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Jehova führt sein VolkDer Wachtturm (Studienausgabe) 2017 | Februar
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Jehova führt sein Volk
„Jehova wird dich . . . beständig führen“ (JES. 58:11)
1, 2. (a) Worin unterscheiden sich Jehovas Zeugen von anderen Religionen? (b) Was betrachten wir im vorliegenden und im nächsten Artikel?
„WER ist euer Oberhaupt?“ Diese Frage wird Zeugen Jehovas oft gestellt. Und das verwundert auch nicht, weil in vielen Religionen ein Mann oder eine Frau die Führung innehat. Uns macht es stolz, dann sagen zu können, dass unser Oberhaupt nicht ein unvollkommener Mensch ist. Wir folgen der Führung des auferweckten Christus, und er wiederum lässt sich von seinem Vater Jehova führen (Mat. 23:10).
2 Trotzdem gibt es eine sichtbare Gruppe von Männern, „den treuen und verständigen Sklaven“, die Gottes Volk heute anleitet (Mat. 24:45). Woher wissen wir aber, dass uns in Wirklichkeit Jehova durch seinen unsichtbaren Sohn führt? Der vorliegende und der nächste Artikel gehen darauf ein, wie Jehova über die Jahrtausende bestimmte Menschen beauftragt hat, die Führung zu übernehmen. Die Artikel beleuchten aus drei Blickwinkeln, dass Jehova tatsächlich hinter diesen Männern stand und er der eigentliche Führer seines Volkes war und immer noch ist (Jes. 58:11).
BEFÄHIGT DURCH HEILIGEN GEIST
3. Was befähigte Moses, Israel anzuführen?
3 Gottes Vertreter wurden durch heiligen Geist befähigt. Denken wir an Moses, der die verantwortungsvolle Aufgabe erhielt, die Israeliten anzuführen. Was rüstete ihn dafür aus? Jehova legte „SEINEN heiligen Geist in ihn“. (Lies Jesaja 63:11-14.) Jehova befähigte Moses durch seinen Geist und leitete sein Volk auf diese Weise weiterhin.
4. Wie konnten die Israeliten erkennen, dass Moses Gottes Geist hatte? (Siehe Anfangsbild.)
4 Woran konnten die Israeliten erkennen, dass in Moses der heilige Geist wirkte, zumal er eine unsichtbare Kraft ist? Heiliger Geist ermöglichte es Moses, Wunder zu wirken und Pharao den Namen Gottes bekannt zu machen (2. Mo. 7:1-3). Durch heiligen Geist eignete sich Moses auch wertvolle Eigenschaften an wie Liebe, Sanftmut und Geduld, die ihn zu einem geeigneten Führer für die Israeliten machten. Welch ein Gegensatz zu den grausamen, ichbezogenen Führern anderer Länder! (2. Mo. 5:2, 6-9). Es war ganz offensichtlich: Jehova hatte Moses als Führer für sein Volk ausgewählt.
5. Erkläre, wie Jehova andere israelitische Männer befähigte, sein Volk zu führen.
5 Später wählte Jehova andere Männer aus und befähigte sie durch seinen heiligen Geist, sein Volk zu führen. „Josua, der Sohn Nuns, war voll des Geistes der Weisheit“ (5. Mo. 34:9). „Jehovas Geist hüllte Gideon ein“ (Ri. 6:34). Und „der Geist Jehovas begann . . . über David wirksam zu sein“ (1. Sam. 16:13). Alle diese Männer vertrauten auf die Unterstützung des Geistes Gottes. Dieser ermöglichte es ihnen, Erstaunliches zu leisten, was sie aus eigener Kraft nicht geschafft hätten (Jos. 11:16, 17; Ri. 7:7, 22; 1. Sam. 17:37, 50). Daher erhielt Jehova zu Recht die Ehre für diese mächtigen Taten.
6. Warum wollte Gott, dass sein Volk die Führer in Israel respektierte?
6 Wie hätten die Israeliten reagieren sollen, da klar zu erkennen war, dass diese Männer vom heiligen Geist befähigt waren? Als sich das Volk über Moses als Führer beklagte, fragte Jehova: „Wie lange wird dieses Volk mir gegenüber respektlos handeln?“ (4. Mo. 14:2, 11). Niemand anders als Jehova wählte Moses, Josua, Gideon und David aus, ihn als Führer zu vertreten. Wenn das Volk auf diese Männer hörte, folgte es in Wirklichkeit Jehova.
UNTERSTÜTZT VON ENGELN
7. Wie wurde Moses von Engeln unterstützt?
7 Gottes Vertreter wurden von Engeln unterstützt. (Lies Hebräer 1:7, 14.) Jehova gebrauchte Engel, um Moses zu beauftragen, auszurüsten und zu führen. „Durch die Hand des Engels“, der Moses im Dornbusch erschien, sandte Jehova ihn „als Herrscher und auch als Befreier“ (Apg. 7:35). Gott ließ das Gesetz, mit dem Moses die Israeliten unterwies, „durch Engel übermitteln“ (Gal. 3:19). Und Jehova forderte Moses auf: „Führ das Volk dorthin, wovon ich zu dir geredet habe. Siehe! Mein Engel wird vor dir hergehen“ (2. Mo. 32:34). Die Bibel sagt nicht, dass die Israeliten einen Engel in Menschengestalt sahen, der sich um diese Aufgaben kümmerte. Doch die Art, wie Moses das Volk unterwies und anleitete, ließ deutlich übernatürliche Hilfe erkennen.
8. Wie halfen Engel Josua und Hiskia?
8 Josua, Moses’ Nachfolger, wurde von dem „Fürsten des Heeres Jehovas“ darin bestärkt, das Volk Gottes in den Krieg gegen die Kanaaniter zu führen. Und die Israeliten errangen den Sieg (Jos. 5:13-15; 6:2, 21). Später stand König Hiskia einer überwältigenden Streitmacht assyrischer Soldaten gegenüber, die drohten, in Jerusalem einzufallen. In einer Nacht zog „der Engel Jehovas dann aus . . . und [schlug] hundertfünfundachtzigtausend im Lager der Assyrer nieder“ (2. Kö. 19:35).
9. Warum waren die Unvollkommenheiten der Vertreter Gottes keine Entschuldigung, ihrer Leitung nicht zu folgen?
9 Engel sind vollkommen — die Männer, die von ihnen unterstützt wurden, natürlich nicht. Moses zum Beispiel versäumte es einmal, Jehova zu heiligen (4. Mo. 20:12). Josua schloss mit den Gibeonitern einen Bund, ohne vorher Gottes Anleitung zu suchen (Jos. 9:14, 15). Und Hiskias Herz wurde kurzzeitig hochmütig (2. Chr. 32:25, 26). Trotz der Unvollkommenheiten dieser Männer sollten die Israeliten ihrer Leitung folgen. Diese Männer wurden von Jehova durch seine übermenschlichen Helfer unterstützt; Jehova führte wirklich sein Volk.
GELEITET VON GOTTES WORT
10. Wie wurde Moses von Gottes Wort geleitet?
10 Gottes Vertreter wurden von seinem Wort geleitet. In der Bibel wird das Gesetz, das Israel gegeben wurde, als „Gesetz Mose“ bezeichnet (1. Kö. 2:3). Trotzdem weisen die Schriften auf Jehova als eigentlichen Gesetzgeber hin, und auch Moses unterstand diesem Gesetz (2. Chr. 34:14). Nachdem Jehova ihm mitgeteilt hatte, wie er die Stiftshütte aufbauen sollte, tat Moses „gemäß allem . . ., was Jehova ihm geboten hatte. Geradeso tat er“ (2. Mo. 40:1-16).
11, 12. (a) Was wurde von Josua und den Königen des Volkes Gottes erwartet? (b) Was bewirkte Gottes Wort bei den Führern des Volkes Gottes?
11 Schon von der Zeit an, als Josua die Führung übernahm, verfügte er über Aufzeichnungen des Wortes Gottes. Ihm wurde geboten: „Du sollst Tag und Nacht mit gedämpfter Stimme darin lesen, damit du darauf achtest, nach allem zu tun, was darin geschrieben steht“ (Jos. 1:8). Die Könige, die später Gottes Volk regierten, pflegten eine ähnliche Gewohnheit. Sie waren verpflichtet, jeden Tag im Gesetz zu lesen, eine Abschrift davon anzufertigen und „alle Worte dieses Gesetzes und diese Bestimmungen zu halten“. (Lies 5. Mose 17:18-20.)
12 Wie wirkte sich Gottes Wort auf die Männer aus, die die Führung übernahmen? Sehen wir uns das Beispiel von König Josia an. Nachdem ein Schriftstück mit dem mosaischen Gesetz gefunden worden war, las Josias Sekretär ihm daraus vor.a Wie reagierte der König? „Sobald der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, . . . [zerriss] er sogleich seine Kleider.“ Aber er tat noch mehr. Motiviert von Gottes Wort ging er entschieden gegen den Götzendienst vor und organisierte ein Passah, das alle vorherigen Passahfeste übertraf (2. Kö. 22:11; 23:1-23). Da sich Josia und andere treue Führer von Gottes Wort anleiten ließen, waren sie bereit, die Anweisungen an Gottes Volk entsprechend anzupassen. So wurde das Volk wieder mit Gottes Willen in Einklang gebracht.
13. Worin unterschieden sich die Führer von Gottes Volk von den Führern heidnischer Nationen?
13 Wie sehr sich doch diese treuen Könige von den Führern anderer Nationen unterschieden, die sich auf menschliche Weisheit und kurzsichtige Strategien stützten! Unter kanaanitischer Führung verübten Menschen Abscheulichkeiten wie Inzest, Homosexualität, Sodomie, Kinderopfer und abstoßenden Götzendienst (3. Mo. 18:6, 21-25). Außerdem beachteten babylonische und ägyptische Führer nicht die Hygienevorschriften, die Gott Israel gegeben hatte und die wissenschaftlich bewährt sind (4. Mo. 19:13). Im Gegensatz dazu erlebte Gottes Volk, wie ihre treuen Führer geistige, moralische und körperliche Reinheit förderten. Es war klar ersichtlich, dass Jehova sie leitete.
14. Warum wies Jehova einige Führer seines Volkes zurecht?
14 Nicht alle Könige des Volkes Gottes befolgten die Anweisungen Jehovas. Diejenigen, die ihm nicht gehorchten, lehnten es ab, sich von seinem heiligen Geist, seinen Engeln und seinem Wort anleiten zu lassen. Solche Führer wies Jehova manchmal zurecht oder löste sie ab (1. Sam. 13:13, 14). Zur gegebenen Zeit bestimmte er jemand, der allen bisherigen Männern weit überlegen sein sollte.
JEHOVA SORGT FÜR EINE IDEALE FÜHRUNG
15. (a) Wie wiesen die Propheten darauf hin, dass Jehova für eine ideale Führung sorgen würde? (b) An wem erfüllten sich die Prophezeiungen schließlich?
15 Über Jahrhunderte hinweg hatte Jehova prophezeit, er würde für jemand sorgen, der besonders befähigt sei, sein Volk zu führen. Moses sagte zu den Israeliten: „Einen Propheten gleich mir wird dir Jehova, dein Gott, aus deiner eigenen Mitte, aus deinen Brüdern, erwecken — auf ihn solltet ihr hören“ (5. Mo. 18:15). Jesaja kündigte an, dieser würde ein „Führer und Gebieter“ werden (Jes. 55:4). Und auch Daniel wurde inspiriert, über den kommenden „Messias, den Führer“, zu schreiben (Dan. 9:25). Und schließlich bezeichnete sich Jesus Christus selbst als „Führer“ des Volkes Gottes. (Lies Matthäus 23:10.) Seine Jünger folgten ihm bereitwillig und wie sie bekräftigten, hatte Jehova ihn ausgewählt (Joh. 6:68, 69). Was überzeugte sie davon, dass Jesus Christus derjenige war, durch den Jehova sein Volk führte?
16. Was bewies, dass Jesus vom heiligen Geist befähigt wurde?
16 Jesus wurde vom heiligen Geist befähigt. Als Jesus sich taufen ließ, sah Johannes der Täufer „die Himmel sich teilen und den Geist gleich einer Taube auf ihn herabkommen“. Danach „trieb ihn der Geist in die Wildnis“ (Mar. 1:10-12). Dieser heilige Geist befähigte Jesus während seines weiteren Dienstes auf der Erde, Wunder zu wirken und mit göttlicher Ermächtigung zu reden (Apg. 10:38). Außerdem konnte Jesus durch den heiligen Geist vollkommene Eigenschaften hervorbringen wie Liebe, Freude und unerschütterlichen Glauben (Joh. 15:9; Heb. 12:2). Kein anderer Führer lieferte solch überzeugende Beweise. Jesus war Jehovas Wahl.
Wie wurde Jesus kurz nach seiner Taufe von Engeln unterstützt? (Siehe Absatz 17)
17. Was taten Engel, um Jesus zu unterstützen?
17 Jesus wurde von Engeln unterstützt. Kurz nach Jesu Taufe kamen „Engel . . . und begannen ihm zu dienen“ (Mat. 4:11). In den Stunden vor seinem Tod „erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn“ (Luk. 22:43). Jesus war sich sicher, dass Jehova ihm jederzeit durch Engel helfen konnte, seinen Willen auszuführen (Mat. 26:53).
18, 19. Wie wurde Jesu Leben und sein Lehren von Gottes Wort geleitet?
18 Jesus wurde von Gottes Wort geleitet. Jesus ließ sich in seinem Dienst von Anfang an von den Schriften leiten (Mat. 4:4). Sein Gehorsam gegenüber Gottes Wort ging sogar so weit, dass er bereit war, an einem Marterpfahl zu sterben. Selbst seine letzten Worte vor seinem Tod enthielten Zitate aus Prophezeiungen über den Messias (Mat. 27:46; Luk. 23:46). Ganz anders die religiösen Führer seiner Zeit. Sie missachteten Gottes Wort, wenn es ihren Überlieferungen widersprach. Jesus hatte sie im Sinn, als er Jehovas Worte zitierte, die vom Propheten Jesaja niedergeschrieben wurden: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren“ (Mat. 15:7-9). Wäre für Jehova wohl einer dieser Männer als Führer seines Volkes infrage gekommen?
19 Jesus ließ aber nicht nur sein Handeln, sondern auch sein Lehren von Gottes Wort leiten. Bei religiösen Streitfragen stützte er sich nicht auf seine große Weisheit oder seine unvergleichliche Erfahrung. Er verwies auf die Schriften als maßgebende Autorität (Mat. 22:33-40). Und statt seine Zuhörer mit Geschichten über die Schöpfung des Universums oder über sein Leben im Himmel zu unterhalten, „öffnete er ihnen den Sinn völlig, damit sie die Schriften begriffen“ (Luk. 24:32, 45). Jesus liebte Gottes Wort und sprach mit anderen sehr gern darüber.
20. (a) Wie zeigte Jesus, dass er sich Gott unterordnete? (b) Was ist Jehova bei einem Führer wichtig, wie der Unterschied zwischen Jesus und Herodes Agrippa I. zeigt?
20 Obwohl Jesu Zuhörer über seine „gewinnenden Worte“ staunten, gab er seinem Lehrer Jehova alle Ehre (Luk. 4:22). Als ein reicher Mann versuchte, Jesus mit dem Titel „Guter Lehrer“ zu ehren, erwiderte Jesus bescheiden: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott“ (Mar. 10:17, 18). Wie anders war doch Herodes Agrippa I., der etwa acht Jahre nach Jesu Tod König oder Führer von Judäa wurde. Anlässlich einer diplomatischen Feier legte er „ein Königsgewand“ an. Die bewundernde Menschenmenge rief aus: „Eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen!“ Offensichtlich ergötzte sich Herodes daran. Was geschah dann? „Da schlug ihn der Engel Jehovas augenblicklich, weil er nicht Gott die Ehre gab; und er wurde von Würmern zerfressen und verschied“ (Apg. 12:21-23). Sicher hätte kein objektiver Beobachter geschlussfolgert, Herodes sei von Jehova als Führer ausgewählt worden. Jesus hingegen lieferte den überzeugenden Beweis, von Gott eingesetzt worden zu sein, und er verherrlichte Jehova stets als höchsten Führer seines Volkes.
21. Worum geht es im nächsten Artikel?
21 Jesu Führung sollte nicht nur wenige Jahre dauern. Nach seiner Auferstehung erklärte Jesus: „Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben worden. . . . Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluss des Systems der Dinge“ (Mat. 28:18-20). Doch wie würde Jesus als unsichtbares Geistgeschöpf im Himmel Gottes Volk auf der Erde führen? Wen würde Jehova gebrauchen, um unter Christi Führung tätig zu sein und sein Volk anzuleiten? Und wie könnten Christen diese Vertreter erkennen? Der nächste Artikel beantwortet diese Fragen.
a Dabei handelte es sich vielleicht um die Originalhandschrift von Moses.
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Wer führt Gottes Volk heute?Der Wachtturm (Studienausgabe) 2017 | Februar
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Wer führt Gottes Volk heute?
„Gedenkt derer, die unter euch die Führung übernehmen“ (HEB. 13:7)
1, 2. Was haben sich die Apostel vielleicht gefragt, nachdem Jesus in den Himmel zurückgekehrt war?
JESU Apostel standen auf dem Ölberg und starrten in den Himmel. Sie hatten gerade gesehen, wie ihr Herr und Freund Jesus emporgehoben wurde und hinter einer Wolke verschwand (Apg. 1:9, 10). Etwa zwei Jahre lang hatte Jesus sie gelehrt, ihnen Mut zugesprochen und sie geführt. Jetzt war er nicht mehr da. Was würden sie tun?
2 Jesus hatte seinen Nachfolgern den Auftrag gegeben: „Ihr werdet Zeugen von mir sein sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Apg. 1:8). Wie sollten sie das bloß schaffen? Jesus hatte ihnen versichert, sie würden bald heiligen Geist empfangen (Apg. 1:5). Doch ein internationaler Predigtfeldzug erforderte Führung und Organisation. In alter Zeit gebrauchte Jehova sichtbare Vertreter, um sein Volk zu führen und zu organisieren. Vielleicht haben sich die Apostel daher gefragt: „Wird Jehova jetzt einen neuen Führer ernennen?“
3. (a) Welche wichtige Entscheidung wurde getroffen, nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war? (b) Was werden wir jetzt besprechen?
3 Weniger als zwei Wochen später zogen Jesu Jünger die Schriften zurate, beteten um Anleitung und wählten Matthias aus, der Judas Iskariot als 12. Apostel ersetzen sollte (Apg. 1:15-26). Warum war es ihnen und Jehova so wichtig, für Ersatz zu sorgen? Matthias konnte einem wichtigen organisatorischen Bedarf abhelfen.a Jesus hatte seine Apostel nicht lediglich ausgewählt, damit sie ihn in seinem Dienst begleiteten. Sie sollten in Gottes Volk eine entscheidende Rolle übernehmen. Was war das für eine Rolle, und wie bereitete Jehova die Apostel durch Jesus darauf vor? Was entspricht heute unter Gottes Volk diesem Muster? Und wie können wir derer „gedenken“, die unter uns die Führung übernehmen, besonders wenn es um den „treuen und verständigen Sklaven“ geht? (Heb. 13:7; Mat. 24:45).
EINE SICHTBARE KÖRPERSCHAFT UNTER EINEM UNSICHTBAREN FÜHRER
4. Um welche Aufgaben kümmerten sich die Apostel und andere Älteste im 1. Jahrhundert?
4 Zu Pfingsten 33 u. Z. übernahmen die Apostel die Führung der Christenversammlung. Bei dieser Gelegenheit „stand [Petrus] mit den Elf auf“ und sprach mit einer großen Menge Juden und Proselyten über lebensrettende Wahrheiten (Apg. 2:14, 15). Viele von ihnen wurden gläubig. Anschließend widmeten sich diese neuen Christen „weiterhin der Lehre der Apostel“ (Apg. 2:42). Die Apostel verwalteten die Geldmittel der Versammlung (Apg. 4:34, 35). Sie kümmerten sich um die geistigen Bedürfnisse des Volkes Gottes, denn sie sagten: „Wir . . . werden uns dem Gebet und dem Dienst am Wort widmen“ (Apg. 6:4). Und sie beauftragten erfahrene Christen, das Predigtwerk in neuen Gebieten zu fördern (Apg. 8:14, 15). Im Lauf der Zeit unterstützten andere gesalbte Älteste die Apostel in Angelegenheiten der einzelnen Versammlungen. Als eine leitende Körperschaft gaben sie allen Versammlungen Anweisungen (Apg. 15:2).
5, 6. (a) Wie befähigte der heilige Geist die leitende Körperschaft? (Siehe Anfangsbild.) (b) Wie unterstützten Engel die leitende Körperschaft? (c) Wie führte Gottes Wort die leitende Körperschaft?
5 Christen im 1. Jahrhundert erkannten, dass Jehova die leitende Körperschaft durch Jesus führte. Wie konnten sie sich da so sicher sein? Erstens: Heiliger Geist befähigte die leitende Körperschaft (Joh. 16:13). Der heilige Geist wurde zwar auf alle gesalbten Christen ausgegossen, aber er befähigte besonders die Apostel und andere Älteste in Jerusalem, ihrer Aufgabe als Aufseher nachzukommen. 49 u. Z. zum Beispiel leitete der heilige Geist die leitende Körperschaft an, eine Entscheidung zum Thema Beschneidung zu treffen. Die Versammlungen setzten diese Anweisung um und wurden „im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu“ (Apg. 16:4, 5). Der Brief, mit dem diese Entscheidung übermittelt wurde, lässt auch erkennen, dass die leitende Körperschaft die Frucht des Geistes Gottes zeigte, zu der Liebe und Glauben gehören (Apg. 15:11, 25-29; Gal. 5:22, 23).
6 Zweitens: Engel unterstützten die leitende Körperschaft. Bevor Kornelius als erster unbeschnittener Nichtjude ein getaufter Christ wurde, wies ihn ein Engel an, den Apostel Petrus holen zu lassen. Nachdem Petrus Kornelius und seinen Verwandten gepredigt hatte, wurde heiliger Geist auf sie ausgegossen, obwohl die Männer nicht beschnitten waren. Das veranlasste die Apostel und andere Brüder, sich Gottes Willen unterzuordnen und unbeschnittene Nichtjuden in die Christenversammlung aufzunehmen (Apg. 11:13-18). Auch das von der leitenden Körperschaft beaufsichtigte Predigtwerk wurde durch Engel aktiv gefördert und beschleunigt (Apg. 5:19, 20). Drittens: Gottes Wort führte die leitende Körperschaft. Ob diese geistgesalbten Ältesten Lehrfragen klärten oder organisatorische Anweisungen gaben — sie wurden durch die Schriften angeleitet (Apg. 1:20-22; 15:15-20).
7. Warum kann man sagen, dass Jesus die Christen im 1. Jahrhundert führte?
7 Die leitende Körperschaft hatte in der frühen Christenversammlung zwar Autorität, aber sie erkannte Jesus als ihren Führer an. „Er [Christus] gab einige als Apostel“, schrieb der Apostel Paulus. „Lasst uns in allen Dingen durch Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus“ (Eph. 4:11, 15). Die Jünger nannten sich nicht nach einem prominenten Apostel, sondern wurden „durch göttliche Vorsehung Christen genannt“ (Apg. 11:26). Paulus war sich bewusst, wie wichtig es war, „an den Überlieferungen [oder: den auf den Schriften beruhenden Gebräuchen] festzuhalten“, die die Apostel und andere führende Männer festgelegt hatten. Trotzdem fügte er hinzu: „Ich will indes, dass ihr wisst, dass das Haupt jedes Mannes [auch jedes Mitglieds der leitenden Körperschaft] der Christus ist; . . . das Haupt des Christus aber ist Gott“ (1. Kor. 11:2, 3). Der unsichtbare und verherrlichte Jesus Christus leitete also unter seinem Haupt, Jehova Gott, die Versammlung.
„DAS IST KEIN MENSCHENWERK“
8, 9. Welche wichtige Rolle spielte Bruder Russell seit dem späten 19. Jahrhundert?
8 Ende des 19. Jahrhunderts bemühten sich Charles Taze Russell und einige seiner Gefährten, die wahre christliche Anbetung wiederherzustellen. Damit sie die biblische Wahrheit in verschiedenen Sprachen verbreiten konnten, wurde 1884 die Zion’s Watch Tower Tract Society mit Bruder Russell als Präsidenten gesetzlich eingetragen.b Er war ein außergewöhnlicher Erforscher der Bibel und entlarvte furchtlos falsche Lehren wie die Dreieinigkeit und die Unsterblichkeit der Seele. Er erkannte, dass Christi Wiederkunft unsichtbar wäre und die „bestimmten Zeiten der Nationen“ 1914 enden würden (Luk. 21:24). Bruder Russell setzte großzügig Zeit, Kraft und Geld ein, um mit anderen über diese Wahrheiten zu sprechen. Ganz offensichtlich gebrauchten Jehova und das Haupt der Versammlung ihn in dieser entscheidenden Zeit.
9 Bruder Russell war nicht auf die Ehre von Menschen aus. 1896 schrieb er: „Wir möchten nicht, dass wir oder unsere Veröffentlichungen mit Ehre und Huldigung bedacht werden; noch wünschen wir, Ehrwürden oder Rabbi genannt zu werden. Auch wünschen wir nicht, dass sich irgendjemand nach unserem Namen nennt.“ Später sagte er: „Das ist kein Menschenwerk.“
10. (a) Wann setzte Jesus den „treuen und verständigen Sklaven“ ein? (b) Erkläre, wie immer mehr zwischen der leitenden Körperschaft und der Watch Tower Society unterschieden wurde.
10 Im Jahr 1919, drei Jahre nach Bruder Russells Tod, setzte Jesus den „treuen und verständigen Sklaven“ ein. Wozu? Um seinen Hausknechten „Speise zur rechten Zeit zu geben“ (Mat. 24:45). Schon damals war eine kleine Gruppe gesalbter Brüder in der Weltzentrale in Brooklyn (New York) tätig, die für Jesu Nachfolger geistige Speise vorbereitete und an sie austeilte. Die Bezeichnung „leitende Körperschaft“ erschien in unseren Publikationen zum ersten Mal in den 1940er-Jahren. Sie wurde eng mit der Watch Tower Bible and Tract Society in Verbindung gebracht. 1971 unterschied man jedoch die leitende Körperschaft von der Watch Tower Society — ein Rechtsinstrument und kein biblisches Gremium — und ihren Vorstandsmitgliedern. Von da an gehörten zur leitenden Körperschaft auch gesalbte Brüder, die nicht im Vorstand waren. In den vergangenen Jahren dienten verantwortliche Brüder aus den Reihen der „anderen Schafe“ als Vorstandsmitglieder der gesetzlich eingetragenen Gesellschaft und anderer Rechtskörperschaften, von denen Gottes Volk Gebrauch macht. So kann sich die leitende Körperschaft darauf konzentrieren, für geistige Unterweisung und Anleitung zu sorgen (Joh. 10:16; Apg. 6:4). Wie in der Ausgabe des Wachtturms vom 15. Juli 2013 erklärt wurde, ist der „treue und verständige Sklave“ eine kleine Gruppe gesalbter Brüder, die die leitende Körperschaft bildet.
Die leitende Körperschaft (1950er-Jahre)
11. Wie trifft die leitende Körperschaft Entscheidungen?
11 Die leitende Körperschaft trifft wichtige Entscheidungen gemeinsam. Wie läuft das ab? Die Mitglieder treffen sich jede Woche und fördern so gute Kommunikation und Einheit (Spr. 20:18). Da keiner von ihnen als wichtiger angesehen wird, wechselt der Vorsitzende bei diesen Besprechungen jedes Jahr reihum (1. Pet. 5:1). Nach dem gleichen Prinzip wechselt jeder Vorsitzende der sechs Komitees der leitenden Körperschaft. Und die einzelnen Mitglieder dieser Körperschaft sehen sich nicht als Führer ihrer Brüder, sondern als „Hausknechte“, die vom treuen Sklaven ernährt werden und sich seiner Aufsicht unterstellen.
Seit seiner Einsetzung im Jahr 1919 hat der treue Sklave für Gottes Volk geistige Speise bereitgestellt (Siehe Absatz 10, 11)
„WER IST IN WIRKLICHKEIT DER TREUE UND VERSTÄNDIGE SKLAVE?“
12. Welche Fragen stellen sich, da die leitende Körperschaft weder von Gott inspiriert noch unfehlbar ist?
12 Die leitende Körperschaft ist weder von Gott inspiriert noch unfehlbar. Aus diesem Grund kann sie sich in Lehrfragen oder in organisatorischen Anweisungen irren. Der Index der Wachtturm-Publikationen enthält sogar das Stichwort „Glaubensansichten klargestellt“, wo Veränderungen in unserem biblischen Verständnis seit 1870 aufgelistet werden. Hat Jesus gesagt, sein treuer Sklave würde für vollkommene geistige Speise sorgen? Nein. Wie können wir also die Frage Jesu beantworten: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave?“ (Mat. 24:45)? Was beweist, dass die leitende Körperschaft diese Rolle ausfüllt? Gehen wir noch einmal auf die drei Hilfen ein, durch die sich die leitende Körperschaft im 1. Jahrhundert anleiten ließ.
13. Wie hat der heilige Geist der leitenden Körperschaft geholfen?
13 Anzeichen für die Wirkung des heiligen Geistes. Der heilige Geist hat der leitenden Körperschaft geholfen, bisher unklare biblische Wahrheiten zu verstehen. Denken wir beispielsweise an die erwähnte Liste der klargestellten Glaubensansichten. Bestimmt ist es keinem Menschen zuzuschreiben, dass diese „tiefen Dinge Gottes“ entdeckt und erklärt werden können. (Lies 1. Korinther 2:10.) Die leitende Körperschaft empfindet wie Paulus, der schrieb: „Diese Dinge reden wir auch, nicht mit Worten, die durch menschliche Weisheit gelehrt werden, sondern mit solchen, die durch den Geist gelehrt werden“ (1. Kor. 2:13). Kann die schnelle Zunahme des geistigen Verständnisses seit 1919 nach Jahrhunderten des Abfalls und der geistigen Dunkelheit auf irgendetwas anderes zurückzuführen sein als auf den heiligen Geist?
14. Wie unterstützen Engel gemäß Offenbarung 14:6, 7 Gottes Volk heute?
14 Anzeichen für die Unterstützung durch Engel. Heute hat die leitende Körperschaft die gewaltige Aufgabe, eine internationale Predigttätigkeit zu beaufsichtigen, an der sich über acht Millionen Verkündiger beteiligen. Warum ist diese Tätigkeit so erfolgreich? Unter anderem, weil Engel daran beteiligt sind. (Lies Offenbarung 14:6, 7.) In vielen Fällen haben Verkündiger bei Personen vorgesprochen, die gerade um Hilfe gebetet hatten.c Auch das allgemeine Wachstum des Predigt- und Lehrwerks, und das trotz heftigen Widerstands in einigen Ländern, war nur dank übermenschlicher Unterstützung möglich.
15. Worin unterscheidet sich die leitende Körperschaft von Führern der Christenheit? Nenne ein Beispiel.
15 Vertrauen in Gottes Wort. (Lies Johannes 17:17.) Der Wachtturm vom 1. September 1973 enthielt die Frage: „Eignen sich . . . Personen, die ihre Sucht nach Tabak nicht überwunden haben, für die Taufe?“ Die Antwort: „Das biblische Zeugnis weist auf die Schlussfolgerung hin, dass sie sich nicht dafür eignen.“ Danach wurde biblisch begründet, warum ein reueloser Raucher ausgeschlossen werden sollte (1. Kor. 5:7; 2. Kor. 7:1). Es hieß: „Dies [stellt] kein Bestreben dar, auf willkürliche, diktatorische Weise zu handeln. Die Strenge kommt in Wirklichkeit von Gott, der sich durch sein geschriebenes Wort äußert.“ Ist irgendeine andere religiöse Organisation bereit, sich völlig nach Gottes Wort auszurichten, selbst wenn das einigen Mitgliedern sehr viel abverlangt? Ein neueres Buch zum Thema Religion in den USA bemerkt: „Christliche Führer haben ihre Lehren regelmäßig dem Glauben und der Meinung angepasst, die von ihren Mitgliedern und von der Gesellschaft allgemein unterstützt werden.“ Die leitende Körperschaft dagegen lässt sich bei Entscheidungen von Gottes Wort leiten, nicht von der landläufigen Meinung. Wer führt Gottes Volk heute also wirklich?
„GEDENKT DERER, DIE UNTER EUCH DIE FÜHRUNG ÜBERNEHMEN“
16. Wie können wir der leitenden Körperschaft gedenken?
16 Lies Hebräer 13:7. Das Wort, das mit „gedenken“ wiedergegeben wird, kann auch mit „erwähnen“ übersetzt werden. Eine Möglichkeit, derer zu gedenken, die „die Führung übernehmen“, besteht deshalb darin, die leitende Körperschaft in unseren Gebeten zu erwähnen (Eph. 6:18). Denken wir nur an ihre Verantwortung, geistige Speise auszuteilen, die weltweite Predigttätigkeit zu beaufsichtigen und die Spenden zu verwalten. Ganz sicher benötigen sie unsere ständigen Gebete!
17, 18. (a) Wie arbeiten wir mit der leitenden Körperschaft zusammen? (b) Warum sollten wir uns beim Predigen voll einsetzen?
17 Der leitenden Körperschaft gedenken wir natürlich nicht nur mit Worten, sondern auch, indem wir uns eng an ihre Anweisungen halten. Die leitende Körperschaft gibt uns diese Anweisungen durch Veröffentlichungen, in Zusammenkünften und auf Kongressen. Außerdem ernennt sie Kreisaufseher, die wiederum Älteste ernennen. Kreisaufseher und Älteste gedenken der leitenden Körperschaft dadurch, dass sie sich eng an ihre Richtlinien halten. Wir alle zeigen Jesu Führung gegenüber Respekt, wenn wir uns gehorsam denen unterordnen, durch die er uns leitet (Heb. 13:17).
18 Wir gedenken der leitenden Körperschaft auch durch unseren vollen Einsatz beim Predigen. Paulus forderte Christen auf, den Glauben derer nachzuahmen, die unter ihnen die Führung übernehmen. Der treue Sklave hat außergewöhnlichen Glauben gezeigt und eifrig die Königreichsbotschaft gefördert und verbreitet. Gehörst du zu den anderen Schafen, die die Gesalbten in dieser wichtigen Aufgabe unterstützen? Wie glücklich werden wir sein, wenn Jesus zu uns sagt: „In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“ (Mat. 25:34-40).
19. Warum bist du entschlossen, Jesus zu folgen?
19 Als Jesus in den Himmel zurückkehrte, ließ er seine Nachfolger nicht im Stich (Mat. 28:20). Er wusste aus eigener Erfahrung, wie sehr ihm der heilige Geist, die Engel und Gottes Wort geholfen hatten, auf der Erde die Führung zu übernehmen. Deshalb unterstützt er den treuen Sklaven heute auf die gleiche Weise. Gesalbte Christen, die den Sklaven bilden, folgen „dem Lamm beständig . . ., ungeachtet wohin es geht“ (Offb. 14:4). Wenn wir ihrer Leitung folgen, folgen wir in Wirklichkeit Jesus. Schon bald wird er uns zu ewigem Leben führen — etwas, was uns kein menschlicher Führer versprechen kann! (Offb. 7:14-17).
a Offensichtlich wollte Jehova, dass 12 Apostel die zukünftigen „zwölf Grundsteine“ des Neuen Jerusalem bilden (Offb. 21:14). Deshalb musste keiner der treuen Apostel ersetzt werden, die später ihr irdisches Leben beendeten.
b Seit 1955 ist diese Körperschaft als Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania bekannt.
c Siehe das Buch Legt gründlich Zeugnis ab für Gottes Königreich, Seite 58, 59.
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