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Moralische Werte, die Achtung verdienenJehovas Zeugen und Schulbildung
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In der Neuzeit nehmen Jehovas Zeugen einen ähnlichen Standpunkt hinsichtlich politischer Neutralität ein. Zum Beispiel ist ihre Standhaftigkeit zur Zeit des Nationalsozialismus geschichtlich verbürgt. Vor und während des Zweiten Weltkriegs verloren schätzungsweise ein Viertel aller deutschen Zeugen Jehovas ihr Leben – vorwiegend in Konzentrationslagern –, weil sie neutral blieben und den Hitlergruß verweigerten. Kinder von Zeugen Jehovas wurden gewaltsam von ihren Eltern getrennt. Trotz des Drucks, der auf diese jungen Menschen ausgeübt wurde, blieben sie eisern und ließen sich nicht von den unbiblischen Lehren, die andere ihnen aufzwingen wollten, vergiften.
Der Fahnengruß
In der Regel sind Jehovas Zeugen heute nicht die Zielscheibe so grausamer Verfolgung. Dennoch kommen manchmal Missverständnisse auf, wenn sich junge Zeugen Jehovas aus Gewissensgründen nicht an patriotischen Zeremonien wie dem Fahnengruß beteiligen.
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22:21, Jerusalemer Bibel)
Kinder von Zeugen Jehovas lernen, andere nicht vom Grüßen der Fahne abzuhalten; jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er die Fahne grüßen will oder nicht. Ihre eigene Ansicht über diesen Punkt steht jedoch fest: Sie grüßen die Fahne keines Landes. Das soll aber keinesfalls ein Zeichen von Respektlosigkeit sein. Sie achten immer die Fahne des Landes, in dem sie leben, was dadurch zum Ausdruck kommt, dass sie die Staatsgesetze einhalten. Jehovas Zeugen beteiligen sich niemals an irgendwelchen staatsfeindlichen Umtrieben. Für sie sind die gegenwärtigen menschlichen Regierungen eine „Anordnung Gottes“, da er sie duldet. Daher fühlen sie sich vor Gott verpflichtet, Steuern zu zahlen und die „obrigkeitlichen Gewalten“ zu respektieren (Römer 13:1-7). Das ist mit den bekannten Worten Jesu in Einklang: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22:21, Jerusalemer Bibel [katholisch]).
Einige mögen fragen, warum Jehovas Zeugen dann die Fahne nicht durch den Fahnengruß ehren. Dem ist so, weil sie den Fahnengruß für einen Akt der Anbetung halten, und Anbetung gebührt Gott; sie können aus Gewissensgründen nichts und niemand außer Gott anbeten (Matthäus 4:10; Apostelgeschichte 5:29). Deswegen schätzen sie es, wenn Lehrer ihre Überzeugung respektieren und Schülern, die Zeugen Jehovas sind, zugestehen, ihrem Glauben treu zu bleiben.
Es verwundert nicht, dass Jehovas Zeugen nicht die Einzigen sind, die im Fahnengruß eine Form der Anbetung sehen; das zeigen folgende Kommentare:
„Die frühesten Fahnen waren fast ausschließlich religiöser Art. . . . Anscheinend suchte man sogar stets, durch kirchliche Zeremonien den Nationalflaggen sakralen Charakter zu verleihen“ (Encyclopædia Britannica; Kursivschrift von uns).
„So wie das Kreuz ist auch die Fahne heilig. . . . Die Vorschriften und Bestimmungen über die Haltung der Menschen den Landesfahnen gegenüber enthalten gewichtige, ausdrucksvolle Worte, wie zum Beispiel ‚Dienst an der Fahne‘, . . . ‚Ehrfurcht vor der Fahne‘ und ‚Hingabe an die Fahne‘ “ (The Encyclopedia Americana; Kursivschrift von uns).
„Die Christen lehnten es ab, . . . dem Genius des [römischen] Kaisers zu opfern – was ungefähr der heutigen Verweigerung des Fahnengrußes oder der Weigerung, das Treuegelöbnis nachzusprechen, entspricht“ (Daniel P. Mannix, Those About to Die, 1958, Seite 135).
Drei junge Hebräer beugten sich nicht vor einem Standbild nieder, das der babylonische König Nebukadnezar hatte aufstellen lassen
Es sei noch einmal betont, dass Jehovas Zeugen durch die Verweigerung des Fahnengrußes keine Missachtung gegenüber einer Regierung oder einem Staatsoberhaupt zum Ausdruck bringen wollen. Sie werden sich nur nicht in einem Akt der Anbetung vor einem Hoheitszeichen verbeugen oder dieses grüßen. Sie sehen darin eine Parallele zu der entschlossenen Haltung, die drei junge Hebräer in biblischer Zeit einnahmen; sie beugten sich nicht vor dem Standbild nieder, das der babylonische König Nebukadnezar in der Ebene Dura hatte aufstellen lassen (Daniel, Kapitel 3). Während daher andere den Fahnengruß leisten oder das Treuegelöbnis sprechen, lernen Kinder von Zeugen Jehovas, ihrem biblisch geschulten Gewissen zu folgen. Deswegen verhalten sie sich bei einer Fahnengrußzeremonie ruhig und respektvoll, nehmen aber nicht daran teil. Aus ähnlichen Gründen wie den zuvor genannten enthalten sich Kinder von Zeugen Jehovas jeglicher Beteiligung, wenn die Nationalhymne gesungen oder gespielt wird.
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