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  • Die Entwicklung der organisatorischen Struktur
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • Natürlich wußte er, daß Christi Apostel Versammlungen gegründet und in jeder dieser Versammlungen Älteste ernannt hatten. Doch er glaubte, daß Christus wieder gegenwärtig war — wenn auch unsichtbar — und selbst die abschließende Ernte derer leitete, die seine Miterben sein sollten. In Anbetracht der Umstände hielt Bruder Russell anfangs die Ältestenvorkehrung, die in der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts bestanden hatte, in der Zeit der Ernte nicht für nötig.

      Als die Bibelforscher allerdings an Zahl zunahmen, erkannte Bruder Russell, daß der Herr die Dinge anders lenkte, als er erwartet hatte. So mußte er seinen Standpunkt korrigieren. Doch gestützt worauf?

      Für die anfänglichen Bedürfnisse der wachsenden Vereinigung gesorgt

      Im Wacht-Turm vom 15. November 1895 (engl.) wurde fast ausschließlich das Thema „Anständig und in Ordnung“ behandelt. Bruder Russell gab darin freimütig zu: „Die Apostel hatten der Urkirche viel über Ordnung bei den Zusammenkünften der Heiligen zu sagen; und wir haben diesen weisen Rat offensichtlich ziemlich vernachlässigt, indem wir ihn für nicht allzu wichtig hielten, weil sich die Kirche so nahe am Ende ihres Laufes befindet und die Ernte eine Zeit der Trennung ist.“ Was war ausschlaggebend dafür, daß man diesen apostolischen Rat nun mit anderen Augen betrachtete?

      In dem Artikel wurden vier Umstände angeführt: 1. Die einzelnen unterschieden sich in ihrer geistigen Entwicklung voneinander. Es gab Versuchungen, Prüfungen, Schwierigkeiten und Gefahren, und nicht alle waren gleich gerüstet, ihnen zu begegnen. Daher bestand ein Bedarf an weisen und besonnenen Aufsehern, erfahrenen und fähigen Männern, denen das geistige Wohl aller sehr am Herzen lag und die sie in der Wahrheit unterweisen konnten. 2. Man hatte beobachtet, daß die Herde vor ‘Wölfen in Schafskleidern’ geschützt werden mußte (Mat. 7:15). Die einzelnen mußten dadurch gestärkt werden, daß man ihnen half, eine genaue Erkenntnis der Wahrheit zu erlangen. 3. Wenn es keine Regelung gäbe, Älteste zu ernennen, die die Herde schützten, würden sich einige, wie die Erfahrung gezeigt hatte, diese Stellung anmaßen und die Herde als ihr Eigentum betrachten. 4. Ohne eine ordentliche Regelung würden Personen, die loyal zur Wahrheit standen, womöglich feststellen müssen, daß ihre Dienste unerwünscht waren, nur weil ein paar Einflußreiche eine andere Ansicht vertraten als sie.

      Aus dieser Sicht hieß es im Wacht-Turm: „Ohne Zögern empfehlen wir den Kirchenc an jedem Ort — seien sie zahlenmäßig groß oder klein —, sich an den apostolischen Rat zu halten und in jeder Gruppe Älteste auszuwählen, die die Herde weiden und die Aufsicht übernehmen“ (Apg. 14:21-23; 20:17, 28). Die Ortsversammlungen befolgten diesen vernünftigen biblischen Rat. Das war ein wichtiger Schritt, den Aufbau der Versammlung so zu gestalten wie in den Tagen der Apostel.

      Gemäß dem damaligen Verständnis erfolgte jedoch die Wahl der Ältesten und der sie unterstützenden Diakone durch die Versammlung. Alljährlich oder nötigenfalls öfter erwog man die Befähigung derer, die als Diener in Frage kamen, und gab dann seine Stimme ab. Im Grunde genommen handelte es sich um eine demokratische Verfahrensweise, der jedoch gewisse Grenzen gesetzt waren, die als Schutz dienen sollten. Alle in der Versammlung wurden ermahnt, die biblischen Anforderungen gewissenhaft durchzugehen, um durch die Wahl nicht ihrer eigenen Meinung Ausdruck zu geben, sondern dem, was nach ihrer Überzeugung der Wille des Herrn war. Wählen durften nur Personen, die „geweiht“ waren. Wenn daher ihre gemeinsame Wahl unter der Leitung des Wortes und Geistes des Herrn erfolgte, sah man das Ergebnis als den Willen des Herrn an. Bruder Russells Empfehlung, so vorzugehen, war möglicherweise nicht allein von seiner Entschlossenheit beeinflußt, alles zu vermeiden, was an eine höhergestellte Geistlichenklasse erinnerte, sondern auch von seiner persönlichen Erfahrung als Jugendlicher in der Kongregationalistenkirche, wenngleich er sich dessen vielleicht nicht völlig bewußt war.

      Als in dem Buch Die neue Schöpfung (herausgegeben 1904), das zu der Bücherserie Millennium-Tagesanbruch gehörte, erneut ausführlich behandelt wurde, welche Rolle die Ältesten spielen und wie sie gewählt werden sollten, wurde die Aufmerksamkeit besonders auf Apostelgeschichte 14:23 gelenkt. Die von James Strong und Robert Young zusammengestellten Konkordanzen dienten als Stütze für die Ansicht, daß die Worte „ordneten ihnen hin und her Aeltesten“ (Lu, 1877) eigentlich bedeuteten, „sie ließen sie durch Handerheben Älteste wählen“.d In einigen Bibelübersetzungen heißt es sogar, die Ältesten seien ‘durch Wahl ernannt’ worden (Young, Literal Translation of the Holy Bible; Rotherham, Emphasised Bible). Aber wer sollte sie wählen?

      Man vertrat den Standpunkt, die ganze Versammlung sollte wählen, doch das zeitigte nicht immer die erhofften Ergebnisse. Die Wählenden mußten zwar „Geweihte“ sein, und einige der Gewählten erfüllten auch wirklich die biblischen Erfordernisse und dienten demütig ihren Brüdern. Aber oftmals ließ die Wahl nicht auf Gottes Wort und Geist schließen, sondern auf eine persönliche Vorliebe. In Halle (Deutschland) dachten zum Beispiel einige, sie müßten Älteste sein, und verursachten schwere Auseinandersetzungen, als sie die gewünschte Stellung nicht erhielten. Unter den Kandidaten in Barmen (Deutschland) waren 1927 auch Männer, die sich gegen das Werk der Gesellschaft stellten, und so kam es während des Handerhebens bei der Wahl zu lauten Beschimpfungen, und man mußte zu einer geheimen Stimmabgabe übergehen.

      Im Jahre 1916 — etliche Jahre vor jenen Begebenheiten — hatte Bruder Russell tief besorgt folgendes geschrieben: „In einigen Klassen herrschen schreckliche Verhältnisse, wenn gewählt werden soll. Die Diener der Kirche versuchen, sich als Herrscher, ja als Diktatoren aufzuspielen — mitunter führen sie sogar den Vorsitz bei der Zusammenkunft offensichtlich in der Absicht, sicherzustellen, daß sie und ihre speziellen Freunde zu Ältesten und Diakonen gewählt werden. ... Einige suchen die Klasse in unauffälliger Weise zu übervorteilen, indem sie die Wahl auf eine für sie und ihre Freunde besonders günstige Zeit festsetzen. Andere suchen alle ihre Freunde zur Zusammenkunft mitzubringen, sogar verhältnismäßig fremde Personen, die gar nicht daran denken, regelmäßig die Klasse zu besuchen, sondern lediglich aus Gefälligkeit kommen, um für einen ihrer Freunde zu stimmen.“

  • Die Entwicklung der organisatorischen Struktur
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • [Kasten auf Seite 207]

      Warum die Änderung?

      Als C. T. Russell gefragt wurde, warum er seine Ansicht über die Wahl der Ältesten in den verschiedenen Gruppen des Volkes des Herrn geändert habe, antwortete er wie folgt:

      „Zuallererst möchte ich versichern, daß ich niemals Unfehlbarkeit beansprucht habe. ... Wir leugnen nicht ab, daß wir in der Erkenntnis wachsen und den Willen des Herrn in bezug auf die Ältesten oder Leiter in den kleinen Gruppen seines Volkes heute in etwas anderem Licht sehen. Unser Fehler war, zuviel von den lieben Brüdern zu erwarten, die, nachdem sie früh in die Wahrheit gekommen waren, ganz automatisch die Leiter dieser kleinen Gruppen wurden. Unsere zu optimistische Idealvorstellung von ihnen lief darauf hinaus, daß die Erkenntnis der Wahrheit sie äußerst demütig stimmen und ihnen helfen würde, ihre eigene Bedeutungslosigkeit zu erkennen und sich in allem, was sie wußten und anderen vermitteln konnten, als ein von Gott benutztes Sprachrohr zu verstehen. Wir hatten den Idealfall angenommen, daß sie im wahrsten Sinne des Wortes Vorbilder für die Herde wären und daß — falls durch des Herrn Vorsehung ein oder mehr Brüder in die kleine Gruppe kämen, die ebenso befähigt oder noch befähigter wären, die Wahrheit darzulegen — der Geist der Liebe sie anleiten würde, einander Ehre zu erweisen und auf diese Weise sich gegenseitig beizustehen und einander anzuspornen, sich am Dienst der Kirche, des Leibes Christi, zu beteiligen.

      Mit diesem Gedanken im Sinn schlußfolgerten wir, daß es sich aufgrund des für heute vorgesehenen und von des Herrn geweihtem Volk geschätzten größeren Maßes an Gnade und Wahrheit erübrigt, der von den Aposteln aufgezeigten Methode der Urkirche zu folgen. Unser Fehler bestand darin, nicht zu erkennen, daß die von den Aposteln unter göttlicher Aufsicht umrissenen Vorkehrungen all dem weit überlegen waren, was andere formulieren konnten, und daß die ganze Kirche die von den Aposteln eingeführten Verordnungen so lange benötigt, bis wir alle durch die Umwandlung in der Auferstehung vollkommen gemacht worden sind und uns unmittelbar in Gemeinschaft mit dem Herrn befinden.

      Unser Fehler wurde uns allmählich bewußt, als wir unter lieben Brüdern einen gewissen Konkurrenzgeist feststellten und sich bei vielen der Wunsch zeigte, an der Leitung der Zusammenkünfte als an einem Amt statt einem Dienst festzuhalten und andere Brüder mit den gleichen natürlichen Fähigkeiten und derselben Erkenntnis der Wahrheit und Geschicklichkeit, das Schwert des Geistes zu schwingen, davon auszuschließen und daran zu hindern, Führungseigenschaften zu entwickeln“ („Zions Wacht-Turm“, 15. März 1906, engl., S. 90).

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