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  • Der Weg, die Wahrheit, das Leben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und seine 11 treuen Apostel

      Der Weg, die Wahrheit, das Leben

      Freust du dich über gute Nachrichten? Der Schöpfer des Universums, Jehova Gott, hat eine sehr gute Nachricht für dich und alle, die du liebst.

      Sie ist in der Bibel zu finden — dem Buch, das Jehova Gott vor vielen Jahren schreiben ließ. Die vorliegende Publikation konzentriert sich vor allem auf vier Bücher der Bibel, die nach den Männern benannt sind, die Gott als Schreiber gebrauchte: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

      Oft werden diese Bibelbücher auch die vier Evangelien genannt, denn jedes enthält das Evangelium — die gute Nachricht oder Botschaft über Jesus: dass Gott durch Jesus für Rettung sorgt und dass er als König von Gottes himmlischem Königreich dauerhafte Segnungen für alle bringen wird, die an ihn glauben (Markus 10:17, 30; 13:13).

      WARUM VIER EVANGELIEN?

      Warum hat Gott gleich vier Berichte über Jesu Leben und seine Lehren schreiben lassen, und nicht nur einen?

      Es bringt Vorteile, unterschiedliche Berichte über Jesu Worte und Taten zu haben. Stellen wir uns vor, vier Männer stehen um einen berühmten Lehrer herum. Der Mann vor ihm hat ein Steuerbüro. Der Mann rechts von ihm ist Arzt. Der links von ihm ist Fischer und eng mit ihm befreundet. Und der Mann hinter ihm ist jünger als die anderen und beobachtet die Szene lediglich. Alle vier sind ehrliche, aufrichtige Männer, doch jeder von ihnen achtet auf etwas anderes. Wenn nun alle vier einen Bericht darüber verfassen, was der Lehrer gesagt und getan hat, wird jeder Bericht andere Ereignisse und Details enthalten. Behält man beim Lesen im Sinn, dass die Berichte aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben sind und unterschiedliche Zielsetzungen haben, kann man ein vollständiges Bild von den Worten und Taten des Lehrers bekommen. So ist es auch mit den vier Berichten über Jesus, den großen Lehrer.

      Zurück zu dem Beispiel: Der Steuereinnehmer schreibt seinen Bericht in erster Linie für Menschen mit einem jüdischen Hintergrund. Daher gliedert er die Ereignisse und Lehren mit dieser Zielgruppe im Sinn. Der Arzt hingegen konzentriert sich mehr auf die Heilungen. Dabei bringt er manche Dinge in eine andere Reihenfolge als der Steuereinnehmer oder erwähnt sie gar nicht. Der Freund schildert vor allem die Eigenschaften und Gefühle des Lehrers. Und der Bericht des jüngeren Mannes ist kürzer und prägnanter gehalten. Und trotzdem sind alle vier Berichte korrekt. Dieses Beispiel zeigt sehr gut, dass wir durch alle vier Berichte zusammen genommen Jesu Lehren und Taten sowie seine Persönlichkeit besser verstehen können.

      Oft spricht man von dem „Matthäusevangelium“ oder dem „Evangelium des Johannes“. Das ist auch nicht falsch, denn sie enthalten ja die „gute Botschaft über Jesus Christus“ (Markus 1:1). Aber genau genommen gibt es nur ein einziges Evangelium über Jesus, nur eine gute Botschaft, die in allen vier Berichten zu finden ist.

      Viele, die Gottes Wort erforschten, verglichen die Fakten und Ereignisse in Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und führten sie zu einem einzigen Bericht zusammen. Der syrische Schreiber Tatian war einer von ihnen. Er betrachtete alle vier Bücher als zuverlässig und von Gott inspiriert. Um das Jahr 170 stellte er seinen Bericht über Jesu Leben und Dienst zusammen, der als Diatessaron bekannt wurde.

      Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben verfolgt ein ähnliches Ziel. Nur ist es genauer und vollständiger. Heute verstehen wir die Erfüllung vieler Prophezeiungen und Veranschaulichungen nämlich besser. Dadurch wird klarer, was Jesus gesagt und getan hat und in welcher Reihenfolge vieles stattgefunden hat. Darüber hinaus hat die Archäologie Licht auf bestimmte Details geworfen sowie auf den Blickwinkel der einzelnen Schreiber. Was die Abfolge der Ereignisse betrifft, darf man natürlich nicht dogmatisch sein. Doch Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben stellt sie in einer Reihenfolge dar, die logisch und wahrscheinlich ist.

      DER WEG, DIE WAHRHEIT, DAS LEBEN

      Während du dich mit diesem Buch beschäftigst, versuche an die übergeordnete Botschaft zu denken. Jesus Christus selbst teilte sie dem Apostel Thomas mit: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6).

      Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben wird dir helfen zu erkennen, dass Jesus eindeutig „der Weg“ ist. Nur durch ihn können wir uns im Gebet an Jehova Gott wenden. Außerdem ist Jesus für uns der Weg, um mit Gott versöhnt zu werden (Johannes 16:23; Römer 5:8). Daher können wir nur durch Jesus ein gutes Verhältnis zu Gott haben.

      Jesus ist auch „die Wahrheit“. Alles, was er sagte und tat, war im Einklang mit der Wahrheit. Ja es war, als wäre die Wahrheit durch ihn auf die Erde gekommen. An Jesus erfüllten sich unzählige Prophezeiungen; sie sind „durch ihn zum Ja geworden“ (2. Korinther 1:20; Johannes 1:14). Durch sie erkennen wir Jesu zentrale Rolle bei der Verwirklichung von Gottes Vorsatz (Offenbarung 19:10).

      Und Jesus Christus ist „das Leben“. Er opferte sein vollkommenes Leben und ermöglichte uns so „das wirkliche Leben“, ja „das ewige Leben“ (1. Timotheus 6:12, 19; Epheser 1:7; 1. Johannes 1:7). Er wird sich auch für Millionen Verstorbene als „das Leben“ erweisen, wenn er sie mit der Aussicht auferweckt, ewig im Paradies zu leben (Johannes 5:28, 29).

      Wir alle müssen Jesu Rolle in Gottes Vorsatz verstehen. Darum: Viel Freude, wenn du nun Jesus noch besser kennenlernst — „den Weg und die Wahrheit und das Leben“.

  • Bis zum Beginn von Jesu Dienst
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria, Joseph und einige Hirten schauen auf den schlafenden kleinen Jesus in der Krippe

      TEIL 1

      Bis zum Beginn von Jesu Dienst

      „Er wird groß sein“ (Lukas 1:32)

  • Der Beginn von Jesu Dienst
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus im Jordan, kurz nachdem er von Johannes dem Täufer getauft worden ist

      TEIL 2

      Der Beginn von Jesu Dienst

      „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ (Johannes 1:29)

  • Jesu umfangreicher Dienst in Galiläa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus hält die Bergpredigt

      TEIL 3

      Jesu umfangreicher Dienst in Galiläa

      „Das Königreich des Himmels ist nah“ (Matthäus 4:17)

  • Jesu späterer Dienst in Judäa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Jünger erzählen ihm, was sie beim Predigen erlebt haben

      TEIL 4

      Jesu späterer Dienst in Judäa

      „Bittet . . . den Herrn der Ernte, mehr Arbeiter . . . auszusenden“ (Lukas 10:2)

  • Jesu späterer Dienst östlich des Jordan
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria und Martha sehen zu, als Jesus ihren Bruder Lazarus auferweckt

      TEIL 5

      Jesu späterer Dienst östlich des Jordan

      „Es kamen . . . viele zum Glauben an ihn“ (Johannes 10:42)

  • Der Abschluss von Jesu Dienst
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus steht in einem purpurnen Obergewand da, eine Dornenkrone auf dem Kopf, während Pilatus versucht ihn freizulassen

      TEIL 6

      Der Abschluss von Jesu Dienst

      „Dein König kommt zu dir“ (Matthäus 21:5)

  • Zwei Botschaften von Gott
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Gabriel erscheint Sacharja; die schwangere Elisabeth

      KAPITEL 1

      Zwei Botschaften von Gott

      LUKAS 1:5-33

      • DER ENGEL GABRIEL SAGT DIE GEBURT VON JOHANNES DEM TÄUFER VORAUS

      • GABRIEL TEILT MARIA MIT, DASS SIE EINEN SOHN BEKOMMEN WIRD

      Unser Vater im Himmel hat uns die Bibel übermittelt, um uns anzuleiten. Die gesamte Bibel kann als nur eine Botschaft von Gott betrachtet werden. Allerdings gibt es in ihr zwei besondere Botschaften, die vor über 2 000 Jahren überbracht wurden. Der Überbringer war der Engel Gabriel, „der nah vor Gott steht“ (Lukas 1:19). Was waren die Rahmenbedingungen, als er diese wichtigen Botschaften überbrachte?

      Es ist das Jahr 3 v. u. Z. Im Bergland von Judäa, wahrscheinlich nicht weit von Jerusalem, lebt Sacharja, ein Priester Jehovas. Er und seine Frau Elisabeth sind schon älter und sie haben keine Kinder. Sacharja ist gerade an der Reihe, beim Tempel Gottes in Jerusalem Priesterdienste zu verrichten. Als er im Tempel ist, steht plötzlich Gabriel neben dem Räucheraltar, um die erste Botschaft zu überbringen.

      Sacharja bekommt einen Schreck, aber der Engel beruhigt ihn: „Hab keine Angst, Sacharja! Dein Flehen ist nämlich erhört worden, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn schenken, den du Johannes nennen sollst.“ Gabriel sagt außerdem über Johannes, er werde „in Jehovas Augen groß sein“ und werde „das Volk für Jehova vorbereiten“ (Lukas 1:13-17).

      Sacharja macht Zeichen mit seinen Händen

      Sacharja hat daran große Zweifel, weil er und Elisabeth nicht mehr jung sind. Deshalb sagt Gabriel zu ihm: „Weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, . . . wirst du nicht mehr reden können, sondern stumm bleiben, bis zu dem Tag, an dem das alles eintrifft“ (Lukas 1:20).

      Inzwischen wundern sich die Leute draußen, warum Sacharja so lange im Tempel bleibt. Als er endlich herauskommt, kann er nicht mehr sprechen. Er kann sich nur noch mit Zeichen verständigen. Da wird den Leuten klar, dass er im Tempel eine übernatürliche Erscheinung hatte.

      Sobald Sacharja seinen Tempeldienst beendet hat, kehrt er nach Hause zurück. Bald darauf ist Elisabeth tatsächlich schwanger. Sie bleibt fünf Monate lang zu Hause und geht nicht unter Leute.

      Gabriel erscheint Maria

      Dann erscheint Gabriel ein zweites Mal. Er besucht eine junge, unverheiratete Frau, die Maria heißt. Sie lebt weiter nördlich in der Stadt Nazareth in Galiläa. Der Engel sagt zu ihr: „Gott hat dir seine Anerkennung geschenkt.“ Er verkündet: „Du wirst schwanger werden und einen Sohn bekommen, und du sollst ihn Jesus nennen.“ Und er fügt hinzu: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden . . . Er wird für immer als König über das Haus Jakobs regieren und sein Königreich wird nie enden“ (Lukas 1:30-33).

      Man kann sich vorstellen, was für eine Ehre es für Gabriel sein muss, diese beiden Botschaften zu überbringen. Je mehr wir über Johannes und Jesus erfahren, desto besser verstehen wir, warum diese Botschaften von Gott so wichtig sind.

      • Wer überbringt zwei wichtige Botschaften von Gott?

      • Wem werden die Botschaften überbracht?

      • Was denkst du: Warum waren diese beiden Botschaften von Gott so schwer zu glauben?

  • Jesus wird vor seiner Geburt geehrt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria reitet auf einem Esel; Elisabeth spürt, wie das Baby in ihrem Bauch vor Freude hüpft, als Maria das Haus betritt; Maria hilft Elisabeth im Haushalt

      KAPITEL 2

      Jesus wird vor seiner Geburt geehrt

      LUKAS 1:34-56

      • MARIA BESUCHT IHRE VERWANDTE ELISABETH

      Der Engel Gabriel hat Maria gerade gesagt, dass sie einen Sohn bekommen wird, der Jesus heißen und ewig als König regieren soll. Da fragt sie: „Wie soll das geschehen? Ich habe doch keine sexuellen Beziehungen mit einem Mann“ (Lukas 1:34).

      „Heiliger Geist wird über dich kommen“, erklärt Gabriel ihr, „und die Kraft des Höchsten wird auf dir ruhen. Darum wird der, der geboren wird, heilig und Gottes Sohn genannt werden“ (Lukas 1:35).

      Gabriel möchte Maria wahrscheinlich helfen, das zu glauben. Deshalb fügt er hinzu: „Stell dir vor! Deine Verwandte Elisabeth ist ebenfalls mit einem Sohn schwanger, und das obwohl sie schon älter ist. Sie, die sogenannte Unfruchtbare, ist jetzt im sechsten Monat, denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lukas 1:36, 37).

      Da erwidert Maria: „Hier bin ich: Jehovas Sklavin! Was du angekündigt hast, soll mit mir geschehen.“ So zeigt sie, dass sie Gabriel glaubt (Lukas 1:38).

      Nach Gabriels Besuch macht sich Maria auf den Weg zu Elisabeth, die mit ihrem Mann Sacharja nahe Jerusalem im judäischen Bergland lebt. Von Nazareth aus braucht Maria für diese Reise vermutlich drei bis vier Tage.

      Als sie ankommt, betritt sie Sacharjas Haus und begrüßt Elisabeth. Da wird Elisabeth mit heiligem Geist erfüllt und ruft: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist das Kind, das du zur Welt bringen wirst! Wie komme ich zu der Ehre, dass mich die Mutter meines Herrn besucht? Stell dir vor! In dem Moment, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Baby in meinem Bauch vor Freude“ (Lukas 1:42-44).

      Maria reagiert darauf mit tiefer Dankbarkeit: „Meine Seele verherrlicht Jehova, und mein Geist kann nicht anders, als über Gott, meinen Retter, überglücklich zu sein, denn er hat die niedrige Stellung seiner Dienerin wahrgenommen. Sieh nur! Von jetzt an werden mich alle Generationen für glücklich erklären, weil der Mächtige Großes für mich getan hat.“ Obwohl Maria so ein großes Vorrecht erhält, gibt sie Gott die Ehre: „Heilig ist sein Name, und von Generation zu Generation schenkt er allen, die Ehrfurcht vor ihm haben, Barmherzigkeit“ (Lukas 1:46-50).

      Mit inspirierten prophetischen Worten preist Maria Gott weiter: „Mit seinem Arm hat er machtvolle Taten vollbracht und die zerstreut, deren Herz voller überheblicher Absichten ist. Mächtige hat er vom Thron gestoßen und Niedrigstehende erhöht. Hungrige hat er mit Gutem völlig gesättigt und Reiche mit leeren Händen weggeschickt. Er ist seinem Diener Israel zu Hilfe gekommen. Dabei hat er sich an seine Barmherzigkeit erinnert, so wie er es unseren Vorfahren, Abraham und seinen Nachkommen, zugesagt hat, auf ewig“ (Lukas 1:51-55).

      Maria hilft Elisabeth im Haushalt

      Maria bleibt ungefähr drei Monate bei Elisabeth und ist ihr in den letzten Wochen der Schwangerschaft bestimmt eine große Hilfe. Beide Frauen erwarten durch ein Wunder Gottes ein Kind. Wie schön, dass sie in dieser besonderen Zeit in ihrem Leben zusammen sein können!

      Ist dir aufgefallen, dass Jesus schon vor seiner Geburt geehrt wurde? Als Elisabeth von Maria begrüßt wurde, „hüpfte das Baby vor Freude“ in ihrem Bauch und sie nannte Jesus „meinen Herrn“. Wir werden aber noch sehen, dass andere Maria und ihr Kind ganz anders behandeln werden.

      • Wie hilft Gabriel Maria zu verstehen, dass sie schwanger werden wird?

      • Wie wird Jesus schon vor seiner Geburt geehrt?

      • Warum und wie lange bleibt Maria bei Elisabeth?

  • Der Wegbereiter wird geboren
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Elisabeth zeigt anderen ihren neugeborenen Sohn

      KAPITEL 3

      Der Wegbereiter wird geboren

      LUKAS 1:57-79

      • JOHANNES DER TÄUFER WIRD GEBOREN

      • SACHARJA SAGT VORAUS, WELCHE AUFGABE JOHANNES ÜBERTRAGEN WIRD

      Maria ist seit drei Monaten bei Elisabeth, die bald ihr Baby bekommen wird. Für Maria ist es jetzt Zeit, sich zu verabschieden und sich auf den langen Rückweg nach Nazareth zu machen. In etwa sechs Monaten wird auch ihr Sohn geboren werden.

      Schon bald nach Marias Abreise bringt Elisabeth ihren Jungen zur Welt. Die Freude ist groß, dass bei der Geburt alles gut gegangen ist und Mutter und Kind gesund sind! Als Elisabeth ihren kleinen Jungen den Verwandten und Nachbarn zeigt, freuen sich alle mit ihr.

      Gottes Gesetz für das Volk Israel sieht vor, dass ein Junge am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten wird. Üblicherweise erhält er dann auch seinen Namen (3. Mose 12:2, 3). Einige meinen, Sacharjas Sohn solle nach ihm benannt werden. Doch Elisabeth widerspricht: „Nein! Er soll Johannes heißen“ (Lukas 1:60). Der Engel Gabriel hat nämlich gesagt, dass das Baby Johannes genannt werden soll.

      Doch die Verwandten und Nachbarn wenden ein: „Aber so heißt doch kein einziger von deinen Verwandten“ (Lukas 1:61). Sie fragen Sacharja durch Zeichen, wie sein Sohn heißen soll. Er bittet um ein Täfelchen und schreibt darauf: „Johannes ist sein Name“ (Lukas 1:63).

      Sacharja schreibt auf ein Täfelchen; Sacharja kann wieder sprechen und er prophezeit

      Im gleichen Augenblick geschieht ein Wunder und Sacharja kann wieder reden! Vielleicht erinnerst du dich: Als er dem Engel nicht glauben wollte, dass Elisabeth einen Sohn bekommen würde, konnte er plötzlich nicht mehr sprechen. Jetzt, wo er wieder reden kann, wundern sich seine Nachbarn und fragen sich: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (Lukas 1:66). Was sie gerade erlebt haben, zeigt ihnen deutlich, dass Gottes Hand über Johannes ist.

      Dann wird Sacharja mit heiligem Geist erfüllt und verkündet: „Jehova, der Gott Israels, soll gepriesen werden, denn er hat seinem Volk Beachtung geschenkt und es befreit. Aus dem Haus seines Dieners David hat er für uns einen mächtigen Retter hervorgebracht“ (Lukas 1:68, 69). Mit dem „mächtigen Retter“ ist der Herr Jesus gemeint, der noch geboren werden soll. Sacharja sagt, durch ihn würden wir für Gott „nach der Rettung vor unseren Feinden furchtlos heiligen Dienst . . . tun dürfen, und zwar unser Leben lang in Loyalität und Gerechtigkeit“ (Lukas 1:74, 75).

      Über seinen eigenen Sohn sagt Sacharja voraus: „Dich wird man Prophet des Höchsten nennen, denn du wirst vor Jehova hergehen, um seine Wege vorzubereiten, um sein Volk wissen zu lassen, dass es durch Sündenvergebung gerettet wird, weil Gott inniges Mitgefühl mit uns hat. Wegen dieses Mitgefühls wird uns ein Morgenlicht aus der Höhe besuchen, um denen Licht zu geben, die in Finsternis und im Todesschatten sitzen, und um uns auf den Weg des Friedens zu führen“ (Lukas 1:76-79). Macht diese Prophezeiung nicht Mut?

      Inzwischen ist Maria wieder zu Hause in Nazareth. Bald wird man sehen können, dass sie schwanger ist. Was wird dann auf sie zukommen, wo sie doch nicht verheiratet ist?

      • Wie groß ist der Altersunterschied zwischen Johannes und Jesus?

      • Welches Ereignis findet acht Tage nach der Geburt von Johannes statt?

      • Welche Aufgabe wird Johannes von Gott übertragen?

  • Maria — unverheiratet, aber schwanger
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria sagt Joseph, dass sie schwanger ist

      KAPITEL 4

      Maria — unverheiratet, aber schwanger

      MATTHÄUS 1:18-25 LUKAS 1:56

      • JOSEPH ERFÄHRT VON MARIAS SCHWANGERSCHAFT

      • MARIA WIRD JOSEPHS FRAU

      Maria war in den ersten drei Monaten ihrer Schwangerschaft zu Besuch bei ihrer Verwandten Elisabeth im Bergland von Judäa. Jetzt ist sie im vierten Monat und wieder zu Hause in Nazareth. Bald werden alle sehen können, dass sie ein Kind erwartet. Das muss ihr ziemliche Sorgen bereiten!

      Was die Sache noch schlimmer macht — sie ist verlobt. Und sie weiß, was Gottes Gesetz für Israel besagt: Eine verlobte Frau, die freiwillig sexuelle Beziehungen mit einem anderen Mann hat, muss gesteinigt werden (5. Mose 22:23, 24). Auch wenn Maria nichts Schlechtes getan hat, fragt sie sich jetzt bestimmt, wie sie ihrem Verlobten Joseph, einem ortsansässigen Zimmermann, alles erklären soll und wie es dann weitergeht.

      Maria ist drei Monate lang weg gewesen und Joseph hat bestimmt schon Sehnsucht nach ihr. Als sie sich wiedersehen, erzählt sie ihm wahrscheinlich, dass sie ein Kind erwartet. Sie tut ihr Bestes, ihm zu erklären, dass sie durch Gottes heiligen Geist schwanger geworden ist. Doch wie man sich vorstellen kann, ist das für Joseph nur schwer zu begreifen, geschweige denn zu glauben.

      Joseph weiß, dass Maria ein guter Mensch ist und einen ausgezeichneten Ruf hat. Und er liebt Maria sehr. Doch trotz ihrer Erklärungen muss bei ihm der Eindruck entstehen, sie sei von einem anderen Mann schwanger. Er will aber nicht, dass sie öffentlich bloßgestellt oder gesteinigt wird. Darum beschließt er, sich heimlich von ihr scheiden zu lassen. Damals galten Verlobte als verheiratet, und um eine Verlobung zu lösen, war eine Scheidung nötig.

      Jehovas Engel erscheint Joseph im Traum

      Nachdem Joseph alles durchdacht hat, geht er schlafen. Da erscheint ihm im Traum ein Engel Jehovas und sagt: „Hab keine Angst, deine Frau Maria zu dir nach Hause zu holen, denn was in ihr gezeugt worden ist, kommt durch heiligen Geist. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von Sünden befreien“ (Matthäus 1:20, 21).

      Als Joseph aufwacht, ist er sehr erleichtert! Er verliert keine Zeit und tut, was der Engel ihm aufgetragen hat: Er holt Maria zu sich nach Hause. Das ist eine öffentliche Handlung, die als Hochzeitszeremonie gilt und anzeigt, dass Joseph und Maria nun verheiratet sind. Allerdings hat er keine Beziehungen mit ihr, solange sie mit Jesus schwanger ist.

      Joseph bepackt den Esel, auf dem Maria sitzt

      Einige Monate später müssen sich Joseph und Maria, die inzwischen hochschwanger ist, auf eine Reise machen. Aber wohin müssen sie denn, so kurz vor Marias Entbindung?

      • Welcher Eindruck entsteht bei Joseph, als er von Marias Schwangerschaft erfährt?

      • Warum kann sich Joseph von Maria scheiden lassen, obwohl sie nur verlobt sind?

      • Durch welche öffentliche Handlung werden Joseph und Maria ein Ehepaar?

  • Jesus wird geboren — wann und wo?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Joseph führt Maria auf einem Esel nach Bethlehem

      KAPITEL 5

      Jesus wird geboren — wann und wo?

      LUKAS 2:1-20

      • JESUS WIRD IN BETHLEHEM GEBOREN

      • HIRTEN BESUCHEN DEN NEUGEBORENEN JESUS

      Cäsar Augustus, der Kaiser des Römischen Reiches, hat ein Gesetz erlassen, wonach sich jeder registrieren lassen muss. Deshalb reist Joseph mit Maria in seinen Geburtsort Bethlehem, das südlich von Jerusalem liegt.

      Es sind so viele gekommen, um sich registrieren zu lassen, dass Joseph und Maria nur in einem Stall unterkommen. Dort wird Jesus geboren. Maria umwickelt ihn mit Stoffbändern und legt ihn in eine Futterkrippe.

      Gott muss dafür gesorgt haben, dass Cäsar Augustus das Gesetz erlässt. So konnte Jesus in Bethlehem geboren werden, dem Heimatort seines Vorfahren König David. In den Schriften wurde nämlich schon lange im Voraus gesagt, dass der verheißene Herrscher in diesem Ort zur Welt kommen würde (Micha 5:2).

      Es ist wirklich eine bedeutende Nacht! Draußen auf dem Feld ist eine Gruppe Hirten plötzlich von einem hellen Licht umgeben. Es ist die Herrlichkeit Jehovas! Ein Engel Gottes sagt zu ihnen: „Habt keine Angst! Denn seht, ich verkünde euch eine gute Botschaft, die dem ganzen Volk große Freude bringen wird. Heute ist nämlich in Davids Stadt für euch ein Retter geboren worden: Christus, der Herr. Das wird das Zeichen für euch sein: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das mit Stoffbändern umwickelt in einer Futterkrippe liegt.“ Plötzlich erscheinen noch viele weitere Engel und verkünden: „Herrlichkeit Gott oben in den Höhen und Frieden auf der Erde unter Menschen, die seine Anerkennung haben“ (Lukas 2:10-14).

      Maria, Joseph und die Hirten schauen auf den neugeborenen Jesus, der in einer Futterkrippe liegt

      Als die Engel weg sind, sagen die Hirten zueinander: „Lasst uns unbedingt nach Bethlehem gehen und sehen, was da geschehen ist, was Jehova uns mitgeteilt hat“ (Lukas 2:15). Sie brechen sofort auf und finden alles so vor, wie es der Engel beschrieben hat, und sie berichten, was er ihnen gesagt hat. Alle, die es hören, staunen. Maria bedeutet das Gesagte sehr viel und sie zieht Schlussfolgerungen in ihrem Herzen.

      Heute glauben viele, Jesus sei im Dezember geboren worden. Allerdings ist es im Dezember in der Gegend von Bethlehem kalt und regnerisch. Manchmal schneit es sogar. In dieser Jahreszeit hätten die Hirten mit ihren Herden kaum im Freien übernachtet. Außerdem neigte das jüdische Volk dazu, sich gegen den römischen Kaiser aufzulehnen. Darum hätte er von der Bevölkerung sicher nicht verlangt, mitten im Winter tagelang zu reisen, um sich registrieren zu lassen. Jesus muss daher in einer wärmeren Jahreszeit geboren worden sein, wahrscheinlich im Oktober.

      • Warum müssen Joseph und Maria nach Bethlehem reisen?

      • Was geschieht in der Nacht, als Jesus zur Welt kommt?

      • Warum kann die Ansicht, Jesus sei im Dezember geboren worden, nicht richtig sein?

  • Das verheißene Kind
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Joseph, Maria und die Prophetin Anna stehen dabei, als Simeon den kleinen Jesus auf dem Arm hält

      KAPITEL 6

      Das verheißene Kind

      LUKAS 2:21-39

      • JESUS WIRD BESCHNITTEN UND SPÄTER ZUM TEMPEL GEBRACHT

      Joseph und Maria gehen nicht nach Nazareth zurück, sondern bleiben in Bethlehem. Als Jesus acht Tage alt ist, lassen sie ihn beschneiden, wie es Gottes Gesetz für Israel vorschreibt (3. Mose 12:2, 3). Und gemäß dem Brauch geben sie ihrem Sohn an diesem Tag einen Namen. Sie nennen ihn Jesus, wie es der Engel Gabriel gesagt hat.

      Über ein Monat vergeht. Als Jesus 40 Tage alt ist, bringen Joseph und Maria ihn zum Tempel in Jerusalem, das nur einige Kilometer von ihrer Unterkunft entfernt ist. Das Gesetz legt fest, dass eine Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes im Tempel ein Reinigungsopfer darbringen muss (3. Mose 12:4-8).

      Marias Opfergabe sind zwei kleine Vögel. Das verrät etwas über die finanzielle Lage von Joseph und Maria. Gemäß dem Gesetz sollen eigentlich ein junger Schafbock und ein Vogel geopfert werden. Doch wenn sich die Mutter keinen Schafbock leisten kann, reichen auch zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben als Opfer aus. Das ist bei Maria der Fall.

      DIE ZEIT DES REINIGUNGSOPFERS

      Joseph und Maria gehen mit dem kleinen Jesus zum Tempel, um das Reinigungsopfer darzubringen

      Eine Israelitin galt nach der Geburt eines Kindes eine gewisse Zeit als rituell unrein. Am Ende ihrer Reinigungszeit musste sie ein Brandopfer darbringen. So wurden alle daran erinnert, dass durch die Geburt unvollkommenes, sündiges Leben weitergegeben worden war. Jesus war allerdings vollkommen und heilig (Lukas 1:35). Dennoch hielten sich Maria und Joseph an das Gesetz und brachten Jesus zum Tempel, als die Zeit des Reinigungsopfers gekommen war (Lukas 2:22).

      Auf dem Tempelgelände kommt ein alter Mann zu Joseph und Maria. Sein Name ist Simeon. Jehova hat ihm mitgeteilt, dass er nicht sterben würde, ohne vorher den verheißenen Christus oder Messias gesehen zu haben. An diesem Tag wird Simeon vom heiligen Geist zum Tempel geführt, wo er auf Joseph, Maria und ihren Sohn trifft. Simeon nimmt Jesus in den Arm.

      Mit dem Baby auf dem Arm dankt er Gott: „Jetzt, Souveräner Herr, entlässt du deinen Sklaven in Frieden, entsprechend deiner Erklärung. Denn meine Augen haben das Mittel zur Rettung gesehen, für das du gesorgt hast, damit es für alle Völker sichtbar ist: ein Licht, um den Schleier von den Völkern wegzunehmen, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lukas 2:29-32).

      Joseph und Maria staunen über seine Worte. Simeon segnet sie und sagt zu Maria, ihr Sohn sei „dazu bestimmt, in Israel viele fallen und wieder aufstehen zu lassen“. Außerdem werde Kummer sie wie ein langes Schwert durchbohren (Lukas 2:34).

      An diesem Tag kommt noch jemand zu Joseph, Maria und dem kleinen Jesus. Es ist Anna, eine 84-jährige Prophetin, die im Tempel nie fehlt. Sie dankt Gott und erzählt allen, die ihr zuhören wollen, von Jesus.

      Man kann sich vorstellen, wie sehr sich Joseph und Maria über ihre Erlebnisse im Tempel freuen! Das alles bestätigt ihnen sicherlich, dass ihr Sohn wirklich der von Gott Verheißene ist.

      • Wann erhielt ein israelitischer Junge üblicherweise seinen Namen?

      • Was musste eine Mutter tun, wenn ihr Sohn 40 Tage alt war? Was erfahren wir über Marias finanzielle Lage?

      • Welche Personen erkennen beim Tempel, wer Jesus in Wirklichkeit ist, und wie zeigen sie das?

  • Astrologen besuchen Jesus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Astrologen folgen einem Stern, der sie zu dem Haus führt, wo Joseph, Maria und der kleine Jesus leben

      KAPITEL 7

      Astrologen besuchen Jesus

      MATTHÄUS 2:1-12

      • ASTROLOGEN FOLGEN EINEM „STERN“ NACH JERUSALEM UND DANN ZU JESUS

      Aus dem Osten sind einige Männer gekommen. Es sind Astrologen — Männer, die die Stellung der Sterne untersuchen und behaupten, sie könnten so Ereignisse im Leben der Menschen erklären (Jesaja 47:13). Zu Hause im Osten haben sie einen „Stern“ gesehen und sind ihm Hunderte von Kilometern gefolgt, aber nicht nach Bethlehem, sondern nach Jerusalem.

      Als die Astrologen dort ankommen, fragen sie: „Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Als wir im Osten waren, haben wir seinen Stern gesehen, und wir sind gekommen, um ihm unsere Ehrerbietung zu erweisen“ (Matthäus 2:1, 2).

      Astrologen verbeugen sich vor König Herodes

      König Herodes von Jerusalem erfährt davon und ist sehr beunruhigt. Er lässt die Oberpriester und andere religiöse Führer rufen und erkundigt sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden soll. Gestützt auf die Schriften antworten sie: „In Bethlehem“ (Matthäus 2:5; Micha 5:2). Darauf lässt Herodes die Astrologen heimlich kommen und sagt ihnen: „Geht und sucht gründlich nach dem Kind, und wenn ihr es gefunden habt, gebt mir Bescheid. Dann kann auch ich dorthin gehen und ihm meine Ehrerbietung erweisen“ (Matthäus 2:8). Aber in Wirklichkeit will er das Kind finden, um es zu töten!

      Als sich die Astrologen auf den Weg machen, bewegt sich der „Stern“, den sie im Osten gesehen haben, vor ihnen her. Es ist sicher kein normaler Stern. Er ist nur da, um sie zu führen. Die Astrologen folgen ihm, bis er direkt über dem Haus stehen bleibt, in dem Joseph, Maria und ihr kleiner Sohn jetzt leben.

      Astrologen, die einem Stern nach Bethlehem gefolgt sind, überreichen Maria und Jesus Geschenke

      Die Astrologen betreten das Haus und treffen dort auf Maria und den kleinen Jesus. Darauf verbeugen sie sich vor ihm und überreichen ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dann wollen sie Herodes Bescheid geben, doch Gott warnt sie in einem Traum davor. Da reisen sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.

      Überlegen wir einmal: Wer hat den „Stern“ gebraucht, um die Astrologen zu führen? Wie wir wissen, hat der „Stern“ sie nicht direkt nach Bethlehem zu Jesus geführt, sondern zuerst nach Jerusalem. Dort begegneten sie König Herodes, der Jesus töten wollte. Und das hätte er auch getan, wenn Gott die Astrologen nicht davor gewarnt hätte, Herodes zu sagen, wo er Jesus findet. Der „Stern“ muss eindeutig von Gottes Feind, dem Teufel, gebraucht worden sein. Er wollte Jesus töten, und auf diesem Weg versuchte er sein Ziel zu erreichen.

      • Woher wissen wir, dass der „Stern“, den die Astrologen gesehen haben, kein normaler Stern war?

      • Wo ist der kleine Jesus untergebracht, als die Astrologen ihn finden?

      • Warum können wir schlussfolgern, dass es der Teufel war, der die Astrologen geführt hat?

  • Sie entkommen einem grausamen Herrscher
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • König Herodes gibt den Befehl, in Bethlehem alle kleinen Jungen zu töten

      KAPITEL 8

      Sie entkommen einem grausamen Herrscher

      MATTHÄUS 2:13-23

      • JESU FAMILIE FLIEHT NACH ÄGYPTEN

      • JOSEPH ZIEHT MIT SEINER FAMILIE NACH NAZARETH

      Joseph weckt Maria. Er muss ihr dringend etwas sagen. Gerade hat ihn ein Engel Jehovas im Traum aufgefordert: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten. Bleib dort, bis ich dir Bescheid gebe. Herodes wird das Kind nämlich bald suchen, um es zu töten“ (Matthäus 2:13).

      Noch in der Nacht fliehen Joseph und Maria mit ihrem Sohn. Sie entkommen gerade noch rechtzeitig. Herodes hat nämlich erfahren, dass die Astrologen das Land verlassen haben, statt wie ausgemacht zu ihm zurückzukommen. Jetzt tobt Herodes vor Wut. Er will Jesus immer noch töten. Deshalb gibt er den Befehl, in Bethlehem und Umgebung alle Jungen im Alter von zwei Jahren und darunter zu töten. Er stützt diese Altersangabe auf das, was ihm die Astrologen aus dem Osten gesagt haben.

      Ein Soldat will einer Mutter ihren kleinen Sohn entreißen

      Das Blutbad an den kleinen Jungen ist grauenhaft! Wir wissen nicht, wie viele getötet werden. Doch ihre verzweifelten Mütter weinen bitterlich und schreien vor Trauer, wodurch sich eine Vorhersage des Propheten Jeremia erfüllt (Jeremia 31:15).

      Inzwischen sind Joseph und seine Familie nach Ägypten geflohen, wo sie erst einmal bleiben. Dann hat Joseph wieder einen Traum, in dem ihm Jehovas Engel sagt: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel, denn die, die es auf sein Leben abgesehen hatten, sind tot“ (Matthäus 2:20). Joseph schließt daraus, dass sie in ihr Heimatland zurückkehren können. So erfüllt sich eine weitere Prophezeiung der Bibel: Gottes Sohn wird aus Ägypten gerufen (Hosea 11:1).

      Joseph hat offensichtlich vor, sich mit seiner Familie in Judäa niederzulassen, vielleicht in der Nähe von Bethlehem, wo sie vor ihrer Flucht gelebt haben. Doch dann erfährt er, dass jetzt Archelaus, der böse Sohn des Herodes, König von Judäa ist. Gott warnt Joseph in einem weiteren Traum vor der Gefahr. Deshalb zieht Joseph mit seiner Familie weiter in den Norden nach Galiläa. Sie lassen sich in Nazareth nieder, abseits von Jerusalem, dem religiösen Zentrum der Juden. Hier wächst Jesus auf, wodurch sich die Prophezeiung erfüllt: „Er wird Nazarener genannt werden“ (Matthäus 2:23).

      • Was tut König Herodes, als die Astrologen nicht zurückkommen? Wie wird der kleine Jesus beschützt?

      • Warum geht Joseph mit seiner Familie nicht wieder nach Bethlehem, als sie aus Ägypten zurückkommen?

      • Welche biblischen Prophezeiungen erfüllen sich in dieser Zeit?

  • Jesus wächst in Nazareth auf
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Joseph bringt Jesus das Zimmermannshandwerk bei

      KAPITEL 9

      Jesus wächst in Nazareth auf

      MATTHÄUS 13:55, 56 MARKUS 6:3

      • DIE FAMILIE VON JOSEPH UND MARIA WIRD GRÖSSER

      • JESUS LERNT EIN HANDWERK

      Nazareth ist eine eher kleine, unbedeutende Stadt im Hügelland von Galiläa und liegt westlich vom See von Galiläa. Hier wächst Jesus auf.

      Joseph und Maria kommen von Ägypten aus hierher, als Jesus vermutlich zwei Jahre alt ist. Zu dieser Zeit haben sie anscheinend keine anderen Kinder. Aber nach und nach kommen Jesu Halbbrüder Jakobus, Joseph, Simon und Judas auf die Welt. Joseph und Maria bekommen auch Töchter. Somit hat Jesus mindestens sechs jüngere Geschwister.

      Und natürlich hat Jesus auch noch andere Verwandte. Wir kennen ja schon Elisabeth und ihren Sohn Johannes, die viele Kilometer südlicher in Judäa wohnen. Nicht ganz so weit entfernt, ebenfalls in Galiläa, lebt Salome. Sie ist wahrscheinlich Marias Schwester und damit Jesu Tante. Salome ist die Frau von Zebedäus. Ihre beiden Söhne Jakobus und Johannes wären damit Jesu Cousins. Wir wissen nicht, ob die drei als Kinder viel Zeit miteinander verbringen. Als sie jedoch erwachsen sind, werden Jakobus und Johannes auf jeden Fall enge Freunde Jesu und gehören zu seinen Aposteln.

      Joseph ist Zimmermann und muss hart arbeiten, um für seine wachsende Familie zu sorgen. Er zieht Jesus wie seinen eigenen Sohn auf, und so wird dieser „der Sohn vom Zimmermann“ genannt (Matthäus 13:55). Joseph bringt ihm das Zimmermannshandwerk bei und Jesus ist ein guter Lehrling. Später werden die Leute über ihn sagen: „Ist das nicht der Zimmermann?“ (Markus 6:3).

      Joseph und Maria belehren ihre Kinder über Gott

      Das Leben von Josephs Familie dreht sich um die Anbetung Jehovas. Er und Maria beherzigen Gottes Gesetz und sicher belehren sie ihre Kinder über Gott, wenn sie zu Hause sind und wenn sie unterwegs sind, wenn sie schlafen gehen und wenn sie aufstehen (5. Mose 6:6-9). In Nazareth gibt es eine Synagoge, und Joseph geht mit seiner Familie bestimmt regelmäßig dorthin, um Jehova anzubeten. Später wird man über Jesus sagen, dass er „wie gewohnt am Sabbat in die Synagoge“ geht (Lukas 4:16). Die Familie reist auch regelmäßig nach Jerusalem zum Tempel Jehovas. Das ist für alle immer ein schönes Ereignis.

      • Wie viele jüngere Geschwister hat Jesus mindestens?

      • Welches Handwerk erlernt Jesus und warum?

      • Für welche wichtige Belehrung sorgt Joseph in seiner Familie?

  • Jesus und seine Familie reisen nach Jerusalem
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Der 12-jährige Jesus stellt den Lehrern im Tempel Fragen

      KAPITEL 10

      Jesus und seine Familie reisen nach Jerusalem

      LUKAS 2:40-52

      • DER 12-JÄHRIGE JESUS STELLT EINIGEN LEHRERN FRAGEN

      • JESUS BEZEICHNET JEHOVA ALS SEINEN VATER

      Es ist Frühling und eine geschäftige, aufregende Zeit. Wie jedes Jahr macht sich Josephs Familie mit Freunden und Verwandten auf den Weg nach Jerusalem, um das Passah zu feiern, wie es das Gesetz vorschreibt (5. Mose 16:16). Von Nazareth bis Jerusalem sind es etwa 120 Kilometer. Jesus ist jetzt 12 Jahre alt. Er ist schon ganz gespannt und freut sich auf das Fest und darauf, wieder beim Tempel zu sein.

      Für Jesus und seine Familie ist das Passah nicht einfach nur ein schönes Ereignis, das nach einem Tag schon wieder vorbei ist. Am Tag nach dem Passah beginnt nämlich das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote, das als Teil der Passahfeierlichkeiten betrachtet wird (Markus 14:1). Die Reise von Nazareth nach Jerusalem, der Aufenthalt dort und die Heimreise dauern insgesamt etwa zwei Wochen. Doch dieses Jahr dauert die Reise etwas länger. Und das hat mit Jesus zu tun.

      UNVERGESSLICHE REISEN

      Jesus und seine Familie reisen nach Jerusalem

      Die Reisen zu den drei jährlichen Festen in Jerusalem waren für alle ein freudiges Ereignis (5. Mose 16:15). Dabei konnte Jesus verschiedene Teile des Landes sehen und kennenlernen. Außerdem traf er Anbeter Jehovas aus anderen Gegenden. Es waren wirklich unvergessliche Reisen!

      Auf der Heimreise gehen Joseph und Maria davon aus, dass Jesus in der Reisegruppe bei Freunden und Verwandten ist, die mit ihnen nordwärts reisen. Doch als sie abends für die Übernachtung haltmachen, bemerken sie, dass er nicht da ist. Sie suchen ihn bei ihren Mitreisenden. Aber ihr Junge ist nirgendwo zu finden! Da machen sich die beiden auf den Weg zurück nach Jerusalem, um nach ihm zu suchen.

      Sie suchen ihn einen ganzen Tag lang, aber keine Spur von ihm. Auch am nächsten Tag können sie ihn nirgendwo finden. Am dritten Tag entdecken sie ihn endlich im Tempel mit seinen vielen Hallen. Jesus sitzt mitten unter den jüdischen Lehrern. Er hört ihnen zu, stellt ihnen Fragen und bringt sie durch sein Verständnis zum Staunen.

      Joseph und Maria finden Jesus

      „Kind, wie konntest du uns das nur antun?“, fragt Maria. „Dein Vater und ich haben dich ganz verzweifelt gesucht“ (Lukas 2:48).

      Jesus wundert sich, dass sie sich nicht denken konnten, wo er ist: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ (Lukas 2:49).

      Jesus geht mit seinen Eltern nach Nazareth zurück und bleibt ihnen gehorsam. Er wächst zu einem jungen Mann heran und nimmt an Weisheit zu. Obwohl er noch jung ist, findet er die Anerkennung von Gott und den Menschen. Schon als Kind gibt Jesus ein gutes Beispiel: Er verhält sich seinen Eltern gegenüber respektvoll und interessiert sich sehr für Gott und die Schriften.

      • Wohin reist die Familie von Jesus jeden Frühling und warum?

      • Was bemerken Joseph und Maria auf der Rückreise von Jerusalem? Was passiert daraufhin?

      • Warum ist Jesus ein gutes Beispiel für junge Leute?

  • Johannes der Täufer bereitet den Weg vor
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Johannes der Täufer fordert beim Predigen zur Reue auf

      KAPITEL 11

      Johannes der Täufer bereitet den Weg vor

      MATTHÄUS 3:1-12 MARKUS 1:1-8 LUKAS 3:1-18 JOHANNES 1:6-8, 15-28

      • JOHANNES PREDIGT UND TAUFT

      • VIELE LASSEN SICH TAUFEN, ABER MANCHE KOMMEN DAFÜR NICHT INFRAGE

      Es ist mittlerweile 17 Jahre her, seit der 12-jährige Jesus den Lehrern im Tempel Fragen gestellt hat. Jetzt, im Frühling des Jahres 29, ist ein Verwandter von Jesus bei vielen das Gesprächsthema. Es handelt sich um Johannes, der auf der Westseite des Jordan überall predigt.

      Johannes ist ein Mann, der auffällt. Um die Hüften trägt er einen Ledergürtel und seine Kleidung ist aus Kamelhaar. Er ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Und seine Botschaft für die Menschen lautet: „Bereut, denn das Königreich des Himmels ist nah“ (Matthäus 3:2).

      Viele kommen „von Jerusalem, von ganz Judäa und der gesamten Jordangegend“, um zu hören, was Johannes zu sagen hat (Matthäus 3:5). Seine Botschaft ist aufrüttelnd und viele erkennen, dass sie bereuen müssen — also ihre bisherige Einstellung und Lebensweise bedauern und ändern. Diejenigen, die bereuen, tauft Johannes, indem er sie im Wasser des Jordan untertaucht. Warum tut er das?

      Juden, die ihre Sünden bereuen, kommen zu Johannes, um sich taufen zu lassen

      Die Taufe dient als Zeichen der Reue. Die Menschen lassen so erkennen, dass sie es von Herzen bereuen, gegen Gottes Gesetzesbund gesündigt zu haben (Apostelgeschichte 19:4). Doch nicht alle kommen für die Taufe infrage. Zu den religiösen Führern — den Pharisäern und Sadduzäern — sagt Johannes: „Ihr Otternbrut“, und fügt hinzu: „Bringt . . . Frucht hervor, die der Reue entspricht. Maßt euch nicht an zu sagen: ‚Wir haben Abraham zum Vater!‘ Denn ich sage euch, dass Gott aus diesen Steinen hier Kinder Abrahams hervorbringen kann. Die Axt liegt schon an der Wurzel der Bäume. So wird dann jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, gefällt und ins Feuer geworfen werden“ (Matthäus 3:7-10).

      Da Johannes viel Aufsehen erregt, eine kraftvolle Botschaft hat und sich viele von ihm taufen lassen, werden Priester und Leviten zu ihm geschickt, um ihn zu fragen: „Wer bist du?“

      „Ich bin nicht der Christus“, sagt Johannes offen.

      „Wer bist du dann? Elia?“

      „Das bin ich nicht.“

      „Bist du der Prophet?“, fragen sie weiter und meinen damit den großen Propheten, den Moses angekündigt hat (5. Mose 18:15, 18).

      „Nein!“, antwortet Johannes.

      „Wer bist du?“, bohren sie weiter. „Sag es uns, damit wir denen, die uns geschickt haben, eine Antwort geben können. Was sagst du über dich selbst?“ „Ich bin eine Stimme, die in der Wildnis ruft: ‚Ebnet den Weg Jehovas‘, so wie es der Prophet Jesaja gesagt hat“ (Johannes 1:19-23).

      Da erwidern sie: „Wenn du nicht der Christus bist und auch nicht Elia oder der Prophet, wieso taufst du dann?“ Johannes gibt darauf eine bedeutsame Antwort: „Ich taufe im Wasser. Mitten unter euch steht jemand, den ihr nicht kennt, derjenige, der hinter mir kommt“ (Johannes 1:25-27).

      Johannes erkennt somit an, dass er den Weg für den Messias, den künftigen König, vorbereitet. Dazu macht er das Herz der Menschen für dessen Kommen bereit. Über den Messias sagt Johannes: „Der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht würdig, ihm die Sandalen auszuziehen“ (Matthäus 3:11). Johannes sagt sogar: „Der hinter mir kommt, ist mir voraus, denn er hat schon vor mir existiert“ (Johannes 1:15).

      Seine Botschaft „Bereut, denn das Königreich des Himmels ist nah“ ist also wirklich passend (Matthäus 3:2). Sie ist eine öffentliche Ankündigung, dass der Dienst von Jesus Christus, Jehovas künftigem König, bald beginnt.

      • Warum fällt Johannes auf? Und was tut er?

      • Warum tauft Johannes die Menschen?

      • Welche Botschaft hat Johannes? Und warum ist sie passend?

  • Jesus lässt sich taufen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus bittet darum, getauft zu werden, doch Johannes hat Einwände

      KAPITEL 12

      Jesus lässt sich taufen

      MATTHÄUS 3:13-17 MARKUS 1:9-11 LUKAS 3:21, 22 JOHANNES 1:32-34

      • JESUS LÄSST SICH TAUFEN UND WIRD GESALBT

      • JEHOVA VERKÜNDET, DASS JESUS SEIN SOHN IST

      Johannes der Täufer predigt seit etwa sechs Monaten, als Jesus zu ihm an den Jordan kommt. Jesus ist jetzt ungefähr 30 Jahre alt. Er kommt nicht nur, um Johannes zu besuchen oder zu sehen, wie dessen Werk vorangeht, sondern um sich von ihm taufen zu lassen.

      Doch Johannes wendet ein: „Du kommst zu mir? Ich müsste mich doch von dir taufen lassen“ (Matthäus 3:14). Er weiß, dass Jesus Gottes Sohn ist. Bestimmt hat ihm seine Mutter Elisabeth erzählt, was vor seiner Geburt passierte, als die schwangere Maria zu Besuch kam. In dem Moment, als sie eintrat, hüpfte Johannes vor Freude im Bauch seiner Mutter. Johannes hat sicher auch erfahren, was der Engel Gabriel über Jesus gesagt hat. Und er hat bestimmt auch etwas über die Engel gehört, die den Hirten in der Nacht von Jesu Geburt erschienen sind.

      Johannes weiß, dass die Taufe, die er durchführt, für alle ist, die ihre Sünden bereuen. Jesus ist jedoch ohne Sünde. Trotzdem erwidert Jesus: „Lass nur, denn so muss es sein, wenn wir alles erfüllen wollen, was gerecht ist“ (Matthäus 3:15).

      Warum ist es für Jesus passend, sich taufen zu lassen? Bei ihm ist die Taufe kein Zeichen der Reue, sondern dafür, dass er den Willen seines Vaters tun möchte (Hebräer 10:5-7). Bisher hat er als Zimmermann gearbeitet. Doch jetzt ist die Zeit gekommen, den Dienst zu beginnen, für den ihn sein Vater auf die Erde gesandt hat. Rechnet Johannes nun damit, dass bei Jesu Taufe etwas Ungewöhnliches geschieht?

      Johannes wird später erklären: „Derselbe, der mich beauftragt hat, im Wasser zu taufen, sagte zu mir: ‚Auf wen auch immer du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit heiligem Geist tauft‘ “ (Johannes 1:33). Johannes rechnet also damit, dass Gottes Geist auf jemand herabkommen wird, der sich von ihm taufen lässt. Daher ist er vermutlich nicht überrascht, als „Gottes Geist wie eine Taube“ auf Jesus herabkommt, als dieser aus dem Wasser auftaucht (Matthäus 3:16).

      Der heilige Geist kommt bei Jesu Taufe auf ihn herab

      Aber das ist noch nicht alles, denn bei seiner Taufe wird für Jesus „der Himmel geöffnet“. Was bedeutet das? Wahrscheinlich kann er sich von da an wieder an sein vormenschliches Leben im Himmel erinnern — an sein Leben als ein Geistsohn Jehovas und an Dinge, die Gott ihn gelehrt hat, bevor er auf die Erde kam.

      Dann verkündet eine Stimme aus dem Himmel: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe“ (Matthäus 3:17). Wem gehört die Stimme? Auf keinen Fall Jesus, denn er ist ja auf der Erde bei Johannes. Es ist Gottes Stimme. Jesus kann also nicht Gott sein, sondern er ist der Sohn Gottes.

      Als Mensch ist Jesus genauso ein „Sohn Gottes“ wie Adam. Nachdem der Jünger Lukas die Taufe Jesu geschildert hat, schreibt er: „Als Jesus sein Werk begann, war er ungefähr 30 Jahre alt. Er galt als der Sohn Josephs, Sohn von Heli, . . . Sohn von David, . . . Sohn von Abraham, . . . Sohn von Noah, . . . Sohn von Adam, dem Sohn Gottes“ (Lukas 3:23-38).

      Wie Adam, so ist also auch Jesus ein menschlicher „Sohn Gottes“. Doch bei seiner Taufe nimmt sein Verhältnis als „Sohn Gottes“ eine neue Form an, da er mit Gottes Geist gesalbt wird. Nun ist er in der Lage, die göttliche Wahrheit zu lehren und den Weg zum Leben zu zeigen. Jesus beschreitet nun einen Weg, der letztendlich dazu führen wird, dass er sein Leben für die sündige Menschheit opfert.

      • Warum ist Jesus für Johannes kein Fremder?

      • Warum lässt sich Jesus von Johannes taufen, wo er doch ohne Sünde ist?

      • Weshalb ist Johannes wohl nicht überrascht, als Gottes Geist auf Jesus herabkommt?

  • Aus Jesu Reaktion auf Versuchungen lernen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus widersteht den Versuchungen des Teufels

      KAPITEL 13

      Aus Jesu Reaktion auf Versuchungen lernen

      MATTHÄUS 4:1-11 MARKUS 1:12, 13 LUKAS 4:1-13

      • JESUS WIRD VOM TEUFEL VERSUCHT

      Gleich nach seiner Taufe wird Jesus von Gottes Geist in die Wildnis von Judäa geführt. Er muss über vieles nachdenken, denn bei seiner Taufe „wurde der Himmel geöffnet“ (Matthäus 3:16). Daher kann sich Jesus jetzt an Verschiedenes erinnern, was er im Himmel gelernt und getan hat. Er hat also wirklich viel, worüber er nachdenken muss.

      Jesus bleibt 40 Tage und 40 Nächte in der Wildnis. In dieser Zeit isst er nichts. Als er dann sehr hungrig ist, kommt der Teufel und versucht ihn mit den Worten: „Wenn du ein Sohn Gottes bist, dann sag diesen Steinen, sie sollen sich in Brote verwandeln“ (Matthäus 4:3). Jesus weiß jedoch, wie falsch es wäre, ein Wunder zu wirken, um eigene Bedürfnisse zu stillen. Deshalb widersteht er dieser Versuchung.

      Aber der Teufel lässt Jesus nicht in Ruhe und versucht es anders. Er fordert ihn auf, von der Tempelbrüstung zu springen. Doch Jesus lässt sich nicht dazu verleiten, sich derart in Szene zu setzen. Mithilfe der Schriften zeigt er, dass es falsch ist, Gott so auf die Probe zu stellen.

      Dann kommt der Teufel mit einer dritten Versuchung und zeigt Jesus „alle Reiche der Welt und ihre Pracht“. Er sagt: „Das alles gebe ich dir, wenn du dich auf den Boden wirfst und mir einen Akt der Anbetung erweist.“ Wieder lehnt Jesus entschieden ab und sagt: „Geh weg, Satan!“ (Matthäus 4:8-10). Er gibt der Versuchung, etwas Falsches zu tun, nicht nach, weil er weiß, dass man nur für Jehova heiligen Dienst tun darf. Ja, Jesus entscheidet sich, Gott treu zu bleiben.

      Was können wir aus diesen Versuchungen und aus Jesu Reaktion darauf lernen? Da die Versuchungen echt waren, kann der Teufel nicht das Böse im Menschen sein, wie einige behaupten. Er ist eine reale, unsichtbare Person. Wie der Bericht noch zeigt, gehören die Regierungen dem Teufel und er hat die Macht über sie. Sonst wäre sein Angebot für Christus gar keine wirkliche Versuchung gewesen.

      Außerdem war der Teufel bereit, Jesus für „einen Akt der Anbetung“ zu belohnen und ihm dafür sogar alle Reiche der Welt zu geben. Auch uns könnte der Teufel in Versuchung führen und uns verlockende Angebote machen, die Reichtum, Macht oder Ansehen versprechen. Dann wäre es sehr weise, wenn auch wir Jesus nachahmen und Gott treu bleiben, ganz gleich womit der Teufel uns in Versuchung bringen will. Doch vergessen wir nicht: Der Teufel ging von Jesus weg, nur um „auf einen anderen günstigen Zeitpunkt“ zu warten (Lukas 4:13). Bei uns ist es nicht anders. Deshalb müssen wir immer wachsam bleiben.

      • Worüber denkt Jesus in den 40 Tagen in der Wildnis wahrscheinlich nach?

      • Was unternimmt der Teufel alles, um Jesus in Versuchung zu führen?

      • Was können wir aus Jesu Versuchungen und aus seiner Reaktion darauf lernen?

  • Jesu erste Jünger
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Johannes der Täufer lässt andere wissen, dass Jesus das Lamm Gottes ist

      KAPITEL 14

      Jesu erste Jünger

      JOHANNES 1:29-51

      • DIE ERSTEN JÜNGER SCHLIESSEN SICH JESUS AN

      Bevor Jesus nach den 40 Tagen in der Wildnis nach Galiläa zurückkehrt, geht er wieder zu Johannes, der ihn getauft hat. Johannes sieht ihn auf sich zukommen und ruft aus: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Von ihm sagte ich: ‚Hinter mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, denn er hat schon vor mir existiert‘ “ (Johannes 1:29, 30). Obwohl Johannes etwas älter ist als Jesus, weiß er, dass Jesus schon vor ihm gelebt hat, und zwar als Geistperson im Himmel.

      Als sich Jesus ein paar Wochen zuvor taufen lassen wollte, war sich Johannes noch nicht sicher, dass Jesus der Messias werden würde. Johannes gibt zu: „Selbst ich kannte ihn nicht, aber damit er in Israel deutlich erkannt wird, deswegen bin ich gekommen und taufe im Wasser“ (Johannes 1:31).

      Johannes erzählt weiter, was bei Jesu Taufe geschehen ist: „Ich habe den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabkommen sehen und er blieb auf ihm. Selbst ich kannte ihn nicht, doch derselbe, der mich beauftragt hat, im Wasser zu taufen, sagte zu mir: ‚Auf wen auch immer du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit heiligem Geist tauft.‘ Das habe ich gesehen, und ich habe bezeugt: Er ist der Sohn Gottes“ (Johannes 1:32-34).

      Als Jesus am nächsten Tag zurückkommt, steht Johannes wieder mit zwei von seinen Jüngern zusammen. Johannes sagt: „Seht, das Lamm Gottes!“ (Johannes 1:36). Daraufhin folgen die beiden Jünger Jesus. Einer von ihnen ist Andreas. Der andere ist wahrscheinlich derjenige, der diese Begebenheit aufgeschrieben hat, und heißt ebenfalls Johannes. Dieser Johannes ist ein Sohn von Zebedäus und Salome, die wahrscheinlich Marias Schwester ist. Johannes wäre damit Jesu Cousin.

      Als sich Jesus umdreht und sieht, dass Andreas und Johannes ihm folgen, fragt er sie: „Wonach sucht ihr?“

      Sie erwidern: „Rabbi, wo übernachtest du?“

      „Kommt, dann werdet ihr es sehen“, antwortet Jesus (Johannes 1:37-39).

      Jesus spricht mit Philippus und Nathanael

      Es ist etwa vier Uhr nachmittags. Andreas und Johannes bleiben den Rest des Tages bei Jesus. Andreas ist so begeistert, dass er seinen Bruder Simon, der auch Petrus genannt wird, sucht und ihm erzählt: „Wir haben den Messias gefunden“ (Johannes 1:41). Andreas bringt ihn zu Jesus. Wie spätere Ereignisse vermuten lassen, sucht auch Johannes seinen Bruder Jakobus und bringt ihn zu Jesus. Doch Johannes erwähnt dieses persönliche Detail nicht in seinem Bericht.

      Am nächsten Tag trifft Jesus Philippus, der aus Bethsaida stammt. Die Stadt liegt am Nordufer vom See von Galiläa, und auch Andreas und Petrus stammen von dort. Jesus lädt Philippus ein: „Folge mir nach“ (Johannes 1:43).

      Philippus findet dann Nathanael, der auch Bartholomäus genannt wird, und sagt: „Wir haben den gefunden, über den Moses im Gesetz und auch die Propheten schrieben: Jesus, den Sohn Josephs, aus Nazareth.“ Nathanael hat jedoch Zweifel und sagt: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen?“

      „Komm und sieh selbst“, drängt Philippus ihn. Als Jesus Nathanael kommen sieht, sagt er: „Seht mal! Das ist wirklich ein Israelit, an dem nichts Falsches ist!“

      „Woher kennst du mich?“, fragt Nathanael.

      Darauf antwortet Jesus: „Bevor Philippus dich gerufen hat, habe ich dich schon unter dem Feigenbaum gesehen.“

      Da sagt Nathanael erstaunt: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel.“

      Jesus erwidert: „Glaubst du das, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe? Du wirst noch Größeres sehen.“ Dann verspricht er: „Eins steht fest: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes zum Menschensohn auf- und niedersteigen sehen“ (Johannes 1:45-51).

      Kurz darauf verlässt Jesus mit seinen ersten Jüngern das Jordantal und geht nach Galiläa.

      • Wer sind die ersten Jünger von Jesus?

      • Wie lernen Petrus und wahrscheinlich auch Jakobus Jesus kennen?

      • Was überzeugt Nathanael davon, dass Jesus der Sohn Gottes ist?

  • Jesus vollbringt sein erstes Wunder
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Auf einer Hochzeitsfeier in Kana weist Jesus einige Diener an, Wasser in Krüge zu füllen

      KAPITEL 15

      Jesus vollbringt sein erstes Wunder

      JOHANNES 2:1-12

      • DIE HOCHZEIT IN KANA

      • JESUS VERWANDELT WASSER IN WEIN

      Es ist nun der dritte Tag, seit Nathanael ein Jünger Jesu geworden ist. Jetzt machen sich Jesus und seine Jünger auf den Weg in den Norden nach Galiläa, wo sie herkommen. Sie wollen nach Kana, dem Heimatort von Nathanael. Kana liegt im Hügelland nördlich von Nazareth, wo Jesus aufgewachsen ist. Dort sind sie zu einer Hochzeitsfeier eingeladen.

      Auch Jesu Mutter ist bei der Hochzeitsfeier. Sie ist wohl mit der Familie des Brautpaares befreundet und hilft deshalb mit, sich um die vielen Gäste zu kümmern. Daher fällt es ihr sofort auf, als etwas ausgeht. Sie sagt zu Jesus: „Sie haben keinen Wein“ (Johannes 2:3).

      Sie will Jesus damit sagen, er solle sich um dieses Problem kümmern. Doch Jesus erwidert mit einer Redewendung gewissermaßen: „Warum sollte das meine und deine Sorge sein, Frau?“ (Johannes 2:4) Als der von Gott ernannte König muss sich Jesus nach seinem Vater im Himmel richten und nicht nach seiner Familie oder seinen Freunden. Maria überlässt die Angelegenheit klugerweise ihrem Sohn und sagt den Dienern einfach: „Macht, was immer er euch sagt“ (Johannes 2:5).

      Auf dem Fest gibt es sechs Wasserkrüge aus Stein, die jeweils mehr als 40 Liter fassen. Jesus sagt zu den Dienern: „Füllt die Krüge mit Wasser.“ Dann fordert er sie auf: „Schöpft etwas heraus und bringt es dem Festleiter“ (Johannes 2:7, 8).

      Der Festleiter lobt den Bräutigam für den guten Wein

      Der Festleiter ist von dem edlen Wein beeindruckt, weiß aber nicht, dass er durch ein Wunder entstanden ist. Er ruft den Bräutigam und sagt: „Jeder andere bietet zuerst den edlen Wein an und wenn die Leute betrunken sind, den weniger guten. Aber du hast den edlen Wein bis jetzt zurückgehalten“ (Johannes 2:10).

      Das ist das erste Wunder, das Jesus vollbringt, und es stärkt den Glauben seiner Jünger. Nach der Feier gehen Jesus, seine Mutter und seine Halbbrüder nach Kapernaum, einer Stadt am Nordwestufer des Sees von Galiläa.

      • Wann vollbringt Jesus sein erstes Wunder?

      • Wie reagiert Jesus, als seine Mutter ihn auf den Wein anspricht?

      • Welches Wunder vollbringt Jesus, und was bewirkt es bei anderen?

  • Jesus zeigt Eifer für die wahre Anbetung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel

      KAPITEL 16

      Jesus zeigt Eifer für die wahre Anbetung

      JOHANNES 2:12-22

      • JESUS REINIGT DEN TEMPEL

      Nach der Hochzeit in Kana macht sich Jesus auf den Weg nach Kapernaum. Seine Mutter und seine Halbbrüder — Jakobus, Joseph, Simon und Judas — begleiten ihn.

      Jesus geht wohl nach Kapernaum, weil es günstiger liegt und wahrscheinlich auch größer ist als Nazareth oder Kana. Außerdem leben viele seiner Jünger in oder nahe bei Kapernaum. So kann Jesus sie dort schulen, wo sie zu Hause sind.

      Auch dort vollbringt Jesus Wunder. So kommt es, dass viele aus Kapernaum und der Umgebung von ihm erfahren. Aber Jesus und seine Gefährten, die gläubige Juden sind, müssen schon bald nach Jerusalem, um dort das Passah zu feiern. Es ist jetzt das Jahr 30.

      Beim Tempel in Jerusalem lernen Jesu Jünger ihn von einer Seite kennen, die sie noch nie zuvor an ihm beobachtet haben und die sie sehr beeindruckt.

      Gottes Gesetz verlangt von den Israeliten, dass sie im Tempel Tiere opfern. Manche müssen aber von weit her anreisen und sich in Jerusalem irgendwie versorgen. Ihnen erlaubt das Gesetz, Rinder, Schafe, Ziegen und andere Dinge, die sie brauchen, vor Ort zu kaufen (5. Mose 14:24-26). Deshalb verkaufen etliche Händler direkt in einem großen Vorhof des Tempels Tauben und andere Tiere. Einige Händler verlangen aber überhöhte Preise und nutzen die Leute aus.

      Darüber ist Jesus sehr verärgert. Er schüttet die Münzen der Geldwechsler aus, stößt ihre Tische um und jagt die Männer hinaus. Dann befiehlt er: „Schafft das hier weg! Hört auf, das Haus meines Vaters zu einer Markthalle zu machen!“ (Johannes 2:16).

      Da erinnern sich Jesu Jünger, die das alles beobachtet haben, an die Prophezeiung über Gottes Sohn: „Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“ Doch die Juden fragen: „Mit welchem Zeichen kannst du beweisen, dass du das alles tun darfst?“ Jesus antwortet ihnen: „Reißt diesen Tempel ab und ich werde ihn in drei Tagen errichten“ (Johannes 2:17-19; Psalm 69:9).

      Die Juden denken, Jesus rede von dem Tempel in Jerusalem. „Es hat 46 Jahre gedauert, diesen Tempel zu bauen“, wenden sie ein, „und du willst ihn in drei Tagen errichten?“ (Johannes 2:20). Mit dem Tempel meint Jesus jedoch seinen eigenen Körper. Drei Jahre später, nach Jesu Auferweckung, werden sich seine Jünger wieder an seine Worte erinnern.

      • An welche Orte reist Jesus, nachdem er auf der Hochzeit in Kana gewesen ist?

      • Warum ärgert sich Jesus über das, was er im Tempel sieht? Und was unternimmt er dagegen?

      • Was meint Jesus mit „dieser Tempel“ und worauf möchte er hinaus?

  • Er lehrt Nikodemus in der Nacht
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus spricht in der Nacht mit Nikodemus

      KAPITEL 17

      Er lehrt Nikodemus in der Nacht

      JOHANNES 2:23 BIS 3:21

      • JESUS SPRICHT MIT NIKODEMUS

      • WAS ES BEDEUTET, „WIEDERGEBOREN“ ZU SEIN

      Während sich Jesus im Jahr 30 zum Passah in Jerusalem aufhält, vollbringt er viele erstaunliche Zeichen oder Wunder. Dadurch beginnen viele, an ihn zu glauben. Auch Nikodemus ist von ihm beeindruckt. Er ist ein Pharisäer und Richter im Hohen Rat der Juden, auch Sanhedrin genannt. Nikodemus möchte mehr erfahren und besucht Jesus nach Anbruch der Dunkelheit — wahrscheinlich aus Angst, gesehen zu werden und so sein Ansehen bei den anderen religiösen Führern zu verlieren.

      „Rabbi“, sagt Nikodemus, „wir wissen, dass Gott dich als Lehrer gesandt hat, denn niemand kann solche Zeichen vollbringen wie du außer mit Gottes Hilfe.“ Daraufhin erklärt ihm Jesus: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, kann er Gottes Königreich nicht sehen“ (Johannes 3:2, 3).

      Nikodemus wundert sich, wie ein Mensch wiedergeboren werden kann. „Er kann doch nicht in den Bauch seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden, oder?“ (Johannes 3:4).

      Nein, das ist nicht damit gemeint. Jesus erklärt: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in Gottes Königreich kommen“ (Johannes 3:5). Als bei Jesu Taufe der heilige Geist auf ihn herabkam, wurde er „aus Wasser und Geist geboren“. Außerdem erklärte Gott vom Himmel: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe“ (Matthäus 3:16, 17). So gab Gott bekannt, dass er Jesus zu einem geistigen Sohn gemacht hatte, der die Aussicht hat, in das himmlische Königreich zu kommen. Später, zu Pfingsten 33, wird der heilige Geist auch auf andere Getaufte ausgegossen werden. Dadurch werden auch sie als geistgezeugte Söhne Gottes wiedergeboren (Apostelgeschichte 2:1-4).

      Nikodemus fällt es nicht leicht zu verstehen, was Jesus über das Königreich lehrt. Deshalb erklärt ihm Jesus seine besondere Rolle als Sohn Gottes und vollkommener Mensch noch genauer. Er sagt: „So, wie Moses die Schlange in der Wildnis aufgerichtet hat, so muss auch der Menschensohn aufgerichtet werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat“ (Johannes 3:14, 15).

      Israeliten, die von einer Giftschlange gebissen worden sind, müssen auf die kupferne Schlange schauen, um zu überleben

      Israeliten, die damals von einer Giftschlange gebissen wurden, mussten auf die kupferne Schlange schauen, um zu überleben (4. Mose 21:9). So ähnlich müssen Menschen an Gottes Sohn glauben, um vom Tod befreit zu werden und ewiges Leben zu erhalten. Als Nächstes betont Jesus, welche zu Herzen gehende Rolle Jehova dabei spielt, als er sagt: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3:16). Sechs Monate nachdem er mit seinem Dienst begonnen hat, macht Jesus also deutlich, dass er für die Menschheit den Weg zur Rettung frei machen wird.

      Jesus lässt Nikodemus wissen: „Gott sandte seinen Sohn . . . nicht in die Welt, damit er über die Welt Gericht hält.“ Er wurde also nicht geschickt, um die Menschheit zur Vernichtung zu verurteilen, „sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Johannes 3:17).

      Aus Angst ist Nikodemus im Schutz der Dunkelheit zu Jesus gekommen. Interessanterweise sagt Jesus abschließend: „Die Grundlage für das Gerichtsurteil ist Folgendes: Das Licht ist zwar in die Welt gekommen [Jesus durch sein Leben und seine Lehren], aber die Menschen haben die Finsternis anstelle des Lichtes geliebt, denn ihre Taten waren schlecht. Wer Schlechtes treibt, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit er für seine Taten nicht zurechtgewiesen wird. Wer dagegen tut, was richtig ist, kommt zum Licht, damit an seinen Taten offenbar wird, dass er sie in Harmonie mit Gott vollbracht hat“ (Johannes 3:19-21).

      Jetzt liegt es an Nikodemus, dem Pharisäer und Lehrer, über das nachzudenken, was er gerade über Jesu Rolle in Gottes Vorsatz erfahren hat.

      • Weshalb besucht Nikodemus Jesus und warum kommt er nachts?

      • Was bedeutet es, „wiedergeboren“ zu sein?

      • In welchem Sinn ist Jesus nicht gekommen, „damit er über die Welt Gericht hält“?

  • Jesus muss „wachsen“, Johannes muss „abnehmen“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Johannes der Täufer spricht mit seinen Jüngern

      KAPITEL 18

      Jesus muss „wachsen“, Johannes muss „abnehmen“

      MATTHÄUS 4:12 MARKUS 6:17-20 LUKAS 3:19, 20 JOHANNES 3:22 BIS 4:3

      • JESU JÜNGER TAUFEN

      • JOHANNES DER TÄUFER KOMMT INS GEFÄNGNIS

      Nach dem Passahfest im Frühling 30 verlassen Jesus und seine Jünger Jerusalem. Sie kehren jedoch nicht direkt nach Galiläa zurück, sondern gehen in die ländliche Gegend von Judäa. Dort taufen sie viele Menschen. Johannes der Täufer tauft ebenfalls seit etwa einem Jahr. Wahrscheinlich befindet er sich im Jordantal und einige seiner Jünger sind nach wie vor bei ihm.

      Zu diesem Zeitpunkt belehren und taufen sowohl Johannes als auch Jesus Juden, die ihre Sünden gegen Gottes Gesetzesbund bereuen (Apostelgeschichte 19:4). Jesus führt die Taufen allerdings nicht selbst durch, sondern seine Jünger taufen die Menschen unter seiner Anleitung.

      Aber die Jünger von Johannes beschweren sich bei ihm über Jesus: „Der Mann, der . . . bei dir war . . ., der tauft jetzt selbst und alle gehen zu ihm“ (Johannes 3:26). Doch im Gegensatz zu seinen Jüngern freut sich Johannes über Jesu Erfolg und ist nicht eifersüchtig. Er möchte, dass auch sie sich freuen. Deshalb erinnert er sie: „Ihr selbst bezeugt mir, dass ich gesagt habe: ‚Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin ihm vorausgeschickt worden.‘ “ Zur Veranschaulichung gebraucht Johannes ein einfaches Beispiel: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam, aber sein Freund, der dabeisteht, freut sich sehr, wenn er die Stimme des Bräutigams hört. Deshalb fehlt an meiner Freude nichts mehr“ (Johannes 3:28, 29).

      Wie der Freund des Bräutigams hat sich Johannes gefreut, als er Jesus vor einigen Monaten seinen Jüngern vorgestellt hat. Einige von ihnen folgen Jesus seitdem nach und werden später mit heiligem Geist gesalbt werden. Johannes möchte, dass auch seine anderen Jünger Jesus nachfolgen. Im Grunde ist es nämlich das Ziel von Johannes, die Menschen auf den Dienst des Christus vorzubereiten. Er erklärt: „Er muss immer weiter wachsen und ich immer weiter abnehmen“ (Johannes 3:30).

      Der andere Johannes, der Jesus schon seit einiger Zeit nachfolgt, äußert sich später ebenfalls über Jesus. Über dessen Herkunft und seine Schlüsselrolle bei der Rettung der Menschheit schreibt er: „Der von oben kommt, steht über allen anderen. . . . Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alles in die Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Johannes 3:31, 35, 36). Diese grundlegende Wahrheit müssen die Menschen unbedingt erfahren!

      Johannes der Täufer wird ins Gefängnis geworfen

      Nicht lange nachdem Johannes der Täufer davon gesprochen hat, dass seine Tätigkeit abnehmen oder nachlassen muss, lässt König Herodes ihn ins Gefängnis werfen. Der Grund: Herodes hat Herodias geheiratet, die Frau seines Halbbruders Philippus, und Johannes hat diese ehebrecherische Tat öffentlich angeprangert. Als Jesus von der Festnahme erfährt, verlässt er mit seinen Jüngern Judäa und zieht sich nach Galiläa zurück (Matthäus 4:12; Markus 1:14).

      • Was bedeutet die Taufe des Johannes und die Taufe, die vor Jesu Auferstehung unter seiner Anleitung durchgeführt wird?

      • Wie zeigt Johannes seinen Jüngern, dass sie sich über Jesu Erfolg freuen sollten?

      • Warum wird Johannes eingesperrt?

  • Jesus lehrt eine Samariterin
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus spricht mit einer samaritischen Frau an einem Brunnen

      KAPITEL 19

      Jesus lehrt eine Samariterin

      JOHANNES 4:3-43

      • JESUS PREDIGT EINER FRAU UND ANDEREN IN SAMARIA

      • DIE ANBETUNGSFORM, DIE GOTT GEFÄLLT

      Auf ihrem Weg von Judäa nordwärts nach Galiläa kommen Jesus und seine Jünger durch das Gebiet von Samaria. Von der Reise erschöpft machen sie mittags in der Nähe der Stadt Sychar an einem Brunnen halt. Diesen Brunnen hat Jakob viele Jahrhunderte zuvor gegraben oder graben lassen. Es gibt ihn heute noch, und zwar in der Nähe der Stadt Nablus.

      Jesu Jünger gehen in die Stadt, um etwas zu essen zu kaufen. Jesus bleibt am Brunnen zurück und ruht sich aus. Da kommt eine samaritische Frau, um Wasser zu holen. Jesus bittet sie: „Gib mir etwas zu trinken“ (Johannes 4:7).

      Jesus ruht sich an einem Brunnen aus, während seine Jünger weggehen; eine samaritische Frau kommt, um Wasser zu holen

      Normalerweise haben die Juden aufgrund tief sitzender Vorurteile keinen Umgang mit den Samaritern. Deshalb wundert sich die Frau, dass Jesus sie anspricht, und fragt: „Wieso bittest du als Jude mich, eine samaritische Frau, um etwas zu trinken?“ Jesus antwortet: „Wenn du die freie Gabe Gottes gekannt hättest und wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir etwas zu trinken‘, dann hättest du ihn gefragt und er hätte dir Wasser des Lebens gegeben.“ „Herr, du hast nicht mal einen Eimer dabei“, entgegnet sie, „und der Brunnen ist tief. Woher hast du denn dieses Wasser des Lebens? Unser Vorfahr Jakob hat uns den Brunnen gegeben und schon mit seinen Söhnen und seinem Vieh daraus getrunken. Bist du etwa größer als er?“ (Johannes 4:9-12).

      „Jeder, der dieses Wasser trinkt, wird wieder durstig“, erklärt Jesus. „Wer aber das Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Dieses Wasser wird in ihm zu einer sprudelnden Quelle, die ewiges Leben gibt“ (Johannes 4:13, 14). Ja, trotz seiner Müdigkeit ist Jesus gern bereit, mit der Samariterin über die Wahrheit zu sprechen, die Leben bedeutet.

      Darauf bittet die Frau ihn: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr durstig werde und auch nicht ständig herkommen muss, um Wasser zu holen.“ Da wechselt Jesus scheinbar das Thema und fordert sie auf: „Geh und hol deinen Mann.“ „Ich habe keinen Mann“, erwidert die Frau. Sie muss ziemlich überrascht sein, als Jesus entgegnet: „Es stimmt, wenn du sagst: ‚Ich habe keinen Mann.‘ Du warst zwar mit fünf Männern verheiratet, doch der Mann, mit dem du jetzt zusammen bist, mit dem bist du nicht verheiratet“ (Johannes 4:15-18).

      Da wird der Frau klar, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch sein kann, und sagt ganz verwundert: „Herr, ich merke, du bist ein Prophet.“ Dann zeigt sie, dass ihr geistige Dinge wichtig sind, denn sie sagt weiter: „Unsere Vorfahren [die Samariter] haben Gott auf diesem Berg hier [dem Berg Gerisim in der Nähe] angebetet, aber ihr [die Juden] behauptet, dass man ihn in Jerusalem anbeten muss“ (Johannes 4:19, 20).

      Doch Jesus erklärt ihr, dass es nicht darauf ankommt, wo man Gott anbetet. Er sagt: „Die Zeit kommt, da wird man den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten.“ Dann fügt er hinzu: „Die Zeit kommt — ja sie ist schon da —, da werden die wahren Anbeter den Vater mit Geist und Wahrheit anbeten, denn nach solchen Anbetern sucht der Vater“ (Johannes 4:21, 23, 24).

      Worauf es dem Vater bei seinen Anbetern ankommt, ist also nicht, wo sie ihn anbeten, sondern wie. Die Frau ist beeindruckt: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird. Wenn er kommt, wird er uns alles erklären“ (Johannes 4:25).

      Darauf sagt Jesus etwas Bedeutsames zu ihr: „Du redest gerade mit ihm — ich bin es“ (Johannes 4:26). Das muss man sich einmal vorstellen! Normalerweise sprechen Juden nicht mit Samaritern, geschweige denn ein jüdischer Mann mit einer samaritischen Frau. Trotzdem sagt Jesus dieser Frau, was er bisher wohl noch niemandem offen gesagt hat — dass er der Messias ist!

      VIELE SAMARITER WERDEN GLÄUBIG

      Die Jünger kommen mit etwas zu essen zurück und sehen, wie sich Jesus am Jakobsbrunnen mit einer Samariterin unterhält. Als sie den Brunnen erreichen, lässt die Frau ihren Wasserkrug stehen und eilt in die Stadt.

      Jesu Jünger sind zum Brunnen zurückgekommen und die Samariterin geht

      Dort erzählt sie den Leuten sofort, was Jesus zu ihr gesagt hat, und fordert sie mit Nachdruck auf: „Kommt und seht euch den Mann an, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe.“ Und vielleicht um die Neugier der Leute zu wecken, fragt sie: „Ob das wohl der Christus ist?“ (Johannes 4:29). Damit spricht sie ein Thema an, das Menschen schon seit der Zeit von Moses interessiert (5. Mose 18:18). Daraufhin beschließen die Stadtbewohner, selbst zu Jesus zu gehen.

      In Sychar erzählt die Samariterin den Stadtbewohnern alles, was Jesus zu ihr gesagt hat

      In der Zwischenzeit drängen Jesu Jünger ihn, doch etwas zu essen. Aber er sagt: „Ich habe eine Nahrung, von der ihr nichts wisst.“ Die Jünger wundern sich: „Es hat ihm doch niemand etwas zu essen gebracht, oder?“ Was Jesus ihnen daraufhin erklärt, ist für alle seine Nachfolger bedeutsam: „Meine Nahrung ist, den Willen dessen auszuführen, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen“ (Johannes 4:32-34).

      Mit dem Werk meint Jesus nicht die bevorstehende Getreideernte in etwa vier Monaten. Vielmehr bezieht sich Jesus auf das Werk des Jüngermachens, denn er sagt: „Schaut euch um und seht euch die Felder an, dass sie reif sind für die Ernte. Bereits jetzt bekommt der Erntearbeiter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, sodass sich beide freuen können — der gesät hat und der erntet“ (Johannes 4:35, 36).

      Wahrscheinlich kann Jesus schon abschätzen, was durch sein Gespräch mit der Samariterin alles bewirkt wird. Viele in Sychar glauben allein schon deshalb an ihn, weil die Frau bezeugt hat: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe“ (Johannes 4:39). Als sie dann zu Jesus an den Brunnen kommen, bitten sie ihn, noch zu bleiben, weil sie mehr von ihm hören wollen. Jesus nimmt die Einladung an und bleibt zwei Tage in Samaria.

      Das führt dazu, dass viele weitere Samariter an Jesus zu glauben beginnen. Sie sagen zu der Frau: „Wir glauben jetzt nicht nur wegen deines Berichts, denn wir haben es selbst gehört und wissen, dass dieser Mann wirklich der Retter der Welt ist“ (Johannes 4:42). Die Samariterin ist für uns ein gutes Beispiel dafür, wie wir für den Christus Zeugnis ablegen können — nämlich indem wir bei anderen die Neugier wecken, sodass sie mehr erfahren möchten.

      Vermutlich ist gerade November oder Dezember, denn es sind noch vier Monate bis zur Ernte — offensichtlich die Gerstenernte, die in dieser Gegend im Frühling eingebracht wird. Das bedeutet, dass Jesus und seine Jünger im Anschluss an das Passah im Jahr 30 etwa acht Monate in Judäa verbracht haben, um zu lehren und zu taufen. Nun machen sie sich auf die Heimreise nach Galiläa. Was erwartet sie dort?

      WER WAREN DIE SAMARITER?

      Samaria war die Gegend, die zwischen Judäa im Süden und Galiläa im Norden lag.

      Nach dem Tod von König Salomo spalteten sich die zehn Stämme im Norden Israels von den beiden Stämmen Juda und Benjamin im Süden ab. Die zehn Stämme wurden dann als Samaria bezeichnet. Die Bewohner Samarias begannen, Kälber zu verehren. Darum ließ Jehova es zu, dass die Assyrer Samaria 740 v. u. Z. eroberten. Sie verschleppten den Großteil der Bevölkerung und siedelten dort Leute aus anderen Teilen des Assyrischen Reiches an. Diese Anbeter fremder Götter heirateten Israeliten, die in Samaria zurückgeblieben waren. Mit der Zeit entstand eine neue Anbetungsform. Sie beinhaltete zwar Lehren und rituelle Handlungen aus Gottes Gesetz wie die Beschneidung, aber man konnte sie nicht als wahre Anbetung bezeichnen (2. Könige 17:9-33; Jesaja 9:9).

      Zur Zeit Jesu akzeptierten die Samariter die fünf Bücher Mose, doch sie beteten Gott nicht im Tempel in Jerusalem an. Sie hatten viele Jahre lang einen eigenen Tempel auf dem Berg Gerisim, nicht weit von Sychar. Und auch als jener Tempel zerstört war, blieb dies ihr Ort der Anbetung. Während Jesu Dienst war die Feindseligkeit zwischen Juden und Samaritern sehr ausgeprägt (Johannes 8:48).

      • Warum wundert sich die Samariterin, als Jesus sie anspricht?

      • Was sagt Jesus zu der Samariterin über das Wasser des Lebens und darüber, wo man Gott anbeten soll?

      • Was verrät Jesus der Samariterin über sich selbst? Und was sagt er darüber, welche Anbetungsform Jehova gefällt?

      • Was tut die Samariterin, als sie versteht, wer Jesus ist?

      • Was haben Jesus und seine Jünger in den Monaten nach dem Passah 30 getan?

  • Das zweite Wunder in Kana
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein verzweifelter Beamter fleht Jesus an, mitzukommen und seinen Sohn zu heilen

      KAPITEL 20

      Das zweite Wunder in Kana

      MARKUS 1:14, 15 LUKAS 4:14, 15 JOHANNES 4:43-54

      • JESUS PREDIGT, „DAS KÖNIGREICH GOTTES IST NAH“

      • AUS DER FERNE HEILT ER DEN SOHN EINES KÖNIGLICHEN BEAMTEN

      Nachdem Jesus zwei Tage in Samaria verbracht hat, reist er nun in die Gegend weiter, in der er aufgewachsen ist. Obwohl er in Judäa so viel gepredigt hat, will er sich in Galiläa nicht ausruhen. Stattdessen dehnt er seinen Dienst dort noch weiter aus. Jesus weiß allerdings, „dass ein Prophet im eigenen Heimatland nicht geehrt wird“, und erwartet daher wahrscheinlich nicht, mit offenen Armen empfangen zu werden (Johannes 4:44). Seine Jünger kehren unterdessen zu ihren Familien und ihrer Arbeit zurück.

      Welche Botschaft predigt Jesus? Er verkündet: „Das Königreich Gottes ist nah. Bereut und glaubt an die gute Botschaft“ (Markus 1:15). Wie reagieren die Menschen darauf? Viele Galiläer heißen Jesus willkommen und achten ihn. Das liegt aber nicht nur an seiner Botschaft. Vor einigen Monaten waren viele von ihnen zum Passah in Jerusalem und haben dort die Zeichen gesehen, die er vollbracht hat (Johannes 2:23).

      Jesus beginnt seinen umfangreichen Dienst in Galiläa wohl in Kana, wo er bei einem Hochzeitsfest Wasser in Wein verwandelt hat. Als er das zweite Mal dort ist, erfährt er, dass der Sohn eines Beamten von König Herodes Antipas sterbenskrank ist. Es ist übrigens der Herodes, der Johannes den Täufer später enthaupten lässt. Der Beamte erfährt, dass Jesus von Judäa nach Kana gekommen ist. Deshalb reist er von Kapernaum nach Kana, um nach Jesus zu suchen. Der verzweifelte Vater fleht Jesus an: „Herr, komm, bevor mein Kind stirbt!“ (Johannes 4:49).

      Doch Jesus sagt: „Geh heim, dein Sohn lebt“ (Johannes 4:50). Der Beamte ist bestimmt überrascht, aber er glaubt Jesus und macht sich auf den Heimweg. Unterwegs kommen ihm seine Sklaven entgegen. Sein Sohn lebt und es geht ihm wieder besser! Daraufhin will der Beamte wissen, seit wann.

      Sie antworten: „Gestern zur siebten Stunde war das Fieber weg“ (Johannes 4:52).

      Der Beamte trifft auf dem Heimweg seine Sklaven; zu Hause stellt er fest, dass sein Sohn von Jesus geheilt wurde

      Da wird dem Beamten bewusst, dass es genau dann war, als Jesus zu ihm sagte: „Dein Sohn lebt.“ Danach wird dieser Mann, der reich genug ist, um Sklaven zu haben, ein Jünger Christi — und seine gesamte Hausgemeinschaft ebenfalls.

      Damit hat Jesus in Kana zwei Wunder vollbracht: Er hat Wasser in Wein verwandelt und aus etwa 25 Kilometern Entfernung den Sohn eines Beamten geheilt. Das sind natürlich nicht die einzigen Wunder, die er bis dahin vollbracht hat. Doch dieses Wunder ist bedeutsam. Es macht nämlich deutlich, dass Jesus als ein Prophet Gottes nach Galiläa zurückkehrt. Aber wird dieser „Prophet im eigenen Heimatland“ geehrt werden?

      Das wird sich zeigen, wenn Jesus nach Nazareth heimkommt. Was erwartet ihn dort?

      • Welche Botschaft predigt Jesus, als er wieder in Galiläa ist? Und wie reagieren die Menschen?

      • Welches weitere Wunder vollbringt Jesus in Kana, und wie wirkt es sich auf den Beamten und seine Hausgemeinschaft aus?

      • Warum ist dieses Wunder so bedeutsam?

  • In der Synagoge von Nazareth
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus liest in der Synagoge aus der Jesaja-Buchrolle vor

      KAPITEL 21

      In der Synagoge von Nazareth

      LUKAS 4:16-31

      • JESUS LIEST AUS DER JESAJA-BUCHROLLE VOR

      • IN NAZARETH VERSUCHT MAN, JESUS ZU TÖTEN

      In Nazareth herrscht sicher helle Aufregung. Vor über einem Jahr war Jesus hier noch ein Zimmermann. Doch dann ist er weggezogen und hat sich von Johannes taufen lassen. Nun ist er zurück und als der Mann bekannt, der Wunder wirkt. Die Einheimischen können es gar nicht erwarten, dass er auch bei ihnen Zeichen vollbringt.

      Ihre Erwartung steigt zusätzlich, als Jesus wie gewohnt in die Synagoge geht. Dort wird gebetet und aus den Büchern Mose vorgelesen, wie es „in den Synagogen an jedem Sabbat“ üblich ist (Apostelgeschichte 15:21). Es wird auch aus den Propheten vorgelesen. Jesus ist viele Jahre in diese Synagoge gegangen. Deshalb sieht er sicher viele bekannte Gesichter, als er aufsteht, um vorzulesen. Man gibt ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja und er findet die Stelle, die von Jehovas Gesalbtem berichtet und die heute in Jesaja 61:1, 2 zu finden ist.

      Jesus liest über den Gesalbten vor, dass er gesandt wurde, um den Gefangenen Freiheit zu verkünden, den Blinden, dass sie wieder sehen werden, und um Jehovas Jahr der Gunst zu predigen. Dann gibt Jesus dem Synagogendiener die Buchrolle zurück und setzt sich. Alle Blicke sind nun auf ihn gerichtet. Daraufhin erklärt er diese Dinge wohl etwas genauer und macht die bedeutende Aussage: „Heute hat sich die Schriftstelle, die ihr gerade gehört habt, erfüllt“ (Lukas 4:21).

      Alle staunen „über die gewinnenden Worte aus seinem Mund“ und fragen einander: „Ist das nicht ein Sohn von Joseph?“ Diese Menschen haben von Jesu Wundern gehört und nun wollen sie auch ein Wunder sehen. Jesus merkt das und sagt: „Ihr werdet jetzt bestimmt das Sprichwort auf mich anwenden: ‚Arzt, heil dich selbst!‘, und sagen: ‚Wir haben gehört, was in Kapernaum geschehen ist, mach das doch auch hier in deinem Heimatgebiet‘ “ (Lukas 4:22, 23). Jesu frühere Nachbarn denken womöglich, dass er mit dem Heilen zu Hause, bei seinen eigenen Leuten, anfangen sollte. Daher fühlen sie sich von ihm wohl übergangen.

      Jesus weiß, was sie denken. Darum nimmt er auf zwei Begebenheiten aus der Geschichte Israels Bezug. Wie er bemerkt, gab es zur Zeit Elias in Israel viele Witwen. Doch zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt, sondern nur zu einer Witwe in der Stadt Zarephath im Land Sidon. Dort wirkte Elia ein Wunder, das Leben rettete (1. Könige 17:8-16). Und zur Zeit des Propheten Elisa gab es viele Aussätzige in Israel, doch keiner von ihnen wurde geheilt, außer der Syrer Naaman (2. Könige 5:1, 8-14).

      Besucher der Synagoge zerren Jesus an einen Berghang

      Dieser geschichtliche Vergleich beschämt Jesu ehemalige Nachbarn, weil er damit ihren Egoismus und ihren Unglauben aufdeckt. Wie reagieren sie darauf? Alle in der Synagoge springen wütend auf. Sie treiben Jesus aus dem Ort bis zum Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut ist, und wollen ihn hinunterstürzen. Doch Jesus entkommt ihnen und geht nach Kapernaum ans Nordwestufer des Sees von Galiläa.

      • Warum herrscht in Jesu Heimatstadt Nazareth helle Aufregung?

      • Wie reagieren die Menschen zunächst auf Jesu Worte, doch was macht sie dann wütend?

      • Was versuchen die Menschen von Nazareth?

  • Vier Jünger werden Menschenfischer
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus spricht am Ufer vom See von Galiläa mit Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes

      KAPITEL 22

      Vier Jünger werden Menschenfischer

      MATTHÄUS 4:13-22 MARKUS 1:16-20 LUKAS 5:1-11

      • JESUS LÄDT EINIGE JÜNGER EIN, IHM BESTÄNDIG ZU FOLGEN

      • AUS FISCHERN WERDEN MENSCHENFISCHER

      Nachdem man in Nazareth versucht hat, Jesus zu töten, zieht er nach Kapernaum. Es liegt am See von Galiläa, der auch „See Genezareth“ genannt wird (Lukas 5:1). So erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas, dass die Galiläer, die an diesem See wohnen, ein großes Licht sehen werden (Jesaja 9:1, 2).

      Hier in Galiläa predigt Jesus ebenfalls: „Das Königreich des Himmels ist nah“ (Matthäus 4:17). Außerdem trifft er vier seiner Jünger wieder, die nach ihrer gemeinsamen Zeit in Judäa wieder die Fischerei aufgenommen haben (Johannes 1:35-42). Jetzt wird es für Jesus allerdings Zeit, sie zu schulen, damit sie seinen Dienst fortsetzen können, wenn er wieder im Himmel ist. Dazu müssen sie jedoch ständig bei ihm sein.

      Als Jesus am Ufer entlanggeht, trifft er auf Simon Petrus, dessen Bruder Andreas und einige ihrer Geschäftspartner. Sie kümmern sich gerade um ihre Netze. Jesus geht zu ihnen hinüber, besteigt das Boot von Petrus und bittet ihn, ein kleines Stück hinauszufahren. Dann setzt er sich und belehrt die Volksmenge, die sich am Strand versammelt hat, über das Königreich.

      Danach fordert Jesus Petrus auf: „Fahr an eine Stelle, wo es tief ist, und wirf die Netze zum Fang aus.“ Petrus entgegnet: „Lehrer, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen, aber weil du es sagst, werfe ich die Netze aus“ (Lukas 5:4, 5).

      Andreas, Jakobus und Johannes mühen sich ab, die vollen Netze ins Boot zu bekommen; Petrus fällt vor Jesus auf die Knie

      Als sie das tun, fangen sie so viele Fische, dass die Netze zu reißen beginnen. Sofort winken sie ihre Geschäftspartner in dem anderen Boot herbei, damit sie ihnen helfen. Bald sind beide Boote so voll, dass sie zu sinken drohen. Da fällt Petrus vor Jesus auf die Knie und sagt: „Geh weg von mir, Herr, ich bin ein sündiger Mensch!“ Doch Jesus sagt: „Hab keine Angst mehr. Von nun an wirst du Menschen lebendig fischen“ (Lukas 5:8, 10).

      Jesus fordert Petrus und Andreas auf: „Folgt mir nach und ich mache euch zu Menschenfischern“ (Matthäus 4:19). Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, lädt er ebenfalls ein. Auch diese beiden zögern keinen Augenblick. Sie geben ihr Fischereigewerbe auf und werden die ersten ständigen Nachfolger Jesu.

      • Wen lädt Jesus ein, seine ständigen Nachfolger zu sein, und welchen Beruf haben sie?

      • Von welchem Wunder ist Petrus überwältigt?

      • Wozu lädt Jesus die vier Jünger ein?

  • Jesus vollbringt Wunder in Kapernaum
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus heilt kranke Menschen, die zum Haus von Petrus gekommen sind

      KAPITEL 23

      Jesus vollbringt Wunder in Kapernaum

      MATTHÄUS 8:14-17 MARKUS 1:21-34 LUKAS 4:31-41

      • JESUS TREIBT EINEN DÄMON AUS

      • ER HEILT DIE SCHWIEGERMUTTER VON PETRUS

      Jesus hat vier seiner Jünger — Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes — dazu eingeladen, Menschenfischer zu sein. Es ist nun Sabbat und sie gehen zusammen in Kapernaum in eine Synagoge. Auch hier staunen die Menschen nur so über Jesu Art zu lehren, denn er lehrt nicht wie die Schriftgelehrten, sondern wie jemand mit Autorität.

      Es ist auch ein Mann da, der unter dem Einfluss eines bösen Geistes steht. Mitten in der Synagoge schreit er laut: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus, du Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu vernichten? Ich weiß genau, wer du bist: der Heilige Gottes!“ Doch Jesus befiehlt dem Dämon, der den Mann in seiner Gewalt hat: „Sei still und komm aus ihm heraus!“ (Markus 1:24, 25).

      Da sorgt der Dämon dafür, dass der Mann in einem Krampf zu Boden fällt. Dann verlässt er ihn mit einem durchdringenden Schrei, „ohne ihm Schaden zuzufügen“ (Lukas 4:35). Die Leute kommen aus dem Staunen nicht heraus! „Was hat das zu bedeuten?“, fragen sie. „Voller Autorität gibt er sogar den bösen Geistern Befehle und sie tun, was er sagt!“ (Markus 1:27). Verständlicherweise verbreitet sich diese beeindruckende Neuigkeit in ganz Galiläa.

      Von der Synagoge aus gehen Jesus und seine Jünger zu Simon Petrus nach Hause. Die Schwiegermutter von Petrus ist sehr krank und hat hohes Fieber, und man bittet Jesus ihr zu helfen. Also geht er zu ihr, nimmt ihre Hand und hilft ihr auf. Da wird sie sofort gesund und fängt an, Jesus und seine Jünger zu bedienen — wahrscheinlich kocht sie etwas für sie.

      Bei Sonnenuntergang kommen Leute von überallher und bringen ihre Kranken zum Haus von Petrus. Bald sieht es so aus, als wäre die ganze Stadt vor der Tür versammelt. „Menschen mit den verschiedensten Leiden“ wollen geheilt werden. Jesus legt „jedem einzelnen die Hände auf“ und heilt sie alle (Lukas 4:40). Ja, wie vorhergesagt, heilt Jesus alle Arten von Krankheiten (Jesaja 53:4). Er befreit sogar Menschen, die von Dämonen besessen sind. Dabei schreien die Dämonen: „Du bist der Sohn Gottes!“ (Lukas 4:41). Sie wissen, dass Jesus der Christus ist. Doch Jesus verbietet ihnen zu reden. Er lässt es nicht zu, dass sie so tun, als würden sie dem wahren Gott dienen.

      BESESSENHEIT

      Dämonen konnten viel Leid verursachen, wenn einer oder mehrere von ihnen Besitz von einem Menschen ergriffen (Matthäus 17:14-18). Doch sobald jemand von den Dämonen befreit war, verhielt er sich wieder normal und es ging ihm gut. Jesus hat wiederholt bewiesen, dass er Dämonen mithilfe von Gottes heiligem Geist austreiben kann (Lukas 8:39; 11:20).

      • Was passiert an einem Sabbat in einer Synagoge von Kapernaum?

      • Wohin geht Jesus danach und was tut er dort?

      • Wie reagieren die Menschen von Kapernaum, als sie erfahren, was Jesus getan hat?

  • Jesus dehnt seinen Dienst in Galiläa aus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes finden Jesus

      KAPITEL 24

      Jesus dehnt seinen Dienst in Galiläa aus

      MATTHÄUS 4:23-25 MARKUS 1:35-39 LUKAS 4:42, 43

      • JESUS GEHT MIT VIER JÜNGERN AUF EINE PREDIGTREISE DURCH GALILÄA

      • DURCH SEIN PREDIGEN UND SEINE WUNDER WIRD JESUS ÜBERALL BEKANNT

      Die Einwohner von Kapernaum haben am Abend zuvor ihre Kranken zu Jesus gebracht, damit er sie heilt. Für Jesus und seine vier Jünger war es ein ausgefüllter Tag, und Jesus hatte kaum Zeit für sich.

      Am frühen Morgen, als es noch dunkel ist, steht Jesus auf und geht allein hinaus an einen einsamen Ort. Er möchte ungestört zu seinem Vater beten — aber mit der Ruhe ist es schnell vorbei. Als Simon Petrus nämlich merkt, dass sein Gast verschwunden ist, macht er sich mit den anderen auf die Suche nach ihm (Markus 1:36; Lukas 4:38).

      Als sie ihn finden, sagt Petrus: „Alle suchen dich“ (Markus 1:37). Verständlicherweise wollen die Menschen von Kapernaum, dass Jesus bei ihnen bleibt. Er hat viel für sie getan, und deshalb wollen „sie ihn nicht mehr gehen lassen“ (Lukas 4:42). Aber ist Jesus in erster Linie auf die Erde gekommen, um Wunderheilungen zu vollbringen? Und soll er seinen Dienst ausschließlich auf diesen Ort beschränken? Was sagt er selbst dazu?

      Jesus spricht mit Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes und zeigt dabei auf eine nahe gelegene Stadt

      Jesus fordert seine Jünger auf: „Lasst uns woandershin gehen, in die Nachbarorte, damit ich auch dort predigen kann, denn dazu bin ich gekommen.“ Auch den Leuten, die ihn nicht gehen lassen wollen, sagt Jesus: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich auch in anderen Städten bekannt machen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Markus 1:38; Lukas 4:43).

      Ja, Jesus ist vor allem auf die Erde gekommen, um Gottes Königreich zu predigen. Dieses Königreich wird den Namen seines Vaters heiligen und alle Probleme der Menschheit für immer lösen. Durch die Wunderheilungen beweist Jesus, dass Gott ihn gesandt hat. Auch Moses vollbrachte Jahrhunderte zuvor beeindruckende Wunder, die zeigten, dass er von Gott beauftragt war (2. Mose 4:1-9, 30, 31).

      Jesus verlässt Kapernaum, um in anderen Städten zu predigen, und seine vier Jünger gehen mit. Diese vier sind Petrus und sein Bruder Andreas sowie Johannes und sein Bruder Jakobus. Vor ein paar Tagen hat Jesus sie eingeladen, ihn als seine ersten Mitarbeiter auf seinen Reisen zu begleiten.

      Jesu Predigtreise durch Galiläa ist ein voller Erfolg! Jesus wird weit und breit bekannt. Die Neuigkeiten über ihn sprechen „sich in ganz Syrien herum“, auf der anderen Jordanseite und in der Gegend der zehn Städte, die Dekapolis genannt wird (Matthäus 4:24, 25). Große Volksmengen aus diesen Gegenden und auch aus Judäa folgen Jesus und seinen vier Jüngern. Viele bringen Kranke zu ihm, damit er sie heilt. Und Jesus enttäuscht sie nicht — er heilt sie alle und treibt auch Dämonen aus.

      • Was geschieht am Morgen nach Jesu ausgefülltem Tag in Kapernaum?

      • Warum ist Jesus auf die Erde gesandt worden und weshalb wirkt er Wunder?

      • Wer begleitet Jesus auf seiner Predigtreise durch Galiläa? Und wie reagieren die Menschen auf seinen Dienst?

  • Aus Mitgefühl heilt Jesus einen Aussätzigen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus berührt einen Aussätzigen, der sich vor ihm auf die Knie geworfen hat

      KAPITEL 25

      Aus Mitgefühl heilt Jesus einen Aussätzigen

      MATTHÄUS 8:1-4 MARKUS 1:40-45 LUKAS 5:12-16

      • JESUS HEILT EINEN AUSSÄTZIGEN

      Jesus und seine Jünger predigen „in ganz Galiläa in den Synagogen“, und weit und breit erzählt man sich von seinen Wundern (Markus 1:39). Die Berichte über ihn erreichen auch eine Stadt, in der ein Aussätziger lebt. Der Arzt Lukas beschreibt ihn als „einen Mann voller Aussatz“ (Lukas 5:12). Im fortgeschrittenen Stadium entstellt diese schreckliche Krankheit nach und nach verschiedene Körperteile.

      Der aussätzige Mann muss also viel durchmachen und dazu noch abseits von anderen Menschen leben. Wenn jemand in seiner Nähe ist, muss er „Unrein, unrein!“ rufen, damit niemand zu nah an ihn herankommt und sich ansteckt (3. Mose 13:45, 46). Aber was tut der Aussätzige, als Jesus in die Stadt kommt? Er läuft zu ihm und fleht ihn auf Knien an: „Herr, wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen!“ (Matthäus 8:2).

      Sein Glaube an Jesus ist wirklich groß! Er ist durch seine Krankheit sehr gezeichnet und muss mitleiderregend aussehen. Was wird Jesus jetzt tun? Was würdest du tun? Jesus empfindet großes Mitgefühl. Er streckt seine Hand aus und berührt den Mann. Dann sagt er zu ihm: „Das will ich! Du sollst gesund werden“ (Matthäus 8:3). Es ist kaum zu glauben, aber der Aussatz verschwindet sofort und der Mann ist gesund!

      Hättest du gern einen König, der so mitfühlend und mächtig ist wie Jesus? Über ihn wurde prophezeit: „Er wird Mitleid haben mit den Schwachen und den Armen und das Leben der Armen wird er retten“ (Psalm 72:13). Die Art, wie Jesus den Aussätzigen behandelt hat, gibt uns die Sicherheit, dass diese Worte wahr werden, wenn er als König über die Erde regiert. Dann wird er sich seinen Herzenswunsch erfüllen und allen helfen, die leiden.

      Schon bevor Jesus den Aussätzigen geheilt hat, waren die Menschen von seinen Worten und Taten begeistert. Bald werden sie auch von diesem Wunder erfahren. Doch Jesus möchte nicht, dass sie aufgrund von Sensationsberichten an ihn glauben. Schließlich kennt er die Prophezeiung: „Auf der Straße wird er seine Stimme nicht hören lassen“ (Jesaja 42:1, 2). Deshalb weist Jesus den Mann an, den er soeben geheilt hat: „Sieh zu, dass du das niemandem erzählst, sondern geh, zeig dich dem Priester und opfere die von Moses vorgeschriebene Gabe“ (Matthäus 8:4).

      Man kann sich aber vorstellen, dass der Mann das, was Jesus für ihn getan hat, einfach nicht für sich behalten kann. Er geht los und erzählt es überall. Das weckt bei den Leuten natürlich noch mehr Neugier und Interesse. Es kommt so weit, dass Jesus nicht mehr unbehelligt in eine Stadt gehen kann und außerhalb an einsamen Orten bleibt. Trotzdem kommen die Leute von überall, um von ihm zu lernen und geheilt zu werden.

      • Welche Folgen kann Aussatz haben? Was musste ein Aussätziger tun?

      • Wie bittet ein Aussätziger Jesus um Hilfe? Und was können wir aus Jesu Reaktion schließen?

      • Wie reagiert der geheilte Mann auf Jesu Wunder und mit welcher Folge?

  • „Deine Sünden sind vergeben“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein gelähmter Mann wird durch eine Öffnung im Dach zu Jesus heruntergelassen

      KAPITEL 26

      „Deine Sünden sind vergeben“

      MATTHÄUS 9:1-8 MARKUS 2:1-12 LUKAS 5:17-26

      • JESUS VERGIBT EINEM GELÄHMTEN SEINE SÜNDEN UND HEILT IHN

      Mittlerweile haben Menschen von nah und fern von Jesus gehört. Viele reisen sogar an abgelegene Orte, um ihn zu hören und seine Wunder zu sehen. Nach einigen Tagen kehrt Jesus aber nach Kapernaum zurück, das am Ufer des Sees von Galiläa liegt und der Stützpunkt für seinen Dienst ist. Schnell spricht sich herum, dass er wieder da ist, und viele kommen zu dem Haus, in dem er sich aufhält. Darunter sind auch Pharisäer und Gesetzeslehrer aus Jerusalem und dem restlichen Judäa sowie aus ganz Galiläa.

      Zu dem Haus strömen so viele Leute, dass „nirgendwo mehr Platz“ ist, nicht einmal bei der Tür. Jesus beginnt mit ihnen über die gute Botschaft zu sprechen (Markus 2:2). Dies bildet den Rahmen für ein bedeutendes Ereignis. Es hilft uns zu begreifen, welche Macht Jesus hat: Er kann die Ursache allen Leids beseitigen und wen immer er will gesund machen.

      Während Jesus in dem überfüllten Raum zu den Menschen spricht, bringen vier Männer einen Gelähmten auf einer Trage, damit er ihn heilt. Aber wegen der vielen Leute können sie „ihn nicht direkt zu Jesus bringen“ (Markus 2:4). Das muss für sie ziemlich frustrierend sein! Da steigen sie aufs Flachdach und machen eine Öffnung hinein. Dann lassen sie ihren gelähmten Freund auf der Trage hinunter.

      Ärgert sich Jesus über diese Störung? Ganz und gar nicht! Er ist von dem Glauben dieser Männer tief beeindruckt und sagt zu dem Gelähmten: „Deine Sünden sind vergeben“ (Matthäus 9:2). Aber kann Jesus Sünden überhaupt vergeben? Die Schriftgelehrten und Pharisäer bezweifeln das sehr und überlegen: „Wie kann dieser Mann so etwas sagen? Das ist doch Gotteslästerung! Nur Gott kann Sünden vergeben, sonst niemand!“ (Markus 2:7).

      Jesus weiß, was sie denken, und sagt zu ihnen: „Warum überlegt ihr so etwas in eurem Herzen? Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Sünden sind vergeben‘, oder: ‚Steh auf, nimm deine Trage und geh umher‘?“ (Markus 2:8, 9). Ja, Jesus kann dem Mann seine Sünden wirklich vergeben, und zwar auf der Grundlage des Opfers, das er darbringen wird.

      Dann demonstriert Jesus allen, auch seinen Kritikern, dass er befugt ist, auf der Erde Sünden zu vergeben. Er wendet sich dem Gelähmten zu und fordert ihn auf: „Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause.“ Da steht der Mann auf, nimmt seine Trage und geht vor den Augen aller hinaus. Die Leute sind außer sich vor Staunen! Sie verherrlichen Gott und rufen: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“ (Markus 2:11, 12).

      Interessant ist, dass Jesus Sünde mit Krankheit und Sündenvergebung mit Gesundheit in Verbindung bringt. Wie die Bibel lehrt, hat der erste Mensch Adam gesündigt. Durch ihn haben wir alle die Folgen der Sünde, also Krankheit und Tod, geerbt. Doch als König von Gottes Königreich wird Jesus allen, die Gott lieben und ihm dienen, ihre Sünden vergeben. Dann werden Krankheiten für immer der Vergangenheit angehören (Römer 5:12, 18, 19).

      • Was bewegt Jesus dazu, in Kapernaum einen gelähmten Mann zu heilen?

      • Wie wird der Gelähmte zu Jesus gebracht?

      • Was können wir aus diesem Bericht darüber lernen, was Sünde mit Krankheit zu tun hat? Und welche Hoffnung haben wir dadurch?

  • Jesus lädt Matthäus ein, ihm zu folgen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Pharisäer beobachten Jesus bei einem Festessen mit Steuereinnehmern und Sündern im Haus von Matthäus

      KAPITEL 27

      Jesus lädt Matthäus ein, ihm zu folgen

      MATTHÄUS 9:9-13 MARKUS 2:13-17 LUKAS 5:27-32

      • JESUS FORDERT DEN STEUEREINNEHMER MATTHÄUS AUF, IHM NACHZUFOLGEN

      • CHRISTUS HAT UMGANG MIT SÜNDERN, UM IHNEN ZU HELFEN

      Nachdem Jesus den Gelähmten geheilt hat, bleibt er noch kurz in der Gegend von Kapernaum am See von Galiläa. Wieder kommen viele Menschen zu ihm und er belehrt sie. Dann geht er weiter. Unterwegs sieht er in einem Steuerbüro Matthäus sitzen, der auch Levi genannt wird. Jesus hat eine besondere Einladung für ihn und sagt: „Folge mir nach!“ (Matthäus 9:9).

      Wahrscheinlich hat Matthäus bereits von Jesu Lehren und Wundern gehört wie schon Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes vor ihm. Und so wie sie reagiert er prompt auf Jesu Einladung. Matthäus schreibt über sich selbst in seinem Evangelium: „So stand Matthäus auf und folgte ihm“ (Matthäus 9:9). Er gibt seine Arbeit als Steuereinnehmer auf und wird ein Jünger Jesu.

      Jesus sieht Matthäus in einem Steuerbüro sitzen und lädt ihn ein, ihm nachzufolgen

      Etwas später veranstaltet Matthäus in seinem Haus ein großes Festessen, womöglich aus Dankbarkeit für Jesu besondere Einladung. Außer Jesus und seinen Jüngern sind auch einige ehemalige Kollegen von Matthäus eingeladen. Als Steuereinnehmer treiben sie Steuern für den verhassten römischen Staat ein. Sie besteuern unter anderem Schiffe, die in Häfen anlegen, und Karawanen auf den Hauptstraßen. Außerdem erheben sie Zölle auf eingeführte Güter. Wie betrachten die Juden im Allgemeinen die Steuereinnehmer? Sie verachten sie, da sie oft unehrlich sind und mehr verlangen als die festgesetzte Steuer. Bei dem Festessen sind auch „Sünder“ anwesend — Personen, die den Ruf haben, sich nicht an Gottes Gesetz zu halten (Lukas 7:37-39).

      Als die selbstgerechten Pharisäer sehen, mit wem Jesus bei dem Festessen zusammen ist, fragen sie die Jünger: „Warum isst euer Lehrer mit Steuereinnehmern und Sündern?“ (Matthäus 9:11). Jesus bekommt das mit und erwidert: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Geht also und denkt einmal darüber nach, was das bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer.‘ Ich bin nämlich nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Matthäus 9:12, 13; Hosea 6:6). Die Pharisäer sprechen Jesus zwar mit „Lehrer“ an, doch in Wirklichkeit betrachten sie ihn gar nicht als Lehrer — dabei könnten sie von ihm lernen, was gerecht ist.

      Wie es scheint, hat Matthäus Steuereinnehmer und Sünder, von denen etliche Jesus bereits nachfolgen, eingeladen, damit sie Jesus hören können (Markus 2:15). Jesus möchte ihnen helfen, ein gutes Verhältnis zu Gott zu haben. Im Gegensatz zu den selbstgerechten Pharisäern verachtet Jesus sie nicht, sondern begegnet ihnen mitfühlend und barmherzig. So wie ein Arzt einem Kranken hilft, körperlich gesund zu werden, so hilft Jesus den Menschen, ein gesundes Verhältnis zu Gott zu bekommen.

      Jesus ist gegenüber den Steuereinnehmern und Sündern nicht deshalb barmherzig, weil er ihre Sünden gutheißen würde, sondern weil er für sie genauso empfindet wie für die Kranken, die zu ihm kommen. Vielleicht erinnerst du dich noch an den Aussätzigen. Jesus hat ihn aus Mitgefühl berührt und zu ihm gesagt: „Das will ich! Du sollst gesund werden“ (Matthäus 8:3). Sollten wir da nicht auch barmherzig sein und allen, die irgendwie Hilfe brauchen, beistehen — vor allem, wenn es um ihr Verhältnis zu Gott geht?

      • Was tut Matthäus, als Jesus ihn einlädt?

      • Warum verachten die Juden zur Zeit Jesu die Steuereinnehmer?

      • Weshalb verbringt Jesus Zeit mit Sündern?

  • Warum fasten Jesu Jünger nicht?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Jünger von Johannes dem Täufer befragen Jesus zum Thema Fasten

      KAPITEL 28

      Warum fasten Jesu Jünger nicht?

      MATTHÄUS 9:14-17 MARKUS 2:18-22 LUKAS 5:33-39

      • DIE JÜNGER VON JOHANNES BEFRAGEN JESUS ÜBER DAS FASTEN

      Einige Zeit nachdem Jesus im Jahr 30 beim Passahfest gewesen ist, wird Johannes der Täufer eingesperrt. Johannes wollte, dass seine Jünger Jesus nachfolgen, doch nicht alle von ihnen sind seinem Wunsch nachgekommen.

      Bis zum Passah 31 dauert es nicht mehr lange. Einige Jünger von Johannes kommen mit der Frage zu Jesus: „Wir fasten, die Pharisäer fasten, nur deine Jünger nicht. Wieso nicht?“ (Matthäus 9:14). Für die Pharisäer ist das Fasten ein religiöses Ritual. Später erzählt Jesus sogar einmal einen Vergleich, in dem ein selbstgerechter Pharisäer betet: „O Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie alle anderen bin . . . Ich faste zwei Mal in der Woche“ (Lukas 18:11, 12). Auch die Jünger von Johannes fasten, möglicherweise, weil es so Brauch ist, oder aus Trauer darüber, dass Johannes im Gefängnis ist. Sie wundern sich, dass Jesu Jünger nicht fasten. Vielleicht denken sie, diese sollten ebenfalls ihre Trauer darüber zeigen, was mit Johannes passiert ist.

      Jesus antwortet mit einem Beispiel: „Warum sollten die Freunde des Bräutigams trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Die Zeit kommt, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen — dann werden sie fasten“ (Matthäus 9:15).

      Auch Johannes hat Jesus einmal als Bräutigam bezeichnet (Johannes 3:28, 29). Solange Jesus bei seinen Jüngern ist, brauchen sie nicht fasten. Doch wenn er stirbt, werden sie trauern und nichts mehr essen wollen — allerdings nicht lange. Denn wenn er auferweckt wird, werden sie keinen Grund mehr zum Trauern und Fasten haben!

      Anschließend gebraucht Jesus zwei Veranschaulichungen: „Niemand flickt ein altes Obergewand mit einem Stück Stoff, das noch nicht eingelaufen ist. Der Flicken zieht sonst an dem Gewand und der Riss wird noch größer. Und man gießt ja auch keinen neuen Wein in alte Weinschläuche. Sonst platzen sie, der Wein läuft aus und die Weinschläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein füllt man in neue Weinschläuche“ (Matthäus 9:16, 17). Was möchte Jesus damit sagen?

      Er möchte den Jüngern von Johannes klarmachen, dass seine Nachfolger nicht verpflichtet sind, sich an die alten Bräuche des Judentums wie das rituelle Fasten zu halten. Jesus ist nicht gekommen, um eine alte, überholte Anbetungsform auszubessern und zu erhalten — eine Anbetung, für die es Zeit ist, abgeschafft zu werden. Die Anbetung, für die er sich einsetzt, richtet sich nicht nach dem Judentum mit seinen von Menschen gemachten Traditionen. Jesus hat wirklich nicht vor, ein altes Kleidungsstück mit einem neuen Stück Stoff zu flicken oder neuen Wein in einen alten, spröden Weinschlauch zu füllen.

      GLEICHNISSE ÜBER DAS FASTEN

      Ein Weinschlauch

      Jesus gebrauchte eine Veranschaulichung, mit der seine Gesprächspartner etwas anfangen konnten: Er sprach über das Ausbessern von Kleidung. Was passierte, wenn man ein neues, noch nie gewaschenes Stück Stoff auf ein altes Kleidungsstück nähte? Wenn man es wusch, ging das neue Stoffstück ein, löste sich von dem alten Stoff und zerriss ihn.

      Ähnlich war es auch beim Wein. Manchmal lagerte man ihn in Schläuchen aus Tierhaut. Mit der Zeit verlor diese ihre Elastizität und wurde spröde. Es war nicht klug, neuen Wein in einen alten Schlauch zu füllen. Er hätte nämlich weitergären und durch den Druck den alten, spröden Schlauch zum Platzen bringen können.

      • Wer fastet zur Zeit Jesu und warum?

      • Warum fasten Jesu Jünger im Moment nicht? Aber was könnte sie später dazu veranlassen zu fasten?

      • Was bedeuten die Veranschaulichungen Jesu über das neue Stück Stoff und den neuen Wein?

  • Darf man am Sabbat Gutes tun?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus spricht am Wasserbecken Bethzatha mit einem kranken Mann

      KAPITEL 29

      Darf man am Sabbat Gutes tun?

      JOHANNES 5:1-16

      • JESUS PREDIGT IN JUDÄA

      • ER HEILT EINEN KRANKEN AN EINEM WASSERBECKEN

      Jesus hat in seinem Dienst in Galiläa viel erreicht. Doch er sagt: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich auch in anderen Städten bekannt machen“, und er denkt dabei an mehr als nur an Galiläa. Er will auch „in den Synagogen von Judäa“ predigen (Lukas 4:43, 44). Das ist naheliegend, denn es ist jetzt Frühling und in Jerusalem, der Hauptstadt von Judäa, findet bald das Passah statt.

      Verglichen mit Jesu Dienst in Galiläa berichten die Evangelien wenig über seine Tätigkeit in Judäa. Dort reagieren die Menschen im Allgemeinen eher gleichgültig. Doch Jesus lässt sich davon nicht abhalten. Er predigt auch dort gründlich und tut überall, wohin er kommt, den Menschen Gutes.

      Schon bald reist Jesus nach Jerusalem zum Passahfest. Es ist das Jahr 31. In der betriebsamen Gegend rund um das Schaftor gibt es ein großes Wasserbecken, das von Säulenhallen umgeben ist und Bethzatha heißt. Viele Kranke, Blinde und Gelähmte kommen dorthin. Wie man allgemein glaubt, können Kranke geheilt werden, wenn sie in das Wasser steigen, sobald es in Bewegung gerät.

      Es ist gerade Sabbat, als Jesus dort einen Mann sieht, der seit 38 Jahren an einer Krankheit leidet. Jesus fragt ihn: „Willst du gesund werden?“ Der Kranke antwortet: „Herr, ich habe niemanden, der mich ins Becken bringt, wenn das Wasser in Bewegung gerät. Und bis ich es dorthin geschafft habe, ist schon ein anderer hineingestiegen“ (Johannes 5:6, 7).

      Was Jesus darauf sagt, muss den Mann und alle, die es mitbekommen, sehr erstaunen. Er sagt: „Steh auf! Nimm deine Matte und geh umher“ (Johannes 5:8). Und genau das tut der Mann. Augenblicklich ist er gesund, nimmt seine Matte und beginnt zu laufen!

      Juden sprechen mit einem Mann, der von Jesus geheilt wurde

      Aber als einige Juden ihn sehen, sagen sie vorwurfsvoll: „Es ist Sabbat! Du darfst die Matte nicht tragen.“ Der Mann erwidert: „Der Mann, der mich gesund gemacht hat, hat zu mir gesagt: ‚Nimm deine Matte und geh umher‘ “ (Johannes 5:10, 11). Doch statt sich über dieses Wunder zu freuen, haben die Juden etwas an demjenigen auszusetzen, der den Mann geheilt hat.

      Da Jesus „in der Menge verschwunden“ ist, wollen sie von dem Geheilten wissen: „Wer war der Mann? Wer hat zu dir gesagt, du sollst sie nehmen und umhergehen?“ Aber der Mann kennt Jesu Namen nicht (Johannes 5:12, 13). Später begegnet er Jesus jedoch noch einmal, und zwar im Tempel, und nun erfährt er, wer ihn geheilt hat.

      Der Mann kehrt zu den Juden zurück und berichtet ihnen, dass Jesus ihn gesund gemacht hat. Daraufhin gehen sie zu Jesus — aber nicht, weil sie wissen wollen, weshalb er zu so etwas Außergewöhnlichem in der Lage war. Sie gehen zu ihm, um ihn zu kritisieren, weil er ausgerechnet am Sabbat etwas Gutes getan hat. Und sie beginnen sogar, ihn zu verfolgen!

      • Warum geht Jesus nach Judäa und was tut er auch dort?

      • Weshalb gehen viele zu dem Wasserbecken, das Bethzatha genannt wird?

      • Welches Wunder vollbringt Jesus bei dem Wasserbecken? Und wie reagieren einige Juden darauf?

  • Jesu Verhältnis zu Gott
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Juden beschuldigen Jesus, das Sabbatgesetz zu missachten

      KAPITEL 30

      Jesu Verhältnis zu Gott

      JOHANNES 5:17-47

      • JESUS IST GOTTES SOHN

      • ER KÜNDIGT DIE AUFERSTEHUNG AN

      Als einige Juden Jesus vorwerfen, den Sabbat zu missachten, weil er einen Mann geheilt hat, antwortet er: „Mein Vater war bis jetzt unaufhörlich tätig, und ich bin auch unaufhörlich tätig“ (Johannes 5:17).

      Jesus möchte wie sein Vater Gutes tun. Daher predigt und heilt er an jedem Tag, auch am Sabbat. Was er tut, ist nach Gottes Sabbatgesetz nicht verboten. Doch seine Antwort macht seine Ankläger nur noch wütender und nun wollen sie ihn sogar töten. Warum diese heftige Reaktion?

      Ihrer Ansicht nach verstößt Jesus gegen das Sabbatgesetz. Und jetzt bezeichnet er Gott auch noch als seinen Vater und sich damit als Gottes Sohn! In ihren Augen ist das Gotteslästerung. Für sie ist das so, als würde er sich mit Gott auf eine Stufe stellen. Doch Jesus lässt sich nicht einschüchtern und beschreibt ihnen sein besonderes Verhältnis zu Gott noch genauer. Er sagt: „Der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst macht“ (Johannes 5:20).

      Als Lebengeber hat der Vater in der Vergangenheit bestimmte Männer dazu befähigt, Tote aufzuerwecken. Darum fährt Jesus fort: „So, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will“ (Johannes 5:21). Diese Worte wecken Hoffnung! Schon jetzt macht der Sohn Menschen im übertragenen Sinn wieder lebendig. Jesus sagt daher: „Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und wird nicht verurteilt, sondern ist vom Tod zum Leben hinübergewechselt“ (Johannes 5:24).

      Es ist nicht bekannt, ob Jesus bis dahin jemand schon buchstäblich auferweckt hat. Doch nun teilt er seinen Anklägern mit, dass es tatsächlich eine Auferstehung geben wird. Er sagt über Gottes Sohn: „Es kommt die Zeit, wo alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden“ (Johannes 5:28, 29).

      So außergewöhnlich Jesu Rolle auch ist — er macht trotzdem deutlich, dass er Gott untergeordnet ist. Er sagt: „Ich kann gar nichts von mir aus tun. . . . es geht mir nicht um meinen eigenen Willen, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Johannes 5:30). Jesus hat noch nie so öffentlich gesagt, welche entscheidende Rolle er in Gottes Vorsatz spielt. Seine Ankläger haben aber nicht nur seine Zeugenaussage. Jesus erinnert sie: „Ihr habt Leute zu Johannes [dem Täufer] geschickt und er ist als Zeuge für die Wahrheit aufgetreten“ (Johannes 5:33).

      Vermutlich haben sie gehört, dass Johannes den religiösen Führern vor zwei Jahren gesagt hat, es käme jemand nach ihm. Dieser wäre „der Christus“ und „der Prophet“ (Johannes 1:20-25). Jesus erinnert sie daran, dass sie damals hohe Achtung vor Johannes hatten, der nun im Gefängnis sitzt. Er sagt: „Für kurze Zeit wart ihr bereit, euch sehr an seinem Licht zu freuen“ (Johannes 5:35). Doch das Zeugnis von Jesus ist weit größer als das von Johannes.

      Er sagt nämlich: „Die Taten, die ich . . . vollbringe [einschließlich der gerade vorgenommenen Heilung], . . . bezeugen, dass der Vater mich gesandt hat.“ Dann fügt er hinzu: „Auch hat der Vater, der mich gesandt hat, selbst als Zeuge für mich ausgesagt“ (Johannes 5:36, 37). Gott hat beispielsweise für Jesus als Zeuge ausgesagt, als dieser getauft wurde (Matthäus 3:17).

      Jesu Ankläger haben wirklich keinen Grund, ihn abzulehnen. Sogar die Schriften, in denen sie zu forschen vorgeben, sagen als Zeugen über ihn aus. Jesu Fazit: „Würdet ihr . . . Moses glauben, würdet ihr auch mir glauben, denn er hat über mich geschrieben. Doch wenn ihr seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr dann glauben, was ich sage?“ (Johannes 5:46, 47).

      • Wieso verstößt Jesus nicht gegen das Sabbatgesetz, wenn er an diesem Tag Gutes tut?

      • Wie beschreibt Jesus seine Rolle in Gottes Vorsatz?

      • Wer und was bezeugt, dass Jesus Gottes Sohn ist?

  • Ährenpflücken am Sabbat
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Jünger pflücken am Sabbat Ähren und essen die Körner

      KAPITEL 31

      Ährenpflücken am Sabbat

      MATTHÄUS 12:1-8 MARKUS 2:23-28 LUKAS 6:1-5

      • DIE JÜNGER PFLÜCKEN AM SABBAT ÄHREN

      • JESUS IST DER „HERR ÜBER DEN SABBAT“

      Es ist ein Sabbat im Frühling. Jesus und seine Jünger sind auf dem Weg nach Galiläa im Norden. Auf den Feldern ist das Getreide reif. Als die Jünger Hunger bekommen, pflücken sie Ähren und essen die Körner. Dabei werden sie von Pharisäern beobachtet.

      Erst vor Kurzem haben einige Juden in Jerusalem Jesus beschuldigt, den Sabbat zu missachten, und sie wollten ihn dafür töten. Jetzt klagen die Pharisäer seine Jünger an. Sie sagen zu Jesus: „Sieh dir das an! Deine Jünger tun etwas, was am Sabbat verboten ist“ (Matthäus 12:2).

      Die Pharisäer behaupten, Ähren zu pflücken und in den Händen zu zerreiben sei ernten und dreschen (2. Mose 34:21). Durch ihre strenge Auslegung von Arbeit machen sie den Sabbat zu einer Last — obwohl er ursprünglich ein schöner, erholsamer Tag sein sollte, an dem man Jehova näherkommt. Jehova Gott wollte nie, dass sein Sabbatgesetz so angewandt wird. Das zeigt Jesus den Pharisäern anhand von zwei Beispielen aus den Schriften, die ihre Denkweise widerlegen.

      Zunächst führt Jesus David und seine Männer an. Als sie einmal hungrig waren, durften sie die Schaubrote aus der Stiftshütte essen. Eigentlich durften das nur die Priester. Die Brote waren jedoch bereits gegen frisches Brot ausgetauscht worden und lagen nicht mehr vor Jehova. Aufgrund der besonderen Umstände wurden David und seine Männer daher nicht verurteilt, als sie die Brote aßen (3. Mose 24:5-9; 1. Samuel 21:1-6).

      Dann nennt Jesus den Pharisäern ein zweites Beispiel: „Habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass die Priester im Tempel nicht den Sabbat halten und trotzdem unschuldig bleiben?“ Hier bezieht sich Jesus darauf, dass die Priester auch am Sabbat Opfertiere schlachten und andere Arbeiten im Tempel erledigen. Dann erklärt Jesus: „Doch ich sage euch: Hier ist jemand, der größer ist als der Tempel“ (Matthäus 12:5, 6; 4. Mose 28:9).

      Anschließend beruft sich Jesus wieder auf die Schriften und sagt: „Wenn ihr aber verstanden hättet, was das bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer‘, dann hättet ihr keine Unschuldigen verurteilt.“ Am Schluss fügt er hinzu: „Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.“ Jesus spricht hier von seiner Königreichsherrschaft, die Frieden bringen und tausend Jahre andauern wird (Matthäus 12:7, 8; Hosea 6:6).

      Die Menschheit muss schon lange unter der erdrückenden Sklaverei des Teufels leiden, während Kriege und Gewalt an der Tagesordnung sind. Ganz anders wird es an dem großen Sabbat unter Christi Herrschaft sein. Christus wird dann für die Ruhe sorgen, die wir brauchen und nach der wir uns so sehr sehnen!

      • Welche Anschuldigung erheben die Pharisäer gegen Jesu Jünger und warum?

      • Wie zeigt Jesus den Pharisäern, dass ihre Denkweise falsch ist?

      • In welcher Hinsicht ist Jesus der „Herr über den Sabbat“?

  • Was ist am Sabbat erlaubt?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus heilt einen Mann, der eine verkümmerte Hand hat

      KAPITEL 32

      Was ist am Sabbat erlaubt?

      MATTHÄUS 12:9-14 MARKUS 3:1-6 LUKAS 6:6-11

      • JESUS HEILT AM SABBAT DIE HAND EINES MANNES

      An einem anderen Sabbat besucht Jesus vermutlich in Galiläa eine Synagoge. Dort trifft er auf einen Mann mit einer verkümmerten Hand (Lukas 6:6). Die Schriftgelehrten und Pharisäer beobachten genau, was Jesus jetzt tut. Ihr Beweggrund lässt sich erahnen, als sie ihn fragen: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?“ (Matthäus 12:10).

      Die religiösen Führer der Juden vertreten die Ansicht, man dürfe am Sabbat jemand nur dann medizinisch versorgen, wenn er in Lebensgefahr ist. Daher sei es beispielsweise nicht erlaubt, am Sabbat einen Knochen zu richten oder ein verstauchtes Gelenk zu bandagieren. Die Schriftgelehrten und Pharisäer stellen Jesus diese Frage also bestimmt nicht aus Mitgefühl für den armen Mann, sondern weil sie nach einem Vorwand suchen, Jesus etwas vorzuwerfen.

      Jesus weiß, dass ihre Auffassung davon, was gegen das Sabbatgesetz verstößt, extrem ist und sich nicht auf die Schriften stützt (2. Mose 20:8-10). Er ist schon vorher für seine guten Taten kritisiert worden. Jetzt lässt er es auf eine Auseinandersetzung ankommen und fordert den Mann mit der verkümmerten Hand auf: „Steh auf und komm in die Mitte“ (Markus 3:3).

      Dann wendet er sich den Schriftgelehrten und Pharisäern zu und sagt: „Angenommen, ihr habt ein Schaf und es fällt am Sabbat in eine Grube. Wer von euch wird es dann nicht packen und herausziehen?“ (Matthäus 12:11). Da ein Schaf eine Geldanlage ist, würden sie es niemals bis zum nächsten Tag in der Grube lassen. Es könnte sterben, was ein finanzieller Verlust für sie wäre. Außerdem heißt es in den Schriften: „Der Gerechte kümmert sich um seine Haustiere“ (Sprüche 12:10).

      Jesus schlussfolgert: „Wie viel wertvoller ist doch ein Mensch als ein Schaf! Also ist es erlaubt, am Sabbat etwas Gutes zu tun“ (Matthäus 12:12). Demnach verletzt er das Sabbatgesetz nicht, wenn er den Mann heilt. Die religiösen Führer sind nicht in der Lage, dieser einleuchtenden, von Mitgefühl zeugenden Argumentation etwas entgegenzusetzen. Sie ziehen es vor zu schweigen.

      Empört und tieftraurig über ihre widersinnigen Ansichten sieht Jesus alle in der Runde an. Dann fordert er den Mann auf: „Streck deine Hand aus!“ (Matthäus 12:13). Als der Mann seine verkümmerte Hand ausstreckt, wird sie gesund. Er ist bestimmt überglücklich! Aber wie reagieren Jesu Widersacher?

      Jüdische Religionsführer beraten sich, wie sie Jesus töten können

      Statt sich für den Mann zu freuen, gehen die Pharisäer hinaus und beraten „sich sofort mit den Parteianhängern von Herodes, wie man . . . [Jesus] töten könnte“ (Markus 3:6). Dieser politischen Partei gehört wahrscheinlich auch die religiöse Gruppierung der Sadduzäer an. Normalerweise sind die Sadduzäer mit den Pharisäern verfeindet. Doch jetzt, wo es darum geht, etwas gegen Jesus zu unternehmen, machen sie gemeinsame Sache.

      • Wie kommt es zu Jesu Auseinandersetzung mit religiösen Führern der Juden?

      • Welche verkehrte Auffassung vom Sabbatgesetz haben die religiösen Führer?

      • Wie widerlegt Jesus diese verkehrte Auffassung?

  • An ihm erfüllt sich Jesajas Prophezeiung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus sitzt in einem kleinen Boot und lehrt die Volksmenge am Ufer

      KAPITEL 33

      An ihm erfüllt sich Jesajas Prophezeiung

      MATTHÄUS 12:15-21 MARKUS 3:7-12

      • MENSCHENMENGEN BEDRÄNGEN JESUS

      • AN JESUS ERFÜLLT SICH EINE PROPHEZEIUNG JESAJAS

      Als Jesus erfährt, dass die Pharisäer und die Parteianhänger des Herodes Mordpläne gegen ihn schmieden, zieht er sich mit seinen Jüngern an den See von Galiläa zurück. Von überall strömen die Menschen zu ihm — aus Galiläa, aus den Küstenstädten Tyrus und Sidon, aus Jerusalem, aus Idumäa weiter südlich und von der Ostseite des Jordan. Da Jesus viele heilt, versuchen die Schwerkranken verzweifelt, zu ihm vorzudringen und ihn anzufassen. Sie warten gar nicht erst, bis er sie berührt, um sie zu heilen (Markus 3:9, 10).

      Jesus wird von so vielen bedrängt, dass er seine Jünger bittet, ein kleines Boot für ihn bereitzuhalten. So kann er sich etwas vom Ufer entfernen und von dort aus lehren. Außerdem kann er mit dem Boot am Ufer entlangfahren und auch woanders den Menschen helfen.

      Der Jünger Matthäus bemerkt, dass sich an Jesus eine Prophezeiung Jesajas erfüllt (Matthäus 12:17). Welche Prophezeiung ist das?

      „Seht! Mein Diener, den ich ausgewählt habe, mein geliebter Diener, an dem ich Gefallen habe! Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern klarmachen, was Gerechtigkeit ist. Er wird weder streiten noch laut rufen. Auf den Hauptstraßen wird man seine Stimme nicht hören. Ein geknicktes Schilfrohr wird er nicht zerbrechen und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Ja, auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen“ (Matthäus 12:18-21; Jesaja 42:1-4).

      Der geliebte Diener, an dem Gott Gefallen hat, ist natürlich Jesus. Jesus macht klar, was wahre Gerechtigkeit bedeutet. Bisher wurde das durch religiöse Traditionen verschleiert. Die Pharisäer handeln unrecht, da sie Gottes Gesetz so auslegen, wie sie es für richtig halten. Sie würden am Sabbat nicht einmal einem Kranken helfen! Jesus hingegen nimmt die Last ungerechter Traditionen von den Menschen und macht deutlich, was in Gottes Augen gerecht ist und dass Gottes Geist auf ihm ruht. Deshalb wollen die religiösen Führer ihn töten. Sie sind wirklich böswillig!

      Aber was bedeuten die Worte „Er wird weder streiten noch laut rufen. Auf den Hauptstraßen wird man seine Stimme nicht hören“? Jesus befiehlt allen, die er heilt, und auch den Dämonen, „anderen nichts von ihm mitzuteilen“ (Markus 3:12). Er will nicht, dass man dadurch von ihm erfährt, dass er auf den Straßen lautstark angekündigt wird oder man sich aufgeregt seine Taten weitererzählt und dabei die Tatsachen verfälscht.

      Jesus bringt seine tröstende Botschaft allen, die wie ein geknicktes Schilfrohr sind und niedergetreten werden. Sie sind wie ein glimmender Flachsdocht, dessen letztes Licht fast erloschen ist. Jesus zerbricht das geknickte Schilfrohr nicht, und den glimmenden, rauchenden Docht löscht er nicht aus. Im Gegenteil, er weiß, wie er Sanftmütige mit Feingefühl und Liebe wieder aufrichten kann. Jesus ist wirklich derjenige, auf den die Völker ihre Hoffnung setzen können!

      • Wie macht Jesus deutlich, was Gerechtigkeit ist, ohne dabei laut auf den Hauptstraßen zu rufen?

      • Wer ist wie ein geknicktes Schilfrohr oder wie ein glimmender Docht? Wie behandelt Jesus diese Menschen?

  • Jesus wählt zwölf Apostel aus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus geht auf einen Berg

      KAPITEL 34

      Jesus wählt zwölf Apostel aus

      MARKUS 3:13-19 LUKAS 6:12-16

      • DIE 12 APOSTEL

      Es ist nun etwa eineinhalb Jahre her, seit Jesus von Johannes dem Täufer als das Lamm Gottes vorgestellt wurde. Direkt zu Beginn seines öffentlichen Dienstes haben sich ihm einige aufrichtige Männer angeschlossen. Zu diesen Jüngern gehören Andreas, Simon Petrus, Johannes, vielleicht Jakobus (der Bruder von Johannes), Philippus und Nathanael (auch Bartholomäus genannt). Mit der Zeit sind viele andere dazugekommen (Johannes 1:45-47).

      Nun ist Jesus bereit, seine Apostel auszuwählen. Sie sollen seine engen Gefährten werden und eine besondere Schulung erhalten. Doch vorher betet er eine ganze Nacht lang, wahrscheinlich um Gott um Weisheit und Segen zu bitten. Dafür geht er auf einen Berg, möglicherweise nicht weit von Kapernaum am See von Galiläa. Am Morgen ruft er seine Jünger zu sich und wählt unter ihnen 12 als seine Apostel aus.

      Zu ihnen gehören die sechs bereits genannten Jünger sowie Matthäus, den Jesus eingeladen hat, als dieser im Steuerbüro saß. Die anderen fünf sind Judas (auch bekannt als Thaddäus und Sohn des Jakobus); Simon, der Kananäer; Thomas; Jakobus, der Sohn von Alphäus, und Judas Iskariot (Matthäus 10:2-4; Lukas 6:16).

      Jesus betet, bevor er seine zwölf Apostel auswählt

      Diese 12 begleiten Jesus bereits seit einiger Zeit und er kennt sie gut. Mit einigen von ihnen ist er verwandt. Die Brüder Jakobus und Johannes sind offensichtlich seine Cousins. Und der andere Apostel Jakobus könnte ebenfalls sein Cousin gewesen sein. Wie manche nämlich annehmen, war sein Vater Alphäus der Bruder von Joseph, dem Pflegevater von Jesus.

      Jesus fällt es natürlich nicht schwer, sich die Namen seiner Apostel zu merken. Und wie ist es mit uns? Hier eine Erinnerungshilfe: Zwei Apostel heißen Simon, zwei Jakobus und zwei Judas; der Bruder von Simon (Petrus) heißt Andreas und der Bruder von Jakobus (dem Sohn von Zebedäus) heißt Johannes. So kann man sich acht Namen merken. Die anderen vier Apostel sind ein Steuereinnehmer (Matthäus); einer, der später zweifelt (Thomas); einer, den Jesus unter einem Feigenbaum sieht (Nathanael), und Nathanaels Freund (Philippus).

      Elf der Apostel kommen aus Galiläa, wo Jesus zu Hause ist. Nathanael stammt aus Kana. Philippus, Petrus und Andreas kommen ursprünglich aus Bethsaida, sind aber nach Kapernaum gezogen, wo offensichtlich auch Matthäus lebt. Jakobus und Johannes leben ebenfalls in oder bei Kapernaum, wo sie einen Fischereibetrieb haben. Nur Judas Iskariot, der Jesus später verrät, scheint aus Judäa zu kommen.

      • Welche wichtige Entscheidung trifft Jesus, nachdem er eine ganze Nacht lang gebetet hat?

      • Wie heißen Jesu Apostel, und wie kann man sich ihre Namen merken?

  • Die berühmte Bergpredigt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus hält die Bergpredigt und seine Apostel und Jünger hören zu

      KAPITEL 35

      Die berühmte Bergpredigt

      MATTHÄUS 5:1 BIS 7:29 LUKAS 6:17-49

      • DIE BERGPREDIGT

      Jesus ist auf einem Berg in Galiläa, möglicherweise nicht weit von seinem Stützpunkt in Kapernaum. Er hat die ganze Nacht gebetet und dann 12 Jünger als Apostel ausgewählt. Mittlerweile ist es Tag und er ist bestimmt müde. Trotzdem hat er noch genug Kraft und möchte anderen helfen.

      Viele Leute sind von weit her aus dem südlich gelegenen Jerusalem und anderen Orten in Judäa gekommen sowie aus den Küstenstädten Tyrus und Sidon im Nordwesten. Was wollen sie von Jesus? Sie sind „gekommen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.“ Und ihre Erwartungen werden nicht enttäuscht — Jesus macht „sie alle gesund“! Er hilft auch Menschen, die von bösen Geistern, den Engeln des Teufels, geplagt werden (Lukas 6:17-19).

      Dann sucht sich Jesus eine ebene Stelle am Berghang und die Menschen versammeln sich um ihn herum. Seine Jünger, vor allem die 12 Apostel, sitzen bestimmt in seiner Nähe. Alle warten gespannt, was der Lehrer, der so unglaubliche Wunder vollbringen kann, sagen wird. Dann hält Jesus eine Predigt, die nicht nur seinen Zuhörern hilft, sondern auch vielen nach ihnen. Auch für uns kann sie wertvoll sein, da Jesus tiefe Wahrheiten einfach und klar vermittelt. Und weil seine Beispiele und Veranschaulichungen aus dem Leben gegriffen sind, können alle, die sich noch mehr nach Gottes Willen ausrichten möchten, seine Lehren leicht verstehen. Welche Lehren machen Jesu Rede denn so herausragend?

      WER IST WIRKLICH GLÜCKLICH?

      Jeder möchte glücklich sein. Deshalb spricht Jesus zu Beginn seiner Predigt darüber, wer wirklich glücklich ist. Von diesem Thema sind seine Zuhörer bestimmt sofort gefesselt. Doch einiges, was er sagt, mag sie verwirren.

      Jesus erklärt: „Glücklich sind die, denen bewusst ist, dass sie Gott brauchen, denn das Königreich des Himmels gehört ihnen. Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. . . . Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn ihr Verlangen wird gestillt werden. . . . Glücklich sind die, die verfolgt werden, weil sie das Richtige tun, denn das Königreich des Himmels gehört ihnen. Glücklich seid ihr, wenn man euch meinetwegen beschimpft [und] verfolgt . . . Freut euch und seid überglücklich“ (Matthäus 5:3-12).

      Ein Mann, der sehr traurig ist, wird wirklich glücklich

      Von welchem Glück spricht Jesus hier? Er meint nicht die Fröhlichkeit oder Ausgelassenheit, wenn man Spaß hat. Wahres Glück geht tiefer. Es schließt echte Zufriedenheit ein, ja Erfüllung im Leben.

      Wer ist wirklich glücklich? Jesus sagt, es sind diejenigen, die erkennen, dass sie Gott brauchen, die über ihren sündigen Zustand traurig sind und die Gott kennenlernen und dienen. Selbst wenn sie deswegen gehasst oder verfolgt werden, sind sie glücklich, denn sie wissen, dass sich Gott über sie freut und sie mit ewigem Leben belohnen wird.

      Viele denken allerdings, wahres Glück bestehe darin, wohlhabend zu sein und das Leben zu genießen. Jesus weiß es aber besser. Was er sagt, muss seine Zuhörer ziemlich nachdenklich stimmen: „Wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt bereits euren vollen Trost! Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen! Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn genauso haben es ihre Vorfahren mit den falschen Propheten gemacht!“ (Lukas 6:24-26).

      Ein großer Haufen Salz neben dem Altar in Gottes Tempel

      Warum kündigt Jesus denen Unheil an, die reich sind, vergnügt lachen oder sehr angesehen sind? Weil all dies sie davon abhalten könnte, Gott zu dienen, wodurch sie ihr wahres Glück aufs Spiel setzen. Jesus will aber nicht sagen, die Armen oder Hungrigen seien automatisch glücklich. Allerdings reagieren tatsächlich eher die Benachteiligten auf Jesu Lehren und erfahren so, was wahres Glück ist.

      Mit seinen Jüngern im Sinn sagt Jesus nun: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Matthäus 5:13). Das ist natürlich nicht buchstäblich zu verstehen. Mit Salz macht man Dinge haltbar. Neben dem Altar in Gottes Tempel liegt immer ein großer Haufen davon, um die Opfergaben zu salzen. Außerdem steht Salz für das Freisein von Verfall und Verdorbenheit (3. Mose 2:13; Hesekiel 43:23, 24). Jesu Jünger sind wie „das Salz der Erde“, weil sie einen lebenserhaltenden Einfluss haben. Sie können Menschen vor moralischer Verdorbenheit schützen und deren Verhältnis zu Gott fördern. Ja, ihre Botschaft kann alle am Leben erhalten, die positiv darauf reagieren.

      Eine brennende Lampe auf einem Lampenständer

      Jesus erklärt seinen Jüngern außerdem: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Eine Lampe stellt man nicht unter ein Gefäß, sondern auf einen Lampenständer, damit es überall hell wird. Deshalb fordert Jesus die Jünger auf: „Lasst auch ihr euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlichen“ (Matthäus 5:14-16).

      EIN HOHER MASSSTAB FÜR JESU NACHFOLGER

      Für die religiösen Führer der Juden ist Jesus ein Gesetzesbrecher und sie haben sich deshalb vor Kurzem dazu verschworen, ihn zu töten. Daher sagt Jesus offen: „Denkt nicht, ich bin gekommen, um das Gesetz oder die Schriften der Propheten abzuschaffen. Ich bin nicht gekommen, um abzuschaffen, sondern um zu erfüllen“ (Matthäus 5:17).

      Jesus hat höchste Achtung vor Gottes Gesetz, und das erwartet er auch von anderen. Darum sagt er: „Wer eins dieser geringsten Gebote bricht und andere lehrt, dasselbe zu tun, der wird in Bezug auf das Königreich des Himmels als Geringster bezeichnet.“ Er meint damit, dass so jemand überhaupt nicht ins Königreich kommen kann. Dann sagt er: „Doch wer sie hält und lehrt, der wird in Bezug auf das Königreich des Himmels als groß bezeichnet“ (Matthäus 5:19).

      Ein wütender Mann

      Jesus verurteilt sogar jede innere Haltung, die dazu führen könnte, dass jemand Gottes Gesetz bricht. Dazu erwähnt er das Gebot „Du sollst nicht morden“, sagt dann aber: „Jeder, der anhaltend Wut auf seinen Bruder hat, wird sich vor Gericht verantworten müssen“ (Matthäus 5:21, 22). Es ist eine ernste Angelegenheit, wenn man auf jemand anhaltend wütend ist. Das könnte sogar zu Mord führen! Darum erklärt Jesus, wie weit man für den Frieden gehen sollte: „Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder dir etwas übel nimmt, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg. Versöhne dich zuerst mit deinem Bruder und dann komm zurück und opfere deine Gabe“ (Matthäus 5:23, 24).

      Ein Mann schaut einer hübschen Frau nach

      Dann geht Jesus auf ein weiteres Gebot ein: „Ihr habt gehört, dass es heißt: ‚Du sollst nicht die Ehe brechen.‘ Aber ich sage euch, dass jeder, der eine Frau ständig ansieht, um so leidenschaftliche Gefühle für sie zu entwickeln, in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen hat“ (Matthäus 5:27, 28). Jesus spricht hier nicht von einem flüchtigen unmoralischen Gedanken, sondern zeigt, wie schwerwiegend es ist, jemand ständig anzusehen. Oft wird dadurch ein leidenschaftliches Verlangen geweckt, das zu Ehebruch führen kann, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Wie lässt sich das vermeiden? Womöglich muss man drastische Maßnahmen ergreifen, wie Jesus zeigt: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Schlechten verführt, dann reiß es aus und wirf es weg. . . . Und wenn dich deine rechte Hand zum Schlechten verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg“ (Matthäus 5:29, 30).

      Um ihr Leben zu retten, opfern manche freiwillig einen kranken Körperteil. Wie Jesus sagt, ist es sogar noch wichtiger, alles „wegzuwerfen“ oder zu opfern, was zu unmoralischem Denken und den damit verbundenen Folgen führen könnte — selbst wenn es so wertvoll wie ein Auge oder eine Hand wäre. „Besser, du verlierst einen Körperteil“, sagt Jesus, „als dass dein ganzer Körper in der Gehenna endet.“ Die Gehenna ist ein Müllplatz außerhalb von Jerusalem und steht hier für ewige Vernichtung.

      Ein Mann gibt einem anderen Mann eine Ohrfeige

      Jesus gibt auch Rat, wie man mit jemandem umgehen soll, der einen verletzt oder beleidigt: „Leiste einem schlechten Menschen keinen Widerstand, sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“ (Matthäus 5:39). Das soll nicht heißen, man dürfe sich nicht verteidigen, wenn man selbst oder ein Angehöriger angegriffen wird. Jesus spricht hier von einer Ohrfeige, durch die niemand ernsthaft verletzt oder getötet wird. Er will sagen, dass man nicht zurückschlagen soll, wenn jemand versucht, einen durch eine Ohrfeige oder Beleidigung zu provozieren.

      Dieser Rat deckt sich mit Gottes Gebot, seine Mitmenschen zu lieben. Darum rät Jesus: „Hört nicht auf, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen.“ Und er führt einen sehr überzeugenden Grund dafür an: „So beweist ihr, dass ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid, denn er lässt seine Sonne über schlechten und guten Menschen aufgehen“ (Matthäus 5:44, 45).

      Jesus fasst diesen Teil seiner Predigt mit den Worten zusammen: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Matthäus 5:48). Jesus will damit nicht sagen, Menschen könnten absolut vollkommen sein. Doch wenn sie Gott nachahmen, können sie es sogar schaffen, ihre Feinde zu lieben. Mit anderen Worten: „Seid weiterhin barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6:36).

      GEBET UND VERTRAUEN AUF GOTT

      Dann mahnt Jesus seine Zuhörer: „Passt auf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor anderen zur Schau stellt.“ Er verurteilt eine solche Scheinheiligkeit, indem er hinzufügt: „Wenn du den Armen etwas gibst, dann posaune das nicht hinaus, wie es die Heuchler . . . tun“ (Matthäus 6:1, 2). Es ist besser, so zu helfen, dass andere es nicht mitbekommen.

      Ein Mann hat die Tür zu seinem Privatzimmer geschlossen und betet auf Knien zu Gott

      Als Nächstes sagt Jesus: „Wenn ihr betet, dann macht es nicht wie die Heuchler, die sich gern in den Synagogen und an den Ecken der Hauptstraßen hinstellen, um beim Beten gesehen zu werden.“ Stattdessen empfiehlt er: „Wenn du betest, geh in dein Privatzimmer, schließ die Tür und bete dann zu deinem Vater, der im Verborgenen ist“ (Matthäus 6:5, 6). Jesus hat grundsätzlich nichts gegen öffentliche Gebete; er selbst hat auch öffentlich gebetet. Er ist allerdings gegen Gebete, durch die sich jemand hervortun und Komplimente ernten will.

      Er rät seinen Zuhörern: „Sagt beim Beten nicht immer und immer wieder dasselbe, wie es Menschen anderer Völker tun“ (Matthäus 6:7). Es ist nicht falsch, immer wieder wegen derselben Sache zu beten. Doch Jesus verurteilt es, wenn man „immer und immer wieder“ dieselben auswendig gelernten Phrasen aufsagt. Dann stellt er ein Mustergebet vor, das sieben Bitten enthält. Die ersten drei drehen sich um Gottes Herrscherrecht und seinen Vorsatz — dass Gottes Name geheiligt wird, sein Königreich kommt und sein Wille geschieht. Erst dann sollten wir um Persönliches beten wie das Essen für den Tag und die Vergebung der Sünden. Wir können Gott auch bitten, Versuchungen nicht so schlimm werden zu lassen, dass wir sie nicht ertragen können, sondern uns vom Bösen zu befreien.

      Ein überquellender Schmuckkasten sowie Goldmünzen und Gefäße aus Silber und Gold

      Welchen Stellenwert sollten Geld und Besitz haben? Jesus fordert die Menge auf: „Hört auf, euch Schätze auf der Erde anzusammeln, wo sie von Motten und Rost zerfressen werden und wo Diebe einbrechen und sie stehlen.“ Wie einleuchtend! Materielle Werte können und werden irgendwann zerfallen — und sie bringen uns Gott nicht näher. Deshalb sagt Jesus: „Sammelt stattdessen Schätze im Himmel an.“ Das tun wir, wenn wir den Dienst für Gott im Leben an die erste Stelle setzen. So erhalten wir einen guten Ruf bei Gott und als Lohn ewiges Leben. Das kann uns niemand nehmen. Wie wahr Jesu Worte sind: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Matthäus 6:19-21)!

      Ein menschliches Auge

      Jesus verdeutlicht diesen Punkt durch einen weiteren Vergleich: „Das Auge ist die Lampe des Körpers. Wenn also dein Auge fokussiert ist, dann ist dein ganzer Körper voller Licht. Doch wenn dein Auge neidisch ist, dann ist dein ganzer Körper finster“ (Matthäus 6:22, 23). Wenn unser „Auge“ richtig arbeitet, ist es für uns wie eine helle Lampe. Dazu darf es jedoch nur auf eine Sache fokussiert sein. Ansonsten könnten wir falsch einschätzen, was im Leben wirklich zählt. Wenn wir uns auf Geld und Besitz konzentrieren und nicht auf den Dienst für Gott, ist unser „ganzer Körper finster“ und wir könnten uns zu Dingen hingezogen fühlen, die nichts mit dem Licht zu tun haben.

      Dann bringt Jesus ein einleuchtendes Beispiel: „Niemand kann zwei Herren dienen. Den einen würde er hassen und den anderen lieben — zu dem einen würde er halten und den anderen würde er verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Reichtum dienen“ (Matthäus 6:24).

      Aber wie steht es mit den Dingen, die man zum Leben braucht? Jesus versichert seinen Zuhörern, dass sie sich darum keine Sorgen zu machen brauchen, wenn ihnen der Dienst für Gott am wichtigsten ist. Er sagt: „Beobachtet genau die Vögel am Himmel. Sie säen nicht, ernten nicht und sammeln auch nichts in Vorratshäusern. Trotzdem ernährt sie euer himmlischer Vater“ (Matthäus 6:26).

      Dann sagt Jesus über die Lilien, die dort auf dem Berg wachsen: „Nicht mal Salomo in all seiner Pracht war so schön gekleidet wie eine von ihnen.“ Was zeigt das? „Wenn Gott schon die Pflanzen, die heute auf den Feldern stehen und morgen in den Ofen geworfen werden, so kleidet, wird er dann nicht erst recht euch kleiden?“ (Matthäus 6:29, 30). Dann gibt Jesus den weisen Rat: „Macht euch also nie Sorgen und sagt: ‚Was sollen wir essen?‘, oder: ‚Was sollen wir trinken?‘, oder: ‚Was sollen wir anziehen?‘ . . . euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Setzt also das Königreich und Gottes gerechte Maßstäbe weiter an die erste Stelle und ihr werdet all das andere noch dazubekommen“ (Matthäus 6:31-33).

      DER WEG ZUM LEBEN

      Die Apostel und andere aufrichtige Menschen möchten so leben, dass sie Gott gefallen. Doch das ist nicht leicht. Viele Pharisäer sind zum Beispiel sehr kritisch und urteilen hart über andere. Darum mahnt Jesus seine Zuhörer: „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen, damit kein Urteil über euch gefällt wird. Denn so wie ihr über andere urteilt, wird auch über euch geurteilt werden“ (Matthäus 7:1, 2).

      Es ist also gefährlich, sich nach den überkritischen Pharisäern zu richten. Das veranschaulicht Jesus folgendermaßen: „Kann ein Blinder etwa einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?“ Wie sollen Jesu Zuhörer andere stattdessen betrachten? Auf keinen Fall kritisch. Wie Jesus zeigt, wäre das grundverkehrt: „Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‚Komm, Bruder, ich hol dir den Splitter aus deinem Auge!‘, wenn du selber nicht den Balken in deinem eigenen Auge siehst? Heuchler! Hol zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, dann siehst du klar und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders holen“ (Lukas 6:39-42).

      Eine Handvoll Perlen; im Hintergrund sind Schweine

      Das heißt nicht, dass die Jünger ihre Urteilskraft gar nicht gebrauchen dürften, denn Jesus mahnt sie: „Gebt etwas Heiliges nicht Hunden, und werft eure Perlen nicht vor die Schweine“ (Matthäus 7:6). Gottes Wahrheiten sind kostbar, sozusagen wie Perlen. Wenn jemand ähnlich wie ein Tier diese Wahrheiten nicht schätzt, dann sollten die Jünger weggehen und nach solchen suchen, die Wertschätzung dafür haben.

      Ein Mann gibt seinem Sohn ein Stück Brot

      Jesus greift noch einmal das Thema Gebet auf und betont, dass man beharrlich beten soll: „Bittet immer wieder und ihr werdet bekommen.“ Wie Jesus zeigt, beantwortet Gott unsere Gebete gern: „Wer von euch würde schon seinem Kind einen Stein geben, wenn es um Brot bittet? . . . Wenn also schon ihr es versteht, euren Kindern Gutes zu schenken, obwohl ihr schlecht seid, wie viel mehr wird dann euer Vater im Himmel denen, die ihn bitten, Gutes geben!“ (Matthäus 7:7-11).

      Dann stellt Jesus eine Verhaltensregel auf, die berühmt geworden ist: „Behandelt andere . . . immer so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet.“ Diesen Rat sollten wir uns wirklich zu Herzen nehmen und im Umgang mit anderen befolgen. Das ist allerdings nicht immer leicht, wie Jesu nächste Aufforderung zeigt: „Geht durch das enge Tor! Denn das breite Tor und der breite Weg führen in die Vernichtung und viele gehen hindurch. Doch das enge Tor und der schmale Weg führen zum Leben, und nur wenige finden ihn“ (Matthäus 7:12-14).

      Ein Wolf im Schafspelz

      Es wird Menschen geben, die Jesu Jünger vom Weg zum Leben abbringen wollen. Darum warnt Jesus: „Vorsicht vor den falschen Propheten, die als Schafe verkleidet zu euch kommen, in Wirklichkeit aber gefräßige Wölfe sind!“ (Matthäus 7:15). Woran könnte man sie erkennen? Wie Jesus sagt, ist es bei Menschen ähnlich wie bei Bäumen. Ob sie gut oder schlecht sind, erkennt man an ihren Früchten. Falsche Propheten erkennt man also an dem, was sie lehren und tun. Es ist nämlich nicht nur das, was jemand sagt, das ihn zu einem Jünger macht, sondern auch das, was er tut. So manche behaupten, sie würden Jesus als ihren Herrn anerkennen. Aber was, wenn sie gar nicht Gottes Willen tun? Jesus wird dann zu ihnen sagen: „Ich habe euch nie gekannt! Verschwindet, ihr Gesetzlosen!“ (Matthäus 7:23).

      Zum Abschluss seiner Predigt sagt Jesus: „Wer diese Worte hört und danach lebt, ist wie jemand, der so umsichtig war, sein Haus auf felsigen Grund zu bauen. Es regnete in Strömen, Wassermassen fluteten heran und der Wind rüttelte an dem Haus — aber es stürzte nicht ein, denn es war auf felsigen Grund gebaut“ (Matthäus 7:24, 25). Warum blieb das Haus stehen? Weil der Mann „tief grub und das Fundament auf felsigen Grund legte“ (Lukas 6:48). Es gehört also mehr dazu, als Jesu Worte nur zu hören. Wir müssen uns auch anstrengen, danach zu leben.

      Was ist aber mit dem, der „diese Worte hört und nicht danach lebt“? Er „ist wie jemand, der so dumm war, sein Haus auf Sand zu bauen“ (Matthäus 7:26). Der Regen, der Wind und die Wassermassen bringen dieses Haus zum Einsturz.

      Die Menschen sind über Jesu Art zu lehren sehr erstaunt. Er lehrt nämlich nicht wie die religiösen Führer, sondern wie jemand mit Autorität. Wahrscheinlich werden viele von denen, die Jesu Predigt gehört haben, seine Jünger.

      ER LEHRTE DURCH WIEDERHOLUNG

      Jesus macht eine Geste

      Jesus wiederholte gelegentlich wichtige Lehren. Bei der Bergpredigt lehrte er seine Zuhörer zum Beispiel, wie man beten und wie man zu Geld und Besitz eingestellt sein sollte (Matthäus 6:9-13, 25-34).

      Ungefähr eineinhalb Jahre später sprach er diese Themen erneut an (Lukas 11:1-4; 12:22-31). Diese Wiederholung war zum einen für die gedacht, die bei der Bergpredigt nicht dabei gewesen waren. Zum anderen sollte sie den Jüngern helfen, sich an die wichtigsten Punkte zu erinnern.

      • Wo hält Jesus seine berühmteste Predigt? Wer sind seine Zuhörer?

      • Was macht seine Predigt so bemerkenswert?

      • Wer ist wirklich glücklich und warum?

      • Wem kündigt Jesus Unheil an und warum?

      • Wieso bezeichnet Jesus seine Jünger als „das Salz der Erde“ und „das Licht der Welt“?

      • Wieso kann man sagen, dass Jesus Achtung vor Gottes Gesetz hat?

      • Wie kann man nach Jesu Worten die Ursachen von Mord und Ehebruch bekämpfen?

      • Was meint Jesus damit, wenn er sagt, man solle auch die andere Wange hinhalten?

      • Wie können wir wie Gott vollkommen sein?

      • Was sagt Jesus darüber, wie man beten soll?

      • Welchen Vorteil haben Schätze im Himmel? Und wie kann man sie ansammeln?

      • Warum brauchen sich Jesu Nachfolger keine Sorgen zu machen?

      • Warum sollen wir über andere nicht urteilen? Warum müssen wir unsere Urteilskraft dennoch gebrauchen?

      • Was erklärt Jesus noch zum Thema Gebet? Und welche Verhaltensregel stellt er auf?

      • Wie zeigt Jesus, dass es nicht einfach ist, sein Jünger zu sein, und vor welchem Einfluss warnt er?

  • Ein Zenturio beweist großen Glauben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Zenturio blickt auf seinen schwerkranken Sklaven; im Hintergrund: Einige Älteste der Juden kommen auf Jesus zu

      KAPITEL 36

      Ein Zenturio beweist großen Glauben

      MATTHÄUS 8:5-13 LUKAS 7:1-10

      • DER SKLAVE EINES OFFIZIERS WIRD GEHEILT

      • WER GLAUBEN HAT, WIRD GESEGNET

      Einige Älteste der Juden kommen auf Jesus zu

      Nachdem Jesus die Bergpredigt gehalten hat, geht er nach Kapernaum. Dort kommen einige Älteste der Juden zu ihm, die von einem Zenturio, einem römischen Offizier, geschickt worden sind.

      Der Offizier hat einen Sklaven, an dem er sehr hängt und der schwer krank ist. Wie die Juden berichten, liegt der Sklave „gelähmt im Haus und leidet schrecklich“ und wird bald sterben (Matthäus 8:6). Obwohl der Offizier ein Nichtjude ist, bittet er Jesus um Hilfe. Die Juden versichern Jesus, der Offizier sei es wert, dass er ihm hilft, und erklären: „Er liebt unser Volk und hat sogar unsere Synagoge gebaut“ (Lukas 7:4, 5).

      Als sich Jesus dem Haus des Offiziers nähert, kommen ihm dessen Freunde entgegen

      Da begleitet Jesus sie. Doch als sie fast da sind, kommen ihnen Freunde des Offiziers entgegen und richten Jesus von ihm aus: „Herr, mach dir keine Umstände, denn ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach kommst. Deshalb habe ich mich nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen“ (Lukas 7:6, 7). Was für eine demütige Einstellung für jemand, der es gewohnt ist, Befehle zu erteilen! Er ist wirklich ganz anders als viele Römer, die ihre Sklaven mit Härte behandeln (Matthäus 8:9).

      Der Offizier ist sich zweifellos darüber im Klaren, dass die Juden den Umgang mit Nichtjuden meiden (Apostelgeschichte 10:28). Das könnte der Grund sein, warum er Jesus durch seine Freunde bittet: „Ein Wort von dir genügt und mein Diener ist gesund“ (Lukas 7:7).

      Jesus ist über diese Worte erstaunt und sagt: „Nicht mal in Israel habe ich so einen starken Glauben entdeckt“ (Lukas 7:9). Als die Freunde in das Haus des Offiziers zurückkommen, ist der Sklave wieder völlig gesund.

      Jesus nutzt die Gelegenheit, um deutlich zu machen, dass in Zukunft auch Nichtjuden, die Glauben haben, gesegnet werden. Er sagt: „Es werden viele aus Ost und West kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Königreich des Himmels zu Tisch liegen.“ Was ist aber mit Juden, die keinen Glauben haben? Jesus erklärt, dass sie „hinaus in die Dunkelheit geworfen werden. Dort werden sie weinen und mit den Zähnen knirschen“ (Matthäus 8:11, 12).

      Die Möglichkeit, mit Christus im Königreich zu regieren, steht als Erstes den Juden offen. Juden, die diese Möglichkeit nicht nutzen, werden verworfen. Dafür werden aber Nichtjuden eingeladen werden, mit Christus „im Königreich des Himmels“ sozusagen zu Tisch zu liegen.

      • Wieso setzen sich einige Juden für einen nichtjüdischen Offizier ein?

      • Wie lässt sich erklären, dass der Offizier Jesus nicht in sein Haus bittet?

      • Was sagt Jesus darüber, welche Aussicht Nichtjuden haben?

  • Jesus auferweckt den Sohn einer Witwe
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und seine Apostel treffen auf den Trauerzug, der den Sohn einer Witwe zu Grabe trägt

      KAPITEL 37

      Jesus auferweckt den Sohn einer Witwe

      LUKAS 7:11-17

      • DIE AUFERWECKUNG IN NAIN

      Kurz nachdem Jesus den Diener des römischen Offiziers geheilt hat, verlässt er Kapernaum und geht nach Nain, das etwas über 30 Kilometer im Südwesten liegt. Seine Jünger und viele andere begleiten ihn. Als sie gegen Abend Nain erreichen, sehen sie einen großen Trauerzug aus der Stadt kommen. Ein junger Mann ist gestorben und wird gerade zu Grabe getragen.

      Die Mutter des jungen Mannes ist am Boden zerstört. Sie hat schon ihren Mann verloren und jetzt auch noch ihr einziges Kind. Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie zumindest noch ihren Sohn. Die beiden müssen sich sehr nahegestanden haben. Außerdem hingen ihre Hoffnungen und ihre Zukunftssicherung von ihrem Sohn ab. Und jetzt ist er ebenfalls tot. Wer wird nun für sie da sein und für sie sorgen?

      Jesus geht es sehr zu Herzen, als er sieht, wie sehr die Frau trauert und wie hoffnungslos ihre Lage ist. Sanft, aber mit einer Entschlossenheit, die Vertrauen einflößt, sagt er zu ihr: „Hör auf zu weinen.“ Aber dabei belässt er es nicht. Er tritt an die Bahre heran, auf der der Leichnam liegt, und berührt sie (Lukas 7:13, 14). Als die trauernden Menschen das alles sehen, bleiben sie stehen. Bestimmt fragen sie sich, warum er das gesagt hat und was er wohl tun wird.

      Jesus gibt den auferweckten jungen Mann seiner Mutter; die Menschen staunen

      Und diejenigen, die mit Jesus gekommen sind? Sie haben schon oft beobachten können, wie er durch Wunder die verschiedensten Krankheiten geheilt hat. Doch offensichtlich haben sie noch nie gesehen, dass er einen Toten auferweckt. Vor langer Zeit sind zwar schon Menschen auferweckt worden, aber kann Jesus das auch? (1. Könige 17:17-23; 2. Könige 4:32-37). Er befiehlt: „Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!“ (Lukas 7:14). Da setzt sich der Mann auf und fängt an zu reden! Jesus gibt ihn seiner Mutter, die fassungslos, aber überglücklich ist. Jetzt ist sie nicht mehr allein!

      Als die Leute begreifen, dass der junge Mann tatsächlich wieder lebt, verherrlichen sie Jehova, den Lebengeber. Einige sagen: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten.“ Andere, die verstanden haben, wie bedeutsam dieses Wunder ist, sagen: „Gott hat seinem Volk Beachtung geschenkt“ (Lukas 7:16). Jesu Wunder spricht sich schnell herum, wahrscheinlich auch bis nach Nazareth, seinem Zuhause, das knapp 10 Kilometer entfernt ist. Der Bericht über dieses Wunder verbreitet sich sogar in Judäa im Süden.

      Johannes der Täufer sitzt immer noch im Gefängnis und er interessiert sich sehr für das, was Jesus alles tut. Seine Jünger erzählen ihm von Jesu Wundern. Was bewirkt das in Johannes?

      • Was geschieht gerade, als Jesus Nain erreicht?

      • Wie berührt Jesus das, was er beobachtet, und wie reagiert er?

      • Wie wirkt sich Jesu Wunder auf die Leute aus, die es gesehen haben?

  • Johannes möchte Gewissheit haben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Johannes der Täufer allein im Gefängnis

      KAPITEL 38

      Johannes möchte Gewissheit haben

      MATTHÄUS 11:2-15 LUKAS 7:18-30

      • JOHANNES DER TÄUFER ERKUNDIGT SICH NACH JESU ROLLE

      • JESUS LOBT JOHANNES

      Johannes der Täufer ist seit etwa einem Jahr im Gefängnis. Aber auch dort hört er von Jesu Taten und Wundern. Es muss ihn sehr berühren, als seine Jünger ihm erzählen, wie Jesus in Nain den Sohn einer Witwe auferweckt hat. Johannes würde allerdings gern von Jesus persönlich hören, was das alles bedeutet. Deshalb schickt er zwei seiner Jünger mit der Frage zu Jesus: „Bist du der, der kommen sollte, oder sollen wir noch auf einen anderen warten?“ (Lukas 7:19).

      Warum stellt Johannes so eine Frage? Schließlich hat dieser gottergebene Mann bei Jesu Taufe vor fast zwei Jahren Gottes Geist auf ihn herabkommen sehen. Außerdem hat er selbst gehört, wie Gott sagte, dass er an Jesus Gefallen hat. Es gibt keinen Grund zu denken, Johannes hätte einen schwachen Glauben. Sonst würde Jesus nicht mit Hochachtung von ihm sprechen. Warum also diese Frage, wenn Johannes keine Zweifel hat?

      Möglicherweise möchte Johannes einfach von Jesus selbst die Bestätigung haben, dass er der Messias ist. Das würde ihn in seiner Lage sehr stärken. Offensichtlich beabsichtigt Johannes mit seiner Frage aber noch mehr. Denn er muss, viele Monate nachdem er Jesus getauft hat, im Gefängnis schmachten. Er kennt jedoch die Prophezeiungen, dass der Gesalbte Gottes ein König und Befreier sein soll. Daher möchte Johannes wissen, ob nach Jesus noch jemand kommt, der sozusagen seine Nachfolge antritt und die Prophezeiungen über den Messias vollständig erfüllt.

      Ein Mann, der gelähmt war, und eine Frau, die nicht mehr blind ist, freuen sich sehr, dass Jesus sie geheilt hat

      Auf die Frage von Johannes könnte Jesus einfach antworten: „Natürlich bin ich der, der kommen sollte.“ Doch stattdessen heilt er Menschen von allen möglichen Krankheiten und Behinderungen und zeigt so, dass Gott hinter ihm steht. Dann sagt er zu den Jüngern von Johannes: „Geht und erzählt Johannes, was ihr hört und seht: Blinde können jetzt sehen, Lahme können laufen, Aussätzige sind wieder gesund, Gehörlose können hören, Tote werden auferweckt und die Armen erfahren von der guten Botschaft“ (Matthäus 11:4, 5).

      Worauf könnte die Frage von Johannes noch schließen lassen? Vielleicht dass er sich von Jesus mehr erhofft, als er bisher tut, und ihn sogar befreit. Doch Jesus lässt Johannes wissen, dass er nicht mehr erwarten soll als die Wunder, die Jesus bereits vollbringt.

      Als die Jünger des Johannes fort sind, versichert Jesus der Menge, dass Johannes mehr ist als nur ein Prophet. Er ist der „Bote“ Jehovas, der in Maleachi 3:1 angekündigt wurde. Und er ist der Prophet Elia, der in Maleachi 4:5, 6 vorausgesagt wurde. Jesus erklärt: „Ich versichere euch: Unter den Menschen gibt es keinen größeren als Johannes den Täufer. Und doch ist jemand, der im Königreich des Himmels eine geringe Stellung hat, größer als er“ (Matthäus 11:11).

      Dadurch zeigt Jesus, dass Johannes nicht in das Königreich des Himmels kommen wird. Johannes hat den Weg für den Christus vorbereitet, doch er wird sterben, bevor dieser den Zugang zum Himmel eröffnet (Hebräer 10:19, 20). Dennoch ist Johannes ein treuer Prophet Gottes und er wird hier auf der Erde ein Untertan von Gottes Königreich sein.

      • Warum möchte Johannes von Jesus wissen, ob er der ist, der kommen sollte?

      • Welche Prophezeiungen erfüllt Johannes der Täufer?

      • Weshalb wird Johannes der Täufer nicht zusammen mit Jesus im Himmel sein?

  • Einer gleichgültigen Generation droht Unheil
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Junge spielt auf einem Marktplatz Flöte, aber die anderen Kinder wollen nicht tanzen

      KAPITEL 39

      Einer gleichgültigen Generation droht Unheil

      MATTHÄUS 11:16-30 LUKAS 7:31-35

      • JESUS FINDET FÜR DREI STÄDTE HARTE WORTE

      • ER BIETET DEMÜTIGEN ERLEICHTERUNG UND NEUE KRAFT

      Jesus hat vor Johannes dem Täufer hohe Achtung. Doch was die meisten seiner Zeitgenossen betrifft, sagt Jesus: „Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Es ist wie mit Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und ihren Spielkameraden zurufen: ‚Wir haben für euch Flöte gespielt, aber ihr wolltet nicht tanzen. Wir haben Trauerlieder gesungen, aber ihr habt euch nicht trauernd an die Brust geschlagen“ (Matthäus 11:16, 17).

      Worauf möchte Jesus hinaus? „[Johannes] ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und die Leute sagen: ‚Er ist von einem Dämon besessen.‘ Dann kam der Menschensohn, aß und trank, und die Leute sagen: ‚Seht euch den an! Der frisst und kann vom Wein nicht genug bekommen und ist mit Steuereinnehmern und Sündern befreundet‘ “ (Matthäus 11:18, 19). Johannes führt als Nasiräer ein einfaches Leben und verzichtet sogar auf Wein. Aber seine Generation sagt, er sei von einem Dämon besessen (4. Mose 6:2, 3; Lukas 1:15). Jesus dagegen lebt nicht so einfach wie Johannes. Doch obwohl seine Ess- und Trinkgewohnheiten ausgeglichen sind, wird er beschuldigt, ausschweifend zu leben. Den Leuten kann man einfach nichts recht machen.

      Jesus vergleicht diese Generation zu Recht mit Kindern auf einem Marktplatz, die nicht tanzen wollen, als andere Kinder Flöte spielen, und die nicht traurig sein wollen, als die anderen Trauerlieder spielen. „Wie auch immer“, sagt Jesus, „Weisheit zeigt sich an ihren Taten“ (Matthäus 11:16, 19). Die Taten von Jesus und Johannes belegen eindeutig, wie haltlos die Anschuldigungen gegen sie sind.

      Nachdem Jesus beschrieben hat, wie gleichgültig diese Generation ist, findet er harte Worte für Chorazin, Bethsaida und Kapernaum — Städte, in denen er mächtige Taten vollbracht hat. Hätte er dieselben Taten im phönizischen Tyrus oder Sidon vollbracht, hätten die Menschen dort bereut. Dann erwähnt er speziell Kapernaum, wo er sich seit geraumer Zeit oft aufhält. Selbst dort bleiben die meisten gleichgültig. Jesus sagt über diese Stadt: „Sodom wird es am Gerichtstag nicht so schlimm ergehen wie dir“ (Matthäus 11:24).

      Dann verherrlicht Jesus seinen Vater, weil dieser die kostbaren Wahrheiten „vor den Weisen und Intellektuellen verborgen“ hat, sie aber Menschen mitteilt, die demütig wie kleine Kinder sind (Matthäus 11:25). Jesus lädt diese Demütigen herzlich ein: „Kommt zu mir, alle, die ihr euch abplagt und belastet seid, und ich werde euch neue Kraft geben. Legt euch mein Joch auf und lernt von mir, denn ich habe ein sanftes Wesen und bin von Herzen demütig, und ihr werdet neue Kraft gewinnen. Denn mein Joch ist angenehm zu tragen und meine Last ist leicht“ (Matthäus 11:28-30).

      Wie gibt Jesus Menschen neue Kraft? Die religiösen Führer haben ihnen durch versklavende Traditionen eine große Last auferlegt. Zu diesen gehören ihre überzogenen Sabbatvorschriften. Doch Jesus lehrt die Wahrheit von Gott, die frei von diesen Traditionen ist, und gibt den Menschen so neue Kraft. Außerdem zeigt er denen, die sich von den Herrschenden niedergedrückt fühlen, und denen, die unter der Last der Sünde leiden, wie sie Erleichterung finden können. Ja, Jesus offenbart, wie ihre Sünden vergeben werden und wie sie Frieden mit Gott haben können.

      Wer Jesu Joch annimmt, kann sich unserem mitfühlenden und barmherzigen himmlischen Vater hingeben und ihm dienen. Dadurch wird einem keine schwere Last auferlegt, denn Gottes Erfordernisse sind alles andere als schwer (1. Johannes 5:3).

      • In welcher Hinsicht sind die Menschen aus Jesu Generation wie Kinder?

      • Weswegen verherrlicht Jesus seinen Vater im Himmel?

      • Was belastet viele Menschen? Doch welche Erleichterung bietet ihnen Jesus?

  • Eine Lektion im Vergeben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus liegt mit anderen Gästen zu Tisch, als sich eine Frau zu seinen Füßen hinkniet

      KAPITEL 40

      Eine Lektion im Vergeben

      LUKAS 7:36-50

      • EINE SÜNDERIN GIESST ÖL AUF JESU FÜSSE

      • JESUS VERANSCHAULICHT VERGEBUNG AM BEISPIEL VON ZWEI SCHULDNERN

      Die Menschen reagieren unterschiedlich auf Jesus — je nachdem, wie es in ihrem Herzen aussieht. Das zeigt sich besonders, als er in Galiläa von dem Pharisäer Simon zum Essen eingeladen wird. Simon möchte sich womöglich ein genaueres Bild von dem Mann machen, der so außergewöhnliche Taten vollbringt. Wahrscheinlich sieht Jesus die Einladung als Gelegenheit zu predigen und nimmt an — wie schon zuvor, als er mit Steuereinnehmern und Sündern gegessen hat.

      Doch Jesus wird im Haus von Simon nicht so herzlich empfangen, wie es eigentlich Brauch ist. Auf den staubigen Straßen Palästinas werden die Füße in den Sandalen heiß und schmutzig. Daher ist es üblich, einem Gast die Füße mit kühlem Wasser zu waschen. Aber Jesus erweist man diese Geste der Gastfreundschaft nicht. Er bekommt auch nicht den üblichen Willkommenskuss. Und ihm wird auch nicht Öl auf die Haare gegossen. Ist er also wirklich willkommen?

      Die Gäste legen sich zu Tisch und man beginnt zu essen. Währenddessen kommt leise ein ungebetener Gast herein. Es ist eine stadtbekannte Sünderin (Lukas 7:37). Jeder Mensch ist zwar unvollkommen und damit ein Sünder. Doch diese Frau führt offensichtlich ein unmoralisches Leben, vielleicht ist sie sogar eine Prostituierte. Wahrscheinlich hat sie von Jesu Lehren gehört — auch von seiner Einladung, dass alle, die sich abplagen und belastet sind, zu ihm kommen sollen, damit er ihnen neue Kraft geben kann (Matthäus 11:28, 29). Seine Worte und Taten haben sie wohl so berührt, dass sie jetzt zu ihm kommt.

      Sie tritt von hinten an Jesus heran, kniet sich bei seinen Füßen hin und weint. Ihre Tränen fallen auf seine Füße und sie trocknet sie mit ihren Haaren ab. Sie küsst sie auch sanft und gießt duftendes Öl darauf. Simon beobachtet das Ganze missbilligend und denkt sich: „Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, dann wüsste er, wer oder was für eine Frau ihn da berührt, dass sie eine Sünderin ist“ (Lukas 7:39).

      Ein Schuldner dankt dem Gläubiger, der ihm seine Schulden erlassen hat. Der andere Schuldner geht einfach

      Doch Jesus weiß, was in Simon vorgeht, und bemerkt: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“ „Sag es, Lehrer“, erwidert Simon. Jesus fährt fort: „Zwei Männer hatten bei einem Geldverleiher Schulden. Der eine schuldete ihm 500 Denare und der andere 50. Da sie nichts hatten, um ihre Schulden zurückzuzahlen, erließ er sie ihnen großzügig. Welcher von den beiden wird ihn wohl mehr lieben?“ Vielleicht mit einer gewissen Gleichgültigkeit antwortet Simon: „Ich nehme an, der, dem er mehr erließ“ (Lukas 7:40-43).

      Jesus stimmt ihm zu. Dann sagt er mit Blick auf die Frau zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, aber du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Doch diese Frau hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren abgetrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben, aber diese Frau hat, seit ich hereingekommen bin, nicht aufgehört, meine Füße zärtlich zu küssen. Du hast kein Öl auf meinen Kopf gegossen, aber diese Frau hat duftendes Öl auf meine Füße gegossen.“ Jesus kann sehen, dass die Frau ihr unmoralisches Leben von Herzen bereut. Daher erklärt er: „Ihre Sünden — und sie hat viele Sünden begangen — sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt. Doch wem wenig vergeben wird, der liebt wenig“ (Lukas 7:44-47).

      Das heißt nicht, dass Jesus Unmoral entschuldigt. Vielmehr zeigt er Mitgefühl und Verständnis für Personen, die schwer gesündigt haben, aber aufrichtig bereuen und sich an den Christus wenden, um Erleichterung zu finden. Und wie erleichtert muss diese Frau sein, als Jesus zu ihr sagt: „Deine Sünden sind vergeben. . . . Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden“ (Lukas 7:48, 50)!

      • Wie wird Jesus von seinem Gastgeber Simon empfangen?

      • Aus welchem Grund kommt eine Sünderin zu Jesus?

      • Welche Veranschaulichung gebraucht Jesus? Und wie wendet er sie an?

  • Durch wen wirkt Jesus Wunder?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Viele Menschen strömen zu dem Haus, in dem Jesus sich aufhält

      KAPITEL 41

      Durch wen wirkt Jesus Wunder?

      MATTHÄUS 12:22-32 MARKUS 3:19-30 LUKAS 8:1-3

      • JESU ZWEITE PREDIGTREISE BEGINNT

      • ER TREIBT DÄMONEN AUS UND WARNT VOR DER UNVERGEBBAREN SÜNDE

      Es ist das zweite Jahr in Jesu Dienst. Vor Kurzem war er bei dem Pharisäer Simon zu Gast und hat dort über Vergebung gesprochen. Jetzt beginnt er eine weitere Predigtreise durch Galiläa. Außer seinen 12 Aposteln begleiten ihn auch noch einige Frauen, die er von „bösen Geistern befreit und von Krankheiten geheilt“ hat (Lukas 8:2). Zu ihnen gehören Maria Magdalene, Susanna und Johanna, die Frau eines hohen Beamten von König Herodes Antipas.

      Je mehr Leute von Jesus erfahren, desto hitziger wird die Debatte über ihn. Das wird besonders deutlich, als er einen blinden und stummen Mann heilt, der von einem Dämon besessen ist. Die Leute, die das mitbekommen, staunen nur so und meinen: „Ob das wohl der Sohn Davids ist?“ (Matthäus 12:23).

      Es strömen so viele Leute zu dem Haus, in dem Jesus sich aufhält, dass er und seine Jünger nicht einmal Zeit zum Essen haben. Doch nicht alle halten Jesus für den verheißenen „Sohn Davids“. Einige Schriftgelehrte und Pharisäer sind extra den weiten Weg aus Jerusalem gekommen — aber nicht, um von Jesus zu lernen oder ihn zu unterstützen. Stattdessen sagen sie den Leuten: „Er ist vom Beelzebub besessen“, und behaupten damit, er würde mit dem „Herrscher der Dämonen“ gemeinsame Sache machen (Markus 3:22). Das sorgt für so einen Wirbel, dass Jesu Verwandte kommen, um ihn zu holen.

      Jesu Brüder glauben nämlich nicht, dass er Gottes Sohn ist (Johannes 7:5). Der Jesus, der diese öffentliche Unruhe ausgelöst hat, scheint nicht der Jesus zu sein, den sie von früher aus Nazareth kennen. Sie denken, dass mit ihm etwas nicht stimmt, und schlussfolgern: „Er hat den Verstand verloren!“ (Markus 3:21).

      Aber was zeigen die Tatsachen? Jesus hat gerade einen Mann geheilt, der blind, stumm und von einem Dämon besessen war! Das kann niemand leugnen. Darum versuchen die Schriftgelehrten und Pharisäer Jesu Ruf zu zerstören, indem sie behaupten: „Der kann die Dämonen doch nur durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen, austreiben“ (Matthäus 12:24).

      Jesus argumentiert mit den Schriftgelehrten und Pharisäern; einige, die mit ihm gereist sind, hören zu

      Doch Jesus weiß, was sie denken, und kontert: „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, geht unter, und jede Stadt oder jede Familie, die in sich gespalten ist, wird keinen Bestand haben. So ist es auch, wenn der Satan den Satan austreibt. Er ist dann in sich selbst gespalten. Wie soll da sein Reich bestehen?“ (Matthäus 12:25, 26).

      Diese Logik ist unschlagbar! Es gibt auch noch andere Juden, die Dämonen austreiben, und die Pharisäer wissen das (Apostelgeschichte 19:13). Daher fragt Jesus: „Wenn ich die Dämonen mithilfe von Beelzebub austreibe, wie treiben eure Söhne sie dann aus?“ Mit anderen Worten: Was sie Jesus vorwerfen, könnte man auch diesen Juden vorwerfen. Jesus argumentiert weiter: „Wenn ich die Dämonen aber durch Gottes Geist austreibe, dann ist Gottes Königreich schon gekommen, ohne dass ihr es gemerkt habt“ (Matthäus 12:27, 28).

      Dass Jesus Dämonen austreibt, beweist in Wirklichkeit seine Macht über den Teufel, wie er durch eine Veranschaulichung zeigt: „Wie kann jemand in das Haus eines starken Mannes einbrechen und es ausrauben, ohne ihn vorher zu fesseln? Erst dann kann er das Haus ausräumen. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir einsammelt, der zerstreut“ (Matthäus 12:29, 30). Die Schriftgelehrten und Pharisäer treiben die Menschen von demjenigen weg, der Gottes Sohn ist und dessen Unterstützung hat. Dadurch stellen sie sich eindeutig gegen Jesus und machen sich so zu Handlangern des Teufels.

      Jesus warnt seine Widersacher: „Den Menschensöhnen wird alles vergeben — welche Sünde sie auch immer begehen und welche Lästerung sie auch immer von sich geben. Aber wer gegen den heiligen Geist lästert, dem wird niemals vergeben, sondern er ist ewiger Sünde schuldig“ (Markus 3:28, 29). Stellen wir uns nur vor, was das für diejenigen bedeutet, die das, was der heilige Geist bewirkt, dem Teufel zuschreiben!

      • Wer begleitet Jesus auf seiner zweiten Predigtreise durch Galiläa?

      • Warum kommen Jesu Verwandte, um ihn zu holen?

      • Wie versuchen die Schriftgelehrten und Pharisäer, Jesu Ruf zu zerstören? Wie widerlegt er sie?

  • Jesus weist die Pharisäer zurecht
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Königin von Scheba tritt vor König Salomos Thron

      KAPITEL 42

      Jesus weist die Pharisäer zurecht

      MATTHÄUS 12:33-50 MARKUS 3:31-35 LUKAS 8:19-21

      • JESUS SPRICHT VOM ZEICHEN JONAS

      • SEINE JÜNGER STEHEN IHM NÄHER ALS SEINE FAMILIE

      Die Schriftgelehrten und Pharisäer leugnen, dass Jesus die Dämonen durch Gottes Kraft austreibt. Dadurch riskieren sie, gegen den heiligen Geist zu lästern. Für wen werden sie sich also entscheiden — für Gott oder den Teufel? Jesus erklärt: „Entweder ihr sorgt dafür, dass der Baum gut wird und gute Früchte trägt, oder ihr lasst den Baum schlecht werden und schlechte Früchte tragen“ (Matthäus 12:33).

      Ein Zweig mit Granatäpfeln daran

      Dämonen auszutreiben ist eindeutig etwas Gutes. Jesus vorzuwerfen, er wäre nur dazu in der Lage, weil er dem Teufel diene, ist daher völlig absurd. Wie Jesus in der Bergpredigt erklärt hat, lässt eine gute Frucht auf einen guten Baum schließen, nicht auf einen schlechten. Was beweisen die Pharisäer aber durch ihre absurden Anklagen oder Früchte? Dass sie schlecht sind. Jesus sagt zu ihnen: „Ihr Otternbrut! Wie soll auch etwas Gutes aus eurem Mund kommen, wenn ihr so schlecht seid? Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund“ (Matthäus 7:16, 17; 12:34).

      Ja, unsere Worte verraten, wie es in unserem Herzen aussieht, und sie liefern somit eine Grundlage für das künftige Gerichtsurteil. Deshalb sagt Jesus: „Am Gerichtstag werden sich die Menschen für jede nutzlose Äußerung verantworten müssen. Denn aufgrund deiner Worte wirst du für gerecht erklärt und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt“ (Matthäus 12:36, 37).

      Trotz der vielen Wunder, die Jesus vollbringt, fordern die Schriftgelehrten und Pharisäer: „Lehrer, wir wollen ein Zeichen von dir sehen.“ Ganz gleich, ob sie seine Wunder selbst gesehen haben oder nicht — es gibt mehr als genügend Augenzeugenberichte davon. Daher sagt Jesus zu Recht: „Eine böse, untreue Generation verlangt immer wieder ein Zeichen, doch sie bekommt keins — nur das Zeichen des Propheten Jona“ (Matthäus 12:38, 39).

      Jona wird von einem riesigen Fisch verschluckt

      Jesus erklärt ihnen auch gleich, was er meint: „So wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des riesigen Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Jona wurde von einem riesigen Fisch verschluckt, aber dann wieder ausgespuckt. Das war so, als wäre er auferstanden. Damit zeigt Jesus, dass auch er sterben und am dritten Tag auferweckt werden wird. Als das später geschieht, weigern sich die jüdischen Führer zu bereuen und sich zu ändern, und verwerfen so das Zeichen Jonas (Matthäus 27:63-66; 28:12-15). Die „Einwohner von Ninive“ reagierten auf Jonas Predigen ganz anders: Sie bereuten. Dadurch werden sie Jesu Generation verurteilen. Auch die Königin von Scheba wird diese Generation durch ihr Beispiel verurteilen, denn sie wollte Salomos Weisheit hören und bewunderte sie. Doch Jesus merkt an: „Hier ist jemand, der bedeutender ist als Salomo“ (Matthäus 12:40-42).

      Jesus vergleicht diese böse Generation mit einem Mann, aus dem ein unreiner Geist auszieht (Matthäus 12:45). Der Mann versäumt es, die Leere mit guten Dingen zu füllen. Daher kommt der böse Geist mit sieben noch bösartigeren zurück und ergreift Besitz von ihm. So ist es auch mit dem Volk Israel. Es wurde ähnlich wie der Mann, aus dem der böse Geist ausgezogen ist, gereinigt und zu einer Nation geformt. Doch die Nation hat Gottes Propheten verworfen, was nun darin gipfelt, dass sie sich dem widersetzt, der eindeutig Gottes Geist hat — Jesus. Ihr Zustand ist wirklich schlimmer als zu ihrem Beginn.

      Während Jesus spricht, kommen seine Mutter und seine Brüder und warten am Rand der Menschenmenge. Jemand, der neben Jesus sitzt, sagt zu ihm: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen.“ Da zeigt Jesus auf seine Jünger und erklärt, wie viel sie ihm bedeuten: „Meine Mutter und meine Brüder sind diese Menschen hier, die Gottes Wort hören und danach leben“ (Lukas 8:20, 21). Ganz gleich, wie nahe ihm seine Verwandten stehen — sein Verhältnis zu seinen Jüngern bedeutet ihm mehr. Auch uns tut es sehr gut, ein enges Verhältnis zu unseren Glaubensbrüdern zu haben, besonders wenn andere uns misstrauen oder uns und unsere guten Taten kritisieren!

      • In welcher Hinsicht sind die Pharisäer wie ein schlechter Baum?

      • Was ist das Zeichen Jonas? Auf welche Weise wird es später verworfen?

      • Warum kann man sagen, dass Israel einem Mann gleicht, aus dem ein böser Geist auszieht?

      • Wie zeigt Jesus, dass ihm seine Jünger viel bedeuten?

  • Gleichnisse über das Königreich
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus sitzt in einem Boot und lehrt die Menschenmenge, die sich am See von Galiläa versammelt hat

      KAPITEL 43

      Gleichnisse über das Königreich

      MATTHÄUS 13:1-53 MARKUS 4:1-34 LUKAS 8:4-18

      • JESUS ERKLÄRT DAS KÖNIGREICH ANHAND VON VERGLEICHEN

      Als Jesus die Pharisäer zurechtweist, ist er wahrscheinlich in Kapernaum. Später am Tag verlässt er das Haus und geht an den See von Galiläa. Es versammeln sich so viele Menschen, dass Jesus in ein Boot steigt und sich ein Stück vom Ufer entfernt. Von dort aus belehrt er die Menschen über das Königreich des Himmels. Dazu gebraucht er verschiedene Vergleiche oder Gleichnisse. Viele der Dinge und Situationen, die Jesus erwähnt, sind seinen Zuhörern vertraut. Das macht es ihnen leichter, unterschiedliche Merkmale des Königreiches zu begreifen.

      Als Erstes erzählt Jesus von einem Sämann, der Samen ausstreut. Einige Körner fallen auf den Weg, und Vögel kommen und picken sie auf. Andere fallen auf felsigen Boden, über dem nur eine dünne Erdschicht ist. Als die Pflänzchen aufgehen, können sie nicht tief wurzeln. Sie werden von der Sonne verbrannt und gehen ein. Wieder andere Körner fallen unter die Dornen, die die Pflänzchen überwuchern und ersticken. Aber es gibt auch Samenkörner, die auf guten Boden fallen und Ertrag bringen — „das eine 100-, das andere 60-, das Nächste 30-mal so viel“ (Matthäus 13:8).

      Auch in dem zweiten Gleichnis geht es um einen Sämann. Ganz gleich, ob er wach ist oder schläft, die Saat geht auf und wächst — „genau wie, weiß er nicht“ (Markus 4:27). Sie wächst von allein, bis das Getreide reif ist und der Mann ernten kann.

      Dann erzählt Jesus ein drittes Gleichnis, das mit dem Säen zu tun hat. Ein Mann sät guten Samen aus. Doch in der Nacht sät sein Feind Unkraut. Die Sklaven des Mannes fragen ihn, ob sie es ausreißen sollen. Aber er antwortet: „Nein, . . . sonst reißt ihr beim Zusammensammeln des Unkrauts den Weizen mit aus. Lasst beides bis zur Ernte nebeneinander wachsen, und in der Erntezeit sage ich dann den Erntearbeitern: Sammelt zuerst das Unkraut zusammen und bündelt es, um es zu verbrennen. Dann sammelt den Weizen und bringt ihn in mein Vorratshaus“ (Matthäus 13:24-30).

      Viele von Jesu Zuhörern kennen sich in der Landwirtschaft aus. Deshalb spricht er nun über etwas, das sie ebenfalls gut kennen: das winzige Senfkorn. Er sagt: „Mit dem Königreich des Himmels ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld säte“ (Matthäus 13:31). Aus ihm wird ein Baum, der groß genug wird, dass Vögel in seinen Zweigen Unterschlupf finden. Doch Jesus gibt hier keinen Botanikunterricht, sondern er veranschaulicht ein spektakuläres Wachstum — dass aus etwas winzig Kleinem etwas sehr Großes werden kann.

      Anschließend spricht Jesus über einen Vorgang, den die meisten seiner Zuhörer kennen. Er vergleicht das Königreich des Himmels mit „Sauerteig, den eine Frau unter drei große Maß Mehl mischte, bis die ganze Masse durchsäuert war“ (Matthäus 13:33). Vor den Augen unsichtbar durchdringt der Sauerteig die Masse völlig und lässt sie aufgehen. So sorgt er für Wachstum und Veränderung, ohne dass man es gleich sieht.

      Danach schickt Jesus die Menschenmenge weg und geht zu seiner Unterkunft zurück. Bald darauf kommen seine Jünger und wollen wissen, was die Gleichnisse bedeuten.

      AUS JESU GLEICHNISSEN LERNEN

      Die Jünger haben von Jesus schon vorher Gleichnisse gehört, aber noch nie so viele auf einmal. Daher fragen sie ihn: „Warum redest du zu den Leuten in Bildern?“ (Matthäus 13:10).

      Ein Grund ist, dass das vorausgesagt wurde. In dem Bericht von Matthäus heißt es: „Er sagte ihnen nichts, ohne in Bildern zu reden, damit sich erfüllte, was durch den Propheten angekündigt worden war: ‚Ich werde meinen Mund öffnen und in Bildern reden, ich werde das bekannt machen, was seit der Grundlegung verborgen war‘ “ (Matthäus 13:34, 35; Psalm 78:2).

      Doch es gibt noch einen weiteren Grund. Dadurch dass Jesus Bilder gebraucht, wird die Einstellung der Menschen offenbar. Viele interessieren sich für Jesus nur, weil er ein großartiger Geschichtenerzähler ist und Wunder wirken kann. Allerdings sehen sie in ihm nicht den Herrn, dem man gehorcht und selbstlos folgt (Lukas 6:46, 47). Sie wollen ihr Denken und ihr Leben nicht ändern. Nein, sie möchten sich von der Botschaft nicht so tief im Innern berühren lassen.

      Jesus erklärt: „Deshalb rede ich zu ihnen in Bildern. Denn sie sehen und sehen doch nichts, sie hören und hören doch nichts und verstehen auch nicht die Bedeutung. An ihnen erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas: ‚. . . das Herz dieser Leute ist unempfänglich geworden‘ “ (Matthäus 13:13-15; Jesaja 6:9, 10).

      Jesus erklärt seinen Jüngern das Gleichnis von dem Samen, der auf die verschiedenen Bodenarten fällt

      Das gilt aber nicht für alle Zuhörer Jesu. Er sagt: „Glücklich sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn ich versichere euch: Viele Propheten und andere gerechte Menschen wollten unbedingt sehen, was ihr seht, sahen es aber nicht, und wollten hören, was ihr hört, hörten es aber nicht“ (Matthäus 13:16, 17).

      Die 12 Apostel und andere loyale Jünger haben ein empfängliches Herz. Jesus sagt daher: „Ihr dürft die heiligen Geheimnisse des Königreiches des Himmels verstehen, sie aber nicht“ (Matthäus 13:11). Da sie Jesu Worte wirklich verstehen wollen, erklärt er ihnen, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

      Der Schlüssel zum Verständnis ist Folgender: Der Samen steht laut Jesus für „das Wort Gottes“ (Lukas 8:11). Und der Boden steht für das Herz.

      Über die Samenkörner, die auf den festgetretenen Boden am Wegesrand fallen, sagt Jesus: „Dann kommt der Teufel und nimmt . . . [das Wort] aus ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und gerettet werden“ (Lukas 8:12). Und wofür steht der felsige Boden? Er steht für das Herz von Menschen, die das Wort freudig annehmen. Allerdings kann es in ihrem Herzen nicht tief wurzeln. „Durch die Schwierigkeiten oder die Verfolgung, die . . . wegen der Botschaft entstehen“, kommen sie sofort ins Stolpern. Ja, sobald eine „Zeit der Erprobung“ kommt, geben sie auf — zum Beispiel bei Widerstand der Familie oder anderer (Matthäus 13:21; Lukas 8:13).

      Und was ist mit den Samenkörnern, die unter die Dornen fallen? Wie Jesus seinen Jüngern erklärt, nehmen solche Menschen das Wort an, doch die „Sorgen dieses Weltsystems und die trügerische Macht des Reichtums“ werden ihnen zum Verhängnis (Matthäus 13:22). Das Wort geht in ihrem Herzen auf, wird aber erstickt und kann keinen Ertrag bringen.

      Der gute Boden steht für diejenigen, die das Wort von Herzen annehmen und seine Bedeutung erfassen. Mit welchem Ergebnis? Sie bringen Ertrag: der eine 100-, der andere 60-, der Nächste 30-mal so viel — je nachdem, was jemand aufgrund seiner Umstände wie Alter und Gesundheit tun kann. Sie werden gesegnet, weil sie Gott dienen, und Jesus sagt über sie: „Sie hören das Wort Gottes mit einem aufrichtigen und guten Herzen, lassen es nicht mehr los, harren aus und bringen dabei Ertrag“ (Lukas 8:15).

      Diese Worte müssen Jesu Jünger tief berühren! Sie sind extra zu ihm gekommen, damit er ihnen die Gleichnisse erklärt, und nun verstehen sie, was sie bedeuten. Jesus wiederum ist es wichtig, dass seine Jünger die Gleichnisse verstehen, damit sie die Wahrheit auch an andere weitergeben können. „Würde man eine Lampe holen und sie unter ein Messgefäß oder unters Bett stellen?“, fragt er. „Stellt man sie nicht auf einen Lampenständer?“ Daher gibt Jesus den Rat: „Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören“ (Markus 4:21-23).

      MIT MEHR VERSTÄNDNIS GESEGNET

      Jetzt, wo die Jünger das Gleichnis vom Sämann verstehen, möchten sie noch mehr erfahren. Sie bitten Jesus: „Erkläre uns doch den Vergleich mit dem Unkraut auf dem Feld“ (Matthäus 13:36).

      Ihre Bitte zeigt, dass sie ganz anders eingestellt sind als die anderen, die Jesus am Seeufer zugehört haben. Letztere haben gar nicht den Wunsch zu erfahren, was die Gleichnisse bedeuten oder was sie ihnen bringen. Sie geben sich damit zufrieden, sie einfach nur zu hören. Jesus stellt sie seinen wissbegierigen Jüngern gegenüber, die gekommen sind, um mehr von ihm zu lernen. Er sagt:

      „Achtet auf das, was ihr hört. Mit dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden, ja ihr bekommt sogar noch mehr“ (Markus 4:24). Die Jünger hören Jesus gut zu. Und da sie ihm aufrichtiges Interesse und Aufmerksamkeit „zuteilen“, werden sie mit mehr Verständnis gesegnet. Deshalb erklärt Jesus ihnen auch gern das Gleichnis vom Weizen und Unkraut:

      „Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn. Das Feld ist die Welt. Und der gute Samen, das sind die Söhne des Königreiches. Aber das Unkraut, das sind die Söhne des Teufels. Und der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte ist der Abschluss eines Weltsystems, und die Erntearbeiter sind Engel“ (Matthäus 13:37-39).

      Nachdem Jesus die Einzelheiten erklärt hat, beschreibt er, wie sich das Gleichnis erfüllt. Er führt aus, dass die Engel am Abschluss des Weltsystems das Unkraut vom Weizen trennen — also die Scheinchristen von den wahren „Söhnen des Königreiches“. Diese „Gerechten“ werden zusammengesammelt und schließlich „im Königreich ihres Vaters“ hell leuchten. Aber was ist mit den „Söhnen des Teufels“? Sie werden vernichtet und daher verständlicherweise „weinen und mit den Zähnen knirschen“ (Matthäus 13:41-43).

      Ein Mann findet einen Schatz, der in einem Feld versteckt ist
      Ein reisender Händler findet eine besonders kostbare Perle

      Dann erzählt Jesus seinen Jüngern drei weitere Vergleiche. Als Erstes sagt er: „Mit dem Königreich des Himmels ist es wie mit einem Schatz, der in einem Feld versteckt ist. Ein Mann findet ihn und versteckt ihn wieder. Er freut sich so sehr, dass er losgeht und alles verkauft, was er besitzt, und das Feld kauft“ (Matthäus 13:44).

      Als Nächstes sagt Jesus: „Mit dem Königreich des Himmels ist es außerdem wie mit einem reisenden Händler, der auf der Suche nach wertvollen Perlen ist. Nachdem er eine besonders kostbare Perle gefunden hat, geht er und verkauft sofort alles, was er hat, und kauft sie“ (Matthäus 13:45, 46).

      Durch beide Vergleiche hebt Jesus hervor, mit welcher Bereitwilligkeit jemand Opfer bringt, der etwas wirklich Kostbares findet — etwas, das er sehr schätzt und unbedingt haben möchte. Der Händler „verkauft sofort alles“, um eine besonders kostbare Perle kaufen zu können. Das ist für Jesu Jünger bestimmt nachvollziehbar. Auch der Mann, der in einem Feld einen Schatz findet, verkauft alles, um das Feld erwerben zu können. Dies ist mit den Opfern vergleichbar, die jemand bringt, um Gott näherzukommen (Matthäus 5:3). Einige von Jesu Zuhörern haben diese Bereitschaft schon gezeigt. Sie wollen Jesu wahre Nachfolger sein und haben für ihr Verhältnis zu Gott viel auf sich genommen (Matthäus 4:19, 20; 19:27).

      Zuletzt vergleicht Jesus das Königreich des Himmels mit einem Schleppnetz, mit dem man alle möglichen Fische fängt (Matthäus 13:47). Beim Aussortieren kommen die guten in Behälter und die ungeeigneten werden weggeworfen. Wie Jesus sagt, würde es am Abschluss des Weltsystems auch so sein: Die Engel werden die schlechten Menschen von den gerechten trennen.

      Ein Fischer zieht ein Schleppnetz voller Fische aus dem Wasser

      Jesus war gewissermaßen selbst ein Fischer, als er seine ersten Jünger einlud, „Menschenfischer“ zu werden (Markus 1:17). Er merkt allerdings an, dass sich der Vergleich mit dem Schleppnetz auf die Zukunft bezieht, auf den „Abschluss des Weltsystems“ (Matthäus 13:49). Die Apostel und die anderen Jünger können daher erahnen, dass es noch interessante Entwicklungen geben wird.

      Ja, Jesus macht seinen Jüngern ein großes Geschenk, denn wenn er mit ihnen allein ist, erklärt er ihnen jeweils alles (Markus 4:34). Er „ist wie ein Hausherr, der aus seinem Vorrat an Kostbarkeiten Neues und Altes holt“ (Matthäus 13:52). Jesus erzählt diese Gleichnisse nicht, um zu zeigen, wie großartig er lehren kann. Ihm geht es darum, seinen Jüngern Wahrheiten zu vermitteln, die so wertvoll sind wie ein Schatz. Er ist wirklich ein „öffentlicher Lehrer“, an den niemand heranreicht!

      • Wann und wo erzählt Jesus einer Menschenmenge verschiedene Gleichnisse?

      • Welche sind die ersten fünf Gleichnisse?

      • Warum redet Jesus in Bildern?

      • Wie zeigen Jesu Jünger, dass sie anders sind als seine übrigen Zuhörer?

      • Wie erklärt Jesus das Gleichnis vom Sämann?

      • Wofür stehen in dem Gleichnis vom Weizen und Unkraut der Sämann, das Feld, der gute Samen, das Unkraut, der Feind, die Ernte und die Erntearbeiter?

      • Welche drei Vergleiche erzählt Jesus noch, und was können wir aus ihnen lernen?

  • Jesus beruhigt einen Sturm
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus beruhigt auf dem See von Galiläa einen Sturm

      KAPITEL 44

      Jesus beruhigt einen Sturm

      MATTHÄUS 8:18, 23-27 MARKUS 4:35-41 LUKAS 8:22-25

      • JESUS BERUHIGT AUF DEM SEE VON GALILÄA EINEN STURM

      Jesus hat einen langen, anstrengenden Tag hinter sich. Als der Abend anbricht, sagt er zu seinen Jüngern: „Lasst uns ans andere Ufer fahren“, und meint damit das Ufer gegenüber von Kapernaum (Markus 4:35).

      Dort, auf der Ostseite des Sees von Galiläa, liegt die Gegend der Gerasener, die zur Dekapolis gehört. Obwohl dort viele Juden leben, sind die Städte der Dekapolis ein Zentrum griechischer Kultur.

      Jesu Abfahrt aus Kapernaum bleibt nicht unbemerkt. Andere Boote legen ebenfalls ab, um den See zu überqueren (Markus 4:36). Der See von Galiläa ist 21 Kilometer lang und bis zu 12 Kilometer breit. Bis zur anderen Seite ist es daher nicht so weit.

      Jesus ist zwar vollkommen, aber nach einem ausgefüllten Tag im Dienst ist auch er verständlicherweise müde. Nachdem die Segel gesetzt sind, legt er sich hinten im Boot hin und schläft ein, seinen Kopf auf ein Kissen gebettet.

      Mehrere der Apostel sind im Umgang mit Booten sehr geübt. Aber diese Überfahrt wird selbst ihnen einiges abverlangen. Aus den umliegenden Bergen stürzt manchmal kältere Luft auf den See und trifft dort auf die oft warme Wasseroberfläche. So entsteht auch diesmal plötzlich ein heftiger Sturm. Bald schlagen die Wellen gegen das Boot. Es beginnt voll zu laufen und alle geraten in Gefahr (Lukas 8:23). Trotzdem schläft Jesus tief und fest!

      Die Apostel mühen sich ab, das Boot unter Kontrolle zu halten, und nutzen ihre ganze Erfahrung, um es sicher durch den Sturm zu bringen. Aber es ist aussichtslos! Den Tod vor Augen wecken sie Jesus und flehen: „Herr, rette uns, wir sterben!“ (Matthäus 8:25).

      Da fragt Jesus: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr so wenig Glauben?“ (Matthäus 8:26). Dann spricht er ein Machtwort zu dem Wind und befiehlt dem See: „Ruhe! Sei still!“ (Markus 4:39). Da legt sich der tosende Sturm und der See beruhigt sich. (Markus und Lukas schildern dieses beeindruckende Ereignis andersherum: Sie stellen zuerst heraus, wie Jesus den Sturm durch ein Wunder beruhigt, und dann erwähnen sie den fehlenden Glauben der Jünger.)

      Stellen wir uns vor, was für einen tiefen Eindruck dieses Wunder bei den Jüngern hinterlässt! Sie haben gerade miterlebt, wie der sturmgepeitschte See im nächsten Moment völlig ruhig daliegt. Eine außergewöhnliche Furcht überkommt sie und sie sagen zueinander: „Wer ist das nur? Sogar der Wind und der See hören auf ihn.“ Schließlich erreichen sie sicher das andere Ufer (Markus 4:41 bis 5:1). Die anderen Boote, die mit ihnen aufgebrochen sind, konnten möglicherweise zum Westufer zurückkehren.

      Es ist wirklich beruhigend zu wissen, dass Gottes Sohn Macht über die Elemente hat! Wenn er als König des Königreiches der Erde seine volle Aufmerksamkeit zuwendet, wird es keine schrecklichen Naturkatastrophen mehr geben. Alle Menschen werden dann in Sicherheit leben!

      • Welche Faktoren haben wahrscheinlich zu dem heftigen Sturm auf dem See von Galiläa beigetragen?

      • Was tun die Jünger aus Verzweiflung?

      • Was ist an diesem Ereignis so beruhigend?

  • Jesus hat Macht über die Dämonen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein von Dämonen besessener Mann läuft direkt auf Jesus zu

      KAPITEL 45

      Jesus hat Macht über die Dämonen

      MATTHÄUS 8:28-34 MARKUS 5:1-20 LUKAS 8:26-39

      • ER TREIBT DÄMONEN AUS UND SCHICKT SIE IN SCHWEINE

      Nach dem fürchterlichen Sturm auf dem See kommen die Jünger endlich an Land. Dort erwartet sie schon der nächste Schock. Zwei bösartige, von Dämonen besessene Männer kommen von einem Friedhof und laufen direkt auf Jesus zu! Markus und Lukas konzentrieren sich in ihren Evangelien nur auf einen der Männer, vielleicht weil er brutaler ist als der andere und sich schon länger in der Hand der Dämonen befindet.

      Dieser bedauernswerte Mann ist völlig nackt. Tag und Nacht schreit er „in den Grabhöhlen und in den Bergen“ und schneidet sich „mit Steinen“ (Markus 5:5). Er ist so wild, dass sich die Leute nicht trauen, dort vorbeizugehen. Man hat schon versucht ihn zu fesseln, aber er zerreißt die Ketten einfach und zertrümmert die Fußfesseln. Niemand ist in der Lage, ihn zu bändigen.

      Der Mann fällt vor Jesus nieder und die Dämonen veranlassen ihn zu schreien: „Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Schwör mir bei Gott, mich nicht zu quälen!“ Da befiehlt Jesus: „Komm aus dem Mann heraus, du böser Geist!“, und beweist so seine Autorität über die Dämonen (Markus 5:7, 8).

      In Wirklichkeit ist der Mann von vielen Dämonen besessen. Als Jesus fragt: „Wie heißt du?“, sagt er: „Mein Name ist Legion, denn wir sind viele“ (Markus 5:9). Zu einer römischen Legion gehören Tausende von Soldaten. Der Name Legion zeigt also an, dass sich sehr viele Dämonen gegen den Mann verbündet haben und sich an seinem Leid ergötzen. Nun flehen sie Jesus an, „ihnen nicht zu befehlen, in den Abgrund zu gehen“. Offenbar wissen sie, was ihnen und ihrem Anführer, dem Teufel, bevorsteht (Lukas 8:31).

      Eine Schweineherde stürzt sich einen Steilhang hinunter in den See

      In der Nähe weiden etwa 2 000 Schweine. Diese Tiere sind gemäß dem Gesetz unrein und die Juden dürfen nicht einmal welche besitzen. Die Dämonen bitten Jesus: „Schick uns in die Schweine, lass uns in sie hineinfahren!“ (Markus 5:12). Er erlaubt es ihnen und sie fahren in die Schweine. Da stürzen sich alle 2 000 Tiere den Steilhang hinunter und ertrinken.

      Darauf rennen die Schweinehirten fort und erzählen in der Stadt und auf dem Land, was passiert ist. Die Leute laufen los, um sich selbst ein Bild zu machen. Dort angekommen, sehen sie den ehemals Besessenen zu Jesu Füßen sitzen — angezogen, gesund und bei klarem Verstand!

      Jesus fordert den ehemals Besessenen auf, nach Hause zu gehen und seinen Verwandten zu erzählen, wie er geheilt wurde

      Als die Leute das sehen und die Augenzeugenberichte hören, packt sie die Angst und sie drängen Jesus, ihre Gegend zu verlassen. Sie fürchten sich vor dem, was noch passieren könnte. Als Jesus gerade ins Boot steigen will, fleht der ehemals Besessene ihn an, mitkommen zu dürfen. Aber Jesus fordert ihn auf: „Geh nach Hause zu deinen Verwandten, und erzähl ihnen, was Jehova alles für dich getan hat und dass er Erbarmen mit dir hatte“ (Markus 5:19).

      Normalerweise sagt Jesus den Menschen, die er heilt, sie sollen niemandem davon erzählen. Er möchte nicht, dass die Leute aufgrund sensationeller Berichte an ihn glauben. Doch in diesem Fall ist der einst von Dämonen Besessene ein lebender Beweis für Jesu Macht und er kann Menschen von Jesus erzählen, die dieser wahrscheinlich nicht persönlich erreichen würde. Seine Zeugenaussage kann auch allen schlechten Berichten, die wegen des Verlusts der Schweine im Umlauf sein mögen, entgegenwirken. Der Mann macht sich also auf und verbreitet in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hat.

      • Weshalb konzentrieren sich Markus und Lukas in ihren Evangelien nur auf einen der besessenen Männer?

      • Was wissen die Dämonen über ihre Zukunft?

      • Warum weist Jesus den ehemals Besessenen an, anderen zu erzählen, was er für ihn getan hat?

  • Sie berührt Jesu Gewand und wird geheilt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine Frau berührt Jesu Obergewand und er bemerkt das

      KAPITEL 46

      Sie berührt Jesu Gewand und wird geheilt

      MATTHÄUS 9:18-22 MARKUS 5:21-34 LUKAS 8:40-48

      • EINE FRAU WIRD GEHEILT, ALS SIE DIE FRANSEN AN JESU GEWAND BERÜHRT

      Am Nordwestufer des Sees von Galiläa spricht sich schnell herum, dass Jesus auf dem Rückweg von der Dekapolis ist. Viele haben bestimmt mitbekommen, dass er vor Kurzem den heftigen Sturm beruhigt hat. Und womöglich haben einige auch von der Heilung der beiden besessenen Männer gehört. Daher hat sich wahrscheinlich bei Kapernaum schon „eine große Menschenmenge“ versammelt, die auf Jesu Ankunft wartet (Markus 5:21). Als er aus dem Boot steigt, sind alle schon sehr gespannt, was er als Nächstes tun wird.

      Unter den Wartenden ist der Synagogenvorsteher Jairus. Er fällt vor Jesus auf die Knie und bittet ihn eindringlich: „Meine kleine Tochter ist schwer krank. Bitte komm und leg ihr die Hände auf, damit sie gesund wird und am Leben bleibt“ (Markus 5:23). Seine Tochter ist erst 12 und sein einziges Kind. Sie bedeutet ihm sehr viel. Wie reagiert Jesus auf seine inständige Bitte? (Lukas 8:42).

      Er macht sich mit Jairus auf den Weg zu dessen Haus. Viele Leute folgen ihnen und sind schon gespannt, ob sie gleich ein neues Wunder zu sehen bekommen. Doch unterwegs ereignet sich etwas sehr Bewegendes. In der Menge ist nämlich auch eine Frau, die gekommen ist, weil sie selbst schwer krank ist.

      Diese jüdische Frau leidet seit 12 Jahren an Blutungen. Sie war bei einem Arzt nach dem anderen und hat für die Behandlungen ihr ganzes Geld ausgegeben. Aber das hat alles nichts geholfen. Ihre Krankheit ist nur „noch schlimmer“ geworden (Markus 5:26).

      Man kann sicher verstehen, dass ihr Leiden sie nicht nur schwächt, sondern auch beschämend und demütigend für sie ist. Über eine solche Krankheit spricht man normalerweise nicht offen. Dazu kommt noch, dass eine Frau gemäß dem mosaischen Gesetz rituell unrein ist, wenn sie Blutungen hat. Jeder, der sie oder ihre blutbefleckte Kleidung berührt, muss sich waschen und ist bis zum Abend unrein (3. Mose 15:25-27).

      Die Frau hat gehört, was man sich über Jesus erzählt, und ist nun gekommen, um geheilt zu werden. Wegen ihrer Unreinheit versucht sie so unauffällig wie möglich an ihn heranzukommen und sagt sich: „Ich brauche nur seine Obergewänder anzufassen, dann werde ich gesund.“ Als sie die Fransen an seinem Gewand berührt, spürt sie sofort, wie die Blutungen aufhören. Endlich ist sie „von der schlimmen Krankheit geheilt“ (Markus 5:27-29)!

      Da fragt Jesus: „Wer hat mich berührt?“ Wie sich die Frau wohl fühlt, als sie das hört? Petrus erwidert leicht vorwurfsvoll: „Lehrer, die vielen Menschen drücken und drängen von allen Seiten.“ Wieso will Jesus also wissen, wer ihn angefasst hat? Er entgegnet: „Mich hat jemand berührt, denn ich weiß, dass Kraft von mir ausgegangen ist“ (Lukas 8:45, 46). Ja, die Heilung der Frau hat ihn Kraft gekostet.

      Der Frau wird klar, dass sie nicht unbemerkt geblieben ist. Vor Angst zitternd wirft sie sich vor Jesus auf den Boden und erzählt vor allen Leuten von ihrer Krankheit und wie sie geheilt worden ist. Da tröstet Jesus sie liebevoll: „Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh in Frieden. Du sollst von deiner schlimmen Krankheit geheilt sein“ (Markus 5:34).

      Der König, den Gott dazu erwählt hat, über die Erde zu regieren, ist wirklich herzlich und mitfühlend. Er liebt die Menschen. Und er hat auch die Macht, ihnen zu helfen!

      • Warum wartet eine Menschenmenge schon auf Jesus, als er in die Gegend von Kapernaum zurückkommt?

      • Welches Problem hat eine Frau, und warum sucht sie bei Jesus Hilfe?

      • Wie wird die Frau geheilt? Und wie tröstet Jesus sie?

  • Ein Mädchen lebt wieder!
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus auferweckt die Tochter von Jairus

      KAPITEL 47

      Ein Mädchen lebt wieder!

      MATTHÄUS 9:18, 23-26 MARKUS 5:22-24, 35-43 LUKAS 8:40-42, 49-56

      • JESUS AUFERWECKT DIE TOCHTER VON JAIRUS

      Jairus ist dabei, als Jesus die Frau mit den Blutungen heilt. Jetzt ist er sich noch sicherer, dass Jesus auch seiner Tochter helfen kann. Doch gleichzeitig befürchtet er, dass seine Tochter schon tot ist (Matthäus 9:18). Könnte es trotzdem noch Hoffnung für sie geben?

      Während Jesus noch mit der geheilten Frau spricht, kommen Männer zu Jairus und sagen: „Deine Tochter ist gestorben. Warum dem Lehrer noch weiter Umstände machen?“ (Markus 5:35).

      Was für eine niederschmetternde Nachricht! Der hoch angesehene Jairus, der sonst so viel Einfluss hat, ist nun völlig hilflos. Seine einzige Tochter ist tot! Aber Jesus bekommt das mit und macht Jairus mit den Worten Mut: „Hab keine Angst, hab einfach nur Glauben“ (Markus 5:36).

      Die Tochter von Jairus liegt tot in ihrem Bett und viele Menschen trauern um sie

      Dann begleitet Jesus Jairus zu dessen Haus. Dort finden sie ein ziemliches Durcheinander vor: Alle weinen, klagen und schlagen sich vor Trauer auf die Brust. Jesus tritt ins Haus und macht die erstaunliche Bemerkung: „Das Kind ist nicht gestorben, sondern schläft“ (Markus 5:39). Als die Anwesenden das hören, lachen sie ihn aus. Sie wissen nämlich, dass das Mädchen wirklich tot ist. Doch mithilfe von Gottes Macht wird Jesus gleich beweisen, dass Menschen aus dem Tod genauso geweckt werden können wie aus einem tiefen Schlaf.

      Dann schickt Jesus alle hinaus. Nur Petrus, Jakobus, Johannes und die Eltern dürfen bleiben. Jesus geht mit ihnen zu dem toten Mädchen. Er nimmt ihre Hand und sagt: „Talithá kúmi“, was übersetzt bedeutet: „Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ (Markus 5:41). Da steht sie auf und geht umher. Als Jairus und seine Frau das sehen, sind sie außer sich vor Freude! Dann sagt Jesus, man solle ihr etwas zu essen geben, was zusätzlich beweist, dass das Mädchen wirklich lebt.

      Schon bei früheren Gelegenheiten hat Jesus die Menschen, die er geheilt hat, angewiesen, nicht herumzuerzählen, was er für sie getan hat. Und bei den Eltern des Mädchens macht er keine Ausnahme. Trotzdem spricht sich die Neuigkeit „in der ganzen Gegend herum“ (Matthäus 9:26). Uns würde es wahrscheinlich nicht anders gehen, wenn wir die Auferstehung eines geliebten Menschen miterlebt hätten. Das ist die zweite Auferweckung durch Jesus, von der die Bibel berichtet.

      • Welche Nachricht bekommt Jairus und wie macht Jesus ihm Mut?

      • Welche Situation finden Jesus und Jairus vor, als sie bei dessen Haus ankommen?

      • Warum sagt Jesus, das tote Mädchen würde nur schlafen?

  • Weitere Wunder, doch Ablehnung in Nazareth
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus hat das Haus von Jairus verlassen und eine Menschenmenge folgt ihm

      KAPITEL 48

      Weitere Wunder, doch Ablehnung in Nazareth

      MATTHÄUS 9:27-34; 13:54-58 MARKUS 6:1-6

      • JESUS HEILT ZWEI BLINDE UND EINEN STUMMEN

      • DIE MENSCHEN VON NAZARETH LEHNEN IHN AB

      Für Jesus ist es ein ausgefüllter Tag gewesen. Nach seiner Rückkehr aus der Gegend der Dekapolis hat er eine Frau von Blutungen geheilt und die Tochter von Jairus auferweckt. Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Als Jesus das Haus von Jairus verlässt, folgen ihm zwei blinde Männer, die ihn anflehen: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!“ (Matthäus 9:27).

      Warum nennen diese beiden Männer Jesus „Sohn Davids“? Weil sie daran glauben, dass er der Thronerbe Davids ist und damit der Messias. Zuerst tut Jesus so, als würde er sie nicht bemerken — vielleicht um zu sehen, wie ernst sie es meinen. Aber sie geben nicht auf. Als Jesus in ein Haus geht, folgen sie ihm. Er fragt sie: „Glaubt ihr, dass ich euch heilen kann?“ „Ja, Herr“, antworten sie zuversichtlich. Daraufhin berührt er ihre Augen und sagt: „So, wie ihr geglaubt habt, soll es werden“ (Matthäus 9:28, 29).

      Da können sie plötzlich sehen! Wie schon zuvor weist Jesus auch sie an, nicht herumzuerzählen, was er getan hat. Doch sie sind so glücklich, dass sie überall von ihm berichten.

      Kaum sind die beiden Männer weg, bringt man Jesus einen Mann, der von einem Dämon besessen ist und deshalb nicht reden kann. Jesus treibt den Dämon aus und sofort kann der Mann reden. Die Menschenmenge staunt nur so und sagt: „So etwas hat man in Israel ja noch nie gesehen!“ Auch einige Pharisäer sind anwesend. Da sie die Wunder nicht abstreiten können, wiederholen sie ihre alte Anklage: „Der kann die Dämonen doch nur durch den Herrscher der Dämonen austreiben“ (Matthäus 9:33, 34).

      Kurz darauf kehrt Jesus in seinen Heimatort Nazareth zurück und seine Jünger begleiten ihn. Vor ungefähr einem Jahr hat er dort in der Synagoge schon einmal gelehrt. Zuerst waren die Leute über seine Lehren erstaunt. Doch dann haben sie daran Anstoß genommen und versucht ihn zu töten. Nun versucht Jesus noch einmal, seinen früheren Nachbarn zu helfen.

      Daher geht er am Sabbat wieder in die Synagoge, um zu lehren. Viele wundern sich über ihn und fragen: „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit und zu diesen mächtigen Taten?“ Sie sagen: „Ist das nicht der Sohn vom Zimmermann? Ist nicht Maria seine Mutter und sind nicht Jakobus, Joseph, Simon und Judas seine Brüder? Und sind nicht alle seine Schwestern bei uns? Woher hat er dann das alles?“ (Matthäus 13:54-56).

      Für die Menschen von Nazareth ist Jesus nur einer von ihnen. Sie denken vielleicht: „Wir haben ihn doch aufwachsen sehen. Wie kann er da der Messias sein?“ Daher lehnen sie ihn ab, und das obwohl Jesu große Weisheit und seine Wunder eindeutig für ihn sprechen. Sogar seine Verwandten, die ihn gut zu kennen meinen, lehnen ihn ab. Jesus stellt fest: „Ein Prophet wird überall geehrt, nur nicht in seinem Heimatgebiet und in seinem eigenen Haus“ (Matthäus 13:57).

      Jesus kann sich über ihren Unglauben nur wundern. Deshalb wirkt er dort keine Machttaten, außer dass er einigen Kranken die Hände auflegt und sie heilt (Markus 6:5, 6).

      • Warum nennen die beiden blinden Männer Jesus „Sohn Davids“?

      • Auf welche Erklärung für Jesu Wunder greifen die Pharisäer wieder zurück?

      • Wie wird Jesus in Nazareth aufgenommen und warum?

  • Jesus predigt in Galiläa und schult die Apostel
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus sendet seine Apostel zu zweit zum Predigen aus

      KAPITEL 49

      Jesus predigt in Galiläa und schult die Apostel

      MATTHÄUS 9:35 BIS 10:15 MARKUS 6:6-11 LUKAS 9:1-5

      • JESUS GEHT AUF EINE WEITERE PREDIGTREISE DURCH GALILÄA

      • ER SENDET DIE APOSTEL ZUM PREDIGEN AUS

      Jesus hat jetzt etwa zwei Jahre lang intensiv gepredigt. Lässt er es nun etwas ruhiger angehen? Weit gefehlt! Er tut sogar noch mehr und zieht „durch alle Städte und Dörfer“ von Galiläa, lehrt in den Synagogen, predigt die gute Botschaft vom Königreich und befreit die Menschen „von allen möglichen Krankheiten und Leiden“ (Matthäus 9:35). Was er sieht, überzeugt ihn, dass das Predigtwerk ausgedehnt werden muss. Aber wie soll er das nur schaffen?

      Unterwegs sieht Jesus viele Menschen, die Hilfe und Trost durch die Wahrheit brauchen. Sie sind wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben. Jesus hat Mitgefühl mit ihnen und sagt daher zu seinen Jüngern: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, mehr Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Matthäus 9:37, 38).

      Jesu Jünger predigen die Botschaft vom Königreich von Haus zu Haus

      Jesus weiß, was zu tun ist. Er ruft die 12 Apostel zu sich, teilt sie zu zweit ein und sendet sie zum Predigen aus. Er gibt ihnen auch klare Anweisungen: „Nehmt nicht die Straße, die zu anderen Völkern führt, und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht immer wieder zu den verlorenen Schafen Israels. Predigt überall, wohin ihr geht: ‚Das Königreich des Himmels ist nah‘ “ (Matthäus 10:5-7).

      Die Jünger sollen den Menschen von dem Königreich erzählen, das Jesus im Mustergebet erwähnt hat. Dieses Königreich ist insofern nah, als Jesus Christus, Gottes auserwählter König, gerade auf der Erde ist. Doch woran wird man erkennen, dass seine Jünger wirklich Vertreter dieses Königreiches sind? Sie erhalten von Jesus die Macht, Kranke zu heilen und Tote aufzuerwecken. Allerdings sollen sie dafür nichts verlangen. Wie sollen sie dann aber unterwegs für sich sorgen?

      Jesus sagt ihnen, sie sollen auf die Predigtreise nichts mitnehmen — keinen Geldbeutel mit Gold, Silber oder Kupfer und auch keine Provianttasche oder zusätzliche untere Kleider oder Sandalen. Warum nicht? Jesus versichert ihnen: „Der Arbeiter hat sich sein Essen verdient“ (Matthäus 10:10). Die Menschen, die ihre Botschaft schätzen, würden dafür sorgen, dass sie das Nötige bekommen. Jesus sagt: „Wo immer ihr in ein Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst“ (Markus 6:10).

      Jesus erklärt den Aposteln auch, wie sie mit der Botschaft vom Königreich auf die Menschen zugehen sollen: „Betretet ihr das Haus, dann begrüßt die Bewohner. Wenn das Haus es verdient, soll es den Frieden bekommen, den ihr ihm wünscht. Wenn aber nicht, dann soll euer Frieden zu euch zurückkommen. Wo man euch nicht aufnimmt und euch nicht zuhört, da schüttelt den Staub von euren Füßen, wenn ihr das Haus oder die Stadt verlasst“ (Matthäus 10:12-14).

      Es kann sogar vorkommen, dass alle in einem Dorf oder einer Stadt ihre Botschaft ablehnen. Mit welchen Folgen? Wie Jesus erklärt, würde solch einen Ort ein hartes Urteil erwarten. Er sagt: „Ich versichere euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Gerichtstag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt“ (Matthäus 10:15).

      • Wann startet Jesus eine weitere Predigtreise durch Galiläa? Welche Feststellung macht er über die Menschen?

      • Wie teilt Jesus die 12 Apostel ein, und welche Anweisungen gibt er ihnen?

      • In welchem Sinn ist das Königreich nah?

  • Auf Verfolgung vorbereitet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Schafe, die von Wölfen umzingelt werden

      KAPITEL 50

      Auf Verfolgung vorbereitet

      MATTHÄUS 10:16 BIS 11:1 MARKUS 6:12, 13 LUKAS 9:6

      • JESUS SCHULT DIE APOSTEL UND SENDET SIE AUS

      Jesus sendet seine Apostel zu zweit zum Predigen aus und erklärt ihnen genau, wie sie vorgehen sollen. Doch dabei belässt er es nicht, sondern warnt sie auch offen vor Widerstand: „Seht! Ich sende euch aus wie Schafe unter Wölfe. . . . Nehmt euch vor den Leuten in Acht, denn sie werden euch vor Ortsgerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet meinetwegen vor Statthalter und Könige gebracht werden“ (Matthäus 10:16-18).

      Es kann also sein, dass Jesu Nachfolger heftig verfolgt werden. Doch Jesus versichert ihnen: „Wenn man euch ausliefert, dann macht euch keine Sorgen, wie oder was ihr reden sollt. In dieser Stunde wird euch eingegeben, was ihr sagen sollt, denn ihr redet dann nicht allein, sondern der Geist eures Vaters redet durch euch.“ Jesus sagt weiter: „Ein Bruder wird seinen Bruder in den Tod schicken und ein Vater sein Kind, und Kinder werden sich gegen ihre Eltern stellen und sie töten lassen. Alle Menschen werden euch wegen meines Namens hassen, aber wer bis zum Ende ausgeharrt hat, der wird gerettet werden“ (Matthäus 10:19-22).

      Das Predigtwerk ist von höchster Wichtigkeit. Deshalb betont Jesus, dass seine Nachfolger umsichtig sein müssen. Sonst könnten sie ihre Freiheit verlieren und das Predigtwerk nicht weiter fortsetzen. Er erklärt: „Verfolgt man euch in der einen Stadt, dann flieht in eine andere. Ihr werdet nämlich auf keinen Fall mit allen Städten Israels fertig sein, bis der Menschensohn kommt. Das versichere ich euch“ (Matthäus 10:23).

      Jesus hat für seine 12 Apostel wirklich wertvolle Anweisungen, Warnungen und ermunternde Worte! Doch sie gelten auch für diejenigen, die nach Jesu Tod und Auferweckung predigen werden. Das wird durch seine Aussage deutlich, dass seine Nachfolger von „allen Menschen“ gehasst würden, und nicht nur von Menschen, denen die Apostel predigen. Außerdem wird nicht berichtet, dass die Apostel auf ihrer kurzen Predigtreise durch Galiläa vor Statthalter und Könige gebracht oder von Familienangehörigen in den Tod geschickt worden wären.

      Als Jesus seinen Aposteln diese Dinge mit auf den Weg gibt, denkt er ganz klar auch an die Zukunft. Er sagt zum Beispiel, seine Jünger würden auf keinen Fall in allen Städten Israels mit dem Predigen fertig sein, „bis der Menschensohn kommt“. Damit deutet er an, dass das Predigen von Gottes Königreich nicht abgeschlossen sein wird, wenn der verherrlichte König Jesus Christus als Richter Gottes kommt.

      Es sollte die Apostel nicht überraschen, wenn ihnen Widerstand entgegenschlägt, denn Jesus sagt: „Ein Schüler steht nicht über seinem Lehrer und ein Sklave nicht über seinem Herrn.“ Es ist klar, was Jesus sagen will: Er selbst wird schlecht behandelt und verfolgt, weil er Gottes Königreich predigt, und ihnen wird es ebenso ergehen. Doch Jesus stärkt sie: „Habt keine Angst vor denen, die zwar den Körper töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der sowohl Seele als auch Körper in der Gehenna vernichten kann“ (Matthäus 10:24, 28).

      Jesus gab darin das beste Beispiel. Furchtlos ging er lieber in den Tod als in seiner Loyalität gegenüber dem Allmächtigen Zugeständnisse zu machen. Nur Jehova, der allmächtige Gott, ist in der Lage, die Seele eines Menschen (das heißt seine Aussicht auf Leben) zu vernichten oder ihn zu ewigem Leben aufzuerwecken. Dieser Gedanke macht den Aposteln bestimmt Mut!

      Jesus veranschaulicht, wie liebevoll und fürsorglich Gott sich um Jesu Nachfolger kümmert: „Was zahlt man schon für zwei Spatzen? Eine Münze, die kaum etwas wert ist. Trotzdem fällt keiner von ihnen auf den Boden, ohne dass euer Vater es weiß. . . . Deshalb keine Angst: Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm“ (Matthäus 10:29, 31).

      Durch sein Predigen bringt ein Jünger im ersten Jahrhundert eine Familie auseinander

      Die Botschaft, die Jesu Jünger verbreiten, wird Familien auseinanderbringen. Das liegt daran, dass einige die Botschaft annehmen und andere nicht. „Denkt nicht, ich bin gekommen, um der Erde Frieden zu bringen“, erklärt Jesus. Die Wahrheit über Gott anzunehmen erfordert wirklich Mut. „Wer seinen Vater oder seine Mutter mehr liebt als mich, verdient mich nicht“, sagt Jesus, „genauso wenig wie jemand, der seinen Sohn oder seine Tochter lieber hat als mich“ (Matthäus 10:34, 37).

      Es wird aber auch Menschen geben, die seine Jünger freundlich aufnehmen. Jesus sagt: „Wer einem von diesen Kleinen einfach nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wird seine Belohnung auf keinen Fall verlieren. Das versichere ich euch“ (Matthäus 10:42).

      Jesus hat seine Apostel mit den Anweisungen, Warnungen und ermunternden Worten gut ausgerüstet. Nun gehen sie los und ziehen „durch das Gebiet von Dorf zu Dorf“, machen „überall die gute Botschaft bekannt“ und heilen Kranke (Lukas 9:6).

      • Wovor warnt Jesus seine Jünger?

      • Wie ermutigt und tröstet Jesus die Jünger?

      • Warum gelten Jesu Anweisungen auch für uns heute?

  • Mord bei einer Geburtstagsfeier
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • 1. Salome tanzt auf der Geburtstagsfeier von Herodes, 2. Salome bringt Herodias den Kopf von Johannes dem Täufer

      KAPITEL 51

      Mord bei einer Geburtstagsfeier

      MATTHÄUS 14:1-12 MARKUS 6:14-29 LUKAS 9:7-9

      • HERODES LÄSST JOHANNES DEN TÄUFER ENTHAUPTEN

      Während Jesu Apostel in Galiläa predigen, hat derjenige, der Jesus als das Lamm Gottes vorgestellt hat, nicht diese Freiheit. Johannes der Täufer ist nach fast zwei Jahren immer noch im Gefängnis.

      Johannes hat König Herodes Antipas öffentlich angeprangert, weil er Herodias geheiratet hat, die Frau seines Halbbruders Philippus. Dazu hatte er sich von seiner Frau scheiden lassen. Vor dem mosaischen Gesetz, das Herodes vorgibt zu halten, ist diese Heirat ungültig und gilt als Ehebruch. Herodes reagiert auf Johannes’ Kritik damit, dass er ihn einsperren lässt — vielleicht nachdem Herodias ihn dazu gedrängt hat.

      Herodes weiß allerdings nicht, was er nun mit Johannes machen soll, denn die Leute halten „ihn für einen Propheten“ (Matthäus 14:5). Doch Herodias ist nicht so unentschlossen. Sie trägt Johannes seine Kritik immer noch nach und sucht nach einer Gelegenheit, ihn töten zu lassen (Markus 6:19). Und schließlich ist es so weit.

      Kurz vor dem Passah 32 hat Herodes Geburtstag und veranstaltet ein großes Fest. Alle seine hochrangigen Beamten und Offiziere sowie die angesehensten Bürger von Galiläa sind eingeladen. Salome, Herodias’ Tochter aus erster Ehe, kommt herein und tanzt vor den Gästen. Die Männer sind von ihrem Tanz begeistert!

      Herodes ist begeistert, als Salome auf seiner Geburtstagsfeier tanzt

      Herodes ist von seiner Stieftochter so angetan, dass er sie auffordert: „Wünsch dir, was immer du willst, ich gebe es dir.“ Er schwört sogar: „Was immer du dir wünschst, ich werde es dir geben — bis zur Hälfte meines Königreiches!“ Doch bevor Salome antwortet, geht sie zu ihrer Mutter und fragt: „Was soll ich mir wünschen?“ (Markus 6:22-24).

      Das ist die Gelegenheit, auf die Herodias gewartet hat! „Den Kopf von Johannes dem Täufer“, antwortet sie ohne zu zögern. Sofort läuft Salome zurück zu Herodes und teilt ihm ihren Wunsch mit: „Ich möchte, dass du mir jetzt gleich auf einer Platte den Kopf von Johannes dem Täufer gibst“ (Markus 6:24, 25).

      Herodes ist bestürzt. Aber er weiß auch, dass seine Gäste seinen Schwur gehört haben. Es ist ihm peinlich, Salomes Wunsch nicht zu erfüllen, selbst wenn dafür ein Unschuldiger sein Leben verliert. Daher schickt er einen Leibwächter mit dem grausigen Auftrag ins Gefängnis. Schon bald kommt dieser zurück, den Kopf von Johannes auf einer Platte. Er überreicht ihn Salome, die ihn zu ihrer Mutter bringt.

      Als die Jünger von Johannes davon erfahren, holen sie den Leichnam und begraben ihn. Dann erzählen sie Jesus, was passiert ist.

      Später hört Herodes, dass Jesus Menschen heilt und Dämonen austreibt. Das beunruhigt ihn sehr, denn er fragt sich, ob es sich bei dem Mann, der diese Wunder vollbringt, nicht in Wirklichkeit um Johannes den Täufer handelt, der „von den Toten auferweckt worden“ ist (Lukas 9:7). Darum will Herodes Jesus unbedingt sehen — aber sicher nicht, um ihn lehren zu hören, sondern weil er wissen möchte, ob seine Befürchtung begründet ist.

      • Warum ist Johannes der Täufer im Gefängnis?

      • Wie gelingt es Herodias, Johannes hinrichten zu lassen?

      • Wieso will Herodes Antipas nach Johannes’ Tod Jesus sehen?

  • Jesus versorgt Tausende durch ein Wunder
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus teilt fünf Brote und zwei Fische und gibt sie seinen Jüngern, damit diese sie an die Leute verteilen

      KAPITEL 52

      Jesus versorgt Tausende durch ein Wunder

      MATTHÄUS 14:13-21 MARKUS 6:30-44 LUKAS 9:10-17 JOHANNES 6:1-13

      • JESUS GIBT 5 000 MÄNNERN ETWAS ZU ESSEN

      Die 12 Apostel kommen von ihrer Predigtreise durch Galiläa zurück und erzählen Jesus nun „alles, was sie getan und gelehrt“ haben. Verständlicherweise sind sie ziemlich erschöpft. Doch es kommen und gehen so viele Leute, dass sie nicht einmal Zeit haben, etwas zu essen. Da sagt Jesus zu ihnen: „Kommt mit, ihr allein, an einen einsamen Ort und ruht euch ein bisschen aus“ (Markus 6:30, 31).

      Vermutlich bei Kapernaum steigen sie in ein Boot und fahren an eine abgelegene Stelle östlich des Jordan, jenseits von Bethsaida. Viele Leute haben allerdings mitbekommen, dass sie weggefahren sind. Sie laufen am Ufer entlang und sind schon da, als das Boot anlegt.

      Als Jesus die vielen Menschen sieht, empfindet er tiefes Mitgefühl, denn sie sind wie Schafe ohne einen Hirten. Deshalb erzählt er ihnen viel über das Königreich und heilt die Kranken (Markus 6:34; Lukas 9:11). Gegen Abend sagen die Apostel zu ihm: „Dieser Ort ist abgelegen und es ist schon spät. Schick die Leute doch weg, damit sie sich in den Dörfern etwas zu essen kaufen können“ (Matthäus 14:15).

      Jesus erwidert: „Sie brauchen nicht wegzugehen — gebt ihr ihnen etwas zu essen“ (Matthäus 14:16). Er weiß zwar schon, was er tun will, aber trotzdem stellt er Philippus auf die Probe und fragt: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit die Leute etwas zu essen haben?“ Da Philippus aus dem nahe gelegenen Bethsaida kommt, könnte er das wissen. Es sind allerdings etwa 5 000 Männer. Und rechnet man die Frauen und Kinder mit, sind es wahrscheinlich über 10 000 Personen! Daher antwortet Philippus: „Selbst wenn wir für 200 Denare Brot kaufen, könnten wir nicht mal jedem ein kleines Stück geben [ein Denar entspricht einem Tageslohn]“ (Johannes 6:5-7).

      Jesus spricht mit einem kleinen Jungen, der fünf Brote und zwei kleine Fische hat

      Vielleicht um zu zeigen, dass es unmöglich ist, so vielen etwas zu essen zu geben, sagt Andreas: „Der kleine Junge hier hat fünf Gerstenbrote und zwei kleine Fische. Doch was ist das schon bei so vielen Leuten?“ (Johannes 6:9).

      Es ist gerade Frühling, kurz vor dem Passahfest 32, und die Hügel sind von grünem Gras bedeckt. Jesus weist seine Jünger an, dafür zu sorgen, dass sich die Leute in Gruppen von je 50 und 100 ins Gras setzen. Er nimmt die fünf Brote und zwei Fische und spricht ein Dankgebet. Dann bricht er die Brote und zerteilt die Fische und reicht sie seinen Jüngern. Diese verteilen sie weiter und es werden tatsächlich alle satt!

      Später sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Stücke ein, damit nichts verschwendet wird“ (Johannes 6:12). Am Ende füllen sie mit den Resten 12 Körbe!

      • Warum will Jesus mit seinen Aposteln an einen abgelegenen Ort fahren?

      • Wohin fährt Jesus mit den Aposteln, und was geschieht dort?

      • Wozu fordern die Apostel Jesus auf? Und wie sorgt er für die Menschen?

  • Ein König, der Macht über die Elemente hat
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Petrus geht auf dem Wasser, aber dann beginnt er zu sinken; Jesus streckt seine Hand aus und packt ihn

      KAPITEL 53

      Ein König, der Macht über die Elemente hat

      MATTHÄUS 14:22-36 MARKUS 6:45-56 JOHANNES 6:14-25

      • DIE LEUTE WOLLEN JESUS ZUM KÖNIG MACHEN

      • JESUS GEHT AUF DEM WASSER UND BERUHIGT EINEN STURM

      Jesus hat durch ein Wunder Tausende mit Essen versorgt. Das hat auf die Leute großen Eindruck gemacht. Sie kommen zu dem Schluss, dass Jesus der Messias sein muss, „der Prophet, der in die Welt kommen sollte“. Er wäre der perfekte Herrscher (Johannes 6:14; 5. Mose 18:18). Deshalb haben sie vor, ihn mit Gewalt zum König zu machen.

      Jesus weiß allerdings, was sie im Schilde führen, und schickt sie weg. Seinen Aposteln sagt er, sie sollen ins Boot steigen und Richtung Bethsaida nach Kapernaum fahren. Dann zieht er sich auf den Berg zurück, um dort die Nacht über in Ruhe zu beten.

      In den frühen Morgenstunden bricht auf dem See ein Sturm los und peitscht die Wellen auf. Jesus sieht im Mondlicht, wie sich die Apostel in einiger Entfernung „wegen des Gegenwinds beim Rudern“ abmühen (Markus 6:48). Darauf steigt er den Berg hinab und läuft über das Wasser auf sie zu. Mittlerweile sind sie „etwa fünf oder sechs Kilometer gerudert“ (Johannes 6:19). Als er scheinbar an ihnen vorbeigeht, entdecken ihn die Apostel und schreien vor Angst: „Das ist eine Erscheinung!“ (Markus 6:49).

      Doch Jesus beruhigt sie: „Nur Mut, ich bin’s! Habt keine Angst.“ Da ruft Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann lass mich auf dem Wasser zu dir kommen.“ Jesus antwortet: „Komm!“ Darauf steigt Petrus aus dem Boot und geht Jesus auf dem Wasser entgegen. Doch dann blickt er auf den Sturm und bekommt Angst. Er fängt an zu sinken und schreit: „Herr, rette mich!“ Sofort streckt Jesus die Hand aus, packt ihn und sagt: „Hast du so wenig Glauben? Warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14:27-31).

      Nachdem sie ins Boot gestiegen sind, legt sich der Sturm. Die Apostel staunen nur so. Dabei hat Jesus erst vor ein paar Stunden durch ein Wunder Tausenden etwas zu essen gegeben! Wenn die Apostel verstanden hätten, „was das mit den Broten bedeutete“, würden sie sich jetzt nicht darüber wundern, dass Jesus auf dem Wasser gehen und den Sturm beruhigen kann. Sie verbeugen sich vor ihm und sagen: „Du bist wirklich Gottes Sohn“ (Markus 6:52; Matthäus 14:33).

      Bald danach erreichen sie die schöne, fruchtbare Ebene Genezareth südlich von Kapernaum. Sie werfen den Anker und gehen an Land. Jesus wird sofort erkannt und die Leute bringen die Kranken aus der Umgebung zu ihm. Diese brauchen nur die Fransen an seinem Obergewand zu berühren und werden völlig gesund.

      In der Zwischenzeit merken die Menschen, denen Jesus durch ein Wunder zu essen gegeben hat, dass er nicht mehr da ist. Als dann Boote aus Tiberias eintreffen, fahren sie nach Kapernaum, um Jesus zu suchen. Als sie ihn finden, fragen sie ihn: „Rabbi, wann bist du hierhergekommen?“ (Johannes 6:25). Da weist Jesus sie zurecht — und das aus gutem Grund, wie wir noch sehen werden.

      • Was haben die Menschen mit Jesus vor, nachdem er sie mit Essen versorgt hat?

      • Warum hätten sich die Apostel nicht zu wundern brauchen, dass Jesus auf dem Wasser gehen und den Sturm beruhigen kann?

      • Was geschieht, als Jesus in der Nähe von Kapernaum an Land geht?

  • Jesus — „das Brot des Lebens“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Männer sammeln Manna; Frauen mahlen es und backen daraus runde Brotlaibe

      KAPITEL 54

      Jesus — „das Brot des Lebens“

      JOHANNES 6:25-48

      • JESUS IST „DAS BROT VOM HIMMEL“

      Am Ostufer des Sees von Galiläa hat Jesus Tausenden durch ein Wunder zu essen gegeben. Als sie ihn daraufhin zum König machen wollten, zog er sich zurück. In der Nacht lief er über den stürmischen See und Petrus kam ihm auf dem Wasser entgegen. Allerdings zweifelte dieser plötzlich, begann zu sinken und Jesus rettete ihn. Dann beruhigte Jesus den Sturm und bewahrte das Boot mit seinen Jüngern so möglicherweise vor dem Kentern.

      Jetzt ist Jesus wieder am Westufer in der Gegend von Kapernaum. Die Leute, die er mit Essen versorgt hat, sind ihm gefolgt und fragen: „Rabbi, wann bist du hierhergekommen?“ Da weist Jesus sie zurecht, weil sie hoffen, wieder etwas zu essen zu bekommen, und deshalb nach ihm gesucht haben. Er fordert sie auf: „Bemüht euch nicht um die Nahrung, die vergänglich ist, sondern um die unvergängliche Nahrung, die zu ewigem Leben führt.“ Darauf fragen sie: „Wie können wir tun, was Gott will?“ (Johannes 6:25-28).

      Wahrscheinlich denken sie an Dinge, die das Gesetz vorschreibt. Doch Jesus betont, worauf es wirklich ankommt: „Gott will, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Obwohl Jesus bereits so viele Wunder gewirkt hat, ist bei den Leuten aber kein solcher Glaube zu erkennen. Stattdessen verlangen sie ein Zeichen, um an ihn glauben zu können, und fragen: „Was wirst du tun? Unsere Vorfahren haben in der Wildnis das Manna gegessen, so wie es in den Schriften steht: ‚Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen‘ “ (Johannes 6:29-31; Psalm 78:24).

      Da weist Jesus sie darauf hin, wer in Wirklichkeit auf wundersame Weise für die Menschen sorgen kann: „Eins steht fest: Nicht Moses hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.“ Sie verstehen nicht, was er damit sagen will, und bitten: „Herr, gib uns immer dieses Brot“ (Johannes 6:32-34). Aber von welchem Brot spricht Jesus?

      Er erklärt: „Ich bin das Brot des Lebens . . . Wer zu mir kommt, wird überhaupt nicht hungrig werden, und wer an mich glaubt, wird überhaupt nie durstig werden. Aber wie gesagt, ihr habt mich sogar gesehen und glaubt trotzdem nicht. . . . ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um zu tun, was ich selbst will, sondern was der will, der mich gesandt hat. Das ist der Wille dessen, der mich gesandt hat: dass ich von all denen, die er mir gegeben hat, keinen verliere, sondern dass ich sie am letzten Tag auferwecke. Denn der Wille meines Vaters ist, dass jeder, der den Sohn anerkennt und an ihn glaubt, ewiges Leben hat“ (Johannes 6:35-40).

      Seine Worte sorgen für große Aufregung unter den Juden. Wie kann er nur behaupten, das Brot zu sein, „das vom Himmel herabgekommen ist“? (Johannes 6:41). Für sie ist er nichts weiter als ein Sohn von Galiläern aus Nazareth. Sie fragen: „Ist das nicht Jesus, der Sohn von Joseph? Wir kennen doch seinen Vater und seine Mutter!“ (Johannes 6:42).

      Da sagt Jesus: „Hört auf, herumzukritisieren! Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater, der mich gesandt hat, zieht ihn, und ich werde ihn am letzten Tag auferwecken. In den Schriften der Propheten steht: ‚Sie werden alle von Jehova geschult werden.‘ Jeder, der dem Vater zugehört und von ihm gelernt hat, kommt zu mir. Nicht dass jemand den Vater gesehen hat, außer dem, der von Gott kommt — er hat den Vater gesehen. Eins steht fest: Wer glaubt, hat ewiges Leben“ (Johannes 6:43-47; Jesaja 54:13).

      Schon bei dem Gespräch mit Nikodemus hat Jesus das ewige Leben mit dem Glauben an den Menschensohn verknüpft. Er sprach davon, dass „jeder, der an . . . [Gottes einziggezeugten Sohn] glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3:15, 16). Jetzt betont Jesus vor einer größeren Zuhörerschaft, dass sie nur durch ihn ewiges Leben bekommen können. Dazu kann ihnen weder das Manna verhelfen noch das Brot, das man in Galiläa isst. Wie kann man also ewiges Leben erlangen? Jesus wiederholt seine Aussage: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6:48).

      Doch die Diskussion über das Brot vom Himmel geht weiter und erreicht ihren Höhepunkt, als Jesus in einer Synagoge in Kapernaum lehrt.

      • Warum ist es unangebracht, dass die Leute von Jesus ein Zeichen verlangen?

      • Wie reagieren die Juden, als Jesus sich als das wahre „Brot vom Himmel“ bezeichnet?

      • Warum ist das Brot, von dem Jesus spricht, dem Manna und dem buchstäblichen Brot überlegen?

  • Viele sind über Jesu Worte schockiert
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus spricht mit seinen 12 Aposteln, während Judas zweifelnd wegsieht; andere Jünger kritisieren Jesu Worte und verlassen ihn

      KAPITEL 55

      Viele sind über Jesu Worte schockiert

      JOHANNES 6:48-71

      • WAS ES BEDEUTET, JESU FLEISCH ZU ESSEN UND SEIN BLUT ZU TRINKEN

      • VIELE NEHMEN ANSTOSS AN JESUS UND FOLGEN IHM NICHT MEHR NACH

      Jesus lehrt in einer Synagoge in Kapernaum, dass er das wahre Brot vom Himmel ist. Was er sagt, ergänzt das, was er schon zu den Leuten gesagt hat, die ihm von der Ostseite des Sees von Galiläa gefolgt sind und von den Broten und Fischen gegessen haben.

      Nun greift Jesus das Thema wieder auf und sagt: „Eure Vorfahren haben in der Wildnis das Manna gegessen und doch sind sie gestorben.“ Jesus dagegen ist „das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“. Er erklärt: „Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er für immer leben. Und in der Tat, das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich für das Leben der Welt opfern werde“ (Johannes 6:48-51).

      Im Frühling des Jahres 30 hat Jesus Nikodemus erklärt, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn als Retter gegeben hat. Nun hebt Jesus hervor, wie wichtig es ist, von seinem Fleisch zu essen, indem man an das Opfer glaubt, das er bringen wird. Nur so ist es möglich, ewiges Leben zu bekommen.

      Die Menschen nehmen jedoch Anstoß an Jesu Worten. „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“, fragen sie (Johannes 6:52). Jesus will ihnen jedoch begreiflich machen, dass er das nicht buchstäblich meint, und ergänzt deshalb:

      „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer sich von meinem Fleisch ernährt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben . . . Mein Fleisch ist nämlich die wahre Nahrung und mein Blut das wahre Getränk. Wer sich von meinem Fleisch ernährt und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm“ (Johannes 6:53-56).

      Das muss für seine jüdischen Zuhörer sehr anstößig klingen! Wahrscheinlich denken sie, Jesus würde zum Kannibalismus auffordern oder dazu, Gottes Gesetz über das Blut zu übertreten (1. Mose 9:4; 3. Mose 17:10, 11). Aber natürlich meint Jesus nicht, man solle buchstäblich sein Fleisch essen oder sein Blut trinken. Er spricht davon, dass er bald seinen vollkommenen menschlichen Körper opfern und sein Blut vergießen wird. Und nur, wer an sein Opfer glaubt, wird ewiges Leben haben. Doch auch etliche seiner Jünger verstehen nicht, was er sagen möchte. Wie reagieren sie? „Was er sagt, ist schockierend! Das kann sich doch keiner anhören!“ (Johannes 6:60).

      Jesus merkt, dass viele seiner Jünger seine Worte kritisieren, und fragt sie: „Nehmt ihr daran Anstoß? Was ist dann erst, wenn ihr den Menschensohn dorthin auffahren seht, wo er vorher war? . . . Meine Worte, die ich an euch gerichtet habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt einige unter euch, die nicht glauben.“ Darauf hören viele seiner Jünger auf, ihm nachzufolgen (Johannes 6:61-64).

      Da fragt Jesus die Zwölf: „Wollt ihr etwa auch weggehen?“ Petrus antwortet: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir glauben und wissen, dass du der Heilige Gottes bist“ (Johannes 6:67-69). Was für eine Loyalität — zumal Petrus und die anderen Apostel auch noch nicht völlig verstehen, was Jesus gemeint hat!

      Jesus freut sich sehr über die Reaktion von Petrus. Dennoch bemerkt er: „Habe ich nicht euch zwölf ausgesucht? Einer von euch ist jedoch ein Verleumder“ (Johannes 6:70). Er meint damit Judas Iskariot. Wahrscheinlich weiß Jesus ab diesem Zeitpunkt, dass Judas dabei ist, einen falschen Weg einzuschlagen.

      Trotzdem macht es Jesus bestimmt sehr zufrieden zu beobachten, dass sich Petrus und die anderen Apostel nicht davon abbringen lassen, ihm zu folgen und sein lebensrettendes Werk zu unterstützen.

      • In welcher Hinsicht gibt Jesus sein Fleisch für die Menschen, und wie können sie von seinem Fleisch „essen“?

      • Warum sind die Menschen über das schockiert, was Jesus über sein Fleisch und sein Blut sagt? Und was möchte er eigentlich sagen?

      • Wie reagiert Petrus, als viele Jesus nicht mehr nachfolgen?

  • Was einen Menschen verunreinigt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Pharisäer wäscht sich die Hände bis hoch zu den Ellbogen und sieht dabei kritisch zu einem Mann, der schon isst

      KAPITEL 56

      Was einen Menschen verunreinigt

      MATTHÄUS 15:1-20 MARKUS 7:1-23 JOHANNES 7:1

      • JESUS PRANGERT MENSCHENGEMACHTE TRADITIONEN AN

      Vor dem Passah 32 ist Jesus in Galiläa unterwegs und predigt. Wahrscheinlich geht er dann nach Jerusalem zum Passahfest, wie es Gottes Gesetz verlangt — aber vorsichtig, da man in Judäa darauf aus ist, ihn zu töten (Johannes 7:1). Nach dem Fest kehrt er nach Galiläa zurück.

      Vermutlich hält er sich gerade in Kapernaum auf, als Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu ihm kommen. Warum haben sie diese Reise auf sich genommen? Sie suchen nach einem Vorwand, um Jesus eines religiösen Vergehens zu überführen. Daher fragen sie ihn: „Wieso verstoßen deine Jünger gegen die Traditionen der Männer aus alter Zeit? Zum Beispiel waschen sie sich vor dem Essen nicht die Hände“ (Matthäus 15:2). Gott hat von seinem Volk nie verlangt, „sich die Hände bis zum Ellbogen“ zu waschen (Markus 7:3). Doch für die Pharisäer ist es ein ernstes Vergehen, sich nicht an dieses Ritual zu halten.

      Statt auf ihre Anschuldigung einzugehen, weist Jesus darauf hin, dass sie selbst Gottes Gesetz vorsätzlich missachten. „Und wieso verstoßt ihr wegen eurer Traditionen gegen das Gebot Gottes?“, fragt er sie. „Gott hat zum Beispiel gesagt: ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter‘, und: ‚Wer seinen Vater oder seine Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.‘ Aber ihr sagt: ‚Wenn jemand zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: „Alles, womit ich dich unterstützen könnte, ist eine Gott geweihte Gabe“, dann braucht er seinen Vater gar nicht zu ehren‘ “ (Matthäus 15:3-6; 2. Mose 20:12; 21:17).

      Die Pharisäer behaupten, Geld, Besitz und alles andere, was man Gott als Gabe weiht, gehöre dem Tempel. Es könne daher für nichts anderes verwendet werden. Die Gabe bleibt jedoch im Besitz der Person. Zum Beispiel kann ein Sohn erklären, sein Geld oder sein Besitz sei „Korban“, also eine Gott oder dem Tempel geweihte Gabe. Damit sagt er, der Tempel habe nun Vorrang vor den Eltern und er könne seine betagten oder bedürftigen Eltern nicht mehr unterstützen. Für sich selbst kann er die Gabe allerdings nach wie vor verwenden. So umgeht er seine Verpflichtung seinen Eltern gegenüber (Markus 7:11).

      Jesus ärgert sich zu Recht darüber, dass Gottes Gesetz so verdreht wird, und sagt: „So habt ihr Gottes Wort durch eure Tradition außer Kraft gesetzt. Ihr Heuchler, wie recht Jesaja doch hatte, als er über euch prophezeite: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit entfernt von mir. Ihre Anbetung ist sinnlos, weil sich ihre Lehren auf Regeln von Menschen stützen.‘ “ Auf diese strenge Kritik wissen die Pharisäer nichts zu erwidern. Darauf ruft Jesus die Leute zu sich und sagt: „Hört zu und erfasst die Bedeutung: Nicht das, was in den Mund hineinkommt, verunreinigt einen Menschen, sondern das, was aus dem Mund herauskommt“ (Matthäus 15:6-11; Jesaja 29:13).

      Als Jesus später in einem Haus ist, sagen die Jünger zu ihm: „Weißt du, dass die Pharisäer an dem, was du gesagt hast, Anstoß genommen haben?“ Er antwortet: „Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen. Lasst sie. Das sind blinde Führer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, dann fallen beide in eine Grube“ (Matthäus 15:12-14).

      Darauf bittet Petrus ihn stellvertretend für die Jünger, ihnen zu erklären, was genau einen Menschen verunreinigt. Anscheinend verwundert antwortet Jesus: „Ist euch nicht klar, dass alles, was in den Mund kommt, durch den Magen geht und dann ins Abwasser gelangt? Was dagegen aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und das verunreinigt einen Menschen. Zum Beispiel kommen aus dem Herzen böse Überlegungen, Morde, Ehebrüche, sexuelle Unmoral, Diebstähle, falsche Zeugenaussagen und Gotteslästerungen. All das verunreinigt einen Menschen. Aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt ihn nicht“ (Matthäus 15:17-20).

      Jesus spricht sich hier nicht gegen eine normale Hygiene aus, als ob man sich vor dem Kochen oder Essen nicht die Hände waschen bräuchte. Er verurteilt vielmehr die Heuchelei der religiösen Führer. Sie versuchen nämlich, Gottes gerechte Gesetze zu umgehen, indem sie sich auf Traditionen von Menschen stützen. Was einen Menschen verunreinigt, sind also die bösen Taten, die aus dem Herzen kommen.

      • Welche Anschuldigung erheben die Pharisäer und die Schriftgelehrten?

      • Wie weist Jesus darauf hin, dass die Pharisäer Gottes Gesetz vorsätzlich missachten?

      • Was verunreinigt einen Menschen in Wirklichkeit?

  • Jesus heilt ein Mädchen und einen Gehörlosen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine phönizische Frau bittet Jesus um Hilfe; Jesus legt seine Finger in die Ohren eines Gehörlosen

      KAPITEL 57

      Jesus heilt ein Mädchen und einen Gehörlosen

      MATTHÄUS 15:21-31 MARKUS 7:24-37

      • JESUS HEILT DIE TOCHTER EINER PHÖNIZISCHEN FRAU

      • ER HEILT EINEN GEHÖRLOSEN, SPRACHBEHINDERTEN MANN

      Nachdem Jesus die selbstsüchtigen Traditionen der Pharisäer angeprangert hat, reist er mit seinen Jüngern viele Kilometer nordwestwärts nach Phönizien in die Gegend von Tyrus und Sidon.

      Jesus findet ein Haus, wo er bleiben kann. Er möchte allerdings verhindern, dass sein Aufenthalt bekannt wird. Doch auch hier gelingt das nicht. Eine Frau griechischer Abstammung, die in dieser Gegend geboren wurde, kommt zu ihm und bittet: „Herr, hab Erbarmen mit mir, Sohn Davids! Meine Tochter ist ganz schlimm von einem Dämon besessen“ (Matthäus 15:22; Markus 7:26).

      Doch Jesus reagiert nicht. Nach einer Weile drängen Jesu Jünger ihn: „Schick sie weg, sie schreit die ganze Zeit hinter uns her!“ Da erklärt Jesus, warum er sie nicht beachtet: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen Israels geschickt worden.“ Aber die Frau gibt nicht auf. Sie fällt vor Jesus auf die Knie und fleht: „Herr, hilf mir!“ (Matthäus 15:23-25).

      Wahrscheinlich möchte Jesus herausfinden, wie groß ihr Glaube ist. Deshalb spielt er auf das negative Bild an, das die Juden von anderen Völkern haben, und sagt: „Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den kleinen Hunden hinzuwerfen“ (Matthäus 15:26). Jesus bezeichnet die Nichtjuden hier allerdings als „kleine Hunde“ und zeigt so, dass er ihnen eigentlich zugeneigt ist. Das drückt er bestimmt auch durch seinen Gesichtsausdruck und seinen Tonfall aus.

      Statt sich durch die jüdischen Vorurteile angegriffen zu fühlen, greift die Frau die Anspielung auf und gibt demütig zu bedenken: „Ja, Herr, aber die kleinen Hunde essen doch auch die Krümel, die vom Tisch ihres Herrn fallen.“ Da erkennt er, wie gut ihr Herz ist, und sagt: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du dir wünschst, soll geschehen“ (Matthäus 15:27, 28). Und genauso kommt es — und das, obwohl ihre Tochter gar nicht in der Nähe ist. Als sie nach Hause kommt, liegt das Mädchen völlig gesund im Bett und der Dämon ist verschwunden (Markus 7:30).

      Von Phönizien aus gehen Jesus und seine Jünger quer durch das Land Richtung oberer Jordan. Offensichtlich überqueren sie den Fluss irgendwo nördlich vom See von Galiläa und gehen in die Gegend der Dekapolis. Dort ziehen sie sich auf einen Berg zurück. Aber sie bleiben nicht unentdeckt. Sehr viele Leute kommen und bringen Lahme, Verkrüppelte, Blinde und Stumme. Sie legen sie Jesus zu Füßen und er heilt sie alle. Darüber staunt die Menschenmenge nur so und verherrlicht den Gott Israels.

      Besondere Aufmerksamkeit schenkt Jesus einem Gehörlosen, der kaum sprechen kann. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie nervös dieser Mann inmitten so vieler Menschen sein muss. Wahrscheinlich bemerkt Jesus das und führt ihn aus der Menge hinaus. Als sie dann allein sind, gibt Jesus dem Mann zu verstehen, was er für ihn tun möchte. Er legt seine Finger in dessen Ohren, spuckt und berührt dann dessen Zunge. Dann schaut er zum Himmel und sagt: „Ephphatha“, was „Öffne dich“ bedeutet. Da kann der Mann plötzlich hören und ganz normal reden. Jesus möchte jedoch nicht, dass das die Runde macht. Ihm ist es lieber, wenn die Leute aufgrund dessen, was sie selbst sehen und hören, an ihn glauben (Markus 7:32-36).

      Jesu Macht, solche Heilungen zu vollbringen, hinterlässt bei den Menschen einen tiefen Eindruck und sie kommen „aus dem Staunen nicht mehr heraus“. Sie sagen: „Alles, was er getan hat, ist gut. Er schafft es sogar, dass Gehörlose hören und Stumme sprechen“ (Markus 7:37).

      • Warum heilt Jesus die Tochter der phönizischen Frau nicht sofort?

      • Wohin gehen Jesus und seine Jünger, als sie Phönizien verlassen?

      • Wie zeigt Jesus Feingefühl, als er einen gehörlosen und sprachbehinderten Mann heilt?

  • Jesus vermehrt Brote und warnt vor Sauerteig
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und einige Jünger in einem Boot

      KAPITEL 58

      Jesus vermehrt Brote und warnt vor Sauerteig

      MATTHÄUS 15:32 BIS 16:12 MARKUS 8:1-21

      • JESUS GIBT 4 000 MÄNNERN ETWAS ZU ESSEN

      • ER WARNT VOR DEM SAUERTEIG DER PHARISÄER

      Große Menschenmengen sind zu Jesus in die Dekapolis auf der Ostseite des Sees von Galiläa gereist. Sie sind gekommen, um ihn zu hören und von ihm geheilt zu werden. Und sie haben große Körbe mit Proviant dabei.

      Nach einiger Zeit sagt Jesus jedoch zu seinen Jüngern: „Die Leute tun mir leid. Sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, verlassen sie unterwegs die Kräfte. Einige von ihnen sind von weit her.“ Da fragen die Jünger: „Wie soll man denn an diesem abgelegenen Ort genug Brot besorgen, um die Leute satt zu bekommen?“ (Markus 8:2-4).

      Ein Mann hält einen Korb, während Jesus ein Brot bricht

      „Wie viele Brote habt ihr?“, will Jesus wissen. „Sieben und ein paar kleine Fische“, antworten die Jünger (Matthäus 15:34). Daraufhin bittet Jesus die Menschen, sich zu setzen. Er nimmt die Brote und Fische, betet zu Gott und gibt sie seinen Jüngern, damit sie sie verteilen. Obwohl etwa 4 000 Männer sowie Frauen und Kinder essen, werden erstaunlicherweise alle satt! Es bleibt sogar noch so viel übrig, dass die Jünger sieben große Proviantkörbe füllen können.

      Nachdem Jesus die vielen Menschen weggeschickt hat, besteigen er und seine Jünger ein Boot und fahren hinüber nach Magadan ans Westufer des Sees von Galiläa. Hier versuchen Pharisäer und einige von der Sekte der Sadduzäer, Jesus auf die Probe zu stellen, und verlangen von ihm ein Zeichen vom Himmel.

      Jesus durchschaut sie aber und antwortet: „Wenn der Abend anbricht, sagt ihr: ‚Es gibt schönes Wetter, denn der Himmel ist feuerrot‘, und am Morgen: ‚Heute gibt es winterliches, regnerisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot, aber düster.‘ Das Aussehen des Himmels könnt ihr deuten, aber nicht die Zeichen der Zeit“ (Matthäus 16:2, 3). Dann lässt Jesus die Pharisäer und Sadduzäer wissen, dass sie kein Zeichen sehen werden außer dem Zeichen Jonas.

      Danach nehmen Jesus und seine Jünger wieder ein Boot und fahren hinüber nach Bethsaida am Nordostufer des Sees. Unterwegs fällt den Jüngern auf, dass sie vergessen haben, genug Brot mitzunehmen. Sie haben nur einen Laib dabei. Jesus sagt nun: „Haltet die Augen offen und nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig von Herodes in Acht.“ Er hat seine kürzliche Begegnung mit den Pharisäern und den Sadduzäern im Sinn, die Anhänger von Herodes sind. Doch seine Jünger denken irrtümlicherweise, Jesus spiele darauf an, dass sie das Brot vergessen haben. Jesus merkt das und sagt: „Warum diskutiert ihr darüber, dass ihr kein Brot habt?“ (Markus 8:15-17).

      Erst vor Kurzem hat Jesus Tausende mit Brot versorgt. Seine Jünger sollten also wissen, dass er sich darum keine Sorgen macht. Er fragt: „Wisst ihr nicht mehr, wie viele Körbe voll Stücke ihr eingesammelt habt, als ich die fünf Brote für die 5 000 Mann brach?“ „Zwölf“, antworten sie. „Und als ich die sieben Brote für die 4 000 Mann brach, wie viele große Körbe voll Stücke habt ihr da aufgesammelt?“ Sie sagen: „Sieben“ (Markus 8:18-20).

      Darauf fragt Jesus: „Wieso merkt ihr nicht, dass ich kein Brot meine, sondern euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer warne?“ (Matthäus 16:11).

      Jetzt begreifen die Jünger endlich, worauf Jesus hinauswill. Sauerteig durchsäuert einen Teig und lässt ihn aufgehen. Daher verwendet Jesus ihn als Symbol für Verdorbenheit. So warnt er sie „vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer“ mit ihrem verderblichen Einfluss (Matthäus 16:12).

      • Warum strömen die Menschen zu Jesus?

      • Was denken die Jünger irrtümlicherweise, als Jesus über Sauerteig spricht?

      • Was meint Jesus mit „dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“?

  • Wer der Menschensohn wirklich ist
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Petrus beantwortet in Anwesenheit einiger Apostel eine Frage von Jesus

      KAPITEL 59

      Wer der Menschensohn wirklich ist

      MATTHÄUS 16:13-27 MARKUS 8:22-38 LUKAS 9:18-26

      • JESUS HEILT EINEN BLINDEN

      • PETRUS ERHÄLT DIE SCHLÜSSEL DES KÖNIGREICHES

      • JESUS SAGT SEINEN TOD UND SEINE AUFERSTEHUNG VORAUS

      Als Jesus und seine Jünger in Bethsaida ankommen, bringen die Leute einen Blinden zu ihm, damit er ihn berührt und heilt.

      Jesus nimmt den Blinden an die Hand und führt ihn aus dem Dorf hinaus. Dann spuckt er ihm auf die Augen und fragt: „Siehst du etwas?“ Der Mann antwortet: „Ich sehe Menschen, aber sie sehen aus wie umherlaufende Bäume“ (Markus 8:23, 24). Darauf legt Jesus seine Hände auf die Augen des Mannes und stellt sein Augenlicht wieder völlig her. Dann schickt Jesus ihn nach Hause, weist ihn aber an, nicht in das Dorf zu gehen.

      Anschließend machen sich Jesus und seine Jünger auf den Weg in die Gegend von Cäsarea Philippi. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 350 Metern über dem Meeresspiegel. Von dort aus sieht man im Nordosten den schneebedeckten Hermon. Der Aufstieg nach Cäsarea Philippi erstreckt sich über etwa 40 Kilometer und dauert wahrscheinlich ein paar Tage.

      Unterwegs entfernt sich Jesus von der Gruppe, um allein zu sein und zu beten. Bis zu seinem Tod sind es nur noch neun oder zehn Monate, und er macht sich Sorgen um seine Jünger. Viele folgen ihm seit Kurzem nicht mehr nach, und andere sind offensichtlich enttäuscht oder verunsichert. Womöglich fragen sie sich, warum er sich nicht zum König machen lassen wollte und weshalb er nicht ein für alle Mal durch ein Zeichen beweist, wer er wirklich ist.

      Als die Apostel zu ihm kommen, fragt er sie: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Sie antworten: „Einige sagen: Johannes der Täufer, andere: Elia, noch andere: Jeremia oder ein anderer Prophet.“ Die Leute meinen, einer dieser Männer sei von den Toten auferstanden. Um herauszufinden, was seine Apostel denken, fragt er: „Und ihr, für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet sofort: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16:13-16).

      Da erklärt ihm Jesus, dass er sich freuen kann, weil Gott ihm das offenbart hat, und fügt hinzu: „Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen, und die Tore des Grabes werden sie nicht überwältigen.“ Damit meint Jesus, dass er selbst eine Versammlung bauen wird. Nicht einmal das Grab kann ihre Mitglieder gefangen halten, wenn sie ihr Leben auf der Erde in Treue beenden. Jesus verspricht Petrus: „Ich werde dir die Schlüssel des Königreiches des Himmels geben“ (Matthäus 16:18, 19).

      Damit erhält Petrus keine Vorrangstellung unter den Aposteln, noch macht Jesus ihn zur Grundlage der Versammlung. Jesus selbst ist der Felsen, auf dem er seine Versammlung bauen wird (1. Korinther 3:11; Epheser 2:20). Petrus wird allerdings drei Schlüssel erhalten. Er wird das Vorrecht bekommen, verschiedenen Gruppen die Möglichkeit zu erschließen, in das Königreich des Himmels zu gelangen.

      Den ersten Schlüssel gebraucht Petrus zu Pfingsten 33, als er reuevollen Juden und Proselyten zeigt, wie sie gerettet werden können. Mit dem zweiten Schlüssel eröffnet er gläubigen Samaritern die Möglichkeit, in das Königreich Gottes zu kommen. Im Jahr 36 verwendet er den dritten Schlüssel, um diese Möglichkeit auch unbeschnittenen Nichtjuden zu eröffnen. Die ersten von ihnen sind Kornelius, seine Verwandten sowie seine engen Freunde (Apostelgeschichte 2:37, 38; 8:14-17; 10:44-48).

      Jesus wendet sich von Petrus ab

      Dann sagt Jesus etwas voraus, was seine Apostel beunruhigt. Er spricht davon, dass er in Jerusalem bald vieles erleiden muss und dann getötet wird. Petrus begreift nicht, dass Jesus danach zu Leben im Himmel auferweckt wird. Daher nimmt er ihn zur Seite und macht ihm Vorhaltungen: „Sei nicht so hart zu dir, Herr! Das wird dir ganz bestimmt nicht passieren.“ Doch Jesus wendet sich von ihm ab und sagt: „Geh hinter mich, Satan! Du bist für mich ein Stolperstein, weil du nicht wie Gott denkst, sondern wie Menschen“ (Matthäus 16:22, 23).

      Nun ruft Jesus außer den Aposteln noch andere zu sich und erklärt, dass es nicht leicht sein wird, sein Nachfolger zu sein. Er sagt: „Wer mir nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen, seinen Marterpfahl nehmen und mir ständig folgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, aber wer sein Leben meinetwegen und wegen der guten Botschaft verliert, wird es retten“ (Markus 8:34, 35).

      Wenn Jesu Nachfolger seiner Anerkennung würdig sein wollen, müssen sie also mutig und opferbereit sein. Jesus erklärt: „Wer sich in dieser untreuen und sündigen Generation für mich und meine Worte schämt, für den wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommt“ (Markus 8:38). Wenn Jesus dann kommt, wird er „jedem das geben, was er für sein Verhalten verdient“ (Matthäus 16:27).

      • Was denken manche Leute, wer Jesus ist? Für wen halten ihn seine Apostel?

      • Welche Schlüssel erhält Petrus, und wie soll er sie gebrauchen?

      • Wie weist Jesus Petrus zurecht und warum?

  • Eine Vorschau auf Christi Herrlichkeit
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus wird vor den Augen von Petrus, Jakobus und Johannes verwandelt; zwei Personen, die Moses und Elia darstellen, erscheinen

      KAPITEL 60

      Eine Vorschau auf Christi Herrlichkeit

      MATTHÄUS 16:28 BIS 17:13 MARKUS 9:1-13 LUKAS 9:27-36

      • JESUS WIRD IN EINER VISION VERWANDELT

      • DREI APOSTEL HÖREN GOTTES STIMME

      Während Jesus in der Gegend von Cäsarea Philippi predigt, ungefähr 25 Kilometer vom Hermon entfernt, kündigt er seinen Aposteln etwas Erstaunliches an: „Ich versichere euch: Einige von denen, die hier stehen, werden auf keinen Fall sterben, bevor sie den Menschensohn in seinem Königreich kommen sehen“ (Matthäus 16:28).

      Die Apostel fragen sich bestimmt, wie Jesus das meint. Etwa eine Woche später steigt er dann mit drei seiner Apostel — Petrus, Jakobus und Johannes — auf einen hohen Berg. Wahrscheinlich ist es schon Nacht, denn die drei Apostel sind ziemlich müde. Während Jesus betet, wird er vor ihren Augen verwandelt. Sein Gesicht beginnt wie die Sonne zu leuchten und seine Obergewänder werden strahlend weiß, so glänzend wie Licht.

      Auf einmal erscheinen zwei Männer, die „Moses und Elia“ darstellen. Sie unterhalten sich mit Jesus über seinen baldigen „Weggang“ in Jerusalem (Lukas 9:30, 31). Damit ist offensichtlich Jesu Tod und Auferweckung gemeint, wovon er erst vor Kurzem gesprochen hat (Matthäus 16:21). Diese Unterhaltung beweist, dass sich Jesu erniedrigender Tod im Gegensatz zu den Vorstellungen von Petrus nicht umgehen lässt.

      Die Apostel sind jetzt hellwach und verfolgen verwundert, was sich vor ihren Augen abspielt. Die Vision wirkt so echt, dass sich Petrus ins Geschehen einschaltet und sagt: „Wie gut, dass wir hier sind, Rabbi! Lass uns drei Zelte aufbauen: eins für dich, eins für Moses und eins für Elia“ (Markus 9:5). Möglicherweise will er das Ende der Vision noch etwas hinauszögern.

      Während er noch redet, werden sie plötzlich von einer hellen Wolke eingehüllt und eine Stimme aus der Wolke verkündet: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Hört auf ihn!“ Als die Jünger die Stimme hören, bekommen sie große Angst und werfen sich zu Boden. Da fordert Jesus sie auf: „Steht auf, ihr braucht keine Angst zu haben“ (Matthäus 17:5-7). Als sie sich aufrichten, ist nur noch er da und die Vision ist vorbei. Bei Tagesanbruch steigen sie den Berg wieder hinunter und Jesus weist sie an: „Erzählt niemandem von der Vision, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist“ (Matthäus 17:9).

      Die Apostel haben jedoch eine Frage zu Elia, den sie in der Vision gesehen haben: „Warum sagen denn die Schriftgelehrten, dass zuerst Elia kommen muss?“ Jesus antwortet ihnen: „Elia ist schon gekommen, und sie haben ihn nicht erkannt“ (Matthäus 17:10-12). Er spricht von Johannes dem Täufer, der eine ähnliche Aufgabe hatte wie Elia. Elia hat den Weg für Elisa vorbereitet und Johannes den Weg für den Christus.

      Diese Vision stärkt Jesus und die Apostel enorm! Sie ist eine Vorschau auf die Herrlichkeit, die Christus in seinem Königreich haben wird. Und wie Jesus es den Aposteln versprochen hat, haben sie „den Menschensohn in seinem Königreich kommen sehen“ (Matthäus 16:28). Die Pharisäer wollten von Jesus ein Zeichen, dass er wirklich Gottes auserwählter König ist, aber er hat ihnen keines gegeben. Nur seine vertrautesten Jünger wurden Augenzeugen seiner Herrlichkeit. Sie durften Jesu Verwandlung auf dem Berg beobachten, die die Prophezeiungen über das Königreich bestätigt. Daher konnte Petrus später schreiben, dass die Voraussagen der Propheten für sie noch zuverlässiger geworden sind (2. Petrus 1:16-19).

      • Wie sehen drei Apostel bereits vor ihrem Tod „den Menschensohn in seinem Königreich kommen“?

      • Worüber sprechen Moses und Elia mit Jesus in der Vision?

      • Warum ist die Vision von der Verwandlung eine Kraftquelle für Jesu Nachfolger?

  • Jesus heilt einen besessenen Jungen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Vater bittet Jesus, seinen von einem Dämon besessenen Sohn zu heilen

      KAPITEL 61

      Jesus heilt einen besessenen Jungen

      MATTHÄUS 17:14-20 MARKUS 9:14-29 LUKAS 9:37-43

      • UM EINEN BESESSENEN JUNGEN ZU HEILEN, IST STARKER GLAUBE NÖTIG

      Als Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes den Berg herunterkommen, sehen sie eine große Menschenmenge, die um die anderen Jünger herumsteht. Doch etwas stimmt nicht. In der Menge sind auch Schriftgelehrte, die mit den Jüngern streiten. Die Leute sind überrascht, als sie Jesus entdecken, und rennen zu ihm, um ihn zu begrüßen. Da fragt Jesus: „Worüber streitet ihr mit ihnen?“ (Markus 9:16).

      Ein Mann kniet sich vor Jesus hin und erklärt die Situation: „Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, weil er von einem Geist besessen ist, der Stummheit verursacht. Wo immer er ihn packt, wirft er ihn auf den Boden, und der Junge hat dann Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und ist völlig kraftlos. Ich habe deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie konnten es nicht“ (Markus 9:17, 18).

      Die Schriftgelehrten setzen den Jüngern offensichtlich zu, weil es ihnen nicht gelungen ist, den Jungen zu heilen. Und vielleicht spotten sie auch über ihre Versuche. Statt daher dem verzweifelten Vater zu antworten, sagt Jesus zu der Menge: „Was für eine ungläubige, verdrehte Generation! Wie lange muss ich noch bei euch bleiben? Wie lange muss ich euch noch ertragen?“ Diese deutlichen Worte treffen sicher auf die Schriftgelehrten zu, die Jesu Jüngern in seiner Abwesenheit Schwierigkeiten gemacht haben. Dann wendet sich Jesus an den niedergeschlagenen Vater und fordert ihn auf, den Jungen zu ihm zu bringen (Matthäus 17:17).

      Als der Junge näher kommt, schleudert ihn der Dämon auf den Boden und plagt ihn mit heftigen Krämpfen. Mit Schaum vor dem Mund wälzt sich der Junge hin und her. „Wie lange hat er das schon?“, fragt Jesus den Vater. „Von klein auf“, antwortet er. „Der Geist hat ihn schon oft ins Feuer oder auch ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen.“ Dann fleht der Mann: „Wenn du etwas tun kannst, dann hab Mitleid mit uns und hilf uns“ (Markus 9:21, 22).

      Der Vater ist völlig verzweifelt, da selbst Jesu Jünger nichts ausrichten konnten. Als Antwort auf seine inständige Bitte versichert Jesus ihm: „Warum sagst du: ‚Wenn du kannst‘? Wer Glauben hat, für den ist alles möglich.“ Sofort ruft der Vater: „Ich habe Glauben! Hilf mir, wo ich noch Glauben brauche!“ (Markus 9:23, 24).

      Jesus heilt einen besessenen Jungen

      Jesus bemerkt, dass noch mehr Leute angelaufen kommen. Vor den Augen aller gebietet er dem Dämon: „Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass ihn und komm nicht mehr in ihn zurück!“ Da fährt der Dämon aus und lässt den Jungen aufschreien und sich in vielen Krämpfen winden. Dann bleibt der Junge bewegungslos liegen und die Leute denken, er sei tot (Markus 9:25, 26). Aber dann nimmt Jesus seine Hand, hilft ihm hoch und von da an ist der Junge geheilt (Matthäus 17:18). Die Leute staunen nur so, wozu Jesus in der Lage ist.

      Als die Jünger mit Jesus in einem Haus für sich sind, fragen sie ihn: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ Schließlich konnten sie auch vorher, als Jesus sie zum Predigen aussandte, Dämonen austreiben. Da erklärt Jesus ihnen, dass sie zu wenig Glauben hatten, und sagt: „Diese Art lässt sich nur durch Gebet austreiben“ (Markus 9:28, 29). Um diesen mächtigen Dämon austreiben zu können, brauchte es einen starken Glauben zusammen mit der Bitte um Gottes Kraft.

      Jesus sagt abschließend: „Ich versichere euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn ist, werdet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rück von hier nach dort!‘, und er wird wegrücken. Nichts wird für euch unmöglich sein“ (Matthäus 17:20). Der Glaube kann wirklich machtvoll sein!

      Schwierigkeiten und Hindernisse, die den Fortschritt im Dienst Jehovas behindern, können einem so unüberwindlich und unverrückbar erscheinen wie ein Berg. Doch wenn wir an unserem Glauben arbeiten, können wir sie überwinden!

      • Welche Situation findet Jesus vor, als er von dem Berg herunterkommt?

      • Warum konnten die Jünger den Dämon nicht austreiben?

      • Wie machtvoll kann unser Glaube werden?

  • Eine wichtige Lektion in Demut
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und ein kleines Kind

      KAPITEL 62

      Eine wichtige Lektion in Demut

      MATTHÄUS 17:22 BIS 18:5 MARKUS 9:30-37 LUKAS 9:43-48

      • JESUS SAGT ERNEUT SEINEN TOD VORAUS

      • JESUS BEZAHLT DIE TEMPELSTEUER MIT EINER MÜNZE AUS DEM MAUL EINES FISCHES

      • WER WIRD IM KÖNIGREICH DER GRÖSSTE SEIN?

      Nachdem Jesus auf einem Berg verwandelt worden ist und in der Gegend von Cäsarea Philippi einen besessenen Jungen geheilt hat, macht er sich auf den Rückweg nach Kapernaum. Er reist unauffällig, nur mit seinen Jüngern, denn er will nicht, dass die Leute es mitbekommen (Markus 9:30). Das verschafft ihm die Möglichkeit, sie weiter auf seinen Tod vorzubereiten sowie auf das Werk, das vor ihnen liegt. Er erklärt: „Der Menschensohn wird an Menschen verraten und sie werden ihn töten und am dritten Tag wird er auferweckt“ (Matthäus 17:22, 23).

      Das sollte eigentlich nichts Neues für sie sein, denn Jesus hat schon vorher davon gesprochen, dass man ihn töten würde, auch wenn Petrus ihm das nicht glauben wollte (Matthäus 16:21, 22). Außerdem haben drei der Apostel die Verwandlung beobachtet und das Gespräch über seinen „Weggang“ mitangehört (Lukas 9:31). Doch als er jetzt über seinen Tod spricht, werden die Jünger sehr traurig, obwohl sie nicht das volle Ausmaß seiner Worte begreifen (Matthäus 17:23). Trotzdem trauen sie sich nicht nachzufragen.

      Schließlich kommen sie in Kapernaum an, dem Stützpunkt für Jesu Dienst und dem Zuhause einiger Apostel. Dort wenden sich die Männer, die die Tempelsteuer eintreiben, an Petrus und fragen: „Zahlt euer Lehrer nicht die Zwei-Drachmen-Steuer?“ Wahrscheinlich wollen sie Jesus beschuldigen, keine Steuern zu zahlen (Matthäus 17:24).

      „Doch“, erwidert Petrus. Als er nach Hause kommt, weiß Jesus bereits, was vorgefallen ist. Noch bevor Petrus etwas sagen kann, fragt er ihn: „Was denkst du, Simon: Von wem bekommen die Könige der Erde Zölle oder Kopfsteuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ Petrus antwortet: „Von den Fremden“, worauf Jesus meint: „Dann sind die Söhne ja von Steuern befreit“ (Matthäus 17:25, 26).

      Ein Fisch am Haken mit einer Münze im Maul

      Jesu Vater ist der König des Universums und der Gott, der im Tempel angebetet wird. Deshalb ist sein Sohn gesetzlich nicht verpflichtet, die Tempelsteuer zu zahlen. „Aber damit wir keinen Anstoß erregen“, sagt Jesus zu Petrus, „[geh] zum See, wirf einen Angelhaken aus und nimm den ersten Fisch, den du fängst. Wenn du sein Maul öffnest, wirst du darin eine Silbermünze [Stater oder Tetradrachme] finden. Nimm sie und gib sie ihnen für uns beide“ (Matthäus 17:27).

      Später sind die Jünger wieder unter sich und es beschäftigt sie eine Frage. Jesus weiß, was in ihnen vorgeht. Sie haben darüber bereits diskutiert, als sie auf dem Weg nach Kapernaum hinter ihm hergingen. Daher fragt er sie: „Worüber habt ihr unterwegs diskutiert?“ (Markus 9:33). Betreten schweigen die Jünger, denn es ging darum, wer von ihnen der Größte ist. Schließlich rücken sie mit der Sprache heraus. Es ist noch gar nicht lange her, da haben sie sich nicht getraut, Jesus wegen seines Todes zu befragen. Doch was ihre eigene Zukunft betrifft, scheuen sie sich jetzt nicht. Sie wollen wissen: „Wer ist im Königreich des Himmels eigentlich der Größte?“ (Matthäus 18:1).

      Es ist kaum zu glauben, dass die Jünger nach fast drei Jahren, in denen sie Jesus beobachten und von ihm lernen konnten, über so eine Frage diskutieren! Man muss allerdings bedenken, dass sie unvollkommen sind. Und sie sind in einem religiösen Klima aufgewachsen, wo Rang und Ansehen enorm wichtig sind. Dazu kommt noch, dass Jesus Petrus kürzlich die „Schlüssel des Königreiches“ versprochen hat. Fühlt sich Petrus den anderen nun überlegen? Und halten sich auch Jakobus und Johannes für etwas Besseres, weil sie Jesu Verwandlung mit eigenen Augen beobachten durften?

      Wie dem auch sei, Jesus unternimmt nun etwas, um die Einstellung der Jünger zu korrigieren. Er holt ein Kind, stellt es in ihre Mitte und sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie Kinder werdet, kommt ihr auf keinen Fall ins Königreich des Himmels. Darum: Wer so demütig wird wie dieses Kind hier, der ist der Größte im Königreich des Himmels. Und wer auf der Grundlage meines Namens ein solches Kind aufnimmt, der nimmt auch mich auf“ (Matthäus 18:3-5).

      Was für eine unvergleichliche Lehrmethode! Jesus ärgert sich nicht über seine Jünger und wirft ihnen auch nicht vor, geltungssüchtig oder ehrgeizig zu sein. Stattdessen führt er ihnen das Beispiel kleiner Kinder vor Augen, die sich darüber im Klaren sind, dass sie keinerlei Ansehen oder hohe Stellung haben. So zeigt Jesus seinen Jüngern, wie sie sich selbst sehen sollten. Dann beendet er die Lektion über Demut mit den Worten: „Wer sich unter euch allen so verhält, als wäre er nicht so wichtig, der ist groß“ (Lukas 9:48).

      • Was wiederholt Jesus bei der Rückkehr nach Kapernaum? Wie reagieren die Jünger darauf?

      • Warum ist Jesus nicht verpflichtet, die Tempelsteuer zu zahlen, aber weshalb zahlt er sie trotzdem?

      • Was hat wohl dazu beigetragen, dass den Jüngern Stellung und Ansehen so wichtig ist? Und wie korrigiert Jesus sie?

  • Weiterer Rat für die Apostel
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Mann freut sich, dass er sein verlorenes Schaf wiedergefunden hat

      KAPITEL 63

      Weiterer Rat für die Apostel

      MATTHÄUS 18:6-20 MARKUS 9:38-50 LUKAS 9:49, 50

      • ANDERE UND SICH SELBST NICHT ZUM STOLPERN BRINGEN

      • WAS ZU TUN IST, WENN EIN BRUDER SCHWER SÜNDIGT

      Jesus hat gerade veranschaulicht, wie seine Nachfolger eingestellt sein sollten. Sie sollten wie Kinder bescheiden sein, ohne den Drang nach Ansehen. Jesus sagt: „Wer auf der Grundlage meines Namens ein solches Kind aufnimmt, der nimmt auch mich auf“ (Matthäus 18:5).

      Die Apostel, die gerade erst darüber diskutiert haben, wer von ihnen am wichtigsten ist, haben wahrscheinlich verstanden, was Jesus ihnen sagen will. Jetzt bringt der Apostel Johannes etwas zur Sprache, was sie vor Kurzem erlebt haben: „Wir haben gesehen, wie jemand deinen Namen benutzt hat, um Dämonen auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er dir nicht mit uns zusammen folgt“ (Lukas 9:49).

      Johannes denkt möglicherweise, nur die Apostel seien berechtigt, zu heilen und Dämonen auszutreiben. Doch warum kann dieser jüdische Mann dann böse Geister austreiben? Johannes ist wohl der Ansicht, der Mann dürfe so etwas nicht, weil er Jesus und die Apostel nicht begleitet.

      Zu Johannes’ Überraschung sagt Jesus: „Hindert ihn nicht daran, denn niemand, der auf der Grundlage meines Namens eine mächtige Tat vollbringt, wird so schnell etwas gegen mich sagen können. Wer nämlich nicht gegen uns ist, ist für uns. Und wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört, wird auf keinen Fall seine Belohnung verlieren“ (Markus 9:39-41).

      Um auf der Seite des Christus zu sein, braucht der Mann ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu begleiten, denn die Christenversammlung ist noch nicht gegründet. Nur weil der Mann nicht mit Jesus reist, ist er kein Gegner oder unterstützt eine falsche Religion. Er glaubt offensichtlich an den Namen Jesu, und Jesu Worte deuten an, dass er dafür belohnt werden wird.

      Ein Mann wird mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen

      Andererseits wäre es wirklich schlimm, wenn die Apostel diesen Mann durch das, was sie gesagt und getan haben, zum Stolpern gebracht hätten. Jesus merkt an: „Wer einen von diesen Kleinen, die Glauben haben, zum Stolpern bringt, für den wäre es besser, man würde ihm einen Mühlstein, wie er von einem Esel gedreht wird, um den Hals hängen und ihn ins Meer werfen“ (Markus 9:42). Dann erklärt Jesus, seine Nachfolger sollten sich von allem trennen, was sie selbst zum Stolpern bringen könnte — auch wenn es ihnen so viel bedeutet wie eine Hand, ein Fuß oder ein Auge. Besser, man gibt etwas so Wertvolles auf und kommt in Gottes Königreich, als dass man daran festhält und in der Gehenna (dem Hinnomtal) endet. Die Apostel kennen bestimmt dieses Tal bei Jerusalem, wo Müll verbrannt wird, und verstehen daher, dass es für endgültige Vernichtung steht.

      Als Nächstes warnt Jesus sie: „Passt auf, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet, denn ich sage euch, dass ihre Engel im Himmel jederzeit Zugang zu meinem Vater haben.“ Wie viel bedeuten „diese Kleinen“ dem Vater? Jesus erzählt von einem Mann, der 100 Schafe hat. Als eines davon verloren geht, lässt der Mann die 99 zurück und macht sich auf die Suche nach dem einen Schaf. Schließlich findet er es, und er freut sich mehr über dieses eine Schaf als über die 99 anderen. Jesus fügt hinzu: „Genauso möchte auch mein Vater im Himmel nicht, dass auch nur ein einziger von diesen Kleinen verloren geht“ (Matthäus 18:10, 14).

      Dann denkt Jesus wahrscheinlich wieder an die Diskussion der Jünger, wer am größten ist, und fordert sie auf: „Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander“ (Markus 9:50). Mit Salz schmeckt ein Essen besser. Wenn man beim Reden sozusagen Salz verwendet, werden andere das, was man sagt, eher annehmen. So trägt „Salz“ zum Frieden bei — im Gegensatz zu Auseinandersetzungen (Kolosser 4:6).

      Doch manchmal kommt es zu gravierenden Problemen. Jesus erklärt, wie man damit umgehen sollte: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, dann geh und mach ihm den Fehler unter vier Augen bewusst. Hört er auf dich, dann hast du deinen Bruder zurückgewonnen.“ Aber was, wenn er nicht hört? „Nimm noch eine oder zwei Personen mit“, rät Jesus, „damit alles durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird.“ Kann das Problem so auch nicht gelöst werden, sollte man sich an „die Versammlung“ wenden, also an die Ältesten, denn sie sind befugt, eine Entscheidung zu treffen. Und wenn der Sünder immer noch nicht hören will? „Dann soll er für dich genauso sein wie jemand aus einem anderen Volk und wie ein Steuereinnehmer“, also jemand, mit dem Juden keinen Umgang haben würden (Matthäus 18:15-17).

      Die Ältesten in der Versammlung müssen sich an Gottes Wort halten. Wenn sie feststellen, dass jemand schuldig ist und zurechtgebracht werden muss, ist ihr Urteil bereits im Himmel gebunden oder getroffen worden. Doch sollten sie denjenigen für unschuldig erklären, dann wurde er bereits im Himmel von seiner Schuld gelöst oder befreit. Diese Richtlinien werden für die Christenversammlung einmal sehr hilfreich sein. Zu solchen Urteilsfindungen sagt Jesus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18:18-20).

      • Warum sollen die Jünger den Mann, der Dämonen austreibt, nicht als Gegner betrachten?

      • Wie ernst ist es, wenn man „einen Kleinen“ zum Stolpern bringt? Und wie veranschaulicht Jesus, wie viel diese „Kleinen“ dem Vater bedeuten?

      • Welche Schritte sollte man unternehmen, wenn ein Bruder eine schwerwiegende Sünde begeht?

  • Warum wir vergeben müssen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Sklave würgt einen Mitsklaven

      KAPITEL 64

      Warum wir vergeben müssen

      MATTHÄUS 18:21-35

      • WIE OFT MAN VERGEBEN SOLLTE

      • DIE VERANSCHAULICHUNG VOM UNBARMHERZIGEN SKLAVEN

      Jesus hat den Jüngern geraten, sie sollten versuchen, Schwierigkeiten mit Brüdern unter vier Augen zu klären. Doch Petrus möchte wohl gern wissen, wie oft man das tun sollte.

      Er fragt: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich gesündigt hat? Bis zu 7 Mal?“ Einige religiöse Führer lehren, dass man bis zu 3 Mal vergeben sollte. Daher kommt sich Petrus wahrscheinlich besonders großzügig vor, seinem Bruder „bis zu 7 Mal“ zu vergeben (Matthäus 18:21).

      Doch es entspricht nicht der Lehre Jesu, über die Fehler anderer Buch zu führen, und er verbessert Petrus: „Ich sage dir: Nicht bis zu 7 Mal, sondern bis zu 77 Mal“ — also unbegrenzt (Matthäus 18:22). Es sollte für Petrus keine Obergrenze geben, wie oft er seinem Bruder vergibt.

      Der König erlässt die Schuld eines Sklaven

      Dann erzählt Jesus Petrus und den anderen eine Veranschaulichung, die ihnen ihre Verpflichtung verdeutlichen soll, anderen zu vergeben. Es geht um einen Sklaven, der sich an seinem barmherzigen Herrn kein Beispiel nimmt. Ein König will mit seinen Sklaven, die ihm Geld schulden, die Abrechnung machen. Einer der Sklaven schuldet ihm die enorme Summe von 10 000 Talenten [60 000 000 Denare]. Doch der kann das Geld unmöglich aufbringen und der König befiehlt, dass er, seine Frau und seine Kinder verkauft werden, um die Schulden zu bezahlen. Da wirft sich der Sklave vor dem König nieder und fleht: „Hab Geduld mit mir, ich zahl dir alles zurück“ (Matthäus 18:26).

      Ein Sklave lässt seinen Mitsklaven ins Gefängnis werfen

      Da wird der König von tiefem Mitgefühl ergriffen und erlässt ihm barmherzigerweise den riesigen Schuldenberg. Dann geht der Sklave hinaus und trifft auf einen Mitsklaven, der ihm 100 Denare schuldet. Er packt ihn und würgt ihn und fordert: „Zahl deine Schulden zurück!“ Da fällt ihm der andere Sklave zu Füßen und fleht: „Hab Geduld mit mir, ich zahl es dir zurück“ (Matthäus 18:28, 29). Doch der Sklave, dem der König soeben eine riesige Schuld erlassen hat, nimmt sich an seinem Herrn kein Beispiel. Er lässt seinen Mitsklaven, der ihm viel weniger schuldet, ins Gefängnis werfen, wo er bleiben muss, bis er ihm alles zurückgezahlt hat.

      Der König lässt den unbarmherzigen Sklaven ins Gefängnis werfen

      Doch andere Sklaven bekommen mit, wie unbarmherzig er gewesen ist, und berichten es ihrem Herrn. Der lässt ihn kommen und sagt wütend: „Du böser Sklave! Ich hab dir alle deine Schulden erlassen, als du mich angefleht hast. Hättest du nicht auch Erbarmen mit dem anderen Sklaven haben müssen, so wie ich mit dir?“ Dann übergibt er ihn den Gefängniswärtern. Er soll so lange eingesperrt bleiben, bis er alles zurückgezahlt hat. Abschließend sagt Jesus: „Genauso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt“ (Matthäus 18:32-35).

      Was für eine eindrucksvolle Lektion im Vergeben! Jehova hat uns eine immense Sündenschuld erlassen. Dagegen ist die Schuld, die ein Glaubensbruder bei uns hat, verschwindend gering. Und Jehova vergibt uns nicht nur einmal, sondern Tausende von Malen. Können wir dann nicht unserem Bruder die paar Mal vergeben, selbst wenn wir uns zu Recht verletzt fühlen? Wie Jesus in der Bergpredigt gelehrt hat, wird uns Gott unsere Schuld nur vergeben, wenn „auch wir unseren Schuldnern vergeben haben“ (Matthäus 6:12).

      • Was veranlasst Petrus, eine Frage zum Thema Vergeben zu stellen? Und warum denkt er wahrscheinlich, es sei großzügig, jemandem sieben Mal zu vergeben?

      • Wie unterscheidet sich die Reaktion des Königs von der des Sklaven?

      • Was lernen wir aus Jesu Veranschaulichung?

  • Jesus lehrt auf dem Weg nach Jerusalem
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und seine Jünger auf dem Weg nach Jerusalem

      KAPITEL 65

      Jesus lehrt auf dem Weg nach Jerusalem

      MATTHÄUS 8:19-22 LUKAS 9:51-62 JOHANNES 7:2-10

      • WIE JESU BRÜDER ÜBER IHN DENKEN

      • WIE WICHTIG IST DER DIENST FÜR GOTTES KÖNIGREICH?

      Bisher hat Jesus seinen Dienst überwiegend auf Galiläa beschränkt, weil die Menschen dort eher auf seine Botschaft reagieren als in Judäa. Außerdem hat er in Jerusalem einmal am Sabbat einen Mann geheilt, worauf „die Juden erst recht darauf aus [waren], ihn zu töten“ (Johannes 5:18; 7:1).

      Es ist gerade Herbst im Jahr 32 und das Laubhüttenfest steht vor der Tür. Dieses Fest dauert sieben Tage, gefolgt von einer feierlichen Versammlung am achten Tag. Es markiert das Ende des landwirtschaftlichen Jahres und ist eine Zeit der Freude und Dankbarkeit.

      Jesus mit seinen Jüngern Jakobus und Johannes

      Jesu Halbbrüder Jakobus, Simon, Joseph und Judas fordern ihn auf: „Geh von hier weg nach Judäa.“ Jerusalem, das religiöse Zentrum des Landes, ist während der drei jährlichen Feste voller Besucher. Jesu Brüder argumentieren: „Wenn jemand in der Öffentlichkeit bekannt werden will, tut er nichts heimlich. Wenn du schon so etwas machst, dann zeig dich doch der Welt“ (Johannes 7:3, 4).

      Sie glauben aber gar nicht daran, dass er der Messias ist. Trotzdem fänden sie es gut, wenn er seine Wunder auch den Festbesuchern in Jerusalem vorführen würde. Jesus ist aber klar, wie gefährlich das wäre, und antwortet: „Die Welt hat keinen Grund, euch zu hassen, mich aber hasst sie, weil ich bezeuge, dass ihre Taten schlecht sind. Geht ihr nur zum Fest hinauf, ich gehe aber noch nicht zu diesem Fest, weil meine Zeit noch nicht völlig gekommen ist“ (Johannes 7:5-8).

      Einige Tage nachdem Jesu Brüder mit den meisten anderen abgereist sind, macht auch er sich mit seinen Jüngern auf den Weg — allerdings unauffällig. Die Gruppe wählt die direktere Route durch Samaria, nicht den üblichen Weg am Jordan entlang. Aber in Samaria müssen sie irgendwo unterkommen. Daher schickt Jesus Boten voraus, damit sie die nötigen Vorbereitungen treffen. In einem Ort ist die Reisegruppe aber weder willkommen noch wird sie gastfreundlich aufgenommen, da sie zu einem jüdischen Fest in Jerusalem unterwegs ist. Jakobus und Johannes sind darüber so erbost, dass sie Jesus fragen: „Herr, willst du, dass wir Feuer vom Himmel herabrufen und sie vernichten?“ (Lukas 9:54). Doch Jesus tadelt sie dafür, dass sie so etwas auch nur gedacht haben, und sie ziehen alle weiter.

      Unterwegs sagt ein Schriftgelehrter zu Jesus: „Lehrer, ich folge dir, wohin du auch gehst.“ Jesus antwortet ihm: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel des Himmels ihr Nest, aber der Menschensohn hat kein eigenes Zuhause“ (Matthäus 8:19, 20). Jesus macht ihm bewusst, dass er sich auf gewisse Härten einstellen muss, wenn er sich ihm anschließt. Wie es jedoch scheint, ist der Mann zu stolz, sich auf eine solche Lebensweise einzulassen. Jeder sollte sich daher fragen: „Bin ich wirklich bereit, Jesus nachzufolgen?“

      1. Ein Fuchs in seinem Bau, 2. Ein Vogel in seinem Nest

      Einen anderen Mann fordert Jesus auf: „Folge mir nach!“, doch der entgegnet: „Herr, erlaube mir, dass ich zuerst gehe und meinen Vater begrabe.“ Jesus erwidert aber: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber geh und mach das Königreich Gottes weit und breit bekannt“ (Lukas 9:59, 60). Jesus kennt die Umstände des Mannes. Offensichtlich ist sein Vater noch am Leben, sonst würde er sich jetzt nicht mit Jesus unterhalten. In Wirklichkeit ist er nicht bereit, das Königreich Gottes in seinem Leben allem voranzustellen.

      Ein weiterer Mann sagt zu Jesus: „Ich werde dir folgen, Herr, doch erlaube mir zuerst, mich von denen in meinem Haus zu verabschieden.“ Jesus erwidert: „Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und nach hinten blickt, eignet sich für Gottes Königreich“ (Lukas 9:61, 62).

      Wer ein wahrer Jünger Jesu sein möchte, muss seinen Blick auf den Dienst für Gottes Königreich richten. Wenn jemand beim Pflügen nicht immer geradeaus sieht, wird die Furche, die er zieht, wahrscheinlich schief. Und wenn er den Pflug absetzt, um nach hinten zu blicken, gerät er mit seiner Arbeit in Verzug. Ähnlich ist es mit demjenigen, der auf das jetzige alte Weltsystem zurückblickt. Er könnte von dem Weg, der zum ewigen Leben führt, abkommen.

      • Wie wird Jesus von seinen Brüdern gesehen?

      • Wieso wird Jesus von einigen Samaritern abgewiesen, und was wollen Jakobus und Johannes daraufhin tun?

      • Welche drei Gespräche führt Jesus auf dem Weg nach Jerusalem, und welche Punkte über den Dienst für Gott stellt er dabei heraus?

  • Beim Laubhüttenfest in Jerusalem
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus lehrt im Tempel in Jerusalem

      KAPITEL 66

      Beim Laubhüttenfest in Jerusalem

      JOHANNES 7:11-32

      • JESUS LEHRT IM TEMPEL

      Seit seiner Taufe hat Jesus einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Tausende Juden haben seine Wunder gesehen und die Berichte über ihn haben sich im ganzen Land verbreitet. Daher halten viele beim Laubhüttenfest in Jerusalem schon nach ihm Ausschau.

      Die Meinungen über Jesus gehen allerdings stark auseinander. Die einen sagen: „Er ist ein guter Mensch.“ „Das stimmt nicht, er täuscht die Leute“, sagen die anderen (Johannes 7:12). Während der ersten Festtage wird viel über Jesus getuschelt. Doch aus Angst vor den jüdischen Führern bringt niemand den Mut auf, sich öffentlich auf seine Seite zu stellen.

      Als das Fest zur Hälfte vorbei ist, kommt Jesus schließlich in den Tempel. Viele Juden staunen nur so über seine außergewöhnliche Lehrfähigkeit und wundern sich: „Wieso kennt sich dieser Mann so gut in den Schriften aus, wo er doch nicht an den Rabbinerschulen studiert hat?“ (Johannes 7:15, Fußnote).

      „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“, erklärt Jesus. „Wer den Wunsch hat, nach Gottes Willen zu leben, wird erkennen, ob die Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede“ (Johannes 7:16, 17). Was Jesus lehrt, stimmt mit Gottes Gesetz überein. Deshalb sollte es offensichtlich sein, dass es ihm nicht um seine eigene Ehre geht, sondern um die Ehre Gottes.

      Dann sagt Jesus: „Moses hat euch doch das Gesetz gegeben, oder? Doch keiner von euch hält sich an das Gesetz. Warum wollt ihr mich unbedingt töten?“ Einige seiner Zuhörer, vermutlich Besucher von außerhalb, verstehen nicht, warum er das sagt. Sie können sich nicht vorstellen, dass irgendjemand einen Lehrer wie ihn umbringen will. Sie denken, mit ihm stimme etwas nicht. „Du hast einen Dämon“, sagen sie. „Wer will dich denn töten?“ (Johannes 7:19, 20).

      Tatsächlich wollten vor eineinhalb Jahren die jüdischen Führer Jesus töten, nachdem er an einem Sabbat einen Mann geheilt hatte. Nun deckt er unwiderlegbar auf, dass sie dafür keine Grundlage hatten. Er weist darauf hin, dass gemäß dem Gesetz ein neugeborener Junge am achten Tag beschnitten werden muss, selbst wenn gerade Sabbat ist. Dann fragt er: „Wenn jemand an einem Sabbat beschnitten wird, damit das Gesetz von Moses nicht gebrochen wird, wieso regt ihr euch dann dermaßen darüber auf, dass ich einen Menschen an einem Sabbat völlig gesund gemacht habe? Hört auf, nach dem äußeren Eindruck zu urteilen — urteilt gerecht“ (Johannes 7:23, 24).

      Einige Bewohner Jerusalems, die die Situation kennen, überlegen: „Ist das nicht der Mann, den sie töten wollen? Doch seht! Er redet hier in aller Öffentlichkeit und keiner sagt etwas dagegen. Sind die führenden Männer etwa zu der Gewissheit gelangt, dass er der Christus ist?“ Aber warum glauben sie selbst dann nicht, dass Jesus der Christus ist? Sie argumentieren: „Wir wissen, woher dieser Mann ist. Doch wenn der Christus kommt, wird keiner wissen, woher er ist“ (Johannes 7:25-27).

      Mitten im Tempel sagt Jesus: „Ihr kennt mich und wisst auch, woher ich bin. Und ich bin nicht aus eigener Initiative gekommen. Aber der mich gesandt hat, den gibt es wirklich, und ihr kennt ihn nicht. Ich kenne ihn, weil ich ein Repräsentant von ihm bin und er mich gesandt hat“ (Johannes 7:28, 29). Auf diese klare Aussage hin versucht man Jesus festzunehmen, um ihn einzusperren oder sogar zu töten. Doch der Versuch misslingt, denn die Zeit für Jesu Tod ist noch nicht gekommen.

      Trotz allem glauben viele aus der Menge an Jesus, und das aus gutem Grund: Er ist auf dem Wasser gegangen, hat Stürme beruhigt, Tausende mit nur ein paar Broten und Fischen versorgt, Kranke und Gelähmte geheilt, Blinden das Augenlicht geschenkt, Aussätzige gesund gemacht und sogar Tote auferweckt. Ja, die Menschen haben allen Grund zu fragen: „Wenn der Christus kommt, wird er doch nicht mehr Zeichen vollbringen als dieser Mann?“ (Johannes 7:31).

      Als die Pharisäer mitbekommen, was die Leute reden, beauftragen sie und die Oberpriester einige Beamte, Jesus festzunehmen.

      • Was sagen die Leute beim Laubhüttenfest über Jesus?

      • Wie argumentiert Jesus, dass er nicht gegen Gottes Gesetz verstößt?

      • Warum glauben viele an Jesus?

  • „Noch nie hat ein Mensch so geredet“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Soldaten, die Jesus festnehmen sollten, kehren ohne ihn zurück

      KAPITEL 67

      „Noch nie hat ein Mensch so geredet“

      JOHANNES 7:32-52

      • BEAMTE SOLLEN JESUS FESTNEHMEN

      • NIKODEMUS SETZT SICH FÜR JESUS EIN

      Jesus ist immer noch beim Laubhüttenfest in Jerusalem, und er freut sich, dass viele an ihn glauben. Die religiösen Führer sind darüber jedoch alles andere als erfreut und beauftragen Beamte, ihn festzunehmen (Johannes 7:31, 32). Trotzdem versteckt sich Jesus nicht.

      Stattdessen lehrt er weiterhin öffentlich in Jerusalem und sagt: „Ich bleibe noch ein wenig bei euch, bevor ich zu dem gehe, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden, und wo ich dann bin, dahin könnt ihr nicht kommen“ (Johannes 7:33, 34). Die Juden verstehen nicht, wie er das meint, und sagen zueinander: „Wo will er denn hin, dass wir ihn nicht finden können? Er will doch nicht etwa zu den Juden, die verstreut unter den Griechen leben, und unter den Griechen lehren? Was meint er denn mit ‚Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden, und wo ich dann bin, dahin könnt ihr nicht kommen‘?“ (Johannes 7:35, 36). Doch Jesus spricht hier über seinen Tod, seine Auferweckung und seine Rückkehr in den Himmel. Dorthin können ihm seine Feinde nicht folgen.

      Dann ist der siebte Festtag. Während des Festes hat ein Priester im Tempel jeden Morgen Wasser aus dem Teich Siloam in eine Schale gegossen, durch die es bis zum Grund des Altars geflossen ist. Jesus spielt wohl auf diesen Brauch an, als er ausruft: „Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken. Wer an mich glaubt, ‚aus dessen tiefstem Innern werden Ströme von Wasser des Lebens fließen‘, wie es in den Schriften heißt“ (Johannes 7:37, 38).

      Jesus bezieht sich hier auf die Zeit, wenn seine Jünger mit heiligem Geist gesalbt werden und die Aussicht auf Leben im Himmel erhalten. Das wird nach Jesu Tod zu Pfingsten des folgenden Jahres geschehen. Ab diesem Tag werden geistgesalbte Jünger die Wahrheit predigen, sodass „Ströme von Wasser des Lebens“ zu fließen beginnen.

      Einige Leute, die Jesu Worte hören, sagen: „Das ist wirklich der Prophet“, und denken dabei offensichtlich an den verheißenen Propheten, der größer als Moses sein sollte. Andere meinen: „Das ist der Christus.“ Doch einige widersprechen: „Der Christus kommt doch nicht aus Galiläa! Heißt es nicht in den Schriften, dass der Christus aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem kommt, aus dem Dorf, wo David lebte?“ (Johannes 7:40-42).

      Die Menge ist also gespalten. Einige wollen, dass Jesus verhaftet wird, und trotzdem rührt niemand ihn an. Als die Beamten ohne Jesus vor den Oberpriestern und Pharisäern erscheinen, werden sie gefragt: „Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?“ Die Beamten antworten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet.“ Das ärgert die Pharisäer und sie reagieren mit Spott und Beleidigungen. „Habt ihr euch etwa auch täuschen lassen?“, fragen sie höhnisch. „Glaubt auch nur ein einziger von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? Diese Menge jedoch, die das Gesetz nicht kennt, das sind verfluchte Leute“ (Johannes 7:45-49).

      Nikodemus setzt sich für Jesus ein

      In diesem Moment wagt es Nikodemus, ein Pharisäer und Mitglied des Sanhedrins, sich für Jesus einzusetzen. Vor etwa zweieinhalb Jahren hat er Jesus in der Nacht besucht und Glauben an ihn zum Ausdruck gebracht. Nikodemus argumentiert: „Nach unserem Gesetz wird doch kein Urteil über jemanden gesprochen, es sei denn, man hat ihn vorher angehört und festgestellt, was er getan hat?“ Darauf entgegnen sie heftig: „Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche nach, und du wirst sehen, dass kein Prophet aus Galiläa kommen wird“ (Johannes 7:51, 52).

      In den Schriften ist zwar nicht ausdrücklich von einem Propheten die Rede, der aus Galiläa kommen soll. Dennoch weist Gottes Wort darauf hin, dass der Christus von dort kommen würde. Es heißt, „ein großes Licht“ würde im „Galiläa der anderen Völker“ gesehen werden (Jesaja 9:1, 2; Matthäus 4:13-17). Außerdem ist Jesus ein Nachkomme Davids und er wurde wie verheißen in Bethlehem geboren. Den Pharisäern ist das alles wahrscheinlich bekannt. Dennoch sind sie wohl für viele falsche Vorstellungen verantwortlich, die über Jesus im Umlauf sind.

      • Wie spielt Jesus wohl auf einen Brauch beim Laubhüttenfest an?

      • Weshalb nehmen die Beamten Jesus nicht fest, und wie reagieren die religiösen Führer darauf?

      • Was weist darauf hin, dass der Christus aus Galiläa kommen würde?

  • Der Sohn Gottes — „das Licht der Welt“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus lehrt bei Nacht im Tempel

      KAPITEL 68

      Der Sohn Gottes — „das Licht der Welt“

      JOHANNES 8:12-36

      • JESUS ERKLÄRT, WER DER SOHN IST

      • IN WELCHEM SINN SIND DIE JUDEN SKLAVEN?

      Es ist der siebte und letzte Tag des Laubhüttenfestes. Jesus lehrt in dem Bereich des Tempels, wo die Spendenkästen stehen (Johannes 8:20; Lukas 21:1). Offenbar befinden sich diese im Vorhof der Frauen.

      Während des Festes ist dieser Teil des Tempels nachts besonders beleuchtet. Dort stehen vier riesige Leuchter mit je vier großen Schalen voll Öl. Ihr Licht ist so stark, dass sie selbst die entferntere Umgebung beleuchten. Möglicherweise denken Jesu Zuhörer an diesen Anblick, als er verkündet: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird auf keinen Fall im Dunkeln laufen, sondern das Licht des Lebens besitzen“ (Johannes 8:12).

      Empört wenden die Pharisäer ein: „Du bist dein eigener Zeuge, deine Aussage ist nicht wahr.“ „Auch wenn ich mein eigener Zeuge bin“, erwidert Jesus, „ist meine Aussage wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. . . . Außerdem steht ja in eurem eigenen Gesetz: ‚Die Aussage von zwei Zeugen ist wahr.‘ Ich bin mein eigener Zeuge, und auch der Vater, der mich gesandt hat, ist mein Zeuge“ (Johannes 8:13-18).

      Die Pharisäer geben sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und fragen: „Wo ist denn dein Vater?“ „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater“, antwortet Jesus freiheraus. „Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen“ (Johannes 8:19). Obwohl die Pharisäer Jesus immer noch festnehmen wollen, rührt niemand ihn an.

      Nun wiederholt Jesus eine Aussage, die er zuvor schon gemacht hat: „Ich gehe weg und ihr werdet mich suchen, und doch werdet ihr in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.“ Die Juden deuten seine Worte völlig falsch und rätseln: „Will er sich etwa umbringen? Warum sagt er sonst: ‚Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen‘?“ Sie verstehen nicht, was Jesus sagen möchte, weil sie seine Herkunft nicht kennen. Jesus erklärt: „Ihr seid von hier unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt“ (Johannes 8:21-23).

      Jesus bezieht sich hier auf sein vormenschliches Leben im Himmel sowie darauf, dass er der verheißene Messias oder Christus ist, den die religiösen Führer eigentlich anerkennen sollten. Stattdessen fragen sie ihn voller Verachtung: „Wer bist du denn?“ (Johannes 8:25).

      Auf ihre Ablehnung und Feindseligkeit entgegnet Jesus: „Warum rede ich überhaupt mit euch?“ Dennoch erklärt er, warum die Juden dem Sohn zuhören sollten, und richtet dabei die Aufmerksamkeit auf seinen Vater: „Der mich gesandt hat, sagt die Wahrheit, und ich sage der Welt genau das, was ich von ihm gehört habe“ (Johannes 8:25, 26).

      Dann erklärt er: „Nachdem ihr den Menschensohn aufgerichtet habt, werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts aus eigener Initiative tue, sondern das sage, was der Vater mir beigebracht hat.“ Mit einem Vertrauen zu seinem Vater, das diesen Juden fehlt, fährt Jesus fort: „Der mich gesandt hat, ist bei mir. Er hat mich nicht mir selbst überlassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt“ (Johannes 8:28, 29).

      Viele Juden glauben daraufhin an Jesus. Zu diesen sagt er: „Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, dann seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:31, 32).

      Der Gedanke, befreit zu werden, kommt einigen jedoch seltsam vor. Sie protestieren: „Wir sind Nachkommen Abrahams und sind nie Sklaven von irgendjemandem gewesen. Wieso sagst du also: ‚Ihr werdet frei werden‘?“ Die Juden waren zwar immer wieder unter Fremdherrschaft, wollen aber nicht als Sklaven bezeichnet werden. Wie Jesus jedoch deutlich macht, sind sie trotzdem Sklaven: „Eins steht fest: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde“ (Johannes 8:33, 34).

      Sich diese Form der Sklaverei nicht einzugestehen bringt die Juden in eine gefährliche Lage. Jesus erklärt: „Der Sklave bleibt nicht für immer im Haushalt. Der Sohn bleibt für immer“ (Johannes 8:35). Ein Sklave hat keinen Erbanspruch und kann jederzeit entlassen werden. Wer aber als Sohn in eine Familie hineingeboren oder adoptiert wird, „bleibt für immer“, das heißt solange er lebt.

      Jesus erklärt: „Wenn euch der Sohn also frei macht, werdet ihr wirklich frei sein“ (Johannes 8:36). Es ist somit die Wahrheit über den Sohn, die die Menschen für immer von Sünde und Tod befreit.

      • Was geschieht beim Laubhüttenfest jeden Abend? Und wie bezieht sich Jesus darauf?

      • Was sagt Jesus über seine Herkunft, und was verrät er dadurch über seine Identität?

      • In welchem Sinn sind die Juden Sklaven, aber welche Wahrheit kann sie frei machen?

  • Ihr Vater — Abraham oder der Teufel?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Juden versuchen Jesus zu steinigen, aber er entkommt unbeschadet

      KAPITEL 69

      Ihr Vater — Abraham oder der Teufel?

      JOHANNES 8:37-59

      • DIE JUDEN BEANSPRUCHEN FÜR SICH, KINDER ABRAHAMS ZU SEIN

      • JESUS HAT SCHON VOR ABRAHAM EXISTIERT

      Jesus ist immer noch beim Laubhüttenfest in Jerusalem und lehrt die Menschen wichtige Wahrheiten. Jetzt kommt er noch einmal auf die Aussage einiger Juden zurück, sie seien Nachkommen Abrahams und seien nie Sklaven gewesen. Er sagt: „Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Trotzdem seid ihr darauf aus, mich zu töten, weil meine Worte bei euch nichts erreichen. Ich rede über das, was ich gesehen habe, als ich bei meinem Vater war, ihr aber tut das, was ihr von eurem Vater gehört habt“ (Johannes 8:33, 37, 38).

      Mit anderen Worten: Jesus hat einen anderen Vater als sie. Aber die Juden begreifen nicht, was er meint, und beharren: „Unser Vater ist Abraham“ (Johannes 8:39; Jesaja 41:8). Als seine Nachkommen denken sie, sie hätten denselben Glauben wie Abraham, der Freund Gottes.

      Doch Jesu Antwort ist ernüchternd: „Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, dann würdet ihr handeln wie Abraham“ — denn normalerweise ahmt ein Sohn seinen Vater nach. „Aber ihr seid darauf aus, mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die er von Gott gehört hat. So hat Abraham nicht gehandelt.“ Dann macht Jesus die rätselhafte Aussage: „Ihr handelt wie euer Vater“ (Johannes 8:39-41).

      Aber sie begreifen immer noch nicht, von wem er spricht, und beharren darauf, legitime Söhne zu sein: „Wir wurden nicht durch Unmoral gezeugt! Wir haben nur den einen Vater: Gott.“ Aber ist Gott wirklich ihr Vater? „Wenn Gott euer Vater wäre“, sagt Jesus, „würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott gekommen und bin hier. Ich bin nicht aus eigener Initiative gekommen, sondern er hat mich gesandt.“ Dann stellt er ihnen die Frage: „Wieso versteht ihr nicht, was ich sage?“, und antwortet gleich selbst: „Weil ihr nicht fähig seid, auf meine Worte zu hören“ (Johannes 8:41-43).

      Jesus hat versucht ihnen zu vermitteln, welche Folgen es hat, ihn abzulehnen. Doch jetzt erklärt er unmissverständlich: „Der Teufel ist euer Vater, und ihr wollt tun, was euer Vater wünscht.“ Und er beschreibt klar, wie ihr Vater ist: „Er fing als Mörder an und hielt nicht an der Wahrheit fest, weil er keine Wahrheit in sich hat.“ Dann fügt Jesus hinzu: „Wer von Gott kommt, hört auf die Worte Gottes. Deshalb hört ihr nicht, weil ihr nicht von Gott kommt“ (Johannes 8:44, 47).

      Dieses harte Urteil macht die Juden wütend. „Haben wir nicht recht, wenn wir sagen: ‚Du bist ein Samariter und hast einen Dämon‘?“ Die Bezeichnung „Samariter“ zeigt, wie sehr sie ihn verachten. Doch Jesus ignoriert diese Beleidigung und sagt: „Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, aber ihr beraubt mich der Ehre.“ Es ist jedoch entscheidend, Jesus nicht der Ehre zu berauben, wie seine nächste Aussage zeigt: „Wer sich an meine Worte hält, wird den Tod überhaupt nie sehen.“ Das heißt nicht, die Apostel und seine anderen Nachfolger würden niemals sterben. Es bedeutet vielmehr, dass sie nie „den zweiten Tod“ erleiden werden — die ewige Vernichtung, ohne Hoffnung auf eine Auferstehung (Johannes 8:48-51; Offenbarung 21:8).

      Doch die Juden nehmen seine Aussage wörtlich. Sie sagen: „Jetzt wissen wir sicher, dass du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten auch, aber du sagst: ‚Wer sich an meine Worte hält, wird überhaupt nie sterben.‘ Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? . . . Wer behauptest du zu sein?“ (Johannes 8:52, 53).

      Jesus hat ihnen bereits deutlich zu verstehen gegeben, dass er der Messias ist. Anstatt ihre Frage also direkt zu beantworten, sagt er: „Wenn ich mich selbst verherrliche, bedeutet meine Herrlichkeit nichts. Es ist mein Vater, der mich verherrlicht — der, von dem ihr sagt, er sei euer Gott. Dabei habt ihr ihn nie gekannt, aber ich kenne ihn. Und wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht kenne, wäre ich wie ihr: ein Lügner“ (Johannes 8:54, 55).

      Jesus kommt jetzt noch einmal auf das Beispiel ihres treuen Vorfahren zu sprechen: „Euer Vater Abraham freute sich sehr über die Aussicht, meinen Tag zu sehen, und er hat ihn gesehen und sich gefreut.“ Abraham glaubte an Gottes Verheißung und freute sich auf den Messias. Doch die Juden entgegnen Jesus: „Du bist noch nicht einmal 50 und willst Abraham gesehen haben?“ Da erklärt Jesus: „Eins steht fest: Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen.“ Er spricht von seinem vormenschlichen Leben als mächtiges Geistwesen im Himmel (Johannes 8:56-58).

      Jesu Behauptung, er habe schon vor Abraham gelebt, macht die Juden so zornig, dass sie ihn steinigen wollen. Aber Jesus entkommt ihnen unbeschadet.

      • Wie zeigt Jesus, dass er einen anderen Vater hat als seine Feinde?

      • Warum ist es nicht angebracht, dass einige Juden Abraham weiterhin als ihren Vater bezeichnen?

      • In welcher Hinsicht werden Jesu Nachfolger „den Tod überhaupt nie sehen“?

  • Jesus heilt einen Blindgeborenen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein blinder Bettler kann sehen, nachdem er sich im Teich von Siloam gewaschen hat

      KAPITEL 70

      Jesus heilt einen Blindgeborenen

      JOHANNES 9:1-18

      • JESUS HEILT EINEN BETTLER, DER VON GEBURT AN BLIND IST

      Jesus hält sich nach wie vor in Jerusalem auf. Als er und die Jünger am Sabbat durch die Stadt gehen, treffen sie auf einen Bettler, der von Geburt an blind ist. Da fragen die Jünger Jesus: „Rabbi, wer hat gesündigt, sodass er blind geboren wurde — er selbst oder seine Eltern?“ (Johannes 9:2).

      Die Jünger wissen, dass der Mann nicht in einem früheren Leben gesündigt haben kann. Sie fragen sich wohl eher, ob er bereits im Mutterleib gesündigt hat. Jesus antwortet aber: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es kam so, damit die Werke Gottes an ihm offenbart werden“ (Johannes 9:3, Fußnote). Weder der Mann noch seine Eltern haben also eine Sünde begangen, die zu seiner Blindheit geführt hätte. Als Folge der Sünde Adams kommen alle Menschen unvollkommen zur Welt. Daher bleiben ihnen Gebrechen wie Blindheit nicht erspart. Doch wie schon zuvor, als Jesus andere geheilt hat, bietet sich ihm nun eine Gelegenheit zu zeigen, wozu Gott imstande ist.

      Jesus betont, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Werke Gottes zu tun. „Wir müssen die Aufgaben dessen erfüllen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand tätig sein kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Johannes 9:4, 5). Bald wird Jesus durch den Tod in die Dunkelheit des Grabes gestoßen werden, wo er nichts tun kann. Doch bis dahin ist er eine Quelle der Erleuchtung für die Welt.

      Jesus streicht eine Paste auf die Augen eines blinden Mannes

      Wie heilt Jesus den Mann also? Er spuckt auf den Boden, macht mit dem Speichel eine Paste und streicht sie auf die Augen des Blinden. Dann sagt er: „Geh und wasch dich im Teich Siloam“ (Johannes 9:7). Als der Mann das tut, kann er tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben sehen! Seine Freude darüber ist kaum vorstellbar!

      Seine Nachbarn und andere, die ihn nur als Blinden kennen, sind sehr verwundert. „Ist das nicht der Mann, der immer dagesessen und gebettelt hat?“, fragen sie. „Ja, das ist er“, meinen die einen. Andere wollen es aber nicht glauben und sagen: „Nein, er sieht ihm nur ähnlich.“ Doch der Mann beteuert: „Ich bin es“ (Johannes 9:8, 9).

      Da fragen sie ihn: „Wie sind deine Augen denn geöffnet worden?“ Er antwortet: „Der Mann, der Jesus heißt, hat eine Paste gemacht und sie mir auf die Augen gestrichen. Dann hat er zu mir gesagt: ‚Geh zum Teich Siloam und wasch dich.‘ Also bin ich hingegangen und hab mich gewaschen und dann konnte ich sehen.“ „Wo ist dieser Mann?“, wollen sie wissen. „Ich habe keine Ahnung“, sagt der Bettler (Johannes 9:10-12).

      Da bringen sie ihn zu den Pharisäern. Diese wollen ebenfalls wissen, wieso er auf einmal sehen kann. Er erklärt: „Er hat mir eine Paste auf die Augen getan, dann hab ich mich gewaschen und jetzt kann ich sehen.“ Man würde erwarten, dass die Pharisäer sich für den Mann freuen, doch weit gefehlt. Einige kritisieren Jesus sogar. „Dieser Mann kommt nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht“, sagen sie. Aber andere meinen: „Wie kann ein Sünder solche Zeichen vollbringen?“ (Johannes 9:15, 16). Sie sind sich also nicht einig.

      Daraufhin wenden sie sich dem Geheilten zu und fragen: „Was hältst du von dem Mann? Es sind ja schließlich deine Augen, die er geöffnet hat.“ Für den Mann steht fest: „Er ist ein Prophet“ (Johannes 9:17).

      Die Pharisäer wollen das nicht glauben. Sie denken vermutlich, dass Jesus mit dem Mann gemeinsame Sache macht, um die Leute zu täuschen. Deshalb beschließen sie, die Eltern des Bettlers zu fragen, ob dieser wirklich blind geboren wurde.

      • Was ist die Ursache für die Blindheit des Mannes und was nicht?

      • Wie reagieren die Bekannten des Blinden auf seine Heilung?

      • Welche widersprüchlichen Ansichten haben die Pharisäer zur Heilung des Mannes?

  • Die Pharisäer verhören den Mann, der blind war
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Der ehemals blinde Bettler antwortet den wütenden Pharisäern, während seine Eltern zusehen

      KAPITEL 71

      Die Pharisäer verhören den Mann, der blind war

      JOHANNES 9:19-41

      • DIE PHARISÄER FORDERN RECHENSCHAFT VON DEM EHEMALS BLINDEN

      • DIE RELIGIÖSEN FÜHRER SIND „BLIND“

      Die Pharisäer wollen nicht wahrhaben, dass Jesus den blind geborenen Mann geheilt hat. Deshalb lassen sie seine Eltern kommen. Diese wissen, dass sie Gefahr laufen, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (Johannes 9:22). So ein Ausschluss aus der Gemeinschaft hätte für die Familie ernste gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen.

      Die Pharisäer fragen sie: „Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, er sei blind geboren? Wie kommt es dann, dass er jetzt sehen kann?“ „Wir wissen, dass er unser Sohn ist und blind zur Welt kam“, antworten die Eltern. „Aber wieso er jetzt sehen kann, wissen wir nicht, und auch nicht, wer seine Augen geöffnet hat.“ Selbst wenn ihr Sohn ihnen erzählt hat, was passiert ist, sind sie lieber vorsichtig und sagen: „Fragt ihn. Er ist alt genug. Er soll für sich selbst reden“ (Johannes 9:19-21).

      Daher rufen die Pharisäer den Mann ein zweites Mal und versuchen ihn einzuschüchtern. Sie behaupten, etwas gegen Jesus in der Hand zu haben, und fordern den Geheilten auf: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“ Doch der Mann entgegnet auf ihre Beschuldigung: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich: Ich war blind und kann jetzt sehen“ (Johannes 9:24, 25).

      Die Pharisäer sind aber nicht bereit, den Fall auf sich beruhen zu lassen, und fragen noch einmal: „Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?“ Mutig antwortet der Mann: „Das hab ich euch doch schon gesagt, aber ihr habt mir nicht zugehört. Warum wollt ihr es noch mal hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden?“ „Du bist ein Jünger dieses Mannes“, erwidern sie verächtlich, „wir aber sind Jünger von Moses. Von Moses wissen wir, dass Gott zu ihm geredet hat, aber von diesem Mann wissen wir nicht, woher er ist“ (Johannes 9:26-29).

      Darüber verwundert antwortet der Bettler: „Das ist schon seltsam, dass ihr nicht wisst, woher er ist, dabei hat er doch meine Augen geöffnet.“ Dann argumentiert er: „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört, doch wenn jemand gottesfürchtig ist und das tut, was Gott will — den erhört er. Seit Menschengedenken hat man noch nie gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.“ Er kommt zu dem Schluss: „Wäre dieser Mann nicht von Gott gekommen, könnte er gar nichts tun“ (Johannes 9:30-33).

      Da die Pharisäer das nicht widerlegen können, werden sie ausfallend: „Du bist ganz und gar in Sünde geboren und trotzdem willst du uns belehren?“ Dann werfen sie ihn hinaus (Johannes 9:34).

      Als Jesus hört, was geschehen ist, sucht er den Mann, und als er ihn findet, fragt er: „Glaubst du an den Menschensohn?“ „Wer ist das, mein Herr, damit ich an ihn glaube?“ „Du hast ihn gesehen“, sagt Jesus freiheraus, „ja, er spricht gerade mit dir“ (Johannes 9:35-37).

      Da sagt der Mann: „Ich glaube an ihn, Herr“, und verbeugt sich respektvoll vor Jesus. Dieser macht daraufhin die bedeutsame Aussage: „Ich bin zu einem Gericht in diese Welt gekommen, damit die, die nicht sehen, sehen können und die Sehenden blind werden“ (Johannes 9:38, 39).

      Einige Pharisäer bekommen das mit. Sie sehen sich als geistige Führer, halten sich allerdings für alles andere als blind und fragen abwehrend: „Sind wir etwa auch blind?“ „Wärt ihr blind, hättet ihr keine Sünde“, antwortet Jesus. „Aber weil ihr sagt: ‚Wir sehen‘, bleibt eure Sünde bestehen“ (Johannes 9:40, 41). Wären sie nicht die Lehrer in Israel, dann wäre es vielleicht verständlich, dass sie den Messias ablehnen. Doch da sie das Gesetz gut kennen, ist ihre Ablehnung eine schwerwiegende Sünde.

      • Warum haben die Eltern des ehemals blinden Bettlers Angst, als sie vor den Pharisäern erscheinen müssen? Wie antworten die Eltern auf die Fragen?

      • Welche logische Argumentation macht die Pharisäer wütend?

      • Warum sind die Pharisäer nicht dafür zu entschuldigen, dass sie Jesus ablehnen?

  • Jesus sendet 70 Jünger zum Predigen aus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Einige von den 70 Königreichsverkündigern berichten Jesus begeistert von ihrer Predigtaktion

      KAPITEL 72

      Jesus sendet 70 Jünger zum Predigen aus

      LUKAS 10:1-24

      • JESUS WÄHLT 70 JÜNGER AUS, DIE ER ZUM PREDIGEN AUSSENDET

      Seit Jesu Taufe sind nun ungefähr drei Jahre vergangen und das Jahr 32 neigt sich langsam dem Ende. Vor Kurzem waren er und seine Jünger zum Laubhüttenfest in Jerusalem und wahrscheinlich halten sie sich noch in der Nähe auf (Lukas 10:38; Johannes 11:1). Jesus verbringt den Großteil der verbleibenden sechs Monate seines Dienstes in Judäa und auf der anderen Jordanseite in Peräa. Auch dort muss noch gepredigt werden.

      Nach dem Passah 30 hat Jesus einige Monate in Judäa gepredigt und ist dann über Samaria nach Galiläa zurückgereist. Um die Zeit des Passahs 31 hat man in Jerusalem versucht, ihn zu töten. Deshalb hat er während der nächsten eineinhalb Jahre überwiegend im Norden, in Galiläa, gelehrt. In dieser Zeit sind viele seine Nachfolger geworden. In Galiläa hat Jesus außerdem seine Apostel geschult und sie dann mit der Anweisung ausgesandt: „Predigt überall, wohin ihr geht: ‚Das Königreich des Himmels ist nah‘ “ (Matthäus 10:5-7). Jetzt organisiert er allerdings eine Predigtaktion in Judäa.

      Dazu wählt er als Erstes 70 Jünger aus und teilt sie zu zweit ein. Diese 35 Verkündigerpaare sollen in einem Gebiet über das Königreich sprechen, wo die Ernte groß ist, aber wo es „nur wenige Arbeiter“ gibt (Lukas 10:2). Sie sollen Jesus an Orte vorausgehen, in die er dann selbst gehen möchte. Die 70 sollen Kranke heilen und die gleiche Botschaft verbreiten wie Jesus.

      Sie sollen sagen: „Das Königreich Gottes ist nah bei euch.“ Allerdings sollen sie nicht in den Synagogen lehren, sondern zu den Menschen nach Hause gehen. Jesus weist sie an: „Wo immer ihr ein Haus betretet, sagt zuerst: ‚Friede sei mit diesem Haus.‘ Wenn dort jemand ist, der Frieden liebt, bleibt euer Frieden bei ihm“ (Lukas 10:5-9).

      Die Anweisungen, die Jesus den 70 gibt, ähneln denen, die er vor etwa einem Jahr den 12 Aposteln gegeben hat. Er bereitet die Jünger aber auch darauf vor, dass sie nicht überall freundlich aufgenommen werden. Aufgeschlossene Menschen wird ihr Predigen allerdings auf den Herrn Jesus vorbereiten. Wenn er dann kurze Zeit später kommt, werden sie schon auf ihn gespannt sein und von ihm lernen wollen.

      Schließlich kommen die 70 Verkündiger des Königreiches zu Jesus zurück und erzählen ihm voller Freude: „Herr, selbst die Dämonen werden uns unterworfen, wenn wir deinen Namen benutzen“! Bestimmt ist Jesus von ihrem Bericht begeistert, denn er sagt: „Ich sehe Satan schon wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Seht, ich habe euch autorisiert, Schlangen und Skorpione zu zertreten“ (Lukas 10:17-19).

      So versichert Jesus seinen Nachfolgern, dass ihnen gefährliche Dinge nichts anhaben können. Darüber hinaus können sie sicher sein, dass der Teufel in der Zukunft aus dem Himmel geworfen wird. Außerdem hilft Jesus den 70 zu verstehen, worauf es letzten Endes ankommt. Er sagt: „Freut euch nicht darüber, dass die Geister euch unterworfen werden, sondern freut euch, weil eure Namen im Himmel eingetragen sind“ (Lukas 10:20).

      Jesus ist überglücklich und preist seinen Vater öffentlich, weil er seine einfachen Diener auf so beeindruckende Weise gebraucht. Dann wendet er sich den Jüngern zu und sagt: „Glücklich sind die Augen, die sehen, was ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten unbedingt sehen, was ihr seht, sahen es aber nicht, und wollten hören, was ihr hört, hörten es aber nicht“ (Lukas 10:23, 24).

      • Wo predigt Jesus während seiner letzten sechs Monate, und warum konzentriert er sich auf diese Gegenden?

      • Wo sollen die 70 Jünger die Menschen aufsuchen?

      • Worauf kommt es gemäß Jesu Worten letzten Endes an?

  • Der barmherzige Samariter
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Samariter nähert sich einem verletzten Mann, an dem ein Priester und ein Levit auf der anderen Straßenseite vorbeigegangen sind

      KAPITEL 73

      Der barmherzige Samariter

      LUKAS 10:25-37

      • WIE MAN EWIGES LEBEN ERBT

      • EIN SAMARITER ERWEIST SICH ALS WAHRER MITMENSCH

      Während sich Jesus noch in Jerusalem aufhält, kommen mehrere Juden auf ihn zu. Einige wollen von ihm lernen, andere wollen ihn auf die Probe stellen. Einer von ihnen, ein Gesetzesexperte, stellt Jesus die Frage: „Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ (Lukas 10:25).

      Jesus merkt, dass der Mann die Frage nicht aufrichtig meint, sondern ihn offenbar zu einer Aussage verleiten will, die bei den Juden Anstoß erregt. Der Mann hat bereits eine vorgefasste Meinung und Jesus durchschaut das. Deshalb antwortet er klugerweise so, dass der Mann offenbart, wie er denkt.

      Jesus fragt: „Was steht denn im Gesetz? Was liest du dort?“ Da dieser Mann das Gesetz Gottes studiert hat, stützt er seine Antwort darauf und zitiert aus 5. Mose 6:5 und 3. Mose 19:18. Er sagt: „ ,Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken‘ und ‚deinen Mitmenschen wie dich selbst‘ “ (Lukas 10:26, 27).

      Jesus sagt zu ihm: „Du hast richtig geantwortet. Halte dich weiter daran und du wirst Leben bekommen.“ Damit ist das Gespräch aber nicht zu Ende, denn der Mann will nicht einfach nur eine Antwort. Er will beweisen, „dass er gerecht ist“ — also eine Bestätigung dafür bekommen, dass seine Ansichten richtig sind und damit auch die Art, wie er andere behandelt. Deshalb fragt er: „Wer ist denn eigentlich mein Mitmensch?“ (Lukas 10:28, 29). Diese scheinbar einfache Frage ist von großer Tragweite. Wieso kann man das sagen?

      Die Juden glauben, die Bezeichnung „Mitmensch“ sei nur auf Personen anzuwenden, die sich an die jüdischen Überlieferungen halten. Und 3. Mose 19:18 scheint ihre Auffassung zu stützen. Ein Jude mag sogar geltend machen, dass es gegen das Gesetz verstößt, mit einem Nichtjuden Umgang zu haben (Apostelgeschichte 10:28). Daher hält sich dieser Mann — und wahrscheinlich auch einige Jünger Jesu — für gerecht, wenn sie lediglich Mitjuden freundlich behandeln. Zu Nichtjuden könnten sie jedoch unfreundlich sein, da sie ja nicht ihre „Mitmenschen“ sind.

      Wie korrigiert Jesus dieses Denken, ohne den Mann und andere Juden vor den Kopf zu stoßen? Er erzählt ihnen eine Geschichte: „Ein Mann ging von Jerusalem hinunter nach Jericho und wurde von Räubern überfallen. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen auf ihn ein und ließen ihn dann halb tot zurück. Zufällig kam ein Priester denselben Weg hinunter, doch als er den Verletzten sah, ging er auf der anderen Straßenseite vorbei. Auch ein Levit, der an die Stelle kam und den Mann sah, ging auf der anderen Straßenseite vorbei. Aber als ein gewisser Samariter, der auf derselben Straße unterwegs war, dorthin kam und ihn sah, empfand er tiefes Mitgefühl“ (Lukas 10:30-33).

      Der Mann, dem Jesus diese Geschichte erzählt, weiß, dass viele Priester und Leviten in Jericho leben. Ihr knapp 23 Kilometer langer Heimweg vom Tempel führt sie über eine Straße hinab, die gefährlich ist, weil dort immer wieder Räuber auf der Lauer liegen. Man sollte meinen, dass ein Priester oder ein Levit einem Mitjuden hilft, wenn dieser in einer Notlage ist. Doch in Jesu Geschichte tun sie es nicht. Derjenige, der hilft, ist ein Samariter — ein Mann aus einem Volk, das die Juden verachten (Johannes 8:48).

      Wie hilft der Samariter dem verletzten Juden? Jesus erzählt weiter: „Er ging zu dem Mann hin, versorgte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Tier, brachte ihn in eine Herberge und kümmerte sich um ihn. Am nächsten Tag nahm er zwei Denare, gab sie dem Wirt und sagte: ‚Sorg für ihn, und wenn das Geld nicht reicht, zahle ich den Rest, sobald ich wiederkomme‘ “ (Lukas 10:34, 35).

      Nachdem Jesus, der meisterhafte Lehrer, die Geschichte zu Ende erzählt hat, stellt er die nachdenklich stimmende Frage: „Wer von den dreien hat sich deiner Meinung nach für den Überfallenen als Mitmensch erwiesen?“ Die Antwort „Der Samariter“ scheint dem Mann zu widerstreben. Daher erwidert er: „Der, der ihn barmherzig behandelt hat.“ Darauf macht Jesus unmissverständlich klar, was er durch seine Geschichte vermitteln möchte, indem er ihn auffordert: „Geh und mach es auch so“ (Lukas 10:36, 37).

      Was für eine wirkungsvolle Lehrmethode! Hätte Jesus dem Mann einfach gesagt, dass auch Nichtjuden seine Mitmenschen sind, dann hätten er und andere Juden das wahrscheinlich nicht akzeptiert. Doch durch die einfache Geschichte mit Einzelheiten, die den Zuhörern vertraut sind, wird die Antwort auf die Frage „Wer ist denn eigentlich mein Mitmensch?“ offensichtlich: Als wahrer Mitmensch erweist sich derjenige, der sich gütig und liebevoll verhält, so wie es Gottes Wort verlangt.

      • Warum will ein Mann von Jesus wissen, wie man ewiges Leben bekommt?

      • Wen betrachten die Juden als ihre Mitmenschen und warum?

      • Wie macht Jesus die richtige Ansicht darüber deutlich, wer unser Mitmensch ist?

  • Rat zum Thema Gastfreundschaft und Gebet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria sitzt zu Jesu Füßen, während er Martha Rat gibt

      KAPITEL 74

      Rat zum Thema Gastfreundschaft und Gebet

      LUKAS 10:38 BIS 11:13

      • JESUS BESUCHT MARTHA UND MARIA

      • ES IST WICHTIG, BEHARRLICH ZU BETEN

      Etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt, am Osthang des Ölbergs, liegt das Dorf Bethanien (Johannes 11:18). Dort besucht Jesus die beiden Schwestern Martha und Maria. Er ist mit ihnen und ihrem Bruder Lazarus befreundet, und sie freuen sich sehr über seinen Besuch.

      Es ist eine Ehre, den Messias zu Gast zu haben. Martha möchte alles tun, damit Jesus sich wohlfühlt, und beginnt, ein aufwendiges Essen zuzubereiten. Maria sitzt währenddessen zu Jesu Füßen und hört ihm zu. Nach einer Weile fragt Martha ihn: „Herr, stört es dich nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Sag ihr, sie soll kommen und mir helfen“ (Lukas 10:40).

      Doch statt etwas zu Maria zu sagen, gibt er Martha den Rat, sich nicht so viele Sorgen ums Essen zu machen: „Martha, Martha, du machst dir um so vieles Gedanken und Sorgen. Dabei braucht man doch nur wenig, eigentlich nur eine Sache. Maria hat sich für das Gute entschieden und es wird ihr nicht weggenommen werden“ (Lukas 10:41, 42). So betont Jesus, dass es nicht nötig ist, eine Menge Zeit damit zu verbringen, viele verschiedene Speisen zuzubereiten. Ein einfaches Essen reicht völlig aus.

      Martha meint es natürlich gut und möchte gern gastfreundlich sein. Doch sie ist so sehr damit beschäftigt, das Essen vorzubereiten, dass sie sich die Gelegenheit entgehen lässt, von dem Sohn Gottes zu lernen! Jesus macht deutlich, dass Maria eine weise Entscheidung getroffen hat, die ihr das ganze Leben zugutekommen wird und aus der wir viel lernen können.

      Bei einer anderen Gelegenheit vermittelt Jesus einen ähnlich wichtigen Lehrpunkt. Ein Jünger bittet ihn: „Herr, bring uns bei, wie man betet, so wie es auch Johannes seinen Jüngern beigebracht hat“ (Lukas 11:1). Jesus hat das zwar schon vor etwa eineinhalb Jahren in der Bergpredigt erklärt (Matthäus 6:9-13). Aber vermutlich war dieser Jünger damals nicht dabei. Daher wiederholt Jesus die wichtigsten Punkte und veranschaulicht dann, wie wichtig es ist, beharrlich zu beten.

      „Angenommen, einer von euch geht um Mitternacht zu einem Freund und bittet ihn: ‚Mein Freund, leih mir doch drei Brote. Ein Freund von mir ist nämlich gerade angereist und ich habe nichts zum Anbieten.‘ Doch von innen kommt die Antwort: ‚Hör auf, mich zu stören. Die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder liegen bei mir im Bett. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.‘ Ich sage euch: Er wird ganz sicher aufstehen und ihm alles geben, was er braucht — selbst wenn er es nicht aus Freundschaft tut, sondern weil der andere so hartnäckig ist“ (Lukas 11:5-8).

      Jesus deutet hier nicht an, Jehova würde so wie der Freund nur widerwillig auf unsere Bitten reagieren. Er will vielmehr Folgendes sagen: Wenn schon jemand, der eigentlich nicht helfen möchte, einem Freund hilft, weil dieser ihn hartnäckig bittet, dann wird unser liebevoller Vater im Himmel die aufrichtigen Bitten seiner treuen Diener erst recht erhören! Jesus sagt weiter: „Bittet immer wieder und ihr werdet bekommen, sucht weiter und ihr werdet finden, klopft immer wieder an und es wird euch geöffnet werden. Denn jeder, der bittet, bekommt, und jeder, der sucht, findet, und jedem, der anklopft, wird geöffnet“ (Lukas 11:9, 10).

      Dann unterstreicht Jesus diesen Punkt noch durch einen Vergleich: „Welcher Vater unter euch wird seinem Kind schon eine Schlange geben, wenn es um einen Fisch bittet? Oder wenn es außerdem um ein Ei bittet, gibt er ihm dann etwa einen Skorpion? Wenn also schon ihr es versteht, euren Kindern Gutes zu schenken, obwohl ihr schlecht seid, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel denen, die ihn bitten, heiligen Geist geben!“ (Lukas 11:11-13). Was für eine schöne Zusicherung, dass unser Vater uns gern zuhört und auf unsere Bedürfnisse eingeht!

      • Was zeigt, dass Martha und Maria auf unterschiedliche Dinge Wert legen? Was können wir daraus lernen?

      • Weshalb erklärt Jesus noch einmal, wie man beten soll?

      • Wie veranschaulicht Jesus, dass es wichtig ist, beim Beten beharrlich zu sein?

  • Was wirklich glücklich macht
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus korrigiert eine Frau, die seine Mutter Maria besonders geehrt hat

      KAPITEL 75

      Was wirklich glücklich macht

      LUKAS 11:14-36

      • JESUS TREIBT DIE DÄMONEN DURCH „DEN FINGER GOTTES“ AUS

      • JESUS ERKLÄRT, WAS WIRKLICH GLÜCKLICH MACHT

      Jesus hat gerade wiederholt, wie man beten sollte. Das Gebet ist allerdings nicht das einzige Thema, das während seines Dienstes immer wieder zur Sprache kommt. In Galiläa wurde er zu Unrecht beschuldigt, seine Wunder durch den Herrscher der Dämonen zu wirken. Und hier in Judäa wird er wieder mit dieser Anschuldigung konfrontiert.

      Das geschieht, als Jesus aus einem Mann einen Dämon austreibt, der Stummheit verursacht. Die Leute staunen zwar sehr darüber, doch seine Kritiker beschuldigen ihn: „Der kann die Dämonen doch nur durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen, austreiben“ (Lukas 11:15). Andere verlangen von ihm ein Zeichen vom Himmel, um zu sehen, wer er wirklich ist.

      Jesus merkt, dass sie ihn auf die Probe stellen wollen, und antwortet ihnen so wie schon anderen Kritikern in Galiläa. Er argumentiert, dass jedes Reich, das in sich gespalten ist, untergeht, und folgert: „So ist es auch mit Satan. Wenn er in sich selbst gespalten ist, wie soll sein Reich bestehen?“ Dann sagt er offen: „Wenn ich die Dämonen aber durch den Finger Gottes austreibe, dann ist Gottes Königreich schon gekommen, ohne dass ihr es gemerkt habt“ (Lukas 11:18-20).

      Das Stichwort „Finger Gottes“ sollte seine Gesprächspartner eigentlich an die Geschichte Israels erinnern. Als Moses ein Wunder wirkte, riefen die Umstehenden nämlich: „Das ist der Finger Gottes!“ Und der „Finger Gottes“ war es, der die Zehn Gebote auf die zwei Steintafeln schrieb (2. Mose 8:19; 31:18). Ebenso ist es auch der „Finger Gottes“ — Gottes heiliger Geist oder wirksame Kraft — der Jesus dazu befähigt, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Gottes Königreich ist also tatsächlich gekommen, ohne dass diese Gegner es gemerkt haben, denn Jesus, der designierte König des Königreiches, vollbringt mitten unter ihnen große Taten.

      Jesu Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, beweist auch, dass er Macht über den Teufel hat — ähnlich wie ein starker Mann, der einen gut bewaffneten Palastwächter überwältigt. Dann wiederholt Jesus das Gleichnis von dem Mann, aus dem ein böser Geist auszieht. Wenn der Mann die Leere nicht mit guten Dingen füllt, kommt der Geist mit sieben anderen zurück und der Mann ist letztlich schlimmer dran als vorher (Matthäus 12:22, 25-29, 43-45). So wird es auch mit der Nation Israel sein.

      Da ruft eine Zuhörerin: „Glücklich ist der Mutterleib, der dich getragen hat, und glücklich sind die Brüste, die dich gestillt haben!“ Doch Jesus weist sie darauf hin, was wirklich glücklich macht: „Nein, sondern glücklich ist, wer Gottes Wort hört und danach lebt!“ (Lukas 11:27, 28). Viele Jüdinnen hoffen, einen Propheten oder sogar den Messias zur Welt zu bringen. Daher denkt die Frau wahrscheinlich, Maria könne sich als die Mutter eines solchen Lehrers besonders glücklich schätzen. Jesus hat jedoch nie davon gesprochen, dass Maria besonders geehrt werden sollte. Verwandtschaftliche Beziehungen oder besondere Leistungen führen nicht zu wahrem Glück. Ob Mann oder Frau, wirklich glücklich ist, wer Gott treu dient.

      Wie schon in Galiläa kritisiert Jesus nun alle, die ein Zeichen vom Himmel verlangen. Er sagt, sie werden keins bekommen, außer das „Zeichen des Propheten Jona“. Jona diente in zweierlei Hinsicht als Zeichen: Erstens war er drei Tage im Bauch des Fisches, und zweitens predigte er mutig, woraufhin die Niniviten bereuten. Jesus sagt: „Aber seht! Hier ist jemand, der bedeutender ist als Jona“ (Lukas 11:29-32). Jesus ist auch bedeutender als Salomo, zu dem die Königin von Scheba eigens kam, um zu hören, wie weise er ist.

      Dann sagt Jesus: „Nachdem man eine Lampe angezündet hat, versteckt man sie nicht und stellt sie auch nicht unter ein Messgefäß, sondern auf den Lampenständer“ (Lukas 11:33). Womöglich deutet er an, er könne genauso gut eine Lampe verstecken, wenn er diese Leute belehrt und ihnen seine Wunder zeigt. Ihre Augen sind nicht fokussiert und daher begreifen sie nicht, was der Zweck seiner Wunder ist (Lukas 11:34).

      Jesus hat gerade einen Dämon ausgetrieben und einen Stummen zum Sprechen gebracht. Das sollte die Leute dazu bringen, Gott zu verherrlichen und anderen zu berichten, wozu Jehova in der Lage ist. Daher hat Jesus folgende Warnung an seine Gegner: „Achte . . . darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist. Wenn also dein ganzer Körper voller Licht ist und nichts davon finster, dann wird er so hell sein, als würde dir eine Lampe durch ihre Strahlen Licht spenden“ (Lukas 11:35, 36).

      • Wie reagieren einige in Judäa, als Jesus einen Mann heilt?

      • Was ist „der Finger Gottes“? Und wie ist Gottes Königreich gekommen, ohne dass Jesu Zuhörer es gemerkt haben?

      • Was macht wirklich glücklich?

  • Zu Gast bei einem Pharisäer
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus verurteilt die Pharisäer für ihre religiösen Traditionen und ihre Heuchelei

      KAPITEL 76

      Zu Gast bei einem Pharisäer

      LUKAS 11:37-54

      • JESUS VERURTEILT DIE HEUCHLERISCHEN PHARISÄER

      Während sich Jesus in Judäa aufhält, wird er von einem Pharisäer zum Essen eingeladen, wahrscheinlich zum Mittagessen (Lukas 11:37, 38). Die Pharisäer reinigen sich vor dem Essen rituell, indem sie sich die Hände und Unterarme bis zum Ellbogen waschen. Doch Jesus macht das nicht (Matthäus 15:1, 2). Es verstößt zwar nicht gegen Gottes Gesetz, sich bis zum Ellbogen zu waschen, aber Gott verlangt es auch nicht.

      Der Pharisäer ist überrascht, dass Jesus sich nicht an diese Tradition hält. Jesus bemerkt das und sagt: „Ihr Pharisäer, ihr macht den Becher und die Schüssel außen sauber, aber innen seid ihr voll von Gier und Schlechtigkeit. Ihr Unvernünftigen! Hat nicht der, der das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht?“ (Lukas 11:39, 40).

      Sich vor dem Essen nicht die Hände zu waschen ist nicht weiter schlimm — religiöse Heuchelei hingegen schon. Die Pharisäer und andere reinigen zwar rituell ihre Hände, versäumen es aber, ihr Herz von Schlechtigkeit zu reinigen. Daher rät Jesus ihnen: „Gebt den Armen, was aus dem Inneren kommt, und ihr werdet sehen: Alles an euch wird rein sein“ (Lukas 11:41). Wie wahr! Geben sollte einem Herzen voller Liebe entspringen und nicht dem Wunsch, andere durch einen Anschein von Gerechtigkeit zu beeindrucken.

      Es ist jedoch nicht so, dass diese Männer nichts geben würden. Jesus bemerkt: „Ihr gebt ein Zehntel von der Minze und der Raute und von jedem anderen Gartenkraut, aber die Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott vernachlässigt ihr! Das eine war zwar eure Pflicht, aber das andere hättet ihr nicht vernachlässigen dürfen“ (Lukas 11:42). Gottes Gesetz fordert, dass man von allen Feldfrüchten den Zehnten zahlt (5. Mose 14:22). Das schließt auch Küchenkräuter wie die Minze oder die Raute ein. Die Pharisäer achten sehr genau darauf, auch davon ein Zehntel zu geben. Aber was ist mit den wichtigeren Dingen, die das Gesetz fordert, wie Gerechtigkeit und Bescheidenheit? (Micha 6:8).

      Jesus sagt weiter: „Wehe euch, ihr Pharisäer! Denn ihr liebt es, in den Synagogen die vorderen Sitze zu bekommen und auf den Marktplätzen besonders gegrüßt zu werden. Wehe euch, denn ihr seid wie die Gräber, die nicht klar zu erkennen sind und über die man unwissentlich hinwegläuft!“ (Lukas 11:43, 44). Wer versehentlich über so ein Grab geht, wird rituell unrein. So unterstreicht Jesus, dass die Unreinheit der Pharisäer nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist (Matthäus 23:27).

      Da beschwert sich ein Gesetzesexperte: „Lehrer, damit beleidigst du auch uns.“ Doch auch diese Männer müssen erkennen, dass sie den Menschen keine Hilfe sind. Jesus antwortet ihm: „Wehe auch euch, ihr Gesetzesexperten, weil ihr den Menschen Lasten aufladet, die sie kaum tragen können, doch ihr selbst rührt die Lasten mit keinem Finger an! Wehe euch, denn ihr baut Gräber für die Propheten, dabei haben eure Vorfahren sie getötet!“ (Lukas 11:45-47).

      Mit den Lasten meint Jesus die mündlichen Überlieferungen sowie die Gesetzesauslegung der Pharisäer. Da die Gesetzesexperten darauf bestehen, dass sich alle daran halten, machen sie den Menschen das Leben schwer. Ihre Vorfahren haben — angefangen bei Abel — Gottes Propheten getötet. Und jetzt ahmen sie, die für die Propheten Gräber bauen und vorgeben sie zu ehren, die Einstellung und Taten ihrer Vorfahren nach. Sie sind sogar darauf aus, Gottes bedeutendsten Propheten zu töten. Doch wie Jesus sagt, wird Gott mit dieser Generation abrechnen, was sich 38 Jahre später, im Jahr 70, erfüllt.

      Jesus fährt fort: „Wehe euch, ihr Gesetzesexperten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Selbst seid ihr nicht hineingegangen, hindert aber auch alle, die hineinwollen“ (Lukas 11:52). Diese Männer sollten den Menschen eigentlich die Bedeutung von Gottes Wort eröffnen. Doch stattdessen verschließen sie ihnen die Möglichkeit, Gottes Wort kennenzulernen und zu verstehen.

      Was bewirken Jesu Worte bei den Pharisäern? Als er das Haus verlässt, setzen sie ihm heftig zu und bestürmen ihn mit Fragen — aber nicht weil sie von ihm lernen wollen. Sie wollen ihn dazu bringen, etwas zu sagen, wofür sie ihn festnehmen lassen können.

      • Weshalb verurteilt Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten?

      • Welche Lasten werden den Menschen aufgezwungen?

      • Was steht denen bevor, die Jesus anfeinden und töten wollen?

  • Warum Reichtum eine Gefahr sein kann
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein reicher Mann lässt es sich gut gehen und denkt dabei an die vielen guten Dinge, die er aufgehäuft hat

      KAPITEL 77

      Warum Reichtum eine Gefahr sein kann

      LUKAS 12:1-34

      • DIE GESCHICHTE VOM REICHEN MANN

      • JESUS SPRICHT ÜBER RABEN UND LILIEN

      • EINE „KLEINE HERDE“ WIRD INS KÖNIGREICH KOMMEN

      Während Jesus bei dem Pharisäer zum Essen war, haben sich vor dem Haus viele Leute versammelt. Ähnliches hat er auch schon in Galiläa erlebt (Markus 1:33; 2:2; 3:9). Und auch hier in Judäa wollen viele ihn sehen und hören. Sie sind so ganz anders als die Pharisäer, mit denen er gerade gegessen hat.

      Was Jesus zuerst sagt, ist für seine Jünger von besonderer Bedeutung: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer in Acht, also vor ihrer Heuchelei.“ Es ist nicht das erste Mal, dass er davor warnt. Aber was er gerade bei dem Pharisäer erlebt hat, bestätigt, wie dringend dieser Rat ist (Lukas 12:1; Markus 8:15). Die Pharisäer mögen zwar versuchen, ihre Bosheit hinter einer Fassade der Frömmigkeit zu verstecken. Doch sie stellen eine Gefahr dar, die unbedingt aufgedeckt werden muss. Jesus erklärt: „Es ist . . . nichts sorgfältig verborgen, was nicht offenbart werden wird, und nichts geheim, was nicht bekannt werden wird“ (Lukas 12:2).

      Viele, die Jesus umringen, sind vermutlich Judäer, die nicht dabei waren, als er in Galiläa gelehrt hat. Deshalb wiederholt er nun einige der wichtigsten Lehren. Er fordert seine Zuhörer auf: „Habt keine Angst vor denen, die zwar den Körper töten, aber danach nichts weiter anrichten können“ (Lukas 12:4). Dann betont er wie schon früher, dass seine Nachfolger darauf vertrauen müssen, dass Gott für sie sorgt. Außerdem müssen sie sich zum Menschensohn bekennen und begreifen, dass Gott in der Lage ist, ihnen zu helfen (Matthäus 10:19, 20, 26-33; 12:31, 32).

      Ein Mann aus der Menge hat etwas auf dem Herzen. Er bittet Jesus: „Lehrer, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen“ (Lukas 12:13). Eigentlich dürfte das kein Streitpunkt sein, denn im Gesetz ist klar festgelegt, dass der Erstgeborene zwei Teile vom Erbe erhält (5. Mose 21:17). Doch anscheinend will der Mann mehr, als ihm zusteht. Jesus lehnt es jedoch klugerweise ab, sich einzumischen. „Mensch, wer hat mich zum Schlichter zwischen euch beiden eingesetzt?“, fragt er (Lukas 12:14).

      Dann ermahnt er alle: „Haltet die Augen offen und hütet euch vor jeder Art von Gier, denn wenn jemand auch noch so viel hat, sein Besitz gibt ihm kein Leben“ (Lukas 12:15). Unabhängig davon, wie viel jemand besitzt — irgendwann muss er sterben und alles zurücklassen. Jesus unterstreicht diesen Punkt durch eine einprägsame Geschichte, die außerdem betont, wie wichtig ein guter Ruf bei Gott ist.

      „Das Land eines Reichen lieferte gute Erträge. Da überlegte er: ‚Ich weiß nicht, wo ich meine ganze Ernte unterbringen soll. Was mach ich jetzt nur?‘ Schließlich beschloss er: ‚So mach ich’s: Ich reiße meine Vorratshäuser ab, baue größere, bringe mein ganzes Getreide und alle meine Güter dorthin und sage mir: „Du hast so viel Gutes angesammelt, dass es für viele Jahre reicht. Lehn dich zurück, iss, trink und genieß das Leben.“ ‘ Doch Gott sagte zu ihm: ‚Du Unvernünftiger, noch heute Nacht wird man dein Leben von dir fordern. Wer soll dann alles bekommen, was du angesammelt hast?‘ So ergeht es jemandem, der Schätze für sich ansammelt, aber in Gottes Augen nicht reich ist“ (Lukas 12:16-21).

      Sowohl Jesu Jünger als auch seine anderen Zuhörer könnten in die Falle tappen, reich werden zu wollen oder noch mehr anzuhäufen. Auch die Alltagssorgen könnten sie davon abbringen, Jehova zu dienen. Daher wiederholt Jesus einige wertvolle Punkte aus der Bergpredigt, die er etwa eineinhalb Jahre zuvor gehalten hat.

      „Hört auf, euch über euer Leben Sorgen zu machen, also was ihr essen sollt, oder über euren Körper, also was ihr anziehen sollt. . . . Denkt nur einmal an die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht und haben weder Scheune noch Vorratshaus. Trotzdem ernährt Gott sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als Vögel? . . . Achtet einmal darauf, wie die Lilien wachsen: Sie mühen sich nicht ab und spinnen kein Garn. Aber ich sage euch: Nicht mal Salomo in all seiner Pracht war so schön gekleidet wie eine von ihnen. . . . Hört also auf, euch Sorgen darüber zu machen, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und hört auf, vor Ungewissheit angespannt zu sein. . . . euer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Macht stattdessen immer sein Königreich zum Wichtigsten in eurem Leben und er wird euch all das geben“ (Lukas 12:22-31; Matthäus 6:25-33).

      Wie Jesus verrät, wird eine relativ kleine Anzahl treuer Menschen, eine „kleine Herde“, das Königreich zum Wichtigsten in ihrem Leben machen. Später wird zusätzlich bekannt werden, dass es sich dabei um 144 000 handelt. Was erwartet sie? Jesus sichert ihnen zu: „Euer Vater hat es für gut befunden, euch das Königreich zu geben.“ Sie werden sich nicht darauf konzentrieren, auf der Erde Schätze anzuhäufen, wo Diebe sie stehlen können. Stattdessen werden sie ihr Herz auf „einen unerschöpflichen Schatz im Himmel“ richten — dort, wo sie mit Christus regieren werden (Lukas 12:32-34).

      • Wie reagiert Jesus auf eine Frage zur Erbverteilung?

      • Warum ist die Geschichte von dem reichen Mann auch für uns bedeutend?

      • Was verrät Jesus über diejenigen, die mit ihm im Königreich sein werden?

  • Sei bereit, treuer Verwalter!
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Zwei Männer warten auf die Rückkehr ihres Herrn; ihre Lampe brennt

      KAPITEL 78

      Sei bereit, treuer Verwalter!

      LUKAS 12:35-59

      • DER TREUE VERWALTER MUSS SICH BEREITHALTEN

      • JESUS KOMMT, UM ZU ENTZWEIEN

      Jesus hat erklärt, dass nur eine „kleine Herde“ einen Platz im Königreich des Himmels bekommen wird (Lukas 12:32). Doch diese großartige Belohnung zu erhalten ist nicht selbstverständlich. Jesus zeigt nämlich, wie wichtig die richtige Einstellung ist, wenn man dem Königreich angehören möchte.

      Jesus ermahnt seine Jünger, sich für seine Rückkehr bereitzuhalten. Er sagt: „Seid fertig angezogen und bereit, und lasst eure Lampen brennen. Seid wie Menschen, die darauf warten, dass ihr Herr von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm, wenn er kommt und anklopft, sofort öffnen können. Glücklich sind jene Sklaven, die der Herr wachend vorfindet, wenn er kommt!“ (Lukas 12:35-37).

      Die Jünger können sich gut vorstellen, welche Einstellung die Sklaven brauchen: Sie müssen stets bereit sein und die Rückkehr ihres Herrn erwarten. Jesus erklärt: „Und wenn . . . [der Herr] in der zweiten Wache [von circa 21 Uhr bis Mitternacht] kommt oder sogar in der dritten [von Mitternacht bis circa 3 Uhr morgens] und sieht, dass sie bereit sind, wie glücklich können sie sich dann schätzen!“ (Lukas 12:38).

      Hier geht es um mehr als nur um gewissenhafte Diener oder Arbeiter. Das wird daran deutlich, wie sich Jesus, der Menschensohn, nun selbst ins Spiel bringt. Er fordert seine Jünger auf: „Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, den ihr nicht für wahrscheinlich haltet“ (Lukas 12:40). Jesus wird also zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft kommen. Dann sollen seine Nachfolger — besonders die, die zur „kleinen Herde“ gehören — bereit sein.

      Petrus möchte das noch besser verstehen und fragt: „Herr, bringst du diesen Vergleich nur für uns oder für alle?“ Jesus antwortet mit einem weiteren Vergleich, der mit dem ersten zusammenhängt: „Wer ist in Wirklichkeit der treue Verwalter, der verständige, dem sein Herr die Verantwortung für seine Dienerschaft übertragen wird, damit er ihnen immer zur richtigen Zeit ihr Maß an Nahrung gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr kommt und sieht, dass er genau das tut! Ich sage euch die Wahrheit: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen“ (Lukas 12:41-44).

      In dem ersten Vergleich bezieht sich „der Herr“ auf Jesus, den Menschensohn. Der „treue Verwalter“ muss also aus Männern bestehen, die ein Teil der „kleinen Herde“ sind, der das Königreich gegeben wird (Lukas 12:32). Wie Jesus zeigt, wird dieser Verwalter der „Dienerschaft“ „immer zur richtigen Zeit ihr Maß an Nahrung“ geben. Da Petrus und die anderen Jünger gerade von Jesus selbst belehrt und geistig ernährt werden, können sie daraus schließen, dass der Menschensohn innerhalb eines Zeitabschnitts in der Zukunft kommen wird. Während dieses Zeitabschnitts wird es eine Einrichtung geben, die Jesu Nachfolger — die „Dienerschaft“ des Herrn — geistig ernährt.

      Dann sagt Jesus: „Falls sich aber jener Sklave jemals sagen sollte: ‚Mein Herr verspätet sich‘, und anfängt, die Diener und Dienerinnen zu schlagen, und anfängt, zu essen und zu trinken, ja sich zu betrinken, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einem Zeitpunkt, den er nicht kennt, und ihn äußerst hart bestrafen und ihm seinen Platz unter den Untreuen zuweisen“ (Lukas 12:45, 46). So unterstreicht Jesus, warum seine Jünger wachsam sein und auf ihre Einstellung achten müssen. Sie könnten nämlich nachlässig werden und sich letztlich sogar gegen ihre Brüder und Schwestern stellen.

      Anschließend erklärt Jesus, er sei „gekommen, um ein Feuer auf der Erde zu entfachen“. Das tut er durch Fragen, die hitzige Debatten auslösen und dazu führen, dass falsche Lehren und Traditionen wie von einem Feuer verzehrt werden. Dadurch werden sogar Menschen gegeneinander aufgebracht, die eigentlich zusammengehören — „Vater gegen Sohn und Sohn gegen Vater, Mutter gegen Tochter und Tochter gegen Mutter, Schwiegermutter gegen Schwiegertochter und Schwiegertochter gegen Schwiegermutter“ (Lukas 12:49, 53).

      All diese Aussagen hat Jesus vor allem an seine Jünger gerichtet. Jetzt wendet er sich wieder der Menschenmenge zu. Die meisten von ihnen weigern sich hartnäckig, die Beweise anzuerkennen, dass er der Messias ist. Darum sagt er zu ihnen: „Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: ‚Ein Unwetter zieht auf‘, und so kommt es. Und wenn ihr seht, dass Südwind weht, sagt ihr: ‚Es gibt eine Hitzewelle‘, und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen von Erde und Himmel wisst ihr einzuschätzen — warum könnt ihr dann diese besondere Zeit nicht einschätzen?“ (Lukas 12:54-56). Es liegt auf der Hand: Sie sind für den Messias nicht bereit.

      • Wer ist „der Herr“, und wer ist „der treue Verwalter“?

      • Warum können die Jünger schlussfolgern, dass es in der Zukunft einen treuen Verwalter geben wird? Welche Aufgabe übernimmt er?

      • Warum ist Jesu Rat, sich bereitzuhalten, so wichtig?

  • Warum die Vernichtung bevorsteht
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Der Synagogenvorsteher ärgert sich darüber, dass Jesus eine Frau an einem Sabbat geheilt hat

      KAPITEL 79

      Warum die Vernichtung bevorsteht

      LUKAS 13:1-21

      • JESUS LEITET AUS ZWEI TRAGISCHEN EREIGNISSEN EINE WARNUNG AB

      • EINE BEHINDERTE FRAU WIRD AM SABBAT GEHEILT

      Jesus hat alles Mögliche versucht, um die Menschen dazu zu bringen, ihr Verhältnis zu Gott zu überdenken. Im Anschluss an sein Gespräch vor dem Haus des Pharisäers ergibt sich dazu eine weitere Gelegenheit.

      Einige Anwesende erwähnen ein tragisches Ereignis. Sie erzählen „von Galiläern, deren Blut [der römische Statthalter Pontius] Pilatus mit ihren Opfern vermischt“ hat (Lukas 13:1). Wovon reden sie?

      Diese Galiläer wurden möglicherweise getötet, als Tausende Juden gegen Pilatus protestierten. Er hatte Gelder aus dem Tempelschatz dazu verwendet, ein Aquädukt nach Jerusalem zu bauen. Womöglich hatte er mit den Tempelvorstehern zusammengearbeitet, um an diese Gelder zu kommen. Diejenigen, die Jesus davon berichten, denken nun wahrscheinlich, dass die Galiläer dieses Unglück erleiden mussten, weil sie etwas Schlimmes getan hatten. Jesus stellt das jedoch richtig.

      Er fragt: „Denkt ihr, diesen Galiläern ist es so ergangen, weil sie schlimmere Sünder waren als alle anderen Galiläer? Nein, sage ich euch!“ Doch er gebraucht diesen Zwischenfall für eine Warnung an die Juden: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13:2, 3). Dann nimmt er auf ein anderes tragisches Ereignis Bezug, das eventuell ebenfalls mit dem Bau des Aquädukts zu tun hat. Er sagt:

      „Oder die 18, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete — denkt ihr, sie hatten größere Schuld als alle anderen Einwohner Jerusalems?“ (Lukas 13:4). Die Leute denken vielleicht, diese 18 seien gestorben, weil sie schlechte Menschen waren. Wieder stellt Jesus die Sache richtig. Er weiß, dass „Zeit und unerwartete Ereignisse“ einfach geschehen können und wohl auch die Ursache für diese Tragödie sind (Prediger 9:11). Auch daraus leitet Jesus die Warnung ab: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13:5). Doch warum betont er gerade jetzt, wie wichtig Reue ist?

      Ein Feigenbaum mit Blättern, aber ohne Früchte

      Das hat damit zu tun, in welcher Phase seines Dienstes sich Jesus gerade befindet. Er bringt dazu einen Vergleich: „Ein Mann hatte einen Feigenbaum in seinen Weingarten gepflanzt und kam, um nachzusehen, ob er Früchte trug, fand aber keine. Da sagte er zum Winzer: ‚Ich komme nun schon seit drei Jahren zu diesem Feigenbaum und warte auf Früchte, habe aber keine gefunden. Hau ihn um! Warum sollte der Boden durch ihn ungenutzt bleiben?‘ Der Winzer erwiderte: ‚Herr, lass ihn noch ein Jahr stehen. So kann ich um ihn herum graben und ihn düngen. Wenn er in Zukunft Früchte trägt, gut, wenn aber nicht, dann hau ihn um‘ “ (Lukas 13:6-9).

      Mehr als drei Jahre lang hat Jesus sich bemüht, den Glauben der Juden zu fördern. Doch nur relativ wenige sind seine Jünger geworden und damit die Früchte seiner Arbeit. Jetzt, im vierten Jahr seines Dienstes, strengt er sich noch mehr an. Er lockert und düngt sozusagen die Erde um den jüdischen Feigenbaum, indem er in Judäa und Peräa predigt und lehrt. Mit welchem Ergebnis? Nur einige wenige Juden reagieren positiv. Das Volk als Ganzes lehnt es ab zu bereuen. Ihm steht nun die Vernichtung bevor.

      Die mangelnde Resonanz zeigt sich erneut, als Jesus kurz darauf an einem Sabbat in einer Synagoge lehrt. Dort sieht er eine Frau, die seit 18 Jahren verkrümmt ist, weil sie von einem Dämon geplagt wird. Voller Mitgefühl sagt Jesus zu ihr: „Frau, du bist von deiner Krankheit befreit“ (Lukas 13:12). Er legt ihr die Hände auf und sofort richtet sie sich auf und beginnt Gott zu verherrlichen.

      Ein Israelit führt einen Stier aus dem Stall

      Da sagt der Synagogenvorsteher verärgert: „Es gibt sechs Tage zum Arbeiten. Also kommt an diesen Tagen, um euch heilen zu lassen, und nicht am Sabbat“ (Lukas 13:14). Er bestreitet zwar nicht, dass Jesus die Macht hat zu heilen. Doch er verurteilt die Menschen, weil sie ausgerechnet am Sabbat kommen, um sich heilen zu lassen. Jesus entgegnet mit zwingender Logik: „Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Stier oder seinen Esel los und führt ihn vom Stall zur Tränke? Sollte da nicht diese Frau, die eine Tochter Abrahams ist und die Satan 18 Jahre gefangen hielt, am Sabbat von diesen Fesseln befreit werden?“ (Lukas 13:15, 16).

      Da schämen sich seine Gegner, aber die Menschenmenge freut sich über all das Wunderbare, was Jesus tut. Anschließend wiederholt Jesus hier in Judäa zwei prophetische Gleichnisse, die er bereits auf dem See von Galiläa von einem Boot aus erzählt hat (Matthäus 13:31-33; Lukas 13:18-21).

      • Von welchen zwei tragischen Ereignissen leitet Jesus eine Warnung ab, und wovor warnt er?

      • Wie verdeutlicht der Vergleich vom unfruchtbaren Feigenbaum die Situation der jüdischen Nation?

      • Was kritisiert ein Synagogenvorsteher, und wie stellt Jesus dessen Heuchelei bloß?

  • Der gute Hirte und die Schafhürden
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Hirte öffnet das Tor und eine große Schafherde kommt in die Hürde herein

      KAPITEL 80

      Der gute Hirte und die Schafhürden

      JOHANNES 10:1-21

      • JESUS SPRICHT ÜBER DEN GUTEN HIRTEN UND DIE SCHAFHÜRDEN

      Während Jesus in Judäa lehrt, spricht er in einer Veranschaulichung über Schafe und Schafhürden — etwas, was seine Zuhörer gut kennen. Dadurch werden die Juden womöglich an die Worte Davids erinnert, der sagte: „Jehova ist mein Hirte. Mir wird nichts fehlen. Auf saftigen Weiden lässt er mich lagern“ (Psalm 23:1, 2). In einem anderen Psalm lud David die Nation ein: „Lasst uns vor Jehova knien, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide“ (Psalm 95:6, 7). Ja, die Israeliten unter dem Gesetz wurden schon vor Langem mit einer Schafherde verglichen.

      Diese „Schafe“ sind in einer „Hürde“, weil sie von Geburt an unter dem mosaischen Gesetz stehen. Das Gesetz war wie eine Barriere, die sie vor den verderblichen Praktiken der Menschen schützte, die nicht unter dem Gesetz standen. Allerdings fügten einige Israeliten Gottes Herde Schaden zu. Jesus bemerkt: „Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde geht, sondern anderswo hineinklettert, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer dagegen durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe“ (Johannes 10:1, 2).

      Das erinnert seine Zuhörer möglicherweise an Männer, die behauptet haben, sie seien der Messias oder Christus. Sie sind wie Diebe und Räuber, und das Volk sollte nicht auf diese Betrüger hören. Stattdessen sollten sie dem „Hirten der Schafe“ folgen, über den Jesus sagt:

      „Ihm öffnet der Türwächter und die Schafe hören auf seine Stimme. Er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgeführt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden werden sie auf keinen Fall folgen, sondern sie werden vor ihm weglaufen, weil sie die Stimme von Fremden nicht kennen“ (Johannes 10:3-5).

      Als „Türwächter“ hat Johannes der Täufer Jesus als denjenigen kenntlich gemacht, dem die „Schafe“, die unter dem Gesetz stehen, folgen sollten. Und tatsächlich haben einige in Galiläa und hier in Judäa Jesu Stimme erkannt. Aber andere, die seinen Vergleich hören, verstehen nicht, was er damit sagen will. Deshalb fragen sie sich womöglich, wohin er sie führt und was diejenigen erwartet, die ihm folgen (Johannes 10:6).

      Jesus erklärt: „Eins steht fest: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die anstelle von mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Jeder, der durch mich hineingeht, wird gerettet werden, und er wird hinein- und hinausgehen und Weiden finden“ (Johannes 10:7-9).

      Jesus führt ganz offensichtlich etwas Neues ein. Seine Zuhörer können sich denken, dass er nicht die Tür zum Gesetzesbund sein kann, der schon seit Jahrhunderten besteht. Er muss die Schafe, die er hinausführt, also in eine andere Hürde bringen. Mit welchem Ergebnis?

      Jesus beschreibt seine Rolle noch genauer und erklärt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben — Leben in seiner ganzen Fülle. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10:10, 11). Zuvor hat Jesus seinen Jüngern mit den Worten Mut gemacht: „Hab keine Angst, kleine Herde, denn euer Vater hat es für gut befunden, euch das Königreich zu geben“ (Lukas 12:32). Tatsächlich wird Jesus diejenigen, die zur „kleinen Herde“ gehören, in eine neue Hürde führen, „damit sie Leben haben — Leben in seiner ganzen Fülle“. Was für ein Geschenk es doch ist, zu dieser Herde zu gehören!

      Jesus schließt das Thema hier jedoch nicht ab, sondern fügt hinzu: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind. Auch sie muss ich herbringen und sie werden auf meine Stimme hören und sie alle werden zu einer einzigen Herde unter einem einzigen Hirten“ (Johannes 10:16). Diese „anderen Schafe“ gehören nicht zu der Hürde der „kleinen Herde“, die das Königreich erben wird. Doch auch wenn die Schafe aus beiden Hürden unterschiedliche Zukunftsaussichten haben, kommt Jesu Rolle dennoch beiden Gruppen zugute. Er sagt: „Deshalb liebt mich der Vater: weil ich mein Leben gebe“ (Johannes 10:17).

      Viele aus der Menge erwidern daraufhin: „Er hat einen Dämon und ist verrückt. Warum hört ihr ihm zu?“ Aber andere lassen erkennen, dass sie sich für Jesu Worte interessieren und ihm als guten Hirten gern folgen möchten. Sie geben zu bedenken: „So redet doch kein Besessener. Kann ein Dämon etwa Blinden die Augen öffnen?“ (Johannes 10:20, 21). Sie denken dabei wahrscheinlich daran, dass Jesus vor einiger Zeit einen blind geborenen Mann geheilt hat.

      • Woran denken die Juden wohl, als Jesus Schafe und Schafhürden erwähnt?

      • Wer ist der gute Hirte, und welches Geschenk werden die Schafe erhalten?

      • In welche zwei Hürden führt Jesus die Schafe?

  • Eins mit dem Vater — was das bedeutet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Juden wollen Jesus packen und steinigen, doch er entkommt ihnen

      KAPITEL 81

      Eins mit dem Vater — was das bedeutet

      JOHANNES 10:22-42

      • „ICH UND DER VATER SIND EINS“

      • JESUS WIDERLEGT DEN VORWURF, ER MACHE SICH SELBST ZU EINEM GOTT

      Jesus ist zum Fest der Einweihung (Chanukka) nach Jerusalem gekommen. Es erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels. Vor weit über 100 Jahren hatte der syrische König Antiochos IV. Epiphanes auf dem großen Altar in Gottes Tempel einen heidnischen Altar gebaut. Als die Söhne eines jüdischen Priesters Jerusalem später zurückeroberten, weihten sie den Tempel wieder Jehova. Seitdem wird das Fest jedes Jahr ab dem 25. Kislew gefeiert. Dieser Monat fällt in die Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember.

      Es ist kalt in dieser Jahreszeit. Jesus geht im Tempel in der Säulenhalle Salomos umher, als ihn einige Juden umringen und fragen: „Wie lange lässt du uns noch im Ungewissen? Wenn du der Christus bist, dann sag es uns klar und deutlich“ (Johannes 10:22-24). „Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt mir nicht“, erwidert er. Anders als der Samariterin am Brunnen hat er ihnen zwar nicht direkt gesagt, dass er der Christus ist, doch er hat ihnen durchaus seine Identität verraten, als er sagte: „Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen“ (Johannes 4:25, 26; 8:58).

      Jesus möchte, dass die Menschen seine Taten mit den Prophezeiungen über den Christus vergleichen und so selbst zu dem Schluss kommen, dass er der Christus ist. Deshalb hat er seine Jünger immer wieder angewiesen, niemandem zu sagen, wer er ist. Doch jetzt sagt er den feindseligen Juden geradeheraus: „Die Taten, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, sind mein Zeuge. Aber ihr glaubt mir nicht“ (Johannes 10:25, 26).

      Warum glauben sie nicht, dass Jesus der Christus ist? „Ihr glaubt mir nicht, weil ihr nicht meine Schafe seid“, erklärt er. „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden auf keinen Fall jemals vernichtet werden und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Was mein Vater mir gegeben hat, ist größer als alles andere.“ Dann beschreibt er, wie nahe er seinem Vater steht: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:26-30). Das heißt nicht, er und sein Vater seien buchstäblich eine Person. Jesus ist ja auf der Erde und sein Vater im Himmel. Es bedeutet vielmehr, dass sie sich in allem einig sind und auf dasselbe Ziel hinarbeiten.

      Die Juden ärgern sich so sehr über Jesu Worte, dass sie Steine aufheben, um ihn zu töten. Doch das jagt ihm keine Angst ein. „Ich habe euch vonseiten des Vaters viele gute Taten sehen lassen. Für welche dieser Taten steinigt ihr mich?“ „Wir steinigen dich nicht für eine gute Tat, sondern wegen Gotteslästerung, denn obwohl du ein Mensch bist, machst du dich selbst zu einem Gott“ (Johannes 10:31-33). Jesus hat aber nie behauptet, ein Gott zu sein. Warum also dieser Vorwurf?

      Nun, Jesus hat erklärt, dass er über Fähigkeiten verfügt, die die Juden nur Gott zuschreiben. Zum Beispiel hat er gesagt, er würde seinen „Schafen“ ewiges Leben geben — etwas, wozu kein Mensch fähig ist (Johannes 10:28). Allerdings hat Jesus zugegeben, dass er die Macht dazu von seinem Vater bekommt. Diese Tatsache ignorieren die Juden.

      Um ihre Anklage zu widerlegen, fragt Jesus sie: „Steht nicht in eurem Gesetz [in Psalm 82:6]: ‚Ich habe gesagt: „Ihr seid Götter“ ‘? Wenn er diejenigen ‚Götter‘ nannte, gegen die sich Gottes Wort richtete . . ., wie könnt ihr da zu mir, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: ‚Du bist ein Gotteslästerer‘, weil ich gesagt habe: ‚Ich bin Gottes Sohn‘?“ (Johannes 10:34-36).

      In den Schriften werden selbst ungerechte Richter als Götter bezeichnet. Die Juden dürften sich daher nicht daran stoßen, dass sich Jesus als Gottes Sohn bezeichnet. Jesus weist auf etwas hin, was sie überzeugen sollte: „Wenn ich nicht die Taten meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. Wenn ich sie aber vollbringe, dann glaubt den Taten, auch wenn ihr mir nicht glaubt. So werdet ihr erkennen und auch weiterhin wissen, dass der Vater mit mir verbunden ist und ich mit dem Vater“ (Johannes 10:37, 38).

      Darauf versuchen die Juden, Jesus festzunehmen, doch er entkommt ihnen erneut. Er überquert den Jordan und geht in die Gegend, wo Johannes vor fast vier Jahren begonnen hat zu taufen — offenbar nicht weit vom Südufer des Sees von Galiläa entfernt.

      Dort kommen viele zu Jesus und sagen: „Johannes hat zwar kein einziges Zeichen vollbracht, aber alles, was er über diesen Mann gesagt hat, ist wahr gewesen“ (Johannes 10:41). Daher glauben viele Juden an Jesus.

      • Warum lenkt Jesus die Aufmerksamkeit auf seine Taten?

      • In welcher Hinsicht sind Jesus und sein Vater eins?

      • Wie widerlegt Jesus anhand der Psalmen den Vorwurf, er mache sich zu einem Gott oder Gott gleich?

  • Jesu Dienst in Peräa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine Henne versammelt ihre Küken unter ihren Flügeln

      KAPITEL 82

      Jesu Dienst in Peräa

      LUKAS 13:22 BIS 14:6

      • SICH BEMÜHEN, DURCH DIE ENGE TÜR ZU KOMMEN

      • JESUS MUSS IN JERUSALEM STERBEN

      Nachdem Jesus längere Zeit in Judäa und Jerusalem gelehrt und geheilt hat, überquert er den Jordan und predigt in Peräa von Stadt zu Stadt. Doch bald wird er nach Jerusalem zurückkehren.

      Ein Mann bemüht sich mit aller Kraft, durch eine enge Tür zu kommen

      In Peräa wird Jesus von einem Mann gefragt: „Herr, werden nur wenige gerettet?“ Vielleicht weiß der Mann, dass die religiösen Führer über diese Frage diskutieren. Jesus lenkt das Gespräch jedoch weg von der Zahl derer, die gerettet werden, hin zu dem Erfordernis für Rettung: „Bemüht euch mit aller Kraft, durch die enge Tür zu kommen.“ Dazu muss man sich anstrengen, ja sogar kämpfen. Jesus verrät auch den Grund: „Viele werden versuchen hineinzukommen, es aber nicht schaffen“ (Lukas 13:23, 24).

      Um zu veranschaulichen, warum man sich mit aller Kraft anstrengen muss, sagt Jesus: „Wenn der Hausbesitzer aufsteht und die Tür verschließt, werdet ihr draußen stehen, an die Tür klopfen und sagen: ‚Herr, mach uns auf!‘ . . . Aber er wird entgegnen: ‚Ich weiß nicht, woher ihr seid. Geht weg von mir, ihr Ungerechten!‘ “ (Lukas 13:25-27).

      Das beschreibt die verzweifelte Lage von jemandem, der zu spät kommt. Er kommt offensichtlich erst, als es ihm am besten passt, und nun steht er vor verschlossener Tür. Er hätte früher da sein müssen, selbst wenn es für ihn ungünstig gewesen wäre. Ähnlich ist es bei vielen, die die Chance hätten, von Jesus persönlich belehrt zu werden. Stattdessen lassen sie sich die Gelegenheit entgehen, die wahre Anbetung zum Wichtigsten in ihrem Leben zu machen. Die meisten, zu denen Jesus gesandt wurde, nehmen Gottes Mittel zur Rettung nicht an. Wie Jesus sagt, werden sie „hinausgeworfen“ werden und deshalb „weinen und mit den Zähnen knirschen“. Doch es werden „Menschen aus Ost und West und aus Nord und Süd“, ja aus allen Völkern kommen „und im Königreich Gottes zu Tisch liegen“ (Lukas 13:28, 29).

      Jesus erklärt: „Es gibt Letzte [zum Beispiel Nichtjuden und verachtete Juden], die Erste sein werden, und es gibt Erste [die religiösen Führer, die auf ihre Abstammung von Abraham stolz sind], die Letzte sein werden“ (Lukas 13:30). Diejenigen, die „Letzte“ werden, sind undankbare Menschen, die auf keinen Fall in Gottes Königreich kommen.

      Dann kommen einige Pharisäer mit dem Rat zu Jesus: „Geh weg, verlass diesen Ort, Herodes [Antipas] will dich umbringen!“ Vielleicht hat König Herodes dieses Gerücht sogar selbst in Umlauf gebracht, damit Jesus aus seinem Gebiet flieht. Womöglich hat er Angst, nach dem Mord an Johannes dem Täufer wieder in den Tod eines Propheten verwickelt zu werden. Doch Jesus erwidert: „Geht und sagt diesem Fuchs: ‚Heute und morgen treibe ich Dämonen aus und heile Kranke und am dritten Tag werde ich fertig sein‘ “ (Lukas 13:31, 32). Mit der Bezeichnung „Fuchs“ spielt Jesus wohl auf die Listigkeit dieser Tiere an. Er hat allerdings nicht vor, sich von Herodes noch von sonst jemandem beeinflussen oder zu etwas drängen zu lassen. Er wird den Auftrag seines Vaters erfüllen — und zwar nach dessen Zeitplan.

      Jesus setzt seinen Weg nach Jerusalem fort und erklärt auch den Grund: „Es darf nicht sein, dass ein Prophet außerhalb von Jerusalem umgebracht wird“ (Lukas 13:33). Es gibt aber keine Prophezeiung, die besagt, der Messias müsse in Jerusalem sterben. Warum sagt Jesus also, er müsse dort getötet werden? Weil Jerusalem die Hauptstadt ist, wo sich der Sanhedrin, der Hohe Rat der Juden, mit seinen 71 Mitgliedern befindet. Dort finden die Verhandlungen gegen solche statt, die als falsche Propheten angeklagt werden. Außerdem werden nur in Jerusalem Tieropfer dargebracht. Jesus ist also klar, dass kein anderer Ort für seinen Tod in Frage kommt.

      Eine Henne versammelt ihre Küken unter ihren Flügeln

      Traurig sagt er: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt werden! Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen, so wie eine Henne ihre Brut unter ihren Flügeln zusammenbringt! Aber ihr wolltet nicht. Seht! Euer Haus wird verlassen für euch zurückbleiben“ (Lukas 13:34, 35). Das Volk lehnt den Sohn Gottes ab und dafür muss es auch die Folgen tragen!

      Bevor Jesus Jerusalem erreicht, wird er am Sabbat von einem führenden Pharisäer zum Essen eingeladen. Es ist auch ein Mann da, der an Wassersucht leidet (einer krankhaften Ansammlung von Flüssigkeit, oftmals in Beinen und Füßen). Die anderen Gäste beobachten Jesus ganz genau. Er fragt die Gesetzesexperten und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?“ (Lukas 14:3).

      Er bekommt keine Antwort. Da heilt Jesus den Mann und sagt zu ihnen: „Angenommen, euer Sohn oder Stier fällt in einen Brunnen. Wer von euch würde ihn dann nicht sofort herausziehen — auch an einem Sabbat?“ (Lukas 14:5). Und wieder wissen sie darauf nichts zu erwidern.

      • Was ist nach Jesu Worten zur Rettung nötig? Und warum werden viele ausgesperrt?

      • Wer sind die „Letzten“, die Erste werden, und wer die „Ersten“, die Letzte werden?

      • Was befürchtet König Herodes möglicherweise?

      • Warum ist Jesus klar, dass er in Jerusalem getötet werden wird?

  • Einladungen zu einem Abendessen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde kommen zu einem großen Abendessen

      KAPITEL 83

      Einladungen zu einem Abendessen

      LUKAS 14:7-24

      • WARUM DEMUT WICHTIG IST

      • DIE EINGELADENEN REDEN SICH HERAUS

      Jesus ist noch immer bei einem Pharisäer zu Gast. Gerade hat er dort einen Mann von seiner Wassersucht geheilt. Nun beobachtet er, wie sich einige Gäste die Ehrenplätze aussuchen, und er nutzt die Gelegenheit, um zu zeigen, warum Demut wichtig ist.

      „Wenn du zu einer Hochzeitsfeier eingeladen bist“, sagt Jesus, „such dir nicht den Ehrenplatz aus. Vielleicht befindet sich unter den Gästen jemand, der angesehener ist als du. Derjenige, der euch beide eingeladen hat, wird dann kommen und zu dir sagen: ‚Lass diesen Mann hier Platz nehmen‘, und du wirst beschämt aufstehen und zum untersten Platz gehen“ (Lukas 14:8, 9).

      Dann fügt Jesus hinzu: „Bist du also eingeladen, leg dich am untersten Platz zu Tisch. Wenn dann der Gastgeber kommt und zu dir sagt: ‚Rück auf einen höheren Platz, mein Freund‘, wirst du dadurch vor allen Gästen geehrt. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“ (Lukas 14:10, 11). Ja, Jesus ermuntert seine Zuhörer dazu, an ihrer Demut zu arbeiten.

      Dann erklärt er dem Pharisäer, bei dem er zu Gast ist, wann eine Essenseinladung Gott gefällt. „Wenn du ein Essen gibst, ob am Mittag oder am Abend, dann lade nicht deine Freunde, Brüder, Verwandten oder reichen Nachbarn ein, denn sie werden sich wahrscheinlich mit einer Gegeneinladung revanchieren. Lade lieber Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, wenn du ein Festessen gibst, und du wirst glücklich sein, weil sie nichts haben, womit sie sich revanchieren können“ (Lukas 14:12-14).

      Es ist nur normal, Freunde, Verwandte oder Nachbarn zum Essen einzuladen, und Jesus verurteilt das auch nicht. Doch er betont, dass es großen Segen bringen kann, benachteiligte Menschen wie Arme, Verkrüppelte oder Blinde einzuladen. Jesus erklärt seinem Gastgeber: „Deine Belohnung bekommst du bei der Auferstehung der Gerechten.“ Da sagt ein anderer Gast: „Glücklich ist, wer im Königreich Gottes essen darf“ (Lukas 14:15). Er erkennt, was für ein großes Vorrecht das wäre. Aber nicht jeder hat so eine Wertschätzung, wie Jesus in einer Veranschaulichung zeigt:

      „Ein Mann gab ein großes Abendessen und lud viele dazu ein. Zur Essenszeit schickte er seinen Sklaven los, um den Eingeladenen zu sagen: ‚Kommt, es ist schon alles vorbereitet.‘ Doch alle hatten irgendwelche Ausreden. Der Erste sagte zu ihm: ‚Ich habe ein Feld gekauft und muss hingehen und es mir ansehen. Bitte entschuldige mich.‘ Ein anderer sagte: ‚Ich habe fünf Rindergespanne gekauft und wollte sie gerade begutachten. Bitte entschuldige mich.‘ Noch ein anderer sagte: ‚Ich habe gerade erst geheiratet, deswegen kann ich nicht kommen‘ “ (Lukas 14:16-20).

      Was für fadenscheinige Ausreden! Normalerweise begutachtet man ein Feld oder Tier, bevor man es kauft. Daher muss man es sich hinterher nicht gleich noch einmal ansehen. Und der dritte Mann ist ja schon verheiratet und steckt nicht mehr in den Hochzeitsvorbereitungen. Damit hat auch er keinen Grund, diese wichtige Einladung auszuschlagen. Als der Herr die Ausreden hört, weist er seinen Sklaven wütend an:

      „Geh schnell auf die Hauptstraßen und in die Gassen der Stadt und bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen her.“ Der Sklave tut, wie ihm befohlen, aber es ist immer noch Platz. Da sagt der Herr zu ihm: „Geh auf die Landstraßen und Wege und dränge die Leute, zu kommen, damit mein Haus voll wird. Denn ich sage euch: Keiner von den ursprünglich Eingeladenen wird etwas von meinem Abendessen abbekommen“ (Lukas 14:21-24).

      Das veranschaulicht gut, dass Jehova Gott Jesus Christus den Auftrag erteilt, Menschen ins Königreich des Himmels einzuladen. Die Juden, allen voran die religiösen Führer, haben als Erste die Einladung erhalten. Der Großteil von ihnen hat sie während Jesu Dienst jedoch abgelehnt. Doch die Einladung sollte nicht auf sie beschränkt bleiben. Jesus deutet darauf hin, dass eine zweite Einladung an die einfachen Menschen im jüdischen Volk sowie an Proselyten ergehen wird. Danach wird eine dritte und letzte Einladung an Menschen ausgesprochen, die bei den Juden als Gottes nicht würdig gelten (Apostelgeschichte 10:28-48).

      Was Jesus sagt, bestätigt wirklich die Worte des Gastes, der erklärt hat: „Glücklich ist, wer im Königreich Gottes essen darf.“

      • Wie zeigt Jesus, dass Demut wichtig ist?

      • Wie kann ein Gastgeber sicherstellen, dass seine Einladung Gott gefällt, und wieso wird der Gastgeber glücklich sein?

      • Worauf weist Jesus durch die Veranschaulichung vom großen Abendessen hin?

  • Die große Verantwortung, ein Jünger zu sein
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Bewaffnete Truppen folgen einem König in den Krieg

      KAPITEL 84

      Die große Verantwortung, ein Jünger zu sein

      LUKAS 14:25-35

      • WAS ES MIT SICH BRINGT, EIN JÜNGER ZU SEIN

      Nachdem Jesus im Haus eines führenden Pharisäers zum Essen war und einige bedeutsame Lehren vermittelt hat, setzt er seine Reise nach Jerusalem fort. Viele Menschen begleiten ihn. Doch was ist ihr Beweggrund? Wollen sie ihm wirklich nachfolgen, koste es, was es wolle?

      Unterwegs sagt Jesus etwas, was bestimmt viele von ihnen schockiert: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder und seine Brüder und Schwestern hasst, ja selbst sein eigenes Leben, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14:26). Aber was meint Jesus damit?

      Er will damit nicht sagen, seine Nachfolger müssten ihre Verwandten buchstäblich hassen. Mit „hassen“ meint Jesus vielmehr, sie weniger zu lieben als ihn. Sie dürfen nicht so sein wie der Mann in der Veranschaulichung vom großen Abendessen, der eine wichtige Einladung ausschlägt, nur weil er gerade geheiratet hat (Lukas 14:20). Von Jakob, einem Vorfahren der Juden, wird gesagt, er habe Lea „gehasst“ und ihre Schwester Rahel geliebt. Das heißt, dass er Lea weniger geliebt hat als Rahel (1. Mose 29:31, Fußnote).

      Wie Jesus sagt, sollte ein Jünger sogar „sein eigenes Leben“ hassen. Das bedeutet: Ein wahrer Jünger muss Jesus mehr lieben als sein eigenes Leben und, wenn nötig, sogar bereit sein, sein Leben zu verlieren. Ein Jünger Christi zu werden bringt also große Verantwortung mit sich. Diese Entscheidung darf man nicht leichtfertig treffen.

      Wie Jesus als Nächstes zeigt, kann es Schwierigkeiten und Verfolgung mit sich bringen, sein Jünger zu sein: „Wer nicht seinen Marterpfahl trägt und mir folgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14:27). Ein Jünger muss demnach bereit sein, so große Demütigungen über sich ergehen zu lassen wie Jesus. Und wie Jesus angekündigt hat, wird er durch die Hand seiner Feinde sogar sterben.

      Ein Christ im ersten Jahrhundert berechnet die Kosten eines Bauprojekts

      Die Menschen, die mit Jesus Richtung Jerusalem reisen, müssen sich bewusst machen, was es bedeutet, sein Jünger zu sein. Das verdeutlicht Jesus durch ein Beispiel: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, wird er sich dann nicht zuerst hinsetzen und die Kosten berechnen, um zu sehen, ob er genug hat, um ihn dann auch fertig zu bauen? Sonst legt er vielleicht das Fundament, kann aber nicht zu Ende bauen“ (Lukas 14:28, 29). Bevor Jesu Mitreisende also seine Jünger werden, müssen sie sich fest dazu entschließen, dieser Verantwortung völlig nachzukommen. Jesus unterstreicht das durch einen weiteren Vergleich:

      „Welcher König wird gegen einen anderen König in den Krieg ziehen, ohne sich vorher hinzusetzen und zu beratschlagen, ob er mit seinen 10 000 Soldaten gegen den 20 000 Mann starken Gegner ankommt? Wenn er dazu nicht in der Lage ist, wird er, solange der andere König noch weit weg ist, eine Abordnung losschicken und Friedensverhandlungen führen.“ Deshalb erklärt Jesus: „Genauso könnt ihr sicher sein, dass keiner von euch mein Jünger sein kann, wenn er sich nicht von allem, was er hat, verabschiedet“ (Lukas 14:31-33).

      Damit richtet sich Jesus natürlich nicht nur an die Leute, die gerade mit ihm unterwegs sind. Alle, die Christus kennenlernen und seine Jünger werden wollen, müssen bereit sein, ihren Besitz und sogar ihr Leben aufzugeben, ja alles, was sie haben. Darüber sollte man unter Gebet nachdenken.

      Dann spricht Jesus etwas an, worüber er bereits in der Bergpredigt geredet hat. Er sagt, seine Jünger seien „das Salz der Erde“ (Matthäus 5:13). Wahrscheinlich spielt er darauf an, dass seine Jünger einen ebenso lebenserhaltenden Einfluss haben wie Salz, das Dinge haltbar macht. Sie können Menschen vor moralischer Verdorbenheit schützen und deren Verhältnis zu Gott fördern. Jetzt, wo sich sein Dienst dem Ende nähert, sagt Jesus: „Salz ist eindeutig etwas Gutes. Doch wenn das Salz seine Kraft verliert, wie soll seine Würzkraft dann wiederhergestellt werden?“ (Lukas 14:34). Seine Zuhörer wissen, dass manches Salz durch andere Mineralien und Erde verunreinigt ist. Geht der Salzgehalt verloren, ist das, was übrigbleibt, kaum noch zu gebrauchen.

      Folglich dürfen selbst die, die Jesus schon lange nachfolgen, nicht zulassen, dass ihre Entschlossenheit nachlässt. Sonst würden sie so unbrauchbar werden wie Salz, das seine Würzkraft verloren hat — und sich dem Spott der Leute aussetzen. Und was noch schlimmer ist: Sie würden die Anerkennung Gottes verlieren und sogar Schande auf seinen Namen bringen. Wie Jesus betont, darf man es nie so weit kommen lassen: „Wer Ohren hat, soll gut zuhören“ (Lukas 14:35).

      • Was bedeutet es, seine Verwandten und sogar sein eigenes Leben zu hassen?

      • Was verdeutlicht Jesus durch die Veranschaulichung vom Turmbau und vom König und seinem Heer?

      • Welcher Lehrpunkt steckt in Jesu Vergleich vom Salz?

  • Freude über den Sünder, der bereut
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine Frau freut sich, weil sie ihre verlorene Münze wiedergefunden hat

      KAPITEL 85

      Freude über den Sünder, der bereut

      LUKAS 15:1-10

      • DIE GLEICHNISSE VOM VERLORENEN SCHAF UND VON DER VERLORENEN MÜNZE

      • DIE ENGEL IM HIMMEL FREUEN SICH ÜBER SÜNDER, DIE BEREUEN

      Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, wie sehr es auf Demut ankommt (Lukas 14:8-11). Er tut alles, um Männer und Frauen zu finden, die Gott demütig dienen möchten — selbst wenn sie momentan noch gewohnheitsmäßige Sünder sind.

      Ein jüdischer Mann mit verächtlicher Miene trägt auf seiner Stirn einen Gebetsriemen (Phylakterion)

      Die Pharisäer und Schriftgelehrten bemerken, dass sich diese Menschen — die sie selbst als wertlos betrachten — zu Jesus und seiner Botschaft hingezogen fühlen. Sie beschweren sich: „Dieser Mann empfängt Sünder mit offenen Armen und isst mit ihnen“ (Lukas 15:2). Die religiösen Führer fühlen sich den einfachen Menschen überlegen und behandeln sie wie den Dreck unter ihren Füßen. Sie bezeichnen sie als ʽam-haʼárez, als „Menschen des Landes [oder der Erde]“, wodurch sie zeigen, wie sehr sie sie verachten.

      Jesus ist da ganz anders. Er behandelt jeden freundlich, mitfühlend und mit Würde. Daher wollen ihm diese einfachen Menschen — einschließlich derer, die als Sünder bekannt sind — unbedingt zuhören. Doch Jesus wird dafür kritisiert, dass er ihnen hilft. Wie reagiert er darauf?

      Er bringt einen bewegenden Vergleich, der ähnlich ist wie der, den er einmal in Kapernaum erzählt hat (Matthäus 18:12-14). Jesus stellt die Situation so dar, als seien die Pharisäer gerecht und in der Schafhürde Gottes sicher. Die einfachen Menschen dagegen sind wie Schafe, die vom rechten Weg abgekommen sind und sich in einem hoffnungslosen Zustand befinden. Er sagt:

      Ein Hirte trägt das Schaf, das verloren gegangen war, auf seinen Schultern und freut sich, dass er es wiedergefunden hat

      „Wer von euch, der 100 Schafe hat, wird nicht, wenn er eins von ihnen verliert, die 99 in der Wildnis zurücklassen und das eine suchen, bis er es gefunden hat? Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern und freut sich. Sobald er dann heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden‘ “ (Lukas 15:4-6).

      Was möchte Jesus damit sagen? Er erklärt: „Genauso gibt es im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder, der bereut, als über 99 Gerechte, die keine Reue nötig haben“ (Lukas 15:7).

      Es muss die Pharisäer befremden, dass Jesus von Reue spricht. Sie selbst halten sich für gerecht und sehen überhaupt keine Notwendigkeit zu bereuen. Schon zwei Jahre zuvor haben sie Jesus kritisiert, weil er mit Steuereinnehmern und Sündern gegessen hat, und seine Antwort war: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Markus 2:15-17). Da die selbstgerechten Pharisäer aber nicht erkennen, dass sie bereuen müssten, lösen sie im Himmel auch keine Freude aus — anders als die Sünder, die aufrichtig bereuen.

      Wie groß die Freude im Himmel über einen Sünder ist, der umkehrt, unterstreicht Jesus durch einen zweiten Vergleich: „Angenommen, eine Frau hat zehn Drachmen und verliert eine davon. Wird sie dann nicht eine Lampe anzünden, ihr Haus fegen und alles genauestens absuchen, bis sie die Drachme findet? Und sobald sie die Drachme gefunden hat, ruft sie ihre Freunde und Nachbarn zusammen und sagt: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe meine verlorene Drachme wiedergefunden‘ “ (Lukas 15:8, 9).

      Jesus betont hier einen ähnlichen Gedanken wie in dem Gleichnis von dem verlorenen Schaf. Er sagt: „Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der bereut“ (Lukas 15:10).

      Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel Gottes Engeln daran liegt, dass ein verloren geglaubter Sünder umkehrt! Vor allem, wenn man Folgendes bedenkt: Ein Sünder, der umkehrt und einen Platz im Königreich des Himmels erhält, wird letztendlich eine höhere Stellung haben als die Engel! (1. Korinther 6:2, 3). Doch die Engel sind deswegen nicht eifersüchtig. Wie sollten dann wir zu Sündern eingestellt sein, die voller Reue zu Gott kommen?

      • Warum hat Jesus Umgang mit Menschen, die als Sünder bekannt sind?

      • Wie betrachten die Pharisäer die einfachen Leute, und wie finden sie es, dass Jesus Umgang mit ihnen hat?

      • Was möchte Jesus mit den beiden Vergleichen sagen?

  • Der verlorene Sohn kommt zurück
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Vater umarmt seinen Sohn

      KAPITEL 86

      Der verlorene Sohn kommt zurück

      LUKAS 15:11-32

      • DIE GESCHICHTE VOM VERLORENEN SOHN

      Jesus befindet sich wahrscheinlich noch in Peräa, östlich vom Jordan, als er die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Münze erzählt. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten ihn dafür kritisiert, dass er reuevolle Sünder mit offenen Armen empfängt. Durch die beiden Gleichnisse hat er aber deutlich gemacht, dass wir uns freuen sollten, wenn ein Sünder bereut und zu Gott umkehrt. Haben die Pharisäer und Schriftgelehrten etwas daraus gelernt? Haben sie begriffen, wie unser Vater im Himmel für Sünder empfindet, die bereuen? Jesus erzählt nun eine Geschichte, die genau diesen Lehrpunkt hervorhebt.

      Der jüngere Sohn bittet seinen Vater um seinen Erbteil

      Darin geht es um einen Vater, der zwei Söhne hat, wobei der jüngere Sohn die zentrale Figur ist. Aus seinem Beispiel können sowohl die Pharisäer und Schriftgelehrten als auch alle anderen Zuhörer Jesu etwas lernen. Doch auch aus der Einstellung des Vaters und des älteren Sohnes kann man viel lernen. Wir sollten uns also für alle drei Charaktere interessieren. Jesus beginnt:

      „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte eines Tages: ‚Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht.‘ Darauf teilte der Vater seinen Besitz unter den beiden auf“ (Lukas 15:11, 12). Der Sohn erhob nicht etwa Anspruch auf sein Erbteil, weil sein Vater gestorben wäre. Der Vater war ja noch am Leben. Tatsächlich verlangte er seinen Anteil deshalb schon jetzt, weil er unabhängig sein und so leben wollte, wie es ihm gefiel. Was machte er also mit dem Erbe?

      Der verlorene Sohn isst, trinkt und amüsiert sich mit Frauen

      „Ein paar Tage später“, erzählt Jesus, „packte der jüngere Sohn alle seine Sachen zusammen und reiste in ein fernes Land. Dort führte er ein ausschweifendes Leben und verschleuderte alles, was er besaß“ (Lukas 15:13). Statt zu Hause zu bleiben, wo er geborgen war und wo sein Vater für ihn und seinen Bruder sorgte, ging er in ein fremdes Land. Dort führte er ein genusssüchtiges, unmoralisches Leben und verprasste sein ganzes Erbe. Doch dann brachen schwere Zeiten an, wie Jesus weitererzählt:

      „Als er nichts mehr hatte, brach im ganzen Land eine schwere Hungersnot aus und er geriet in Not. Es kam so weit, dass er sich einem Bürger des Landes anschloss, der ihn dann zum Schweinehüten auf seine Felder schickte. Er sehnte sich danach, sich an den Johannisbrotschoten satt zu essen, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm etwas“ (Lukas 15:14-16).

      Der verlorene Sohn sitzt unter einem Baum und beobachtet Schweine, die Johannisbrotschoten fressen

      Jetzt musste der Sohn sogar als Schweinehirt arbeiten — und das, wo Schweine in Gottes Gesetz als unrein gelten! Er hatte so schrecklichen Hunger, dass er sogar das Futter der Schweine gegessen hätte. In seiner Not und Verzweiflung „kam er zur Besinnung“ und sagte sich: „Wie viele Lohnarbeiter meines Vaters haben mehr Brot als genug und ich sterbe hier vor Hunger! Ich werde mich zu meinem Vater aufmachen und zu ihm sagen: ‚Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich verdiene es nicht mehr, dein Sohn genannt zu werden. Behandle mich wie einen deiner Lohnarbeiter.‘ “ Also machte er sich auf und ging zu seinem Vater (Lukas 15:17-20).

      Aber wie würde sein Vater reagieren? Würde er auf ihn wütend sein und ihm wegen seiner Dummheit Vorhaltungen machen? Würde er ihm gegenüber gleichgültig oder sogar abweisend sein? Wie hättest du anstelle des Vaters reagiert? Was, wenn es dein Kind gewesen wäre?

      DER VERLORENE SOHN WIRD GEFUNDEN

      Jesus beschreibt nun die Gefühle und die Reaktion des Vaters: „Als . . . [der Sohn] noch weit weg war, entdeckte ihn sein Vater und empfand tiefes Mitgefühl. Er rannte seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn herzlich“ (Lukas 15:20). Der Vater wusste womöglich von dem ausschweifenden Leben seines Sohnes. Trotzdem empfing er ihn mit offenen Armen. Werden die religiösen Führer — die ja behaupten, Jehova zu kennen und anzubeten — nun verstehen, wie unser himmlischer Vater für Sünder empfindet, die bereuen? Werden sie erkennen, dass Jesus genauso eingestellt ist wie sein Vater?

      Als der Vater die tiefe Traurigkeit in den Augen seines Sohnes sah, war ihm bestimmt klar, dass sein Sohn wirklich bereut hatte. Und er machte es ihm leicht, seine Sünden auch zu gestehen, indem er liebevoll auf ihn zuging. Jesus erzählt, wie der Sohn zu seinem Vater sagte: „Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich verdiene es nicht mehr, dein Sohn genannt zu werden“ (Lukas 15:21).

      Doch der Vater wies seine Sklaven an: „Schnell! Holt ein langes Gewand, das beste, und kleidet ihn damit. Steckt ihm auch einen Ring an den Finger und zieht ihm Sandalen an. Und holt das Mastkalb, schlachtet es und lasst uns essen und feiern, denn mein Sohn war tot und ist wieder am Leben. Er war verloren und wurde gefunden.“ Dann begannen sie zu feiern (Lukas 15:22-24).

      Der Vater spricht mit seinem ältesten Sohn

      Der ältere Sohn war die ganze Zeit auf dem Feld gewesen. Jesus erzählt: „Als er zurückkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen Diener zu sich und fragte, was da los ist. Der Diener berichtete: ‚Dein Bruder ist gekommen, und weil dein Vater ihn wieder gesund zurückhat, hat er das Mastkalb geschlachtet.‘ Da wurde er wütend und wollte nicht hingehen, worauf sein Vater herauskam und ihm gut zuredete. Doch er erwiderte: ‚Ich habe diese vielen Jahre für dich wie ein Sklave gearbeitet und mich kein einziges Mal deinen Anweisungen widersetzt. Doch du hast mir noch nie eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern kann. Aber kaum ist dieser Sohn von dir, der deinen Besitz mit Prostituierten verprasst hat, wieder hier, schon schlachtest du das Mastkalb für ihn‘ “ (Lukas 15:25-30).

      Wer ist wie der ältere Sohn und hat Jesus dafür kritisiert, dass er den einfachen Menschen und den Sündern Aufmerksamkeit schenkt und sie barmherzig behandelt? Die Schriftgelehrten und Pharisäer. Ihre Kritik ist schließlich der Grund, warum Jesus diese Geschichte erzählt. Doch natürlich sollte sich jeder den Lehrpunkt zu Herzen nehmen, den es stört, wenn Gott jemandem Barmherzigkeit erweist.

      Zum Abschluss erzählt Jesus, wie der Vater seinem älteren Sohn zu Herzen redete: „Mein Sohn, du bist doch immer bei mir gewesen, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber wir mussten einfach feiern und uns freuen, denn dein Bruder war tot und ist wieder am Leben. Er war verloren und wurde gefunden“ (Lukas 15:31, 32).

      Jesus lässt in seiner Geschichte offen, wie der ältere Sohn reagiert. Doch nach Jesu Tod und Auferstehung wird tatsächlich „eine große Menge Priester“ gläubig (Apostelgeschichte 6:7). Einige von ihnen sind vielleicht sogar dabei, als Jesus die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt. Ja, selbst sie erhalten die Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen, zu bereuen und zu Gott zurückzukehren.

      Jesu eindrucksvolle Erzählung enthält wichtige Lehrpunkte, die sich alle Jünger Jesu zu Herzen nehmen sollten. Ein Punkt ist: Lassen wir uns von Versuchungen nicht „in ein fernes Land“ locken, sondern bleiben wir in der Geborgenheit von Gottes Volk, wo wir die Liebe und Fürsorge unseres Vaters verspüren.

      Ein zweiter Punkt ist: Wer von Gottes Weg abkommt, muss demütig zu ihm zurückkehren. Nur so ist es möglich, ihm wieder zu gefallen.

      Ein dritter Lehrpunkt wird durch den Gegensatz zwischen dem Vater und dem älteren Bruder deutlich: Der Bruder ist abweisend und nachtragend, wohingegen der Vater herzlich ist und gern vergibt. Als Diener Gottes wollen wir jeden, der aufrichtig bereut und nach Hause zum Vater zurückkehrt, mit offenen Armen empfangen. Wir wollen uns darüber freuen, dass unser Bruder, der „verloren“ und „tot“ war, „gefunden“ wurde und „wieder am Leben“ ist.

      • Wem erzählt Jesus diese Geschichte und warum?

      • Wer kann als die zentrale Figur betrachtet werden und was erlebt sie?

      • Wie reagiert der Vater, als sein Sohn zurückkommt?

      • Wie spiegelt der Vater Jehova und Jesus wider?

      • Wie reagiert der ältere Sohn? Und wie spiegeln die Schriftgelehrten und Pharisäer sein Verhalten wider?

      • Welche Lehrpunkte sind dir in Jesu Erzählung aufgefallen?

  • Sei klug und plane voraus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein reicher Mann entlässt seinen Hausverwalter

      KAPITEL 87

      Sei klug und plane voraus

      LUKAS 16:1-13

      • DIE VERANSCHAULICHUNG VOM UNGERECHTEN VERWALTER

      • SICH MITHILFE DES REICHTUMS „FREUNDE MACHEN“

      Die Geschichte vom verlorenen Sohn, die Jesus soeben erzählt hat, sollte den zuhörenden Steuereinnehmern, Schriftgelehrten und Pharisäern klarmachen, dass Gott reuevollen Sündern gern vergibt (Lukas 15:1-7, 11). Jetzt wendet sich Jesus mit einer weiteren Veranschaulichung an seine Jünger. Darin erfährt ein reicher Mann, dass sein Hausverwalter seine Arbeit nicht gut macht.

      1. Der Verwalter überlegt, was er machen soll, 2. Der Verwalter senkt die Schulden, die ein Mann bei seinem Herrn hat

      Wie Jesus berichtet, hat dieser das Vermögen seines Herrn nicht gut verwaltet. Deshalb erklärt ihm sein Herr, dass er entlassen wird. „Was soll ich jetzt tun, wo mein Herr mich nicht mehr als Verwalter haben will?“, fragt er sich. „Zum Graben bin ich nicht stark genug und ich schäme mich zu betteln.“ Da hat er einen Einfall: „Ich weiß, was ich mache, damit ich nach meiner Entlassung in den Häusern der Leute willkommen bin.“ Sofort ruft er alle, die bei seinem Herrn Schulden haben, zu sich und fragt: „Wie viel schuldest du meinem Herrn?“ (Lukas 16:3-5).

      Der Erste antwortet: „100 Maß Olivenöl.“ Das sind etwa 2 200 Liter. Möglicherweise besitzt der Mann einen Olivenhain oder handelt mit Öl. Der Verwalter sagt zu ihm: „Hier hast du deine schriftliche Vereinbarung. Setz dich und schreib schnell 50 [1 100 Liter]“ (Lukas 16:6).

      Dann fragt er den Nächsten: „Und du, wie viel Schulden hast du?“ Er antwortet: „100 große Maß Weizen.“ Das sind ungefähr 22 000 Liter. „Hier ist deine schriftliche Vereinbarung“, sagt der Verwalter. „Schreib 80.“ Damit verringert er die Schuld um 20 Prozent (Lukas 16:7).

      Der Verwalter ist nach wie vor für die Finanzen seines Herrn verantwortlich. Damit steht es ihm gewissermaßen zu, anderen einen Schuldennachlass zu gewähren. So macht er sich Freunde unter denen, die ihm später einen Gefallen tun könnten, wenn er arbeitslos ist.

      Dann erfährt sein Herr von der Sache. Obwohl es einen finanziellen Verlust für ihn bedeutet, ist er doch von dem Verwalter beeindruckt und lobt ihn. Denn obwohl der Verwalter „ungerecht war“, hat er klug gehandelt. Jesus fügt hinzu: „Die Söhne dieses Weltsystems handeln im Umgang mit ihrer eigenen Generation klüger als die Söhne des Lichts“ (Lukas 16:8).

      Das heißt nicht, dass Jesus die Methoden des Verwalters billigen oder zu fragwürdigen Geschäftspraktiken ermuntern würde. Vielmehr rät er seinen Jüngern: „Macht euch mit dem ungerechten Reichtum Freunde, damit sie euch, wenn dieser Reichtum versagt, in die ewigen Wohnorte aufnehmen“ (Lukas 16:9). Es geht also darum, klug und vorausschauend zu sein. Gottes Diener, „die Söhne des Lichts“, sollten ihren Besitz weise gebrauchen, mit Blick auf ihre ewige Zukunft.

      Nur Jehova Gott und sein Sohn können uns ins Königreich des Himmels aufnehmen oder ins Paradies auf der Erde unter der Königreichsherrschaft. Wir sollten uns anstrengen, die Freundschaft zu ihnen zu vertiefen, indem wir mit unserem Besitz das Königreich unterstützen. Selbst wenn Gold, Silber und andere Reichtümer einmal nichts mehr wert sind oder es sie gar nicht mehr gibt — unsere ewige Zukunft wird uns dann sicher sein.

      Jesus sagt außerdem, dass diejenigen, die ihren Besitz „treu“ verwalten und gebrauchen, auch treu mit wichtigeren Dingen umgehen werden. Er gibt zu bedenken: „Wenn ihr euch also im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht als treu erwiesen habt, wer wird euch dann das Wahre [die Dinge, die mit dem Königreich zu tun haben] anvertrauen?“ (Lukas 16:11).

      Jesus führt seinen Jüngern vor Augen, dass viel von ihnen verlangt werden wird, wenn sie „in die ewigen Wohnorte“ aufgenommen werden wollen. Man kann nicht ein wahrer Diener Gottes sein und sich gleichzeitig zum Sklaven des „ungerechten Reichtums“ machen. Abschließend sagt Jesus: „Kein Diener kann ein Sklave von zwei Herren sein. Den einen würde er hassen und den anderen lieben — zu dem einen würde er halten und den anderen würde er verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein“ (Lukas 16:9, 13).

      • Wie macht sich der Verwalter Freunde unter denen, die ihm später einmal helfen können?

      • Was ist der „ungerechte Reichtum“, und wie kann sich ein Christ damit „Freunde machen“?

      • Wer kann uns „in die ewigen Wohnorte“ aufnehmen, wenn wir unseren „ungerechten Reichtum“ treu gebrauchen?

  • Der reiche Mann und Lazarus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Hund leckt an den Geschwüren von Lazarus

      KAPITEL 88

      Der reiche Mann und Lazarus

      LUKAS 16:14-31

      • DIE GESCHICHTE VOM REICHEN MANN UND LAZARUS

      Jesus hat seinen Jüngern gerade Rat gegeben, wie sie mit Geld und Besitz umgehen sollten. Auch einige Pharisäer haben zugehört, und sie sollten sich Jesu Rat wirklich zu Herzen nehmen, denn sie hängen sehr am Geld. Doch stattdessen verziehen „sie spöttisch das Gesicht“ (Lukas 15:2; 16:13, 14).

      Jesus lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern, sondern sagt zu ihnen: „Ihr erklärt euch vor den Menschen selbst für gerecht, aber Gott kennt euer Herz. Was bei den Menschen hoch angesehen ist, ist für Gott abstoßend“ (Lukas 16:15).

      Seit Langem sind die Pharisäer „bei den Menschen hoch angesehen“, aber jetzt wendet sich das Blatt. Sie, die angesehen sind und reich, was Besitz, politische Macht und religiösen Einfluss betrifft, werden erniedrigt werden. Die einfachen Menschen jedoch, die erkennen, dass sie noch mehr über Gott lernen müssen, werden erhöht werden. Jesus macht deutlich, dass eine Zeit großer Veränderung angebrochen ist:

      „Das Gesetz und die Propheten gab es bis Johannes. Seitdem wird Gottes Königreich als gute Botschaft bekannt gemacht, und die verschiedensten Menschen drängen vorwärts, ihm entgegen. Eher vergehen Himmel und Erde, als dass auch nur ein einziger Strich eines Buchstabens aus dem Gesetz unerfüllt bleibt“ (Lukas 3:18; 16:16, 17). Wie deutet Jesus hier eine Veränderung an?

      Die religiösen Führer der Juden erklären stolz, das Gesetz Mose zu halten. Als Jesus in Jerusalem einen Blinden geheilt hat, haben die Pharisäer großspurig verkündet: „Wir . . . sind Jünger von Moses. Von Moses wissen wir, dass Gott zu ihm geredet hat“ (Johannes 9:13, 28, 29). Ein Zweck des Gesetzes, das durch Moses übermittelt wurde, war allerdings, demütige Menschen zum Messias hinzuführen, also zu Jesus. Johannes der Täufer hat Jesus als das Lamm Gottes kenntlich gemacht (Johannes 1:29-34). Seit dem Beginn von Johannes’ Dienst haben demütige Juden, darunter vor allem arme, von Gottes Königreich erfahren. Ja, es gibt eine gute Botschaft für alle, die sich Gottes Königreich unterstellen und seine Segnungen genießen möchten.

      Bald hat das mosaische Gesetz, das die Menschen zum Messias hingeführt hat, seinen Zweck erfüllt. Dann ist es für Gottes Volk nicht mehr bindend. Zum Beispiel konnte man sich bis dahin aus den verschiedensten Gründen scheiden lassen. Doch nun erklärt Jesus: „Jeder, der sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und wer eine Geschiedene heiratet, begeht ebenfalls Ehebruch“ (Lukas 16:18). Wie das die regelverliebten Pharisäer erzürnen muss!

      Dann erzählt Jesus eine Geschichte, die die Tragweite der aktuellen Veränderung deutlich macht. Es geht um zwei Männer, deren Stellung und Umstände sich drastisch ändern. Beim Lesen sollte man daran denken, dass unter Jesu Zuhörern die hoch angesehenen, geldgierigen Pharisäer sind.

      Ein in Purpur gekleideter reicher Mann schaut aus dem Fenster

      Jesus erzählt: „Es gab einmal einen reichen Mann, der sich in Purpur und Leinen kleidete und Tag für Tag im Luxus schwelgte. Vor sein Tor brachte man immer einen Bettler namens Lazarus. Er war mit Geschwüren übersät und sehnte sich danach, seinen Hunger mit dem zu stillen, was vom Tisch des Reichen fiel. Und ständig kamen Hunde und leckten an seinen Geschwüren“ (Lukas 16:19-21).

      Da die Pharisäer so am Geld hängen, besteht kein Zweifel, wen Jesus durch den reichen Mann veranschaulicht. Diese religiösen Führer tragen gern kostspielige, edle Kleidung. Und unabhängig davon, wie wohlhabend sie wirklich sind — auf jeden Fall sind sie reich, was ihre Privilegien und Chancen betrifft. Der königliche Purpur des Reichen erinnert an die begünstigte Stellung der Pharisäer und das weiße Leinen an ihre Selbstgerechtigkeit (Daniel 5:7).

      Wie betrachten diese reichen, stolzen Führer die armen, einfachen Menschen? Voller Verachtung bezeichnen sie sie als ʽam-haʼárez, als Menschen des Landes oder der Erde, die weder das Gesetz kennen noch es verdienen, darin belehrt zu werden (Johannes 7:49). Das wird durch die Situation des Bettlers Lazarus dargestellt, der sich nach den kargen Resten sehnt, die „vom Tisch des Reichen“ fallen. Diesen Menschen geht es ähnlich wie dem mit Geschwüren übersäten Lazarus — man blickt auf sie herab, als seien sie in Gottes Augen krank.

      Diese traurige Situation besteht seit geraumer Zeit. Doch Jesus weiß, dass die Zeit für eine große Veränderung nun gekommen ist. Die Umstände derjenigen, die wie der reiche Mann sind, und derjenigen, die wie Lazarus sind, werden sich ändern.

      DAS BLATT WENDET SICH

      Lazarus an der Seite von Abraham

      Jesus beschreibt, wie drastisch sich die Umstände ändern: „Eines Tages starb der Bettler und wurde von den Engeln an die Seite Abrahams getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Als er im Grab Qualen litt, blickte er hoch und sah von Weitem Abraham und an dessen Seite Lazarus“ (Lukas 16:22, 23).

      Jesu Zuhörern ist klar, dass Abraham schon lange tot ist und sich im Grab befindet. Die Schriften lassen keinen Zweifel daran, dass die, die im Grab oder Scheol sind, weder sehen noch sprechen können — auch Abraham nicht (Prediger 9:5, 10). Aber wie verstehen die religiösen Führer wohl Jesu Geschichte? Und was deutet er in Bezug auf die einfachen Leute und die geldgierigen religiösen Führer an?

      Jesus hat eben erst auf eine Veränderung hingewiesen, als er sagte: „Das Gesetz und die Propheten gab es bis Johannes. Seitdem wird Gottes Königreich als gute Botschaft bekannt gemacht.“ Daher verändern sich mit dem Predigen von Johannes und Jesus Christus die Umstände von „Lazarus“ und dem „Reichen“ so sehr, als würden sie sterben.

      Die demütigen und armen Menschen waren lange benachteiligt. Sie mussten mit dem zurechtkommen, was vom geistigen Tisch der religiösen Führer fiel. Aber nun erhalten sie Hilfe durch die Königreichsbotschaft, die ihnen zuerst von Johannes dem Täufer überbracht wurde und jetzt von Jesus. Sie werden mit lebenswichtigen Wahrheiten aus den Schriften ernährt, besonders mit den wunderbaren Lehren Jesu. Was Jehova Gott betrifft, sind sie nun endlich in einer begünstigten Stellung.

      Die vermögenden und einflussreichen religiösen Führer hingegen weigern sich, die Königreichsbotschaft anzunehmen, die Johannes bekannt gemacht und Jesus im ganzen Land verbreitet hat (Matthäus 3:1, 2; 4:17). Diese Botschaft ärgert, ja quält sie regelrecht, denn sie weist auf Gottes Gericht hin, das so vernichtend sein wird wie Feuer (Matthäus 3:7-12). Die geldgierigen religiösen Führer wären sehr erleichtert, wenn Jesus und seine Jünger Gottes Botschaft nicht mehr bekannt machen würden. Sie sind wie der Reiche, der ruft: „Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt, denn ich mache in diesem lodernden Feuer qualvolle Leiden durch“ (Lukas 16:24).

      Der reiche Mann wird im Feuer gequält

      Aber das wird nicht geschehen. Und die meisten religiösen Führer werden sich auch nicht ändern. Sie wollten nicht „auf Moses und die Propheten hören“, deren Schriften sie eigentlich dazu hätten bringen müssen, Jesus als den Messias Gottes anzuerkennen (Lukas 16:29, 31; Galater 3:24). Und sie sind auch nicht bereit, sich zu demütigen und sich durch das Predigen der Armen überzeugen zu lassen, die Jesus als Messias angenommen haben und nun Gottes Gunst genießen. Jesu Jünger können aber nicht einfach Zugeständnisse machen und die Wahrheit verwässern, nur damit die religiösen Führer zufrieden sind oder es ihnen besser geht. Jesus macht das durch die Antwort von „Vater Abraham“ an den Reichen deutlich:

      „Kind, denk daran, dass du zu deinen Lebzeiten genug Gutes hattest, aber Lazarus nur Schlechtes. Nun aber wird er hier getröstet und du machst qualvolle Leiden durch. Außerdem wurde eine feste Trennung zwischen uns und euch geschaffen, eine große Kluft, sodass diejenigen, die von hier zu euch wollen, es nicht können und auch niemand von dort zu uns herüberkommen kann“ (Lukas 16:25, 26).

      Religiöse Führer der Juden ärgern sich über Jesus

      Es ist wirklich nur fair und auch an der Zeit, dass sich die Verhältnisse ändern! Letztendlich bedeutet das für die stolzen religiösen Führer, mit den demütigen Menschen den Platz zu tauschen — mit denen, die Jesu Joch annehmen. Endlich werden diese geistig gut ernährt und bekommen neue Kraft (Matthäus 11:28-30). Die Veränderung wird noch offensichtlicher werden, wenn der Gesetzesbund einige Monate später durch den neuen Bund ersetzt wird (Jeremia 31:31-33; Kolosser 2:14; Hebräer 8:7-13). Am Pfingsttag 33 wird Gott seinen heiligen Geist ausgießen. Dann kann keiner mehr bestreiten, dass nicht die Pharisäer und ihre Verbündeten Gottes Gunst haben, sondern Jesu Jünger.

      • Wie unterscheidet sich die Situation der religiösen Führer der Juden von der Situation der einfachen Menschen?

      • Welche Veränderung zeichnet sich mit dem Beginn von Johannes’ Dienst ab?

      • Wer ist wie der Reiche in Jesu Geschichte und wer wie Lazarus?

      • Wie zeigt Jesus, dass die Umstände dabei sind, sich drastisch zu ändern?

      • Wie reagieren die religiösen Führer auf die Botschaft von Johannes und Jesus, und wie macht das Jesus durch seine Geschichte deutlich?

      • Was wäre den religiösen Führern am liebsten, aber warum wird ihr Wunsch nicht erfüllt?

      • Wann wird die Kluft zwischen den religiösen Führern und Jesu Jüngern noch größer?

  • Jesus lehrt in Peräa auf dem Weg nach Judäa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Bote richtet Jesus aus, dass Lazarus sehr krank ist

      KAPITEL 89

      Jesus lehrt in Peräa auf dem Weg nach Judäa

      LUKAS 17:1-10 JOHANNES 11:1-16

      • ANDERE NICHT ZU FALL BRINGEN

      • JESUS SPRICHT ÜBER VERGEBUNG UND GLAUBEN

      Jesus ist seit einiger Zeit auf der anderen Jordanseite in Peräa (Johannes 10:40). Aber bald wird er auf dem Weg Richtung Jerusalem sein, das weiter südlich liegt.

      Seine Jünger sowie „große Menschenmengen“ begleiten ihn, darunter auch Steuereinnehmer und Sünder (Lukas 14:25; 15:1). Es sind auch Pharisäer und Schriftgelehrte da, die alles, was Jesus sagt und tut, kritisch beäugen. Doch durch die Veranschaulichungen über das verlorene Schaf, den verlorenen Sohn sowie den reichen Mann und Lazarus hat er ihnen viel zum Nachdenken gegeben (Lukas 15:2; 16:14).

      Wahrscheinlich denkt Jesus an die Kritik und das Gespött seiner Gegner, als er sich seinen Jüngern zuwendet und einige Lehren wieder aufgreift, über die er schon früher in Galiläa gesprochen hat.

      Er sagt: „Ursachen, durch die man ins Stolpern kommt, sind unvermeidlich. Aber wehe dem, durch den sie entstehen. . . . Passt auf euch auf. Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, dann rede ein ernstes Wort mit ihm, und wenn er bereut, vergib ihm. Selbst wenn er sieben Mal am Tag gegen dich sündigt und dann sieben Mal zu dir zurückkommt und sagt: ‚Ich bereue‘, musst du ihm vergeben“ (Lukas 17:1-4). Die letzte Bemerkung erinnert Petrus bestimmt an seine Frage, ob man jemandem bis zu sieben Mal vergeben muss (Matthäus 18:21).

      Werden Jesu Jünger in der Lage sein, seinen Rat zu befolgen? Sie bitten ihn: „Gib uns mehr Glauben.“ Daraufhin versichert er ihnen: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn wäre, würdet ihr zu diesem Schwarzen Maulbeerbaum sagen: ‚Heb dich mit deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!‘, und er würde auf euch hören“ (Lukas 17:5, 6). Ja, selbst mit ein wenig Glauben kann man Großes erreichen.

      Dann spricht Jesus darüber, dass es wichtig ist, eine demütige, ausgeglichene Sicht von sich selbst zu haben. Er sagt zu den Aposteln: „Angenommen, ihr habt einen Sklaven und er kommt nach dem Pflügen oder Schafehüten vom Feld zurück. Wer von euch würde dann zu ihm sagen: ‚Komm doch gleich her und nimm am Tisch Platz‘? Würde man nicht eher zu ihm sagen: ‚Mach mir etwas zum Abendessen und bind dir eine Schürze um und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach kannst du essen und trinken‘? Wird man sich etwa dem Sklaven zu Dank verpflichtet fühlen, weil er seinen Auftrag erfüllt hat? So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was man euch aufgetragen hat, dann sagt: ‚Wir sind nutzlose Sklaven. Wir haben nur unsere Pflicht getan‘ “ (Lukas 17:7-10).

      Ein Diener Gottes sollte sich bewusst sein, wie wichtig es ist, Gottes Interessen allem voranzustellen. Und er sollte daran denken, dass es wirklich ein Vorrecht ist, in Gottes Haushalt zu dienen.

      Offensichtlich nicht lange nach diesem Gespräch trifft ein Bote aus Judäa ein. Er kommt von Maria und Martha, den Schwestern von Lazarus, die in Bethanien leben. Sie lassen Jesus ausrichten: „Herr, der Mann, den du so liebst, ist krank“ (Johannes 11:1-3).

      Auch wenn sein Freund Lazarus sehr krank ist, lässt Jesus sich von der Sorge um ihn nicht lähmen, sondern sagt: „Diese Krankheit soll letztendlich nicht im Tod enden, sondern Gott verherrlichen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht wird.“ Er bleibt noch zwei Tage, wo er ist, und sagt dann zu seinen Jüngern: „Lasst uns wieder nach Judäa gehen.“ Doch sie wenden ein: „Rabbi, in Judäa wollte man dich vor Kurzem noch steinigen und jetzt willst du wieder dorthin?“ (Johannes 11:4, 7, 8).

      Jesus antwortet: „Gibt es nicht 12 Stunden Tageslicht? Wenn jemand im Tageslicht wandert, stolpert er nirgendwo hinein, weil er das Licht dieser Welt sieht. Wenn dagegen jemand in der Nacht wandert, stolpert er, weil das Licht nicht in ihm ist“ (Johannes 11:9, 10). Er spricht offenbar davon, dass die Zeit, die Gott für seinen Dienst festgelegt hat, noch nicht abgelaufen ist. Bis dahin muss er die kurze Zeit, die ihm noch bleibt, bestmöglich nutzen.

      Dann fügt Jesus hinzu: „Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich gehe jetzt hin, um ihn zu wecken.“ In der Meinung, dass Lazarus sich wirklich nur ausruht und es ihm bald besser geht, wenden die Jünger ein: „Herr, wenn er schläft, wird er gesund werden.“ Da sagt Jesus offen: „Lazarus ist gestorben . . . Aber jetzt lasst uns zu ihm gehen“ (Johannes 11:11-15).

      Thomas ist sich bewusst, dass Jesus in Judäa getötet werden könnte. Er möchte ihm aber gern zur Seite stehen und fordert die anderen Jünger deshalb auf: „Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben“ (Johannes 11:16).

      • Wo predigt Jesus seit einiger Zeit?

      • Welche Lehren wiederholt Jesus? Und wie veranschaulicht er, dass man demütig sein sollte?

      • Welche Nachricht erhält Jesus? Und warum spricht Thomas davon, mit ihm zu sterben?

  • „Die Auferstehung und das Leben“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Andere sehen, wie Jesus und Maria weinen

      KAPITEL 90

      „Die Auferstehung und das Leben“

      JOHANNES 11:17-37

      • ALS JESUS ANKOMMT, IST LAZARUS SCHON TOT

      • JESUS BEZEICHNET SICH ALS „DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN“

      Jesus ist von Peräa gekommen und erreicht nun den Dorfrand von Bethanien, das knapp drei Kilometer östlich von Jerusalem liegt. Maria und Martha trauern um ihren Bruder Lazarus, und viele sind gekommen, um sie zu trösten.

      Martha rennt Jesus entgegen

      Martha erfährt, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen ist, und läuft ihm sofort entgegen. Sie sagt: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben“, und spricht damit aus, was sie und ihre Schwester in den letzten vier Tagen wahrscheinlich immer wieder gedacht haben. Doch sie ist nicht völlig ohne Hoffnung, denn sie erklärt: „Ich glaube selbst jetzt, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest“ (Johannes 11:21, 22). Martha ahnt wohl, dass Jesus ihrem Bruder immer noch helfen kann.

      Jesus sichert ihr zu: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Martha denkt, er spreche von der zukünftigen Auferstehung auf der Erde — von der Hoffnung, die Abraham und andere hegten. Und sie zeigt, dass sie fest daran glaubt, denn sie erklärt: „Ich weiß, dass er auferstehen wird — in der Auferstehung am letzten Tag“ (Johannes 11:23, 24).

      Aber kann Jesus auch jetzt gleich etwas für Lazarus tun? Er erinnert Martha daran, dass er von Gott die Macht über den Tod bekommen hat: „Wer an mich glaubt, wird zum Leben kommen, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird überhaupt nie sterben“ (Johannes 11:25, 26).

      Damit deutet Jesus nicht an, seine Jünger würden nie sterben; wie er sagte, muss sogar er sterben (Matthäus 16:21; 17:22, 23). Vielmehr will er verdeutlichen, dass der Glaube an ihn zu ewigem Leben führen kann. Viele werden das ewige Leben durch die Auferstehung geschenkt bekommen. Doch einige Treue, die am Ende des jetzigen Weltsystems leben, werden überhaupt nie sterben. In jedem Fall kann jeder, der an Jesus glaubt, sicher sein, dass er nicht für immer tot sein wird.

      Aber was ist nun mit Lazarus, der schon seit einigen Tagen tot ist? Jesus hat vorher zu Martha gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, und jetzt fragt er sie: „Glaubst du das?“ „Ja, Herr“, antwortet sie. „Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Fest davon überzeugt, dass Jesus noch am selben Tag etwas unternehmen kann, eilt sie zu ihrer Schwester und sagt unauffällig: „Der Lehrer ist da und lässt dich rufen“ (Johannes 11:25-28). Da läuft Maria sofort los, gefolgt von anderen, die denken, sie würde zum Grab gehen.

      Doch Maria geht zu Jesus, fällt ihm weinend zu Füßen und wiederholt, was vorher schon ihre Schwester zu ihm gesagt hat: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Maria und die anderen weinen zu sehen wühlt Jesus so auf, dass er seufzt und ebenfalls in Tränen ausbricht. Davon sind die Umstehenden sehr berührt. Aber einige meinen: „Hätte dieser Mann, der die Augen des Blinden geöffnet hat, nicht den Tod von Lazarus verhindern können?“ (Johannes 11:32, 37).

      • Wie ist die Situation, als Jesus in Bethanien ankommt?

      • Welche Grundlage hat Marthas Glaube an eine Auferstehung?

      • Wie deutet Jesus an, dass er etwas für Lazarus tun kann?

  • Lazarus wird auferweckt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Martha und Maria beobachten, wie Jesus ihren Bruder Lazarus auferweckt

      KAPITEL 91

      Lazarus wird auferweckt

      JOHANNES 11:38-54

      • DIE AUFERSTEHUNG VON LAZARUS

      • DER SANHEDRIN SCHMIEDET MORDPLÄNE GEGEN JESUS

      Nachdem Jesus in der Nähe von Bethanien erst Martha und dann Maria getroffen hat, gehen sie gemeinsam zum Grab von Lazarus — einer Höhle mit einem Stein davor. „Nehmt den Stein weg“, sagt Jesus. Aber Martha versteht nicht, was er vorhat, und wendet ein: „Herr, er riecht bestimmt schon. Es sind nämlich schon vier Tage vergangen.“ Doch Jesus erwidert: „Habe ich dir nicht gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du Glauben hast?“ (Johannes 11:39, 40).

      Daraufhin wird der Stein weggenommen. Jesus blickt zum Himmel und betet: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste zwar, dass du mich immer erhörst, aber ich habe das wegen der Menschenmenge ringsum gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Dieses öffentliche Gebet soll den Umstehenden zeigen, dass das, was Jesus gleich tun wird, durch die Macht Gottes geschieht. Dann ruft Jesus laut: „Lazarus, komm heraus!“ Und Lazarus kommt tatsächlich heraus — seine Füße und Hände mit Leichenbinden umwickelt und das Gesicht mit einem Tuch verhüllt. Jesus fordert die Leute auf: „Befreit ihn davon und lasst ihn gehen“ (Johannes 11:41-44).

      Viele Juden, die gekommen sind, um Maria und Martha zu trösten, sehen das Wunder und glauben an Jesus. Doch andere gehen zu den Pharisäern und berichten, was Jesus getan hat. Da rufen die Pharisäer und Oberpriester den Sanhedrin zusammen, den Hohen Rat der Juden, zu dem auch der Hohe Priester Kaiphas gehört. Einige Mitglieder jammern: „Was sollen wir nur machen? Dieser Mann vollbringt viele Zeichen. Wenn wir ihn so weitermachen lassen, werden alle an ihn glauben, und die Römer werden kommen und uns sowohl unsere heilige Stätte als auch unser Volk nehmen“ (Johannes 11:47, 48). Obwohl Gott durch Jesus „viele Zeichen“ vollbringt und diese Männer aus erster Hand davon erfahren, freuen sie sich nicht. Ihnen geht es hauptsächlich um ihre eigene Stellung und Macht.

      Einige Juden berichten den Pharisäern, dass Lazarus auferweckt worden ist

      Für die Sadduzäer ist es ein schwerer Schlag, dass Lazarus wieder am Leben ist, denn sie glauben nicht an die Auferstehung. Kaiphas, ebenfalls ein Sadduzäer, ergreift jetzt das Wort: „Ihr begreift gar nichts und habt nicht bedacht, dass es für euch besser ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk vernichtet wird“ (Johannes 11:49, 50; Apostelgeschichte 5:17; 23:8).

      Diese Worte kommen „nicht von ihm selbst“, sondern Gott veranlasst Kaiphas aufgrund seines heiligen Amtes dazu, sie zu äußern. Kaiphas meint, Jesus müsse getötet werden, damit er die Autorität und den Einfluss der religiösen Führer nicht noch weiter untergraben kann. Allerdings ist seine Aussage auch eine Prophezeiung, die darauf hindeutet, dass Jesus durch seinen Tod für ein Lösegeld sorgen wird — und zwar nicht nur für die Juden, sondern für alle „verstreuten Kinder Gottes“ (Johannes 11:51, 52).

      Kaiphas gelingt es, den Sanhedrin dazu zu bringen, Mordpläne gegen Jesus zu schmieden. Möglicherweise erfährt Jesus durch Nikodemus davon, der dem Sanhedrin angehört und ihm wohlgesinnt ist. Auf alle Fälle verlässt Jesus die unmittelbare Umgebung von Jerusalem und verhindert so, dass er vor der von Gott festgelegten Zeit getötet wird.

      • Wie reagieren die Menschen auf die Auferstehung von Lazarus?

      • Woran zeigt sich die Bösartigkeit der Mitglieder des Sanhedrins?

      • Was lässt Gott Kaiphas trotz dessen schlechter Absichten prophezeien?

  • Zehn werden geheilt — nur einer bedankt sich
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Von den zehn Aussätzigen, die Jesus geheilt hat, kommt einer zurück, um sich zu bedanken

      KAPITEL 92

      Zehn werden geheilt — nur einer bedankt sich

      LUKAS 17:11-19

      • JESUS HEILT ZEHN AUSSÄTZIGE

      Jesus geht mit seinen Jüngern nach Ephraim, einer Stadt, die nordöstlich von Jerusalem liegt, und durchkreuzt so die Mordpläne des Sanhedrins. Dort ist er fernab von seinen Feinden (Johannes 11:54). Doch weil das Passah 33 immer näher rückt, ist er schon bald wieder unterwegs. Er geht durch Samaria nordwärts nach Galiläa. Vor seinem Tod ist das sein letzter Besuch in diesem Gebiet.

      Zu Beginn der Reise trifft Jesus, als er von einem Dorf zum nächsten geht, auf zehn aussätzige Männer. Bei manchen Formen von Aussatz stirbt das Körpergewebe nach und nach ab, zum Beispiel an den Fingern, Zehen und Ohren (4. Mose 12:10-12). Gottes Gesetz verlangt von einem Aussätzigen, „Unrein, unrein!“ zu rufen und abseits der Gemeinschaft zu leben (3. Mose 13:45, 46).

      Aus diesem Grund halten die zehn Aussätzigen Abstand zu Jesus. Doch sie rufen ihm zu: „Jesus, Lehrer, hab Erbarmen mit uns!“ Als er sie sieht, sagt er: „Geht und zeigt euch den Priestern“ (Lukas 17:13, 14). Damit achtet er Gottes Gesetz. Es ermächtigt die Priester nämlich, einen Aussätzigen, der gesund geworden ist, für geheilt zu erklären. Danach darf der Geheilte wieder unter gesunden Menschen leben (3. Mose 13:9-17).

      Jesus trifft auf zehn aussätzige Männer

      Die zehn Aussätzigen vertrauen auf Jesu Macht, Wunder zu vollbringen, und machen sich — noch bevor sie geheilt sind — auf den Weg zu den Priestern. Unterwegs wird ihr Glaube belohnt: Sie können sehen und spüren, wie sie wieder gesund werden!

      Neun von ihnen gehen einfach weiter. Nur einer, ein Samariter, kehrt um und sucht nach Jesus, um sich bei ihm zu bedanken. Er erkennt außerdem, dass in Wirklichkeit Gott für seine Heilung verantwortlich ist, und verherrlicht ihn „mit lauter Stimme“ (Lukas 17:15). Als der Samariter Jesus findet, fällt er vor ihm nieder und sagt zu ihm, wie unendlich dankbar er ihm ist.

      Da fragt Jesus die Umstehenden: „Wurden nicht alle zehn gesund gemacht? Wo sind denn die anderen neun? Ist sonst keiner zurückgekommen, um Gott zu verherrlichen — nur dieser Mann aus einem anderen Volk?“ Dann fordert er den Samariter auf: „Steh auf und geh. Dein Glaube hat dich gesund gemacht“ (Lukas 17:17-19).

      Durch die Heilung der zehn Aussätzigen zeigt Jesus, dass er von Jehova Gott unterstützt wird. Und einer von ihnen ist nun nicht nur körperlich geheilt, sondern befindet sich wahrscheinlich auch auf dem Weg zum Leben. Heute leben wir zwar nicht in einer Zeit, wo Gott durch Jesus Menschen heilt. Doch wenn wir an Jesus glauben, können auch wir den Weg zum Leben gehen — den Weg zum ewigen Leben. Zeigen wir wie der Samariter, dass wir dankbar dafür sind?

      • Wie durchkreuzt Jesus die Mordpläne des Sanhedrins?

      • Warum halten die zehn Aussätzigen Abstand zu Jesus? Und weshalb schickt Jesus sie zu den Priestern?

      • Was lernen wir aus dem, was der Samariter erlebt hat?

  • Der Menschensohn wird offenbart werden
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Arche Noah auf dem Wasser

      KAPITEL 93

      Der Menschensohn wird offenbart werden

      LUKAS 17:20-37

      • DAS KÖNIGREICH IST IN IHRER MITTE

      • WAS GESCHIEHT, WENN JESUS OFFENBART WIRD?

      Jesus ist immer noch in Samaria oder Galiläa. Dort wird er von einigen Pharisäern gefragt, wann denn Gottes Königreich kommt. Sie meinen, es würde mit Prunk und großem Zeremoniell kommen. Doch Jesus klärt sie auf: „Gottes Königreich kommt nicht auf spektakuläre, für alle zu erkennende Art und Weise. Und man wird auch nicht sagen: ‚Schaut hierher!‘, oder: ‚Dort ist es!‘ Denn seht! Gottes Königreich ist in eurer Mitte“ (Lukas 17:20, 21).

      Daraus haben manche gefolgert, das Königreich sei ein Zustand im Herzen der Diener Gottes. Das kann aber nicht sein, denn das Königreich ist wohl kaum im Herzen der Pharisäer, mit denen sich Jesus gerade unterhält. Trotzdem ist es in ihrer Mitte, denn Jesus, der auserwählte König von Gottes Königreich, befindet sich mitten unter ihnen (Matthäus 21:5).

      Wahrscheinlich sind die Pharisäer nicht mehr da, als Jesus seinen Jüngern noch mehr über das Kommen des Königreiches erklärt. Über seine Gegenwart in Königsmacht sagt er ihnen offen: „Die Zeit kommt, da werdet ihr euch wünschen, auch nur einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, aber ihr werdet diesen Tag nicht sehen“ (Lukas 17:22). Damit weist er darauf hin, dass der Menschensohn erst in der Zukunft als König regieren wird. Bis dahin werden die Jünger seine Herrschaft herbeisehnen. Aber sie werden sich in Geduld üben müssen, bis der Zeitpunkt da ist, den Gott für das Kommen des Menschensohnes festgelegt hat.

      Jesus führt weiter aus: „Die Leute werden zu euch sagen: ‚Seht dort!‘, oder: ‚Seht hier!‘ Geht nicht hin und lauft ihnen auch nicht hinterher. Denn so wie ein Blitz von einer Seite des Himmels zur anderen leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag sein“ (Lukas 17:23, 24). Was kann Jesu Jünger denn davor bewahren, hinter falschen Messiassen herzulaufen? Wie er erklärt, wird das Kommen des wahren Messias wie ein Blitz weithin zu sehen sein. Alle aufmerksamen Beobachter werden den Beweis für seine Gegenwart in Königsmacht deutlich erkennen können.

      Anschließend zieht Jesus einen Vergleich zu früheren Ereignissen, um zu zeigen, wie die Menschen dann eingestellt sein werden: „So wie es in den Tagen Noahs war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein . . . Und wie es in den Tagen Lots war: Die Menschen aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Doch an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete sie alle. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn offenbart wird“ (Lukas 17:26-30).

      Jesus sagt nicht, dass die Menschen zur Zeit Noahs und Lots deshalb vernichtet wurden, weil sie so alltäglichen Dingen nachgingen wie Essen, Trinken, Kaufen, Verkaufen, Pflanzen und Bauen. Auch für Noah, Lot und ihre Familien gehörte das bestimmt zum Leben dazu. Doch im Unterschied zu ihnen ließen die anderen Menschen Gottes Willen dabei völlig außer Acht und auch, in welcher Zeit sie lebten. Daher ermahnt Jesus seine Jünger, immer Gottes Willen zu beachten und sich dafür einzusetzen. So zeigt er ihnen, wie sie überleben können, wenn Gott Vernichtung über die Erde bringt.

      Lots Frau wird zu einer Salzsäule

      Für die Jünger wird es wichtig sein, sich nicht von den Dingen der Welt ablenken zu lassen und nicht zu ihnen „zurückzugehen“. Jesus warnt sie: „Wer an jenem Tag auf dem Dach ist, aber seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinuntergehen, um sie zu holen. Auch wer draußen auf dem Feld ist, darf nicht zurückgehen. Denkt an Lots Frau“ — denn sie wurde zu einer Salzsäule (Lukas 17:31, 32).

      Jesus beschreibt weiter, wie es während der Herrschaft des Menschensohnes sein wird: „In jener Nacht werden zwei in einem Bett liegen — der eine wird mitgenommen, aber der andere wird zurückgelassen“ (Lukas 17:34). Das heißt, die einen werden gerettet werden, andere aber werden zurückgelassen werden, also ihr Leben verlieren.

      Darauf fragen die Jünger: „Wo, Herr?“ Jesus sagt: „Wo die Leiche ist, da versammeln sich auch die Adler“ (Lukas 17:37). Ja, einige werden wie weitsichtige Adler sein. Diese treuen Jünger werden sich um den wahren Christus, den Menschensohn, versammeln und er wird sie mit der lebensrettenden Wahrheit versorgen.

      • Wie ist es möglich, dass das Königreich mitten unter den Pharisäern ist?

      • In welcher Hinsicht wird die Gegenwart des Christus wie ein Blitz sein?

      • Warum müssen Jesu Jünger wachsam sein, wenn der Menschensohn kommt?

  • Gebet und Demut — ein Muss
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Pharisäer und ein Steuereinnehmer beten

      KAPITEL 94

      Gebet und Demut — ein Muss

      LUKAS 18:1-14

      • DAS GLEICHNIS VON DER HARTNÄCKIGEN WITWE

      • DAS GLEICHNIS VON DEM PHARISÄER UND DEM STEUEREINNEHMER

      Schon früher hat Jesus seine Jünger durch eine Geschichte aufgefordert, beim Beten beharrlich zu sein (Lukas 11:5-13). Jetzt, wo er wahrscheinlich in Samaria oder Galiläa ist, betont er diesen Punkt erneut durch ein Gleichnis:

      Eine Witwe bittet einen Richter, ihr Recht zu verschaffen

      „In einer Stadt gab es einen Richter, der keine Ehrfurcht vor Gott und keinen Respekt vor Menschen hatte. Eine Witwe aus derselben Stadt ging immer wieder zu dem Richter und sagte: ‚Verhilf mir zu meinem Recht in dem Streit mit meinem Prozessgegner!‘ Eine Zeit lang wollte er nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ‚Ich habe zwar keine Ehrfurcht vor Gott und keinen Respekt vor Menschen, aber weil diese Witwe mir ständig das Leben schwer macht, werde ich ihr zu ihrem Recht verhelfen, damit sie nicht dauernd kommt und mir mit ihrer Forderung zusetzt‘ “ (Lukas 18:2-5).

      Wie wendet Jesus das an? Er erklärt: „Hört, was der Richter, obwohl er ungerecht war, gesagt hat! Wird Gott also nicht seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, ganz bestimmt zu ihrem Recht verhelfen, während er gleichzeitig geduldig mit ihnen ist?“ (Lukas 18:6, 7). Was möchte Jesus damit verdeutlichen?

      Er möchte auf keinen Fall andeuten, Jehova sei dem ungerechten Richter irgendwie ähnlich. Vielmehr will er Folgendes hervorheben: Wenn schon ein ungerechter Richter auf hartnäckige Bitten eingeht, dann tut Gott das erst recht. Er ist gut und gerecht und er erhört die beharrlichen Gebete seiner Diener. Das unterstreicht Jesus mit den Worten: „Ich sage euch: ‚Er wird ihnen schleunigst zu ihrem Recht verhelfen‘ “ (Lukas 18:8).

      Einfache und arme Menschen kommen selten zu ihrem Recht, während Mächtige und Reiche oft bevorzugt werden. Aber nicht so bei Gott. Er ist gerecht und zur gegebenen Zeit wird er dafür sorgen, dass die Bösen bestraft werden und seine Diener ewiges Leben erhalten.

      Jesus hat somit gerade veranschaulicht, wie wichtig es ist, beharrlich zu beten. Was den Glauben an die Macht des Gebets betrifft, fragt er abschließend: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, wirklich solch einen Glauben auf der Erde finden?“ (Lukas 18:8). Wer hat einen Glauben wie die Witwe? Wie viele glauben wirklich, dass Gott „ihnen schleunigst zu ihrem Recht verhelfen“ wird? Der Christus weiß, dass dieser Glaube, wenn er kommt, nicht selbstverständlich sein wird.

      Einige von Jesu Zuhörern sind selbstsicher. Sie halten sich für gerecht und blicken auf andere herab. An diese selbstgefälligen Menschen richtet Jesus die folgende Veranschaulichung:

      „Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten — der eine war ein Pharisäer und der andere ein Steuereinnehmer. Der Pharisäer stand da und betete bei sich: ‚O Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie alle anderen bin — Erpresser, Ungerechte, Ehebrecher — und schon gar nicht wie dieser Steuereinnehmer. Ich faste zwei Mal in der Woche und gebe ein Zehntel von allem, was ich erwerbe‘ “ (Lukas 18:10-12).

      Die Pharisäer sind dafür bekannt, ihre „Gerechtigkeit“ zur Schau zu stellen, um andere zu beeindrucken. Zum Beispiel haben sie es sich selbst auferlegt, zwei Mal in der Woche zu fasten — üblicherweise montags und donnerstags, wenn auf den großen Märkten viel los ist und sie von vielen gesehen werden. Außerdem achten sie penibel darauf, sogar von Kräutern ein Zehntel zu geben (Lukas 11:42). Über das einfache Volk haben sie vor einigen Monaten verächtlich gesagt: „Diese Menge . . ., die das Gesetz nicht kennt, das sind verfluchte Leute“ (Johannes 7:49).

      Jesus erzählt weiter: „Der Steuereinnehmer dagegen, der in einiger Entfernung stand, traute sich nicht einmal, zum Himmel zu schauen, sondern schlug sich immer wieder an die Brust und sagte: ‚O Gott, hab mit mir, einem Sünder, Erbarmen.‘ “ Der Steuereinnehmer gibt seine Fehler demütig zu. Daher versichert Jesus: „Als dieser Mann wieder nach Hause ging, hatte er sich als gerechter erwiesen als der Pharisäer. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“ (Lukas 18:13, 14).

      Jesus lässt also keinen Zweifel daran, dass es auf Demut ankommt. Das sollten sich besonders seine Jünger zu Herzen nehmen, denn sie sind in einem Umfeld aufgewachsen, in dem die selbstgerechten Pharisäer das Stellungsdenken fördern. Und natürlich ist Jesu Rat auch für alle seine anderen Nachfolger von Bedeutung.

      • Was möchte Jesus mit dem Gleichnis vom ungerechten Richter verdeutlichen?

      • Nach welchem Glauben wird Jesus suchen, wenn er kommt?

      • Welche Haltung, die unter den Pharisäern üblich ist, müssen Jesu Nachfolger meiden?

  • Über Scheidung und die Liebe zu Kindern
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Mütter bringen ihre Kinder zu Jesus

      KAPITEL 95

      Über Scheidung und die Liebe zu Kindern

      MATTHÄUS 19:1-15 MARKUS 10:1-16 LUKAS 18:15-17

      • JESUS ZEIGT, WIE GOTT ÜBER SCHEIDUNG DENKT

      • DER VORTEIL DES LEDIGSEINS

      • WARUM MAN WIE EIN KLEINES KIND SEIN SOLLTE

      Jesus und seine Jünger verlassen Galiläa. Sie überqueren den Jordan und gehen durch Peräa Richtung Süden. Bei seinem letzten Aufenthalt in Peräa hat Jesus mit den Pharisäern darüber gesprochen, wie Gott über Scheidung denkt (Lukas 16:18). Nun greifen sie das Thema wieder auf, um Jesus auf die Probe zu stellen.

      Gemäß dem mosaischen Gesetz kann sich ein Mann scheiden lassen, wenn er „etwas Anstößiges“ an seiner Frau findet (5. Mose 24:1). Es gibt allerdings unterschiedliche Meinungen darüber, was Scheidungsgründe sind. Einige sind der Ansicht, dass sogar Kleinigkeiten eine Scheidung rechtfertigen. Deshalb fragen die Pharisäer: „Darf sich ein Mann aus jedem beliebigen Grund von seiner Frau scheiden lassen?“ (Matthäus 19:3).

      Jesus verweist nicht auf menschliche Auffassungen, sondern auf Gottes Ansicht über die Ehe. „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen von Anfang an als Mann und Frau gemacht hat und sagte: ‚Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und fest zu seiner Frau halten und die beiden werden eins sein‘, damit sie nicht mehr zwei sind, sondern eins? Was Gott also verbunden hat, das soll kein Mensch auseinanderbringen“ (Matthäus 19:4-6). Als Gott Adam und Eva verheiratete und so die Ehe schuf, tat er das nicht mit der Möglichkeit, sie wieder aufzulösen.

      Die Pharisäer entgegnen: „Aber warum schrieb Moses dann vor, eine Scheidungsurkunde auszustellen, um sich von seiner Frau scheiden zu lassen?“ (Matthäus 19:7). Jesus antwortet ihnen: „Weil ihr so hartherzig seid, hat Moses euch das Zugeständnis gemacht, dass ihr euch von euren Frauen scheiden lassen könnt, aber anfangs war das nicht so gedacht“ (Matthäus 19:8). Mit „anfangs“ meint Jesus nicht Moses’ Tage, sondern den Anfang der Ehe in Eden.

      Dann äußert Jesus eine wichtige Wahrheit: „Ich sage euch: Wer sich von seiner Frau scheiden lässt — außer wegen sexueller Unmoral [griechisch: pornéia] — und eine andere heiratet, begeht Ehebruch“ (Matthäus 19:9). Sexuelle Unmoral ist damit der einzige biblische Scheidungsgrund.

      Daraufhin meinen die Jünger: „Wenn es sich für einen Mann in der Ehe so verhält, sollte man lieber gar nicht erst heiraten“ (Matthäus 19:10). Wer ans Heiraten denkt, sollte sich also darüber im Klaren sein, dass es eine Entscheidung fürs Leben ist.

      Jesus geht nun näher auf das Ledigsein ein. Wie er erklärt, sind manche von Geburt an Eunuchen und deshalb nicht zu ehelichen Beziehungen in der Lage. Andere werden durch die Verstümmelung ihrer Geschlechtsorgane zu Eunuchen gemacht. Und wieder andere entscheiden sich bewusst dafür, auf sexuelle Beziehungen zu verzichten, weil sie sich auf ihren Dienst für das Königreich konzentrieren möchten. Jesus empfiehlt seinen Zuhörern: „Wer sich dafür entscheiden kann, sollte das tun“ (Matthäus 19:12).

      Dann bringen die Leute ihre kleinen Kinder zu Jesus. Die Jünger wollen jedoch nicht, dass Jesus gestört wird, und weisen sie dafür zurecht. Als Jesus das sieht, wird er ärgerlich und sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen! Hindert sie nicht daran, denn Gottes Königreich gehört solchen Menschen. Ich versichere euch: Wer Gottes Königreich nicht so wie ein Kind willkommen heißt, wird auf keinen Fall dort hineinkommen“ (Markus 10:14, 15; Lukas 18:15).

      Was für ein wertvoller Lehrpunkt! Um Gottes Königreich annehmen zu können, müssen wir wie kleine Kinder demütig und lernbereit sein. Jesus liebt kleine Kinder sehr. Das zeigt er dadurch, dass er sie in die Arme nimmt und segnet. Und jeder, der „Gottes Königreich . . . wie ein Kind willkommen heißt“, bedeutet ihm genauso viel (Lukas 18:17).

      • Wie stellen die Pharisäer Jesus mit dem Thema Scheidung auf die Probe?

      • Wie denkt Gott gemäß Jesu Worten über Scheidung?

      • Warum entscheiden sich manche Jünger dafür, ledig zu bleiben?

      • Welchen Lehrpunkt möchte Jesus mit seiner Aussage über Kinder vermitteln?

  • Jesus spricht mit einem reichen Vorsteher
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein reicher junger Vorsteher kniet vor Jesus und unterhält sich mit ihm

      KAPITEL 96

      Jesus spricht mit einem reichen Vorsteher

      MATTHÄUS 19:16-30 MARKUS 10:17-31 LUKAS 18:18-30

      • EIN REICHER MANN FRAGT JESUS, WIE ER EWIG LEBEN KANN

      Auf seinem Weg nach Jerusalem reist Jesus immer noch durch Peräa. Unterwegs läuft ein reicher junger Mann zu ihm und fällt vor ihm auf die Knie. Er ist „ein Vorsteher“, vielleicht ein Synagogenvorsteher oder ein Mitglied des Sanhedrins, und er fragt Jesus: „Guter Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ (Lukas 8:41; 18:18; 24:20).

      „Warum nennst du mich gut?“, entgegnet Jesus. „Niemand ist gut außer einem: Gott“ (Lukas 18:19). Wahrscheinlich verwendet der junge Mann „gut“ als Titel, wie es die Rabbis tun. Obwohl Jesus tatsächlich ein guter Lehrer ist, lässt er den Mann wissen, dass der Titel „gut“ nur Gott zusteht.

      „Doch wenn du Leben haben möchtest, dann halte dich immer an die Gebote“, rät Jesus. „An welche?“, will der Mann wissen. Darauf zitiert Jesus die Gebote über Mord, Ehebruch, Diebstahl und falsche Zeugenaussagen sowie das Gebot, die Eltern zu ehren. Dann nennt er das noch wichtigere Erfordernis: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (Matthäus 19:17-19).

      Da sagt der junge Mann: „An all das hab ich mich gehalten. Was fehlt mir noch?“ (Matthäus 19:20). Offenbar meint er, ihm fehle noch irgendeine besonders herausragende Tat, um sich für das ewige Leben zu eignen. Als Jesus merkt, wie aufrichtig der Mann seine Bitte meint, empfindet er Liebe für ihn (Markus 10:21). Doch etwas steht dem Mann im Weg.

      Er hängt sehr an seinem Besitz. Deshalb sagt Jesus zu ihm: „Eins fehlt dir noch: Geh und verkauf, was du hast, und gib das Geld den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!“ Der Mann könnte sein Geld den Armen geben, die ihm nichts zurückzahlen können, und ein Jünger Jesu werden. Stattdessen steht er auf und geht traurig weg, was Jesus bestimmt sehr bedauert. Dieser Mann hängt so sehr an seinem Reichtum, dass er für wahre Schätze blind ist (Markus 10:21, 22). Da sagt Jesus: „Wie schwierig wird es für die sein, die Geld haben, in Gottes Königreich zu gelangen!“ (Lukas 18:24).

      Die Jünger wundern sich über Jesu Worte und erst recht über das, was er als Nächstes sagt: „Es ist tatsächlich leichter für ein Kamel, durch das Öhr einer Nähnadel zu gehen, als für einen Reichen, in Gottes Königreich zu kommen.“ Darauf fragen seine Jünger: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Man könnte fast meinen, das sei unmöglich. Doch Jesus sieht sie direkt an und antwortet: „Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lukas 18:25-27).

      Petrus weist darauf hin, dass sie sich anders entschieden haben als der reiche Mann: „Wir haben alles aufgegeben und sind dir gefolgt. Was wird uns das eigentlich bringen?“ Da erklärt Jesus, wie ihre Entscheidung letztendlich belohnt werden wird: „Ich versichere euch: In der Wiedererschaffung, wenn sich der Menschensohn auf seinen herrlichen Thron setzt, werdet ihr, die ihr mir gefolgt seid, auf 12 Thronen sitzen und Richter über die 12 Stämme Israels sein“ (Matthäus 19:27, 28).

      Jesus denkt dabei an die Zukunft, wenn auf der Erde die Verhältnisse, die im Garten Eden herrschten, wiederhergestellt werden. Petrus und die anderen Jünger werden dann mit Jesus über die paradiesische Erde herrschen — eine Belohnung, für die sich wirklich jedes Opfer lohnt!

      Allerdings werden die Jünger nicht nur in der Zukunft belohnt, sondern auch schon jetzt. Jesus versichert ihnen: „Niemand hat wegen Gottes Königreich Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlassen, der nicht in dieser Zeit ein Vielfaches bekommt und im kommenden Weltsystem ewiges Leben“ (Lukas 18:29, 30).

      Ja, wohin auch immer Jesu Jünger gehen — überall werden sie Glaubensbrüder treffen, zu denen sie ein innigeres Verhältnis haben können als zu ihrer Familie. Diesen Segen lässt sich der reiche Vorsteher wohl leider entgehen und ebenso die Belohnung, in Gottes Königreich im Himmel zu leben.

      Jesus fügt hinzu: „Doch viele, die Erste sind, werden Letzte sein und die Letzten Erste“ (Matthäus 19:30). Wie meint er das?

      Als reicher Vorsteher gehört der junge Mann sozusagen zu den „Ersten“ unter den Juden. Da er sich an Gottes Gesetze hält, könnte man meinen, dass er bestimmt ein Jünger Jesu wird, von dem noch viel zu erwarten ist. Doch leider kommen in seinem Leben Reichtum und Besitz an erster Stelle. Das einfache Volk dagegen erkennt in Jesu Lehren die Wahrheit und den Weg zum Leben. Sie waren sozusagen „Letzte“, aber nun werden sie „Erste“ sein. Sie können sich darauf freuen, mit Jesus im Himmel auf Thronen zu sitzen und über die paradiesische Erde zu regieren.

      • Von wem wird Jesus angesprochen?

      • Warum möchte Jesus nicht mit „gut“ angesprochen werden?

      • Welche Belohnungen verspricht Jesus seinen Nachfolgern?

      • Wie werden die „Ersten“ „Letzte“ werden und „die Letzten Erste“?

  • Die Arbeiter im Weinberg
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Männer arbeiten in einem Weinberg

      KAPITEL 97

      Die Arbeiter im Weinberg

      MATTHÄUS 20:1-16

      • DIE „LETZTEN“ ARBEITER IM WEINBERG WERDEN „ERSTE“ SEIN

      Gerade hat Jesus seinen Zuhörern in Peräa gesagt: „Viele, die Erste sind, werden Letzte sein und die Letzten Erste“ (Matthäus 19:30). Um diese Aussage zu unterstreichen, erzählt er eine Geschichte über Arbeiter in einem Weinberg:

      „Mit dem Königreich des Himmels ist es . . . wie mit einem Gutsbesitzer, der frühmorgens losging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Nachdem er mit den Arbeitern einen Tagelohn von einem Denar vereinbart hatte, schickte er sie in seinen Weinberg. Als er um die dritte Stunde noch einmal losging, sah er auf dem Marktplatz weitere Männer, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg, ich zahle euch einen fairen Lohn.‘ Da machten sie sich auf den Weg. Um die sechste und um die neunte Stunde ging er wieder los und stellte weitere Arbeiter ein. Als er sich um die 11. Stunde das letzte Mal aufmachte, sah er wieder Männer dastehen. Er fragte sie: ‚Warum habt ihr den ganzen Tag hier gestanden und nichts gearbeitet?‘ Sie antworteten: ‚Weil uns niemand eingestellt hat.‘ Da sagte er: ‚Geht doch auch in meinen Weinberg‘ “ (Matthäus 20:1-7).

      Wahrscheinlich erinnern die Ausdrücke „Königreich des Himmels“ und „Gutsbesitzer“ Jesu Zuhörer an Jehova. Immerhin wurde Jehova in den Schriften als Besitzer eines Weinbergs beschrieben und die Nation Israel als der Weinberg (Psalm 80:8, 9; Jesaja 5:3, 4). Mit den Arbeitern sind diejenigen gemeint, die unter dem Gesetzesbund stehen. Jesus spricht allerdings nicht von der Vergangenheit. Vielmehr veranschaulicht er die Situation, die zu seiner Zeit vorherrscht.

      Die religiösen Führer sind wie die Männer, die den ganzen Tag arbeiten. Zu ihnen gehören die Pharisäer, die Jesus vor Kurzem mit dem Thema Scheidung auf die Probe stellen wollten. Sie stehen vermeintlich durchgehend in Gottes Dienst und erwarten den vollen „Tagelohn“.

      Nach Ansicht der Priester und anderer religiöser Führer dienen die einfachen Leute Gott sozusagen nur als Teilzeitarbeiter. In Jesu Geschichte sind sie die Männer, die zur „dritten Stunde“ (9 Uhr) oder später am Tag eingestellt werden — zur sechsten, neunten oder elften Stunde (17 Uhr).

      Die Männer und Frauen, die Jesus nachfolgen, werden als „verfluchte Leute“ angesehen (Johannes 7:49). Sie waren für den Großteil ihres Lebens Fischer oder andere Arbeiter. Im Herbst des Jahres 29 wurde Jesus Christus jedoch von dem „Gutsbesitzer“ ausgesandt, um diese einfachen Menschen einzuladen, seine Nachfolger zu werden und für Gott zu arbeiten. In Jesu Geschichte sind sie sozusagen „die Letzten“ — die Arbeiter, die erst um 17 Uhr anfangen.

      Am Schluss beschreibt Jesus, was am Ende des Arbeitstages geschieht: „Am Abend sagte der Gutsbesitzer zu seinem Verwalter: ‚Ruf die Arbeiter und zahl ihnen ihren Lohn. Fang bei den letzten an und hör bei den ersten auf.‘ Als die von der 11. Stunde kamen, erhielt jeder von ihnen einen Denar. Schließlich kamen die ersten und schlussfolgerten, dass sie mehr bekommen würden. Doch auch sie erhielten je einen Denar. Da beschwerten sie sich über den Gutsbesitzer. Sie sagten: ‚Die zuletzt gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet, und trotzdem stellst du sie uns gleich. Dabei haben wir den ganzen Tag hart durchgearbeitet und die sengende Hitze ertragen!‘ Als Reaktion darauf sagte er zu einem von ihnen: ‚Freund, ich bin nicht unfair zu dir. Hatten wir uns nicht auf einen Denar geeinigt? Nimm deinen Lohn und geh. Ich möchte dem letzten Arbeiter genauso viel geben wie dir. Mit dem, was mir gehört, darf ich doch wohl machen, was ich will. Oder ist dein Auge etwa neidisch, weil ich großzügig bin?‘ So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte“ (Matthäus 20:8-16).

      Wahrscheinlich wundern sich Jesu Jünger über den Schluss der Geschichte. Wie werden die religiösen Führer, die sich als „Erste“ betrachten, „Letzte“ werden? Und wie sollen Jesu Jünger „Erste“ werden?

      Jesu Jünger, die von den Pharisäern und anderen als „Letzte“ angesehen werden, haben die Aussicht, „Erste“ zu werden, also den vollen Lohn zu erhalten. Das Volk Israel wird mit Jesu Tod nämlich verworfen werden und Gott wird für sich ein neues Volk auswählen, „das Israel Gottes“ (Galater 6:16; Matthäus 23:38). Johannes der Täufer wies auf diejenigen hin, die zum „Israel Gottes“ gehören würden, als er von einer künftigen Taufe mit heiligem Geist sprach. Die Ersten, die für diese Taufe infrage kommen, sind diejenigen, die bisher „Letzte“ waren. Sie erhalten das Vorrecht, „bis zum entferntesten Teil der Erde“ Jesu Zeugen zu sein (Apostelgeschichte 1:5, 8; Matthäus 3:11). Falls die Jünger das Ausmaß der drastischen Veränderung begreifen, die Jesus hier andeutet, können sie wahrscheinlich erahnen, was für eine Wut ihnen von den religiösen Führern entgegenschlagen wird, die ja „Letzte“ werden.

      • Warum kann man davon ausgehen, dass Jehova der „Gutsbesitzer“ ist? Und wer sind die „Arbeiter“?

      • Welche drastische Veränderung deutet Jesus mit seiner Geschichte an?

      • Wann wird diese Veränderung offensichtlich werden?

  • Wieder streben die Apostel nach Ansehen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Salome geht zu Jesus und bittet ihn im Namen ihrer Söhne um einen besonderen Gefallen

      KAPITEL 98

      Wieder streben die Apostel nach Ansehen

      MATTHÄUS 20:17-28 MARKUS 10:32-45 LUKAS 18:31-34

      • JESUS SAGT ERNEUT SEINEN TOD VORAUS

      • WIE JESUS MIT DEM WUNSCH DER APOSTEL NACH ANSEHEN UMGEHT

      Auf dem Weg nach Jerusalem im Süden verlassen Jesus und seine Jünger nun Peräa und überqueren in der Nähe von Jericho den Jordan. Sie reisen jedoch nicht allein, sondern andere begleiten sie zum Passah des Jahres 33.

      Jesus will rechtzeitig zum Passah in Jerusalem sein und geht vor seinen Jüngern her. Diese haben allerdings Angst. Als Lazarus vor einiger Zeit starb und Jesus von Peräa nach Judäa reisen wollte, sagte Thomas zu den anderen: „Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben“ (Johannes 11:16, 47-53). Nach Jerusalem zu gehen ist also gefährlich und die Angst der Jünger verständlich.

      Jesus möchte die Apostel auf das vorbereiten, was ihm bevorsteht. Deshalb nimmt er sie zur Seite und erklärt ihnen: „Wir gehen hinauf nach Jerusalem und dort wird der Menschensohn den Oberpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und Menschen anderer Völker übergeben, damit er verspottet, ausgepeitscht und an einem Pfahl hingerichtet wird. Und am dritten Tag wird er auferweckt“ (Matthäus 20:18, 19).

      Das ist das dritte Mal, dass Jesus mit seinen Jüngern über seinen Tod und seine Auferstehung spricht (Matthäus 16:21; 17:22, 23). Doch bisher hat er ihnen nicht gesagt, dass er an einem Pfahl hingerichtet werden wird. Obwohl sie ihm zuhören, verstehen sie die Bedeutung seiner Worte nicht. Wahrscheinlich rechnen sie damit, dass der Christus das Königreich Israel auf der Erde wiederherstellt, und sie hoffen, an seiner Seite zu Ruhm und Ehre zu gelangen.

      Jakobus und Johannes

      Die Apostel Jakobus und Johannes haben vermutlich aufgrund ihres Temperaments von Jesus einen Namen erhalten, der „Donnersöhne“ bedeutet (Markus 3:17; Lukas 9:54). Diese beiden haben schon seit einiger Zeit den Ehrgeiz, in Christi Königreich eine besondere Stellung zu bekommen, und ihre Mutter — wahrscheinlich Salome — weiß das. Sie ist ebenfalls unter den Reisenden und geht nun für ihre Söhne zu Jesus. Sie verbeugt sich vor ihm und will ihn um einen Gefallen bitten. Jesus fragt sie: „Was möchtest du?“, worauf sie antwortet: „Gib mir dein Wort, dass diese beiden Söhne von mir in deinem Königreich rechts und links von dir sitzen dürfen“ (Matthäus 20:20, 21).

      In Wirklichkeit kommt die Bitte von Jakobus und Johannes. Jesus, der gerade beschrieben hat, welche Schande und Demütigung er bald erdulden muss, sagt zu ihnen: „Ihr wisst nicht, worum ihr bittet. Könnt ihr den Becher trinken, den ich bald trinken werde?“ Sie antworten: „Ja, das können wir“ (Matthäus 20:22). Doch sehr wahrscheinlich wissen sie nicht, was sie da sagen.

      Trotzdem erklärt Jesus ihnen: „Meinen Becher werdet ihr trinken, aber die Plätze rechts und links von mir habe ich nicht zu vergeben. Sie stehen denen zu, die mein Vater dafür vorgesehen hat“ (Matthäus 20:23).

      Als die anderen zehn Apostel mitbekommen, worum Jakobus und Johannes gebeten haben, regen sie sich sehr auf. Die beiden haben sich womöglich schon früher wichtiggemacht, als die Apostel darüber diskutiert haben, wer von ihnen der Größte ist (Lukas 9:46-48). Auf jeden Fall zeigt ihre Bitte eines deutlich: Die Zwölf haben Jesu Rat, sich so zu verhalten, als seien sie nicht so wichtig, noch nicht verinnerlicht. Ihr Wunsch nach Macht und Ansehen ist immer noch stark.

      Jesus ignoriert diese neue Diskussion nicht einfach, genauso wenig wie den dadurch entstandenen Unfrieden. Er ruft die Zwölf zu sich und rät ihnen liebevoll: „Ihr wisst ja, dass sich diejenigen, die über die Völker zu herrschen scheinen, als Herren aufspielen und dass ihre Großen die Leute ihre Macht spüren lassen. Unter euch darf das aber nicht so sein, sondern wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch an erster Stelle stehen will, soll der Sklave von allen sein“ (Markus 10:42-44).

      Jesus erklärt ihnen, nach wessen Beispiel sie sich richten sollten, nämlich nach seinem. Er sagt: „Der Menschensohn [ist] nicht gekommen . . ., um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben“ (Matthäus 20:28). Schon seit drei Jahren dient Jesus anderen. Und bald wird er sogar so weit gehen, für die Menschheit zu sterben! Die Jünger sollten genauso eingestellt sein wie er. Sie sollten eher anderen dienen wollen, als sich bedienen zu lassen. Und sie sollten sich eher wünschen, unbedeutend zu sein, als eine besondere Stellung zu haben.

      • Wie bereitet Jesus seine Jünger auf das vor, was ihm bevorsteht?

      • Worum bitten zwei Apostel, und wie reagieren die anderen Apostel darauf?

      • Wie geht Jesus mit dem Wunsch der Apostel um, eine besondere Stellung zu bekommen?

  • Jesus hilft zwei Blinden und Zachäus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Zachäus hoch oben in einem Baum

      KAPITEL 99

      Jesus hilft zwei Blinden und Zachäus

      MATTHÄUS 20:29-34 MARKUS 10:46-52 LUKAS 18:35 BIS 19:10

      • JESUS HEILT ZWEI BLINDE MÄNNER IN JERICHO

      • DER STEUEREINNEHMER ZACHÄUS BEREUT

      Jesus und seine Mitreisenden kommen in Jericho an, das ungefähr eine Tagesreise von Jerusalem entfernt liegt. Jericho ist eigentlich eine Doppelstadt — die ältere Stadt liegt etwa eineinhalb Kilometer neben der neueren, römischen Stadt. Als Jesus und die Volksmenge die eine verlassen und auf die andere zusteuern, bekommen zwei blinde Bettler den Trubel mit. Einer von ihnen heißt Bartimäus.

      Als Bartimäus und sein Gefährte hören, dass Jesus an ihnen vorbeikommt, rufen sie: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“ (Matthäus 20:30). Da befehlen ihnen einige aus der Menge, still zu sein. Aber die beiden schreien noch lauter. Jesus hört ihre Rufe, bleibt stehen und bittet seine Begleiter, die Rufenden zu holen. Diese gehen zu den Bettlern und sagen zu einem von ihnen: „Nur Mut! Steh auf, er ruft dich“ (Markus 10:49). Da wirft der blinde Mann aufgeregt sein Obergewand von sich, springt auf und geht zu Jesus.

      Jesus heilt einen blinden Mann

      „Was möchtet ihr? Was soll ich für euch tun?“, fragt Jesus. Die beiden Blinden bitten: „Herr, öffne unsere Augen“ (Matthäus 20:32, 33). Von Mitleid bewegt berührt Jesus ihre Augen und sagt insbesondere zu dem einen: „Geh nur, dein Glaube hat dich gesund gemacht“ (Markus 10:52). Daraufhin können die Männer wieder sehen und zweifellos beginnen beide, Gott zu verherrlichen. Als die Menschen begreifen, was passiert ist, preisen sie Gott ebenfalls. Und die Geheilten gehören von nun an zu Jesu Nachfolgern.

      Als Jesus durch Jericho zieht, wird er von einer riesigen Menschenmenge begleitet. Alle wollen den Mann sehen, der die beiden Blinden geheilt hat. Die Leute drängen sich so sehr um Jesus, dass manche nicht einmal einen flüchtigen Blick auf ihn werfen können. Unter ihnen ist Zachäus, der Obersteuereinnehmer von Jericho und Umgebung. Weil er so klein ist, kann er nichts sehen. Deshalb rennt er voraus und klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum, an dem Jesus gleich vorbeikommen wird. Von dort oben hat Zachäus alles gut im Blick. Als Jesus näher kommt und ihn im Baum entdeckt, sagt er: „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich werde heute Gast in deinem Haus sein“ (Lukas 19:5). Daraufhin klettert Zachäus hinunter und eilt nach Hause, um dort seinen bedeutenden Gast willkommen zu heißen.

      Als die Leute das sehen, fangen sie an zu murren. Sie stoßen sich daran, dass Jesus einen Mann besucht, den sie für einen Sünder halten. Schließlich ist der Steuereinnehmer Zachäus durch Erpressung reich geworden.

      Als Jesus das Haus von Zachäus betritt, beschweren sich die Leute: „Er ist im Haus eines Sünders zu Gast!“ Doch Jesus weiß, dass Zachäus bereuen kann. Und er wird nicht enttäuscht! Zachäus steht auf und verkündet: „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und alles, was ich von irgendjemandem erpresst habe, erstatte ich vierfach“ (Lukas 19:7, 8).

      Was für ein eindrucksvoller Beweis der Reue! Wahrscheinlich kann er über seine Steuerunterlagen herausfinden, wie viel er von den Leuten jeweils genommen hat. Und er verspricht vierfachen Schadensersatz zu leisten, was sogar mehr ist, als Gottes Gesetz fordert (2. Mose 22:1; 3. Mose 6:2-5). Außerdem verspricht er, die Hälfte von seinem Besitz an die Armen zu verteilen.

      Jesus freut sich sehr, dass Zachäus bereut und das auch beweist. Er erklärt: „Heute ist Rettung über dieses Haus gekommen, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war“ (Lukas 19:9, 10).

      Erst vor Kurzem hat Jesus die Situation derer, die Jehova verlassen haben, durch den verlorenen Sohn veranschaulicht (Lukas 15:11-24). Und nun ist tatsächlich jemand, der so gut wie verloren war, gefunden worden. Die religiösen Führer und ihre Anhänger mögen Jesus zwar dafür kritisieren, dass er sich um Leute wie Zachäus kümmert. Trotzdem hört er nicht auf, nach diesen verlorenen Söhnen Abrahams zu suchen und sie zu Jehova zurückzubringen.

      • Wo trifft Jesus offenbar die beiden blinden Bettler, und was tut er für sie?

      • Wer ist Zachäus, und wie beweist er, dass er wirklich bereut hat?

      • Was können wir daraus lernen, wie Jesus mit Zachäus umgeht?

  • Die zehn Minen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Sklave gibt seinem Herrn die Mine zurück

      KAPITEL 100

      Die zehn Minen

      LUKAS 19:11-28

      • JESUS ERZÄHLT DIE GESCHICHTE VON DEN ZEHN MINEN

      Jesus und seine Jünger halten sich auf ihrem Weg nach Jerusalem wahrscheinlich immer noch bei Zachäus auf. Seine Jünger denken, Gottes Königreich würde bald mit Jesus als König aufgerichtet werden (Lukas 19:11). Aber sie verstehen das falsch, genauso wie sie nicht verstehen, dass Jesus sterben muss. Um ihnen begreiflich zu machen, dass es noch lange dauern wird, bis das Königreich kommt, erzählt er ihnen deshalb eine Geschichte.

      Jesus beginnt: „Ein Mann von vornehmer Herkunft reiste in ein fernes Land, um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren“ (Lukas 19:12). Der „Mann von vornehmer Herkunft“ ist Jesus. Er reist in ein „fernes Land“, den Himmel, wo er von seinem Vater Königsmacht erhält. Und so eine „Reise“ dauert natürlich.

      Bevor der „Mann von vornehmer Herkunft“ abreiste, rief er zehn Sklaven zu sich, gab jedem eine Mine aus Silber und beauftragte sie: „Macht damit Geschäfte, bis ich komme“ (Lukas 19:13). Eine Mine ist eine Menge Geld. Ein Landarbeiter muss dafür über drei Monate arbeiten.

      Vielleicht erkennen sich die Jünger in den zehn Sklaven wieder, denn Jesus hat sie bei einer anderen Gelegenheit einmal mit Erntearbeitern verglichen (Matthäus 9:35-38). Aber natürlich sollen sie keine Getreideernte einbringen, sondern weitere Jünger, die ebenfalls die Aussicht auf einen Platz in Gottes Königreich erhalten. Die Jünger sollten also alles nutzen, was ihnen zur Verfügung steht, damit noch viele weitere das Königreich erben können.

      Was verrät Jesus durch seine Geschichte noch? Wie er sagt, hassten die Bürger des Landes den „Mann von vornehmer Herkunft“ und „schickten eine Abordnung hinter ihm her, die sagen sollte: ‚Wir wollen diesen Mann nicht als unseren König haben!‘ “ (Lukas 19:14). Die Jünger wissen, dass die meisten Juden Jesus nicht als den Messias anerkennen und manche ihn sogar töten wollen. Ihr Hass auf ihn zeigt sich selbst nach Jesu Tod und Himmelfahrt, als sie seine Jünger verfolgen. Diese Gegner lassen keinen Zweifel daran, dass sie Jesus nicht als König haben wollen (Johannes 19:15, 16; Apostelgeschichte 4:13-18; 5:40).

      Wie gebrauchten die zehn Sklaven ihre Minen, bis der „Mann von vornehmer Herkunft“ zurückkam? Jesus erzählt weiter: „Als er sich die Königsmacht gesichert hatte und schließlich zurückkehrte, rief er die Sklaven, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich, um herauszufinden, was sie erwirtschaftet hatten. Der erste trat vor und sagte: ‚Herr, deine Mine hat zehn Minen eingebracht.‘ Der Herr lobte ihn: ‚Gut gemacht, du guter Sklave! Du hast dich in einer sehr kleinen Sache als treu erwiesen, deshalb sollst du Herr über zehn Städte sein.‘ Dann kam der zweite und berichtete: ‚Herr, deine Mine hat fünf Minen eingebracht.‘ Auch ihm sicherte er zu: ‚Du sollst Herr über fünf Städte sein‘ “ (Lukas 19:15-19).

      Wenn die Jünger wie die Sklaven all ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um mehr Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, können sie sicher sein, dass Jesus sich über sie freut. Und sie können darauf vertrauen, dass er ihren Fleiß belohnen wird. Natürlich haben nicht alle Jünger Jesu die gleichen Lebensumstände noch die gleichen Möglichkeiten oder Fähigkeiten. Trotzdem wird Jesus, wenn er „Königsmacht“ erhält, ihren treuen Einsatz beim Jüngermachen würdigen und segnen (Matthäus 28:19, 20).

      Am Ende zeigt Jesus aber ein Negativbeispiel auf: „Dann kam ein anderer [Sklave] und sagte: ‚Herr, hier ist deine Mine. Ich habe sie in einem Tuch versteckt gehalten. Denn ich hatte Angst vor dir, weil du so ein strenger Mensch bist. Du nimmst dir, was du nicht hinterlegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.‘ Der Herr erwiderte: ‚Du böser Sklave, ich verurteile dich aufgrund deiner eigenen Worte! Du wusstest also, dass ich ein strenger Mensch bin und nehme, was ich nicht hinterlegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du mein Geld dann nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es, als ich kam, mit Zinsen abgehoben.‘ Darauf sagte er zu denen, die dabeistanden: ‚Nehmt ihm die Mine weg, und gebt sie dem, der die zehn Minen hat‘ “ (Lukas 19:20-24).

      Da dieser Sklave nichts tat, um das Vermögen des Königreiches seines Herrn zu vermehren, verlor er alles. Die Apostel, die darauf warten, dass Jesus als König von Gottes Königreich zu regieren beginnt, können an seiner Aussage über den letzten Sklaven erkennen, dass sie fleißig sein müssen. Sonst erhalten sie keinen Platz im Königreich.

      Bestimmt sind Jesu Worte für seine treuen Jünger eine Motivation, sich noch fleißiger einzusetzen. Abschließend sagt er: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.“ Doch diejenigen, die ihn „nicht als König haben wollten“, werden vernichtet werden. Dann geht Jesus weiter nach Jerusalem hinauf (Lukas 19:26-28).

      • Warum erzählt Jesus die Geschichte von den Minen?

      • Wer ist der „Mann von vornehmer Herkunft“, und in welches Land reist er?

      • Wer sind die Sklaven, und wer sind die Bürger, die den vornehmen Mann hassen?

      • Warum werden einige Sklaven belohnt und einer bestraft?

  • Zu Gast bei Simon in Bethanien
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Maria gießt duftendes Öl auf Jesu Kopf, während er zu Tisch liegt

      KAPITEL 101

      Zu Gast bei Simon in Bethanien

      MATTHÄUS 26:6-13 MARKUS 14:3-9 JOHANNES 11:55 BIS 12:11

      • JESUS KEHRT NACH BETHANIEN ZURÜCK

      • MARIA GIESST DUFTENDES ÖL AUF JESU KOPF UND FÜSSE

      Jesus verlässt Jericho und geht nach Bethanien. Dafür muss er gut 20 Kilometer unwegsames Gelände und etliche Höhenmeter überwinden. Jericho liegt nämlich ungefähr 250 Meter unter dem Meeresspiegel, Bethanien dagegen circa 610 Meter darüber. Dieses kleine Dorf am Osthang des Ölbergs ist etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt. Hier sind Lazarus und seine beiden Schwestern zu Hause.

      Es sind schon viele Juden wegen des Passahfestes in Jerusalem. Sie sind frühzeitig gekommen, „um sich rituell zu reinigen“ — für den Fall, dass sie einen Toten berührt oder sonst irgendetwas getan haben sollten, wodurch sie unrein geworden sind (Johannes 11:55; 4. Mose 9:6-10). Einige im Tempel unterhalten sich darüber, ob Jesus wohl zum Passah kommen wird (Johannes 11:56).

      Doch die Meinungen gehen auseinander. Einige religiöse Führer wollen Jesus am liebsten umbringen. Und das haben sie auch schon versucht, nachdem er Lazarus auferweckt hatte (Johannes 11:49-53). Inzwischen soll sogar jeder, der Jesu Aufenthaltsort kennt, es melden, damit er festgenommen werden kann (Johannes 11:57). Manche bezweifeln also zu Recht, dass Jesus sich in aller Öffentlichkeit zeigen wird.

      Am Freitag, „sechs Tage vor dem Passah“, kommt Jesus in Bethanien an (Johannes 12:1). Der nächste Tag, der 8. Nisan, ist ein Sabbat und beginnt nach Sonnenuntergang. Gemäß dem jüdischen Gesetz darf man eine Strecke wie die von Jericho nach Bethanien nicht am Sabbat zurücklegen (also zwischen dem Sonnenuntergang am Freitag und dem Sonnenuntergang am Samstag). Deshalb muss Jesus vor Sabbatbeginn ankommen. Wahrscheinlich geht er wie gewohnt zum Haus von Lazarus.

      In Bethanien lebt außerdem ein gewisser Simon, der auch „der Aussätzige“ genannt wird. Vielleicht hatte er früher Aussatz, wurde dann aber von Jesus geheilt. Simon lädt Jesus, dessen Gefährten sowie Lazarus am Samstag zum Abendessen ein. Die fleißige Martha bedient die Gäste. Maria kümmert sich vor allem um Jesus, löst jedoch durch das, was sie tut, eine Diskussion aus.

      Sie öffnet nämlich ein Alabasterfläschchen, in dem sich „etwa ein Pfund echtes, sehr kostbares duftendes Nardenöl“ befindet (Johannes 12:3). Dieses Öl ist 300 Denare wert, was in etwa einem Jahreslohn entspricht! Maria gießt das Öl auf Jesu Kopf und Füße und trocknet seine Füße mit ihrem Haar ab. Der Duft des Öls erfüllt das ganze Haus.

      Die Jünger sind ziemlich ärgerlich und fragen: „Wieso ist dieses duftende Öl verschwendet worden?“ (Markus 14:4). Judas Iskariot beschwert sich: „Warum hat man dieses duftende Öl nicht für 300 Denare verkauft und das Geld den Armen gegeben?“ (Johannes 12:5). Er sagt das aber nicht, weil er sich um die Armen sorgt, sondern weil er die Kasse der Jünger verwaltet und immer wieder Geld daraus stiehlt.

      Jesus nimmt Maria in Schutz: „Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes für mich getan. Die Armen habt ihr ja immer bei euch, aber mich werdet ihr nicht immer haben. Als sie dieses duftende Öl über mich goss, bereitete sie meinen Körper für mein Begräbnis vor. Ich versichere euch: Wo immer die gute Botschaft auf der ganzen Welt bekannt gemacht wird, da wird man auch das, was diese Frau getan hat, zur Erinnerung an sie erzählen“ (Matthäus 26:10-13).

      Jesus ist nun seit über einem Tag in Bethanien. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass er da ist, und viele Juden kommen zu Simons Haus. Sie kommen aber „nicht nur wegen Jesus, sondern auch, um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt“ hat (Johannes 12:9). Wegen Lazarus glauben mittlerweile noch mehr Menschen an Jesus. Deshalb schmieden die Oberpriester nun Pläne, nicht nur Jesus zu töten, sondern auch Lazarus. Sie sind wirklich durch und durch böse!

      • Worüber diskutieren die Juden beim Tempel?

      • Warum muss Jesus am Freitag in Bethanien angekommen sein und nicht am Samstag?

      • Was tut Maria? Und wie nimmt Jesus sie in Schutz?

      • Woran zeigt sich die Bösartigkeit der Oberpriester?

  • Der König zieht auf einem Esel in Jerusalem ein
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Als Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreitet, jubeln die Menschen ihm als König zu

      KAPITEL 102

      Der König zieht auf einem Esel in Jerusalem ein

      MATTHÄUS 21:1-11, 14-17 MARKUS 11:1-11 LUKAS 19:29-44 JOHANNES 12:12-19

      • JESU TRIUMPHALER EINZUG IN JERUSALEM

      • JERUSALEMS ZERSTÖRUNG VORAUSGESAGT

      Am nächsten Tag — es ist Sonntag, der 9. Nisan — geht Jesus mit seinen Jüngern von Bethanien nach Jerusalem. Kurz vor Bethphage, das ebenfalls auf dem Ölberg liegt, sagt er zu zwei seiner Jünger:

      „Geht in das Dorf, das man von hier aus sieht, und ihr werdet sofort eine angebundene Eselin mit ihrem Jungen finden. Bindet die beiden Tiere los und bringt sie zu mir. Wenn jemand fragt, sagt einfach: ‚Der Herr braucht sie.‘ Er wird sie dann auf der Stelle mit euch gehen lassen“ (Matthäus 21:2, 3).

      Die Jünger begreifen nicht, dass Jesu Anweisungen mit einer Prophezeiung zu tun haben. Erst später geht ihnen auf, dass dadurch eine Prophezeiung Sacharjas erfüllt wurde. Er hat Gottes verheißenen König bei seinem Einzug in Jerusalem wie folgt beschrieben: „[Er] ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem jungen Esel, dem Fohlen einer Eselin“ (Sacharja 9:9).

      Als die Jünger nach Bethphage kommen und den jungen Esel und seine Mutter wegführen wollen, werden sie gefragt: „Was macht ihr da? Warum bindet ihr den jungen Esel los?“ (Markus 11:5). Doch als sie sagen, dass die Tiere für den Herrn sind, dürfen sie sie mitnehmen. Bei Jesus angekommen legen die Jünger ihre Obergewänder auf die beiden Tiere und Jesus setzt sich auf den jungen Esel.

      Während er auf Jerusalem zureitet, sammeln sich immer mehr Menschen um ihn. Viele breiten ihre Obergewänder auf der Straße aus. Andere schneiden auf den Feldern grüne Zweige ab und breiten sie vor Jesus aus. Die Menschen rufen: „Bitte rette ihn! Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt! Gesegnet ist das kommende Königreich unseres Vaters David!“ (Markus 11:8-10). Den Pharisäern gefällt das ganz und gar nicht und sie sagen zu Jesus: „Lehrer, weise deine Jünger in ihre Schranken!“ Er aber erwidert: „Ich sage euch: Wenn sie stumm blieben, würden die Steine schreien“ (Lukas 19:39, 40).

      Dann erblickt Jesus Jerusalem und beginnt zu weinen. Er sagt: „Wenn du, ja du, an diesem Tag das erkannt hättest, was mit Frieden zu tun hat — aber jetzt ist es vor deinen Augen verborgen worden.“ Jerusalem wird für seinen Ungehorsam zahlen müssen. Jesus prophezeit: „Deine Feinde [werden] einen Belagerungsring aus Spitzpfählen um dich herum ziehen, dich umzingeln und von allen Seiten einschließen. Sie werden dich und die Kinder in deiner Mitte zu Boden schmettern und keinen Stein auf dem anderen lassen“ (Lukas 19:42-44). Das erfüllt sich, als die Stadt im Jahr 70 zerstört wird.

      Als Jesus nach Jerusalem kommt, ist „die ganze Stadt in Aufregung“. Alle fragen: „Wer ist das?“ „Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa!“, antworten die Leute, die Jesus begleiten (Matthäus 21:10, 11). Und diejenigen, die bei der Auferstehung von Lazarus dabei waren, berichten von diesem Wunder. Wie reagieren die Pharisäer? Sie beklagen sich: „[So] kommen wir . . . nicht weiter. Seht doch nur! Die ganze Welt läuft ihm nach“ (Johannes 12:18, 19).

      Jesus geht wie immer in den Tempel, um zu lehren. Dort heilt er Blinde und Lahme. Die Oberpriester und die Schriftgelehrten sehen, was er alles tut. Und dann hören sie auch noch die Jungen im Tempel rufen: „Bitte rette den Sohn Davids!“ Da fragen sie Jesus verärgert: „Hörst du, was die sagen?“ „Ja“, antwortet er. „Habt ihr denn noch nie gelesen: ‚Durch den Mund von Kindern und Säuglingen verschaffst du dir Lobpreis‘?“ (Matthäus 21:15, 16).

      Jesus schaut sich überall im Tempel um. Es wird spät, und bevor der 10. Nisan beginnt, kehrt er mit den Aposteln nach Bethanien zurück. Dort verbringt er die Nacht auf Montag.

      • Wann und wie zieht Jesus als König in Jerusalem ein?

      • Wie empfindet Jesus, als er Jerusalem erblickt? Und was sagt er über die Stadt voraus?

      • Was geschieht im Tempel?

  • Jesus reinigt den Tempel ein zweites Mal
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus stößt den Tisch eines Geldwechslers um

      KAPITEL 103

      Jesus reinigt den Tempel ein zweites Mal

      MATTHÄUS 21:12, 13, 18, 19 MARKUS 11:12-18 LUKAS 19:45-48 JOHANNES 12:20-27

      • JESUS VERFLUCHT EINEN FEIGENBAUM UND REINIGT DEN TEMPEL

      • UM VIELEN LEBEN ZU ERMÖGLICHEN, MUSS JESUS STERBEN

      Seit Jesus und seine Jünger aus Jericho gekommen sind, haben sie drei Nächte in Bethanien verbracht. Nun ist Montag, der 10. Nisan und sie sind schon früh nach Jerusalem unterwegs. Jesus ist hungrig. Als er einen Feigenbaum entdeckt, sieht er nach, ob er schon Früchte trägt.

      Es ist Ende März und die Saison für Feigen beginnt erst im Juni. Allerdings hat der Baum schon sehr früh Blätter ausgetrieben und daher nimmt Jesus an, dass er auch schon Früchte trägt. Aber das Aussehen des Baumes täuscht. Jesus findet keine einzige Feige. Da sagt er: „Nie wieder soll jemand von dir Früchte essen!“ (Markus 11:14). Sofort beginnt der Baum zu vertrocknen. Doch erst am nächsten Morgen wird sich aufklären, was das zu bedeuten hat.

      Schon bald erreichen Jesus und seine Jünger Jerusalem. Jesus geht zum Tempel, wo er sich am Tag davor genau umgesehen hat. Aber heute belässt er es nicht dabei. Wie schon drei Jahre zuvor beim Passah 30 schreitet er zur Tat (Johannes 2:14-16). Er vertreibt „alle Händler und Käufer“ aus dem Tempel und stößt „die Tische der Geldwechsler und die Bänke der Taubenverkäufer um“ (Markus 11:15). Und er verbietet sogar allen, die etwas durch die Stadt transportieren, das Tempelgelände als Abkürzung zu benutzen.

      Warum geht Jesus so entschieden gegen die Geldwechsler und Tierverkäufer vor? Er erklärt: „Steht nicht in den Schriften: ‚Mein Haus wird Gebetshaus für alle Völker genannt werden‘? Aber ihr habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“ (Markus 11:17). Er bezeichnet diese Männer als Räuber, weil sie von denen, die Tiere zum Opfern kaufen müssen, völlig überzogene Preise verlangen. Für Jesus ist das nichts als Wucher, ja sogar Raub.

      Die Oberpriester, Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes bekommen natürlich mit, was Jesus getan hat, und suchen erneut nach einer Möglichkeit, ihn aus dem Weg zu räumen. Doch das ist nicht so leicht, denn die Menschen kommen scharenweise zu Jesus, um ihn lehren zu hören.

      Zum Passah sind nicht nur Juden gekommen, sondern auch Proselyten — Menschen, die zum Judentum übergetreten sind. Unter ihnen sind auch Griechen, die sich mit einer Bitte an Philippus wenden, vielleicht weil er einen griechischen Namen hat. Sie würden Jesus gern treffen. Philippus ist sich wohl nicht ganz sicher, ob das angemessen wäre, und berät sich mit Andreas. Zusammen gehen sie zu Jesus, der sich offenbar immer noch im Tempel aufhält.

      Jesus weiß, dass er nur noch ein paar Tage zu leben hat. Es ist also nicht die Zeit, die Neugier der Leute zu befriedigen oder sich beliebt zu machen. Er antwortet den zwei Aposteln mit einer Veranschaulichung: „Für den Menschensohn ist jetzt die Stunde gekommen, verherrlicht zu werden. Eins steht fest: Solange ein Weizenkorn nicht auf den Boden fällt und stirbt, bleibt es einfach nur ein Korn. Wenn es aber stirbt, dann bringt es viel Ertrag“ (Johannes 12:23, 24).

      Ein einzelnes Weizenkorn ist vielleicht nicht viel wert. Setzt man dieses Samenkorn allerdings in die Erde und es „stirbt“, kann es keimen und zu einem fruchtbaren Getreidehalm mit vielen Körnern heranwachsen. In ähnlicher Weise ist Jesus nur ein einzelner vollkommener Mensch. Doch wenn er Gott bis zum Tod treu bleibt, können durch ihn viele Menschen, die ähnlich opferbereit sind wie er, ewiges Leben bekommen. Daher sagt Jesus: „Wer an seinem Leben hängt, zerstört es. Doch wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es für das ewige Leben bewahren“ (Johannes 12:25).

      Jesus denkt dabei aber nicht nur an sich selbst, denn er fährt fort: „Wer mir dienen will, soll mir folgen, und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wer mir dient, wird vom Vater geehrt“ (Johannes 12:26). Was für eine Belohnung! Alle, die der Vater ehrt, werden im Königreich an Christi Seite sein.

      Dann muss Jesus daran denken, welche Leiden und was für ein furchtbarer Tod ihm bevorstehen. Er sagt: „Jetzt bin ich sehr aufgewühlt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde.“ Heißt das, dass er Gottes Willen umgehen möchte? Auf keinen Fall, denn er fügt hinzu: „Für diese Stunde bin ich ja gekommen“ (Johannes 12:27). Er ist mit allem einverstanden, was Gott beschlossen hat — auch mit seinem Opfertod.

      • Warum rechnet Jesus damit, Feigen an dem Baum zu finden, obwohl noch nicht die Zeit dafür ist?

      • Warum bezeichnet Jesus die Verkäufer im Tempel zu Recht als Räuber?

      • Weshalb kann Jesus mit einem Weizenkorn verglichen werden? Und wie denkt er über die Leiden und den Tod, die ihm bevorstehen?

  • Sie hören Gottes Stimme — aber glauben sie auch?
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus bittet: „Vater, verherrliche deinen Namen“, und die Umstehenden können Gottes Antwort hören

      KAPITEL 104

      Sie hören Gottes Stimme — aber glauben sie auch?

      JOHANNES 12:28-50

      • VIELE HÖREN GOTTES STIMME

      • DIE GRUNDLAGE FÜR DAS URTEIL „AM LETZTEN TAG“

      Am Montag, den 10. Nisan spricht Jesus im Tempel über seinen bevorstehenden Tod. Er macht sich Sorgen, wie sich sein Tod auf Gottes Ruf auswirken wird, und bittet: „Vater, verherrliche deinen Namen.“ Da antwortet eine gewaltige Stimme aus dem Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen“ (Johannes 12:27, 28).

      Die Umstehenden sind verwirrt. Einige denken, es habe gedonnert. Andere meinen: „Ein Engel hat mit ihm geredet“ (Johannes 12:29). In Wirklichkeit haben sie aber Jehova sprechen hören! Und es ist nicht das erste Mal, seit Jesus auf der Erde ist, dass Menschen Gottes Stimme hören.

      Bei Jesu Taufe vor dreieinhalb Jahren hörte Johannes der Täufer, wie Gott sagte: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.“ Etwas später, nach dem Passahfest 32, hörten Jakobus, Johannes und Petrus Gott bei Jesu Verwandlung verkünden: „Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Hört auf ihn!“ (Matthäus 3:17; 17:5). Und jetzt, beim dritten Mal, können sogar viele die Stimme Gottes hören!

      Jesus erklärt ihnen: „Diese Stimme kam nicht für mich, sondern für euch“ (Johannes 12:30). Die Stimme ist ein Beweis dafür, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist — der verheißene Messias.

      Dann sagt Jesus: „Jetzt steht diese Welt vor Gericht! Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen!“ Durch sein Leben in Treue zeigt Jesus den Menschen, wie sie leben sollten. Und er bestätigt, dass der Herrscher dieser Welt — der Teufel — es verdient, hingerichtet zu werden. Jesus erklärt weiter: „Ich aber werde, wenn man mich von der Erde aufrichtet, die verschiedensten Menschen zu mir ziehen“ (Johannes 12:31, 32). Sein Tod wird keine Niederlage sein, sondern ein Sieg. Denn durch den Tod an einem Pfahl wird er Menschen zu sich ziehen und ihnen den Weg zum Leben freimachen.

      Zu Jesu Aussage, er werde „aufgerichtet“, sagen die Leute: „Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus für immer bleibt. Wie kannst du da sagen, dass der Menschensohn aufgerichtet werden muss? Wer ist dieser Menschensohn?“ (Johannes 12:34). Sie haben so viele Beweise, dass Jesus der Menschensohn ist, der verheißene Messias. Sie haben sogar Gottes Stimme gehört. Trotzdem glauben die meisten von ihnen nicht an ihn.

      Nun spricht Jesus wie früher schon von sich als „dem Licht“ (Johannes 8:12; 9:5). Er ermahnt die Menschen: „Das Licht wird noch kurze Zeit unter euch sein. Geht den Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überwältigt. . . . Glaubt an das Licht, solange ihr es habt, damit ihr Söhne des Lichts werdet“ (Johannes 12:35, 36). Dann zieht sich Jesus zurück, denn die Zeit für seinen Tod ist noch nicht gekommen. Erst beim Passah, am 14. Nisan, soll er „aufgerichtet“, also an einen Pfahl genagelt werden (Galater 3:13).

      Blickt man auf Jesu Dienst zurück, wird deutlich, dass sich durch den Unglauben der Juden Prophetie erfüllt hat. Jesaja hat vorausgesagt, ihre Augen würden blind gemacht und ihr Herz verhärtet werden. Sie würden nicht umkehren, um geheilt zu werden (Jesaja 6:10; Johannes 12:40). Ja, die meisten Juden bleiben stur und lehnen jeden Beweis ab, dass Jesus ihr verheißener Befreier ist, der Weg zum Leben.

      Viele ihrer Vorsteher wie Nikodemus und Joseph von Arimathia glauben allerdings an Jesus. Aber werden sie sich zu ihrem Glauben auch bekennen? Oder werden sie ihn geheim halten — entweder aus Furcht, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden, oder weil sie „die Ehre von Menschen“ lieben? (Johannes 12:42, 43).

      Jesus selbst erklärt, von welcher Tragweite es ist, an ihn zu glauben: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht nur an mich, sondern auch an den, der mich gesandt hat. Und wer mich sieht, sieht auch den, der mich gesandt hat.“ Gott hat Jesus beauftragt, verschiedene Wahrheiten zu lehren. Diese sind so wichtig, dass Jesus sagen kann: „Wer mich missachtet und meine Worte nicht annimmt, hat jemanden, der über ihn urteilt. Am letzten Tag wird das Wort, das ich gesprochen habe, ein Urteil über ihn fällen“ (Johannes 12:44, 45, 48).

      Jesus sagt abschließend: „Ich habe nämlich nicht von mir aus geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir ein Gebot darüber gegeben, was ich sagen und reden soll. Und ich weiß, dass sein Gebot ewiges Leben bedeutet“ (Johannes 12:49, 50). Jesus weiß, dass er schon bald sein Blut für alle opfern wird, die an ihn glauben (Römer 5:8, 9).

      • Bei welchen drei Gelegenheiten während Jesu Dienst ist Gottes Stimme zu hören?

      • Wer glaubt unter anderem an Jesus, aber weshalb bekennen sie sich nicht öffentlich zu ihm?

      • Was ist die Grundlage für das Urteil über die Menschen „am letzten Tag“?

  • Der Feigenbaum — eine Lektion über Glauben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus und seine Jünger entdecken, dass der ertraglose Feigenbaum vertrocknet ist

      KAPITEL 105

      Der Feigenbaum — eine Lektion über Glauben

      MATTHÄUS 21:19-27 MARKUS 11:19-33 LUKAS 20:1-8

      • DER ABGESTORBENE FEIGENBAUM VERMITTELT EINE LEHRE ÜBER DEN GLAUBEN

      • JESU BEFUGNIS WIRD INFRAGE GESTELLT

      Am Montagnachmittag kehrt Jesus von Jerusalem nach Bethanien zurück. Dort, am Osthang des Ölbergs, übernachtet er wahrscheinlich bei seinen Freunden Lazarus, Maria und Martha.

      Am nächsten Morgen — es ist der 11. Nisan — gehen Jesus und die Jünger wieder nach Jerusalem. Jesus wird das letzte Mal im Tempel sein. Und es wird auch der letzte Tag seines öffentlichen Dienstes sein, bevor er das Passah feiert, die Gedenkfeier an seinen Tod einführt und schließlich verhört und hingerichtet wird.

      Auf dem Weg über den Ölberg fällt Petrus der Baum auf, den Jesus am Tag zuvor verflucht hat. „Rabbi“, ruft er, „siehst du den Feigenbaum, den du verflucht hast? Er ist abgestorben!“ (Markus 11:21).

      Warum hat Jesus überhaupt dafür gesorgt, dass der Baum stirbt? Das zeigt seine Antwort: „Ich versichere euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, werdet ihr nicht nur das tun, was ich mit dem Feigenbaum gemacht habe, sondern wenn ihr zu diesem Berg sagt: ‚Heb dich in die Höhe und stürz dich ins Meer‘, dann wird selbst das passieren. Alles, worum ihr voller Glauben betet, werdet ihr bekommen“ (Matthäus 21:21, 22). So spricht er noch einmal über einen Glauben, der Berge versetzen kann (Matthäus 17:20).

      Dadurch, dass Jesus dafür gesorgt hat, dass der Baum abstirbt, zeigt er anschaulich, wie wichtig der Glaube an Gott ist. Er erklärt: „Glaubt bei allem, worum ihr betet und bittet, dass ihr es schon bekommen habt. Dann werdet ihr es auch bekommen“ (Markus 11:24). Was für ein bedeutender Lehrpunkt für alle seine Nachfolger! Besonders Jesu Apostel können das jetzt gut gebrauchen, denn ihnen stehen bald schwere Prüfungen bevor. Es gibt aber noch einen anderen Zusammenhang zwischen dem abgestorbenen Feigenbaum und dem Glauben.

      Wie der Feigenbaum erweckt das Volk Israel einen trügerischen Eindruck. Es befindet sich in einem Bundesverhältnis mit Gott, und von außen mag es so aussehen, als befolgten die Menschen das Gesetz. Das Volk als Ganzes hat allerdings gezeigt, dass es weder Glauben hat noch gute Früchte trägt. Es lehnt sogar Gottes Sohn ab! Durch den abgestorbenen Baum demonstriert Jesus, welches Ende dieses ertraglose, ungläubige Volk erwartet.

      Kurz darauf erreichen Jesus und die Jünger Jerusalem. Wie gewohnt geht Jesus in den Tempel und lehrt. Da kommen die Oberpriester und Ältesten des Volkes zu ihm und fragen herausfordernd: „Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dich berechtigt, so etwas zu tun?“ (Markus 11:28). Wahrscheinlich spielen sie darauf an, dass Jesus am Vortag gegen die Geldwechsler vorgegangen ist.

      Jesus erwidert: „Ich habe eine Frage an euch. Beantwortet sie mir und ich sage euch, mit welchem Recht ich das alles tue. War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir.“ Jetzt sind seine Gegner in Zugzwang. Gemeinsam überlegen sie: „Wenn wir sagen: ‚Vom Himmel‘, wird er fragen: ‚Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?‘ Aber können wir es wagen, zu sagen: ‚Von Menschen‘?“ Sie haben nämlich Angst vor den Leuten, die ja alle der Meinung sind, „dass Johannes tatsächlich ein Prophet gewesen war“ (Markus 11:29-32).

      Ihnen fällt einfach nichts Passendes ein. Deshalb antworten sie: „Wir wissen es nicht“, worauf Jesus erwidert: „Dann sage ich euch auch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue“ (Markus 11:33).

      • Wieso ist der 11. Nisan ein bedeutsamer Tag?

      • Was vermittelt Jesus durch den abgestorbenen Feigenbaum?

      • Wie schafft es Jesus, dass seine Gegner ihm nichts zu antworten wissen?

  • Zwei Veranschaulichungen über Weinberge
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Weinbauern töten den Sohn des Weinbergbesitzers

      KAPITEL 106

      Zwei Veranschaulichungen über Weinberge

      MATTHÄUS 21:28-46 MARKUS 12:1-12 LUKAS 20:9-19

      • DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN ZWEI SÖHNEN

      • DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN WEINBAUERN

      Im Tempel wollten die Oberpriester und Ältesten des Volkes gerade von Jesus wissen, mit welchem Recht er handelt. Doch seine Antwort hat sie verstummen lassen. Und jetzt deckt er durch eine Geschichte auf, was für Menschen sie in Wirklichkeit sind.

      Jesus erzählt: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zu dem ersten und sagte: ‚Kind, geh heute im Weinberg arbeiten.‘ ‚Ich geh nicht‘, antwortete der eine, aber dann tat es ihm leid und er ging doch. Dem zweiten Sohn gab er den gleichen Auftrag und er antwortete: ‚Ich geh, Herr‘, ging dann aber doch nicht. Welcher von den beiden hat getan, was sein Vater wollte?“ (Matthäus 21:28-31). Die Antwort liegt auf der Hand: Am Ende hat der erste Sohn den Willen seines Vaters getan.

      Daher sagt Jesus zu seinen Gegnern: „Ich versichere euch: Die Steuereinnehmer und die Prostituierten kommen eher in Gottes Königreich als ihr.“ Diese Menschen wollten Gott erst nicht dienen. Doch wie der erste Sohn haben sie später bereut und dienen ihm jetzt. Die religiösen Führer hingegen sind wie der zweite Sohn. Sie beteuern, Gott zu dienen, tun es in Wirklichkeit aber nicht. Jesus bemerkt: „Johannes [der Täufer] kam und zeigte euch den Weg der Gerechtigkeit, aber ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Steuereinnehmer und die Prostituierten dagegen haben ihm geglaubt. Nicht einmal als ihr das gesehen habt, hat es euch leidgetan, sodass ihr ihm geglaubt hättet“ (Matthäus 21:31, 32).

      Dann bringt Jesus gleich eine zweite Veranschaulichung. Diesmal zeigt er, dass die religiösen Führer es nicht nur versäumen, Gott zu dienen, sondern dass sie im Grunde sogar böse Menschen sind. Er sagt: „Ein Mann pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, legte ein Auffangbecken für die Weinkelter an und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Weinbauern und reiste weit weg. Als es an der Zeit war, schickte er einen Sklaven zu den Weinbauern, um einen Teil der Traubenernte abholen zu lassen. Doch sie packten ihn, verprügelten ihn und schickten ihn mit leeren Händen weg. Da beauftragte er einen anderen Sklaven, den sie aber am Kopf verwundeten und demütigten. Den nächsten, den er schickte, brachten sie um, und viele weitere verprügelten oder töteten sie“ (Markus 12:1-5).

      Begreifen Jesu Zuhörer, was die Veranschaulichung bedeutet? Vielleicht werden sie dadurch an Jesajas Anklage erinnert: „Der Weinberg Jehovas, des Herrn der Heere, ist das Haus Israel. Die Männer von Juda sind die Pflanzung, die er liebte. Er hoffte die ganze Zeit auf Rechtsprechung, doch da war Ungerechtigkeit“ (Jesaja 5:7). Auch in Jesu Veranschaulichung steht der Weinbergbesitzer für Jehova und der Weinberg für das Volk Israel, das durch Gottes Gesetz umzäunt und geschützt ist. Zu diesem Volk schickte Jehova Propheten, um ihm zu helfen, gute Früchte hervorzubringen.

      Doch „die Weinbauern“ haben die „Sklaven“, die zu ihnen gesandt wurden, misshandelt und getötet. Jesus erzählt weiter, dass dem Weinbergbesitzer „nur noch einer übrig[blieb] — sein geliebter Sohn. Ihn schickte er als Letzten und dachte: ‚Vor meinem Sohn werden sie ja wohl Respekt haben.‘ Doch die Weinbauern sagten zueinander: ‚Das ist der Erbe. Kommt, wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns.‘ Sie packten ihn, töteten ihn und warfen ihn aus dem Weinberg“ (Markus 12:6-8).

      Dann fragt Jesus: „Was wird der Weinbergbesitzer jetzt wohl tun?“ (Markus 12:9). Die religiösen Führer antworten: „Weil sie böse sind, wird er ihnen ein böses Ende bereiten. Und den Weinberg wird er an andere Weinbauern verpachten, die ihm den Ertrag abliefern, wenn es Zeit dafür ist“ (Matthäus 21:41).

      Ohne es zu merken, sprechen sie sich selbst schuldig. Sie gehören zu den „Weinbauern“ in Jehovas „Weinberg“, dem Volk Israel. Zu dem Fruchtertrag, den Jehova zu Recht von diesen Weinbauern erwartet, gehört der Glaube an seinen Sohn, den Messias. Jesus sieht die religiösen Führer direkt an und sagt: „Habt ihr nie die Schriftstelle gelesen: ‚Der Stein, den die Bauleute abgelehnt haben, der ist zum Haupteckstein geworden. Das hat Jehova bewirkt und es ist großartig in unseren Augen‘?“ (Markus 12:10, 11). Dann erklärt er ihnen unmissverständlich: „Gottes Königreich wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte hervorbringt“ (Matthäus 21:43).

      Die Schriftgelehrten und Oberpriester merken, dass Jesus mit dieser Veranschaulichung auf sie anspielt (Lukas 20:19). Mehr als je zuvor sind sie nun darauf aus, ihn, den rechtmäßigen „Erben“, zu töten. Doch aus Furcht vor der Menschenmenge, die Jesus für einen Propheten hält, halten sie sich noch zurück.

      • Für wen stehen die zwei Söhne in Jesu erster Geschichte?

      • Wofür stehen in der zweiten Veranschaulichung der Weinbergbesitzer, der Weinberg, die Weinbauern, die Sklaven und der Erbe?

      • Was erwartet „die Weinbauern“?

  • Der König bittet die Hochzeitsgäste zu kommen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Der König lässt einen Mann hinauswerfen, der bei einer Hochzeitsfeier kein Festgewand trägt

      KAPITEL 107

      Der König bittet die Hochzeitsgäste zu kommen

      MATTHÄUS 22:1-14

      • DAS GLEICHNIS VON DER HOCHZEITSFEIER

      Während sich Jesu Dienst dem Ende nähert, prangert er die Schriftgelehrten und Oberpriester mithilfe von Veranschaulichungen an. Deshalb wollen sie ihn töten (Lukas 20:19). Aber Jesus ist noch lange nicht mit ihnen fertig. Er hat ein weiteres Gleichnis für sie:

      „Mit dem Königreich des Himmels ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn eine Hochzeitsfeier veranstaltete. Er beauftragte seine Sklaven, die Eingeladenen zur Hochzeitsfeier zu rufen, aber sie wollten nicht kommen“ (Matthäus 22:2, 3). Jesus erwähnt zu Beginn das „Königreich des Himmels“. Daher muss der König Jehova Gott sein und der Sohn des Königs Jehovas Sohn, der gerade dieses Gleichnis erzählt. Und die Hochzeitsgäste müssen diejenigen sein, die mit dem Sohn im Königreich des Himmels sein werden.

      Wer sind die Ersten, die eingeladen wurden? Die Juden kamen im Jahr 1513 v. u. Z. unter das Gesetz, wodurch sie die Aussicht erhielten, ein „Königreich von Priestern“ zu werden (2. Mose 19:5-8). Aber wann genau erging der Ruf, zum Hochzeitsfest zu kommen? Es muss im Jahr 29 gewesen sein, als Jesus begann, das Königreich des Himmels bekannt zu machen. Und die Juden waren die Ersten, denen Jesus und die Apostel die Botschaft vom Königreich brachten (Matthäus 10:6, 7; 15:24).

      Wie haben die allermeisten auf den Ruf reagiert? Wie Jesus sagt, „wollten [sie] nicht kommen“. Die Mehrheit des Volkes und der religiösen Führer haben Jesus nicht als Messias und als Gottes auserwählten König angenommen.

      Wie Jesus jedoch andeutet, werden die Juden eine zweite Chance erhalten: „Dann schickte . . . [der König] weitere Sklaven los mit dem Auftrag: ‚Richtet den Eingeladenen aus: „Das Festessen ist vorbereitet, ich habe meine Stiere und mein Mastvieh schlachten lassen und alles ist fertig. Kommt zur Hochzeitsfeier.“ ‘ Doch es war ihnen egal und sie gingen weg — die einen schauten nach ihren Feldern, die anderen kümmerten sich um ihre Geschäfte. Die Übrigen aber packten seine Sklaven, behandelten sie entwürdigend und brachten sie um“ (Matthäus 22:4-6). Das geschieht, als die Christenversammlung gegründet wird. Als Volk haben die Juden immer noch die Möglichkeit, ins Königreich zu kommen. Allerdings missachten die meisten den Ruf zu kommen und misshandeln die Sklaven des Königs sogar (Apostelgeschichte 4:13-18; 7:54, 58).

      Welche Folgen hat das für die jüdische Nation? Jesus erzählt: „Wütend entsandte der König seine Truppen, ließ die Mörder töten und verbrannte ihre Stadt“ (Matthäus 22:7). Das bewahrheitet sich, als die Römer im Jahr 70 Jerusalem zerstören.

      Die Juden ignorieren also den Aufruf zu kommen. Heißt das, dass niemand anders eingeladen wird? Nein, denn Jesus fügt hinzu: „Dann sagte . . . [der König] zu seinen Sklaven: ‚Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die Eingeladenen waren es nicht wert. Geht also auf die Straßen, die aus der Stadt hinausführen, und ladet jeden zur Hochzeit ein, der euch begegnet.‘ Da gingen die Sklaven hinaus auf die Straßen und holten alle zusammen, die sie trafen — Böse und Gute. Daraufhin füllte sich der Festsaal mit Gästen“ (Matthäus 22:8-10).

      Das erfüllt sich ab dem Jahr 36, als der Apostel Petrus erstmals unbeschnittenen Nichtjuden hilft, Christen zu werden. Der römische Offizier Kornelius und seine Familie bekommen Gottes Geist, wodurch auch sie die Aussicht erhalten, in das Königreich des Himmels zu kommen, von dem Jesus gesprochen hat (Apostelgeschichte 10:1, 34-48).

      Jesus deutet an, dass nicht alle, die zum Fest kommen, für den König annehmbar sein werden. Er sagt: „Als der König hereinkam, um sich die Gäste anzusehen, entdeckte er einen Mann, der kein Festgewand anhatte. Da fragte er ihn: ‚Freund, wie bist du hier eigentlich ohne Festgewand hereingekommen?‘ Darauf wusste der Mann nichts zu antworten. Der König befahl seinen Dienern: ‚Fesselt ihn an Händen und Füßen und werft ihn hinaus in die Dunkelheit. Dort wird er weinen und mit den Zähnen knirschen.‘ Denn es sind viele eingeladen, doch wenige auserwählt“ (Matthäus 22:11-14).

      Wahrscheinlich verstehen die religiösen Führer nicht alles, was Jesus sagt. Dennoch sind sie verärgert und entschlossener denn je, denjenigen loszuwerden, der sie dermaßen bloßstellt.

      • Für wen stehen der König, der Sohn und diejenigen, die als Erste zum Hochzeitsfest eingeladen wurden?

      • Wann ergeht der eigentliche Ruf an die Juden, und wer wird nach ihnen eingeladen?

      • Was lässt sich daraus schließen, dass viele eingeladen sind, doch nur wenige auserwählt?

  • Er vereitelt Versuche, ihm eine Falle zu stellen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus zeigt auf eine Steuermünze und beantwortet die hinterhältigen Fragen der Pharisäer

      KAPITEL 108

      Er vereitelt Versuche, ihm eine Falle zu stellen

      MATTHÄUS 22:15-40 MARKUS 12:13-34 LUKAS 20:20-40

      • DEM CÄSAR GEBEN, WAS CÄSAR GEHÖRT

      • WERDEN DIE AUFERSTANDENEN HEIRATEN?

      • DIE BEIDEN GRÖSSTEN GEBOTE

      Jesu Feinde sind wütend. Gerade hat er durch mehrere Gleichnisse ihre Schlechtigkeit aufgedeckt. Nun verschwören sich die Pharisäer, ihm eine Falle zu stellen, und bezahlen dafür einige ihrer Jünger. Sie wollen Jesus dazu bringen, etwas zu sagen, wofür sie ihn anklagen und dem römischen Statthalter ausliefern können (Lukas 6:7).

      „Lehrer“, sagen sie, „wir wissen: Was du sagst und lehrst, ist richtig, und du bist nicht parteiisch, sondern lehrst wahrheitsgetreu, wie man nach dem Willen Gottes leben soll. Ist es richtig, dass wir Cäsar Kopfsteuer zahlen, oder nicht?“ (Lukas 20:21, 22). Jesus lässt sich von ihren Schmeicheleien nicht blenden, denn er weiß, dass sie hinterlistige Heuchler sind. Würde er antworten, „Nein, ihr braucht diese Steuer nicht zu zahlen“, könnte er wegen Aufhetzung gegen Rom angeklagt werden. Würde er aber sagen, „Ja, bezahlt die Steuer“, könnte er das Volk gegen sich aufbringen, dem die römische Herrschaft zuwider ist. Wie antwortet er also?

      Jesus fragt: „Warum stellt ihr mich auf die Probe, ihr Heuchler? Zeigt mir die Münze, mit der man die Steuer zahlt.“ Da bringen sie ihm einen Denar, worauf er fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ „Cäsars“, erwidern sie. Da macht Jesus die geniale Aussage: „Dann gebt Cäsar zurück, was Cäsar gehört, und Gott, was Gott gehört“ (Matthäus 22:18-21).

      Jesu geschickte Antwort macht die Männer sprachlos und sie ziehen sich zurück. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende, und seine Feinde wollen noch nicht aufgeben. Nachdem die Pharisäer gescheitert sind, versucht nun eine andere religiöse Gruppe, Jesus eine Falle zu stellen.

      Es sind Sadduzäer, also Männer, die nicht an die Auferstehung glauben. Sie kommen mit einer Frage zur Auferstehung und Schwagerehe zu Jesus und fragen: „Lehrer, Moses hat gesagt: ‚Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, soll sein Bruder die Witwe heiraten, um ihm Nachkommen zu sichern.‘ Hier gab es einmal sieben Brüder. Der erste hat geheiratet und ist dann gestorben, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er die Frau seinem Bruder. Dem zweiten ging es genauso, dann dem dritten und so weiter, bis alle sieben tot waren. Als Letzte von allen starb auch die Frau. Wem von den sieben wird die Frau also bei der Auferstehung gehören? Sie waren ja alle mit ihr verheiratet“ (Matthäus 22:24-28).

      Bei seiner Antwort stützt sich Jesus auf die Schriften von Moses, die die Sadduzäer anerkennen. Er sagt: „Seid ihr nicht deswegen im Irrtum, weil ihr weder die Schriften noch die Macht Gottes kennt? Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten Männer nicht und Frauen werden nicht verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel. Was aber die Auferweckung der Toten betrifft, habt ihr nicht im Buch von Moses im Bericht über den Dornbusch gelesen, dass Gott zu ihm gesagt hat: ‚Ich bin der Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs‘? Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr seid sehr im Irrtum“ (Markus 12:24-27; 2. Mose 3:1-6). Die Menschenmenge staunt nur so über diese Antwort.

      Da die Pharisäer und die Sadduzäer gegen Jesus jeweils nichts ausrichten konnten, tun sie sich jetzt zusammen. Ein Schriftgelehrter fragt ihn: „Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz?“ (Matthäus 22:36).

      Jesus antwortet: „An erster Stelle steht das Gebot: ‚Höre, Israel: Jehova ist unser Gott, es gibt nur einen Jehova. Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.‘ An zweiter Stelle steht das Gebot: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‘ Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden“ (Markus 12:29-31).

      Darauf erwidert der Schriftgelehrte: „Lehrer, du hast gut und wahrheitsgemäß gesagt: ‚Es gibt nur Einen und außer ihm gibt es keinen.‘ Und ihn mit ganzem Herzen zu lieben, mit ganzem Verstand und mit ganzer Kraft und seinen Mitmenschen zu lieben wie sich selbst — das ist viel mehr wert als alle Ganzbrandopfer und anderen Opfer.“ Da der Mann klug geantwortet hat, sagt Jesus zu ihm: „Du bist nicht weit vom Königreich Gottes entfernt“ (Markus 12:32-34).

      Es ist noch immer der 11. Nisan und bereits der dritte Tag, an dem Jesus im Tempel lehrt. Einige Menschen wie dieser Schriftgelehrte haben ihm gern zugehört. Ganz anders die religiösen Führer, von denen „sich keiner mehr [traut], ihm Fragen zu stellen“.

      • Wie versuchen die Pharisäer, Jesus eine Falle zu stellen, und mit welchem Ergebnis?

      • Wie vereitelt Jesus den Versuch der Sadduzäer, ihn auf die Probe zu stellen?

      • Was hebt Jesus in seiner Antwort an die Schriftgelehrten als besonders wichtig hervor?

  • Er verurteilt seine Feinde
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus deckt die Heuchelei seiner Feinde auf

      KAPITEL 109

      Er verurteilt seine Feinde

      MATTHÄUS 22:41 BIS 23:24 MARKUS 12:35-40 LUKAS 20:41-47

      • WESSEN SOHN IST DER CHRISTUS?

      • JESUS DECKT DIE HEUCHELEI SEINER FEINDE AUF

      Es ist nach wie vor der 11. Nisan und Jesus ist immer noch im Tempel. Seine Feinde haben es nicht geschafft, ihm eine Falle zu stellen und ihn den Römern auszuliefern (Lukas 20:20). Nun dreht er den Spieß um. Er kommt auf seine eigentliche Identität zu sprechen und fragt sie: „Was denkt ihr über den Christus? Wessen Sohn ist er?“ (Matthäus 22:42). Sie antworten, was allgemein bekannt ist: dass der Messias ein Nachkomme Davids sein soll (Matthäus 9:27; 12:23; Johannes 7:42).

      Daraufhin fragt Jesus: „Wie kommt es dann, dass David ihn unter Inspiration Herr nennt, wenn er sagt: ‚Jehova sagte zu meinem Herrn: „Setz dich an meine rechte Seite, bis ich dir deine Feinde unter die Füße lege“ ‘? Wenn David ihn Herr nennt, wieso ist er dann sein Sohn?“ (Matthäus 22:43-45).

      Darauf wissen die Pharisäer keine Antwort, denn sie warten auf einen menschlichen Nachkommen Davids, der sie von der römischen Herrschaft befreit. Doch mithilfe der Worte aus Psalm 110:1, 2 zeigt Jesus, dass der Messias mehr sein muss als nur ein Mensch. Als Davids Herr wird er sich an Gottes Seite setzen und von dort aus regieren.

      Dieser Diskussion haben die Jünger und viele andere zugehört. Nun wendet sich Jesus ihnen zu, um sie vor den Schriftgelehrten und Pharisäern zu warnen. Diese „haben den Platz von Moses eingenommen“, indem sie Gottes Gesetz lehren. Jesus weist seine Zuhörer an: „Macht deshalb alles, was sie euch sagen, aber verhaltet euch nicht wie sie, denn sie tun selber nicht, was sie sagen“ (Matthäus 23:2, 3).

      Dann nennt Jesus einige Beispiele für ihre Heuchelei. Wie er sagt, „machen sie die Kapseln mit Schriftstellen, die sie als Amulett tragen, extra groß“. Einige Juden tragen auf ihrer Stirn oder ihrem Arm kleine Kapseln, die kurze Auszüge aus dem Gesetz enthalten. Doch weil die Pharisäer den Eindruck erwecken wollen, für Gottes Gesetz besonderen Eifer zu haben, vergrößern sie ihre Kapseln. Außerdem machen sie die Fransen, die die Israeliten an ihrer Kleidung tragen sollen, „extra lang“ (4. Mose 15:38-40). Das alles tun sie, damit sie „von anderen gesehen werden“ (Matthäus 23:5).

      Sogar Jesu Jünger könnten sich von dem Wunsch nach Ansehen anstecken lassen. Deshalb gibt Jesus ihnen den Rat: „Lasst euch nicht Rabbi nennen, denn nur einer ist euer Lehrer und ihr seid alle Brüder. Nennt außerdem niemanden auf der Erde Vater, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch lasst euch nicht Führer nennen, denn nur einer ist euer Führer, der Christus.“ Wie sollten sich die Jünger also selbst betrachten und wie sollten sie sich verhalten? Jesus sagt ihnen: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“ (Matthäus 23:8-12).

      Als Nächstes richtet Jesus scharfe Worte an die heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer. Er sagt: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Heuchler! Denn ihr verschließt den Menschen das Königreich des Himmels. Ihr selbst geht nicht hinein, lasst aber auch die nicht hinein, die auf dem Weg dorthin sind“ (Matthäus 23:13).

      Jesus verurteilt die Pharisäer, weil für sie das, was für Gott zählt, keine Bedeutung hat. Das erkennt man an den Unterschieden, die sie machen. Zum Beispiel sagen sie: „Wenn jemand beim Tempel schwört, hat das nichts zu bedeuten, aber wenn er beim Gold des Tempels schwört, dann ist er an seinen Eid gebunden.“ Daran merkt man, wie blind sie für das sind, was bei Jehova zählt. Für sie ist das Gold des Tempels mehr wert als der Tempel selbst, wo ja Jehova angebetet wird. Und sie vernachlässigen „das Wichtigere im Gesetz von Moses — Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue“ (Matthäus 23:16, 23; Lukas 11:42).

      Zu Recht sagt Jesus zu ihnen: „Blinde Führer! Ihr siebt die Mücke aus, aber das Kamel schluckt ihr hinunter!“ (Matthäus 23:24). Die Pharisäer entfernen die Mücke aus dem Wein, weil dieses Insekt nach dem Gesetz unrein ist. Aber weil sie das Wichtigere im Gesetz außer Acht lassen, schlucken sie sozusagen ein Kamel hinunter — ein viel größeres unreines Tier! (3. Mose 11:4, 21-24).

      • Warum schweigen die Pharisäer, als Jesus sie über die Worte Davids aus Psalm 110 befragt?

      • Warum verlängern die Pharisäer die Fransen an ihrer Kleidung und vergrößern die Kapseln mit den Schriften?

      • Welchen Rat gibt Jesus seinen Jüngern?

  • Jesu letzter Tag im Tempel
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus beobachtet, wie eine arme Witwe zwei kleine Münzen in einen der Tempelschatzkästen wirft

      KAPITEL 110

      Jesu letzter Tag im Tempel

      MATTHÄUS 23:25 BIS 24:2 MARKUS 12:41 BIS 13:2 LUKAS 21:1-6

      • JESUS VERURTEILT DIE RELIGIÖSEN FÜHRER WEITER

      • DER TEMPEL WIRD ZERSTÖRT WERDEN

      • EINE ARME WITWE SPENDET ZWEI KLEINE MÜNZEN

      Jesus nutzt seinen letzten Tag im Tempel, um die Heuchelei der Schriftgelehrten und Pharisäer weiter bloßzustellen, und er bezeichnet sie unverblümt als Heuchler. In bildhafter Sprache sagt er zu ihnen: „Ihr macht den Becher und die Schüssel außen sauber, aber innen sind sie voll von Gier und Maßlosigkeit. Du blinder Pharisäer! Mach den Becher und die Schüssel erst mal innen sauber, dann wird auch das Äußere sauber“ (Matthäus 23:25, 26). Die Pharisäer achten penibel auf rituelle Reinheit und darauf, wie sie nach außen hin wirken. Doch den inneren Menschen vernachlässigen sie und ihr Herz reinigen sie nicht.

      Ihre Heuchelei zeigt sich auch daran, dass sie für die Propheten Grabmäler bauen und ihre Gräber schmücken. Doch wie Jesus bemerkt, sind sie „Söhne von Prophetenmördern“, was sie dadurch beweisen, dass sie ihn töten wollen (Matthäus 23:31; Johannes 5:18; 7:1, 25).

      Dann weist Jesus darauf hin, was diesen religiösen Führern bevorsteht, wenn sie nicht bereuen: „Ihr Schlangen, ihr Otternbrut, wie wollt ihr der Gehennastrafe entkommen?“ (Matthäus 23:33). Das nahe gelegene Hinnomtal, das auch als Gehenna bezeichnet wird, ist ein Müllverbrennungsplatz — wirklich ein anschauliches Bild für die endgültige Vernichtung, die den bösen Schriftgelehrten und Pharisäern droht.

      Wie wird man Jesu Jünger behandeln, die ihn als „Propheten, weise Männer und öffentliche Lehrer“ vertreten werden? Jesus sagt zu den religiösen Führern: „Einige von ihnen werdet ihr töten und am Pfahl hinrichten, andere werdet ihr in euren Synagogen auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen, sodass euch die Schuld am vergossenen Blut aller Gerechten auf der Erde trifft — vom Blut des gerechten Abel bis zum Blut von . . . Sacharja, den ihr . . . ermordet habt. Ich versichere euch: Für all das muss diese Generation bezahlen“ (Matthäus 23:34-36). Das bewahrheitet sich im Jahr 70, als die Römer Jerusalem zerstören und Hunderttausende Juden ihr Leben verlieren.

      Über dieses bevorstehende Unglück nachzudenken macht Jesus sehr traurig. Er sagt: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt werden! Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen, so wie eine Henne ihre Küken unter ihren Flügeln zusammenbringt! Aber ihr wolltet nicht. Seht! Euer Haus wird verlassen für euch zurückbleiben“ (Matthäus 23:37, 38). Wahrscheinlich fragen sich seine Zuhörer, von welchem Haus er spricht. Könnte er wirklich den herrlichen Tempel in Jerusalem meinen, den Gott scheinbar beschützt?

      Dann fügt Jesus hinzu: „Ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ‚Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt!‘ “ (Matthäus 23:39). Er zitiert hier die prophetischen Worte aus Psalm 118:26: „Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt. Vom Haus Jehovas aus segnen wir euch.“ Da der Tempel in Jerusalem jedoch zerstört werden soll, wird niemand mehr im Namen Gottes dorthin kommen.

      Nun geht Jesus in den Bereich des Tempels, wo die Schatzkästen stehen und die Leute spenden können. Jesus beobachtet, wie die Juden Münzen in die kleinen Öffnungen der Schatzkästen werfen, wobei die Reichen viel einwerfen. Dann sieht er eine arme Witwe, die nur „zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert“ spendet (Markus 12:41, 42). Doch Jesus weiß, wie sehr sich Gott über ihren Beitrag freut.

      Er ruft seine Jünger zu sich und sagt: „Ich versichere euch, dass diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle anderen, die Geld in die Schatzkästen geworfen haben.“ Wie kann das sein? „Die anderen haben aus ihrem Überfluss heraus etwas eingeworfen“, erklärt Jesus. „Sie dagegen hat aus ihrer Armut heraus alles eingeworfen, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt“ (Markus 12:43, 44). Wie sehr sie sich doch von den religiösen Führern unterscheidet!

      Der 11. Nisan ist noch nicht vorbei, als Jesus den Tempel zum letzten Mal verlässt. Einer von seinen Jüngern ruft aus: „Lehrer, sieh mal, was für herrliche Steine und Bauten!“ (Markus 13:1). Einige Steine in den Tempelmauern sind riesig und vermitteln so zusätzlich den Eindruck von Stärke und Beständigkeit. Daher verwundert es bestimmt sehr, als Jesus sagt: „Siehst du diese großen Bauten? Hier wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird zerstört“ (Markus 13:2).

      Dann durchqueren Jesus und seine Apostel das Kidrontal und steigen den Ölberg hinauf. Irgendwann ist Jesus dann mit den vier Aposteln Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes allein. Vom Ölberg aus können sie auf den herrlichen Tempel schauen.

      • Was macht Jesus an seinem letzten Tag im Tempel?

      • Was sagt Jesus über den Tempel voraus?

      • Warum behauptet Jesus, die Witwe hätte mehr eingeworfen als die Reichen?

  • Die Apostel erkundigen sich nach einem Zeichen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus beantwortet die Fragen von vier Aposteln

      KAPITEL 111

      Die Apostel erkundigen sich nach einem Zeichen

      MATTHÄUS 24:3-51 MARKUS 13:3-37 LUKAS 21:7-38

      • VIER APOSTEL ERKUNDIGEN SICH BEI JESUS NACH EINEM ZEICHEN

      • DIE ERFÜLLUNG IM ERSTEN JAHRHUNDERT UND SPÄTER

      • WIR MÜSSEN WACHSAM BLEIBEN

      Es ist Dienstagnachmittag und der 11. Nisan neigt sich langsam dem Ende. Jesus hat sehr ausgefüllte Tage hinter sich. Tagsüber hat er im Tempel gelehrt und die Nächte hat er außerhalb der Stadt verbracht. Etliche vom Volk haben ihm sehr gern zugehört und sind „immer schon frühmorgens zum Tempel“ gekommen (Lukas 21:37, 38). Doch das ist nun vorbei. Jetzt sitzt Jesus mit vier Aposteln — Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes — auf dem Ölberg.

      Diese vier sind allein zu ihm gekommen. Sie machen sich Gedanken, weil Jesus angekündigt hat, dass vom Tempel kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Es beschäftigt sie allerdings noch etwas anderes. Zuvor hatte Jesus sie aufgefordert: „Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, den ihr nicht für wahrscheinlich haltet“ (Lukas 12:40). Er hatte auch von dem Tag gesprochen, „an dem der Menschensohn offenbart wird“ (Lukas 17:30). Hängt das irgendwie mit dem zusammen, was er gerade über den Tempel gesagt hat? Das würden die Apostel zu gern wissen und fragen: „Sag uns: Wann wird das passieren und an welchem Zeichen wird man deine Gegenwart und den Abschluss des Weltsystems erkennen?“ (Matthäus 24:3).

      Vielleicht denken sie dabei an die Zerstörung des Tempels, den sie vor sich sehen. Außerdem fragen sie nach der Gegenwart des Menschensohnes. Womöglich erinnern sie sich noch an Jesu Veranschaulichung von dem „Mann von vornehmer Herkunft“, der verreist, „um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren“ (Lukas 19:11, 12). Und sie würden gern wissen, woran der „Abschluss des Weltsystems“ zu erkennen wäre.

      Darauf beschreibt Jesus ausführlich ein Zeichen, an dem die baldige Zerstörung des Tempels und des jüdischen Systems zu erkennen wäre. Dieses Zeichen würde aber auch Christen in der Zukunft erkennen helfen, dass sie während Jesu „Gegenwart“ leben und dass das Ende des gesamten Weltsystems nahe ist.

      Viele Einzelheiten aus Jesu Prophezeiung beginnen sich schon zu Lebzeiten der Apostel zu erfüllen. Daher wird es 37 Jahre später für wachsame Christen nicht unerwartet kommen, wenn das jüdische System samt Tempel vernichtet wird. Allerdings erfüllt sich bis zum Jahr 70 nicht alles, was Jesus vorhersagt. Was wird daher seine Gegenwart in Königsmacht kennzeichnen?

      Wie Jesus voraussagt, wird es „Kriege und Kriegsberichte“ geben und „ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Land gegen das andere“ (Matthäus 24:6, 7). Er kündigt auch an: „Es wird große Erdbeben geben und in einer Gegend nach der anderen Lebensmittelknappheit und Seuchen“ (Lukas 21:11). Und er warnt seine Jünger: „Man [wird] gegen euch vorgehen und euch verfolgen“ (Lukas 21:12). Falsche Propheten werden auftreten und viele täuschen. Und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten. Wie Jesus aber auch sagt, wird „die gute Botschaft vom Königreich . . . auf der ganzen bewohnten Erde bekannt gemacht werden als Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).

      Wie bereits erwähnt, erfüllt sich vor und während der Zerstörung Jerusalems durch die Römer nicht alles, was Jesus voraussagt. Die hauptsächliche Erfüllung seiner bedeutsamen Prophezeiung fällt in die heutige Zeit. Erkennen wir die Beweise dafür?

      In seiner Beschreibung des Zeichens erwähnt Jesus das Erscheinen eines „abscheulichen Verwüsters“ (Matthäus 24:15). Im Jahr 66 ist dieser Verwüster das römische Heer mit seinen götzenhaften Feldzeichen, das Jerusalem belagert und einige Mauerabschnitte untergräbt (Lukas 21:20). Damit steht der „abscheuliche Verwüster“ an einem Ort, wo er nicht hingehört — am „heiligen Ort“ der Juden.

      Jesus sagt außerdem voraus: „Dann kommt eine große Drangsal, wie es sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gegeben hat und auch nie wieder geben wird.“ Im Jahr 70 zerstören die Römer Jerusalem. Die Zerstörung der „heiligen Stadt“ der Juden samt ihrem Tempel erweist sich als eine große Drangsal, in der Hunderttausende ihr Leben verlieren (Matthäus 4:5; 24:21). Diese Drangsal ist das Schlimmste, was die Stadt und das jüdische Volk bis dahin erleben. Darüber hinaus beendet sie das System der Anbetung, das die Juden seit Jahrhunderten pflegen. Daher muss jede spätere, größere Erfüllung von Jesu Prophezeiung einfach fürchterlich sein.

      IN DER ZEIT DES ENDES ZUVERSICHTLICH

      Jesu Beschreibung des Zeichens seiner Gegenwart in Königsmacht und des Abschlusses des Weltsystems ist noch lange nicht zu Ende. Nun warnt er seine Apostel davor, „falschen Christussen und falschen Propheten“ nachzulaufen. Wie er sagt, würde man versuchen, „wenn möglich sogar die Auserwählten zu täuschen“ (Matthäus 24:24). Aber diese würden sich nicht in die Irre führen lassen. Falsche Christusse können nur sichtbar in Erscheinung treten. Aber Jesu Gegenwart würde unsichtbar sein.

      Über die große Drangsal am Ende des gegenwärtigen Weltsystems sagt Jesus: „Die Sonne [wird sich] verfinstern, der Mond hört auf zu leuchten, die Sterne fallen vom Himmel und die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Matthäus 24:29). Wahrscheinlich können die Apostel nur erahnen, wie sich diese erschreckende Beschreibung erfüllen wird. Doch eins ist sicher — die Drangsal wird entsetzlich sein.

      Wie werden sich diese erschütternden Ereignisse auswirken? „Die Menschen werden ohnmächtig werden vor Angst und Erwartung dessen, was auf die bewohnte Erde zukommt, denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Lukas 21:26). Jesus beschreibt hier tatsächlich die dunkelste Zeit der Menschheitsgeschichte.

      Doch wie Jesus seinen Aposteln versichert, werden nicht alle verzweifeln, wenn der „Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit“ kommt (Matthäus 24:30). Er hat schon angedeutet, dass Gott „wegen der Auserwählten“ eingreifen würde (Matthäus 24:22). Wie sollten diese Treuen also auf die erschreckenden Ereignisse reagieren, die Jesus ankündigt? Sie können zuversichtlich sein, denn Jesus sagt: „Wenn das alles anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Kopf, denn eure Befreiung rückt immer näher“ (Lukas 21:28).

      Woran könnten die Jünger, die dann leben, also erkennen, dass das Ende nahe ist? Jesus vergleicht dies mit einem Feigenbaum: „Sobald seine Zweige saftig und grün werden, wisst ihr, dass der Sommer nah ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr all das seht, dass er nah ist, ja vor der Tür steht. Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis das alles passiert“ (Matthäus 24:32-34).

      Wenn seine Nachfolger daher die unterschiedlichen Merkmale des Zeichens beobachten, werden sie wissen, dass das Ende nahe ist. Jesus führt ihnen jedoch deutlich vor Augen:

      „Den Tag und die Stunde kennt niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. So wie die Zeit Noahs war, so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein. Denn in der Zeit vor der Sintflut aßen und tranken die Menschen, sie heirateten und wurden verheiratet bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging, und sie nahmen keine Notiz von allem, bis die Flut kam und sie alle mit sich riss. So wird auch die Gegenwart des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24:36-39). Jesus stellt hier eine Parallele zur Sintflut her — einem Ereignis, von dem die ganze Welt betroffen war.

      Bestimmt erkennen die vier Apostel, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Schließlich fordert Jesus sie auf: „Passt . . . auf euch auf, damit euer Herz niemals durch zu viel Essen und zu viel Trinken und die Sorgen des Lebens schwer beladen wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt wie eine Schlinge. Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. Bleibt also wach und fleht dabei ständig, damit ihr es schafft, allem, was geschehen muss, zu entkommen und vor dem Menschensohn zu stehen“ (Lukas 21:34-36).

      So betont Jesus noch einmal, dass er in seiner Prophezeiung nicht lediglich Ereignisse voraussagt, die sich in 30 oder 40 Jahren erfüllen und nur Jerusalem oder die jüdische Nation betreffen werden. Nein, er weist auf Ereignisse hin, die „über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“.

      Jesus rät seinen Jüngern eindringlich, wachsam zu bleiben und bereit zu sein. Das unterstreicht er mit einem weiteren Beispiel: „Eins ist klar: Wenn der Hausbesitzer weiß, zu welcher Zeit der Dieb kommt, dann bleibt er wach und lässt ihn nicht bei sich einbrechen. Deshalb: Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr nicht damit rechnet“ (Matthäus 24:43, 44).

      Jesus liefert seinen Jüngern einen weiteren Grund, zuversichtlich zu sein. Anhand einer Alltagssituation zeigt er ihnen, dass es in der Zeit, in der sich seine Prophezeiung erfüllt, einen „Sklaven“ geben wird, der wachsam und aktiv ist. Er sagt: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, dem sein Herr die Verantwortung für seine Hausdiener übertragen hat, damit er ihnen zur richtigen Zeit ihre Nahrung gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr kommt und sieht, dass er genau das tut! Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.“ Sollte der Sklave allerdings eine schlechte Einstellung entwickeln und andere misshandeln, würde der Herr „ihn äußerst hart bestrafen“ (Matthäus 24:45-51; vergleiche Lukas 12:45, 46).

      Damit sagt Jesus jedoch nicht voraus, dass es unter seinen Nachfolgern eine Gruppe geben wird, die so eine schlechte Einstellung entwickeln würde. Worum geht es ihm dann? Er möchte seine Jünger dazu anspornen, wachsam und aktiv zu bleiben, und das verdeutlicht er in einer weiteren Veranschaulichung.

      • Warum befragen die Apostel Jesus über zukünftige Ereignisse? Und was beschäftigt sie wahrscheinlich noch?

      • Wann und wie beginnt sich Jesu Prophezeiung zu erfüllen?

      • Was kennzeichnet Jesu Gegenwart unter anderem?

      • Wie tritt der „abscheuliche Verwüster“ in Erscheinung? Was geschieht daraufhin?

      • Wie werden die Menschen reagieren, wenn sich Jesu Prophezeiung erfüllt?

      • Mit welchem Vergleich hilft Jesus seinen Jüngern zu erkennen, dass das Ende nahe ist?

      • Was deutet darauf hin, dass die Erfüllung der Prophezeiung Jesu die ganze Welt betreffen wird?

      • Wozu fordert Jesus die Jünger auf, die kurz vor dem Ende des Weltsystems leben?

  • Die zehn Jungfrauen — ein Appell zur Wachsamkeit
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die fünf umsichtigen Jungfrauen mit ihren brennenden Lampen

      KAPITEL 112

      Die zehn Jungfrauen — ein Appell zur Wachsamkeit

      MATTHÄUS 25:1-13

      • JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN

      Jesus hat seinen Aposteln gerade die Frage beantwortet, an welchem Zeichen seine Gegenwart und der Abschluss des Weltsystems zu erkennen wären. Daran anknüpfend erzählt er nun eine weitere Geschichte, die eine eindringliche Aufforderung enthält. Die Erfüllung werden diejenigen beobachten können, die während seiner Gegenwart leben.

      Einleitend sagt Jesus: „Mit dem Königreich des Himmels ist es . . . wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen waren unvernünftig und fünf waren umsichtig“ (Matthäus 25:1, 2).

      Jesus meint damit nicht, die eine Hälfte seiner Jünger, die das Königreich des Himmels erben, sei unvernünftig und die andere Hälfte umsichtig. Er macht stattdessen Folgendes deutlich: Jeder seiner Jünger kann sich dafür entscheiden, in Bezug auf das Königreich entweder wachsam zu sein oder sich ablenken zu lassen. Jesus hat allerdings keine Zweifel, dass jeder seiner Diener treu bleiben und von seinem Vater gesegnet werden kann.

      In der Geschichte gehen alle zehn Jungfrauen hinaus, um den Bräutigam zu begrüßen und sich dem Hochzeitszug anzuschließen. Sobald der Bräutigam kommt, wollen sie ihm die Ehre erweisen und ihm den Weg leuchten, wenn er seine Braut zu dem für sie vorbereiteten Haus führt. Es kommt aber anders.

      Jesus sagt: „Die unvernünftigen nahmen . . . nur ihre Lampen mit, aber kein Öl zum Nachfüllen, die umsichtigen dagegen nahmen außer ihren Lampen noch Ölflaschen mit. Doch da der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle müde und schliefen ein“ (Matthäus 25:3-5). Der Bräutigam kommt nicht so früh wie erwartet. Er scheint sich sehr zu verspäten und alle Jungfrauen nicken ein. Das erinnert die Apostel vielleicht an die Geschichte von dem Mann von vornehmer Herkunft, der verreiste, um sich die Königsmacht zu sichern. Von ihm sagte Jesus, dass er „schließlich zurückkehrte“ (Lukas 19:11-15).

      Dann schildert Jesus, was geschieht, als der Bräutigam endlich kommt: „Mitten in der Nacht hörte man auf einmal den Ruf: ‚Hier kommt der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen!‘ “ (Matthäus 25:6). Aber sind die Jungfrauen wachsam und bereit?

      Jesus erzählt weiter: „Da standen alle Jungfrauen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Die unvernünftigen sagten zu den umsichtigen: ‚Gebt uns etwas von eurem Öl ab, sonst gehen unsere Lampen aus.‘ Da sagten die umsichtigen Jungfrauen: ‚Vielleicht reicht es dann nicht für uns und euch. Geht doch zu den Händlern und kauft euch welches‘ “ (Matthäus 25:7-9).

      Die unvernünftigen Jungfrauen sind also weder wachsam noch auf die Ankunft des Bräutigams vorbereitet. Sie haben nicht genug Öl dabei und müssen nun zusehen, wo sie welches bekommen. Jesus sagt: „Während sie weggingen, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die vorbereitet waren, gingen mit ihm zur Hochzeitsfeier, und die Tür wurde geschlossen. Danach kamen auch die anderen Jungfrauen und sagten: ‚Herr, Herr, mach uns auf!‘ Doch er erwiderte: ‚Ich sage euch die Wahrheit: Ich kenne euch nicht‘ “ (Matthäus 25:10-12). Was für traurige Folgen es für sie hat, nicht wachsam und bereit gewesen zu sein!

      Den Aposteln dürfte klar sein, dass Jesus mit dem Bräutigam sich selbst meint, denn er hat sich vorher schon mit einem Bräutigam verglichen (Lukas 5:34, 35). Und was ist mit den umsichtigen Jungfrauen? Als Jesus über die „kleine Herde“ sprach, der das Königreich gegeben wird, sagte er: „Seid fertig angezogen und bereit, und lasst eure Lampen brennen“ (Lukas 12:32, 35). Die Apostel können daher schlussfolgern, dass Jesus diejenigen meint, die wie sie zur kleinen Herde gehören. Was will Jesus durch dieses Gleichnis also sagen?

      Das erklärt er selbst, als er abschließend sagt: „Bleibt deshalb wachsam, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde“ (Matthäus 25:13).

      Jesus fordert seine treuen Nachfolger somit nachdrücklich auf, während seiner Gegenwart wachsam zu bleiben. Er wird kommen, und sie müssen — wie die fünf umsichtigen Jungfrauen — bereit und wachsam sein. Nur dann verlieren sie ihre kostbare Hoffnung nicht aus dem Blick und lassen sich ihre Belohnung nicht entgehen.

      • Worin unterscheiden sich die fünf umsichtigen Jungfrauen von den fünf unvernünftigen?

      • Wer ist der Bräutigam, und wer sind die Jungfrauen?

      • Was will Jesus durch das Gleichnis von den zehn Jungfrauen sagen?

  • Die Talente — warum Fleiß wichtig ist
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Sklave vergräbt einen Beutel mit Geld

      KAPITEL 113

      Die Talente — warum Fleiß wichtig ist

      MATTHÄUS 25:14-30

      • JESUS ERZÄHLT DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN TALENTEN

      Jesus und seine vier Apostel sind nach wie vor auf dem Ölberg, und er setzt nun zu einer weiteren Veranschaulichung an. Sie weist einige Ähnlichkeiten zu der Geschichte von den Minen auf, die er vor ein paar Tagen in Jericho erzählt hat, um zu zeigen, dass das Königreich noch in weiter Ferne liegt. Die Veranschaulichung ist Teil seiner Erklärung zu seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems. Und sie macht deutlich, dass sich Jesu Jünger fleißig in dem Werk einsetzen müssen, das er ihnen anvertraut.

      Jesus beginnt: „Es ist wie mit einem Mann, der sich auf eine weite Reise machen wollte, seine Sklaven zu sich rief und ihnen sein Vermögen anvertraute“ (Matthäus 25:14). Jesus hat sich schon einmal mit einem Mann verglichen, der, „um sich die Königsmacht zu sichern“, in ein fernes Land reist (Lukas 19:12). Daher ist es für die Apostel nicht schwer zu erkennen, dass es sich bei dem Mann in dieser Veranschaulichung ebenfalls um Jesus handelt.

      Vor der Abreise vertraut der Mann sein Vermögen seinen Sklaven an. Jesus hat sich in den dreieinhalb Jahren seines Dienstes darauf konzentriert, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen, und hat auch seine Jünger darin geschult. Jetzt wird er bald gehen — zuversichtlich, dass sie sein Werk fortsetzen werden (Matthäus 10:7; Lukas 10:1, 8, 9; vergleiche Johannes 4:38; 14:12).

      Wie teilt der Mann in der Geschichte sein Vermögen auf? Jesus sagt: „Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei und noch einem anderen eins — jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab“ (Matthäus 25:15). Was werden die Sklaven mit den ihnen anvertrauten Talenten nun anfangen? Werden sie sie im Interesse ihres Herrn verwalten? Jesus erzählt:

      „Der mit den fünf Talenten ging sofort los, machte Geschäfte damit und verdiente fünf Talente dazu. Und der mit den zwei Talenten verdiente zwei dazu. Doch der mit dem einen Talent ging weg, grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn“ (Matthäus 25:16-18). Was passiert, als der Herr zurückkommt?

      „Nach langer Zeit kam der Herr und machte mit den Sklaven die Abrechnung“ (Matthäus 25:19). Die ersten beiden haben ihren Fähigkeiten entsprechend alles getan, was ihnen möglich war. Beide haben sich fleißig und gewissenhaft um das gekümmert, was ihnen anvertraut wurde, und das Vermögen ihres Herrn vergrößert. Sowohl der mit den fünf Talenten als auch der mit den zwei hat das Geld verdoppelt. (Zu dieser Zeit braucht ein Arbeiter normalerweise über 19 Jahre, um das zu verdienen, was einem Talent entspricht.) Der Herr lobt beide Sklaven mit den Worten: „Gut gemacht, du guter und treuer Sklave! Du hast das wenige treu verwaltet, deshalb werde ich dir viel anvertrauen. Komm und hab teil an der Freude deines Herrn“ (Matthäus 25:21).

      1. Ein Sklave vergräbt einen Beutel mit Geld, 2. Derselbe Sklave wird in die Dunkelheit hinausgeworfen

      Doch der Sklave, der das eine Talent bekommen hat, gesteht: „Herr, ich wusste, dass du ein fordernder Mann bist und dass du erntest, wo du nicht gesät hast, und einsammelst, wo du nicht geworfelt hast. Deshalb bekam ich Angst und hab dein Talent in der Erde vergraben. Hier hast du zurück, was dir gehört“ (Matthäus 25:24, 25). Er hat das Geld nicht einmal zu den Bankleuten gebracht, damit sein Herr wenigstens Zinsen dafür bekommt. In Wirklichkeit hat der Sklave gegen die Interessen seines Herrn gearbeitet.

      Zu Recht nennt ihn sein Herr deshalb einen „schlechten und faulen Sklaven“. Was er hat, wird ihm daher genommen und dem ersten Sklaven gegeben, der bereit ist, sich fleißig einzusetzen. Der Herr erklärt: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen und Überfluss haben. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden“ (Matthäus 25:26, 29).

      Jesu Jünger beim Predigen

      Da haben Jesu Jünger einiges zum Nachdenken. Ihnen ist bestimmt bewusst, dass Jesus ihnen etwas sehr Kostbares anvertraut: das unschätzbare Vorrecht, Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Und er erwartet von ihnen, fleißig zu sein. Allerdings erwartet er nicht, dass alle beim Predigen gleich viel leisten. Wie die Veranschaulichung zeigt, sollte sich jeder „nach seinen Fähigkeiten“ anstrengen. Wer aber wie der faule Sklave nicht sein Bestes gibt, um das Vermögen des Herrn zu vermehren, wird Jesus auf keinen Fall zufriedenstellen.

      Doch die Apostel können sich bestimmt über die Zusicherung freuen: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen.“

      • Für wen steht der Herr, und für wen stehen die Sklaven?

      • Welche Lehrpunkte vermittelt Jesus seinen Jüngern?

  • Wenn der Christus die Schafe und Ziegen richtet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Menschen aus allen Völkern schauen zum Himmel und erwarten Jesu Gericht

      KAPITEL 114

      Wenn der Christus die Schafe und Ziegen richtet

      MATTHÄUS 25:31-46

      • JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN SCHAFEN UND DEN ZIEGEN

      Jesus hat auf dem Ölberg seinen Aposteln gerade die Veranschaulichungen von den zehn Jungfrauen und von den Talenten erzählt. Nun schließt er seine Antwort auf ihre Frage nach seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems ab. Er bringt ein letztes Gleichnis, in dem es um Schafe und Ziegen geht.

      Jesus schildert zuerst den Rahmen: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, wird er sich auf seinen herrlichen Thron setzen“ (Matthäus 25:31). Es ist offensichtlich, dass er selbst die zentrale Figur ist, denn er hat sich schon oft als den „Menschensohn“ bezeichnet (Matthäus 8:20; 9:6; 20:18, 28).

      Jesus sitzt auf seinem herrlichen Thron und beurteilt treue Menschen als Schafe

      Wann wird sich dieses Gleichnis erfüllen? Wenn Jesus zusammen mit den Engeln „in seiner Herrlichkeit kommt“ und sich „auf seinen herrlichen Thron“ setzt. Er hat bereits davon gesprochen, dass der Menschensohn mit seinen Engeln „mit großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken“ kommen wird. Wann wird das sein? „Direkt nach der Drangsal“ (Matthäus 24:29-31; Markus 13:26, 27; Lukas 21:27). Dieses Gleichnis wird sich also erfüllen, wenn Jesus in der Zukunft in Herrlichkeit kommt. Was wird er dann tun?

      „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt“, erklärt Jesus, „[werden] alle Völker . . . vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt. Die Schafe wird er an seine rechte Seite stellen und die Ziegen an seine linke“ (Matthäus 25:31-33).

      Wie Jesus sagt, wird der König zu den Schafen an seiner rechten Seite — der Seite der Gunst — sagen: „Kommt alle her, die mein Vater gesegnet hat, erbt das Königreich, das seit Grundlegung der Welt für euch vorbereitet wurde“ (Matthäus 25:34). Aus welchem Grund erhalten die Schafe die Gunst des Königs?

      Der König erklärt: „Ich bekam Hunger und ihr habt mir etwas zu essen gegeben. Ich hatte Durst und ihr habt mir etwas zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder und ihr habt mich gastfreundlich aufgenommen, ich hatte nichts anzuziehen und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich wurde krank und ihr habt nach mir gesehen. Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.“ Als die Schafe — „die Gerechten“ — nachfragen, wann sie ihm all das Gute getan haben, antwortet der König: „Was immer ihr für einen dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“ (Matthäus 25:35, 36, 40, 46). Das kann nicht im Himmel gewesen sein, denn dort gibt es niemand, der krank oder hungrig ist. Die Gerechten müssen daher auf der Erde Christi Brüdern Gutes getan haben.

      Eine Gruppe schlechter Menschen, die als Ziegen beurteilt wird

      Und was ist mit den Ziegen, die der König an seine linke Seite stellt? Wie Jesus erklärt, wird er zu ihnen sagen: „Geht weg von mir, die ihr verflucht worden seid, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist. Denn ich bekam Hunger, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich hatte Durst, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder, aber ihr habt mich nicht gastfreundlich aufgenommen, hatte nichts anzuziehen, aber ihr habt mir keine Kleidung gegeben. Ich wurde krank und war im Gefängnis, aber ihr habt nicht nach mir gesehen“ (Matthäus 25:41-43). Sie hätten Christi Brüder auf der Erde gut behandeln sollen. Da sie das aber nicht getan haben, ist dieses Urteil verdient.

      Wie Jesus erklärt, wird der König zu den Ziegen sagen: „Ich versichere euch: Was immer ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch für mich nicht getan.“ Jesus fährt fort: „Sie werden in die ewige Abschneidung gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25:45, 46). Den Aposteln dürfte somit klar sein, dass das Urteil in diesem zukünftigen Gericht endgültig sein wird.

      Jesu Antwort auf die Frage seiner Apostel gibt allen seinen Nachfolgern viel Stoff zum Nachdenken — und hilft ihnen, ihr Denken und Tun zu überprüfen.

      • Wen stellt der König in Jesu Gleichnis dar? Wann erfüllt sich das Gleichnis?

      • Warum werden die Schafe Jesu Gunst erhalten?

      • Warum werden manche als Ziegen eingestuft? Welche Zukunft erwartet die Schafe und welche die Ziegen?

  • Jesu letztes Passah rückt näher
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Judas geht zu den religiösen Führern und fragt, was sie ihm geben, wenn er Jesus an sie verrät

      KAPITEL 115

      Jesu letztes Passah rückt näher

      MATTHÄUS 26:1-5, 14-19 MARKUS 14:1, 2, 10-16 LUKAS 22:1-13

      • JUDAS IST BEREIT, JESUS FÜR GELD ZU VERRATEN

      • ZWEI APOSTEL BEREITEN DAS PASSAH VOR

      Jesus beendet nun das Gespräch mit seinen vier Aposteln auf dem Ölberg. Er hat ihnen erklärt, was das Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Weltsystems ist.

      Es ist wirklich viel passiert am 11. Nisan! Nun kehren Jesus und die Apostel für die Nacht nach Bethanien zurück. Möglicherweise auf dem Weg sagt Jesus zu ihnen: „Ihr wisst: In zwei Tagen ist das Passah und der Menschensohn wird ausgeliefert, um am Pfahl hingerichtet zu werden“ (Matthäus 26:2).

      Am Mittwoch, den 12. Nisan gönnen sich Jesus und seine Apostel offensichtlich etwas Ruhe. Am Tag zuvor hat er die religiösen Führer zurechtgewiesen und ihre Heuchelei in aller Öffentlichkeit aufgedeckt. Deshalb wollen sie ihn unbedingt töten. Jesus bleibt daher am Mittwoch der Öffentlichkeit lieber fern. Am nächsten Abend, dem 14. Nisan, möchte er nach Sonnenuntergang mit seinen Aposteln nämlich das Passah feiern, und er will vermeiden, dass irgendetwas dazwischenkommt.

      Die Oberpriester und die Ältesten vom Volk dagegen gönnen sich vor dem Passah keine Ruhe. Sie treffen sich im Hof des Hohen Priesters Kaiphas. Sie sind alle ziemlich aufgebracht, weil Jesus sie so bloßgestellt hat. Jetzt schmieden sie gemeinsam Pläne, wie sie ihn durch eine List festnehmen und töten können. Nur wie und wann? „Nicht beim Fest“, sagen sie, „sonst kommt es zu Unruhen unter dem Volk“ (Matthäus 26:4, 5). Und davor haben sie Angst, denn Jesus ist sehr beliebt.

      Während sie sich beratschlagen, bekommen sie Besuch. Zu ihrer Überraschung ist es Judas Iskariot, einer von Jesu Aposteln. Satan hat ihn auf den Gedanken gebracht, seinen Herrn zu verraten! Judas fragt die Männer: „Was gebt ihr mir, wenn ich ihn an euch verrate?“ (Matthäus 26:15). Die religiösen Führer freuen sich und einigen sich darauf, „ihm Silbergeld zu geben“ (Lukas 22:5). Sie wollen ihm 30 Silberstücke zahlen — wahrscheinlich 30 Schekel, den Preis für einen Sklaven (2. Mose 21:32). Dieser geringe Betrag zeigt, wie sehr sie Jesus verachten. Von da an sucht Judas „nach einer günstigen Gelegenheit, ihn an sie zu verraten, ohne dass eine Menschenmenge dabei“ ist (Lukas 22:6).

      Der 13. Nisan beginnt am Mittwoch nach Sonnenuntergang, und Jesus verbringt die sechste und letzte Nacht in Bethanien. Am nächsten Tag müssen die letzten Vorbereitungen für das Passah getroffen werden. Unter anderem muss noch ein Lamm besorgt werden, damit es am Abend, wenn der 14. Nisan anbricht, geschlachtet und gebraten werden kann. Aber wo wird das Passahmahl stattfinden und wer soll es zubereiten? Dazu hat Jesus bisher nichts gesagt. So kann Judas diese Informationen nicht an die Oberpriester weitergeben.

      Petrus und Johannes folgen einem Mann, der einen Tonkrug trägt

      Am Donnerstag schickt Jesus Petrus und Johannes wahrscheinlich am frühen Nachmittag mit dem Auftrag los: „Geht und bereitet für uns das Passahmahl vor.“ „Wo willst du es vorbereitet haben?“, fragen sie. „Wenn ihr in die Stadt kommt, werdet ihr einen Mann treffen, der einen Wasserkrug aus Ton trägt. Folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht. Sagt zu dem Hausbesitzer: ‚Der Lehrer lässt fragen: „Wo ist das Gastzimmer, in dem ich mit meinen Jüngern das Passahmahl einnehmen kann?“ ‘ Er wird euch dann einen großen, fertig hergerichteten Raum im Obergeschoss zeigen. Bereitet es dort vor“ (Lukas 22:8-12).

      Der Hausbesitzer ist zweifellos ein Jünger Jesu. Möglicherweise rechnet er schon mit Jesu Bitte, sein Haus für diesen Anlass nutzen zu dürfen. Als die zwei Apostel in Jerusalem ankommen, spielt sich alles so ab, wie Jesus es gesagt hat. So können sie sich darum kümmern, dass das Lamm zubereitet wird und alle anderen Vorbereitungen getroffen werden, damit für Jesus und seine 12 Apostel gesorgt ist.

      • Wie verbringt Jesus wahrscheinlich den 12. Nisan, und was ist der Grund dafür?

      • Warum treffen sich die religiösen Führer, und warum sucht Judas sie auf?

      • Wen schickt Jesus am Donnerstag nach Jerusalem und warum?

  • Eine Lektion in Demut beim letzten Passah
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus wäscht seinen Aposteln die Füße und gibt ihnen so ein Beispiel in Demut

      KAPITEL 116

      Eine Lektion in Demut beim letzten Passah

      MATTHÄUS 26:20 MARKUS 14:17 LUKAS 22:14-18 JOHANNES 13:1-17

      • JESU LETZTES PASSAH MIT SEINEN APOSTELN

      • ER WÄSCHT DEN APOSTELN DIE FÜSSE

      Petrus und Johannes sind bereits in Jerusalem und bereiten das Passah vor. Jesus und die übrigen zehn Apostel machen sich später ebenfalls auf den Weg. Als sie den Ölberg hinabsteigen, geht im Westen bereits die Sonne unter. Es ist das letzte Mal vor seiner Auferstehung, dass Jesus die Stadt von hier aus bei Tageslicht sieht.

      In der Stadt angekommen begeben sie sich zu dem Haus, wo sie das Passah feiern werden, und gehen hinauf ins Obergeschoss. In dem großen Raum ist schon alles vorbereitet und sie sind dort für sich. Jesus hat sich schon auf diesen Abend gefreut. Er erklärt: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, bevor ich leiden muss“ (Lukas 22:15).

      Es ist schon seit vielen Jahren Brauch, beim Passah mehrere Becher mit Wein herumzureichen. Jesus nimmt nun einen Becher entgegen, spricht ein Dankgebet und sagt: „Nehmt ihn und reicht ihn unter euch von einem zum anderen weiter. Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr vom Erzeugnis des Weinstocks trinken, bis Gottes Königreich kommt“ (Lukas 22:17, 18). So macht er deutlich, dass sein Tod kurz bevorsteht.

      Während des Essens geschieht etwas Ungewöhnliches. Jesus steht auf, legt seine Obergewänder ab, nimmt ein Handtuch und gießt Wasser in eine Schüssel. Dann wäscht er seinen Aposteln die Füße. Normalerweise sorgt der Gastgeber dafür, dass seinen Gästen die Füße gewaschen werden, zum Beispiel von einem Diener (Lukas 7:44). Doch da es keinen Gastgeber gibt, übernimmt nun Jesus die Aufgabe des Dieners. Die Apostel hätten ebenfalls die Gelegenheit dazu ergreifen können, aber keiner hat es getan. Herrscht zwischen ihnen vielleicht immer noch eine gewisse Rivalität? Jedenfalls ist es ihnen peinlich, dass ausgerechnet Jesus ihnen die Füße wäscht.

      Als Jesus bei Petrus ankommt, protestiert dieser: „Nie im Leben wirst du mir die Füße waschen!“ „Wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir“, erwidert Jesus. Da bittet Petrus: „Herr, dann wasch mir nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf.“ Doch Jesu Antwort muss ihn überraschen: „Wer gebadet ist, dem braucht man nur noch die Füße zu waschen — er ist ja schon völlig rein . . . Und ihr seid rein, allerdings nicht jeder von euch“ (Johannes 13:8-10).

      Jesus wäscht allen Zwölfen die Füße, auch die von Judas Iskariot. Anschließend zieht er seine Obergewänder wieder an und legt sich zu Tisch. Dann fragt er seine Apostel: „Versteht ihr, was ich da gemacht habe? Ihr nennt mich ‚Lehrer‘ und ‚Herr‘, und das ist auch richtig so, denn das bin ich. Wenn ich als Herr und Lehrer euch also die Füße gewaschen habe, dann solltet auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch nämlich ein Vorbild geliefert, damit ihr genau das tut, was ich für euch getan habe. Eins steht fest: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr und ein Bote nicht größer als sein Auftraggeber. Wisst ihr das, so seid ihr glücklich, wenn ihr danach handelt“ (Johannes 13:12-17).

      Was für eine schöne Lektion darin, anderen demütig zu dienen! Jesu Nachfolger sollten sich nicht für etwas Besseres halten und erwarten, dass man sie bedient. Stattdessen sollten sie dem Beispiel Jesu folgen — und zwar nicht, indem sie sich gegenseitig rituell die Füße waschen, sondern indem sie einander demütig und unvoreingenommen dienen.

      • Wie deutet Jesus beim Passahmahl an, dass sein Tod kurz bevorsteht?

      • Warum ist es ungewöhnlich, dass Jesus seinen Aposteln die Füße wäscht?

      • Was lehrt Jesus seine Apostel dadurch, dass er eine so niedrige Aufgabe übernimmt?

  • Das Abendmahl des Herrn
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus führt im Beisein seiner elf treuen Apostel das Abendmahl ein

      KAPITEL 117

      Das Abendmahl des Herrn

      MATTHÄUS 26:21-29 MARKUS 14:18-25 LUKAS 22:19-23 JOHANNES 13:18-30

      • DER VERRÄTER JUDAS WIRD KENNTLICH GEMACHT

      • JESUS FÜHRT EINE GEDENKFEIER EIN

      Jetzt ist das Passahmahl offensichtlich vorbei. Früher am Abend hat Jesus seinen Aposteln gezeigt, wie wichtig Demut ist, indem er ihnen die Füße gewaschen hat. Nun nimmt er auf die prophetischen Worte Davids Bezug: „Der Mann, mit dem ich Frieden hatte, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat sich gegen mich gestellt.“ Dann erklärt er: „Einer von euch wird mich verraten“ (Psalm 41:9; Johannes 13:18, 21).

      Die Apostel sehen sich gegenseitig an und alle, auch Judas Iskariot, fragen: „Herr, ich bin es aber nicht, oder?“ Da sagt Petrus zu Johannes, der neben Jesus am Tisch liegt, er solle herausfinden, wen Jesus meint. Also lehnt sich Johannes zu ihm zurück und will wissen: „Herr, wer ist es?“ (Matthäus 26:22; Johannes 13:25).

      „Ich tauche ein Stück Brot ein, und der, dem ich es gebe, der ist es“, antwortet Jesus. Nachdem er das Brot eingetaucht hat, reicht er es Judas und sagt: „Der Menschensohn geht weg, so wie es in den Schriften über ihn steht, aber wehe dem, der den Menschensohn verrät! Für diesen Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden“ (Johannes 13:26; Matthäus 26:24). Da fährt Satan in Judas. Dieser hat bereits ein schlechtes Herz entwickelt und überlässt sich nun völlig dem Willen des Teufels. So wird er zum „Sohn der Vernichtung“ (Johannes 6:64, 70; 12:4; 17:12).

      Jesus fordert Judas auf: „Beeil dich mit dem, was du tust.“ Die anderen Apostel denken, Judas solle „alles Nötige für das Fest“ kaufen oder „den Armen etwas geben“, weil er die Kasse verwaltet (Johannes 13:27-30). Doch Judas geht los, um Jesus zu verraten.

      Noch am selben Abend führt Jesus eine völlig neue Feier ein. Er nimmt ein Brot und nach einem Dankgebet bricht er es und gibt es den Aposteln mit den Worten: „Es steht für meinen Leib, der für euch gegeben wird. Tut dies immer wieder zur Erinnerung an mich“ (Lukas 22:19). Die Apostel reichen das Brot herum und essen davon.

      Dann nimmt Jesus einen Becher Wein, spricht ein Dankgebet und gibt auch diesen herum. Alle trinken daraus und Jesus erklärt: „Dieser Becher steht für den neuen Bund, der durch mein Blut in Kraft tritt, das für euch vergossen werden wird“ (Lukas 22:20).

      Auf diese Weise führt Jesus eine Gedenkfeier an seinen Tod ein, die seine Nachfolger jedes Jahr am 14. Nisan feiern sollen. Das Passah hat die Juden an die Befreiung aus Ägypten erinnert. Im Gegensatz dazu wird die neue Feier die Jünger an das erinnern, was Jesus und sein Vater getan haben, um treuen Menschen die wahre Befreiung zu ermöglichen — die Befreiung von Sünde und Tod!

      Jesus erklärt, dass sein Blut „für viele vergossen wird, um Sünden zu vergeben“. Zu diesen vielen gehören neben seinen treuen Aposteln noch viele weitere, die mit Jesus im Königreich seines Vaters sein werden (Matthäus 26:28, 29).

      • Auf welche Prophezeiung nimmt Jesus Bezug, und wie wendet er sie an?

      • Wozu fordert Jesus Judas auf, doch wie verstehen die anderen Apostel seine Aufforderung?

      • Welche Feier führt Jesus ein, und was ist ihr Zweck?

  • Eine hitzige Auseinandersetzung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Apostel streiten sich darüber, wer von ihnen am größten ist

      KAPITEL 118

      Eine hitzige Auseinandersetzung

      MATTHÄUS 26:31-35 MARKUS 14:27-31 LUKAS 22:24-38 JOHANNES 13:31-38

      • JESUS GIBT RAT ZUM STELLUNGSDENKEN

      • ER SAGT VORAUS, DASS PETRUS IHN VERLEUGNEN WIRD

      • LIEBE IST DAS MERKMAL VON JESU NACHFOLGERN

      Am letzten Abend mit seinen Aposteln hat Jesus ihnen die Füße gewaschen und ihnen so anschaulich gezeigt, wie wichtig es ist, anderen demütig zu dienen. Hatte er einen speziellen Grund dafür? Die Apostel sind Gott zwar treu ergeben, aber sie haben noch immer mit einer Schwäche zu kämpfen: Es ist ihnen immer noch wichtig, wer von ihnen am größten ist (Markus 9:33, 34; 10:35-37). Auch an diesem Abend tritt diese Schwäche wieder zutage.

      Es kommt „zu einer hitzigen Auseinandersetzung darüber, wer von ihnen als der Größte“ gilt (Lukas 22:24). Jesus muss es sehr traurig machen, seine Apostel wieder streiten zu sehen.

      Doch statt ihnen Vorhaltungen zu machen, sagt er geduldig: „Die Könige der Völker spielen sich als Herren auf, und die, die Macht über das Volk haben, werden als Wohltäter bezeichnet. Ihr solltet aber nicht so sein . . . Wer ist denn größer: der zu Tisch Liegende oder der Bedienende?“ Dann erinnert er sie daran, was er ihnen die ganze Zeit vorgelebt hat: „Ich dagegen bin unter euch wie der Bedienende“ (Lukas 22:25-27).

      Die Apostel haben zwar so ihre Schwächen, aber trotzdem haben sie in vielen schwierigen Situationen zu Jesus gehalten. Deshalb sagt er: „Ich schließe mit euch einen Bund, so wie mein Vater mit mir einen Bund geschlossen hat, für ein Königreich“ (Lukas 22:29). Diese Männer folgen Jesus treu nach. Durch diesen Bund sichert er ihnen zu, dass sie mit ihm zusammen im Königreich regieren werden.

      Trotz dieser wunderbaren Zukunftsaussicht sind die Apostel immer noch unvollkommen und Jesus warnt sie: „Der Satan hat nach euch allen verlangt, um euch wie Weizen durchzusieben“ (Lukas 22:31). Er sagt auch voraus: „In dieser Nacht werdet ihr alle meinetwegen ins Stolpern kommen, denn in den Schriften steht: ‚Ich werde den Hirten angreifen und die Schafe der Herde werden auseinanderlaufen‘ “ (Matthäus 26:31; Sacharja 13:7).

      Petrus protestiert: „Wenn auch alle anderen deinetwegen ins Stolpern kommen — ich werde niemals ins Stolpern kommen!“ (Matthäus 26:33). Da erklärt Jesus ihm, dass er ihn noch in derselben Nacht, bevor ein Hahn zweimal kräht, verleugnen wird. Doch Jesus sagt ihm auch: „Ich habe für dich gefleht, dass dein Glaube nicht nachlässt. Und du, bist du wieder zurückgekehrt, dann stärke deine Brüder“ (Lukas 22:32). Dennoch behauptet Petrus: „Ich werde dich niemals verleugnen, selbst wenn ich mit dir sterben muss“ (Matthäus 26:35). Auch alle anderen Apostel behaupten dasselbe.

      Dann sagt Jesus zu ihnen: „Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und ich sage euch nun dasselbe, was ich schon den Juden gesagt habe: ‚Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen.‘ “ Und er fügt hinzu: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:33-35).

      Als Petrus hört, dass Jesus nur noch kurze Zeit bei ihnen sein wird, fragt er: „Herr, wohin gehst du?“ „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen, aber später wirst du nachkommen“, antwortet Jesus. „Warum kann ich dir nicht schon jetzt folgen, Herr?“, wundert sich Petrus. „Ich würde mein Leben für dich geben“ (Johannes 13:36, 37).

      Im Anschluss erinnert Jesus die Apostel daran, wie er sie auf eine Predigtreise durch Galiläa ausgesandt hat. Damals sollten sie weder Geldbeutel noch Provianttasche mitnehmen (Matthäus 10:5, 9, 10). Er fragt sie: „Hat euch da irgendetwas gefehlt?“ „Nein!“, antworten sie. Nun sagt Jesus ihnen jedoch, was sie in Zukunft tun sollen: „Jetzt soll jeder, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso eine Provianttasche. Und wer kein Schwert hat, soll sein Obergewand verkaufen und sich eins kaufen. Denn ich sage euch, dass an mir wahr werden muss, was in den Schriften steht, nämlich: ‚Er wurde zu den Gesetzlosen gezählt.‘ Das erfüllt sich an mir“ (Lukas 22:35-37).

      Jesus weist so darauf hin, dass man ihn neben Verbrechern an einen Stamm nageln wird. Danach werden seine Nachfolger heftig verfolgt werden. Die Apostel denken aber, sie seien bereit, und sagen: „Herr, sieh mal! Hier sind zwei Schwerter!“, worauf er meint: „Das reicht“ (Lukas 22:38). Die Schwerter werden Jesus bald Gelegenheit geben, seinen Jüngern noch etwas Wichtiges mit auf den Weg zu geben.

      • Worüber streiten sich die Apostel? Und was tut Jesus daraufhin?

      • Was ist der Zweck des Bundes, den Jesus mit seinen treuen Jüngern schließt?

      • Wie reagiert Jesus auf die selbstsichere Äußerung von Petrus?

  • Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus mit seinen 11 treuen Aposteln nach dem Passah

      KAPITEL 119

      Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben

      JOHANNES 14:1-31

      • JESUS GEHT WEG, UM EINEN PLATZ FÜR SEINE JÜNGER VORZUBEREITEN

      • ER VERSPRICHT SEINEN NACHFOLGERN EINEN HELFER

      • DER VATER IST GRÖSSER ALS JESUS

      Jesus und die Apostel sind noch in dem Raum, wo sie das Abendmahl gefeiert haben. Nun macht er ihnen Mut: „Lasst euer Herz nicht beunruhigt werden. Glaubt an Gott, glaubt auch an mich“ (Johannes 13:36; 14:1).

      Er sagt seinen treuen Aposteln aber auch, warum sie sich wegen seines Weggangs keine Sorgen machen sollten: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. . . . wenn ich mich auf den Weg mache und einen Platz für euch vorbereite, dann komme ich auch wieder und hole euch zu mir nach Hause, damit ihr dort seid, wo auch ich bin.“ Sie verstehen jedoch nicht, dass er vom Himmel spricht, und Thomas sagt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir da den Weg kennen?“ (Johannes 14:2-5).

      „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, erklärt Jesus. Nur wer ihn und seine Lehren annimmt und ihn sich zum Vorbild nimmt, kann in das Haus seines Vaters im Himmel kommen. Jesus sagt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6).

      Da bittet Philippus: „Herr, zeige uns den Vater, mehr brauchen wir nicht.“ Offensichtlich wünscht er sich, dass sich Gott ihnen wie schon Moses, Elia und Jesaja in irgendeiner Form offenbart. Doch wie Jesus zeigt, dürfen die Apostel etwas viel Besseres erleben: „Jetzt bin ich schon so lange bei euch und du kennst mich immer noch nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen.“ Jesus spiegelt die Persönlichkeit seines Vaters perfekt wider. Die Apostel konnten ihn Tag für Tag beobachten. Daher ist es so, als hätten sie den Vater gesehen. Doch natürlich steht der Vater über dem Sohn. Jesus betont: „Was ich euch sage, kommt nicht von mir“ (Johannes 14:8-10). Die Apostel können wirklich bestätigen, dass Jesus alle Ehre seinem Vater gibt.

      Die Apostel haben erlebt, wie Jesus großartige Machttaten vollbracht und die gute Botschaft vom Königreich bekannt gemacht hat. Nun sagt er: „Wer an mich glaubt, wird dieselben Taten vollbringen wie ich, und er wird noch größere Taten vollbringen, denn ich gehe zum Vater“ (Johannes 14:12). Das heißt nicht, sie würden einmal größere Wunder wirken als Jesus. Es bedeutet vielmehr, sie würden ihren Dienst viel länger und in viel größerem Umfang durchführen als er und weit mehr Menschen mit der Botschaft erreichen.

      Wenn Jesus geht, bleiben seine Jünger aber nicht sich selbst überlassen. Er verspricht ihnen: „Worum auch immer ihr in meinem Namen bittet, das werde ich tun.“ Und er fügt hinzu: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein soll: den Geist der Wahrheit“ (Johannes 14:14, 16, 17). Dieser Helfer, den er ihnen zusichert, ist der heilige Geist, den sie an Pfingsten erhalten.

      „In Kurzem wird die Welt mich nicht mehr sehen“, sagt Jesus. „Ihr aber werdet mich sehen, weil ich lebe und ihr leben werdet“ (Johannes 14:19). Sie werden ihn nicht nur nach seiner Auferstehung in Gestalt eines Menschen sehen. Auch später, im Himmel, werden sie ihn sehen, wenn er sie zu Geistwesen auferweckt.

      Dann lehrt Jesus eine einfache Wahrheit: „Wer meine Gebote annimmt und sie hält, der liebt mich. Und wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt, und ich werde ihn lieben und mich ihm deutlich zeigen.“ Darauf fragt Judas, der auch Thaddäus genannt wird: „Herr, was ist passiert, dass du dich uns und nicht der Welt deutlich zeigen willst?“ „Wer mich liebt, wird sich an meine Worte halten, und mein Vater wird ihn lieben“, antwortet Jesus. „Wer mich nicht liebt, der hält sich auch nicht an meine Worte“ (Johannes 14:21-24). Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern erkennt die Welt Jesus nicht als den Weg, die Wahrheit und das Leben an.

      Aber wie werden sich seine Jünger an all das erinnern, was er sie gelehrt hat, wenn er nicht mehr da ist? Jesus erklärt ihnen: „Der Helfer, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Das muss sie sehr trösten, denn sie haben selbst erlebt, wie mächtig der heilige Geist ist. Jesus fährt fort: „Ich lasse euch Frieden zurück, meinen Frieden gebe ich euch. . . . Lasst euer Herz nicht beunruhigt oder vor Angst mutlos werden“ (Johannes 14:26, 27). Die Apostel haben wirklich keinen Grund, beunruhigt zu sein, da Jesu Vater sie anleiten und beschützen wird.

      Und bald werden sie auch einen Beweis für Gottes Schutz sehen. Jesus sagt: „Der Herrscher der Welt kommt, aber er kann mir nichts anhaben“ (Johannes 14:30). Der Teufel konnte in Judas fahren und ihn beeinflussen. Jesus hat aber keine sündige Neigung, die der Teufel ausnutzen könnte, um ihn von Gott wegzubringen. Und es wird ihm auch nicht gelingen, Jesus für immer im Grab festzuhalten. Warum nicht? Jesus hat alle Anweisungen seines Vaters genau befolgt und deshalb ist er sich sicher: Sein Vater wird ihn auferwecken (Johannes 14:31).

      • Wohin geht Jesus? Und was sagt er zu Thomas über den Weg dorthin?

      • Worum bittet Philippus Jesus offenbar?

      • In welcher Hinsicht werden Jesu Nachfolger größere Taten als er selbst vollbringen?

      • Wovon ist Jesus überzeugt, da sein Vater größer ist als er?

  • Was es heißt, Frucht zu tragen und Jesu Freund zu sein
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus im Gespräch mit seinen Aposteln

      KAPITEL 120

      Was es heißt, Frucht zu tragen und Jesu Freund zu sein

      JOHANNES 15:1-27

      • DER WAHRE WEINSTOCK UND DIE ZWEIGE

      • WIE MAN IN JESU LIEBE BLEIBT

      Jesus hat seinen treuen Aposteln in einem vertrauten, offenen Gespräch Mut gemacht. Inzwischen ist es spät, vielleicht sogar nach Mitternacht, und Jesus erzählt ihnen eine motivierende Veranschaulichung.

      Er beginnt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weinbauer“ (Johannes 15:1). Viele Jahrhunderte zuvor wurde das Volk Israel als der Weinstock Jehovas bezeichnet (Jeremia 2:21; Hosea 10:1, 2). Allerdings verstößt Jehova dieses Volk jetzt und etwas Neues beginnt: Nun ist Jesus der Weinstock (Matthäus 23:37, 38). Sein Vater „kultiviert“ diesen Weinstock seit dem Jahr 29, als er Jesus mit heiligem Geist salbte. Jesus zeigt jedoch, dass der Weinstock nicht nur für ihn selbst steht, denn er fügt hinzu:

      „Jeden Zweig an mir, der keine Frucht bringt, entfernt . . . [mein Vater], und jeden, der Frucht bringt, reinigt er, damit er noch mehr Frucht bringt. . . . So, wie der Zweig nicht unabhängig Frucht bringen kann, sondern nur, wenn er am Weinstock bleibt, könnt auch ihr das nur, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Zweige“ (Johannes 15:2-5).

      Jesus hat seinen treuen Jüngern versprochen, ihnen nach seinem Weggang einen Helfer zu senden: den heiligen Geist. Als die Apostel 51 Tage später tatsächlich diesen Geist bekommen, werden sie zu Zweigen an dem Weinstock. Und für all diese Zweige ist es wichtig, mit Jesus verbunden zu bleiben. Was wird dadurch bewirkt?

      Jesus erklärt: „Wer mit mir verbunden bleibt und mit wem ich verbunden bleibe, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr gar nichts tun.“ Jesu treue Nachfolger tragen Frucht, wenn sie sich an seinen Eigenschaften ein Beispiel nehmen, mit anderen über Gottes Königreich sprechen und noch mehr Menschen zu seinen Jüngern machen. Aber was, wenn jemand nicht mit Jesus verbunden bleibt und keine Frucht trägt? „Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird . . . weggeworfen“, sagt Jesus. Er erklärt aber auch: „Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr euch wünscht, und es wird für euch wahr werden“ (Johannes 15:5-7).

      Dann kommt Jesus auf etwas zu sprechen, was er an diesem Abend bereits zweimal erwähnt hat — dass seine Jünger seine Gebote befolgen sollten (Johannes 14:15, 21). Er sagt: „Wenn ihr meine Gebote befolgt, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote des Vaters befolgt habe und in seiner Liebe bleibe.“ Dann erklärt er, wodurch seine Jünger insbesondere zeigen können, dass sie seine Gebote halten: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch sage“ (Johannes 15:10-14).

      Nur noch ein paar Stunden, dann wird Jesus seine Liebe beweisen und sein Leben für alle geben, die an ihn glauben. Sein Beispiel sollte seine Nachfolger dazu bewegen, einander ähnlich aufopferungsvoll zu lieben. Wie Jesus schon vorher sagte, würde diese Liebe ihr Erkennungsmerkmal sein: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:35).

      Die Apostel haben bestimmt aufgehorcht, als Jesus sie als seine Freunde bezeichnet hat, und nun erklärt er ihnen auch, warum er sie so nennt: „Ich habe euch Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Was für ein kostbares Vorrecht, enge Freunde von Jesus zu sein und von ihm zu erfahren, was der Vater ihm gesagt hat! Diese Freundschaft ist allerdings nur dann möglich, wenn die Jünger weiterhin Frucht bringen. Dann wird ihnen der Vater geben, worum auch immer sie in Jesu Namen bitten (Johannes 15:15, 16).

      Die Liebe zueinander wird den Jüngern helfen, alles durchzustehen, was noch auf sie zukommt. Jesus sagt ihnen offen, dass die Welt sie hassen wird, beruhigt sie aber zugleich: „Wenn die Welt euch hasst, dann denkt daran, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wärt ihr ein Teil der Welt, dann würde die Welt lieben, was ihr gehört. Weil ihr aber kein Teil der Welt seid, . . . deswegen hasst euch die Welt“ (Johannes 15:18, 19).

      Jesus führt noch einen zweiten Grund an, warum die Welt sie hassen wird: „All das werden sie euch jedoch wegen meines Namens antun, weil sie den, der mich gesandt hat, nicht kennen.“ Doch wie Jesus zeigt, werden seine Gegner durch seine Wunder verurteilt: „Hätte ich unter ihnen nicht Taten vollbracht, die niemand sonst getan hat, dann wären sie ohne Sünde, aber jetzt haben sie mich sowohl gesehen als auch gehasst und ebenso meinen Vater.“ Tatsächlich ist es sogar so, dass sich durch ihren Hass Prophezeiungen erfüllen (Johannes 15:21, 24, 25; Psalm 35:19; 69:4).

      Anschließend wiederholt Jesus sein Versprechen, ihnen den heiligen Geist als Helfer zu senden. Diese machtvolle Kraft steht allen seinen Nachfolgern zur Verfügung und sie wird ihnen helfen, Frucht zu tragen und Zeugen für Jesus zu sein (Johannes 15:27).

      • Für wen stehen in Jesu Veranschaulichung der Weinbauer, der Weinstock und die Zweige?

      • Welche Frucht wünscht sich Gott von den Zweigen?

      • Wie können Jesu Jünger seine Freunde sein? Was wird ihnen helfen, mit dem Hass der Welt zurechtzukommen?

  • „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Apostel sind wegen Jesu Warnung bestürzt

      KAPITEL 121

      „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“

      JOHANNES 16:1-33

      • BALD WERDEN DIE APOSTEL JESUS NICHT MEHR SEHEN

      • DIE TRAUER DER APOSTEL WIRD SICH IN FREUDE VERWANDELN

      Jesus und die Apostel machen sich zum Aufbruch bereit. Er hat ihnen viel mit auf den Weg gegeben und sagt nun: „Ich habe euch das gesagt, damit ihr nicht ins Stolpern kommt.“ Warum könnten sie denn ins Stolpern geraten? „Man wird euch aus der Synagoge ausschließen“, erklärt er. „Ja die Zeit kommt, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er hätte einen heiligen Dienst für Gott getan“ (Johannes 16:1, 2).

      Darüber sind die Apostel sicherlich bestürzt. Jesus hat ihnen zwar gesagt, dass die Welt sie hassen würde, aber von Töten hat er bisher nichts erwähnt. Warum nicht? Er erklärt: „Anfangs habe ich noch nicht mit euch darüber geredet, weil ich ja bei euch war“ (Johannes 16:4). Bald ist er aber nicht mehr da. Darum bereitet er sie darauf vor, in der schwierigen Zeit, die vor ihnen liegt, nicht zu Fall zu kommen.

      Dann sagt Jesus: „Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und dennoch fragt mich keiner von euch: ‚Wohin gehst du?‘ “ Die Apostel haben früher am Abend zwar gefragt, wohin er denn gehen würde (Johannes 13:36; 14:5; 16:5). Aber was er ihnen über die bevorstehende Verfolgung angekündigt hat, hat sie so erschüttert, dass ihr „Herz voller Kummer“ ist. Und Jesus ist sich dessen bewusst (Johannes 16:6). Sie sind außerstande, sich nach der Herrlichkeit zu erkundigen, die Jesus erwartet, und was diese für alle wahren Anbeter bedeuten wird.

      Als Nächstes erklärt Jesus: „Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Helfer nicht zu euch kommen. Wenn ich jedoch gehe, sende ich ihn euch“ (Johannes 16:7). Seine Jünger können den heiligen Geist nur bekommen, wenn Jesus stirbt und in den Himmel zurückkehrt. Erst dann kann er seinen Nachfolgern den Helfer schicken, ganz gleich, wo sie sich auf der Erde befinden.

      Der heilige Geist wird „der Welt überzeugende Beweise zum Thema Sünde, Gerechtigkeit und Rechtsprechung liefern“ (Johannes 16:8). Durch den heiligen Geist wird also aufgedeckt, dass die Welt nicht an Gottes Sohn glaubt. Und durch Jesu Rückkehr in den Himmel wird bewiesen, dass er gerecht ist. Außerdem wird dadurch gezeigt, dass „der Herrscher dieser Welt“ — der Teufel — die Verurteilung völlig verdient (Johannes 16:11).

      Jesus fährt fort: „Ich hätte euch noch eine Menge zu sagen, aber es wäre jetzt zu viel für euch.“ Wenn er jedoch den heiligen Geist über sie ausgießt, wird dieser ihnen helfen, „die ganze Wahrheit“ zu verstehen und entsprechend zu leben (Johannes 16:12, 13).

      Dann sagt Jesus: „Nur noch kurze Zeit und ihr werdet mich nicht mehr sehen, und wieder nach einer kurzen Zeit werdet ihr mich sehen.“ Verwirrt fragen die Apostel einander, was er meint. Noch bevor sie ihn fragen können, erklärt er ihnen: „Eins steht fest: Ihr werdet weinen und klagen, doch die Welt wird sich freuen. Ihr werdet Kummer haben, aber euer Kummer wird in Freude verwandelt werden“ (Johannes 16:16, 20). Wenn Jesus am folgenden Nachmittag stirbt, werden sich die religiösen Führer freuen, aber die Jünger werden trauern. Doch wenn er wieder lebt, wird sich ihre Trauer in Freude verwandeln! Und wenn er dann den heiligen Geist auf sie ausgießt, wird das für sie ein weiterer Grund zur Freude sein.

      Jesus vergleicht die Situation der Apostel mit der einer Frau, die in den Wehen liegt: „Eine Hochschwangere hat Kummer, wenn die Zeit der Geburt gekommen ist, aber sobald das Kind da ist, denkt sie nicht mehr an diese schwere Zeit, vor lauter Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.“ Dann macht er ihnen mit den Worten Mut: „So auch bei euch: Jetzt habt ihr Kummer, aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen und niemand wird euch eure Freude wegnehmen“ (Johannes 16:21, 22).

      Als Nächstes kündigt Jesus den Aposteln eine Veränderung an. Anders als bisher werden sie ihre Bitten bald im Namen Jesu an den Vater richten. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass der Vater ihre Gebete ungern erhören würde, denn Jesus sagt: „Der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich lieb gehabt . . . habt . . . als Repräsentant Gottes“ (Johannes 16:26, 27).

      Jesu ermunternde Worte mögen der Grund sein, weshalb die Apostel nun voller Zuversicht verkünden: „[Wir] glauben . . ., dass du von Gott gekommen bist.“ Doch ihre Überzeugung wird schon bald auf die Probe gestellt werden, denn Jesus kündigt an: „Die Zeit kommt — ja sie ist schon da —, wo ihr alle auseinanderlaufen werdet, jeder zu sich nach Hause, und ihr werdet mich im Stich lassen.“ Gleichzeitig macht er ihnen aber Mut: „Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt werdet ihr schwere Zeiten durchmachen, aber fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16:30-33). Jesus wird sie nicht im Stich lassen. Und er ist sich sicher: Auch wenn der Teufel und seine Welt versuchen werden, ihre Treue zu Gott zu brechen — wenn sie nicht aufgeben, Gottes Willen zu tun, können auch sie die Welt besiegen!

      • Welche Ankündigung Jesu bestürzt die Apostel?

      • Warum stellen die Apostel Jesus keine weiteren Fragen?

      • Wie veranschaulicht Jesus, dass sich die Trauer der Apostel in Freude verwandeln wird?

  • Jesu abschließendes Gebet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus blickt im Beisein seiner Apostel zum Himmel und betet

      KAPITEL 122

      Jesu abschließendes Gebet

      JOHANNES 17:1-26

      • WAS ES BRINGT, GOTT UND SEINEN SOHN KENNENZULERNEN

      • DIE EINHEIT ZWISCHEN JEHOVA, JESUS UND DEN JÜNGERN

      Jesus liebt seine Apostel sehr. Deshalb hat er sie darauf vorbereitet, dass er sie sehr bald verlassen wird. Nun blickt er zum Himmel und bittet seinen Vater: „Verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrlicht. Du hast ihm ja Macht über alle Menschen gegeben, sodass er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben geben kann“ (Johannes 17:1, 2).

      Jesus erkennt an, dass nichts wichtiger ist als die Verherrlichung Gottes. Er erwähnt aber noch einen anderen, sehr schönen Gedanken: die Aussicht auf ewiges Leben! Da er die „Macht über alle Menschen“ erhalten hat, kann er die Segnungen, die durch sein Opfer möglich werden, auch allen anbieten. Er wird sie jedoch nur denen zukommen lassen, die Folgendes beherzigen: „Das bedeutet ewiges Leben: dich, den allein wahren Gott, kennenzulernen und auch den, den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3).

      Es ist also wichtig, sowohl den Vater als auch den Sohn gut kennenzulernen und eine enge Bindung zu ihnen aufzubauen. Man muss außerdem lernen, so zu denken wie sie, und sich bemühen, im Umgang mit anderen ihr unvergleichliches Beispiel nachzuahmen. Und man muss verstehen, dass das ewige Leben im Vergleich zur Verherrlichung Gottes zweitrangig ist. Letzteres greift Jesus noch einmal auf, als er betet:

      „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und den Auftrag, den du mir gegeben hast, erfüllt. Deshalb, Vater, verherrliche mich an deiner Seite mit der Herrlichkeit, die ich neben dir hatte, bevor es die Welt gab“ (Johannes 17:4, 5). Jesus bittet seinen Vater also, ihm durch die Auferstehung die Herrlichkeit wiederzugeben, die er im Himmel hatte.

      Er denkt jedoch auch daran, was er durch seinen Dienst auf der Erde erreicht hat, und betet weiter: „Ich habe den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast, deinen Namen offenbart. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben sich an dein Wort gehalten“ (Johannes 17:6). Jesus hat während seines Dienstes Gottes Namen, Jehova, nicht nur bekannt gemacht. Er hat seinen Aposteln auch gezeigt, wofür der Name steht — für Gottes Eigenschaften sowie dafür, wie er mit den Menschen umgeht.

      Durch Jesus haben die Apostel Jehova sowie die Rolle seines Sohnes kennengelernt und außerdem viele wichtige Lehren. Doch demütig sagt Jesus zu seinem Vater: „Ich [habe] das an sie weitergegeben . . ., was du mir gesagt hast. Sie haben deine Worte angenommen und wissen jetzt sicher, dass ich als dein Repräsentant gekommen bin, und sie sind zu der Überzeugung gelangt, dass du mich gesandt hast“ (Johannes 17:8).

      Dann spricht Jesus den Unterschied zwischen seinen Nachfolgern und der Menschenwelt im Allgemeinen an: „Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, weil sie dir gehören. . . . Heiliger Vater, wache über sie wegen deines eigenen Namens, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. . . . Ich habe sie beschützt und kein Einziger von ihnen ist verloren gegangen außer dem Sohn der Vernichtung.“ Damit meint Jesus Judas Iskariot, der dabei ist, ihn zu verraten (Johannes 17:9-12).

      „Die Welt hat sie gehasst“, betet Jesus weiter. „Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen, sondern wegen des Teufels über sie zu wachen. Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:14-16). Die Apostel und die anderen Jünger leben zwar in der Welt (die menschliche Gesellschaft, die vom Teufel beherrscht wird), doch sie müssen sich von ihr und ihrer Schlechtigkeit getrennt halten. Nur wie?

      Jesus bittet seinen Vater: „Heilige sie durch die Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17:17). Sie müssen also heilig bleiben, abgesondert, um Gott zu dienen. Das gelingt ihnen, wenn sie nach den Wahrheiten in den Hebräischen Schriften leben sowie nach den Wahrheiten, die sie von Jesus gelernt haben. Mit der Zeit werden einige der Apostel ebenfalls inspirierte Bücher schreiben. Auch diese gehören dann zu der Wahrheit, die Menschen hilft, heilig zu sein.

      Im Laufe der Zeit werden auch andere diese Wahrheit annehmen. Jesus betet daher nicht nur für seine 11 Apostel, „sondern auch für alle, die durch ihre Worte“ an ihn glauben. Er bittet seinen Vater, dass sie „alle eins sind“, und sagt: „So wie du, Vater, mit mir verbunden bist und ich mit dir, so sollen auch sie mit uns verbunden sein“ (Johannes 17:20, 21). Jesus und sein Vater sind in dem Sinne eins, dass sie sich in allem einig sind. Und Jesus bittet darum, dass auch unter seinen Nachfolgern dieselbe Einheit herrscht.

      Kurz zuvor hat Jesus Petrus und den anderen erklärt, dass er sie verlässt, um einen Platz für sie vorzubereiten, und meinte damit einen Platz im Himmel (Johannes 14:2, 3). Nun greift er den Gedanken wieder auf: „Vater, ich möchte, dass die, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon vor der Grundlegung der Welt geliebt hast“ (Johannes 17:24). Ja, schon lange bevor Adam und Eva Kinder bekamen, hat Gott seinen einziggezeugten Sohn geliebt — ihn, der später Jesus Christus werden sollte.

      Am Ende des Gebets betont Jesus erneut, wie wichtig der Name seines Vaters ist und wie sehr der Vater die Apostel liebt und alle, die die Wahrheit noch annehmen werden. Er sagt: „Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit sie die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in sich haben und ich mit ihnen verbunden bin“ (Johannes 17:26).

      • Was bedeutet es, Gott und seinen Sohn kennenzulernen?

      • Wie hat Jesus Gottes Namen offenbart?

      • In welcher Hinsicht sind Gott, sein Sohn und alle wahren Anbeter eins?

  • Ein Gebet unter enormer Belastung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus betet im Garten Gethsemane, während Petrus, Jakobus und Johannes schlafen

      KAPITEL 123

      Ein Gebet unter enormer Belastung

      MATTHÄUS 26:30, 36-46 MARKUS 14:26, 32-42 LUKAS 22:39-46 JOHANNES 18:1

      • JESUS IM GARTEN GETHSEMANE

      • SEIN SCHWEISS IST WIE BLUTSTROPFEN

      Nachdem Jesus mit seinen treuen Aposteln gebetet hat, singen sie Psalmen und gehen „hinaus zum Ölberg“ (Markus 14:26). Dort befindet sich ein Garten namens Gethsemane, in dem Jesus schon oft gewesen ist.

      Es ist ein idyllischer Ort mit vielen Olivenbäumen. Dort angekommen sagt er zu acht seiner Apostel: „Setzt euch hier hin. Ich gehe ein Stück weiter und bete.“ Er lässt sie wahrscheinlich am Eingang zurück und geht nur mit Petrus, Jakobus und Johannes weiter in den Garten hinein. Auf einmal überfällt ihn eine starke Unruhe und er sagt zu den dreien: „Ich bin zu Tode betrübt. Wartet hier und wacht mit mir“ (Matthäus 26:36-38).

      In einiger Entfernung wirft er sich auf den Boden und beginnt zu beten. Auf ihm lastet ein enormer Druck und er fleht: „Vater, für dich ist nichts unmöglich. Nimm diesen Becher von mir weg. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst“ (Markus 14:35, 36). Schreckt er vor seiner Aufgabe als Erlöser zurück? Auf keinen Fall!

      Allerdings konnte er vom Himmel aus beobachten, welche entsetzlichen Qualen diejenigen erleiden mussten, die von den Römern hingerichtet wurden. Jetzt auf der Erde hat er die Gefühle und das Schmerzempfinden eines Menschen, und er weiß genau, was ihn erwartet. Doch noch mehr quält ihn der Gedanke, dass durch seine Hinrichtung als verachteter Verbrecher Schande auf den Namen seines Vaters kommen könnte. Es sind nur noch ein paar Stunden, dann wird er als Gotteslästerer an einen Pfahl genagelt.

      Nachdem Jesus lange gebetet hat, kehrt er zu den Aposteln zurück. Sie sind eingeschlafen. Da sagt er zu Petrus: „Konntet ihr nicht wenigstens eine Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wachsam und hört nicht auf zu beten, damit ihr nicht in Versuchung geratet.“ Ihm ist aber auch bewusst, dass die Apostel unter großem Druck stehen und sehr müde sind, und er fügt deshalb hinzu: „Der Geist ist zwar voller Eifer, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26:40, 41).

      Dann geht er zum zweiten Mal weg, um zu beten, und bittet Gott, „diesen Becher“ von ihm wegzunehmen. Als er zurückkehrt, schlafen die drei wieder. Dabei hätten sie doch beten sollen, damit sie nicht in Versuchung geraten. Als Jesus ihnen das sagt, wissen sie nicht, was sie ihm antworten sollen (Markus 14:40). Dann geht er ein drittes Mal weg, kniet sich hin und betet.

      Jesus macht sich große Sorgen, weil sein Tod als Verbrecher große Schande auf den Namen seines Vaters bringen wird. Jehova erhört die Gebete seines Sohnes und schickt ihm einen Engel, um ihn zu stärken. Doch Jesus betet daraufhin noch flehentlicher zu seinem Vater. Es steht so viel auf dem Spiel: sein eigenes ewiges Leben sowie das aller gläubiger Menschen! Der emotionale Druck, der auf ihm lastet, ist so enorm, dass sein Schweiß „wie Blutstropfen“ wird, „die zur Erde fallen“ (Lukas 22:44).

      Als Jesus zum dritten Mal zu seinen Aposteln zurückkommt, sind sie wieder eingeschlafen. Er sagt zu ihnen: „Wie könnt ihr nur zu so einer Zeit schlafen und euch ausruhen! Seht! Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn Sündern ausgeliefert wird. Steht auf, lasst uns gehen! Seht! Mein Verräter ist schon ganz nah“ (Matthäus 26:45, 46).

      SCHWEISS WIE BLUTSTROPFEN

      Der Arzt Lukas erklärt nicht, warum Jesu Schweiß „wie Blutstropfen“ war (Lukas 22:44). Möglicherweise verwendet er lediglich einen Vergleich, um zu zeigen, dass der Schweiß wie Blut aussah, das aus einer Wunde tropft. Eine andere Erklärung liefert Dr. William D. Edwards in der Zeitschrift The Journal of the American Medical Association (JAMA). Wie er schreibt, kann es unter extremem emotionalen Stress in sehr seltenen Fällen passieren, dass Blut in die Schweißdrüsen gelangt, sodass blutiger Schweiß entsteht (Hämathidrose).

      • Wohin geht Jesus mit seinen Aposteln?

      • Was machen Petrus, Jakobus und Johannes, während Jesus betet?

      • Was verrät es über Jesu Gefühle, dass sein Schweiß wie Blutstropfen wird?

  • Verrat und Festnahme
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus weist Petrus zurecht, weil er Malchus’ Ohr abgeschlagen hat; die Soldaten sind im Begriff, Jesus festzunehmen

      KAPITEL 124

      Verrat und Festnahme

      MATTHÄUS 26:47-56 MARKUS 14:43-52 LUKAS 22:47-53 JOHANNES 18:2-12

      • JUDAS VERRÄT JESUS IM GARTEN GETHSEMANE

      • PETRUS SCHLÄGT EINEM MANN DAS OHR AB

      • JESUS WIRD FESTGENOMMEN

      Mitternacht ist schon lange vorbei. Judas führt eine große Gruppe Oberpriester und Pharisäer an. Ein römischer Offizier begleitet sie mit einem Trupp Soldaten. Sie sind auf der Suche nach Jesus. Die Priester waren einverstanden, Judas für den Verrat 30 Silberstücke zu geben.

      Offensichtlich ist Judas, sofort nachdem er von Jesus weggeschickt worden war, zu den Oberpriestern gegangen (Johannes 13:27). Diese haben ihre eigenen Beamten sowie einen Trupp Soldaten zusammengerufen. Dann hat Judas die Gruppe wohl zuerst zu dem Raum geführt, wo Jesus und seine Apostel das Passah gefeiert haben. Nun durchquert er mit ihnen das Kidrontal und nähert sich dem Garten Gethsemane. Außer Waffen haben sie noch Lampen und Fackeln dabei. Sie sind fest entschlossen, Jesus zu finden.

      Judas führt die Gruppe den Ölberg hinauf. Er ist sich sicher, wo Jesus zu finden ist. Während Jesus und die Apostel die letzten Tage zwischen Bethanien und Jerusalem hin- und hergependelt sind, haben sie immer wieder im Garten Gethsemane Halt gemacht. Aber wie sollen die Soldaten Jesus erkennen? Es ist dunkel und im Schatten der Olivenbäume dürfte Jesus schwer auszumachen sein. Außerdem haben einige ihn womöglich noch nie gesehen. Darum hat Judas mit ihnen ein Zeichen vereinbart: „Es ist der, den ich küsse. Den nehmt fest und führt ihn unter Bewachung ab“ (Markus 14:44).

      Judas führt die Gruppe in den Garten hinein. Als er Jesus und die Apostel entdeckt, geht er direkt auf Jesus zu. „Ich grüße dich, Rabbi!“, sagt er und küsst ihn sanft. Jesus erwidert: „Was machst du hier, Freund?“, beantwortet die Frage aber gleich selbst: „Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?“ (Matthäus 26:49, 50; Lukas 22:48). Doch damit genug von diesem Verräter!

      Jesus tritt ins Licht der Lampen und Fackeln und fragt: „Wen sucht ihr?“ „Jesus, den Nazarener“, antworten die Leute. „Ich bin es“, sagt Jesus unerschrocken (Johannes 18:4, 5). Verunsichert, womit sie zu rechnen haben, fallen die Männer zu Boden.

      Doch statt die Gelegenheit zu ergreifen und in der Dunkelheit zu entkommen, fragt Jesus noch einmal, wen sie denn suchen. „Jesus, den Nazarener“, antworten sie erneut. „Ich habe euch doch gesagt, dass ich es bin“, erwidert Jesus ruhig. „Wenn ihr also mich sucht, dann lasst die anderen hier gehen.“ Selbst in diesem kritischen Moment denkt Jesus an seine Aussage, er würde keinen Einzigen von seinen treuen Aposteln verlieren. Bis jetzt hat er sie alle beschützt. Außer Judas, „dem Sohn der Vernichtung“, ist keiner von ihnen verlorengegangen (Johannes 6:39; 17:12; 18:7-9). Daher bittet Jesus nun darum, seine treuen Nachfolger gehen zu lassen.

      Als die Soldaten sich auf Jesus zubewegen, wird den Aposteln klar, was vor sich geht. Da sie zwei Schwerter dabeihaben, fragen sie: „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“ (Lukas 22:49). Doch noch bevor Jesus etwas sagen kann, geht Petrus auf Malchus, den Sklaven des Hohen Priesters, los und schlägt ihm das rechte Ohr ab.

      Jesus berührt das Ohr von Malchus und heilt die Wunde. Dann lehrt er eine wichtige Lektion, indem er Petrus befiehlt: „Steck dein Schwert wieder weg, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ Jesus ist bereit, sich festnehmen zu lassen, damit sich „die Aussagen der Schriften erfüllen, nach denen es so kommen muss“ (Matthäus 26:52, 54). Er fügt hinzu: „Soll ich nicht den Becher trinken, den der Vater mir gegeben hat?“ (Johannes 18:11). Jesus ist mit dem Willen Gottes völlig einverstanden — selbst wenn es seinen Tod bedeutet.

      Nun fragt er die Menge: „Bin ich ein Verbrecher, dass ihr mit Schwertern und Knüppeln kommt, um mich festzunehmen? Ich habe jeden Tag im Tempel gesessen und gelehrt, doch da habt ihr mich nicht verhaftet. Aber das ist alles so gekommen, damit sich erfüllt, was in den Schriften der Propheten steht“ (Matthäus 26:55, 56).

      Dann wird er von den Soldaten, dem Offizier und den Beamten der Juden festgenommen und gefesselt. Als die Apostel das sehen, rennen sie davon. Nur „ein junger Mann“, vielleicht der Jünger Markus, bleibt und folgt Jesus, als dieser abgeführt wird (Markus 14:51). Er wird allerdings erkannt. Als man ihn packen will, lässt er sein leinenes Gewand zurück und kann entkommen.

      • Warum sucht Judas im Garten Gethsemane nach Jesus?

      • Was macht Petrus, um Jesus zu verteidigen? Doch wie reagiert Jesus darauf?

      • Wie zeigt Jesus, dass er mit Gottes Willen einverstanden ist?

      • Wer bleibt zurück, als die Apostel fliehen, und was geschieht mit ihm?

  • Erst zu Annas, dann zu Kaiphas
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Kaiphas zerreißt seine Obergewänder; andere verspotten Jesus und schlagen ihn

      KAPITEL 125

      Erst zu Annas, dann zu Kaiphas

      MATTHÄUS 26:57-68 MARKUS 14:53-65 LUKAS 22:54, 63-65 JOHANNES 18:13, 14, 19-24

      • JESUS WIRD ZU DEM EHEMALIGEN HOHEN PRIESTER ANNAS GEBRACHT

      • DER ILLEGALE PROZESS VOR DEM SANHEDRIN

      Nachdem Jesus wie ein Verbrecher gefesselt worden ist, wird er zu Annas gebracht. Annas war Hoher Priester, als der 12-jährige Jesus die Lehrer im Tempel zum Staunen brachte (Lukas 2:42, 47). Später dienten einige von Annas’ Söhnen als Hohe Priester. Doch derzeit hat sein Schwiegersohn Kaiphas dieses Amt inne.

      Während Jesus von Annas verhört wird, hat Kaiphas Zeit, den Sanhedrin zusammenzurufen. Dieser Rat hat 71 Mitglieder. Zu ihnen gehört der amtierende Hohe Priester sowie andere, die dieses Amt einmal innehatten.

      Annas befragt Jesus „über seine Jünger und über seine Lehre“. Doch Jesus erwidert nur: „Ich habe öffentlich zur Welt geredet. Ich habe immer in einer Synagoge und im Tempel gelehrt, wo sich alle Juden versammeln, und nie habe ich etwas im Geheimen gesagt. Warum fragst du mich? Frag die, die mir zugehört haben“ (Johannes 18:19-21).

      Da schlägt ihn ein Beamter ins Gesicht und fährt ihn an: „Antwortet man so dem Oberpriester?“ Wohl wissend, dass er nichts falsch gemacht hat, antwortet Jesus: „Wenn ich etwas Falsches gesagt habe, dann bezeuge das Unrecht, doch wenn ich recht habe, warum schlägst du mich dann?“ (Johannes 18:22, 23). Anschließend lässt Annas Jesus zu seinem Schwiegersohn Kaiphas bringen.

      Mittlerweile hat sich der ganze Sanhedrin im Haus von Kaiphas versammelt: der amtierende Hohe Priester, die Ältesten des Volkes und die Schriftgelehrten. Nachts einen Prozess abzuhalten, noch dazu in der Passahnacht, ist jedoch nicht legal. Aber das kann sie von ihrem niederträchtigen Vorhaben nicht abbringen.

      Obendrein ist diese Gruppe alles andere als unvoreingenommen. Schon als Jesus Lazarus auferweckte, beschloss der Sanhedrin, dass er sterben muss (Johannes 11:47-53). Und erst vor wenigen Tagen haben sich die religiösen Führer verschworen, Jesus zu töten (Matthäus 26:3, 4). Ja, schon bevor der Prozess überhaupt beginnt, ist Jesus so gut wie zum Tode verurteilt!

      Hinzu kommt, dass die Oberpriester und anderen Mitglieder des Sanhedrins nach Zeugen suchen, die Falschanklagen gegen Jesus vorbringen. Sie können zwar viele ausfindig machen, allerdings widersprechen sich ihre Aussagen. Schließlich finden sich zwei, die beide behaupten: „Wir haben gehört, wie er sagte: ‚Ich werde diesen mit Händen erbauten Tempel abreißen und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht ist‘ “ (Markus 14:58). Doch auch ihre Aussagen stimmen nicht völlig überein.

      Kaiphas fragt: „Hast du keine Antwort vorzubringen? Was sagen diese Männer da gegen dich aus?“ (Markus 14:60). Doch Jesus schweigt. Da sie mit den Falschanklagen nicht weiterkommen, versucht es Kaiphas mit einer anderen Taktik.

      Wie er weiß, reagieren die Juden ziemlich empfindlich, wenn jemand behauptet, Gottes Sohn zu sein. Als Jesus Gott zum Beispiel einmal als seinen Vater bezeichnete, beschuldigten ihn die Juden, sich Gott gleichzustellen, und wollten ihn umbringen (Johannes 5:17, 18; 10:31-39). Deshalb fordert Kaiphas Jesus nun hinterlistig auf: „Ich nehme dich bei dem lebendigen Gott unter Eid! Sag uns: Bist du der Christus, der Sohn Gottes?“ (Matthäus 26:63). Jesus hat sich bereits als Gottes Sohn bezeichnet (Johannes 3:18; 5:25; 11:4). Wenn er jetzt also nichts sagt, könnte es so aussehen, als würde er leugnen, Gottes Sohn beziehungsweise der Christus zu sein. Daher antwortet er: „Das bin ich. Und ihr werdet den Menschensohn auf der rechten Seite der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Markus 14:62).

      Da zerreißt Kaiphas theatralisch seine Obergewänder und ruft: „Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung doch selbst gehört! Was sagt ihr dazu?“ Daraufhin fällt der Sanhedrin das Urteil: „Er hat den Tod verdient“ (Matthäus 26:65, 66).

      Dann schlagen sie Jesus mit den Fäusten und verspotten ihn. Andere ohrfeigen ihn und spucken ihm ins Gesicht. Sie verhüllen sein Gesicht und höhnen: „Prophezeie! Wer hat dich wohl geschlagen?“ (Lukas 22:64). Stellen wir uns das vor: Dem Sohn Gottes wird nicht nur illegal der Prozess gemacht, sondern er wird auch noch misshandelt!

      • Wohin wird Jesus als Erstes gebracht, und was erlebt er dort?

      • Wohin bringt man Jesus anschließend? Wie bringt Kaiphas den Sanhedrin dazu, Jesus zum Tod zu verurteilen?

      • Wie wird Jesus beim Prozess behandelt?

  • Im Haus von Kaiphas verleugnet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Vom Balkon aus sieht Jesus Petrus an, der ihn gerade verleugnet hat. Im Hintergrund ist ein Hahn zu sehen

      KAPITEL 126

      Im Haus von Kaiphas verleugnet

      MATTHÄUS 26:69-75 MARKUS 14:66-72 LUKAS 22:54-62 JOHANNES 18:15-18, 25-27

      • PETRUS VERLEUGNET JESUS

      Als Jesus im Garten Gethsemane festgenommen wurde, haben es seine Apostel mit der Angst zu tun bekommen und sind geflohen. Zwei sind ihm dann aber doch gefolgt: Petrus „und noch ein anderer Jünger“, offensichtlich der Apostel Johannes (Johannes 18:15; 19:35; 21:24). Auf dem Weg zu Annas holen sie ihn womöglich ein, und sie folgen ihm in sicherem Abstand, als er zum Hohen Priester Kaiphas gebracht wird. Bestimmt haben sie große Angst, aber die Sorge um ihren Herrn lässt sie weiterlaufen.

      Als sie das Haus von Kaiphas erreichen, darf Johannes, der dem Hohen Priester bekannt ist, hineingehen. Petrus wartet solange draußen, bis Johannes wieder zurückkommt und mit der Türwächterin spricht. Dann darf er ebenfalls hinein.

      Es ist kalt und im Innenhof brennt ein Kohlenfeuer. Petrus setzt sich zu den Leuten, die sich am Feuer wärmen, und wartet ab, wie Jesu Prozess ausgeht (Matthäus 26:58). Im Feuerschein kann die Türwächterin Petrus besser sehen und fragt ihn: „Bist du nicht auch ein Jünger dieses Mannes?“ (Johannes 18:17). Andere erkennen Petrus ebenfalls und verdächtigen ihn, ein Jünger Jesu zu sein (Matthäus 26:69, 71-73; Markus 14:70).

      Da bekommt er es mit der Angst zu tun und erwidert: „Ich kenne ihn nicht und weiß auch nicht, wovon du redest“ (Markus 14:67, 68). Um möglichst wenig aufzufallen, zieht er sich an den Eingang zurück. Als er dann wieder angesprochen wird, schwört Petrus sogar, „diesen Mann“ nicht zu kennen — ja ein Fluch solle ihn treffen, wenn er nicht die Wahrheit sagt (Matthäus 26:74).

      In der Zwischenzeit ist Jesu Prozess voll im Gange, vermutlich in einem Teil des Hauses, der zum Hof hin liegt. Petrus und die anderen können von unten bestimmt sehen, wie ein Zeuge nach dem anderen hinein- und wieder hinausgeführt wird.

      Die Leute hören am Dialekt von Petrus, dass er wie Jesus aus Galiläa kommt, und argwöhnen deshalb, dass er nicht die Wahrheit gesagt hat. Unter ihnen ist ein Verwandter von Malchus, dessen Ohr Petrus abgehauen hat. Der Mann hakt jetzt ebenfalls nach: „Hab ich dich nicht dort im Garten bei ihm gesehen?“ Petrus leugnet nun zum dritten Mal, Jesus zu kennen, und im selben Moment kräht ein Hahn, so wie Jesus es angekündigt hat (Johannes 13:38; 18:26, 27).

      Da dreht sich Jesus oben auf dem Balkon um und sieht Petrus direkt an. Sein Blick geht Petrus durch und durch. Er erinnert sich, was Jesus erst vor ein paar Stunden zu ihm gesagt hat, und ihm wird klar, was er soeben getan hat. Petrus ist am Boden zerstört! Er läuft hinaus und weint bitterlich (Lukas 22:61, 62).

      Wie konnte es nur so weit kommen? Petrus, der sich seiner Standhaftigkeit und Loyalität so sicher war, hat seinen Herrn verleugnet! Doch die Ereignisse haben ihn förmlich überrollt. Die Wahrheit ist verdreht worden und Jesus wird wie ein Verbrecher behandelt. Petrus hätte die Gelegenheit gehabt, sich für diesen unschuldigen Menschen einzusetzen. Doch stattdessen hat er den im Stich gelassen, der „Worte des ewigen Lebens“ hat (Johannes 6:68).

      Diese tragische Erfahrung zeigt eines: Auch wenn man einen starken Glauben hat und Gott treu ergeben ist — ist man nicht gut vorbereitet, können einen plötzliche Prüfungen und Versuchungen völlig aus der Bahn werfen. Was Petrus durchgemacht hat, ist eine Warnung für alle Diener Gottes!

      • Wie schaffen es Petrus und Johannes, in den Innenhof von Kaiphas’ Haus zu kommen?

      • Was spielt sich im Haus ab, während Petrus und Johannes im Hof warten?

      • Was tut Petrus gemäß Matthäus 26:74?

      • Was lernen wir aus der Erfahrung von Petrus?

  • Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu Pilatus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus steht vor Pontius Pilatus

      KAPITEL 127

      Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu Pilatus

      MATTHÄUS 27:1-11 MARKUS 15:1 LUKAS 22:66 BIS 23:3 JOHANNES 18:28-35

      • MORGENDLICHE GERICHTSVERHANDLUNG VOR DEM SANHEDRIN

      • JUDAS ISKARIOT VERSUCHT, SICH ZU ERHÄNGEN

      • JESUS WIRD ZU PILATUS GEBRACHT, DAMIT DIESER IHN VERURTEILT

      Die Nacht ist fast vorüber, als Petrus seinen Herrn zum dritten Mal verleugnet. Der Scheinprozess vor dem Sanhedrin ist beendet und die Mitglieder trennen sich. Bei Tagesanbruch kommen sie wieder zusammen, um ihr Urteil zu bestätigen und von dem illegalen nächtlichen Prozess abzulenken. Wieder muss Jesus vor ihnen erscheinen.

      Der Rat fordert ihn auf: „Wenn du der Christus bist, dann sag es uns.“ Darauf entgegnet er: „Selbst wenn ich es euch sagen würde, ihr würdet es auf keinen Fall glauben. Und würde ich euch etwas fragen, würdet ihr nicht antworten.“ Dann ergänzt er: „Der Menschensohn wird ab jetzt an der mächtigen rechten Seite Gottes Platz nehmen“ (Lukas 22:67-69; Matthäus 26:63). So erklärt er mutig, dass er derjenige ist, der in Daniel 7:13 vorausgesagt wurde.

      Die Ratsmitglieder lassen nicht locker und fragen Jesus: „Bist du also der Sohn Gottes?“ „Ihr selbst sagt, dass ich es bin.“ Das reicht ihnen als Grund, um Jesus wegen Gotteslästerung hinrichten zu lassen. „Wozu brauchen wir weitere Zeugenaussagen?“, fragen sie (Lukas 22:70, 71; Markus 14:64). Sie fesseln ihn und bringen ihn zu dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.

      Womöglich beobachtet Judas Iskariot, wie Jesus abgeführt wird. Als ihm bewusst wird, dass Jesus verurteilt worden ist, packt ihn das schlechte Gewissen. Doch statt aufrichtig zu bereuen und sich an Gott zu wenden, geht er in seiner Verzweiflung zu den Oberpriestern, um die 30 Silberstücke zurückzugeben. Er gesteht: „Ich habe gesündigt, als ich einen Unschuldigen verriet.“ Doch er bekommt nur die kaltherzige Antwort: „Was geht uns das an? Das ist dein Problem!“ (Matthäus 27:4).

      Da wirft Judas die Silberstücke in den Tempel. Dann versucht er, sich zu erhängen. Doch der Ast, an dem er das Seil befestigt hat, bricht offensichtlich ab und er stürzt auf die darunterliegenden Felsen, wo sein Körper aufplatzt (Apostelgeschichte 1:17, 18). Durch seinen Selbstmord lädt er nur noch mehr Schuld auf sich.

      Es ist noch früh am Morgen, als die Juden mit Jesus bei der Residenz von Pontius Pilatus ankommen. Sie wollen allerdings nicht hineingehen, da sie befürchten, durch den Kontakt mit Nichtjuden unrein zu werden. Am Abend beginnt nämlich der 15. Nisan, der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote, das als Teil der Passahzeit gilt. Wären sie dann unrein, könnten sie nicht an dem besonderen Essen teilnehmen.

      Darum kommt Pilatus zu ihnen heraus und fragt: „Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Mann?“ Sie erwidern: „Wenn er kein Verbrecher wäre, hätten wir ihn dir nicht übergeben.“ Pilatus fühlt sich wohl von ihnen unter Druck gesetzt und sagt daher: „Dann nehmt ihn und verurteilt ihn doch selbst nach eurem Gesetz.“ Da antworten die Juden: „Wir dürfen niemanden hinrichten“, und lassen so ihre mörderischen Absichten durchblicken (Johannes 18:29-31).

      Sie befürchten, dass es unter dem Volk zu Unruhen kommt, wenn sie Jesus beim Passah töten. Aber wenn sie die Römer dazu bringen könnten, ihn aus einem politischen Grund hinzurichten — wozu diese ja berechtigt sind —, könnte das Volk sie für seinen Tod nicht verantwortlich machen.

      Die religiösen Führer verheimlichen Pilatus, dass sie Jesus aufgrund von Gotteslästerung verurteilt haben. Stattdessen bringen sie drei erfundene Anklagen vor: „Wie wir herausgefunden haben, hetzt dieser Mann unser Volk auf, verbietet, Cäsar Steuern zu zahlen, und behauptet, er selbst sei Christus, ein König“ (Lukas 23:2).

      Als Vertreter Roms hat Pilatus allen Grund, bei dem dritten Anklagepunkt hellhörig zu werden. Deshalb geht er wieder hinein, lässt Jesus rufen und fragt: „Bist du der König der Juden?“ Damit sagt er gewissermaßen: „Stellst du dich gegen Cäsar, indem du dich als König bezeichnest, und übertrittst so das Gesetz des Römischen Reichs?“ Möglicherweise um herauszufinden, wie viel Pilatus bereits über ihn weiß, antwortet Jesus: „Fragst du das von dir aus oder haben dir andere von mir erzählt?“ (Johannes 18:33, 34).

      Pilatus gibt zu verstehen, dass er so gut wie nichts über Jesus weiß, aber gern mehr erfahren würde: „Bin ich etwa ein Jude? Dein eigenes Volk und die Oberpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“ (Johannes 18:35).

      Jesus versucht nicht, der zentralen Frage auszuweichen, bei der es um sein Königtum geht. Doch seine Antwort dürfte den Statthalter Pilatus ziemlich überraschen.

      DAS BLUTFELD

      Judas wirft die 30 Silberstücke in den Tempel

      Die Oberpriester wissen nicht, was sie mit den Silberstücken anfangen sollen, die Judas in den Tempel geworfen hat. „Es ist nicht erlaubt, das in den Tempelschatz zu tun, weil Blut daran klebt“, argumentieren sie. Deswegen kaufen sie mit dem Geld das Töpferfeld, um es als Grabstätte für Fremde zu verwenden. Daher wird dieses Feld „Blutfeld“ genannt (Matthäus 27:6-8).

      • Warum kommt der Sanhedrin am Morgen noch einmal zusammen?

      • Wie stirbt Judas, und was geschieht mit den 30 Silberstücken?

      • Welche Anklagepunkte bringen die Juden gegen Jesus vor, damit Pilatus ihn hinrichtet?

  • Von Pilatus und Herodes für unschuldig befunden
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Herodes und seine Soldaten verspotten Jesus

      KAPITEL 128

      Von Pilatus und Herodes für unschuldig befunden

      MATTHÄUS 27:12-14, 18, 19 MARKUS 15:2-5 LUKAS 23:4-16 JOHANNES 18:36-38

      • JESUS WIRD VON PILATUS, DANN VON HERODES VERHÖRT

      Jesus versucht nicht, vor Pilatus zu verbergen, dass er wirklich ein König ist, sondern erklärt: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, dann hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert werde. Nun aber ist mein Königreich nicht von hier“ (Johannes 18:36). Jesu Königreich stellt somit keine Gefahr für Rom dar, da es sich nicht hier auf der Erde befindet.

      Doch mit dieser Erklärung gibt sich Pilatus nicht zufrieden und hakt noch einmal nach: „Bist du nun also ein König?“ Jesus bestätigt: „Du sagst selbst, dass ich ein König bin. Dazu wurde ich geboren und dazu kam ich in die Welt: um die Wahrheit zu bezeugen. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Johannes 18:37).

      Vorher hat Jesus zu Thomas gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Und nun erfährt sogar Pilatus, warum Jesus zur Erde gesandt wurde: um die Wahrheit zu bezeugen, vor allem die Wahrheit über sein Königreich. Jesus ist fest entschlossen, immer zu dieser Wahrheit zu stehen, selbst wenn es für ihn den Tod bedeutet. Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“, wartet die Antwort aber nicht ab. Er hat genug gehört, um sich ein Urteil über diesen Mann zu bilden (Johannes 14:6; 18:38).

      Pilatus geht wieder nach draußen zu der Menge, die vor der Residenz wartet. Jesus steht offensichtlich neben ihm, als er verkündet: „Ich sehe keinen Grund, diesen Mann zu verurteilen.“ Die Oberpriester und die anderen ärgern sich über diese Entscheidung. Sie lassen nicht locker und erklären: „Mit seinen Lehren hetzt er in ganz Judäa das Volk auf, angefangen von Galiläa bis hierher!“ (Lukas 23:4, 5).

      Die Oberpriester und älteren Männer hören nicht auf, gegen Jesus zu hetzen. Ihr blinder Fanatismus muss Pilatus ziemlich erstaunen. Er fragt Jesus: „Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?“ (Matthäus 27:13). Doch Jesus schweigt. Trotz der heftigen Anklagen bleibt er völlig ruhig, was Pilatus sehr verwundert.

      Pilatus ist die Bemerkung der Juden aufgefallen, Jesus habe zuerst die Leute in Galiläa aufgehetzt. Darin sieht er eine Chance, sich der Verantwortung zu entziehen, ein Urteil über Jesus fällen zu müssen. Als er nachfragt und erfährt, dass Jesus tatsächlich aus Galiläa kommt, schickt er ihn zu Herodes Antipas (dem Sohn von Herodes dem Großen), dem Herrscher von Galiläa. Herodes hält sich gerade wegen des Passahs in Jerusalem auf. Er ist derjenige, der Johannes den Täufer enthaupten ließ. Später hörte er von Jesu Wundern und dachte, er sei der auferstandene Johannes (Lukas 9:7-9).

      Herodes freut sich über die Gelegenheit, Jesus persönlich zu treffen — aber nicht etwa, um ihm zu helfen oder um herauszufinden, ob die Anklagen gegen ihn tatsächlich wahr sind. Er ist einfach nur neugierig und hofft, „irgendein Zeichen“ von Jesus zu sehen (Lukas 23:8). Jesus tut jedoch nichts, was Herodes’ Neugier stillen würde. Als dieser ihn befragt, sagt er kein einziges Wort. Enttäuscht lassen Herodes und seine Soldaten ihn ihre Verachtung spüren (Lukas 23:11). Sie ziehen ihm ein prächtiges Gewand an und machen sich über ihn lustig. Dann schickt Herodes ihn zu Pilatus zurück. An diesem Tag werden aus den beiden Feinden gute Freunde.

      Als Jesus wieder bei Pilatus ist, ruft dieser die Oberpriester, die jüdischen Vorsteher und das Volk zusammen und erklärt: „Wie ihr seht, habe ich ihn vor euch verhört, finde aber keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Und seht, er hat nichts getan, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und dann freilassen“ (Lukas 23:14-16).

      Pilatus hat durchschaut, dass die Oberpriester Jesus aus Neid ausgeliefert haben. Deshalb will er ihn unbedingt freilassen. Und dann geschieht etwas, das ihn darin noch bestärkt. Während er auf dem Richterstuhl sitzt, wird ihm von seiner Frau die Nachricht übermittelt: „Tu diesem Gerechten nichts, denn seinetwegen hatte ich heute einen schrecklichen Traum“ (der offensichtlich von Gott kam) (Matthäus 27:19).

      Aber was kann Pilatus tun, um diesen unschuldigen Mann freizulassen?

      • Wie bezeugt Jesus, dass er ein König ist?

      • Welches Urteil bildet sich Pilatus über Jesus? Wie reagieren die Juden darauf? Was tut Pilatus daraufhin?

      • Warum freut sich Herodes Antipas darüber, Jesus zu treffen? Und was tut er mit ihm?

      • Weshalb möchte Pilatus Jesus freilassen?

  • „Seht! Der Mensch!“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus trägt eine Dornenkrone und ein purpurrotes Gewand; Pilatus präsentiert ihn der Menge

      KAPITEL 129

      „Seht! Der Mensch!“

      MATTHÄUS 27:15-17, 20-30 MARKUS 15:6-19 LUKAS 23:18-25 JOHANNES 18:39 BIS 19:5

      • PILATUS VERSUCHT, JESUS FREIZUBEKOMMEN

      • DIE JUDEN WOLLEN, DASS BARABBAS FREIGELASSEN WIRD

      • JESUS WIRD VERSPOTTET UND MISSHANDELT

      Pilatus hat zu der Menge, die Jesu Tod fordert, gesagt: „[Ich] finde . . . keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen“ (Lukas 23:14, 15). Nun versucht er etwas anderes, um Jesus freizubekommen, und fragt: „[Ihr] habt . . . doch den Brauch, dass ich am Passah jemanden freilasse. Wollt ihr also, dass ich den König der Juden freilasse?“ (Johannes 18:39).

      Gerade befindet sich Barabbas, ein berüchtigter Räuber, Rebell und Mörder, in Haft. Pilatus stellt die Juden vor die Wahl: „Wen soll ich freilassen: Barabbas oder Jesus, den sogenannten Christus?“ Von den Oberpriestern aufgestachelt verlangt die Menge die Freilassung von Barabbas. Doch Pilatus fragt noch einmal: „Wen von den beiden soll ich freilassen?“ Und wieder rufen sie: „Barabbas!“ (Matthäus 27:17, 21).

      Bestürzt antwortet Pilatus: „Und was soll ich mit Jesus, dem sogenannten Christus, machen?“ „An den Pfahl mit ihm!“, brüllen die Juden (Matthäus 27:22). Damit fordern sie die Hinrichtung eines Unschuldigen! Pilatus beschwört sie: „Warum? Was für ein Verbrechen hat dieser Mann denn begangen? Ich konnte nichts feststellen, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und freilassen“ (Lukas 23:22).

      Aber es ist zwecklos. Die hysterische Menge schreit nur noch lauter: „An den Pfahl mit ihm!“ (Matthäus 27:23). Die religiösen Führer haben die Leute so aufgehetzt, dass sie Blut sehen wollen. Und sie fordern nicht das Blut irgendeines Verbrechers oder Mörders, sondern das eines Unschuldigen, der erst fünf Tage zuvor in Jerusalem als König willkommen geheißen wurde. Falls auch Jünger Jesu in der Menge sind, verhalten sie sich lieber still und unauffällig.

      Pilatus muss einsehen, dass all seine Bemühungen zu nichts führen. Ein Tumult bahnt sich an, und um ihn abzuwenden, nimmt Pilatus etwas Wasser, wäscht sich vor allen die Hände und erklärt: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Mannes. Das müsst ihr verantworten.“ Doch auch diese Geste bringt die Leute nicht zur Besinnung. Stattdessen rufen sie: „Sein Blut soll über uns und unsere Kinder kommen!“ (Matthäus 27:24, 25).

      Pilatus ist es wichtiger, die Juden zufriedenzustellen, als das zu tun, wovon er weiß, dass es richtig wäre. Darum gibt er nach und lässt Barabbas frei. Dann gibt er den Befehl, Jesus zu entkleiden und auszupeitschen.

      Nach dieser qualvollen Tortur bringen die Soldaten Jesus in die Residenz von Pilatus, wo sich die gesamte Truppeneinheit um ihn versammelt und ihn weiter misshandelt. Die Soldaten flechten eine Dornenkrone und drücken sie auf seinen Kopf. Dann geben sie ihm ein Schilfrohr in die rechte Hand und werfen ihm ein purpurrotes Gewand über, wie es nur hochrangige Persönlichkeiten tragen. Voller Verachtung spotten sie: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“ (Matthäus 27:28, 29). Sie spucken ihn an und schlagen ihm ins Gesicht. Außerdem schlagen sie ihm mit dem stabilen Schilfrohr auf den Kopf und die spitzen Dornen der erniedrigenden „Krone“ bohren sich noch tiefer in seine Kopfhaut.

      Bei alldem zeigt Jesus eine außergewöhnliche Würde und Stärke. Das beeindruckt Pilatus so sehr, dass er einen weiteren Versuch unternimmt, Jesus nicht hinrichten zu müssen. Er sagt zu den Juden: „Seht! Ich bringe ihn zu euch hinaus, damit ihr wisst, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ Denkt er, sie bekommen vielleicht doch noch Mitleid, wenn sie den blutenden und misshandelten Jesus sehen? Als Jesus vor der kaltherzigen Menge steht, ruft Pilatus aus: „Seht! Der Mensch!“ (Johannes 19:4, 5).

      Aus Pilatus’ Worten sprechen Mitleid und Respekt für diesen Mann, der trotz der Schmerzen und Wunden eine unglaubliche Würde und Ruhe ausstrahlt.

      AUSPEITSCHUNG

      Eine römische Peitsche

      Dr. William D. Edwards beschreibt im Journal of the American Medical Association, wie die Römer Menschen üblicherweise auspeitschten:

      „Das übliche Instrument war eine kurze Peitsche (flagrum oder flagellum) mit mehreren einzelnen oder geflochtenen Lederriemen unterschiedlicher Länge, an denen in bestimmten Abständen kleine Eisenkugeln oder scharfkantige Schafsknochenstücke befestigt waren. . . . Wenn die römischen Soldaten wiederholt mit voller Kraft auf den Rücken des Opfers schlugen, verursachten die Eisenkugeln tiefe Quetschungen, und die Lederriemen mit den Schafsknochen schnitten in die Haut und das unter der Haut liegende Gewebe ein. Im weiteren Verlauf der Auspeitschung klafften die Wunden bis in die tiefer liegenden Skelettmuskeln, und es wurden zuckende Fetzen blutenden Fleisches herausgerissen.“

      • Was versucht Pilatus alles, um Jesus freizubekommen und nicht für seinen Tod verantwortlich zu sein?

      • Was geschieht beim Auspeitschen?

      • Wie wird Jesus nach dem Auspeitschen noch weiter misshandelt?

  • Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus bricht unter der Last des Marterpfahls fast zusammen und ein Soldat befiehlt Simon von Kyrene, ihn für Jesus zu tragen

      KAPITEL 130

      Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführt

      MATTHÄUS 27:31, 32 MARKUS 15:20, 21 LUKAS 23:24-31 JOHANNES 19:6-17

      • PILATUS BEMÜHT SICH ERNEUT, JESUS FREIZUBEKOMMEN

      • JESUS WIRD VERURTEILT UND ZUR HINRICHTUNG ABGEFÜHRT

      Obwohl die Römer Jesus aufs Übelste misshandelt und lächerlich gemacht haben, sind die Oberpriester und ihre Komplizen immer noch nicht bereit einzulenken. Sie wollen Jesus um jeden Preis tot sehen und hören nicht auf, zu schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“ Da sagt Pilatus: „Nehmt ihn und richtet ihn selbst hin. Ich finde keine Schuld an ihm“ (Johannes 19:6).

      Die Juden konnten Pilatus nicht davon überzeugen, dass Jesus aufgrund einer politischen Anklage den Tod verdient. Aber wie steht es mit einem religiösen Vergehen? Sie kommen auf die Anklage zurück, um die es im Prozess vor dem Sanhedrin ging: Gotteslästerung. „Wir haben ein Gesetz“, sagen sie zu Pilatus, „und nach diesem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zum Sohn Gottes gemacht“ (Johannes 19:7). Dieser Vorwurf ist für Pilatus neu.

      Er zieht sich wieder zurück. Was kann er nur tun, um diesen Mann freizubekommen, der unter der schlimmsten Behandlung nicht eingeknickt ist? Seinetwegen hatte Pilatus’ Frau sogar einen Traum! (Matthäus 27:19). Und was hat es mit dieser neuen Anklage auf sich — dass der Gefangene sich zum „Sohn Gottes“ gemacht hat? Pilatus weiß zwar, dass Jesus aus Galiläa kommt (Lukas 23:5-7). Aber was, wenn Jesus wirklich schon einmal gelebt hat und vielleicht sogar göttlicher Herkunft ist? Pilatus fragt ihn deshalb: „Woher kommst du?“ (Johannes 19:9).

      Doch Jesus schweigt. Er hat Pilatus bereits gesagt, dass er ein König ist und sein Königreich kein Teil dieser Welt. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Pilatus fühlt sich durch Jesu Schweigen aber in seinem Stolz verletzt und sagt verärgert: „Weigerst du dich etwa, mit mir zu reden? Weißt du nicht, dass ich die Macht dazu habe, dich freizulassen oder dich hinzurichten?“ (Johannes 19:10).

      „Du hättest gar keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gewährt worden wäre“, erwidert Jesus ruhig. „Deshalb hat der, der mich dir ausgeliefert hat, größere Schuld“ (Johannes 19:11). Dabei denkt er wahrscheinlich an niemand Bestimmtes. Er meint einfach nur, dass Kaiphas und seine Komplizen sowie Judas Iskariot eine viel größere Schuld trifft als Pilatus.

      Pilatus ist von Jesus tief beeindruckt und gleichzeitig wächst seine Befürchtung, er könnte wirklich göttlichen Ursprungs sein. Darum wagt er einen weiteren Anlauf, ihn freizulassen. Doch die Juden kontern mit einem neuen Argument, das Pilatus einschüchtert. Sie drohen: „Wenn du diesen Mann freilässt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich gegen Cäsar“ (Johannes 19:12).

      Der Statthalter bringt Jesus noch einmal nach draußen vor die Menge, setzt sich auf seinen Richterstuhl und sagt: „Seht! Euer König!“ Doch die Juden bleiben hart. „Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“, schreien sie. Pilatus fragt: „Euren König soll ich hinrichten?“ „Wir haben keinen König außer Cäsar“, behaupten die Oberpriester — und das, wo die Juden sich seit Langem über die Herrschaft der Römer ärgern! (Johannes 19:14, 15).

      Da gibt Pilatus feige den unerbittlichen Forderungen der Juden nach und liefert Jesus zur Hinrichtung aus. Die Soldaten ziehen ihm den purpurfarbenen Mantel aus und seine Obergewänder wieder an. Dann wird er abgeführt. Dabei muss er seinen Marterpfahl selbst tragen.

      An diesem Freitag, den 14. Nisan geht es mittlerweile auf Mittag zu. Jesus ist seit Donnerstagmorgen wach und hat seitdem eine Tortur nach der anderen erlebt. Der Pfahl ist einfach zu schwer für ihn und schließlich verlassen ihn seine Kräfte. Darauf zwingen die Soldaten einen Passanten — Simon aus Kyrene in Afrika — den Pfahl für ihn zum Hinrichtungsort zu tragen. Unzählige Menschen folgen ihnen. Sie klagen und schlagen sich vor Trauer an die Brust.

      Jesus sagt zu den trauernden Frauen: „Töchter Jerusalems, hört auf, über mich zu weinen. Weint stattdessen über euch und über eure Kinder, denn seht, es kommen Tage, da wird man sagen: ‚Glücklich sind die unfruchtbaren Frauen, die Mutterleiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben!‘ Man wird dann zu den Bergen sagen: ‚Fallt auf uns!‘, und zu den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ Wenn man das alles tut, solange der Baum saftig ist, was erst, wenn er vertrocknet ist?“ (Lukas 23:28-31).

      Jesus spricht von der jüdischen Nation. Sie ist wie ein sterbender Baum, in dem noch etwas Leben ist, denn Jesus ist noch auf der Erde und eine Reihe Juden glauben an ihn. Doch wenn Jesus stirbt und seine Jünger sich vom Judentum abwenden, wird die Nation geistig so vertrocknet sein wie ein toter Baum. Wenn dann die Römer als Gottes Urteilsvollstrecker kommen, wird die Trauer groß sein!

      • Welche Anklage erheben die religiösen Führer gegen Jesus?

      • Welche Befürchtung wächst in Pilatus?

      • Wie bringen die Oberpriester Pilatus schließlich dazu, Jesus hinrichten zu lassen?

      • Was meint Jesus mit dem Baum, der noch saftig ist und dann vertrocknet?

  • Der König leidet am Pfahl
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus verspricht dem Verbrecher, der neben ihm hängt: „Du wirst mit mir im Paradies sein“

      KAPITEL 131

      Der König leidet am Pfahl

      MATTHÄUS 27:33-44 MARKUS 15:22-32 LUKAS 23:32-43 JOHANNES 19:17-24

      • JESUS WIRD AN EINEN MARTERPFAHL GENAGELT

      • DIE INSCHRIFT, DIE ÜBER JESUS ANGEBRACHT WIRD, LÖST SPOTT AUS

      • JESUS STELLT EIN LEBEN IM PARADIES AUF DER ERDE IN AUSSICHT

      Jesus wird aus Jerusalem hinausgeführt. In der Nähe der Stadt befindet sich Golgotha, die Schädelstätte, die man „von Weitem“ sehen kann (Markus 15:40). Dort soll Jesus zusammen mit zwei Räubern hingerichtet werden.

      Die drei Verurteilten werden entkleidet und bekommen Wein angeboten, der mit Myrrhe und bitterer Galle vermischt ist. Offensichtlich haben Frauen aus Jerusalem dieses betäubende Mittel zubereitet und die Römer verwehren es den Todgeweihten nicht. Doch als Jesus den Wein probiert, lehnt er ihn ab. Bei seiner größten Prüfung will er im Vollbesitz seiner Sinne bis zum Schluss treu sein.

      Jesus wird auf den Pfahl gelegt (Markus 15:25). Dann schlagen die Soldaten Nägel durch seine Hände und Füße. Schrecklich sind die Schmerzen, als die Nägel durch Fleisch und Sehnen dringen. Unerträglich die Qualen, als der Pfahl aufgerichtet wird und das Gewicht des Körpers an den Nagelwunden zerrt. Doch statt die Soldaten zu beschimpfen, betet Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23:34).

      In der Regel bringen die Römer über dem Verurteilten ein Schild an, das über sein Verbrechen informiert. Auf dem Schild, das Pilatus an Jesu Pfahl anbringen lässt, steht: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“, und zwar auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch, damit möglichst viele es lesen können. Diese Inschrift spiegelt Pilatus’ Verachtung für die Juden wider, die auf Jesu Hinrichtung bestanden haben. Aber die Oberpriester protestieren: „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er behauptet hat: ‚Ich bin König der Juden.‘ “ Pilatus will sich jedoch nicht mehr von ihnen ausnutzen lassen und erwidert: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Johannes 19:19-22).

      Passanten hören, wie die aufgebrachten Priester die falschen Zeugenaussagen wiederholen, die im Sanhedrin gegen Jesus vorgebracht wurden. Da schütteln sie abfällig den Kopf und spotten: „Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Dann rette dich selbst und komm vom Marterpfahl herunter!“ Auch die Oberpriester und Schriftgelehrten spotten untereinander: „Andere hat er gerettet, aber sich selbst kann er nicht retten! Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Marterpfahl herunterkommen, damit wir es sehen und glauben können!“ (Markus 15:29-32). Sogar die Räuber rechts und links von Jesus beleidigen ihn, obwohl er als Einziger völlig unschuldig ist.

      Und auch die vier römischen Soldaten verspotten Jesus. Sie halten ihm ihren sauren Wein hin und machen sich wohl darüber lustig, dass er ihn nicht erreichen kann. Dann höhnen sie: „Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst“, und nehmen dabei auf die Inschrift Bezug (Lukas 23:36, 37). Das muss man sich einmal vorstellen! Ausgerechnet der Mann, der bewiesen hat, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, wird beleidigt und verspottet. Doch er lässt das alles über sich ergehen, ohne jemandem Vorwürfe zu machen — weder den Juden, die zusehen, noch den römischen Soldaten, die ihn verspotten, noch den beiden Verbrechern neben ihm.

      Soldaten werfen über Jesu Untergewand Lose

      Die vier Soldaten nehmen Jesu Obergewänder, zerteilen sie in vier Stücke und werfen Lose, wer welches bekommt. Bei seinem Untergewand beschließen sie allerdings, es nicht zu zerreißen, da es eine sehr gute Qualität hat. Es hat „keine Naht“, sondern ist „von oben bis unten durchgewebt“. Daher sagen sie: „Wir wollen . . . durch das Los entscheiden, wer es bekommt.“ Dadurch erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie verteilten meine Gewänder unter sich und verlosten meine Kleidung“ (Johannes 19:23, 24; Psalm 22:18).

      Einem der Verbrecher ist mittlerweile klar geworden, dass Jesus wirklich ein König sein muss. Er weist den anderen deshalb zurecht: „Hast du denn gar keine Gottesfurcht, wo dich doch das gleiche Urteil getroffen hat? Uns geschieht es ja recht. Wir bekommen für unsere Taten das, was wir verdienen. Aber dieser Mann hat nichts Schlechtes getan.“ Dann bittet er Jesus inständig: „Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst“ (Lukas 23:40-42).

      Jesus antwortet ihm: „Ich versichere dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23:43). Anders als seinen Aposteln verspricht er ihm nicht, dass er mit ihm im Königreich sein und auf einem Thron sitzen wird (Matthäus 19:28; Lukas 22:29, 30). Ursprünglich hatte Jehova für Adam, Eva und ihre Nachkommen ein Paradies auf der Erde gemacht. Als Jude ist das dem Verbrecher sicher bekannt. Mit der Hoffnung auf das Paradies vor Augen kann er nun sterben.

      • Warum will Jesus nichts von dem Wein trinken, der ihm angeboten wird?

      • Welche Inschrift wird an Jesu Pfahl angebracht, und wie reagieren die Juden darauf?

      • Welche Prophezeiung erfüllt sich in Verbindung mit Jesu Kleidung?

      • Welche Hoffnung schenkt Jesus einem der beiden Verbrecher?

  • „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus hängt zwischen den beiden Verbrechern tot am Pfahl und ein römischer Offizier sagt: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“

      KAPITEL 132

      „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“

      MATTHÄUS 27:45-56 MARKUS 15:33-41 LUKAS 23:44-49 JOHANNES 19:25-30

      • JESUS STIRBT AM PFAHL

      • JESU TOD WIRD VON AUSSERGEWÖHNLICHEN EREIGNISSEN BEGLEITET

      Es ist mittlerweile Mittag, „die sechste Stunde“, als „über das ganze Land eine Finsternis“ hereinbricht, die „bis zur neunten Stunde“, also 15 Uhr, andauert (Markus 15:33). Diese unheimliche Dunkelheit entsteht nicht durch eine Sonnenfinsternis, die ja nur bei Neumond auftreten kann. Jetzt ist aber gerade Passah und damit die Zeit des Vollmonds. Außerdem dauert eine Sonnenfinsternis nur ein paar Minuten, diese Finsternis hingegen drei Stunden. Sie muss also von Gott kommen!

      Stellen wir uns vor, wie sich die Finsternis auf die auswirkt, die Jesus verspottet haben! Nun nähern sich vier Frauen dem Marterpfahl. Es ist Jesu Mutter zusammen mit Salome, Maria Magdalene und Maria, der Mutter des Apostels Jakobus des Kleineren.

      Der Apostel Johannes steht neben den trauernden Frauen „beim Marterpfahl“. Maria blickt auf den Sohn, den sie geboren und aufgezogen hat und der nun Todesqualen leidet. Es ist, als würde sie „ein langes Schwert durchbohren“ (Johannes 19:25; Lukas 2:35). Obwohl Jesus schreckliche Schmerzen hat, denkt er an das Wohl seiner Mutter. Er bringt alle seine Kräfte auf, deutet mit dem Kopf auf Johannes und sagt: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ Dann deutet er mit dem Kopf auf Maria und sagt zu Johannes: „Das ist jetzt deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27).

      Offenbar ist Jesu Mutter mittlerweile verwitwet und seine Halbbrüder glauben noch nicht an ihn. Deshalb vertraut er sie dem Apostel an, den er besonders liebt. So stellt er sicher, dass nicht nur für ihre physischen Bedürfnisse gesorgt ist, sondern auch für ihre geistigen. Was für ein großartiges Beispiel!

      Um die Zeit, als die Finsternis endet, sagt Jesus: „Ich habe Durst.“ Dadurch erfüllt sich, was in den Schriften prophezeit wurde (Johannes 19:28; Psalm 22:15). Jesus spürt, dass sein Vater ihm den Schutz entzogen hat, damit seine Integrität bis aufs Äußerste geprüft werden kann. Da ruft er: „Eli, Eli, lama sabachthani?“ Das ist wahrscheinlich ein galiläischer Dialekt des Aramäischen und bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einige, die dabeistehen, verstehen nicht, was er meint, und sagen: „Seht mal! Er ruft Elia.“ Einer taucht schnell einen Schwamm in sauren Wein, steckt ihn an ein Schilfrohr und hält ihn Jesus zum Trinken hin. Aber andere sagen: „Wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihn herunterholt“ (Markus 15:34-36).

      Dann ruft Jesus aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30). Ja, er hat alles erfüllt, wozu ihn sein Vater auf die Erde gesandt hat. Schließlich sagt er: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an“ (Lukas 23:46). Er vertraut Jehova seine Lebenskraft in der unerschütterlichen Zuversicht an, dass er ihn wieder auferwecken wird. Dann senkt er den Kopf und stirbt.

      Da beginnt die Erde heftig zu beben und Felsen spalten sich. Das Beben ist so stark, dass außerhalb von Jerusalem Gräber aufbrechen und Leichname freigelegt werden. Passanten, die die Toten daliegen sehen, gehen „in die heilige Stadt“ und berichten davon (Matthäus 27:51-53).

      Im Tempel wird in dem Moment, wo Jesus stirbt, der lange, schwere Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt, von oben bis unten entzweigerissen. Dieses Phänomen ist ein Ausdruck von Gottes Zorn auf die Mörder seines Sohnes. Außerdem zeigt es an, dass von nun an der Weg ins Allerheiligste, also in den Himmel, frei ist (Hebräer 9:2, 3; 10:19, 20).

      Verständlicherweise bekommen es die Menschen mit der Angst zu tun. Der für die Hinrichtung zuständige Offizier ruft aus: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“ (Markus 15:39). Möglicherweise war er bei Jesu Verhör vor Pilatus dabei, als es darum ging, ob Jesus Gottes Sohn sei. Jetzt ist der Mann davon überzeugt, dass Jesus gerecht und wirklich Gottes Sohn ist.

      Andere laufen, von den Ereignissen völlig überwältigt, nach Hause und schlagen sich dabei vor Scham und Trauer „die ganze Zeit an die Brust“ (Lukas 23:48). Unter denen, die alles von Weitem beobachten, sind auch viele Frauen, die Jesus hin und wieder auf seinen Reisen begleitet haben. Auch sie sind von den Ereignissen tief erschüttert.

      „AN DEN PFAHL“

      Jesu Feinde schrien: „An den Pfahl mit ihm!“ (Johannes 19:15). Das griechische Wort, das in den Evangelien mit „Pfahl“ wiedergegeben wird, ist staurós. In dem Buch History of the Cross heißt es darüber: „stauros bedeutet ‚aufrechter Pfahl‘ — ein stabiler Pfosten, wie ihn Bauern in den Boden rammen, wenn sie Zäune oder Palisaden errichten — nicht mehr und nicht weniger.“

      • Weshalb kann die Ursache für die dreistündige Finsternis keine Sonnenfinsternis sein?

      • Welches Beispiel gibt Jesus, wenn es darum geht, für betagte Eltern zu sorgen?

      • Was geschieht durch das Erdbeben? Was bedeutet es, dass der Vorhang im Tempel entzweigerissen wird?

      • Wie wirken sich Jesu Tod und die damit einhergehenden Ereignisse auf die Augenzeugen aus?

  • Jesu Begräbnis
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Leichnam wird für das Begräbnis vorbereitet

      KAPITEL 133

      Jesu Begräbnis

      MATTHÄUS 27:57 BIS 28:2 MARKUS 15:42 BIS 16:4 LUKAS 23:50 BIS 24:3 JOHANNES 19:31 BIS 20:1

      • JESUS WIRD VOM PFAHL GENOMMEN

      • JESU LEICHNAM WIRD FÜR DAS BEGRÄBNIS VORBEREITET

      • FRAUEN FINDEN EIN LEERES GRAB VOR

      An diesem 14. Nisan ist es mittlerweile später Nachmittag. Nicht mehr lange, dann geht die Sonne unter und der Sabbat beginnt. Jesus ist bereits tot, doch die beiden Räuber neben ihm leben noch. Gemäß dem Gesetz darf ein Leichnam „nicht über Nacht am Stamm bleiben“, sondern muss noch „am selben Tag“ beerdigt werden (5. Mose 21:22, 23).

      Dazu kommt, dass Freitag auch Vorbereitungstag ist. Die Leute bereiten die Mahlzeiten für den nächsten Tag vor und erledigen alles, was nicht bis nach dem Sabbat warten kann. Diesmal beginnt bei Sonnenuntergang sogar ein „großer“ Sabbat (Johannes 19:31). Der 15. Nisan ist nämlich der erste Tag des siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote und damit immer ein Sabbat, unabhängig davon, welcher Wochentag gerade ist (3. Mose 23:5-7). Und da diesmal der 15. Nisan auf den regulären Sabbat fällt, ist er ein „großer“ Sabbat.

      Daher bitten die Juden Pilatus, den Verurteilten die Beine brechen zu lassen. So wird ihr Tod beschleunigt, weil sie sich nicht mehr abstützen können, um zu atmen. Zuerst brechen die Soldaten den beiden Räubern die Beine. Doch da Jesus anscheinend schon tot ist, brechen sie ihm die Beine nicht. So erfüllt sich Psalm 34:20: „Er behütet alle seine Gebeine. Kein Knochen ist ihm gebrochen worden.“

      Um sicherzugehen, dass Jesus wirklich tot ist, stößt ihm ein Soldat einen Speer in die Seite. Der Speer dringt bis in die Herzgegend ein und sofort fließen „Blut und Wasser“ heraus (Johannes 19:34). So erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben“ (Sacharja 12:10).

      Bei der Hinrichtung ist auch ein gewisser Joseph dabei, „ein reicher Mann“ aus der Stadt Arimathia und geachtetes Mitglied des Sanhedrins (Matthäus 27:57). Er ist ein „guter und gerechter Mann“, der „auf Gottes Königreich wartet“. Joseph hat das Todesurteil des Hohen Rats nicht unterstützt, da er „ein Jünger Jesu“ ist — „aus Angst vor den Juden aber nur ein heimlicher“ (Lukas 23:50; Markus 15:43; Johannes 19:38). Nun bringt Joseph den Mut auf, Pilatus um Jesu Leichnam zu bitten. Sobald Pilatus von dem zuständigen Offizier die Bestätigung bekommt, dass Jesus wirklich tot ist, gewährt er ihm die Bitte.

      Joseph holt den Leichnam vom Pfahl herunter und wickelt ihn in sauberes, feines Leinen, das er dafür gekauft hat. Nikodemus, „der Mann, der Jesus am Anfang einmal bei Nacht aufgesucht hatte“, hilft ihm bei den Vorbereitungen für das Begräbnis (Johannes 19:39). Nikodemus hat auch rund 30 Kilogramm einer kostbaren Mischung aus Myrrhe und Aloe mitgebracht. Dem jüdischen Brauch entsprechend wickeln sie den Leichnam mit den aromatischen Substanzen in Leinenbinden ein.

      Dann legen sie ihn in der Nähe in ein unbenutztes, in den Fels gehauenes Grab, das Joseph gehört. Zuletzt wird ein großer Stein davorgewälzt. Bei alldem müssen sie sich sehr beeilen, um vor dem Sabbat fertig zu werden. Maria Magdalene und Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleineren, helfen ihnen wahrscheinlich bei den Vorbereitungen. Dann eilen die Frauen nach Hause, „um aromatische Substanzen und duftende Öle zu bereiten“ und den Leichnam nach dem Sabbat weiterzubehandeln (Lukas 23:56).

      Am nächsten Tag, dem Sabbat, gehen die Oberpriester und Pharisäer zu Pilatus und sagen: „Wir erinnern uns, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, gesagt hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferweckt.‘ Ordne deshalb an, das Grab bis zum dritten Tag zu sichern, damit seine Jünger nicht kommen und ihn stehlen und dann zu den Leuten sagen: ‚Er ist von den Toten auferweckt worden!‘ Dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als der vorherige.“ Pilatus antwortet: „Ich stelle euch Wachsoldaten zur Verfügung. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt“ (Matthäus 27:63-65).

      Am Sonntagmorgen gehen Maria Magdalene, Maria, die Mutter von Jakobus, und ein paar andere Frauen in aller Frühe zum Grab. Sie wollen Jesu Leichnam weiter mit den aromatischen Substanzen behandeln und überlegen: „Wer wird uns wohl den Stein vom Grabeingang wegwälzen?“ (Markus 16:3). Doch es hat ein Erdbeben gegeben und ein Engel Gottes hat den Stein weggerollt. Die Wachen sind weg und das Grab ist leer!

      • Warum wird der Freitag als Vorbereitungstag bezeichnet? Was ist ein „großer“ Sabbat?

      • Welche Rolle spielen Joseph und Nikodemus bei Jesu Begräbnis? Und wie stehen sie zu ihm?

      • Worum bitten die Priester Pilatus? Was ereignet sich am frühen Sonntagmorgen?

  • Jesus ist am Leben!
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Fassungslose Frauen vor Jesu leerem Grab

      KAPITEL 134

      Jesus ist am Leben!

      MATTHÄUS 28:3-15 MARKUS 16:5-8 LUKAS 24:4-12 JOHANNES 20:2-18

      • JESUS IST AUFERWECKT WORDEN

      • WAS AN JESU GRAB PASSIERT

      • JESUS ERSCHEINT MEHREREN FRAUEN

      Die Frauen sind fassungslos: Das Grab ist leer! Maria Magdalene rennt sofort los, um es Petrus und Johannes zu erzählen, dem „Jünger, den Jesus sehr liebte“ (Johannes 20:2). Die anderen Frauen bleiben aber. Da sehen sie am Grab einen Engel und in der Grabkammer einen weiteren „mit einem langen weißen Gewand“ (Markus 16:5).

      Einer der beiden sagt zu ihnen: „Habt keine Angst! Ich weiß, ihr sucht Jesus, der am Pfahl hingerichtet wurde. Er ist nicht hier, denn er ist auferweckt worden, so wie er es gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. Lauft dann schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: ‚Er ist von den Toten auferweckt worden und geht euch nach Galiläa voraus‘ “ (Matthäus 28:5-7). „Mit einer Mischung aus Angst und großer Freude“ laufen die Frauen los, „um seinen Jüngern alles zu erzählen“ (Matthäus 28:8).

      Mittlerweile hat Maria Petrus und Johannes gefunden, und völlig außer Atem berichtet sie: „Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben“ (Johannes 20:2). Sofort rennen die beiden zum Grab. Johannes ist als Erster dort und späht hinein. Er sieht aber nur die Leinenbinden daliegen.

      Inzwischen ist auch Petrus da und geht direkt in die Grabkammer, wo er die Leinentücher sieht sowie das Tuch, das um Jesu Kopf gebunden war. Johannes folgt ihm und glaubt Maria nun. Die beiden begreifen aber nicht, dass Jesus auferweckt worden ist, und das obwohl er es ihnen angekündigt hat (Matthäus 16:21). Ratlos machen sie sich auf den Heimweg. Maria, die zurückgekommen ist, bleibt jedoch am Grab.

      Währenddessen eilen die anderen Frauen zu den Jüngern, um ihnen von Jesu Auferweckung zu erzählen. Plötzlich steht Jesus vor ihnen und sagt: „Seid gegrüßt!“ Da fallen die Frauen vor ihm auf die Knie und erweisen ihm ihre Ehrerbietung. Jesus beruhigt sie: „Habt keine Angst! Geht und erzählt alles meinen Brüdern, damit sie nach Galiläa gehen und mich dort treffen“ (Matthäus 28:9, 10).

      Vorher, als die Erde bebte und die Engel am Grab erschienen, zitterten die Wachsoldaten vor lauter Angst und „wurden wie versteinert“. Als sie sich einigermaßen erholt hatten, sind sie in die Stadt gegangen und haben den Oberpriestern alles berichtet. Diese haben sich mit den Ältesten der Juden beraten und sind mit ihnen übereingekommen, die Soldaten zu bestechen, damit von der Sache nichts nach außen dringt. Die Soldaten sollen behaupten: „Nachts, als wir geschlafen haben, sind seine Jünger gekommen und haben ihn gestohlen“ (Matthäus 28:4, 11, 13).

      Römische Soldaten können allerdings mit dem Tod bestraft werden, wenn sie auf ihrem Posten einschlafen. Daher versprechen die Priester den Wachsoldaten: „Wenn das dem Statthalter zu Ohren kommt, erklären wir ihm alles. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen“ (Matthäus 28:14). Die Soldaten nehmen die Bestechung an und setzen das Gerücht in die Welt, Jesu Leichnam sei gestohlen worden. Das spricht sich unter den Juden überall herum.

      Maria Magdalene ist noch immer am Grab und weint. Als sie sich vorbeugt und hineinschaut, sieht sie zwei weiß gekleidete Engel! Einer sitzt dort, wo Jesu Kopf gelegen hat, und der andere da, wo seine Füße waren. „Warum weinst du, Frau?“, fragen sie. „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Dann dreht Maria sich um und sieht einen Mann dastehen. Er fragt sie ebenfalls, warum sie weint und wen sie denn sucht. Maria denkt, er sei der Gärtner, und erwidert: „Herr, wenn du den Leichnam weggetragen hast, dann sag mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich hol ihn“ (Johannes 20:13-15).

      Sie merkt nicht, dass es in Wirklichkeit der auferstandene Jesus ist. Doch dann sagt er: „Maria!“, und an der Art, wie er sie anspricht, erkennt sie ihn. Sie ist außer sich vor Freude und ruft: „Rabbuni!“ (was „Lehrer!“ bedeutet). Aus Angst, er könnte gleich in den Himmel auffahren, hält sie ihn fest. „Hör auf, dich an mich zu klammern“, sagt Jesus. „Ich bin ja noch nicht zum Vater aufgefahren. Aber geh zu meinen Brüdern und richte ihnen aus: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott‘ “ (Johannes 20:16, 17).

      Schnell läuft Maria an den Ort, wo die Apostel und die anderen Jünger sind. „Ich hab den Herrn gesehen!“, ruft sie und bestätigt damit das, was die anderen Frauen schon erzählt haben (Johannes 20:18). Aber die Jünger halten „das alles für Unsinn“ (Lukas 24:11).

      • Was macht Maria Magdalene, als sie das leere Grab sieht? Was erleben die anderen Frauen?

      • Wie reagieren Petrus und Johannes, als sie sehen, dass das Grab leer ist?

      • Wen treffen die Frauen auf dem Weg zu den Jüngern? Was erlebt Maria Magdalene, als sie zum zweiten Mal am Grab ist?

      • Wie nehmen die Jünger die Berichte auf, die sie bekommen?

  • Der auferweckte Jesus erscheint vielen Jüngern
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Der auferweckte Jesus erscheint Thomas

      KAPITEL 135

      Der auferweckte Jesus erscheint vielen Jüngern

      LUKAS 24:13-49 JOHANNES 20:19-29

      • JESUS ERSCHEINT AUF DER STRASSE NACH EMMAUS

      • ER ERKLÄRT SEINEN JÜNGERN DIE SCHRIFTSTELLEN ÜBER DEN CHRISTUS

      • THOMAS ÜBERWINDET SEINE ZWEIFEL

      Es ist Sonntag, der 16. Nisan. Die Jünger sind sehr niedergeschlagen. Sie können sich einfach nicht erklären, warum Jesu Grab leer ist (Matthäus 28:9, 10; Lukas 24:11). Später am Tag verlassen Kleopas und ein anderer Jünger Jerusalem und machen sich auf den Weg in das 11 Kilometer entfernte Emmaus.

      Während sie sich darüber unterhalten, was alles geschehen ist, schließt sich ihnen ein Fremder an und fragt: „Worüber diskutiert ihr denn hier auf dem Weg so lebhaft?“ Kleopas antwortet: „Wohnst du als einsamer Fremder in Jerusalem, dass du nicht mitbekommen hast, was in den letzten Tagen dort passiert ist?“ „Was ist denn passiert?“, erkundigt sich der Fremde (Lukas 24:17-19).

      „Das mit Jesus, dem Nazarener“, antworten die Jünger. „[Wir haben] gehofft, er wäre derjenige, der Israel befreien wird“ (Lukas 24:19-21).

      Dann erzählen sie ihm, was an diesem Tag alles geschehen ist. Ein paar Frauen sind zu Jesu Grab gegangen, aber es war leer. Anschließend hatten sie ein übernatürliches Erlebnis: Engel sind ihnen erschienen und haben ihnen mitgeteilt, dass Jesus lebt. Darauf sind auch andere zum Grab gegangen und „es war so, wie die Frauen berichtet hatten“ (Lukas 24:24).

      Die beiden Jünger sind sichtlich verwirrt. Ihre Überlegungen führen sie in die falsche Richtung, was sie daran hindert, zu glauben, dass Jesus wirklich auferweckt worden ist. Um ihnen zu helfen, sagt der Fremde mit Bestimmtheit: „Ach, ihr Unverständigen! Wie langsam euer Herz doch darin ist, an all die Aussagen der Propheten zu glauben! Musste der Christus nicht das alles erleiden und in seine Herrlichkeit gelangen?“ (Lukas 24:25, 26). Dann erklärt er ihnen viele Schriftstellen, die mit dem Christus zu tun haben.

      Als sie Emmaus fast erreicht haben, drängen die Jünger den Fremden: „Bleib bei uns. Es ist schon fast Abend, der Tag geht zu Ende.“ Er ist einverstanden. Beim Abendessen spricht der Fremde ein Gebet, nimmt ein Brot, bricht es und reicht es weiter. Da erkennen die Jünger ihn! Doch im nächsten Moment ist er verschwunden (Lukas 24:29-31). Jetzt wissen sie es mit Sicherheit: Jesus ist am Leben!

      Aufgeregt sagen sie: „Brannte nicht unser Herz in unserem Innern, als er unterwegs mit uns redete und uns die Schriften völlig erschloss?“ (Lukas 24:32). Sie eilen zurück nach Jerusalem, wo die Apostel mit den anderen Jüngern versammelt sind. Doch noch bevor sie etwas sagen können, erzählt jemand: „Der Herr ist tatsächlich auferweckt worden und er ist Simon erschienen!“ (Lukas 24:34). Dann berichten Kleopas und sein Gefährte von ihren Erlebnissen. Auch sie haben Jesus mit eigenen Augen gesehen!

      Plötzlich steht Jesus mitten im Raum und sagt ruhig: „Friede sei mit euch!“ Aber sie haben aus Angst vor den Juden doch alle Türen verschlossen! Wie kann es sein, dass er jetzt vor ihnen steht? Vor lauter Angst und Schrecken meinen sie wie früher schon, „einen Geist zu sehen“ (Lukas 24:36, 37; Matthäus 14:25-27).

      Aber es ist keine Erscheinung und auch keine Einbildung. Jesus zeigt ihnen seine Hände und Füße, um ihnen zu beweisen, dass er wirklich einen menschlichen Körper hat. „Warum seid ihr so beunruhigt, und warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?“, fragt er sie. „Schaut euch doch meine Hände und meine Füße an, dann seht ihr, dass ich es bin. Fasst mich ruhig an und überzeugt euch selbst. Ein Geist ist ja schließlich nicht aus Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“ (Lukas 24:36-39). Sie sind außer sich vor Freude und Staunen. Aber trotzdem können sie es noch nicht ganz glauben.

      Jesus versucht es anders. Er fragt: „Habt ihr etwas zu essen da?“ Sie geben ihm ein Stück gebratenen Fisch und er isst es. Dann erklärt er: „Als ich [vor meinem Tod] noch bei euch war, habe ich euch gesagt, dass sich alles erfüllen muss, was im Gesetz von Moses, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht“ (Lukas 24:41-44).

      Wie vorher schon Kleopas und seinem Gefährten hilft Jesus nun auch allen anderen, die in dem Raum versammelt sind, die Schriften zu verstehen. Er sagt: „In den Schriften steht Folgendes: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und auf der Grundlage seines Namens wird in allen Völkern Reue zur Sündenvergebung gepredigt werden — angefangen von Jerusalem. Von alldem sollt ihr Zeugen sein“ (Lukas 24:46-48).

      Aus irgendeinem Grund ist der Apostel Thomas nicht dabei. Als ihm die anderen in den nächsten Tagen begeistert erzählen: „Wir haben den Herrn gesehen!“, sagt er: „Das glaube ich erst, wenn ich die Spuren der Nägel an seinen Händen sehe und meine Finger in die Wunde lege und ihm mit meiner Hand an die Seite fasse“ (Johannes 20:25).

      Acht Tage später sind die Jünger wieder in einem verschlossenen Haus und diesmal ist Thomas dabei. Wieder erscheint Jesus in einem materialisierten Körper in ihrer Mitte und begrüßt sie mit den Worten: „Friede sei mit euch!“ Dann fordert er Thomas auf: „Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an, und fass mir mit deiner Hand an die Seite, und hör auf zu zweifeln und glaube.“ Da ruft Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20:26-28). Er hat keine Zweifel mehr: Jesus ist am Leben und repräsentiert als göttliches Wesen Jehova Gott.

      Jesus antwortet Thomas: „Glaubst du, weil du mich gesehen hast? Glücklich sind die, die nicht gesehen haben und trotzdem glauben“ (Johannes 20:29).

      • Was fragt ein Fremder zwei Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus sind?

      • Warum „brennt“ das Herz der Jünger in ihrem Innern?

      • Was erfahren Kleopas und sein Gefährte in Jerusalem? Und was geschieht anschließend?

      • Was überzeugt Thomas davon, dass Jesus wirklich lebt?

  • Am See von Galiläa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Petrus watet zu Jesus ans Ufer und die anderen Apostel folgen im Boot

      KAPITEL 136

      Am See von Galiläa

      JOHANNES 21:1-25

      • JESUS ERSCHEINT AM UFER DES SEES VON GALILÄA

      • PETRUS UND ANDERE SOLLEN JESU SCHAFE HÜTEN

      Am letzten Abend mit seinen Aposteln hat Jesus zu ihnen gesagt: „Nachdem ich auferweckt worden bin, werde ich euch nach Galiläa vorausgehen“ (Matthäus 26:32; 28:7, 10). Viele seiner Nachfolger machen sich nun auf den Weg dorthin. Aber was sollen sie tun, wenn sie da sind?

      Petrus sagt zu sechs der anderen Apostel: „Ich gehe fischen“, worauf sie erwidern: „Wir kommen mit“ (Johannes 21:3). Aber die ganze Nacht lang geht ihnen nichts ins Netz. Als es hell wird, taucht Jesus am Strand auf, doch sie erkennen ihn nicht. Er ruft ihnen zu: „Kinder, ihr habt nichts zu essen, oder?“ „Nein“, antworten sie. Er fordert sie auf: „Werft das Netz auf der rechten Bootsseite aus und ihr werdet etwas fangen“ (Johannes 21:5, 6). Da fangen sie so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen können.

      „Es ist der Herr!“, sagt Johannes zu Petrus (Johannes 21:7). Schnell zieht Petrus sein Obergewand an, das er zum Fischen ausgezogen hatte, springt ins Wasser und schwimmt die knapp 100 Meter ans Ufer. Die anderen folgen ihm im Boot, das volle Netz im Schlepptau.

      Am Ufer entdecken sie „ein Kohlenfeuer mit Fischen darauf und Brot“. Jesus sagt: „Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gerade gefangen habt“, und Petrus zieht das Netz an Land. Sie haben insgesamt 153 große Fische gefangen! „Kommt her und frühstückt“, lädt Jesus die Jünger ein. Keiner von ihnen traut sich ihn zu fragen, wer er ist, weil sie es eigentlich ja wissen (Johannes 21:9-12). Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus mehreren Aposteln gleichzeitig erscheint.

      Er versorgt alle mit Brot und Fisch. Danach sagt er — vermutlich mit Blick auf die Fische — zu Petrus: „Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Mit anderen Worten: Bedeutet Petrus die Fischerei mehr als die Aufgabe, die Jesus für ihn hat? Petrus antwortet: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Da sagt Jesus: „Weide meine Lämmer“ (Johannes 21:15).

      Petrus ist bestimmt verwundert, als Jesus ihn wieder fragt: „Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich?“ „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe“, erwidert Petrus in aller Aufrichtigkeit. Darauf sagt Jesus: „Hüte meine Schäfchen“ (Johannes 21:16).

      Dann fragt ihn Jesus ein drittes Mal: „Simon, Sohn von Johannes, hast du mich lieb?“ Jetzt fragt sich Petrus wahrscheinlich ernsthaft, ob Jesus an seiner Loyalität zweifelt, und antwortet leidenschaftlich: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Und wieder betont Jesus, was Petrus tun soll: „Weide meine Schäfchen“ (Johannes 21:17). Ja, alle die in Gottes Volk die Führung übernehmen, müssen sich um die Schafe in seiner Hürde kümmern.

      Dann deutet Jesus an, was Petrus in der Zukunft erwartet. Jesus selbst wurde festgenommen und hingerichtet, weil er Gottes Auftrag erfüllt hat. Petrus steht etwas Ähnliches bevor. „Als du jünger warst“, sagt Jesus, „hast du dir deine Kleidung selbst angezogen und bist gegangen, wohin du wolltest. Aber wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich anziehen und dich an einen Ort bringen, wohin du nicht willst.“ Dann ermutigt er ihn: „Folge mir weiter nach“ (Johannes 21:18, 19).

      Als Petrus’ Blick auf Johannes fällt, den Jesus besonders liebt, fragt er Jesus: „Und was ist mit ihm, Herr?“ Jesus antwortet: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?“ (Johannes 21:21-23). Petrus soll ihm weiter nachfolgen, ohne sich darum zu kümmern, was andere tun. Dennoch deutet Jesus an, dass Johannes alle anderen Apostel überleben und in einer Vision sehen wird, wie er als König kommt.

      Ja, Jesus hat auf der Erde sehr viel getan. Hätte man das alles aufgeschrieben, wären damit unzählige Buchrollen gefüllt worden.

      • Woran sieht man, dass die Apostel nicht so recht wissen, was sie in Galiläa tun sollen?

      • Woran erkennen die Apostel Jesus am See von Galiläa?

      • Was erwartet Jesus von denen, die die Führung übernehmen?

      • Wie deutet Jesus an, was Petrus bevorsteht?

  • Vor Pfingsten von Hunderten gesehen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus steigt in den Himmel auf

      KAPITEL 137

      Vor Pfingsten von Hunderten gesehen

      MATTHÄUS 28:16-20 LUKAS 24:50-52 APOSTELGESCHICHTE 1:1-12; 2:1-4

      • JESUS ERSCHEINT VIELEN JÜNGERN

      • ER KEHRT IN DEN HIMMEL ZURÜCK

      • JESUS GIESST DEN HEILIGEN GEIST AUF 120 JÜNGER AUS

      Nach seiner Auferstehung verabredet sich Jesus mit seinen 11 Aposteln, sich mit ihm auf einem Berg in Galiläa zu treffen. Es kommen auch 500 andere Jünger, von denen manche anfangs noch Zweifel haben (Matthäus 28:17; 1. Korinther 15:6). Doch was Jesus ihnen zu sagen hat, überzeugt jeden Einzelnen, dass er wirklich lebt.

      Jesus erklärt ihnen: „Mir ist im Himmel und auf der Erde alle Macht gegeben worden. Darum geht und macht Menschen aus allen Völkern zu meinen Jüngern, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, sich an alles zu halten, was ich euch gesagt habe“ (Matthäus 28:18-20). Ja, Jesus ist wieder am Leben. Und es ist ihm äußerst wichtig, dass die gute Botschaft weiter verbreitet wird.

      Allen seinen Nachfolgern — Männern, Frauen und Kindern — gibt Jesus denselben Auftrag: Sie sollen Menschen zu seinen Jüngern machen. Gegner werden zwar versuchen, sie vom Predigen und Lehren abzuhalten. Aber er versichert ihnen: Gott hat ihm alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Was bedeutet das für seine Nachfolger? Er erklärt: „Denkt daran: Ich bin die ganze Zeit bei euch bis zum Abschluss des Weltsystems.“ Er wird sie zwar nicht alle dazu befähigen, Wunder zu wirken. Doch alle werden beim Predigen vom heiligen Geist unterstützt werden.

      Jesus erscheint seinen Jüngern nach seiner Auferstehung 40 Tage lang immer wieder in verschiedenen menschlichen Körpern. Dabei zeigt er ihnen „durch viele überzeugende Beweise“, dass er lebt. Außerdem erzählt er ihnen noch mehr „über das Königreich Gottes“ (Apostelgeschichte 1:3; 1. Korinther 15:7).

      Die Apostel befinden sich offenbar noch in Galiläa, als er sie anweist, nach Jerusalem zurückzugehen. Dort sagt er zu ihnen: „Geht nicht aus Jerusalem weg, sondern wartet weiter auf das, was der Vater versprochen hat und worüber ihr von mir gehört habt. Denn Johannes taufte zwar mit Wasser, aber ihr werdet in wenigen Tagen mit heiligem Geist getauft werden“ (Apostelgeschichte 1:4, 5).

      Als Jesus sich später wieder mit seinen Aposteln trifft, führt er sie bis nach Bethanien am Osthang des Ölbergs hinaus (Lukas 24:50). Trotz allem, was er ihnen über seinen Weggang gesagt hat, glauben sie immer noch, sein Königreich werde in irgendeiner Form hier auf der Erde sein (Lukas 22:16, 18, 30; Johannes 14:2, 3).

      Sie fragen ihn: „Herr, stellst du jetzt das Königreich für Israel wieder her?“ Er antwortet nur: „Ihr braucht die Zeiten oder Zeitabschnitte nicht zu kennen, die festzulegen nur der Vater berechtigt ist.“ Dann hebt er noch einmal ihren Auftrag hervor: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch kommt, und ihr werdet Zeugen von mir sein — in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Apostelgeschichte 1:6-8).

      Jesus steigt vor den Augen seiner Apostel in den Himmel auf

      Dann steigt Jesus vor den Augen seiner treuen Apostel in den Himmel auf. Bald wird er von einer Wolke verdeckt und ist nicht mehr zu sehen. Nach seiner Auferstehung hat sich Jesus immer wieder materialisiert. Nun dematerialisiert er den Körper, den er dieses Mal nutzt, und kehrt als Geistwesen in den Himmel zurück (1. Korinther 15:44, 50; 1. Petrus 3:18). Während die Apostel ihm noch nachblicken, tauchen „zwei Männer in weißen Gewändern“ neben ihnen auf. Es sind zwei Engel und sie fragen: „Ihr Männer von Galiläa, warum steht ihr da und schaut zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird in derselben Weise kommen, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen“ (Apostelgeschichte 1:10, 11).

      Jesus hat die Erde ohne viel Aufsehen verlassen. Nur seine Apostel wurden Augenzeugen davon. „In derselben Weise“ wird er wiederkommen. Nur seine treuen Nachfolger werden seine Gegenwart als König wahrnehmen.

      Die Apostel gehen nach Jerusalem zurück. Während der nächsten Tage versammeln sie sich mit anderen Jüngern, darunter Jesu Mutter Maria sowie seine Brüder (Apostelgeschichte 1:14). Zusammen verharren sie im Gebet. Es geht unter anderem darum, wer Judas Iskariot ersetzen soll, um die Zahl der 12 Apostel wieder zu vervollständigen (Matthäus 19:28). Es soll ein Jünger sein, der Zeuge von Jesu Tätigkeit und Auferstehung war. Die Jünger werfen Lose, um Gottes Willen herauszufinden. Das ist das letzte Mal, dass die Bibel diese Methode erwähnt (Psalm 109:8; Sprüche 16:33). Das Los fällt auf Matthias, der womöglich einer der 70 war, die Jesus zum Predigen aussandte. Von nun an ist er einer der 12 Apostel (Apostelgeschichte 1:26).

      Zehn Tage nach Jesu Rückkehr in den Himmel findet das jüdische Pfingstfest statt. Etwa 120 Jünger sind im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem zusammengekommen. Plötzlich ist im ganzen Haus ein Geräusch wie das Rauschen einer kräftigen Brise zu hören. Zungen wie aus Feuer erscheinen über den Köpfen aller Anwesenden. Dann fangen sie an, in verschiedenen Sprachen zu reden. Wie versprochen hat Jesus den heiligen Geist über sie ausgegossen! (Johannes 14:26).

      • Wer ist dabei, als Jesus auf einem Berg in Galiläa besondere Anweisungen gibt? Und was sagt er?

      • Über welchen Zeitraum hinweg erscheint Jesus seinen Jüngern immer wieder? Und wozu nutzt er diese Gelegenheiten?

      • Auf welche Weise wird Jesus wiederkommen?

      • Was ereignet sich Pfingsten 33?

  • An der rechten Seite Gottes
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Saulus wird von einem hellen Licht geblendet

      KAPITEL 138

      An der rechten Seite Gottes

      APOSTELGESCHICHTE 7:56

      • JESUS CHRISTUS SITZT AN GOTTES RECHTER SEITE

      • SAULUS WIRD EIN JÜNGER JESU

      • WIR HABEN GRUND ZUR FREUDE

      An Pfingsten, also zehn Tage nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, wurde der heilige Geist ausgegossen. Das bewies, dass Jesus wieder im Himmel war. Schon bald gab es dafür noch einen weiteren Beweis. Als der Jünger Stephanus gesteinigt wurde, weil er treu gepredigt hatte, rief er aus: „Seht! Ich sehe den Himmel geöffnet und den Menschensohn auf der rechten Seite Gottes stehen“ (Apostelgeschichte 7:56).

      Zurück bei seinem Vater im Himmel würde Jesus auf eine spezielle Anweisung warten, die in Gottes Wort vorausgesagt worden war. David hatte unter Inspiration geschrieben: „Jehova sprach zu meinem Herrn: ‚Setz dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde als Schemel für deine Füße hinlege.‘ “ Sobald die Wartezeit zu Ende wäre, sollte Jesus Folgendes tun: „Zieh mitten unter deine Feinde und unterwirf sie“ (Psalm 110:1, 2). Doch was würde er bis dahin tun?

      Zu Pfingsten 33 wurde die Christenversammlung gegründet. Vom Himmel aus regierte Jesus nun über seine geistgesalbten Jünger (Kolosser 1:13). Er leitete sie beim Predigen an und bereitete sie auf ihre künftige Rolle vor. Um welche Rolle handelte es sich? Diejenigen, die bis zu ihrem Tod treu wären, sollten nach ihrer Auferweckung als Jesu Mitkönige im Königreich regieren.

      Ein herausragendes Beispiel für einen dieser künftigen Könige war Saulus, besser bekannt unter seinem römischen Namen Paulus. Er war ein Jude, der schon lange großen Eifer für Gottes Gesetz hatte. Allerdings war er durch den Einfluss der religiösen Führer verblendet und stimmte sogar der Steinigung von Stephanus zu. Saulus, „der die Jünger des Herrn . . . wutschnaubend bedrohte und sie umbringen wollte“, machte sich auf den Weg nach Damaskus. Der Hohe Priester Kaiphas hatte ihn bevollmächtigt, Jesu Jünger festzunehmen und nach Jerusalem zu bringen (Apostelgeschichte 7:58; 9:1). Doch auf dem Weg dorthin umstrahlte Saulus plötzlich ein gleißendes Licht und er fiel zu Boden.

      Eine Stimme sagte: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ „Wer bist du, Herr?“, antwortete Saulus. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apostelgeschichte 9:4, 5).

      Jesus sagte Saulus, er solle nach Damaskus gehen und auf weitere Anweisungen warten. Saulus war durch das Licht jedoch blind geworden und seine Begleiter mussten ihn in die Stadt führen. In Damaskus lebte der Jünger Ananias. Jesus erschien ihm in einer Vision und sagte, er solle zu Saulus gehen. Er beschrieb ihm auch, wo er ihn finden würde. Ananias hatte aber Bedenken. Da erklärte Jesus: „Ich habe diesen Mann als Werkzeug ausgewählt, um meinen Namen sowohl zu den anderen Völkern als auch zu Königen und den Söhnen Israels zu tragen.“ Saulus erhielt sein Augenlicht zurück und begann dort in Damaskus, „über Jesus zu predigen, dass dieser der Sohn Gottes ist“ (Apostelgeschichte 9:15, 20).

      Mit Jesu Unterstützung konnten Paulus und andere Evangeliumsverkündiger das Werk fortführen, das Jesus begonnen hatte. Dank des Segens Gottes waren sie dabei außergewöhnlich erfolgreich. Nur gut 25 Jahre nachdem Jesus dem Paulus erschienen war, schrieb dieser, die gute Botschaft sei „in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden“ (Kolosser 1:23).

      Jahre später ließ Jesus Johannes, den Apostel, den er besonders liebte, eine Reihe von Visionen sehen, die im Bibelbuch Offenbarung aufgeschrieben sind. Durch diese Visionen konnte Johannes tatsächlich erleben, wie Jesus als König wiederkam (Johannes 21:22). Johannes schrieb: „Durch Inspiration befand ich mich . . . am Tag des Herrn“ (Offenbarung 1:10). Wann würde dieser Tag sein?

      Ein sorgfältiges Studium biblischer Prophezeiungen ergibt, dass der „Tag des Herrn“ in neuerer Zeit begann, genauer gesagt 1914. In diesem Jahr brach der Erste Weltkrieg aus. Seitdem ist die Welt geprägt durch Kriege, Seuchen, Hunger, Erdbeben und andere Katastrophen. Dies alles zeigt an, dass sich das „Zeichen“ für Jesu „Gegenwart“ und „das Ende“ umfassend erfüllt (Matthäus 24:3, 7, 8, 14). Nun wird die gute Botschaft vom Königreich nicht nur im Gebiet des Römischen Reichs gepredigt, sondern auf der ganzen Welt.

      Unter Inspiration erklärte Johannes, worauf all das hindeutet: „Jetzt sind die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Autorität seines Christus Wirklichkeit geworden“ (Offenbarung 12:10). Ja, Gottes Königreich im Himmel, das Jesus weit und breit bekannt gemacht hat, ist nun Realität!

      Für Jesu loyale Nachfolger ist das wirklich Grund, sich zu freuen. Sie sollten nicht vergessen, was Johannes geschrieben hat: „Darum freue dich, Himmel, samt denen, die in dir wohnen! Wehe der Erde und dem Meer, denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, weil er weiß, dass er nur eine kurze Frist hat“ (Offenbarung 12:12).

      Jesu Wartezeit an der rechten Seite seines Vaters ist nun vorbei. Jetzt regiert er als König. Und bald wird er alle seine Feinde beseitigen (Hebräer 10:12, 13). Welche spannenden Entwicklungen erwarten uns?

      • Was tat Jesus, als er wieder im Himmel war?

      • Wann begann der „Tag des Herrn“? Und was ist seitdem geschehen?

      • Warum haben wir allen Grund, uns zu freuen?

  • Jesus vollendet seinen Auftrag
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Menschen unterschiedlicher Hautfarbe im Paradies

      KAPITEL 139

      Jesus vollendet seinen Auftrag

      1. KORINTHER 15:24-28

      • WAS MIT DEN SCHAFEN UND DEN ZIEGEN GESCHEHEN WIRD

      • VIELE WERDEN IN EINEM PARADIES AUF DER ERDE LEBEN

      • JESUS ERWEIST SICH ALS DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN

      Schon bald nach seiner Taufe bekam Jesus es mit einem Feind zu tun, der entschlossen war, ihn zum Aufgeben zu bringen. Dabei hatte Jesus mit seinem Dienst noch nicht einmal begonnen. Der Teufel probierte wiederholt, Jesus in Versuchung zu bringen. Später sagte Jesus über ihn: „Der Herrscher der Welt kommt, aber er kann mir nichts anhaben“ (Johannes 14:30).

      Was stand diesem „großen Drachen — der Urschlange —, Teufel und Satan genannt“, bevor? Der Apostel Johannes sah in einer Vision, dass der schlimmste Feind der Menschheit aus dem Himmel geworfen wird und „große Wut [hat], weil er weiß, dass er nur eine kurze Frist hat“ (Offenbarung 12:9, 12). Christen haben allen Grund zu glauben, dass sie heute während dieser „kurzen Frist“ leben. Bald wird der „Drache, die Urschlange“, in den Abgrund geschleudert, wo er 1 000 Jahre lang zur Untätigkeit gezwungen sein wird, während Jesus in Gottes Königreich regiert (Offenbarung 20:1, 2).

      Was wird unterdessen auf der Erde, unserem Zuhause, geschehen? Wer wird auf ihr leben und wie werden die Lebensbedingungen sein? Jesus selbst hat einige Anhaltspunkte dazu gegeben. In der Veranschaulichung von den Schafen und Ziegen zeigte er, was alle erwartet, die wie Schafe sind. Diese Gerechten unterstützen seine Brüder und tun ihnen Gutes. Diejenigen, die wie Ziegen sind, tun aber genau das Gegenteil, und Jesus sagte unmissverständlich, was ihnen bevorsteht: „Sie werden in die ewige Abschneidung gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25:46).

      Das wirft Licht auf das, was Jesus zu dem Verbrecher neben ihm sagte: „Du wirst mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23:43). Jesus versprach ihm also nicht dasselbe, was er seinen treuen Aposteln versprochen hatte: das Vorrecht, im Königreich des Himmels mitzuregieren. Er schenkte ihm vielmehr die Aussicht, einmal im Paradies zu leben — einer wunderschönen parkähnlichen Umgebung. Auch diejenigen, die von Jesus als Schafe betrachtet werden und „in das ewige Leben“ gehen, werden in diesem Paradies sein.

      Dazu passt, was der Apostel Johannes über die Verhältnisse schrieb, die dann auf der Erde herrschen werden. Er sagte: „Das Zelt Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und den Tod wird es nicht mehr geben, noch wird es Trauer noch Schreie noch Schmerzen mehr geben. Was früher war, ist vergangen“ (Offenbarung 21:3, 4).

      Um im Paradies leben zu können, muss der Verbrecher jedoch erst auferweckt werden. Und er ist nicht der Einzige, der auferstehen wird, wie Jesus zeigte: „Es kommt die Zeit, wo alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden. Für die, die Gutes getan haben, wird es eine Auferstehung zum Leben sein und für die, die Schlechtes getrieben haben, eine Auferstehung zum Gericht“ (Johannes 5:28, 29).

      Und was ist mit Jesu Aposteln und den anderen, die bei Jesus im Himmel sein werden? Die Bibel sagt: „Sie werden Priester Gottes und des Christus sein, und sie werden während der 1 000 Jahre als Könige mit ihm regieren“ (Offenbarung 20:6). Diese Männer und Frauen werden somit Christi Mitregenten sein. Da sie auf der Erde gelebt haben, werden sie bestimmt voller Mitgefühl und Verständnis vom Himmel aus über die Menschen regieren (Offenbarung 5:10).

      Jesus wird außerdem sein Loskaufsopfer zugunsten der treuen Menschen nutzen und sie von dem Fluch der Erbsünde befreien. Zusammen mit seinen Mitregenten wird er sie zur Vollkommenheit bringen. Dann werden die Menschen endlich so leben, wie Gott es ursprünglich für Adam und Eva und alle ihre Nachkommen vorhatte. Und auch den Tod — eine Folge von Adams Sünde — wird es dann nicht mehr geben!

      Schließlich wird Jesus alles erfüllt haben, was Jehova ihm aufgetragen hat. Am Ende seiner Tausendjahrherrschaft wird er das Königreich und die vollkommene Menschheit seinem Vater übergeben. Über diesen überragenden Akt der Demut schrieb der Apostel Paulus: „Wenn dem Sohn . . . alles unterworfen sein wird, dann wird er sich auch selbst dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott allen alles ist“ (1. Korinther 15:28).

      Ja, Jesus spielt bei der Verwirklichung von Gottes großartigen Vorsätzen eine entscheidende Rolle. Und während sie im Laufe der Ewigkeit immer weiter offenbart werden, wird Jesus seiner Beschreibung auch weiter völlig gerecht werden: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14:6).

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