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Die Geburt des Königreiches im HimmelGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 2
Die Geburt des Königreiches im Himmel
1, 2. Was war das größte Ereignis der Geschichte, und warum überrascht es nicht, dass es dem menschlichen Auge verborgen blieb?
HAST du dich schon einmal gefragt, wie es wohl gewesen wäre, einen markanten Wendepunkt in der Geschichte mitzuerleben? Eine spannende Vorstellung. Aber wärst du, wenn du in so einer Zeit gelebt hättest, selbst Zeuge der auslösenden Momente gewesen? Nicht unbedingt. Ereignisse, die Regime zu Fall bringen und Geschichte machen, spielen sich häufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Geschichte wird oft hinter verschlossenen Türen geschrieben — in Thronsälen, an Kabinettstischen oder in Präsidentenbüros. Und das, obwohl Millionen Menschen davon betroffen sind.
2 Wie war es bei dem größten Ereignis der Geschichte? Dieses Geschehen hat Millionen von Menschen berührt. Dennoch blieb es dem menschlichen Auge verborgen. Gemeint ist die Geburt von Gottes Königreich im Himmel. Diese vor Langem verheißene messianische Regierung wird dem ganzen heutigen System bald ein Ende machen. (Lies Daniel 2:34, 35, 44, 45.) Hat Jehova jene bedeutende Geburtsstunde vor der Menschheit geheim gehalten, oder hat er sein loyales Volk darauf vorbereitet?
„Mein Bote“ wird „einen Weg vor mir bahnen“
3—5. (a) Wer war „der Bote des Bundes“ aus Maleachi 3:1? (b) Was sollte geschehen, bevor „der Bote des Bundes“ zum Tempel kam?
3 Jehova hatte schon lange beschlossen, sein Volk auf die Geburt des messianischen Königreiches vorzubereiten. Das geht zum Beispiel aus der Prophezeiung in Maleachi 3:1 hervor: „Siehe! Ich sende meinen Boten, und er soll einen Weg vor mir bahnen. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der wahre Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, an dem ihr Gefallen habt.“
4 Wann kam Jehova, „der wahre Herr“, in der heutigen Erfüllung dieser Prophezeiung? Wann inspizierte er diejenigen, die im irdischen Vorhof seines geistigen Tempels dienten? Dazu muss man zunächst einmal wissen, wer „der Bote des Bundes“ ist, mit dem er kommen würde. Es ist der messianische König, Jesus Christus (Luk. 1:68-73). Als neu eingesetzter Regent sollte er Gottes Volk auf der Erde inspizieren und reinigen (1. Pet. 4:17).
5 Und wer war der zuerst erwähnte „Bote“ aus Maleachi 3:1? Diese prophetische Figur würde schon einige Zeit vor der Gegenwart des messianischen Königs auftreten. Hat in den Jahrzehnten vor 1914 jemand dem Messias „einen Weg gebahnt“?
6. Wer erwies sich als der angekündigte „Bote“, der Gottes Volk zunächst auf das vorbereitete, was kommen sollte?
6 In dem vorliegenden Buch werden diese Fragen anhand der begeisternden Geschichte des Volkes Jehovas von heute beantwortet. Wir werden sehen, wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einem riesigen Feld voller Scheinchristen nach und nach eine kleine Gruppe aufrichtiger Menschen als einzige Gemeinschaft echter Christen zum Vorschein kam. Diese Gruppe wurde unter dem Namen Bibelforscher bekannt. Charles T. Russell und seine Weggefährten, die unter ihnen führend vorangingen, stellten sich eindeutig als der angekündigte „Bote“ heraus. Sie leiteten Gottes Volk an und bereiteten es auf das vor, was kommen sollte. Sehen wir uns vier Gebiete an, auf denen der „Bote“ Bahnbrechendes leistete.
Gott „mit Wahrheit anbeten“
7, 8. (a) Wer widerlegte im 19. Jahrhundert die Lehre von der unsterblichen Seele? (b) Welche weiteren Irrtümer deckten C. T. Russell und seine Weggefährten auf?
7 Diese Bibelforscher studierten unter Gebet Gottes Wort. Sie einigten sich auf klare biblische Lehren, hielten ihre Ergebnisse fest und veröffentlichten sie später. Die Kirchen tappten seit Jahrhunderten im Dunkeln; viele ihrer Lehren wurzelten im Heidentum. Ein Paradebeispiel dafür ist die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele. Im 19. Jahrhundert nahmen jedoch einige aufrichtige Erforscher der Bibel diese Lehre unter die Lupe und stellten fest, dass sie in Gottes Wort nicht gestützt wird. Henry Grew, George Stetson und George Storrs entlarvten diese Lüge Satans mutig in ihren Schriften und Vorträgen.a Ihre Arbeit hatte einen starken Einfluss auf C. T. Russell und seine Weggefährten.
8 Dieser kleine Kreis von Bibelforschern stellte fest, dass noch andere Lehren, die mit der Unsterblichkeit der Seele zusammenhingen, verwirrend und falsch waren. Dazu gehörte die Lehre, alle guten Menschen kämen in den Himmel oder Gott quäle die unsterblichen Seelen der Bösen ewig im Höllenfeuer. Russell und seine Weggefährten deckten diese Lügen in zahlreichen Artikeln, Büchern, Broschüren, Traktaten und gedruckten Predigten furchtlos auf.
9. Was schrieb Zions Wacht-Turm über die Dreieinigkeitslehre?
9 Die Bibelforscher entlarvten auch die allgemein anerkannte Dreieinigkeitslehre als falsch. 1887 schrieb Zions Wacht-Turm (engl.): „Die Heilige Schrift lässt unmissverständlich erkennen, dass Jehova und unser Herr Jesus zwei getrennte Individuen sind. Sie erklärt auch, in welcher Beziehung sie zueinander stehen.“ Es sei erstaunlich, dass „sich die Vorstellung von einem dreieinigen Gott — drei Götter in einem und zugleich ein Gott in dreien — überhaupt durchsetzen konnte“. Weiter hieß es: „Auf jeden Fall sieht man daran, wie tief die Kirche schlief, während der Feind ihr die Ketten des Irrtums anlegte.“
10. Was sagte der Wacht-Turm über das Jahr 1914?
10 Die Zeitschrift Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi befasste sich, wie ihr Name sagt, eingehend mit Prophezeiungen über Christi Gegenwart. Die Verfasser — alles treue Gesalbte — erkannten, dass Daniels Prophezeiung über die „sieben Zeiten“ damit zu tun hatte, wann Gottes Voraussagen über das messianische Königreich wahr würden. Bereits in den 1870er-Jahren wiesen sie auf 1914 als das Jahr hin, in dem die sieben Zeiten enden würden (Dan. 4:25; Luk. 21:24). Sie machten ihre Kenntnisse weit und breit publik — mit nachhaltiger Wirkung —, obwohl sie damals noch nicht die volle Bedeutung dieses markanten Jahres begriffen.
11, 12. (a) Wem gab Bruder Russell die Ehre für das, was er lehrte? (b) Wie bedeutend war das, was Russell und seine Weggefährten in den Jahrzehnten vor 1914 leisteten?
11 Weder Russell noch sein Bibelkreis beanspruchten die Ehre dafür, lebenswichtige biblische Wahrheiten entdeckt und verstanden zu haben. Russell äußerte sich anerkennend über andere, die vor ihm da waren. Und vor allem gab er Jehova die Ehre, der genau weiß, wann sein Volk was braucht. Jehova segnete eindeutig die Anstrengungen Russells und seiner Weggefährten, falsche Lehren auszusieben. Mit den Jahren hoben sich die Bibelforscher immer mehr von den Kirchen der Christenheit ab.
Bruder Russell und seine Weggefährten traten für biblische Wahrheiten ein
12 Es ist einfach überwältigend, wie diese treuen Männer in den Jahren vor 1914 die wahren Lehren verteidigten. Der Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi vom Januar 1918 schrieb dazu rückblickend: „Millionen von Leuten sind heute frei von der Last der Furcht, die ihnen durch die Lehre von einer Feuerhölle und andere falsche Lehren aufgebürdet wurde . . . Der Strom der Wahrheit, welcher vor mehr als vierzig Jahren begann, schwillt noch beständig an und wird weiter steigen, bis er die ganze Erde erfüllt; und seine Gegner könnten eher die Wogen eines mächtigen Ozeans mit einem gewöhnlichen Besen hinwegfegen als die Wahrheit daran hindern, sich über die ganze Erde zu verbreiten.“
13, 14. (a) Wie bahnte der „Bote“ den Weg für den messianischen König? (b) Was können wir von unseren Brüdern aus der Anfangszeit lernen?
13 Überlegen wir einmal: Wäre Gottes Volk auf den Beginn der Gegenwart Christi vorbereitet gewesen, wenn man zwischen Jesus und seinem Vater Jehova nicht hätte unterscheiden können? Oder wenn man die Ansicht vertreten hätte, Unsterblichkeit sei von vornherein die Bestimmung aller Menschen und nicht ein kostbares Geschenk für relativ wenige Nachfolger Christi? Oder wenn man geglaubt hätte, Gott quäle Menschen für immer und ewig im Höllenfeuer? Ohne Zweifel bahnte der „Bote“ dem messianischen König den Weg.
14 Und wie steht es mit uns heute? Was können wir von unseren Brüdern, die vor über 100 Jahren lebten, lernen? Auch wir tun gut daran, im Lesen und Studieren des Wortes Gottes aufzugehen (Joh. 17:3). In der geistig ausgehungerten, materialistischen Welt von heute ist es wichtig, einen immer stärkeren Appetit auf die geistige Speise zu entwickeln. (Lies 1. Timotheus 4:15.)
„Geht aus ihr hinaus, mein Volk“
15. Was verstanden die Bibelforscher nach und nach? (Siehe auch Fußnote.)
15 Die Bibelforscher lehrten, dass man sich von den Kirchen lossagen muss. 1879 sprach der Wacht-Turm von der „Babylon-Kirche“. Spielte er damit auf das Papsttum an? Auf die katholische Kirche? Darauf hatten protestantische Glaubensgemeinschaften jahrhundertelang den prophetischen Ausdruck „Babylon“ angewandt. Die Bibelforscher dagegen erkannten nach und nach, dass alle Kirchen der Christenheit zum heutigen „Babylon“ gehörten. Weshalb? Weil sie allesamt die zuvor erwähnten Lügen lehrten.b Mit der Zeit machten unsere Veröffentlichungen immer deutlicher, was aufrichtige Mitglieder der Kirchen Babylons zu tun hatten.
16, 17. (a) Welche Aufforderung erging in dem Werk Millennium-Tagesanbruch und im Wacht-Turm? (b) Warum war diese Warnung anfangs noch nicht so deutlich? (Siehe Fußnote.)
16 In dem Werk Millennium-Tagesanbruch, Band III wurde 1891 beispielsweise erörtert, dass Gott das heutige Babylon verworfen hat. Wörtlich: „Das ganze System, ‚ein System von Systemen‘, ist verworfen.“ Allen Anhängern Babylons der Großen, „die da nicht in Einklang stehen mit ihren falschen Lehren und ihrer falschen Praxis, wird jetzt zugerufen, sich von ihr zu trennen“.
17 Im Januar 1900 wandte sich der Wacht-Turm (engl.) mit offenen Worten an Leser, die ihre Mitgliedschaft in einer Kirche rechtfertigen wollten und sagten: „Ich sympathisiere sehr mit der Wahrheit und besuche nur selten andere Gottesdienste.“ Der Artikel warf die Frage auf: „Kann es richtig sein, noch mit einem Bein in Babylon zu stehen? Ist das der Gehorsam, der . . . verlangt wird und der Gott gefällt und für ihn annehmbar ist? Bestimmt nicht. Man ist durch seine Aufnahme in eine Kirche öffentlich eine Verpflichtung eingegangen und sollte sich gewissenhaft daran halten, bis man seine Mitgliedschaft öffentlich widerrufen hat oder ausgetreten ist.“ Im Laufe der Jahre wurde die Botschaft immer konkreter: Diener Jehovas müssen alle Bindungen an die falsche Religion lösen.c
18. Warum war es nötig, Groß-Babylon zu verlassen?
18 Hätte der neu eingesetzte König auf der Erde eine Gruppe vorbereiteter gesalbter Diener vorgefunden, wenn diese Warnung nicht immer wieder gegeben worden wäre? Mit Sicherheit nicht, denn nur wer sich aus dem Griff Babylons befreit hat, kann Jehova „mit Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh. 4:24). Sind wir genauso entschlossen, uns von der falschen Religion fernzuhalten? Dann werden wir weiterhin das Gebot beachten: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk.“ (Lies Offenbarung 18:4.)
Zur Anbetung Gottes versammelt
19, 20. Wie ermunterte der Wacht-Turm dazu, sich zur Anbetung zu versammeln?
19 Die Bibelforscher lehrten, dass sich die Gläubigen zur Anbetung Gottes versammeln sollten, wo immer das möglich war. Will man ein echter Christ sein, reicht es nicht, sich von der falschen Religion loszusagen. Man muss die reine Anbetung praktizieren. Der Wacht-Turm hat seine Leser von Anfang an dazu angeregt, Zusammenkünfte abzuhalten. Im Juli 1880 schrieb Bruder Russell zum Beispiel in einem Bericht über eine Vortragsreise, wie wohltuend die vielen Zusammenkünfte gewesen seien. Er ermunterte die Leser, Postkarten einzusenden und über ihre Fortschritte zu berichten. Diese Zeilen wurden zum Teil im englischen Wacht-Turm abgedruckt. Bruder Russell schrieb: „Lasst uns alle wissen . . . , wie der Herr euch Gelingen schenkt und ob ihr euch weiter mit denen versammelt, die mit euch im gleichen kostbaren Glauben vereint sind.“
Charles Russell mit einer Gruppe Bibelforscher in Dänemark (Kopenhagen 1909)
20 Im Jahr 1882 brachte der Wacht-Turm einen Artikel mit der Überschrift „Das Zusammenkommen“. Darin wurden Christen aufgefordert, „zur gegenseitigen Erbauung, Ermutigung und Stärkung“ zusammenzukommen. Weiter hieß es: „Keiner von euch braucht eine besondere Bildung oder Begabung zu haben. Bringt eure Bibel sowie Papier und Stift mit und nutzt möglichst viele Hilfen wie zum Beispiel eine Konkordanz . . . Wählt ein Thema, bittet um die Leitung durch den Geist, um es zu verstehen, lest, denkt nach, vergleicht Bibelvers mit Bibelvers, und ihr werdet gewiss in die Wahrheit geleitet.“
21. Wieso war die Versammlung in Allegheny (Pennsylvania) vorbildlich, was das Zusammenkommen und die Hirtentätigkeit betraf?
21 In Allegheny (Pennsylvania, USA), wo die Bibelforscher ihren Sitz hatten, hielt man sich vorbildlich an die Worte aus Hebräer 10:24, 25. (Lies.) Ein älterer Bruder namens Charles Capen berichtete, wie er als Junge die Zusammenkünfte empfand: „Ich erinnere mich noch an einen der Schrifttexte, die im Versammlungssaal der Gesellschaft an der Wand standen. ‚Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder.‘ Diese Worte hatte ich immer deutlich vor Augen. Unter dem Volk Jehovas gibt es keine Unterscheidung in Geistliche und Laien“ (Mat. 23:8). Bruder Capen erinnerte sich auch an die anregende und herzliche Atmosphäre und an Bruder Russells Bemühungen, sich wie ein Hirte um jeden Einzelnen zu kümmern.
22. Wie reagierten gläubige Menschen auf den Rat, sich zu versammeln, und was können wir von ihnen lernen?
22 Immer mehr Menschen folgten diesem Beispiel und hörten auf den Rat, sich zu versammeln. So entstanden auch in weiteren Bundesstaaten wie Ohio und Michigan Versammlungen, dann in ganz Nordamerika und in anderen Ländern. Wären gläubige Menschen wirklich auf die Gegenwart Christi vorbereitet gewesen, wenn sie nicht gelernt hätten, sich an diesen biblischen Rat zu halten? Bestimmt nicht! Seien auch wir entschlossen, regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen, ja bei jeder Gelegenheit gemeinsam Jehova anzubeten und uns gegenseitig zu erbauen.
Dynamische Prediger
23. Wie machte der Wacht-Turm deutlich, dass alle Gesalbten die Wahrheit verkündigen müssen?
23 Die Bibelforscher lehrten, dass jeder Gesalbte die Verantwortung hat, die Wahrheit zu verkündigen. 1885 wurde im Wacht-Turm dazu ausgeführt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder, der zum gesalbten Leib gehört, auch zum Predigen gesalbt ist (Jes. 61:1), zum Dienst Christi berufen.“ 1888 erging in der gleichen Zeitschrift die Aufforderung: „Wir haben einen klaren Auftrag . . . Wenn wir uns darüber hinwegsetzen und Entschuldigungen vorbringen, sind wir gewiss träge Sklaven, die ihrer hohen Vertrauensstellung nicht würdig sind.“
24, 25. (a) Wie unterstützten Russell und seine Weggefährten die Predigttätigkeit? (b) Wie beschrieb ein Vollzeitprediger seine Tätigkeit ohne Auto?
24 Bruder Russell und seine Weggefährten ließen es nicht dabei bewenden, nur zum Predigen aufzurufen. Sie veröffentlichten außerdem die Schriftforscher-Traktate (später auch Die alte Theologie genannt), die Leser des Wacht-Turms zur kostenlosen Verbreitung erhielten.
Hat das Predigen in meinem Leben Vorrang?
25 Die Vollzeitprediger hießen damals Kolporteure. Auch der zuvor erwähnte Charles Capen gehörte zu ihnen. Er erzählte später: „Ich nutzte Karten vom Geologischen Dienst der Vereinigten Staaten, um das Gebiet in Pennsylvania zu bearbeiten. Darauf waren alle Wege verzeichnet, sodass ich jede einzelne Siedlung zu Fuß erreichen und Bestellungen für die Schriftstudien aufnehmen konnte. Nach drei Tagen Fußmarsch mietete ich mir dann manchmal einen Einspänner, um die Bücher auszuliefern. Oft machte ich auf einer Farm halt und übernachtete dort. Ja, so war das, als man noch keine Autos hatte.“
Ein Vollzeitprediger. Man beachte die „Karte der Zeitalter“ an der Seite des Wagens
26. (a) Warum mussten Gottes Diener predigen, um auf Christi Herrschaft vorbereitet zu sein? (b) Welche Fragen ergeben sich daraus für uns?
26 Diese Prediger der Anfangszeit brauchten mit Sicherheit Mut und Eifer. Wären echte Christen auf die Herrschaft Christi vorbereitet gewesen, wenn man sie nicht gelehrt hätte, wie wichtig das Predigen ist? Auf keinen Fall! Immerhin sollte diese Tätigkeit ja ein herausragendes Merkmal der Gegenwart Christi werden (Mat. 24:14). Gottes Diener mussten darauf vorbereitet werden, dieses lebensrettende Werk zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen. Fragen wir uns doch einmal: Ist das Predigen mein Lebensinhalt? Bin ich zu Opfern bereit, um dabei mein Bestes zu geben?
Gottes Königreich ist geboren!
27, 28. Was sah Johannes in einer Vision, und wie reagierten Satan und seine Dämonen darauf?
27 Schließlich kam das bedeutungsvolle Jahr 1914. Wie eingangs erwähnt, gab es keine menschlichen Augenzeugen der großen Ereignisse im Himmel. Doch der Apostel Johannes erhielt eine Vision, die er in bildhaften Worten wiedergab. Stell dir vor: Johannes sieht „ein großes Zeichen“ im Himmel. Gottes „Frau“ — seine Organisation von Geistgeschöpfen im Himmel — ist schwanger und bringt ein Kind zur Welt, einen Sohn. Dieses Kind soll bald „alle Nationen mit eisernem Stab hüten“. Doch es wird direkt nach der Geburt „entrückt zu Gott und zu seinem Thron“. Eine laute Stimme im Himmel sagt: „Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus herbeigekommen“ (Offb. 12:1, 5, 10).
28 Ohne Zweifel sah Johannes in seiner Vision die Geburt des messianischen Königreiches. Wahrhaftig ein großes Ereignis! Es gefiel allerdings nicht jedem. Satan und seine Dämonen kämpften gegen die treuen Engel, die von Michael, das heißt Christus, angeführt wurden. Wie ging der Kampf aus? Wir lesen: „Hinabgeschleudert wurde der große Drache — die Urschlange —, der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt; er wurde zur Erde hinabgeschleudert, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeschleudert“ (Offb. 12:7, 9).
Ab 1914 erkannten die Bibelforscher das Zeichen der unsichtbaren Gegenwart Christi
29, 30. Was änderte sich nach der Geburt des messianischen Königreiches (a) auf der Erde, (b) im Himmel?
29 Schon lange vor 1914 sagten die Bibelforscher, dass in diesem bedeutsamen Jahr schwere Zeiten anbrechen würden. Aber nicht einmal sie konnten ahnen, wie präzise sich diese Voraussage erfüllen würde. Wie die Vision von Johannes erkennen lässt, sollte Satan jetzt noch größeren Einfluss auf die Menschheit haben: „Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, dass er nur eine kurze Frist hat“ (Offb. 12:12). 1914 brach der Erste Weltkrieg aus und das Zeichen der Gegenwart Christi in Königsmacht wurde nach und nach auf der ganzen Welt sichtbar. Die „letzten Tage“ des heutigen Systems hatten begonnen (2. Tim. 3:1).
30 Im Himmel herrschte jedoch Freude. Satan und seine Dämonen waren für immer von dort verbannt. Johannes schrieb: „Darum seid fröhlich, ihr Himmel und ihr, die ihr darin weilt!“ (Offb. 12:12). Jetzt, wo der Himmel gereinigt und Jesus als König eingesetzt war, konnte das messianische Königreich für Gottes Diener auf der Erde aktiv werden. Wie wir zu Beginn dieses Kapitels gesehen haben, sollte Christus als „der Bote des Bundes“ sie zunächst läutern. Was würde das bedeuten?
Eine Zeit der Erprobung
31. Was sagte Maleachi über die Zeit der Läuterung voraus, und wie begann sich diese Prophezeiung zu erfüllen? (Siehe auch Fußnote.)
31 Maleachi kündigte an, dass der Läuterungsprozess nicht leicht sein würde. Er schrieb: „Wer wird den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er wird wie das Feuer eines Läuterers sein und wie die Lauge von Wäschern“ (Mal. 3:2). Genauso kam es auch! Von 1914 an hatte Gottes Volk auf der Erde die verschiedensten Schwierigkeiten und Erprobungen zu verkraften. Während des Ersten Weltkriegs wurden viele Bibelforscher grausam verfolgt und ins Gefängnis gesperrt.d
32. Wie wurde Gottes Volk ab 1916 von innen heraus erschüttert?
32 Auch von innen heraus wurde die Organisation heftig erschüttert. Bruder Russell starb 1916 im Alter von nur 64 Jahren. Der Tod dieses herausragenden Mannes war für viele Diener Gottes ein Schock. Es zeigte sich, dass man ihn zu sehr in den Vordergrund gerückt hatte. Obwohl Bruder Russell das nie wollte, war ein gewisser Personenkult um ihn herum entstanden. Man dachte, nach seinem Tod sei es mit dem fortschreitenden Verständnis der Wahrheit vorbei. Einige stellten sich erbittert dagegen, dass man weiter vorwärtsdrängte. Diese Haltung löste eine Welle der Abtrünnigkeit aus und die Organisation wurde gespalten.
33. Wie wurden Gottes Diener durch unerfüllte Erwartungen auf die Probe gestellt?
33 Eine andere Erprobung kam durch unerfüllte Erwartungen. Im Wacht-Turm wurde zwar richtigerweise darauf hingewiesen, dass 1914 die Zeiten der Nationen enden würden, aber es war noch nicht klar, was in diesem Jahr geschehen sollte (Luk. 21:24). Man dachte, Christus würde 1914 seine gesalbte „Braut“ in den Himmel holen, um mit ihr zusammen zu regieren. Diese Hoffnung blieb unerfüllt. Ende 1917 kündigte Der Wacht-Turm an, dass im Frühjahr 1918 eine 40-jährige Erntezeit zu Ende gehe. Doch das Predigtwerk machte weiter Fortschritte. In der Zeitschrift wurde gefolgert, die Ernte habe zwar geendet, es käme aber noch eine Nachlese. Dennoch hörten viele aus Enttäuschung auf, Jehova zu dienen.
34. Zu welchem Härtetest kam es 1918, und warum hielten die Kirchen Gottes Volk für „tot“?
34 Im Jahr 1918 kam es zu einem Härtetest. J. F. Rutherford, der nach C. T. Russell unter Gottes Dienern die Führung innehatte, wurde zusammen mit sieben weiteren verantwortlichen Brüdern verhaftet. Sie erhielten zu Unrecht hohe Freiheitsstrafen, die sie in der Bundesstrafanstalt in Atlanta (Georgia, USA) verbüßen sollten. Eine Zeit lang schien es, als sei Gottes Volk lahmgelegt. Viele Geistliche freuten sich darüber. Da die „Führung“ im Gefängnis saß, die Zentrale in Brooklyn geschlossen war und die Predigttätigkeit in Amerika und in Europa bekämpft wurde, gingen sie davon aus, dass diese lästigen Bibelforscher „tot“ waren und somit keine Bedrohung mehr darstellten (Offb. 11:3, 7-10). Doch das war ein großer Irrtum.
Zu neuem Leben erwacht
35. Warum ließ Jesus zu, dass seine Nachfolger erprobt wurden, und wie kam er ihnen zu Hilfe?
35 Die Feinde der Wahrheit ahnten nicht im Geringsten, dass Jesus diese Schwierigkeiten nur deswegen zuließ, weil Jehova damals für sein Volk ein „Läuterer und Reiniger von Silber“ war (Mal. 3:3). Jehova und sein Sohn wussten, dass die Treuen durch diese Feuerprobe geläutert und gereinigt würden und danach umso besser für den Dienst des Königs geeignet wären. Wie vom Frühjahr 1919 an deutlich wurde, hatte Gottes Geist etwas bewirkt, was die Feinde seines Volkes für unmöglich hielten: Jesu Nachfolger waren zu neuem Leben erwacht (Offb. 11:11). Damals sorgte Christus dafür, dass sich ein entscheidendes Merkmal des Zeichens der letzten Tage erfüllte. Er setzte den „treuen und verständigen Sklaven“ ein, eine kleine Gruppe gesalbter Männer, die sein Volk leiten und geistige Speise zur rechten Zeit austeilen sollten (Mat. 24:45-47).
36. Woran sieht man, dass Gottes Volk zu neuem Leben erwachte?
36 Bruder Rutherford und die anderen kamen am 26. März 1919 aus der Haft frei. Gleich für September wurde ein Kongress anberaumt. Auch plante man die Herausgabe einer zweiten Zeitschrift, betitelt Das Goldene Zeitalter. Sie sollte zusammen mit dem Wacht-Turm im Predigtdienst verwendet werden.e Noch im selben Jahr erschien zum ersten Mal das Bulletin (heute Unser Leben und Dienst als Christ: Arbeitsheft), das von Anfang an zum Predigen anspornte. Ab 1919 gewann das persönliche Predigen von Haus zu Haus immer mehr an Bedeutung.
37. Wie erwiesen sich nach 1919 einige als untreu?
37 Durch das Predigtwerk wurden Christi Diener noch weiter geläutert, denn die Stolzen und Arroganten unter ihnen waren sich für diesen Dienst zu schade. Sie verließen früher oder später die Gemeinschaft der Treuen. Einige reagierten in den Jahren nach 1919 so verbittert, dass sie Jehovas Volk übel verleumdeten und mit den Verfolgern sogar gemeinsame Sache machten.
38. Wovon überzeugen uns die Erfolge und Siege der Nachfolger Christi?
38 Trotz dieser Angriffe fing für Christi Nachfolger eine geistige Blütezeit an. Jeder einzelne Erfolg, den sie seither verbuchen konnten, liefert uns den überzeugenden Beweis, dass Gottes Königreich regiert. Nur weil Jehova diese Gruppe schwacher, unvollkommener Menschen durch das messianische Königreich aktiv unterstützte und segnete, konnten sie über Satan und sein verdorbenes System einen Sieg nach dem anderen erringen. (Lies Jesaja 54:17.)
Einige Monate nach seiner Haftentlassung hält Bruder Rutherford auf einem Kongress einen aufrüttelnden Vortrag
39, 40. (a) Wie ist dieses Buch aufgebaut? (b) Was kann das Studium dieses Buches bei dir bewirken?
39 In den nächsten Kapiteln werden wir untersuchen, was Gottes Königreich seit der Geburt im Himmel in den vergangenen 100 Jahren auf der Erde erreicht hat. Das Buch ist in mehrere Teile gegliedert, die jeweils auf einen bestimmten Aspekt eingehen werden. Jedes Kapitel hat einen Wiederholungskasten, durch den wir überprüfen können, wie real das Königreich für uns persönlich ist. In den letzten Kapiteln geht es darum, was uns erwartet, wenn Gottes Königreich in naher Zukunft kommt, um dem Bösen ein Ende zu machen und auf der Erde ein Paradies zu schaffen. Was kann das Studium dieses Buches bei dir bewirken?
40 Satan möchte deinen Glauben an Gottes Königreich untergraben. Doch Jehova möchte deinen Glauben stärken, damit du geschützt bist und standhaft bleibst (Eph. 6:16). Studiere dieses Buch daher gründlich und frage dich dabei immer wieder: Ist Gottes Königreich für mich real? Eines Tages werden alle erkennen müssen, dass Gottes Reich bereits regiert. Je realer es heute schon für dich ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass du diesen Tag als treuer Unterstützer des Königreiches erleben wirst.
a Mehr über Grew, Stetson und Storrs steht in dem Buch Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 45, 46.
b Die Bibelforscher erkannten, dass sie sich von verweltlichten Religionsgemeinschaften lossagen mussten. Dennoch betrachteten sie noch jahrelang einzelne Kirchenmitglieder als ihre Glaubensbrüder, sofern sie sich als gottgeweiht betrachteten und ihren Glauben an das Lösegeld beteuerten.
c Diese Warnung war unter anderem deshalb anfangs noch nicht so deutlich, weil man sie hauptsächlich auf die 144 000 anwandte, die Christi kleine Herde bilden. Vor 1935 dachte man, die „große Schar“ aus Offenbarung 7:9, 10 (Lutherbibel) würde unzählige Kirchenmitglieder einschließen. Sie würden als zweitrangige Gruppe mit Leben im Himmel belohnt werden, da sie sich gerade noch rechtzeitig auf Christi Seite gestellt hätten. Dazu mehr in Kapitel 5.
d Im September 1920 berichtete eine Sonderausgabe des Goldenen Zeitalters (heute Erwachet!) über die Verfolgung in Deutschland, England, Kanada und den Vereinigten Staaten. Während des Krieges gab es erschreckend brutale Vorkommnisse. Im Gegensatz dazu sind aus den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg kaum solche Vorfälle bekannt.
e Viele Jahre lang war Der Wacht-Turm hauptsächlich für die kleine Herde gedacht — zu ihrer persönlichen Stärkung.
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Jehova wirft Licht auf seinen VorsatzGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 3
Jehova wirft Licht auf seinen Vorsatz
1, 2. Wann hat Gott offenbart, was er mit der Menschheit vorhat?
LIEBEVOLLE Eltern beziehen ihre Kinder mit ein, wenn in der Familie etwas Wichtiges ansteht. Allerdings wägen sie gut ab, wie viel sie zur Sprache bringen, und berücksichtigen dabei das Alter und die Aufnahmefähigkeit ihrer Kinder.
2 Ähnlich Jehova. Er hat nach und nach offenbart, was er mit der Menschheitsfamilie vorhat — allerdings erst dann, wenn er die Zeit dafür gekommen sah. Es folgt ein Überblick, wie Jehova im Laufe der Geschichte mehr und mehr über das Königreich enthüllt hat.
Warum ist das Königreich erforderlich?
3, 4. Wieso kann man sagen, dass Jehova den Lauf der Menschheitsgeschichte nicht vorherbestimmt hat?
3 Ursprünglich gehörte das messianische Königreich nicht zum Vorsatz Jehovas. Wieso nicht? Weil Jehova den Lauf der Geschichte nicht vorherbestimmt hat. Er hat den Menschen mit einem freien Willen erschaffen. Jehova erklärte Adam und Eva, was er mit der Menschheit vorhatte. Er sagte: „Seid fruchtbar, und werdet viele, und füllt die Erde, und unterwerft sie euch“ (1. Mo. 1:28). Außerdem erwartete er von ihnen, dass sie seine Maßstäbe für Gut und Böse respektierten (1. Mo. 2:16, 17). Adam und Eva hätten sich dafür entscheiden können, Jehova treu zu bleiben. Wenn sie und ihre Nachkommen diesen Weg gewählt hätten, wäre das Königreich für die Verwirklichung von Gottes Vorsatz nicht erforderlich geworden. Überall auf der Erde würden jetzt vollkommene Menschen leben, die alle Jehova anbeten.
4 Die Rebellion Satans, Adams und Evas brachte Jehova nicht von seinem Vorsatz ab, die Erde mit einer vollkommenen Menschheitsfamilie zu bevölkern. Er ging nun anders vor, um sein Ziel zu erreichen. Sein Vorsatz gleicht nicht einem Zug, der auf einem bestimmten Gleis fahren muss, um am Ziel anzukommen, und der zum Entgleisen gebracht werden kann. Hat Jehova seinen Vorsatz einmal erklärt, kann nichts und niemand verhindern, dass er ihn wahr macht. (Lies Jesaja 55:11.) Droht ein Hindernis die Schienen zu blockieren, wechselt Jehova sozusagen das Gleis (2. Mo. 3:14, 15).a Und sobald er es für angebracht hält, teilt er seinen loyalen Dienern die neue Methode mit, wie er seinen Vorsatz verwirklichen wird.
5. Wie reagierte Jehova auf die Rebellion im Garten Eden?
5 Als es im Garten Eden zur Rebellion kam, beschloss Jehova, das Königreich ins Leben zu rufen (Mat. 25:34). In dieser dunklen Stunde der Menschheitsgeschichte gab es einen Lichtstrahl: Jehova verriet, durch welches Mittel er die Menschheit in ihren ursprünglichen Zustand zurückführen und den durch Satans vergebliches Machtstreben entstandenen Schaden wiedergutmachen würde (1. Mo. 3:14-19). Doch Jehova enthüllte noch keine Einzelheiten über das Königreich.
Jehova wirft nach und nach Licht auf das Königreich
6. Was kündigte Jehova an, und was blieb offen?
6 In der allerersten Prophezeiung kündigte Jehova einen gewissen „Samen“ oder Nachkommen an, der die Schlange vernichten sollte. (Lies 1. Mose 3:15.) Damals wurde jedoch nicht offenbart, wer mit diesem Nachkommen und mit der Nachkommenschaft der Schlange gemeint war. Tatsächlich gab Jehova rund 2 000 Jahre lang nichts Weiteres bekannt.b
7. Warum wurde Abraham ausgewählt, und was lernen wir daraus?
7 Schließlich legte Jehova fest, von wem der versprochene Nachkomme abstammen sollte. Die Wahl fiel auf Abraham, weil er auf Gottes Stimme hörte (1. Mo. 22:18). Darin steckt eine wichtige Lehre für uns: Jehova offenbart seinen Vorsatz nur gottesfürchtigen Menschen. (Lies Psalm 25:14.)
8, 9. Was erfuhren Abraham und Jakob über den versprochenen Nachkommen?
8 Als Jehova durch einen Engel zu seinem Freund Abraham sprach, verriet er zum ersten Mal ein entscheidendes Detail über den angekündigten Nachkommen: Es würde ein Mensch sein (1. Mo. 22:15-17; Jak. 2:23). Aber wie würde dieser Mensch die Schlange zermalmen? Wer war überhaupt mit der Schlange gemeint? Das würde erst später ans Licht kommen.
9 Jehova bestimmte, dass der versprochene Nachkomme von Abrahams Enkel Jakob abstammen sollte — einem Mann, der großen Glauben an Gott bewies (1. Mo. 28:13-22). Durch Jakob enthüllte er, dass die Abstammungslinie über dessen Sohn Juda laufen würde. Jakob prophezeite, dieser Nachkomme Judas werde ein „Zepter“ erhalten, einen Stab als Zeichen von Königsmacht, und ihm werde „der Gehorsam der Völker gehören“ (1. Mo. 49:1, 10). Mit dieser Ankündigung wies Jehova darauf hin, dass der verheißene Nachkomme ein Herrscher, ein König, werden sollte.
10, 11. Warum enthüllte Jehova seinen Vorsatz David und Daniel?
10 Etwa 650 Jahre nach Juda enthüllte Jehova König David, einem Nachkommen Judas, mehr über seinen Vorsatz. Jehova betrachtete David als einen Mann, „der seinem Herzen angenehm ist“ (1. Sam. 13:14; 17:12; Apg. 13:22). Wegen Davids Gottesfurcht schloss Jehova einen Bund mit ihm und versprach ihm dabei, dass einer seiner Nachkommen für immer regieren würde (2. Sam. 7:8, 12-16).
11 Ungefähr 500 Jahre später deutete Jehova durch den Propheten Daniel auf das genaue Jahr hin, in dem dieser Gesalbte oder Messias auf der Erde erscheinen würde (Dan. 9:25). Jehova betrachtete Daniel als einen sehr wertvollen Menschen. Weshalb? Weil Daniel tiefen Respekt vor Jehova hatte und ihm unbeirrt diente (Dan. 6:16; 9:22, 23).
12. Wozu wurde Daniel aufgefordert, und warum?
12 Treue Propheten wie Daniel schrieben Dutzende von Einzelheiten über den versprochenen Nachkommen, den Messias, nieder. Doch für Jehova war damals noch nicht die Zeit gekommen, seine Diener die volle Bedeutung ihrer inspirierten Aufzeichnungen verstehen zu lassen. Daniel beispielsweise erhielt eine Vision, die mit der Aufrichtung des Königreiches Gottes zusammenhing. Aber er sollte die prophetischen Worte bis zu der Zeit versiegeln, die Jehova bestimmt hatte. Erst dann würde die wahre Erkenntnis „überströmend werden“ (Dan. 12:4).
Jehova ließ treue Männer wie Daniel Einzelheiten über das messianische Königreich niederschreiben
Jesus erläutert Gottes Vorsatz
13. (a) Wer war der verheißene Nachkomme? (b) Wie warf Jesus Licht auf die Prophezeiung aus 1. Mose 3:15?
13 Jehova machte Jesus unmissverständlich als den verheißenen Nachkommen kenntlich, der von David abstammen und als König regieren sollte (Luk. 1:30-33; 3:21, 22). Als Jesus seinen Dienst begann, ging über dem Vorsatz Gottes sozusagen die Sonne auf (Mat. 4:13-17). Jesus zerstreute zum Beispiel jeden Zweifel daran, wer die „Schlange“ aus 1. Mose 3:14, 15 ist, als er den Teufel „Totschläger“ und „Vater der Lüge“ nannte (Joh. 8:44). In seiner Offenbarung an Johannes setzte er „die Urschlange“ mit demjenigen gleich, „der Teufel und Satan genannt wird“.c (Lies Offenbarung 1:1; 12:9.) In derselben Offenbarung schilderte Jesus, wie er als verheißener Nachkomme schließlich die Edenprophezeiung wahr machen und Satan vernichten wird (Offb. 20:7-10).
14—16. Woran sieht man, dass die Jünger im 1. Jahrhundert nicht alles verstanden, was Jesus ihnen enthüllte?
14 Wie wir in Kapitel 1 gesehen haben, sprach Jesus sehr oft über das Königreich. Er verriet seinen Jüngern jedoch nicht immer alle Einzelheiten, die sie wissen wollten. Und selbst wenn er ins Detail ging, wurde erst später — manchmal erst nach vielen Jahrhunderten — die volle Bedeutung seiner Worte klar. Dazu einige Beispiele.
15 Im Jahr 33 erklärte Jesus, dass diejenigen, die zusammen mit dem König des Reiches Gottes regieren sollten, von der Erde genommen und zum Leben als Geistwesen im Himmel auferweckt würden. Seine Jünger verstanden diese Offenbarung allerdings nicht sofort (Dan. 7:18; Joh. 14:2-5). Im selben Jahr verdeutlichte Jesus durch Gleichnisse, dass das Königreich erst lange nach seiner Himmelfahrt aufgerichtet würde (Mat. 25:14, 19; Luk. 19:11, 12). Dieses wichtige Detail entging den Jüngern, und so fragten sie den auferweckten Jesus später, ob er jetzt für Israel das Königreich wiederherstellen würde. Damals wollte Jesus jedoch nicht näher darauf eingehen (Apg. 1:6, 7). Er sprach auch von „anderen Schafen“, die nicht zu seiner „kleinen Herde“ von Mitherrschern gehören würden (Joh. 10:16; Luk. 12:32). Doch erst Jahre nach der Aufrichtung des Königreiches im Jahr 1914 verstanden die Nachfolger Christi, wer genau mit diesen beiden Gruppen gemeint war.
16 Jesus hätte seinen Jüngern noch etliches sagen können, als er auf der Erde lebte, aber er wusste, dass es sie überfordern würde (Joh. 16:12). Im 1. Jahrhundert wurde zweifellos viel über das Königreich enthüllt. Doch die Zeit, in der die Erkenntnis überströmen sollte, war noch nicht gekommen.
In der „Zeit des Endes“ wird die wahre Erkenntnis „überströmend“
17. Was müssen wir tun, um die Wahrheit über das Königreich richtig zu verstehen, aber was ist noch erforderlich?
17 Jehova sagte zu Daniel, in der „Zeit des Endes“ würden viele „umherstreifen“ und die wahre Erkenntnis über Gottes Vorsatz würde „überströmend werden“ (Dan. 12:4). Diese Erkenntnis fliegt niemandem zu. Gemäß einem Bibellexikon vermittelt eine Form des hebräischen Verbs für „umherstreifen“ den Gedanken, dass man sehr sorgfältig und gründlich ein Buch durchforscht. Doch wir können die Bibel noch so gewissenhaft untersuchen — die Wahrheit über das Königreich verstehen wir nur dann richtig, wenn Jehova uns diese Erkenntnis schenkt. (Lies Matthäus 13:11.)
18. Wie haben Jehovas Diener Glauben und Demut bewiesen?
18 In den Jahren vor 1914 warf Jehova nach und nach Licht auf das Königreich. Und so ist es auch in der Zeit des Endes weitergegangen. Wie die Kapitel 4 und 5 zeigen werden, mussten Gottes Diener in den vergangenen 100 Jahren ihr Verständnis wiederholt berichtigen. Heißt das, sie haben nicht die Unterstützung Jehovas? Ganz im Gegenteil! Jehova steht hinter seinen gottesfürchtigen Anbetern, weil sie zwei Eigenschaften aufweisen, die er liebt: Glauben und Demut (Heb. 11:6; Jak. 4:6). Jehovas Diener glauben fest daran, dass alle Verheißungen aus Gottes Wort wahr werden. Und es zeugt von Demut, wenn sie zugeben, dass sie nicht immer verstanden haben, wie sich diese Verheißungen genau erfüllen würden. Ihre demütige Einstellung kommt im Wacht-Turm vom 15. April 1925 zum Ausdruck: „Wir wissen, dass der Herr seine Worte selbst deutet; er legt sie für sein Volk aus, wann und wie er es für richtig hält.“
Der Herr legt seine Worte für sein Volk aus, wann und wie er es für richtig hält
19. Was lässt uns Jehova heute verstehen, und warum?
19 Als Gottes Reich 1914 aufgerichtet wurde, erkannte man nur teilweise, wie sich die Prophezeiungen über das Königreich erfüllen würden (1. Kor. 13:9, 10, 12). Im Überschwang der Gefühle wurden gelegentlich falsche Schlussfolgerungen gezogen. Über die Jahre hat es sich gezeigt, wie zutreffend eine weitere Aussage aus dem eben zitierten Wacht-Turm ist, nämlich: „Es scheint eine zuverlässige Regel zu sein, dass eine Prophezeiung erst dann von uns verstanden werden kann, wenn sie sich erfüllt hat oder in der Erfüllung begriffen ist.“ Jetzt, in der Spätphase der Zeit des Endes, haben sich viele Prophezeiungen über das Königreich bereits erfüllt oder erfüllen sich vor unseren Augen. Da Gottes Volk demütig ist und sich bereitwillig korrigieren lässt, hat Jehova dafür gesorgt, dass es seinen Vorsatz immer besser versteht. Die wahre Erkenntnis ist wirklich überströmend geworden.
Berichtigungen stellen Gottes Volk auf die Probe
20, 21. Wie reagierten Christen im 1. Jahrhundert auf geändertes Verständnis?
20 Wenn Jehova uns zu einem besseren Verständnis der Wahrheit führt, wird unsere innere Haltung auf die Probe gestellt. Haben wir genug Glauben und Demut, solche Veränderungen mitzutragen? Christen, die Mitte des 1. Jahrhunderts lebten, machten eine solche Erprobung durch. Stell dir vor, du hättest damals gelebt. Du bist ein Christ jüdischer Herkunft, hast hohe Achtung vor dem mosaischen Gesetz und bist stolz auf dein nationales Erbe. Doch jetzt treffen inspirierte Briefe des Apostels Paulus ein, in denen steht, dass dieses Gesetz nicht mehr bindend sei. Jehova habe Israel verworfen und schaffe stattdessen ein geistiges Israel, das aus Juden und Nichtjuden bestehe (Röm. 10:12; 11:17-24; Gal. 6:15, 16; Kol. 2:13, 14). Wie hättest du reagiert?
21 Demütige Christen akzeptierten das, was Paulus unter der Leitung des heiligen Geistes erklärte, und wurden von Jehova gesegnet (Apg. 13:48). Andere sträubten sich gegen die Veränderungen und wollten bei ihrem eigenen Verständnis bleiben (Gal. 5:7-12). Falls sie nicht zum Umdenken bereit waren, entging ihnen die Gelegenheit, mit Christus zusammen zu regieren (2. Pet. 2:1).
22. Wie reagierst du, wenn unser Verständnis des Vorsatzes Gottes verfeinert wird?
22 In den letzten Jahrzehnten hat uns Jehova zu einem besseren Verständnis des Königreiches verholfen. Zum Beispiel ist uns klarer geworden, wann die künftigen Untertanen des Königreiches von unbelehrbaren Menschen getrennt werden, wie man Schafe von Ziegenböcken trennt. Wir haben auch erfahren, wann die 144 000 vollzählig sind, was die Königreichsgleichnisse Jesu bedeuten und wann die letzten Gesalbten zum Leben im Himmel auferweckt werden.d Wie reagierst du auf dieses verfeinerte Verständnis? Stärkt es deinen Glauben? Beweist es dir, dass Jehova seine demütigen Diener zu einer immer tieferen Erkenntnis führt? Die nächsten Kapitel werden dich weiter in der Überzeugung bestärken, dass Jehova gottesfürchtigen Menschen seinen Vorsatz nach und nach offenbart.
a Gottes Name Jehova ist eine Form des hebräischen Verbs für „werden“. Dieser Name deutet darauf hin, dass Jehova seine Verheißungen wahr macht. Siehe den Kasten „Die Bedeutung des Namens Gottes“ in Kapitel 4.
b Das scheint zwar eine sehr lange Zeit zu sein, aber man muss bedenken, dass die Menschen damals viel länger lebten. Von Adam bis Abraham waren es nur vier sich überschneidende Menschenalter. Adam war ein Zeitgenosse Lamechs (Noahs Vater). Lamech war ein Zeitgenosse Sems (Noahs Sohn). Sem war ein Zeitgenosse Abrahams (1. Mo. 5:5, 31; 9:29; 11:10, 11; 25:7).
c Die Bezeichnung „Satan“ kommt in den Hebräischen Schriften 18 Mal vor. In den Christlichen Griechischen Schriften dagegen findet man den Ausdruck „Satan“ 30 Mal. Die Hebräischen Schriften legen passenderweise keinen ungebührlichen Nachdruck auf Satan, sondern vielmehr auf die Identität des Messias. Als der Messias kam, entlarvte er Satan ganz und gar, wovon die Christlichen Griechischen Schriften zeugen.
d Mehr über dieses verfeinerte Verständnis findet man in folgenden Wachtturm-Ausgaben: 15. Oktober 1995, Seite 23 bis 28; 15. Januar 2008, Seite 20 bis 24; 15. Juli 2008, Seite 17 bis 21; 15. Juli 2013, Seite 9 bis 14.
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Jehova rückt seinen Namen in den VordergrundGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 4
Jehova rückt seinen Namen in den Vordergrund
1, 2. Wie wird in der Neuen-Welt-Übersetzung der Name Gottes herausgestellt?
ES WAR der 2. Dezember 1947, ein kühler, aber sonniger Dienstagmorgen. Eine kleine Gruppe gesalbter Brüder aus dem Bethel in Brooklyn (New York) nahm ein gewaltiges, anspruchsvolles Projekt in Angriff. Es bedeutete 12 Jahre mühevolle Arbeit. Am Sonntag, dem 13. März 1960, war es dann endlich so weit: Der gesamte Text einer neuen Bibelübersetzung war fertig. Drei Monate später, am 18. Juni 1960, stellte Bruder Nathan Knorr auf einem Kongress in Manchester (England) den letzten Band der kompletten Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift vor. Treffend gab er die Begeisterung aller Anwesenden wieder, als er ausrief: „Dieser Tag ist für Jehovas Zeugen in der ganzen Welt ein Tag der Freude und des Dankes!“ Ein auffälliges Merkmal dieser neuen Übersetzung löste besonders große Freude aus — der konsequente Gebrauch des Namens Gottes.
Die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften wurde 1950 auf dem Kongress „Mehrung der Theokratie“ vorgestellt. Links: Yankee-Stadion (New York City); rechts: Ghana
2 In vielen Bibelübersetzungen sucht man den Gottesnamen vergeblich. Dahinter steckt eine raffinierte Strategie Satans, den Namen Gottes aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen. Doch Jehovas gesalbte Diener haben dem entgegengearbeitet. Daher hieß es in der Einleitung der damals veröffentlichten Neuen-Welt-Übersetzung: „Das herausragendste Merkmal der vorliegenden Übersetzung besteht darin, dass der göttliche Name wieder an seinem rechtmäßigen Platz eingesetzt worden ist.“ Tatsächlich kommt Gottes Eigenname in der Neuen-Welt-Übersetzung über 7 000 Mal vor. Wie sehr der Name unseres himmlischen Vaters — Jehova — doch durch diese Übersetzung herausgestellt worden ist!
3. (a) Was fanden unsere Brüder über die Bedeutung des Namens Gottes heraus? (b) Wie ist 2. Mose 3:13, 14 zu verstehen? (Siehe den Kasten „Die Bedeutung des Namens Gottes“.)
3 Anfangs dachten die Bibelforscher, die Bedeutung des Namens Gottes sei: „Ich bin, der ich bin“ (2. Mo. 3:14, de Wette). Deshalb stand im Wacht-Turm vom 1. Februar 1926: „Der Name Jehova bezeichnet den Selbst-Existierenden, . . . den, der keinen Anfang und kein Ende hat.“ Doch als man die Arbeit an der Neuen-Welt-Übersetzung aufnahm, hatte Jehova seinem Volk bereits zu der Erkenntnis verholfen, dass sein Name nicht lediglich einen Gott beschreibt, der aus sich selbst heraus existiert, sondern in erster Linie einen Gott, der aktiv auf ein Ziel hinarbeitet. Wie ihnen klar wurde, bedeutet der Name Jehova wörtlich: „Er lässt werden.“ Ja, Jehova ließ das Universum und intelligente Wesen ins Dasein kommen und er lässt fortlaufend seinen Willen und seinen Vorsatz Wirklichkeit werden. Aber warum ist es so wichtig, Gottes Namen in den Vordergrund zu rücken, und wie können wir dazu beitragen?
Die Heiligung des Namens Gottes
4, 5. (a) Worum bitten wir mit den Worten: „Dein Name werde geheiligt“? (b) Wie und wann wird Gott seinen Namen heiligen?
4 Jehova wünscht, dass sein Name hervorgehoben wird. Tatsächlich ist die Heiligung seines Namens sein Hauptanliegen, wie die erste Bitte in Jesu Mustergebet zeigt: „Dein Name werde geheiligt“ (Mat. 6:9). Worum beten wir mit diesen Worten?
5 Wie wir in Kapitel 1 gesehen haben, gehören die Worte „Dein Name werde geheiligt“ zu den drei Bitten im Mustergebet, die mit dem Vorsatz Jehovas zusammenhängen. Die anderen beiden lauten: „Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe“ (Mat. 6:10). Genauso, wie wir Jehova bitten, etwas zu unternehmen, damit sein Königreich kommt und sein Wille geschieht, bitten wir ihn auch, etwas zu unternehmen, damit sein Name geheiligt wird. Mit anderen Worten, wir bitten Jehova, dafür zu sorgen, dass sein Name von all der Schande befreit wird, die seit der Rebellion im Garten Eden darauf gehäuft wurde. Wie wird Jehova auf diese Bitte reagieren? Er sagt: „Ich werde meinen großen Namen gewiss heiligen, der unter den Nationen entweiht worden ist“ (Hes. 36:23; 38:23). Wenn Gott in Harmagedon alles Böse beseitigt, wird er seinen Namen vor den Augen der ganzen Schöpfung heiligen.
6. Wie können wir dazu beitragen, dass der Name Gottes geheiligt wird?
6 Jehova hat seine Diener schon immer an der Heiligung seines Namens mitwirken lassen. Natürlich können wir den Namen Gottes nicht heiliger machen, als er ohnehin schon ist. Er ist bereits absolut heilig. Wie können wir also zu seiner Heiligung beitragen? Jesaja erklärt dazu: „Jehova der Heerscharen — er ist es, den ihr heilighalten solltet.“ Und Jehova selbst sagt über sein Volk: „Sie [werden] meinen Namen heiligen . . . , und vor dem Gott Israels werden sie Ehrfurcht haben“ (Jes. 8:13; 29:23). Wir heiligen Gottes Namen somit, wenn wir ihn als den wichtigsten aller Namen ansehen, wenn wir Achtung vor seiner Bedeutung haben und wenn wir andere auf die Heiligkeit dieses Namens aufmerksam machen. Vor allem zeigt sich unsere tiefe Ehrfurcht vor dem Namen Gottes darin, dass wir Jehova als unseren Herrscher anerkennen und ihm von ganzem Herzen gehorchen (Spr. 3:1; Offb. 4:11).
Darauf vorbereitet, Gottes Namen zu tragen und herauszustellen
7, 8. (a) Warum hat es etwas gedauert, bis Gott sein Volk seinen Namen tragen ließ? (b) Was werden wir jetzt betrachten?
7 Der Name Jehova wird seit den 1870er-Jahren in unseren Veröffentlichungen benutzt. Zum Beispiel erschien er in Zions Wacht-Turm (engl.) vom August 1879 und in dem Liederbuch Songs of the Bride (Brautgesänge) aus demselben Jahr. Doch offenbar wollte Jehova, dass seine Diener bestimmte Voraussetzungen erfüllten, bevor er ihnen das große Vorrecht gewährte, seinen heiligen Namen öffentlich zu tragen. Wie bereitete Jehova sie darauf vor?
8 Ein Rückblick auf die Zeit um die damalige Jahrhundertwende lässt erkennen, wie Jehova seinem Volk wichtige Wahrheiten über seinen Namen besser verstehen half. Sehen wir uns drei davon an.
9, 10. (a) Warum wurde im Wacht-Turm zunächst Jesus in den Vordergrund gerückt? (b) Was änderte sich ab 1919, und wozu führte das? (Siehe auch den Kasten „Wie Der Wachtturm den Namen Gottes herausgestellt hat“.)
9 Erstens erkannte man deutlicher, wie wichtig der Name Gottes ist. Früher dachten treue Bibelforscher, im Mittelpunkt der biblischen Lehre stehe das Lösegeld. Das erklärt, warum der Wacht-Turm häufig Jesus in den Vordergrund rückte. Im ersten Jahr seines Erscheinens kam beispielsweise zehn Mal öfter der Name Jesus vor als der Name Jehova. Über die Anfänge der Bibelforscher schrieb Der Wachtturm vom 15. Juni 1976, dass damals Jesus überbetont wurde. Doch Jehova ließ seine Diener nach und nach erkennen, wie sehr die Bibel seinen Eigennamen herausstellt. Was bewirkte das bei ihnen? Besonders von 1919 an, so hieß es in demselben Wachtturm-Artikel, „begannen sie, ihr Augenmerk mehr auf Jehova Gott, den himmlischen Vater des Messias, zu richten“. In dem Jahrzehnt nach 1919 wurde der Name Gottes im Wacht-Turm immerhin über 6 500 Mal erwähnt.
10 Dadurch, dass unsere Brüder dem Namen Jehova den richtigen Stellenwert gaben, zeigten sie ihre Liebe zu diesem Namen. Wie Moses wollten sie „den Namen Jehovas verkünden“ (5. Mo. 32:3; Ps. 34:3). Jehova wiederum nahm ihre Liebe zu seinem Namen wahr und schenkte ihnen, wie in seinem Wort versprochen, seine Gunst (Ps. 119:132; Heb. 6:10).
11, 12. (a) Was änderte sich bald nach 1919 in unseren Veröffentlichungen? (b) Worauf lenkte Jehova die Aufmerksamkeit seiner Diener, und warum?
11 Zweitens verstand man besser, welchen Auftrag Gott seinem Volk gegeben hatte. Kurz nach 1919 sahen sich die leitenden gesalbten Brüder veranlasst, die Prophezeiungen Jesajas näher zu untersuchen. Danach veränderte sich der Schwerpunkt in unseren Veröffentlichungen. Warum war diese Veränderung „Speise zur rechten Zeit“? (Mat. 24:45).
12 Vor 1919 war Der Wacht-Turm noch nie näher auf die Aussage eingegangen: „ ‚Ihr seid meine Zeugen‘, ist der Ausspruch Jehovas, ‚ja mein Knecht, den ich erwählt habe.‘ “ (Lies Jesaja 43:10-12.) Doch schon bald danach wurde diese Bibelpassage in unseren Publikationen in den Brennpunkt gerückt. Alle Gesalbten wurden ermutigt, den Auftrag Jehovas zu erfüllen, seine Zeugen zu sein. Allein von 1925 bis 1931 wurde Jesaja, Kapitel 43 in 57 Ausgaben des Wacht-Turms behandelt, und jede davon bezog Jesajas Worte auf wahre Christen. Offensichtlich lenkte Jehova damals die Aufmerksamkeit seiner Diener auf ihren Auftrag. Weshalb? Damit sie gewissermaßen „zuerst auf ihre Eignung geprüft werden“ konnten (1. Tim. 3:10). Bevor die Bibelforscher zu Recht Gottes Namen tragen durften, mussten sie Jehova durch Taten beweisen, dass sie wirklich seine Zeugen waren (Luk. 24:47, 48).
13. Was ist nach Gottes Wort das Allerwichtigste?
13 Drittens erkannte man, wie wichtig es ist, Gottes Namen zu heiligen. In den 20er-Jahren schälte sich heraus, dass die Heiligung des Namens Gottes das Allerwichtigste ist. Wie kommt diese tiefe Wahrheit im Wort Gottes zum Ausdruck? Dazu zwei Beispiele. Was war der Hauptgrund, warum Jehova die Israeliten aus Ägypten befreite? Er erklärte: „Damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde“ (2. Mo. 9:16). Und warum war Jehova barmherzig mit den Israeliten, als sie sich gegen ihn auflehnten? Wieder sagte er: „Ich ging daran, um meines eigenen Namens willen zu handeln, damit er nicht entweiht werde vor den Augen der Nationen“ (Hes. 20:8-10). Was leiteten die Bibelforscher aus diesen und anderen Bibelpassagen ab?
14. (a) Was erkannte Gottes Volk Ende der 20er-Jahre? (b) Wie wirkte sich das verfeinerte Verständnis auf das Predigtwerk aus? (Siehe auch den Kasten „Ein enormer Ansporn zu predigen“.)
14 Ende der 20er-Jahre wurde dem Volk Gottes die Bedeutung einer rund 2 700 Jahre alten Aussage Jesajas bewusst. Er hatte zu Jehova gesagt: „So führtest du dein Volk, um dir selbst einen herrlichen Namen zu machen“ (Jes. 63:14). Den Bibelforschern wurde klar, dass nicht die eigene Rettung das Wichtigste war, sondern die Heiligung des Namens Gottes (Jes. 37:20; Hes. 38:23). Im Jahr 1929 wurde diese Erkenntnis in dem Buch Prophezeiung wie folgt zusammengefasst: „Jehovas Name ist das, was allen Geschöpfen am allerwichtigsten sein sollte.“ Dieses verfeinerte Verständnis spornte Gottes Diener nur noch mehr an, für Jehova Zeugnis abzulegen und seinen Namen zu verteidigen.
15. (a) Was hatte man in den 30er-Jahren klar erkannt? (b) Wofür war jetzt die Zeit gekommen?
15 Als die 30er-Jahre anbrachen, hatte man klar erkannt, wie wichtig der Name Gottes ist. Man verstand besser, welchen Auftrag Gott seinem Volk gegeben hatte und warum die Heiligung des Namens Gottes an allererster Stelle stehen sollte. Jetzt war für Jehova die Zeit gekommen, seine Diener damit zu ehren, dass sie öffentlich seinen Namen tragen durften. Ein Blick in die Vergangenheit soll zeigen, wie die Weichen dafür gestellt wurden.
Jehova sucht sich „ein Volk für seinen Namen“
16. (a) Auf welche bemerkenswerte Weise rückt Jehova seinen Namen in den Vordergrund? (b) Wer bildete als Erstes ein Volk für Gottes Namen?
16 Jehova rückt seinen Namen bemerkenswerterweise auch dadurch in den Vordergrund, dass er auf der Erde ein Volk hat, das seinen Namen trägt. Von 1513 v. u. Z. an vertrat die Nation Israel Jehova als sein Volk (Jes. 43:12). Sie hielt sich jedoch nicht an den Bund, den Gott mit ihr geschlossen hatte. Deshalb verlor sie im Jahr 33 u. Z. ihr besonderes Verhältnis zu ihm. Kurz darauf wandte Jehova seine Aufmerksamkeit den Nationen zu, „um aus ihnen ein Volk für seinen Namen herauszunehmen“ (Apg. 15:14). Dieses neu erwählte Volk — gesalbte Nachfolger Christi aus verschiedenen Nationen — wurde „das Israel Gottes“ genannt (Gal. 6:16).
17. Mit welcher Taktik hatte Satan Erfolg?
17 Um das Jahr 44 wurden Christi Jünger „durch göttliche Vorsehung Christen genannt“ (Apg. 11:26). Anfangs war dieser Name eindeutig, denn er kennzeichnete nur echte Christen (1. Pet. 4:16). Doch Satan hatte einen hinterhältigen Plan. Er wollte die Verwendung dieses einzigartigen Namens auf alle möglichen Scheinchristen ausweiten. Und wie in dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut angedeutet, hatte er mit seiner Taktik Erfolg. Viele Jahrhunderte lang waren nämlich echte Christen und Scheinchristen nicht klar auseinanderzuhalten. Doch das änderte sich während der „Erntezeit“, die 1914 begann. Warum? Weil die Engel damit anfingen, Scheinchristen von echten Christen zu trennen (Mat. 13:30, 39-41).
18. Wodurch erkannten unsere Brüder, dass sie einen neuen Namen brauchten?
18 Nach der Einsetzung des treuen Sklaven im Jahr 1919 ließ Jehova seine Diener erkennen, welchen Auftrag er für sie hatte. Sie merkten schnell, dass sie sich durch das Predigen von Haus zu Haus von allen Scheinchristen unterschieden. Und so dauerte es nicht mehr lange, bis ihnen klar wurde, dass auch die Bezeichnung „Bibelforscher“ nicht eindeutig genug war. Ihr Lebenszweck bestand ja nicht nur darin, die Bibel zu studieren, sondern sie sollten Zeugen für Gott sein und seinen Namen ehren und in den Vordergrund rücken. Welcher Name passte zu ihrem Auftrag? Diese Frage wurde 1931 beantwortet.
Kongressprogramm 1931
19, 20. (a) Welche begeisternde Resolution wurde 1931 angenommen? (b) Wie reagierten unsere Brüder auf den neuen Namen?
19 Im Juli 1931 kamen ungefähr 15 000 Bibelforscher zu einem Kongress in Columbus (Ohio, USA) zusammen. Auf dem Kongressprogramm standen vorn zwei rätselhafte große Buchstaben: J und W. „Was hat das nur zu bedeuten?“, fragten sich viele. Einige tippten auf „Just Watch“ („Pass einfach auf“), andere auf „Just Wait“ („Warte einfach ab“). Am Sonntag, dem 26. Juli, trug Bruder Joseph Rutherford dann eine Resolution vor, die die kraftvollen Worte enthielt: „[Wir] wünschen, unter folgendem Namen bekannt zu sein und also genannt zu werden: Jehovas Zeugen.“ In diesem Augenblick war allen Anwesenden klar, was die beiden Buchstaben zu bedeuten hatten: Sie standen für Jehovas Zeugen (Jehovah’s Witnesses) — ein biblischer Name, der sich auf Jesaja 43:10 stützt.
20 Ein begeisterter Aufschrei ging durch die Reihen und der Beifall wollte kein Ende nehmen. Über den Rundfunk ging diese Reaktion um die halbe Welt. Ernest und Naomi Barber aus Australien erzählten: „Als in Amerika der Applaus losbrach, sprangen die Brüder in Melbourne auf und klatschten und klatschten. Das werden wir nie vergessen!“a
Gottes Name wird weltweit in den Vordergrund gerückt
21. Wie wurde durch den neuen Namen das Predigtwerk angekurbelt?
21 Der biblische Name Jehovas Zeugen war ein zusätzlicher Ansporn für den Predigtdienst. Edward und Jessie Grimes, ein Pionierehepaar in den Vereinigten Staaten, erlebten den Kongress in Columbus mit. Sie sagten: „Wir kamen als Bibelforscher und gingen als Zeugen Jehovas. So konnten wir viel besser den Namen unseres Gottes verherrlichen. Das machte uns glücklich.“ Nach dem Kongress probierten einige Zeugen etwas Neues aus, um den Namen Gottes bekannt zu machen. Sie stellten sich an den Türen mit einer Visitenkarte vor, auf der stand: „Zeuge JEHOVAS, der das Königreich unseres Gottes, JEHOVA, predigt“. Jehovas Diener waren stolz, den Namen ihres Gottes zu tragen, und standen bereit, die Bedeutung dieses Namens weit und breit zu verkündigen (Jes. 12:4).
„Wir kamen als Bibelforscher und gingen als Zeugen Jehovas“
22. Was macht Jehovas Volk unverwechselbar?
22 Es ist jetzt schon viele Jahre her, dass Jehova unsere gesalbten Brüder veranlasste, diesen unverwechselbaren Namen anzunehmen. Ist es Satan in der Zwischenzeit gelungen, zu verschleiern, wer Gottes Volk ist? Hat er es geschafft, uns in der religiösen Landschaft der Welt verschwinden zu lassen? Nein! Im Gegenteil, noch nie hat sich so deutlich gezeigt, wer Gottes Zeugen sind. (Lies Micha 4:5; Maleachi 3:18.) Wir werden so stark mit dem Namen Gottes in Verbindung gebracht, dass man heute jeden, der diesen Namen freimütig gebraucht, sofort für einen Zeugen Jehovas hält. Die Anbetung Jehovas geht nicht in einem Gebirge falscher Religionen unter, sondern ragt heraus, „fest gegründet . . . über dem Gipfel der Berge“ (Jes. 2:2). Heute sind die wahre Anbetung und der heilige Name Jehovas eindeutig hoch erhoben.
23. Wieso gibt uns die Aussage aus Psalm 121:5 viel Kraft?
23 Zu wissen, dass uns Jehova jetzt und in Zukunft gegen Satans Angriffe abschirmt, gibt uns viel Kraft (Ps. 121:5). Wir empfinden genauso, wie es in den Psalmen heißt: „Glücklich ist die Nation, deren Gott Jehova ist, das Volk, das er als sein Erbe erwählt hat“ (Ps. 33:12).
a Mehr über den Einsatz des Rundfunks findet man in Kapitel 7, Seite 72 bis 74.
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Das Königreich erstrahlt in hellerem LichtGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 5
Das Königreich erstrahlt in hellerem Licht
1, 2. Wieso kann man Jesus mit einem erfahrenen Stadtführer vergleichen?
ANGENOMMEN, du möchtest mit einer Touristengruppe eine faszinierende Stadt erkunden. Euch begleitet ein erfahrener Stadtführer. Gespannt verfolgt ihr jedes seiner Worte, denn euch ist hier alles fremd. Natürlich habt ihr schon einiges über die Stadt gehört und steckt voller Fragen. Doch euer Begleiter hält sich mit seinen Erklärungen oft zurück — bis zu dem entscheidenden Moment, wenn eine bestimmte Sehenswürdigkeit zum Vorschein kommt. Ihr staunt immer mehr, wie geschickt er vorgeht: Er sagt euch das, was ihr wissen müsst, immer genau im richtigen Moment.
2 Heute sind wir in einer ähnlichen Situation wie diese Touristen. Wir lernen die faszinierendste aller Städte kennen: „die Stadt, die wahre Grundlagen hat“, das Königreich Gottes (Heb. 11:10). Als Jesus auf der Erde war, weihte er seine Nachfolger persönlich in die Geheimnisse dieses Königreiches ein. Beantwortete er alle ihre Fragen, und erzählte er ihnen sofort alles über das Königreich? Nein. Er sagte: „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Joh. 16:12). Als bester „Stadtführer“, den man sich denken kann, überhäufte er seine Jünger nie mit Informationen, die sie überfordert hätten.
3, 4. (a) Wie hat Jesus nach und nach mehr über Gottes Königreich enthüllt? (b) Worum geht es in diesem Kapitel?
3 Die Worte aus Johannes 16:12 äußerte Jesus in seiner letzten Nacht als Mensch auf der Erde. Wie sollten gläubige Menschen nach seinem Tod mehr über Gottes Reich erfahren? Den Aposteln sicherte Jesus zu, dass „der Geist der Wahrheit“ sie „in die ganze Wahrheit leiten“ würde (Joh. 16:13).a Auch der heilige Geist lässt sich mit einem geduldigen Stadtführer vergleichen. Durch ihn vermittelt Jesus seinen Nachfolgern genau zur richtigen Zeit alles, was sie über Gottes Königreich wissen müssen.
4 Wir wollen nun sehen, wie aufrichtige Christen durch Jehovas heiligen Geist zu einem besseren Verständnis dieses Königreiches geführt wurden. Als Erstes geht es um den Regierungsantritt, dann um die Herrscher und die Untertanen und schließlich um das Erfordernis der Loyalität.
Das richtige Verständnis über ein wichtiges Jahr
5, 6. (a) Welche falschen Ansichten hatten die Bibelforscher über das Königreich und die Ernte? (b) Sprechen solche Irrtümer gegen die Leitung durch den heiligen Geist?
5 Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, wiesen die Bibelforscher jahrzehntelang darauf hin, dass das Jahr 1914 für die Erfüllung biblischer Prophezeiungen bedeutsam sei. Damals glaubte man allerdings, Christi Gegenwart habe 1874 angefangen, 1878 habe Jesus im Himmel zu regieren begonnen und das Königreich werde erst im Oktober 1914 vollständig aufgerichtet sein. Die Ernte finde von 1874 bis 1914 statt und gipfle darin, dass die Gesalbten in den Himmel versammelt würden. Sprechen solche irrigen Ansichten gegen die Leitung durch den heiligen Geist?
6 Auf keinen Fall. Denken wir noch einmal an unsere einleitende Geschichte. Wecken die voreiligen Ideen und Fragen der Touristen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Stadtführers? Wohl kaum. Auch Gottes Diener versuchen manchmal, Einzelheiten über den Vorsatz Jehovas herauszufinden, bevor der heilige Geist sie offenbart. Dennoch ist Jesus eindeutig ihr Führer. Demütige Menschen sind bereit umzudenken und ihre Ansichten zu korrigieren (Jak. 4:6).
7. Mit welchen geistigen Lichtstrahlen wurde Gottes Volk gesegnet?
7 In den Jahren nach 1919 wurde Gottes Volk mit immer mehr geistigen Lichtstrahlen gesegnet. (Lies Psalm 97:11.) 1925 erschien im Wacht-Turm der richtunggebende Artikel „Die Geburt der Nation“. Er lieferte überzeugende biblische Beweise für die Geburt des messianischen Königreiches im Jahr 1914. Dadurch habe sich die bildhafte Prophezeiung aus Offenbarung, Kapitel 12 erfüllt, in der Gottes himmlische Frau ein Kind zur Welt bringt.b Die Verfolgung und die Schwierigkeiten, die Jehovas Volk in den Kriegsjahren durchmachte, seien deutliche Anzeichen dafür, dass Satan aus dem Himmel geworfen worden war und „große Wut“ hatte, da er wusste, „dass er nur eine kurze Frist hat“ (Offb. 12:12).
8, 9. (a) Wie wurde die Bedeutung des Königreiches herausgestellt? (b) Welche Fragen werden wir behandeln?
8 Von 1928 an wurde im Wacht-Turm betont, wie wichtig das Königreich ist. Es ist von größerer Bedeutung als unsere eigene Rettung durch das Lösegeld. Durch das messianische Königreich wird Jehova nämlich seinen Namen heiligen, seine Souveränität rechtfertigen und alles verwirklichen, was er mit der Menschheit vorhat.
9 Wer wird in diesem Königreich mit Christus regieren? Wer sind die irdischen Untertanen? Und welchen Auftrag sollten Christi Nachfolger erfüllen?
Die Ernte konzentriert sich auf die Gesalbten
10. Welche Ansicht hat Gottes Volk schon lange über die 144 000?
10 Schon Jahrzehnte vor 1914 erkannte man, dass 144 000 zusammen mit Christus im Himmel regieren werden.c Die Bibelforscher fassten diese Zahl buchstäblich auf und verstanden, dass die Einsammlung bereits im 1. Jahrhundert begonnen hatte.
11. Wie wurde den Gesalbten nach und nach klar, welchen Auftrag sie auf der Erde zu erfüllen hatten?
11 Was für einen Auftrag hatten die künftigen Regenten aber, solange sie auf der Erde lebten? Sie begriffen, dass Jesus großen Wert auf das Predigen legte und es mit einer Erntezeit verknüpfte (Mat. 9:37; Joh. 4:35). Wie in Kapitel 2 erwähnt, dachte man eine Zeit lang, die Ernte dauere 40 Jahre und ende mit dem Versammeln der Gesalbten in den Himmel. Doch die Arbeit war nach dieser Zeitspanne noch nicht abgeschlossen. Heute wissen wir, dass die Erntezeit, in der der Weizen vom Unkraut getrennt wird — das heißt treue gesalbte Christen von Scheinchristen —, 1914 anfing. Jetzt ging es hauptsächlich darum, die Restlichen der 144 000 einzusammeln.
Das Jahr 1914 markierte den Beginn der Ernte (Siehe Absatz 11)
12, 13. Wie hat sich Jesu Gleichnis von den zehn Jungfrauen und das von den Talenten in den letzten Tagen erfüllt?
12 Von 1919 an leitete Christus den treuen und verständigen Sklaven dazu an, Nachdruck auf das Predigtwerk zu legen. Den Predigtauftrag hatte er schon im 1. Jahrhundert gegeben (Mat. 28:19, 20). Er hatte seine gesalbten Nachfolger auch darauf aufmerksam gemacht, welche Eigenschaften sie dafür brauchten. Aus dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen beispielsweise geht hervor, dass es auf Wachsamkeit ankam. Sonst würden die Gesalbten nicht ihr höchstes Ziel erreichen, nämlich an der Hochzeit im Himmel teilzunehmen, wenn Christus mit seiner „Braut“ — den 144 000 — vereint würde (Offb. 21:2). Im Gleichnis von den Talenten erklärte Jesus anschließend, dass seine gesalbten Diener ihren Predigtauftrag fleißig erfüllen würden (Mat. 25:1-30).
13 Die Gesalbten sind in den vergangenen 100 Jahren sowohl wachsam als auch fleißig gewesen. Ihre Wachsamkeit wird mit Sicherheit belohnt werden! Sollte sich das große Erntewerk aber darauf beschränken, die Zahl der 144 000 Mitregenten Christi zu vervollständigen?
Die irdischen Untertanen werden eingesammelt
14, 15. Welche vier Gruppen wurden in dem Buch Das vollendete Geheimnis behandelt?
14 Man war schon lange brennend daran interessiert, wer die „große Volksmenge“ aus Offenbarung 7:9-14 ist. Bevor für Christus die Zeit gekommen war, das zu enthüllen, verstand man vieles ganz anders als heute. Wie dankbar sind wir für das einfache, klare Verständnis, zu dem wir inzwischen gelangt sind!
15 In dem 1917 veröffentlichten Buch Das vollendete Geheimnis wurde erklärt, es gebe „zwei Stufen oder Arten himmlischer und zwei Stufen oder Arten irdischer Errettung“. An welche vier Gruppen von Menschen dachte man dabei? Erstens an die 144 000, die mit Christus zusammen regieren würden. Zweitens an die „große Volksmenge“. Damals meinte man, dabei handle es sich um Menschen, die dem Namen nach Christen seien und noch einer Kirche angehörten. Sie hätten ein gewisses Maß an Glauben, würden aber nicht fest dafür eintreten. Daher erhielten sie eine niedrigere Stellung im Himmel. Auf der Erde werde es eine dritte Gruppe geben — die Treuen der alten Zeit wie zum Beispiel Abraham und Moses —, die über eine vierte Gruppe — die Menschenwelt — gesetzt würde.
16. Welche Lichtstrahlen blitzten 1923 und 1932 auf?
16 Wie führte der heilige Geist die Nachfolger Christi zu dem heutigen Verständnis? Das geschah fortschreitend durch eine Reihe geistiger Lichtstrahlen. Schon 1923 machte Der Wacht-Turm auf eine Gruppe aufmerksam, die sich nicht nach dem Himmel sehnte, sondern unter der Herrschaft Christi auf der Erde leben würde. 1932 befasste sich Der Wachtturm mit Jonadab, der Israels gesalbten König Jehu im Kampf gegen die falsche Anbetung unterstützt hatte (2. Kö. 10:15-17). In dem Artikel wurde eine Gruppe beschrieben, die mit Jonadab zu vergleichen sei. Jehova werde sie „durch die Trübsal Harmagedons hindurchbringen“, damit sie für immer auf der Erde lebt.
17. (a) Welchen Lichtblitz gab es im Jahr 1935? (b) Welche Wirkung hatte das neue Verständnis über die große Volksmenge? (Siehe den Kasten „ ‚Ein Stoßseufzer der Erleichterung‘ “.)
17 Im Jahr 1935 blitzte ein heller Lichtstrahl auf. Auf dem Kongress in Washington (D. C.) wurde gesagt, dass die große Volksmenge die Aussicht auf irdisches Leben hat — so wie die Schafe im Gleichnis Jesu von den Schafen und den Ziegenböcken (Mat. 25:33-40). Die große Volksmenge gehört zu den „anderen Schafen“, von denen Jesus erklärte: „Auch diese muss ich bringen“ (Joh. 10:16). Mehr als die Hälfte der Zuhörer erhoben sich, als J. F. Rutherford sagte: „Würden alle, die die Hoffnung haben, ewig auf der Erde zu leben, bitte einmal aufstehen?“ „Seht!“, rief er aus. „Die große Volksmenge!“ Für viele war es sehr bewegend, endlich zu wissen, wohin sie gehörten.
18. Worauf haben sich Christi Nachfolger beim Predigen konzentriert, und mit welchem Ergebnis?
18 Seitdem konzentrierte man sich unter der Leitung Christi auf die Einsammlung der großen Volksmenge, die sicher durch die große Drangsal gebracht wird. Anfangs waren die Ergebnisse allerdings eher dürftig. Bruder Rutherford meinte einmal sogar: „Es sieht so aus, als ob die ‚große Volksmenge‘ doch nicht so groß sein wird.“ Heute sehen wir natürlich, wie sehr Jehova die Ernte seither gesegnet hat. Unter der Führung Jesu und des heiligen Geistes sind die Gesalbten und die „anderen Schafe“ genau zu dem geworden, was Jesus angekündigt hatte: „e i n e Herde“, die gemeinsam unter „e i n e m Hirten“ tätig ist.
Bruder Rutherford konnte nicht ahnen, wie sehr die große Volksmenge anwachsen würde (Von links nach rechts: Nathan H. Knorr, Joseph F. Rutherford und Hayden C. Covington)
19. Wie können wir dazu beitragen, dass die große Volksmenge weiter wächst?
19 Die große Mehrheit der Treuen wird unter der Regierung Christi und der 144 000 für immer im Paradies auf der Erde leben. Ist es nicht wunderbar, wie Christus das Volk Gottes zu einer so klaren biblischen Zukunftshoffnung geführt hat? Und ist es nicht schön, anderen von dieser Hoffnung erzählen zu können? Möchten wir da nicht unser Möglichstes tun, damit die große Volksmenge weiter wächst und der Name Jehovas immer lauter gepriesen wird? (Lies Lukas 10:2.)
Die große Volksmenge wächst ständig weiter
Was es bedeutet, loyal zum Königreich zu stehen
20. Wie setzt sich Satans Organisation zusammen, und wie kommt hier unsere christliche Loyalität ins Spiel?
20 Mit dem zunehmenden Verständnis über das Königreich rückte die Frage der Loyalität in den Brennpunkt. Passend dazu hob Der Wacht-Turm 1922 hervor, dass zwei Organisationen aktiv sind: die von Jehova und die von Satan. Die Organisation Satans besteht aus wirtschaftlichen, religiösen und politischen Elementen. Loyalität gegenüber dem messianischen Königreich schließt aus, sich in irgendeinen Bereich der Organisation Satans hineinziehen zu lassen (2. Kor. 6:17). Was bedeutet das?
21. (a) Wie hat der treue Sklave vor dem Einfluss der Finanzwelt gewarnt? (b) Was wurde 1963 im Wachtturm über „Babylon die Große“ enthüllt?
21 Durch die geistige Speise des treuen Sklaven wurde konsequent aufgedeckt, wie korrupt die heutige Finanzwelt ist, und davor gewarnt, sich von ihrem ausgeprägten Materialismus anstecken zu lassen (Mat. 6:24). Auch der religiöse Teil der Organisation Satans wurde wiederholt entlarvt. 1963 machte Der Wachtturm deutlich, dass mit „Babylon der Großen“ nicht nur die Christenheit gemeint ist, sondern das gesamte Weltreich der falschen Religion. In jedem Land und Kulturkreis sollten Gottes Diener aus ihr „hinausgehen“ und sich so von allen verkehrten religiösen Bräuchen befreien (Offb. 18:2, 4). Dazu mehr in Kapitel 10.
22. Wie verstanden viele Diener Gottes im Ersten Weltkrieg die Worte aus Römer 13:1?
22 Wie stand es mit dem politischen Teil der Organisation Satans? Durften sich wahre Christen an den Konflikten und Kriegen der Nationen beteiligen? Während des Ersten Weltkriegs war den meisten Bibelforschern klar, dass ein Nachfolger Christi seine Mitmenschen nicht töten darf (Mat. 26:52). Doch da Römer 13:1 zum Gehorsam gegenüber den „obrigkeitlichen Gewalten“ aufruft, dachten viele, sie müssten der Einberufung Folge leisten, eine Uniform anziehen und sogar Waffen tragen. Wenn es allerdings darum gehe, den Feind zu töten, solle man in die Luft schießen.
23, 24. Wie verstanden wir Römer 13:1 während des Zweiten Weltkriegs, und zu welchem klareren Verständnis wurden wir geführt?
23 Genau zu dem Zeitpunkt, als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, beschäftigte sich Der Wachtturm eingehend mit dem Thema Neutralität. Es wurde klargestellt, dass sich Christen aus den Konflikten und Kriegen der Welt Satans völlig heraushalten müssen. Das kam exakt zur richtigen Zeit. Christi Nachfolger bewahrten sich so vor der schrecklichen Blutschuld, die die Staaten in diesem Krieg auf sich luden. Von 1929 an hatten unsere Veröffentlichungen jedoch auch erklärt, mit der Obrigkeit in Römer 13:1 seien nicht die politischen Mächte gemeint, sondern Jehova und Jesus. Man brauchte ein noch klareres Verständnis.
24 Genau das offenbarte der heilige Geist im Jahr 1963. Im Wachtturm vom 15. Januar und 1. Februar erschienen wegweisende Artikel über Römer 13:1-7. Nun verstand man den Grundsatz der relativen Unterordnung, den Jesus mit den berühmten Worten formuliert hatte: „Zahlt also auf jeden Fall Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (Luk. 20:25). Heute ist uns klar, dass mit den „obrigkeitlichen Gewalten“ die Regierungen dieser Welt gemeint sind und Christen sich ihnen unterordnen müssen. Diese Unterordnung ist aber relativ. Wenn der Staat etwas verlangt, was dem Willen Jehovas widerspricht, sagen wir wie die Apostel: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg. 5:29). In Kapitel 13 und 14 erfahren wir noch mehr darüber, wie Gottes Volk das Prinzip der christlichen Neutralität umgesetzt hat.
Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir die biblische Hoffnung auf ewiges Leben weitergeben dürfen!
25. Warum können wir dankbar dafür sein, dass durch den heiligen Geist Licht auf Gottes Königreich geworfen wurde?
25 Was Christi Nachfolger in den letzten 100 Jahren doch alles über Gottes Reich gelernt haben! Wir haben erfahren, wann es im Himmel aufgerichtet wurde und wie bedeutsam es ist. Wir haben ein klares Bild von den zwei Hoffnungen, die treuen Menschen offenstehen: ewiges Leben im Himmel oder auf der Erde. Und wir wissen, wie wir unsere Loyalität gegenüber dem Königreich Gottes und gleichzeitig unsere relative Unterordnung unter den Staat beweisen können. Hätten wir irgendeine dieser kostbaren Wahrheiten erkannt, wenn Jesus Christus sie seinem treuen Sklaven auf der Erde nicht vermittelt und ihn dann angeleitet hätte, sie weiterzugeben? Was für ein Segen ist es doch, von Christus und dem heiligen Geist geführt zu werden!
a Laut einem Nachschlagewerk bedeutet das griechische Wort für „leiten“ in diesem Vers „den Weg zeigen“.
b Zuvor hatte man gedacht, die Vision beschreibe einen Krieg zwischen dem heidnischen und dem päpstlichen Rom.
c Im Juni 1880 wurde in Zions Wacht-Turm (engl.) die Ansicht geäußert, bei den 144 000 handle es sich um gebürtige Juden, die bis 1914 zum Christentum übergetreten seien. Doch noch im selben Jahr erschien eine Abhandlung, die mehr unserem heutigen Verständnis entspricht.
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Die Menschen: Bereitwillige PredigerGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 6
Die Menschen: Bereitwillige Prediger
1, 2. Welches bedeutende Werk sagte Jesus voraus, und welche Frage stellt sich?
POLITIKER machen oft leere Versprechungen. Selbst wenn sie die besten Absichten haben, können sie häufig nicht Wort halten. Einen erfrischenden Gegensatz dazu bildet Jesus Christus, der messianische König. Er hält immer Wort.
2 Nachdem er 1914 als König eingesetzt worden war, konnte er eine rund 1 900 Jahre alte Prophezeiung wahr machen, die er kurz vor seinem Tod geäußert hatte: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden“ (Mat. 24:14). Die Erfüllung dieser Worte gehört zum Zeichen seiner Gegenwart als regierender König. Nur: Woher würde der König in den letzten Tagen — einer Zeit des Egoismus, der Lieblosigkeit und der Gottlosigkeit — ein Heer von bereitwilligen Predigern nehmen? (Mat. 24:12; 2. Tim. 3:1-5). Dieser Frage wollen wir jetzt nachgehen, denn die Antwort betrifft jeden, der ein echter Christ sein will.
3. Worauf vertraute Jesus, und woher nahm er diese Zuversicht?
3 Sehen wir uns Jesu Prophezeiung noch einmal an. Aus den Worten „wird . . . gepredigt werden“ spricht große Zuversicht. Jesus war sich sicher, dass er in den letzten Tagen bereitwillige Unterstützer hätte. Woher nahm er dieses Vertrauen? Er hatte es bei seinem Vater beobachtet (Joh. 12:45; 14:9). In seiner vormenschlichen Existenz sah er aus nächster Nähe, wie sehr Jehova auf die Bereitwilligkeit seiner Anbeter vertraut. Woran war Jehovas Vertrauen zu erkennen?
„Dein Volk wird sich willig darbieten“
4. Wozu rief Jehova die Israeliten auf, und wie reagierten sie?
4 Denken wir einmal daran, was geschah, als Moses die Stiftshütte bauen sollte — das Zelt, das für die Nation Israel zum Zentrum der Anbetung wurde. Durch Moses forderte Jehova das ganze Volk auf, einen Beitrag zu dem Projekt zu leisten. Jeder, der „willigen Herzens“ war, sollte etwas beisteuern. Wie reagierten die Israeliten? „Sie brachten . . . weiterhin eine freiwillige Gabe, Morgen für Morgen.“ Es kam so viel zusammen, dass ihnen Einhalt geboten werden musste (2. Mo. 35:5; 36:3, 6). Die Israeliten hatten das Vertrauen Jehovas nicht enttäuscht.
5, 6. Was erwartete Jehova — und somit auch Jesus — gemäß Psalm 110:1-3 für die Zeit des Endes von wahren Anbetern?
5 Erwartete Jehova auch für die letzten Tage eine solche Bereitwilligkeit unter seinen Anbetern? Ja. Über 1 000 Jahre vor der Geburt Jesu beschrieb David unter Inspiration den Beginn der Regierung des Messias. (Lies Psalm 110:1-3.) Jesus, der neu eingesetzte König, würde von Feinden bekämpft werden. Doch er sollte auch ein Heer von Unterstützern haben. Sie müssten nicht zwangsverpflichtet werden. Selbst die Jüngeren unter ihnen würden sich freiwillig melden — so zahlreich wie Tautropfen, die in der Morgensonne den Erdboden mit einer glitzernden Decke überziehen.a
Die bereitwilligen Unterstützer des Königreiches sind so zahlreich wie Tautropfen (Siehe Absatz 5)
6 Jesus wusste, dass sich die Prophezeiung in Psalm 110 auf ihn bezog (Mat. 22:42-45). Er konnte also fest mit Unterstützern rechnen, die bereitwillig auf der ganzen Erde die gute Botschaft predigen würden. Was zeigt ein Blick in die Geschichte? Hat der König in der Zeit des Endes tatsächlich ein Freiwilligenheer aufgestellt?
„Es ist mein Vorrecht und meine Pflicht, diese Botschaft zu verkünden“
7. Was unternahm Jesus nach seiner Inthronisierung, um seine Nachfolger auf ihre Aufgabe vorzubereiten?
7 Kurz nach seiner Inthronisierung bereitete Jesus seine Nachfolger Schritt für Schritt auf ihre gewaltige Aufgabe vor. Wie in Kapitel 2 beschrieben, nahm er von 1914 bis Anfang 1919 zunächst eine Inspektion und Reinigung vor (Mal. 3:1-4). Im Jahr 1919 setzte er dann den treuen Sklaven ein und übertrug ihm die Leitung des Volkes Gottes (Mat. 24:45). Von da an teilte der Sklave geistige Speise aus. In Kongressvorträgen und Veröffentlichungen wurde nun stark betont, dass jeder Christ die Verantwortung hat, persönlich zu predigen.
8—10. Wie nahm die Predigttätigkeit durch Kongresse Aufschwung? (Siehe auch den Kasten „Kongresse, die das Predigtwerk ankurbelten“.)
8 Kongressvorträge. Erwartungsvoll versammelten sich die Bibelforscher vom 1. bis 8. September 1919 in Cedar Point (Ohio, USA) zu ihrem ersten großen Kongress nach dem Weltkrieg. Am zweiten Tag sagte Bruder Rutherford in einem Vortrag unmissverständlich: „Der Auftrag eines Christen auf der Erde . . . ist, die Botschaft vom Königreich des Herrn zu verkündigen.“
9 Den Höhepunkt bildete drei Tage später Bruder Rutherfords „Ansprache an die Mitarbeiter“. Sie wurde im Wacht-Turm unter der Überschrift „Die Verkündigung des Königreiches“ abgedruckt. Darin hieß es: „In besinnlichen Momenten fragt sich ein Christ natürlich: Wozu bin ich auf der Erde? Die Antwort muss sein: Der Herr hat mich in seiner Güte zu seinem Gesandten gemacht, um der Welt die göttliche Botschaft von der Versöhnung zu bringen, und es ist mein Vorrecht und meine Pflicht, diese Botschaft zu verkünden.“
10 In diesem historischen Vortrag wurde eine neue Zeitschrift angekündigt: Das Goldene Zeitalter, heute Erwachet!. Sie sollte auf das Königreich als einzige Hoffnung der Menschheit aufmerksam machen. Bruder Rutherford fragte, wer von den Anwesenden gern diese Zeitschrift verbreiten würde. In einem Bericht über den Kongress stand zu lesen: „Die Antwort war ein erhebendes Bild. 6 000 Menschen standen auf wie ein Mann.“b Der König hatte eindeutig bereitwillige Unterstützer, die sein Königreich bekannt machen wollten.
11, 12. Was sagte Der Wacht-Turm über den Zeitraum, in dem gepredigt werden sollte?
11 Veröffentlichungen. Im Wacht-Turm wurde immer klarer herausgestellt, wie wichtig das von Jesus vorausgesagte Predigtwerk war. Hier einige Beispiele aus den frühen 20er-Jahren.
12 Der Wacht-Turm vom September 1920 ging darauf ein, um welche Botschaft es in Matthäus 24:14 ging und wann sie gepredigt werden sollte. In dem Artikel „Das Evangelium des Königreiches“ hieß es: „Die gute Botschaft hier betrifft das Ende der alten Ordnung und die Aufrichtung des messianischen Königreiches.“ Über das Wann wurde deutlich gesagt, dass „diese Botschaft zwischen dem großen Weltkrieg [Erster Weltkrieg] und der ‚großen Drangsal‘ verkündigt werden muss“. Daher sei „jetzt die Zeit . . . , diese gute Botschaft in der Christenheit weit und breit auszurufen“.
13. Wie appellierte Der Wacht-Turm 1921 an die Bereitwilligkeit gesalbter Christen?
13 Müsste man auf Gottes Volk Druck ausüben, damit es Jesu Auftrag erfüllte? Nein. Der Artikel „Sei guten Mutes“ im Wacht-Turm vom Juni 1921 drückte Vertrauen in die Bereitwilligkeit gesalbter Christen aus. Sie wurden angeregt, sich zu fragen: „Ist es nicht sowohl mein größtes Vorrecht als auch meine Pflicht, an diesem Werke teilzunehmen?“ In dem Artikel hieß es weiter: „Wenn du das erkennst, wird es dir bestimmt wie Jeremia ergehen, in dessen Herzen das Wort des Herrn ‚wie brennendes Feuer, eingeschlossen in [seinen] Gebeinen‘ war, sodass er sich nicht zurückhalten konnte zu reden“ (Jer. 20:9). Diese anspornenden Worte spiegelten die Zuversicht wider, die Jehova und Jesus in loyale Unterstützer des Königreiches setzen.
14, 15. Welche Vorgehensweise wurde 1922 im Wacht-Turm empfohlen?
14 Wie sollte die Botschaft vom Königreich weitergegeben werden? Dazu erschien im Wacht-Turm (engl.) vom 15. August 1922 der prägnante Artikel „Dienst unbedingt erforderlich“. Gesalbten Christen wurde ans Herz gelegt, „die gedruckte Botschaft eifrig zu den Menschen zu tragen, mit ihnen an den Türen zu sprechen und ihnen zu bezeugen, dass das Königreich der Himmel nahe ist“.
15 Christus hat also von 1919 an durch seinen treuen und verständigen Sklaven wiederholt betont, dass es für Christen sowohl ein Vorrecht als auch eine Pflicht ist, die Botschaft vom Königreich zu verkündigen. Wie reagierten die Bibelforscher darauf?
„Die Treuen werden sich als Freiwillige melden“
16. Wie reagierten manche Wahlälteste darauf, dass jeder predigen sollte?
16 In den 20er- und 30er-Jahren wehrten sich manche gegen die Ansicht, alle gesalbten Christen sollten sich am Predigtdienst beteiligen. Der Wacht-Turm vom 15. Dezember 1927 sagte: „In den Versammlungen gibt es Brüder in der verantwortlichen Stellung von Ältesten . . . , die andere nicht zum Dienst ermutigen und die selbst auch nicht am Dienst teilnehmen wollen . . . Sie spotten über die Anregung, von Tür zu Tür zu gehen, um den Menschen die Botschaft Gottes von seinem König und seinem Königreich zu bringen.“ Weiter hieß es unmissverständlich: „Für die Treuen ist die Zeit gekommen, solche Personen bezeichnet zu halten und zu meiden und ihnen zu sagen, dass ihnen nicht länger das Ältestenamt anvertraut wird.“c
17, 18. Wie reagierte die Mehrheit in den Versammlungen auf die Anweisungen vom Hauptbüro, und welchen Geist haben in den vergangenen 100 Jahren Millionen gezeigt?
17 Erfreulicherweise reagierte die Mehrheit in den Versammlungen begeistert auf die Anweisungen vom Hauptbüro. Man betrachtete es als Vorrecht, anderen die Botschaft vom Königreich zu überbringen. Der Wacht-Turm vom 15. März 1926 drückte es so aus: „Die Treuen werden sich als Freiwillige melden, . . . diese Botschaft den Menschen zu verkünden.“ Ja, sie entsprachen dem prophetischen Bild aus Psalm 110:3 und unterstützten bereitwillig den messianischen König.
18 In den vergangenen 100 Jahren haben sich Millionen Menschen bereitwillig angeboten, das Königreich bekannt zu machen. Die nächsten Kapitel gehen darauf ein, wie sie gepredigt haben — ihre Methoden und ihre Ausrüstung — und was sie erreicht haben. Zunächst möchten wir uns aber ansehen, warum sich in einer ichbezogenen Welt Millionen freiwillig an diesem Werk beteiligen. Dabei können wir uns einmal fragen: „Weshalb spreche ich mit anderen über die gute Botschaft?“
Zuerst das Königreich suchen
19. Warum suchen wir zuerst das Königreich?
19 Jesus forderte seine Nachfolger auf, immer „zuerst das Königreich“ zu suchen (Mat. 6:33). Warum befolgen wir diesen Rat? Hauptsächlich weil wir wissen, dass dieses Königreich für Gottes Vorsatz von zentraler Bedeutung ist. Wie im letzten Kapitel besprochen, hat der heilige Geist nach und nach faszinierende Wahrheiten über das Königreich enthüllt. Wenn sie das Herz berühren, fühlt man sich gedrängt, zuerst das Königreich zu suchen.
Wer die Wahrheit über das Königreich findet, fühlt sich wie jemand, der auf einen verborgenen Schatz stößt (Siehe Absatz 20)
20. Wie geht aus Jesu Gleichnis vom verborgenen Schatz hervor, wie seine Nachfolger reagieren würden?
20 Jesus wusste, wie seine Nachfolger auf den Rat reagieren würden, das Königreich an die erste Stelle zu setzen. Das lässt sein Gleichnis vom verborgenen Schatz erkennen. (Lies Matthäus 13:44.) Der Feldarbeiter in dem Gleichnis stößt zufällig auf einen verborgenen Schatz und erkennt sofort dessen Wert. „Vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenes Feld.“ Was sagt uns das? Wer die Wahrheit über das Königreich findet und ihren Wert erkennt, bringt gern jedes Opfer, um dem Königreich den Platz im Leben zu geben, den es verdient: den ersten Platz.d
21, 22. Erkläre an einem Beispiel, was es heißt, zuerst das Königreich zu suchen.
21 Treue Unterstützer des Königreiches beweisen nicht nur durch ihre Worte, sondern auch durch ihre Taten, was für sie das Wichtigste ist. Sie widmen dem Königreich ihre Fähigkeiten und Mittel, ja ihr ganzes Leben. Viele haben große Opfer gebracht, um im Vollzeitdienst stehen zu können. Alle diese bereitwilligen Prediger erleben ganz persönlich, wie Jehova einen segnet, wenn man das Königreich an die erste Stelle setzt. Dazu ein Beispiel.
22 Avery und Lovenia Bristow standen ab Ende der 20er-Jahre im Süden der Vereinigten Staaten gemeinsam im Vollzeitdienst. Lovenia erzählte einmal: „Avery und ich haben im Pionierdienst viele glückliche Jahre erlebt. Oft wussten wir nicht, woher wir das Geld für Benzin oder Lebensmittel nehmen sollten. Aber Jehova hat uns immer irgendwie geholfen. Wir machten einfach weiter und hatten immer das, was wir gerade brauchten.“ In Pensacola (Florida) hatten sie eines Tages kaum noch Geld und so gut wie nichts mehr zu essen. Als sie zu ihrem Wohnmobil zurückkamen, sahen sie zwei große Tüten mit Lebensmitteln und eine Notiz: „Mit lieben Grüßen von der Versammlung Pensacola“. Nach Jahrzehnten im Vollzeitdienst konnte Lovenia sagen: „Jehova lässt einen niemals im Stich. Er enttäuscht unser Vertrauen nie.“
23. Was bedeutet dir die Wahrheit über das Königreich, und wozu bist du entschlossen?
23 Wir können nicht alle gleich viel Zeit für das Predigen einsetzen. Die Lebensumstände sind bei jedem anders. Doch wir alle können die gute Botschaft mit ganzer Seele verkündigen (Kol. 3:23). Wenn man die Wahrheit über das Königreich als kostbaren Schatz betrachtet, ist man bereit, ja entschlossen, jedes Opfer zu bringen, damit man sein Bestes geben kann. Geht es dir nicht auch so?
24. Was ist eine der Glanzleistungen des Königreiches?
24 In den letzten 100 Jahren hat der König eindeutig dafür gesorgt, dass sich seine prophetischen Worte aus Matthäus 24:14 erfüllt haben. Und dazu musste er keinen Zwang ausüben. Seine Nachfolger haben sich von der egoistischen Welt abgewandt und sich bereitwillig als Prediger angeboten. Ihre weltweite Tätigkeit gehört zum Zeichen der Gegenwart Jesu als regierender König und ist eine der Glanzleistungen des Königreiches.
a In der Bibel wird Tau mit Überfluss verknüpft (1. Mo. 27:28; Mi. 5:7).
b In der Broschüre To Whom the Work Is Entrusted (Wem das Werk anvertraut ist) hieß es: „Durch die Arbeit mit dem Goldenen Zeitalter wird die Botschaft vom Königreich von Haus zu Haus bekannt gemacht . . . Außerdem sollte an jeder Tür ein Exemplar des Goldenen Zeitalters zurückgelassen werden, unabhängig davon, ob ein Abonnement abgeschlossen wird oder nicht.“ In den Jahren danach bot man sowohl Das Goldene Zeitalter als auch den Wacht-Turm als Abonnement an. Ab 1. Februar 1940 wurden dann auch Einzelexemplare angeboten und man erfasste die Zahl der verbreiteten Zeitschriften.
c Damals wurden Älteste von der Versammlung demokratisch gewählt. Man konnte also Männern, die gegen das Predigen waren, die Stimme verweigern. Der Wechsel zur theokratischen Ernennung der Ältesten wird in Kapitel 12 erörtert.
d Durch das Gleichnis von dem reisenden Kaufmann, der nach einer wertvollen Perle sucht, vermittelte Jesus einen ähnlichen Gedanken. Sobald der Kaufmann sie gefunden hat, verkauft er alles, was er hat, um sie erwerben zu können (Mat. 13:45, 46). Wie die beiden Gleichnisse erkennen lassen, kann man die Wahrheit über das Königreich auf verschiedene Art kennenlernen. Einige stolpern sozusagen darüber, andere suchen danach. Doch jeder ist zu Opfern bereit, damit das Königreich in seinem Leben an erster Stelle steht.
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Die Methoden: Alle Möglichkeiten zu predigen werden ausgeschöpftGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 7
Die Methoden: Alle Möglichkeiten zu predigen werden ausgeschöpft
1, 2. (a) Was nutzte Jesus aus, um zu einer großen Menschenmenge sprechen zu können? (b) Wie haben sich seine treuen Nachfolger ein Beispiel daran genommen, und warum?
AN EINEM Seeufer versammelt sich eine große Menschenmenge um Jesus. Doch er besteigt ein Boot und fährt ein Stück hinaus. Warum? Weil er weiß, dass die Wasseroberfläche den Schall verstärkt und die vielen Leute seine Botschaft so besser verstehen können. (Lies Markus 4:1, 2.)
2 In der Zeit um die Geburt des Königreiches folgten treue Jünger dem Beispiel Christi. Sie beschritten neue Wege, die gute Botschaft vom Königreich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter der Leitung des Königs stellen auch wir uns auf neue Situationen und technische Entwicklungen ein. Wir möchten vor dem Ende des heutigen Systems so viele Menschen wie nur möglich erreichen, wo immer sie auch leben (Mat. 24:14). Sehen wir uns nur einige Methoden an, die dafür genutzt wurden. Und denken wir darüber nach, wie wir den Glauben der Prediger der ersten Stunde nachahmen können.
Mittel, um die Massen zu erreichen
3. Warum waren unsere Zeitungsartikel manchen ein Dorn im Auge?
3 Presse. Den Wacht-Turm gab es schon seit 1879 und er hatte viele Menschen auf Gottes Königreich aufmerksam gemacht. Doch in den Jahren vor 1914 lenkte Christus die Dinge offenbar so, dass die gute Botschaft noch weitere Kreise ziehen konnte. Alles begann 1903. Dr. E. L. Eaton, Sprecher einer Gruppe protestantischer Geistlicher in Pennsylvania, forderte damals Charles Taze Russell zu einer Reihe von Debatten über biblische Lehren heraus. In einem Brief an Russell schrieb er: „Meiner Meinung nach wäre eine öffentliche Debatte über Fragen, in denen wir uns uneinig sind . . . , ungeheuer interessant für die Allgemeinheit.“ Russell und seine Weggefährten rechneten ebenfalls mit öffentlichem Interesse und sorgten dafür, dass die Debatten in der Pittsburgh Gazette, einer führenden Zeitung, abgedruckt wurden. Die Zeitung wollte seine Beiträge jede Woche bringen — so beliebt waren die Artikel und so überzeugend war Bruder Russells klare biblische Argumentation. Das muss den Feinden der Wahrheit ein Dorn im Auge gewesen sein.
1914 druckten über 2 000 Zeitungen Russells Predigten ab
4, 5. Welche Eigenschaft zeichnete Russell aus, und was können alle, die Verantwortung tragen, daraus lernen?
4 Es dauerte nicht lange und weitere Zeitungen interessierten sich für Russells Vorträge. Wie 1908 im Wacht-Turm berichtet wurde, erschienen die Predigten „regelmäßig in elf Zeitungen“. Brüder mit Presseerfahrung rieten Russell nun, den Sitz der Gesellschaft von Pittsburgh in eine bekanntere Stadt zu verlegen, weil dann vielleicht noch mehr Zeitungen die biblischen Artikel abdrucken würden. Nach reiflicher Erwägung siedelte Russell 1909 die Büros nach Brooklyn (New York) um. Das Ergebnis? Einige Monate später veröffentlichten rund 400 Zeitungen seine Aufsätze und es kamen immer mehr hinzu. Als das Königreich 1914 aufgerichtet wurde, konnte man Russells Predigten und Artikel in über 2 000 Zeitungen und in vier Sprachen lesen.
5 Aus Bruder Russells Verhalten kann man etwas Wichtiges ableiten. Jeder, der heute in Gottes Organisation eine gewisse Verantwortung trägt, tut gut daran, Russells Demut nachzuahmen. Wie? Indem er sich bei wichtigen Entscheidungen mit anderen berät. (Lies Sprüche 15:22.)
6. Was bewirkten biblische Zeitungsartikel bei einer Frau?
6 Was in den Zeitungsartikeln über das Königreich stand, gab vielen Menschen eine neue Richtung im Leben (Heb. 4:12). Ora Hetzel zum Beispiel, die sich 1917 taufen ließ, kam so mit der Wahrheit in Berührung. Sie sagte: „Als ich nach meiner Hochzeit meine Mutter in Rochester (Minnesota) besuchte, schnitt sie gerade Zeitungsartikel aus. Es waren Predigten von Russell. Mutter erzählte mir, was sie daraus gelernt hatte.“ Ora nahm die Wahrheit an und verkündigte ungefähr 60 Jahre lang treu das Königreich Gottes.
7. Warum hörte man damit auf, die Botschaft durch Zeitungen publik zu machen?
7 Ab 1916 machte man die gute Botschaft allerdings nicht mehr durch Zeitungen publik. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen tobte der Erste Weltkrieg und brachte Versorgungsengpässe mit sich. Darüber hieß es in einem Bericht von unserer Presseabteilung in England: „Zurzeit veröffentlichen nur knapp über 30 Zeitungen die Predigten. Wegen der hohen Papierpreise wird diese Zahl sehr wahrscheinlich demnächst stark zurückgehen.“ Zum anderen starb Bruder Russell am 31. Oktober 1916. Der Wacht-Turm (engl.) vom 15. Dezember 1916 gab bekannt: „Nun, da Bruder Russell von uns gegangen ist, wird die Rubrik mit den Predigten völlig eingestellt.“ Nach dem Ende dieser Ära fanden jedoch andere Predigtmethoden weiterhin großen Anklang. Zum Beispiel lockte das „Photo-Drama der Schöpfung“ viele Besucher an.
8. Was stellte man alles auf die Beine, um das „Photo-Drama der Schöpfung“ zu produzieren?
8 Dia- und Filmvorführungen. Russell und seine Weggefährten hatten etwa drei Jahre lang am „Photo-Drama der Schöpfung“ gearbeitet (Spr. 21:5). 1914 wurde es dann uraufgeführt. Das „Photo-Drama“ war eine neuartige Kombination aus Filmsequenzen, Tonaufnahmen und farbigen Glaslichtbildern. Beim Filmen der biblischen Szenen waren Hunderte von Personen und sogar Tiere beteiligt. In einem Bericht von 1913 hieß es: „In dem Tonfilm kam ein Großteil des Tierbestands eines der größten Zoos zum Einsatz, um Noahs Rolle in dem Spektakel zu untermalen.“ Außerdem kolorierten Künstler in London, New York, Paris und Philadelphia Hunderte von Glaslichtbildern Stück für Stück von Hand.
9. Warum wurde so viel Zeit und Geld in die Produktion des „Photo-Dramas“ investiert?
9 Warum wurde so viel Zeit und Geld in die Produktion des „Photo-Dramas“ investiert? Eine Resolution, die auf den Kongressen von 1913 angenommen wurde, erklärt dazu: „Der beispiellose Erfolg amerikanischer Zeitungen in der öffentlichen Meinungsbildung durch Cartoons und Ähnliches in den Nachrichtenteilen und Beilagen und die große Beliebtheit und vielfältige Anwendbarkeit von bewegten Bildern sprechen für sich. Deshalb halten wir es als fortschrittliche Prediger und Bibellehrer für gerechtfertigt, bewegten Bildern und Stereoskopbildern als wirkungsvoller und wünschenswerter Lehr- und Predigtmethode unsere volle Unterstützung zu geben.“
Oben: Vorführkabine für das „Photo-Drama“; unten: Glaslichtbilder vom „Photo-Drama“
10. Wo überall wurde das „Photo-Drama“ aufgeführt?
10 Das „Photo-Drama“ wurde 1914 täglich in 80 Städten aufgeführt. In den Vereinigten Staaten und in Kanada sahen es fast 8 Millionen Menschen. Im selben Jahr wurde es auch in Australien, Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Neuseeland, Norwegen, Schweden und in der Schweiz gezeigt. Für kleinere Städte stellte man eine vereinfachte Version ohne Filmsequenzen zusammen. Sie wurde „Heureka-Drama“ genannt und war kostengünstiger herzustellen und leichter zu transportieren. 1916 gab es das „Photo-Drama“ beziehungsweise das „Heureka-Drama“ in Armenisch, Dänisch-Norwegisch, Deutsch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Schwedisch und Spanisch.
1914 wurde das „Photo-Drama“ in voll besetzten Sälen gezeigt
11, 12. Welche Wirkung hatte das „Photo-Drama“ auf einen jungen Mann, und worin gibt er uns ein gutes Beispiel?
11 Der 18-jährige Charles Rohner sah das „Photo-Drama“ in Französisch und war fasziniert. Er erzählte: „Es wurde in meiner Heimatstadt Colmar im Elsass vorgeführt. Vom ersten Moment an hat mich beeindruckt, wie klar die biblische Wahrheit präsentiert wurde.“
12 Charles ließ sich daraufhin taufen und fing 1922 mit dem Vollzeitdienst an. Zunächst wurde er gebeten, bei der Vorführung des „Photo-Dramas“ in Frankreich mitzuhelfen. „Ich hatte mehrere Aufgaben“, berichtete er, „Geige zu spielen, die Buchführung zu machen und mich um die Literatur zu kümmern. Außerdem sollte ich das Publikum vor Programmbeginn zur Ruhe bringen. In der Pause boten wir Literatur an. Jeder von uns Brüdern und Schwestern bekam einen bestimmten Bereich des Saals zugeteilt. Mit einem Stapel Literatur gingen wir auf jeden Zuschauer in unserem Bereich zu. Auch am Eingang standen Tische voller Veröffentlichungen.“ 1925 wurde Charles in das Brooklyner Bethel eingeladen. Dort sollte er das Orchester der neu eingerichteten Rundfunkstation WBBR dirigieren. Wenn man über das Beispiel von Bruder Rohner nachdenkt, stellt sich einem die Frage: Bin ich auch bereit, jede Aufgabe anzunehmen, damit die Botschaft vom Königreich verbreitet wird? (Lies Jesaja 6:8.)
13, 14. Wie nutzte man den Rundfunk zur Verbreitung der guten Botschaft? (Siehe auch „Das Programm des WBBR“ und „Ein denkwürdiger Kongress“.)
13 Rundfunk. In den 20er-Jahren lief die Vorführung des „Photo-Dramas“ allmählich aus, doch nun bot sich der Rundfunk als wirksames Mittel an, die gute Botschaft vom Königreich bekannt zu machen. Am 16. April 1922 hielt Bruder Rutherford in der Metropolitan Opera in Philadelphia (Pennsylvania) eine historische Rundfunkansprache. Seinen Vortrag „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“ hörten schätzungsweise 50 000 Menschen. 1923 wurde dann erstmals ein Kongressprogramm ausgestrahlt. Man entschied sich dafür, künftig nicht nur kommerzielle Sender zu nutzen, sondern auch eine eigene Rundfunkstation einzurichten. Sie wurde auf Staten Island (New York) gebaut und unter dem Namen WBBR eingetragen. Am 24. Februar 1924 ging von dort aus die erste Sendung über den Äther.
1922 hörten schätzungsweise 50 000 Menschen den Rundfunkvortrag „Millionen jetzt Lebender werden nie sterben“
14 Den Zweck des WBBR beschrieb Der Wacht-Turm vom 15. Januar 1925 wie folgt: „Wir glauben, dass der Rundfunk bis jetzt der sparsamste und wirksamste Weg ist, die Botschaft der Wahrheit auszubreiten.“ Weiter hieß es: „Wenn der Herr es für passend hält, dass wir weitere Radiostationen für die Ausbreitung der Wahrheit bauen, so wird er das Geld auf seine eigene gute Weise beschaffen“ (Ps. 127:1). 1926 besaß man 6 Rundfunkstationen. 2 davon standen in den Vereinigten Staaten: WBBR in New York und WORD bei Chicago. Die anderen 4 befanden sich in Kanada, und zwar in Alberta, Britisch-Kolumbien, Ontario und Saskatchewan.
15, 16. (a) Wie reagierten kanadische Geistliche auf unsere Sendungen? (b) Wie ergänzten sich die Rundfunkvorträge und der Haus-zu-Haus-Dienst?
15 Die großflächige Ausstrahlung der biblischen Wahrheit blieb der Geistlichkeit nicht verborgen. Bruder Albert Hoffman, der die Rundfunkstation in Saskatchewan gut kannte, berichtete: „Immer mehr Menschen erfuhren von den Bibelforschern [heute Jehovas Zeugen]. Bis zum Jahr 1928 wurde ein großartiges Zeugnis gegeben. Doch schließlich verloren alle kanadischen Stationen der Bibelforscher auf Betreiben der Kirche ihre Lizenz.“
16 Danach ließ man in Kanada jedoch von kommerziellen Sendern weiter Bibelvorträge ausstrahlen (Mat. 10:23). Um die Einschaltquoten zu erhöhen, wurde eine Liste dieser Sender im Wacht-Turm und im Goldenen Zeitalter (heute Erwachet!) abgedruckt. So konnten die Verkündiger bei ihrer Tätigkeit von Haus zu Haus die Leute anregen, sich diese Sendungen anzuhören. Welche Wirkung hatte das? Im Bulletin vom Januar 1931 stand zu lesen: „Die Nutzung des Rundfunks hat den Brüdern echten Auftrieb für das Predigen von Tür zu Tür gegeben. Es sind viele Berichte über Zuhörer eingegangen, die nach einem Vortrag von Bruder Rutherford nur zu gern die angebotenen Bücher entgegennahmen.“ Das Bulletin bezeichnete die Rundfunksendungen und den Dienst von Haus zu Haus als „die beiden großen Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Organisation des Herrn“.
17, 18. Welche Rolle spielte der Rundfunk in späteren Jahren?
17 In den 30er-Jahren regte sich Widerstand dagegen, dass wir kommerzielle Rundfunksender nutzten. Ende 1937 passte man sich der veränderten Situation an und konzentrierte sich mehr auf den Dienst von Tür zu Tür.a Dennoch spielte der Rundfunk weiter eine wichtige Rolle dabei, die Botschaft vom Königreich in entfernte oder politisch isolierte Teile der Welt dringen zu lassen. Von 1951 bis 1991 beispielsweise brachte ein Westberliner Sender regelmäßig Bibelvorträge, die man in der DDR hören konnte. Von 1961 an strahlte ein Rundfunksender in Surinam (Südamerika) mehr als 30 Jahre lang landesweit jede Woche eine 15-minütige biblische Sendung aus. Von 1969 bis 1977 produzierte man über 350 Sendungen mit dem Thema „Die ganze Schrift ist nützlich“. Sie wurden von 291 Rundfunkstationen in 48 US-Bundesstaaten ausgestrahlt. 1996 standen „Antworten auf Ihre Fragen zur Bibel“ wöchentlich auf dem Programm eines Rundfunksenders in Apia, der Hauptstadt des südpazifischen Inselstaates Samoa.
18 Ende des 20. Jahrhunderts spielte der Rundfunk keine entscheidende Rolle mehr für die Verbreitung der guten Botschaft. Doch es bahnte sich eine technische Neuerung an, durch die man eine Leserschaft ungeahnten Ausmaßes erreichen kann.
19, 20. Warum wurde jw.org ins Leben gerufen, und mit welchem Ergebnis? (Siehe auch den Kasten „JW.ORG“.)
19 Das Internet. 2013 hatten über 2,7 Milliarden Menschen — fast 40 Prozent der Weltbevölkerung — einen Internetzugang. Schätzungsweise 2 Milliarden gehen mit ihrem Smartphone oder Tablet-PC online. Diese Zahl nimmt weltweit zu, doch das schnellste Wachstum bei der mobilen Internetnutzung ist derzeit in Afrika zu verzeichnen, wo über 90 Millionen ein mobiles Endgerät besitzen. Diese Entwicklungen haben die Art und Weise, wie man sich Informationen beschafft, revolutioniert.
20 Seit 1997 nutzt Jehovas Volk dieses Mittel der Massenkommunikation. 2013 stand die Website jw.org in rund 300 Sprachen zur Verfügung und biblische Informationen gab es in über 520 Sprachen zum Downloaden. Jeden Tag wird über 750 000 Mal auf die Website zugegriffen. Außerdem werden monatlich über 3 Millionen komplette Bücher, 4 Millionen komplette Zeitschriften und 22 Millionen Audiodateien heruntergeladen.
21. Was zeigt das Beispiel eines Mannes namens Sina?
21 Die Website leistet unschätzbare Dienste dabei, die gute Botschaft von Gottes Königreich publik zu machen, und das sogar in Ländern, wo wir nicht ungehindert predigen können. Anfang 2013 stieß ein Mann namens Sina auf jw.org und rief in unserer Weltzentrale in den Vereinigten Staaten an, um mehr Informationen über die Bibel zu erhalten. Das Ungewöhnliche daran: Sina ist muslimischer Herkunft und lebt in einem entlegenen Dorf. In seiner Heimat unterliegt die Tätigkeit der Zeugen Jehovas starken Einschränkungen. Sein Anruf führte zu einem Bibelstudium per Internet mit einem Bruder in den Vereinigten Staaten. Die beiden skypen zwei Mal wöchentlich.
Man konzentriert sich auf den Einzelnen
22, 23. (a) Ersetzen Methoden, mit denen man die Massen erreicht, das Predigen von Tür zu Tür? (b) Wie hat der König unsere Bemühungen gesegnet?
22 Keines der Mittel, mit denen wir die Massen erreicht haben, wie Zeitungsartikel, das „Photo-Drama“, Rundfunksendungen und unsere Website, ersetzte jemals das Predigen von Tür zu Tür. Warum nicht? Weil sich Jehovas Diener Jesus zum Vorbild nehmen. Er predigte nicht nur großen Menschenmengen, sondern konzentrierte sich auf den Einzelnen (Luk. 19:1-5). Dazu regte er auch seine Jünger an, und er sagte ihnen, welche Botschaft sie übermitteln sollten. (Lies Lukas 10:1, 8-11.) Wie in Kapitel 6 besprochen, haben die verantwortlichen Brüder schon immer jedem Diener Jehovas nahegelegt, den Einzelnen anzusprechen (Apg. 5:42; 20:20).
23 Heute, 100 Jahre nach der Geburt des Königreiches, erzählen fast 8 Millionen Verkündiger anderen von Gottes Vorsatz. Der König hat eindeutig die Methoden gesegnet, mit denen wir Gottes Reich verkündet haben. Und wie das nächste Kapitel zeigt, hat er uns auch die nötige Ausrüstung an die Hand gegeben, damit wir jeder Nation, jedem Stamm und Menschen jeder Sprache die gute Botschaft überbringen können (Offb. 14:6).
a 1957 beschlossen die verantwortlichen Brüder, die letzte unserer Rundfunkstationen (WBBR in New York) zu schließen.
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Die Ausrüstung: Hilfsmittel für das weltweite PredigenGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 8
Die Ausrüstung: Hilfsmittel für das weltweite Predigen
1, 2. (a) Was trug im 1. Jahrhundert dazu bei, dass sich die gute Botschaft im ganzen Römischen Reich ausbreiten konnte? (b) Was beweist, dass wir heute die Unterstützung Jehovas haben? (Siehe den Kasten „Eine gute Botschaft in über 670 Sprachen“.)
PFINGSTEN 33 u. Z. Die Besucher Jerusalems können kaum glauben, was sie da hören. Durch ein Wunder können Galiläer fließend andere Sprachen sprechen und sie haben eine spannende Botschaft zu überbringen — ein Beweis, dass Gott mit diesen Jüngern Jesu ist. (Lies Apostelgeschichte 2:1-8, 12, 15-17.) Ihre gute Botschaft erreicht Menschen unterschiedlichster Herkunft und verbreitet sich danach im ganzen Römischen Reich (Kol. 1:23).
2 Wir können heute nicht durch ein Wunder andere Sprachen sprechen. Aber Jehovas Zeugen übersetzen die Botschaft vom Königreich in über 670 Sprachen; das sind weit mehr als im 1. Jahrhundert (Apg. 2:9-11). Es wurden so große Mengen Literatur in so vielen Sprachen hergestellt, dass die Botschaft vom Königreich in jeden Winkel der Erde gedrungen ist.a Jehova lässt das Predigtwerk eindeutig durch den König Jesus Christus leiten (Mat. 28:19, 20). Sehen wir uns nun einige der Hilfsmittel an, die in den vergangenen 100 Jahren beim Predigen benutzt wurden. Dabei fällt auf, wie uns der König fortlaufend geschult hat, auf den Einzelnen einzugehen und echte Bibellehrer zu werden (2. Tim. 2:2).
Der König hilft seinen Dienern, den Samen der Wahrheit auszusäen
3. Warum benutzen wir beim Predigen die verschiedensten Hilfsmittel?
3 Jesus verglich das „Wort vom Königreich“ mit Samenkörnern und das Herz eines Menschen mit dem Erdboden (Mat. 13:18, 19). Wie ein Gärtner den Boden vor der Aussaat mit verschiedenen Geräten lockert, hat auch Jehovas Volk verschiedene Mittel benutzt, um Millionen Herzen für die gute Botschaft empfänglich zu machen. Manche dieser Werkzeuge waren vorübergehend nützlich. Andere, wie zum Beispiel Bücher und Zeitschriften, leisten nach wie vor unschätzbare Dienste. Im Gegensatz zu den Methoden der Massenkommunikation, die im vorigen Kapitel beschrieben wurden, förderten die hier besprochenen Werkzeuge den persönlichen Kontakt (Apg. 5:42; 17:2, 3).
Die Herstellung von Grammofonen und Verstärkeranlagen in Toronto (Kanada)
4, 5. Wie setzte man Schallplatten ein, aber was kam dabei zu kurz?
4 Schallplattenvorträge. Von den 30er-Jahren bis in die 40er spielten die Verkündiger auf tragbaren Grammofonen biblische Kurzvorträge ab. Die Platten liefen weniger als fünf Minuten und hatten oft kurze Titel wie „Dreieinigkeit“, „Fegefeuer“ und „Königreich“. Wie wurden sie eingesetzt? Bruder Clayton Woodworth jun., der sich 1930 in den Vereinigten Staaten taufen ließ, erzählte: „Ich hatte ein Grammofon zum Aufziehen in der Form eines Handköfferchens. Es besaß einen abnehmbaren Arm, den ich am Rand exakt aufsetzen musste, um die Platte richtig abspielen zu können. Ich ging zu einer Tür, machte den Koffer auf, montierte den Arm und klingelte. Sobald der Bewohner öffnete, sagte ich, dass ich ihm gern eine wichtige Botschaft vorspielen würde.“ Wie waren die Reaktionen? „Viele nahmen das Angebot an, doch andere machten einfach die Tür zu. Hin und wieder hielt man mich für einen Grammofonverkäufer.“
1940 gab es mehr als 90 Aufnahmen verschiedener Vorträge und über eine Million Platten
5 Im Jahr 1940 gab es Aufnahmen von mehr als 90 verschiedenen Kurzvorträgen und über eine Million Platten. John E. Barr — damals Pionier in England und später Mitglied der leitenden Körperschaft — sagte: „In den Jahren 1936 bis 1945 arbeitete ich mit dem Grammofon. Ohne diesen ständigen Begleiter fühlte ich mich verloren. Bruder Rutherfords Stimme an der Türschwelle zu hören gab mir so richtig Auftrieb. Man hatte das Gefühl, er stehe neben einem. Natürlich kam beim Grammofondienst nach wie vor das Lehren zu kurz. Man lernte dabei nicht, Herzen anzusprechen.“
6, 7. (a) Welche Vor- und Nachteile hatten die Zeugniskarten? (b) Wie hat Jehova die Zunge seiner Diener gelöst?
6 Zeugniskarten. Ab 1933 wurden die Verkündiger angeregt, beim Predigen von Haus zu Haus Zeugniskarten zu verwenden. So eine Karte maß etwa 8 mal 13 Zentimeter. Sie enthielt eine kurze biblische Botschaft und eine Beschreibung des Literaturangebots. Man gab die Karte einfach dem Wohnungsinhaber und bat ihn, sie zu lesen. Lilian Kammerud, später Missionarin in Puerto Rico und Argentinien, berichtete: „Der Dienst mit der Zeugniskarte kam mir sehr gelegen.“ Weshalb? „Nicht jeder von uns konnte die biblische Botschaft gut vermitteln. Ich lernte dadurch, auf Menschen zuzugehen.“
Zeugniskarte in Italienisch
7 Bruder David Reusch (1918 getauft) bemerkte: „Die Zeugniskarten machten es den Brüdern leichter, denn nur ganz wenige fühlten sich befähigt, die richtigen Worte zu finden.“ Dieses Hilfsmittel war allerdings nur von begrenztem Nutzen. Bruder Reusch erzählte: „Manchmal dachten die Leute, wir könnten nicht reden. Und in gewisser Hinsicht waren viele von uns ja auch stumm. Aber Jehova bereitete uns nun darauf vor, in der Öffentlichkeit als Prediger aufzutreten. Schon bald löste er unsere Zunge, und wir lernten, an den Türen die Bibel zu verwenden. Das wurde ab den 40er-Jahren durch die Theokratische Predigtdienstschule erreicht.“ (Lies Jeremia 1:6-9.)
8. Wie können wir uns von Christus schulen lassen?
8 Bücher. Seit 1914 hat Jehovas Volk über 100 verschiedene Bücher mit biblischen Themen veröffentlicht. Einige davon waren als Handbuch für wirkungsvolles Predigen gedacht. Anna Larsen aus Dänemark, die seit 70 Jahren als Verkündigerin im Einsatz ist, berichtet: „Durch die Theokratische Predigtdienstschule und die dazugehörigen Lehrbücher hat uns Jehova geholfen, beim Predigen geschickter zu werden. Ich weiß noch, wie 1945 das erste dieser Lehrbücher herauskam: Theokratische Hilfe für Königreichsverkündiger. 1946 folgte dann ‚Ausgerüstet für jedes gute Werk‘. Und seit 2001 haben wir das Buch Nutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule.“ Die Theokratische Predigtdienstschule und die jeweiligen Bücher haben entscheidend dazu beigetragen, dass wir als Prediger „hinreichend befähigt“ sind (2. Kor. 3:5, 6). Wer an der Schule teilnimmt und jede Woche in seinem Buch die Tipps des Schulaufsehers mitverfolgt, lässt sich von Christus zu einem immer besseren Lehrer ausbilden (2. Kor. 9:6; 2. Tim. 2:15).
9, 10. Welche Rolle haben Bücher beim Säen und Bewässern gespielt?
9 Jehova hat durch seine Organisation auch dafür gesorgt, dass wir biblische Grundlehren leichter erklären können. Besonders gut wirkte sich das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt aus. Es erschien 1968 und war sofort ein voller Erfolg. Unser Königreichsdienst vom Dezember 1968 schrieb: „Die Nachfrage nach Wahrheits-Büchern ist so groß gewesen, dass die Brooklyner Druckerei vom September an Nachtschicht fahren musste.“ Weiter hieß es: „An einem bestimmten Stichtag im August lagen sogar Bestellungen auf eineinhalb Millionen mehr Exemplare vor, als geliefert werden konnten!“ Bis 1982 waren über 100 Millionen Exemplare in 116 Sprachen gedruckt worden. In den 14 Jahren von 1968 bis 1982 kamen durch das Wahrheits-Buch über 1 Million Verkündiger des Königreiches hinzu.b
10 Ein weiteres wirkungsvolles Bibelstudienbuch wurde 2005 herausgegeben. Es ist betitelt Was lehrt die Bibel wirklich? und hat bereits eine Auflage von rund 200 Millionen Exemplaren in 256 Sprachen. Das Ergebnis? In nur 7 Jahren — von 2005 bis 2012 — wurden ungefähr 1,2 Millionen neue Verkündiger der guten Botschaft gezählt. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Bibelstudien von 6 Millionen auf über 8,7 Millionen. Jehova segnet wirklich unsere Bemühungen, den Samen der Wahrheit zu säen und zu bewässern. (Lies 1. Korinther 3:6, 7.)
11, 12. Erkläre anhand der angeführten Bibeltexte, für wen unsere Zeitschriften gedacht sind.
11 Zeitschriften. Ursprünglich war Der Wacht-Turm hauptsächlich für die „kleine Herde“ gedacht, diejenigen mit „der himmlischen Berufung“ (Luk. 12:32; Heb. 3:1). Am 1. Oktober 1919 kam eine weitere Zeitschrift heraus, die eine ganz andere Leserschaft ansprechen sollte: die Öffentlichkeit. Die Zeitschrift wurde bei den Bibelforschern und der Allgemeinheit immer beliebter und hatte über viele Jahre eine wesentlich höhere Auflage als Der Wacht-Turm. Anfangs hieß sie Das Goldene Zeitalter. 1937 wurde sie in Trost umbenannt und seit 1946 kennt man sie als Erwachet!.
12 Über die Jahrzehnte haben sich Aufmachung und Format von Wachtturm und Erwachet! geändert, doch der Zweck ist derselbe geblieben: Gottes Königreich zu verkündigen und den Glauben an die Bibel zu fördern. Heute gibt es den Wachtturm als Studienausgabe und als Ausgabe für die Öffentlichkeit. Die Studienausgabe richtet sich an die „Hausknechte“, das heißt sowohl an die „kleine Herde“ als auch an die „anderen Schafe“ (Mat. 24:45; Joh. 10:16).c Die Ausgabe für die Öffentlichkeit ist für Leser gedacht, die mit der Wahrheit noch nicht vertraut sind, aber Achtung vor der Bibel und vor Gott haben (Apg. 13:16). Erwachet! spricht Menschen an, die kaum etwas über die Bibel und den wahren Gott wissen (Apg. 17:22, 23).
13. Was ist an unseren Zeitschriften bemerkenswert? (Dazu auch die Übersicht „Weltrekorde für Publikationen“.)
13 Anfang 2014 lag die monatliche Auflage von Erwachet! bei 44 Millionen; beim Wachtturm waren es 46 Millionen. Erwachet! wurde in rund 100 Sprachen übersetzt und Der Wachtturm in mehr als 200. Damit sind diese Zeitschriften die meistübersetzten und am weitesten verbreiteten Periodika auf der Welt. So beachtlich das auch ist, es sollte uns nicht überraschen, denn sie enthalten genau die Botschaft, die nach Jesu Worten auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt würde (Mat. 24:14).
14. Worauf haben wir immer großen Wert gelegt, und warum?
14 Die Bibel. Russell und seine Weggefährten hatten eine Körperschaft gegründet, um Literatur herausgeben zu können. 1896 änderten sie deren Namen auf Watch Tower Bible and Tract Society ab, damit das Wort Bibel darin erschien. Diese Änderung war passend, denn die Bibel war immer das wichtigste Werkzeug zur Verkündigung der guten Botschaft vom Königreich (Luk. 24:27). Wie der Name der Körperschaft sagt, haben Gottes Diener stets großen Wert auf das Verbreiten und Lesen der Bibel gelegt. 1926 zum Beispiel druckten wir auf unseren eigenen Maschinen The Emphatic Diaglott, eine Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften von Benjamin Wilson. Ab 1942 druckten und verbreiteten wir etwa 700 000 Exemplare der gesamten King James Version. Nur zwei Jahre später wurde von uns die American Standard Version gedruckt, die den Namen Jehova an 6 823 Stellen enthält. Im Jahr 1950 waren bereits 250 000 Exemplare in Umlauf.
15, 16. (a) Was schätzt du an der Neuen-Welt-Übersetzung? (Dazu auch der Kasten „Schnelleres Übersetzen der Bibel“.) (b) Wie können wir Jehova zu unserem Herzen sprechen lassen?
15 Im Jahr 1950 erschien die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften in Englisch. Die gesamte Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift kam 1961 in einem Band heraus (dt. 1971). Diese Übersetzung macht Jehova alle Ehre, weil sein Name darin an Stellen wieder eingesetzt wurde, wo er auch im hebräischen Urtext stand. Der Gottesname erscheint außerdem 237 Mal im Haupttext der Christlichen Griechischen Schriften. Die Neue-Welt-Übersetzung wurde mehrmals überarbeitet (in Englisch zuletzt 2013), um zu gewährleisten, dass sie so genau und verständlich wie nur möglich ist. 2013 hatte die Neue-Welt-Übersetzung (als Gesamt- oder Teilausgabe) eine Auflage von 201 Millionen in 121 Sprachen.
16 Wie sind die Reaktionen, wenn Menschen die Neue-Welt-Übersetzung in ihrer Muttersprache lesen? Ein Mann aus Nepal sagte: „Viele fanden die alte Bibel in Nepali schwer verständlich, weil sie in der Literatursprache geschrieben ist. Jetzt, wo wir eine Bibel in der Alltagssprache haben, verstehen wir sie viel, viel besser.“ Als eine Frau in der Zentralafrikanischen Republik ihre Bibel in Sango aufschlug, fing sie an zu weinen und meinte: „Das ist die Sprache meines Herzens.“ Wie diese Frau können wir alle Jehova zu unserem Herzen sprechen lassen, wenn wir täglich in seinem Wort lesen (Ps. 1:2; Mat. 22:36, 37).
Gründe zur Dankbarkeit
17. Wie können wir uns für unsere Ausrüstung und Schulung dankbar zeigen, und wie wird sich das auf uns auswirken?
17 Wie dankbar können wir doch für die Ausrüstung und die fortlaufende Schulung sein, die uns der König Jesus Christus zukommen lässt! Wenn wir regelmäßig die Literatur lesen, die Jehovas Organisation druckt, und sie auch anderen schmackhaft machen, werden wir ähnlich wie Schwester Opal Betler empfinden. Sie ließ sich am 4. Oktober 1914 taufen und berichtete aus ihrem Leben: „Jahrelang benutzten mein Mann und ich Grammofone und Zeugniskarten. Wir predigten mit Büchern, Broschüren und Zeitschriften von Haus zu Haus. Wir nahmen an Feldzügen und Märschen teil und verteilten gedruckte Proklamationen. Später wurden wir geschult, Nachbesuche [heute Rückbesuche] bei Interessierten zu machen und Heimbibelstudien zu leiten. Wir hatten ein glückliches, ausgefülltes Leben.“ Jesus sagte voraus, dass seine Nachfolger gemeinsam säen und ernten und sich freuen würden. Das haben außer Opal und ihrem Mann Edward noch unzählige andere erlebt. (Lies Johannes 4:35, 36.)
18. Was ist ein Grund zu großer Freude?
18 Viele, die dem König noch nicht dienen, halten uns womöglich für „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“ (Apg. 4:13). Doch diese „gewöhnlichen Menschen“ haben unter der Leitung des Königs einige der meistübersetzten und auflagenstärksten Veröffentlichungen aller Zeiten herausgebracht. Und was noch wichtiger ist: Christus hat uns geschult und angespornt, diese Hilfsmittel zu nutzen, um die gute Botschaft Menschen aller Nationen zu überbringen. Ist es nicht etwas ganz Besonderes, zusammen mit Christus den Wahrheitssamen auszustreuen und Jünger zu ernten?
a Allein in den vergangenen 10 Jahren wurden über 20 Milliarden biblische Publikationen hergestellt. Außerdem steht den weltweit über 2,7 Milliarden Internetnutzern unsere Website jw.org zur Verfügung.
b Einige andere Bibelstudienbücher sind Die Harfe Gottes (1921), „Gott bleibt wahrhaftig“ (1946), Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben (1982) und Erkenntnis, die zu ewigem Leben führt (1995).
c Siehe den Artikel „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave?“ im Wachtturm vom 15. Juli 2013, Absatz 13, wo unser verfeinertes Verständnis über die „Hausknechte“ erörtert wird.
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Die Ergebnisse: „Die Felder“ sind „weiß . . . zur Ernte“Gottes Königreich regiert!
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KAPITEL 9
Die Ergebnisse: „Die Felder“ sind „weiß . . . zur Ernte“
1, 2. (a) Warum standen Jesu Jünger vor einem Rätsel? (b) Was für eine Ernte erwähnte Jesus?
DIE Jünger stehen vor einem Rätsel. Jesus hat gerade zu ihnen gesagt: „Erhebt eure Augen, und schaut die Felder an, dass sie weiß sind zur Ernte.“ Sie blicken in die Richtung, in die Jesus deutet, sehen aber nirgends weiße Felder, nur grüne — die Farbe der unreifen Gerste. „Was für eine Ernte?“, fragen sie sich wahrscheinlich, denn es sind noch Monate bis dahin (Joh. 4:35).
2 Jesus sprach jedoch nicht von einer Getreideernte. Er wollte seinen Jüngern zwei wichtige Merkmale einer geistigen Ernte klarmachen, bei der Menschen eingesammelt werden. Um welche Merkmale geht es? Das erfahren wir, wenn wir uns den Bericht etwas näher ansehen.
Aufruf zur Tat und Aussicht auf Freude
3. (a) Was veranlasste Jesus möglicherweise zu der Aussage, dass die Felder „weiß sind zur Ernte“? (Siehe Fußnote.) (b) Wie erläuterte Jesus seine Worte?
3 Jesu Gespräch mit seinen Jüngern ergab sich Ende des Jahres 30 u. Z. in der Nähe der samaritischen Stadt Sychar. Während die Jünger in die Stadt gingen, blieb Jesus bei einem Brunnen und sprach mit einer Frau über tiefe Gedanken. Sie verstand schnell, wie bedeutsam seine Lehren waren. Als die Jünger zurückkamen, eilte die Frau nach Sychar, um ihren Nachbarn die sensationellen Neuigkeiten zu erzählen. Ihre Worte stießen auf großes Interesse, und viele Samariter liefen zu dem Brunnen, um Jesus kennenzulernen. Als Jesus seinen Blick über die Felder hinaus in die Ferne schweifen ließ, sah er eine Menschenmenge kommen. Vielleicht war das der Moment, in dem er sagte: „Schaut die Felder an, dass sie weiß sind zur Ernte.“a Seine anschließenden Worte „Der Schnitter . . . sammelt Frucht zum ewigen Leben“ verdeutlichen, dass er nicht von einer buchstäblichen, sondern von einer geistigen Ernte sprach (Joh. 4:5-30, 36).
4. (a) Auf welche zwei Merkmale der Ernte wies Jesus hin? (b) Welche Fragen werden wir untersuchen?
4 Welche zwei wichtigen Merkmale dieser Ernte stellte Jesus heraus? Erstens: Die Arbeit ist dringend. Seine Aussage, dass die Felder „weiß sind zur Ernte“, war für seine Nachfolger ein Aufruf zur Tat. Wie dringlich das Werk war, betonte er mit den Worten: „Schon empfängt der Schnitter Lohn.“ Ja, die Ernte hatte schon begonnen — man durfte keine Zeit verlieren. Zweitens: Die Arbeiter freuen sich. Nach Jesu Worten würden sich Sämann und Schnitter „zusammen freuen“ (Joh. 4:35b, 36). Ähnlich wie sich Jesus gefreut haben muss, als er sah, dass „viele der Samariter“ an ihn glaubten, würden auch seine Jünger tiefe Freude bei ihrem vollen Einsatz in der Ernte empfinden (Joh. 4:39-42). Dieser Bericht aus dem 1. Jahrhundert hat uns viel zu sagen, denn er veranschaulicht, was heute bei der größten Ernte aller Zeiten vor sich geht. Wann begann die Ernte in neuerer Zeit? Wer macht dabei mit? Wie sehen die Ergebnisse aus?
Unser König geht bei der größten Ernte aller Zeiten führend voran
5. Wer geht bei der weltweiten Ernte führend voran, und wie zeigt die Vision von Johannes, dass die Arbeit dringend ist?
5 In einer Vision zeigte Jehova dem Apostel Johannes, wie er Jesus damit beauftragt, bei einer weltweiten Einsammlung von Menschen führend voranzugehen. (Lies Offenbarung 14:14-16.) In dieser Vision trägt Jesus eine „goldene Krone“ und hat eine „scharfe Sichel“ in der Hand. Die Krone unterstreicht seine Stellung als regierender König. Und die Sichel steht für seine Rolle beim Ernten. Durch die Worte des Engels: „Die Ernte der Erde ist ausgereift“, betont Jehova, wie dringend die Arbeit ist. „Weil die Stunde zum Ernten gekommen ist“, darf man keine Zeit verlieren. Auf Gottes Befehl: „Schick deine Sichel hinein“, legt Jesus sie an, und die Erde wird abgeerntet, das heißt, Menschen werden eingesammelt. Diese spannende Vision erinnert uns daran, dass die Felder auch heute „weiß sind zur Ernte“. Können wir durch diese Vision ermitteln, wann die weltweite Ernte begann?
6. (a) Wann begann die „Erntezeit“? (b) Erkläre, wann die eigentliche „Ernte der Erde“ anfing.
6 Gemäß Offenbarung 14 trägt Jesus bereits eine Krone, als er zum Ernten aufgefordert wird (Vers 14). Somit ist seine Einsetzung als König schon vorbei (Dan. 7:13, 14). Der Ernteaufruf kam also irgendwann nach 1914 (Vers 15). Dieselbe Abfolge begegnet uns im Gleichnis über die Weizenernte, wo Jesus sagt: „Die Ernte ist ein Abschluss eines Systems der Dinge.“ Die Erntezeit und der Abschluss des heutigen Systems fallen demnach zusammen: Sie begannen 1914. „Zur Erntezeit“, das heißt während dieses Zeitabschnitts, setzte die eigentliche Weizenernte ein (Mat. 13:30, 39). Von unserer heutigen Warte aus erkennen wir, dass sie einige Jahre nach Jesu Regierungsantritt anfing. Zunächst läuterte Jesus von 1914 bis in die erste Jahreshälfte von 1919 seine gesalbten Nachfolger (Mal. 3:1-3; 1. Pet. 4:17). Darauf startete 1919 „die Ernte der Erde“. Durch den neu eingesetzten treuen Sklaven gab Jesus unverzüglich zu verstehen, wie dringend das Predigtwerk war. Was geschah daraufhin?
7. (a) Wie erkannte man, dass das Predigtwerk dringend ist? (b) Wozu wurden die Brüder angespornt?
7 Im September 1920 schrieb Der Wacht-Turm: „Nach der Heiligen Schrift hat die Versammlung offenbar das große Vorrecht, die Botschaft vom Königreich zu überbringen.“ Durch die prophetischen Worte Jesajas beispielsweise erkannte man, dass die Botschaft vom Königreich weltweit verkündigt werden musste (Jes. 49:6; 52:7; 61:1-3). Wie das zu schaffen sein sollte, wusste man nicht, aber man war sich sicher, Jehova würde den Weg öffnen. (Lies Jesaja 59:1.) Das geschärfte Bewusstsein für die Dringlichkeit des Predigtwerks spornte die Brüder an, ihren Einsatz zu steigern. Wie zeigte sich das?
8. Welche zwei Merkmale des Predigtwerks erfasste man 1921/22?
8 Im März 1922 gab Der Wacht-Turm bekannt: „Es war bisher das beste Jahr; noch nie haben so viele Menschen die Botschaft der Wahrheit gehört wie 1921.“ Weiter hieß es: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns. . . . lasst sie uns mit einem freudigen Herzen tun.“ Offensichtlich hatten die Brüder die zwei Merkmale des Predigtwerks erfasst, die Jesus seinen Aposteln vor Augen geführt hatte: Die Arbeit ist dringend, und die Arbeiter sind mit Freude dabei.
9. (a) Was schrieb Der Wachtturm 1955 über die Ernte, und warum? (b) Wie hat die Zahl der Verkündiger in den vergangenen 50 Jahren zugenommen? (Siehe die Grafik „Weltweites Wachstum“.)
9 Als man in den 30er-Jahren verstand, dass eine große Volksmenge anderer Schafe auf die Botschaft vom Königreich ansprechen würde, predigte man noch intensiver (Jes. 55:5; Joh. 10:16; Offb. 7:9). Das Ergebnis? Die Zahl der Verkündiger stieg von 41 000 im Jahr 1934 auf 500 000 im Jahr 1953. Der Wachtturm vom 1. März 1955 folgerte treffend: „Durch Jehovas Geist und die Macht seines Wortes ist diese große, weltweite Predigternte eingebracht worden“ (Sach. 4:6).b
WELTWEITES WACHSTUM
Land
1962
1987
2013
Australien
15 927
46 170
66 023
Brasilien
26 390
216 216
756 455
Frankreich
18 452
96 954
124 029
Italien
6 929
149 870
247 251
Japan
2 491
120 722
217 154
Mexiko
27 054
222 168
772 628
Nigeria
33 956
133 899
344 342
Philippinen
36 829
101 735
181 236
USA
289 135
780 676
1 203 642
Sambia
30 129
67 144
162 370
ZUNAHME AN BIBELSTUDIEN
1950
234 952
1960
646 108
1970
1 146 378
1980
1 371 584
1990
3 624 091
2000
4 766 631
2010
8 058 359
Das Ergebnis der Ernte anschaulich vorhergesagt
10, 11. Welche Merkmale des Wachstums werden in dem Gleichnis vom Senfkorn herausgestellt?
10 Jesus schilderte in seinen Gleichnissen vom Königreich in lebendiger Sprache, was durch die Ernte erreicht würde. Sehen wir uns dazu das Gleichnis vom Senfkorn und das vom Sauerteig an. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf die Erfüllung in der Zeit des Endes.
11 Das Gleichnis vom Senfkorn. Ein Mensch sät ein Senfkorn. Es wird schließlich zu einem Baum, in dem die Vögel Unterschlupf finden. (Lies Matthäus 13:31, 32.) Welche Merkmale des Wachstums werden in dem Gleichnis herausgestellt? (1) Das Ausmaß des Wachstums ist verblüffend. Das „winzigste“ aller Samenkörner wird gemäß Markus 4:31, 32 zu einem Baum, der „große Zweige“ treibt. (2) Das Wachstum ist gewiss. Im Markusevangelium heißt es weiter über das Senfkorn: „Wenn es gesät ist, geht es auf.“ Jesus sagte nicht „geht es vielleicht auf“, sondern „geht es auf“. Das Wachstum lässt sich nicht aufhalten. (3) Der immer größer werdende Baum lädt die „Vögel des Himmels“ dazu ein, sich in seinem Schatten niederzulassen. Was bedeuten diese drei Merkmale für die geistige Ernte von heute?
12. Wie lässt sich das Gleichnis vom Senfkorn auf die heutige Ernte übertragen? (Siehe auch die Grafik „Zunahme an Bibelstudien“.)
12 (1) Ausmaß des Wachstums: In diesem Gleichnis wird die Ausbreitung der Botschaft vom Königreich und das Wachstum der Christenversammlung hervorgehoben. Seit 1919 werden fleißige Erntearbeiter in die wieder bestehende Christenversammlung eingesammelt. Damals waren es nur wenige, aber die Zahl stieg rasch an. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine phänomenale Zunahme zu verzeichnen (Jes. 60:22). (2) Gewissheit: Das Wachstum der Christenversammlung lässt sich nicht aufhalten. Die Feinde Gottes konnten das zarte Pflänzchen mit noch so viel Geröll zuschütten, es kämpfte sich durch — allen Widerständen zum Trotz (Jes. 54:17). (3) Sich niederlassen: „Die Vögel des Himmels“, die sich in dem Baum niederlassen, stehen für viele Millionen aufrichtige Menschen aus etwa 240 Ländern und Territorien. Sie haben positiv auf die Botschaft vom Königreich reagiert und sich der Christenversammlung angeschlossen (Hes. 17:23). Dort erhalten sie geistige Nahrung, können aufleben und finden Schutz (Jes. 32:1, 2; 54:13).
Das Gleichnis vom Senfkorn zeigt, dass man sich in der Christenversammlung gut aufgehoben und geschützt fühlt (Siehe Absatz 11, 12)
13. Welche Merkmale werden in dem Gleichnis vom Sauerteig hervorgehoben?
13 Das Gleichnis vom Sauerteig. Eine Frau mischt unter eine Masse Mehl etwas Sauerteig, der alles durchsäuert. (Lies Matthäus 13:33.) Welche zwei Merkmale werden hier hervorgehoben? (1) Wachstum bewirkt eine Umwandlung. Die Masse wird durchsäuert. (2) Wachstum bedeutet Ausbreitung. Der Sauerteig durchsäuert alle „drei großen Maß Mehl“ — die ganze Masse. Wie lassen sich diese zwei Punkte auf die geistige Ernte von heute übertragen?
14. Wie lässt sich das Gleichnis vom Sauerteig auf die heutige Ernte übertragen?
14 (1) Umwandlung: Der Sauerteig steht für die Botschaft vom Königreich und die Masse Mehl für die Menschheit. Wie der Sauerteig das Mehl verändert, sobald beides vermengt wird, verändert auch die Botschaft vom Königreich das Herz der Menschen, wenn sie darauf ansprechen (Röm. 12:2). (2) Ausbreitung: Die Vermehrung des Sauerteigs steht für die Ausbreitung dieser Botschaft. Er durchdringt die ganze Masse. Ähnlich hat sich die gute Botschaft „bis zum entferntesten Teil der Erde“ ausgebreitet (Apg. 1:8). Dieses Merkmal des Gleichnisses deutet außerdem darauf hin, dass die Botschaft vom Königreich auch Verbotsländer erreicht. Das Wachstum geht dort natürlich weitgehend unbemerkt vor sich.
15. Wie haben sich die Worte aus Jesaja 60:5, 22 erfüllt? (Siehe auch die Kästen „Jehova machte es möglich“ und „Wie ‚der Kleine‘ zu einer ‚mächtigen Nation‘ wurde“.)
15 Rund 800 Jahre bevor Jesus diese Gleichnisse erzählte, prophezeite Jesaja in bildhafter Sprache, wie groß die Ernte sein würde und wie viel Freude sie auslösen würde.c „Von fern her“ würden Menschen zur Organisation Gottes strömen. Jehova sagte zu einer „Frau“, die heute auf der Erde durch die Gesalbten vertreten wird: „Du [wirst] sehen und gewiss strahlen, und dein Herz wird tatsächlich beben und weit werden, denn der Reichtum des Meeres wird sich dir zuwenden; ja das Vermögen der Nationen wird zu dir kommen“ (Jes. 60:1, 4, 5, 9). Das können viele langjährige Diener Jehovas nur bestätigen. Sie strahlen heute vor Freude darüber, dass aus einer Handvoll Verkündiger in ihrem Land viele Tausende geworden sind.
Warum alle Grund zur Freude haben
16, 17. Was ist ein Grund, warum „sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können“? (Siehe auch den Kasten „Zwei Traktate berühren zwei Herzen im Amazonaswald“.)
16 Wir erinnern uns bestimmt daran, dass Jesus zu seinen Aposteln sagte: „Der Schnitter . . . sammelt Frucht zum ewigen Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können“ (Joh. 4:36). Warum gibt die weltweite Ernte Anlass, sich gemeinsam zu freuen? Greifen wir einmal drei Gründe heraus.
17 Erstens freuen wir uns über die Rolle, die Jehova bei dem Ganzen spielt. Beim Predigen der Botschaft vom Königreich sät man Samen (Mat. 13:18, 19). Kann man jemandem helfen, ein Jünger Christi zu werden, bringt man die Ernte ein. Und wir alle empfinden tiefe Freude, wenn wir staunend beobachten, wie Jehova den Samen vom Königreich „sprossen“ und „wachsen“ lässt (Mar. 4:27, 28). Manche Samenkörner gehen erst später auf und jemand anders bringt die Ernte ein. Vielleicht ist es dir auch schon so gegangen wie Joan aus Großbritannien, die sich vor 60 Jahren taufen ließ. Sie berichtete: „Schon mehrere haben mir gesagt, ich hätte vor Jahren Samen in ihr Herz gesät, als ich ihnen von der Wahrheit erzählte. Irgendwann haben dann andere ein Bibelstudium mit ihnen angefangen und ihnen geholfen, sich für Jehova zu entscheiden. Ich freue mich, dass meine Saat aufgegangen ist und geerntet wurde.“ (Lies 1. Korinther 3:6, 7.)
18. Welcher Grund zur Freude wird in 1. Korinther 3:8 genannt?
18 Zweitens können wir freudige Arbeiter sein, wenn wir im Sinn behalten, was Paulus sagte: „Jeder [wird] seinen eigenen Lohn gemäß seiner eigenen mühevollen Arbeit empfangen“ (1. Kor. 3:8). Der Lohn wird für die Arbeit gegeben, nicht für die Ergebnisse. Das kann allen Mut machen, die in ihrem Predigtgebiet nur wenig Widerhall finden. In Gottes Augen trägt jeder Zeuge, der mit ganzem Herzen Samen sät, „viel Frucht“ und hat deshalb Grund, sich zu freuen (Joh. 15:8; Mat. 13:23).
19. (a) Was hat Jesu Prophezeiung aus Matthäus 24:14 mit unserer Freude zu tun? (b) Was dürfen wir nicht vergessen, wenn es uns persönlich nicht gelingt, Jünger zu machen?
19 Drittens freuen wir uns, weil sich durch unsere Arbeit eine Prophezeiung erfüllt. Denken wir an Jesu Antwort auf die Frage seiner Apostel: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ Als ein Merkmal dieses Zeichens führte er ein globales Predigtwerk an. Sprach er hier vom Jüngermachen? Nein. Jesus sagte: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:3, 14). Die Verkündigung des Königreiches — das Aussäen von Samen — ist somit ein Bestandteil des Zeichens. Wenn es uns also beim Predigen der guten Botschaft nicht gelingt, Jünger zu machen, gelingt es uns dennoch, „Zeugnis“ abzulegen.d Wie auch immer die Menschen reagieren, wir tragen zur Erfüllung der Prophezeiung Jesu bei und fühlen uns geehrt, „Gottes Mitarbeiter“ zu sein (1. Kor. 3:9). Wenn das kein Grund zur Freude ist!
„Vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang“
20, 21. (a) Wie erfüllen sich die Worte aus Maleachi 1:11? (b) Was hast du dir für die Ernte vorgenommen, und warum?
20 Im 1. Jahrhundert führte Jesus seinen Aposteln vor Augen, wie dringend die Ernte war. Dasselbe hat Jesus seinen Jüngern auch von 1919 an klargemacht. Sie haben daraufhin ihre Anstrengungen gesteigert und ihre Erntearbeit war nicht mehr aufzuhalten. Wie Maleachi voraussagte, wird heute „vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang“ gepredigt (Mal. 1:11). Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — von Osten nach Westen, ja überall — arbeiten Sämann und Schnitter freudig zusammen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — von morgens bis abends, ja den ganzen Tag — arbeiten wir in dem Bewusstsein, dass die Zeit drängt.
21 Wenn wir auf die letzten 100 Jahre zurückblicken und sehen, wie eine kleine Gruppe von Dienern Gottes zu einer „mächtigen Nation“ geworden ist — hüpft da nicht unser Herz vor Freude? (Jes. 60:5, 22). Diese Freude und unsere Liebe zu Jehova, dem „Herrn der Ernte“, motiviert uns auch weiter, bei der größten Ernte aller Zeiten bis zum Ende mitzumachen (Luk. 10:2).
a Als Jesus von weißen Feldern sprach, nahm er eventuell auf die weißen Gewänder der näher kommenden Samariter Bezug.
b Mehr über diese Jahre und die Jahrzehnte danach erfährt man aus dem Buch Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 425 bis 520. Dort werden die Ergebnisse des Erntewerks von 1919 bis 1992 beschrieben.
c Näheres über diese anschauliche Prophezeiung findet man in dem Buch Die Prophezeiung Jesajas — Licht für alle Menschen II, Seite 303 bis 320.
d Dieses wichtige Detail verstanden schon die ersten Bibelforscher. Zions Wacht-Turm (engl.) vom 15. November 1895 schrieb: „Wird auch noch so wenig Weizen eingesammelt, so wird doch zumindest reichlich Zeugnis für die Wahrheit abgelegt. . . . Das Evangelium können alle predigen.“
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Geistige Läuterung durch den KönigGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 10
Geistige Läuterung durch den König
1—3. Was machte Jesus, als er den Tempel in einem unwürdigen Zustand vorfand?
JESUS hatte große Achtung vor dem Tempel in Jerusalem, weil er wusste, wofür dieser stand. Schon seit langer Zeit war er das Zentrum der wahren Anbetung auf der Erde. Doch diese Anbetung, die dem heiligen Gott Jehova galt, musste ganz und gar rein sein. Was ging wohl in Jesus vor, als er am 10. Nisan 33 zum Haus Gottes kam und es in einem unwürdigen Zustand vorfand? Was war passiert? (Lies Matthäus 21:12, 13.)
2 Im Vorhof der Heiden wurden Anbeter, die Jehova opfern wollten, von habgierigen Händlern und Geldwechslern ausgebeutet.a Jesus trieb alle hinaus, „die im Tempel verkauften und kauften“, und stieß die Tische der Geldwechsler um. (Vergleiche Nehemia 13:7-9.) Er warf diesen selbstsüchtigen Männern vor, das Haus seines Vaters „zu einer Räuberhöhle“ gemacht zu haben. Der Tempel und das, was er darstellte, bedeutete Jesus also enorm viel. Sein Vater musste in Reinheit angebetet werden.
3 Jahrhunderte später, nach seiner Einsetzung als messianischer König, reinigte Jesus erneut einen Tempel. Dieser Tempel ist für jeden, der Jehova auf annehmbare Weise anbeten möchte, unverzichtbar. Worum handelt es sich dabei?
„Die Söhne Levis“ werden gereinigt
4, 5. (a) Wie wurden Jesu gesalbte Nachfolger von 1914 bis 1919 geläutert und gereinigt? (b) Warum kann man sagen, dass der Reinigungs- und Läuterungsprozess damit noch nicht abgeschlossen war?
4 Wie in Kapitel 2 erwähnt, begutachtete Jesus nach seiner Machtübernahme im Jahr 1914 zusammen mit seinem Vater den geistigen Tempel. Dieser Tempel steht für alles, wodurch Jehova eine reine Anbetung ermöglicht hat.b Bei seiner Inspektion stellte der König fest, dass die gesalbten Christen, „die Söhne Levis“, geläutert und gereinigt werden mussten (Mal. 3:1-3). Von 1914 bis in die erste Hälfte des Jahres 1919 ließ Jehova als „Läuterer“ zu, dass sein Volk zu diesem Zweck einiges durchmachte. Glücklicherweise befanden sich die Gesalbten nach dieser Feuerprobe in einem reineren Zustand und konnten den messianischen König von ganzem Herzen unterstützen.
5 War der Reinigungs- und Läuterungsprozess damit abgeschlossen? Nein. Die ganze Zeit des Endes hindurch hat Jehova seine Diener durch den messianischen König weiter gereinigt, damit sie im geistigen Tempel bleiben konnten. In den nächsten beiden Kapiteln geht es darum, wie er sie moralisch und organisatorisch geläutert hat. Doch zuerst möchten wir uns nun mit der Reinigung in der Anbetung beschäftigen. Es ist glaubensstärkend, zu sehen, was Jesus klar erkennbar oder auch hinter den Kulissen getan hat, damit seine Nachfolger geistig rein sind.
„Haltet euch rein“
6. Wieso verstehen wir durch Jehovas Worte an die jüdischen Rückkehrer besser, was Reinheit in der Anbetung bedeutet?
6 Was ist mit Reinheit in der Anbetung gemeint? Sehen wir uns dazu einmal an, was Jehova den Juden sagen ließ, kurz bevor sie im 6. Jahrhundert v. u. Z. von Babylon wegzogen. (Lies Jesaja 52:11.) Sie begaben sich vor allem deshalb aus dem Exil nach Jerusalem, weil sie den Tempel wiederaufbauen und die wahre Anbetung wiederherstellen sollten (Esra 1:2-4). Jehova wollte, dass sie die babylonische Religion restlos hinter sich ließen. Er gab ihnen daher eine Reihe von Geboten: „Rührt nichts Unreines an“, „geht aus ihrer Mitte hinaus“, „haltet euch rein“. Die Anbetung Jehovas durfte nicht von verkehrten religiösen Riten durchsetzt sein. Was lässt sich daraus folgern? Reinheit in der Anbetung erfordert, sich von den Lehren und Bräuchen der falschen Religion getrennt zu halten.
7. Durch wen hat Jesus seine Nachfolger zur Reinheit in der Anbetung geführt?
7 Kurz nachdem Jesus König geworden war, setzte er im Jahr 1919 deutlich erkennbar einen treuen und verständigen Sklaven ein, durch den er seine Nachfolger zur Reinheit in der Anbetung führte (Mat. 24:45). Damals hatten sich die Bibelforscher bereits von vielen falschen religiösen Lehren befreit. Doch sie mussten noch weiter gereinigt werden. Durch seinen treuen Sklaven hat Christus sie nach und nach verstehen lassen, welche Feste und Bräuche sie aufgeben mussten (Spr. 4:18). Sehen wir uns dazu einige Beispiele an.
Sollten Christen Weihnachten feiern?
8. Was wussten die Bibelforscher schon lange über Weihnachten, aber was war ihnen noch nicht klar?
8 Den Bibelforschern war schon lange bewusst, dass Weihnachten heidnische Wurzeln hat und Jesus nicht am 25. Dezember geboren wurde. In Zions Wacht-Turm (engl.) vom Dezember 1881 hieß es: „Millionen kamen aus dem Heidentum zur Kirche. Doch der Wechsel erfolgte meistens nur dem Namen nach. Aus den heidnischen Priestern wurden christliche Priester und die heidnischen Feste erhielten einen christlichen Namen. Eines dieser Feste ist Weihnachten.“ 1883 erschien im Wacht-Turm (engl.) der Artikel „Wann wurde Jesus geboren?“. Er ging darauf ein, warum Jesus etwa Anfang Oktober zur Welt gekommen war.c Dennoch erkannte man damals noch nicht klar, dass man damit aufhören musste, Weihnachten zu feiern. Sogar die Brooklyner Bethelfamilie beging dieses Fest. Doch das änderte sich nach 1926.
9. Wie änderte sich die Ansicht der Bibelforscher über Weihnachten?
9 Nach einer gründlichen Untersuchung dieses Themas erkannte man, dass der Ursprung des Weihnachtsfestes und die damit verbundenen Bräuche Gott in Wirklichkeit beleidigen. Wie der Artikel „Der Ursprung des Weihnachtsfestes“ im Goldenen Zeitalter (engl.) vom 14. Dezember 1927 ausführte, ist Weihnachten ein heidnisches Fest, bei dem Vergnügungen im Mittelpunkt stehen und Götzenkult getrieben wird. Der Artikel stellte heraus, dass die Feier nicht von Christus angeordnet wurde, und endete mit der klaren Aussage: „Die Welt, der Mensch in seiner Unvollkommenheit und der Teufel sind an einer Beibehaltung dieses Brauches interessiert. Das ist für alle, die dem Dienste Jehovas völlig geweiht sind, ein letztes und überzeugendes Argument gegen die Feier.“ Im Dezember 1927 fiel das Weihnachtsfest der Bethelfamilie selbstverständlich aus — und dabei blieb es auch.
10. (a) Wie wurde das Thema Weihnachten im Dezember 1928 behandelt? (Siehe auch den Kasten „ ‚Kennen Sie den Ursprung des Weihnachtsfestes?‘ “.) (b) Wie wurde auf verschiedene Feste und Bräuche hingewiesen, bei denen echte Christen nicht mitmachen? (Siehe den Kasten „Ursprung anderer Feste und Bräuche aufgedeckt“.)
10 Im Jahr darauf wurde das Thema Weihnachten noch eingehender behandelt. Bruder Richard H. Barber aus dem Hauptbüro hielt am 12. Dezember 1928 einen Rundfunkvortrag, der den unreinen Ursprung dieses Festes entlarvte. Wie reagierte Gottes Volk auf die klaren Anweisungen aus dem Hauptbüro? Bruder Charles Brandlein kommentierte die Zeit, als seine Familie das Weihnachtsfest aufgab, wie folgt: „Haben wir uns dagegen gesträubt, diese heidnischen Bräuche abzulegen? Absolut nicht! . . . Es war einfach so, als würde man ein unansehnliches Kleidungsstück ausziehen und wegwerfen.“ Ähnlich empfand Bruder Henry A. Cantwell, der später reisender Aufseher wurde: „Wir freuten uns, als Beweis unserer Liebe zu Jehova etwas aufgeben zu können.“ Christi loyale Nachfolger waren bereit, die notwendigen Änderungen vorzunehmen. Mit einem Fest, das in unreinen Kulten wurzelte, wollten sie nichts zu tun haben (Joh. 15:19; 17:14).d
11. Wie können wir den messianischen König unterstützen?
11 Diese Bibelforscher haben uns wirklich ein gutes Beispiel gegeben, über das es sich nachzudenken lohnt. Fragen wir uns doch einmal: „Wie empfinde ich Richtlinien von der leitenden Körperschaft? Bin ich dankbar dafür und befolge ich sie?“ Unsere Bereitwilligkeit verrät, wie gern wir den messianischen König unterstützen, der durch den treuen Sklaven zeitgemäße geistige Speise austeilt (Apg. 16:4, 5).
Sollten Christen das Kreuz verwenden?
Das Kreuz-und-Krone-Symbol (Siehe Absatz 12, 13)
12. Wie dachten die Bibelforscher viele Jahre lang über das Kreuz?
12 Viele Jahre lang betrachteten die Bibelforscher das Kreuz als passendes Symbol des Christentums. Das Kreuz zu verehren kam für sie natürlich nicht infrage, denn sie wussten, dass Götzendienst verkehrt ist (1. Kor. 10:14; 1. Joh. 5:21). Schon 1883 hieß es im Wacht-Turm klar und deutlich, dass „jeder Götzendienst für Gott etwas Abscheuliches ist“. Anfangs dachten sich die Bibelforscher jedoch nichts dabei, das Kreuz für verschiedene Zwecke zu verwenden. Zum Beispiel trugen sie voller Stolz Kreuz-und-Krone-Anstecknadeln. Dieses Erkennungszeichen symbolisierte für sie, dass sie die Krone des Lebens erhalten würden, wenn sie bis in den Tod treu blieben. Ab 1891 erschien auch auf dem Wacht-Turm das Kreuz-und-Krone-Zeichen.
13. Welche Einsichten gewannen Christi Nachfolger über die Verwendung des Kreuzes? (Siehe auch den Kasten „Unser Standpunkt zum Kreuz wurde klarer“.)
13 Die Bibelforscher hingen sehr an diesem Symbol. Doch ab Ende der 20er-Jahre gab es immer mehr Klarheit über die Verwendung des Kreuzes. Bruder Grant Suiter, später Mitglied der leitenden Körperschaft, erzählte über den Kongress in Detroit (Michigan, USA) von 1928: „Auf dem Kongress wurde erklärt, dass die Kreuz-und-Krone-Symbole nicht nur überflüssig, sondern auch anstößig sind.“ Die nächsten Jahre brachten noch mehr Gewissheit. Das Kreuz hatte in einer ganz und gar reinen Anbetung nichts zu suchen.
14. Wie reagierte Gottes Volk auf das bessere Verständnis über das Kreuz?
14 Wie reagierten Gottes Diener auf das bessere Verständnis? Benutzten sie weiter das Kreuz-und-Krone-Symbol, das ihnen so ans Herz gewachsen war? Lela Roberts, eine langjährige Zeugin Jehovas, erinnerte sich: „Als wir erkannten, was es bedeutete, gaben wir es gern auf.“ Eine andere treue Schwester namens Ursula Serenco sprach vielen aus dem Herzen, als sie sagte: „Früher symbolisierte das Kreuz für uns den Tod unseres Herrn und unsere christliche Weihung. Doch nun entpuppte es sich als heidnisch. Wir waren dankbar, dass der Weg immer heller erleuchtet wurde, wie es ja in Sprüche 4:18 beschrieben ist.“ Christi loyale Nachfolger wollten mit unreinen religiösen Bräuchen nichts zu tun haben.
15, 16. Wie beweisen wir unsere Entschlossenheit, die irdischen Vorhöfe des geistigen Tempels rein zu erhalten?
15 Dazu sind auch wir entschlossen. Wir erkennen deutlich, dass Christus seinen treuen und verständigen Sklaven benutzt, um seine Nachfolger geistig rein zu erhalten. Wenn wir also durch die geistige Speise vor Feiern, Bräuchen oder Praktiken gewarnt werden, die von der falschen Religion verunreinigt sind, reagieren wir prompt. Wie unsere Brüder und Schwestern zu Anfang der Gegenwart Christi möchten wir die irdischen Vorhöfe von Jehovas geistigem Tempel unbedingt rein erhalten.
16 Im Verlauf der letzten Tage hat Christus außerdem hinter den Kulissen gewirkt, um die Versammlungen vor dem verunreinigenden Einfluss Einzelner zu schützen. Wie ist er vorgegangen?
„Die Bösen von den Gerechten trennen“
17, 18. Was bedeutet es im Gleichnis vom Schleppnetz, dass (a) das Netz ins Meer hinabgelassen wird, (b) Fische von jeder Art zusammengebracht werden, (c) die vortrefflichen Fische in Gefäße zusammengelesen werden und (d) die unbrauchbaren Fische weggeworfen werden?
17 Der König Jesus Christus wacht über die Versammlungen rund um den Globus. Mehr oder weniger im Verborgenen bewirken Christus und seine Engel eine Trennung, die Jesus in seinem Gleichnis vom Schleppnetz beschrieb. (Lies Matthäus 13:47-50.) Wie ist dieses Gleichnis zu verstehen?
Das Schleppnetz symbolisiert das Predigen vom Königreich im Menschenmeer (Siehe Absatz 18)
18 Ein „Schleppnetz“ wird „ins Meer hinabgelassen“. Das Schleppnetz steht für das Predigen vom Königreich im Menschenmeer. „Fische von jeder Art“ werden zusammengebracht. Die gute Botschaft lockt die verschiedensten Menschen an — einige unternehmen Schritte, um echte Christen zu werden; viele andere dagegen zeigen anfänglich Interesse, entscheiden sich aber nicht für die reine Anbetung.e Die „vortrefflichen“ Fische werden in Gefäße zusammengelesen. Menschen mit einem ehrlichen Herzen werden in die Versammlungen hineingebracht, wo sie Jehova in Reinheit anbeten können. „Die unbrauchbaren aber warf man weg.“ In der ganzen Zeit des Endes haben Christus und die Engel „die Bösen von den Gerechten“ getrennt.f Dadurch konnten unaufrichtige Menschen, die bei ihren falschen Ansichten und Bräuchen blieben, die Versammlungen nicht verderben.g
19. Wie empfindest du es, dass Christus Gottes Volk und die wahre Anbetung rein erhält?
19 Tut es nicht gut, zu wissen, wie der König Jesus Christus seine Untertanen schützt? Und ist es nicht beruhigend, dass er sich heute mit dem gleichen glühenden Eifer für die Anbetung und die Anbeter Jehovas einsetzt wie bei der Tempelreinigung im 1. Jahrhundert? Wie dankbar können wir für alles sein, was Christus getan hat, um das Volk Gottes und die wahre Anbetung rein zu erhalten! Unterstützen wir deshalb den König und das Königreich, indem wir uns konsequent von der falschen Religion getrennt halten!
a Jüdische Besucher durften die jährliche Tempelsteuer nur in einer bestimmten Währung bezahlen. Die Geldwechsler verlangten eine Gebühr für ihre Dienste. Außerdem mussten manche Besucher Opfertiere kaufen. Jesus nannte die Händler wahrscheinlich deswegen „Räuber“, weil sie maßlos überhöhte Preise oder Gebühren verlangten.
b Jehova wird von seinem Volk auf der Erde in den Vorhöfen seines großen geistigen Tempels angebetet.
c In dem Artikel hieß es, dass ein winterliches Datum für Jesu Geburt „nicht mit dem Bericht übereinstimmt, wonach die Hirten draußen bei ihren Herden waren“ (Luk. 2:8).
d In einem persönlichen Brief vom 14. November 1927 schrieb Bruder Frederick W. Franz: „Dieses Jahr gibt es hier kein Weihnachtsfest. Die Bethelfamilie hat dafür gestimmt, Weihnachten abzuschaffen.“ Ein paar Monate später, am 6. Februar 1928, erklärte er in einem weiteren Brief: „Der Herr reinigt uns Schritt für Schritt von den Irrtümern der babylonischen Organisation des Teufels.“
e Im Jahr 2013 zum Beispiel wurde eine Höchstzahl von 7 965 954 Verkündigern erreicht, während 19 241 252 die jährliche Feier zum Gedenken an Christi Tod besuchten.
f Dass die vortrefflichen Fische von den unbrauchbaren getrennt werden, ist nicht dasselbe wie die Trennung der Schafe von den Ziegenböcken (Mat. 25:31-46). Die Trennung oder endgültige Beurteilung der Schafe und Ziegenböcke findet in der großen Drangsal statt. Bis dahin können die „unbrauchbaren“ Fische zu Jehova und zur Versammlung zurückkehren (Mal. 3:7).
g Die unbrauchbaren Fische werden letztendlich in einen symbolischen Feuerofen geworfen, der für ihre künftige Vernichtung steht.
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Höhere Moral spiegelt Gottes Heiligkeit widerGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 11
Höhere Moral spiegelt Gottes Heiligkeit wider
Stell dir vor, du betrittst den Eingang zum äußeren Vorhof des großen geistigen Tempels Jehovas
1. Welches Erlebnis Hesekiels ist auch für uns überwältigend?
VERSETZ dich einmal in die Zeit vor rund 2 500 Jahren und geh mit dem Propheten Hesekiel auf Entdeckungsreise. Du näherst dich einer riesigen, strahlenden Tempelanlage. Ein mächtiger Engel erwartet dich, um dir diesen beeindruckenden Ort zu zeigen. Du steigst die sieben Stufen zu einem der drei Eingänge hoch und bist überwältigt — die Eingänge ragen ungefähr 30 Meter hoch! Dein Blick fällt auf die Wachstuben und die Säulen mit ihrem eleganten Palmendesign (Hes. 40:1-4, 10, 14, 16, 22; 41:20).
2. (a) Wofür steht der Tempel aus Hesekiels Vision? (Siehe Fußnote.) (b) Was bedeuten die verschiedenen Merkmale der Eingänge?
2 Du befindest dich mitten in der Tempelvision, die Hesekiel so detailliert wiedergab, dass sein Bericht die Kapitel 40 bis 48 seines prophetischen Buches füllt. Der geistige Tempel steht für alles, wodurch Jehova eine reine Anbetung ermöglicht. Jedes Merkmal dieses Tempels ist auch für unsere Anbetung in der Zeit des Endes von Bedeutung.a Was symbolisieren zum Beispiel die hohen Eingänge? Sie erinnern uns an Jehovas hohe und gerechte Maßstäbe, die jeder beachten muss, der die Einrichtung zur reinen Anbetung betreten möchte. Das deuten auch die Palmendarstellungen an, denn Palmen stehen in der Bibel manchmal für einen aufrechten Charakter (Ps. 92:12). Und wozu sind die Wachstuben da? Ganz klar: Wer sich nicht an die göttlichen Richtlinien hält, der darf den herrlichen lebensrettenden Weg der reinen Anbetung nicht betreten (Hes. 44:9).
3. Warum mussten Christi Nachfolger fortlaufend geläutert werden?
3 Wie lässt sich die Vision Hesekiels auf unsere Zeit übertragen? In Kapitel 2 haben wir gesehen, wie Jehova sein Volk von 1914 bis in die erste Jahreshälfte 1919 durch Christus einem speziellen Läuterungsprozess unterzog. War die Läuterung damit abgeschlossen? Nein. Jesus hat im vergangenen Jahrhundert den heiligen Wertmaßstäben Jehovas immer wieder Geltung verschafft. Seine Nachfolger mussten fortlaufend geläutert werden. Warum? Weil Christus sie aus einer moralisch verdorbenen Welt herausgeholt hat und Satan unentwegt versucht, sie wieder in den Sumpf der Unmoral zurückzuziehen. (Lies 2. Petrus 2:20-22.) Untersuchen wir nun drei Bereiche, in denen wahre Christen stetig geläutert wurden: die Moral, die Reinerhaltung der Versammlung und die Familie.
Ein immer höheres Niveau
4, 5. Welche Taktik verfolgt Satan schon lange, und mit welchem Erfolg?
4 Jehovas Diener waren schon immer um eine hohe Moral bemüht. Deshalb sind sie stets für Anleitung auf diesem Gebiet aufgeschlossen gewesen. Dazu ein paar Beispiele.
5 Sexualmoral. Jehova wollte, dass die sexuellen Beziehungen zwischen Ehepartnern etwas Reines und Schönes sind. Satan freut sich hämisch, wenn er dieses kostbare Geschenk von seinem Ehrenplatz wegreißen und beschmutzen kann. Er möchte uns zu etwas verführen, das uns die Gunst Jehovas kostet. Zur Zeit Bileams konnte er mit seiner Taktik leider einen großen Erfolg verbuchen und in der Zeit des Endes ist er mehr denn je auf Beute aus gewesen (4. Mo. 25:1-3, 9; Offb. 2:14).
6. Welches Gelübde wurde im Wacht-Turm abgedruckt, und warum kam man wieder davon ab? (Siehe auch Fußnote.)
6 Um dem entgegenzuwirken, druckte man im Wacht-Turm (engl.) vom 15. Juni 1908 ein Gelübde ab, in dem es auszugsweise hieß: „Ich werde mich im privaten Umgang mit Personen vom anderen Geschlecht immer so verhalten, wie ich es auch in der Öffentlichkeit tun würde.“b Das Gelübde war zwar nicht vorgeschrieben, doch viele legten es freiwillig ab und ließen ihren Namen in Zions Wacht-Turm veröffentlichen. Dies war damals etlichen eine Hilfe, aber nach Jahren merkte man, dass sich das Ganze zu einem bloßen Ritual entwickelt hatte, und man kam wieder davon ab. Die hohen Grundsätze, die dahintersteckten, wurden jedoch immer beibehalten.
7. Welches Problem wurde 1935 im Wachtturm angesprochen, und welcher Maßstab wurde betont?
7 Satan verstärkte allerdings seine Angriffe. Im Wachtturm vom 1. April 1935 wurde ein Problem, das sich unter dem Volk Gottes breitmachte, offen angesprochen. Manche dachten, das Predigen würde sie mehr oder weniger davon befreien, im Privatleben Jehovas hohe Maßstäbe einhalten zu müssen. Treffend hieß es: „Man sollte aber bedenken, dass von uns nicht nur die Teilnahme am Zeugniswerk gefordert wird. Jehovas Zeugen haben die Pflicht, Jehova und sein Königreich würdig zu vertreten.“ Um es dem Volk Gottes leichter zu machen, vor sexueller Unmoral zu „fliehen“, wurden in dem Wachtturm-Artikel klare Hinweise zum Thema Ehe und Sexualmoral gegeben (1. Kor. 6:18).
8. Warum hat Der Wachtturm wiederholt die volle Bedeutung des griechischen Wortes für sexuelle Unmoral erläutert?
8 In späteren Jahrzehnten betonte Der Wachtturm wiederholt die richtige Definition des griechischen Wortes für sexuelle Unmoral: pornéia. Es bezieht sich nicht nur auf den eigentlichen Geschlechtsverkehr, sondern auf die verschiedensten unmoralischen Handlungen. Der Ausdruck pornéia bezeichnet im Großen und Ganzen alle schmutzigen Praktiken, die in Bordellen üblich sind. In einer Welt, in der viele von der Welle sexueller Perversion mitgerissen werden, sind Christi Nachfolger durch dieses klare Verständnis geschützt geblieben. (Lies Epheser 4:17-19.)
9, 10. (a) Mit welchem weiteren Problem befasste sich Der Wachtturm 1935? (b) Welchen ausgewogenen Standpunkt vertritt die Bibel zum Thema Alkohol?
9 Alkohol. Der Wachtturm vom 1. April 1935 sprach noch ein weiteres Problem an: „Auch ist bemerkt worden, dass manche unter Alkoholeinfluss am Predigtdienst teilnehmen oder andere Pflichten in der Organisation erfüllen. Unter welcher Bedingung ist es nach der Schrift in Ordnung, Wein zu trinken? Ist es richtig, so viel Wein zu trinken, dass dadurch der Dienst in der Organisation des Herrn beeinträchtigt wird?“
10 In der Antwort wurde der ausgewogene Standpunkt der Bibel zu alkoholischen Getränken dargelegt. Gottes Wort verurteilt nicht den maßvollen Genuss von Wein und anderen alkoholischen Getränken, wohl aber Trunkenheit (Ps. 104:14, 15; 1. Kor. 6:9, 10). Was heiligen Dienst unter Alkoholeinfluss angeht, wurde schon damals auf den Bericht über die Söhne Aarons hingewiesen. Gott tötete sie, weil sie auf seinem Altar unerlaubtes Feuer darbrachten. Einige Verse danach verrät der Bibelbericht, was wohl zu diesem unangemessenen Verhalten geführt hatte. Gott erließ nämlich ein Gesetz, das allen Priestern den Genuss von Alkohol während ihres Dienstes verbot (3. Mo. 10:1, 2, 8-11). Aus Respekt vor diesem Grundsatz achten Christi Nachfolger gewissenhaft darauf, ihren heiligen Dienst nicht unter Alkoholeinfluss zu verrichten.
11. Warum war es gut, das Thema Alkoholismus zu vertiefen?
11 Die vergangenen Jahrzehnte brachten mehr Klarheit zum Thema Alkoholismus — das heißt zu Trunksucht oder fortgesetztem Alkoholmissbrauch. Durch zeitgemäße geistige Speise konnten viele ihre Sucht in den Griff bekommen. Andere konnten dem Problem von vornherein aus dem Weg gehen. Niemand sollte es so weit kommen lassen, dass der Alkohol ihm die Würde raubt, die Familie zerstört und ihm vor allem das Vorrecht nimmt, Jehova in Reinheit anzubeten.
„Man kann sich wohl kaum vorstellen, dass unser Herr nach Tabak stank oder sich etwas Verunreinigendes in den Mund steckte“ (C. T. Russell)
12. Wie dachten Christi Nachfolger schon vor 1914 über den Tabakkonsum?
12 Tabak. Schon vor Anbruch der Zeit des Endes waren Christi Diener vom Tabakkonsum alles andere als begeistert. Vor Jahren erinnerte sich Charles Capen daran, wie er Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal Bruder Russell begegnete. Er war damals 13 Jahre alt und stand mit drei seiner Brüder auf der Treppe des Bibelhauses in Allegheny (Pennsylvania). Als Bruder Russell an ihnen vorbeiging, sagte er: „Hier riecht’s nach Tabak. Ihr habt doch nicht etwa geraucht?“ Ihnen war sofort klar, wie er über das Thema Rauchen dachte, und sie wehrten heftig ab. Im Wacht-Turm (engl.) vom 1. August 1895 kommentierte Bruder Russell 2. Korinther 7:1 wie folgt: „Ich kann mir nicht denken, wie es Gott ehren oder einem Christen förderlich sein sollte, in irgendwelcher Form Tabak zu sich zu nehmen. . . . Man kann sich wohl kaum vorstellen, dass unser Herr nach Tabak stank oder sich etwas Verunreinigendes in den Mund steckte.“
13. Wie wurde 1973 das moralische Niveau noch weiter angehoben?
13 Im Jahr 1935 nannte Der Wachtturm den Tabak „schmutziges Unkraut“ und führte aus, dass niemand, der Tabak kaut oder raucht, in der Bethelfamilie bleiben oder die Organisation Gottes als Pionier oder im Reisedienst vertreten darf. 1973 wurde das Niveau noch weiter angehoben. Wie Der Wachtturm vom 1. September erklärte, kann man kein Zeuge Jehovas sein, wenn man diese lieblose, schmutzige und tödliche Gewohnheit beibehält. Wer mit dem Tabakkonsum nicht aufhörte, sollte ausgeschlossen werden.c Christus hatte also eine weitere wichtige Maßnahme getroffen, um seine Nachfolger zu läutern.
14. Wie denkt Gott über die Verwendung von Blut, und warum wurden Bluttransfusionen allgemein üblich?
14 Verwendung von Blut. In den Tagen Noahs verbot Gott das Essen von Blut. Im Gesetz für die Israeliten bestätigte er dieses Verbot, und auch die Christenversammlung sollte sich von Blut „enthalten“ (Apg. 15:20, 29; 1. Mo. 9:4; 3. Mo. 7:26). Es überrascht nicht, dass Satan in unserer Zeit einen Weg fand, diesen göttlichen Standard zu unterhöhlen. Bluttransfusionen gab es vereinzelt bereits im 19. Jahrhundert, und nach der Entdeckung der Blutgruppen nahm ihre Zahl zu. Ab 1937 wurde Blut gespendet und in Blutbanken gelagert, was durch den Zweiten Weltkrieg noch weiter vorangetrieben wurde. Bald waren Bluttransfusionen weltweit üblich.
15, 16. (a) Wie ordneten Jehovas Zeugen Bluttransfusionen ein? (b) Was wurde alles getan, um Behandlungsmethoden ohne Blut zu fördern, und mit welchem Ergebnis?
15 Schon 1944 wurde im Wachtturm darauf hingewiesen, dass Bluttransfusionen und das Essen von Blut auf das Gleiche hinauslaufen. Diese biblische Position wurde im Jahr darauf erläutert und erhärtet. 1951 veröffentlichte man eine Liste von Fragen und Antworten, um Jehovas Zeugen zu helfen, mit Ärzten zu reden. Rund um die Welt traten Christi treue Nachfolger mutig für ihren Standpunkt ein, obwohl sie deswegen verspottet, angefeindet und sogar regelrecht verfolgt wurden. Doch Christus veranlasste seine Organisation, den nötigen Beistand zu leisten. Man gab detaillierte und gut recherchierte Artikel und Broschüren zu diesem Thema heraus.
16 Seit 1979 suchen Älteste Krankenhäuser auf, um Ärzten unseren Standpunkt besser zu vermitteln, ihn biblisch zu begründen und auf Alternativen zur Behandlung mit Blut aufmerksam zu machen. 1980 wurden in den Vereinigten Staaten Älteste in 39 Städten dafür speziell geschult. Mit der Zeit genehmigte die leitende Körperschaft die Gründung von Krankenhaus-Verbindungskomitees auf der ganzen Welt. Welche Ergebnisse wurden im Laufe der Jahre erzielt? Heute verhalten sich Zehntausende medizinische Fachkräfte — darunter Ärzte, Chirurgen und Anästhesisten — kooperativ und gehen auf den Wunsch nach einer Behandlung ohne Blut ein. Immer mehr Krankenhäuser bieten solche Behandlungsmethoden an und manche betrachten sie sogar als den höchsten medizinischen Standard. Ist es nicht begeisternd, wie Jesus uns davor beschützt hat, von Satan verunreinigt zu werden? (Lies Epheser 5:25-27.)
Immer mehr Krankenhäuser bieten eine Behandlung ohne Blut an, und manche betrachten das sogar als den höchsten medizinischen Standard
17. Wie können wir beweisen, dass wir es schätzen, wie Jesus seine Nachfolger geläutert hat?
17 Fragen wir uns an dieser Stelle doch einmal: Schätze ich Christi Läuterungsmaßnahmen, durch die er seinen Nachfolgern Jehovas hohe Maßstäbe ans Herz legt? Vergessen wir aber nie, dass Satan ständig versucht, unsere Achtung vor den göttlichen Moralbegriffen zu untergraben, damit wir uns von Jehova und Jesus entfernen. Um dem entgegenzuwirken, warnt uns Jehovas Organisation immer wieder liebevoll vor dem Einfluss der heutigen Welt. Seien wir daher wachsam, für solche Hinweise aufgeschlossen und nehmen wir sie ernst! (Spr. 19:20).
Die Versammlung vor Schande bewahren
18. Welchen deutlichen Hinweis liefert uns Hesekiels Vision zu Personen, die bewusst Gottes Maßstäbe missachten?
18 Ein zweiter Bereich, in dem das Niveau angehoben wurde, ist die Reinerhaltung der Versammlung. Leider bleiben nicht alle, die Jehovas Verhaltensmaßstäbe angenommen und sich ihm hingegeben haben, bei ihrer Entscheidung. Es kann so weit kommen, dass jemand diesen Standard bewusst missachtet. Was ist dann zu tun? Einen Hinweis liefert Hesekiels Vision vom geistigen Tempel. Denken wir nur an die hohen Eingänge und die Wachstuben. Der Tempel wurde von Wachen beschützt, damit Personen „unbeschnittenen Herzens“ nicht hineinkamen (Hes. 44:9). Die reine Anbetung ist also denen vorbehalten, die Jehovas hohe Verhaltensmaßstäbe beachten. Auch heute steht die Anbetung Jehovas im Kreis von Glaubensbrüdern nicht jedem offen.
19, 20. (a) Wie hat Christus seine Nachfolger darin angeleitet, mit schwerwiegendem Fehlverhalten umzugehen? (b) Welche drei Gründe gibt es dafür, reuelose Sünder auszuschließen?
19 Schon im Jahr 1892 hieß es im Wacht-Turm (engl.), es sei „unsere Pflicht, diejenigen auszuschließen (als Christen), die direkt oder indirekt leugnen, dass Christus sein Leben als Lösegeld . . . für alle gegeben hat“. (Lies 2. Johannes 10.) Wie 1904 in dem Buch Die Neue Schöpfung eingeräumt wurde, gefährdet jemand, der sein verkehrtes Verhalten nicht aufgibt, die Moral der Versammlung. Damals war bei schwerwiegendem Fehlverhalten die ganze Versammlung an sogenannten „Kirchenverfahren“ beteiligt, was jedoch nur selten vorkam. Im Jahr 1944 erläuterte Der Wachtturm, dass ausschließlich Brüder in verantwortlicher Stellung solche Fälle behandeln sollten. 1952 wurde im Wachtturm dann eine biblische Verfahrensweise für Rechtsangelegenheiten beschrieben und ein entscheidender Grund dafür genannt, Reuelose auszuschließen: die Reinerhaltung der Versammlung.
20 In den Jahrzehnten danach hat Christus seine Nachfolger noch klarer erkennen lassen, wie bei schwerem Fehlverhalten vorzugehen ist. Älteste werden sorgfältig darin geschult, Rechtsangelegenheiten so zu behandeln, wie Jehova es möchte: mit dem richtigen Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Wie wir heute klar erkennen, gibt es mindestens drei Gründe, reuelose Sünder aus der Versammlung auszuschließen: (1) damit Jehovas Name nicht beschmutzt wird, (2) um die Versammlung vor dem verunreinigenden Einfluss schwerer Sünde zu schützen und (3) um den Sünder sofern möglich zur Reue zu bewegen.
21. Wie hat sich die Regelung des Gemeinschaftsentzugs ausgewirkt?
21 Ist uns klar, wie gut sich die Regelung des Gemeinschaftsentzugs ausgewirkt hat? Bei den Israeliten hatten Missetäter oft einen verderblichen Einfluss auf die Nation. Mitunter waren sie gegenüber denen, die Jehova liebten und das Richtige tun wollten, sogar in der Überzahl. Das machte dem Namen Jehovas Schande und Israel verlor immer wieder Gottes Gunst (Jer. 7:23-28). Heute handelt Jehova mit einer Gemeinschaft aus geistig gesinnten Männern und Frauen. Da hartnäckige Sünder nicht in unserer Mitte geduldet werden, kann Satan sie nicht weiter als Waffe gegen die Versammlung und ihre Reinheit einsetzen. Ihr Einfluss wird auf ein Mindestmaß beschränkt. Dadurch ist uns als Gemeinschaft der Segen Jehovas sicher. Schließlich hat Jehova versprochen: „Welche Waffe es auch immer sei, die gegen dich gebildet sein wird, sie wird keinen Erfolg haben“ (Jes. 54:17). Sollten wir die Ältesten bei ihrer schweren Verantwortung nicht loyal unterstützen?
Den Gründer der Familie würdigen
22, 23. Wofür sind wir den Bibelforschern dankbar, aber woran sieht man, dass die Familie etwas zu kurz kam?
22 Ein dritter Bereich, in dem es kontinuierlich Verbesserungen gab, betrifft Ehe und Familie. Beim Thema Familienleben mussten wir im Laufe der Jahre ein wenig umdenken. Anfang des 20. Jahrhunderts haben Gottes Diener bewundernswerte Opferbereitschaft gezeigt. Und wir sind zutiefst dankbar dafür, dass sie den heiligen Dienst in ihrem Leben allem voranstellten. Allerdings war mehr Ausgeglichenheit gefragt.
23 Es kam häufig vor, dass Brüder monatelang im Predigt- oder Reisedienst unterwegs waren — weit weg von zu Hause. Auch wurde mitunter mit mehr Nachdruck vom Heiraten abgeraten, als es die Bibel rechtfertigt. Gleichzeitig hörte man relativ wenig darüber, was zu einer stabilen Ehe beiträgt. Ist das so geblieben? Nein.
Theokratische Aufgaben sollen nicht auf Kosten der Familie gehen
24. Wie hat Christus seinem treuen Volk zu einer ausgewogenen Ansicht auf dem Gebiet Ehe und Familie verholfen?
24 Heute sollen theokratische Aufgaben nicht mehr auf Kosten der Familie gehen. (Lies 1. Timotheus 5:8.) Christus versorgt seine treuen Nachfolger auf der Erde ständig mit guten, ausgewogenen biblischen Hinweisen zum Thema Ehe und Familie (Eph. 3:14, 15). 1978 erschien das Buch Das Familienleben glücklich gestalten. Etwa 18 Jahre später folgte Das Geheimnis des Familienglücks. Außerdem bringt Der Wachtturm immer wieder Artikel darüber, wie man biblische Prinzipien in der Ehe umsetzen kann.
25—27. Wie wurde Kindern und Jugendlichen mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt?
25 Und was wurde für Kinder und Jugendliche getan? Über die Jahre hat man auch ihnen mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Jehovas Organisation hat schon früher an Kinder unterschiedlichen Alters gedacht — aber was anfangs ein Rinnsal war, ist heute ein stetiger Strom. Im Goldenen Zeitalter beispielsweise gab es von 1919 bis 1921 das „Jugendbibelstudium“. 1920 erschien die Broschüre The Golden Age ABC (Das ABC des Goldenen Zeitalters) und 1941 das Buch Kinder. In den 70er-Jahren wurden die Bücher Auf den Großen Lehrer hören, Mache deine Jugend zu einem Erfolg und Mein Buch mit biblischen Geschichten veröffentlicht. 1982 startete die Erwachet!-Serie „Junge Leute fragen sich“, aus der 1989 das Buch Fragen junger Leute — praktische Antworten entstand.
Die Broschüre Meine kleine Bibel-Fibel löste auf diesem Kongress in Deutschland große Freude aus
26 Heute haben wir zwei aktuelle Bände des Buches Fragen junger Leute, und die entsprechende Artikelserie wird auf unserer Website jw.org fortgesetzt. Auch gibt es das Buch Lerne von dem großen Lehrer. Unsere Website hat jede Menge für die Jüngeren zu bieten, zum Beispiel Bibelkarten, Bibelprojekte für größere und kleinere Kinder, Rätsel, Videos, Bildergeschichten und Bibelseiten für Kinder bis zu drei Jahren. Jesus liebt die Kleinen heute genauso wie damals im 1. Jahrhundert, als er sie in seine Arme schloss (Mar. 10:13-16). Kinder und Jugendliche sollen sich bei uns geliebt und gut versorgt fühlen.
27 Jesus möchte Kinder auch vor Schaden bewahren. In der moralisch tief gesunkenen Welt von heute kommt es immer häufiger zu Kindesmissbrauch. In unseren Veröffentlichungen wurde deshalb offen zu diesem Thema Stellung genommen. Eltern sind dadurch besser in der Lage, ihre Kinder vor solchen Übergriffen zu schützen.d
28. (a) An welches Erfordernis erinnert uns Hesekiels Tempelvision? (b) Wozu bist du entschlossen?
28 Ist es nicht begeisternd, wie Christus seine Nachfolger fortlaufend geläutert hat? Wie er sie geschult hat, sodass sie Jehovas hohe Maßstäbe achten, danach leben und dadurch geschützt sind? Denken wir noch einmal an Hesekiels Tempelvision. Haben wir noch die hohen Eingänge vor Augen? Natürlich handelte es sich um einen geistigen Tempel, nicht um ein Gebäude aus Stein. Ist er dennoch real für uns? In diesen Tempel kommt man allerdings nicht allein dadurch, dass man eine Versammlung besucht, in der Bibel liest oder predigen geht. Das sind sichtbare, äußerliche Handlungen, die auch ein Heuchler ausführen könnte, ohne je den Tempel Jehovas zu betreten. Wenn wir aber all das tun und gleichzeitig Gottes hohe moralische Maßstäbe beachten und ihn mit der richtigen inneren Haltung anbeten, dann dienen wir Jehova an einem unermesslich heiligen Ort, seiner Einrichtung zur reinen Anbetung. Verlieren wir dieses kostbare Vorrecht nie aus den Augen, und tun wir unser Möglichstes, Jehovas Heiligkeit widerzuspiegeln, indem wir seine gerechten Maßstäbe hochhalten!
a Im Band 2 des Buches Rechtfertigung wurde 1932 zum ersten Mal erklärt, dass die biblischen Prophezeiungen über die Rückkehr der Israeliten in ihre Heimat auch in neuerer Zeit eine Erfüllung haben, und zwar für das geistige Israel. Diese Prophezeiungen deuten auf die Wiederherstellung der reinen Anbetung hin. Wie es im Wachtturm vom 1. März 1999 hieß, handelt es sich bei der Tempelvision Hesekiels um solch eine Wiederherstellungsprophezeiung. Sie muss somit in den heutigen letzten Tagen eine bedeutende Erfüllung erleben.
b Dieses Gelübde verbot einem Mann und einer Frau, allein in einem Raum zu sein, es sei denn, die Tür stand weit offen oder sie waren miteinander verheiratet oder eng verwandt. Einige Jahre lang wurde es immer beim biblischen Morgenprogramm im Bethel aufgesagt.
c Tabakmissbrauch schließt das Rauchen, Schnupfen, Kauen und den Anbau von Tabak zu diesen Zwecken ein.
d Siehe beispielsweise Kapitel 32 des Buches Lerne von dem großen Lehrer oder die Artikelserie „Schützt eure Kinder!“ im Erwachet! vom Oktober 2007.
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Organisiert, dem „Gott des Friedens“ zu dienenGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 12
Organisiert, dem „Gott des Friedens“ zu dienen
1, 2. Was änderte sich im Januar 1895 bei Zions Wacht-Turm, und wie waren die Reaktionen darauf?
ALS John A. Bohnet, ein dynamischer Bibelforscher, 1895 die Januar-Ausgabe von Zions Wacht-Turm (engl.) erhielt, war er fasziniert. Die Zeitschrift hatte ein auffallendes neues Titelbild: einen Leuchtturm, der bei stürmischer See seine Lichtsignale durch die Schwärze der Nacht schickt. Unter dem Titel „Unser neues Gewand“ wurde diese veränderte Aufmachung vorgestellt.
2 Beeindruckt schickte Bruder Bohnet einen Brief an Bruder Russell. „Freut mich zu sehen, wie sich der TURM herausgeputzt hat“, schrieb er. „Sieht gut aus.“ Ein Bibelforscher namens John H. Brown äußerte sich wie folgt über das Titelbild: „Eine bemerkenswerte Illustration! Wie fest der Turm dasteht, während Wind und Wellen dagegenpeitschen!“ Die neue Titelseite war die erste Veränderung für unsere Brüder in jenem Jahr — aber es sollte nicht die letzte sein. Im November erfuhren sie von einer weiteren bedeutenden Neuheit. Auch sie hatte mit einer stürmischen See zu tun.
3, 4. Auf welches Problem wurde im Wacht-Turm vom 15. November 1895 hingewiesen, und welche weitreichende Veränderung wurde angekündigt?
3 Ein ausführlicher Artikel im Wacht-Turm vom 15. November 1895 legte ein Problem dar: In der Vereinigung oder Organisation der Bibelforscher braute sich ein Sturm zusammen, der den Frieden störte. Die einzelnen Versammlungen diskutierten immer leidenschaftlicher darüber, wer unter ihnen die Führung übernehmen sollte. Um den Brüdern klarzumachen, wie man gegen diesen entzweienden Konkurrenzgeist angehen könnte, wurde die Organisation mit einem Schiff verglichen. Der Artikel gab offen zu, dass die führenden Brüder es versäumt hatten, das „Schiff“ für stürmisches Wetter zu rüsten. Was war zu tun?
4 Ein fähiger Kapitän — so hieß es in dem Artikel — achtet darauf, dass Rettungswesten an Bord sind und dass die Mannschaft bei aufkommendem Sturm sofort die Luken dicht macht. Auch die verantwortlichen Brüder mussten darauf achten, dass alle Versammlungen für die verschiedensten Stürme gerüstet waren. Deshalb wurde eine weitreichende Veränderung angekündigt. Mit sofortiger Wirkung sollten „in jeder Versammlung Älteste ausgewählt werden, die Herde zu ‚weiden‘ “ (Apg. 20:28).
5. (a) Warum kam die Ältestenregelung zur richtigen Zeit? (b) Mit welchen Fragen werden wir uns beschäftigen?
5 Diese erste Ältestenregelung kam gerade zur richtigen Zeit. Sie war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer stabilen Versammlungsstruktur. So konnten unsere Brüder in den Wirren des Ersten Weltkriegs den Kurs halten. In den Jahrzehnten danach wurde Gottes Volk durch die organisatorische Weiterentwicklung noch besser dafür ausgerüstet, Jehova zu dienen. Welche biblische Prophezeiung deutete auf diese Entwicklung hin? Welche organisatorischen Veränderungen hast du selbst schon beobachtet, und was haben sie dir persönlich gebracht?
„Ich will den Frieden zu deinen Aufsehern einsetzen“
6, 7. (a) Wie ist Jesaja 60:17 zu verstehen? (b) Worauf deuten die Ausdrücke „Aufseher“ und „Arbeitszuteiler“ hin?
6 Wie in Kapitel 9 behandelt, sagte Jesaja voraus, dass Jehova sein Volk mit Wachstum segnen würde (Jes. 60:22). Doch Jehova versprach noch mehr. In derselben Prophezeiung erklärte er: „Statt des Kupfers werde ich Gold herbeibringen, und statt des Eisens werde ich Silber herbeibringen und statt des Holzes Kupfer und statt der Steine Eisen; und ich will den Frieden zu deinen Aufsehern einsetzen und die Gerechtigkeit zu deinen Arbeitszuteilern“ (Jes. 60:17). Was ist damit gemeint, und wie betrifft diese Prophezeiung uns?
Nicht etwas Schlechtes, sondern etwas Gutes sollte durch etwas Besseres ersetzt werden
7 Nach den Worten Jesajas sollten bestimmte Materialien ersetzt werden. Nicht etwas Schlechtes, sondern etwas Gutes sollte durch etwas Besseres ersetzt werden. Kupfer gegen Gold auszutauschen ist eine Verbesserung, was auch für die anderen hier erwähnten Werkstoffe gilt. Durch dieses Wortbild hat Jehova somit angekündigt, dass sich der Zustand seines Volkes schrittweise verbessern würde. Auf welche Verbesserungen spielt die Prophezeiung an? Die Ausdrücke „Aufseher“ und „Arbeitszuteiler“ deuten darauf hin, dass Jehovas Volk immer besser versorgt und organisiert würde.
8. (a) Wer bewirkt die in Jesajas Prophezeiung erwähnten Verbesserungen? (b) Nur wann kommt uns dieser Fortschritt zugute? (Siehe auch den Kasten „Er ließ sich demütig korrigieren“.)
8 Durch wen kommt dieser organisatorische Fortschritt zustande? Jehova sagt, er werde Gold herbeibringen, er werde Silber herbeibringen. Und: „Ich will den Frieden . . . einsetzen.“ Verbesserungen im Aufbau der Versammlungen sind nicht Menschen zuzuschreiben, sondern Jehova. Und seit Jesu Einsetzung als König bewirkt Jehova sie durch ihn. Welche Rolle spielen wir dabei? Derselbe Bibeltext verbindet diese Verbesserungen ja mit „Frieden“ und „Gerechtigkeit“. Wenn wir uns von Gott leiten lassen und bereit sind, uns auf Veränderungen einzustellen, tragen wir zum Frieden bei. Und die Liebe zur Gerechtigkeit motiviert uns Jehova zu dienen, den der Apostel Paulus als den „Gott des Friedens“ bezeichnete (Phil. 4:9).
9. Worauf beruht die Ordnung und Einheit in der Versammlung, und warum ist das so wichtig?
9 Paulus schrieb außerdem über Jehova: „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“ (1. Kor. 14:33). Paulus stellte also die Unordnung nicht der Ordnung gegenüber, sondern dem Frieden. Weshalb? Dazu muss man vorausschicken, dass Ordnung an sich nicht unbedingt zu Frieden führt. Ein Trupp Soldaten kann zum Beispiel in Marschordnung an die Front ziehen, doch dieses geordnete Vorgehen fördert nicht den Frieden, sondern den Krieg. Wir als Christen dürfen also eines nie vergessen: Jede Ordnung, die sich nicht auf Frieden gründet, wird früher oder später zusammenbrechen. Frieden, der von Gott kommt, führt dagegen zu dauerhafter Ordnung. Wie dankbar können wir daher sein, dass unsere Organisation von dem „Gott, der Frieden gibt“, geleitet und geläutert wird (Röm. 15:33). Frieden von Gott bildet die Grundlage der Ordnung und Einheit, die wir in unseren Versammlungen weltweit so sehr schätzen (Ps. 29:11).
10. (a) Was änderte sich in früheren Jahren in unserer Organisation? (Siehe den Kasten „Für eine bessere Leitung gesorgt“.) (b) Um welche Fragen geht es als Nächstes?
10 Der Kasten „Für eine bessere Leitung gesorgt“ gibt einen Überblick über organisatorische Veränderungen in früheren Jahren, die sich stabilisierend auswirkten. Doch wie hat Jehova durch unseren König in neuerer Zeit „Kupfer“ gegen „Gold“ ausgetauscht? Wie hat eine bessere Führung den Frieden und die Einheit der Versammlungen weltweit gefördert? Wie wirkt sich das auf deinen Dienst für den „Gott des Friedens“ aus?
Wie Christus die Versammlung leitet
11. (a) Zu welchem verbesserten Verständnis führte ein Bibelstudienprojekt? (b) Wozu war die leitende Körperschaft entschlossen?
11 Von 1964 bis 1971 lief unter der Aufsicht der leitenden Körperschaft ein umfangreiches Bibelstudienprojekt, bei dem man unter anderem untersuchte, wie die Christenversammlung im 1. Jahrhundert aufgebaut war.a Man erkannte, dass die einzelnen Versammlungen damals von einer Ältestenschaft geleitet wurden und nicht von einem einzelnen Ältesten oder Aufseher. (Lies Philipper 1:1; 1. Timotheus 4:14.) Offensichtlich wollte Jesus das Volk Gottes zu einem besseren organisatorischen Aufbau hinführen — und die leitende Körperschaft war entschlossen, der Führung ihres Königs zu folgen. Sofort nahm man Veränderungen vor, um die Organisation noch mehr dem biblischen Muster für Ältestenschaften anzupassen. Was änderte sich somit Anfang der 70er-Jahre?
12. (a) Was änderte sich in der leitenden Körperschaft? (b) Wie arbeitet die leitende Körperschaft heute? (Siehe den Kasten „Wie die leitende Körperschaft die Interessen des Königreiches wahrnimmt“.)
12 Die erste Änderung betraf die leitende Körperschaft selbst. Bis dahin hatte diese Gruppe gesalbter Brüder aus den 7 Vorstandsmitgliedern der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania bestanden. Doch 1971 wurde die leitende Körperschaft von 7 auf 11 Mitglieder vergrößert und war nicht mehr mit dem Vorstand identisch. Die Mitglieder betrachteten sich alle als gleichrangig und der Vorsitz wechselte jährlich in alphabetischer Reihenfolge.
13. (a) Welche Regelung war 40 Jahre lang in Kraft? (b) Was geschah 1972?
13 Die nächste Änderung wirkte sich auf die einzelnen Versammlungen aus. Von 1932 bis 1972 lag die Aufsicht mehr oder weniger bei einem einzigen Bruder. Bis 1936 wurde er Dienstleiter genannt. Danach änderte man die Bezeichnung auf Gruppendiener ab, dann auf Versammlungsdiener und schließlich auf Versammlungsaufseher. Der verantwortliche Bruder war sehr darum bemüht, dass die Herde glaubensstark blieb. Meistens traf er Entscheidungen ohne Absprache mit den anderen Dienern der Versammlung. Doch 1972 ebnete die leitende Körperschaft den Weg für eine bedeutende Neuerung. Worum ging es dabei?
14. (a) Was änderte sich am 1. Oktober 1972? (b) Wie hält sich heute der Koordinator der Ältestenschaft an den Grundsatz aus Philipper 2:3?
14 Von nun an sollte nicht mehr ein einzelner Bruder die Führung übernehmen, sondern auch andere Brüder, die die biblischen Voraussetzungen erfüllten, wurden theokratisch zu Ältesten ernannt. Als Ältestenschaft hatten sie gemeinsam die Aufsicht über die Versammlung. Diese Neuerung trat am 1. Oktober 1972 in Kraft. Heute betrachtet sich der Koordinator dieser Ältestenschaft nicht als Erster unter Gleichen, sondern „als ein Geringerer“ (Luk. 9:48). Diese demütigen Brüder sind ein echter Segen für die weltweite Bruderschaft (Phil. 2:3).
In seiner Weitsicht hat unser König zur richtigen Zeit für dringend benötigte Hirten gesorgt
15. (a) Welche Vorteile bringen Ältestenschaften mit sich? (b) Woran erkennt man die Weitsicht unseres Königs?
15 Die Last auf mehrere Schultern zu verteilen hat sich als enorme Verbesserung erwiesen. Sehen wir uns dazu drei Vorteile an: In erster Linie macht diese Regelung allen Ältesten — ganz gleich, wie viel Verantwortung sie tragen — deutlich bewusst, dass Jesus das „Haupt der Versammlung“ ist (Eph. 5:23). Zweitens führt es zum Erfolg, viele Ratgeber zu haben, wie es in Sprüche 11:14 heißt. Da sich Älteste bei Fragen, die das Wohl der Versammlung betreffen, miteinander beraten und die verschiedenen Vorschläge berücksichtigen, gelangen sie zu Entscheidungen, die mit biblischen Grundsätzen übereinstimmen (Spr. 27:17). Das wird von Jehova gesegnet und der Erfolg bleibt nicht aus. Drittens können mehr Älteste besser den wachsenden Bedarf an Aufsicht und Hirtenarbeit decken, zumal die Zahl der Versammlungen weltweit von über 27 000 im Jahr 1971 auf über 113 000 im Jahr 2013 angestiegen ist (Jes. 60:3-5). Ganz klar: In seiner Weitsicht hat unser König zur richtigen Zeit für dringend benötigte Hirten gesorgt (Mi. 5:5).
„Vorbilder für die Herde“
16. (a) Wozu sind Älteste verpflichtet? (b) Wie dachten die Bibelforscher über Jesu Aufforderung, die Schafe zu hüten?
16 Schon in der Anfangszeit fühlten sich die Ältesten verpflichtet, ihren Brüdern zu helfen, Diener Gottes zu bleiben. (Lies Galater 6:10.) 1908 wurde im Wacht-Turm auf Jesu Worte eingegangen: „Hüte meine Schäflein“ (Joh. 21:15-17). Der Artikel appellierte an Älteste: „Der Auftrag des Herrn sollte unbedingt einen Ehrenplatz in unserem Herzen haben; zu Recht betrachten wir es als großes Vorrecht, seine Schafe zu weiden und zu hüten.“ 1925 betonte Der Wacht-Turm erneut den Wert der Hirtentätigkeit: „Die Versammlung gehört Gott . . . , und alle müssen Rechenschaft darüber ablegen, wie sie ihr Vorrecht wahrnehmen, ihren Brüdern zu dienen.“
17. Wie wurden Aufseher in der Hirtentätigkeit geschult?
17 Wie hat die Organisation Jehovas die Ältesten ausgerüstet, bei ihrer Hirtentätigkeit „Eisen“ gegen „Silber“ auszutauschen? Durch Schulung. 1959 gab es die erste Königreichsdienstschule für Aufseher. Eine Unterrichtseinheit hatte das Thema „Anderen persönliche Aufmerksamkeit schenken“. Die Brüder wurden ermuntert, „einen Plan aufzustellen“, um die Verkündiger in ihren Wohnungen zu besuchen. Man besprach verschiedene Möglichkeiten, wie Hirten diese Besuche angenehm gestalten konnten. Der überarbeitete Lehrstoff von 1966 enthielt das Thema „Die Wichtigkeit des Hirtenwerkes“. Was war der Schwerpunkt dieser Unterrichtseinheit? Die Ältesten „sollten sich daran beteiligen, liebevoll für die Herde Gottes zu sorgen, doch dabei nicht versäumen, ihrer eigenen Hausgemeinschaft und dem Predigtdienst gebührende Aufmerksamkeit zu schenken“. In den vergangenen Jahren gab es noch weitere Schulen für Älteste. Was bewirkte die fortlaufende Schulung durch die Organisation Jehovas? Heute verfügt die Christenversammlung über viele Tausende von Brüdern, die ihrer Aufgabe als Hirten gut nachkommen.
Königreichsdienstschule auf den Philippinen (1966)
18. (a) Welche wichtige Aufgabe haben Älteste? (b) Wie denken Jehova und Jesus über Älteste, die sich für ihre Brüder einsetzen?
18 Jehova hat die Ältestenschaften durch unseren König Jesus ins Leben gerufen, damit sie eine wichtige Aufgabe erfüllen: Gottes Schafe sicher durch die schwierigste Zeit in der Menschheitsgeschichte zu führen (Eph. 4:11, 12; 2. Tim. 3:1). Jehova und Jesus haben eine tiefe Zuneigung zu den Ältesten, die sich unter großem Einsatz an die biblische Anweisung halten: „Hütet die Herde Gottes, die in eurer Obhut ist, . . . freiwillig; . . . voll Eifer; . . . indem ihr Vorbilder für die Herde werdet“ (1. Pet. 5:2, 3). Sehen wir uns doch einmal zwei der vielen Bereiche an, in denen christliche Hirten mit gutem Beispiel vorangehen und sehr zum Frieden und zur Freude der Versammlung beitragen.
Wie Älteste heute die Herde Gottes hüten
19. Wie empfinden es Verkündiger, wenn Älteste mit ihnen zusammenarbeiten?
19 Erstens arbeiten die Ältesten mit den Einzelnen in der Versammlung zusammen. Im Lukasevangelium heißt es, dass Jesus von den Zwölfen begleitet wurde, als er begann, „von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zu ziehen, wobei er predigte und die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündigte“ (Luk. 8:1). So wie Jesus die Apostel mitnahm, arbeiten auch vorbildliche Älteste mit ihren Glaubensbrüdern zusammen. Ihnen ist klar, wie sehr sie dadurch zu einer guten Atmosphäre in der Versammlung beitragen. Und wie denken die Verkündiger über solche Ältesten? Jeannine, eine Schwester Ende 80, findet: „Wenn ich gemeinsam mit einem Ältesten predigen gehe, kann ich mich wunderbar mit ihm unterhalten und ihn besser kennenlernen.“ Steven, Mitte 30, sagt: „Wenn ein Ältester mit mir von Haus zu Haus arbeitet, habe ich das Gefühl, er will mich weiterbringen. Ich freue mich sehr über diese Hilfe.“
So wie ein Hirte nach einem verlorenen Schaf sucht, suchen Älteste nach denen, die den Kontakt zur Versammlung verloren haben
20, 21. Wie können Älteste den Hirten in Jesu Gleichnis nachahmen? Nenne ein Beispiel. (Siehe auch den Kasten „Wöchentliche Besuche, die sich gelohnt haben“.)
20 Zweitens werden Älteste geschult sich um die zu kümmern, die den Kontakt zur Versammlung verloren haben (Heb. 12:12). Warum und wie stehen sie ihnen zur Seite? Das geht aus Jesu Gleichnis von dem Hirten und dem verlorenen Schaf hervor. (Lies Lukas 15:4-7.) Sobald der Hirte in dem Gleichnis merkt, dass ein Schaf fehlt, sucht er danach, als wäre es sein einziges. Wie können Älteste diesem Beispiel folgen? Ähnlich wie das verlorene Schaf für den Hirten kostbar ist, bleibt auch jemand, der keine Verbindung mehr zum Volk Gottes hat, für die Ältesten kostbar. Für sie ist so jemand kein hoffnungsloser Fall, sondern ein verloren gegangenes Schaf. Und so wie der Hirte dem einen verirrten Schaf nachgeht, „bis er es findet“, machen sich auch Älteste auf die Suche nach Schwachen, die ihre Hilfe brauchen.
21 Wie reagiert der Hirte in dem Gleichnis, als er das Schaf findet? Er hebt es behutsam hoch, legt es „auf seine Schultern“ und bringt es zurück zur Herde. Auch ein Ältester kann einem Kraftlosen durch sein echtes Interesse vorsichtig wieder aufhelfen und ihn zur Versammlung zurückführen. Victor, ein Bruder in Afrika, kann das nur bestätigen. Er erzählt: „In den acht Jahren, in denen ich untätig war, bemühten sich die Ältesten immer wieder um mich.“ Was sprach sein Herz am meisten an? „Einer der Ältesten, die mich besuchten, war John. Wir waren zusammen auf der Pionierdienstschule gewesen. Einmal brachte er Fotos mit, die er während der Schule von uns gemacht hatte. Da kamen so viele schöne Erinnerungen hoch, dass ich unbedingt wieder die Freude verspüren wollte, die ich früher im Dienst für Jehova hatte.“ Kurz nach diesem Besuch kehrte Victor zur Versammlung zurück. Heute ist er wieder Pionier. Älteste, die um andere besorgt sind, tragen wirklich sehr zur Freude bei (2. Kor. 1:24).b
Bessere Hirten — größere Einheit
22. Warum wird die Einheit in der Christenversammlung durch Gerechtigkeit und Frieden gestärkt? (Siehe auch den Kasten „ ‚Wir staunten nur so‘ “.)
22 Wie erwähnt hat Jehova eine stetige Zunahme an Frieden und Gerechtigkeit unter seinem Volk vorausgesagt (Jes. 60:17). Beides stärkt die Einheit in den Versammlungen. Jehovas gerechte Maßstäbe sind nicht von Land zu Land verschieden, denn „Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova“ (5. Mo. 6:4). Seine Maßstäbe für Richtig und Falsch sind „in allen Versammlungen der Heiligen“ ein und dieselben (1. Kor. 14:33). In einer Versammlung herrscht nur dann ein guter Geist, wenn sie sich nach diesen Standards ausrichtet. Was den Frieden betrifft, möchte unser König nicht nur, dass wir die friedliche Atmosphäre in der Versammlung genießen, sondern wir sollen selbst „Friedensstifter“ sein (Mat. 5:9, Elberfelder Bibel). Deshalb sind wir entschlossen, „den Dingen nach[zu]jagen, die dem Frieden dienen“. Falls es unter uns zu Meinungsverschiedenheiten kommt, ergreifen wir die Initiative, um sie beizulegen (Röm. 14:19). So fördern wir den Frieden und die Einheit in unserer Versammlung (Jes. 60:18).
23. Was dürfen wir heute erleben?
23 Als im Wacht-Turm vom November 1895 die erste Ältestenregelung angekündigt wurde, verband man damit einen innigen Wunsch. Die verantwortlichen Brüder beteten darum, dass durch diese neue organisatorische Einrichtung Gottes Volk „schnell zur Einheit im Glauben“ gelangt. Unsere Einheit in der Anbetung wurde über die Jahrzehnte tatsächlich immer mehr gefestigt. Zu verdanken haben wir das Jehova, der durch unseren König für eine immer bessere Leitung gesorgt hat (Ps. 99:4). Dadurch ist Jehovas Volk heute weltweit „in demselben Geist“ vereint, geht „in denselben Fußstapfen“ und dient „Schulter an Schulter“ dem „Gott des Friedens“ (2. Kor. 12:18; lies Zephanja 3:9).
a Die Ergebnisse dieser intensiven Forschungsarbeit erschienen in dem Bibellexikon Hilfe zum Verständnis der Bibel.
b Siehe den Artikel „Älteste: Mitarbeiter an unserer Freude“ im Wachtturm vom 15. Januar 2013.
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Prediger des Königreiches gehen vor GerichtGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 13
Prediger des Königreiches gehen vor Gericht
1, 2. (a) Womit wurde die Christenversammlung konfrontiert, aber wie reagierten die Apostel darauf? (b) Warum hielten sich die Apostel nicht an das Predigtverbot?
PFINGSTEN 33 ist kaum vorüber. Die Christenversammlung in Jerusalem ist erst wenige Wochen alt. Wie nicht anders zu erwarten, sieht Satan die Zeit für einen Angriff gekommen. Bevor die Versammlung groß und stark wird, möchte er sie auslöschen. Durch geschickte Manipulation erwirkt er umgehend ein Verbot der Predigttätigkeit. Doch die Apostel predigen furchtlos weiter und viele Männer und Frauen glauben daraufhin an den Herrn (Apg. 4:18, 33; 5:14).
Jesu Apostel freuten sich, „weil sie für würdig erachtet worden waren, um seines Namens willen in Unehre zu kommen“
2 Verärgert holen die Gegner zum nächsten Schlag aus — diesmal sperren sie alle Apostel ins Gefängnis. In der Nacht öffnet der Engel Jehovas jedoch die Gefängnistüren und bei Tagesanbruch sind die Apostel schon wieder mit der guten Botschaft unterwegs. Sie werden unter der Anklage festgenommen, gegen das Predigtverbot verstoßen zu haben. Mutig erklären sie: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen.“ Die Mitglieder des Hohen Rats schäumen vor Wut und wollen die Apostel umbringen. Doch im entscheidenden Augenblick meldet sich der geachtete Gesetzeslehrer Gamaliel zu Wort und warnt: „Nehmt euch in Acht . . . Steht ab von diesen Menschen, und lasst sie gehen.“ Überraschenderweise stößt sein Rat auf offene Ohren und die Apostel kommen frei. Wie geht es weiter? Die treuen Männer lassen sich nicht davon abhalten, „ununterbrochen . . . zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen“ (Apg. 5:17-21, 27-42; Spr. 21:1, 30).
3, 4. (a) Wie hat Satan Gottes Volk immer wieder angegriffen? (b) Worum geht es hier und in den nächsten beiden Kapiteln?
3 Dieser Prozess im Jahr 33 war der erste Fall, bei dem die Christenversammlung von offizieller Seite bekämpft wurde, aber bei Weitem nicht der letzte (Apg. 4:5-8; 16:20; 17:6, 7). Auch heute stachelt Satan immer wieder Gegner an, auf ein Verbot unserer Tätigkeit hinzuwirken. Uns wurden schon alle möglichen Gesetzesübertretungen unterstellt. Einmal stören wir angeblich die öffentliche Ordnung und sind deshalb Unruhestifter. Ein andermal gelten wir als Aufwiegler, dann wieder als Verkäufer oder Hausierer. Wenn es angebracht erschien, gingen wir vor Gericht, um diese Vorwürfe zu entkräften. Was war das Ergebnis? Wie wirken sich Urteile, die vor Jahrzehnten gefällt wurden, auf dich persönlich aus? Sehen wir uns einige Beispiele an, wie Prozesse zur „Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ beigetragen haben (Phil. 1:7).
4 In diesem Kapitel geht es darum, wie wir unsere Predigtfreiheit verteidigen konnten. Die nächsten zwei Kapitel beschäftigen sich mit einigen Gerichtsverfahren, zu denen es kam, weil wir uns von der Welt getrennt halten und nach den Gesetzen von Gottes Königreich leben wollen.
Unruhestifter oder loyale Unterstützer des Königreiches?
5. Warum kam es Ende der 30er-Jahre in den USA zu Verhaftungen, und wozu entschieden sich die verantwortlichen Brüder?
5 Ende der 30er-Jahre verlangte man in vielen Städten und Bundesstaaten der USA von Jehovas Zeugen eine behördliche Genehmigung für ihre Predigttätigkeit. Unsere Brüder ließen sich aber nicht darauf ein. Zum einen kann eine Genehmigung jederzeit zurückgezogen werden, und zum anderen durfte ihrer Meinung nach kein Staat gegen Jesu Gebot vorgehen, das Königreich bekannt zu machen (Mar. 13:10). Es kam zu Hunderten von Verhaftungen. Daraufhin beschlossen die verantwortlichen Brüder, vor Gericht zu gehen. Sie wollten darlegen, dass der Staat das Recht der Zeugen Jehovas auf ungestörte Religionsausübung widerrechtlich eingeschränkt hatte. Ein Vorfall im Jahr 1938 sollte schließlich zu einem Grundsatzurteil führen.
6, 7. Was erlebte die Familie Cantwell?
6 Am 26. April 1938, einem Dienstag, machten sich fünf Sonderpioniere morgens auf den Weg nach New Haven (Connecticut). Es handelte sich um den 60-jährigen Newton Cantwell, seine Frau Esther und ihre Söhne Henry, Russell und Jesse. Die Cantwells wollten dort den ganzen Tag im Predigtdienst verbringen. Allerdings waren sie darauf eingestellt, länger als einen Tag weg zu sein. Sie rechneten damit, festgenommen zu werden, wie sie es schon mehrmals erlebt hatten. Doch diese Aussicht dämpfte ihren Predigteifer nicht im Geringsten. Sie trafen mit zwei Autos in New Haven ein. Newton fuhr den mit biblischer Literatur und tragbaren Grammofonen beladenen Familienwagen und der 22-jährige Henry einen Lautsprecherwagen. Tatsächlich wurden sie innerhalb weniger Stunden von der Polizei angehalten.
7 Zuerst verhaftete man den 18-jährigen Russell, dann Newton und Esther. Jesse beobachtete aus der Ferne, wie seine Eltern und sein Bruder abgeführt wurden. Henry war in einem anderen Stadtteil unterwegs, deshalb blieb der 16-jährige Jesse ganz allein zurück. Doch er nahm sich sein Grammofon und predigte weiter. Zwei katholische Männer ließen sich Bruder Rutherfords Vortrag „Feinde“ vorspielen. Beim Zuhören wurden sie allerdings so ärgerlich, dass sie auf Jesse losgehen wollten. Der blieb jedoch ruhig und ging einfach weiter, bis ihn kurz darauf ein Polizist aufgriff. So landete auch Jesse hinter Gittern. Gegen Schwester Cantwell wurde keine Anzeige erstattet, wohl aber gegen ihren Mann und die Söhne, die allerdings noch am selben Tag gegen Kaution freikamen.
8. Warum wurde Jesse Cantwell als Unruhestifter verurteilt?
8 Einige Monate später, im September 1938, wurden Newton, Russell und Jesse in New Haven vor Gericht gestellt. Sie wurden schuldig gesprochen, weil sie angeblich ohne Genehmigung Spenden gesammelt hatten. Obwohl man sich an das Berufungsgericht von Connecticut wandte, wurde Jesse verurteilt, weil er die Ruhe und Ordnung gestört habe. Wie kam das? Die beiden Katholiken, die sich den Schallplattenvortrag angehört hatten, sagten aus, sie hätten den Vortrag als provozierend und als eine Beleidigung ihrer Kirche empfunden. Die verantwortlichen Brüder unserer Organisation wandten sich daraufhin an das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten.
9, 10. (a) Wie entschied das Oberste Bundesgericht im Fall Cantwell? (b) Welche Auswirkungen hat dieses Urteil bis heute?
9 Bei dem Prozess, der am 29. März 1940 begann, stand Bruder Hayden Covington als Anwalt vor dem Präsidenten des Obersten Bundesgerichts, Richter Charles E. Hughes, und acht Bundesrichtern.a Als der Staatsanwalt von Connecticut Jehovas Zeugen als Unruhestifter hinstellte, fragte ein Richter: „War denn nicht auch die Botschaft, die Christus Jesus predigte, seinerzeit unpopulär?“ Der Staatsanwalt erwiderte: „Das stimmt; und wenn ich mich recht erinnere, sagt die Bibel auch, wie es mit Jesus ausging, weil er diese Botschaft predigte.“ Diese Antwort ließ tief blicken! Der Staatsanwalt setzte unbewusst Jehovas Zeugen mit Jesus gleich und den Staat mit Jesu Anklägern. Am 20. Mai 1940 entschied das Gericht einstimmig zugunsten von Jehovas Zeugen.
Hayden Covington (vorn in der Mitte), Glen How (links) und andere nach einem gewonnenen Prozess vor dem Gerichtsgebäude
10 Was brachte dieses Urteil? Das Recht auf ungestörte Religionsausübung war nun besser geschützt. Die Religionsfreiheit durfte nicht mehr durch den Bund oder die einzelnen Staaten oder Gemeinden eingeschränkt werden. Außerdem sah das Gericht in Jesses Verhalten „keine . . . Bedrohung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“. Nun hatte man es schwarz auf weiß: Jehovas Zeugen sind keine Unruhestifter. Was für ein Triumph für Gottes Diener — und das bis heute! Ein Anwalt, der Zeuge Jehovas ist, bemerkt dazu: „Heute können wir als Zeugen Jehovas unseren Mitmenschen eine Hoffnungsbotschaft bringen, weil wir das Recht haben, unsere Religion ungehindert auszuüben — ohne Angst vor unfairen Einschränkungen.“
Aufwiegler oder Enthüller?
Traktat mit der Aufschrift „Quebecs lodernder Hass gegen Gott, Christus und die Freiheit ist eine Schande für ganz Kanada“
11. Was unternahmen unsere Brüder in Kanada, und warum?
11 In den 40er-Jahren wurden Jehovas Zeugen in Kanada erbittert bekämpft. 1946 beschlossen unsere Brüder daher, die staatliche Missachtung der Religionsfreiheit publik zu machen. 16 Tage lang verbreitete man ein 4-seitiges Traktat mit der Aufschrift „Quebecs lodernder Hass gegen Gott, Christus und die Freiheit ist eine Schande für ganz Kanada“. Es beschrieb detailliert die von Geistlichen angestifteten Krawalle, die brutalen Übergriffe der Polizei und die Pöbelattacken. „Die unrechtmäßigen Verhaftungen von Zeugen Jehovas gehen weiter“, hieß es in dem Traktat. „Im Großraum Montreal liegen ungefähr 800 Anzeigen gegen Jehovas Zeugen vor.“
12. (a) Wie reagierten die Gegner auf die Flugschrift? (b) Was warf man unseren Brüdern vor? (Siehe auch Fußnote.)
12 Der Premierminister der Provinz Quebec, Maurice Duplessis, erklärte den Zeugen als Reaktion auf die Flugschrift einen „gnadenlosen Krieg“. Er arbeitete Hand in Hand mit Kardinal Villeneuve. Innerhalb kurzer Zeit verdoppelte sich die Zahl der Anzeigen von 800 auf 1 600. „Wir wurden so oft festgenommen, dass wir aufhörten zu zählen“, sagte eine Pionierin. Zeugen Jehovas, die man beim Verbreiten der Flugschrift aufgriff, wurden der „aufrührerischen Verleumdung“ bezichtigt.b
13. Wer waren die Ersten, die in Kanada wegen angeblicher Aufwiegelei angeklagt wurden, und wie entschied das Gericht?
13 Bruder Aimé Boucher und seine Töchter Gisèle (18) und Lucille (11) mussten 1947 als Erste wegen mutmaßlicher Aufwiegelei vor Gericht. Sie hatten die Flugschrift im Umkreis ihrer Farm im hügeligen Süden von Quebec City verteilt. Wie Gesetzesbrecher wirkten sie aber ganz und gar nicht. Bruder Boucher war ein einfacher, sanfter Mann, der friedlich seine kleine Farm bewirtschaftete und hin und wieder mal mit seinem Einspänner in die Stadt fuhr. Dennoch hatte seine Familie am eigenen Leib einige der Grausamkeiten zu spüren bekommen, die in der Flugschrift aufgeführt wurden. Der Richter der ersten Instanz, der einen Hass auf Jehovas Zeugen hatte, ließ kein Entlastungsmaterial zu. Vielmehr teilte er die Meinung der Anklage, das Traktat sei eine Hetzschrift und die Bouchers hätten sich strafbar gemacht. Der Richter vertrat also den Standpunkt: Es ist ein Verbrechen, die Wahrheit zu sagen! Aimé und Gisèle wurden wegen „aufrührerischer Verleumdung“ verurteilt und sogar die kleine Lucille saß zwei Tage hinter Gittern. Die Brüder wandten sich an den Obersten Gerichtshof von Kanada, der ihrem Antrag stattgab.
14. Wie reagierten die Brüder in Quebec auf die Verfolgung?
14 Unterdessen predigten unsere Brüder und Schwestern mutig weiter, und das obwohl die Gewaltakte nicht nachließen. Oft erzielten sie beeindruckende Ergebnisse. In den vier Jahren nach der Flugschriftaktion von 1946 stieg die Zahl der Zeugen Jehovas in Quebec von 300 auf 1 000.c
15, 16. (a) Wie entschied der Oberste Gerichtshof von Kanada im Fall Boucher? (b) Wie wirkte sich dieser Prozess auf unsere Brüder und die Allgemeinheit aus?
15 Im Juni 1950 befassten sich alle neun Richter des Obersten Gerichtshofs von Kanada mit dem Fall Aimé Boucher. Sechs Monate später, am 18. Dezember 1950, wurde zu unseren Gunsten entschieden. Wie kam es dazu? Nach Aussage von Bruder Glen How, einem Anwalt der Zeugen Jehovas, schloss sich das Gericht dem Argument der Verteidigung an: „Aufruhr“ beinhaltet Aufstachelung zu Gewalt oder umstürzlerisches Verhalten, die Flugschrift habe jedoch zu nichts dergleichen aufgestachelt. Es handle sich somit um „eine legale Form der freien Meinungsäußerung“. Bruder How fügte hinzu: „Ich sah mit eigenen Augen, wie Jehova die Sache zum Erfolg führte.“d
16 Das Urteil des Obersten Gerichtshofs war ein überwältigender Triumph für Gottes Königreich. Es entzog den 122 anhängigen Verfahren, in denen Quebecer Zeugen Jehovas der aufrührerischen Verleumdung angeklagt waren, die Grundlage. Auch gewährte es den Bürgern Kanadas und des Commonwealth die Freiheit, Kritik am Verhalten des Staates zu äußern. Außerdem brachte das Urteil den kirchlich-staatlichen Angriff Quebecs auf die Freiheit der Zeugen Jehovas endgültig zum Scheitern.e
Hausierer oder eifrige Prediger?
17. Wie versuchen manche Staaten unsere Predigttätigkeit zu erschweren?
17 Jehovas Diener „hausieren nicht mit dem Wort Gottes“ — heute genauso wenig wie im 1. Jahrhundert. (Lies 2. Korinther 2:17.) Dennoch versuchen manche Staaten, unsere Predigttätigkeit durch Gewerbevorschriften zu erschweren. Sehen wir uns zwei Prozesse an, bei denen es darum ging, ob Jehovas Zeugen Hausierer oder Prediger sind.
18, 19. Wie versuchte man in Dänemark, unsere Predigttätigkeit zu behindern?
18 Dänemark. Am 1. Oktober 1932 trat ein Gesetz in Kraft, das den Verkauf von Druckschriften ohne Reisegewerbekarte verbot. Unsere Brüder waren aber nicht bereit, einen Gewerbeschein zu erwerben. Am 2. Oktober predigten fünf Verkündiger den ganzen Tag in Roskilde, ungefähr 30 Kilometer von der Hauptstadt Kopenhagen entfernt. Am Abend fehlte einer der Verkündiger, August Lehmann. Man hatte ihn festgenommen, weil er angeblich ohne Gewerbeschein Waren verkaufte.
19 August Lehmann wurde am 19. Dezember 1932 vor Gericht geladen. Er sagte aus, er habe biblische Literatur angeboten, sei aber kein Hausierer. Das Gericht teilte seinen Standpunkt. In der Begründung hieß es: „Der Angeklagte . . . ist in der Lage, für sich selbst zu sorgen, und . . . hat sich keine wirtschaftlichen Vorteile verschafft, noch hatte er diese Absicht, sondern seine Tätigkeit hat für ihn finanzielle Einbußen mit sich gebracht.“ Das Gericht stand auf der Seite von Jehovas Zeugen und entschied, August Lehmanns Tätigkeit falle nicht „unter die Bezeichnung Gewerbe“. Gegner des Volkes Gottes waren jedoch entschlossen, das Predigtwerk im ganzen Land zu unterbinden (Ps. 94:20). Der Staatsanwalt brachte den Fall bis vor das oberste Berufungsgericht des Landes. Wie reagierten unsere Brüder darauf?
20. Wie urteilte das oberste Berufungsgericht von Dänemark, und wie verhielten sich unsere Brüder?
20 In der Woche vor der Anhörung steigerten Jehovas Zeugen in Dänemark ihren Predigteinsatz. Das oberste Berufungsgericht verkündete sein Urteil am 3. Oktober 1933. Wie schon die Vorinstanz kam es zu dem Schluss, dass August Lehmann kein Gesetz übertreten hatte. Jehovas Zeugen konnten nun ungehindert weiterpredigen. Aus Dankbarkeit für den Erfolg, zu dem Jehova ihnen verholfen hatte, setzten sie sich noch mehr ein. Seit diesem Gerichtsurteil können unsere Brüder in Dänemark ihre Predigttätigkeit ohne staatliche Behinderung ausüben.
Mutige Zeugen Jehovas in Dänemark (30er-Jahre)
21, 22. Welches Urteil fällte das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten im Fall Murdock?
21 USA. Am Sonntag, den 25. Februar 1940 wurde der Pionier Robert Murdock jun. zusammen mit sieben anderen Zeugen Jehovas festgenommen, als sie in Jeannette predigten, einer Stadt in der Nähe von Pittsburgh (Pennsylvania). Sie wurden verurteilt, weil sie sich keinen Gewerbeschein für das Anbieten von Literatur beschafft hatten. Ihre Berufungsklage wurde vom Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten angenommen.
22 Das Urteil vom 3. Mai 1943 gab Jehovas Zeugen recht. Das Bundesgericht sprach sich gegen das Verlangen eines Gewerbescheins aus, da man „für verfassungsmäßige Rechte keine Abgaben erheben“ dürfe. Es erklärte die städtische Verordnung für ungültig; sie sei „eine Beschneidung der Pressefreiheit und eine Einschränkung des Rechts auf freie Religionsausübung“. Richter William O. Douglas gab die Mehrheitsmeinung des Gerichts wieder, als er über das Werk der Zeugen Jehovas sagte: „Es ist mehr als Predigen und mehr als die Verteilung religiöser Schriften. Es ist eine Kombination aus beidem.“ Er fügte hinzu: „Diese Art religiöser Tätigkeit steht . . . auf derselben hohen Stufe wie der Gottesdienst in den Kirchen und das Predigen von der Kanzel.“
23. Warum sind die Prozesse, die wir 1943 gewannen, heute noch von Bedeutung?
23 Die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts war ein großer Triumph für Gottes Volk. Sie stellte klar, was wir wirklich sind: keine Verkäufer, sondern christliche Prediger. An diesem denkwürdigen Tag im Jahr 1943 gewannen Jehovas Zeugen 12 von 13 Verfahren vor dem Obersten Bundesgericht. Dadurch wurde ein bedeutender Präzedenzfall geschaffen. Das kam uns sehr zugute, als man später erneut unser Recht angriff, öffentlich und von Haus zu Haus zu predigen.
„Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“
24. Wie verhalten wir uns, wenn unsere Predigttätigkeit verboten wird?
24 Als Diener Jehovas schätzen wir es sehr, wenn uns Staaten das Recht zugestehen, die Botschaft vom Königreich bekannt zu machen. Doch wenn uns das verboten wird, ändern wir unsere Vorgehensweise und setzen unsere Tätigkeit so gut es geht fort. Wie die Apostel müssen wir „Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg. 5:29; Mat. 28:19, 20). Gleichzeitig legen wir Rechtsmittel ein, um eine Aufhebung des Verbots zu bewirken. Dazu zwei Beispiele.
25, 26. Wie kam es, dass Jehovas Zeugen in Nicaragua vor den Obersten Gerichtshof gingen, und was war das Ergebnis?
25 Nicaragua. Am 19. November 1952 erschien der Missionar und Zweigdiener Donovan Munsterman auf der Einwanderungsbehörde der Hauptstadt Managua. Man hatte ihn zu Capitán Arnoldo García beordert, der die Behörde leitete. Er teilte Donovan mit, es sei allen Zeugen Jehovas in Nicaragua „verboten, ihre Lehren zu verbreiten und ihre religiöse Tätigkeit voranzutreiben“. Als Grund gab Capitán García an, den Zeugen fehle für ihre Mission die Erlaubnis des Innenministeriums und man beschuldige sie, Kommunisten zu sein. Wer waren die Ankläger? Katholische Geistliche.
Brüder in Nicaragua unter Verbot
26 Bruder Munsterman wandte sich sofort an das Ministerium für Inneres und religiöse Angelegenheiten und an Präsident Anastasio Somoza García. Das brachte jedoch nichts. Daraufhin änderten die Brüder ihre Vorgehensweise. Sie schlossen den Königreichssaal, kamen in kleineren Gruppen zusammen und stellten den Straßendienst ein, verkündigten aber weiter die Botschaft von Gottes Königreich. Gleichzeitig reichten sie beim Obersten Gerichtshof von Nicaragua eine Petition ein, um eine Aufhebung des Verbots zu erreichen. Viele Zeitungen berichteten über das Verbot und den Wortlaut der Petition, und der Oberste Gerichtshof erklärte sich bereit, den Fall anzuhören. Wie ging das Ganze aus? Am 19. Juni 1953 veröffentlichte das Gericht sein einstimmiges Urteil zugunsten von Jehovas Zeugen. Darin hieß es, das Verbot verstoße gegen das verfassungsmäßige Recht auf Rede-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit und das ursprüngliche Verhältnis zwischen dem Staat Nicaragua und Jehovas Zeugen sei wiederherzustellen.
27. Was war an dem Urteil so ungewöhnlich, und wie reagierten die Brüder in Nicaragua auf diesen Erfolg?
27 Die Einwohner Nicaraguas staunten, dass sich der Oberste Gerichtshof auf die Seite der Zeugen Jehovas gestellt hatte. Bis dahin hatte das Gericht Konflikte mit der Kirche vermieden und sich nur selten gegen staatliche Beschlüsse ausgesprochen, weil sowohl der Klerus als auch staatliche Stellen starken Einfluss ausübten. Unsere Brüder führten diesen Erfolg auf den Schutz ihres Königs und auf ihr unbeirrtes Predigen zurück (Apg. 1:8).
28, 29. Wie änderte sich Mitte der 80er-Jahre die Lage in Zaire?
28 Zaire. Mitte der 80er-Jahre gab es rund 35 000 Zeugen Jehovas in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo). Um mit dem stetigen Wachstum Schritt zu halten, baute man ein neues Zweigbüro. Im Dezember 1985 fand in der Hauptstadt Kinshasa ein internationaler Kongress statt. 32 000 Besucher aus vielen verschiedenen Ländern strömten in das dortige Stadion. Doch dann änderte sich die Lage für Jehovas Zeugen.
29 Damals war Bruder Marcel Filteau in Zaire als Missionar eingesetzt. Er stammte aus der kanadischen Provinz Quebec und hatte die Verfolgung unter dem Regime von Duplessis miterlebt. Bruder Filteau berichtete: „Am 12. März 1986 überreichte man den verantwortlichen Brüdern einen Brief, in dem die Vereinigung der Zeugen Jehovas in Zaire für illegal erklärt wurde.“ Das Verbot war von Präsident Mobutu Sese Seko unterzeichnet worden.
30. Vor welcher schwierigen Entscheidung stand das Zweigkomitee, und was wurde beschlossen?
30 Am nächsten Tag wurde landesweit im Radio verkündet: „Jetzt werden wir nie wieder etwas von Jehovas Zeugen hören.“ Augenblicklich setzte Verfolgung ein. Man verwüstete Königreichssäle, und unsere Brüder wurden ausgeraubt, festgenommen, inhaftiert und geschlagen. Sogar Kinder kamen ins Gefängnis. Am 12. Oktober 1988 wurde das Eigentum des Zweigbüros beschlagnahmt und die Miliz besetzte das Grundstück. Die verantwortlichen Brüder wandten sich schriftlich an Präsident Mobutu, erhielten aber keine Antwort. Das Zweigkomitee stand vor einer schwierigen Entscheidung: „Sollen wir vor den Obersten Gerichtshof gehen oder noch warten?“ Timothy Holmes, Missionar und damaliger Koordinator des Zweigkomitees, erinnert sich: „Wir baten Jehova um Weisheit und Anleitung.“ Nach reiflicher Überlegung kam das Zweigkomitee zu dem Schluss, man solle besser noch warten. Stattdessen konzentrierte man sich darauf, für die Brüder und Schwestern da zu sein und Mittel und Wege zu suchen, um weiter predigen zu können.
„Während des Prozesses wurde uns klar, wie Jehova die Lage verändern kann“
31, 32. Welches bedeutende Urteil fällte der Oberste Gerichtshof von Zaire, und wie wirkte es sich auf unsere Brüder aus?
31 Es vergingen mehrere Jahre. Der Druck auf Jehovas Zeugen in Zaire ließ nach und die Menschenrechte zählten mehr. Jetzt hielt es das Zweigkomitee für günstig, den Obersten Gerichtshof anzurufen. Erstaunlicherweise wurde ihr Antrag angenommen. Am 8. Januar 1993, fast sieben Jahre nach dem Beschluss des Präsidenten, entschied das Gericht, das Vorgehen der Regierung sei ungesetzlich und das Verbot müsse rückgängig gemacht werden. Die Richter riskierten Kopf und Kragen, als sie die Entscheidung des Präsidenten für ungültig erklärten. Bruder Holmes sagt: „Während des Prozesses wurde uns klar, wie Jehova die Lage verändern kann“ (Dan. 2:21). Dieser Triumph stärkte den Glauben unserer Brüder. Offensichtlich hatte unser König Jesus seine Nachfolger genau zur richtigen Zeit zum Handeln bewogen.
Zeugen Jehovas in der Demokratischen Republik Kongo freuen sich, Jehova ungehindert dienen zu können
32 Jetzt, wo das Verbot nicht mehr existierte, konnte man Missionare einreisen lassen, ein neues Bethel bauen und biblische Literatur importieren.f Ja, Jehova lässt sein Volk nie im Stich! Das erfüllt seine Diener auf der ganzen Erde mit großer Freude (Jes. 52:10).
„Jehova ist mein Helfer“
33. Was hat uns diese Rückschau gezeigt?
33 Diese Rückschau hat uns gezeigt, dass Jesus sein Versprechen gehalten hat: „Ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Gegner zusammen nicht widerstehen oder widersprechen können.“ (Lies Lukas 21:12-15.) Offensichtlich hat Jehova immer mal wieder zum Schutz seines Volkes einen „Gamaliel“ auftreten lassen oder er hat mutige Richter und Anwälte veranlasst, für das Recht einzutreten. Jehova hat die Waffen unserer Gegner stumpf werden lassen. (Lies Jesaja 54:17.) Kein Widerstand kann Gottes Werk lahmlegen.
34. Warum sind unsere Erfolge vor Gericht so bemerkenswert, und was wird dadurch bewiesen? (Siehe auch den Kasten „Bedeutende Urteile stabilisieren unser Predigtwerk“.)
34 Warum sind unsere Erfolge vor Gericht so bemerkenswert? Jehovas Zeugen sind weder berühmt noch einflussreich. Wir wählen nicht, unterstützen keine Wahlkampagnen und haben keine Lobby. Diejenigen von uns, die vor hohen Gerichten stehen, gelten meistens als „ungelehrte und gewöhnliche Menschen“ (Apg. 4:13). Aus menschlicher Sicht haben die Gerichte also kaum einen Anreiz, unseren mächtigen religiösen und politischen Gegnern Einhalt zu gebieten. Trotzdem haben sie wiederholt zu unseren Gunsten entschieden. Diese Erfolge beweisen, dass wir unseren Weg mit Gott gehen, „in Gemeinschaft mit Christus“ (2. Kor. 2:17). Wie der Apostel Paulus erklären wir: „Jehova ist mein Helfer; ich will mich nicht fürchten“ (Heb. 13:6).
a Cantwell gegen Staat Connecticut war der erste von 43 Prozessen vor dem Obersten Bundesgericht der USA, bei denen Hayden Covington Zeugen Jehovas verteidigte. Bruder Covington starb 1978. Seine Witwe Dorothy diente Jehova treu bis zu ihrem Tod. Sie verstarb 2015 im Alter von 92 Jahren.
b Die Anklage beruhte auf einem Gesetz aus dem Jahr 1606. Danach konnte ein Gericht jemanden schuldig sprechen, wenn es der Ansicht war, er schüre durch seine Aussagen Feindseligkeit — selbst wenn er die Wahrheit sagte.
c Im Jahr 1950 gab es in Quebec 164 Vollzeitprediger. Dazu gehörten 63 Gileadabsolventen, die bereitwillig dorthin gegangen waren, obwohl sie heftiger Widerstand erwartete.
d Bruder W. Glen How war ein mutiger, begabter Anwalt, der von 1943 bis 2003 Hunderte von Prozessen für Jehovas Zeugen in Kanada und anderen Ländern führte.
e Mehr dazu in dem Artikel „ ‚Nicht euer ist die Schlacht, sondern Gottes‘ “ (Erwachet!, 22. April 2000, Seite 18—24).
f Die Miliz räumte schließlich die Zweiggebäude. Das neue Bethel entstand an einem anderen Ort.
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Loyal auf der Seite der Regierung GottesGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 14
Loyal auf der Seite der Regierung Gottes
1, 2. (a) Von welchem Grundsatz lassen sich Jesu Nachfolger bis heute leiten? (b) Wie wurden wir bekämpft, und wie ging die Sache aus?
VOR Pilatus, dem mächtigsten weltlichen Richter der Juden, äußerte Jesus einen Grundsatz, von dem sich seine wahren Nachfolger bis heute leiten lassen. „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt“, sagte er. „Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher“ (Joh. 18:36). Pilatus ließ Jesus hinrichten, doch dieser Sieg war nur von kurzer Dauer; Jesus wurde auferweckt. Danach versuchten verschiedene Kaiser des riesigen Römischen Reichs, Christi Nachfolger aus dem Weg zu räumen, jedoch ohne Erfolg. Die Botschaft von Gottes Königreich breitete sich in der ganzen damaligen Welt aus (Kol. 1:23).
2 Nachdem das Königreich 1914 aufgerichtet worden war, wollten einige der stärksten Militärmächte, die es je gab, Gottes Volk auslöschen. Doch keiner einzigen von ihnen ist das gelungen. Viele Staaten und politische Gruppierungen versuchten, uns auf ihre Seite zu zwingen und so einen Keil zwischen uns zu treiben — vergebens. Obwohl die Untertanen des Königreiches Gottes über die ganze Erde verstreut leben, sind sie in einer weltweiten Bruderschaft vereint, die sich konsequent aus der Politik heraushält. Unsere Einheit liefert den überzeugenden Beweis, dass Gottes Königreich regiert und der König Jesus Christus seine Untertanen weiterhin anleitet, läutert und beschützt. Wie tut er das? Und zu welchen glaubensstärkenden gerichtlichen Erfolgen hat er uns verholfen, weil wir uns unbeirrt von der Welt getrennt halten? (Joh. 17:14).
Eine Frage steht im Brennpunkt
3, 4. (a) Was geschah nach der Geburt des Königreiches? (b) Hat Gottes Volk von Anfang an verstanden, was alles mit politischer Neutralität verbunden ist?
3 Nach der Geburt des Königreiches wütete im Himmel ein Krieg. Daraufhin wurde Satan zur Erde hinuntergestürzt. (Lies Offenbarung 12:7-10, 12.) Auch auf der Erde tobte ein Krieg, der die Entschlossenheit der Diener Gottes auf die Probe stellen würde. Wie Jesus wollten sie kein Teil der Welt sein. Sie verstanden aber nicht gleich, was alles mit politischer Neutralität verbunden ist.
4 In dem 1904 erschienenen sechsten Band der Serie Millennium-Tagesanbruch wurde Christen von der Teilnahme am Krieg abgeraten.a Im Fall einer Einberufung solle man sich um eine Art waffenlosen Dienst bemühen. Würde man dennoch an die Front geschickt, solle man sicherstellen, dass man niemanden tötet. Herbert Senior aus Großbritannien, der sich 1905 taufen ließ, sagte über die damalige Situation: „Unter den Brüdern herrschte große Verwirrung. Es gab keine klare Richtlinie, ob es richtig sei, als Soldat waffenlosen Dienst zu leisten.“
5. Welches klarere Verständnis lieferte Der Wacht-Turm (engl.) vom 1. September 1915?
5 Der Wacht-Turm (engl.) vom 1. September 1915 lieferte jedoch ein etwas klareres Verständnis. Über die Empfehlungen in den Schriftstudien wurde gesagt: „Die Frage ist, ob ein solches Verhalten nicht darauf hinausläuft, von unseren christlichen Grundsätzen abzurücken.“ Was aber, wenn ein Christ wegen seiner Weigerung, eine Uniform zu tragen und Kriegsdienst zu leisten, mit Erschießung rechnen musste? Der Artikel argumentierte: „Was wäre schlimmer: erschossen zu werden, weil man gegenüber dem Friedensfürsten loyal und gehorsam ist, oder erschossen zu werden, weil man zumindest dem Anschein nach die irdischen Könige unterstützt und von den Geboten des himmlischen Königs abweicht? Von den beiden Todesarten würden wir die erste vorziehen und lieber in Treue zu unserem himmlischen König sterben.“ Nach dieser kernigen Aussage hieß es allerdings abschließend: „Wir drängen nicht zu dieser Haltung, sondern raten lediglich dazu.“
6. Was kann man aus dem Beispiel Herbert Seniors lernen?
6 Für manche Brüder war die Sache klar und sie gingen unbeirrt ihren Weg. Der schon erwähnte Herbert Senior sagte: „Für mich läuft es auf das Gleiche hinaus, Munition von einem Schiff abzuladen [waffenloser Dienst] oder mit dieser Munition Waffen zum Abfeuern zu beladen“ (Luk. 16:10). Bruder Senior wurde wegen Kriegsdienstverweigerung ins Gefängnis gesperrt. Er und vier weitere Brüder gehörten zu einer Gruppe von sechzehn Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen, unter denen sich auch Männer anderer Religionszugehörigkeit befanden. Sie alle kamen in das Gefängnis von Richmond. Eines Tages wurde Herbert zusammen mit anderen heimlich an die französische Front transportiert. Dort verurteilte man sie zum Tod durch Erschießen. Sie mussten sich alle vor einem Hinrichtungskommando in einer Reihe aufstellen, aber nichts passierte. Stattdessen änderte man das Urteil auf zehn Jahre Gefängnis ab.
Simon Kraker wurde bewusst, „dass Gottes Volk selbst angesichts eines drohenden Krieges mit jedem Frieden halten muss“ (Siehe Absatz 7)
7. Was hatten Gottes Diener zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erkannt?
7 Bis zum Zweiten Weltkrieg gewann Jehovas Volk als Ganzes ein noch besseres Verständnis, was es bedeutete, dem Beispiel Jesu zu folgen und politisch neutral zu sein (Mat. 26:51-53; Joh. 17:14-16; 1. Pet. 2:21). Im Wachtturm vom 1. Dezember 1939 erschien der richtungsweisende Artikel „Neutralität“. Darin hieß es: „Der Grundsatz, durch den sich Jehovas Bundesvolk jetzt leiten lassen muss, ist der der strikten Neutralität unter den Krieg führenden Nationen.“ Simon Kraker, der später im Brooklyner Bethel tätig war, sagte über diesen Artikel: „Mir wurde dadurch bewusst, dass Gottes Volk selbst angesichts von Kriegsdrohungen mit jedem Frieden halten muss.“ Diese geistige Speise kam zur richtigen Zeit und wappnete Gottes Diener für einen beispiellosen Angriff auf ihre Loyalität gegenüber dem Königreich.
Widerstand, der wie ein „Strom“ hervorbricht
8, 9. Wie erfüllte sich die Prophezeiung des Apostels Johannes?
8 Der Apostel Johannes prophezeite für die Zeit nach der Geburt des Königreiches im Jahr 1914 Folgendes: Satan, der Drache, würde einen Strom aus seinem Maul speien, um die Unterstützer des Königreiches zu ertränken.b (Lies Offenbarung 12:9, 15.) Wie erfüllte sich das? Von den 20er-Jahren an gab es eine Flut von Angriffen auf Gottes Volk. Viele amerikanische Brüder, darunter auch Bruder Kraker, kamen während des Zweiten Weltkriegs wegen ihrer Treue zum Königreich ins Gefängnis. Damals waren in den US-Bundesgefängnissen gut zwei Drittel aller Kriegsdienstverweigerer aus religiösen Gründen Zeugen Jehovas.
9 Der Teufel und seine Unterstützer wollten überall auf der Erde die Untertanen des Königreiches von ihrer Treue abbringen. In Afrika, Europa und den Vereinigten Staaten wurden sie vor Gerichte und Prüfungsausschüsse zitiert. Wegen ihrer unerschütterlichen neutralen Haltung wurden sie inhaftiert, geschlagen und verstümmelt. Im nationalsozialistischen Deutschland setzte man sie enorm unter Druck, weil sie den Hitlergruß verweigerten und die Kriegsanstrengungen nicht unterstützten. Laut einer Enzyklopädie kamen schätzungsweise 6 000 ins Gefängnis und/oder Konzentrationslager und über 1 600 Zeugen Jehovas aus Deutschland und anderen Ländern verloren durch ihre Peiniger das Leben. Dennoch konnte der Teufel dem Volk Gottes keinen bleibenden Schaden zufügen (Mar. 8:34, 35).
Die „Erde“ verschlingt den „Strom“
10. Was ist mit der „Erde“ gemeint, und wie ist sie für Gottes Volk eingetreten?
10 In der Prophezeiung des Apostels Johannes verschlingt die „Erde“ — gemäßigte Kräfte im heutigen System — den „Strom“ der Verfolgung und kommt so dem Volk Gottes zu Hilfe. Wie hat sich dieser Teil der Prophezeiung erfüllt? In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ist die „Erde“ oft für die treuen Unterstützer des messianischen Königreichs eingetreten. (Lies Offenbarung 12:16.) Viele hohe Instanzen haben das Recht der Zeugen Jehovas verteidigt, den Wehrdienst und die Teilnahme an patriotischen Zeremonien zu verweigern. Sehen wir uns zunächst einige bedeutende Erfolge an, die Jehova seinem Volk in Sachen Militärdienst geschenkt hat (Ps. 68:20).
11, 12. Womit wurden Bruder Sicurella und Bruder Thlimmenos konfrontiert, und wie ging die Sache aus?
11 Vereinigte Staaten. Anthony Sicurella und seine fünf Geschwister wuchsen als Zeugen Jehovas auf. Mit 15 Jahren ließ sich Anthony taufen. Als er 21 wurde, musste er sich bei der Einberufungsbehörde melden und wurde als Prediger registriert. Zwei Jahre später, 1950, wollte er den Eintrag auf Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen abändern lassen. Obwohl er laut FBI ein einwandfreies Führungszeugnis hatte, lehnte das Justizministerium den Antrag ab. Nachdem der Fall mehrere Instanzen durchlaufen hatte, kam er vor das Oberste Bundesgericht, das Bruder Sicurella recht gab. Von diesem Grundsatzurteil profitierten auch andere US-Bürger, die den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnten.
12 Griechenland. 1983 wurde Iakovos Thlimmenos wegen Gehorsamsverweigerung verurteilt; er hatte es abgelehnt, eine Militäruniform zu tragen. Nach seiner Entlassung aus der Haft wollte er als Wirtschaftsprüfer arbeiten, erhielt aber keine Zulassung, weil er als vorbestraft galt. Er ging vor Gericht, verlor aber in allen Instanzen. Daraufhin wandte er sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Im Jahr 2000 entschied die mit 17 Richtern besetzte Große Kammer des EGMR zu seinen Gunsten. Damit wurde ein Präzedenzfall gegen Diskriminierung geschaffen. Über 3 500 Brüder, die wegen ihrer neutralen Haltung im Gefängnis gesessen hatten, galten bis dahin als vorbestraft. Doch nun wurde in Griechenland ein Gesetz verabschiedet, wonach diese Einträge aus dem Strafregister gelöscht werden mussten. Seit einigen Jahren haben außerdem alle griechischen Bürger das Recht, einen alternativen zivilen Dienst abzuleisten. Dieses Recht wurde bei der jüngsten Verfassungsreform bestätigt.
„Bevor ich den Gerichtssaal betrat, betete ich inständig zu Jehova und wurde auf einmal ganz ruhig“ (Iwailo Stefanow) (Siehe Absatz 13)
13, 14. Worin gaben uns Iwailo Stefanow und Wahan Bajatjan ein gutes Beispiel?
13 Bulgarien. Iwailo Stefanow war 19, als er im Jahr 1994 einberufen wurde. Er weigerte sich Soldat zu werden und war auch nicht bereit, einen dem Militär unterstehenden waffenlosen Dienst zu leisten. Daraufhin verurteilte man ihn zu 18 Monaten Haft. Er focht das Urteil an und berief sich dabei auf sein Recht, aus Gewissensgründen den Kriegsdienst zu verweigern. Schließlich erklärte sich der EGMR bereit, den Fall anzuhören. Doch noch ehe es dazu kam, wurde die Sache 2001 friedlich beigelegt. Die Regierung begnadigte Bruder Stefanow und räumte gleichzeitig allen bulgarischen Bürgern die Möglichkeit eines alternativen zivilen Dienstes ein.c
14 Armenien. Wahan Bajatjan sollte 2001 der Wehrpflicht Folge leisten.d Er lehnte dies aus Gewissensgründen ab, doch kein armenisches Gericht ließ seinen Standpunkt gelten. Im September 2002 musste er seine 30-monatige Gefängnisstrafe antreten, die aber nach zehneinhalb Monaten ausgesetzt wurde. Während der Haft rief er den EGMR an und seine Beschwerde wurde zugelassen. Am 27. Oktober 2009 entschied allerdings auch dieses Gericht gegen ihn. Das war für die Brüder in Armenien, die sich in derselben Lage befanden, eine große Enttäuschung. Dann aber befasste sich die Große Kammer des EGMR mit dem Fall. Am 7. Juli 2011 entschied sie zugunsten von Wahan Bajatjan. Damit erkannte der EGMR zum ersten Mal an, dass die Wehrdienstverweigerung aufgrund der religiösen Überzeugung durch die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit geschützt ist. Dieses Urteil wahrt nicht nur die Rechte von Zeugen Jehovas. Hunderte von Millionen Bürger in den Ländern, die dem Europarat angehören, profitieren davon.e
Brüder in Armenien, die nach einem günstigen Urteil des EGMR aus der Haft entlassen wurden
Nationalistische Zeremonien
15. Warum nehmen Jehovas Zeugen nicht an nationalistischen Zeremonien teil?
15 Aus Loyalität gegenüber dem messianischen Königreich verweigern wir nicht nur den Kriegsdienst, sondern nehmen auch respektvoll Abstand von nationalistischen Zeremonien. Besonders nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Welt von einer Woge des Nationalismus überflutet. Viele Länder haben von ihren Bürgern verlangt, ein Treuegelöbnis abzulegen, die Nationalhymne zu singen oder die Fahne zu grüßen. Unsere ausschließliche Ergebenheit gehört jedoch Jehova (2. Mo. 20:4, 5). Diese Haltung löste eine Flut der Verfolgung aus. Und wieder ließ Jehova „die Erde“ zu Hilfe kommen, um den Widerstand einzudämmen. Sehen wir uns einige bedeutende Erfolge an, zu denen uns Jehova durch Christus verholfen hat (Ps. 3:8).
16, 17. Welcher Herausforderung mussten sich Lillian und William Gobitas stellen, und was kann man von ihnen lernen?
16 Vereinigte Staaten. 1940 entschieden im Fall Schulbezirk Minersville gegen Gobitis acht der neun Richter am Obersten Bundesgericht gegen Jehovas Zeugen. Die 12-jährige Lillian Gobitasf und ihr 10-jähriger Bruder William hatten sich aus Treue zu Jehova geweigert, die Fahne zu grüßen und das Treuegelöbnis aufzusagen. Sie wurden deswegen von der Schule verwiesen. Das Oberste Bundesgericht beurteilte das Verhalten der Schule als verfassungskonform, weil es die „nationale Einheit“ fördere. Dieses Urteil löste eine Lawine von Übergriffen aus. Man verweigerte noch weiteren Kindern von Zeugen Jehovas den Schulbesuch, erwachsene Brüder und Schwestern verloren ihre Arbeit und eine Anzahl wurde Opfer grausamer Pöbelangriffe. Einem Autor zufolge war die „Verfolgung der Zeugen Jehovas von 1941 bis 1943 der größte Ausbruch religiöser Intoleranz im Amerika des 20. Jahrhunderts“ (The Lustre of Our Country).
17 Der Erfolg der Feinde Gottes war indessen nur von kurzer Dauer. 1943 befasste sich das Oberste Bundesgericht mit einem ähnlichen Fall wie dem Rechtsstreit Gobitis. Es ging um das Verfahren Staatliche Schulbehörde von West Virginia gegen Barnette. Diesmal gab das Oberste Bundesgericht Jehovas Zeugen recht. Noch nie in der amerikanischen Geschichte hatte dieser Gerichtshof in so kurzer Zeit eine Kehrtwendung gemacht. Nach der Urteilsverkündung ließen die ungehemmten Angriffe auf Jehovas Zeugen in den USA deutlich nach. Der Prozess stärkte die Rechte aller amerikanischen Bürger.
18, 19. Was sagte Pablo Barros darüber, warum er stark bleiben konnte? Wie kann man es ihm gleichtun?
18 Argentinien. Pablo und Hugo Barros (8 und 7 Jahre alt) wurden 1976 von der Schule verwiesen, weil sie die Teilnahme an einer Fahnengrußzeremonie verweigert hatten. Einmal war Pablo von der Rektorin gestoßen und auf den Kopf geschlagen worden. Nach der Schule hatte sie eine Stunde lang versucht, die beiden Jungen zu patriotischen Handlungen zu zwingen. Über dieses traumatische Erlebnis sagte Pablo: „Ohne die Hilfe Jehovas hätte ich dem Druck nie standhalten können.“
19 Der Richter, der den Fall behandelte, hielt es für angemessen, Pablo und Hugo vom Schulunterricht auszuschließen. Man wandte sich daraufhin an den Obersten Gerichtshof von Argentinien. 1979 wurde das Urteil der unteren Instanz umgestoßen mit der Begründung: „Besagte Strafe [der Schulausschluss] verstößt gegen das verfassungsmäßige Recht zu lernen (Artikel 14) und ist unvereinbar mit der Pflicht des Staates, eine elementare Schulbildung zu gewährleisten (Artikel 5).“ Dieser Prozessausgang kam rund 1 000 Kindern von Zeugen Jehovas zugute. Die einen durften auf der Schule bleiben, die anderen wie Pablo und Hugo wurden wieder aufgenommen.
Viele Kinder von Zeugen Jehovas sind unter Erprobungen treu geblieben
20, 21. Wieso sind die Erlebnisse der Familie Embralinag glaubensstärkend?
20 Philippinen. 1990 verwies man den 9-jährigen Roel Embralinagg, seine 10-jährige Schwester Emily und mehr als 65 weitere Kinder von Zeugen Jehovas von der Schule, weil sie die Fahne nicht gegrüßt hatten. Leonardo, der Vater von Roel und Emily, versuchte vergeblich, die Schulleitung zum Einlenken zu bewegen. Die Lage spitzte sich immer mehr zu, sodass er schließlich eine Eingabe an den Obersten Gerichtshof richtete. Allerdings hatte Leonardo weder Geld noch einen Anwalt, der ihn vertrat. Die Familie betete inbrünstig zu Jehova. Die ganze Zeit über wurden die Kinder ausgelacht und beschimpft. Leonardo rechnete sich keine Chancen aus, den Fall zu gewinnen, da er keinerlei juristische Vorbildung besaß.
21 Doch dann wurde die Familie von Felino Ganal vertreten, einem Anwalt, der früher für eine der angesehensten Kanzleien des Landes arbeitete. Inzwischen war er ein Zeuge Jehovas geworden. Der Oberste Gerichtshof entschied einstimmig zugunsten von Jehovas Zeugen und ordnete an, die Schulausschlüsse rückgängig zu machen. Wieder einmal war es nicht gelungen, die Treue der Diener Gottes zu brechen.
Unsere neutrale Haltung fördert die Einheit
22, 23. (a) Warum konnten wir so viele entscheidende Prozesse gewinnen? (b) Was wird durch die Existenz unserer weltweiten friedlichen Bruderschaft bewiesen?
22 Warum konnten wir so viele entscheidende Prozesse gewinnen, wo wir doch keinerlei politischen Einfluss haben? In einem Land nach dem anderen und vor zahllosen Gerichten haben unvoreingenommene Richter bösartige Attacken gegen uns abgewendet und durch Grundsatzurteile unsere verfassungsmäßigen Rechte bestätigt. Ganz klar, bei diesen Verfahren hat Christus hinter uns gestanden. (Lies Offenbarung 6:2.) Wenn wir vor Gericht ziehen, verfolgen wir nicht die Absicht, die Rechtsordnung zu reformieren. Wir möchten einfach sicherstellen, dass wir unserem König Jesus Christus ungehindert dienen können (Apg. 4:29).
23 In einer Welt, die durch politische Streitigkeiten und tief sitzende Hassgefühle zerrissen ist, sind wir neutral geblieben und wurden dafür von unserem König Jesus Christus gesegnet. Satan konnte uns nicht entzweien oder besiegen. Das Königreich hat erreicht, dass Millionen „den Krieg nicht mehr lernen“. Die Existenz einer weltweiten friedlichen Bruderschaft ist ein Wunder und beweist über jeden Zweifel erhaben: Gottes Königreich regiert! (Jes. 2:4).
a Dieser Band ist betitelt Die Neue Schöpfung. Später wurde die Serie in Schriftstudien umbenannt.
b Mehr zu dieser Prophezeiung findet man in dem Buch Die Offenbarung — ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!, Kapitel 27, Seite 184 bis 186.
c Die bulgarische Regierung verpflichtete sich dazu, allen Wehrdienstverweigerern einen alternativen zivilen Dienst anzubieten, der einer Zivilbehörde unterstand.
d Weitere Einzelheiten findet man im Artikel „Europäischer Gerichtshof stärkt Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen“ im Wachtturm vom 1. November 2012.
e In einem Zeitraum von 20 Jahren wurden in Armenien über 450 junge Zeugen Jehovas inhaftiert. Die letzten dieser Häftlinge kamen im November 2013 frei.
f Der Nachname wurde im Gerichtsprotokoll falsch geschrieben.
g Der Nachname wurde im Gerichtsprotokoll Ebralinag geschrieben.
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Wir kämpfen für unser Recht auf freie ReligionsausübungGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 15
Wir kämpfen für unser Recht auf freie Religionsausübung
1, 2. (a) Wie beweist man, dass man ein Bürger des Königreiches Gottes ist? (b) Warum mussten Jehovas Zeugen hin und wieder für die Religionsfreiheit kämpfen?
ALS Zeuge Jehovas bist du ein Bürger des Königreiches Gottes. Diese „Staatsbürgerschaft“ kannst du natürlich nicht durch einen Personalausweis, einen Reisepass oder eine ähnliche Urkunde belegen. Den Nachweis lieferst du vielmehr durch deine Lebensführung als Diener Jehovas. Dazu gehört nicht nur dein Glaube, sondern auch deine Achtung vor den Gesetzen des Königreiches Gottes. Dies berührt jeden Lebensbereich, auch dein Familienleben und deine Entscheidungen in Gesundheitsfragen.
2 Unsere „Staatsbürgerschaft“ und die Gesetze der Regierung Gottes bedeuten uns allen ungeheuer viel. Das wird von unserem Umfeld allerdings nicht immer gern gesehen. Hier und dort hat man versucht, unsere Religionsausübung zu behindern oder völlig zu unterbinden. Zuweilen mussten wir für das Recht kämpfen, nach den Gesetzen unseres Königs Jesus Christus zu leben. Sollte uns das überraschen? Nein. Auch in biblischer Zeit musste Jehovas Volk oft für die freie Religionsausübung kämpfen.
3. Welcher Herausforderung sah sich Gottes Volk in den Tagen Königin Esthers gegenüber?
3 In den Tagen Königin Esthers beispielsweise stand das Leben von Gottes Volk in Gefahr. Haman, der höchste Würdenträger im Perserreich — ein gemeiner Schurke —, riet König Ahasverus, alle Juden in seinem Herrschaftsgebiet töten zu lassen. Der Grund? „Ihre Gesetze sind verschieden von denen jedes anderen Volkes“ (Esth. 3:8, 9, 13). Ließ Jehova seine Anbeter im Stich? Auf keinen Fall! Er schenkte Esther und Mordechai Gelingen, als sie den persischen König um Schutz für Gottes Volk ersuchten (Esth. 9:20-22).
4. Worum geht es in diesem Kapitel?
4 Wie ist es heute? Wir haben bereits im vorigen Kapitel gesehen, dass uns mitunter von staatlicher Seite Widerstand geleistet wurde. Jetzt geht es speziell darum, wie man versucht hat, unsere Religionsausübung einzuschränken. Es werden drei Bereiche beleuchtet: (1) unser Recht, eine Religionsgemeinschaft zu bilden und unseren Glauben zu praktizieren; (2) unsere Freiheit, eine medizinische Behandlung in Übereinstimmung mit biblischen Grundsätzen zu wählen, und (3) das Recht der Eltern, ihre Kinder nach den Maßstäben Jehovas zu erziehen. In jedem Bereich werden wir sehen, wie loyale Bürger des messianischen Königreiches tapfer dafür gekämpft haben, ihre kostbare „Staatsbürgerschaft“ zu behalten, und wie sie für ihren Einsatz gesegnet wurden.
Rechtliche Anerkennung und Grundfreiheiten erkämpft
5. Welche Vorteile bietet uns die rechtliche Anerkennung?
5 Sind wir auf staatliche Anerkennung angewiesen, um Jehova dienen zu können? Das nicht, aber die rechtliche Anerkennung macht es uns leichter, unseren Glauben zu praktizieren. Wir können uns dann zum Beispiel ungehindert zu unseren Zusammenkünften und Kongressen versammeln, biblische Literatur drucken oder einführen und offen mit anderen über die gute Botschaft sprechen. In vielen Ländern sind Jehovas Zeugen amtlich registriert und genießen dieselbe Glaubensfreiheit wie andere anerkannte Religionsgemeinschaften. Was aber, wenn man uns die rechtliche Anerkennung verweigert oder unsere Grundfreiheiten beschneiden will?
6. Welche Schwierigkeiten hatten Jehovas Zeugen Anfang der 40er-Jahre in Australien durchzustehen?
6 Australien. Anfang der 40er-Jahre bezeichnete der Generalgouverneur von Australien unsere Glaubensansichten als „wehrkraftzersetzend“. Unser Werk wurde verboten. Jehovas Zeugen konnten nicht mehr öffentlich zusammenkommen oder predigen, die Tätigkeit im Bethel wurde lahmgelegt und die Königreichssäle wurden beschlagnahmt. Man durfte noch nicht einmal Literatur von Jehovas Zeugen besitzen. Nachdem unsere Brüder in Australien mehrere Jahre im Untergrund tätig gewesen waren, kam endlich Erleichterung. Am 14. Juni 1943 erklärte das Oberste Bundesgericht von Australien das Verbot für ungültig.
7, 8. Wie haben Jehovas Zeugen in Russland im Laufe der Jahre für eine freie Religionsausübung gekämpft?
7 Russland. Vor ihrer Registrierung im Jahr 1991 waren Jehovas Zeugen unter dem kommunistischen Regime jahrzehntelang verboten gewesen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden sie 1992 in der Russischen Föderation rechtlich anerkannt. Es kam zu einem rapiden Wachstum, das allerdings besonders der russisch-orthodoxen Kirche nicht behagte. Von 1995 bis 1998 wurden fünf Ermittlungsverfahren gegen Jehovas Zeugen eingeleitet. In keinem Fall konnte die Staatsanwaltschaft eine Straftat nachweisen. 1998 strengten die verbissenen Gegner dann eine Zivilklage an. Diese wurde abgewiesen, doch die Gegner gingen in Berufung, und im Mai 2001 verloren Jehovas Zeugen das Verfahren. Im Oktober wurde der Fall wieder aufgenommen. Der Ausgang? 2004 wurde entschieden, die Rechtskörperschaft der Zeugen Jehovas in Moskau aufzulösen und ihre Tätigkeit zu untersagen.
8 Es kam zu einer Verfolgungswelle. (Lies 2. Timotheus 3:12.) Jehovas Zeugen wurden schikaniert und tätlich angegriffen. Man beschlagnahmte ihre Literatur, und es war so gut wie unmöglich, Versammlungssäle zu mieten oder zu bauen. Wie muss das unsere Brüder und Schwestern getroffen haben! Sie hatten sich bereits 2001 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gewandt, und 2004 lieferten sie dem Gericht zusätzliches Material. 2010 fiel schließlich die Entscheidung. Der EGMR wertete das Verbot der Zeugen Jehovas in Russland ganz klar als Ausdruck religiöser Intoleranz. Die Urteile der russischen Gerichte seien unrechtmäßig, da man keinem Zeugen Jehovas eine Straftat nachweisen könne. Das Verbot ziele darauf ab, Jehovas Zeugen ihrer Rechte zu berauben. Der EGMR sprach ihnen das Recht auf freie Religionsausübung zu. Obwohl sich verschiedene russische Behörden nicht an die Entscheidung dieses Gerichts halten, hat der Erfolg unseren Brüdern viel Mut gemacht.
Titos Manoussakis (Siehe Absatz 9)
9—11. Wie haben Jehovas Zeugen in Griechenland für ihre Versammlungsfreiheit gekämpft, und wie ging die Sache aus?
9 Griechenland. 1983 mietete Titos Manoussakis in Iraklion (Kreta) einen Versammlungsraum für eine kleine Gruppe von Zeugen Jehovas (Heb. 10:24, 25). Es dauerte jedoch nicht lange und ein orthodoxer Priester erstattete deswegen Anzeige. Warum? Einfach nur, weil die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas von denen der orthodoxen Kirche abweichen! Die Staatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren gegen Titos Manoussakis und drei andere Zeugen Jehovas ein. Sie wurden zu einer Geldstrafe und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Als loyale Bürger des Königreiches Gottes konnten die Brüder diese Beschneidung ihrer Religionsausübung nicht hinnehmen. Deshalb kämpften sie sich durch alle Instanzen und riefen schließlich den EGMR an.
10 Im Jahr 1996 mussten die Gegner eine herbe Niederlage einstecken. Der EGMR stellte fest, dass „Jehovas Zeugen unter die im griechischen Gesetz vorgesehene Definition ‚bekannte Religion‘ fallen“ und dass die Entscheidung der griechischen Gerichte „einen Eingriff in ihr Recht auf Freiheit der Religionsausübung darstellt“. Der griechische Staat dürfe nicht bestimmen, „ob Glaubensansichten oder die Methoden, wie diese Glaubensansichten vertreten werden, legitim sind“. Die Verurteilung der Brüder wurde aufgehoben und ihr Recht auf freie Religionsausübung bestätigt.
11 War die Angelegenheit damit erledigt? Leider nicht. Ein ähnlicher Fall in Kassandria führte zu einem 12 Jahre langen Rechtsstreit, der erst 2012 beigelegt wurde. Diesmal kam der Widerstand von einem orthodoxen Bischof. Der Staatsrat, das höchste Verwaltungsgericht in Griechenland, entschied jedoch zu unseren Gunsten. Das Urteil verwies auf die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit in Griechenland und widerlegte den oft erhobenen Vorwurf, Jehovas Zeugen seien keine bekannte Religion. Es hieß: „ ‚Jehovas Zeugen‘ legen ihre Lehren offen dar und bilden folglich eine bekannte Religion.“ Die kleine Versammlung in Kassandria ist froh, dass sie jetzt in ihrem eigenen Königreichssaal zusammenkommen kann.
12, 13. Wie hat man in Frankreich „durch Verordnung“ Unheil geschmiedet, und wie war der Ausgang?
12 Frankreich. Es kommt vor, dass Gegner des Volkes Gottes auf den Plan treten und man „durch Verordnung Unheil schmiedet“. (Lies Psalm 94:20.) Mitte der 90er-Jahre beispielsweise wurde eine der Rechtskörperschaften der Zeugen Jehovas in Frankreich, die Association Les Témoins de Jéhovah (ATJ), einer Rechnungsprüfung unterzogen. Der Haushaltsminister verriet die wahre Absicht dahinter, als er sagte: „Die Rechnungsprüfung könnte zu einem Liquidations- oder Strafverfahren . . . führen, das die Handlungsfähigkeit der Vereinigung beeinträchtigen oder sie zwingen würde, ihre Aktivitäten in unserem Gebiet einzustellen.“ Obwohl die Prüfung keine Unregelmäßigkeiten ergab, wurde die ATJ mit einer erdrückenden Steuer belegt. Hätte die Taktik Erfolg gehabt, dann wäre unseren Brüdern kaum etwas anderes übrig geblieben, als das Bethel zu schließen und die Gebäude zu verkaufen. Sonst hätten sie die enorme Summe nicht aufbringen können. Das war ein schwerer Schlag, aber Gottes Volk gab nicht auf. Jehovas Zeugen protestierten energisch gegen diese ungerechte Behandlung und brachten den Fall 2005 schließlich vor den EGMR.
13 Das Urteil wurde am 30. Juni 2011 verkündet. Laut EGMR schließt Religionsfreiheit aus, dass der Staat die Zulässigkeit von Glaubensansichten und Glaubensäußerungen bewertet — außer in Extremfällen. Die Richter stellten fest, dass der Glaubensgemeinschaft durch die Steuer die „notwendigen finanziellen Mittel entzogen“ wurden, sodass sie „praktisch nicht mehr in der Lage war, für ihre Anhänger die freie Ausübung ihrer Religion zu sichern“. Das Gericht entschied einstimmig zugunsten von Jehovas Zeugen. Es herrschte große Freude unter Gottes Volk, als der französische Staat die Steuer zuzüglich Zinsen an die ATJ zurückzahlte und, wie vom Gericht verfügt, seine Ansprüche auf das Eigentum von Jehovas Zeugen zurücknahm.
Es ist wichtig, immer wieder für Brüder und Schwestern zu beten, die unter Ungerechtigkeiten, Schikane oder Verfolgung leiden
14. Wie können wir als Einzelne den Kampf um freie Religionsausübung unterstützen?
14 Wie Esther und Mordechai in biblischer Zeit kämpfen Jehovas Diener auch heute für ihre Freiheit, ihren Glauben so zu praktizieren, wie es Jehova geboten hat (Esth. 4:13-16). Wie kannst du diesen Kampf unterstützen? Indem du immer wieder für Brüder und Schwestern betest, die unter Ungerechtigkeiten, Schikane oder Verfolgung leiden. Solche Gebete können viel bewirken. (Lies Jakobus 5:16.) An unseren Erfolgen vor Gericht sieht man, dass Jehova wirklich etwas bewegt (Heb. 13:18, 19).
Das Recht, nach dem eigenen Gewissen über eine medizinische Behandlung zu entscheiden
15. Worauf achten Jehovas Zeugen beim Thema Blut?
15 Wie in Kapitel 11 erörtert, vertreten die Bürger von Gottes Königreich einen klaren biblischen Standpunkt zum Thema Blut, und das in einer Welt, in der Missbrauch von Blut üblich geworden ist (1. Mo. 9:5, 6; 3. Mo. 17:11; lies Apostelgeschichte 15:28, 29). Wenn wir auch Bluttransfusionen ablehnen, so wünschen wir doch die bestmögliche ärztliche Behandlung für uns und unsere Familie, vorausgesetzt sie widerspricht nicht Gottes Geboten. Die höchsten Gerichtshöfe vieler Staaten gestehen Patienten das Recht zu, in Behandlungsfragen nach ihrem Gewissen und ihren Glaubensansichten zu entscheiden. In manchen Ländern hat man jedoch versucht, Zeugen Jehovas wegen ihrer Haltung einzuschüchtern. Es folgen einige Beispiele.
16, 17. Welchen Schock erlitt eine Schwester in Japan, und wie wurden ihre Gebete erhört?
16 Japan. Misae Takeda, eine 63-jährige Hausfrau, musste sich einer schweren Operation unterziehen. Als loyale Bürgerin des Königreiches Gottes erklärte sie ihrem Arzt ausdrücklich, sie wünsche ohne Blut behandelt zu werden. Monate später erfuhr sie zu ihrem Entsetzen, dass man ihr während des Eingriffs dennoch Blut übertragen hatte. Sie empfand das als Verrat und Körperverletzung. Im Juni 1993 verklagte sie die Ärzte und das Krankenhaus. Diese bescheidene, sanfte Frau hatte einen unerschütterlichen Glauben. Beherzt sagte sie vor Gericht aus und verharrte trotz schwindender Kräfte über eine Stunde lang im Zeugenstand. Einen Monat vor ihrem Tod erschien sie zum letzten Mal im Gerichtssaal. Schwester Takeda bewies bewundernswerten Mut und Glauben. Sie sagte, sie habe Jehova unaufhörlich um seinen Segen für diesen Kampf angefleht und glaube fest daran, dass ihre Gebete erhört würden. Wie ging die Sache weiter?
17 Drei Jahre nach Schwester Takedas Tod bestätigte der Oberste Gerichtshof von Japan, dass es rechtswidrig war, ihr gegen ihren ausdrücklichen Willen Blut zu transfundieren. Gemäß dem Urteil vom 29. Februar 2000 muss in solchen Fällen die Entscheidungsfreiheit „als Persönlichkeitsrecht respektiert werden“. Schwester Takeda hat entschlossen für ihr Recht gekämpft, in Behandlungsfragen nach ihrem biblisch ausgerichteten Gewissen zu entscheiden. Heute brauchen Jehovas Zeugen in Japan deshalb bei medizinischen Eingriffen keine Angst mehr vor einer aufgezwungenen Bluttransfusion zu haben.
Pablo Albarracini (Siehe Absatz 18—20)
18—20. (a) Wie wurde die Patientenverfügung eines Zeugen Jehovas in Argentinien respektiert? (b) Wie können wir beim Thema Blut beweisen, dass wir loyal zu Christus stehen?
18 Argentinien. Wie kann ein Bürger des Königreiches sicherstellen, dass im Fall einer Bewusstlosigkeit sein erklärter Wille respektiert wird? Durch ein rechtsverbindliches Dokument, das er immer bei sich trägt. So machte es auch Pablo Albarracini. Im Mai 2012 war er Zeuge eines versuchten Raubüberfalls und wurde mehrfach angeschossen. Man lieferte ihn bewusstlos ins Krankenhaus ein. Vier Jahre zuvor hatte er eine Patientenverfügung ordnungsgemäß ausgefüllt, die seinen Standpunkt zu Bluttransfusionen deutlich machte. Pablos Zustand war zwar kritisch und einige Ärzte dachten, man müsse ihm Blut übertragen, um sein Leben zu retten, doch das Ärzteteam erklärte sich bereit, seinen Wünschen Folge zu leisten. Sein Vater, kein Zeuge Jehovas, erwirkte allerdings eine gerichtliche Anordnung, um den Willen seines Sohnes zu umgehen.
19 Der Anwalt von Pablos Frau legte sofort Rechtsmittel ein. Innerhalb weniger Stunden erklärte das Berufungsgericht die Anordnung der unteren Instanz für ungültig und entschied, die Patientenverfügung müsse respektiert werden. Daraufhin ging Pablos Vater vor den Obersten Gerichtshof von Argentinien. Für dieses Gericht bestand jedoch kein Zweifel daran, dass Pablo das Dokument „im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, in fester Absicht und aus freien Stücken abgefasst hatte“. Es führte weiter aus: „Jeder mündige, erwachsene Bürger ist in der Lage, eine Patientenverfügung niederzulegen, und darf bestimmte medizinische Behandlungen akzeptieren oder ablehnen . . . Diese Verfügung muss von dem behandelnden Arzt respektiert werden.“
Hast du eine Patientenverfügung ausgefüllt?
20 Bruder Albarracini hat sich wieder völlig erholt. Er und seine Frau sind froh, dass er die Patientenverfügung ausgefüllt hatte. Durch diesen einfachen und doch so wichtigen Schritt bewies er seine Loyalität gegenüber Christus, dem König von Gottes Reich. Hast du ähnliche Vorsorge getroffen? Und wie ist es mit deinen Angehörigen?
April Cadoreth (Siehe Absatz 21—24)
21—24. (a) Welche bedeutsame Entscheidung traf der Oberste Gerichtshof von Kanada für Minderjährige? (b) Was können junge Zeugen Jehovas aus diesem Fall lernen?
21 Kanada. Im Allgemeinen gestehen Gerichte Eltern das Recht zu, festzulegen, welche medizinische Behandlung für ihre Kinder am besten ist. Mitunter haben sie sogar entschieden, dass ein reifer Minderjähriger bei medizinischen Entscheidungen mit einbezogen werden sollte. Dazu hat April Cadoreth beigetragen. Im Alter von 14 Jahren kam sie mit schweren inneren Blutungen in ein Krankenhaus. Wenige Monate zuvor hatte sie eine Patientenverfügung ausgefüllt, in der stand, dass ihr nicht einmal im Notfall Blut übertragen werden solle. Der behandelnde Arzt setzte sich über Aprils ausdrücklichen Wunsch hinweg und erwirkte einen Gerichtsentscheid. Man transfundierte ihr gewaltsam drei Einheiten Erythrozytenkonzentrat (rote Blutkörperchen). April verglich dieses traumatische Erlebnis später mit einer Vergewaltigung.
22 April und ihre Eltern zogen vor Gericht. Nach zwei Jahren befasste sich der Oberste Gerichtshof von Kanada mit dem Fall. Formaljuristisch verlor April zwar die Verfassungsbeschwerde, aber das Gericht erließ ihr die Prozesskosten und urteilte in ihrem Sinne. Das Urteil kommt nämlich reifen Minderjährigen zugute, die ihr Recht wahrnehmen möchten, selbst über ihre medizinische Behandlung zu entscheiden. Es hieß darin: „Jugendlichen unter 16 sollte bei einem ärztlichen Eingriff gestattet sein, den Beweis zu erbringen, dass ihre Haltung zu einer bestimmten medizinischen Behandlung ein ausreichendes Maß an Reife und selbstständigem Denken erkennen lässt.“
23 Dieser Fall ist insofern bedeutsam, als sich der Oberste Gerichtshof mit den verfassungsmäßigen Rechten reifer Minderjähriger auseinandersetzte. Vor dem Urteil konnte ein kanadisches Gericht bei Jugendlichen unter 16 Jahren eine medizinische Behandlung genehmigen, wenn es der Meinung war, diese diene dem Kindeswohl. Doch nun kann ein Gericht keine Behandlung gegen den Willen Jugendlicher unter 16 autorisieren, ohne ihnen vorher Gelegenheit zu geben, zu beweisen, dass sie reif genug sind, eigene Entscheidungen zu treffen.
„Es macht mich richtig glücklich, dass ich ein bisschen dazu beitragen konnte, Gottes Namen zu verherrlichen und Satan zum Lügner zu stempeln“
24 War der dreijährige Kampf die Mühe wert? „Ja!“, sagt April. Sie ist inzwischen Pionier und erfreut sich guter Gesundheit. „Es macht mich richtig glücklich, dass ich ein bisschen dazu beitragen konnte, Gottes Namen zu verherrlichen und Satan zum Lügner zu stempeln.“ Wie Aprils Erfahrung zeigt, können junge Leute mutig für ihren Glauben eintreten und sich so als echte Bürger des Königreiches Gottes erweisen (Mat. 21:16).
Das Recht der Eltern, ihre Kinder nach Jehovas Maßstäben zu erziehen
25, 26. Zu welcher Situation kann es bei einer Ehescheidung kommen?
25 Jehova hat Eltern die Verantwortung übertragen, ihre Kinder in seinem Sinne zu erziehen (5. Mo. 6:6-8; Eph. 6:4). Das ist an sich schon eine Herausforderung, kann aber noch schwieriger werden, wenn die Eltern sich scheiden lassen. Ihre Ansichten über Kindererziehung weichen oft stark voneinander ab. Der eine findet es beispielsweise wichtig, sein Kind nach christlichen Maßstäben zu erziehen, was der andere womöglich nicht so sieht. Als Zeuge Jehovas sollte man sich natürlich respektvoll verhalten und anerkennen, dass eine Scheidung zwar die Ehe auflösen mag, nicht aber die Eltern-Kind-Beziehung.
26 Ein Elternteil, der kein Zeuge Jehovas ist, wird vielleicht das Sorgerecht beantragen, um die religiöse Erziehung kontrollieren zu können. Mancher behauptet, es schade einem Kind, als Zeuge Jehovas aufzuwachsen. Es dürfe beispielsweise nicht Geburtstag oder Weihnachten feiern und erhalte in einem medizinischen Notfall keine „lebensrettenden“ Bluttransfusionen. Glücklicherweise achten die meisten Gerichte darauf, was dem Kindeswohl dient, statt darüber zu urteilen, ob die Religion eines Elternteils bedenklich erscheint. Sehen wir uns dazu einige Vorfälle an.
27, 28. Wie reagierte der Oberste Gerichtshof von Ohio auf die Behauptung, es schade einem Kind, als Zeuge Jehovas aufzuwachsen?
27 Vereinigte Staaten. 1992 befasste sich der Oberste Gerichtshof von Ohio mit einem Fall, bei dem der Vater behauptete, es schade seinem kleinen Sohn, als Zeuge Jehovas aufzuwachsen. Das erstinstanzliche Gericht hatte seine Ansicht geteilt und ihm das Sorgerecht zugesprochen. Die Mutter, Jennifer Pater, hatte Umgangsrecht, durfte „dem Kind aber in keiner Form die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas vermitteln oder es auch nur damit in Berührung bringen“. Diesen weit gefassten Gerichtsbeschluss konnte man so auslegen, als dürfe Schwester Pater mit ihrem Sohn Bobby nicht einmal über die Bibel und ihre moralischen Werte sprechen. Was für eine bedrückende Situation! Jennifer war am Boden zerstört, doch wie sie selbst sagt, hat sie gelernt, geduldig zu sein und auf Jehova zu hoffen. „Jehova war immer für mich da.“ Ihre Anwältin beriet sich mit verantwortlichen Brüdern im Bethel und rief den Obersten Gerichtshof von Ohio an.
28 Das Gericht widersprach dem Urteil der unteren Instanz und erklärte: „Eltern haben das fundamentale Recht, ihren Kindern Werte zu vermitteln, wozu auch moralische und religiöse Werte gehören.“ Solange es nicht erwiesen sei, dass die religiösen Werte der Zeugen Jehovas dem körperlichen und psychischen Wohl des Kindes schaden, dürfe das Gericht nicht das Sorgerecht eines Elternteils aufgrund der Religionszugehörigkeit einschränken. Das Gericht konnte nicht feststellen, dass die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas die psychische oder körperliche Gesundheit des Kindes beeinträchtigen.
Viele Gerichte haben das Recht von Zeugen Jehovas respektiert, für ihre Kinder zu sorgen
29—31. Warum verlor eine Schwester in Dänemark das Sorgerecht für ihre Tochter, und wie entschied der Oberste Gerichtshof von Dänemark?
29 Dänemark. Anita Hansen stand vor einer ähnlichen Herausforderung, als ihr Exmann das Sorgerecht für die siebenjährige Amanda beantragte. Im Jahr 2000 übertrug ihr das erstinstanzliche Gericht zwar das Sorgerecht, aber der Vater legte Rechtsmittel ein, worauf ihm Amanda zugesprochen wurde. Das Argument? Die Eltern hätten aufgrund ihrer religiösen Überzeugung eine unterschiedliche Lebensauffassung und der Vater sei besser in der Lage, die dadurch entstehenden Konflikte anzugehen. Im Grunde genommen verlor Schwester Hansen also das Sorgerecht für Amanda, weil sie eine Zeugin Jehovas ist.
30 In dieser ganzen belastenden Zeit war Schwester Hansen manchmal so aufgewühlt, dass sie nicht mehr wusste, worum sie beten sollte. Doch sie sagt: „Die Gedanken in Römer 8, Vers 26 und 27 haben mich sehr getröstet. Ich hatte immer das Gefühl, Jehova weiß, was ich meine. Er hatte mich im Blick und war immer für mich da.“ (Lies Psalm 32:8; Jesaja 41:10.)
31 Schwester Hansen wandte sich an den Obersten Gerichtshof von Dänemark. Dieser kam zu dem Schluss: „Die Entscheidung über das Sorgerecht muss auf der konkreten Einschätzung beruhen, was im Interesse des Kindes ist.“ Es gehe darum, wie jeder Elternteil Konflikte löst, und nicht darum, welche „Lehren und Positionen“ Jehovas Zeugen vertreten. Was für eine Erleichterung für Schwester Hansen, als das Gericht ihre Eignung als Mutter bestätigte und ihr das Sorgerecht für Amanda zurückgab!
32. Wie hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Zeugen Jehovas vor Diskriminierung geschützt?
32 Verschiedene europäische Länder. Manchmal wurden Sorgerechtsstreitigkeiten bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gebracht. In zwei Fällen stellte der EGMR fest, dass die Gerichte des jeweiligen Landes die beiden Parteien lediglich aufgrund der Glaubenszugehörigkeit eines Elternteils ungleich behandelt hatten. Eine derartige Ungleichbehandlung sei diskriminierend. Der EGMR kam zu dem Schluss, dass „eine Unterscheidung, die im Wesentlichen allein auf einem Unterschied in der Religion basiert, nicht hinnehmbar“ ist. Eine Mutter, die von einem solchen Urteil des EGMR profitierte, sagte rückblickend: „Es hat sehr wehgetan, dass man mich beschuldigt hat, meinen Kindern zu schaden, wo ich ihnen doch einfach nur das geben wollte, was ich für ihr Wohl am besten hielt — eine christliche Erziehung.“
33. Wie kann ein Vater oder eine Mutter den Grundsatz aus Philipper 4:5 beachten?
33 Ein Zeuge Jehovas, der um sein Recht kämpfen muss, seinen Kindern biblische Werte ans Herz zu legen, bemüht sich natürlich vernünftig zu sein. (Lies Philipper 4:5.) So, wie er sein Recht schätzt, seine Kinder im Sinne Gottes zu erziehen, gesteht er auch dem anderen Elternteil zu, seine elterliche Verantwortung wahrzunehmen, sofern dieser es wünscht. Wie ernst nehmen Jehovas Zeugen ihre Verantwortung als Eltern?
34. Was können christliche Eltern von den Juden zur Zeit Nehemias lernen?
34 Das zeigt eine Situation aus der Zeit Nehemias. Damals waren die Juden angestrengt damit beschäftigt, die Stadtmauer Jerusalems auszubessern und wiederaufzubauen. Sie wussten, dass ihre Familien so vor den umliegenden feindlichen Völkern beschützt wären. Nehemia forderte sie eindringlich auf: „Kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Heimstätten“ (Neh. 4:14). Für die Juden war dieser Kampf den Einsatz wert. Auch heute strengen sich die Eltern unter Jehovas Zeugen sehr an, ihre Kinder in der Wahrheit zu erziehen. Sie wissen, dass ihre Kinder in der Schule und in der Nachbarschaft oft mit schlechten Einflüssen bombardiert werden. Solche Einflüsse können über die Medien sogar ins Zuhause eindringen. Vergesst nie, liebe Eltern, dass der Kampf für eure Kinder den Einsatz wert ist. Sorgt für eine Umgebung, in der sie sich geborgen fühlen und geistig stark werden können.
Auf Jehovas Unterstützung bauen
35, 36. Was haben Jehovas Zeugen durch ihren Kampf für ihre Rechte erreicht, und wozu sind wir entschlossen?
35 Jehova hat seine Diener eindeutig dafür gesegnet, wie sie sich für das Recht auf freie Religionsausübung eingesetzt haben. Oft konnten sie dadurch vor Gericht und vor der Öffentlichkeit eindrucksvoll die biblische Wahrheit bekannt machen (Röm. 1:8). Als Nebeneffekt ihrer vielen gerichtlichen Erfolge wurden auch die Bürgerrechte anderer gestärkt. Wir sind jedoch keine Sozialreformer, und es geht uns auch nicht darum, uns zu rechtfertigen. Wenn wir für unsere Rechte kämpfen, dann vor allem deshalb, weil wir die reine Anbetung Jehovas fördern und festigen möchten. (Lies Philipper 1:7.)
36 Nehmen wir den Einsatz unserer Brüder und Schwestern nie für selbstverständlich! Sie haben in ihrem Kampf für eine freie Religionsausübung großes Vertrauen auf Jehova bewiesen. Tun wir es ihnen gleich, und seien wir zuversichtlich, dass Jehova uns unterstützt und uns die Kraft gibt, seinen Willen zu erfüllen (Jes. 54:17).
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Zusammenkünfte zum Lobpreis JehovasGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 16
Zusammenkünfte zum Lobpreis Jehovas
1. Was erlebten die Jünger, als sie sich versammelten, und warum brauchten sie diese Hilfe?
KURZ nach Jesu Auferstehung versammelten sich die Jünger, um sich gegenseitig Mut zu machen. Aus Furcht vor ihren Feinden verschlossen sie die Türen. Doch als Jesus mitten unter ihnen erschien und sagte: „Empfangt heiligen Geist“, war ihre Angst verflogen! (Lies Johannes 20:19-22.) Bei einer späteren Zusammenkunft goss Jehova heiligen Geist auf sie aus. Wie sie das doch für die vor ihnen liegende Predigttätigkeit stärkte! (Apg. 2:1-7).
2. (a) Wie gibt Jehova uns Kraft, und warum brauchen wir sie? (b) Warum ist das Familienstudium so wichtig? (Siehe die Fußnote und den Kasten „Familienbibelstudium“.)
2 Heute ergeht es uns ähnlich wie unseren Brüdern im 1. Jahrhundert (1. Pet. 5:9). Wir brauchen Kraft von Jehova, um Menschenfurcht zu überwinden und um beim Predigen die Ausdauer nicht zu verlieren (Eph. 6:10). Diese Kraft erhalten wir vor allem durch unsere zwei lehrreichen wöchentlichen Zusammenkünfte: den öffentlichen Vortrag und das Wachtturm-Studium sowie die Leben-und Dienst-Zusammenkunft, die unter der Woche stattfindet.a Darüber hinaus gibt es vier jährliche Zusammenkünfte: den regionalen Kongress, zwei Kreiskongresse und die Feier zum Gedenken an Christi Tod. Warum sind sie alle wichtig für uns? Wie sieht ihr Werdegang aus? Und was verrät unsere Einstellung zu den Zusammenkünften?
Warum wir uns versammeln
3, 4. Nenne Beispiele dafür, was Jehova schon immer von seinem Volk wünscht.
3 Zusammenkünfte sind schon lange vorgesehen. In dem Gesetz, das Jehova der Nation Israel 1513 v. u. Z. gab, war ein wöchentlicher Sabbat vorgeschrieben, damit die Familien Jehova gemeinsam anbeten und sich mit dem Gesetz vertraut machen konnten (5. Mo. 5:12; 6:4-9). Solange sich die Israeliten an diese Regelung hielten, waren die Familien stark und das Volk blieb geistig rein und gefestigt. Missachteten sie das Gesetz und versammelten sich beispielsweise nicht regelmäßig zur Anbetung, verloren sie die Gunst Jehovas (3. Mo. 10:11; 26:31-35; 2. Chr. 36:20, 21).
4 Beachten wir dazu auch Jesu Beispiel. Er ging jede Woche am Sabbat zur Synagoge (Luk. 4:16). Nach Jesu Tod und Auferstehung behielten seine Jünger die Gewohnheit bei, sich regelmäßig zu versammeln, obwohl das Sabbatgebot nicht mehr gültig war (Apg. 1:6, 12-14; 2:1-4; Röm. 14:5; Kol. 2:13, 14). Diese Zusammenkünfte waren für die Christen des 1. Jahrhunderts nicht nur lehrreich und ermunternd, sondern boten ihnen auch die Gelegenheit, durch ihre Gebete, Äußerungen und Lieder „Schlachtopfer der Lobpreisung“ darzubringen (Kol. 3:16; Heb. 13:15).
Die Jünger Jesu kamen zusammen, um sich gegenseitig Mut zu machen
5. Wozu sind unsere wöchentlichen Zusammenkünfte und jährlichen Kongresse da? (Siehe auch den Kasten „Kongresse vereinen Gottes Volk“.)
5 Ähnlich ist es bei unseren wöchentlichen Zusammenkünften und den Kongressen. Durch unsere Anwesenheit unterstützen wir Gottes Königreich; wir werden durch den heiligen Geist gestärkt und machen anderen mit unseren Glaubensäußerungen Mut. Was noch wichtiger ist: Wir können Jehova durch unsere Gebete, Kommentare und Lieder preisen. Unsere Zusammenkünfte laufen zwar etwas anders ab als bei den Israeliten und den Christen des 1. Jahrhunderts, aber deshalb sind sie nicht weniger wichtig. Wie sieht ihr Werdegang aus?
Wöchentliche Zusammenkünfte spornen „zur Liebe und zu vortrefflichen Werken“ an
6, 7. (a) Welchen Zweck erfüllen unsere Zusammenkünfte? (b) Wie unterschieden sich die Zusammenkünfte früher von Ort zu Ort?
6 Als sich Bruder Charles Taze Russell auf die Suche nach der Wahrheit aus Gottes Wort machte, erkannte er, wie wichtig es ist, mit Gleichgesinnten zusammenzukommen. Im Jahr 1879 schrieb er: „Ich habe in Pittsburgh zusammen mit anderen einen Bibelkreis gegründet, der sich sonntags zum Studium der Heiligen Schrift einfindet.“ Die Leser von Zions Wacht-Turm wurden angeregt, sich ebenfalls zu treffen. Ab 1881 fanden in Pittsburgh jeden Sonntag und Mittwoch Zusammenkünfte statt. Wie es im Wacht-Turm (engl.) vom November 1895 hieß, sollte dadurch „christliche Gemeinschaft, Liebe und Verbundenheit“ gepflegt werden, und die Anwesenden konnten sich gegenseitig erbauen. (Lies Hebräer 10:24, 25.)
7 Ablauf und Häufigkeit der Zusammenkünfte unterschieden sich viele Jahre lang von Ort zu Ort. 1911 wurde ein Brief von einer Gruppe aus den USA veröffentlicht, in dem stand: „Wir halten jede Woche mindestens fünf Zusammenkünfte ab.“ Sie fanden montags, mittwochs und freitags statt und sonntags gleich zweimal. Eine Gruppe aus Afrika schrieb 1914: „Wir treffen uns zweimal im Monat von Freitag bis Sonntag.“ Im Lauf der Zeit ging man aber immer einheitlicher vor. Sehen wir uns kurz den Werdegang der einzelnen Zusammenkünfte an.
8. Worum drehten sich die ersten öffentlichen Vorträge?
8 Zusammenkunft für die Öffentlichkeit. 1880, ein Jahr nach Erscheinen von Zions Wacht-Turm, begab sich Bruder Russell dem Vorbild Jesu entsprechend auf eine Predigtreise (Luk. 4:43). Dabei schuf er die Grundlage für unsere heutigen öffentlichen Vorträge. In einer Ankündigung der Reise hieß es im Wacht-Turm, Russell „würde sich freuen, öffentliche Zusammenkünfte abzuhalten unter dem Motto ‚Dinge, die das Königreich Gottes betreffen‘ “. Im Jahr 1911, als es in mehreren Ländern Versammlungen gab, sollte jede von ihnen geeignete Redner in Nachbarorte schicken. Sie sprachen dann in einer sechsteiligen Vortragsreihe über das Gericht Gottes, das Lösegeld und Ähnliches. Nach jedem Vortrag nannte man den Redner und das Thema für die nächste Woche.
9. Was hat sich bei den öffentlichen Vorträgen im Lauf der Jahre geändert, und wie können wir unseren Teil beitragen?
9 Im Jahr 1945 kündigte Der Wachtturm eine achtteilige Vortragsreihe an, die sich mit „drängenden Problemen unserer Zeit“ befasste. Diese Aktion ging um die ganze Welt. Jahrzehntelang behandelten Vortragsredner nicht nur die vom treuen Sklaven vorgegebenen Themen, sondern auch selbst gewählte. 1981 wurden sie jedoch angewiesen, sich an die Dispositionen zu halten, die man den Versammlungen geschickt hatte.b Bis 1990 waren in manchen Vortragsdispositionen Zuhörerbeteiligung und Demonstrationen vorgesehen. Doch dann sollten die Redner ihre Vorträge allein halten. Zu einer weiteren Änderung kam es im Januar 2008: Die Vortragslänge wurde von 45 auf 30 Minuten gekürzt. Sorgfältig ausgearbeitete öffentliche Vorträge haben schon immer den Glauben an Gottes Wort gestärkt und das Königreich Gottes von allen Seiten beleuchtet (1. Tim. 4:13, 16). Lädst du begeistert Interessierte und andere zu diesen wichtigen biblischen Ausführungen ein?
10—12. (a) Was hat sich beim Ablauf des Wachtturm-Studiums geändert? (b) Welche persönlichen Fragen sind angebracht?
10 Wachtturm-Studium. 1922 kam eine Anregung von den Pilgerbrüdern — von der Watch Tower Society ausgesandte Brüder, die von Versammlung zu Versammlung reisten, Vorträge hielten und beim Predigen führend vorangingen. Sie empfahlen, eine Zusammenkunft dem Studium des Wacht-Turms zu widmen. Die Anregung wurde angenommen und das Wacht-Turm-Studium fand zunächst entweder unter der Woche oder am Sonntag statt.
Wacht-Turm-Studium (Ghana, 1931)
11 Der Wachtturm vom 1. Oktober 1932 enthielt weitere Hinweise über den Ablauf dieser Zusammenkunft. Nach dem Vorbild im Bethel sollte das Wachtturm-Studium von einem Bruder geleitet werden. Oft saßen drei Brüder vor den Zuhörern und wechselten sich beim Vorlesen der Absätze ab. Da es zu den Artikeln noch keine gedruckten Fragen gab, bat der Leiter die Anwesenden, selbst Fragen zu dem Stoff zu stellen. Anschließend konnte man sich melden und eine Antwort geben. War etwas unklar, sollte der Leiter „eine kurze Erklärung“ beisteuern.
12 Anfangs durfte jede Versammlung die Ausgabe besprechen, die von der Mehrheit gewünscht wurde. Der Wachtturm vom 15. April 1933 empfahl den Versammlungen jedoch, die aktuelle Ausgabe zu verwenden. 1937 wurde dazu aufgerufen, das Studium sonntags stattfinden zu lassen. Durch den Wachtturm (engl.) vom 1. Oktober 1942 wurde der Ablauf dann so geregelt, wie wir ihn heute kennen. Am Fuß jeder Seite würden künftig Fragen zum Besprechen stehen. Außerdem sollte die Zusammenkunft eine Stunde dauern. Die Anwesenden wurden ermuntert, sich „in eigenen Worten“ zu äußern, statt einfach etwas abzulesen. Bis heute ist das Wachtturm-Studium die Zusammenkunft, durch die wir in erster Linie geistige Speise zur rechten Zeit erhalten (Mat. 24:45). Fragen wir uns an dieser Stelle doch einmal: „Bereite ich mich jede Woche auf das Wachtturm-Studium vor? Und versuche ich wenn möglich mich zu beteiligen?“
13, 14. Wie sieht die Geschichte des Versammlungsbibelstudiums aus, und was gefällt dir an dieser Zusammenkunft?
13 Versammlungsbibelstudium. Mitte der 1890er-Jahre gab es bereits mehrere Bände des Werkes Millennium-Tagesanbruch. Bruder H. N. Rahn aus Baltimore (Maryland, USA) regte dazu an, „Tagesanbruch-Zirkel“ für das Bibelstudium anhand dieser Bücher zu gründen. Zunächst fanden die Zusammenkünfte nur probehalber statt, oft in Wohnungen. Doch schon 1895 erfreuten sich die Tagesanbruch-Zirkel in etlichen amerikanischen Städten großer Beliebtheit. Aus diesem Grund wurde in der September-Ausgabe des Wacht-Turms (engl.) allen Erforschern der Wahrheit empfohlen, diese Zusammenkünfte abzuhalten. Der Leiter sollte gut lesen können. Er las einen Satz vor und ließ die Anwesenden dann etwas dazu sagen. Sobald alle Sätze eines Absatzes vorgelesen und besprochen waren, schlug er die angegebenen Bibeltexte nach und las sie ebenfalls vor. Am Ende eines Kapitels sollten alle den Stoff kurz zusammenfassen.
14 Diese Zusammenkunft hat mehrmals den Namen gewechselt. Eine Variante lautete Beröer-Bibelstudium — in Anlehnung an die Beröer im 1. Jahrhundert, die sorgfältig in den Schriften forschten (Apg. 17:11). Später wurde der Name auf Versammlungsbuchstudium abgeändert. Heute sprechen wir vom Versammlungsbibelstudium, und die ganze Versammlung trifft sich dazu im Königreichssaal und nicht mehr als kleinere Gruppen in Wohnungen. Im Lauf der Jahrzehnte wurden verschiedene Bücher, Broschüren und sogar Wacht-Turm-Artikel als Studiengrundlage benutzt. Von Anfang an waren alle aufgerufen sich zu beteiligen. Diese Zusammenkunft hat sehr dazu beigetragen, unsere Bibelkenntnis zu vertiefen. Bereitest du dich immer darauf vor und machst mit, so gut du kannst?
15. Was sollte durch die Theokratische Predigtdienstschule erreicht werden?
15 Theokratische Predigtdienstschule. „Am 16. Februar 1942, einem Montag, wurden abends alle Brüder der Brooklyner Bethelfamilie eingeladen, sich für einen neuen Kurs anzumelden, unsere heutige Theokratische Predigtdienstschule“, erzählte Carey Barber, der Jahre später in die leitende Körperschaft berufen wurde. Er bezeichnete diese Schule als „eine der bedeutendsten Entwicklungen, für die Jehova in unserer Zeit unter seinem Volk gesorgt hat“. Die Brüder verbesserten sich dadurch so sehr im Lehren und Predigen, dass von 1943 an nach und nach alle Versammlungen weltweit das Unterrichtsmaterial Kurs im theokratischen Dienstamt erhielten. Im Wachtturm vom September 1945 hieß es, die Theokratische Predigtdienstschule sei dafür gedacht, dass „sich alle darin üben können, besser für das Königreich Zeugnis abzulegen“ (2. Tim. 2:15).
16, 17. Was außer rhetorischen Fertigkeiten wurde noch durch die Theokratische Predigtdienstschule vermittelt?
16 Viele hatten am Anfang große Angst, vor einem Publikum zu sprechen. So auch Clayton Woodworth jun., der schon 1943 bei der Schule mitmachte. (Sein Vater war übrigens 1918 zusammen mit Bruder Rutherford und anderen zu Unrecht inhaftiert worden.) Clayton berichtete: „Es fiel mir sehr schwer, von der Bühne aus zu sprechen. Mein Mund war ganz trocken, meine Zunge klebte am Gaumen und meine Stimme klang wie irgendetwas zwischen heiserem Krächzen und schrillem Quieken.“ Doch er konnte seine Redefähigkeit ausbauen und hielt schließlich viele öffentliche Vorträge. In der Schule erwarb er nicht nur rhetorische Fertigkeiten, sondern auch Demut und Vertrauen auf Jehova. Er sagte: „Mir wurde klar, wie wenig es auf den Redner ankommt. Wenn sich jemand gut vorbereitet und sich ganz auf Jehova stützt, wird man ihm gern zuhören und die Zuhörer nehmen etwas mit.“
17 Ab 1959 konnten auch Schwestern an der Theokratischen Predigtdienstschule teilnehmen. Edna Bauer erinnert sich noch an die entsprechende Ankündigung auf einem Kongress. „Ich weiß noch genau, was für eine Aufregung unter den Schwestern herrschte. Jetzt standen ihnen neue Möglichkeiten offen.“ Im Laufe der Jahre nahmen viele Brüder und Schwestern die Möglichkeit wahr, an dieser Schule teilzunehmen und von Jehova geschult zu werden. Heute erhalten wir diese Schulung weiterhin in der Zusammenkunft unter der Woche. (Lies Jesaja 54:13.)
18, 19. (a) Welche praktische Anleitung erhalten wir heute für den Predigtdienst? (b) Warum singen wir bei unseren Zusammenkünften? (Siehe den Kasten „ ‚Die Wahrheit zu besingen‘ “.)
18 Dienstzusammenkunft. Schon 1919 gab es Zusammenkünfte für die organisierte Durchführung des Predigtdienstes. Allerdings gingen nur diejenigen dorthin, die Literatur verbreiten wollten. Ab 1923 wurde dann jeden Monat eine Dienstzusammenkunft abgehalten, zu der die ganze Versammlung eingeladen war, und ab 1928 sollte sie wöchentlich stattfinden. 1935 regte Der Wachtturm dazu an, den Instruktor (später Informator genannt und noch später Unser Königreichsdienst) als Grundlage zu verwenden. Diese Zusammenkunft gehörte bald zum festen Programm jeder Versammlung.
19 Die Leben-und-Dienst-Zusammenkunft vermittelt uns praktische Anleitung für den Predigtdienst (Mat. 10:5-13). Studierst du das Arbeitsheft, sofern du es bekommst, und versuchst du, die Vorschläge umzusetzen?
Die wichtigste Zusammenkunft des Jahres
Seit dem 1. Jahrhundert stehen Christen unter dem Gebot, jedes Jahr des Todes Jesu zu gedenken (Siehe Absatz 20)
20—22. (a) Warum gedenken wir des Todes Jesu? (b) Warum ist es gut für uns, jedes Jahr das Gedächtnismahl zu besuchen?
20 Jesus wies seine Nachfolger an, seines Todes zu gedenken, und das bis zu seinem Kommen. Wie das Passah findet auch die Feier zum Gedenken an Christi Tod jährlich statt (1. Kor. 11:23-26). Sie wird jedes Jahr von Millionen besucht. Den Gesalbten wird dabei immer wieder bewusst, wie bedeutungsvoll es ist, mit Jesus zusammen das Königreich zu erben (Röm. 8:17). Und bei den anderen Schafen vertieft dieser Anlass die Achtung vor dem König des Reiches Gottes und bestärkt sie darin, ihm treu zu dienen (Joh. 10:16).
21 Bruder Russell und seine Weggefährten erkannten die Bedeutung des Abendmahls und wussten, dass es nur einmal im Jahr gefeiert werden soll. Im Wacht-Turm (engl.) vom April 1880 hieß es: „Wir . . . begehen hier in Pittsburgh schon seit mehreren Jahren das Passah [das Abendmahl] und nehmen von den Symbolen, die den Leib und das Blut unseres Herrn darstellen.“ Schon bald fanden in Verbindung mit dem Abendmahl Kongresse statt. Die ersten Aufzeichnungen darüber stammen aus dem Jahr 1889. Man zählte 225 Anwesende und 22 ließen sich taufen.
22 Heute findet das Gedächtnismahl nicht mehr im Rahmen eines Kongresses statt, doch wir laden überall die Öffentlichkeit ein, diese Feier mit uns im Königreichssaal oder in einem gemieteten Saal zu begehen. 2013 kamen über 19 Millionen Menschen zu diesem Anlass. Es ist immer wieder begeisternd, auch andere an diesem ganz besonderen Abend willkommen zu heißen. Fühlst du dich jedes Jahr motiviert, so viele wie möglich einzuladen?
Was unsere Einstellung erkennen lässt
23. Wie empfindest du die Zusammenkünfte?
23 Für treue Diener Jehovas ist es keine Last, dem Gebot, sich zu versammeln, nachzukommen (Heb. 10:24, 25; 1. Joh. 5:3). Für König David zum Beispiel war es immer etwas Besonderes, zum Haus Jehovas zu gehen (Ps. 27:4). In Gemeinschaft mit anderen, die Jehova liebten, machte ihm das umso mehr Freude (Ps. 35:18). Und auch Jesus hatte schon als Junge den tiefen Wunsch, im Haus seines Vaters zu sein (Luk. 2:41-49).
Je realer Gottes Königreich für uns persönlich ist, desto größeren Wert legen wir auf unsere Zusammenkünfte
24. Wozu können wir die Zusammenkünfte nutzen?
24 Die Versammlung zu besuchen ist ein Ausdruck unserer Liebe zu Jehova und eine Gelegenheit, uns gegenseitig Mut zu machen. Es verrät auch, wie viel uns daran liegt, würdige Untertanen des Königreiches Gottes zu sein, denn dafür schulen uns die Zusammenkünfte und Kongresse in erster Linie. Außerdem erhalten wir durch sie die Fertigkeiten und die Ausdauer für eine der wichtigsten Tätigkeiten, die Gottes Königreich heute leitet — Menschen zu Jüngern des Königs Jesus Christus zu machen und sie zu lehren. (Lies Matthäus 28:19, 20.) Je realer Gottes Königreich für uns persönlich ist, desto größeren Wert werden wir auf unsere Zusammenkünfte legen. Verlieren wir nie die Wertschätzung dafür!
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Die Untertanen des Königreiches werden geschultGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 17
Die Untertanen des Königreiches werden geschult
1—3. Wie hat Jesus die Predigttätigkeit intensiviert, und welche Fragen wirft dies auf?
JESUS predigte zwei Jahre lang in ganz Galiläa. (Lies Matthäus 9:35-38.) Er besuchte viele Dörfer und Städte, lehrte in den Synagogen und machte die gute Botschaft vom Königreich bekannt. Wo er auch predigte, strömten die Menschen zu ihm. Die Ernte war groß, wie er selbst sagte, und man brauchte mehr Arbeiter.
2 Um die Predigttätigkeit zu intensivieren, sandte er seine zwölf Apostel aus, „das Königreich Gottes zu predigen“ (Luk. 9:1, 2). Ob die Apostel wohl rätselten, wie sie dabei vorgehen sollten? Jesus schickte sie nicht einfach los, sondern vermittelte ihnen zuerst etwas, was er selbst von seinem himmlischen Vater erhalten hatte: Schulung.
3 Hier kommen einige Fragen auf: Wie wurde Jesus von seinem Vater geschult? Wie schulte er seine Apostel? Hat der messianische König seine Nachfolger auch in unserer Zeit für ihren Dienst ausgerüstet? Wenn ja, wie?
„So, wie der Vater mich gelehrt hat, rede ich“
4. Wann und wo wurde Jesus von seinem Vater unterwiesen?
4 Jesus machte kein Geheimnis daraus, dass er von seinem Vater unterwiesen wurde. Während seines Dienstes auf der Erde sagte er einmal: „So, wie der Vater mich gelehrt hat, rede ich diese Dinge“ (Joh. 8:28). Wann und wo wurde Jesus unterrichtet? Seine Schulung begann offensichtlich schon bald nach seiner Erschaffung als Gottes erstgeborener Sohn (Kol. 1:15). Im Himmel brachte er unvorstellbar lange Zeit damit zu, seinem Vater, dem „Großen Unterweiser“, zuzuhören und ihn zu beobachten (Jes. 30:20). Dadurch erhielt er eine einzigartige Bildung; er wurde mit den Eigenschaften, den Werken und dem Vorhaben seines Vaters vertraut.
5. Wie wurde der Sohn von seinem Vater auf seinen irdischen Dienst vorbereitet?
5 Zur gegebenen Zeit erklärte Jehova seinem Sohn, welchen Auftrag er auf der Erde zu erfüllen hatte. In einer Prophezeiung wird das Verhältnis zwischen dem „Großen Unterweiser“ und seinem erstgeborenen Sohn beschrieben. (Lies Jesaja 50:4, 5.) Jehova weckte seinen Sohn „Morgen für Morgen“. Dieses Bild beschreibt einen Lehrer, der seinen Schüler morgens weckt, um ihm etwas beizubringen. In einem Bibelkommentar heißt es dazu: „Nun nimmt er ihn . . . gleichsam in die Schule und lehrt ihn, was und wie er predigen soll.“ Dort lernte der Sohn nicht lediglich, was er reden sollte (Joh. 12:49). Der Vater brachte ihm auch bei, wie er lehren sollte.a Auf der Erde setzte Jesus das, was er gelernt hatte, nicht nur bei seinem eigenen Dienst um, sondern auch indem er seine Nachfolger für ihren Dienst schulte.
6, 7. (a) Wie schulte Jesus seine Apostel, und wozu wurden sie dadurch ausgerüstet? (b) Was für eine Schulung hat Jesus seinen Nachfolgern in unserer Zeit zukommen lassen?
6 Welche Schulung vermittelte Jesus seinen Aposteln in der zuvor erwähnten Situation? Nach Matthäus, Kapitel 10 gab er ihnen spezielle Anweisungen für das Predigen. Er sagte ihnen zum Beispiel, wo sie predigen sollten (Vers 5, 6), was die Botschaft beinhaltete (Vers 7), wie wichtig Vertrauen auf Jehova ist (Vers 9, 10), wie sie Hausbewohnern begegnen sollten (Vers 11—13), wie sie mit Ablehnung umgehen konnten (Vers 14, 15) und wie sie auf Verfolgung reagieren sollten (Vers 16—23).b Diese gezielte Schulung rüstete die Apostel dafür aus, beim Predigen der guten Botschaft im 1. Jahrhundert führend voranzugehen.
7 Wie ist es heute? Jesus, der König von Gottes Reich, hat seinen Nachfolgern den äußerst wichtigen Auftrag erteilt, „diese gute Botschaft vom Königreich . . . auf der ganzen bewohnten Erde“ zu predigen, „allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:14). Hat ihnen der König dafür das nötige Rüstzeug mitgegeben? Allerdings. Vom Himmel aus hat er sie einerseits fürs Predigen schulen lassen, andererseits aber auch für besondere Verantwortung innerhalb der Versammlung.
Schulung für das Predigen
8, 9. (a) Worin bestand das Hauptziel der Theokratischen Predigtdienstschule? (b) Welche Hilfe bietet dir die Zusammenkunft unter der Woche?
8 Gottes Volk wird schon lange auf Kongressen und in der Versammlung — beispielsweise durch die Dienstzusammenkunft — für das Predigen geschult. Doch seit den 40er-Jahren haben die verantwortlichen Brüder in der Weltzentrale zu diesem Zweck verschiedene Schulen ins Leben gerufen.
9 Theokratische Predigtdienstschule. Wie es bereits im vorigen Kapitel hieß, existierte diese Schule seit 1943. Bildete sie in erster Linie Vortragsredner aus? Nein. Ihr Hauptziel war schon immer gewesen, Gottes Diener dafür zu schulen, ihre Redefähigkeit beim Predigen zum Lobpreis Jehovas zu nutzen (Ps. 150:6). Alle Teilnehmer, Brüder wie Schwestern, lernten Gottes Königreich noch wirkungsvoller bekannt zu machen. Diese Schulung wird jetzt in der Zusammenkunft unter der Woche vermittelt.
10, 11. Für wen ist die Gileadschule heute gedacht, und was wird mit dem Lehrplan bezweckt?
10 Wachtturm-Bibelschule Gilead. Diese Schule öffnete am Montag, den 1. Februar 1943 ihre Tore. Ursprünglich wurden dort Pioniere und andere Vollzeitdiener dafür ausgebildet, irgendwo auf der Erde den Missionardienst aufzunehmen. Seit Oktober 2011 ist die Teilnahme jedoch auf Sondervollzeitdiener beschränkt — Sonderpioniere, reisende Aufseher und ihre Frauen, Mitglieder einer Bethelfamilie sowie Missionare, die noch nicht auf dieser Schule waren.
11 Einem langjährigen Unterweiser zufolge bezweckt der Lehrplan, „durch ein gründliches Studium des Wortes Gottes den Glauben der Studenten zu stärken und ihnen zu helfen, sich die Eigenschaften anzueignen, die sie für die ihnen zugeteilten Aufgaben brauchen“. Er fügt hinzu: „Ferner zielt der Lehrplan maßgeblich darauf ab, bei den Studenten den Wunsch zu predigen noch stärker werden zu lassen“ (Eph. 4:11).
12, 13. Wie hat sich die Gileadschule auf die weltweite Predigttätigkeit ausgewirkt? Nenne ein Beispiel.
12 Wie hat sich die Gileadschule auf die weltweite Predigttätigkeit ausgewirkt? Seit 1943 hat man über 8 500 Teilnehmer verzeichnet.c Gileadmissionare wurden auf der ganzen Welt, in über 170 Ländern, eingesetzt. Sie haben das Gelernte in die Praxis umgesetzt, sind im Dienst mit gutem Beispiel vorangegangen und haben auch bei anderen den Predigteifer gefördert. Oft konnten sie in Regionen, wo es kaum oder gar keine Verkündiger gab, das Predigen ins Rollen bringen.
13 Während des Zweiten Weltkriegs war das organisierte öffentliche Predigen in Japan fast zum Stillstand gekommen. Im August 1949 gab es dort nicht einmal 10 einheimische Verkündiger. Ende des Jahres waren in dem Land jedoch 13 Gileadmissionare fleißig mit Predigen beschäftigt. Viele weitere folgten. Die Missionare konzentrierten sich zuerst auf die Metropolen und dann auch auf andere Städte. Sie empfahlen den Interessierten und anderen wärmstens den Pionierdienst. Ihr tatkräftiger Einsatz zahlte sich aus. Heute gibt es in Japan über 216 000 Verkündiger des Königreiches und fast 40 Prozent von ihnen sind Pioniere.d
14. Wovon zeugen die theokratischen Schulen? (Siehe auch den Kasten „Die verschiedenen Schulen“.)
14 Andere theokratische Schulen. Durch die Pionierdienstschule, die Bibelschule für Ehepaare und die Bibelschule für ledige Brüder wurden die Teilnehmer angeregt, ihre geistige Gesinnung zu vertiefen und beim Predigen mit Feuereifer voranzugehen.e Alle diese theokratischen Schulen liefern den überzeugenden Beweis, dass unser König seine Nachfolger vollständig für ihren Dienst ausgerüstet hat (2. Tim. 4:5).
Schulung von Brüdern für besondere Verantwortung
15. Worin möchten Männer in verantwortlicher Stellung Jesus nachahmen?
15 Nun noch einmal zurück zur Prophezeiung Jesajas. Als Jesus bei seinem Vater im Himmel gewissermaßen zur Schule ging, lernte er „dem Müden mit einem Wort zu antworten“ (Jes. 50:4). Jesus setzte das Gelernte um; auf der Erde ließ er Menschen, die sich „abmühten“ und „beladen“ waren, wieder aufleben (Mat. 11:28-30). Wie Jesus möchten auch Männer in verantwortlicher Stellung für ihre Brüder und Schwestern eine Kraftquelle sein. Damit sie diese Aufgabe noch wirkungsvoller erfüllen können, wurden verschiedene Schulen gegründet.
16, 17. Welchen Zweck verfolgt die Königreichsdienstschule? (Siehe auch die Fußnote.)
16 Königreichsdienstschule. Die Schule startete am 9. März 1959 in South Lansing (New York). Zu diesem einmonatigen Lehrgang wurden reisende Aufseher und Versammlungsdiener eingeladen. Später übersetzte man den Kurs auch in andere Sprachen, sodass nach und nach Brüder auf der ganzen Welt geschult werden konnten.f
Bruder Lloyd Barry als Unterweiser der Königreichsdienstschule in Japan (1970)
17 Über den Zweck der Königreichsdienstschule hieß es im Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1962: „In dieser viel beschäftigten Welt muss ein Aufseher in der Versammlung der Zeugen Jehovas sein Leben so organisieren können, dass er sich aller, die zur Versammlung gehören, richtig annehmen kann und für sie ein Segen ist. Er darf dabei aber auch seine Familie nicht vernachlässigen, sondern muss stets gesunden Sinnes bleiben. Die Königreichsdienstschule ist wirklich ein Segen! Versammlungsdiener auf der ganzen Welt lernen dort gemeinsam, wie sie allem nachkommen können, was die Bibel von einem Aufseher verlangt“ (1. Tim. 3:1-7; Tit. 1:5-9).
18. Wie kommt die Königreichsdienstschule uns allen zugute?
18 Die Königreichsdienstschule kommt uns allen zugute. Wenn Älteste und Dienstamtgehilfen das, was sie in dieser Schule gelernt haben, in die Praxis umsetzen, sind sie wie Jesus eine wirkliche Kraftquelle für ihre Glaubensbrüder. Wer freut sich nicht über ein nettes Wort, ein offenes Ohr oder einen lieben Besuch von einem aufmerksamen Ältesten oder Dienstamtgehilfen? (1. Thes. 5:11). Diese gut geschulten Männer sind ein echter Segen für ihre Versammlung.
19. Welche anderen Lehrgänge koordiniert das Lehrkomitee, und wozu sind sie gedacht?
19 Andere theokratische Schulen. Das Lehrkomitee der leitenden Körperschaft koordiniert auch noch andere Lehrgänge für Brüder, die in der Organisation Verantwortung tragen. Versammlungsälteste, reisende Aufseher und Mitglieder von Zweigkomitees werden dadurch noch besser in die Lage versetzt, ihren vielen Aufgaben nachzukommen. Diese biblischen Lehrgänge regen die Teilnehmer dazu an, auf ihre eigene geistige Gesinnung zu achten und im Umgang mit den wertvollen Schafen, die Jehova ihnen anvertraut hat, die Grundsätze der Bibel anzuwenden (1. Pet. 5:1-3).
Die erste Klasse der Schule zur dienstamtlichen Weiterbildung in Malawi (2007)
20. Warum konnte Jesus sagen, dass wir „alle von Jehova belehrt“ sind, und wozu bist du fest entschlossen?
20 Der messianische König hat eindeutig für eine gute Schulung gesorgt. Sie wird von oben nach unten weitergegeben: Jehova hat seinen Sohn unterwiesen und der Sohn seine Nachfolger. Deshalb konnte Jesus sagen, dass wir „alle von Jehova belehrt“ sind (Joh. 6:45; Jes. 54:13). Seien wir fest entschlossen, die Schulung durch unseren König gut zu nutzen. Und vergessen wir nicht, dass der Hauptzweck dieser Schulung darin besteht, uns geistig stark zu erhalten, damit wir in unserem Dienst unser Bestes geben können.
a Woher wissen wir, dass der Vater dem Sohn zeigte, wie er lehren sollte? Eine Prophezeiung, die Jahrhunderte vor Jesu Geburt geäußert wurde, deutete an, dass Jesus beim Lehren Gleichnisse gebrauchen würde (Ps. 78:2; Mat. 13:34, 35). Jehova, der Urheber dieser Prophezeiung, hatte offensichtlich lange im Voraus festgelegt, dass sein Sohn durch Gleichnisse lehren würde (2. Tim. 3:16, 17).
b Monate später „bezeichnete der Herr siebzig andere und sandte sie zu zweit“ zum Predigen aus. Auch sie wurden von ihm geschult (Luk. 10:1-16).
c Manche haben die Gileadschule mehr als einmal besucht.
d Mehr darüber, wie Gileadmissionare das weltweite Predigen vorangebracht haben, findet man in Kapitel 23 des Buches Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes.
e Die zwei letztgenannten Schulen wurden durch die Schule für Königreichsverkündiger ersetzt.
f Heute können alle Ältesten die Königreichsdienstschule besuchen. Die Seminare finden alle paar Jahre statt und sind von unterschiedlicher Dauer. Seit 1984 werden dort auch Dienstamtgehilfen geschult.
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Wie unser Werk finanziert wirdGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 18
Wie unser Werk finanziert wird
1, 2. (a) Was antwortete Bruder Russell auf die Frage, wie die Aktivitäten der Bibelforscher finanziert werden? (b) Worum geht es in diesem Kapitel?
EINMAL wurde Bruder Charles T. Russell von einem Geistlichen der reformierten Kirche darauf angesprochen, wie die Aktivitäten der Bibelforscher eigentlich finanziert werden.
„Wir erheben keine Kollekte“, erklärte Bruder Russell.
„Und wie kommen Sie dann zu Geld?“, wollte der Geistliche wissen.
„Wenn ich Ihnen die schlichte Wahrheit sage“, entgegnete Russell, „werden Sie es kaum glauben können. Interessierten Personen wird kein Kollektenteller unter die Nase gehalten. Aber es ist ihnen klar, dass Ausgaben entstehen. Sie sagen sich: ‚Dieser Saal kostet doch etwas. . . . Ob ich wohl eine Kleinigkeit beisteuern kann?‘ “
Der Geistliche sah Bruder Russell ungläubig an.
„Ich sage Ihnen die reine Wahrheit“, fuhr Russell fort. „Ich werde tatsächlich öfter gefragt: ‚Wie kann ich für diese Sache eine Kleinigkeit beisteuern?‘ Wer vom Herrn gesegnet wird, möchte das, was er hat, für den Herrn verwenden. Wenn er nichts hat, warum sollten wir ihn dann zum Spenden drängen?“a
2 Ja, Bruder Russell sagte die „reine Wahrheit“. Gottes Volk hat das Königreichswerk schon immer durch freiwillige Spenden unterstützt. Dazu werden wir nun einige biblische Beispiele betrachten und auch auf die jüngere Geschichte der Zeugen Jehovas eingehen. Dieser Überblick gibt uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie wir persönlich das Königreichswerk unterstützen.
„Jeder, der willigen Herzens ist ...“
3, 4. (a) Welches Vertrauen hat Jehova zu seinen Anbetern? (b) Wie unterstützten die Israeliten den Bau der Stiftshütte?
3 Jehova weiß, dass er sich auf seine Anbeter verlassen kann. Sie steuern gern etwas bei, wo immer sich die Gelegenheit dafür bietet. Das verdeutlichen zwei Beispiele aus der Geschichte Israels.
4 Nachdem Jehova die Israeliten aus Ägypten befreit hatte, sollten sie die Stiftshütte bauen. Für dieses transportable Zelt und die Einrichtungsgegenstände brauchte man kostspielige Materialien. Moses gab dem Volk im Auftrag Jehovas die Gelegenheit, das Projekt zu unterstützen. „Jeder, der willigen Herzens“ war, konnte einen „Beitrag für Jehova“ leisten (2. Mo. 35:5). Wie reagierten die Israeliten, die ja noch kurz zuvor „tyrannisch als Sklaven“ ausgebeutet wurden? (2. Mo. 1:14). Sie waren mit ganzem Herzen dabei und trennten sich gern von Wertsachen aus Gold und Silber und von anderen Kostbarkeiten. Das meiste davon hatten sie wohl von ihren ehemaligen Besitzern, den Ägyptern, erhalten (2. Mo. 12:35, 36). Das Volk steuerte mehr bei, als man brauchte, und musste davon „zurückgehalten“ werden, noch mehr zu geben (2. Mo. 36:4-7).
5. Wie reagierten die Israeliten, als David ihnen die Gelegenheit gab, etwas für den Bau des Tempels beizusteuern?
5 Ungefähr 475 Jahre später unterstützte David mit seinem Privatvermögen den Bau des Tempels — das erste Zentrum der wahren Anbetung mit festem Standort. David gab auch den anderen Israeliten die Gelegenheit, etwas beizusteuern. Er fragte: „Wer ist da, der sich freiwillig stellt, um heute seine Hand mit einer Gabe für Jehova zu füllen?“ Die Reaktion? „Mit ungeteiltem Herzen steuerten sie freiwillige Gaben für Jehova bei“ (1. Chr. 29:3-9). In einem Gebet erwähnte David, dass diese Spenden in Wirklichkeit von Jehova stammten: „Alles ist von dir, und aus deiner eigenen Hand ist, was wir dir gegeben haben“ (1. Chr. 29:14).
6. Warum wird heute für das Königreichswerk Geld gebraucht, und welche Fragen ergeben sich daraus?
6 Weder Moses noch David mussten das Volk zu etwas drängen. Es beteiligte sich von ganzem Herzen. Wie sieht es heute aus? Natürlich wird für das Königreichswerk Geld gebraucht. Druck und Versand von Bibeln und biblischer Literatur, Bau und Instandhaltung von Versammlungsstätten und Zweigbüros sowie Katastrophenhilfe für Glaubensbrüder erfordern enorme Mittel. Da ergeben sich unwillkürlich die Fragen: Woher kommen die nötigen Gelder? Müssen die Nachfolger Jesu zum Geben gedrängt werden?
Wir brauchen nicht „um Unterstützung zu bitten oder zu betteln“
7, 8. Warum brauchen wir nicht um Geld zu bitten oder zu betteln?
7 Bruder Russell und seine Weggefährten sträubten sich gegen die in den Kirchen übliche Beschaffung von Spendengeldern. Unter der Überschrift „Möchten Sie gern ‚Zions Wacht-Turm‘ lesen?“ schrieb Russell in der zweiten Ausgabe dieser Zeitschrift: „ ‚Zions Wacht-Turm‘ wird, wie wir glauben, von JEHOVA unterstützt und braucht deshalb nie bei Menschen um Unterstützung zu bitten oder zu betteln. Wenn er, der sagt: ‚All das Gold und Silber der Berge ist mein‘, nicht mehr die nötigen Mittel zur Verfügung stellt, nehmen wir an, dass es Zeit ist, ihr Erscheinen einzustellen“ (Hag. 2:7-9). Heute, über 130 Jahre später, sind Der Wachtturm und die Organisation, die ihn herausbringt, immer noch da!
8 Jehovas Diener betteln nicht um Geld. Sie lassen keine Klingelbeutel herumgehen und verschicken keine Spendenbriefe. Auch veranstalten sie weder Basare noch Tombolas. Sie halten sich an das, was schon vor langer Zeit im Wacht-Turm stand: „Wir haben es noch nie gutgeheißen, für die Sache des Herrn um Geld zu betteln, wie es allgemein üblich ist . . . Nach unserer Beurteilung ist Geld, das auf verschiedene Weise im Namen des Herrn erbettelt wurde, für ihn anstößig und unannehmbar, und es bringt weder dem Geber noch dem vollbrachten Werk Segen ein.“b
„Jeder tue so, wie er es in seinem Herzen beschlossen hat“
9, 10. Was ist einer der Gründe, warum wir aus freien Stücken geben?
9 Als Bürger des Königreiches müssen wir nicht zum Geben genötigt werden. Ganz im Gegenteil! Wir nutzen unsere finanziellen und anderen Mittel gerne zur Unterstützung des Königreiches. Worauf ist diese Bereitwilligkeit zurückzuführen? Sehen wir uns dazu drei Gründe an.
10 Erstens lieben wir Jehova und möchten „die Dinge tun, die in seinen Augen wohlgefällig sind“ (1. Joh. 3:22). Jehova freut sich über jeden, der aus freien Stücken gibt. Hierzu passt, was der Apostel Paulus über das Geben sagte. (Lies 2. Korinther 9:7.) Ein echter Christ spendet nicht widerstrebend oder gezwungenermaßen, sondern weil er es „in seinem Herzen beschlossen hat“.c Das heißt, er hat einen Bedarf erkannt und sieht eine Möglichkeit, dem abzuhelfen. Jehova liebt so einen „fröhlichen Geber“. In einer anderen Bibelübersetzung heißt es: „Gott liebt den Menschen, der gerne gibt.“
Die beiden kleinen Jungen aus Mosambik haben auch schon Freude am Geben
11. Warum fühlen wir uns gedrängt, Jehova unser Bestes zu geben?
11 Zweitens möchten wir Jehova unsere Dankbarkeit zeigen. Im Gesetz des Moses finden wir einen Grundsatz, der zu einer Selbstprüfung anregt. (Lies 5. Mose 16:16, 17.) Bei den drei jährlichen Festen sollte jeder israelitische Mann „entsprechend dem Segen Jehovas“ eine Gabe darbringen. Vor einem Fest musste er also in sich gehen, darüber nachdenken, wie Jehova ihn gesegnet hatte, und dann entscheiden, was die bestmögliche Gabe wäre. Auch wir fühlen uns gedrängt, Jehova unser Bestes zu geben, wenn wir darüber nachdenken, wie viel er für uns getan hat. Was wir Jehova von Herzen schenken — unsere Spenden eingeschlossen — spiegelt wider, wie sehr wir all das Gute schätzen, was von ihm kommt (2. Kor. 8:12-15).
12, 13. Wieso beweisen unsere freiwilligen Spenden, dass wir unseren König lieben, und wovon hängt es ab, was jeder gibt?
12 Drittens möchten wir unserem König Jesus Christus unsere Liebe zeigen. Wie können wir das tun? Beachten wir, was er an seinem letzten Abend auf der Erde zu seinen Jüngern sagte (lies Johannes 14:23): „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten.“ Zu seinem „Wort“ gehört der Auftrag, die gute Botschaft vom Königreich auf der ganzen Erde zu predigen (Mat. 24:14; 28:19, 20). Wir halten dieses „Wort“, wenn wir unser Möglichstes tun, das Predigtwerk zu fördern, indem wir Zeit, Kraft und Mittel einsetzen. Dadurch beweisen wir unsere Liebe zu dem messianischen König.
13 Als loyale Untertanen unseres Königs haben wir das Herzensbedürfnis, das Königreich finanziell zu unterstützen. In welchem Maß, ist eine persönliche Sache. Jeder gibt, was er kann. Viele von uns sind allerdings nicht gerade begütert (Mat. 19:23, 24; Jak. 2:5). Da ist es tröstlich zu wissen, wie sehr Jehova und sein Sohn auch geringe Beiträge schätzen, die von einem freigebigen Herzen zeugen (Mar. 12:41-44).
Wie kommen Gelder zusammen?
14. Wie haben wir lange Zeit unsere Literatur angeboten?
14 Lange Zeit boten Jehovas Zeugen biblische Literatur gegen einen Kostenbeitrag an. Er wurde so niedrig wie möglich angesetzt, damit auch Menschen, die nur über wenig Mittel verfügten, etwas zum Lesen erhalten konnten. Wenn natürlich jemand Interesse zeigte, aber den Beitrag nicht aufbringen konnte, waren die Verkündiger dennoch gern bereit, Literatur zurückzulassen. Es war ihr Herzenswunsch, aufrichtige Menschen mit Lesestoff zu versorgen, der ihr Leben bereichern würde.
15, 16. (a) Welche Änderung beschloss die leitende Körperschaft 1990? (b) Wie kommen Spenden an den Empfänger? (Siehe auch den Kasten „Wohin fließen unsere Spendengelder?“.)
15 Im Jahr 1990 beschloss die leitende Körperschaft eine Änderung. Von da an wurde unsere Literatur in den USA nur noch auf Spendenbasis verbreitet. In einem Brief an alle Versammlungen in Amerika hieß es: „Sämtliche Veröffentlichungen werden an die Verkündiger und an interessierte Leser weitergegeben, ohne um eine Spende zu bitten oder auch nur anzudeuten, man könne diese Literatur nur gegen eine Spende erhalten . . . Wer etwas für unser Bildungswerk geben möchte, kann das natürlich tun, aber er bekommt die Literatur unabhängig von einer Spende.“ Das unterstrich den freiwilligen und religiösen Charakter unseres Werks und machte deutlich: „Wir hausieren nicht mit dem Wort Gottes“ (2. Kor. 2:17). Diese Regelung wurde schließlich überall auf der Welt eingeführt.
16 Wie kommen die Spenden an den Empfänger? In den Königreichssälen der Zeugen Jehovas befinden sich unauffällige Spendenkästen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Spenden direkt einer der Körperschaften zukommen zu lassen, die von Jehovas Zeugen genutzt werden. Die Einzelheiten werden jedes Jahr in einem Wachtturm-Artikel beschrieben.
Wofür die Gelder verwendet werden
17—19. Erkläre, wie Spenden für (a) das weltweite Werk, (b) den Bau von Königreichssälen und (c) laufende Kosten der Versammlungen verwendet werden.
17 Das weltweite Werk. Unser globales Predigtwerk bringt Kosten mit sich, die durch Spenden gedeckt werden. So stellen wir beispielsweise Literatur her, die rund um die Welt verbreitet wird. Es werden Zweigbüros gebaut und instand gehalten und verschiedene theokratische Schulen finden statt. Außerdem werden Missionare, reisende Aufseher und Sonderpioniere unterstützt. Auch stehen wir bei Katastrophen unseren Glaubensbrüdern durch Hilfsmaßnahmen zur Seite.d
18 Weltweiter Bau von Königreichssälen. Der Bau und die Renovierung von Königreichssälen wird durch Spenden finanziert. Durch die laufend eingehenden Spenden stehen immer wieder Gelder zur Verfügung, mit denen weiteren Versammlungen geholfen werden kann.e
19 Kosten der Versammlungen. Mit Spenden werden die laufenden Kosten der Versammlung gedeckt sowie Reparaturarbeiten am Königreichssaal bezahlt. Die Ältesten können außerdem anregen, für das weltweite Werk einen gewissen Betrag an das Zweigbüro weiterzuleiten. In solchen Fällen wird der Versammlung eine Resolution vorgelegt. Wird sie angenommen, geht der empfohlene Betrag ans Zweigbüro. Der Kontenführer der Versammlung erstellt jeden Monat einen Rechnungsbericht. Dieser wird der Versammlung vorgelesen.
20. Wie kann man Jehova mit seinen „wertvollen Dingen“ ehren?
20 Wenn man überlegt, was alles dazu gehört, auf der ganzen Erde das Königreich zu verkündigen und Menschen zu Jüngern zu machen, dann möchte man Jehova gern mit seinen „wertvollen Dingen“ ehren (Spr. 3:9, 10). Zu diesen wertvollen Dingen gehören unsere Körperkraft, unsere natürlichen Talente und unsere christliche Persönlichkeit. All das möchten wir für das Königreichswerk einsetzen. Aber nicht zuletzt gehören auch unsere finanziellen Mittel dazu. Seien wir entschlossen zu geben, wenn und wann immer wir können. Unsere freiwilligen Spenden ehren Jehova und zeigen, dass wir das messianische Königreich unterstützen.
a Der Wacht-Turm (engl.) vom 15. Juli 1915, Seite 218, 219.
b Wacht-Turm (engl.) vom 1. August 1899, Seite 201.
c Das griechische Wort, das mit „beschlossen“ übersetzt wurde, enthält laut einem Bibelkommentator den „Gedanken der Vorausplanung“. „Es macht zwar Freude, etwas spontan zu geben, aber das Geben sollte auch geplant und systematisch erfolgen“ (1. Kor. 16:2).
d Mehr zum Thema Katastrophenhilfe findet man in Kapitel 20.
e Kapitel 19 geht näher auf den Bau von Königreichssälen ein.
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Bautätigkeit zur Ehre JehovasGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 19
Bautätigkeit zur Ehre Jehovas
1, 2. (a) Was hat Jehovas Dienern schon immer Freude bereitet? (b) Was schätzt Jehova?
TREUEN Dienern Jehovas hat es schon immer Freude bereitet, zur Ehre seines Namens zu bauen. Die Israeliten beteiligten sich zum Beispiel begeistert am Bau der Stiftshütte und stellten großzügig Materialien bereit (2. Mo. 35:30-35; 36:1, 4-7).
2 In Jehovas Augen sind die Baumaterialien aber nicht das Wertvollste (Mat. 23:16, 17). Was am meisten bei ihm zählt und ihn am meisten ehrt, ist die Anbetung, die Bereitwilligkeit und der Fleiß seiner Diener (2. Mo. 35:21; Mar. 12:41-44; 1. Tim. 6:17-19). Warum ist das bedeutsam? Bauten entstehen und verfallen. Die Stiftshütte und der Tempel beispielsweise existieren nicht mehr. Doch wenn sie auch längst der Vergangenheit angehören, die Großzügigkeit und Mühe der Bauleute hat Jehova nicht vergessen. (Lies 1. Korinther 15:58; Hebräer 6:10.)
3. Worüber gibt dieses Kapitel einen Überblick?
3 Auch in unserer Zeit haben Diener Jehovas hart gearbeitet, um Gebäude für Jehova zu errichten. Unter der Leitung unseres Königs Jesus Christus ist wirklich Erstaunliches geleistet worden! Jehova hat diesen Einsatz eindeutig gesegnet (Ps. 127:1). Kapitel 19 geht nur auf einige wenige Projekte ein. Wir erfahren, wie sie Jehova Ehre bereiten, und lernen einzelne Brüder und Schwestern kennen, die fleißig mit angepackt haben.
Bau von Königreichssälen
4. (a) Warum steigt der Bedarf an Versammlungssälen? (b) Warum sind verschiedene Zweigbüros zusammengelegt worden? (Siehe den Kasten „Bau von Zweigbüros im Wandel der Zeiten“.)
4 Wie in Kapitel 16 erwähnt, möchte Jehova, dass wir uns zur Anbetung versammeln (Heb. 10:25). Unsere Zusammenkünfte sind nicht nur glaubensstärkend, sondern steigern auch unsere Begeisterung für das Predigen. Je weiter die Zeit des Endes voranschreitet, desto mehr beschleunigt Jehova dieses Werk. Und so strömen Jahr für Jahr Hunderttausende zu seiner Organisation (Jes. 60:22). Durch die wachsende Zahl von Untertanen des Königreiches braucht man sowohl größere Produktionsanlagen für biblische Veröffentlichungen als auch mehr Versammlungsgebäude.
5. Warum ist der Name Königreichssaal passend? (Siehe auch den Kasten „Man nannte ihn ‚Neues Licht‘ “.)
5 Schon die Bibelforscher sahen einen Bedarf für eigene Versammlungssäle. Einer der ersten wurde wohl 1890 in West Virginia (USA) fertiggestellt. Bis Anfang der 30er-Jahre hatte Jehovas Volk bereits eine Anzahl Säle gebaut oder renoviert. Es gab jedoch noch keine spezielle Bezeichnung für sie. 1935 reiste Bruder Rutherford nach Hawaii, wo ein neues Zweigbüro mit angegliedertem Saal entstanden war. Als ihn jemand fragte, wie man diese Versammlungsstätte nennen sollte, antwortete Bruder Rutherford: „Meinst du nicht auch, wir sollten sie ‚Königreichssaal‘ nennen, da wir doch die gute Botschaft vom Königreich verkündigen?“ (Mat. 24:14). Diesen passenden Namen erhielten dann bald die meisten Versammlungssäle der Zeugen Jehovas auf der ganzen Welt.
6, 7. Welchen Eindruck hat die Schnellbauweise auf andere gemacht?
6 In den 70er-Jahren stieg der Bedarf an Königreichssälen enorm. Daraufhin entwickelte man in den Vereinigten Staaten eine effiziente Methode, in nur wenigen Tagen einen ansprechenden, zweckmäßigen Saal zu errichten. 1983 gab es in den USA und in Kanada bereits rund 200 solcher Königreichssäle. Um die Arbeit bewältigen zu können, bildete man die ersten regionalen Baukomitees. Die Methode funktionierte so gut, dass die leitende Körperschaft ein festes Programm daraus machte. 1987 existierten in den Vereinigten Staaten 60 regionale Baukomitees.a Und 1992 gab es sie unter anderem auch in Argentinien, Australien, Deutschland, Frankreich, Japan, Mexiko, Spanien und Südafrika. Die fleißigen Brüder und Schwestern, die Königreichs- und Kongresssäle bauen, verdienen bestimmt unsere Unterstützung, denn auch diese Arbeit ist heiliger Dienst.
7 Auf die Leute in der Umgebung machte die Schnellbauweise großen Eindruck. „Glauben versetzt Berge“ — mit diesen Worten beschrieb eine spanische Zeitung beispielsweise den Bau eines Königreichssaals in der Stadt Martos. „Wie ist es möglich, dass in der selbstsüchtigen Welt von heute freiwillige Helfer selbstlos aus verschiedenen Gegenden nach Martos gekommen sind, um ein Gebäude zu errichten, das in puncto Baugeschwindigkeit, Perfektion und Organisation alle Rekorde schlägt?“ Als Antwort wurde in dem Artikel ein freiwilliger Helfer zitiert: „Das ist einfach dem Umstand zu verdanken, dass wir ein von Jehova belehrtes Volk sind.“
Bautätigkeit in Ländern mit begrenzten Mitteln
8. Welches neue Programm genehmigte die leitende Körperschaft 1999, und warum?
8 Ende des 20. Jahrhunderts hatte Jehovas Organisation in Ländern, wo viele ärmere Brüder leben, starken Zulauf. Die einheimischen Versammlungen taten ihr Möglichstes, Königreichssäle zu bauen. Oft wirkten diese Säle im Vergleich zu anderen Gotteshäusern jedoch ziemlich primitiv, was Spott und Vorurteile hervorrief. Die leitende Körperschaft genehmigte daher 1999 ein Programm zur beschleunigten Errichtung von Königreichssälen in solchen Ländern. Mit Geldern aus wohlhabenderen Staaten gelang es, einen „Ausgleich“ zu schaffen. (Lies 2. Korinther 8:13-15.) Auch meldeten sich Brüder und Schwestern aus anderen Ländern als Freiwillige für diese Bauprojekte.
9. Welche Aufgabe schien kaum zu bewältigen, aber was wurde erreicht?
9 Anfangs dachte man, die Aufgabe sei kaum zu bewältigen. Gemäß einem Bericht aus dem Jahr 2001 wurden über 18 300 Säle in 88 Ländern gebraucht. Gottes Geist und unser König Jesus Christus machen jedoch alles möglich (Mat. 19:26). So entstanden in etwa 15 Jahren (1999 bis 2013) im Rahmen des genannten Programms 26 849 Königreichssäle.b Da Jehova die Predigttätigkeit fortlaufend segnet, brauchte man 2013 in diesen Ländern weitere 6 500 Königreichssäle, und der Bedarf nimmt Jahr für Jahr um Hunderte zu.
Der Bau von Königreichssälen in Ländern mit begrenzten Mitteln hat seine Herausforderungen
10—12. Wieso hat der Bau von Königreichssälen dem Namen Jehovas Ehre bereitet?
10 Wieso hat der Bau dieser neuen Königreichssäle dem Namen Jehovas Ehre bereitet? In einem Bericht des Zweigbüros in Simbabwe hieß es: „Einen Monat nach dem Bau eines neuen Königreichssaals kommen in der Regel doppelt so viele Besucher.“ In vielen Ländern zögern die Leute offenbar, zu uns zu kommen, solange noch kein passender Saal da ist. Steht der neue Königreichssaal dann aber, füllt er sich im Handumdrehen und man braucht schon wieder den nächsten. Doch nicht nur das schöne Gebäude an sich bewirkt, dass sich Menschen zu Jehova hingezogen fühlen — oft betrachten die Leute seine Organisation mit ganz anderen Augen, wenn sie die echte christliche Liebe unter der Bautruppe beobachten. Dazu nun ein paar Beispiele.
11 Indonesien. Als ein Beobachter erfuhr, dass sich die Baumannschaft ausschließlich aus Freiwilligen zusammensetzte, sagte er: „Euch muss man einfach bewundern! Jeder von euch bringt vollen Einsatz und dabei seid ihr auch noch so freudig, obwohl ihr kein Geld dafür kriegt. So eine Religion gibt es nicht noch mal!“
12 Ukraine. Eine Frau, die jeden Tag an einer Baustelle vorbeiging, dachte sich, dass hier bestimmt Jehovas Zeugen einen Saal bauen. Sie erzählte: „Ich hatte schon von Jehovas Zeugen gehört, weil meine Schwester seit einiger Zeit eine Zeugin ist. Nachdem ich die Arbeit an dem Gebäude beobachtet hatte, wollte ich auch zu dieser ‚Familie‘ gehören. Dort habe ich gesehen, wie man Liebe lebt.“ Diese Frau fing ein Bibelstudium an und ließ sich 2010 taufen.
13, 14. (a) Was zeigt dir die Reaktion eines Ehepaars, das den Bau eines Königreichssaals beobachtet hat? (b) Wie kann jeder dazu beitragen, dass unsere Königreichssäle dem Namen Jehovas Ehre machen?
13 Argentinien. Ein Ehepaar sprach einen Bruder an, der einen Saalbau leitete. Der Mann sagte: „Wir haben den Baufortschritt aufmerksam verfolgt und jetzt . . . würden wir hier gerne mehr über Gott lernen.“ Er fragte: „Was muss man denn tun, damit man hierhinkommen darf?“ Das Ehepaar nahm das Angebot eines Bibelstudiums an — allerdings nur unter der Bedingung, dass die ganze Familie mitmachen darf. Darauf ließen sich die Brüder natürlich gerne ein.
14 Nicht jeder kann bei einem Saalbau mithelfen, aber jeder kann viel dafür tun, dass der eigene Königreichssaal dem Namen Jehovas Ehre macht. Eine Möglichkeit wäre, bei Bibelstudien, Rückbesuchen oder anderen Gelegenheiten begeistert zu unseren Zusammenkünften einzuladen. Oder man hilft beim Reinigen und Instandhalten des Saals. Mit guter Planung kann man wahrscheinlich auch etwas zum Unterhalt des Gebäudes beisteuern oder für den Bau von Königreichssälen in anderen Ländern spenden. (Lies 1. Korinther 16:2.) Durch all das wird der Name Jehovas gepriesen.
Sie bieten bereitwillig ihre Hilfe an
15—17. (a) Wer führt einen großen Teil der Bauarbeiten aus? (b) Was zeigen dir die Äußerungen von Ehepaaren, die bei der internationalen Bautätigkeit mithelfen?
15 Königreichssäle, Kongresssäle und Zweigbüros werden zu einem großen Teil von den Brüdern und Schwestern aus dem jeweiligen Land gebaut. Oft stehen ihnen jedoch Baufachleute aus anderen Ländern mit Rat und Tat zur Seite. Viele dieser Freiwilligen regeln ihre Angelegenheiten so, dass sie mehrere Wochen lang bei Auslandsprojekten mithelfen können. Andere Brüder und Schwestern stellen sich für etliche Jahre zur Verfügung und ziehen von einer Baustelle zur anderen.
Timo und Lina Lappalainen (Siehe Absatz 16)
16 Die internationale Bautätigkeit ist eine große Herausforderung, bringt aber auch unvergessliche Erlebnisse mit sich. Timo und Lina haben schon in asiatischen, europäischen und südamerikanischen Ländern beim Bau von Königreichssälen, Kongresssälen und Zweigbüros mitgearbeitet. Timo sagt: „In den letzten 30 Jahren habe ich im Schnitt alle zwei Jahre eine neue Zuteilung bekommen.“ Lina, seit 25 Jahren mit Timo verheiratet, berichtet: „Ich habe Timo in zehn verschiedene Länder begleitet. Es erfordert einiges an Kraft und Zeit, sich an anderes Essen, ein anderes Klima, eine neue Sprache und ein neues Predigtgebiet zu gewöhnen und neue Freunde zu finden.“c Hat sich die Mühe gelohnt? „Die größten Schwierigkeiten haben zu den größten Segnungen geführt. Wir spürten, was christliche Liebe und Gastfreundschaft bedeuten und wie liebevoll Jehova für uns sorgt. Wir haben auch erlebt, was Jesus meinte, als er seinen Jüngern das Versprechen aus Markus 10:29, 30 gab. Wir haben hundertfach Brüder, Schwestern und Mütter bekommen.“ Timo fügt noch hinzu: „Es bringt eine tiefe Befriedigung, wenn man sich für so einen edlen Zweck einsetzen kann — die Habe des Königs zu vermehren.“
17 Darren und Sarah haben schon Projekte in Afrika, Asien, Europa, Mittelamerika, Südamerika und in der Südpazifikregion unterstützt. Sie haben mehr zurückbekommen als gegeben, sagen sie im Nachhinein. Obwohl es nicht immer leicht war, berichtet Darren: „Es ist etwas ganz Besonderes, mit Brüdern aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Die Liebe zu Jehova ist wie ein Band, das sich um den ganzen Globus zieht und uns alle miteinander verbindet.“ Sarah merkt an: „Was man von Brüdern und Schwestern aus anderen Kulturkreisen doch alles lernen kann! Ihr selbstloser Einsatz für Jehova spornt mich an, weiter mein Bestes zu geben.“
18. Wie erfüllt sich die Prophezeiung aus Psalm 110:1-3?
18 König David prophezeite, dass sich die Untertanen des Königreiches Gottes trotz Problemen „willig“ für diese Regierung einsetzen würden. (Lies Psalm 110:1-3.) Jeder, der das Königreich auf irgendeine Weise tatkräftig unterstützt, trägt zur Erfüllung dieser Prophezeiung bei (1. Kor. 3:9). Zehntausende von Königreichssälen, Hunderte von Kongresssälen und Dutzende von Zweigbüros rund um die Welt liefern den eindrucksvollen Beweis, dass Gottes Königreich real ist und bereits regiert. Wie glücklich können wir uns doch schätzen, den König Jesus Christus bei Projekten zu unterstützen, die Jehova alle Ehre machen!
a Im Jahr 2013 gab es in den USA über 230 000 registrierte Freiwillige, die den 132 regionalen Baukomitees zur Verfügung standen. Die Baukomitees koordinierten jährlich den Bau von ungefähr 75 neuen Königreichssälen und halfen bei der Renovierung oder Instandsetzung von rund 900 Sälen.
b In dieser Zahl sind nicht die vielen Königreichssäle enthalten, die unabhängig von diesem Programm gebaut wurden.
c Internationale Baudiener und -helfer setzen einen Großteil ihrer Zeit auf der Baustelle ein, doch am Wochenende oder abends unterstützen sie auch die Versammlung beim Predigen.
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Hilfseinsätze verherrlichen JehovaGottes Königreich regiert!
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KAPITEL 20
Hilfseinsätze verherrlichen Jehova
1, 2. (a) Was machten die Christen in Judäa durch? (b) Welchen Liebesbeweis sahen sie?
UM DAS Jahr 46 u. Z. herrscht in Judäa eine Hungersnot. Die Vorräte gehen zur Neige und die Jünger Christi können die schwindelerregenden Getreidepreise nicht aufbringen. Wenn nichts geschieht, werden sie verhungern. Doch sie sollen den Schutz Jehovas auf eine Art und Weise verspüren, wie es Christen bis dahin noch nicht erlebt haben.
2 Die Notlage der Judenchristen in Jerusalem und dem übrigen Judäa geht Christen jüdischer und heidnischer Herkunft im syrischen Antiochia sehr nahe. Sie sammeln für ihre Glaubensbrüder und wählen aus ihrer Mitte zwei verantwortungsbewusste Männer aus — Saulus und Barnabas —, die sie dann mit der finanziellen Hilfe zu den Ältesten in Jerusalem schicken. (Lies Apostelgeschichte 11:27-30; 12:25.) Man kann sich gut vorstellen, wie dieser Liebesbeweis die hungernden Brüder in Judäa berührt haben muss.
3. (a) Wie folgen Gottes Diener heute dem Beispiel der Christen in Antiochia? Nenne ein Beispiel. (Siehe auch den Kasten „Die erste groß angelegte Hilfsaktion in unserer Zeit“.) (b) Um welche Fragen geht es in diesem Kapitel?
3 Dies ist der erste aufgezeichnete Bericht über Christen, die ihren Glaubensbrüdern in einem anderen Land eine Hilfslieferung zukommen ließen. Heute machen wir es genauso wie unsere Brüder in Antiochia. Wenn wir erfahren, dass Zeugen Jehovas irgendwo von einer Katastrophe oder Notlage betroffen sind, leisten wir ihnen Hilfe.a Um den Zusammenhang zwischen Hilfsaktionen und dem regulären Dienst für Jehova aufzuzeigen, möchten wir uns mit drei Fragen beschäftigen: Warum gehört für uns Katastrophenhilfe zu unserem Dienst für Gott? Welche Ziele verfolgen wir mit diesen Hilfseinsätzen? Wie kommt die Hilfe allen Beteiligten zugute?
Warum ist Katastrophenhilfe „heiliger Dienst“?
4. Was machte Paulus im zweiten Korintherbrief deutlich?
4 Im zweiten Korintherbrief — er richtete sich zwar an die Gesalbten, vieles gilt heute aber auch für die „anderen Schafe“ — machte Paulus deutlich, dass sich der christliche Dienst auf zwei Bereiche erstreckt (Joh. 10:16). Zum einen verrichten wir alle einen „Dienst der Versöhnung“, das heißt, wir predigen und lehren (2. Kor. 5:18-20; 1. Tim. 2:3-6). Und zum anderen beteiligen wir uns an einem Dienst für unsere Glaubensbrüder, den Paulus als „Hilfsdienst“ bezeichnet (2. Kor. 8:4, NeÜ bibel.heute). In beiden Fällen geht der Ausdruck „Dienst“ auf das griechische Wort diakonía zurück. Warum ist das von Bedeutung?
5. Warum ist es von Bedeutung, dass Paulus Hilfseinsätze als „Dienst“ bezeichnete?
5 Paulus gebraucht für beide Tätigkeitsbereiche dasselbe Wort und reiht damit Hilfsaktionen in die anderen Dienste der Christenversammlung ein. Schon früher hatte er erklärt: „Es gibt verschiedene Dienste, doch nur e i n e n Herrn; es gibt verschiedene Wirkungen . . . Das alles aber wirkt der eine und derselbe Geist“ (1. Kor. 12:4-6, 11, Rießler/Storr). Paulus brachte die verschiedenen Dienste in der Versammlung sogar mit „heiligem Dienst“ in Zusammenhang (Röm. 12:1, 6-8).b Kein Wunder, dass er einen Teil seiner Zeit dazu verwenden wollte, „den Heiligen zu dienen“ (Röm. 15:25, 26).
6. (a) Wie erklärte Paulus, dass Hilfseinsätze Teil unseres Dienstes für Gott sind? (b) Erkläre, wie unsere Hilfseinsätze weltweit organisiert sind. (Siehe den Kasten „Wenn eine Katastrophe eintritt“.)
6 Paulus erklärte den Korinthern, warum Hilfseinsätze ein Teil ihres Dienstes und ihrer Anbetung sind. Sein Argument: Christen, die solche Aktionen unterstützen, unterwerfen sich „der guten Botschaft über den Christus“ (2. Kor. 9:13). Sie stehen ihren Glaubensbrüdern bei, weil sie Christi Lehren in die Tat umsetzen möchten. Diese Liebesbeweise sind nach Paulus’ Worten in Wirklichkeit ein Ausdruck der „alles übertreffenden unverdienten Güte Gottes“ (2. Kor. 9:14; 1. Pet. 4:10). Über die Hilfe für Not leidende Brüder, wozu ja auch Katastrophenhilfe gehört, hieß es im Wachtturm vom 1. März 1976 treffend: „Es steht außer allem Zweifel, dass Jehova Gott und sein Sohn Jesus Christus dieser Art des Dienens große Bedeutung beimessen.“ Hilfseinsätze sind ein wertvoller Teil des heiligen Dienstes (Röm. 12:1, 7; 2. Kor. 8:7; Heb. 13:16).
Hilfsaktionen mit einer klaren Zielrichtung
7, 8. Erkläre, was das erste Ziel unseres Hilfsdienstes ist.
7 Welche Ziele verfolgen wir mit unserem Hilfsdienst? Darauf geht Paulus im zweiten Korintherbrief ebenfalls ein. (Lies 2. Korinther 9:11-15.) Er stellt hier drei Hauptziele „dieses öffentlichen Dienstes“ heraus. Sehen wir sie uns nacheinander an.
8 Erstens wird durch unseren Hilfsdienst Jehova verherrlicht. Achten wir einmal darauf, wie oft Paulus in den fünf Versen die Aufmerksamkeit seiner Brüder auf Jehova Gott lenkt. Er spricht von einer „Dankesäußerung gegenüber Gott“ und erwähnt dann noch einmal „viele Dankesäußerungen gegenüber Gott“ (Vers 11, 12). Auch weist er darauf hin, dass Christen wegen der Hilfsmaßnahmen Gott verherrlichen und sich begeistert über die „alles übertreffende unverdiente Güte Gottes“ äußern (Vers 13, 14). Paulus schließt seine Ausführungen mit den Worten ab: „Dank sei Gott“ (Vers 15; 1. Pet. 4:11).
9. Nenne ein Beispiel dafür, wie unsere Hilfsaktionen Menschen zum Umdenken veranlassen können.
9 Wie Paulus sehen auch wir Hilfsmaßnahmen als eine Gelegenheit, Jehova zu verherrlichen und seine Lehre zu „schmücken“ (1. Kor. 10:31; Tit. 2:10). Oft tragen sie entscheidend dazu bei, falsche Vorstellungen über Jehova und seine Zeugen auszuräumen. Dazu ein Beispiel: Eine Frau, deren Wohnort von einem Wirbelsturm verwüstet worden war, hatte an ihrer Haustür ein Schild mit der Aufschrift: „Jehovas Zeugen nicht erwünscht!“ Eines Tages sah sie, wie Katastrophenhelfer ein Haus auf der anderen Straßenseite instand setzten. Nachdem sie die freundlichen Helfer mehrere Tage beobachtet hatte, wollte sie wissen, was das für Leute waren, und ging zu ihnen. Als sie erfuhr, dass es Zeugen Jehovas waren, staunte sie und sagte: „Ich habe euch falsch eingeschätzt.“ Daraufhin entfernte sie das Schild.
10, 11. (a) Was beweist, dass das zweite Ziel unserer Hilfseinsätze erreicht wird? (b) Welche Broschüre gibt es für Katastrophenhelfer? (Siehe den Kasten „Eine zusätzliche Hilfe für Einsatzkräfte“.)
10 Zweitens möchten wir dem „Mangel“ unserer Glaubensbrüder „völlig abhelfen“ (2. Kor. 9:12a). Es liegt uns sehr am Herzen, die akuten Bedürfnisse unserer Brüder und Schwestern zu stillen und ihre Not zu lindern. Warum? Die Christenversammlung bildet „e i n e n Leib“, und „wenn e i n Glied leidet, leiden alle anderen Glieder mit“ (1. Kor. 12:20, 26). Angetrieben von brüderlicher Zuneigung und Mitgefühl lassen viele Brüder und Schwestern alles stehen und liegen und machen sich mit ihrem Werkzeug im Gepäck auf den Weg in Katastrophengebiete (Jak. 2:15, 16). Nach einem Tsunami in Japan schickte das US-Zweigbüro 2011 einen Brief an die regionalen Baukomitees in Amerika und fragte, ob „einige qualifizierte Brüder“ beim Wiederaufbau von Königreichssälen mithelfen könnten. Wie war die Resonanz? Innerhalb weniger Wochen meldeten sich fast 600 Freiwillige, und alle waren bereit, auf eigene Kosten nach Japan zu fliegen! „Wir waren einfach überwältigt von der Reaktion“, schrieb das Zweigbüro. Auf die Frage, warum er nach Japan gekommen sei, antwortete ein Helfer: „Wir gehören doch alle zu dem einen ‚Leib‘ — auch unsere Brüder in Japan. Wir leiden mit ihnen.“ Aus selbstloser Liebe haben Einsatzkräfte mitunter sogar ihr Leben riskiert, um ihren Glaubensbrüdern zu helfen (1. Joh. 3:16).c
11 Auch Außenstehende äußern sich anerkennend über unsere Hilfsaktionen. 2013 berichtete eine Zeitung nach einem Katastropheneinsatz im US-Bundesstaat Arkansas über die schnelle Reaktion eines Freiwilligentrupps: „Durch gute Organisation haben Jehovas Zeugen die freiwillige Katastrophenhilfe zu einer wahren Kunst entwickelt.“ Es ist so, wie Paulus schrieb: Wir möchten der Not unserer Brüder „völlig abhelfen“.
12—14. (a) Warum ist das dritte Ziel unserer Hilfsaktionen so wichtig? (b) Welche Äußerungen zeigen, wie wichtig es für die Betroffenen ist, ihren Dienst für Jehova fortzusetzen?
12 Drittens helfen wir den Betroffenen, ihren Dienst für Jehova fortzusetzen. Warum ist das so wichtig? Wie Paulus erklärte, fühlen sich die Empfänger zu vielen „Dankesäußerungen gegenüber Gott“ gedrängt (2. Kor. 9:12b). Wie könnten sie ihre Dankbarkeit gegenüber Jehova besser ausdrücken, als so schnell wie möglich wieder für ihn aktiv zu werden? (Phil. 1:10). Im Jahr 1945 schrieb Der Wachtturm: „Paulus billigte . . . Sammlungen, weil dadurch . . . Not leidenden christlichen Geschwistern materielle Hilfe geleistet werden konnte und sie daraufhin besser in der Lage waren, sich tatkräftig im Zeugniswerk für Jehova einzusetzen.“ Das ist auch heute unser Ziel. Sobald die Brüder wieder predigen gehen, machen sie nicht nur ihren in Not geratenen Nachbarn Mut, sondern auch sich selbst. (Lies 2. Korinther 1:3, 4.)
13 Hier einige Kommentare von Brüdern und Schwestern, die dringend benötigte Hilfe erhielten, ihren Dienst wiederaufnahmen und dadurch gestärkt wurden. „Der Predigtdienst hat uns als Familie gutgetan“, sagte ein Bruder. „Andere zu trösten ließ uns für kurze Zeit die eigenen Sorgen vergessen.“ Eine Schwester berichtete: „Mich auf den Dienst zu konzentrieren, hat mich von dem Bild der Zerstörung um mich herum abgelenkt. Ich verspürte ein Gefühl der Geborgenheit.“ Eine andere Schwester erzählte: „In einer Zeit, als vieles außer Kontrolle geraten war, hat der Dienst uns als Familie eine Richtung gegeben. Mit anderen über unsere Hoffnung auf die neue Welt zu reden hat uns in der Zuversicht bestärkt, dass alles neu gemacht wird.“
14 Wichtig ist es auch, dass unsere betroffenen Glaubensbrüder so schnell wie möglich wieder ihre Zusammenkünfte haben. Das kann Kiyoko nur bestätigen. Mit Ende 50 verlor sie bei einem Tsunami alles, was sie besaß — bis auf das, was sie am Leib trug. Sie wusste nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Dann sagte ihr ein Ältester, er würde gerne die reguläre Zusammenkunft in seinem Auto abhalten. Kiyoko erzählt: „Ich saß mit einem Ältesten, seiner Frau und einer anderen Schwester im Auto. Die Zusammenkunft war zwar nur improvisiert, aber wie durch ein Wunder verblasste die Erinnerung an den Tsunami und ich verspürte inneren Frieden. Diese Zusammenkunft hat mir gezeigt, was für eine Kraft der Kontakt mit unseren Glaubensbrüdern hat.“ Eine andere Schwester sagte über die Zusammenkünfte nach einem Unglück: „Sie waren mein Rettungsanker!“ (Röm. 1:11, 12; 12:12).
Die langfristigen Auswirkungen unseres Hilfsdienstes
15, 16. (a) Welchen Nutzen brachte es beispielsweise Christen in Korinth, Hilfsmaßnahmen zu unterstützen? (b) Wie sieht der Nutzen heute aus?
15 In seinen Ausführungen über den Hilfsdienst erklärte Paulus den Korinthern auch, wie diese Einsätze allen Beteiligten zugute kommen. Über die Judenchristen in Jerusalem, die die Hilfe empfingen, schrieb er: „In ihrem Flehen für euch werden sie eine herzliche Zuneigung zu euch haben wegen der überschwänglichen Gnade Gottes euch gegenüber“ (2. Kor. 9:14, Schlachter). Die Großzügigkeit der Korinther motivierte die Judenchristen also, für ihre Brüder in Korinth — auch diejenigen heidnischer Herkunft — zu beten, und ihre gegenseitige Zuneigung vertiefte sich.
16 Der Wachtturm vom 1. Dezember 1945 übertrug das, was Paulus über die Auswirkungen von Hilfsmaßnahmen sagte, auf unsere Zeit: „Was für eine vereinigende Wirkung es doch hat, wenn Gottes geweihte Diener sich gegenseitig unterstützen!“ Genau das erleben Katastrophenhelfer heute. Ein Ältester, der nach einer Flutkatastrophe mit anpackte, stellte fest: „Durch die Hilfseinsätze fühle ich mich meinen Brüdern näher als je zuvor.“ Eine Schwester drückte ihre Dankbarkeit für die Hilfe so aus: „Wenn man eine Vorstellung vom Paradies haben möchte, muss man sich nur unsere Bruderschaft ansehen.“ (Lies Sprüche 17:17.)
17. (a) Wie bewahrheitet sich Jesaja 41:13 durch Hilfseinsätze? (b) Nenne einige Beispiele dafür, wie durch Hilfsmaßnahmen Jehova geehrt und unsere Einheit gestärkt wird. (Siehe auch den Kasten „Freiwillige überall im Einsatz“.)
17 Sobald die Katastrophenhelfer eintreffen, erleben die betroffenen Brüder und Schwestern auf eine ganz besondere Weise, wie Jehova sein Versprechen wahr macht: „Ich, Jehova, dein Gott, ergreife deine Rechte, der zu dir spricht: ‚Fürchte dich nicht. Ich selbst will dir helfen‘ “ (Jes. 41:13). Nach einer Katastrophe berichtete eine Schwester: „Als ich die Verwüstung sah, wusste ich keinen Ausweg, aber Jehova hat mir seine Hand hingestreckt. Mir fehlen die Worte für das, was die Brüder alles getan haben.“ Zwei Älteste aus einem Erdbebengebiet schrieben im Namen ihrer Versammlung: „Das Beben hat viel Leid verursacht, doch durch unsere Brüder haben wir Jehovas Hilfe verspürt. Wir hatten ja schon einiges über Hilfsaktionen gelesen, aber jetzt sahen wir sie mit eigenen Augen.“
Kannst du mitmachen?
18. Was kann man tun, wenn man bei Hilfseinsätzen mitmachen möchte? (Siehe auch den Kasten „Es gab seinem Leben eine klare Richtung“.)
18 Möchtest du auch die Freude erleben, bei Hilfseinsätzen mitzumachen? Die Einsatzkräfte werden oft aus denen ausgewählt, die beim Bau von Königreichssälen mithelfen. Sprich deshalb mit den Ältesten darüber, dass du gerne eine Bewerbung ausfüllen würdest. Ein Ältester mit viel Erfahrung bei Hilfsaktionen rät dringend: „Reise erst dann in ein Katastrophengebiet, wenn du eine offizielle Einladung von einem Katastrophenhilfskomitee erhalten hast.“ So können die Einsätze besser koordiniert werden.
19. Wieso tragen Hilfsaktionen dazu bei, dass man uns als echte Jünger Christi erkennt?
19 Hilfsaktionen sind wirklich eine hervorragende Möglichkeit, Jesu Gebot zu befolgen, „einander zu lieben“. Wir erweisen uns dadurch als echte Jünger Christi (Joh. 13:34, 35). Dass treue Unterstützer des Königreiches in Notzeiten sofort füreinander da sind, verherrlicht Jehova.
a In diesem Kapitel geht es um Hilfsmaßnahmen für unsere Glaubensbrüder. Oft kommen solche Einsätze aber auch Außenstehenden zugute (Gal. 6:10).
b Paulus benutzte für „Dienstamtgehilfen“ die Mehrzahl des Wortes diákonos (Diener) (1. Tim. 3:12).
c Siehe den Artikel „Hilfe für unsere Familie der Gläubigen in Bosnien“ im Wachtturm vom 1. November 1994, Seite 23 bis 27.
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Wahrheit: Das Königreich sorgt für geistige SpeiseGottes Königreich regiert!
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Links: Eine Schwester in Alabama (USA) spielt Ende der 30er-Jahre einen Kurzvortrag von Bruder Rutherford ab; rechts: Schweiz
TEIL 1
Wahrheit: Das Königreich sorgt für geistige Speise
DU SITZT mit deinem Predigtdienstpartner bei einem Bibelstudium. Gerade habt ihr eine Bibelstelle gelesen und der Studierende fragt mit leuchtenden Augen: „Heißt das, wir können für immer auf der Erde leben? In einem Paradies?“ Dein Partner lächelt und sagt: „Na ja, was steht denn hier?“ Der Interessierte schüttelt den Kopf: „Ich kann’s einfach nicht glauben, dass mir das noch niemand gesagt hat!“ Vor ein paar Wochen hat er ganz ähnlich reagiert, als er erfuhr, dass Gottes Name Jehova ist.
Viele haben so etwas schon einmal beobachtet. Solche Erlebnisse führen dir lebhaft vor Augen, was für ein kostbares Geschenk du erhalten hast — du darfst die Wahrheit verstehen! Aber überleg mal kurz: Wie bist du überhaupt zu diesem Geschenk gekommen? In Teil 1 werden wir dieser Frage auf den Grund gehen. Gottes Volk wurde im Laufe der Jahre zu einem immer klareren Verständnis der Bibel geführt — ein überzeugender Beweis, dass Gottes Königreich real ist. Seit 100 Jahren hilft der König Jesus Christus dem Volk Gottes, die Wahrheit zu verstehen.
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Predigtwerk: Das Königreich wird weltweit bekannt gemachtGottes Königreich regiert!
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Links: Eine Vollzeitpredigerin in Korea (1931); rechts: Gespräch mit einer gehörlosen Koreanerin heute
TEIL 2
Predigtwerk: Das Königreich wird weltweit bekannt gemacht
DAS Wochenende ist gekommen und du möchtest früh in den Predigtdienst starten. Aber du fühlst dich noch ein bisschen müde und zögerst einen Moment. Wäre das schön, den ganzen Vormittag auszuspannen! Doch dann betest du und ziehst los. Deine Dienstpartnerin ist eine ältere Schwester, die dich mit ihrer Ausdauer und lieben Art tief beeindruckt. Während ihr den Menschen von der biblischen Wahrheit erzählt, kommt dir in den Sinn, dass deine Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt alle dieselbe Botschaft predigen, dieselbe Literatur verbreiten und dieselbe Schulung erhalten. Glücklich kehrst du nach Hause zurück. Du bist so froh, dass du nicht daheimgeblieben bist!
Die Predigttätigkeit ist zurzeit der wichtigste Auftrag des Königreiches. Nach Jesu Worten sollte dieses Werk in den letzten Tagen ein gewaltiges Ausmaß annehmen (Mat. 24:14). Wie hat sich Jesu Prophezeiung erfüllt? Heute erkennen weltweit Millionen, dass Gottes Königreich eine Realität ist. Teil 2 wird sich nun mit den Menschen, den Methoden und der Ausrüstung befassen, die für das Predigtwerk so unentbehrlich sind.
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Maßstäbe: Das Königreich hilft, Gottes Gerechtigkeit zu suchenGottes Königreich regiert!
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Links: Die Brooklyner Bethelfamilie bei ihrem letzten Weihnachtsfest (1926); rechts: Es fällt auf, dass Jehovas Zeugen anders sind
TEIL 3
Maßstäbe: Das Königreich hilft, Gottes Gerechtigkeit zu suchen
DU SIEHST deinen Nachbarn und winkst ihm freundlich zu. In letzter Zeit ist dir aufgefallen, dass er deine Familie verstohlen beobachtet. Er grüßt zurück und ruft dich zu sich. „Darf ich Sie mal was fragen? Warum seid ihr eigentlich so anders?“ — „Wie meinen Sie das?“ — „Na ja, ihr seid doch Zeugen Jehovas, oder? Bei euch ist alles so anders als bei den anderen Religionen. Ihr feiert kein Weihnachten, geht nicht wählen, verweigert den Wehrdienst, keiner von euch raucht und eure Kinder wirken so anständig. Wie kommt das?“
Die Antwort lässt sich leicht auf einen Nenner bringen: Wir sind Untertanen von Gottes Königreich. Unser König Jesus unterzieht uns einem ständigen Läuterungsprozess. Er hat uns seine Fußstapfen hinterlassen, damit wir uns von der heutigen verdorbenen Welt deutlich unterscheiden. Dieser Teil befasst sich damit, wie Gottes Volk durch das messianische Königreich in der Anbetung, in der Moral und im organisatorischen Aufbau geläutert worden ist — alles zur Ehre Jehovas.
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Erfolge: Das Königreich verteidigt die gute BotschaftGottes Königreich regiert!
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Links: In Eindhoven wird ein Verkündiger beim Predigen festgenommen (Niederlande, 1945); rechts: Ist das Recht zu predigen in deinem Land gesetzlich geschützt?
TEIL 4
Erfolge: Das Königreich verteidigt die gute Botschaft
DU BIST mit deinem Dienstpartner von Haus zu Haus unterwegs, als plötzlich eine Sirene aufheult. Das Geräusch kommt immer näher. Während du an der nächsten Tür vorsprichst, sieht dein Partner einen Polizeiwagen vorfahren. Ein Beamter steigt aus und fragt: „Sind Sie beide hier mit der Bibel von Tür zu Tür unterwegs? Bei uns sind Beschwerden eingegangen.“ Respektvoll gebt ihr euch als Zeugen Jehovas zu erkennen. Wie geht es jetzt weiter?
Das hängt sehr von der Geschichte deines Landes ab. Wie hat sich der Staat in der Vergangenheit gegenüber Jehovas Zeugen verhalten? Gibt es Religionsfreiheit? Wenn ja, dann haben deine Brüder und Schwestern über die Jahrzehnte wahrscheinlich sehr zur „Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ beigetragen (Phil. 1:7). Auf die Prozesse zurückzublicken, die Jehovas Zeugen gewonnen haben, ist äußerst glaubensstärkend. Die nächsten Kapitel gehen auf einige davon ein. Unsere Erfolge vor Gericht liefern den eindrucksvollen Beweis, dass Gottes Königreich eine Realität ist, denn aus eigener Kraft hätten wir das alles nie geschafft.
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Schulung: Das Königreich sorgt für BildungGottes Königreich regiert!
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Links: Zusammenkunft unter freiem Himmel in London (1945); rechts: Tagessonderkongress in Malawi (2012)
TEIL 5
Schulung: Das Königreich sorgt für Bildung
FREUDIG lächelnd schaust du den Redner auf der Bühne an. Der junge Bruder kommt aus deiner Versammlung und ist zum ersten Mal auf einem Kongress am Programm beteiligt. Gespannt hörst du zu und staunst unwillkürlich, was die Schulung, die Gottes Volk erhält, bewirken kann. Du erinnerst dich noch an seine ersten Versuche auf der Bühne und jetzt steht er hier. Nach dem Besuch der Pionierdienstschule hat er deutliche Fortschritte gemacht. Und erst kürzlich haben er und seine Frau die Schule für Königreichsverkündiger besucht. Nach dem ausgezeichneten Vortrag schließt du dich dem allgemeinen Beifall an und lässt deinen Blick über die Menge schweifen. Wie gut Jehova doch jeden seiner Diener schult!
Die Bibel hat eine Zeit vorausgesagt, in der alle aus Gottes Volk „von Jehova Belehrte“ sein würden (Jes. 54:13). In dieser Zeit leben wir heute. Biblische Bildung bekommen wir nicht nur durch unsere Publikationen, sondern auch in der Versammlung und auf Kongressen. Als Vorbereitung für besondere Aufgaben innerhalb der Organisation wurden außerdem verschiedene Schulen eingerichtet. Die umfangreiche Bildung, die wir heute erhalten, beweist eindeutig, dass Gottes Königreich bereits regiert. Davon handeln die nächsten Kapitel.
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Beistand: Das Königreich unterstützt Bau- und HilfsmaßnahmenGottes Königreich regiert!
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Links: Hilfslieferungen aus der Schweiz für die Brüder in Deutschland (1946); rechts: Wiederaufbau eines Königreichssaals nach einem Tsunami in Japan (2011)
TEIL 6
Beistand: Das Königreich unterstützt Bau- und Hilfsmaßnahmen
DU KOMMST in deinen Königreichssaal und erkennst ihn kaum wieder. Dieser Saal war schon immer ein besonderer Ort für dich. Vielleicht hast du sogar beim Bau mitgeholfen und erinnerst dich gern daran zurück. Doch jetzt gewinnt er eine ganz neue Bedeutung für dich, denn er ist vorübergehend in ein Hilfszentrum umgewandelt worden. Nach einer verheerenden Überschwemmung hat das Zweigkomitee sofort Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Den Betroffenen wird nun unter anderem Nahrung, Kleidung und sauberes Wasser zur Verfügung gestellt. Alles ist gut sortiert und die Brüder und Schwestern können sich nehmen, was sie brauchen. Viele Freudentränen fließen.
Nach Jesu Worten sollte das Markenzeichen seiner Jünger ihre gegenseitige Liebe sein (Joh. 13:34, 35). Teil 6 wird uns einen Einblick geben, wie sich diese Liebe bei Bauprojekten und in der Katastrophenhilfe zeigt. Sie ist ein machtvoller Beweis dafür, dass Jesus als unser König regiert.
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