eingenommen oder irrige Schluss­folgerungen gezogen hat. Stehst du in diesem Ruf?

      „Voller Barmherzigkeit und guter Taten“

      15. Was ist Barmherzigkeit, und warum ist es passend, dass in Jakobus 3:17 „Barmherzigkeit“ und „gute Taten“ als etwas Zusammengehöriges erwähnt werden?

      15 „Voller Barmherzigkeit und guter Taten“. Barmherzigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Weisheit von oben, denn es heißt von ihr, sie sei „voller Barmherzigkeit“. Interessanter­weise werden „Barmherzigkeit“ und „gute Taten“ als etwas Zusammengehöriges erwähnt. Das ist auch passend, denn in der Bibel bezeichnet Barmherzigkeit meistens ein aktives Interesse an anderen, ein Mitgefühl, das sich in vielen guten Taten zeigt. Ein Nachschlagewerk definiert Barmherzigkeit als „ein Gefühl der Betrübnis über die schlimme Lage eines anderen und das Bemühen, etwas dagegen zu unternehmen“. Die göttliche Weisheit ist also nicht nüchtern oder kalt und wird auch nicht rein vom Intellekt bestimmt. Nein, sie ist warm, empfindsam und hat Herz. Wie können wir zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind?

      16, 17. (a) Was außer der Liebe zu Gott motiviert uns zu predigen, und warum? (b) Wie können wir zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind?

      16 Ein wichtiger Punkt ist sicher das Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich. Mit welcher Motivation beteiligen wir uns daran? Hauptsächlich aus Liebe zu Gott. Aber auch die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl mit anderen drängt uns dazu (Matthäus 22:37-39). Heutzutage sind viele „wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9:36). Sie werden von falschen religiösen Hirten vernachlässigt und in geistiger Finsternis gehalten. Von der weisen Anleitung im Wort Gottes wissen sie nichts, genauso wenig wie von den Segnungen, die Gottes Königreich in Kurzem der Erde bringen wird. Wenn wir daher über die geistige Unterversorgung der Menschen um uns herum nachdenken, motiviert uns ein von Herzen kommendes Mitgefühl, ihnen nach besten Kräften den liebevollen Vorsatz Jehovas näherzubringen.

      Ein Ehepaar und seine zwei Kinder kommen mit Lebensmitteln und einem Werkzeugkoffer zu einer älteren Schwester.

      Anderen Barmherzigkeit oder Mitgefühl entgegen­zu­bringen ist ein Ausdruck der „Weisheit von oben“

      17 Wie können wir noch zeigen, dass wir voller Barmherzigkeit sind? Denken wir an Jesu Gleichnis von dem Samariter zurück, der am Wegrand einen ausgeraubten, übel zugerichteten Reisenden entdeckte. Aus Mitleid behandelte er ihn barmherzig, verband dem Verletzten die Wunden und kümmerte sich um ihn (Lukas 10:29-37). Wird daran nicht deutlich, dass Barmherzigkeit praktische Hilfe für Notleidende einschließt? Die Bibel hält uns dazu an, „allen Gutes [zu] tun, besonders denen, die im Glauben mit uns verwandt sind“ (Galater 6:10). Sehen wir uns dazu einige Möglichkeiten an. Ein älterer Glaubensbruder benötigt vielleicht Hilfe, um zu den christlichen Zusammenkünften und wieder nach Hause zu kommen. Eine Witwe aus der Versammlung kann bei Reparaturen in der Wohnung tatkräftige Unterstützung gebrauchen (Jakobus 1:27). Jemand, der bedrückt ist, sehnt sich nach einem „guten Wort“, das ihn aufheitert (Sprüche 12:25). Hier können wir Barmherzigkeit üben und die Weisheit von oben zum Vorschein bringen.

      „Unparteiisch, nicht heuchlerisch“

      18. Wogegen werden wir ankämpfen, wenn wir uns von der göttlichen Weisheit leiten lassen, und weshalb?

      18 „Unparteiisch“. Die göttliche Weisheit überwindet Rassismus und Nationalstolz. Wenn wir uns von dieser Weisheit leiten lassen, werden wir jeden Hang zur Parteilichkeit in uns rigoros bekämpfen (Jakobus 2:9). Wir werden andere nicht wegen ihrer Bildung, finanziellen Situation oder Verantwortung in der Versammlung bevorzugt behandeln und auch nicht auf irgendeinen unserer Glaubensbrüder herabblicken, sei er noch so unscheinbar. Wenn Jehova ihm seine Liebe geschenkt hat, sollten wir ihn bestimmt auch unserer Liebe für würdig erachten.

      19, 20. (a) Welchen Hintergrund hat das griechische Wort für „Heuchler“? (b) Wie beweisen wir „ungeheuchelte brüderliche Zuneigung“, und warum ist das so wichtig?

      19 „Nicht heuchlerisch“. Das griechische Wort für „Heuchler“ kann sich auf einen „Schauspieler, der eine Rolle verkörpert“, beziehen. Bei den alten Griechen und Römern trugen die Schauspieler auf der Bühne große Masken. Daher bezeichnete das griechische Wort für „Heuchler“ mit der Zeit auch jemand, der ein falsches Spiel trieb oder sich verstellte. Das hier beschriebene Merkmal der göttlichen Weisheit sollte sich nicht nur darauf auswirken, wie wir unsere Glaubensbrüder behandeln, sondern auch darauf, wie wir für sie empfinden.

      20 Der Apostel Petrus schrieb, unser „Gehorsam gegenüber der Wahrheit“ solle „ungeheuchelte brüderliche Zuneigung“ mit sich bringen (1. Petrus 1:22). Ja, die Zuneigung zu unseren Brüdern darf nichts Aufgesetztes sein. Wir tragen keine Masken und spielen ihnen nichts vor; schließlich wollen wir andere nicht täuschen. Unsere Zuneigung muss echt sein, muss von Herzen kommen. Dadurch gewinnen wir das Vertrauen unserer Glaubensbrüder, denn sie wissen, dass wir ihnen nichts vormachen. Eine solche Aufrichtigkeit fördert offene und ehrliche Freundschaften und trägt in der Versammlung zu einem Klima des Vertrauens bei.

      „Bewahre praktische Weisheit“

      21, 22. (a) Wie kam es, dass Salomo die Weisheit nicht bewahrte? (b) Wie können wir die Weisheit bewahren, und was trägt uns das ein?

      21 Göttliche Weisheit ist ein Geschenk Jehovas, das wir behüten sollten. Salomo sagte: „Mein Sohn … Bewahre praktische Weisheit und Denkfähigkeit“ (Sprüche 3:21). Er selbst versäumte das leider. Solange Salomo sich ein gehorsames Herz bewahrte, blieb er weise. Doch seine vielen ausländischen Frauen zogen sein Herz mit der Zeit von der reinen Anbetung Jehovas weg (1. Könige 11:1-8). An Salomo wird deutlich, dass Wissen nur dann etwas nützt, wenn man richtigen Gebrauch davon macht.

      22 Wie können wir praktische Weisheit bewahren? Nicht nur dadurch, dass wir die Bibel und die biblischen Veröffentlichungen des „treuen und verständigen Sklaven“ regelmäßig lesen, sondern wir müssen das Gelernte auch ausleben (Matthäus 24:45). Wir haben allen Grund, die göttliche Weisheit in die Praxis umzusetzen. Das bedeutet für uns heute schon ein besseres Leben. Und wir können „das wirkliche Leben fest ergreifen“ – das Leben in Gottes neuer Welt (1. Timotheus 6:19). Doch was am wichtigsten ist: Die Weisheit von oben zu entwickeln bringt uns der Quelle aller Weisheit näher – Jehova Gott.

      a Laut 1. Könige 3:16 waren beide Frauen Prostituierte. In dem Werk Einsichten über die Heilige Schrift (herausgegeben von Jehovas Zeugen) heißt es dazu: „Die betreffenden Frauen mögen nicht in dem Sinne Prostituierte gewesen sein, dass sie gewerbsmäßig der Prostitution nachgegangen waren, sondern in dem Sinne, dass sie Hurerei getrieben hatten; es können Jüdinnen gewesen sein oder, was noch wahrscheinlicher ist, Frauen ausländischer Herkunft.“

      b Der griechische Ausdruck, der mit „sich versöhnen“ wiedergegeben wird, wurde wie folgt definiert: „aus Feindschaft Freundschaft werden lassen“, „ein normales Verhältnis oder die Harmonie wiederherstellen“. Ziel ist es also, eine Änderung herbeizuführen, indem man wenn möglich den Groll des Gekränkten abbaut (Römer 12:18).

      Fragen zum Nachdenken

      • 5. Mose 4:4-6 Wie können wir zeigen, dass wir weise sind?

      • Psalm 119:97-105 Was bringt es uns ein, Gottes Wort fleißig zu studieren und danach zu leben?

      • Sprüche 4:10-13, 20-27 Warum brauchen wir die Weisheit Jehovas?

      • Jakobus 3:1-16 Wie können sich die Aufseher in der Versammlung weise und verständig zeigen?

  • Er hat uns zuerst geliebt
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus stirbt am Pfahl.

      KAPITEL 23

      Er hat uns zuerst geliebt

      1-3. Worin unterschied sich der Tod Jesu von jedem anderen Tod in der Geschichte?

      AN EINEM Frühlingstag vor 2000 Jahren stand ein unschuldiger Mann vor Gericht. Er wurde verurteilt, ohne etwas Schlechtes getan zu haben, und dann zu Tode gefoltert. Es war nicht die erste grausame und ungerechte Hinrichtung in den Annalen der Geschichte – und leider auch nicht die letzte. Doch dieser Tod war anders.

      2 Als der Verurteilte seine letzten, qualvollen Stunden durchlitt, verkündete der Himmel selbst die Bedeutung des Geschehens. Am helllichten Tag „brach über das ganze Land eine Finsternis herein, … weil das Sonnenlicht weg war“, wie ein Historiker schrieb (Lukas 23:44, 45). Kurz bevor der Mann seinen letzten Atemzug tat, sprach er die denkwürdigen Worte: „Es ist vollbracht!“ Dadurch, dass er sein Leben hingab, bewirkte er etwas Wunderbares. Sein Opfer war der größte Liebesbeweis, den je ein Mensch erbracht hat (Johannes 15:13; 19:30).

      3 Die Rede ist natürlich von Jesus Christus. Was er an jenem traurigen Tag, dem 14. Nisan 33 u. Z., bis zu seinem Tod durchmachte, ist wohlbekannt. Dabei wird aber oft eine bedeutende Tatsache übersehen. Obwohl Jesus furchtbare Qualen ausstand, gab es jemand, der noch mehr litt. Dieser Jemand brachte damals ein noch größeres Opfer: Es bestand in dem größten Liebesbeweis, der jemals im ganzen Universum erbracht wurde. Worum handelte es sich? Die Antwort auf diese Frage führt uns direkt zum wichtigsten aller Themen: Jehovas Liebe.

      Der größte Liebesbeweis

      4. Woran erkannte ein römischer Soldat, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch war, und zu welchem Schluss kam er?

      4 Die Finsternis vor Jesu Tod und das heftige Erdbeben danach befremdeten den Zenturio, der Jesu Hinrichtung überwachte. „Er war wirklich Gottes Sohn“, sagte er (Matthäus 27:54). Eindeutig: Jesus war kein gewöhnlicher Mensch. Der Soldat hatte bei der Hinrichtung des einziggezeugten Sohnes des Allerhöchsten Hand angelegt! Wie viel bedeutete dieser Sohn seinem Vater?

      5. Wie lässt sich die enorme Zeitspanne veranschaulichen, die Jehova und sein Sohn zusammen im Himmel waren?

      5 In der Bibel wird Jesus als „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ bezeichnet (Kolosser 1:15). Jehovas Sohn existierte folglich schon vor dem Universum. Wie lange waren Vater und Sohn also zusammen? Manche Wissenschaftler schätzen das Alter des Universums auf 13 Milliarden Jahre. Kannst du dir einen solchen Zeitraum auch nur annähernd vorstellen? Es gibt ein Planetarium, das seinen Besuchern mithilfe einer 110 Meter langen Linie das ungefähre Alter des Universums begreiflich machen möchte. Jeder Schritt, den man an dieser Linie entlanggeht, steht für 75 Millionen Jahre. Am Ende der Linie repräsentiert ein haarfeiner Strich die gesamte Menschheits­geschichte. Angenommen, diese Schätzung wäre korrekt, dann wäre die gesamte Linie immer noch nicht lang genug, um die Lebensdauer des Sohnes Jehovas darzustellen. Womit war der Sohn wohl in all den Zeitaltern beschäftigt?

      6. (a) Womit war Jehovas Sohn während seiner vormenschlichen Existenz beschäftigt? (b) Was verbindet Jehova und seinen Sohn?

      6 Es machte ihm Freude, der „Werkmeister“ seines Vaters zu sein (Sprüche 8:30). Die Bibel sagt: „Ohne das Wort [den Sohn] kam gar nichts ins Dasein“ (Johannes 1:3). Jehova und sein Sohn erschufen somit alles gemeinsam. Was für eine spannende, glückliche Zeit das gewesen sein muss! Die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist ohne Zweifel außerordentlich stark. Auch ist die Liebe „ein vollkommenes Band der Einheit“ (Kolosser 3:14). Wer von uns könnte sich die Stärke eines Bandes, das schon so ungeheuer lange existiert, auch nur im Entferntesten vorstellen? Jehova Gott und seinen Sohn schweißt das stärkste Band der Liebe zusammen, das je geschmiedet wurde.

      7. Wie brachte Jehova bei Jesu Taufe seine Gefühle für seinen Sohn zum Ausdruck?

      7 Dennoch wurde der Sohn vom Vater zur Erde gesandt, um als Menschenkind geboren zu werden. Das bedeutete, dass Jehova für einige Jahrzehnte darauf verzichten musste, mit seinem geliebten Sohn im Himmel zusammen zu sein. Mit regem Interesse beobachtete er vom Himmel aus, wie Jesus zu einem vollkommenen Mann heranwuchs. Im Alter von ungefähr dreißig Jahren ließ Jesus sich taufen. Wir werden nicht im Unklaren darüber gelassen, wie Jehova für ihn empfand. Der Vater sagte höchstpersönlich vom Himmel aus: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe“ (Matthäus 3:17). Zu sehen, dass Jesus alles treu ausführte, was prophezeit worden war, ja alles, was von ihm erwartet wurde, muss den Vater von Herzen gefreut haben (Johannes 5:36; 17:4).

      8, 9. (a) Was machte Jesus am 14. Nisan 33 u. Z. alles durch, und wie berührte das seinen himmlischen Vater? (b) Warum ließ Jehova seinen Sohn leiden und sterben?

      8 Doch was empfand Jehova am 14. Nisan 33 u. Z.? Wie war ihm zumute, als Jesus verraten und dann mitten in der Nacht von einer aufgebrachten Menge festgenommen wurde? Oder als Jesus von seinen Freunden verlassen und einem ungesetzlichen Verhör unterzogen wurde? Als man ihn verspottete, anspuckte und mit Fäusten schlug? Als man ihn auspeitschte und ihm dabei Fleischfetzen aus dem Rücken riss? Als man seine Hände und Füße an einen Pfahl nagelte und ihn daran hängen ließ, während die Leute ihn beschimpften? Was ging in dem Vater vor, als sein geliebter Sohn im Todeskampf zu ihm schrie? Wie empfand Jehova, als Jesus sein Leben aushauchte und zum ersten Mal seit den Anfängen aller Schöpfung nicht existierte? (Matthäus 26:14-16, 46, 47, 56, 59, 67; 27:38-44, 46; Johannes 19:1).

      9 Jehova ist ein Gott mit tiefen Empfindungen. Wie soll man da den Schmerz, den er beim Tod seines Sohnes litt, in Worte fassen können? Wir können es nicht. Was sich aber sehr wohl ausdrücken lässt, ist der Beweggrund, aus dem Jehova all das geschehen ließ. Warum setzte sich der Vater diesem Schmerz aus? In Johannes 3:16 – eine Textstelle, die man wegen ihrer Wichtigkeit als Evangelium in Kurzform bezeichnet hat – enthüllt uns Jehova etwas Großartiges. Dort heißt es: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat.“ Liebe! Das war der Beweggrund Jehovas. Das Geschenk, das uns Jehova dadurch machte, dass er seinen Sohn für uns leiden und sterben ließ, war der größte Liebesbeweis aller Zeiten.

      Gott gab seinen einziggezeugten Sohn

      Die Definition göttlicher Liebe

      10. Welches Bedürfnis haben die Menschen, und was ist mit der Bedeutung des Wortes „Liebe“ geschehen?

      10 Was bedeutet das Wort „Liebe“? Liebe gilt als das, was die Menschen am meisten brauchen. Vom Augenblick der Geburt an bis zum Lebensende sucht der Mensch nach Liebe. Mit ihr blüht er auf; ohne sie verkümmert er und geht zugrunde. Dabei ist Liebe erstaunlich schwer zu definieren. Sicher, über sie wird viel geredet, und der Strom von Büchern, Liedern und Gedichten über die Liebe scheint nie zu versiegen. Aber was Liebe wirklich bedeutet, wird dadurch nicht unbedingt erhellt. Dieses Wort wird so oft strapaziert, dass seine wahre Bedeutung zusehends verloren geht.

      11, 12. (a) Wo erfahren wir viel über die Liebe, und warum dort? (b) Welche Arten von Liebe kennt das Altgriechische, und welche kommt in den Christlichen Griechischen Schriften am häufigsten vor? (Siehe auch Fußnote.) (c) Wie wird das Wort agápē in der Bibel häufig gebraucht?

      11 Aus der Bibel hingegen geht klar hervor, was Liebe ist. In dem Werk Expository Dictionary of New Testament Words heißt es: „Die Liebe ist nur an Taten zu erkennen.“ Durch die biblischen Berichte über Jehovas Taten erfahren wir viel über seine Liebe – seine Zuneigung und sein Wohlwollen gegenüber seinen Geschöpfen. Was könnte beispielsweise mehr über diese Eigenschaft aussagen als der gerade erwähnte größte Liebesbeweis Jehovas? In den anschließenden Kapiteln werden wir noch etliche weitere Beispiele für Jehovas aktive Liebe kennenlernen. Auch die in der Bibel verwendeten Wörter aus den Ursprachen runden unser Verständnis des Begriffs „Liebe“ ab. Das Altgriechische kannte vier Ausdrücke für „Liebe“.a Davon kommt agápē in den Christlichen Griechischen Schriften am häufigsten vor. Ein biblisches Wörterbuch bezeichnet agápē als „das kraftvollste Wort, das man sich für Liebe vorstellen kann“. Weshalb?

      12 In der Bibel bezeichnet agápē oft eine Liebe, die sich von Grundsätzen leiten lässt. Sie ist mehr als eine bloße emotionale Reaktion auf einen anderen Menschen. Es handelt sich um eine umfassendere und prinzipiell eher wohlüberlegte und bewusste Liebe. Doch vor allem ist christliche Liebe vollkommen selbstlos. Gehen wir nochmals zurück zu Johannes 3:16. Was ist „die Welt“, die Gott so sehr geliebt hat, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab? Es ist die Welt der erlösbaren Menschheit. Dazu gehören viele, die Sünde treiben. Liebt Jehova jeden Einzelnen von ihnen wie einen persönlichen Freund, so wie er den treuen Abraham liebte? (Jakobus 2:23). Nein. Aber Jehova lässt in seiner Liebe allen Gutes zukommen, auch wenn ihn das viel kostet. Er möchte, dass alle bereuen und sich ändern (2. Petrus 3:9). Viele tun das auch, und solche Menschen macht er gern zu seinen Freunden.

      13, 14. Was zeigt, dass christliche Liebe oft innige Zuneigung einschließt?

      13 Manche haben allerdings eine verkehrte Vorstellung davon, was die Bibel mit agápē meint. Für sie ist es eine kalte, vernunftbetonte Art von Liebe. Tatsache ist jedoch, dass christliche Liebe häufig eine innige persönliche Zuneigung einschließt. Als Johannes beispielsweise schrieb: „Der Vater liebt den Sohn“, gebrauchte er eine Form des Wortes agápē. Fehlt es dieser Liebe an inniger Zuneigung? Bemerkenswerter­weise sagte Jesus: „Der Vater hat den Sohn lieb.“ Hier steht eine Form des Wortes philéō (Johannes 3:35; 5:20). Die Liebe Jehovas birgt oft zärtliche Zuneigung in sich. Doch seine Liebe lässt sich nie von bloßer Sentimentalität leiten. Sie orientiert sich immer an seinen weisen und gerechten Grundsätzen.

      14 Wie wir gesehen haben, sind alle Eigenschaften Jehovas von höchster Güte, vollkommen und anziehend. Doch die anziehendste von allen ist die Liebe. Nichts zieht uns mit solcher Macht zu Jehova wie sie. Glücklicher­weise ist die Liebe auch seine dominierende Eigenschaft. Woher wissen wir das?

      „Gott ist Liebe“

      15. Was sagt die Bibel über die Liebe Jehovas, und weshalb ist diese Aussage einzigartig? (Siehe auch Fußnote.)

      15 Die Bibel sagt über die Liebe etwas, was sie über die anderen Haupt­eigenschaften Jehovas an keiner Stelle sagt. Es heißt nirgends, dass Gott Macht ist oder dass er Gerechtigkeit ist, auch nicht Weisheit. Er besitzt diese Eigenschaften, ist ihre ureigentliche Quelle und ist in allen drei Eigenschaften unvergleichlich. Doch die vierte Eigenschaft geht noch tiefer, denn „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8).b Was bedeutet das?

      16-18. (a) Warum sagt die Bibel: „Gott ist Liebe“? (b) Warum ist der Mensch von allen Geschöpfen auf der Erde das passendste Symbol für Jehovas Liebe?

      16 Die Aussage „Gott ist Liebe“ darf nicht als eine Art mathematische Gleichung aufgefasst werden, als wollte man sagen: „Gott gleich Liebe.“ Schließlich kann man ja auch nicht einfach umgekehrt „Liebe ist Gott“ sagen. Jehova ist viel mehr als eine abstrakte Eigenschaft. Er ist eine Person, die außer Liebe noch eine ganze Reihe anderer Gefühle und Wesensmerkmale aufweist. Doch die Liebe durchdringt ihn ganz und gar. Ein Nachschlagewerk kommentiert diese Textstelle wie folgt: „Gott ist seinem ganzen Wesen oder seiner ganzen Natur nach Liebe.“ Vorstellen kann man sich das in etwa so: Jehovas Macht ermöglicht ihm zu handeln. Gerechtigkeit und Weisheit bestimmen sein Handeln. Aber die Liebe motiviert ihn dazu. Und alle seine anderen Eigenschaften werden stets von Liebe getragen.

      17 Jehova wird oft als die Liebe in Person bezeichnet. Wenn wir also etwas über grundsatztreue Liebe erfahren möchten, müssen wir mehr über Jehova lernen. Natürlich ist diese schöne Eigenschaft auch bei Menschen zu beobachten. Aber warum ist das so? Bei der Schöpfung sagte Jehova, offensichtlich an seinen Sohn gewandt: „Wir wollen Menschen machen in unserem Bild, die uns ähnlich sind“ (1. Mose 1:26). Von allen Geschöpfen auf der Erde kann sich nur der Mensch bewusst dafür entscheiden, zu lieben, und so seinen himmlischen Vater nachahmen. Wir erinnern uns, dass Jehova seine Haupt­eigenschaften durch verschiedene Geschöpfe versinnbildlichte. Dabei nahm er sein höchstes irdisches Schöpfungswerk, den Menschen, zum Symbol für seine dominierende Eigenschaft – die Liebe (Hesekiel 1:10).

      18 Wenn unsere Liebe selbstlos ist und sich von Grundsätzen leiten lässt, spiegeln wir Jehovas hervorstechendste Eigenschaft wider. Es ist so, wie der Apostel Johannes schrieb: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4:19). Woran ist aber ersichtlich, dass Jehova uns zuerst geliebt hat?

      Jehova ergriff die Initiative

      19. Wieso kann man sagen, dass die Liebe in dem schöpferischen Werk Jehovas eine Schlüsselrolle spielte?

      19 Die Liebe war schon immer da. Denn was hat Jehova bewogen, mit der Schöpfung zu beginnen? Einsamkeit oder das Bedürfnis nach Gesellschaft war nicht das Motiv. Jehova ist von niemandem abhängig, und ihm fehlt es an nichts. Doch aufgrund seiner Liebe, einer aktiven Eigenschaft, war es für ihn etwas ganz Natürliches, die Freude am Leben mit vernunftbegabten Geschöpfen teilen zu wollen – Geschöpfen, die ein solches Geschenk zu schätzen wussten. „Der Anfang der Schöpfung Gottes“ war sein einziggezeugter Sohn (Offenbarung 3:14). Zusammen mit diesem Werkmeister brachte Jehova, angefangen von den Engeln, alles andere ins Dasein (Hiob 38:4, 7; Kolosser 1:16). Ausgestattet mit Freiheit, Intelligenz und Gefühlen konnten diese mächtigen Geistwesen selbst Beziehungen aufbauen – zueinander und vor allem zu Jehova Gott (2. Korinther 3:17). Sie liebten, weil sie zuerst geliebt worden waren.

      20, 21. Welche Beweise für Jehovas Liebe sahen Adam und Eva, doch wie reagierten sie darauf?

      20 So war es auch bei der Menschheit. Vom ersten Augenblick an waren Adam und Eva von Liebe umgeben. Wohin sie in ihrem paradiesischen Garten Eden auch blickten, überall konnten sie Beweise für die Liebe ihres Vaters entdecken. Wie die Bibel schreibt, „legte Jehova Gott einen Garten in Eden an, im Osten. Dorthin setzte er den Menschen, den er gebildet hatte“ (1. Mose 2:8). Warst du schon einmal in einem wirklich schönen Garten oder Park? Was hat dir am besten gefallen? Die Sonnenstrahlen, die im Halbschatten durch das Blätterdach brachen? Das Zusammenspiel der Farben in einem Blütenmeer? Die Geräuschkulisse von fröhlich plätscherndem Wasser, Vogelgezwitscher und Insektensummen? Oder der Duft der Bäume, Früchte und Blumen? Wie auch immer: Kein Park unserer Zeit könnte es mit dem Garten Eden aufnehmen. Warum nicht?

      21 Diesen Garten hatte Jehova selbst angelegt. Er muss unbeschreiblich schön gewesen sein. Ein Baum war prächtiger als der andere. Köstliche Früchte, wohin man auch sah! Der Garten war gut bewässert und weitläufig. Eine faszinierende Vielfalt von Tieren erfüllte ihn mit Leben. Es war alles da, was Adam und Eva für ein ausgefülltes, glückliches Leben brauchten – sogar befriedigende Arbeit und die perfekte Partnerschaft. Jehova hatte sie zuerst geliebt, und sie hatten allen Grund, diese Liebe zu erwidern. Doch das taten sie nicht. Statt ihrem himmlischen Vater aus Liebe zu gehorchen, lehnten sie sich selbstsüchtig gegen ihn auf (1. Mose, Kapitel 2).

      22. Wie bewies Jehova durch seine Reaktion auf die Rebellion im Garten Eden, dass seine Liebe loyal ist?

      22 Wie sehr muss das Jehova wehgetan haben! Wurde durch diese Rebellion aber die Liebe in seinem Herzen von Bitterkeit verdrängt? Nein! „Seine loyale Liebe bleibt für immer“ (Psalm 136:1). Sofort unternahm er liebevoll Schritte, durch die aufrichtige Nachkommen Adams und Evas erlöst werden könnten. Wie wir gesehen haben, gehört dazu das Loskaufsopfer seines geliebten Sohnes – ein Opfer, das Jehova großen Schmerz bereitete (1. Johannes 4:10).

      23. Was ist ein Grund dafür, dass Jehova der „glückliche Gott“ ist, und mit welcher wichtigen Frage befasst sich das nächste Kapitel?

      23 Ja, von Anfang an hat Jehova die Initiative ergriffen und der Menschheit Liebe erwiesen. In jeder nur erdenklichen Hinsicht hat „er uns zuerst geliebt“. Liebe fördert Harmonie und Freude; deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Jehova als der „glückliche Gott“ beschrieben wird (1. Timotheus 1:11). Allerdings erhebt sich hier eine wichtige Frage: Liebt uns Jehova denn auch als Einzelne? Darauf geht das nächste Kapitel ein.

      a In den Christlichen Griechischen Schriften wird oft das Verb philéō gebraucht. Es bedeutet „Zuneigung haben, lieb haben, gernhaben oder mögen (wie etwa einen guten Freund oder einen Bruder)“. Eine Form des Wortes storgḗ, das die tiefe Liebe in der Familie bezeichnet, kommt in 2. Timotheus 3:3 vor, wo erwähnt wird, dass es in den letzten Tagen an dieser Art Liebe schmerzlich mangeln würde. érōs, die sinnliche Liebe zwischen Mann und Frau, erscheint in den Christlichen Griechischen Schriften nicht, obwohl diese Art Liebe in der Bibel erörtert wird (Sprüche 5:15-20).

      b Es gibt noch andere biblische Aussagen, die in eine ähnliche Richtung gehen. So heißt es: „Gott ist Licht“ oder: „Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (1. Johannes 1:5; Hebräer 12:29). Doch dabei handelt es sich um Metaphern, durch die Gott mit etwas Stofflichem verglichen wird. Jehova ist wie Licht, denn alles an ihm ist heilig und aufrichtig. In ihm gibt es keine „Finsternis“ oder Unreinheit. Und mit Feuer ist er zu vergleichen, wenn er seine vernichtende Macht einsetzt.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 63:1-11 Wie wertvoll sollte uns Jehovas Liebe sein, und welche Zuversicht kann diese Liebe in uns entstehen lassen?

      • Hosea 11:1-4; 14:4-8 Wie zeigte sich Israel (oder Ephraim) ungehorsam, doch wie erwies Jehova ihnen trotzdem väterliche Liebe?

      • Matthäus 5:43-48 Wie bringt Jehova den Menschen ganz allgemein väterliche Liebe entgegen?

      • Johannes 17:15-26 Wie wird an dem Gebet Jesu für seine Nachfolger deutlich, dass Jehova uns liebt?

  • Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen
    Komm Jehova doch näher
    • Einer Frau laufen Tränen über die Wangen.

      KAPITEL 24

      Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen

      1. Welche negativen Gefühle können selbst wahre Christen überkommen?

      LIEBT Jehova Gott dich als Individuum? Manche glauben zwar, dass Gott die Menschheit im Allgemeinen liebt, wie es ja in Johannes 3:16 steht, denken aber: „Mich persönlich könnte Gott niemals lieben.“ Selbst wahre Christen mögen da hin und wieder Zweifel haben. Ein Mann sagte mutlos: „Mir fällt es sehr schwer, zu glauben, dass sich Gott überhaupt für mich interessiert.“ Kommen dir auch manchmal solche Zweifel?

      2, 3. Wer möchte uns einreden, wir seien in Jehovas Augen wertlos oder nicht liebenswert, und wie können wir diesen Gedanken bekämpfen?

      2 Satan möchte uns gern einreden, dass Jehova Gott uns weder liebt noch schätzt. Zwar besteht seine Taktik oft darin, an die Eitelkeit oder den Stolz zu appellieren (2. Korinther 11:3). Aber er weidet sich auch daran, die Selbstachtung verletzlicher Menschen zu zerstören (Johannes 7:47-49; 8:13, 44). Das ist besonders in den gegenwärtigen kritischen „letzten Tagen“ der Fall. Viele wachsen heutzutage in lieblosen Familien auf. Andere sind ständig von brutalen, selbstsüchtigen und eigensinnigen Menschen umgeben (2. Timotheus 3:1-5). Nach jahrelanger gemeiner, diskriminierender oder feindseliger Behandlung sind sie womöglich zu der Überzeugung gelangt, wertlos oder einfach nicht liebenswert zu sein.

      3 Verzweifle nicht, wenn sich auch in dir solche negativen Gefühle regen. Viele von uns sind ab und zu unvernünftig hart mit sich selbst. Denk aber daran, dass Gottes Wort „zum Richtigstellen“ da ist und dazu, „starke Befestigungen umzustoßen“ (2. Timotheus 3:16; 2. Korinther 10:4). Die Bibel sagt: „Wir werden unser Herz vor ihm beruhigen in allem, worin unser Herz uns verurteilen mag, weil Gott größer ist als unser Herz und alles weiß“ (1. Johannes 3:19, 20). Befassen wir uns nun mit vier Punkten, durch die uns die Bibel hilft, unser Herz der Liebe Jehovas zu versichern.

      Jehova schätzt dich

      4, 5. Wie zeigte Jesus am Beispiel der Spatzen, dass wir in Jehovas Augen wertvoll sind?

      4 Erstens geht aus der Bibel klar hervor, dass Gott jeden seiner Diener als wertvoll ansieht. So sagte Jesus: „Was zahlt man schon für zwei Spatzen? Eine Münze, die kaum etwas wert ist. Trotzdem fällt keiner von ihnen auf den Boden, ohne dass euer Vater es weiß. Und sogar die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Deshalb keine Angst: Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“ (Matthäus 10:29-31). Denken wir einmal darüber nach, was diese Worte für Jesu Zuhörer im 1. Jahrhundert bedeuteten.

      Ein Spatz füttert einen jungen Spatz.

      „Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“

      5 Wir fragen uns wahrscheinlich, wie jemand überhaupt auf die Idee kam, einen Spatz zu kaufen. In Jesu Tagen waren das die billigsten zum Verzehr angebotenen Vögel. Für eine Münze von geringem Wert bekam der Käufer zwei Spatzen. War er jedoch bereit, zwei Münzen auszugeben, dann bekam er, wie Jesus später einmal erwähnte, nicht vier, sondern fünf Spatzen. Der zusätzliche Vogel war gratis, so als hätte er überhaupt keinen Wert. Solche Geschöpfe waren in den Augen von Menschen vielleicht wertlos, aber wie sah sie der Schöpfer an? Jesus erklärte: „Gott vergisst keinen einzigen von ihnen“ – auch nicht den Gratisvogel (Lukas 12:6, 7). Jetzt wird uns wahrscheinlich klar, was Jesus damit sagen wollte. Wenn Jehova einem einzigen Spatz so viel Wert beimisst, wie viel mehr ist dann ein Mensch wert! Jesus machte deutlich, dass Jehova uns bis in alle Einzelheiten kennt. Sogar die Haare, die auf unserem Kopf wachsen, sind gezählt.

      6. Wieso können wir sicher sein, dass Jesu Aussage, unsere Haare seien gezählt, nicht unrealistisch war?

      6 Unsere Haare gezählt? Manch einer wird diese Aussage Jesu für unrealistisch halten. Aber denken wir nur einmal an die Auferstehungs­hoffnung. Wie genau muss uns Jehova doch kennen, um uns wiedererschaffen zu können! Ihm liegt so viel an uns, dass er jede Einzelheit im Gedächtnis behält, auch unseren genetischen Bauplan, unsere Erinnerungen und die Erfahrungen, die wir über die Jahre gemacht haben.a Unsere Haare zu zählen – im Durchschnitt sind es 100 000 – wäre im Vergleich dazu ein Leichtes.

      Was sieht Jehova in uns?

      7, 8. (a) Über welche Einstellung freut sich Jehova, wenn er Menschenherzen erforscht? (b) Was zählt zu den guten Werken, die Jehova schätzt?

      7 Zweitens erfahren wir aus der Bibel, was Jehova an seinen Dienern schätzt. Einfach ausgedrückt, freut er sich über unsere guten Eigenschaften und über unsere Bemühungen. König David sagte zu seinem Sohn Salomo: „Jehova erforscht alle Herzen und erkennt jede Tendenz der Gedanken“ (1. Chronika 28:9). Wie sehr muss sich Gott freuen, wenn er unter den Milliarden von Menschenherzen in der heutigen gewalttätigen, hasserfüllten Welt ein Herz entdeckt, das Frieden, Wahrheit und Gerechtigkeit liebt! Was geschieht, wenn Gott ein Herz findet, das vor Liebe zu ihm überströmt, das sich bemüht, ihn kennenzulernen und diese Erkenntnis an andere weiterzugeben? Jehova lässt uns wissen, dass er von Menschen, die mit anderen über ihn sprechen, Notiz nimmt. Er hat „ein Gedenkbuch“ für alle, „die Ehrfurcht vor Jehova haben und über seinen Namen nachdenken“ (Maleachi 3:16). Eine solche Einstellung ist für ihn kostbar.

      8 Was zählt zu den guten Werken, die Jehova schätzt? Auf jeden Fall unsere Bemühungen, seinen Sohn, Jesus Christus, nachzuahmen (1. Petrus 2:21). Ein lebenswichtiges Werk, das Gott schätzt, ist die Verbreitung der guten Botschaft von seinem Königreich. In Römer 10:15 lesen wir: „Wie schön sind die Füße derer, die eine gute Botschaft von etwas Gutem verkünden!“ Wenn wir unsere eigenen Füße anschauen, finden wir sie vielleicht nicht unbedingt „schön“. Aber die Füße versinnbildlichen hier den Einsatz, den Jehovas Diener beim Predigen der guten Botschaft bringen. Diese Anstrengungen sind in Gottes Augen schön und kostbar (Matthäus 24:14; 28:19, 20).

      9, 10. (a) Wieso können wir sicher sein, dass Jehova unser Ausharren unter schwierigen Bedingungen schätzt? (b) Wie würde Jehova nie über seine treuen Diener denken?

      9 Jehova schätzt auch unser Ausharren (Matthäus 24:13). Schließlich möchte Satan ja, dass wir uns von Jehova abwenden. Jeder Tag, an dem wir Jehova treu bleiben, ist ein weiterer Tag, an dem wir dazu beitragen, auf das Höhnen Satans eine Antwort zu geben (Sprüche 27:11). Auszuharren ist manchmal alles andere als leicht. Krankheiten, Geldprobleme, emotionelle Belastungen und andere Schwierigkeiten können jeden Tag zu einer Prüfung werden lassen. Man könnte auch mutlos werden, „wenn sich eine Hoffnung lange nicht erfüllt“ (Sprüche 13:12). Das Ausharren unter solch erschwerten Bedingungen schätzt Jehova umso mehr. Deshalb bat König David Jehova, seine Tränen in einem „Lederbeutel“ zu sammeln, und fragte zuversichtlich: „Sind sie nicht aufgezeichnet in deinem Buch?“ (Psalm 56:8). Ja, Jehova sammelt alle Tränen und Leiden, die von unserer Loyalität ihm gegenüber zeugen, und bewahrt sie in seinem Gedächtnis auf. Auch sie sind kostbar in seinen Augen.

      Jehova schätzt es, wenn wir unter Prüfungen ausharren

      10 Das von Selbstzweifeln geplagte Herz will die Beweise, dass wir für Gott wertvoll sind, allerdings oft nicht wahrhaben. Womöglich flüstert es uns unentwegt ein: „Es gibt so viele andere, die vorbildlicher sind als du. Wie enttäuscht Jehova doch sein muss, wenn er dich mit ihnen vergleicht!“ Jehova zieht aber keine Vergleiche und ist in seinem Denken auch nicht starr oder hart (Galater 6:4). Er liest unsere Herzen sehr sorgsam und schätzt das Gute hoch ein – selbst wenn nur ein bisschen davon vorhanden wäre.

      Jehova siebt das Gute aus

      11. Was können wir daraus lernen, wie Jehova mit Abija umging?

      11 Drittens: Wenn Jehova uns durchforscht, siebt er sorgfältig das Gute aus. Als Jehova beispielsweise bestimmte, dass die gesamte abtrünnige Dynastie des Königs Jerobeam ausgelöscht werden sollte, ordnete er für Abija, einen der Königssöhne, ein würdiges Begräbnis an. Warum? „Jehova, der Gott Israels“, hatte „an ihm etwas Gutes gefunden“ (1. Könige 14:1, 10-13). Jehova durchsuchte das Herz des jungen Mannes und fand „etwas Gutes“. So klein oder unbedeutend diese Spur von etwas Gutem auch gewesen sein mag, sie war Jehova einen Vermerk in seinem Wort wert. Er belohnte Abija sogar dafür und erwies diesem Mitglied eines abtrünnigen Königshauses in vertretbarem Maß Barmherzigkeit.

      12, 13. (a) Wie wird an König Josaphat deutlich, dass Jehova das Gute in uns sucht, auch wenn wir gesündigt haben? (b) Weshalb kann man sagen, Jehova handle ähnlich wie liebevolle Eltern, wenn es um unsere guten Werke und Eigenschaften geht?

      12 Ein positiveres Beispiel ist Josaphat, der ein guter König war. Nachdem er etwas Unvernünftiges getan hatte, sagte ein Prophet Jehovas zu ihm: „Jehova ist deswegen zornig auf dich.“ Ein ernüchternder Gedanke! Aber Jehovas Botschaft war hier nicht zu Ende. Sie lautete weiter: „Trotzdem hat Gott Gutes in dir gefunden“ (2. Chronika 19:1-3). Jehova war in seinem gerechten Zorn nicht blind für die guten Seiten Josaphats. Wie ganz anders sind da unvollkommene Menschen! Wenn wir uns über andere ärgern, sehen wir oft nichts Gutes mehr an ihnen. Und wenn wir selbst sündigen, kann es sein, dass wir vor lauter Enttäuschung und vor Scham- und Schuldgefühlen auch für unsere eigenen guten Seiten blind sind. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass Jehova uns vergibt, sofern wir unsere Sünden bereuen und unser Bestes tun, sie nicht zu wiederholen.

      13 Wenn Jehova uns „siebt“, wirft er solche Sünden weg, ähnlich wie ein Goldsucher wertlosen Kies wegwirft. Und wie sieht es mit unseren guten Eigenschaften und Werken aus? Das müssen dann wohl die „Goldklümpchen“ sein, die er aufbewahrt. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Eltern die Zeichnungen oder Schulprojekte ihrer Kinder manchmal jahrzehntelang aufheben, obwohl die Kinder sie längst vergessen haben? Was Elternliebe angeht, ist Jehova unübertroffen. Solange wir ihm treu bleiben, wird er unsere guten Werke und Eigenschaften niemals vergessen. Das würde er nämlich als ungerecht ansehen, und ungerecht ist er nie (Hebräer 6:10). Doch er durchforscht uns noch in anderer Hinsicht.

      14, 15. (a) Warum machen unsere Fehler und Schwächen Jehova nie blind für das Gute in uns? Veranschauliche es. (b) Was wird Jehova mit dem Guten in uns tun, und wie sieht er seine treuen Diener?

      14 Jehovas Blick geht an unseren Fehlern und Schwächen vorüber und richtet sich auf das Potenzial, das in uns steckt. Dazu ein Vergleich: Kunstliebhaber tun alles nur Erdenkliche, um stark beschädigte Gemälde oder andere Kunstwerke zu restaurieren. In der Londoner Nationalgalerie wurde einmal mit einer Schrotflinte auf einen Entwurf von Leonardo da Vinci geschossen, der 35 Millionen Euro wert war. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die beschädigte Zeichnung einfach wegzuwerfen. Stattdessen machte man sich sofort an die Restauration des fast 500 Jahre alten Meisterwerks. Warum? Weil es in den Augen von Kunstliebhabern von sehr hohem Wert war. Bist du nicht mehr wert als eine Kreide- oder Kohlezeichnung? In Gottes Augen bestimmt – ganz gleich, wie sehr die Unvollkommenheit, die du geerbt hast, an dir genagt hat (Psalm 72:12-14). Jehova Gott, der geniale Schöpfer der Menschheit, wird das Nötige unternehmen, um alle, die für seine liebevolle Fürsorge empfänglich sind, vollkommen zu „restaurieren“ (Apostel­geschichte 3:21; Römer 8:20-22).

      15 Jehova sieht das Gute in uns, für das wir selbst vielleicht blind sind. Und solange wir ihm dienen, wird er das Gute in uns wachsen lassen, bis wir eines Tages vollkommen sind. Egal wie wir in der Welt Satans behandelt worden sind, für Jehova sind wir als seine treuen Diener wertvoll (Haggai 2:7).

      Jehova stellt seine Liebe unter Beweis

      16. Was ist der größte Beweis für Jehovas Liebe zu uns, und woher wissen wir, dass dieses Geschenk für uns persönlich gedacht ist?

      16 Viertens: Jehova tut vieles, wodurch er seine Liebe zu uns beweist. Christi Loskaufsopfer ist das überzeugendste Argument gegen die satanische Lüge, wir seien wertlos oder nicht liebenswert. Der qualvolle Tod Jesu am Marterpfahl und die noch größere Qual Jehovas, als er seinen geliebten Sohn sterben sah, sind ein Beweis ihrer Liebe zu uns. Das dürfen wir nie vergessen. Leider fällt es vielen schwer, zu glauben, dass dieses Geschenk für sie persönlich gedacht ist. Sie fühlen sich unwürdig. Denken wir aber nur einmal an den Apostel Paulus. Er hatte die Nachfolger Christi verfolgt, und doch schrieb er: Der „Sohn Gottes … [hat] mich geliebt und sich selbst für mich geopfert“ (Galater 1:13; 2:20).

      17. Wodurch zieht uns Jehova zu sich und zu seinem Sohn?

      17 Jehova beweist seine Liebe dadurch, dass er dem Einzelnen hilft, sich das Opfer Christi zunutze zu machen. Jesus sagte: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater, der mich gesandt hat, zieht ihn“ (Johannes 6:44). Jehova „zieht“ uns zu seinem Sohn und zu der Hoffnung auf ewiges Leben. Wie? Durch das Predigtwerk, bei dem Einzelpersonen erreicht werden, und durch den heiligen Geist, mit dem Jehova uns trotz unserer Fehler und Schwächen hilft, tiefe Wahrheiten zu begreifen und danach zu leben. Jehova kann von uns dasselbe sagen wie damals von Israel: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Darum habe ich dich mit loyaler Liebe zu mir gezogen“ (Jeremia 31:3).

      18, 19. (a) Wodurch spüren wir Jehovas Liebe am innigsten, und woher wissen wir, dass Jehova uns diese Aufmerksamkeit höchstpersönlich schenkt? (b) Wie geht aus Gottes Wort hervor, dass Jehova ein einfühlsamer Zuhörer ist?

      18 Dadurch, dass wir zu Jehova beten dürfen, spüren wir seine Liebe wahrscheinlich am innigsten. Die Bibel hält uns alle dazu an, „ständig“ zu Gott zu beten (1. Thessalonicher 5:17). Und Gott hört zu. Er wird der „Hörer des Gebets“ genannt (Psalm 65:2). Diese Funktion hat er keinem anderen übertragen, nicht einmal seinem Sohn. Der Schöpfer des Universums fordert uns sogar eindringlich auf, uns freimütig im Gebet an ihn zu wenden. Und was für ein Zuhörer ist er? Distanziert, unbeteiligt, gleichgültig? Nicht im Geringsten.

      19 Jehova ist einfühlsam. Was ist Einfühlungs­vermögen? Ein treuer älterer Christ sagte: „Einfühlungs­vermögen ist dein Schmerz in meinem Herzen.“ Berührt unser Schmerz Jehova wirklich? Was die Leiden seines Volkes Israel betraf, lesen wir: „Während all ihres Leids litt auch er“ (Jesaja 63:9). Nicht nur, dass er ihre Not sah, er fühlte mit ihnen. Wie stark Jehova empfindet, geht aus dem hervor, was er selbst zu seinen Dienern sagte: „Wer euch antastet, tastet meine Pupille an“ (Sacharja 2:8).b Wie schmerzhaft so etwas ist! Ja, Jehova fühlt mit uns. Was uns schmerzt, schmerzt auch ihn.

      20. Welche unausgeglichene Denkweise dürfen wir nicht haben, wenn wir den Rat in Römer 12:3 beachten wollen?

      20 Ein ausgeglichener Christ würde diese Beweise, dass Gott uns liebt und schätzt, niemals als Entschuldigung für Stolz oder Egoismus nehmen. Der Apostel Paulus schrieb: „Aufgrund der unverdienten Güte, die mir erwiesen wurde, sage ich jedem von euch, dass er nicht höher von sich denken soll, als nötig ist. Seid vielmehr in eurem Denken vernünftig, entsprechend dem Maß des Glaubens, das Gott jedem gegeben hat“ (Römer 12:3). Eine andere Übersetzung sagt hier: „Keiner unter euch denke höher von sich als es recht ist, vielmehr seid auf eine besonnene Selbst­einschätzung bedacht“ (Viebahn). Während wir die wohlige Wärme der Liebe unseres himmlischen Vaters genießen, sollten wir gleichzeitig in unserem Denken vernünftig sein und nicht vergessen, dass wir Gottes Liebe weder verdienen noch uns erarbeiten können (Lukas 17:10).

      21. Welche satanischen Lügen müssen wir unentwegt zurückweisen, und mit welcher Tatsache sollten wir unser Herz immer wieder beruhigen?

      21 Wir wollen alles tun, was in unserer Macht steht, um Satans Lügen zurückzuweisen, auch die Lüge, wir seien wertlos oder nicht liebenswert. Falls du dich aufgrund früherer Erlebnisse selbst als Hindernis siehst, das von Gottes unendlicher Liebe nicht überwunden werden kann; falls dir deine guten Werke zu unbedeutend vorkommen, um von Gottes wachsamen Augen wahrgenommen zu werden; oder falls dir deine Sünden zu groß erscheinen, um durch den Tod seines kostbaren Sohnes gesühnt zu werden – dann bist du einer Lüge aufgesessen. Lass solche Lügen nicht an dich herankommen! Beruhige dein Herz immer wieder mit der Tatsache, die Paulus mit folgenden inspirierten Worten festhielt: „Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben noch Engel noch Regierungen noch Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Mächte noch Höhe noch Tiefe noch irgendeine andere Schöpfung uns von Gottes Liebe trennen können, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8:38, 39).

      a In der Bibel wird die Auferstehungs­hoffnung öfter mit dem Gedächtnis Jehovas in Zusammenhang gebracht. Der treue Hiob sagte zu Jehova: „Würdest du mir doch nur eine Frist setzen und dich an mich erinnern!“ (Hiob 14:13). Jesus sprach von der Auferstehung aller, „die in den Gedenkgräbern sind“. Das war sehr passend, denn Jehova erinnert sich ganz genau an die Toten, die er auferwecken möchte (Johannes 5:28, 29, Fußnote).

      b Verschiedene Übersetzungen geben hier den Gedanken wieder, dass derjenige, der Gottes Volk antastet, nicht Gottes Auge, sondern Israels Auge oder sein eigenes Auge antastet. Diesen Irrtum brachten einige Abschreiber auf, die diese Passage für respektlos hielten und daher abänderten. Durch ihr fehlgeleitetes Verständnis wurde die Tiefe des Einfühlungs­vermögens Jehovas verschleiert.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 139:1-24 Wie geht aus den inspirierten Worten König Davids hervor, dass Jehova an uns als Einzelnen großes Interesse hat?

      • Jesaja 43:3, 4, 10-13 Wie empfindet Jehova für seine Zeugen, und durch welche Taten unterstreicht er seine Gefühle?

      • Römer 5:6-8 Wieso können wir sicher sein, dass uns Jehovas Liebe trotz unserer Sündhaftigkeit zugutekommt?

      • Judas 17-25 Wie können wir in Gottes Liebe bleiben, und welche Einflüsse stehen uns dabei im Weg?

  • Das innige Mitgefühl unseres Gottes
    Komm Jehova doch näher
    • Eine Frau mit zärtlichem Blick.

      KAPITEL 25

      Das innige Mitgefühl unseres Gottes

      1, 2. (a) Wie reagiert eine Mutter, wenn ihr Baby schreit? (b) Welches Gefühl ist noch stärker als das Mitgefühl einer Mutter?

      MITTEN in der Nacht weint ein Baby. Die Mutter wird sofort wach. Seit der Geburt schläft sie nicht mehr so tief wie gewohnt. Sie hat gelernt, am Klang zu unterscheiden, warum ihr Kind schreit. Oft kann sie gleich sagen, ob es Hunger hat, gewickelt werden muss oder schmusen will. Was auch immer der Grund für das Schreien ist, die Mutter reagiert darauf. Sie bringt es nicht übers Herz, die Bedürfnisse ihres Babys zu ignorieren.

      2 Das Mitgefühl einer Mutter für das Kind, das sie geboren hat, gehört zu den zärtlichsten Gefühlen, die man bei Menschen kennt. Es gibt jedoch ein Gefühl, das unendlich stärker ist: das innige Mitgefühl unseres Gottes, Jehova. Uns mit diesem gewinnenden Wesensmerkmal zu befassen kann uns Jehova näherbringen. Sehen wir uns deshalb an, was Mitgefühl ist und wie Gott es zum Ausdruck bringt.

      Was ist Mitgefühl?

      3. Was drückt das hebräische Verb aus, das unter anderem mit „Barmherzigkeit zeigen“ übersetzt wird?

      3 In der Bibel steht Mitgefühl in enger Beziehung zu Barmherzigkeit. Es gibt eine Anzahl hebräische und griechische Wörter, die inniges Mitgefühl ausdrücken. Dazu gehört das hebräische Verb rachám, das oft mit „Barmherzigkeit zeigen“, „Erbarmen haben“ oder „Mitleid haben“ übersetzt wird. In einem Nachschlagewerk heißt es dazu: Es „drückt tiefes, inniges Mitleid aus, wie es beispielsweise durch den Anblick der Schwäche oder des Leids derjenigen ausgelöst wird, die uns lieb und teuer sind und unserer Hilfe bedürfen“. Dieser hebräische Ausdruck, den Jehova auf sich selbst anwendet, ist mit dem Wort für „Mutterleib“ verwandt und lässt sich als „zartes Mitgefühl“ beschreiben (2. Mose 33:19; Jeremia 33:26).a

      Eine Mutter hält ihr Baby im Arm.

      „Kann eine Frau ihren Säugling vergessen?“

      4, 5. Wie macht die Bibel am Beispiel mütterlicher Gefühle das Mitgefühl Jehovas verständlich?

      4 Um uns das Mitgefühl Jehovas verständlich zu machen, vergleicht die Bibel es mit den Gefühlen einer Mutter für ihr Baby. In Jesaja 49:15 lesen wir: „Kann eine Frau ihren Säugling vergessen, wird sie für den Sohn, den sie unter dem Herzen trug, kein Mitgefühl empfinden [rachám]? Und selbst wenn diese Frauen vergessen, ich würde dich nie vergessen.“ Diese zu Herzen gehende Beschreibung unterstreicht, wie groß Jehovas Mitgefühl gegenüber seinem Volk ist. Warum kann man das sagen?

      5 Es ist kaum vorstellbar, dass eine Mutter vergessen würde, ihr Baby zu füttern oder zu wickeln. Schließlich ist so ein Säugling völlig hilflos und braucht ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung Tag und Nacht. Traurigerweise hört man gerade in den heutigen „kritischen Zeiten“, in denen viele „lieblos“ sind, immer wieder von Müttern, die ihre Kinder vernachlässigen (2. Timotheus 3:1, 3). Doch Jehova erklärt: „Ich würde dich nicht vergessen.“ Das innige Mitgefühl Jehovas gegenüber seinen Dienern versagt nie. Es ist unendlich stärker als das innigste natürliche Empfinden, das wir uns vorstellen können – das Mitgefühl, das eine Mutter normalerweise mit ihrem Baby hat. Kein Wunder, dass ein Kommentator über Jesaja 49:15 schrieb: „Dies sind wahrscheinlich die ausdrucksstärksten Worte für die Liebe Gottes im Alten Testament.“

      6. Wie denken viele Menschen über Mitgefühl, aber was versichert uns Jehova?

      6 Ist Mitgefühl ein Zeichen von Schwäche? Diese Ansicht haben viele unvollkommene Menschen vertreten. So lehrte der Philosoph Seneca – ein Zeitgenosse Jesu und führender Intellektueller in Rom –, es sei „eine Fehlhaltung einer schwächlichen Seele“. Seneca vertrat den Stoizismus, eine Philosophie, die auf eine von Gefühlsregungen freie Gelassenheit Nachdruck legte. Ein weiser Mensch könne Notleidenden ruhig helfen, so Seneca, aber er dürfe sich kein Mitleid erlauben, da ihm ein solches Gefühl die Heiterkeit nehme. Diese egozentrische Lebensanschauung ließ kein Mitgefühl zu. Wie sehr sich Jehova doch davon abhebt! In seinem Wort versichert er uns, dass er „sehr mitfühlend und barmherzig ist“ (Jakobus 5:11, Fußnote). Wie wir sehen werden, ist Mitgefühl keine Schwäche, sondern eine starke, lebenswichtige Eigenschaft. Die Art und Weise, wie Jehova sie offenbart, lässt sich mit dem Verhalten liebevoller Eltern vergleichen. Befassen wir uns damit einmal näher.

      Jehovas Mitgefühl mit einem Volk

      7, 8. Was machten die Israeliten im alten Ägypten durch, und wie reagierte Jehova auf ihr Leid?

      7 Das Mitgefühl Jehovas zeigt sich deutlich an seiner Handlungsweise mit dem Volk Israel. Ende des 16. Jahrhunderts v. u. Z. lebten Millionen von Israeliten als Sklaven in Ägypten und wurden dort grausam unterdrückt. Die Ägypter „machten ihnen das Leben durch harte Arbeit schwer. Die Israeliten mussten mit Lehmmörtel und Ziegelsteinen arbeiten und sich mit allen möglichen Sklavenarbeiten auf dem Feld abplagen“ (2. Mose 1:11, 14). In ihrer Not schrien sie zu Jehova um Hilfe. Wie reagierte Gott in seinem innigen Mitgefühl darauf?

      8 Es ging ihm sehr nahe. Jehova sagte: „Ich habe sehr wohl gesehen, wie schlecht es meinem Volk in Ägypten geht. Ich habe sie wegen der Leute, die sie zur Arbeit antreiben, schreien hören, und ich weiß genau, wie sehr sie leiden“ (2. Mose 3:7). Als er sein Volk leiden sah und schreien hörte, fühlte er mit ihm. Wie wir in Kapitel 24 dieses Buches gesehen haben, ist Jehova ein einfühlsamer Gott. Und Einfühlungs­vermögen – die Fähigkeit, sich in den Schmerz anderer hineinzudenken – ist dem Mitgefühl ähnlich. Doch Jehova fühlte nicht nur mit seinem Volk, sondern sah sich auch veranlasst zu handeln. In Jesaja 63:9 heißt es: „In seiner Liebe und aus Mitgefühl kaufte er sie zurück.“ „Mit starker Hand“ befreite Jehova die Israeliten aus Ägypten (5. Mose 4:34). Danach versorgte er sie durch ein Wunder mit Nahrung und brachte sie in ein fruchtbares Land, das ihnen gehören sollte.

      9, 10. (a) Wie kam es, dass Jehova die Israeliten im Land der Verheißung wiederholt befreite? (b) Von welcher Unterdrückung befreite Jehova die Israeliten in den Tagen Jephthas, und was bewog ihn dazu?

      9 Doch damit endete Jehovas Mitgefühl nicht. Nachdem sich die Israeliten im Land der Verheißung niedergelassen hatten, wurden sie wiederholt untreu und brachten dadurch Leid über sich. Dann aber kamen sie wieder zur Besinnung und riefen zu Jehova. Und immer wieder befreite er sie. Warum? „Es tat ihm um sein Volk … leid“ (2. Chronika 36:15; Richter 2:11-16).

      10 So war es auch in den Tagen Jephthas. Da sich die Israeliten falschen Göttern zugewandt hatten, ließ Jehova zu, dass sie 18 Jahre lang von den Ammonitern unterdrückt wurden. Schließlich bereuten die Israeliten. Die Bibel berichtet: „Sie schafften die fremden Götter aus ihrer Mitte weg und dienten Jehova. Da konnte er Israels Leid nicht länger ertragen“ (Richter 10:6-16).b Als die Israeliten echte Reue zeigten, konnte Jehova ihr Leid nicht mehr mit ansehen. Der Gott innigen Mitgefühls verlieh Jephtha die Macht, sie aus der Hand ihrer Feinde zu befreien (Richter 11:30-33).

      11. Was erfahren wir aus der Handlungsweise Jehovas mit den Israeliten über Mitgefühl?

      11 Was erfahren wir aus der Handlungsweise Jehovas mit dem Volk Israel über inniges Mitgefühl? Wir sehen, dass mehr dazugehört als ein feinfühliges Wahrnehmen der Nöte anderer. Ähnlich wie bei der Mutter, die aus Mitleid auf das Schreien ihres Babys reagiert, stoßen auch bei Jehova die Hilferufe seiner Diener nicht auf taube Ohren. Sein inniges Mitgefühl veranlasst ihn, ihre Not zu lindern. Außerdem lehrt uns das Verhalten Jehovas gegenüber den Israeliten, dass Mitgefühl keinesfalls eine Schwäche ist, denn aus diesem Zartgefühl heraus trat er machtvoll und entschieden für sein Volk ein. Tut er das aber auch für seine Diener als einzelne?

      Jehovas Mitgefühl mit Einzelnen

      12. Wie lässt das mosaische Gesetz Jehovas Mitgefühl mit Einzelpersonen erkennen?

      12 Das Gesetz, das Gott dem Volk Israel gab, zeugte von seinem Mitgefühl mit Einzelnen, so zum Beispiel mit den Armen. Jehova wusste, dass ein Israelit durch unvorhergesehene Umstände in Armut geraten konnte. Wie hatte man sich den Armen gegenüber zu verhalten? Jehova gebot den Israeliten ausdrücklich: „Sei nicht hartherzig und verschließe deine Hand nicht gegenüber deinem armen Bruder. Du sollst großzügig zu ihm sein und du sollst ihm nicht widerwillig geben. Denn dafür wird Jehova, dein Gott, alles segnen, was du tust und unternimmst“ (5. Mose 15:7, 10). Jehova verlangte von den Israeliten auch, die Ränder ihrer Felder nicht ganz abzuernten und keine Nachlese zu halten. Was übrig blieb, war nämlich für die Benachteiligten gedacht (3. Mose 23:22; Ruth 2:2-7). Solange sich das Volk an diese rücksichtsvolle Gesetzgebung hielt, brauchten die Armen in Israel nicht um Nahrung zu betteln. Kann man daran nicht Jehovas inniges Mitgefühl ablesen?

      13, 14. (a) Wie erfahren wir aus Davids Worten, dass Jehova viel an uns persönlich liegt? (b) Womit könnte man es vergleichen, dass Jehova denen nah ist, die „ein gebrochenes Herz haben“ oder „am Boden zerstört sind“?

      13 Auch heute liegt unserem liebevollen Gott viel an uns persönlich. Wir können sicher sein, dass ihm nichts von dem entgeht, was wir durchmachen müssen. Der Psalmist David schrieb: „Die Augen Jehovas schauen auf die Gerechten und seine Ohren hören ihren Hilferuf. Jehova ist denen nah, die ein gebrochenes Herz haben. Er befreit die, die am Boden zerstört sind“ (Psalm 34:15, 18). Ein Bibelkommentator erklärte, diese Menschen seien wegen der Sünde gedemütigt und ohne Selbstwertgefühl; sie würden sich selbst für gering erachten und seien von ihrem eigenen Wert nicht überzeugt. In ihren Augen ist Jehova vielleicht weit weg, und sie halten sich für zu unbedeutend, als dass er sich für sie interessieren würde. Aber das ist nicht der Fall. Davids Worte geben uns die Gewissheit, dass Jehova diejenigen, die sich selbst für gering erachten, nicht im Stich lässt. Unser mitfühlender Gott weiß, dass wir ihn in einer solchen Lage ganz besonders dringend brauchen, und er ist uns nah.

      14 Dazu ein Beispiel: Als ein zweijähriger Junge schwer an Diphtherie erkrankte, brachte ihn seine Mutter schleunigst ins Krankenhaus. Nach der Untersuchung teilten ihr die Ärzte mit, sie müssten den Kleinen über Nacht dabehalten. Wo verbrachte die Mutter die Nacht? In einem Sessel direkt neben dem Bett des Jungen. Ihr kleiner Sohn war krank und sie musste einfach bei ihm sein. Von unserem liebevollen himmlischen Vater können wir ganz bestimmt noch mehr erwarten. Er hat uns ja in seinem Bild erschaffen (1. Mose 1:26). Die ergreifenden Worte in Psalm 34:18 sagen uns: Wenn wir „ein gebrochenes Herz haben“ oder „am Boden zerstört sind“, ist Jehova uns nah – immer mitfühlend und bereit zu helfen, wie man es auch bei liebevollen Eltern beobachten kann.

      15. Wie hilft Jehova uns persönlich?

      15 Wie aber hilft Jehova uns persönlich? Die Ursache unseres Leids wird er nicht unbedingt beseitigen. Doch er hat für alle, die ihn um Hilfe anrufen, großzügig Vorsorge getroffen. Sein Wort, die Bibel, gibt praktische Hinweise, die wirklich weiterhelfen können. In der Versammlung hat Jehova befähigte Aufseher eingesetzt, die bemüht sind, sein Mitgefühl nachzuahmen, wenn sie ihren Glaubensbrüdern beistehen (Jakobus 5:14, 15). Als der „Hörer des Gebets“ gibt er „denen, die ihn bitten, heiligen Geist“ (Psalm 65:2; Lukas 11:13). Dieser Geist kann uns mit „Kraft, die über das Normale hinausgeht“, erfüllen, sodass wir ausharren können, bis uns Gottes Königreich von allen erdrückenden Belastungen befreit (2. Korinther 4:7). Sind wir für alle diese Hilfen nicht sehr dankbar? Vergessen wir nie, dass sie ein Ausdruck von Jehovas innigem Mitgefühl sind.

      16. Wodurch kommt Jehovas Mitgefühl am deutlichsten zum Ausdruck, und wie sind wir persönlich davon betroffen?

      16 Am deutlichsten kommt Jehovas Mitgefühl natürlich dadurch zum Ausdruck, dass er denjenigen für uns als Lösegeld gegeben hat, der ihm am meisten bedeutet. Dieses Opfer hat Jehova aus Liebe gebracht und uns damit den Weg zur Rettung erschlossen. Denken wir daran, dass das Lösegeld uns persönlich zugutekommt. Treffend deutete Sacharja, der Vater Johannes des Täufers, an, dadurch würde Gottes „inniges Mitgefühl“ besonders deutlich werden (Lukas 1:78).

      Wann Jehova kein Mitleid hat

      17-19. (a) Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehovas Mitgefühl nicht grenzenlos ist? (b) Was führte dazu, dass Jehovas Mitleid mit seinem Volk ein Ende hatte?

      17 Können wir davon ausgehen, dass das innige Mitgefühl Jehovas grenzenlos ist? Auf keinen Fall, denn aus der Bibel ist klar ersichtlich, dass Jehova denen, die sich gegen seine gerechten Wege stellen, kein Mitleid erweist, und zwar mit Recht (Hebräer 10:28). Das sehen wir am Volk Israel.

      18 Obwohl Jehova die Israeliten wiederholt aus der Hand ihrer Feinde befreite, war eines Tages die Grenze seines Mitgefühls erreicht. Das störrische Volk praktizierte Götzendienst und brachte die widerlichen Götzen sogar in den Tempel Jehovas (Hesekiel 5:11; 8:17, 18). Weiter erfahren wir: „Sie verspotteten die Boten des wahren Gottes ständig. Sie verachteten seine Worte und machten sich über seine Propheten lustig, bis Jehova auf sein Volk zornig wurde und es keine Hoffnung auf Heilung gab“ (2. Chronika 36:16). Irgendwann war ein Punkt erreicht, wo es keine berechtigte Grundlage für Gottes Mitgefühl mehr gab und Jehovas gerechter Zorn erregt wurde. Was hatte das zur Folge?

      19 Jehova konnte mit seinem Volk kein Mitleid mehr haben. Er verkündete: „Ich werde kein Mitleid zeigen, es wird mir nicht leidtun und ich werde kein Erbarmen mit ihnen haben. Nichts wird mich davon abhalten, sie zugrunde zu richten“ (Jeremia 13:14). Jerusalem wurde mitsamt dem Tempel zerstört, und die Israeliten kamen nach Babylon in Gefangenschaft. Wie tragisch, wenn sündige Menschen so rebellisch werden, dass Gottes Mitgefühl seine Grenze erreicht! (Klagelieder 2:21).

      20, 21. (a) Was wird geschehen, wenn das göttliche Mitgefühl seine Grenze erreicht? (b) Welches Angebot, durch das Jehovas Mitgefühl zum Ausdruck kommt, wird im nächsten Kapitel behandelt?

      20 Wie ist es heute? Jehova hat sich nicht geändert. In seinem Mitgefühl hat er seine Zeugen beauftragt, die „gute Botschaft vom Königreich“ auf der ganzen bewohnten Erde bekannt zu machen (Matthäus 24:14). Aufrichtigen Menschen, die positiv darauf reagieren, hilft Jehova, die Königreichs­botschaft zu verstehen (Apostel­geschichte 16:14). Dieses Werk wird allerdings nicht endlos weitergehen. Es wäre wohl kaum mitfühlend von Jehova, wenn er die heutige schlechte Welt mit all ihrem Elend und Leid ewig bestehen ließe. Wenn Jehovas Mitgefühl seine Grenze erreicht hat, wird er am gegenwärtigen Weltsystem das Urteil vollstrecken. Aber selbst dann wird er Mitleid zeigen: Es wird ihm leidtun um seinen „heiligen Namen“ und um seine treuen Diener (Hesekiel 36:20-23). Jehova wird das Böse auslöschen und eine gerechte neue Welt schaffen. Was die Bösen angeht, erklärt Jehova: „Mein Auge wird kein Mitleid haben und ich werde kein Mitgefühl empfinden. Ich werde die Folgen ihres Verhaltens auf sie zurückfallen lassen“ (Hesekiel 9:10).

      21 Bis dahin hat Jehova Mitgefühl mit den Menschen, selbst mit denen, die der Vernichtung entgegengehen. Sünder, die ehrlich bereuen, können nämlich ein Angebot wahrnehmen, durch das Jehovas Mitgefühl besonders stark zum Ausdruck kommt: die Vergebung. Das nächste Kapitel geht auf einige der schönen Wortbilder in der Bibel ein, mit denen Jehovas vollständige Vergebung beschrieben wird.

      a Interessanter­weise bezeichnet das hebräische Verb rachám in Psalm 103:13 jedoch die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl, das ein Vater seinen Kindern erweist.

      b Die Formulierung „konnte er … nicht länger ertragen“ bedeutet wörtlich „seine Seele wurde kurz“, „seine Geduld war erschöpft“. Die Gute Nachricht Bibel schreibt hier: „Da konnte er das Leiden der Israeliten nicht länger mit ansehen.“ Und in der Einheits­übersetzung heißt es: „Da wurde ihm die Mühsal Israels unerträglich.“

      Fragen zum Nachdenken

      • Jeremia 31:20 Welche innigen Gefühle hat Jehova für sein Volk, und wie berührt dich das?

      • Joel 2:12-14, 17-19 Was musste Jehovas Volk tun, um Mitgefühl zu erfahren, und was lernen wir daraus?

      • Jona 4:1-11 Mit welcher Lektion führte Jehova Jona vor Augen, wie wichtig Mitleid ist?

      • Hebräer 10:26-31 Warum dürfen wir die Barmherzigkeit oder das Mitgefühl Jehovas nicht ausnutzen?

  • Ein Gott, der gern vergibt
    Komm Jehova doch näher
    • Ein Mann betet.

      KAPITEL 26

      Ein Gott, der gern vergibt

      1-3. (a) Wovon fühlte sich David erdrückt, und wie fand sein aufgewühltes Herz Trost? (b) Welche Last kann uns durch die Sünde aufgeladen werden, aber was sichert uns Jehova zu?

      „MEINE Vergehen türmen sich über meinem Kopf auf“, schrieb der Psalmist David. „Wie eine schwere Last sind sie mehr, als ich ertragen kann. Ich bin betäubt und völlig zerschlagen“ (Psalm 38:4, 8). David wusste, wie schwer man an einem schuldbeladenen Gewissen zu tragen hat. Doch sein aufgewühltes Herz fand Trost. Ihm wurde klar, dass Jehova zwar die Sünde hasst, nicht aber den Sünder – vorausgesetzt, er bereut wirklich und gibt sein sündiges Verhalten auf. In dem vollen Vertrauen, dass Jehova reumütigen Sündern gern Barmherzigkeit erweist, sagte David: „Du, o Jehova, … vergibst gern“ (Psalm 86:5).

      2 Auch wir werden wahrscheinlich unter der erdrückenden Last eines schlechten Gewissens leiden, wenn wir sündigen. Solche Gewissensbisse sind eigentlich etwas Gutes. Sie können uns dazu motivieren, unsere Fehler wieder­gut­zu­machen. Andererseits besteht aber die Gefahr, dass unsere Schuldgefühle übermächtig werden. Von Selbstvorwürfen zermürbt reden wir uns ein, Jehova werde uns nie vergeben, sosehr wir auch bereuen. Wenn wir uns von Schuldgefühlen oder „übergroßer Traurigkeit“ überwältigen lassen, wird Satan versuchen uns so weit zu bringen, dass wir aufgeben – dass wir uns in Jehovas Augen wertlos fühlen, nicht würdig ihm zu dienen (2. Korinther 2:5-11).

      3 Denkt Jehova so? Ganz sicher nicht! Das Vergeben ist eine Facette seiner großen Liebe. In seinem Wort sichert er uns zu, dass er gern vergibt, wenn wir ehrlich und von Herzen bereuen (Sprüche 28:13). Damit uns Jehovas Vergebung nie unerreichbar erscheint, wollen wir einmal untersuchen, warum und wie er vergibt.

      Warum Jehova gern vergibt

      4. Was ist Jehova bewusst, und wie geht er deshalb mit uns um?

      4 Jehova ist sich dessen bewusst, dass uns Grenzen gesetzt sind. „Er kennt unsere Beschaffenheit nur zu gut, er denkt daran, dass wir Staub sind“, heißt es in Psalm 103:14. Er vergisst nicht, dass wir wegen unserer Schwächen, ja als Folge unserer Unvollkommenheit, wie Staub sind. Die Formulierung, „er kennt unsere Beschaffenheit“, erinnert uns daran, dass Jehova in der Bibel mit einem Töpfer verglichen wird und wir mit seinen Tongefäßen (Jeremia 18:2-6). Wie der große Töpfer mit uns umgeht, hängt davon ab, wie zerbrechlich wir durch unsere Sündhaftigkeit sind und inwieweit wir uns von ihm formen lassen.

      5. Wie wird die Macht der Sünde im Römerbrief beschrieben?

      5 Jehova weiß um die Macht der Sünde. In seinem Wort wird sie als starke Kraft beschrieben, die den Menschen mit ihren tödlichen Klauen umfängt. Wie fest hat uns die Sünde im Griff? Im Römerbrief erklärt der Apostel Paulus: Wir sind „der Sünde unterworfen“, so wie Soldaten einem Befehlshaber unterstehen (Römer 3:9); die Sünde „regiert“ die Menschheit wie ein König (Römer 5:21); sie „wohnt“ in uns (Römer 7:17, 20); ihr „Gesetz“ übt ständig einen starken Einfluss auf unser Verhalten aus (Römer 7:23, 25). Was für eine Macht die Sünde doch über uns unvollkommene Menschen hat! (Römer 7:21, 24).

      6, 7. (a) Wie denkt Jehova über jemand, der reumütig seine Barmherzigkeit sucht? (b) Warum dürfen wir Gottes Barmherzigkeit nicht ausnutzen?

      6 Somit weiß Jehova, dass vollkommener Gehorsam für uns ein Ding der Unmöglichkeit ist – so gern wir ihn Gott auch leisten würden. Liebevoll sichert er uns zu, dass er uns vergeben wird, wenn wir reumütig seine Barmherzigkeit suchen. In Psalm 51:17 lesen wir: „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist. Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen.“ Jehova wird ein unter der Last von Schuldgefühlen „gebrochenes und zerschlagenes Herz“ niemals abweisen.

      7 Heißt das aber, wir könnten Gottes Barmherzigkeit ausnutzen und unsere Sündhaftigkeit zum Vorwand nehmen, etwas Schlechtes zu tun? Auf keinen Fall! Jehova handelt nicht aus Sentimentalität. Seine Barmherzigkeit hat Grenzen. Wer rücksichtslos und willentlich sündigt und keine Reue zeigt, dem wird er bestimmt nicht vergeben (Hebräer 10:26). Trifft er dagegen auf ein zerknirschtes Herz, ist er zum Vergeben bereit. Sehen wir uns nun die ausdrucksvolle Sprache an, mit der die Bibel diese anziehende Facette der Liebe Jehovas beschreibt.

      Wie weit geht Jehovas Vergebung?

      8. Was tut Jehova gewissermaßen, wenn er uns unsere Sünden verzeiht, und welche Zuversicht erhalten wir dadurch?

      8 Der reumütige David sagte: „Schließlich gestand ich dir meine Sünde. Mein Vergehen habe ich nicht zugedeckt. … Und du hast mein Vergehen, meine Sünden, verziehen“ (Psalm 32:5). Das mit „verzeihen“ übersetzte hebräische Wort hat die Grundbedeutung von „heben“ oder „tragen“. An dieser Stelle bezieht es sich darauf, dass „Schuld, Sünde, Übertretung“ weggenommen werden. Jehova hob Davids Sünden sozusagen hoch und trug sie weg. Dadurch wurde die Last seiner Schuldgefühle zweifellos leichter (Psalm 32:3). Auch wir können fest auf den Gott vertrauen, der unsere Sünden wegträgt, wenn wir auf der Grundlage unseres Glaubens an Jesu Loskaufsopfer seine Vergebung suchen (Matthäus 20:28).

      9. Wie weit trägt Jehova unsere Sünden von uns weg?

      9 David gebrauchte noch andere anschauliche Worte für Jehovas Vergebung: „So weit weg, wie der Sonnenaufgang vom Sonnenuntergang ist, so weit hat er unsere Übertretungen von uns entfernt“ (Psalm 103:12). Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Wie weit ist der Osten vom Westen entfernt? Ost und West liegen in genau der entgegen­gesetzten Richtung; die beiden Punkte treffen nie zusammen. Nach Ansicht eines Gelehrten ist mit dieser Aussage gemeint: „so weit entfernt wie nur möglich; so weit entfernt, wie man sich nur vorstellen kann“. Die inspirierten Worte Davids wollen uns also sagen, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden so weit von uns wegträgt, wie wir uns nur denken können.

      Schneebedeckte Berge.

      Eure Sünden werden „so weiß werden wie Schnee“

      10. Warum brauchen wir uns nicht ein Leben lang mit Sünden behaftet zu fühlen, die Jehova uns vergeben hat?

      10 Hast du schon einmal versucht, einen hartnäckigen Fleck von einem hellen Kleidungsstück zu entfernen? Du hast vielleicht alles Mögliche ausprobiert, und trotzdem ist er nicht ganz weggegangen. Achte einmal darauf, wie weitreichend Jehovas Vergebung ist: „Wenn eure Sünden auch scharlachrot sind, werden sie so weiß werden wie Schnee. Wenn sie auch rot sind wie Karmesinstoff, werden sie so weiß werden wie Wolle“ (Jesaja 1:18). „Scharlachrot“ ist ein leuchtendes, helles Rot.a Und der Ausdruck „Karmesinstoff“ bezeichnet einen intensiv gefärbten Stoff (Nahum 2:3). Durch eigene Anstrengungen könnten wir niemals die Flecken der Sünde beseitigen. Doch Jehova kann Sünden, die so auffällig sind wie Scharlach oder Karmesin, entfernen und weiß machen wie Schnee oder ungefärbte Wolle. Wenn Jehova uns unsere Sünden vergibt, brauchen wir uns nicht ein Leben lang damit behaftet zu fühlen.

      11. Was bedeutet es, dass Jehova unsere Sünden hinter seinen Rücken wirft?

      11 In einem bewegenden Dankeslied, das Hiskia nach seiner Genesung von einer tödlichen Krankheit komponierte, richtete er an Jehova die Worte: „Du hast alle meine Sünden hinter deinen Rücken geworfen“ (Jesaja 38:17). Hier wird bildlich dargestellt, wie Jehova die Sünden eines reumütigen Menschen nimmt und hinter sich wirft, wo er sie nicht mehr sieht und auch nicht mehr beachtet. Dieser Gedanke wird in einem Nachschlagewerk so ausgedrückt, als hätte Gott die Sünden „ungeschehen gemacht“. Ist das nicht beruhigend?

      12. Wie machte der Prophet Micha deutlich, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden für immer verschwinden lässt?

      12 In einer Wiederherstellungs­prophezeiung brachte der Prophet Micha die Überzeugung zum Ausdruck, dass Jehova seinem reumütigen Volk vergeben würde: „Wer ist ein Gott wie du, der … die Übertretung des Überrestes seines Erbes übergeht? … Du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Micha 7:18, 19). Versuchen wir uns vorzustellen, was diese Worte für die Menschen in biblischer Zeit bedeuteten. Wie hätte man damals etwas, was „in die Tiefen des Meeres“ gesunken war, zurückholen können? Micha machte damit deutlich, dass Jehova, wenn er vergibt, unsere Sünden für immer verschwinden lässt.

      13. Was bedeuten Jesu Worte „Vergib uns unsere Schuld“?

      13 Jesus wies auf das Verhältnis zwischen einem Gläubiger und seinem Schuldner hin, um Jehovas Vergebung zu veranschaulichen. Er forderte uns auf zu beten: „Vergib uns unsere Schuld“ (Matthäus 6:12). Jesus verglich hier Sünden mit Schulden (Lukas 11:4). Wenn wir sündigen, „verschulden“ wir uns bei Jehova. Das griechische Verb für „vergeben“ hat laut einem Nachschlagewerk die Bedeutung von „eine Schuld erlassen, auf Rückzahlung verzichten, sie nicht einfordern“. Vergibt Jehova, dann streicht er praktisch die Schuld, mit der unser Konto sonst belastet wäre. Das ist für reumütige Sünder ein großer Trost. Jehova wird uns niemals eine Schuld anrechnen, die er getilgt hat (Psalm 32:1, 2).

      14. Welches Bild lässt die Formulierung „damit eure Sünden ausgelöscht werden“ entstehen?

      14 Auch in Apostel­geschichte 3:19 wird gezeigt, wie Jehova vergibt: „Bereut also und kehrt um, damit eure Sünden ausgelöscht werden.“ Der letzte Begriff kommt von einem griechischen Verb, das sich auch mit „abwischen“, „ausstreichen“ oder „beseitigen“ wiedergeben lässt. Nach Ansicht verschiedener Gelehrter sieht man hier etwas Geschriebenes vor sich, das weggewischt wird. Ging das denn so einfach? In alter Zeit war die Tinte meistens eine Mischung aus Ruß, Klebstoff und Wasser. Etwas frisch Geschriebenes konnte man mit einem nassen Schwamm ohne Weiteres auslöschen. Das ist ein schönes Bild von der Barmherzigkeit Jehovas. Wenn er uns unsere Sünden vergibt, ist das so, als würde er einen Schwamm nehmen und sie wegwischen.

      15. Was möchte uns Jehova vor Augen führen?

      15 Erkennt Jehova bei uns echte Reue, so ist er wirklich bereit, uns unsere Sünden zu vergeben. Das möchte er uns durch diese verschiedenen Wortbilder vor Augen führen. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass er uns diese Sünden irgendwann in der Zukunft vorhält. Das wird noch durch etwas anderes deutlich, was wir aus der Bibel über Jehovas große Barmherzigkeit erfahren: Wenn er vergibt, vergisst er auch.

      Jehova möchte uns vor Augen führen, dass er gern vergibt

      „An ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“

      16, 17. Was ist damit gemeint, dass Jehova nicht mehr an unsere Sünden denkt?

      16 Allen, die in den neuen Bund aufgenommen werden, sichert Jehova zu: „Ich werde ihr Vergehen vergeben und an ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“ (Jeremia 31:34). Das heißt nicht, dass sich Jehova nicht mehr an Sünden erinnern könnte, die jemand begangen hat. In der Bibel lesen wir ja von den Sünden Davids und vieler anderer, denen Jehova vergab (2. Samuel 11:1-17; 12:13). Offensichtlich weiß Jehova nach wie vor von ihren Fehlern. Ihre Sünden sowie ihre Reue und die Vergebung Gottes sind in unserem Interesse aufgezeichnet worden (Römer 15:4). Was ist dann aber damit gemeint, dass Jehova nicht mehr an die Sünden denkt, die er vergeben hat?

      17 Das hebräische Verb für „an etwas denken“ oder „sich erinnern“ bedeutet nicht nur, sich etwas Vergangenes ins Gedächtnis zu rufen. Es enthält „den zusätzlichen tieferen Sinn, angemessen vorzugehen“ (Theological Wordbook of the Old Testament). An die Sünden zu „denken“ oder sich daran zu „erinnern“ hieße somit, gegen den Sünder vorzugehen (Hosea 9:9). Wenn Gott nun sagt: „An ihre Sünde werde ich nicht mehr denken“, versichert er uns: Er wird gegen einen reumütigen Sünder, dem er vergeben hat, nicht doch noch irgendwann wegen derselben Sünden einschreiten (Hesekiel 18:21, 22). Er wird uns also nicht immer wieder von Neuem wegen unserer Sünden anklagen oder bestrafen. Ist das nicht ein Trost?

      Wie steht es mit den Folgen?

      18. Warum bedeutet Vergebung nicht, dass ein reumütiger Sünder vor den Folgen seiner verkehrten Handlungen bewahrt bleibt?

      18 Läuft Jehovas Bereitschaft zu vergeben darauf hinaus, dass ein reumütiger Sünder von allen Folgen seines verkehrten Handelns verschont bleibt? Sicher nicht. Wir können nicht ungestraft sündigen. Paulus schrieb: „Was immer jemand sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Es ist gut möglich, dass unser Verhalten bestimmte Konsequenzen nach sich zieht. Das heißt aber nicht, dass Jehova, nachdem er uns vergeben hat, Unglück über uns bringt. Treten Schwierigkeiten auf, sollte ein Christ nicht denken: „Vielleicht bestraft mich Jehova für frühere Sünden“ (Jakobus 1:13). Andererseits bewahrt uns Jehova aber auch nicht vor den Folgen verkehrter Handlungen. Die traurigen, unvermeidlichen Folgen der Sünde sind oft Ehescheidung, unerwünschte Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten, Verlust des Vertrauens oder der Achtung anderer. Denken wir daran, dass Jehova zwar die Sünden vergab, die David in Verbindung mit Bathseba und Uria begangen hatte, ihn jedoch nicht von den katastrophalen Folgen verschonte (2. Samuel 12:9-12).

      19-21. (a) Wie kam das Gesetz in 3. Mose 6:1-7 sowohl dem Geschädigten als auch dem Täter zugute? (b) Über welches Verhalten freut sich Jehova, falls andere durch unsere Sünden zu Schaden gekommen sind?

      19 Unsere Sünden können auch noch weitere Konsequenzen haben, besonders wenn jemand anders dadurch zu Schaden gekommen ist. Sehen wir uns dazu 3. Mose, Kapitel 6 an. Im mosaischen Gesetz wird hier der Fall geschildert, dass jemand eine schwere Sünde begeht, indem er sich den Besitz eines anderen Israeliten durch Raub, Erpressung oder Betrug aneignet. Der Sünder leugnet dann seine Schuld und wagt es sogar, falsch zu schwören. Aussage steht gegen Aussage. Später rührt sich jedoch das Gewissen des Täters, und er bekennt seine Sünde. Damit er aber Gottes Vergebung erlangen kann, muss er erstens das Entwendete zurückgeben, zweitens an den Geschädigten eine Strafe in Höhe von 20 Prozent des Wertes zahlen und drittens einen Schafbock als Schuldopfer darbringen. Danach, so heißt es im Gesetz, soll der Priester „vor Jehova für ihn Sühne leisten, und es wird ihm alles vergeben werden“ (3. Mose 6:1-7).

      20 Dieses Gesetz war ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Es kam dem Bestohlenen zugute, der sein Eigentum zurückerhielt und zweifellos sehr erleichtert war, dass der Täter seine Sünde schließlich eingestand. Gleichzeitig kam dieses Gesetz auch dem Täter zugute, der getrieben von Gewissensbissen seine Schuld zugab und den Fehler wiedergutmachte. Hätte er das nicht getan, wäre ihm Gottes Vergebung verwehrt geblieben.

      21 Das mosaische Gesetz gilt für uns zwar nicht mehr, aber es gibt uns Einblick in Jehovas Denkweise, sodass wir seinen Standpunkt zur Vergebung kennenlernen können (Kolosser 2:13, 14). Ist jemand durch unsere Sünden zu Schaden gekommen, wird es Gott gefallen, wenn wir unser Möglichstes tun, die Sache wieder­gut­zu­machen (Matthäus 5:23, 24). Dazu müssen wir wahrscheinlich unsere Sünde eingestehen, unsere Schuld zugeben und uns darüber hinaus bei dem Geschädigten entschuldigen. Dann können wir auf der Grundlage des Opfers Jesu Jehova anrufen und dessen gewiss sein, dass er uns vergibt (Hebräer 10:21, 22).

      22. Was wird unter Umständen mit Jehovas Vergebung einhergehen?

      22 Ähnlich wie liebevolle Eltern wird Jehova die Vergebung unter Umständen mit Zurechtweisung verbinden (Sprüche 3:11, 12). Ein reumütiger Christ kann möglicherweise kein Ältester, Dienstamtgehilfe oder Pionier mehr sein. Es wird ihn wahrscheinlich tief treffen, für eine gewisse Zeit Aufgaben zu verlieren, die ihm viel bedeutet haben. Eine solche Maßnahme bedeutet jedoch nicht, dass Jehova ihm nicht vergeben hätte. Schließlich ist die Erziehung von Jehova ja ein Beweis seiner Liebe zu uns. Sie anzunehmen und entsprechend zu handeln ist in unserem eigenen Interesse (Hebräer 12:5-11).

      23. Warum dürfen wir nie denken, Jehovas Barmherzigkeit sei für uns unerreichbar, und warum sollten wir ihn im Vergeben nachahmen?

      23 Wie gut es doch tut, zu wissen, dass unser Gott gern vergibt! Was für Fehler wir auch gemacht haben, wir dürfen nie denken, Jehovas Barmherzigkeit sei für uns unerreichbar. Wenn wir ehrlich bereuen, Schritte unternehmen, um den Fehler wieder­gut­zu­machen, und Jehova flehentlich bitten, uns auf der Grundlage des vergossenen Blutes Jesu zu vergeben, können wir völlig darauf vertrauen, dass Jehova uns vergibt (1. Johannes 1:9). Ahmen wir doch im Umgang miteinander Jehovas Bereitschaft zu vergeben nach. Wenn Jehova, der nie sündigt, in Liebe vergeben kann, sollten wir sündigen Menschen dann nicht erst recht unser Bestes tun, einander zu vergeben?

      a Einem Gelehrten zufolge war Scharlach „eine echte oder beständige Farbe. Weder Tau noch Regen noch Waschen noch langes Tragen ließ sie ausbleichen.“

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Chronika 33:1-13 Warum vergab Jehova Manasse, und was erfahren wir dadurch über seine Barmherzigkeit?

      • Matthäus 6:12, 14, 15 Warum sollten wir anderen vergeben, wenn es eine berechtigte Grundlage dafür gibt?

      • Lukas 15:11-32 Was erfahren wir aus diesem Gleichnis über Jehovas Bereitschaft zu vergeben, und wie berührt dich das?

      • 2. Korinther 7:8-11 Wie müssen wir uns verhalten, damit Gott uns vergibt?

  • „Wie unendlich gut er doch ist!“
    Komm Jehova doch näher
    • Reife Trauben an einer Weinrebe.

      KAPITEL 27

      „Wie unendlich gut er doch ist!“

      1, 2. Wie zeigt sich Gottes Güte, und wie wird diese Eigenschaft in der Bibel hervorgehoben?

      IM WARMEN Licht eines Sonnenuntergangs sitzen ein paar gute Freunde bei einem Picknick zusammen. In ihr fröhliches Geplauder mischt sich immer wieder Bewunderung für den fantastischen Anblick. Weit weg von ihnen richtet ein Bauer zufrieden den Blick auf sein Land. Es sind dunkle Wolken aufgezogen und schon fallen die ersten Regentropfen auf die durstigen Felder. Wieder woanders beobachten Eltern glückstrahlend, wie ihr Kind die ersten wackligen Schritte wagt.

      2 Bewusst oder unbewusst sind alle diese Menschen Nutznießer der Güte Jehovas. Religiöse Menschen sagen oft: „Gott ist gut.“ Doch die Bibel äußert sich da viel nachdrücklicher: „Wie unendlich gut er doch ist!“ (Sacharja 9:17). Heutzutage ist allerdings nur wenigen klar, was diese Worte bedeuten. Woran sieht man, dass Jehova gut ist, und wie wirkt sich seine Güte auf uns persönlich aus?

      Eine besondere Facette der Liebe Gottes

      3, 4. Was ist mit „Güte“ oder „gut“ gemeint, und warum lässt sich Jehovas Güte am besten als ein Ausdruck seiner Liebe beschreiben?

      3 In vielen Sprachen sind „Güte“ oder „gut“ heute eher farblose Ausdrücke. In der Bibel dagegen ist das absolut nicht der Fall. Dort beziehen sich diese Ausdrücke in erster Linie auf Vorzüge, Tugenden und moralisch einwandfreies Verhalten. Deshalb kann man auch sagen, dass Jehova vom Guten durchdrungen ist. Alle seine Eigenschaften – einschließlich seiner Macht, Gerechtigkeit und Weisheit – sind durch und durch gut. Doch am besten lässt sich Jehovas Güte als ein Ausdruck seiner Liebe beschreiben. Wieso?

      4 Güte ist eine aktive, nach außen gerichtete Eigenschaft. Wie der Apostel Paulus andeutete, wirkt ein guter Mensch noch anziehender als ein gerechter (Römer 5:7). Bei dem gerechten Menschen kann man davon ausgehen, dass er sich treu an die Gesetze hält, aber ein guter Mensch tut mehr. Er ergreift die Initiative und sucht nach Mitteln und Wegen, anderen etwas Gutes zu tun. Wie wir sehen werden, ist Jehova mit Sicherheit in diesem Sinne gut. Diese Güte entspringt seiner grenzenlosen Liebe.

      5-7. Warum ließ sich Jesus nicht „Guter Lehrer“ nennen, und welche tiefe Wahrheit bekräftigte er dadurch?

      5 Jehovas ist außerdem gut im absoluten Sinn. Nicht lange vor seinem Tod wurde Jesus von einem Mann, der ihn etwas fragen wollte, mit „Guter Lehrer“ angesprochen. Jesus entgegnete: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer einem: Gott“ (Markus 10:17, 18). Diese Antwort ist vielleicht etwas irritierend. Warum korrigierte Jesus den Mann? War Jesus denn kein guter Lehrer?

      6 Der Mann gebrauchte den Ausdruck „Guter Lehrer“ offensichtlich als schmeichelhaften Titel. Diese Ehre gab Jesus in seiner Bescheidenheit an seinen himmlischen Vater weiter, der im höchsten Maße gut ist (Sprüche 11:2). Gleichzeitig bekräftigte Jesus eine tiefe Wahrheit. Jehova allein ist der Maßstab für das Gute. Nur er als Höchster hat das Recht zu bestimmen, was gut und was böse ist. Als Adam und Eva sich gegen ihn auflehnten und vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nahmen, wollten sie dieses Recht für sich beanspruchen. Jesus dagegen überlässt es aus Demut seinem Vater, Normen festzulegen.

      7 Davon abgesehen wusste Jesus, dass Jehova die Quelle alles wirklich Guten ist. Von ihm stammt „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk“ (Jakobus 1:17). Wir möchten nun beleuchten, wie Jehovas Güte durch seine Großzügigkeit zum Ausdruck kommt.

      Beweise dafür, dass Jehova gut ist

      8. Wie hat Jehova der ganzen Menschheit gezeigt, dass er gut ist?

      8 Jeder Mensch, der je gelebt hat, konnte die Güte Jehovas verspüren. In Psalm 145:9 heißt es: „Jehova ist gut zu allen.“ Woran kann man das unter anderem erkennen? Die Bibel sagt, dass „es zu jeder Zeit Zeugnisse von ihm gab: Er hat Gutes getan, er hat euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gegeben, er hat euch mit genügend Nahrung versorgt und euer Herz mit Freude erfüllt“ (Apostel­geschichte 14:17). Hast du schon einmal erlebt, was für ein Hochgenuss ein gutes Essen sein kann? Hätte Jehova nicht in seiner Güte die Erde mit einem sich ständig erneuernden Frischwasservorrat ausgestattet und „fruchtbare Zeiten“ mit einem reichen Nahrungsangebot gegeben, dann hätten wir auch keine Mahlzeiten. Und Jehova lässt diese Güte nicht nur denen zukommen, die ihn lieben, sondern jedem. Jesus sagte über ihn: „Er lässt seine Sonne über schlechten und guten Menschen aufgehen und er lässt es auf Gerechte und Ungerechte regnen“ (Matthäus 5:45).

      9. Wieso kann man an einem Apfel die Güte Jehovas erkennen?

      9 Viele nehmen die Großzügigkeit Jehovas, die der Menschheit durch die Sonne, den Regen und die fruchtbaren Zeiten zukommt, für selbst­verständlich. Denken wir nur einmal an einen Apfel. In den gemäßigten Zonen der Erde ist er eine ganz alltägliche Frucht. Dabei sieht er appetitlich aus, schmeckt gut, ist erfrischend und steckt voller lebenswichtiger Nährstoffe. Hast du gewusst, dass es weltweit um die 7500 verschiedene Apfelsorten gibt? Es gibt rote, goldgelbe, gelbe und grüne Sorten. Manche Äpfel sind kaum größer als eine Kirsche, andere haben die Ausmaße einer Grapefruit. Wenn man so einen kleinen Apfelkern in den Fingern hält, sollte man kaum glauben, dass daraus einer der schönsten Bäume werden kann, die es gibt (Hohes Lied 2:3). Jedes Frühjahr ist der Apfelbaum mit einem prächtigen Blütenkranz geschmückt, jeden Herbst hängt er voller Früchte. Bis zu 75 Jahre lang produziert ein durchschnittlicher Apfelbaum Jahr für Jahr so viele Äpfel, dass man damit 20 Obstkisten zu je 20 Kilo füllen könnte.

      Jehova gibt „Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten“

      Apfelbäume voller reifer Äpfel. Im Nebenbild hält jemand einen winzigen Apfelkern zwischen Daumen und Zeigefinger.

      Aus diesem winzigen Samen wird ein Baum, der jahrzehntelang Nahrung und Freude schenkt

      10, 11. Wie beweisen unsere Sinne, dass Gott gut ist?

      10 In seiner unendlichen Güte hat Jehova uns „wunderbar gemacht“ und mit Sinnen ausgestattet, durch die wir seine Werke wahrnehmen und uns daran freuen können (Psalm 139:14). Rufen wir uns nochmals die zu Beginn dieses Kapitels beschriebenen Szenen in Erinnerung. Welche optischen Eindrücke machen solche Momente zu etwas Schönem? Durch unseren Gesichtssinn können wir die roten Bäckchen eines freudestrahlenden Kindes sehen, den Regenvorhang, wie er über die Felder zieht, und die Rot-, Orange- und Lilatöne, in die der Horizont getaucht ist. Das menschliche Auge kann Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Farb­schattierungen unterscheiden. Und unser Gehör nimmt die abwechslungsreiche Sprachmelodie einer sympathischen Stimme wahr, das Rauschen des Windes, wie er durch die Blätter streicht, und das Glucksen eines Babys. Warum können wir uns an solchen Anblicken und Klängen erfreuen? Die Bibel sagt: „Das hörende Ohr und das sehende Auge – Jehova hat sie beide gemacht“ (Sprüche 20:12). Aber das sind nur zwei unserer Sinne.

      11 Auch der Geruchssinn ist ein Beweis dafür, dass Jehova gut ist. Die menschliche Nase kann unzählige Gerüche unterscheiden – Schätzungen reichen von einigen Tausend bis zu einer Billion. Denk nur einmal an ein brutzelndes Essen, einen Blumenstrauß, an Herbstlaub oder an den leichten Rauchgeruch, der von einem Kaminfeuer aufsteigt. Durch deinen Tastsinn spürst du das Streicheln einer Brise auf deinem Gesicht, einen Arm, der sich tröstend um deine Schulter legt, oder die glatte Haut einer frischen Frucht. Ein herzhafter Biss, und dein Geschmackssinn wird geweckt. Sobald die Geschmacksknospen angeregt werden, entfaltet sich das ganze Zusammenspiel feinster Geschmacksnuancen, die in dieser Frucht enthalten sind. Wir haben allen Grund, Jehova mit den Worten zu preisen: „Wie überströmend doch deine Güte ist! Du hast sie aufgehoben für die, die Ehrfurcht vor dir haben“ (Psalm 31:19). Wie hat Jehova denn für gottesfürchtige Menschen Güte „aufgehoben“?

      Güte, die unser ewiges Wohl im Auge hat

      12. Welche Gaben Jehovas sind am wichtigsten, und warum?

      12 Jesus sagte: „In den Schriften steht: ‚Der Mensch soll nicht allein von Brot leben, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Jehovas kommt‘“ (Matthäus 4:4). Jehovas Worte, die wir in der Bibel finden, sind noch besser für uns als die buchstäbliche Nahrung, für die er sorgt. Seine Worte führen zu ewigem Leben. Kapitel 8 dieses Buches spricht von einem immer größer werdenden geistigen Paradies, das Jehova in den heutigen letzten Tagen durch seine wiederher­stellende Macht geschaffen hat. Ein wichtiges Merkmal dieses Paradieses ist der Überfluss an geistiger Nahrung.

      13, 14. (a) Was sah der Prophet Hesekiel in einer Vision, und was bedeutet das für uns heute? (b) Welche Leben spendenden Gaben lässt Jehova seinen treuen Dienern zukommen?

      13 In einer der großen Wiederherstellungs­prophezeiungen der Bibel hatte der Prophet Hesekiel eine Vision von einem neuen, herrlichen Tempel. Von diesem Tempel ging ein Wasserlauf aus, der immer breiter und tiefer wurde, bis er zu einem Wildbach anschwoll. Wo immer das Wasser entlangfloss, bewirkte es etwas Gutes. An den Ufern wuchsen Bäume, die Nahrung hervorbrachten und Heilkräfte besaßen. Und der Fluss bescherte sogar dem salzigen, leblosen Toten Meer Fischreichtum und ließ es von Leben nur so wimmeln (Hesekiel 47:1-12). Aber was bedeutete all das?

      14 Die Tempelvision deutete darauf hin, dass Jehova die reine Anbetung wiederherstellen würde. Sie würde wieder seinen gerechten Maßstäben entsprechen. Ähnlich wie der Fluss, den Hesekiel sah, würden Gottes Leben spendende Gaben in immer reichlicherem Maß fließen. Seit der Wiederherstellung der reinen Anbetung im Jahr 1919 hat Jehova sein Volk mit allem versorgt, was zum Leben führt. Wie? Millionen von Menschen sind durch Bibeln, biblische Publikationen, Zusammenkünfte und Kongresse mit lebenswichtigen Wahrheiten in Berührung gekommen. Jehova hat die Menschen dadurch auch über die bedeutendste seiner Leben spendenden Gaben belehrt – Christi Loskaufsopfer. Durch dieses Opfer können Menschen, die Jehova lieben und Ehrfurcht vor ihm haben, in seinen Augen rein sein und auf ewiges Leben hoffen.a Solange die letzten Tage andauern, hat Jehovas Volk immer an einer geistigen Festtafel gesessen, während in der Welt geistiger Hunger herrscht (Jesaja 65:13).

      15. Wie wird die treue Menschheit während der Tausendjahr­herrschaft Christi spüren, dass Jehova gut ist?

      15 Doch nach dem Ende des heutigen Weltsystems hört der Fluss aus Hesekiels Vision nicht auf zu fließen. Im Gegenteil, er wird während der Tausendjahr­herrschaft Christi noch mehr Wasser führen. Dann wird Jehova der treuen Menschheit durch das messianische Königreich den vollen Nutzen des Opfers Jesu zukommen lassen und sie allmählich zur Vollkommenheit bringen. Wir werden vor Freude über Jehovas Güte nur so jubeln!

      Weitere Facetten der Güte Jehovas

      16. Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehovas Güte noch andere Eigenschaften einschließt, und welche gehören dazu?

      16 Jehovas Güte drückt sich aber nicht allein in Großzügigkeit aus. Gott sagte zu Moses: „Ich werde meine ganze Güte vor dir vorüberziehen lassen und den Namen Jehovas vor dir ausrufen.“ Etwas später heißt es: „Jehova ging vor ihm vorbei und rief aus: ‚Jehova, Jehova, ein Gott, der barmherzig und gnädig ist, der nicht schnell zornig wird und reich ist an loyaler Liebe und Wahrheit‘“ (2. Mose 33:19; 34:6, Fußnote). Das Gute oder die Güte Jehovas schließt demnach eine ganze Reihe hervorragender Eigenschaften ein. Wir wollen nur zwei davon herausgreifen.

      17. Was ist damit gemeint, dass Jehova gnädig ist, und wie zeigt er das gegenüber kleinen, unvollkommenen Menschen?

      17 Gnädig. Das entsprechende hebräische Wort wird auch mit „mitfühlend“ übersetzt. Diese Eigenschaft sagt viel darüber aus, wie Jehova mit seinen Geschöpfen umgeht. Statt schroff, kühl oder tyrannisch zu sein, wie man es von vielen Machthabern kennt, ist Jehova liebenswürdig und freundlich. Zu Abram sagte er beispielsweise: „Schau bitte von der Stelle, wo du stehst, nach Norden, Süden, Osten und Westen“ (1. Mose 13:14). In etlichen Bibel­übersetzungen fehlt das Wort „bitte“ an dieser Stelle. Verschiedene Bibelgelehrte erwähnen jedoch, dass im Hebräischen hier eine Partikel steht, die einen Befehl in eine höfliche Bitte verwandelt. Dafür gibt es noch ähnliche Beispiele (1. Mose 31:12; Hesekiel 8:5). Der Souverän des Universums sagt also zu kleinen, unbedeutenden Menschen „bitte“. Tut es in einer Welt, in der man grob, rücksichtslos und unhöflich miteinander umgeht, nicht gut, über die Freundlichkeit unseres Gottes, Jehova, nachzudenken?

      18. Was bedeutet es, dass Jehova reich an Wahrheit ist, und warum ist das beruhigend zu wissen?

      18 Reich an Wahrheit. Unehrlichkeit ist etwas ganz Alltägliches geworden. Doch in der Bibel heißt es: „Gott ist kein Mensch, der Lügen erzählt“ (4. Mose 23:19). In Titus 1:2 lesen wir sogar, dass „Gott … nicht lügen kann“. Seine Güte erlaubt das nicht. Deshalb sind seine Versprechen auch völlig zuverlässig, seine Worte immer glaubwürdig. Jehova wird der „Gott der Wahrheit“ genannt (Psalm 31:5). Ja, er sagt nie die Unwahrheit, sondern lässt uns Wahrheit in Hülle und Fülle zuteilwerden. Er ist nicht verschlossen, reserviert oder geheimnistuerisch, sondern erleuchtet seine treuen Diener großzügig mit seinem unerschöpflichen Schatz an Weisheit.b Er lehrt sie auch, ihr Leben nach seinen Wahrheiten auszurichten, damit sie auf dem „Weg der Wahrheit“ bleiben können (3. Johannes 3). Welche Grundhaltung sollte die Güte Jehovas in uns persönlich fördern?

      Strahle vor Freude, „weil Jehova gut ist“

      19, 20. (a) Wie versuchte Satan, Evas Vertrauen, dass Jehova gut ist, zu unterhöhlen, und mit welchem Ergebnis? (b) Wie sollte sich Jehovas Güte auf uns auswirken, und warum?

      19 Als Satan im Garten Eden Eva versuchte, unterhöhlte er geschickt ihr Vertrauen darauf, dass Gott gut ist. Jehova hatte zu Adam gesagt: „Du darfst von jedem Baum im Garten essen, bis du satt bist.“ Von den Tausenden Bäumen, die den Garten geschmückt haben müssen, war ihnen nur einer verboten. Doch achten wir einmal darauf, wie Satan seine erste Frage an Eva formulierte: „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr nicht von jedem Baum im Garten essen dürft?“ (1. Mose 2:9, 16; 3:1). Satan verdrehte Jehovas Worte so, dass Eva auf den Gedanken kam, Jehova würde den Menschen etwas Gutes vorenthalten. Leider hatte die Taktik Erfolg. In Eva regten sich Zweifel an der Güte Gottes, obwohl er ihr doch alles gegeben hatte. Und so erging es noch vielen Männern und Frauen nach ihr.

      20 Wir wissen nur zu gut, wie viel Leid und Elend solche Zweifel verursacht haben. Nehmen wir uns deshalb die Worte aus Jeremia 31:12 zu Herzen: „Sie werden strahlen, weil Jehova gut ist.“ Ja, wir können wirklich vor Freude strahlen! Wir haben keinerlei Grund, an den Beweggründen unseres von Güte überströmenden Gottes zu zweifeln. Er verdient unser absolutes Vertrauen, denn er möchte für alle, die ihn lieben, nur das Beste.

      21, 22. (a) Wie möchtest du Jehovas Güte erwidern? (b) Um welche Eigenschaft geht es im nächsten Kapitel, und worin unterscheidet sie sich von der Güte?

      21 Wir freuen uns auch über jede Gelegenheit, mit anderen über Gottes Güte zu sprechen. In Psalm 145:7 wird von Jehovas Volk gesagt: „In der Erinnerung daran, wie unendlich gut du bist, werden sie übersprudeln.“ Tag für Tag können wir in irgendeiner Form Jehovas Güte verspüren. Deshalb wäre es sicher gut, wenn wir uns angewöhnten, Jehova jeden Tag für seine Güte zu danken und dabei ruhig Einzelheiten zu erwähnen. Wenn wir über diese Eigenschaft nachdenken, Jehova täglich für seine Güte danken und mit anderen darüber sprechen, wird uns das helfen, die Güte unseres Gottes nachzuahmen. Und während wir wie Jehova stets nach Möglichkeiten suchen, Gutes zu tun, werden wir ihm immer näher kommen. Der betagte Apostel Johannes schrieb: „Lieber Freund, nimm dir kein Beispiel am Schlechten, sondern am Guten. Wer Gutes tut, stammt von Gott“ (3. Johannes 11).

      22 Jehovas Güte geht aber noch weiter. Gott ist „reich ist an loyaler Liebe“ (2. Mose 34:6). Diese Eigenschaft ist zielgerichteter als die Güte, denn Jehova bringt sie nur seinen treuen Dienern entgegen. Wie? Das erfahren wir im nächsten Kapitel.

      a Das Lösegeld ist das beste Beispiel dafür, wie gut Jehova ist. Von all den Millionen Geistgeschöpfen wählte Jehova seinen geliebten, einziggezeugten Sohn aus, um für uns zu sterben.

      b In der Bibel wird Wahrheit passenderweise mit Licht in Verbindung gebracht. „Sende dein Licht und deine Wahrheit aus“, sang der Psalmist in einem Lied (Psalm 43:3). Jehova gibt allen, die sich bereitwillig von ihm belehren oder erleuchten lassen, geistiges Licht im Übermaß (2. Korinther 4:6; 1. Johannes 1:5).

      Fragen zum Nachdenken

      • 1. Könige 8:54-61, 66 Wie drückte Salomo seine Dankbarkeit für all das Gute von Jehova aus, und wie berührte das die Israeliten?

      • Psalm 119:66, 68 Wie könnten wir in unseren Gebeten den Wunsch zum Ausdruck bringen, Jehovas Güte nachzuahmen?

      • Lukas 6:32-38 Was kann uns motivieren, Jehovas Großzügigkeit nachzuahmen?

      • Römer 12:2, 9, 17-21 Wie können wir im täglichen Leben Gutes tun?

  • „Du allein bist loyal“
    Komm Jehova doch näher
    • Der Mond am Nachthimmel.

      KAPITEL 28

      „Du allein bist loyal“

      1, 2. Warum kann man sagen, dass König David wusste, was Illoyalität bedeutet?

      KÖNIG DAVID wusste nur zu gut, was Illoyalität bedeutet. Während seiner wechselvollen Regierungszeit wurde er einmal das Opfer boshafter Intrigen, als sich seine eigenen Landsleute gegen ihn verschworen. Er wurde sogar von Menschen verraten, die eigentlich seine engsten Gefährten hätten sein sollen. Nehmen wir nur einmal Michal, Davids erste Frau. Am Anfang war sie „in David verliebt“ und unterstützte ihn sicherlich bei seinen Aufgaben als König. Später jedoch „verachtete sie ihn in ihrem Herzen“, und er war für sie „wie ein Hohlkopf“ (1. Samuel 18:20; 2. Samuel 6:16, 20).

      2 Etwas Ähnliches erlebte David mit seinem Ratgeber Ahithophel. Sein Rat galt so viel, als wäre er direkt von Jehova gekommen (2. Samuel 16:23). Doch mit der Zeit wurde dieser enge Vertraute zum Verräter und schloss sich einer raffiniert eingefädelten Verschwörung gegen David an. Und wer war der Drahtzieher? Absalom, Davids eigener Sohn! Er war ein hinterhältiger Opportunist. Zuerst „stahl er sich in die Herzen der Männer Israels“ und dann schwang er sich zu einem rivalisierenden König auf. Absalom hatte so großen Zulauf, dass König David gezwungen war, um sein Leben zu fliehen (2. Samuel 15:1-6, 12-17).

      3. Welches Vertrauen hatte David?

      3 Gab es denn niemand, der ihm treu war? Doch. David wusste, dass ihm in all seinen Nöten jemand loyal zur Seite stand. Wer? Kein Geringerer als Jehova Gott. „Mit dem Loyalen handelst du loyal“, sagte David über Jehova (2. Samuel 22:26). Aber was ist Loyalität, und wieso ist Jehova darin das größte Vorbild?

      Was ist Loyalität?

      4, 5. (a) Was ist Loyalität? (b) Wie unterscheidet sich Loyalität von Zuverlässigkeit?

      4 Das hebräische Wort für „Loyalität“ oder „loyal“ bezieht sich auf eine Person, die aus Güte, Freundlichkeit und Liebe unerschütterlich an etwas festhält oder zu jemandem steht, bis das beabsichtigte Ziel erreicht ist. Diese Loyalität beruht nicht auf reinem Pflichtgefühl, sondern auf Liebe.a Sie ist auch mehr als Zuverlässigkeit. Vom Mond schrieb der Psalmist zum Beispiel, er sei „ein treuer Zeuge am Himmel“ (Psalm 89:37). Der Mond ist in dem Sinne treu, dass er zuverlässig ist – er ist beständig jede Nacht am Himmel zu sehen. Doch man kann den Mond nicht als „loyal“ bezeichnen. Warum nicht? Weil Loyalität im biblischen Sinn von Liebe motiviert ist. Etwas Unbelebtes kann nicht lieben.

      Der Mond wird zwar als ein „treuer Zeuge“ bezeichnet, aber nur vernunftbegabte Geschöpfe können die Loyalität Jehovas nachahmen

      5 Loyalität im biblischen Sinne drückt Wärme aus. Sie setzt eine vertraute Beziehung zwischen Geber und Empfänger voraus. Loyalität ist nicht launisch. Sie lässt sich nicht wie Meereswellen vom Wind hin und her treiben. Im Gegenteil, Loyalität oder loyale Liebe ist so gefestigt und stark, dass sie selbst die bedrohlichsten Hindernisse überwindet.

      6. (a) Wie ist es bei den Menschen um die Loyalität bestellt, und wie wird das in der Bibel angedeutet? (b) Wie können wir am besten verstehen, was mit Loyalität gemeint ist, und warum?

      6 Eine solche Loyalität ist allerdings rar geworden. Nicht selten kann man beobachten, was die Bibel so beschreibt: „Manche Freunde sind bereit, sich gegenseitig zu schaden.“ Es kommt auch immer häufiger vor, dass jemand seinen Ehepartner verlässt (Sprüche 18:24; Maleachi 2:14-16). Treuloses Verhalten ist etwas so Alltägliches, dass man manchmal geneigt ist, wie der Prophet Micha zu sagen: „Der Loyale ist von der Erde verschwunden“ (Micha 7:2). Während man bei Menschen Loyalität oft vermisst, ist diese wunderschöne Eigenschaft bei Jehova ein hervorstechendes Wesensmerkmal. Was mit Loyalität genau gemeint ist, verstehen wir deshalb auch am besten, wenn wir untersuchen, wie Jehova diese großartige Facette seiner Liebe zum Ausdruck bringt.

      Jehovas unvergleichliche Loyalität

      7, 8. Weshalb kann man sagen, dass Jehova allein loyal ist?

      7 In der Bibel heißt es von Jehova: „Du allein bist loyal“ (Offenbarung 15:4). Wieso das? Haben nicht schon Menschen und Engel außergewöhnliche Loyalität bewiesen? (Hiob 1:1; Offenbarung 4:8). Und Jesus Christus? Niemand steht so loyal zu Jehova wie er (Psalm 16:10). Weshalb kann man dann sagen, Jehova allein sei loyal?

      8 Zunächst einmal ist Loyalität ja eine Facette der Liebe. Wer könnte somit loyaler sein als Jehova, der Liebe ist, diese Eigenschaft also verkörpert? (1. Johannes 4:8). Engel und Menschen können Gottes Eigenschaften zwar widerspiegeln, aber nur Jehova ist im höchsten Grad loyal. Da er der „Alte an Tagen“ ist, ist er schon länger loyal als irgendein Geschöpf im Himmel oder auf der Erde (Daniel 7:9). Jehova ist der Inbegriff der Loyalität. Er offenbart diese Eigenschaft in einer Art und Weise, wie es ihm kein Geschöpf gleichtun könnte. Hierzu einige Beispiele.

      9. Wieso ist Jehova „loyal in allem, was er tut“?

      9 Jehova ist „loyal in allem, was er tut“ (Psalm 145:17). Was heißt das? Psalm 136 gibt die Antwort. Dort werden eine ganze Reihe Rettungstaten Jehovas aufgeführt, etwa die aufsehenerregende Befreiung der Israeliten am Roten Meer. Bedeutsamerweise klingt jeder Vers dieses Psalms mit den Worten aus: „Seine loyale Liebe bleibt für immer.“ Psalm 136 ist übrigens auch Gegenstand der „Fragen zum Nachdenken“ am Ende dieses Kapitels. Wenn man diese Verse liest, kann man nur staunen, wie Jehova immer wieder loyal zu seinem Volk gehalten hat. Ja, Jehova ist seinen treuen Dienern gegenüber loyal, indem er ihre Hilferufe hört und zur gegebenen Zeit handelt (Psalm 34:6). Solange sie ihm gegenüber loyal bleiben, gerät seine loyale Liebe zu ihnen nicht ins Wanken.

      10. Wie beweist Jehova Loyalität, wenn es um seine Maßstäbe geht?

      10 Außerdem beweist Jehova gegenüber seinen Dienern auch dadurch Loyalität, dass er seinen Maßstäben treu bleibt. Im Unterschied zu Menschen, die sich oft einzig und allein von Launen und Gefühlen leiten lassen, schwankt Jehova nie in seiner Ansicht darüber, was richtig oder falsch ist. Sein Standpunkt zu Spiritismus, Götzendienst, Mord und dergleichen ist über die Jahrtausende unverändert geblieben. „Bis ihr alt seid, werde ich derselbe sein“, erklärte er durch den Propheten Jesaja (Jesaja 46:4). Wir können darauf vertrauen, dass die klaren Moralbegriffe in Gottes Wort zu unserem Besten sind (Jesaja 48:17-19).

      11. Nenne Beispiele dafür, dass Jehova treu zu seinen Versprechen steht.

      11 Jehovas Loyalität zeigt sich ferner darin, dass er treu zu seinen Versprechen steht. Was er vorhersagt, trifft immer ein. Er sagte über seine Worte: „Sie werden nicht ergebnislos zu mir zurückkehren, sondern sie werden mit Sicherheit alles erreichen, woran ich Freude habe, und sie werden ganz bestimmt Erfolg haben bei dem, was ich ihnen aufgetragen habe“ (Jesaja 55:11). Dadurch, dass Jehova Wort hält, erweist er sich seinen Dienern gegenüber als loyal. Er lässt sie nicht gespannt etwas erwarten, was er gar nicht zu tun vorhat. Jehova hat in dieser Hinsicht einen so einwandfreien Ruf, dass sein Diener Josua sagen konnte: „Von all dem Guten, das Jehova dem Haus Israel versprochen hatte, blieb kein einziges Versprechen unerfüllt – alles traf ein“ (Josua 21:45). Wir können uns also darauf verlassen, dass uns Jehova niemals durch leere Versprechungen enttäuschen wird (Jesaja 49:23; Römer 5:5).

      12, 13. Was ist damit gemeint, dass Jehovas loyale Liebe für immer bleibt?

      12 Wie gesagt heißt es in der Bibel über Jehova: „Seine loyale Liebe bleibt für immer“ (Psalm 136:1). Was ist damit gemeint? Ein Punkt wäre, dass Jehovas Sündenvergebung endgültig ist. Er rechnet vergangene, bereits verziehene Fehler nicht mehr an, wie in Kapitel 26 erläutert wurde. „Alle [haben] gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ – Grund genug für einen jeden von uns, dankbar zu sein, dass Jehovas loyale Liebe für immer bleibt (Römer 3:23).

      13 Aber Jehovas loyale Liebe bleibt noch in einem anderen Sinn für immer. In seinem Wort heißt es von dem Gerechten: „Er wird sein wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, ein Baum, der Frucht trägt zu seiner Zeit und dessen Laub nicht welkt. Und alles, was er tut, wird gelingen“ (Psalm 1:3). Ein üppiger Baum voller Saft und Kraft, dessen Laub nie welkt! Ein ähnlich langes, friedliches und produktives Leben steht auch uns in Aussicht, wenn wir an Gottes Wort Freude finden. Die Segnungen, die Jehova seinen treuen Dienern aus Loyalität zukommen lässt, sind von ewiger Dauer. In der gerechten neuen Welt, die er schaffen wird, können sich gehorsame Menschen für immer an seiner loyalen Liebe freuen (Offenbarung 21:3, 4).

      Jehova „wird seine Loyalen nicht im Stich lassen“

      14. Wie zeigt Jehova, dass er die Treue seiner Diener schätzt?

      14 Jehova hat seine Loyalität immer und immer wieder unter Beweis gestellt. Da er absolut beständig ist, ist auch seine Loyalität gegenüber seinen treuen Dienern stets gleichbleibend. Der Psalmist schrieb: „Früher war ich jung, jetzt bin ich alt, aber nie sah ich einen Gerechten verlassen oder seine Kinder nach Brot suchen. Denn Jehova liebt das Recht und er wird seine Loyalen nicht im Stich lassen“ (Psalm 37:25, 28). Natürlich verdient es Jehova als unser Schöpfer so oder so, von uns angebetet zu werden (Offenbarung 4:11). Doch weil er loyal ist, schätzt er unsere Treue sehr (Maleachi 3:16, 17).

      15. Erkläre, wie Jehovas Loyalität in seiner Handlungsweise mit Israel hervortrat.

      15 In seiner loyalen Liebe kommt Jehova seinem Volk immer wieder zu Hilfe, wenn es in Not ist. Der Psalmist sagte: „Er behütet das Leben seiner Loyalen. Aus der Hand der Bösen befreit er sie“ (Psalm 97:10). Denken wir nur daran, wie er sich gegenüber dem Volk Israel verhielt. Nach der übernatürlichen Befreiung am Roten Meer sangen die Israeliten in einem Lied für Jehova: „In deiner loyalen Liebe hast du das Volk geführt, das du erlöst hast“ (2. Mose 15:13). Die Befreiung am Roten Meer war mit Sicherheit ein Akt loyaler Liebe. Deshalb sagte Moses auch zu den Israeliten: „Es war nicht, weil ihr das größte von allen Völkern wart, dass Jehova euch Zuneigung gezeigt hat und euch ausgewählt hat – ihr wart ja das kleinste von allen Völkern. Es war vielmehr, weil Jehova euch geliebt hat und weil er sich an den Eid gehalten hat, den er gegenüber euren Vorfahren abgelegt hatte – deswegen hat Jehova euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus der Sklaverei, aus der Gewalt des Pharao, des Königs von Ägypten, befreit“ (5. Mose 7:7, 8).

      16, 17. (a) Wie weit ging die Undankbarkeit der Israeliten, doch wie erwies Jehova ihnen Mitgefühl? (b) Woran zeigte es sich, dass es für die meisten Israeliten „keine Hoffnung auf Heilung gab“, und wieso ist uns das eine Warnung?

      16 Als Ganzes gesehen zeigten sich die Israeliten allerdings nicht dankbar für die loyale Liebe Jehovas, denn nach ihrer Befreiung „sündigten [sie] weiter gegen ihn, als sie in der Wüste gegen den Höchsten rebellierten“ (Psalm 78:17). Im Lauf der Jahrhunderte lehnten sie sich immer wieder auf, kehrten Jehova den Rücken und wandten sich falschen Göttern und schändlichen heidnischen Bräuchen zu. Trotzdem brach Jehova seinen Bund mit ihnen nicht. Er flehte sein Volk durch den Propheten Jeremia an: „Kehr zurück, o Israel, du Abtrünnige … Ich werde nicht zornig auf dich blicken, denn ich bin loyal“ (Jeremia 3:12). Wie in Kapitel 25 erwähnt, blieben die meisten Israeliten jedoch ungerührt. „Sie verspotteten die Boten des wahren Gottes ständig. Sie verachteten seine Worte und machten sich über seine Propheten lustig.“ Was war die Folge? Es kam so weit, dass „Jehova auf sein Volk zornig wurde und es keine Hoffnung auf Heilung gab“ (2. Chronika 36:15, 16).

      17 Was lernen wir daraus? Dass Jehovas Loyalität weder blind noch naiv ist. Jehova ist zwar reich an loyaler Liebe und erweist gern Barmherzigkeit, wo sie berechtigt ist. Doch was ist, wenn sich jemand als unverbesserlich schlecht herausstellt? Einen solchen Menschen verurteilt er auf der Grundlage seiner eigenen gerechten Maßstäbe. Wie schon Moses erfuhr, wird Jehova „Schuldige auf keinen Fall ungestraft lassen“ (2. Mose 34:6, 7).

      18, 19. (a) Wieso ist es ein Akt der Loyalität, dass Jehova die Bösen bestraft? (b) Wie wird sich Jehova gegenüber seinen Dienern, die bis in den Tod verfolgt worden sind, als loyal erweisen?

      18 Dass Gott die Bösen bestraft, ist im Grunde genommen ein Akt der Loyalität. Weshalb? Einen Hinweis gibt uns das Bibelbuch Offenbarung, wo wir lesen, dass Jehova sieben Engel beauftragt: „Geht und gießt die sieben Schalen des Zorns Gottes über die Erde aus.“ Als der dritte Engel seine Schale „in die Flüsse und die Wasserquellen“ ausgießt, werden sie zu Blut. Darauf sagt der Engel zu Jehova: „Du, der du bist und der du warst, du Loyaler, bist gerecht, weil du diese Urteile gesprochen hast, denn du hast denen, die das Blut von Heiligen und von Propheten vergossen haben, Blut zu trinken gegeben. Sie verdienen es“ (Offenbarung 16:1-6).

      19 Mitten in der Gerichts­botschaft wird Jehova von dem Engel als „Loyaler“ angeredet. Warum? Weil sich Jehova durch die Vernichtung der Bösen gegenüber seinen Dienern, die oft bis in den Tod verfolgt wurden, als loyal erweist. Aus Loyalität hält Jehova sie in seinem Gedächtnis lebendig. Er sehnt sich danach, diese verstorbenen Treuen wiederzusehen, und die Bibel bestätigt uns, dass er sie mit einer Auferstehung belohnen wird (Hiob 14:14, 15). Jehova vergisst seine loyalen Diener nicht, nur weil sie gestorben sind. Im Gegenteil: „Für ihn leben sie alle“ (Lukas 20:37, 38). Es ist ein großer Beweis seiner Loyalität, dass er alle, die in seinem Gedächtnis sind, zum Leben zurückbringen wird.

      Aus Loyalität behält Jehova alle in Erinnerung, die bis in den Tod loyal zu ihm gehalten haben, und er wird sie auferwecken

      Bernard Luimes (oben) und Wolfgang Kusserow (Mitte) wurden unter dem NS-Regime hingerichtet

      Moses Nyamussua wurde von Anhängern einer politischen Gruppe mit Speeren getötet

      Jehovas loyale Liebe ebnet den Weg zur Rettung

      20. Wer sind die „Gefäße der Barmherzigkeit“, und wie erweist sich Jehova ihnen gegenüber als loyal?

      20 Jehova hat treuen Menschen schon immer außergewöhnliche Loyalität erwiesen. Tausende von Jahren hat er „die Gefäße des Zorns, die für die Vernichtung passend gemacht sind, mit viel Geduld“ ertragen. Wieso? „Um seine große Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit zum Ausdruck zu bringen, die er im Voraus für die Herrlichkeit vorbereitet hat“ (Römer 9:22, 23). Diese „Gefäße der Barmherzigkeit“ sind aufrichtige Menschen, die mit heiligem Geist gesalbt sind, um Miterben mit Christus in seinem Königreich zu sein (Matthäus 19:28). Dadurch, dass Jehova ihnen den Weg zur Rettung geebnet hat, erweist er sich gegenüber Abraham als loyal. Er hatte ihm in einem Bund versprochen: „Weil du auf meine Stimme gehört hast, werden alle Völker der Erde durch deinen Nachkommen gesegnet werden“ (1. Mose 22:18).

      Glücklich lächelnde Brüder und Schwestern aus unterschiedlichen Kulturen und Altersgruppen.

      Weil Jehova loyal ist, haben alle seine treuen Diener eine sichere Hoffnung

      21. (a) Wie zeigt sich Jehovas Loyalität gegenüber einer „großen Volksmenge“, die aus der „großen Drangsal“ herauskommen wird? (b) Wozu fühlst du dich durch Jehovas Loyalität gedrängt?

      21 Jehovas Loyalität zeigt sich auch gegenüber einer „großen Volksmenge“. Sie hat die Aussicht, aus der „großen Drangsal“ herauszukommen und für immer eine paradiesische Erde zu bewohnen (Offenbarung 7:9, 10, 14). Obwohl es sich dabei um unvollkommene Menschen handelt, gibt Jehova ihnen in seiner Loyalität die Chance, ewig in einem irdischen Paradies zu leben. Wie ist das möglich? Durch das Lösegeld – den größten Beweis seiner Loyalität (Johannes 3:16; Römer 5:8). Auf Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, wirkt die Loyalität Jehovas anziehend (Jeremia 31:3). Fühlst du dich nicht durch die tiefe Loyalität, die Jehova bewiesen hat und auch künftig beweisen wird, noch mehr zu ihm hingezogen? Als Reaktion auf seine Liebe und aus dem Wunsch heraus, ihm näherzukommen, möchten wir bestimmt unseren Entschluss festigen, ihm loyal zu dienen.

      a Interessanter­weise wird das Wort, das in 2. Samuel 22:26 mit „loyal“ wiedergegeben ist, an anderen Stellen auch mit „loyale Liebe“ übersetzt.

      Fragen zum Nachdenken

      • 1. Samuel 24:1-22 Wie brachte David durch sein Verhalten gegenüber König Saul genau die Loyalität zum Ausdruck, die Jehova schätzt?

      • Esther 3:7-9; 4:6 bis 5:1 Wie bewies Esther gegenüber ihrem Volk Loyalität, obwohl sie dadurch ihr Leben aufs Spiel setzte?

      • Psalm 136:1-26 Was erfahren wir durch diesen Psalm über Jehovas loyale Liebe?

      • Obadja 1-4, 10-16 Wieso war es ein Ausdruck der Loyalität Jehovas gegenüber seinem Volk, dass er die Edomiter für ihr illoyales Verhalten bestrafte?

  • „Die Liebe des Christus … erkennen“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus empfindet tiefes Mitgefühl.

      KAPITEL 29

      „Die Liebe des Christus … erkennen“

      1-3. (a) Was veranlasste Jesus, wie sein Vater sein zu wollen? (b) Mit welchen Facetten der Liebe Jesu werden wir uns befassen?

      HAST du schon einmal einen kleinen Jungen beobachtet, der versucht, wie sein Vater zu sein? Er imitiert vielleicht den Gang, die Ausdrucksweise oder das Benehmen seines Vaters. Es kann auch sein, dass er mit der Zeit die moralischen und religiösen Werte von ihm übernimmt. Wenn ein Junge genauso werden möchte wie sein Vater, steckt höchst­wahrscheinlich Liebe und Bewunderung dahinter.

      2 Wie lässt sich das auf die Beziehung zwischen Jesus und seinem himmlischen Vater übertragen? Jesus sagte einmal: „Ich [liebe] den Vater“ (Johannes 14:31). Niemand könnte Jehova mehr lieben als dieser Sohn, der, schon lange bevor irgendwelche anderen Geschöpfe ins Dasein kamen, beim Vater war. Aus Liebe wollte dieser treue Sohn wie sein Vater sein (Johannes 14:9).

      3 In anderen Kapiteln dieses Buches wurde schon darauf eingegangen, dass Jesus die Macht, Gerechtigkeit und Weisheit Jehovas vollkommen nachahmte. Wie spiegelte er aber die Liebe seines Vaters wider? Befassen wir uns mit drei Facetten der Liebe Jesu: seiner Opfer­bereitschaft, seinem tiefen Mitgefühl und seiner Bereitschaft zu vergeben.

      „Die größte Liebe“

      4. Wie gab Jesus von allen Menschen das beste Beispiel für aufopfernde Liebe?

      4 Jesus hat ein hervorragendes Beispiel für aufopfernde Liebe gegeben. Aufopferung bedeutet, dass man die Bedürfnisse und Interessen anderer selbstlos den eigenen voranstellt. Wie zeigte Jesus eine solche Liebe? Er erklärte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Jesus gab aus freien Stücken sein vollkommenes Leben für uns hin. Das war der größte Liebesbeweis, den je ein Mensch erbracht hat. Doch Jesus bewies noch in anderer Hinsicht aufopfernde Liebe.

      5. Warum beweist es große Liebe, dass der einziggezeugte Sohn Gottes den Himmel verließ?

      5 Während seiner vormenschlichen Existenz hatte der einziggezeugte Sohn Gottes im Himmel eine ehrenvolle, hohe Stellung inne. Er hatte enge Gemeinschaft mit Jehova und einer Vielzahl von Geistgeschöpfen. Und obwohl dieser geliebte Sohn solche Vorzüge genoss, heißt es über ihn: „Er gab … alles auf, was er hatte, nahm Sklavengestalt an und wurde Mensch“ (Philipper 2:7). Er begab sich freiwillig unter sündige Menschen in eine Welt, die „in der Gewalt des Bösen“ ist (1. Johannes 5:19). Beweist dieses Opfer des Sohnes Gottes nicht große Liebe?

      6, 7. (a) Wie ließ Jesus auf der Erde aufopfernde Liebe erkennen? (b) Welches bewegende Beispiel für selbstlose Liebe ist in Johannes 19:25-27 aufgezeichnet?

      6 Jesu Wirken auf der Erde ist von unterschiedlichen Arten aufopfernder Liebe geprägt. Er war völlig selbstlos. Seine Tätigkeit erfüllte ihn so sehr, dass er auf ganz normale, eigentlich selbst­verständliche Annehmlichkeiten verzichtete. „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel des Himmels ihr Nest“, sagte er, „aber der Menschensohn hat kein eigenes Zuhause“ (Matthäus 8:20). Als geschickter Zimmermann hätte Jesus durchaus ein wenig Zeit dafür reservieren können, sich ein komfortables Haus zu bauen oder als kleine Einnahmequelle schöne Möbel zu fertigen. Doch er nutzte seine Fähigkeiten nicht für materiellen Gewinn.

      7 Ein wirklich bewegendes Beispiel für Jesu aufopfernde Liebe ist in Johannes 19:25-27 aufgezeichnet. Stellen wir uns vor, was Jesus in den letzten Stunden vor seinem Tod alles durch den Kopf gegangen sein muss. Während er am Stamm Qualen litt, machte er sich Gedanken über seine Jünger, über das Predigtwerk und vor allem über seine Integrität und wie der Name seines Vaters davon berührt wurde. Tatsächlich lastete die ganze Zukunft der Menschheit auf seinen Schultern. Trotz alldem war er in seinen letzten Minuten auch um seine Mutter Maria besorgt, die damals anscheinend schon Witwe war. Jesus bat den Apostel Johannes, Maria wie seine eigene Mutter zu behandeln, worauf Johannes sie bei sich zu Hause aufnahm. Jesus war somit auf das körperliche Wohl und das Glaubensleben seiner Mutter bedacht. Wie innig und selbstlos seine Liebe doch war!

      Er „empfand tiefes Mitgefühl“

      8. Was bedeutet das griechische Wort, mit dem die Bibel Jesu Mitgefühl beschreibt?

      8 Jesus war mitfühlend wie sein Vater. Die Bibel beschreibt ihn als jemand, der Notleidenden die Hand reichte, weil ihr Leid ihn tief berührte. Für das Mitgefühl Jesu gebraucht die Bibel ein griechisches Wort, das von einem Gelehrten als ein Gefühl beschrieben wird, „das den Menschen bis ins tiefste Innere erschüttert. Es ist das stärkste griechische Wort für Mitgefühl.“ Wenden wir uns nun einigen Situationen zu, in denen Jesus von tiefem Mitgefühl zum Handeln motiviert wurde.

      9, 10. (a) Weswegen wollten Jesus und seine Apostel an einen einsamen Ort gehen? (b) Wie reagierte Jesus, als eine Menschenmenge seine Ruhe störte, und warum?

      9 Aus tiefem Mitgefühl half er Menschen, Jehova näherzukommen. Der Bericht in Markus 6:30-34 zeigt, was Jesus in erster Linie bewog, tiefes Mitgefühl zu zeigen. Versetzen wir uns einmal in die Szene hinein. Die Apostel waren ganz aufgeregt! Sie hatten gerade eine ausgedehnte Predigtreise hinter sich. Jetzt waren sie wieder bei Jesus und berichteten begeistert, was sie alles gesehen und gehört hatten. Doch da versammelte sich eine große Menschenmenge, sodass Jesus und seine Apostel nicht einmal Zeit hatten, etwas zu essen. Als guter Beobachter merkte Jesus, dass die Apostel müde waren. „Kommt mit, ihr allein, an einen einsamen Ort und ruht euch ein bisschen aus“, sagte er zu ihnen. Sie stiegen in ein Boot und fuhren quer über die Nordspitze des Galiläischen Meeres zu einer ruhigen Stelle. Die Menge sah aber, wie sie wegfuhren. Und noch andere hörten davon. Alle diese Leute liefen am Nordufer entlang und kamen schon vor dem Boot auf der anderen Seite an.

      10 Ärgerte sich Jesus darüber, dass er in seiner Ruhe gestört wurde? Nicht im Geringsten. Der Anblick dieser Tausende von wartenden Menschen bewegte ihn sehr. Markus schrieb: „Als er ausstieg, sah er eine große Menschenmenge und empfand tiefes Mitgefühl mit den Leuten, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten. Und er fing an, sie vieles zu lehren.“ Jesus sah, wie sehr die einzelnen Menschen Gott brauchten. Sie waren wie umherirrende Schafe, die von keinem Hirten geleitet oder beschützt wurden. Jesus wusste, dass das einfache Volk von den kaltherzigen religiösen Oberhäuptern, die eigentlich fürsorgliche Hirten hätten sein sollen, vernachlässigt wurde (Johannes 7:47-49). Die Leute taten ihm leid, und deshalb „erzählte [er] ihnen von Gottes Königreich“ (Lukas 9:11). Es ist bemerkenswert, dass Jesus schon Mitleid mit ihnen hatte, bevor er sah, wie sie auf seine Lehren reagierten. Sein tiefes Mitgefühl war das Motiv, warum er die Menschenmenge lehrte, und stellte sich nicht erst als Reaktion ein.

      Jesus empfindet tiefes Mitgefühl mit einem Aussätzigen und fasst ihn an. Andere ekeln sich vor dem Aussätzigen.

      Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn

      11, 12. (a) Wie sah man in biblischen Zeiten Aussätzige an, aber wie reagierte Jesus auf einen Mann, der „voller Aussatz“ war? (b) Was empfand der Aussätzige wohl bei Jesu Berührung, und wie wird das am Erlebnis eines Arztes deutlich?

      11 Aus tiefem Mitgefühl linderte er Leid. Menschen mit den verschiedensten Krankheiten spürten, dass Jesus Mitgefühl hatte, und fühlten sich zu ihm hingezogen. Das zeigte sich besonders deutlich, als Jesus mit einer Menschenmenge im Gefolge von einem Mann angesprochen wurde, der „voller Aussatz“ war (Lukas 5:12). In biblischen Zeiten standen Aussätzige unter Quarantäne, damit andere sich nicht infizierten (4. Mose 5:1-4). Die Rabbiner allerdings ließen allmählich eine herzlose Haltung gegenüber Aussätzigen aufkommen und stellten ihre eigenen bedrückenden Vorschriften auf.a Achten wir nun einmal darauf, wie Jesus mit dem Aussätzigen umging. Wir lesen: „Es kam auch ein Aussätziger zu ihm und flehte ihn sogar auf Knien an: ‚Wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen.‘ Da empfand er tiefes Mitgefühl, streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: ‚Das will ich! Du sollst gesund werden.‘ Im selben Augenblick verschwand der Aussatz“ (Markus 1:40-42). Jesus wusste, dass der Aussätzige nach dem Gesetz überhaupt nicht dort sein durfte. Doch statt ihn abzuweisen, war Jesus so ergriffen, dass er etwas Unvorstellbares tat. Er berührte ihn!

      12 Kannst du dir vorstellen, wie viel diese Berührung dem Aussätzigen bedeutete? Ein Vorfall in Indien soll das verdeutlichen. Dr. Paul Brand, ein Lepraspezialist, berichtet von einem Mann, den er behandelte. Bei der Untersuchung legte er dem Leprakranken die Hand auf die Schulter und erklärte ihm durch einen Dolmetscher, was er mit ihm vorhatte. Da fing der Kranke an zu weinen. „Hab ich etwas Verkehrtes gesagt?“, fragte der Arzt. Der Dolmetscher übersetzte dem jungen Mann die Frage und meinte dann: „Nein, Herr Doktor. Er sagt, dass er weint, weil Sie ihm den Arm um die Schulter gelegt haben. Seit Jahren hat ihn niemand mehr berührt.“ Für den Aussätzigen, der sich an Jesus wandte, hatte es eine noch viel größere Bedeutung, berührt zu werden. Nach dieser einzigen Berührung verschwand die Krankheit, die ihn zu einem Ausgestoßenen gemacht hatte.

      13, 14. (a) Was sah Jesus, als er sich der Stadt Nain näherte, und was war an der Situation besonders tragisch? (b) Was tat Jesus aus tiefem Mitgefühl für die Witwe von Nain?

      13 Aus tiefem Mitgefühl vertrieb er Kummer. Der Kummer anderer Menschen ging Jesus sehr nahe. Ein Beispiel dafür ist der Bericht in Lukas 7:11-15. Etwa in der Mitte seines Dienstes auf der Erde kam Jesus zu der galiläischen Stadt Nain. Vor dem Stadttor traf er auf einen Trauerzug. Die Umstände waren ganz besonders tragisch. Ein junger Mann, der einzige Sohn einer Witwe, war gestorben. Sehr wahrscheinlich war die Mutter schon beim Tod ihres Mannes in einem solchen Trauerzug mitgelaufen. Und jetzt war ihr Sohn tot – womöglich die einzige Stütze, die ihr geblieben war. In dem Gefolge befanden sich bestimmt Frauen, die Trauerlieder sangen, und Musiker, die traurige Melodien spielten (Jeremia 9:17, 18; Matthäus 9:23). Doch Jesus konnte seinen Blick nicht von der gramgebeugten Mutter wenden, die sicher neben der Totenbahre herging.

      14 Er empfand tiefes Mitgefühl für sie. Beruhigend redete er ihr zu: „Hör auf zu weinen.“ Unaufgefordert ging er zu der Bahre hin und berührte sie. Da blieben die Träger stehen – und möglicherweise auch alle anderen. Jesus befahl dem leblosen Körper: „Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!“ Was geschah nun? „Da setzte sich der Tote auf und fing an zu reden“, als sei er aus einem tiefen Schlaf erwacht. Darauf folgt eine ergreifende Bemerkung: „Und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.“

      15. (a) Wie wird an Jesus die Verbindung zwischen Mitgefühl und Handeln deutlich? (b) Wie können wir Jesus darin nachahmen?

      15 Was lernen wir aus diesen Berichten? Auffällig ist jedes Mal die Verbindung zwischen Mitgefühl und Handeln. Jesus konnte nicht die Not anderer sehen, ohne tiefes Mitgefühl zu empfinden, und er konnte nicht Mitgefühl empfinden, ohne etwas zu unternehmen. Wie können wir ihm nacheifern? Als Christen sind wir verpflichtet, die gute Botschaft zu predigen und Menschen zu Jüngern zu machen. Unser Hauptbeweggrund dabei ist unsere Liebe zu Gott. Vergessen wir aber nicht, dass es sich hier auch um ein von Mitgefühl getragenes Werk handelt. Wenn wir für die Menschen so empfinden wie Jesus, werden wir uns von Herzen gedrängt fühlen, beim Predigen der guten Botschaft unser Bestes zu geben (Matthäus 22:37-39). Wie können wir leidenden oder trauernden Glaubensbrüdern Mitgefühl erweisen? Wunderheilungen oder Auferweckungen können wir natürlich nicht vollbringen. Doch wir können aktives Mitgefühl zeigen, indem wir auf andere zugehen und unsere Anteilnahme zum Ausdruck bringen oder auch praktische Hilfe leisten (Epheser 4:32).

      „Vater, vergib ihnen“

      16. Wie ließ Jesus seine Bereitschaft zum Vergeben sogar am Marterpfahl erkennen?

      16 Jesus spiegelte die Liebe seines Vaters noch in einem anderen wichtigen Punkt vollkommen wider – er vergab gern (Psalm 86:5). Das ließ er sogar am Marterpfahl erkennen. Welche Worte äußerte er, als er mit durchbohrten Händen und Füßen am Pfahl hing und wie ein Verbrecher starb? Bat er Jehova, die Vollstrecker zu bestrafen? Im Gegenteil, seine letzten Worte waren unter anderem: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23:34).b

      17-19. Woran ist zu erkennen, dass Jesus dem Apostel Petrus die dreimalige Verleugnung vergeben hatte?

      17 Ein vielleicht noch bewegenderes Beispiel für Jesu Bereitschaft zu vergeben ist sein Verhalten gegenüber dem Apostel Petrus. Es steht außer Frage, dass Petrus Jesus von ganzem Herzen liebte. Am 14. Nisan, am Abend vor Jesu Tod, sagte er zu ihm: „Herr, ich bin bereit, mit dir sowohl ins Gefängnis als auch in den Tod zu gehen.“ Doch nur wenige Stunden später leugnete Petrus drei Mal, Jesus auch nur zu kennen. Aus der Bibel erfahren wir, was geschah, als er ihn zum dritten Mal verleugnete: „Da drehte sich der Herr um und sah Petrus direkt an.“ Petrus brach unter der Last seiner Sünde zusammen. „Er ging hinaus und weinte bitterlich.“ Als Jesus Stunden später starb, fragte sich der Apostel wahrscheinlich, ob sein Herr ihm wohl vergeben hatte (Lukas 22:33, 61, 62).

      18 Petrus musste nicht lange auf eine Antwort warten. Jesus wurde am Morgen des 16. Nisan auferweckt und suchte ihn offenbar noch am selben Tag persönlich auf (Lukas 24:34; 1. Korinther 15:4-8). Warum schenkte Jesus dem Apostel, der ihn so nachdrücklich verleugnet hatte, so große Aufmerksamkeit? Vielleicht wollte er dem reumütigen Petrus versichern, dass er ihn nach wie vor liebte und schätzte. Doch Jesus ging noch weiter.

      19 Irgendwann später erschien er seinen Jüngern am See von Galiläa. Jesus fragte Petrus (der seinen Herrn ja drei Mal verleugnet hatte) drei Mal, ob er ihn liebe. Nach dem dritten Mal erwiderte Petrus: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus, der ins Herz schauen konnte, war sich natürlich der Liebe des Petrus bewusst. Doch er gab Petrus Gelegenheit, ihm seine Liebe zu versichern. Und nicht nur das, Jesus beauftragte ihn, seine „Schäfchen“ zu „weiden“ und zu „hüten“ (Johannes 21:15-17). Schon früher einmal hatte Petrus einen Predigtauftrag erhalten (Lukas 5:10). Aber jetzt übertrug ihm Jesus als bemerkenswerten Vertrauensbeweis noch eine weitere große Verantwortung: die Sorge für seine künftigen Nachfolger. Kurz darauf wies er ihm eine herausragende Rolle im christlichen Betätigungsfeld zu (Apostel­geschichte 2:1-41). Wie erleichtert muss Petrus gewesen sein, dass Jesus ihm vergeben hatte und ihm vertraute!

      „Die Liebe des Christus“ – „erkennen“ wir sie?

      20, 21. Wie können wir „die Liebe des Christus“ voll und ganz „erkennen“?

      20 In Gottes Wort wird die Liebe des Christus sehr ansprechend beschrieben. Wie sollten wir aber auf Jesu Liebe reagieren? In der Bibel werden wir aufgefordert, „die Liebe des Christus zu erkennen, die die Erkenntnis übersteigt“ (Epheser 3:19). Wie wir gesehen haben, machen uns die Evangelien­berichte über Jesu Leben und Wirken gut mit der Liebe Christi vertraut. Wenn wir „die Liebe des Christus“ aber voll und ganz „erkennen“ wollen, reicht es nicht aus, sich damit zu befassen, was die Bibel über ihn sagt.

      21 Das griechische Wort, das mit „erkennen“ wiedergegeben wird, bedeutet „in der Praxis, durch Erfahrung“ kennenlernen. Wenn wir so wie Jesus Liebe zeigen – anderen von uns selbst geben, mitfühlend auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihnen von Herzen vergeben –, können wir uns wirklich in ihn hineindenken. So werden wir allmählich durch persönliche Erfahrung „die Liebe des Christus … erkennen, die die Erkenntnis übersteigt“. Und dabei wollen wir nie vergessen: Je mehr wir uns Christus angleichen, umso näher werden wir demjenigen kommen, den Jesus vollkommen nachahmte – unserem liebevollen Gott, Jehova.

      a Laut den rabbinischen Vorschriften durfte man sich einem Aussätzigen nur bis auf 4 Ellen (knapp 2 Meter) nähern. Und bei Wind musste man mindestens 100 Ellen (fast 50 Meter) Abstand halten. Der Midrasch Rabba berichtet von einem Rabbi, der sich vor Aussätzigen versteckte, und von einem, der Aussätzige mit Steinen bewarf, um sie fernzuhalten. Aussätzige kannten also den Schmerz der Zurückweisung und das Gefühl, verachtet zu werden und unerwünscht zu sein.

      b In mehreren alten Handschriften kommt der erste Teil von Lukas 23:34 nicht vor. Da diese Worte aber in vielen anderen maßgeblichen Handschriften erscheinen, wurden sie in die Neue-Welt-Übersetzung und zahlreiche andere Bibel­übersetzungen aufgenommen. Jesus könnte die römischen Soldaten gemeint haben, die ihn an den Pfahl gebracht hatten. Sie wussten nicht, was sie taten, denn sie wussten nicht, wer Jesus wirklich war. Er könnte aber auch die Juden im Sinn gehabt haben, die seine Hinrichtung gefordert hatten, später jedoch an ihn glaubten (Apostel­geschichte 2:36-38). Die religiösen Führer, die diese Hinrichtung eingefädelt hatten, trugen freilich eine weit größere Schuld, denn sie hatten wissentlich und in böser Absicht gehandelt. Vielen von ihnen konnte nicht vergeben werden (Johannes 11:45-53).

      Fragen zum Nachdenken

      • Matthäus 9:35-38 Auf welche bedeutsame Art und Weise zeigte Jesus Mitgefühl, und wie sollte uns das berühren?

      • Johannes 13:34, 35 Warum ist es so wichtig, dass wir die Liebe des Christus widerspiegeln?

      • Römer 15:1-6 Wie können wir die selbstlose Einstellung Christi nachahmen?

      • 2. Korinther 5:14, 15 Wie sollte sich unsere Dankbarkeit für das Lösegeld auf unsere Anschauungen, Ziele und unsere Lebensweise auswirken?

  • „Geht weiter den Weg der Liebe“
    Komm Jehova doch näher
    • Brüder und Schwestern in einer Versammlung unterhalten sich freundlich.

      KAPITEL 30

      „Geht weiter den Weg der Liebe“

      1-3. Was wird das Ergebnis sein, wenn wir uns in der Liebe Jehova zum Vorbild nehmen?

      „GEBEN macht glücklicher als Empfangen“ (Apostel­geschichte 20:35). Diese Worte Jesu unterstreichen eine wichtige Tatsache: Selbstlose Liebe macht sich auf ihre Art bezahlt. Liebe zu empfangen ist sehr beglückend, aber sie zu schenken macht noch glücklicher.

      2 Das weiß niemand besser als unser himmlischer Vater. Wie wir in den vorigen Kapiteln dieses Abschnitts gesehen haben, ist Jehova ein vollendetes Beispiel für Liebe. Niemand hat über einen so langen Zeitraum so viel Liebe gezeigt wie er. Kein Wunder, dass Jehova als der „glückliche Gott“ bezeichnet wird! (1. Timotheus 1:11).

      3 Unser liebevoller Gott möchte, dass wir versuchen, wie er zu sein – vor allem wenn es um die Liebe geht. In Epheser 5:1, 2 werden wir aufgefordert: „Nehmt euch Gott zum Vorbild als geliebte Kinder, und geht weiter den Weg der Liebe.“ Wenn wir uns in der Liebe an Jehova orientieren, werden wir verspüren, wie viel mehr Glück im Geben liegt. Auch haben wir dann das befriedigende Bewusstsein, Jehova zu gefallen, denn in seinem Wort werden wir ja angehalten, einander zu lieben (Römer 13:8). Doch es gibt noch andere Gründe, weiterhin den Weg der Liebe zu gehen.

      Warum die Liebe so wichtig ist

      Ein älterer Bruder legt einem jüngeren Bruder lächelnd die Hand auf die Schulter.

      Die Liebe veranlasst uns, unseren Brüdern zu vertrauen

      4, 5. Warum ist aufopfernde Liebe unter Glaubensbrüdern so wichtig?

      4 Warum ist es so wichtig, unsere Glaubensbrüder zu lieben? Kurz gesagt ist die Liebe das, was echtes Christentum ausmacht. Ohne Liebe ist kein enger Zusammenhalt unter Christen möglich, und was noch schlimmer wäre, wir wären in Jehovas Augen nichts wert. Sehen wir uns einmal an, wie diese Wahrheiten in Gottes Wort herausgestellt werden.

      5 Am Abend vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Nachfolgern: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:34, 35). „So wie ich euch geliebt habe“ – damit wird uns geboten, die gleiche Liebe zu zeigen wie Jesus. In Kapitel 29 haben wir Jesus als ein überragendes Beispiel für aufopfernde Liebe kennengelernt, als jemand, der die Bedürfnisse und Interessen anderer seinen eigenen voranstellte. Auch wir sind zu selbstloser Liebe aufgerufen, und diese Liebe sollte so markant sein, dass sie sogar Außenstehenden auffällt. Aufopfernde brüderliche Liebe ist das Markenzeichen wahrer Nachfolger Christi.

      6, 7. (a) Woher wissen wir, dass Gottes Wort der Liebe großen Wert beimisst? (b) Auf welche Liebe konzentrierte sich Paulus in 1. Korinther 13:4-8?

      6 Was aber, wenn es uns an Liebe fehlt? „Wenn ich … keine Liebe habe“, sagte der Apostel Paulus, „bin ich ein dröhnender Gong oder eine scheppernde Zimbel geworden“ (1. Korinther 13:1). Eine scheppernde Zimbel tut den Ohren weh. Und ein dröhnender Gong ist auch nicht besser. Wirklich treffende Vergleiche! Ein liebloser Mensch ist wie ein Musikinstrument, das einen lauten Misston von sich gibt. Wie könnte so jemand ein enges Verhältnis zu anderen aufbauen? Paulus sagte weiter: „Wenn mein Glaube so groß ist, dass er Berge versetzen kann, ich aber keine Liebe habe, dann bin ich nichts“ (1. Korinther 13:2). Ein Mensch ohne Liebe ist trotz all seiner Leistungen „eine Null“ (Bruns). Das zeigt, was für einen Stellenwert die Liebe in Gottes Wort hat.

      7 Wie können wir diese Eigenschaft aber im Umgang miteinander unter Beweis stellen? Befassen wir uns dazu mit den Worten des Paulus in 1. Korinther 13:4-8. In dieser Passage geht es weder um Gottes Liebe zu uns noch um unsere Liebe zu Gott. Paulus konzentrierte sich hier darauf, wie wir einander lieben sollten. Er beschrieb, was Liebe ist und was sie nicht ist.

      Was Liebe ist

      8. Wieso erleichtert Geduld das menschliche Miteinander?

      8 „Die Liebe ist geduldig.“ Wer liebt, erträgt andere mit Geduld (Kolosser 3:13). Diese Geduld brauchen wir bestimmt alle. Als unvollkommene Menschen, die Schulter an Schulter tätig sind, müssen wir einfach damit rechnen, dass wir uns hin und wieder mit unseren Glaubensbrüdern reiben. Mit Geduld und Nachsicht können wir die kleineren Schrammen und Kratzer, die wir im menschlichen Miteinander abbekommen, hinnehmen, ohne dass der Frieden in der Versammlung gestört wird.

      9. Wie können wir anderen Güte erweisen?

      9 „Die Liebe ist … gütig.“ Güte zeigt sich in tatkräftiger Hilfe und wohlüberlegten Worten. Die Liebe hält nach Gelegenheiten Ausschau, Güte zu üben, vor allem gegenüber denen, die sie dringend brauchen. Es kann sein, dass ein älterer Glaubensbruder einsam ist und sich über einen aufmunternden Besuch freuen würde. Eine alleinerziehende Mutter oder eine Schwester, deren Mann ihren Glauben nicht teilt, braucht vielleicht ein wenig Beistand. Jemand, der krank ist oder gerade viel durchmacht, sehnt sich wahrscheinlich nach ein paar lieben Worten von einem treuen Freund (Sprüche 12:25; 17:17). Wenn wir in solchen Situationen von uns aus Güte zeigen, beweisen wir, dass unsere Liebe echt ist (2. Korinther 8:8).

      10. Wie hilft uns die Liebe, auch in schwierigen Situationen die Wahrheit zu sagen und für sie einzutreten?

      10 „Die Liebe … freut sich mit der Wahrheit.“ In der Neuen Genfer Übersetzung steht hier: „Wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.“ Die Liebe veranlasst uns, für die Wahrheit einzutreten und miteinander die Wahrheit zu reden (Sacharja 8:16). Wenn beispielsweise jemand, der uns nahesteht, eine schwere Sünde begangen hat, wird uns die Liebe zu Jehova und auch zu dem Betreffenden helfen, Gottes Maßstäben treu zu bleiben und die Sache nicht zu verheimlichen, zu rechtfertigen oder gar deswegen zu lügen. Der Wahrheit ins Auge zu sehen ist natürlich oft hart. Doch wenn einem das Wohl des anderen am Herzen liegt, möchte man, dass ihm die liebevolle Zurechtweisung Gottes zukommt und er darauf anspricht (Sprüche 3:11, 12). Als Christen, die sich in der Liebe üben, möchten „wir uns in allem ehrlich benehmen“ (Hebräer 13:18).

      11. Wie sollten wir aus Liebe mit den Unzulänglichkeiten unserer Glaubensbrüder umgehen?

      11 „Die Liebe … erträgt alles.“ Dieser Ausdruck bedeutet wörtlich „deckt alles zu“. In 1. Petrus 4:8 heißt es: „Liebe deckt eine Menge von Sünden zu.“ Ein Christ, der sich von Liebe leiten lässt, hat nicht das Bedürfnis, alle Unzulänglichkeiten seiner Glaubensbrüder bloßzulegen. Oft sind diese Schwächen und Fehler geringfügiger Natur und lassen sich mit dem Mantel der Liebe zudecken (Sprüche 10:12; 17:9).

      12. Wie ließ der Apostel Paulus erkennen, dass er von Philemon das Beste annahm, und was können wir aus diesem Beispiel lernen?

      12 „Die Liebe … glaubt alles.“ Die Wiedergabe von Moffatt lautet, dass die Liebe „immer darauf bedacht ist, das Beste anzunehmen“. Wir begegnen unseren Glaubensbrüdern also nicht mit unnötigem Misstrauen und stellen nicht ständig ihre Beweggründe infrage. Die Liebe hilft uns, von unseren Brüdern „das Beste anzunehmen“ und ihnen zu vertrauen.a Das kommt auch im Brief des Paulus an Philemon zum Ausdruck. Paulus legte Philemon ans Herz, den entlaufenen Sklaven Onesimus, der inzwischen ein Christ geworden war, freundlich wiederaufzunehmen. Doch er nötigte ihn nicht dazu, sondern appellierte an seine Liebe. Er vertraute darauf, dass Philemon richtig handeln würde, und sagte: „Ich bin zuversichtlich, dass du mir entgegenkommst, deshalb schreibe ich dir. Ich weiß, dass du sogar noch mehr tun wirst, als ich sage“ (Philemon 21). Wenn uns die Liebe motiviert, unseren Brüdern ein solches Vertrauen auszusprechen, holen wir das Beste aus ihnen heraus.

      13. Wie können wir zeigen, dass wir für unsere Brüder das Beste hoffen?

      13 „Die Liebe … hofft alles.“ Die Liebe ist nicht nur voller Vertrauen, sondern auch voller Hoffnung. Aus Liebe hoffen wir für unsere Brüder das Beste. Wenn ein Bruder beispielsweise „einen Fehltritt tut, ohne dass es ihm bewusst ist“, hoffen wir, dass er auf die liebevollen Bemühungen, ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen, positiv reagiert (Galater 6:1). Wir verlieren auch nicht die Hoffnung, dass sich jemand, der im Glauben schwach geworden ist, wieder fängt. Wir sind geduldig mit ihm und tun unser Möglichstes, damit sein Glaube wieder stark wird (Römer 15:1; 1. Thessalonicher 5:14). Sollte jemand, der uns viel bedeutet, den richtigen Weg verlassen, geben wir die Hoffnung nicht auf, dass er eines Tages zur Besinnung kommt und wie der verlorene Sohn aus Jesu Gleichnis zu Jehova zurückkehrt (Lukas 15:17, 18).

      14. Wie kann unsere Geduld in der Versammlung auf die Probe gestellt werden, und wie werden wir aus Liebe darauf reagieren?

      14 „Die Liebe … erduldet alles.“ Ausharren hilft uns, bei Enttäuschungen und Schwierigkeiten nicht den Mut zu verlieren. Belastungsproben kommen nicht nur von außen. Manchmal wird unsere Geduld auch innerhalb der Versammlung auf die Probe gestellt. Die Unvollkommenheit bringt es mit sich, dass unsere Brüder uns hin und wieder enttäuschen. Vielleicht fühlen wir uns durch eine gedankenlose Bemerkung verletzt (Sprüche 12:18). Oder in der Versammlung läuft etwas nicht nach unseren Vorstellungen. Womöglich stoßen wir uns an dem Verhalten eines angesehenen Bruders und denken: Wie kann sich ein Christ nur so benehmen? Werden wir uns deswegen von der Versammlung zurückziehen und aufhören, Jehova zu dienen? Nicht, wenn wir Liebe haben! Die Liebe bewahrt uns davor, dass uns die Schwächen eines Bruders für seine guten Seiten oder auch das Gute in der Versammlung blind machen. Ganz egal was irgendein unvollkommener Mensch sagt oder tut, die Liebe hilft uns, Gott treu zu bleiben und die Versammlung weiter zu unterstützen (Psalm 119:165).

      Was Liebe nicht ist

      15. Was ist Eifersucht, und wie kann uns die Liebe vor dieser zerstörerischen Neigung bewahren?

      15 „Die Liebe ist nicht eifersüchtig.“ Eifersucht kann dazu führen, dass man andere um ihren Besitz, ihre Segnungen von Jehova oder ihre Fähigkeiten beneidet. Eine solche Eifersucht ist egoistisch und zerstörerisch und kann, wenn man nichts dagegen unternimmt, den Frieden in der Versammlung stören. Was hilft uns, „neidischen Sehnsüchten“ zu widerstehen? (Jakobus 4:5). Mit einem Wort: Liebe. Diese wertvolle Eigenschaft kann bewirken, dass wir uns mit denen freuen, die scheinbar vom Leben mehr verwöhnt werden als wir (Römer 12:15). Wir fassen es dann auch nicht als persönliche Kränkung auf, wenn jemand für besondere Fähigkeiten oder Leistungen gelobt wird.

      16. Warum werden wir aus Liebe zu unseren Brüdern nicht mit unserem Einsatz im Dienst für Jehova prahlen?

      16 „Die Liebe … prahlt nicht, ist nicht aufgeblasen.“ Die Liebe hält uns davon zurück, unsere Fähigkeiten oder Leistungen zur Schau zu stellen. Wenn wir unsere Brüder wirklich lieben, werden wir nicht ständig über unseren Erfolg im Predigtdienst oder unsere verantwortungs­vollen Aufgaben in der Versammlung reden. Solche Prahlereien können andere niederreißen, weil sie ihnen das Gefühl geben, uns unterlegen zu sein. Die Liebe lässt nicht zu, dass wir damit angeben, wie Jehova uns in seinem Dienst gebraucht (1. Korinther 3:5-9). Ja, die Liebe „ist nicht aufgeblasen“ oder „ist nicht eingebildet“ (Neue Genfer Übersetzung). Die Liebe bewahrt uns davor, zu hoch von uns zu denken (Römer 12:3).

      17. Wieso fördert die Liebe Rücksichtnahme, und vor was für einem Verhalten werden wir uns deshalb hüten?

      17 „Die Liebe … benimmt sich nicht unanständig.“ Sich unanständig zu benehmen hieße, sich anstoßerregend oder respektlos zu verhalten. Das wäre lieblos, denn es würde davon zeugen, dass man die Gefühle und das Wohl anderer mit Füßen tritt. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die Liebe durch Rücksicht und Freundlichkeit aus. Sie fördert gutes Benehmen, gottgefälliges Verhalten und Achtung vor unseren Glaubensbrüdern. Die Liebe lässt also kein „schamloses Verhalten“ zu, also kein Verhalten, das unsere Mitchristen schockieren oder vor den Kopf stoßen würde (Epheser 5:3, 4).

      18. Warum verlangt ein liebevoller Mensch nicht, dass alles nach seinem Kopf geht?

      18 „Die Liebe … hat nicht ihre eigenen Interessen im Sinn.“ In der Revised Standard Version heißt es hier: „Die Liebe besteht nicht darauf, ihren Willen durchzusetzen.“ Ein liebevoller Mensch verlangt nicht, dass alles nach seinem Kopf geht, so als ob seine Meinung allein ausschlaggebend wäre. Er manipuliert andere nicht und benutzt seine Überzeugungs­kraft nicht dazu, jeden, der anderer Ansicht ist als er, mundtot zu machen. Ein solcher Eigensinn würde einen gewissen Hochmut verraten, und die Bibel sagt: „Hochmut kommt vor dem Fall“ (Sprüche 16:18). Wenn wir unsere Brüder wirklich lieben, werden wir ihre Ansichten respektieren und nach Möglichkeit die Bereitschaft signalisieren, nachzugeben. Auch Paulus forderte zu Nachgiebigkeit auf, als er sagte: „Jeder soll stets auf den Vorteil des anderen bedacht sein, nicht auf seinen eigenen“ (1. Korinther 10:24).

      19. Wozu veranlasst uns die Liebe, wenn uns jemand gekränkt hat?

      19 „Die Liebe … lässt sich nicht provozieren. Sie rechnet das Böse nicht an.“ Die Liebe lässt sich durch das, was andere sagen oder tun, nicht provozieren. Es ist zwar ganz natürlich, dass wir uns aufregen, wenn uns jemand kränkt. Aber selbst wenn unsere Verärgerung berechtigt ist, sorgt die Liebe dafür, dass unsere gereizte Stimmung nicht anhält (Epheser 4:26, 27). Über verletzende Worte oder Taten Buch zu führen, damit sie ja nicht in Vergessenheit geraten, wäre nicht im Sinne der Liebe. Sie motiviert uns vielmehr, unseren liebevollen Gott nachzuahmen. Wie wir in Kapitel 26 gesehen haben, vergibt Jehova, wo immer die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Vergeben heißt für ihn vergessen. Er wird uns unsere Sünden also nicht irgendwann in der Zukunft vorhalten. Wir können uns glücklich schätzen, dass Jehova das Böse nicht anrechnet.

      20. Wie sollten wir reagieren, wenn sich ein Glaubensbruder in Sünden verstrickt und bittere Erfahrungen macht?

      20 „Die Liebe … freut sich nicht über Ungerechtigkeit.“ In der Gute Nachricht Bibel heißt es an dieser Stelle: „Sie ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht“. Die Wiedergabe von Moffatt lautet: „Die Liebe freut sich nie, wenn andere vom rechten Weg abkommen.“ Da die Liebe an Ungerechtigkeit kein Gefallen findet, werden wir Unmoral niemals auf die leichte Schulter nehmen. Und wie reagieren wir, wenn sich ein Glaubensbruder in Sünden verstrickt und bittere Erfahrungen macht? Die Liebe wird uns davon abhalten, schadenfroh zu denken: „Gut so! Das geschieht ihm recht!“ (Sprüche 17:5). Vielmehr freuen wir uns, wenn sich ein Bruder, der auf Abwege geraten ist, wieder aufrafft und den richtigen Weg einschlägt.

      „Ein noch überragenderer Weg“

      21-23. (a) Was meinte Paulus mit den Worten „Die Liebe versagt nie“? (b) Womit befasst sich das letzte Kapitel?

      21 „Die Liebe versagt nie.“ Was meinte Paulus damit? Im Kontext geht es um die Gaben des Geistes bei den ersten Christen. An diesen Gaben war zu erkennen, dass die neu gegründete Versammlung die Gunst Gottes genoss. Aber nicht alle Christen konnten Krankheiten heilen, prophezeien oder in Zungen reden. Das war auch nicht das Entscheidende, denn die Wundergaben sollten ohnehin irgendwann aufhören. Etwas anderes jedoch, was jeder Christ hervorbringen könnte, würde bleiben. Es war etwas Herausragenderes, etwas Dauerhafteres als irgendeine Wundergabe. Paulus bezeichnete es als „einen noch überragenderen Weg“ (1. Korinther 12:31). Was war dieser „überragendere Weg“? Es war der Weg der Liebe.

      22 Die christliche Liebe, die Paulus hier beschrieb, „versagt nie“, das heißt, sie wird nie enden. Aufopfernde brüderliche Liebe ist bis zum heutigen Tag das Kennzeichen der wahren Nachfolger Jesu. Diese Liebe ist weltweit in den Versammlungen der Anbeter Jehovas zu beobachten. Sie wird für immer bestehen, denn Jehova hat seinen treuen Dienern ewiges Leben versprochen (Psalm 37:9-11, 29). Tun wir weiterhin unser Bestes, „den Weg der Liebe“ zu gehen. Dadurch erfahren wir, wie viel Glück im Geben liegt. Und noch mehr: Wir können für immer leben und bis in alle Ewigkeit die Liebe unseres Gottes Jehova nachahmen.

      Jehovas Volk ist an seiner Liebe zu erkennen

      23 In diesem Kapitel, mit dem der Abschnitt über die Liebe endet, ging es darum, wie wir einander lieben können. Wenn wir aber nun daran denken, in wie vieler Hinsicht uns die Liebe Jehovas zugutekommt – und noch dazu seine Macht, Gerechtigkeit und Weisheit –, wäre es gut, sich zu fragen: Wie kann ich Jehova zeigen, dass ich ihn wirklich liebe? Mit dieser Frage befasst sich das letzte Kapitel.

      a Die christliche Liebe ist natürlich nicht leichtgläubig. Die Bibel rät uns, „die im Auge zu behalten, die Spaltungen hervorrufen und andere in Gefahr bringen, zu Fall zu kommen“. Wir werden aufgefordert: „Meidet sie“ (Römer 16:17).

      Fragen zum Nachdenken

      • 2. Korinther 6:11-13 Was bedeutet es, unser Herz für unsere Brüder weit zu öffnen, und wie können wir diesen Rat umsetzen?

      • 1. Petrus 1:22 Wie geht aus diesen Worten hervor, dass die Liebe zu unseren Glaubensbrüdern aufrichtig, echt und herzlich sein muss?

      • 1. Johannes 3:16-18 Wie können wir beweisen, dass „die Liebe Gottes“ in uns bleibt?

      • 1. Johannes 4:7-11 Was ist der stärkste Beweggrund, unsere Glaubensbrüder zu lieben?

  • „Kommt Gott näher und er wird euch näherkommen“
    Komm Jehova doch näher
    • Brüder und Schwestern singen bei einer Zusammenkunft.

      KAPITEL 31

      „Kommt Gott näher und er wird euch näherkommen“

      1-3. (a) Was erfahren wir über die menschliche Natur, wenn wir beobachten, wie ein Baby auf seine Eltern reagiert? (b) Was ist die natürliche Reaktion, wenn uns jemand Liebe entgegenbringt, und welche wichtige Frage stellt sich?

      ELTERN sind überglücklich, wenn sie ihrem Neugeborenen ein Lächeln entlocken können. Sie neigen den Kopf über das Baby, schäkern mit ihm herum und strahlen es erwartungsvoll an. Und – na, wer sagts denn! – in den kleinen Wangen bilden sich Grübchen, die Lippen kräuseln sich und ein allerliebstes Lächeln erhellt das Gesicht. Dieses Lächeln scheint einen Anflug von Zuneigung auszudrücken – das Erwachen einer Liebe, mit der das Baby auf die Liebe der Eltern reagiert.

      2 Das Lächeln eines Babys führt uns ein typisch menschliches Phänomen vor Augen. Liebe erzeugt Gegenliebe. Das liegt einfach in der Natur des Menschen (Psalm 22:9). Mit dem Erwachsenwerden reift die Fähigkeit, Liebe zu erwidern. Vielleicht kannst du dich daran erinnern, wie dir deine Eltern, Verwandten oder Freunde ihre Liebe gezeigt haben, als du noch klein warst. In deinem Herzen fing ein wohliges Gefühl an zu keimen, ist dann gewachsen und hat Frucht getragen. Du hast die Liebe erwidert. Spielt sich in deiner Beziehung zu Jehova Gott ein ähnlicher Vorgang ab?

      3 Die Bibel sagt: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Johannes 4:19). In den Abschnitten 1 bis 3 dieses Buches wurde erläutert, dass Jehova Gott seine Macht, Gerechtigkeit und Weisheit liebevoll und zu unserem Nutzen gebraucht. Und in Abschnitt 4 haben wir gesehen, wie er der Menschheit – und uns ganz persönlich – außergewöhnliche Liebe entgegengebracht hat. Das führt uns zu einer Frage. Eigentlich ist es die wichtigste Frage überhaupt: „Wie werde ich die Liebe Jehovas erwidern?“

      Was es bedeutet, Gott zu lieben

      4. Woran ist zu erkennen, dass sich viele im Unklaren darüber sind, was es bedeutet, Gott zu lieben?

      4 Da die Liebe ihren Ursprung in Jehova hat, weiß er um ihre immense Kraft, aus anderen das Beste herauszuholen. Obwohl sich die Menschheit im Großen und Ganzen schon immer gegen ihn gestellt hat, ist er stets zuversichtlich gewesen, dass es Menschen geben würde, die seine Liebe erwidern. Und das haben auch Millionen getan. Die Religionen der heutigen verdorbenen Welt haben die Menschen leider im Unklaren darüber gelassen, was es bedeutet, Gott zu lieben. Viele, die Gott angeblich zugetan sind, halten diese Liebe anscheinend für ein Gefühl, das sich nur in Worten ausdrückt. Am Anfang verhält es sich mit der Liebe zu Gott vielleicht auch so – ähnlich wie sich die Liebe eines Babys zunächst ja auch nur in einem Lächeln zeigt. Von Erwachsenen verlangt die Liebe jedoch mehr.

      5. Wie umreißt die Bibel, was es bedeutet, Gott zu lieben, und warum ist diese Definition ansprechend?

      5 Jehova hat klar umrissen, was es bedeutet, ihn zu lieben. In seinem Wort heißt es: „Die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten.“ Die Liebe zu Gott zeigt sich also in Taten. Allerdings können sich viele mit dem Gedanken des Gehorsams nicht so recht anfreunden. Doch derselbe Vers schließt mit der tröstlichen Zusage: „Seine Gebote sind nicht schwer“ (1. Johannes 5:3). Die Gesetze und Grundsätze Jehovas sind zu unserem Besten und sollen uns nicht das Leben schwer machen (Jesaja 48:17, 18). Die Bibel enthält eine Menge grundlegende Hinweise, die uns Gott näherbringen. Sehen wir uns in diesem Zusammenhang drei Aspekte unserer Beziehung zu Gott an: Kommunikation, Anbetung und Nachahmung.

      Die Kommunikation mit Jehova

      6-8. (a) Auf welche Weise können wir Jehova zuhören? (b) Wie können wir die Bibel beim Lesen lebendig werden lassen?

      6 Kapitel 1 begann mit der Frage: „Kannst du dir ein Gespräch mit Gott vorstellen?“ Wir haben gesehen, dass diese Vorstellung nicht aus der Luft gegriffen ist. Moses hatte ja solch ein Gespräch. Aber wie steht es mit uns? Wir leben heute nicht in einer Zeit, in der Jehova seine Engel aussendet, um mit den Menschen zu sprechen. Doch Jehova hat auch heute hervorragende Möglichkeiten, mit uns zu kommunizieren. Wie können wir ihm zuhören?

      7 „Die ganze heilige Schrift ist von Gott eingegeben“ – folglich hören wir Jehova zu, wenn wir sein Wort, die Bibel, lesen (2. Timotheus 3:16). Der Psalmist forderte alle Diener Jehovas auf, „Tag und Nacht“ darin zu lesen (Psalm 1:1, 2). Das setzt einige Anstrengung voraus. Doch es ist keine vergebliche Mühe. Wie in Kapitel 18 erörtert wurde, ist die Bibel gewissermaßen ein wertvoller Brief von unserem himmlischen Vater. Sie zu lesen sollte deshalb keine lästige Routinesache sein. Die Bibel muss beim Lesen für uns lebendig werden. Wie können wir das erreichen?

      8 Mal dir die biblischen Szenen aus. Versuch die biblischen Charaktere als wirkliche Menschen zu sehen. Bemüh dich, ihren Erfahrungshintergrund, ihr Umfeld und ihre Motive zu verstehen. Denk anschließend intensiv über das Gelesene nach und stell dir Fragen wie: „Was erfahre ich durch diesen Bericht über Jehova? Welche Eigenschaften Gottes erkenne ich darin? Welche Grundsätze möchte Jehova mir klarmachen, und wie kann ich sie in die Praxis umsetzen?“ Lies, denk nach und lebe danach – dann wird Gottes Wort für dich lebendig (Psalm 77:12; Jakobus 1:23-25).

      9. Wer ist der „treue und verständige Sklave“, und weshalb ist es so wichtig, ihm aufmerksam zuzuhören?

      9 Jehova spricht auch durch den „treuen und verständigen Sklaven“ zu uns. Wie Jesus vorhersagte, würde eine von Gott eingesetzte kleine Gruppe gesalbter Christen in den heutigen schwierigen letzten Tagen zur richtigen Zeit für geistige Nahrung sorgen (Matthäus 24:45-47). Wenn wir durch das Lesen von Veröffentlichungen unsere Erkenntnis der Bibel vertiefen oder wenn wir christliche Zusammenkünfte und Kongresse besuchen, werden wir von diesem Sklaven mit allem versorgt, was wir für einen starken Glauben brauchen. Da es sich um den Sklaven Christi handelt, tun wir gut daran, Jesu Rat zu befolgen: „Achtet … darauf, wie ihr zuhört“ (Lukas 8:18). Ja, wir hören aufmerksam zu, weil wir den treuen Sklaven als ein Mittel ansehen, durch das Jehova mit uns kommuniziert.

      10-12. (a) Warum ist das Gebet ein wunderbares Geschenk Jehovas? (b) Was für Gebete erfreuen Jehova, und woher wissen wir, dass er unsere Gebete schätzt?

      10 Und wie sieht unsere Kommunikation mit Gott aus? Können wir mit Jehova sprechen? Bei diesem Gedanken könnte man theoretisch Angst bekommen. Was wäre denn, wenn wir mit unseren persönlichen Belangen an den Regierungschef unseres Landes herantreten wollten? Ob uns das wohl gelingen würde? Unter Umständen könnte allein ein solcher Versuch riskant sein. Zu Lebzeiten von Esther und Mordechai konnte man hingerichtet werden, wenn man ohne königliche Aufforderung vor den persischen Monarchen trat (Esther 4:10, 11). Denken wir nun einmal darüber nach, dass wir vor den Souveränen Herrn des Universums kommen dürfen. Im Vergleich zu ihm sind die mächtigsten Menschen „wie Grashüpfer“ (Jesaja 40:22). Sollten wir deswegen aber ängstlich davor zurückschrecken, uns an ihn zu wenden? Auf gar keinen Fall!

      11 Jehova hat mit dem Gebet einen ganz einfachen, jederzeit offenen Zugang zu sich geschaffen. Deshalb kann schon ein kleines Kind glaubensvoll im Namen Jesu zu Jehova beten (Johannes 14:6; Hebräer 11:6). Doch das Gebet gibt uns auch die Möglichkeit, sehr komplizierte und ganz persönliche Gedankengeflechte und Gefühle zu übermitteln, selbst wenn sie so schmerzlich sind, dass wir sie kaum in Worte fassen können (Römer 8:26). Wir brauchen Jehova nicht mit einer gewandten, blumenreichen Sprache oder ausgedehnten, wortreichen Gebeten zu beeindrucken (Matthäus 6:7, 8). Andererseits setzt uns Jehova keine Grenzen, wie lange oder wie oft wir zu ihm sprechen dürfen. In seinem Wort werden wir sogar aufgefordert: „Betet ständig“ (1. Thessalonicher 5:17).

      12 Nur Jehova wird als der „Hörer des Gebets“ bezeichnet, und er ist ein wirklich einfühlsamer Zuhörer (Psalm 65:2). Wäre es denkbar, dass er die Gebete seiner treuen Diener einfach nur über sich ergehen lässt? Nein, sie bereiten ihm tatsächlich Freude. In Gottes Wort werden solche Gebete mit Räucherwerk verglichen, von dem ein angenehm duftender, beruhigender Rauch hochzieht (Psalm 141:2; Offenbarung 5:8; 8:4). Ist es nicht ein schöner Gedanke, dass unsere aufrichtigen Gebete so zu dem Souveränen Herrn aufsteigen und ihn erfreuen? Wenn du Jehova also näherkommen möchtest, dann bete täglich zu ihm – oft und in aller Demut. Schütte ihm dein Herz aus und halte mit nichts zurück (Psalm 62:8). Sag deinem himmlischen Vater, was dich bewegt, was dich freut, wofür du dankbar bist und wofür du ihn preist. Das wird dich noch mehr mit ihm zusammenschweißen.

      Die Anbetung Jehovas

      13, 14. Was bedeutet es, Jehova anzubeten, und warum ist es angebracht, das zu tun?

      13 Mit Jehova Gott zu kommunizieren ist aber nicht einfach so, als würden wir einem Freund oder Verwandten zuhören oder mit ihm reden. Schließlich beten wir Jehova ja an, das heißt, wir erweisen ihm die Ehrerbietung, die ihm voll und ganz zusteht. Die wahre Anbetung bestimmt unser ganzes Leben. Durch sie zeigen wir Jehova unsere von Herzen kommende Liebe und Ergebenheit, und sie vereint alle treuen Geschöpfe Jehovas im Himmel und auf der Erde. In einer Vision hörte der Apostel Johannes einen Engel das Gebot verkünden: „Betet … den an, der den Himmel, die Erde, das Meer und die Wasserquellen gemacht hat“ (Offenbarung 14:7).

      14 Warum sollten wir Jehova anbeten? Denken wir nur an die Eigenschaften, mit denen wir uns befasst haben: Heiligkeit, Macht, Selbst­beherrschung, Gerechtigkeit, Mut, Barmherzigkeit, Weisheit, Demut, Liebe, Mitgefühl, Loyalität und Güte. Wir haben gesehen, Jehova repräsentiert das Idealbild, den höchstmöglichen Standard einer jeden wertvollen Eigenschaft. Wenn wir die Summe seiner Eigenschaften zu begreifen versuchen, erkennen wir, dass er weit mehr ist als eine große, bewundernswerte Persönlichkeit. Er ist unermesslich herrlich, unendlich höher als wir (Jesaja 55:9). Ohne Frage: Jehova ist unser rechtmäßiger Souverän und verdient unsere Anbetung. Doch wie sollten wir ihn anbeten?

      15. Wie können wir Jehova „mit Geist und Wahrheit“ anbeten, und wieso bieten christliche Zusammenkünfte eine gute Gelegenheit dazu?

      15 Jesus sagte: „Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn mit Geist und Wahrheit anbeten“ (Johannes 4:24). Um Gott „mit Geist“ anzubeten, müssen wir seinen Geist haben und uns davon leiten lassen. Unsere Anbetung muss sich auch auf die Wahrheit stützen, auf die genaue Erkenntnis aus Gottes Wort. Eine hervorragende Gelegenheit, Jehova „mit Geist und Wahrheit“ anzubeten, bietet sich bei den Zusammenkünften mit unseren Glaubensbrüdern (Hebräer 10:24, 25). Wenn wir als Ausdruck der reinen Anbetung Loblieder für Jehova singen, uns im Gebet vereinen und uns Darlegungen aus Gottes Wort anhören oder uns daran beteiligen, zeigen wir ihm unsere Liebe.

      Christliche Zusammenkünfte sind eine schöne Gelegenheit, Jehova anzubeten

      16. Was ist eins der größten Gebote, die wahren Christen gegeben wurden, und warum fühlen wir uns gedrängt, es zu befolgen?

      16 Zu unserer Anbetung gehört es auch, mit anderen über Jehova zu sprechen, ihn also öffentlich zu preisen (Hebräer 13:15). Die gute Botschaft von Jehovas Königreich zu predigen ist tatsächlich eins der größten Gebote, die wahren Christen gegeben wurden (Matthäus 24:14). Wir befolgen es gern, weil wir Jehova lieben. Wenn wir daran denken, wie „der Gott dieses Weltsystems“, der Teufel, die Ungläubigen verblendet hat, indem er gemeine Lügen über Jehova verbreitet, wünschen wir als seine Zeugen sehnlichst, diese Verleumdungen richtigzustellen (2. Korinther 4:4; Jesaja 43:10-12). Und wenn wir über Jehovas großartige Eigenschaften nachdenken, drängt es uns geradezu, anderen von ihm zu erzählen. Nachdem wir unseren himmlischen Vater kennen- und lieben gelernt haben, gibt es einfach nichts Schöneres, als jemandem zu helfen, genauso zu empfinden.

      17. Was umfasst die Anbetung Jehovas, und warum müssen wir Gott „mit ungeteiltem Herzen“ anbeten?

      17 Die Anbetung Jehovas umfasst aber noch mehr. Sie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus (Kolosser 3:23). Wenn wir Jehova wirklich als unseren Souveränen Herrn ansehen, werden wir bei allem, was wir tun, seinen Willen berücksichtigen – im Familienleben, im Beruf, im menschlichen Miteinander und im ganz persönlichen Bereich. Wir werden uns bemühen, Jehova „mit ungeteiltem Herzen“ zu dienen (1. Chronika 28:9). Halbherzigkeit oder gar ein Doppelleben, das heißt, Jehova nur zum Schein zu dienen, während man heimlich schwerwiegende Sünden treibt, käme für uns nicht infrage. Integrität würde eine solche Heuchelei niemals zulassen – und Liebe schon gar nicht. Auch Gottesfurcht schützt uns davor. Wie die Bibel zeigt, ist diese Ehrfurcht ausschlaggebend dafür, dass unsere enge Freundschaft mit Jehova für immer hält (Psalm 25:14).

      Uns Jehova zum Vorbild nehmen

      18, 19. Warum ist der Gedanke, dass sich unvollkommene Menschen Jehova Gott zum Vorbild nehmen können, nicht unrealistisch?

      18 Jeder Abschnitt dieses Buches zeigt uns im letzten Kapitel, wie wir den Rat umsetzen können: „Nehmt euch Gott zum Vorbild als geliebte Kinder“ (Epheser 5:1). Trotz unserer Unvollkommenheit können wir Jehova darin nachahmen, wie er seine Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe in Vollkommenheit offenbart. Das sollten wir uns unbedingt vor Augen halten. Woher wissen wir aber, dass es wirklich möglich ist, den Allmächtigen nachzuahmen? Immerhin lässt sein Name ja erkennen, dass er zu allem werden kann, was er sich erwählt, um sein Vorhaben zu verwirklichen. Darüber können wir nur staunen. Ist diese Fähigkeit für uns jedoch völlig unerreichbar? Nein.

      19 Wir sind in Gottes Bild erschaffen (1. Mose 1:26). Darin unterscheiden wir uns von allen anderen Geschöpfen auf der Erde. Unser Handeln wird nicht einfach vom Instinkt, von den Genen oder von Umwelteinflüssen bestimmt. Jehova hat uns ein kostbares Geschenk gegeben – die Willensfreiheit. Trotz unserer Grenzen und Fehler haben wir die Freiheit, zu wählen, wie wir werden möchten. Und wie wir gesehen haben, bedeutet Jehovas Name auch, dass er seine Diener zu allem werden lassen kann, was er möchte. Wärst du gern ein liebevoller, weiser, gerechter Mensch, der mit seiner Macht richtig umgeht? Mit der Hilfe des Geistes Jehovas kannst du genau das werden! Überleg dir einmal, wie viel Gutes du dadurch bewirken wirst.

      20. Was bewirken wir dadurch, dass wir uns Jehova zum Vorbild nehmen?

      20 Du wirst dem Herzen deines himmlischen Vaters Freude machen (Sprüche 27:11). Du kannst Jehova sogar völlig gefallen, denn er hat ja Verständnis für die Grenzen, die dir gesetzt sind (Kolosser 1:9, 10). Und während du dir deinen geliebten Vater im Hervorbringen guter Eigenschaften zum Vorbild nimmst, bietet sich dir eine großartige Gelegenheit: In einer finsteren Welt, die von Gott entfremdet ist, kannst du Licht ausstrahlen (Matthäus 5:1, 2, 14). Du kannst dazu beitragen, einen matten Widerschein der herrlichen Persönlichkeit Jehovas über die ganze Erde zu verbreiten. Was für eine Ehre!

      „Kommt Gott näher und er wird euch näherkommen“

      Ein Bruder bewundert den farbenprächtigen Abendhimmel.

      Komm Jehova doch immer näher

      21, 22. Auf welche unendliche Reise können sich alle freuen, die Jehova lieben?

      21 Die einfache Aufforderung in Jakobus 4:8 beschreibt nicht lediglich ein Ziel, sondern eine Reise. Solange wir treu bleiben, wird diese Reise nie enden. Niemals werden wir aufhören, Jehova näherzukommen. Es wird immer etwas über ihn zu lernen geben. Wir dürfen nicht denken, wir hätten durch dieses Buch alles erfahren, was man über Jehova wissen kann. Nein, es ist nur ein Einstieg in das, was die Bibel über unseren Gott sagt. Und nicht einmal die Bibel sagt uns alles, was es über Jehova zu erfahren gibt. Der Apostel Johannes äußerte einmal die Vermutung: Wäre alles, was Jesus auf der Erde getan hat, schriftlich festgehalten worden, „dann wäre … selbst die Welt zu klein für all die Buchrollen“ (Johannes 21:25). Wenn so etwas vom Sohn gesagt werden kann, wie viel mehr dann vom Vater!

      22 Selbst das ewige Leben wird uns nicht an den Punkt bringen, wo wir nichts mehr über Jehova lernen können (Prediger 3:11). Denken wir einmal darüber nach, was vor uns liegt. Nachdem wir Hunderte, Tausende, Millionen, ja Milliarden von Jahren gelebt haben, werden wir weit mehr über Jehova Gott wissen als heute. Und dennoch werden wir nach wie vor das Gefühl haben, dass es noch unendlich viel Großartiges zu erfahren gibt. Voller Wissbegier werden wir weiterlernen und dabei die Empfindungen des Psalmisten teilen, der in einem Lied sang: „Für mich … ist es gut, Gottes Nähe zu suchen“ (Psalm 73:28). Das ewige Leben wird unvorstellbare Erfüllung und Abwechslung mit sich bringen, und Jehova näherzukommen wird dabei immer das Schönste sein.

      23. Wozu sollten wir uns motiviert fühlen?

      23 Zeige Jehova doch schon heute, dass du seine Liebe erwidern möchtest, indem du ihn „mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft“ liebst (Markus 12:29, 30). Sei in deiner Liebe loyal und unerschütterlich. Orientiere dich bei allen kleinen oder großen Entscheidungen, die du täglich triffst, an dem Leitsatz: „Der Weg, der meine Beziehung zu meinem himmlischen Vater festigt, ist für mich der richtige.“ Und vor allem: Komm Jehova doch immer näher, und möge er auch dir immer näher kommen – bis in alle Ewigkeit!

  • „Ehrfurcht einflößende Macht“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 1

      „Ehrfurcht einflössende Macht“

      Dieser Abschnitt befasst sich mit biblischen Berichten, die von Jehovas schöpferischer, vernichtender, schützender und wiederher­stellender Macht zeugen. Wir werden tief beeindruckt sein, wenn wir sehen, wie Jehova Gott, der „Ehrfurcht einflößende Macht“ hat, diese „dynamische Kraft“ einsetzt (Jesaja 40:26).

  • „Jehova liebt das Recht“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 2

      „Jehova liebt das Recht“

      In der heutigen Welt nimmt die Ungerechtigkeit überhand, und oft gibt man Gott die Schuld. Doch die Bibel lehrt eine zu Herzen gehende Wahrheit: „Jehova liebt das Recht“ (Psalm 37:28). In diesem Abschnitt erfahren wir, wie Jehova dieser Aussage gerecht wird und welche Hoffnung damit für die ganze Menschheit verbunden ist.

  • „Er hat ein weises Herz“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 3

      „Er hat ein weises Herz“

      Echte Weisheit ist einer der wertvollsten Schätze, die man finden kann. Nur Jehova allein ist ihr Urheber. In diesem Abschnitt richten wir unseren Blick auf die grenzenlose Weisheit Jehovas, des Gottes, von dem der treue Hiob sagte: „Er hat ein weises Herz“ (Hiob 9:4).

  • „Gott ist Liebe“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 4

      „Gott ist Liebe“

      Von allen Eigenschaften, die Jehova besitzt, ist die Liebe die bedeutendste. Sie ist auch seine anziehendste Eigenschaft. Wie einen Edelstein möchten wir nun einige ihrer schönen Facetten unter die Lupe nehmen. Dabei werden wir feststellen, warum es in der Bibel heißt: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4:8).

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