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Botschaften vom HimmelDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 1
Botschaften vom Himmel
EIGENTLICH ist die ganze Bibel eine Botschaft vom Himmel, die unser himmlischer Vater uns zur Unterweisung gegeben hat. Vor fast 2 000 Jahren jedoch überbrachte ein Engel, der „nahe vor Gott steht“, zwei besondere Botschaften. Sein Name ist Gabriel. Wir wollen untersuchen, was der Anlaß für diese beiden wichtigen Besuche auf der Erde war.
Man schreibt das Jahr 3 v. u. Z. Im judäischen Bergland, wahrscheinlich nicht allzuweit von Jerusalem entfernt, lebt ein Priester Jehovas mit Namen Sacharja. Er und seine Frau Elisabeth sind alt geworden. Und sie haben keine Kinder. Sacharja ist an der Reihe, seinen priesterlichen Dienst im Tempel Gottes in Jerusalem zu verrichten. Plötzlich erscheint Gabriel an der rechten Seite des Räucheraltars.
Sacharja fürchtet sich sehr. Aber Gabriel beruhigt ihn, indem er sagt: „Fürchte dich nicht, Sacharja, denn dein Flehen ist erhört worden, und deine Frau Elisabeth wird die Mutter eines Sohnes von dir werden, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.“ Gabriel verkündet weiter, daß Johannes „groß sein [wird] vor Jehova“ und daß er „ein zubereitetes Volk für Jehova“ bereitmachen wird.
Sacharja kann das jedoch nicht glauben. Es erscheint ihm unmöglich, daß er und Elisabeth in ihrem Alter noch ein Kind haben könnten. Daher sagt Gabriel: „Du wirst schweigen und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem diese Dinge geschehen, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast.“
Inzwischen wundern sich die Leute draußen, warum Sacharja so lange im Tempel bleibt. Als er schließlich herauskommt und nicht sprechen kann, sondern nur mit seinen Händen Zeichen macht, erkennen sie, daß er etwas Übernatürliches gesehen hat.
Nachdem Sacharja seinen Tempeldienst beendet hat, kehrt er nach Hause zurück. Und bald darauf geschieht es wirklich — Elisabeth wird schwanger! Während sie auf die Geburt ihres Kindes wartet, bleibt sie fünf Monate lang zu Hause und hält sich von den Menschen abgesondert.
Später erscheint Gabriel nochmals. Und mit wem spricht er? Mit einer jungen, unverheirateten Frau namens Maria aus der Stadt Nazareth. Welche Botschaft überbringt er diesmal? Höre einmal zu! „Du hast Gunst bei Gott gefunden“, sagt Gabriel zu Maria. „Siehe, du wirst in deinem Schoß empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ Gabriel fügt hinzu: „Dieser wird groß sein und wird Sohn des Höchsten genannt werden; ... und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben.“
Wir können sicher sein, daß es Gabriel als ein Vorrecht ansah, diese Botschaften zu überbringen. Je mehr wir über Johannes und Jesus lesen, desto deutlicher können wir erkennen, warum diese Botschaften vom Himmel so wichtig sind. 2. Timotheus 3:16; Lukas 1:5-33.
▪ Welche zwei wichtigen Botschaften kommen vom Himmel?
▪ Wer überbringt die Botschaften, und wem werden sie übermittelt?
▪ Warum ist es so schwer, den Botschaften Glauben zu schenken?
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Ihm wurde schon vor der Geburt Ehre erwiesenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 2
Ihm wurde schon vor der Geburt Ehre erwiesen
NACHDEM der Engel Gabriel Maria erzählt hat, daß sie einen Sohn gebären wird, der ein ewiger König sein wird, fragt Maria: „Wie soll dies sein, da ich keinen ehelichen Verkehr mit einem Mann habe?“
„Heiliger Geist wird über dich kommen“, erklärt Gabriel, „und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden.“
Um Maria zu helfen, diese Botschaft zu glauben, fährt Gabriel fort: „Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat in ihrem hohen Alter einen Sohn empfangen, und dies ist für sie, die sogenannt Unfruchtbare, der sechste Monat; denn bei Gott wird keine Erklärung etwas Unmögliches sein.“
Maria ist mit Gabriels Worten einverstanden. Und wie reagiert sie? „Siehe! Jehovas Sklavin!“ ruft sie aus. „Mir geschehe nach deiner Erklärung.“
Bald nachdem Gabriel sie wieder verlassen hat, macht sich Maria auf den Weg zu Elisabeth, die mit Sacharja, ihrem Mann, in der Berggegend von Judäa wohnt. Maria ist von ihrer Heimatstadt Nazareth bis dorthin etwa drei oder vier Tage unterwegs.
Als Maria schließlich ankommt, betritt sie das Haus Sacharjas und begrüßt Elisabeth. Daraufhin wird Elisabeth mit heiligem Geist erfüllt und sagt zu Maria: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Schoßes! Wie kommt es denn, daß mir dieses Vorrecht zuteil wird, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, da hüpfte das Kindlein vor Jubel in meinem Schoß.“
Als Maria das hört, erwidert sie mit tiefer Dankbarkeit: „Meine Seele verherrlicht Jehova, und mein Geist kann sich nicht zurückhalten, über Gott, meinen Retter, zu frohlocken; denn er hat auf die niedrige Stellung seiner Sklavin geschaut. Denn siehe, von nun an werden mich alle Generationen glücklich preisen; denn der Mächtige hat große Taten für mich getan.“ Obwohl Maria große Gunst erwiesen wird, gibt sie Jehova alle Ehre. „Heilig ist sein Name“, sagt sie, „und Generationen um Generationen ruht seine Barmherzigkeit auf denen, die ihn fürchten.“
Maria fährt fort, Gott zu preisen, und zwar in einem inspirierten prophetischen Lied, indem sie ausruft: „Er hat mächtig gehandelt mit seinem Arm, weithin zerstreut hat er die, die in der Absicht ihres Herzens hochmütig sind. Er hat Machthaber von Thronen herabgestoßen und Niedrige erhöht; er hat Hungrige mit guten Dingen völlig gesättigt, und er hat Reiche leer fortgeschickt. Er ist Israel, seinem Knecht, zu Hilfe gekommen, um der Barmherzigkeit zu gedenken, so wie er zu unseren Vorvätern geredet hat, zu Abraham und seinem Samen, für immer.“
Maria bleibt etwa drei Monate bei Elisabeth, und sie ist ihr in den letzten Wochen vor ihrer Niederkunft zweifellos eine große Hilfe. Es ist wirklich wunderbar, daß diese treuen Frauen, die beide mit der Hilfe Gottes ein Kind empfangen haben, in dieser gesegneten Zeit ihres Lebens zusammensein können.
Hast du bemerkt, daß Jesus bereits vor seiner Geburt Ehre erwiesen wurde? Elisabeth nannte ihn ‘mein Herr’, und ihr ungeborenes Kind hüpfte vor Jubel, als Maria eintraf. Andere Menschen dagegen behandelten Maria und ihr ungeborenes Kind mit wenig Respekt, wie wir später noch sehen werden. Lukas 1:26-56.
▪ Was sagt Gabriel zu Maria, um ihr verstehen zu helfen, auf welche Weise sie schwanger würde?
▪ Wie wurde Jesus schon vor seiner Geburt geehrt?
▪ Was sagt Maria in einem prophetischen Lied zum Lobpreis Gottes?
▪ Wie lange bleibt Maria bei Elisabeth, und warum ist es passend, daß die beiden Frauen während dieser Zeit zusammen sind?
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Der Wegbereiter ist geborenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 3
Der Wegbereiter ist geboren
ELISABETH steht kurz vor der Geburt ihres Kindes. Seit drei Monaten ist Maria bei ihr zu Besuch. Aber nun ist für sie die Zeit gekommen, sich zu verabschieden und den langen Heimweg nach Nazareth anzutreten. In etwa sechs Monaten wird auch sie ein Kind haben.
Kurz nach Marias Abreise bringt Elisabeth ihr Kind zur Welt. Die Freude darüber, daß die Geburt problemlos verlaufen ist und Elisabeth und das Baby wohlauf sind, ist groß. Als Elisabeth das Kindchen den Nachbarn und Verwandten zeigt, freuen sich alle mit ihr.
Gemäß dem Gesetz Gottes muß ein Knabe in Israel am achten Tag nach der Geburt beschnitten werden. Aus diesem Anlaß kommen Freunde und Verwandte zu Besuch. Sie meinen, der Knabe solle nach seinem Vater Sacharja genannt werden. Aber da meldet sich Elisabeth zu Wort: „Nicht doch“, sagt sie, „sondern er soll Johannes genannt werden.“ Wie du weißt, ist das der Name, der dem Kind, wie der Engel Gabriel gesagt hatte, gegeben werden sollte.
Die Freunde protestieren jedoch: „Niemand unter deinen Verwandten wird nach diesem Namen genannt.“ Dann fragen sie den Vater durch Zeichensprache, wie er den Knaben nennen möchte. Sacharja bittet um eine Tafel und schreibt zum Erstaunen aller: „Johannes ist sein Name.“
Daraufhin kann Sacharja wie durch ein Wunder wieder sprechen. Du wirst noch wissen, daß er seine Fähigkeit zu sprechen verloren hatte, weil er der Ankündigung des Engels, Elisabeth werde einen Sohn haben, nicht glaubte. Als nun alle Nachbarn Sacharja sprechen hören, wundern sie sich und sagen: „Was wird wohl aus diesem kleinen Kind werden?“
Sacharja, mit heiligem Geist erfüllt, jubelt: „Gesegnet sei Jehova, der Gott Israels, denn er hat seine Aufmerksamkeit seinem Volk zugewandt und ihm Befreiung bereitet. Und er hat für uns ein Horn der Rettung aufgerichtet im Hause Davids, seines Knechtes.“ Dieses „Horn der Rettung“ ist natürlich der Herr Jesus, der noch nicht geboren ist. Durch ihn, sagt Sacharja, wird Gott „uns, nachdem wir aus den Händen der Feinde befreit worden sind, das Vorrecht ... gewähren, ihm ohne Furcht heiligen Dienst darzubringen mit Loyalität und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage“.
Dann prophezeit Sacharja hinsichtlich seines Sohnes Johannes: „Und du aber, kleines Kind, du wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden, denn du wirst vor Jehova hergehen, um ihm die Wege zu bereiten, um seinem Volk Erkenntnis der Rettung durch Vergebung ihrer Sünden zu verschaffen wegen des innigen Erbarmens unseres Gottes. Mit diesem Erbarmen wird uns ein Tagesanbruch aus der Höhe besuchen, um denen Licht zu geben, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, um unsere Füße glücklich auf den Weg des Friedens zu richten.“
Etwa zur selben Zeit trifft Maria — die immer noch unverheiratet ist — zu Hause in Nazareth ein. Was wird mit ihr geschehen, wenn bekannt wird, daß sie schwanger ist? Lukas 1:56-80; 3. Mose 12:2, 3.
▪ Um wieviel ist Johannes älter als Jesus?
▪ Was geschieht, als Johannes acht Tage alt ist?
▪ Wie hat Gott seine Aufmerksamkeit seinem Volk zugewandt?
▪ Welches vorhergesagte Werk soll Johannes durchführen?
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Schwanger, aber nicht verheiratetDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 4
Schwanger, aber nicht verheiratet
MARIA ist im dritten Monat schwanger. Wie du weißt, war sie in der ersten Zeit ihrer Schwangerschaft bei Elisabeth, aber nun ist sie wieder zu Hause in Nazareth. Bald wird ihr Zustand in ihrer Heimatstadt kein Geheimnis mehr sein. Sie befindet sich tatsächlich in einer schwierigen Situation.
Was die Lage noch verschlimmert, ist die Tatsache, daß Maria verlobt ist und die Frau des Zimmermanns Joseph werden soll. Und sie weiß, daß eine Verlobte, die willentlich Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann hat, gemäß dem Gesetz Gottes für Israel zu Tode gesteinigt werden muß. Wie kann sie Joseph ihre Schwangerschaft erklären?
Da Maria drei Monate von zu Hause weg war, können wir uns vorstellen, daß Joseph es kaum erwarten kann, sie wiederzusehen. Als sie beisammen sind, bringt Maria ihm die Neuigkeit wahrscheinlich schonend bei. Sie tut sicherlich ihr Bestes, um ihm zu erklären, daß Gottes heiliger Geist für die Schwangerschaft verantwortlich ist. Aber wie du dir denken kannst, ist dies für Joseph eine sehr schwierige Sache.
Er weiß zwar, daß Maria einen einwandfreien Ruf hat. Und offensichtlich liebt er sie auch sehr. Doch trotz aller Unschuldsbeteuerungen ihrerseits hat es tatsächlich den Anschein, daß sie von irgendeinem Mann schwanger ist. Dennoch möchte Joseph natürlich nicht, daß sie zu Tode gesteinigt oder der öffentlichen Schande ausgesetzt wird. So beschließt er, sie heimlich durch Scheidung zu entlassen. Verlobte betrachtete man damals wie Eheleute, und es war eine Scheidung erforderlich, um eine Verlobung aufzulösen.
Dann begibt sich Joseph, während er noch über diese Angelegenheit nachdenkt, zur Ruhe. Jehovas Engel erscheint ihm im Traum und sagt: „Scheue dich nicht, Maria, deine Frau, heimzuführen, denn was in ihr gezeugt worden ist, ist durch heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden erretten.“
Wie froh ist Joseph doch, als er erwacht! Ohne Zeit zu verlieren, handelt er genau nach den Anweisungen des Engels. Er holt Maria in sein Haus. Diese Handlung in aller Öffentlichkeit entspricht einer Eheschließung, und dadurch wird bekannt, daß Joseph und Maria nun offiziell verheiratet sind. Aber Joseph hat keinen ehelichen Verkehr mit Maria, solange sie mit Jesus schwanger ist.
Sieh nur! Maria ist hochschwanger, und dennoch setzt Joseph sie auf einen Esel. Wohin gehen sie, und warum begeben sie sich gerade jetzt auf eine Reise, wo doch die Geburt kurz bevorsteht? Lukas 1:39-41, 56; Matthäus 1:18-25; 5. Mose 22:23, 24.
▪ Was geht in Joseph vor, als er erfährt, daß Maria schwanger ist, und warum?
▪ Wieso könnte Joseph Maria durch Scheidung entlassen, obwohl sie noch nicht verheiratet sind?
▪ Welche Handlung in aller Öffentlichkeit entspricht der Eheschließung von Joseph und Maria?
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Jesu Geburt — Wo und wann?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 5
Jesu Geburt — Wo und wann?
DER Herrscher des Römischen Reiches, Cäsar Augustus, hat verfügt, daß jeder in seine Geburtsstadt zurückkehren soll, um sich einschreiben zu lassen. Deshalb ist Joseph auf dem Weg nach Bethlehem, seiner Geburtsstadt.
In Bethlehem wimmelt es nur so von Menschen, die sich alle einschreiben lassen wollen, und die einzige Unterkunft, die Joseph und Maria finden können, ist in einem Stall. Hier, wo Esel und andere Tiere sind, wird Jesus geboren. Maria bindet ihn in Wickelbänder ein und legt ihn in eine Krippe, wo sich gewöhnlich das Futter für die Tiere befindet.
Bestimmt ist es auf die Leitung Gottes zurückzuführen, daß Cäsar Augustus das Gesetz der Einschreibung erlassen hat. Auf diese Weise wird bewirkt, daß Jesus in Bethlehem zur Welt kommt, in der Stadt, die in der Heiligen Schrift schon vor langer Zeit als Geburtsort für den verheißenen Herrscher vorhergesagt worden war.
Von welcher Bedeutung diese Nacht doch ist! Draußen auf dem Feld ist eine Gruppe von Hirten von einem strahlenden Licht umgeben. Es ist Jehovas Herrlichkeit! Und Jehovas Engel verkündet ihnen: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine gute Botschaft großer Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden wird, denn euch ist heute in Davids Stadt ein Retter geboren worden, welcher Christus, der Herr, ist. Und dies ist euch ein Zeichen: Ihr werdet ein Kindlein finden, das in Wickelbänder eingebunden ist und in einer Krippe liegt.“ Plötzlich erscheinen viele Engel, die singen: „Herrlichkeit Gott in den Höhen droben und Frieden auf Erden unter Menschen guten Willens.“
Als sich die Engel entfernen, sagen die Hirten zueinander: „Laßt uns auf jeden Fall nach Bethlehem hinübergehen und das sehen, was geschehen ist, was Jehova uns bekanntgegeben hat.“ Sie beeilen sich und finden Jesus genau an dem Ort, den der Engel ihnen beschrieben hat. Als die Hirten berichten, was der Engel zu ihnen geredet hat, staunen alle, die es hören. Maria bewahrt alles, was gesprochen wird, in ihrem Herzen.
Heute glauben viele Menschen, Jesus sei am 25. Dezember geboren. Doch im Dezember ist es in Bethlehem kalt und regnerisch. Hirten würden in dieser Jahreszeit nicht die Nacht mit ihren Herden auf den Feldern verbringen. Außerdem hätte wahrscheinlich der römische Kaiser von einem Volk, das ohnehin geneigt war, sich gegen ihn aufzulehnen, nicht verlangt, sich im tiefsten Winter auf eine Reise zu begeben, um sich einschreiben zu lassen. Offensichtlich wurde Jesus irgendwann im Frühherbst geboren. Lukas 2:1-20; Micha 5:2.
▪ Warum reisen Joseph und Maria nach Bethlehem?
▪ Welche wunderbaren Dinge ereignen sich in der Nacht, in der Jesus geboren wird?
▪ Wieso wissen wir, daß Jesus nicht am 25. Dezember geboren wurde?
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Das verheißene KindDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 6
Das verheißene Kind
ANSTATT nach Nazareth zurückzukehren, bleiben Joseph und Maria in Bethlehem. Sie lassen Jesus im Alter von acht Tagen beschneiden, wie es in dem durch Moses übermittelten Gesetz Gottes geboten wird. Offensichtlich ist es auch Brauch, einem Knaben am achten Tag einen Namen zu geben. Sie folgen der Anweisung des Engels Gabriel und nennen ihr Kind Jesus.
Mehr als ein Monat vergeht. Jesus ist nun 40 Tage alt. Wohin bringen ihn seine Eltern nun? Zum Tempel in Jerusalem, der von ihrem Wohnort nur wenige Kilometer entfernt ist. Gemäß dem mosaischen Gesetz muß die Mutter eines Sohnes 40 Tage nach seiner Geburt im Rahmen der Reinigungsvorschriften ein Schlachtopfer im Tempel darbringen.
Maria folgt den Anweisungen. Sie bringt als Schlachtopfer zwei kleine Vögel dar. Das verrät etwas über die wirtschaftliche Lage von Joseph und Maria. Nach dem Gesetz sollte ein junger Widder, der viel wertvoller ist als Vögel, geopfert werden. Ist die Mutter jedoch nicht dazu in der Lage, so genügen zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Im Tempel nimmt ein alter Mann Jesus in die Arme. Sein Name ist Simeon. Gott hat ihm geoffenbart, daß er vor seinem Tod Jehovas verheißenen Christus sehen werde. Als Simeon an diesem Tag in den Tempel kommt, wird er durch den heiligen Geist zu dem Kind geführt, das von Joseph und Maria hereingebracht wird.
Während Simeon den kleinen Jesus auf dem Arm hält, dankt er Gott und sagt: „Nun, Souveräner Herr, entläßt du deinen Sklaven in Frieden, deiner Erklärung gemäß; denn meine Augen haben dein Mittel zur Rettung gesehen, das du angesichts aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Beseitigung des Schleiers von den Nationen und eine Herrlichkeit deines Volkes Israel.“
Joseph und Maria sind über diese Worte sehr erstaunt. Simeon segnet sie und sagt zu Maria, ihr Sohn sei „in Israel zum Fall und Wiederaufstehen vieler gesetzt“, und gleich einem langen Schwert werde Kummer ihre Seele durchdringen.
Zu dieser Zeit hält sich auch die 84jährige Prophetin Anna im Tempel auf, ja sie fehlt dort niemals. Da kommt sie gerade. Sie dankt Gott und spricht mit allen, die ihr zuhören, über Jesus.
Wie sich doch Joseph und Maria über diese Geschehnisse im Tempel freuen! All das bestätigt ihnen sicherlich, daß das Kind der von Gott Verheißene ist. Lukas 2:21-38; 3. Mose 12:1-8.
▪ Wann erhielt gemäß israelitischem Brauch ein Knabe offensichtlich seinen Namen?
▪ Was wurde von einer israelitischen Mutter verlangt, wenn ihr Sohn 40 Tage alt war, und inwiefern verrät die Art und Weise, wie Maria dieses Erfordernis erfüllt, etwas über ihre wirtschaftliche Lage?
▪ Wer erkennt bei dieser Gelegenheit, wer Jesus ist, und wie zeigen sie das?
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Jesus und die AstrologenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 7
Jesus und die Astrologen
VON Osten her nähern sich einige Männer. Es sind Astrologen — Männer, die behaupten, die Laufbahn der Sterne deuten zu können. In ihrer Heimat, im Osten, haben sie einen neuen Stern gesehen, und sie sind ihm Hunderte von Kilometern bis nach Jerusalem gefolgt.
Als sie in Jerusalem eintreffen, fragen sie: „Wo ist der als König der Juden Geborene? Denn als wir im Osten waren, sahen wir seinen Stern, und wir sind gekommen, ihm zu huldigen.“
Als König Herodes in Jerusalem davon hört, ist er außer sich. Er ruft die Oberpriester zu sich und fragt sie, wo der Christus geboren werden soll. Sie stützen ihre Antwort auf die heiligen Schriften und erwidern: „In Bethlehem.“ Daraufhin läßt Herodes die Astrologen zu sich rufen und befiehlt ihnen: „Geht und stellt genaue Nachforschungen nach dem kleinen Kind an, und wenn ihr es gefunden habt, so meldet es mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.“ Aber in Wirklichkeit will Herodes das Kind töten.
Nachdem die Astrologen weggegangen sind, geschieht etwas Erstaunliches. Der Stern, den sie bereits im Osten gesehen haben, geht vor ihnen her. Natürlich handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Stern, denn er ist dazu ausersehen, sie zu führen. Die Astrologen folgen ihm, bis er über dem Ort stehenbleibt, wo Joseph und Maria sich aufhalten.
Als die Astrologen das Haus betreten, finden sie Maria mit dem kleinen Jesus. Alle verbeugen sich vor ihm. Und sie holen aus ihren Taschen Geschenke hervor: Gold, duftendes Harz und Myrrhe. Als sie dann im Begriff sind, zu Herodes zurückzukehren, um ihm mitzuteilen, wo sich das Kind befindet, werden sie von Gott durch einen Traum von ihrem Plan abgebracht. Und so kehren sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück.
Wer sorgte deiner Meinung nach dafür, daß sich der Stern am Himmel so bewegte, daß er den Astrologen als Wegweiser diente? Wie du weißt, führte der Stern sie nicht direkt zu Jesus nach Bethlehem. Statt dessen wurden sie nach Jerusalem geführt, wo sie mit König Herodes zusammentrafen, der Jesus töten wollte. Genau das hätte Herodes getan, wenn Gott nicht eingegriffen und die Astrologen davor gewarnt hätte, Herodes mitzuteilen, wo Jesus war. Es war Gottes Feind, Satan, der Teufel, der Jesus töten wollte, und mit Hilfe des Sterns versuchte er, diese Absicht zu verwirklichen. Matthäus 2:1-12; Micha 5:2.
▪ Was beweist, daß der Stern, den die Astrologen sahen, kein gewöhnlicher Stern war?
▪ Wo befindet sich Jesus, als die Astrologen ihn finden?
▪ Wieso wissen wir, daß Satan den Astrologen indirekt den Weg gewiesen hat?
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Flucht vor einem TyrannenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 8
Flucht vor einem Tyrannen
JOSEPH weckt Maria auf, um ihr etwas Dringendes mitzuteilen. Ein Engel Jehovas ist ihm gerade erschienen und hat zu ihm gesagt: „Steh auf, nimm das kleine Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten, und halte dich dort auf, bis ich dir Bescheid gebe; denn Herodes ist im Begriff, nach dem kleinen Kind zu suchen, um es zu vernichten.“
Eilig machen sich die drei auf den Weg, und zwar gerade zur rechten Zeit, denn Herodes hat erfahren, daß die Astrologen ihn überlistet und das Land verlassen haben. Wie du weißt, sollten sie Herodes Bericht erstatten, wenn sie Jesus gefunden hätten. Herodes ist voller Wut. In dem Versuch, Jesus zu töten, befiehlt er, in Bethlehem und dessen ganzem Gebiet alle Knaben im Alter von zwei Jahren und darunter umzubringen. Bei dieser Altersbegrenzung stützt er sich auf die Angaben, die er zuvor von den Astrologen erhalten hat, die aus dem Osten gekommen waren.
Es ist schrecklich, mit anzusehen, wie die kleinen Jungen getötet werden! In ein Haus nach dem anderen dringen die Soldaten des Herodes ein. Und wenn sie einen Knaben finden, entreißen sie ihn den Armen seiner Mutter. Wir wissen nicht, wie viele Kinder sie umbringen, doch durch das große Weinen und Wehklagen der Mütter erfüllt sich eine biblische Prophezeiung von Jeremia, einem Propheten Gottes.
Inzwischen sind Joseph und seine Familie sicher in Ägypten angekommen und haben sich dort niedergelassen. Doch eines Nachts erscheint Jehovas Engel Joseph wieder im Traum. „Steh auf, nimm das kleine Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel“, sagt der Engel, „denn die, die dem kleinen Kind nach der Seele trachteten, sind tot.“ So begibt sich die Familie wieder in ihr Heimatland, wodurch eine andere biblische Prophezeiung in Erfüllung geht, die besagt, daß Gottes Sohn aus Ägypten gerufen würde.
Offensichtlich beabsichtigt Joseph, sich in der Stadt Bethlehem in Judäa niederzulassen, wo die Familie vor der Flucht nach Ägypten gewohnt hat. Aber er erfährt, daß jetzt in Judäa Archelaus, der böse Sohn des Herodes, König ist. Außerdem wird er in einem weiteren Traum von Jehova gewarnt. Daher geht Joseph mit seiner Familie nach Norden und siedelt sich in der Stadt Nazareth in Galiläa an. Hier wächst Jesus auf, fern vom Zentrum des religiösen Lebens der Juden. Matthäus 2:13-23; Jeremia 31:15; Hosea 11:1.
▪ Welchen schrecklichen Befehl gibt König Herodes, als er bemerkt, daß die Astrologen nicht zurückkehren, und wie wird Jesus beschützt?
▪ Warum läßt sich Joseph mit seiner Familie nicht wieder in Bethlehem nieder, nachdem sie aus Ägypten zurückgekehrt sind?
▪ Welche biblischen Prophezeiungen erfüllen sich in dieser Zeit?
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Die Verwandten JesuDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 9
Die Verwandten Jesu
DIE Stadt Nazareth, in der Jesus aufwächst, ist eine ziemlich unbedeutende Kleinstadt. Sie liegt in einem hügeligen Land namens Galiläa, unweit der schönen Talebene Jesreel.
Als Joseph und Maria den wahrscheinlich zweijährigen Jesus aus Ägypten hierherbringen, ist er offensichtlich Marias einziges Kind. Allerdings nicht lange. Im Laufe der Zeit werden Jakobus, Joseph, Simon und Judas geboren, und Maria und Joseph werden auch die Eltern von Mädchen. Schließlich hat Jesus mindestens sechs jüngere Geschwister.
Jesus hat auch noch andere Verwandte. Wir kennen schon seinen älteren Cousin Johannes, der weit weg in Judäa lebt. Wesentlich näher, nämlich ebenfalls in Galiläa, wohnt Salome, möglicherweise eine Schwester Marias. Salome ist mit Zebedäus verheiratet, und ihre Söhne, Jakobus und Johannes, sind Jesu Cousins. Wir wissen nicht, ob Jesus in seiner Kindheit viel mit diesen Jungen zusammen ist, aber später werden sie enge Gefährten.
Joseph muß hart arbeiten, um seine wachsende Familie zu ernähren. Er ist Zimmermann. Joseph zieht Jesus wie seinen eigenen Sohn auf, und daher wird Jesus auch „des Zimmermanns Sohn“ genannt. Joseph lehrt Jesus das Zimmermannshandwerk, und dieser erweist sich als guter Schüler. Darum sagen die Menschen später von Jesus: „Ist dieser nicht der Zimmermann?“
Die Anbetung Jehovas hat ihren festen Platz im Leben der Familie Josephs. Joseph und Maria vermitteln ihren Kindern geistige Belehrung, ‘wenn sie in ihrem Hause sitzen, wenn sie auf dem Wege gehen, wenn sie sich niederlegen und wenn sie aufstehen’, und befolgen so das von Gott gegebene Gesetz. In Nazareth gibt es eine Synagoge, und sicherlich nimmt Joseph seine Familie regelmäßig zur Anbetung mit dorthin. Ihre größte Freude sind zweifellos die alljährlichen Reisen zum Tempel Jehovas in Jerusalem. Matthäus 13:55, 56; 27:56; Markus 15:40; 6:3; 5. Mose 6:6-9.
▪ Wie viele jüngere Brüder und Schwestern hat Jesus mindestens, und wie lauten die Namen einiger?
▪ Wer sind die drei bekannten Cousins von Jesus?
▪ Welche weltliche Beschäftigung nimmt Jesus auf, und warum?
▪ Welche wichtige Belehrung vermittelt Joseph seiner Familie?
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Reisen nach JerusalemDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 10
Reisen nach Jerusalem
ES IST Frühling. Für Joseph und seine Familie ist die Zeit gekommen, sich zusammen mit Freunden und Verwandten auf die alljährliche Frühlingsreise nach Jerusalem zu begeben, um dort das Passah zu feiern. Beim Aufbruch zu ihrer etwa 100 Kilometer langen Reise herrscht die übliche Aufregung. Jesus ist jetzt 12 Jahre alt, und er blickt mit besonderem Interesse dem Fest entgegen.
Für Jesus und seine Angehörigen ist das Passah nicht nur die Angelegenheit eines Tages. Sie bleiben auch noch während des anschließenden siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote, das für sie gewissermaßen mit zum Passahfest gehört, in Jerusalem. Somit dauert die ganze Reise — die Anreise von ihrer Heimatstadt Nazareth, der Aufenthalt in Jerusalem und die Rückreise — jeweils etwa zwei Wochen. Doch in diesem Jahr sind sie länger unterwegs, und dafür ist Jesus verantwortlich.
Das Problem ergibt sich erst auf der Rückreise von Jerusalem. Joseph und Maria nehmen an, daß sich Jesus in der Gruppe ihrer mitreisenden Verwandten und Freunde befindet. Da er jedoch nicht auftaucht, als sie haltmachen, um zu übernachten, suchen sie ihn bei ihren Gefährten. Aber er ist nirgends zu finden. Daher gehen Joseph und Maria den ganzen Weg zurück nach Jerusalem und halten dort nach ihm Ausschau.
Einen ganzen Tag lang suchen sie ihn vergebens. Auch am zweiten Tag können sie ihn nicht finden. Schließlich gehen sie am dritten Tag in den Tempel. Dort sitzt Jesus in einer der Hallen inmitten der jüdischen Lehrer, denen er zuhört und Fragen stellt.
„Kind, warum hast du so an uns gehandelt?“ fragt Maria. „Sieh, dein Vater und ich haben dich ganz verzweifelt gesucht.“
Jesus ist überrascht, daß sie nicht wußten, wo sie ihn finden konnten. „Wie habt ihr mich nur suchen können?“ fragt er. „Wußtet ihr nicht, daß ich im Haus meines Vaters sein muß?“
Jesus kann nicht verstehen, warum seine Eltern das nicht wußten. Daraufhin kehrt Jesus mit seinen Eltern nach Hause zurück und bleibt ihnen weiterhin untertan. Er nimmt an Weisheit und Körpergröße und an Gunst bei Gott und den Menschen zu. Ja, von Kindheit an gibt Jesus ein wunderbares Beispiel, indem er sowohl geistige Interessen verfolgt als auch Respekt vor seinen Eltern bekundet. Lukas 2:40-52; 22:7.
▪ Wohin reist Jesus zusammen mit seinen Angehörigen jeweils im Frühling, und wie lange dauern diese Reisen?
▪ Was geschieht auf der Reise, die sie unternehmen, als Jesus 12 Jahre alt ist?
▪ Welches Beispiel gibt Jesus für Jugendliche von heute?
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Johannes bereitet den WegDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 11
Johannes bereitet den Weg
SIEBZEHN Jahre sind vergangen, seit der 12jährige Jesus die Lehrer im Tempel befragt hat. Gegenwärtig — im Frühjahr des Jahres 29 u. Z. — scheint jeder über Jesu Cousin Johannes zu sprechen, der im Gebiet des Jordan predigt.
Johannes ist tatsächlich eine eindrucksvolle Persönlichkeit — was sowohl sein Aussehen als auch seine Äußerungen betrifft. Er trägt Kleidung aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Lenden. Seine Nahrung besteht aus Heuschrecken und wildem Honig. Und welche Botschaft verkündigt er? „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“
Diese Botschaft rüttelt seine Zuhörer auf. Viele erkennen, daß sie bereuen müssen, das heißt, sie müssen ihre Einstellung ändern und sich völlig von ihrer früheren Lebensweise abkehren, da sie nicht Gottes Anforderungen entspricht. Daher kommen die Menschen in großer Zahl aus dem ganzen Gebiet des Jordan und sogar aus Jerusalem zu Johannes. Er tauft sie, indem er sie im Jordan untertaucht. Warum tut er das?
Johannes tauft die Menschen als Symbol oder in Anerkennung ihrer von Herzen kommenden Reue über ihre Sünden, die sie gegen Gottes Gesetzesbund begangen haben. Als jedoch einige Pharisäer und Sadduzäer an den Jordan kommen, werden sie von Johannes verurteilt. „Ihr Otternbrut“, sagt er. „Bringt ... Frucht hervor, die der Reue entspricht; und maßt euch nicht an, euch einzureden: ‚Wir haben Abraham zum Vater.‘ Denn ich sage euch, daß Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. Schon liegt die Axt an der Wurzel der Bäume; jeder Baum nun, der keine vortreffliche Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen werden.“
Da Johannes allgemein Aufmerksamkeit erregt, schicken die Juden Priester und Leviten zu ihm. Diese fragen ihn: „Wer bist du?“
„Ich bin nicht der Christus“, bekennt Johannes.
„Was denn?“ fragen sie. „Bist du Elia?“
„Ich bin es nicht“, antwortet er.
„Bist du DER PROPHET?“
„Nein!“
Beharrlich fragen sie erneut: „Wer bist du? Damit wir denen Antwort geben können, die uns gesandt haben. Was sagst du über dich selbst?“
Johannes erklärt: „Ich bin eine Stimme jemandes, der in der Wildnis ruft: ‚Macht den Weg Jehovas gerade‘, so wie es Jesaja, der Prophet, gesagt hat.“
„Warum taufst du denn“, wollen sie wissen, „wenn du selbst nicht der Christus oder Elia oder DER PROPHET bist?“
„Ich taufe im Wasser“, antwortet er. „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, der hinter mir her Kommende.“
Johannes bereitet den Weg, damit sich die Menschen in der richtigen Herzensverfassung befinden, um den Messias, den kommenden König, anzunehmen. Über ihn sagt Johannes: „Der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Sandalen abzunehmen.“ Tatsächlich sagt Johannes sogar: „Der nach mir Kommende ist mir vorausgegangen, denn er hat vor mir existiert.“
Somit wird durch die Botschaft des Johannes — „das Königreich der Himmel hat sich genaht“ — öffentlich bekanntgemacht, daß der Dienst des von Jehova ernannten Königs, Jesus Christus, bald beginnen wird. Johannes 1:6-8, 15-28; Matthäus 3:1-12; Lukas 3:1-18; Apostelgeschichte 19:4.
▪ Was für ein Mann ist Johannes?
▪ Warum tauft Johannes die Menschen?
▪ Warum kann Johannes sagen, daß sich das Königreich genaht hat?
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Jesu TaufeDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 12
Jesu Taufe
VOR etwa sechs Monaten hat Johannes mit seiner Predigttätigkeit begonnen. Jesus, der nun 30 Jahre alt ist, kommt zu ihm an den Jordan. Aus welchem Grund? Lediglich, um ihm einen Besuch abzustatten? Möchte Jesus nur erfahren, welche Fortschritte das Werk macht, das Johannes durchführt? Nein, Jesus bittet Johannes, ihn zu taufen.
Doch Johannes protestiert: „Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?“ Johannes weiß, daß sein Cousin Jesus ein besonderer Sohn Gottes ist. Denke daran, daß Johannes vor Freude im Leib seiner Mutter hüpfte, als Maria, die mit Jesus schwanger war, sie besuchte. Johannes hat das sicherlich später von seiner Mutter Elisabeth erfahren. Und sie hat ihm bestimmt auch von der Ankündigung der Geburt Jesu durch einen Engel erzählt und davon, daß in der Nacht, in der Jesus geboren wurde, den Hirten Engel erschienen.
Somit ist Jesus für Johannes kein Fremder. Und Johannes weiß auch, daß die Taufe, die er durchführt, in ihrer Bedeutung nicht auf Jesus zutrifft. Sie ist für diejenigen gedacht, die ihre Sünden bereuen, doch Jesus ist ohne Sünde. Jesus läßt sich trotz des Einwands nicht beirren und sagt: „Laß es diesmal so sein, denn auf diese Weise ziemt es sich für uns, alles auszuführen, was gerecht ist.“
Warum ist es also richtig, daß Jesus sich taufen läßt? Weil im Falle Jesu die Taufe nicht ein Symbol der Reue über Sünden ist, sondern ein Symbol dafür, daß er sich seinem Vater darstellt, um seinen Willen zu tun. Bis dahin war Jesus Zimmermann, doch jetzt ist die Zeit gekommen, den Dienst zu beginnen, um dessentwillen ihn Jehova Gott auf die Erde gesandt hat. Meinst du, daß Johannes etwas Ungewöhnliches erwartet, als er Jesus tauft?
Nun, Johannes berichtet später: „Der mich gesandt hat, um im Wasser zu taufen, sprach zu mir: ‚Auf wen immer du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der in heiligem Geist tauft.‘ “ Somit weiß Johannes, daß Gottes Geist auf irgend jemand herabkommt, den er tauft. Daher ist er möglicherweise gar nicht so sehr überrascht, daß er, als Jesus aus dem Wasser heraufkommt, „Gottes Geist wie eine Taube herabfahren und auf ihn kommen“ sieht.
Aber bei Jesu Taufe geschieht sogar noch mehr. Für ihn ‘werden die Himmel geöffnet’. Was bedeutet das? Es bedeutet offensichtlich, daß er, während er getauft wird, die Erinnerung an sein vormenschliches Leben im Himmel wiedererlangt. Somit erinnert sich Jesus nun völlig an sein Leben als Geistsohn Jehovas, also auch an all das, was Gott ihm während seiner vormenschlichen Existenz im Himmel gesagt hat.
Bei seiner Taufe verkündet außerdem eine Stimme aus dem Himmel: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Wessen Stimme ist das? Jesu eigene Stimme? Natürlich nicht! Es ist die Stimme Gottes. Jesus ist eindeutig Gottes Sohn, nicht Gott selbst, wie das einige behaupten.
Indes ist Jesus wie der erste Mensch Adam ein menschlicher Sohn Gottes. Der Jünger Lukas schreibt, nachdem er Jesu Taufe geschildert hat: „Jesus selbst [war], als er sein Werk anfing, ungefähr dreißig Jahre alt und war, wie man meinte, der Sohn Josephs, Sohn des Heli, ... Sohn des David, ... Sohn des Abraham, ... Sohn des Noah, ... Sohn des Adam, des Sohnes Gottes.“
So, wie Adam ein menschlicher Sohn Gottes war, so ist es auch Jesus. Jesus ist der größte Mensch, der je lebte, was offenkundig wird, wenn wir Jesu Leben untersuchen. Bei seiner Taufe jedoch tritt Jesus zu Gott in ein neues Verhältnis, da er auch Gottes Geistsohn wird. Gott ruft ihn sozusagen in den Himmel zurück, indem er ihn auf einen Weg bringt, der dazu führen wird, daß er sein menschliches Leben für immer als Opfer für die verurteilte Menschheit niederlegt. Matthäus 3:13-17; Lukas 3:21-38; 1:34-36, 44; 2:10-14; Johannes 1:32-34; Hebräer 10:5-9.
▪ Warum ist Jesus für Johannes kein Fremder?
▪ Warum wird Jesus getauft, obwohl er keine Sünden begangen hat?
▪ Angesichts welcher Tatsachen, die Johannes über Jesus weiß, dürfte es für ihn keine Überraschung sein, daß der heilige Geist auf Jesus kommt?
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Aus den Versuchungen Jesu lernenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 13
Aus den Versuchungen Jesu lernen
UNMITTELBAR nach seiner Taufe wird Jesus vom Geist Gottes in die Wildnis von Judäa geführt. Er muß über vieles nachdenken, denn bei seiner Taufe ‘wurden die Himmel geöffnet’, so daß er himmlische Dinge wahrnehmen konnte. Ja es gibt vieles, worüber er nachzusinnen hat!
Jesus verbringt 40 Tage und 40 Nächte in der Wildnis und nimmt in dieser Zeit keine Nahrung zu sich. Als Jesus schließlich großen Hunger verspürt, nähert sich ihm der Teufel, um ihn mit den Worten zu versuchen: „Wenn du ein Sohn Gottes bist, so sage diesen Steinen, daß sie Brote werden.“ Aber Jesus ist sich darüber im klaren, daß es falsch ist, seine Wunderkräfte dazu zu benutzen, persönliche Wünsche zu befriedigen. So weist er die Versuchung zurück.
Der Teufel gibt jedoch nicht auf. Er nähert sich Jesus von neuem. Diesmal fordert er ihn auf, sich von der Zinne des Tempels hinabzuwerfen, denn die Engel würden ihn vor Unheil bewahren. Aber Jesus läßt sich nicht zu einem so aufsehenerregenden Schauspiel verleiten. Jesus zitiert aus den Schriften und zeigt, daß es falsch ist, Gott auf diese Weise auf die Probe zu stellen.
Bei der dritten Versuchung läßt der Teufel Jesus auf übernatürliche Weise alle Königreiche der Welt sehen und sagt: „Alle diese Dinge will ich dir geben, wenn du niederfällst und mir einen Akt der Anbetung erweist.“ Und wieder weist Jesus die Versuchung, etwas Unrechtes zu tun, zurück und entscheidet sich dafür, Gott treu zu bleiben.
Zweifellos können wir aus den Versuchungen Jesu etwas lernen. Sie beweisen zum Beispiel, daß der Teufel nicht lediglich das Böse im Menschen ist, wie einige behaupten, sondern daß er tatsächlich eine unsichtbare Person ist. Die dritte Versuchung Jesu zeigt außerdem, daß dem Teufel alle Reiche der Welt gehören. Denn wie hätte sein Angebot sonst für Christus wirklich eine Versuchung darstellen können?
Denke auch an folgendes: Der Teufel sagte, er sei bereit, Jesus für einen Akt der Anbetung zu belohnen, ja er wolle ihm sogar alle Königreiche der Welt geben. Der Teufel mag auf ähnliche Weise an uns herantreten, um uns zu versuchen. Vielleicht macht er uns verlockende Angebote, weltlichen Reichtum, Macht oder eine gewisse Position zu erlangen. Wie weise wäre es doch, wenn wir dem Beispiel Jesu folgen und uns in jeder Versuchung Gott gegenüber als treu erweisen würden! Matthäus 3:16; 4:1-11; Markus 1:12, 13; Lukas 4:1-13.
▪ Worüber denkt Jesus offenbar während der 40 Tage in der Wildnis nach?
▪ Wie geht der Teufel vor, um Jesus zu versuchen?
▪ Was können wir aus den Versuchungen Jesu lernen?
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Die ersten Jünger JesuDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 14
Die ersten Jünger Jesu
NACHDEM Jesus 40 Tage in der Wildnis zugebracht hat, kehrt er zu Johannes zurück, der ihn getauft hat. Als Jesus näher kommt, zeigt Johannes offenbar auf ihn und ruft den Anwesenden zu: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Dieser ist es, über den ich sagte: Hinter mir her kommt ein Mann, der mir vorausgegangen ist, denn er hat vor mir existiert.“ Johannes ist zwar älter als sein Cousin Jesus, aber er weiß, daß Jesus schon vor ihm existiert hat, und zwar als Geistperson im Himmel.
Als Jesus jedoch einige Wochen zuvor zu Johannes kam, um getauft zu werden, wußte Johannes nicht mit Gewißheit, daß Jesus der Messias werden sollte. „Auch ich kannte ihn nicht“, bekennt Johannes, „aber damit er Israel offenbar gemacht werde, darum bin ich gekommen und habe im Wasser getauft.“
Johannes erklärt seinen Zuhörern weiterhin, was geschah, als er Jesus taufte: „Ich sah den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabkommen, und er blieb auf ihm. Auch ich kannte ihn nicht, doch der mich gesandt hat, um im Wasser zu taufen, sprach zu mir: ‚Auf wen immer du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der in heiligem Geist tauft.‘ Und ich habe es gesehen, und ich habe Zeugnis abgelegt, daß dieser der Sohn Gottes ist.“
Am nächsten Tag stehen Johannes und zwei seiner Jünger zusammen. Wiederum sagt er, als sich Jesus ihnen nähert: „Siehe, das Lamm Gottes!“ Daraufhin folgen die beiden Jünger Johannes’ des Täufers Jesus nach. Einer heißt Andreas, und bei dem anderen handelt es sich offensichtlich um den Johannes, der diese Dinge berichtet. Dieser Johannes ist — gemäß gewissen Hinweisen — ebenfalls ein Cousin Jesu, anscheinend der Sohn von Marias Schwester Salome.
Als sich Jesus umwendet und sieht, daß ihm Andreas und Johannes folgen, fragt er sie: „Was sucht ihr?“
„Rabbi“, fragen sie, „wo hältst du dich auf?“
„Kommt, und ihr werdet sehen“, antwortet Jesus.
Es ist jetzt etwa 4 Uhr nachmittags, und Andreas und Johannes verbringen den Rest des Tages zusammen mit Jesus. Andreas ist von allem so sehr beeindruckt, daß er sofort seinen Bruder Petrus sucht. „Wir haben den Messias gefunden“, berichtet er ihm. Und er führt Petrus zu Jesus. Vielleicht sucht Johannes zur gleichen Zeit nach seinem Bruder Jakobus und bringt auch ihn zu Jesus, doch bezeichnenderweise liefert uns Johannes in seinem Evangelium keinerlei persönliche Informationen.
Am nächsten Tag trifft Jesus Philippus, der aus Bethsaida gebürtig ist, derselben Stadt, aus der Andreas und Petrus ursprünglich kommen. Jesus lädt ihn ein: „Folge mir nach.“
Philippus begegnet dann Nathanael, der auch Bartholomäus genannt wird, und sagt zu ihm: „Wir haben den gefunden, von dem Moses im GESETZ und die PROPHETEN schrieben, Jesus, den Sohn Josephs, von Nazareth.“ Nathanael hat Zweifel. „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ fragt er.
„Komm und sieh“, drängt Philippus ihn. Als sie zu Jesus kommen, sagt dieser zu Nathanael: „Siehe, bestimmt ein Israelit, in dem kein Trug ist.“
„Wie kommt es, daß du mich kennst?“ fragt Nathanael.
„Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich“, antwortet Jesus.
Nathanael ist erstaunt und sagt: „Rabbi [das bedeutet Lehrer], du bist der Sohn Gottes, du bist König von Israel.“
„Weil ich dir sagte, daß ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du?“ fragt Jesus. „Du wirst größere Dinge sehen als diese.“ Dann verspricht er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel aufgetan und die Engel Gottes zum Menschensohn auf- und niedersteigen sehen.“
Kurz darauf verläßt Jesus zusammen mit seinen neuen Jüngern das Jordantal und geht nach Galiläa. Johannes 1:29-51.
▪ Wie heißen die ersten Jünger Jesu?
▪ Wie wird Petrus und möglicherweise auch Jakobus mit Jesus bekannt gemacht?
▪ Was überzeugt Nathanael, daß Jesus der Sohn Gottes ist?
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Das erste Wunder JesuDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 15
Das erste Wunder Jesu
ERST vor ein oder zwei Tagen sind Andreas, Petrus, Johannes, Philippus und Nathanael und vielleicht auch Jakobus Jesu erste Jünger geworden. Sie kehren jetzt in den Bezirk Galiläa zurück, von wo sie alle herkommen. Ihr Ziel ist Kana, die Heimatstadt Nathanaels, die im Hügelland liegt, nicht weit von Nazareth entfernt, wo Jesus aufgewachsen ist. Sie sind in Kana zu einem Hochzeitsfest eingeladen.
Jesu Mutter ist ebenfalls zur Hochzeit gekommen. Da sie mit der Familie des Hochzeitspaares befreundet ist, hilft sie offenbar beim Bedienen der vielen Gäste. Daher merkt sie gleich, daß etwas fehlt, und sie sagt zu Jesus: „Sie haben keinen Wein.“
Dadurch macht Maria Jesus eigentlich den Vorschlag, etwas zu tun, aber er geht zunächst nicht darauf ein. „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ fragt er. Als der von Gott ernannte König läßt er sich weder von Familienangehörigen noch von Freunden sagen, was er zu tun hat. Maria überläßt die Sache deshalb klugerweise ihrem Sohn und sagt lediglich zu den Dienern: „Was immer er euch sagt, tut.“
Dort stehen sechs große steinerne Wasserkrüge, von denen jeder über 40 Liter fassen kann. Jesus sagt zu den Dienern: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser.“ Sie füllen sie bis zum Rand. Dann sagt Jesus: „Schöpft nun davon, und bringt es dem Festleiter.“
Der Festleiter ist von der vorzüglichen Qualität des Weins beeindruckt; er weiß nicht, daß dieser das Ergebnis eines Wunders ist. Er ruft den Bräutigam und sagt zu ihm: „Jeder andere Mensch stellt zuerst den vortrefflichen Wein auf und, wenn die Leute trunken sind, den minderwertigeren. Du hast den vortrefflichen Wein bis jetzt aufbehalten.“
Das ist das erste Wunder Jesu, und als seine neuen Jünger es sehen, wird ihr Glaube gestärkt. Danach gehen sie zusammen mit seiner Mutter und seinen Halbbrüdern nach Kapernaum, einer Stadt am Galiläischen Meer. Johannes 2:1-12.
▪ Wann während des Dienstes Jesu findet die Hochzeit in Kana statt?
▪ Warum geht Jesus auf den Vorschlag seiner Mutter nicht ein?
▪ Was für ein Wunder wirkt Jesus, und wie werden andere davon berührt?
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Eifer für die Anbetung JehovasDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 16
Eifer für die Anbetung Jehovas
JESU Halbbrüder — die anderen Söhne Marias — sind Jakobus, Joseph, Simon und Judas. Bevor sie alle zusammen mit Jesus und seinen Jüngern nach Kapernaum reisen, einer Stadt in der Nähe des Galiläischen Meeres, machen sie möglicherweise in ihrer Heimatstadt Nazareth halt, damit die Familie das Nötige einpacken kann.
Aber warum geht Jesus nach Kapernaum, statt seinen Dienst in Kana, in Nazareth oder an einem anderen Ort in den Bergen Galiläas fortzusetzen? Zum einen ist Kapernaum günstiger gelegen, und es ist offensichtlich auch eine größere Stadt. Zum anderen wohnen die meisten der neuen Jünger Jesu in oder in der Nähe von Kapernaum. So müssen sie ihre Heimat nicht verlassen, um von ihm unterwiesen zu werden.
Wie Jesus einige Monate später selbst bezeugt, vollbringt er während seines Aufenthalts in Kapernaum viele Machttaten. Aber schon bald sind Jesus und seine Gefährten wieder unterwegs. Es ist Frühling (30 u. Z.), und sie sind auf dem Weg nach Jerusalem, um dort das Passah zu feiern. In Jerusalem lernen die Jünger Jesus von einer Seite kennen, die für sie wahrscheinlich völlig neu ist.
Gemäß dem Gesetz Gottes müssen die Israeliten Tieropfer darbringen. Es ist daher von Vorteil, daß es in Jerusalem Händler gibt, die Tiere verkaufen. Sie betreiben ihren Handel jedoch im Tempel, und sie betrügen die Menschen, indem sie überhöhte Preise verlangen.
Empört macht sich Jesus aus Stricken eine Peitsche und treibt die Verkäufer hinaus. Er schüttet die Münzen der Geldwechsler aus und stößt ihre Tische um. „Schafft diese Dinge von hier weg!“ sagt er zu den Taubenverkäufern. „Hört auf, das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus zu machen!“
Als Jesu Jünger das sehen, werden sie an eine Prophezeiung über den Sohn Gottes erinnert: „Der Eifer um dein Haus wird mich verzehren.“ Aber die Juden fragen: „Welches Zeichen kannst du uns zeigen, da du diese Dinge tust?“ Jesus antwortet: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.“
Die Juden denken, Jesus rede vom buchstäblichen Tempel, und daher fragen sie: „Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“ Jesus spricht jedoch von dem Tempel seines Leibes. Und als er drei Jahre später von den Toten auferweckt wird, erinnern sich seine Jünger an diese Worte. Johannes 2:12-22; Matthäus 13:55; Lukas 4:23.
▪ Wohin begibt sich Jesus nach dem Besuch der Hochzeit in Kana?
▪ Weshalb ist Jesus empört, und was tut er?
▪ Woran werden Jesu Jünger erinnert, als sie seine Handlungsweise beobachten?
▪ Was sagt Jesus über „diesen Tempel“, und was meint er damit?
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Jesus unterweist NikodemusDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 17
Jesus unterweist Nikodemus
WÄHREND des Passahfestes des Jahres 30 u. Z. vollbringt Jesus erstaunliche Zeichen oder Wunder. Daraufhin glauben viele an ihn. Nikodemus, ein Mitglied des Sanhedrins, des jüdischen Gerichts, ist beeindruckt und möchte mehr erfahren. Er sucht Jesus daher auf, aber er tut es im Schutz der Dunkelheit, weil er wahrscheinlich befürchtet, daß sein Ruf bei anderen Führern der Juden leiden könnte, falls er von jemand gesehen wird.
„Rabbi“, sagt er, „wir wissen, daß du als Lehrer von Gott gekommen bist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, Gott ist mit ihm.“ In Erwiderung sagt Jesus zu Nikodemus, daß jemand „wiedergeboren“ werden muß, um in das Königreich Gottes eingehen zu können.
Doch wie kann ein Mensch wiedergeboren werden? „Er kann doch nicht ein zweites Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden?“ fragt Nikodemus.
Nein, das ist mit der Wiedergeburt nicht gemeint. „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen“, erklärt Jesus. Als Jesus getauft wurde und der heilige Geist auf ihn kam, wurde er „aus Wasser und Geist“ geboren. Durch die Erklärung vom Himmel: ‘Dieser ist mein Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe’ gab Gott bekannt, daß er einen geistigen Sohn hervorgebracht hatte, der die Aussicht besaß, in das himmlische Königreich einzugehen. Später, zu Pfingsten 33 u. Z., werden weitere Getaufte den heiligen Geist erhalten und auf diese Weise als geistige Söhne Gottes wiedergeboren werden.
Gottes besonderer menschlicher Sohn spielt jedoch eine außerordentlich wichtige Rolle. „So, wie Moses die Schlange in der Wildnis erhöhte, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe“, sagt Jesus zu Nikodemus. Wie jene Israeliten, die von Giftschlangen gebissen worden waren, die Kupferschlange anblicken mußten, um am Leben zu bleiben, so müssen alle Menschen Glauben an den Sohn Gottes ausüben, um aus ihrem sterblichen Zustand gerettet zu werden.
Jesus hebt dann die große Liebe Jehovas hervor, indem er zu Nikodemus sagt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe.“ Auf diese Weise macht Jesus — gerade sechs Monate nach Beginn seines Dienstes — hier in Jerusalem deutlich, daß er Jehovas Mittel zur Rettung der Menschheit ist.
Jesus erklärt Nikodemus weiter: „Denn Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, damit er die Welt richte.“ Das heißt nicht, daß er sie verurteilen oder verwerfen sollte, indem er das Menschengeschlecht mit Vernichtung bestrafte. Vielmehr wurde Jesus, wie er sagte, gesandt, „damit die Welt durch ihn gerettet werde“.
Nikodemus war aus Furcht im Schutze der Dunkelheit zu Jesus gekommen. Deshalb ist es interessant, mit welchen Worten Jesus die Unterhaltung beendete: „Dies nun ist die Grundlage für das Gericht, daß das Licht [personifiziert in Jesus, in seinem Leben und seinen Lehren] in die Welt gekommen ist, aber die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn wer schlechte Dinge treibt, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht gerügt werden. Wer aber das tut, was wahr ist, kommt zum Licht, damit seine Werke als solche offenbar gemacht werden, die in Harmonie mit Gott gewirkt worden sind.“ Johannes 2:23 bis 3:21; Matthäus 3:16, 17; Apostelgeschichte 2:1-4; 4. Mose 21:9.
▪ Was veranlaßt Nikodemus zu seinem Besuch, und warum kommt er bei Nacht?
▪ Was bedeutet es, „wiedergeboren“ zu werden?
▪ Wie veranschaulicht Jesus die Rolle, die er bei unserer Rettung spielt?
▪ Was bedeutet es, daß Jesus nicht kam, um die Welt zu richten?
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Johannes nimmt ab, Jesus nimmt zuDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 18
Johannes nimmt ab, Jesus nimmt zu
NACH dem Passah des Jahres 30 u. Z. verlassen Jesus und seine Jünger Jerusalem. Sie kehren jedoch nicht in ihre Heimat Galiläa zurück, sondern gehen nach Judäa, wo sie taufen. Johannes der Täufer führt seit etwa einem Jahr dasselbe Werk durch, und noch immer wird er von Jüngern begleitet.
Jesus tauft eigentlich nicht selbst, sondern seine Jünger tun es unter seiner Anleitung. Die Taufe, die sie durchführen, hat dieselbe Bedeutung wie die des Johannes. Die Juden symbolisieren dadurch, daß sie die Sünden bereuen, die sie gegen Gottes Gesetzesbund begangen haben. Nach seiner Auferstehung weist Jesus seine Jünger jedoch an, eine Taufe durchzuführen, die eine andere Bedeutung hat. Die christliche Taufe heute ist ein Symbol dafür, daß sich der Betreffende Gott hingegeben hat, um ihm zu dienen.
Zu diesem frühen Zeitpunkt des Dienstes Jesu arbeiten Johannes und er zwar getrennt, aber beide lehren und taufen Menschen, die ihre Sünden bereuen. Die Jünger des Johannes werden eifersüchtig und beklagen sich bei ihm über Jesus: „Rabbi, ... siehe, dieser tauft, und alle gehen zu ihm.“
Statt eifersüchtig zu sein, freut sich Johannes über Jesu Erfolg, und er möchte, daß sich auch seine Jünger darüber freuen. Er macht sie auf folgendes aufmerksam: „Ihr selbst bezeugt mir, daß ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern ich bin diesem vorausgesandt worden.“ Dann gebraucht er eine schöne Veranschaulichung: „Der die Braut hat, ist der Bräutigam. Wenn aber der Freund des Bräutigams dasteht und ihn hört, ist er hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams. Daher ist diese meine Freude voll geworden.“
Johannes ist der Freund des Bräutigams. Bereits etwa sechs Monate zuvor hatte er große Freude, als er Jesus seinen Jüngern vorstellte und einige von ihnen voraussichtliche Mitglieder der himmlischen Brautklasse Christi wurden, die aus geistgesalbten Christen besteht. Johannes wünscht, daß seine Jünger Jesus nachfolgen, da sein eigener Dienst lediglich den Weg bereiten soll, um Jesu Dienst zum Erfolg zu machen. Johannes der Täufer erklärt es folgendermaßen: „Jener muß fortan zunehmen, ich aber muß fortan abnehmen.“
Jesu neuer Jünger, Johannes, der früher auch ein Jünger Johannes’ des Täufers war, schreibt hinsichtlich Jesu Ursprung und seiner wichtigen Rolle bei der Rettung der Menschen: „Der vom Himmel Kommende ist über allen anderen. ... Der Vater liebt den Sohn und hat alle Dinge in seine Hand gegeben. Wer Glauben an den Sohn ausübt, hat ewiges Leben; wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“
Schon bald nachdem Johannes der Täufer darüber gesprochen hat, daß seine Taten abnehmen, wird er von König Herodes eingesperrt. Herodes hat Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, geheiratet, und als Johannes diese Handlungsweise öffentlich als ungehörig bloßstellt, läßt der König ihn ins Gefängnis werfen. Als Jesus hört, daß Johannes festgenommen wurde, verläßt er Judäa und geht mit seinen Jüngern nach Galiläa. Johannes 3:22 bis 4:3; Apostelgeschichte 19:4; Matthäus 28:19; 2. Korinther 11:2; Markus 1:14; 6:17-20.
▪ Welche Bedeutung hat die unter Jesu Anleitung durchgeführte Taufe vor seiner Auferstehung? Und nach seiner Auferstehung?
▪ Wie zeigt Johannes, daß die Klagen seiner Jünger ungerechtfertigt sind?
▪ Warum wird Johannes ins Gefängnis geworfen?
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Jesus belehrt eine SamariterinDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 19
Jesus belehrt eine Samariterin
AUF dem Weg von Judäa nach Galiläa kommen Jesus und seine Jünger durch das Gebiet von Samaria. Von der Wanderung ermüdet, machen sie gegen Mittag in der Nähe der Stadt Sychar an einem Brunnen halt. Dieser Brunnen war von Jakob viele Jahrhunderte zuvor gegraben worden. Er ist bis in unsere Zeit erhalten geblieben und befindet sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Nablus.
Während sich Jesus ausruht, gehen seine Jünger in die Stadt, um Nahrungsmittel zu kaufen. Als eine samaritische Frau zum Wasserschöpfen an den Brunnen kommt, bittet er sie: „Gib mir zu trinken.“
Die Juden und die Samariter verkehren im allgemeinen nicht miteinander, weil auf beiden Seiten unüberwindliche Vorurteile bestehen. Die Frau fragt daher sichtlich überrascht: „Wie kommt es, daß du, obwohl du ein Jude bist, mich um einen Trunk bittest, da ich doch eine samaritische Frau bin?“
„Wenn du ... wüßtest“, erwidert Jesus, „wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“
„Herr“, entgegnet sie, „du hast nicht einmal einen Eimer, um Wasser zu schöpfen, und der Brunnen ist tief. Woher also hast du dieses lebendige Wasser? Du bist doch nicht etwa größer als unser Vorvater Jakob, der uns den Brunnen gab und der selbst samt seinen Söhnen und seinem Vieh daraus trank?“
„Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder durstig werden“, bemerkt Jesus. „Wer auch immer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben will, der wird überhaupt nie durstig werden, sondern das Wasser, das ich ihm geben will, wird in ihm zu einer Wasserquelle werden, die hervorsprudelt, um ewiges Leben zu vermitteln.“
„Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich weder durstig werde noch immer wieder an diesen Ort herüberkommen muß, um Wasser zu schöpfen“, sagt die Frau.
Dann fordert Jesus sie auf: „Geh, ruf deinen Mann, und komm hierher.“
„Ich habe keinen Mann“, antwortet sie.
Jesus bestätigt ihre Äußerung. „Du hast recht gesagt: ‚Einen Mann habe ich nicht.‘ Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.“
Die Frau ist erstaunt. „Herr, ich merke, daß du ein Prophet bist.“ Sie zeigt ihr Interesse an geistigen Dingen durch die Bemerkung: „[Die Samariter] haben auf diesem Berg [Gerisim, in der Nähe] angebetet; ihr [die Juden] aber sagt, daß in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse.“
Jesus weist darauf hin, daß es nicht darauf ankommt, wo man Gott anbetet. „Die Stunde [kommt]“, sagt er, „in der die wahren Anbeter den Vater mit Geist und Wahrheit anbeten werden; denn in der Tat, der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein GEIST, und die ihn anbeten, müssen ihn mit Geist und Wahrheit anbeten.“
Die Frau ist tief beeindruckt. „Ich weiß, daß der Messias kommt, der Christus genannt wird“, sagt sie. „Wenn dieser gekommen ist, wird er uns alle Dinge offen verkünden.“
„Ich bin es, der mit dir redet“, sagt Jesus zu ihr. Denke nur! Diese Frau, die wahrscheinlich deshalb zur Mittagszeit Wasser holt, weil sie ein Zusammentreffen mit den Frauen der Stadt vermeiden möchte, die sie wegen ihres Lebenswandels verachten, wird auf wunderbare Weise von Jesus begünstigt. Freiheraus sagt er ihr, was er noch niemandem öffentlich bekannt hat. Welche Folgen zieht das nach sich?
Viele Samariter werden gläubig
Die Jünger, die, mit Nahrungsmitteln versehen, aus Sychar zurückkehren, treffen sich mit Jesus wieder an dem Brunnen, wo sie sich von ihm getrennt hatten und wo er jetzt in ein Gespräch mit einer samaritischen Frau vertieft ist. Als sie an den Brunnen kommen, läßt die Frau ihren Wasserkrug stehen und geht in die Stadt.
Sie ist an dem, was Jesus ihr erzählt hat, aufrichtig interessiert und sagt den Leuten in der Stadt: „Kommt her, seht einen Menschen, der mir alle Dinge gesagt hat, die ich getan habe.“ Um die Neugier der Leute zu wecken, fragt sie dann: „Dies ist doch nicht etwa der Christus?“ Die Frage erfüllt ihren Zweck — sie wollen sich vergewissern.
Inzwischen drängen die Jünger Jesus, etwas von dem zu essen, was sie in der Stadt gekauft haben. Er erwidert jedoch: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“
„Es hat ihm doch niemand etwas zu essen gebracht?“ fragen sich die Jünger. Jesus erklärt ihnen: „Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende. Sagt ihr nicht, daß es noch vier Monate sind, ehe die Ernte kommt?“ Jesus weist jedoch auf die geistige Ernte hin und sagt: „Erhebt eure Augen, und schaut die Felder an, daß sie weiß sind zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, so daß sich der Sämann und der Schnitter zusammen freuen können.“
Vielleicht kann Jesus bereits die wunderbaren Auswirkungen seiner Begegnung mit der Samariterin sehen — daß viele aufgrund ihres Zeugnisses Glauben an ihn ausüben. Sie gibt den Einwohnern der Stadt Zeugnis, indem sie sagt: „Er hat mir alle Dinge gesagt, die ich getan habe.“ Daher bitten ihn die Leute von Sychar, als sie zu ihm an den Brunnen kommen, zu bleiben und ihnen mehr zu erzählen. Jesus nimmt die Einladung an und hält sich zwei Tage bei ihnen auf.
Viele der Samariter, die Jesus zuhören, werden gläubig. Sie sagen dann zu der Frau: „Wir glauben nicht mehr deiner Rede wegen; denn wir haben selbst gehört und wir wissen, daß dieser bestimmt der Retter der Welt ist.“ Die Samariterin ist gewiß ein schönes Beispiel dafür, wie wir über Christus Zeugnis geben können, indem wir die Neugier der Zuhörer wecken, so daß sie mehr erfahren möchten.
Erinnere dich daran, daß es noch vier Monate bis zur Ernte sind — vermutlich ist die Gerstenernte gemeint —, die in Palästina im Frühjahr eingebracht wird. Somit ist es jetzt wahrscheinlich November oder Dezember. Jesus und seine Jünger haben nach dem Passah des Jahres 30 u. Z. demnach etwa acht Monate lang in Judäa gelehrt und getauft. Sie gehen jetzt nach Galiläa, ihrem Heimatgebiet. Was erwartet sie dort? Johannes 4:3-43.
▪ Warum ist die samaritische Frau überrascht, daß Jesus mit ihr spricht?
▪ Was lehrt Jesus sie über das lebendige Wasser und darüber, wo man anbeten soll?
▪ Wie sagt Jesus ihr, wer er ist, und warum ist dieses Eingeständnis so erstaunlich?
▪ Wie gibt die Samariterin Zeugnis, und mit welchem Ergebnis?
▪ Welche Beziehung besteht zwischen Jesu Speise und der Ernte?
▪ Wie können wir feststellen, wie lange Jesu Dienst in Judäa nach dem Passah des Jahres 30 u. Z. noch dauerte?
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Jesus wirkt in Kana ein zweites WunderDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 20
Jesus wirkt in Kana ein zweites Wunder
JESUS kehrt nach dem ausgedehnten Predigtfeldzug in Judäa in sein Heimatgebiet zurück, aber nicht, um sich dort auszuruhen. Vielmehr beginnt er in Galiläa, wo er aufwuchs, mit einem noch umfangreicheren Dienst. Seine Jünger bleiben jedoch nicht bei ihm, sondern kehren zu ihren Angehörigen zurück und nehmen ihre frühere Tätigkeit wieder auf.
Welche Botschaft beginnt Jesus zu predigen? Sie lautet: „Das Königreich Gottes hat sich genaht. Bereut und glaubt an die gute Botschaft.“ Wie reagieren die Leute darauf? Die Galiläer nehmen Jesus auf. Er wird von allen in Ehren gehalten. Sie tun es jedoch nicht um seiner Botschaft willen, sondern weil viele von ihnen einige Monate zuvor anläßlich des Passahs in Jerusalem waren und dort seine bemerkenswerten Wunder gesehen haben.
Jesus beginnt seinen Dienst in Galiläa offensichtlich in Kana. Wie du dich vielleicht erinnerst, hatte Jesus dort — ebenfalls nach der Rückkehr aus Judäa — bei einem Hochzeitsfest Wasser in Wein verwandelt. Diesmal ist das Kind eines Regierungsbeamten des Königs Herodes Antipas sehr krank. Als der Beamte, der in Kapernaum wohnt, hört, daß Jesus aus Judäa zurückgekehrt ist, begibt er sich auf den weiten Weg nach Kana, um Jesus aufzusuchen. Gramgebeugt bittet der Mann Jesus: ‘Komm bitte sofort, bevor mein Kind stirbt.’
Jesus erwidert ihm: ‘Geh nach Hause zurück. Dein Sohn ist geheilt.’ Der Beamte des Herodes glaubt ihm und tritt die lange Heimreise an. Seine Diener kommen ihm entgegen, um ihm zu berichten, daß alles in Ordnung ist — sein Sohn ist wieder gesund! ‘Wann hat sich sein Befinden gebessert?’ fragt er.
‘Gestern mittag um 1 Uhr’, antworten sie.
Der Beamte stellt fest, daß es genau die Stunde war, als Jesus sagte: ‘Dein Sohn ist geheilt.’ Daraufhin werden der Mann und sein ganzes Haus Jünger Christi.
Somit wurde Kana von Jesus begünstigt, indem er dort zwei Wunder wirkte, durch die er auf seine Rückkehr aus Judäa aufmerksam machte. Das sind natürlich nicht die einzigen Wunder, die er bis zu jener Zeit gewirkt hat. Sie sind jedoch von Bedeutung, weil sie jeweils seine Rückkehr nach Galiläa kennzeichneten.
Jesus geht jetzt in seine Heimatstadt Nazareth. Was erwartet ihn dort? Johannes 4:43-54; Markus 1:14, 15; Lukas 4:14, 15.
▪ Was tun Jesu Jünger, als sie nach Galiläa zurückkehren, und wie wird Jesus von den Leuten aufgenommen?
▪ Welches Wunder vollbringt Jesus, und was bewirkt es bei den Beteiligten?
▪ Inwiefern wird Kana von Jesus begünstigt?
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In der Synagoge der Heimatstadt JesuDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 21
In der Synagoge der Heimatstadt Jesu
MAN kann sich vorstellen, welche Aufregung in Nazareth herrscht, als Jesus nach Hause zurückkehrt. Bevor er die Stadt vor etwas mehr als einem Jahr verließ, um sich von Johannes taufen zu lassen, war er nur ein Zimmermann. Doch jetzt ist er weit und breit als ein Mann bekannt, der Wunder vollbringt. Die Bewohner der Stadt sähen es gern, wenn Jesus einige dieser Wunder in ihrer Mitte tun würde.
Die Menschen sind voller Erwartung, als Jesus nach seiner Gewohnheit in die Synagoge des Ortes geht. Während der Zusammenkunft steht er auf, um vorzulesen, und es wird ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gereicht. Er findet die Stelle, wo von einem Mann die Rede ist, der mit dem Geist Jehovas gesalbt ist. In unserer Bibel steht das in Jesaja, Kapitel 61.
Nachdem Jesus vorgelesen hat, daß dieser Mann den Gefangenen Freilassung, den Blinden Wiederherstellung des Augenlichts sowie Jehovas annehmbares Jahr predigen würde, gibt er die Rolle dem Diensttuenden zurück und setzt sich. Alle Augen sind gespannt auf ihn gerichtet. Dann erklärt er diese Dinge wahrscheinlich etwas näher und sagt: „Heute ist dieses Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt worden.“
Die Leute wundern sich über seine „gewinnenden Worte“ und sagen: „Ist dieser nicht ein Sohn Josephs?“ Da Jesus weiß, daß sie Wunder sehen möchten, fährt er fort: „Zweifellos werdet ihr dieses Gleichnis auf mich anwenden: ‚Arzt, heile dich selbst; vollbringe die Dinge, von denen wir hörten, daß sie in Kapernaum geschehen sind, auch hier in deinem Heimatgebiet.‘ “ Offensichtlich meinen die früheren Nachbarn Jesu, das Heilen hätte in seinem Heimatort beginnen und zunächst den Menschen in dieser Gegend zugute kommen sollen. Sie glauben daher, von Jesus geringschätzig behandelt worden zu sein.
Jesus erkennt ihre Gedanken und erzählt daher etwas Passendes aus der Geschichte. In den Tagen Elias gab es in Israel viele Witwen, aber Elia wurde zu keiner von ihnen gesandt. Statt dessen ging er zu einer nichtisraelitischen Witwe in Sidon und wirkte für sie ein lebensrettendes Wunder. Und in den Tagen Elisas gab es viele Aussätzige, aber nur der Syrer Naaman wurde von Elisa geheilt.
Verärgert über die wenig schmeichelhaften historischen Vergleiche, die ihre Selbstsucht und ihren Mangel an Glauben bloßstellen, stehen die Leute in der Synagoge auf und treiben Jesus aus der Stadt hinaus. Sie versuchen, ihn von dem Vorsprung des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut ist, hinabzustürzen. Doch Jesus entzieht sich ihrem Zugriff und geht seines Weges. Lukas 4:16-30; 1. Könige 17:8-16; 2. Könige 5:8-14.
▪ Warum herrscht Aufregung in Nazareth?
▪ Wie äußern sich die Leute über die Rede Jesu, aber was macht sie dann so ärgerlich?
▪ Was versuchen die Leute mit Jesus zu tun?
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Vier Jünger werden berufenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 22
Vier Jünger werden berufen
JESUS geht — nachdem man in seiner Heimatstadt Nazareth versucht hat, ihn zu töten — nach Kapernaum, das in der Nähe des Galiläischen Meeres liegt. Dadurch erfüllt sich eine weitere Prophezeiung Jesajas, nämlich, daß die am Meer wohnenden Galiläer ein großes Licht sehen würden.
Jesus setzt hier sein Werk als Lichtspender — den Königreichspredigtdienst — fort und findet dabei vier seiner Jünger wieder. Diese begleiteten ihn bereits früher auf seinen Reisen, aber nach der Rückkehr aus Judäa nahmen sie ihr Fischereigewerbe wieder auf. Wahrscheinlich sucht Jesus jetzt nach seinen Jüngern, weil er nun ständige Gehilfen benötigt, die er belehren kann, damit sie nach seinem Weggang das Werk fortsetzen können.
Als Jesus am Ufer entlanggeht, sieht er Simon Petrus und seine Gefährten ihre Netze waschen und geht zu ihnen. Er besteigt das Boot des Petrus und bittet ihn, vom Land wegzurudern. Nachdem sie ein kleines Stück hinausgefahren sind, setzt sich Jesus im Boot hin und belehrt die am Ufer versammelten Volksmengen.
Danach sagt Jesus zu Petrus: „Fahr hinaus zu einer Stelle, wo es tief ist, und laßt eure Netze zu einem Fang hinab.“
Petrus gibt ihm zur Antwort: „Unterweiser, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen, doch auf dein Geheiß hin will ich die Netze hinablassen.“
Als sie die Netze hinablassen, fangen sie so viele Fische, daß die Netze zu zerreißen drohen. Sie winken daher ihren Mitgenossen, die sich in einem Boot in der Nähe befinden, daß sie kommen und ihnen beistehen sollen. Schon bald sind beide Boote mit so vielen Fischen gefüllt, daß sie zu sinken beginnen. Als Petrus das sieht, fällt er vor Jesus nieder und sagt: „Geh von mir weg, denn ich bin ein sündiger Mann, Herr.“
„Fürchte dich nicht mehr“, erwidert Jesus. „Von nun an wirst du Menschen lebendig fangen.“
Jesus lädt auch Andreas, den Bruder des Petrus, ein. Er fordert beide auf: „Kommt mir nach, so will ich euch zu Menschenfischern machen.“ Ihre Mitgenossen beim Fischen, Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, erhalten dieselbe Einladung, und auch sie nehmen sie ohne Zögern an. Die vier geben ihr Fischereigewerbe auf und werden die ersten ständigen Nachfolger Jesu. Lukas 5:1-11; Matthäus 4:13-22; Markus 1:16-20; Jesaja 9:1, 2.
▪ Warum fordert Jesus seine Jünger auf, ihm zu folgen, und um wen handelt es sich?
▪ Welches Wunder läßt Petrus in Furcht geraten?
▪ Zu welcher Art des Fischens lädt Jesus seine Jünger ein?
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Weitere Wunder in KapernaumDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 23
Weitere Wunder in Kapernaum
JESUS geht mit seinen ersten vier Jüngern — Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes — am ersten Sabbat nach ihrer Berufung in die Synagoge von Kapernaum. Dort beginnt Jesus zu lehren, und die Leute sind erstaunt, weil er sie lehrt wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
An diesem Sabbat ist auch ein Mann anwesend, der von einem Dämon besessen ist. Nach einiger Zeit schreit der Dämon mit lauter Stimme: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, du Nazarener? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß genau, wer du bist: der Heilige Gottes.“
Der Dämon, unter dessen Einfluß der Mann steht, ist eigentlich ein Engel Satans. Jesus weist ihn zurecht und sagt: „Verstumme und fahre von ihm aus!“
Daraufhin wirft der Dämon den Mann in einen Krampf, und mit einem gellenden Aufschrei fährt er aus dem Mann aus, ohne ihn zu verletzen. Alle sind höchst erstaunt. „Was ist das?“ fragen sie. „Mit Gewalt befiehlt er sogar den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm.“ Die Nachricht davon verbreitet sich in der ganzen Gegend.
Jesus und seine Jünger verlassen die Synagoge und gehen in das Haus Simons, der auch Petrus genannt wird. Die Schwiegermutter des Petrus ist schwer krank und hat hohes Fieber. Jesus wird gebeten, ihr zu helfen. Er geht zu ihr, faßt sie bei der Hand und richtet sie auf. Sofort ist sie geheilt und bereitet für alle ein Mahl.
Später, nach Sonnenuntergang, kommen die Menschen von überall her mit ihren Kranken zum Haus des Petrus. Bald ist die ganze Stadt an der Tür versammelt. Und Jesus heilt alle ihre Kranken, ganz gleich, welche Krankheit sie haben. Er treibt auch Dämonen aus. Wenn er den Dämonen befiehlt auszufahren, schreien sie: „Du bist der Sohn Gottes.“ Aber Jesus schilt sie und läßt sie nicht reden, weil sie wissen, daß er der Christus ist. Markus 1:21-34; Lukas 4:31-41; Matthäus 8:14-17.
▪ Was trägt sich am Sabbat nach der Berufung der ersten vier Jünger Jesu in der Synagoge zu?
▪ Wohin geht Jesus, als er die Synagoge verläßt, und welches Wunder wirkt er dort?
▪ Was geschieht an jenem Abend?
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Warum Jesus auf die Erde kamDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 24
Warum Jesus auf die Erde kam
JESUS, der sich mit seinen vier Jüngern in Kapernaum aufhielt, hatte einen ausgefüllten Tag. Am Abend brachten die Bewohner Kapernaums schließlich alle ihre Kranken zu ihm, damit er sie heile. Da blieb keine Zeit zum Ausruhen.
Es ist jetzt früh am nächsten Morgen. Noch vor Tagesanbruch steht Jesus auf und geht allein hinaus. Er begibt sich an einen einsamen Ort, wo er ganz für sich allein zu seinem Vater beten kann. Aber die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn als Petrus und die anderen seine Abwesenheit bemerken, suchen sie nach ihm.
Als sie Jesus finden, sagt Petrus: „Alle suchen dich.“ Die Leute von Kapernaum wünschen, daß Jesus bei ihnen bleibt. Sie schätzen wirklich, was er für sie getan hat. Aber kam Jesus in erster Linie auf die Erde, um solche Wunderheilungen zu vollbringen? Was sagt er dazu?
Gemäß dem Bibelbericht erwidert Jesus seinen Jüngern: „Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Landstädte, damit ich auch dort predige, denn zu diesem Zweck bin ich ausgegangen.“ Die Menschen drängen Jesus zwar zu bleiben, aber er sagt zu ihnen: „Auch anderen Städten muß ich die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich ausgesandt worden.“
Ja, Jesus kam in erster Linie auf die Erde, um Gottes Königreich zu verkündigen, durch das der Name seines Vaters gerechtfertigt und alle Probleme der Menschheit für immer gelöst werden. Um jedoch zu beweisen, daß Gott ihn gesandt hat, vollbringt Jesus Wunderheilungen. Desgleichen vollbrachte Jahrhunderte zuvor auch Moses Wunder, um zu zeigen, daß er ein Diener Gottes war.
Als Jesus Kapernaum verläßt, um in anderen Städten zu predigen, gehen seine vier Jünger mit ihm. Die vier sind Petrus und sein Bruder Andreas sowie Johannes und dessen Bruder Jakobus. Du wirst dich erinnern, daß Jesus sie in der Woche vorher eingeladen hat, ihn als seine ersten Mitarbeiter zu begleiten.
Jesu Predigtreise durch Galiläa ist ein großartiger Erfolg. Der Bericht über seine Tätigkeit dringt sogar durch ganz Syrien. Große Volksmengen aus Galiläa, Judäa und der Gegend jenseits des Jordan folgen Jesus und seinen Jüngern. Markus 1:35-39; Lukas 4:42, 43; Matthäus 4:23-25; 2. Mose 4:1-9, 30, 31.
▪ Was geschieht am Morgen nach jenem ausgefüllten Tag in Kapernaum?
▪ Wozu wurde Jesus auf die Erde gesandt, und welchem Zweck dienen seine Wunder?
▪ Wer begleitet Jesus auf seiner Predigtreise durch Galiläa, und welchen Widerhall findet Jesu Tätigkeit?
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Mitleid mit einem AussätzigenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 25
Mitleid mit einem Aussätzigen
Die wunderbaren Taten, die Jesus vollbringt, während er mit seinen vier Jüngern die Städte Galiläas besucht, werden im ganzen Gebiet bekannt. In einer Stadt hört auch ein Aussätziger von seinen Taten. Der Arzt Lukas schreibt, daß der Mann „voll von Aussatz“ war. Im fortgeschrittenen Stadium dieser schrecklichen Krankheit sind verschiedene Körperteile nach und nach völlig entstellt. Der Aussätzige befindet sich daher in einem bedauernswerten Zustand.
Als Jesus in die Stadt kommt, geht der Aussätzige auf ihn zu. Das Gesetz schreibt vor, daß ein Aussätziger „Unrein, unrein!“ ausrufen muß, damit andere ihm nicht zu nahe kommen und sich möglicherweise anstecken. Der Aussätzige fällt vor Jesus nieder und bittet ihn: „Herr, wenn du nur willst, so kannst du mich rein machen.“
Welch einen Glauben doch dieser Mann in Jesus setzt! Aber wie mitleiderregend er aufgrund seiner Krankheit doch aussieht! Was wird Jesus tun? Was würdest du tun? Von Mitleid bewegt, streckt Jesus seine Hand aus, rührt den Mann an und sagt: „Ich will es. Werde rein!“ Und sofort ist er vom Aussatz geheilt.
Hättest du gern jemand, der so mitfühlend ist, als König? Die Art und Weise, wie Jesus diesen Aussätzigen behandelte, gibt uns die Zuversicht, daß sich während seiner Königreichsherrschaft die Prophezeiung erfüllen wird: „Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, und die Seelen der Armen wird er retten.“ Ja, Jesus wird dann seinen Herzenswunsch, allen Leidenden zu helfen, erfüllen.
Schon vor der Heilung des Aussätzigen, hat Jesu Dienst unter dem Volk große Begeisterung ausgelöst. In Erfüllung der Prophezeiung Jesajas gibt Jesus dem Geheilten die Weisung: „Sieh zu, daß du niemandem etwas sagst.“ Und er fordert ihn auf: „Geh, zeig dich dem Priester, und bringe für deine Reinigung das dar, was Moses verordnet hat, zu einem Zeugnis für sie.“
Doch der Mann ist so überglücklich, daß er das Wunder nicht für sich behalten kann. Er geht hin und erzählt es überall, wodurch er offensichtlich bei den Menschen ein solches Interesse und eine solche Neugier weckt, daß Jesus nicht mehr öffentlich in eine Stadt hineingehen kann. Jesus hält sich daher an einsamen Orten auf, und die Menschen kommen von überall her, um ihm zuzuhören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Lukas 5:12-16; Markus 1:40-45; Matthäus 8:2-4; 3. Mose 13:45; 14:10-13; Psalm 72:13; Jesaja 42:1, 2.
▪ Welche Auswirkungen kann Aussatz haben, und was muß ein Aussätziger ausrufen?
▪ Mit welchen Worten wendet sich ein Aussätziger an Jesus, und was können wir aus Jesu Reaktion lernen?
▪ Inwiefern hält sich der geheilte Mann nicht an Jesu Anweisung, und welche Folgen hat dies?
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Wieder zu Hause in KapernaumDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 26
Wieder zu Hause in Kapernaum
JESUS ist inzwischen weit und breit bekannt geworden, und viele Leute kommen an die einsamen Orte, wo er sich aufhält. Nach einigen Tagen kehrt er jedoch wieder nach Kapernaum am Galiläischen Meer zurück. Schnell verbreitet sich in der Stadt die Kunde, daß er nach Hause zurückgekehrt ist, und viele versammeln sich vor dem Haus, in dem er sich aufhält. Sogar aus dem weit entfernten Jerusalem kommen Pharisäer und Gesetzeslehrer.
Die Menge ist so groß, daß der Eingang des Hauses versperrt ist und niemand mehr hineinkommt. Das ist der Rahmen eines wirklich bemerkenswerten Ereignisses. Was bei dieser Gelegenheit geschieht, ist sehr wichtig, weil wir daraus ersehen können, daß Jesus die Macht hat, die Ursache für menschliches Leid zu beseitigen und gesund zu machen, wen irgend er will.
Während Jesus die Volksmenge belehrt, bringen vier Männer einen Gelähmten auf einem Tragbett zu dem Haus. Sie möchten, daß Jesus ihren Freund heilt, aber sie kommen wegen der Volksmenge nicht in das Haus hinein. Wie entmutigend! Doch sie geben nicht auf. Sie steigen auf das flache Dach, machen eine Öffnung und lassen den gelähmten Mann auf dem Tragbett zu Jesus hinunter.
Ist Jesus ärgerlich wegen der Unterbrechung? Nein, keineswegs. Er ist von ihrem Glauben tief beeindruckt. Zu dem Gelähmten sagt er: „Deine Sünden sind vergeben.“ Aber kann Jesus tatsächlich Sünden vergeben? Die Schriftgelehrten und die Pharisäer bezweifeln das. Sie überlegen in ihrem Herzen: „Warum redet dieser Mann so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben, ausgenommen einer, Gott?“
Da Jesus ihre Gedanken erkennt, fragt er sie: „Warum überlegt ihr dieses in eurem Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Sünden sind vergeben‘ oder zu sagen: ‚Steh auf, und heb dein Tragbett auf, und geh umher.‘?“
Dann läßt Jesus die Volksmenge einschließlich seiner Kritiker eine bemerkenswerte Demonstration sehen, wodurch offenbar wird, daß er die Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben, und daß er wirklich der größte Mensch ist, der je lebte. Er wendet sich dem Gelähmten zu und fordert ihn auf: „Steh auf, heb dein Tragbett auf, und geh zu deinem Haus!“ Dieser erhebt sich sofort, nimmt sein Tragbett und geht vor den Augen aller hinaus. Vor Erstaunen verherrlichen die Leute Gott und rufen aus: „So etwas haben wir niemals gesehen.“
Ist dir aufgefallen, daß Jesus Krankheit mit Sünde in Verbindung brachte und davon sprach, daß das Erlangen der physischen Gesundheit von der Vergebung der Sünden abhängig ist? Die Bibel zeigt, daß Adam, unser Vorvater, sündigte und daß wir alle die Folgen dieser Sünde ererbt haben, nämlich Krankheit und Tod. Aber unter der Herrschaft des Königreiches Gottes wird Jesus die Sünden all derer vergeben, die Gott lieben und ihm dienen, und dann wird es keine Krankheiten mehr geben. Wie wunderbar! Markus 2:1-12; Lukas 5:17-26; Matthäus 9:1-8; Römer 5:12, 17-19.
▪ Was ist der Rahmen eines wirklich bemerkenswerten Ereignisses?
▪ Wie kommt der Gelähmte zu Jesus?
▪ Warum sind wir alle Sünder, aber wie vermittelt Jesus die Hoffnung, daß Vergebung der Sünden und vollkommene Gesundheit möglich sind?
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Die Berufung des MatthäusDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 27
Die Berufung des Matthäus
KURZE Zeit nach der Heilung des Gelähmten in Kapernaum geht Jesus an das Galiläische Meer. Wiederum kommen große Volksmengen zu ihm, und er beginnt sie zu lehren. Als er weitergeht, sieht er Matthäus, der auch Levi genannt wird, im Steuerbüro sitzen. „Folge mir nach!“ lädt Jesus ihn ein.
Offensichtlich ist Matthäus bereits mit den Lehren Jesu vertraut, wie es auch Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes bei ihrer Berufung waren. Und genau wie sie nimmt Matthäus die Einladung sofort an. Er steht auf, entledigt sich seiner Verantwortung als Steuereinnehmer und folgt Jesus nach.
Matthäus gibt später — vielleicht um seine Berufung zu feiern — in seinem Haus ein großes Festmahl. Außer Jesus und seinen Jüngern sind viele Steuereinnehmer anwesend. Diese Männer werden von ihren Landsleuten im allgemeinen verachtet, weil sie die Steuern für die verhaßte römische Obrigkeit eintreiben. Außerdem sind sie oft unehrlich und fordern von den Leuten mehr Geld, als diese eigentlich zahlen müßten.
Als die Pharisäer beobachten, daß Jesus mit solchen Menschen Festmahl hält, fragen sie seine Jünger: „Wie kommt es, daß euer Lehrer mit Steuereinnehmern und Sündern ißt?“ Jesus hört ihre Frage und erwidert den Pharisäern: „Gesunde benötigen keinen Arzt, wohl aber die Leidenden. Geht also hin und lernt, was dies bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer.‘ Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“
Wahrscheinlich hat Matthäus die Steuereinnehmer eingeladen, damit sie Jesus zuhören und geistig geheilt werden können. Jesus pflegt mit ihnen Gemeinschaft, um ihnen zu helfen, in ein gutes Verhältnis zu Gott zu gelangen. Jesus verachtet solche Menschen nicht, wie es die selbstgerechten Pharisäer tun. Von Mitleid bewegt, dient er ihnen statt dessen in geistiger Hinsicht als Arzt.
Daß Jesus Sündern Barmherzigkeit erweist, ist keine Entschuldigung ihrer Sünden, sondern ein Ausdruck derselben innigen Zuneigung, die er gegenüber den körperlich Kranken bereits gezeigt hat. Erinnere dich zum Beispiel an jene Begebenheit, als er, von Mitleid bewegt, den Aussätzigen anrührte und sagte: „Ich will es. Werde rein!“ Wir sollten in gleicher Weise Barmherzigkeit üben, indem wir Bedürftigen helfen und ihnen besonders in geistiger Hinsicht beistehen. Matthäus 8:3; 9:9-13; Markus 2:13-17; Lukas 5:27-32.
▪ Wo befindet sich Matthäus, als Jesus ihn sieht?
▪ Welche Tätigkeit übt Matthäus aus, und warum werden solche Leute von den anderen Juden verachtet?
▪ Weswegen wird Jesus kritisiert, und was erwidert er?
▪ Warum pflegt Jesus Umgang mit Sündern?
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Fragen in bezug auf das FastenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 28
Fragen in bezug auf das Fasten
FAST ein Jahr ist vergangen, seit Jesus beim Passahfest des Jahres 30 u. Z. war. Johannes der Täufer ist schon einige Monate im Gefängnis. Nicht alle seine Jünger folgen jedoch Jesus nach, wie er es gewünscht hat.
Einige von diesen Jüngern des eingekerkerten Johannes kommen nun zu Jesus und fragen ihn: „Warum pflegen wir und die Pharisäer zu fasten, deine Jünger aber fasten nicht?“ Die Pharisäer, die zweimal in der Woche fasten, betrachten das Fasten als ein religiöses Ritual. Die Jünger des Johannes halten möglicherweise an einem ähnlichen Brauch fest. Vielleicht fasten sie auch aus Trauer darüber, daß Johannes im Gefängnis ist, und wundern sich daher, warum Jesu Jünger sich ihnen nicht dabei anschließen.
Jesus gibt folgendes zur Antwort: „Die Freunde des Bräutigams haben doch nicht etwa Grund zu trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten.“
Die Jünger des Johannes sollten sich daran erinnern, daß Johannes von Jesus als dem Bräutigam gesprochen hat. So wäre es weder für Johannes noch für die Jünger Jesu angebracht, zu fasten, solange Jesus gegenwärtig ist. Später, als Jesus stirbt, trauern und fasten seine Jünger. Als er jedoch auferweckt wird und in den Himmel auffährt, haben sie keinen Grund mehr, aus Trauer zu fasten.
Dann führt Jesus folgende Veranschaulichungen an: „Niemand näht einen Flicken nicht eingelaufenen Tuches auf ein altes äußeres Kleid; denn wegen seiner vollen Stärke würde er von dem äußeren Kleid abreißen, und der Riß würde schlimmer werden. Auch gießt man nicht neuen Wein in alte Weinschläuche; wenn man es aber tut, werden die Weinschläuche bersten, und der Wein wird verschüttet, und die Weinschläuche sind verdorben; sondern man gießt neuen Wein in neue Weinschläuche.“ Was haben diese Veranschaulichungen mit dem Fasten zu tun?
Jesus versuchte den Jüngern Johannes’ des Täufers klarzumachen, daß man von seinen Nachfolgern nicht erwarten sollte, sie würden sich den althergebrachten Bräuchen des Judentums, wie z. B. dem rituellen Fasten, unterwerfen. Er war nicht gekommen, um ein altes, ausgedientes System der Anbetung, das kurz vor seinem Ende stand, auszubessern, damit es länger halten würde. Das Christentum sollte sich nicht dem Judentum jener Tage und dessen menschlichen Traditionen anpassen. Nein, es sollte nicht wie ein neuer Flicken auf einem alten Kleid sein oder wie neuer Wein in einem alten Weinschlauch. Matthäus 9:14-17; Markus 2:18-22; Lukas 5:33-39; Johannes 3:27-29.
▪ Wer fastet, und aus welchem Grund?
▪ Warum fasten Jesu Jünger nicht, solange er bei ihnen ist, und wieso haben sie schon bald danach keinen Grund mehr zu fasten?
▪ Welche Veranschaulichungen führt Jesus an, und was will er damit sagen?
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Gute Werke am SabbatDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 29
Gute Werke am Sabbat
ES IST Frühling 31 u. Z. Mehrere Monate sind vergangen, seit Jesus auf seinem Weg von Judäa nach Galiläa mit der Frau am Brunnen in Samaria gesprochen hat.
Jetzt geht Jesus, nachdem er in ganz Galiläa ein ausgedehntes Lehrwerk durchgeführt hat, wieder nach Judäa, wo er in den Synagogen predigt. Verglichen mit der Aufmerksamkeit, die die Bibel seinem Dienst in Galiläa widmet, sagt sie wenig über seine Tätigkeit in Judäa während dieses Besuchs und in den Monaten, die er dort nach dem Passah des letzten Jahres verbrachte. Offensichtlich fand sein Dienst in Judäa nicht so großen Widerhall wie in Galiläa.
Dann macht sich Jesus auf den Weg nach Jerusalem, der Hauptstadt Judäas, um dort das Passah des Jahres 31 u. Z. zu feiern. In Jerusalem befindet sich in der Nähe des Schaftores ein Teich, Bethzatha genannt, zu dem viele Kranke, Blinde und Lahme kommen. Sie wollen in das Wasser des Teiches gehen, wenn es in Wallung gerät, da sie hoffen, auf diese Weise geheilt zu werden.
Am Sabbat sieht Jesus am Teich einen Mann, der seit 38 Jahren mit einer Krankheit behaftet ist. Jesus, der weiß, wie lange der Mann schon krank ist, fragt ihn: „Willst du gesund werden?“
Er antwortet Jesus: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser in Wallung ist, sondern bis ich komme, steigt ein anderer vor mir hinab.“
Jesus sagt zu ihm: „Steh auf, heb dein Tragbett auf, und geh umher.“ Und der Mann wird sofort gesund, nimmt sein Tragbett auf und geht umher.
Als die Juden den Mann sehen, sagen sie jedoch: „Es ist Sabbat, und es ist dir nicht erlaubt, das Tragbett zu tragen.“
Der Mann antwortet ihnen: „Derjenige, der mich gesund gemacht hat, hat zu mir gesagt: ‚Heb dein Tragbett auf, und geh umher.‘ “
„Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: ‚Heb es auf, und geh umher.‘?“ fragen sie. Da Jesus sich wegen der Volksmenge weggewandt hat, weiß der Geheilte nicht, wer es war. Später treffen sich der Mann und Jesus im Tempel wieder, und er erfährt nun, wer ihn gesund gemacht hat.
Der Geheilte sucht jene Juden, um ihnen zu sagen, daß er von Jesus geheilt wurde. Die Juden gehen daraufhin zu Jesus. Warum? Um zu erfahren, weshalb er so wunderbare Dinge tun kann? Nein. Sie tadeln ihn dafür, daß er diese guten Werke am Sabbat tut. Und sie beginnen sogar, ihn zu verfolgen. Lukas 4:44; Johannes 5:1-16.
▪ Wieviel Zeit ist seit dem letzten Besuch Jesu in Judäa vergangen?
▪ Warum ist der Teich, der Bethzatha heißt, so bekannt?
▪ Welches Wunder wirkt Jesus an dem Teich, und wie reagieren die Juden darauf?
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Er antwortet seinen AnklägernDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 30
Er antwortet seinen Anklägern
ALS die religiösen Führer der Juden Jesus anklagen, den Sabbat zu brechen, antwortet er: „Mein Vater hat bis jetzt fortwährend gewirkt, und ich wirke fortwährend.“
Das Werk Jesu fällt nicht, wie die Pharisäer behaupten, unter die Tätigkeiten, die das Sabbatgesetz verbietet. Gott hat ihm das Werk des Predigens und Heilens aufgetragen, und da Jesus das Beispiel Gottes nachahmt, wirkt er jeden Tag. Seine Antwort steigert jedoch noch den Zorn der Juden, und sie suchen ihn zu töten. Warum?
Sie sind jetzt nicht nur der Ansicht, Jesus breche den Sabbat, sondern sie halten auch seine Behauptung, Gottes eigener Sohn zu sein, für eine Gotteslästerung. Doch furchtlos gibt Jesus ihnen weitere Auskunft über sein begünstigtes Verhältnis zu Gott. „Der Vater hat Zuneigung zum Sohn“, sagt er, „und zeigt ihm alle Dinge, die er selbst tut.“
„So, wie der Vater die Toten auferweckt“, fährt Jesus fort, „so macht auch der Sohn die lebendig, welche er will.“ Der Sohn weckt tatsächlich bereits die geistig Toten auf. „Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, ... ist aus dem Tod zum Leben hinübergegangen.“ Weiter sagt er: „Die Stunde kommt, und sie ist jetzt, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die darauf geachtet haben, werden leben.“
Es wird zwar nirgendwo berichtet, daß Jesus bereits jemand buchstäblich von den Toten auferweckt hat, aber er sagt seinen Anklägern, daß es eine buchstäbliche Auferstehung der Toten geben wird: „Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören und herauskommen werden.“
Bis jetzt hat Jesus noch nie so ausführlich und genau beschrieben, welch wichtige Rolle er in Gottes Vorsatz spielt. Doch Jesu Ankläger haben nicht nur sein eigenes Zeugnis über diese Dinge. „Ihr habt Leute zu Johannes gesandt“, erinnert Jesus sie, „und er hat Zeugnis für die Wahrheit abgelegt.“
Zwei Jahre zuvor hat Johannes der Täufer diesen religiösen Führern der Juden von demjenigen erzählt, der nach ihm kommen sollte. Jesus führt ihnen vor Augen, welch große Achtung sie vor dem jetzt eingesperrten Johannes hatten, und sagt: „Ihr wolltet euch eine kurze Zeit in seinem Licht sehr freuen.“ Er ruft ihnen diese Dinge in den Sinn zurück, um ihnen zu helfen, ja sie zu retten. Aber er ist nicht auf das Zeugnis des Johannes angewiesen.
„Die Werke selbst, die ich tue [einschließlich des Wunders, das er gerade gewirkt hat], legen Zeugnis über mich ab, daß der Vater mich gesandt hat.“ Dann erklärt Jesus: „Auch hat der Vater selbst, der mich gesandt hat, Zeugnis über mich abgelegt.“ Das hatte Gott beispielsweise bei der Taufe Jesu getan, als er sagte: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte.“
Die Ankläger Jesu haben wirklich keine Entschuldigung dafür, daß sie ihn verwerfen. Die Schriften, die sie angeblich erforschen, legen Zeugnis über ihn ab. „Wenn ihr Moses glaubtet, würdet ihr mir glauben“, sagt Jesus zum Schluß, „denn jener schrieb über mich. Doch wenn ihr dessen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“ Johannes 5:17-47; 1:19-27; Matthäus 3:17.
▪ Warum ist das Werk Jesu keine Übertretung des Sabbatgesetzes?
▪ Wie beschreibt Jesus seine wichtige Rolle in Gottes Vorsatz?
▪ Auf wessen Zeugnis weist Jesus hin, um zu beweisen, daß er der Sohn Gottes ist?
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Ährenpflücken am SabbatDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 31
Ährenpflücken am Sabbat
SCHON bald verlassen Jesus und seine Jünger Jerusalem, um wieder nach Galiläa zurückzukehren. Es ist Frühling, und auf den Feldern steht das Getreide auf dem Halm. Da die Jünger Hunger haben, pflücken sie Ähren und essen die Körner. Doch es ist Sabbat, und ihr Tun bleibt nicht unbeobachtet.
Die religiösen Führer in Jerusalem haben gerade versucht, Jesus zu töten, weil er den Sabbat verletzt haben soll. Jetzt bringen die Pharisäer eine Anklage vor: „Siehe! Deine Jünger tun etwas, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist.“
Die Pharisäer behaupten, Ähren zu pflücken und sie in der Hand zu zerreiben sei mit Ernten und Dreschen gleichzusetzen. Ihre strenge Auslegung dessen, was als Arbeit zu betrachten sei, hat den Sabbat, der als Zeit der Freude und der Erbauung im Glauben gedacht war, zu einer Bürde gemacht. Jesus zeigt ihnen daher anhand biblischer Beispiele, daß Jehova Gott keine derart strenge Handhabung seines Sabbatgesetzes beabsichtigte.
Als David und seine Männer hungrig gewesen seien, sagt Jesus, hätten sie die Brote der Darbringung aus der Stiftshütte gegessen. Die Laibe lagen nicht mehr vor Jehova, sondern waren bereits durch frisches Brot ersetzt worden und waren eigentlich den Priestern vorbehalten. Doch aufgrund der Umstände wurden David und seine Männer nicht dafür verurteilt, daß sie sie aßen.
Jesus führt ein weiteres Beispiel an: „Habt ihr in dem GESETZ nicht gelesen, daß an den Sabbaten die Priester im Tempel den Sabbat nicht heiligen und dabei schuldlos bleiben? “ Ja, sogar am Sabbat müssen die Priester im Tempel schlachten und andere Arbeiten verrichten, um die Tieropfer vorzubereiten. „Doch ich sage euch“, erklärt Jesus, „daß etwas Größeres als der Tempel hier ist.“
Dann richtet er folgende mahnende Worte an die Pharisäer: „Wenn ihr aber verstanden hättet, was dies bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer‘, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.“ Zum Schluß sagt er: „Denn der Menschensohn ist Herr des Sabbats.“ Was meint Jesus? Er bezieht sich damit auf seine tausendjährige friedliche Königreichsherrschaft.
Die Menschheit leidet jetzt bereits seit 6 000 Jahren unter der bedrückenden Sklaverei Satans, und Gewalttätigkeit und Krieg sind an der Tagesordnung. Der große Sabbat während der Herrschaft Christi wird dagegen eine Zeit der Ruhe von all diesen Leiden und der Bedrückung sein. Matthäus 12:1-8; 3. Mose 24:5-9; 1. Samuel 21:1-6; 4. Mose 28:9; Hosea 6:6.
▪ Welche Beschuldigung bringt man gegen Jesu Jünger vor, und was entgegnet Jesus?
▪ Welchen Fehler der Pharisäer legt Jesus bloß?
▪ In welchem Sinne ist Jesus „Herr des Sabbats“?
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Was ist am Sabbat erlaubt?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 32
Was ist am Sabbat erlaubt?
AN EINEM Sabbat besucht Jesus eine Synagoge in der Nähe des Galiläischen Meeres. Unter den Anwesenden ist auch ein Mann mit einer verdorrten Hand. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer beobachten aufmerksam, ob Jesus ihn heilt. Schließlich fragen sie: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?“
Die religiösen Führer der Juden vertreten die Ansicht, am Sabbat seien Heilmaßnahmen nur erlaubt, wenn Lebensgefahr bestehe. Sie lehren zum Beispiel, man dürfe am Sabbat weder einen Knochen einrichten noch ein verstauchtes Gelenk bandagieren. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer stellen Jesus nur deshalb diese Frage, weil sie nach einem Vorwand suchen, ihn anzuklagen.
Jesus kennt jedoch ihre Überlegungen. Er weiß auch, daß sie eine extreme, unbiblische Ansicht vertreten, was Tätigkeiten betrifft, die das Sabbatgebot verletzen. Es kommt daher zu einer Auseinandersetzung, als Jesus zu dem Mann mit der verdorrten Hand sagt: „Steh auf und komm in die Mitte.“
Dann wendet sich Jesus an die Schriftgelehrten und die Pharisäer: „Welcher Mensch unter euch, der ein einziges Schaf hat, wird dieses, wenn es am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreifen und es herausheben?“ Da ein Schaf eine Geldanlage ist, würden sie es nicht bis zum nächsten Tag in der Grube lassen, wo es krank werden könnte, wodurch sie einen Verlust erleiden würden. Außerdem heißt es in der Bibel: „Der Gerechte sorgt für die Seele seines Haustiers.“
Nach diesem Vergleich fährt Jesus fort: „Wenn man alles in Betracht zieht: Wieviel wertvoller ist doch ein Mensch als ein Schaf! Somit ist es erlaubt, am Sabbat etwas Vortreffliches zu tun.“ Die religiösen Führer sind unfähig, diese logische, von Mitgefühl zeugende Schlußfolgerung zu widerlegen, und bleiben stumm.
Empört, aber auch betrübt wegen ihrer Gefühllosigkeit, blickt Jesus um sich. Dann sagt er zu dem Mann: „Strecke deine Hand aus!“ Als dieser die Hand ausstreckt, ist sie geheilt.
Statt sich darüber zu freuen, daß die Hand des Mannes wiederhergestellt wurde, gehen die Pharisäer hinaus und verschwören sich sofort mit den Parteianhängern des Herodes gegen Jesus, um ihn zu töten. Diese politische Partei, zu der offensichtlich auch Sadduzäer gehören, liegt zwar im allgemeinen mit den Pharisäern in offenem Streit, aber in ihrem Widerstand gegen Jesus sind sie fest vereint. Matthäus 12:9-14; Markus 3:1-6; Lukas 6:6-11; Sprüche 12:10; 2. Mose 20:8-10.
▪ Unter welchen Umständen kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Jesus und den religiösen Führern der Juden?
▪ Welche Ansicht vertreten die religiösen Führer der Juden in bezug auf Heilmaßnahmen am Sabbat?
▪ Welche Veranschaulichung gebraucht Jesus, um ihre falsche Ansicht zu widerlegen?
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An ihm erfüllt sich die Prophezeiung JesajasDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 33
An ihm erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas
ALS Jesus erfährt, daß die Pharisäer und die Parteianhänger des Herodes ihn töten wollen, zieht er sich mit seinen Jüngern an das Galiläische Meer zurück. Hier strömen große Volksmengen aus ganz Palästina und sogar aus anderen Gebieten zu ihm. Er heilt viele, so daß alle, die ein lästiges Leiden haben, auf ihn eindrängen, um ihn anzurühren.
Jesus weist seine Jünger an, wegen der großen Volksmenge stets ein Boot für ihn bereitzuhalten. Dadurch, daß er vom Strand wegrudert, kann er die Massen daran hindern, ihn zu bedrängen. Er kann sie vom Boot aus belehren oder sich in ein anderes Gebiet am Ufer begeben, um den Menschen dort zu helfen.
Der Jünger Matthäus stellt fest, daß sich durch Jesu Tätigkeit das erfüllt, „was durch Jesaja, den Propheten, geredet wurde“. Dann zitiert er die Prophezeiung, die sich an Jesus erfüllt:
„Siehe! Mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat! Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Nationen das Recht erklären. Er wird weder zanken noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den breiten Straßen hören. Ein zerstoßenes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Flachsdocht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht erfolgreich aussendet. In der Tat, auf seinen Namen werden die Nationen hoffen.“
Jesus ist natürlich der geliebte Knecht, an dem Jehova Wohlgefallen gefunden hat. Und er erklärt deutlich, was das wahre Recht ist, das durch falsche religiöse Traditionen verschleiert wird. Die Pharisäer würden wegen ihrer unberechtigten Anwendung des Gesetzes Gottes am Sabbat nicht einmal einem Kranken zu Hilfe kommen. Jesus befreit die Menschen von der Last bedrückender Traditionen, indem er ihnen klarmacht, was in Gottes Augen recht ist. Deshalb versuchen die religiösen Führer, ihn zu töten.
Was bedeutet es aber, wenn es heißt, er werde ‘weder zanken noch schreien, noch werde jemand seine Stimme auf den breiten Straßen hören’? Wenn Jesus die Menschen heilt, ‘befiehlt er ihnen ausdrücklich, ihn nicht bekannt zu machen’. Er möchte nicht, daß er lautstark auf den Straßen angekündigt wird oder daß entstellte Berichte von Mund zu Mund gehen.
Jesus trägt seine trostreiche Botschaft zu Menschen, die einem zerstoßenen Rohr gleichen, gebeugt sind und niedergetreten werden. Sie sind wie ein glimmender Flachsdocht, dessen letzter Funke fast erloschen ist. Jesus zerbricht das zerstoßene Rohr nicht, noch löscht er den flackernden, rauchenden Flachsdocht aus. Statt dessen richtet er mit Geschick, Zuneigung und Liebe die Sanftmütigen auf. Jesus ist in der Tat derjenige, auf den die Nationen hoffen können. Matthäus 12:15-21; Markus 3:7-12; Jesaja 42:1-4.
▪ Wie erklärt Jesus deutlich, was recht ist, und inwiefern zankt er nicht, noch erhebt er seine Stimme auf der breiten Straße?
▪ Wer gleicht einem zerstoßenen Rohr und einem glimmenden Flachsdocht, und wie behandelt Jesus sie?
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Er wählt seine Apostel ausDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 34
Er wählt seine Apostel aus
ETWA eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Johannes der Täufer Jesus als das Lamm Gottes kenntlich gemacht hat und Jesus mit seinem öffentlichen Predigtwerk begonnen hat. Zu jener Zeit waren Andreas, Simon Petrus, Johannes und möglicherweise Jakobus (der Bruder des Johannes) sowie Philippus und Nathanael (auch Bartholomäus genannt) seine ersten Jünger geworden. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihnen viele an und folgten ebenfalls Jesus nach.
Jesus ist jetzt bereit, seine Apostel auszuwählen. Sie werden seine engsten Gefährten sein, die er besonders schult. Doch bevor er seine Wahl trifft, begibt er sich auf einen Berg. Dort verbringt er die ganze Nacht im Gebet und bittet wahrscheinlich um Weisheit und um Gottes Segen. Als es Tag wird, ruft er seine Jünger und wählt aus ihnen 12 aus. Da sie jedoch immer noch Jesu Schüler sind, werden sie weiterhin Jünger genannt.
Zu denen, für die sich Jesus entschieden hat, gehört neben seinen ersten sechs Jüngern, die bereits namentlich genannt wurden, auch Matthäus, den Jesus berief, als er im Steuerbüro saß. Bei den fünf anderen handelt es sich um Judas (auch Thaddäus genannt), Judas Iskariot, Simon, den Kananäer, Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus. Dieser wird auch Jakobus der Geringere genannt, vielleicht weil er von kleinerer Statur oder jünger ist als der andere Apostel Jakobus.
Diese 12 sind schon eine gewisse Zeit mit Jesus zusammengewesen, und er kennt sie gut. Einige von ihnen sind sogar mit ihm verwandt. Jakobus und sein Bruder Johannes sind wahrscheinlich seine Cousins. Möglicherweise war Alphäus der Bruder Josephs, des Pflegevaters Jesu. Dann wäre der Sohn des Alphäus, der Apostel Jakobus, ebenfalls ein Cousin Jesu.
Jesus hat natürlich keine Schwierigkeiten, sich die Namen seiner Apostel zu merken. Weißt du sie noch? Nun, erinnere dich, daß zwei Simon heißen, zwei Jakobus und zwei Judas, daß Simons Bruder Andreas heißt und der Bruder des Jakobus Johannes. Das ist der Schlüssel, sich acht Apostel zu merken. Die übrigen vier sind ein Steuereinnehmer (Matthäus), einer, der später einmal zweifelte (Thomas), einer, der unter einem Baum berufen wurde (Nathanael), und dessen Freund Philippus.
Elf der Apostel stammen aus Galiläa, dem Heimatgebiet Jesu. Nathanael ist aus Kana. Philippus, Petrus und Andreas kommen ursprünglich aus Bethsaida. Petrus und Andreas ziehen später nach Kapernaum, wo anscheinend auch Matthäus wohnt. Jakobus und Johannes waren Fischer und wohnen wahrscheinlich ebenfalls in oder bei Kapernaum. Judas Iskariot, der Jesus später verrät, scheint der einzige Apostel aus Judäa zu sein. Markus 3:13-19; Lukas 6:12-16.
▪ Welche Apostel sind wahrscheinlich mit Jesus verwandt?
▪ Wie heißen die Apostel Jesu, und wie kannst du dir ihre Namen merken?
▪ Aus welchen Gebieten kommen die Apostel?
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Die berühmteste Predigt, die je gehalten wurdeDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 35
Die berühmteste Predigt, die je gehalten wurde
DIE Szene ist eine der bekanntesten der ganzen Bibel: Jesus sitzt an einem Abhang und hält seine berühmte Bergpredigt. Der Ort liegt in der Nähe des Galiläischen Meeres, wahrscheinlich in der Umgebung von Kapernaum. Nachdem Jesus die ganze Nacht gebetet hat, erwählt er 12 seiner Jünger zu Aposteln. Dann begibt er sich mit ihnen allen an einen ebenen Platz auf dem Berg.
Man sollte eigentlich annehmen, daß Jesus jetzt sehr müde ist und ein wenig schlafen möchte. Es hat sich jedoch eine große Volksmenge versammelt. Einige sind aus Judäa und Jerusalem gekommen und haben somit etwa 100 Kilometer zurückgelegt. Andere stammen aus den Hafenstädten Tyrus und Sidon, die im Norden liegen. Sie haben sich hier eingefunden, um Jesus zu hören und um von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Sogar Menschen, die von Dämonen, den bösen Engeln Satans, belästigt werden, sind darunter.
Als Jesus hinuntergeht, drängen sich die Kranken in seine Nähe, um ihn zu berühren, und er heilt sie alle. Später steigt Jesus offensichtlich wieder etwas höher auf den Berg hinauf. Dort setzt er sich nieder und beginnt die Volksmenge zu belehren, die sich auf dem ebenen Platz vor ihm befindet. Und denke nur, kein einziger unter seinen Zuhörern leidet mehr an einer schweren Krankheit!
Die Menschen warten gespannt darauf, den Lehrer zu hören, der diese erstaunlichen Wunder wirken kann. Jesus hält seine Predigt jedoch hauptsächlich zum Nutzen seiner Jünger, die wahrscheinlich in seiner unmittelbaren Nähe Platz genommen haben. Doch damit auch wir noch etwas davon haben, wurde sie von Matthäus und Lukas aufgezeichnet.
Der von Matthäus verfaßte Bericht über die Predigt ist etwa viermal so lang wie der von Lukas. Bestimmte Teile aus der Aufzeichnung des Matthäus werden von Lukas einer anderen Zeit des Dienstes Jesu zugeordnet, was einem Vergleich von Matthäus 6:9-13 mit Lukas 11:1-4 und von Matthäus 6:25-34 mit Lukas 12:22-31 zu entnehmen ist. Das sollte uns jedoch nicht überraschen. Jesus lehrte dieselben Dinge offensichtlich mehr als einmal, und Lukas hat einige Lehren in einem anderen Zusammenhang aufgezeichnet.
Jesu Bergpredigt ist nicht nur wegen des tiefgründigen Inhalts so wertvoll, sondern auch deshalb, weil er die Wahrheiten so einfach und verständlich darlegt. Er bezieht sich auf alltägliche Begebenheiten und auf Dinge, mit denen die Menschen vertraut sind. Dadurch können alle, die noch besser gemäß Gottes Willen leben möchten, seine Gedanken leicht verstehen.
Wer ist wirklich glücklich?
Jeder möchte glücklich sein. Da sich Jesus dessen bewußt ist, beschreibt er zu Beginn seiner Bergpredigt, wer wirklich glücklich ist. Wir können uns vorstellen, wie sehr das von Anfang an seine große Zuhörerschaft fesselt. Dennoch müssen seine einleitenden Worte vielen widersprüchlich erscheinen.
Jesus richtet seine Äußerungen an seine Jünger und beginnt wie folgt: „Glücklich seid ihr Armen, denn euer ist das Königreich Gottes. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Glücklich seid ihr, wann immer die Menschen euch hassen ... Freut euch an jenem Tag, und hüpft; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.“
Das ist der Bericht des Lukas über die Einleitung der Predigt Jesu. Aber gemäß dem Bericht des Matthäus sagt Jesus auch, daß die Mildgesinnten, die Barmherzigen, diejenigen, die reinen Herzens sind, und die Friedsamen glücklich sind. Wie Jesus erklärt, sind sie glücklich, denn sie werden die Erde erben, ihnen wird Barmherzigkeit erwiesen werden, sie werden Gott sehen und werden Söhne Gottes genannt werden.
Wenn Jesus vom Glücklichsein spricht, meint er jedoch nicht einfach, heiter und vergnügt zu sein, als ob es darum ginge, sich zu amüsieren. Wahres Glück geht tiefer; es bedeutet Zufriedenheit, das Gefühl der Befriedigung und Erfüllung im Leben.
Die wirklich Glücklichen sind, wie Jesus zeigt, Menschen, die ihre geistigen Bedürfnisse erkennen, traurig sind über ihren sündhaften Zustand und Gott kennenlernen und ihm dann dienen. Ja selbst wenn sie gehaßt oder verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun, sind sie glücklich, denn sie wissen, daß sie Gott gefallen und seinen Lohn, ewiges Leben, erhalten werden.
Viele Leute von heute gleichen einem Großteil der Zuhörer Jesu, weil sie glauben, der Mensch sei glücklich, wenn er vermögend und erfolgreich sei und sein Vergnügen habe. Jesus dagegen weiß es besser. Er zeigt einen Gegensatz auf, der wohl viele seiner Zuhörer überrascht:
„Wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt bereits euren vollen Trost. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn desgleichen taten ihre Vorväter den falschen Propheten.“
Was will Jesus damit sagen? Warum ist es ein Unheil, reich zu sein, lachend Vergnügungen nachzugehen und den Beifall der Menschen zu genießen? Dem ist so, weil im Leben eines Menschen, der diese Dinge hat und ihnen zugetan ist, der Dienst für Gott, der allein wahres Glück bringt, ausgeklammert wird. Andererseits will Jesus nicht sagen, ein Mensch sei allein dadurch glücklich, daß er arm und hungrig sei oder trauere. Oft gehen jedoch solche benachteiligten Menschen auf Jesu Lehren ein und werden dadurch mit wahrem Glück gesegnet.
Als nächstes wendet sich Jesus an seine Jünger mit den Worten: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Natürlich meint er nicht, sie seien buchstäbliches Salz. Salz ist ein Konservierungsstoff. Beim Tempel Jehovas lag neben dem Altar ein großer Haufen Salz, und die dort amtierenden Priester nahmen davon, um die Opfer zu salzen.
Die Jünger Jesu sind insofern das „Salz der Erde“, als sie einen lebenerhaltenden Einfluß auf die Menschen ausüben. Ja, die Botschaft, die sie verkündigen, wird bewirken, daß alle, die darauf eingehen, am Leben erhalten werden. Sie wird in ihr Leben Beständigkeit, Loyalität und Treue bringen und sie vor geistigem und moralischem Verfall bewahren.
„Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Eine Lampe stellt man nicht unter ein Gefäß, sondern auf einen Leuchter. Daher sagt Jesus: „Ebenso laßt euer Licht vor den Menschen leuchten.“ Jesu Jünger tun das, indem sie öffentlich Zeugnis ablegen und durch einen den biblischen Grundsätzen entsprechenden Lebenswandel als leuchtendes Vorbild dienen.
Ein hoher Maßstab für seine Nachfolger
In den Augen der religiösen Führer ist Jesus ein Übertreter des Gesetzes Gottes, und sie sind sogar übereingekommen, ihn zu töten. Jesus sagt daher, als er mit seiner Bergpredigt fortfährt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das GESETZ oder die PROPHETEN zu vernichten. Nicht um zu vernichten, bin ich gekommen, sondern um zu erfüllen.“
Jesus hat höchste Achtung vor Gottes Gesetz und fordert das auch von anderen. So sagt er: „Wer immer daher eines dieser geringsten Gebote bricht und die Menschen demgemäß lehrt, der wird hinsichtlich des Königreiches der Himmel ‚Geringster‘ genannt werden“, d. h., ein solcher wird überhaupt nicht in das Königreich eingehen.
Jesus mißachtet keineswegs Gottes Gesetz; er verurteilt sogar jede Geisteshaltung, die dazu beiträgt, daß jemand es bricht. Er führt an, daß es im Gesetz heißt: „Du sollst nicht morden“, und fügt dann hinzu: „Doch ich sage euch, daß jeder, der seinem Bruder fortgesetzt zürnt, dem Gerichtshof Rechenschaft wird geben müssen.“
Da es eine so ernste Sache ist, seinem Mitmenschen fortgesetzt zu zürnen — es kann sogar zu Mord führen —, veranschaulicht Jesus, wie weit man um des Friedens willen gehen soll. Seine Anweisung lautet: „Wenn du nun deine [Opfer-]Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar.“
Jesus lenkt nun die Aufmerksamkeit auf das siebente der Zehn Gebote: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Du sollst nicht ehebrechen.‘ “ Er verurteilt jedoch schon die Bereitschaft zum Ehebruch: „Ich aber sage euch, daß jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat.“
Es geht hier nicht bloß um einen vorübergehenden unmoralischen Gedanken, sondern darum, jemand ‘fortwährend anzusehen’. Solch ständiges Betrachten weckt leidenschaftliche Begierden, die bei passender Gelegenheit zum Ehebruch führen können. Wie kann man das verhindern? Jesus veranschaulicht, welch extreme Maßnahmen erforderlich sein mögen: „Wenn nun dein rechtes Auge dich straucheln macht, so reiß es aus und wirf es von dir weg. ... Und wenn deine rechte Hand dich straucheln macht, so hau sie ab und wirf sie von dir weg.“
Viele Menschen sind bereit, ein erkranktes buchstäbliches Glied zu opfern, um ihr Leben zu retten. Gemäß Jesu Worten ist es jedoch noch wichtiger, wirklich alles ‘wegzuwerfen’, selbst etwas so Wertvolles wie ein Auge oder eine Hand, um sich vor unmoralischem Denken und Handeln zu hüten. Andernfalls, so sagt Jesus, würde man in die Gehenna (ein brennender Müllplatz bei Jerusalem) geworfen, was ewige Vernichtung symbolisiert.
Jesus spricht auch über den Umgang mit Personen, die Schaden stiften und Kränkung verursachen. „Widersteht nicht dem, der böse ist“, lautet sein Rat. „Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, so wende ihm auch die andere zu.“ Jesus meint damit nicht, daß man sich oder seine Angehörigen nicht verteidigen darf, wenn man angegriffen wird. Ein solcher Schlag soll den anderen nicht körperlich verletzen, sondern beleidigen. Christus wollte zeigen, daß es verkehrt wäre, zurückzuschlagen, wenn jemand versuchen würde, einen durch buchstäbliche Schläge mit der flachen Hand oder durch beleidigende Worte herauszufordern.
Nachdem Jesus die Aufmerksamkeit auf Gottes Gesetz, seinen Nächsten zu lieben, gelenkt hat, sagt er: „Doch ich sage euch: Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen.“ Er gibt dafür auch einen überzeugenden Grund an: „Damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist, da er seine Sonne über Böse und Gute aufgehen ... läßt.“
Jesus schließt diesen Teil seiner Bergpredigt mit der Ermahnung ab: „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Er meint damit nicht, daß wir in absolutem Sinne vollkommen sein können. Wer Gott nachahmt, kann jedoch in seiner Liebe so weit werden, daß sie sogar Feinde einschließt. In dem von Lukas verfaßten Parallelbericht werden Jesu Worte wie folgt wiedergegeben: „Fahrt fort, barmherzig zu werden, wie euer Vater barmherzig ist.“
Gebet und Gottvertrauen
Im weiteren Verlauf seiner Predigt verurteilt Jesus die Heuchelei derjenigen, die ihre vermeintliche Gottergebenheit zur Schau stellen. „Wenn du also Gaben ... spendest“, sagt er, „so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler ... tun.“
Jesus fährt fort: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht wie die Heuchler sein; denn sie beten gern stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen, um von den Menschen gesehen zu werden.“ Seine Anweisung lautet: „Wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ Da Jesus selbst öffentliche Gebete sprach, verurteilt er diese nicht. Er prangert jedoch Gebete an, die jemand spricht, um die Zuhörenden zu beeindrucken und ihre Bewunderung auf sich zu ziehen.
Des weiteren gibt Jesus den Rat: „Wenn ihr aber betet, sagt nicht immer und immer wieder dasselbe wie die Leute von den Nationen.“ Jesus meint damit nicht, daß Wiederholungen an sich verkehrt seien. Bei einer Gelegenheit sprach er selbst wiederholt „dasselbe Wort“, als er betete. Er mißbilligt es jedoch, auswendig gelernte Sätze „immer und immer wieder“ herzusagen, wie es beispielsweise jemand tut, der den Rosenkranz betet und dabei seine Gebete mechanisch wiederholt.
Um seinen Zuhörern zu zeigen, wie man beten soll, lehrt Jesus sie ein Mustergebet, das sieben Bitten enthält. In den drei ersten werden passenderweise die Souveränität Gottes und seine Vorsätze anerkannt. Es sind Bitten um die Heiligung des Namens Gottes, um das Kommen seines Königreiches und darum, daß sein Wille geschehen möge. Die vier übrigen sind persönliche Bitten um die tägliche Nahrung, um Vergebung von Sünden und daß man nicht über sein Vermögen versucht, sondern vom Bösen befreit werden möge.
Dann zeigt Jesus, daß es zu einer Schlinge werden kann, ungebührlichen Nachdruck auf materiellen Besitz zu legen. Er sagt: „Hört auf, euch Schätze auf der Erde aufzuhäufen, wo Motte und Rost sie verzehren und wo Diebe einbrechen und stehlen.“ Solche Schätze sind nicht nur vergänglich, sondern auch ohne Wert bei Gott.
Er empfiehlt statt dessen: „Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf.“ Das tut man, indem man den Dienst für Gott im Leben an die erste Stelle setzt. Niemand kann einem diese „Schätze“, die auf diese Weise bei Gott aufgehäuft werden, oder die großartige Belohnung wegnehmen. Dann fügt Jesus noch hinzu: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“
In Verbindung mit der Schlinge des Materialismus führt Jesus noch folgende Veranschaulichung an: „Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.“ Ein gesundes Auge ist für den Körper wie eine brennende Lampe an einem dunklen Ort. Damit man jedoch deutlich sehen kann, muß das Auge lauter sein, d. h., es muß sich auf eine Sache genau einstellen. Kann ein Auge nicht scharf sehen, wird man die Dinge nicht richtig abschätzen können. Man wird materielle Bestrebungen vor den Dienst für Gott stellen, wodurch schließlich der ‘ganze Leib’ finster wird.
Jesus krönt das Ganze mit einer ausdrucksstarken Veranschaulichung: „Niemand kann ein Sklave zweier Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein.“
Im Anschluß an diesen Rat versichert Jesus seinen Zuhörern, daß sie sich keine Sorgen um ihre materiellen Bedürfnisse zu machen brauchen, wenn sie den Dienst für Gott an die erste Stelle setzen. „Beobachtet aufmerksam die Vögel des Himmels“, sagt er, „denn sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie etwas in Vorratshäuser ein; dennoch ernährt sie euer himmlischer Vater.“ Dann stellt er die Frage: „Seid ihr nicht mehr wert als sie?“
Als nächstes verweist Jesus auf die Lilien des Feldes und erwähnt, „daß nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit wie eine von diesen bekleidet war“. Er fährt fort: „Wenn nun Gott die Pflanzen des Feldes ... so kleidet, wird er nicht vielmehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen?“ Daher sagt Jesus abschließend: „Macht euch nie Sorgen und sprecht: ‚Was sollen wir essen?‘ oder: ‚Was sollen wir trinken?‘ oder: ‚Was sollen wir anziehen?‘ ... Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all diese Dinge benötigt. So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden.“
Der Weg zum Leben
Wer den Weg gehen möchte, der zum Leben führt, muß Jesu Lehren befolgen. Das ist jedoch nicht leicht. Die Pharisäer neigen zum Beispiel dazu, andere streng zu richten, und wahrscheinlich ahmen viele sie darin nach. Als Jesus seine Bergpredigt fortsetzt, mahnt er daher: „Hört auf zu richten, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden.“
Es ist gefährlich, der Führung der überkritischen Pharisäer zu folgen. Gemäß dem Bericht des Lukas veranschaulicht Jesus diese Gefahr folgendermaßen: „Kann wohl ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube stürzen?“
Anderen gegenüber zu kritisch zu sein, ihre Fehler aufzubauschen und darauf herumzuhacken ist ein ernstes Vergehen. Jesus fragt deshalb: „Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‚Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen‘, wenn, siehe, ein Balken in deinem eigenen Auge ist? Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst.“
Das bedeutet jedoch nicht, daß Jesu Jünger im Umgang mit anderen kein Unterscheidungsvermögen anzuwenden brauchten, denn Jesus sagt: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor.“ Die Wahrheiten aus Gottes Wort sind heilig. In übertragenem Sinne sind sie wie Perlen. Wenn jemand jedoch gleich einem Hund oder einem Schwein keine Wertschätzung für diese kostbaren Wahrheiten hat, sollen sich Jesu Jünger nicht weiter mit diesem Menschen abgeben, sondern nach jemand suchen, der empfänglicher ist.
Jesus hat in seiner Bergpredigt zwar schon einmal über das Gebet gesprochen, jetzt betont er jedoch die Notwendigkeit, darin zu beharren. „Bittet fortwährend“, sagt er, „und es wird euch gegeben werden.“ Um Gottes Bereitschaft, Gebete zu erhören, zu veranschaulichen, fragt Jesus: „Wer ist der Mensch unter euch, den sein Sohn um Brot bittet — er wird ihm doch nicht etwa einen Stein reichen? ... Darum, wenn ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen gute Dinge geben, die ihn bitten!“
Als nächstes stellt Jesus eine bekannte Verhaltensregel auf, die gewöhnlich die „Goldene Regel“ genannt wird. Er sagt: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun.“ Nach dieser Regel zu leben schließt positives Handeln gegenüber anderen ein, d. h., man muß sie so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
Daß der Weg zum Leben nicht leicht ist, geht aus folgender Anweisung Jesu hervor: „Geht ein durch das enge Tor; denn breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen; doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden.“
Die Gefahr, irregeleitet zu werden, ist groß. Daher warnt Jesus: „Nehmt euch vor den falschen Propheten in acht, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie raubgierige Wölfe.“ Jesus zeigt, daß genauso, wie gute und schlechte Bäume an ihren Früchten erkannt werden können, auch falsche Propheten an ihrem Wandel und an ihren Lehren erkannt werden können.
Des weiteren erklärt Jesus, daß jemand nicht einfach durch das, was er sagt, sondern durch das, was er tut, zu seinem Jünger wird. Einige behaupten, Jesus sei ihr Herr, aber sie tun nicht den Willen seines Vaters. Auf sie treffen folgende Worte Jesu zu: „Ich [will] ihnen dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit.“
Schließlich äußert Jesus die denkwürdigen Schlußworte seiner Predigt. Er sagt: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und danach handelt, wird mit einem verständigen Mann verglichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und schlugen gegen jenes Haus, aber es stürzte nicht ein, denn es war auf den Felsen gegründet worden.“
Andererseits erklärt Jesus: „Jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, [wird] mit einem törichten Mann verglichen, der sein Haus auf den Sand baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus, und es stürzte ein, und sein Zusammensturz war groß.“
Als Jesus seine Rede beendet hat, sind die Volksmengen über seine Art zu lehren erstaunt, da er sie wie jemand lehrt, der Gewalt hat, und nicht wie ihre religiösen Führer. Lukas 6:12-23; Matthäus 5:1-12; Lukas 6:24-26; Matthäus 5:13-48; 6:1-34; 26:36-45; 7:1-29; Lukas 6:27-49.
▪ Wo befindet sich Jesus, als er seine bekannteste Predigt hält, wer ist anwesend, und was hat sich unmittelbar vorher zugetragen?
▪ Warum überrascht es nicht, daß Lukas einige Lehren, die wir in der Bergpredigt finden, in einem anderen Zusammenhang aufgezeichnet hat?
▪ Was macht Jesu Bergpredigt so wertvoll?
▪ Wer ist wirklich glücklich, und warum?
▪ Über wen kommt Unheil, und warum?
▪ Inwiefern sind Jesu Jünger „das Salz der Erde“ und „das Licht der Welt“?
▪ Wie zeigt Jesus, daß er höchste Achtung vor Gottes Gesetz hat?
▪ Welche Anweisung gibt Jesus, um die Ursachen für Mord und Ehebruch auszumerzen?
▪ Was meint Jesus, wenn er davon spricht, die andere Wange hinzuhalten?
▪ Inwiefern können wir so vollkommen sein wie Gott?
▪ Welche Anweisungen gibt Jesus in bezug auf das Gebet?
▪ Warum sind himmlische Schätze von so großem Wert, und wie kann man sie erlangen?
▪ Welche Veranschaulichungen helfen einem, den Materialismus zu meiden?
▪ Warum sagt Jesus, man brauche sich keine Sorgen zu machen?
▪ Was sagt Jesus über das Richten, doch wie zeigt er, daß seine Jünger im Umgang mit anderen Unterscheidungsvermögen anwenden müssen?
▪ Was sagt Jesus noch über das Gebet, und welche Verhaltensregel stellt er auf?
▪ Wie zeigt Jesus, daß der Weg zum Leben nicht leicht ist und daß die Gefahr besteht, irregeleitet zu werden?
▪ Womit bringt Jesus seine Predigt zum Abschluß, und welche Wirkung hat sie?
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Der große Glauben eines OffiziersDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 36
Der große Glauben eines Offiziers
DIE Bergpredigt kennzeichnet etwa die Mitte des öffentlichen Dienstes Jesu. Er hat demnach nur noch ungefähr ein Jahr und neun Monate Zeit, sein Werk auf der Erde zu vollenden.
Jesus geht nach Kapernaum hinein, das ihm sozusagen als Stützpunkt für seine Tätigkeit dient. Hier treten einige ältere Männer der Juden mit einer Bitte an ihn heran. Geschickt hat sie ein römischer Offizier, ein Heide, d. h. jemand, der nicht dem jüdischen Volk angehört.
Der geliebte Diener des Offiziers ist ernsthaft erkrankt und liegt im Sterben. Dieser möchte daher, daß Jesus seinen Diener gesund macht. Die Juden setzen sich nachdrücklich für den Offizier ein: „Er ist würdig, daß du ihm das gewährst“, sagen sie, „denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat für uns die Synagoge gebaut.“
Ohne zu zögern, geht Jesus mit den Männern. Als sie ihr Ziel fast erreicht haben, sendet ihnen der Offizier Freunde entgegen, um Jesus sagen zu lassen: „Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach kommst. Darum betrachtete ich mich nicht für würdig, zu dir zu kommen.“
Welch ein Ausdruck der Demut von einem Offizier, der gewohnt ist, anderen zu befehlen! Möglicherweise denkt er jedoch auch an Jesus, da er weiß, daß die Sitte es einem Juden verbietet, gesellschaftlichen Kontakt mit Nichtjuden zu haben. So sagte Petrus zum Beispiel einmal: „Ihr wißt wohl, daß es einem Juden nicht erlaubt ist, sich einem Menschen von einer anderen Rasse anzuschließen oder sich ihm zu nähern.“
Vielleicht möchte der Offizier Jesus die Folgen ersparen, die eine Verletzung dieser Sitte mit sich bringen würde, und deshalb bittet er ihn durch die Freunde: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund werden. Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und habe Soldaten unter mir, und sage ich zu diesem: ‚Geh hin!‘, so geht er hin, und zu einem anderen: ‚Komm!‘, so kommt er, und zu meinem Sklaven: ‚Tu dies!‘, so tut er’s.“
Jesus staunt, als er das hört. „Ich sage euch die Wahrheit“, sagt er. „Bei niemand in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.“ Nachdem Jesus den Diener des Offiziers geheilt hat, nutzt er die Gelegenheit und legt dar, daß viele gläubige Nichtjuden die Segnungen empfangen werden, die die ungläubigen Juden zurückweisen.
Jesus erklärt, daß „viele von östlichen Gegenden und westlichen Gegenden kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Königreich der Himmel zu Tisch liegen werden, während die Söhne des Königreiches in die Finsternis draußen hinausgeworfen werden. Dort wird ihr Weinen und ihr Zähneknirschen sein.“
Die „Söhne des Königreiches“, die „in die Finsternis draußen hinausgeworfen werden“, sind natürliche Juden, die die Gelegenheit, Mitherrscher mit Christus zu werden — eine Gelegenheit, die zuerst die Juden erhielten —, nicht wahrnahmen. Abraham, Isaak und Jakob stellen Gottes Königreichsvorkehrung dar. Jesus gibt so zu verstehen, daß Menschen von den Nationen willkommen geheißen würden, um „im Königreich der Himmel“ sozusagen zu Tisch zu liegen. Lukas 7:1-10; Matthäus 8:5-13; Apostelgeschichte 10:28.
▪ Warum setzen sich Juden für einen heidnischen Offizier ein?
▪ Was könnte erklären, warum der Offizier Jesus nicht in sein Haus eingeladen hat?
▪ Was meint Jesus mit seinen abschließenden Bemerkungen?
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Jesus läßt eine Witwe ihre Trauer vergessenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 37
Jesus läßt eine Witwe ihre Trauer vergessen
KURZ nachdem Jesus den Diener eines Offiziers geheilt hat, begibt er sich nach Nain, das über 30 km südwestlich von Kapernaum liegt. Seine Jünger und eine große Volksmenge begleiten ihn. Es ist wahrscheinlich schon gegen Abend, als sie sich dem Stadttor von Nain nähern. Hier stoßen sie auf einen Leichenzug. Man trägt einen verstorbenen jungen Mann aus der Stadt hinaus, um ihn zu begraben.
Die Mutter des Toten befindet sich in einer äußerst tragischen Situation, da sie Witwe ist und nur das eine Kind hatte. Als ihr Mann starb, konnte sie sich damit trösten, daß sie noch ihren Sohn hatte. Ihre Hoffnung, ihre Wünsche und ihr Streben konzentrierten sich völlig auf seine Zukunft. Aber jetzt hat sie niemand mehr, bei dem sie Trost finden kann. Sie ist von tiefer Trauer erfüllt, als sie zusammen mit den Leuten aus der Stadt zur Begräbnisstätte geht.
Die große Traurigkeit der Frau rührt sofort das Herz Jesu. Sanft, aber mit einer Entschlossenheit, die Vertrauen einflößt, sagt er zu ihr: „Hör auf zu weinen.“ Sein Auftreten und sein Tun fesseln die Aufmerksamkeit der Volksmenge. Als er sich der Bahre, auf der der Tote liegt, nähert und sie berührt, stehen die Träger still. Alle fragen sich, was er wohl tun wird.
Diejenigen, die Jesus begleiten, haben zwar gesehen, daß er durch Wunder viele geheilt hat. Doch offensichtlich haben sie noch nie gesehen, daß er jemand von den Toten auferweckt hat. Besitzt er diese Fähigkeit? Zu dem Toten gewandt, gebietet Jesus: „Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!“ Und der Mann setzt sich auf! Er fängt an zu reden, und Jesus übergibt ihn seiner Mutter.
Als die Menschen sehen, daß der junge Mann tatsächlich lebt, beginnen sie auszurufen: „Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden.“ Andere sagen: „Gott hat seine Aufmerksamkeit seinem Volk zugewandt.“ Schnell verbreitet sich die Kunde von dieser erstaunlichen Tat in ganz Judäa und in der gesamten Umgegend.
Johannes der Täufer befindet sich noch immer im Gefängnis, und er möchte mehr über die Werke erfahren, die Jesus vollbringen kann. Seine Jünger berichten ihm von den Wundern. Wie reagiert Johannes darauf? Lukas 7:11-18.
▪ Was geschieht, als sich Jesus Nain nähert?
▪ Wie berührt Jesus das, was er sieht, und was tut er?
▪ Wie reagieren die Menschen auf das Wunder Jesu?
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Mangelte es Johannes an Glauben?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 38
Mangelte es Johannes an Glauben?
JOHANNES dem Täufer, der sich seit einem Jahr im Gefängnis befindet, wird von der Auferweckung des Sohnes der Witwe aus Nain berichtet. Da Johannes von Jesus persönlich erfahren möchte, was das zu bedeuten hat, schickt er zwei seiner Jünger zu ihm, um ihn zu fragen: „Bist du der Kommende, oder sollen wir einen anderen erwarten?“
Das scheint eine seltsame Frage zu sein, vor allem da Johannes etwa zwei Jahre zuvor bei Jesu Taufe selbst den Geist Gottes auf Jesus herabkommen sah und die Stimme hörte, durch die Gott sein Wohlgefallen zum Ausdruck brachte. Aufgrund der Frage, die Johannes stellt, könnte man schlußfolgern, sein Glaube sei schwach geworden. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn wären Johannes Zweifel gekommen, würde Jesus ihn bei dieser Gelegenheit nicht so lobend erwähnen. Doch warum stellt Johannes diese Frage?
Vielleicht möchte sich Johannes einfach nur von Jesus bestätigen lassen, daß er der Messias ist. Für den im Kerker schmachtenden Johannes wäre das eine große Stärkung. Aber offensichtlich beabsichtigt er mit seiner Frage noch mehr. Er möchte wahrscheinlich wissen, ob nach Jesus noch ein anderer kommt, ein Nachfolger, der das, was der Messias gemäß den Verheißungen vollbringen soll, vollständig erfüllt.
Johannes kennt nämlich die biblischen Prophezeiungen, daß der Gesalbte Gottes ein König, ein Befreier sein soll. Doch Johannes wird — viele Monate nach Jesu Taufe — immer noch gefangengehalten. Daher möchte Johannes von Jesus offensichtlich folgendes wissen: Bist du wirklich derjenige, der das Königreich Gottes in sichtbarer Macht aufrichtet, oder gibt es noch einen anderen, einen Nachfolger, auf den wir warten müssen, der all die wunderbaren Prophezeiungen über die Herrlichkeit des Messias erfüllt?
Statt den Jüngern des Johannes zu sagen: „Natürlich bin ich derjenige, der kommen sollte“, gibt Jesus in jener Stunde ein bemerkenswertes Zeichen, indem er viele Menschen von allen möglichen Krankheiten und Gebrechen heilt. Dann sagt er den Jüngern: „Geht hin, berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde erhalten das Augenlicht, Lahme gehen umher, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird die gute Botschaft erzählt.“
Mit anderen Worten: Aus der Frage des Johannes geht die Erwartung hervor, daß Jesus noch mehr tun wird als bisher und er Johannes vielleicht befreien wird. Jesus sagt ihm jedoch, er solle nicht mehr erwarten als die Wunder, die Jesus wirkt.
Als die Jünger des Johannes gegangen sind, wendet sich Jesus den Volksmengen zu und erklärt ihnen, daß Johannes sowohl der Bote Jehovas ist, der in Maleachi 3:1 vorausgesagt wurde, als auch der in Maleachi 4:5, 6 vorausgesagte Prophet Elia. Auf diese Weise rühmt er Johannes und reiht ihn unter die Propheten ein, die vor ihm lebten. Des weiteren sagt Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer erweckt worden als Johannes der Täufer; doch jemand, der ein Geringerer ist im Königreich der Himmel, ist größer als er. Aber seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis jetzt ist das Königreich der Himmel das Ziel, dem Menschen entgegendrängen.“
Jesus zeigt hier, daß Johannes nicht in das himmlische Königreich eingehen wird, da dort ein Geringerer größer ist als er. Johannes bereitete zwar den Weg für Jesus, stirbt jedoch, bevor dieser den Bund oder die Übereinkunft mit seinen Jüngern besiegelt, wonach sie Mitherrscher mit ihm in seinem Königreich sein sollen. Daher, so legt Jesus dar, wird Johannes keinen Platz im himmlischen Königreich haben. Johannes wird statt dessen ein irdischer Untertan des Königreiches Gottes sein. Lukas 7:18-30; Matthäus 11:2-15.
▪ Warum fragt Johannes, ob Jesus der Kommende ist oder ob ein anderer erwartet werden soll?
▪ Welche Prophezeiungen haben sich nach Jesu Worten an Johannes erfüllt?
▪ Warum wird Johannes der Täufer nicht bei Jesus im Himmel sein?
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Die Stolzen und die DemütigenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 39
Die Stolzen und die Demütigen
NACHDEM Jesus die Tugenden Johannes’ des Täufers erwähnt hat, wendet er seine Aufmerksamkeit den stolzen, wankelmütigen Menschen zu, die ihn umgeben. „Diese Generation“, sagt er, „ist kleinen Kindern gleich, die auf den Marktplätzen sitzen und ihren Spielgefährten zurufen, indem sie sagen: ‚Wir haben euch auf der Flöte vorgespielt, doch ihr habt nicht getanzt; wir haben gewehklagt, doch ihr habt euch nicht vor Leid geschlagen.‘ “
Was meint Jesus damit? Er gibt folgende Erklärung: „Johannes [kam], aß nicht und trank nicht, doch sagen die Leute: ‚Er hat einen Dämon‘; es kam der Menschensohn, der aß und trank, dennoch sagen die Leute: ‚Siehe! Ein Mensch, der ein Fresser ist und dem Weintrinken ergeben, ein Freund von Steuereinnehmern und Sündern.‘ “
Man kann es den Menschen einfach nicht recht machen. Nichts gefällt ihnen. Johannes hat in Übereinstimmung mit der Erklärung des Engels, er solle „auf keinen Fall Wein und starkes Getränk trinken“, als Nasiräer ein asketisches Leben der Selbstverleugnung geführt. Und dennoch sagen die Leute, er sei von einem Dämon besessen. Jesus lebt dagegen wie alle anderen, er ist also kein Asket, und ihn beschuldigt man der Ausschweifung.
Wie schwer die Menschen doch zufriedenzustellen sind! Sie sind wie Spielgefährten, die nicht tanzen wollen, wenn andere Kinder Flöte spielen, oder die nicht trauern wollen, wenn ihre Gefährten klagen. Dessenungeachtet sagt Jesus: „Die Weisheit [erweist sich] durch ihre Werke als gerecht.“ Ja, die Beweise — die Werke — belegen eindeutig, daß die Anschuldigungen gegen Johannes und Jesus ungerechtfertigt sind.
Als nächstes hebt Jesus die drei Städte Chorazin, Bethsaida und Kapernaum, in denen er die meisten seiner machtvollen Werke gewirkt hat, als besonders tadelnswert hervor. Hätte er diese Werke in den phönizischen Städten Tyrus und Sidon vollbracht, sagt Jesus, so hätten diese Städte in Sacktuch und Asche bereut. Als Jesus Kapernaum verurteilt, das ihm während der Zeit seines Dienstes offensichtlich als Stützpunkt gedient hat, sagt er: „Es wird dem Land Sodom am Gerichtstag erträglicher ergehen als dir.“
Dann preist Jesus öffentlich seinen himmlischen Vater. Er fühlt sich dazu gedrängt, weil Gott seine kostbaren geistigen Wahrheiten vor den Weisen und Intellektuellen verbirgt, doch Demütigen, gleichsam Unmündigen, diese wunderbaren Dinge offenbart.
Schließlich läßt Jesus die herzliche Einladung ergehen: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“
In welcher Hinsicht bringt Jesus Erquickung? Er befreit die Menschen von den sie versklavenden Traditionen, die die religiösen Führer dem Volk aufgebürdet haben, zum Beispiel von ihren einschränkenden Sabbatvorschriften. Außerdem zeigt er, wo sowohl diejenigen Erleichterung finden können, die unter der erdrückenden Last leiden, die ihnen die herrschende politische Obrigkeit aufbürdet, als auch diejenigen, die die Last ihrer Sünden spüren, weil sie von ihrem Gewissen geplagt werden. Er gibt solchen Niedergedrückten zu verstehen, wie sie Vergebung der Sünden erlangen und in ein kostbares Verhältnis zu Gott kommen können.
Das sanfte Joch, das Jesus anbietet, ist die völlige Hingabe an Gott, die es uns möglich macht, unserem mitfühlenden, barmherzigen himmlischen Vater zu dienen. Und die leichte Last, die Jesus allen anbietet, die zu ihm kommen, ist der Gehorsam gegenüber Gottes Anforderungen für das Erlangen von Leben, nämlich gegenüber seinen Geboten, die in der Bibel aufgezeichnet sind. Und diesen zu gehorchen ist keineswegs schwer. Matthäus 11:16-30; Lukas 1:15; 7:31-35; 1. Johannes 5:3.
▪ Wieso sind die stolzen, wankelmütigen Menschen der Generation Jesu wie Kinder?
▪ Warum fühlt sich Jesus gedrängt, seinen Vater zu preisen?
▪ In welcher Hinsicht werden die Menschen niedergedrückt, und welche Erleichterung bietet Jesus ihnen an?
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Eine Lektion in BarmherzigkeitDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 40
Eine Lektion in Barmherzigkeit
JESUS hält sich entweder noch in Nain auf, wo er kürzlich den Sohn einer Witwe auferweckt hat, oder er besucht eine nahe gelegene Stadt. Ein Pharisäer namens Simon möchte den Mann kennenlernen, der so bemerkenswerte Werke vollbringt. Er lädt Jesus daher zum Essen ein.
Da Jesus die Gelegenheit wahrnehmen möchte, den Anwesenden zu helfen, nimmt er die Einladung an, wie er auch schon Einladungen angenommen hat, mit Steuereinnehmern und Sündern zu essen. Als er Simons Haus betritt, wird ihm jedoch nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die man Gästen gegenüber gewöhnlich bekundet.
Wenn man auf staubigen Straßen unterwegs ist, werden die mit Sandalen beschuhten Füße heiß und schmutzig. Es ist daher üblich, Gästen als Ausdruck der Gastfreundschaft die Füße mit kaltem Wasser zu waschen. Jesus werden aber bei seiner Ankunft weder die Füße gewaschen, noch erhält er einen Begrüßungskuß, noch das Öl der Gastfreundschaft für sein Haar, wie es sonst Brauch ist.
Als die Gäste zu Tisch liegen und essen, betritt eine ungeladene Frau leise den Raum. Es ist in der Stadt bekannt, daß sie ein unmoralisches Leben führt. Wahrscheinlich hat sie von Jesu Lehren gehört und von seiner Einladung ‘an alle, die sich abmühen und beladen sind, zu ihm zu kommen, um Erquickung zu finden’. Das, was sie gesehen und gehört hat, hat sie so tief beeindruckt, daß sie Jesus jetzt aufsucht.
Die Frau begibt sich hinter Jesus, der zu Tisch liegt, und kniet zu seinen Füßen nieder. Ihre Tränen, die auf seine Füße fallen, trocknet sie mit ihrem Haar ab. Sie nimmt auch wohlriechendes Öl aus einem Gefäß, und während sie seine Füße zärtlich küßt, reibt sie sie damit ein. Simon beobachtet es mit Mißfallen. „Wenn dieser ein Prophet wäre“, denkt er bei sich, „so wüßte er, wer und was für eine Frau es ist, die ihn anrührt, daß sie eine Sünderin ist.“
Da Jesus seine Gedanken erkennt, spricht er ihn darauf an: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“
„Lehrer, sag es!“ erwidert er.
„Zwei Männer waren die Schuldner eines gewissen Geldverleihers“, beginnt Jesus. „Der eine hatte eine Schuld von fünfhundert Denaren, der andere aber von fünfzig. Da sie nichts hatten, womit sie hätten zurückzahlen können, erließ er es beiden in freigebiger Weise. Welcher von ihnen wird ihn daher mehr lieben?“
„Ich vermute, daß es der ist, dem er in freigebiger Weise mehr erlassen hat“, sagt Simon, wobei er möglicherweise eine gleichgültige Miene aufsetzt, da ihm die Frage bedeutungslos erscheint.
„Du hast richtig geurteilt“, antwortet Jesus. Und zu der Frau gewandt, sagt er zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus eingetreten; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Diese Frau aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese Frau aber hat von der Stunde an, da ich hereinkam, nicht aufgehört, meine Füße zärtlich zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl eingerieben, diese Frau aber hat meine Füße mit wohlriechendem Öl eingerieben.“
Die Frau hat auf diese Weise bewiesen, daß sie ihre unmoralische Vergangenheit von Herzen bereut. Jesus sagt daher abschließend: „Deshalb sage ich dir: Ihre Sünden sind vergeben, obwohl es ihrer viele sind, weil sie viel geliebt hat; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“
Jesus entschuldigt oder übersieht auf keinen Fall die Unmoral. Vielmehr offenbart dieser Fall sein Mitgefühl und sein Verständnis für die Menschen, die in ihrem Leben zwar Fehler machen, dann aber zeigen, daß es ihnen leid tut, und zu Jesus kommen, um Erleichterung zu finden. Für die Frau ist es eine wahre Erquickung, als Jesus zu ihr sagt: „Deine Sünden sind vergeben. ... Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.“ Lukas 7:36-50; Matthäus 11:28-30.
▪ Wie wird Jesus von Simon, seinem Gastgeber, aufgenommen?
▪ Wer sucht Jesus auf, und warum?
▪ Welche Veranschaulichung gebraucht Jesus, und wie wendet er sie an?
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Im Mittelpunkt der AuseinandersetzungDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 41
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung
KURZE Zeit nach seiner Einladung bei Simon beginnt Jesus seine zweite Predigtreise durch Galiläa. Auf seiner ersten Reise durch dieses Gebiet begleiteten ihn nur seine ersten Jünger, Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Jetzt befinden sich außer seinen zwölf Aposteln auch noch einige Frauen in seiner Begleitung. Zu ihnen gehören Maria Magdalene, Susanna und Johanna, deren Mann ein Beamter des Königs Herodes ist.
Mit dem Umfang des Dienstes Jesu nimmt jedoch auch die Auseinandersetzung wegen seiner Tätigkeit zu. Ein von Dämonen besessener Mann, der außerdem noch blind und stumm ist, wird zu Jesus gebracht. Als Jesus ihn heilt, so daß er nicht mehr unter der Herrschaft der Dämonen steht und sowohl sprechen als auch sehen kann, sind die Volksmengen einfach hingerissen. Sie beginnen zu sagen: „Ist dieser nicht vielleicht der Sohn Davids?“
Das Haus, in dem Jesus sich aufhält, wird von einer so großen Volksmenge umringt, daß er und seine Jünger nicht einmal ein Mahl einnehmen können. Es sind jedoch nicht nur Personen anwesend, die denken, daß Jesus der verheißene „Sohn Davids“ sein könnte, sondern auch Schriftgelehrte und Pharisäer, die den weiten Weg von Jerusalem zurückgelegt haben, um ihn bei den Menschen in Verruf zu bringen. Als die Verwandten Jesu von der Aufregung erfahren, die er verursacht, kommen sie, um ihn mitzunehmen. Warum?
Nun, sogar Jesu eigene Brüder glauben noch nicht, daß er der Sohn Gottes ist. Und wie sie ihn aus seiner Jugendzeit in Nazareth kennen, ist es überhaupt nicht seine Art, einen solchen öffentlichen Aufruhr und solchen Streit zu entfachen. Sie glauben daher, Jesus habe den Verstand verloren. „Er ist von Sinnen“, meinen sie, und sie wollen ihn ergreifen und mitnehmen.
Es steht jedoch ganz eindeutig fest, daß Jesus den von Dämonen Besessenen geheilt hat. Die Schriftgelehrten und Pharisäer wissen, daß sie diese Tatsache nicht leugnen können. Doch um Jesus in Verruf zu bringen, sagen sie den Leuten: „Dieser Mensch treibt die Dämonen nicht anders aus als durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen.“
Da Jesus die Denkweise der Schriftgelehrten und Pharisäer kennt, ruft er sie zu sich und sagt: „Jedes Königreich, das gegen sich selbst entzweit ist, wird verödet, und jede Stadt oder jedes Haus, das gegen sich selbst entzweit ist, wird nicht bestehen. Ebenso, wenn der Satan den Satan austreibt, so ist er gegen sich selbst entzweit worden; wie wird denn sein Königreich bestehen?“
Welch zwingende Logik! Da die Pharisäer behaupten, Personen aus ihren eigenen Reihen hätten Dämonen ausgetrieben, fragt Jesus sie außerdem: „Wenn ich durch Beelzebub die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?“ Mit anderen Worten: Die Anklage, die sie gegen Jesus erheben, könnte man genausogut gegen sie vorbringen. Jesus macht sie daher warnend auf folgendes aufmerksam: „Wenn ich aber durch Gottes Geist die Dämonen austreibe, so hat euch das Königreich Gottes wirklich eingeholt.“
Um zu veranschaulichen, daß seine Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, ein Beweis für seine Macht über den Satan ist, sagt Jesus: „Wie kann jemand in das Haus eines Starken eindringen und seine bewegliche Habe ergreifen, wenn er nicht zuerst den Starken bindet? Und dann wird er sein Haus plündern. Wer nicht auf meiner Seite ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.“ Die Pharisäer, die eindeutig gegen Jesus sind, beweisen, daß sie selbst Werkzeuge Satans sind, denn sie versuchen, die Israeliten von Jesus hinweg zu zerstreuen.
Daher sagt Jesus diesen satanischen Gegnern warnend, daß „die Lästerung gegen den Geist ... nicht vergeben werden“ wird. Er erklärt: „Wer irgendein Wort gegen den Menschensohn redet, dem wird vergeben werden; wer immer aber gegen den heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, nein, weder in diesem System der Dinge noch in dem kommenden.“ Die Schriftgelehrten und Pharisäer machen sich dieser unvergebbaren Sünde schuldig, da sie in böswilliger Absicht dem Satan zuschreiben, was eindeutig ein vom heiligen Geist bewirktes Wunder ist. Matthäus 12:22-32; Markus 3:19-30; Johannes 7:5.
▪ Inwiefern unterscheidet sich Jesu zweite Reise durch Galiläa von der ersten?
▪ Warum wollen Jesu Verwandte ihn mitnehmen?
▪ Wie versuchen die Pharisäer, Jesus wegen seiner Wunder in Verruf zu bringen, und was entgegnet Jesus ihnen?
▪ Wessen machen sich die Pharisäer schuldig, und warum?
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Jesus tadelt die PharisäerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 42
Jesus tadelt die Pharisäer
WÜRDE er die Dämonen durch die Kraft Satans austreiben, so argumentiert Jesus, wäre der Satan gegen sich selbst entzweit. „Entweder ihr macht den Baum vortrefflich und seine Frucht vortrefflich“, fährt er fort, „oder ihr macht den Baum faul und seine Frucht faul; denn an seiner Frucht wird der Baum erkannt.“
Es ist völlig ungerechtfertigt, Jesus vorzuwerfen, seine guten Früchte, wie zum Beispiel das Austreiben von Dämonen, seien darauf zurückzuführen, daß er dem Satan diene. Wenn die Frucht vortrefflich ist, kann der Baum nicht faul sein. Andererseits beweisen die faulen Früchte der Pharisäer in Form von absurden Beschuldigungen und grundlosem Widerstand gegen Jesus, daß sie selbst faul sind. „Otternbrut“, ruft Jesus aus, „wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“
Da unsere Worte den Zustand unseres Herzens widerspiegeln, werden wir aufgrund dessen, was wir reden, beurteilt. „Ich sage euch“, erklärt Jesus, „daß die Menschen von jedem nutzlosen Ausspruch, den sie machen, am Gerichtstag Rechenschaft ablegen werden; denn durch deine Worte wirst du gerechtgesprochen werden, und durch deine Worte wirst du verurteilt werden.“
Obwohl Jesus schon so viele machtvolle Werke getan hat, fordern die Schriftgelehrten und Pharisäer ihn auf: „Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen.“ Auch wenn die Männer aus Jerusalem die Wunder vielleicht nicht persönlich gesehen haben, so gibt es doch unwiderlegbare Augenzeugenberichte, daß sie geschehen sind. Daher entgegnet Jesus den Führern der Juden: „Eine böse und ehebrecherische Generation sucht fortwährend nach einem Zeichen, doch wird ihr kein Zeichen gegeben werden, ausgenommen das Zeichen Jonas, des Propheten.“
Jesus erklärt auch sofort, was er damit meint: „Gleichwie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des riesigen Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.“ Jona wurde von dem Fisch, der ihn verschluckt hatte, wieder ausgespien, was gewissermaßen einer Auferstehung gleichkam. Jesus sagt somit voraus, daß er sterben und am dritten Tag wieder zum Leben kommen wird. Doch die jüdischen Führer lehnen „das Zeichen Jonas“ ab, selbst als Jesus später tatsächlich auferweckt wird.
Daher sagt Jesus, daß die Männer von Ninive, die aufgrund der Predigttätigkeit Jonas bereuten, im Gericht aufstehen werden, um die Juden, die Jesus verwerfen, zu verurteilen. Er zieht auch eine ähnliche Parallele zu der Königin von Scheba, die von den Enden der Erde kam, um die Weisheit Salomos zu hören, und sie staunte über das, was sie sah und hörte. „Doch siehe“, stellt Jesus fest, „mehr als Salomo ist hier.“
Jesus spricht dann in einer Veranschaulichung von einem Mann, aus dem ein unreiner Geist ausgefahren ist. Der Mann füllt das dadurch entstandene Vakuum jedoch nicht mit guten Dingen aus. Der unreine Geist kann daher zusammen mit sieben noch bösartigeren Geistern erneut von ihm Besitz ergreifen. „So wird es auch dieser bösen Generation ergehen“, sagt Jesus. Die jüdische Nation war einst gereinigt und neugestaltet worden — vergleichbar mit der vorübergehenden Abwesenheit des unreinen Geistes. Aber die Tatsache, daß die Nation als Höhepunkt der Verwerfung der Propheten Gottes sogar dem Christus Widerstand leistet, offenbart, daß sie jetzt in einem weit schlimmeren Zustand ist als zu Anfang.
Während Jesus spricht, treffen seine Mutter und seine Brüder ein. Sie bleiben in der Nähe der Volksmenge stehen. Jemand sagt daher: „Siehe! Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich zu sprechen.“
„Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?“ fragt Jesus. Er streckt seine Hand nach seinen Jüngern aus und sagt: „Siehe! Meine Mutter und meine Brüder! Denn wer immer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“ Auf diese Weise zeigt Jesus, daß er ein engeres Verhältnis zu seinen Jüngern hat als zu seinen Verwandten — ungeachtet wie eng diese Bindung auch ist. Matthäus 12:33-50; Markus 3:31-35; Lukas 8:19-21.
▪ Inwiefern sind bei den Pharisäern weder der „Baum“ noch die „Frucht“ vortrefflich?
▪ Was ist „das Zeichen Jonas“, und inwiefern wird es später abgelehnt?
▪ Wieso gleicht die jüdische Nation des ersten Jahrhunderts dem Mann, aus dem ein unreiner Geist ausgefahren ist?
▪ Wie hebt Jesus sein enges Verhältnis zu seinen Jüngern hervor?
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Durch Gleichnisse lehrenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 43
Durch Gleichnisse lehren
JESUS hält sich offensichtlich in Kapernaum auf, als er die Pharisäer tadelt. Später an jenem Tag verläßt er das Haus und geht an das nahe gelegene Galiläische Meer, wo sich dann die Volksmengen versammeln. Er besteigt ein Boot, rudert etwas hinaus und belehrt die Menschen, die am Ufer stehen, über das Königreich der Himmel. Dabei bedient er sich einer Reihe von Parabeln oder Gleichnissen, deren Rahmen jeweils dem Alltagsleben der Menschen entnommen ist.
Zuerst erzählt er von einem Sämann, der Samen sät. Etwas Samen fällt auf den Weg und wird von den Vögeln aufgefressen. Andere Samenkörner fallen auf Boden mit felsigem Untergrund. Da die kleinen Pflänzchen nicht tief wurzeln können, verdorren sie in der sengenden Sonne. Wieder anderer Samen fällt unter die Dornen, die die Pflanzen ersticken, wenn sie wachsen. Der Teil des Samens, der auf vortrefflichen Boden fällt, bringt hundertfach, sechzigfach oder dreißigfach Frucht.
In einem anderen Gleichnis vergleicht Jesus das Königreich Gottes mit einem Mann, der Samen sät. Der Samen wächst, während die Tage kommen und gehen und während der Mann wach ist und während er schläft. Der Mann weiß nicht, wie es geschieht. Von ganz allein wächst der Samen und bringt Frucht hervor. Wenn das Getreide reif ist, erntet der Mann es.
Jesus erzählt in einem dritten Gleichnis von einem Mann, der die richtige Samenart auf sein Feld sät. Doch ‘während die Menschen schlafen’, kommt ein Feind und sät Unkraut unter den Weizen. Der Mann wird von seinen Sklaven gefragt, ob sie das Unkraut ausreißen sollen. Er antwortet jedoch: ‘Nein, denn wenn ihr das tut, werdet ihr auch etwas von dem Weizen ausreißen. Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte. Dann werde ich den Schnittern sagen, daß sie zuerst das Unkraut heraussuchen und verbrennen und dann den Weizen in das Vorratshaus bringen sollen.’
Im weiteren Verlauf seiner Rede vor den Volksmengen am Ufer erzählt Jesus noch zwei Gleichnisse. Er erklärt, daß das „Königreich der Himmel“ einem Senfkorn gleicht, das ein Mann sät. Obwohl es die winzigste aller Samenarten ist, sagt er, wächst es zum größten aller Gartengewächse heran. Es wird zu einem Baum, unter dessen Zweigen die Vögel Schutz finden.
Heute wenden einige ein, daß es kleinere Samenkörner gibt als den Senfsamen. Aber Jesus gibt hier keinen Botanikunterricht. Von den Samenarten, die die Galiläer seiner Tage kannten, war der Senfsamen tatsächlich der winzigste. Sie verstanden, daß Jesus damit ein außergewöhnliches Wachstum veranschaulichen wollte.
Schließlich vergleicht Jesus das „Königreich der Himmel“ mit Sauerteig, den eine Frau nimmt und mit drei großen Maß Mehl vermischt. Mit der Zeit, so sagt Jesus, durchsäuert dieser den gesamten Teig.
Nachdem Jesus die fünf Gleichnisse erzählt hat, entläßt er die Volksmengen und kehrt in das Haus zurück, in dem er sich aufhält. Bald kommen seine 12 Apostel und auch andere dorthin.
Aus Jesu Gleichnissen Nutzen ziehen
Die Jünger, die zu Jesus kommen, nachdem er zu den Volksmengen am Seeufer gesprochen hat, sind neugierig, was seine neue Lehrmethode betrifft. Jesus hat zwar früher schon Gleichnisse erzählt, aber noch nie so ausgiebig davon Gebrauch gemacht. Daher fragen sie: „Warum redest du in Gleichnissen zu ihnen?“
Er tut es unter anderem, um folgende prophetischen Worte zu erfüllen: „Ich will meinen Mund zu Gleichnissen auftun, ich will Dinge verkündigen, die von der Grundlegung an verborgen waren.“ Aber es gibt noch weitere Gründe. Dadurch, daß er in Gleichnissen redet, möchte er auch die Herzenseinstellung der Menschen ergründen.
Im Grunde genommen sind die meisten nur an Jesus interessiert, weil er ein meisterhafter Geschichtenerzähler und Wundertäter ist, und nicht, weil sie ihm als Herrn dienen und selbstlos nachfolgen wollen. Die Leute möchten weder ihre Ansichten noch ihre Lebensführung ändern. Sie wollen sich von seiner Botschaft nicht unbedingt beeinflussen lassen.
Daher sagt Jesus: „Deshalb rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie, obgleich sie schauen, vergeblich schauen und, obgleich sie hören, vergeblich hören und auch den Sinn davon nicht erfassen; und an ihnen erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas, welche sagt: ‚... Denn das Herz dieses Volkes ist unempfänglich geworden.‘ “
Jesus fährt fort: „Glücklich aber sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben die Dinge zu sehen begehrt, die ihr erblickt, und haben sie nicht gesehen, und die Dinge zu hören, die ihr hört, und haben sie nicht gehört.“
Ja, die 12 Apostel und diejenigen, die sich bei ihnen befinden, haben ein empfängliches Herz. Jesus sagt deshalb: „Euch ist es gewährt, die heiligen Geheimnisse des Königreiches der Himmel zu verstehen, jenen Leuten aber ist es nicht gewährt.“ Da den Jüngern daran gelegen ist, Verständnis zu erlangen, erklärt Jesus ihnen das Gleichnis vom Sämann.
„Der Samen ist das Wort Gottes“, sagt Jesus, und der Boden ist das Herz. Über den Samen, der auf den harten Wegesrand fiel, sagt er: „Der Teufel [kommt] und nimmt das Wort von ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und gerettet werden.“
Der felsige Boden, auf den etwas von dem Samen fiel, entspricht dem Herzen von Menschen, die das Wort mit Freude aufnehmen. Da das Wort in einem solchen Herzen jedoch nicht tief wurzeln kann, fallen die Betreffenden ab, wenn eine Zeit der Prüfung oder der Verfolgung kommt.
Was den Samen betrifft, der unter die Dornen fiel, das bezieht sich gemäß Jesu Worten auf Menschen, die das Wort gehört haben. Aber sie werden durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen dieses Lebens fortgerissen, und so werden sie vollständig erstickt und bringen nichts zur Vollkommenheit.
Was den Samen auf dem vortrefflichen Boden betrifft, das sind, wie Jesus schließlich sagt, die, die das Wort, nachdem sie es mit einem edlen und guten Herzen gehört haben, festhalten und mit Ausharren Frucht tragen.
Wie gesegnet sind doch diese Jünger, die Jesus aufgesucht haben, um sich von ihm seine Lehren erklären zu lassen! Jesus wünscht, daß sie seine Gleichnisse verstehen, damit sie die Wahrheit anderen überbringen können. „Eine Lampe wird doch nicht gebracht, damit man sie unter ein Maßgefäß oder unter ein Bett stellt?“ fragt er. Nein, „sie wird gebracht, damit man sie auf einen Leuchter stellt“. Jesus fügt deshalb hinzu: „Gebt daher acht, wie ihr zuhört.“
Mit weiterer Unterweisung gesegnet
Nachdem die Jünger Jesu Erklärung des Gleichnisses vom Sämann erhalten haben, möchten sie noch mehr erfahren. „Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Feld“, bitten sie.
Wie sehr sich doch die Einstellung der Jünger von der Einstellung der Volksmengen am Seeufer unterscheidet! Diesen Menschen ist gar nicht daran gelegen, die eigentliche Bedeutung der Gleichnisse zu erfahren; sie geben sich damit zufrieden, daß ihnen die Dinge lediglich in den Grundzügen dargelegt werden. Jesus bringt den Gegensatz zwischen der Zuhörerschaft am Seeufer und seinen wißbegierigen Jüngern, die zu ihm ins Haus gekommen sind, mit folgenden Worten zum Ausdruck:
„Mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird euch gemessen werden, ja, es wird euch noch hinzugefügt werden.“ Die Jünger zeigen gegenüber Jesus aufrichtiges Interesse und Aufmerksamkeit; daher werden sie mit weiterer Unterweisung gesegnet. Dann geht Jesus auf die Frage der Jünger ein und erklärt:
„Der den vortrefflichen Samen sät, ist der Menschensohn; das Feld ist die Welt; was den vortrefflichen Samen betrifft, dies sind die Söhne des Königreiches; das Unkraut aber sind die Söhne dessen, der böse ist, und der Feind, der es säte, ist der Teufel. Die Ernte ist ein Abschluß eines Systems der Dinge, und die Schnitter sind Engel.“
Nachdem Jesus die einzelnen Bestandteile des Gleichnisses erklärt hat, beschreibt er dessen Erfüllung. Am Abschluß des Systems der Dinge, sagt er, werden die Schnitter, d. h. die Engel, die unkrautgleichen Scheinchristen von den wahren „Söhnen des Königreiches“ trennen. Dann werden die „Söhne dessen, der böse ist“, zur Vernichtung gekennzeichnet, die Söhne des Königreiches Gottes, die „Gerechten“, werden dagegen im Königreich ihres Vaters hell leuchten.
Dann wird Jesu wißbegierigen Jüngern der Segen zuteil, drei weitere Gleichnisse von ihm zu hören. Das erste lautet wie folgt: „Das Königreich der Himmel ist einem im Feld verborgenen Schatz gleich, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenes Feld.“
Er fährt fort: „Ferner ist das Königreich der Himmel einem reisenden Kaufmann gleich, der schöne Perlen suchte. Nachdem er eine einzige Perle von hohem Wert gefunden hatte, ging er hin und verkaufte sogleich alles, was er hatte, und kaufte sie.“
Jesus selbst gleicht dem Menschen, der einen verborgenen Schatz entdeckt, und dem Kaufmann, der eine Perle von hohem Wert findet. Er verkaufte sozusagen alles, indem er seine ehrenvolle Stellung im Himmel aufgab und ein geringgeachteter Mensch wurde. Auf der Erde erträgt er dann Haß, Schmach und Verfolgung. Warum? Um sich würdig zu erweisen, der Herrscher des Königreiches Gottes zu werden.
Auch an Jesu Nachfolger ergeht die Aufforderung, alles zu verkaufen, damit sie die große Belohnung erlangen — entweder Mitherrscher mit Christus zu werden oder irdische Untertanen des Königreiches. Wird unser Anteil an Gottes Königreich in unseren Augen wertvoller sein als irgend etwas anderes im Leben, ja werden wir ihn wie einen unermeßlichen Schatz oder wie eine wertvolle Perle betrachten?
Abschließend vergleicht Jesus das „Königreich der Himmel“ mit einem Schleppnetz, das Fische von jeder Art zusammenbringt. Beim Sortieren werden die unbrauchbaren Fische weggeworfen und die guten behalten. So, sagt Jesus, wird es beim Abschluß des Systems der Dinge sein; die Engel werden die Bösen von den Gerechten trennen und die Bösen der Vernichtung übergeben.
Jesus selbst beginnt diesen Fischzug, indem er seine ersten Jünger dazu beruft, „Menschenfischer“ zu sein. Unter der Leitung der Engel wird der Fischzug über viele Jahrhunderte fortgesetzt. Schließlich kommt die Zeit, das „Schleppnetz“ — das alle Organisationen hier auf der Erde darstellt, die behaupten, christlich zu sein — einzuziehen.
Die unbrauchbaren Fische sind für die Vernichtung bestimmt. Deshalb können wir froh sein, zu den ‘vortrefflichen Fischen’ zu gehören, die behalten werden. Wenn wir genauso wie die Jünger Jesu den aufrichtigen Wunsch haben, mehr zu erfahren und zu verstehen, werden wir nicht nur mit mehr Unterweisung gesegnet werden, sondern uns wird auch Gottes Segen in Form von ewigem Leben zuteil werden. Matthäus 13:1-52; Markus 4:1-34; Lukas 8:4-18; Psalm 78:2; Jesaja 6:9, 10.
▪ Wann und wo spricht Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen?
▪ Welche fünf Gleichnisse erzählt Jesus nun den Volksmengen?
▪ Warum sagt Jesus, daß der Senfsamen die winzigste aller Samenarten sei?
▪ Warum spricht Jesus in Gleichnissen?
▪ Inwiefern zeigen die Jünger Jesu, daß sie sich von den Volksmengen unterscheiden?
▪ Welche Erklärung gibt Jesus zum Gleichnis vom Sämann?
▪ In welcher Hinsicht unterscheiden sich die Jünger von den Volksmengen am Seeufer?
▪ Wer oder was wird durch den Sämann, das Feld, den vortrefflichen Samen, den Feind, die Ernte und die Schnitter dargestellt?
▪ Welche drei zusätzlichen Gleichnisse erzählt Jesus, und welche Lehre können wir aus diesen Gleichnissen ziehen?
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Er beruhigt einen heftigen SturmDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 44
Er beruhigt einen heftigen Sturm
JESUS hat einen sehr anstrengenden Tag hinter sich. Er hat unter anderem die Volksmengen am Seeufer belehrt und danach seinen Jüngern einige Gleichnisse erklärt. Gegen Abend sagt er: „Laßt uns an das andere Ufer hinüberfahren.“
Am Ostufer des Galiläischen Meeres liegt ein Gebiet, das die Dekapolis genannt wird. Diese Bezeichnung setzt sich aus den griechischen Wörtern déka, „zehn“, und pólis, „Stadt“, zusammen. Die Städte der Dekapolis sind ein Zentrum der griechischen Kultur, obwohl zweifellos auch viele Juden dort wohnen. Jesus ist in der Dekapolis allerdings kaum tätig. Auch bei diesem Besuch wird er daran gehindert, länger zu bleiben, wie wir später noch sehen werden.
Als Jesus seine Jünger bittet, an das andere Ufer zu fahren, nehmen ihn die Jünger mit ins Boot. Ihre Abfahrt bleibt jedoch nicht unbemerkt. Bald besteigen andere ihre Boote, um sie zu begleiten. Die Überfahrt dauert an sich nicht sehr lange. Das Galiläische Meer ist eigentlich nur ein großer See von etwa 21 km Länge und maximal 12 km Breite.
Jesus ist verständlicherweise müde. Daher streckt er sich bald nach der Abfahrt im hinteren Teil des Bootes aus, legt seinen Kopf auf ein Kopfpolster und schläft fest ein. Einige der Apostel sind erfahrene Bootsführer, da sie auf dem Galiläischen Meer schon ausgiebig gefischt haben. Daher übernehmen sie die Aufgabe, das Boot zu steuern.
Es soll jedoch keine leichte Überfahrt werden. Da die Temperatur an der Seeoberfläche, die etwa 210 m unter dem Meeresspiegel liegt, wesentlich höher ist als die Lufttemperatur in den umliegenden Bergen, fegen bisweilen starke Winde über den See, die plötzlich heftigen Wellengang hervorrufen. Genau das geschieht auch jetzt. Bald schlagen die Wellen gegen und in das Boot, so daß es zu sinken droht. Doch Jesus schläft weiter.
Die erfahrenen Bootsführer versuchen verzweifelt, das Boot zu steuern. Sicherlich haben sie schon ähnliche Stürme erlebt. Aber diesmal sind sie am Ende ihrer Kräfte. Da sie um ihr Leben fürchten, wecken sie Jesus. ‘Herr, kümmert es dich nicht? Wir sinken!’ jammern sie. „Rette uns, wir gehen zugrunde!“
Jesus erhebt sich und befiehlt dem Wind und dem Meer: „Schweig! Sei still!“ Der tobende Wind legt sich, und das Meer beruhigt sich. Dann fragt er seine Jünger: ‘Warum seid ihr so ängstlich? Habt ihr noch keinen Glauben?’
Da befällt die Jünger eine außergewöhnliche Furcht. ‘Wer ist denn dieser Mann?’ fragen sie sich, ‘denn er befiehlt sogar den Winden und dem Wasser, und sie gehorchen ihm.’
Welche Macht Jesus hat! Wie beruhigend es doch ist, zu wissen, daß unser König Gewalt über die Naturkräfte hat und daß alle Menschen ohne Furcht vor schrecklichen Naturkatastrophen leben können, wenn er während seiner Königreichsherrschaft unserer Erde seine volle Aufmerksamkeit zuwenden wird!
Einige Zeit nachdem der Sturm abgeflaut ist, erreichen Jesus und seine Jünger unbeschadet das Ostufer. Die anderen Boote sind möglicherweise von dem heftigen Sturm verschont geblieben und sicher nach Hause zurückgekehrt. Markus 4:35 bis 5:1; Matthäus 8:18, 23-27; Lukas 8:22-26.
▪ Was ist die Dekapolis, und wo liegt sie?
▪ Welche physikalischen Gegebenheiten sind für heftige Stürme auf dem Galiläischen Meer verantwortlich?
▪ Was tun die Jünger, als ihr seefahrerisches Können sie nicht retten kann?
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Ein Jünger ganz anderer ArtDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 45
Ein Jünger ganz anderer Art
ALS Jesus an Land geht, bietet sich ihm ein erschreckender Anblick: Zwei außergewöhnlich brutale, von Dämonen besessene Männer kommen von den Gedächtnisgrüften her und laufen auf ihn zu. Möglicherweise ist einer von ihnen gewalttätiger und steht schon viel länger unter der Herrschaft der Dämonen. Deshalb wird die Aufmerksamkeit nur auf diesen einen gelenkt.
Seit langem lebt dieser bedauernswerte Mensch nackt inmitten der Grüfte. Fortgesetzt, Tag und Nacht, schreit er und zerschlägt er sich mit Steinen. Er ist so brutal, daß niemand den Mut hat, auf diesem Weg vorüberzugehen. Man hat bereits versucht, ihn zu binden, aber stets hat er die Ketten zerrissen und die Fußfesseln zerbrochen. Niemand besaß bisher die Kraft, ihn zu bändigen.
Als sich der Mann Jesus nähert und ihm zu Füßen fällt, schreit er auf Veranlassung der Dämonen, die ihn beherrschen: „Was habe ich mit dir, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten, zu schaffen? Ich beschwöre dich bei Gott, mich nicht zu quälen.“
„Fahr von dem Menschen aus, du unreiner Geist“, befiehlt Jesus. Zunächst fragt er ihn jedoch: „Was ist dein Name?“
„Mein Name ist Legion, denn wir sind viele“, lautet die Antwort. Die Dämonen ergötzen sich an den Leiden derjenigen, von denen sie Besitz ergriffen haben, und tun sich offenbar gern zu einer feige angreifenden Geisterhorde zusammen. Als sie jedoch Jesus gegenüberstehen, bitten sie, daß er ihnen nicht befehle, in den Abgrund zu fahren. Erneut sehen wir, daß Jesus große Macht hat, er kann selbst bösartige Dämonen bezwingen. Außerdem erfahren wir durch diese Begebenheit, daß sich die Dämonen durchaus bewußt sind, daß sie von Gott dazu verurteilt worden sind, zusammen mit ihrem Anführer, Satan, dem Teufel, in den Abgrund geworfen zu werden.
In der Nähe weidet am Berg eine Herde von etwa 2 000 Schweinen. Die Dämonen bitten daher: „Sende uns in die Schweine, daß wir in sie fahren.“ Offensichtlich bereitet es den Dämonen eine widernatürliche, sadistische Freude, vom Körper irdischer Kreaturen Besitz zu ergreifen. Als Jesus ihnen erlaubt, in die Schweine zu fahren, stürmen alle 2 000 Tiere über den Steilhang ins Meer, wo sie ertrinken.
Daraufhin laufen die Hüter der Schweine davon und verbreiten die Kunde in der Stadt und auf dem Land. Die Leute machen sich auf, da sie sehen wollen, was sich zugetragen hat. Als sie eintreffen, sehen sie den Mann, aus dem die Dämonen ausgefahren sind, angekleidet und klaren Sinnes zu den Füßen Jesu sitzen.
Augenzeugen erzählen, wie der Mann geheilt wurde. Sie erzählen den Leuten auch von dem seltsamen Tod der Schweine. Als die Leute es hören, ergreift sie große Furcht, und sie bestürmen Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Dieser gibt ihrem Drängen nach und besteigt wieder das Boot. Der ehemals von Dämonen Besessene bittet Jesus, mit ihm gehen zu dürfen. Jesus sagt jedoch zu ihm: „Geh heim zu deinen Verwandten, und berichte ihnen alle Dinge, die Jehova für dich getan hat, und die Barmherzigkeit, die er dir erwiesen hat.“
Jesus hat diejenigen, die er geheilt hat, sonst immer angewiesen, niemand davon zu erzählen, da er nicht möchte, daß die Menschen aufgrund sensationeller Berichte voreilige Schlüsse ziehen. Bei dieser Gelegenheit ist es jedoch angebracht, eine Ausnahme zu machen, weil der ehemals von Dämonen Besessene unter Menschen Zeugnis geben wird, die Jesus jetzt offensichtlich nicht erreichen kann. Außerdem ist die Anwesenheit des Mannes ein Zeugnis für Jesu Macht, Gutes zu tun, und dient auch dazu, ungünstigen Berichten entgegenzuwirken, die wegen des Verlustes der Schweine im Umlauf sein mögen.
In Übereinstimmung mit Jesu Anweisung geht der ehemals Besessene weg. Er fängt an, in der Dekapolis alles auszurufen, was Jesus für ihn getan hat, und die Menschen sind einfach erstaunt. Matthäus 8:28-34; Markus 5:1-20; Lukas 8:26-39; Offenbarung 20:1-3.
▪ Aus welchem Grund wird die Aufmerksamkeit möglicherweise nur auf einen der von Dämonen Besessenen gelenkt, obwohl es eigentlich zwei sind?
▪ Was zeigt, daß die Dämonen wissen, daß sie einmal in den Abgrund geworfen werden?
▪ Warum ergreifen die Dämonen offensichtlich gern von Menschen und Tieren Besitz?
▪ Warum macht Jesus bei dem ehemals von Dämonen Besessenen eine Ausnahme und weist ihn an, anderen von dem zu erzählen, was er für ihn getan hat?
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Sie berührte sein GewandDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 46
Sie berührte sein Gewand
SOBALD die Nachricht von Jesu Rückkehr aus der Dekapolis Kapernaum erreicht hat, versammelt sich eine große Volksmenge am Meer, um ihn willkommen zu heißen. Die Leute haben zweifellos davon gehört, daß er den Sturm beruhigt und den von Dämonen besessenen Mann geheilt hat. Als Jesus jetzt an Land geht, umringen sie ihn gespannt und erwartungsvoll.
Zu denen, die Jesus unbedingt sehen möchten, gehört Jairus, ein Synagogenvorsteher. Er fällt Jesus zu Füßen und bittet ihn mehrmals inständig: „Mit meiner kleinen Tochter geht’s zu Ende. Würdest du bitte kommen und ihr die Hände auflegen, damit sie gesund wird und lebt.“ Das Mädchen ist Jairus besonders lieb und teuer, da er nur das eine Kind hat und es erst zwölf Jahre alt ist.
Jesus willigt ein und begibt sich in Begleitung der Volksmenge zum Haus des Jairus. Man kann sich vorstellen, wie gespannt die Menschen sind, ein weiteres Wunder zu erleben. Eine Frau in der Menge richtet jedoch ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ihr eigenes schweres Problem.
Seit zwölf Jahren leidet die Frau an einem Blutfluß. Sie hat einen Arzt nach dem anderen aufgesucht und ihr gesamtes Geld für die Behandlungen ausgegeben. Doch bisher hat ihr nichts geholfen; es ist nur noch schlimmer geworden.
Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, wird sie durch dieses Leiden nicht nur sehr geschwächt, sondern es ist auch unangenehm und demütigend. Man spricht im allgemeinen nicht öffentlich über eine solche Krankheit. Außerdem wird unter dem mosaischen Gesetz eine Frau durch einen Blutfluß unrein, und jeder, der sie oder ihr blutiges Gewand berührt, muß sich waschen und ist unrein bis zum Abend.
Die Frau, die von Jesu Wundern gehört hat, hat ihn nun ausfindig gemacht. Da sie unrein ist, bahnt sie sich so unauffällig wie möglich ihren Weg durch die Volksmenge und sagt sich: „Wenn ich nur seine äußeren Kleider anrühre, werde ich gesund werden.“ Als sie es tut, spürt sie sofort, daß ihr Blutfluß zum Stillstand gekommen ist.
„Wer ist es gewesen, der mich angerührt hat?“ Wie sehr sie doch bei diesen Worten Jesu erschrocken sein muß! Doch woher weiß er es? ‘Unterweiser’, sagt Petrus, ‘die Volksmengen engen dich ein und umdrängen dich, und da fragst du, wer dich angerührt hat!’
Jesus schaut sich nach der Frau um und erklärt: „Es hat mich jemand angerührt, denn ich habe gemerkt, daß Kraft von mir ausging.“ Es war tatsächlich keine gewöhnliche Berührung, denn die daraufhin erfolgte Heilung kostete Jesus Kraft.
Als die Frau sieht, daß sie nicht unbemerkt geblieben ist, kommt sie zitternd vor Angst zu Jesus und fällt ihm zu Füßen. Vor allen Leuten erzählt sie die ganze Wahrheit über ihre Krankheit und wie sie jetzt geheilt wurde.
Gerührt durch ihr rückhaltloses Bekenntnis, tröstet Jesus sie mitleidsvoll: „Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh hin in Frieden, und sei von deiner lästigen Krankheit geheilt.“ Wie wunderbar ist es doch, zu wissen, daß derjenige, den Gott auserwählt hat, um über die Erde zu regieren, so barmherzig und mitfühlend ist und sich nicht nur um die Menschen kümmert, sondern auch die Kraft hat, ihnen zu helfen! Matthäus 9:18-22; Markus 5:21-34; Lukas 8:40-48; 3. Mose 15:25-27.
▪ Wer ist Jairus, und weshalb kommt er zu Jesus?
▪ Welches Problem hat eine Frau, und warum ist es für sie so schwierig, zu Jesus zu kommen, um sich von ihm helfen zu lassen?
▪ Wie wird die Frau geheilt, und mit welchen Worten tröstet Jesus sie?
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Erst Tränen der Trauer — dann FreudentränenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 47
Erst Tränen der Trauer — dann Freudentränen
ALS Jairus sieht, daß die Frau von ihrem Blutfluß geheilt worden ist, gewinnt er zweifellos noch größeres Vertrauen in Jesu Macht, Wunder zu wirken. Jairus hat Jesus zuvor gebeten, mit ihm zu kommen und seiner inniggeliebten 12jährigen Tochter, die im Sterben liegt, zu helfen. Jetzt ist jedoch das geschehen, was Jairus befürchtet hat. Während Jesus noch mit der Frau spricht, treffen Männer ein und sagen leise zu Jairus: „Deine Tochter ist gestorben. Warum den Lehrer noch länger bemühen?“
Welch niederschmetternde Nachricht! Dieser Mann, der am Ort große Achtung genießt, ist völlig hilflos, als er vom Tod seiner Tochter erfährt. Jesus hat das Gespräch jedoch mit angehört und ermuntert Jairus mit den Worten: „Fürchte dich nicht, habe nur Glauben!“
Jesus begleitet den gramgebeugten Mann zu dessen Haus. Dort finden sie lautes Weinen und Wehklagen vor. Viele Leute haben sich eingefunden, die sich aus Trauer selbst schlagen. Beim Betreten des Hauses fragt Jesus: „Weshalb verursacht ihr ein solch lärmendes Durcheinander und weint? Das kleine Kind ist nicht gestorben, sondern schläft.“
Daraufhin beginnen sie, Jesus zu verlachen, da sie wissen, daß das Mädchen wirklich tot ist. Jesus sagt jedoch, es schlafe nur. Er benutzt die ihm von Gott verliehene Kraft, um zu zeigen, daß Menschen so leicht vom Tod zurückgebracht werden können, wie man jemand aus einem tiefen Schlaf aufweckt.
Dann schickt Jesus alle hinaus. Nur Petrus, Jakobus und Johannes sowie die Mutter und der Vater des toten Mädchens dürfen bleiben. Diese fünf nimmt er mit in den Raum, wo das Kind liegt. Jesus ergreift seine Hand und sagt: „Talithá kúmi“, was übersetzt bedeutet: „Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ Und sofort erhebt sich das Kind und beginnt umherzugehen. Bei dem Anblick geraten die Eltern außer sich vor Entzücken.
Nachdem Jesus gesagt hat, man solle dem Kind etwas zu essen geben, fordert er Jairus und dessen Frau auf, niemand zu erzählen, was geschehen ist. Doch trotz Jesu Aufforderung spricht man bald in der ganzen Gegend davon. Das war die zweite Auferweckung, die Jesus bewirkte. Matthäus 9:18-26; Markus 5:35-43; Lukas 8:41-56.
▪ Welche Nachricht wird Jairus überbracht, und wie ermuntert Jesus ihn?
▪ Was spielt sich im Haus des Jairus ab, als sie dort ankommen?
▪ Warum sagt Jesus, das tote Kind schlafe nur?
▪ Wer sind die fünf Personen bei Jesus, die Zeugen der Auferweckung werden?
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Er verläßt das Haus des Jairus und geht nach NazarethDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 48
Er verläßt das Haus des Jairus und geht nach Nazareth
JESUS hat einen sehr anstrengenden Tag hinter sich — erst eine Reise mit dem Schiff von der Dekapolis nach Kapernaum, dann hat er eine Frau geheilt, die mit einem Blutfluß behaftet war, und schließlich hat er die Tochter des Jairus auferweckt. Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Als Jesus das Haus des Jairus verläßt, folgen ihm zwei Blinde und schreien: „Hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“
Dadurch, daß diese Männer Jesus mit „Sohn Davids“ anreden, bringen sie ihren Glauben zum Ausdruck, daß Jesus der Erbe des Thrones Davids und somit der verheißene Messias ist. Jesus tut jedoch so, als hätte er ihre Bitte um Hilfe überhört, wahrscheinlich, um ihre Beharrlichkeit auf die Probe zu stellen. Aber die Männer geben nicht auf. Sie folgen Jesus, und als er ein Haus betritt, gehen sie ihm nach.
Dort fragt Jesus sie: „Glaubt ihr, daß ich das tun kann?“
„Ja, Herr“, antworten sie zuversichtlich.
Jesus berührt ihre Augen und sagt: „Euch geschehe gemäß eurem Glauben.“ Und auf der Stelle können sie sehen! Jesus befiehlt ihnen dann ernstlich: „Seht zu, daß niemand es erfahre.“ Aber sie sind so sehr von Freude erfüllt, daß sie Jesu Gebot außer acht lassen und in der ganzen Gegend über ihn sprechen.
Als die Männer fortgehen, bringt man einen besessenen Mann, den ein Dämon stumm gemacht hat, zu Jesus. Dieser treibt den Dämon aus, und sofort beginnt der Mann zu reden. Die Volksmengen staunen über diese Wunder und rufen aus: „Niemals hat man etwas Derartiges in Israel gesehen.“
Auch Pharisäer sind anwesend. Sie können die Wunder zwar nicht leugnen, aber in ihrem willentlichen Unglauben wiederholen sie ihre Anklage in bezug auf die Frage, wer hinter diesen Machttaten steht, indem sie sagen: „Durch den Herrscher der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“
Kurz nach diesen Ereignissen begibt sich Jesus in seine Heimatstadt Nazareth, diesmal in Begleitung seiner Jünger. Etwa ein Jahr ist vergangen, seit er in der dortigen Synagoge gelehrt hat. Die Leute hatten damals zunächst über seine gefälligen Worte gestaunt, dann aber an seinen Lehren Anstoß genommen und versucht, ihn zu töten. Jetzt macht Jesus barmherzigerweise einen weiteren Versuch, seinen früheren Nachbarn zu helfen.
Während an anderen Orten die Menschen zu Jesus strömen, ist das hier offensichtlich nicht der Fall. Daher geht er am Sabbat in die Synagoge und lehrt. Die meisten von denen, die ihn hören, sind erstaunt. „Woher hat dieser Mensch eine solche Weisheit und diese Machttaten?“ fragen sie. „Ist dieser nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt seine Mutter nicht Maria und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher hat dieser Mensch denn all dies?“
Jesus ist doch nichts anderes als wir, denken sie bei sich. Wir sahen ihn aufwachsen, und wir kennen seine Angehörigen. Warum sollte ausgerechnet er der Messias sein? Trotz aller Beweise — seine große Weisheit und die Wunder — verwerfen sie ihn. Selbst seine eigenen Verwandten nehmen Anstoß an ihm, weil sie meinen, ihn gut genug zu kennen. Daher kommt Jesus zu dem Schluß: „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, ausgenommen in seinem Heimatgebiet und in seinem eigenen Haus.“
Jesus wundert sich tatsächlich über ihren Unglauben. Er wirkt dort keine Wunder, außer daß er einigen Kranken die Hände auflegt und sie heilt. Matthäus 9:27-34; 13:54-58; Markus 6:1-6; Jesaja 9:7.
▪ Wovon sind die blinden Männer überzeugt, als sie Jesus mit „Sohn Davids“ anreden?
▪ Welche Erklärung für die Wunder Jesu bringen die Pharisäer vor?
▪ Warum ist es von seiten Jesu barmherzig, noch einmal nach Nazareth zu gehen, um den Menschen dort zu helfen?
▪ Wie wird Jesus in Nazareth aufgenommen? Warum?
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Eine weitere Evangelisationsreise durch GaliläaDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 49
Eine weitere Evangelisationsreise durch Galiläa
WIRD Jesus jetzt, nach etwa zwei Jahren intensiven Predigens, zurückstecken und sich etwas mehr Zeit lassen? Ganz im Gegenteil! Er dehnt seine Predigttätigkeit sogar noch aus, indem er sich auf eine weitere Reise begibt. Auf dieser dritten Reise durch Galiläa besucht er alle Städte und Dörfer in jenem Gebiet, lehrt in den Synagogen und predigt die gute Botschaft von Gottes Königreich. Durch das, was er auf der Reise sieht, wird ihm immer mehr bewußt, daß das Predigtwerk verstärkt werden muß.
Wohin Jesus auch geht, überall sieht er Volksmengen, die der geistigen Heilung und des Trostes bedürfen. Da sie wie Schafe ohne Hirten sind, zerschunden und umhergestoßen, hat er Mitleid mit ihnen. Er sagt zu seinen Jüngern: „Ja, die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte aussende.“
Jesus hat schon einen Plan, wie er vorgehen wird. Er versammelt die 12 Apostel, die er etwa ein Jahr zuvor ausgewählt hat. Diese teilt er paarweise auf und bildet so sechs Verkündigergruppen, denen er folgende Anweisungen gibt: „Begebt euch nicht auf die Straße der Nationen, und tretet nicht in eine samaritische Stadt ein, sondern geht statt dessen immer wieder zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Während ihr hingeht, predigt, indem ihr sagt: ‚Das Königreich der Himmel hat sich genaht.‘ “
Das Königreich, das sie nun verkündigen sollen, ist das Königreich, um das Jesus sie im Mustergebet beten gelehrt hatte. Genaht hat sich das Königreich in dem Sinne, daß der von Gott dafür bestimmte König, Jesus Christus, gegenwärtig ist. Damit sich seine Jünger als Vertreter dieser übermenschlichen Regierung ausweisen können, verleiht Jesus ihnen die Macht, Kranke zu heilen und sogar Tote aufzuerwecken. Er weist sie auch an, dies kostenlos zu tun.
Als nächstes zeigt er seinen Jüngern, daß sie keine materiellen Vorbereitungen für ihre Evangelisationsreise zu treffen brauchen. „Verschafft euch nicht Gold oder Silber oder Kupfer für eure Gürtelbeutel oder eine Speisetasche für unterwegs oder zwei untere Kleider oder Sandalen oder einen Stab; denn der Arbeiter hat seine Nahrung verdient.“ Diejenigen, die Wertschätzung für die Botschaft haben, werden entsprechend reagieren und für Nahrung und Unterkunft sorgen. Jesus sagt: „In welche Stadt oder welches Dorf ihr auch hineingeht, da forscht nach, wer es darin verdient, und haltet euch dort auf, bis ihr weggeht.“
Dann gibt Jesus Anweisungen, wie sie die Wohnungsinhaber mit der Königreichsbotschaft ansprechen sollen: „Wenn ihr in das Haus eintretet, so grüßt die Hausgenossen; und wenn das Haus es verdient, so komme der Frieden darauf, den ihr ihm wünscht; wenn es ihn aber nicht verdient, so kehre euer Frieden auf euch zurück. Wo jemand euch nicht aufnimmt noch auf eure Worte hört, da schüttelt den Staub von euren Füßen, wenn ihr aus jenem Haus oder jener Stadt hinausgeht.“
Jesus läßt erkennen, daß über eine Stadt, wenn sie die Botschaft zurückweist, ein wirklich strenges Gericht kommt. Er erklärt: „Es wird dem Land Sodom und Gomorra am Gerichtstag erträglicher ergehen als jener Stadt.“ Matthäus 9:35 bis 10:15; Markus 6:6-12; Lukas 9:1-5.
▪ Wann beginnt Jesus seine dritte Evangelisationsreise durch Galiläa, und was wird ihm dabei bewußt?
▪ Welche Anweisungen gibt er seinen 12 Aposteln, als er sie zum Predigen aussendet?
▪ Warum können die Jünger richtigerweise lehren, daß sich das Königreich genaht habe?
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Vorbereitung auf VerfolgungDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 50
Vorbereitung auf Verfolgung
NACHDEM Jesus seine Apostel unterwiesen hat, wie sie das Predigtwerk durchführen sollen, warnt er sie vor Gegnern. Er sagt: „Siehe! Ich sende euch aus wie Schafe inmitten von Wölfen ... Hütet euch vor den Menschen; denn sie werden euch an örtliche Gerichte ausliefern, und sie werden euch in ihren Synagogen geißeln. Ja, ihr werdet vor Statthalter und Könige geschleppt werden um meinetwillen.“
Doch auch bei schwerer Verfolgung sollten Jesu Nachfolger fest auf folgende Zusicherung vertrauen: „Wenn man euch ... ausliefert, so macht euch keine Sorgen darüber, wie oder was ihr reden sollt; denn was ihr reden sollt, wird euch in jener Stunde gegeben werden; denn die Redenden seid nicht nur ihr, sondern der Geist eures Vaters ist es, der durch euch redet.“
Jesus fährt fort: „Ferner wird ein Bruder den Bruder zum Tode überliefern und ein Vater sein Kind, und Kinder werden gegen die Eltern aufstehen und werden sie zu Tode bringen lassen.“ Er fügt hinzu: „Ihr werdet um meines Namens willen Gegenstand des Hasses aller Leute sein; wer aber bis zum Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden.“
Das Predigen ist von größter Wichtigkeit. Aus diesem Grund betont Jesus die Notwendigkeit, vorsichtig zu sein, um in Freiheit zu bleiben und das Werk durchführen zu können. „Wenn man euch in einer Stadt verfolgt, so flieht in eine andere“, fordert er die Jünger auf, „denn wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit dem Kreis der Städte Israels keinesfalls zu Ende sein, bis der Menschensohn gekommen ist.“
Diese Anweisungen, Warnungen und Ermunterungen gibt Jesus zwar seinen 12 Aposteln, aber sie sind auch für diejenigen gedacht, die sich nach seinem Tod und seiner Auferstehung an dem weltweiten Predigtwerk beteiligen würden. Das ist daraus zu ersehen, daß die Jünger gemäß seinen Worten ‘von allen Leuten gehaßt’ würden und nicht nur von den Israeliten, zu denen die Apostel ausgesandt wurden, um zu predigen. Außerdem hat man die Apostel offensichtlich nicht vor Statthalter und Könige geschleppt, als sie sich auf ihre kurze Evangelisationsreise begaben, und die Gläubigen wurden zu jener Zeit auch nicht von Familienangehörigen zum Tode überliefert.
Jesu Äußerung, daß seine Jünger den Kreis ihres Predigens nicht vollenden würden, „bis der Menschensohn gekommen ist“, ist als prophetischer Hinweis zu verstehen, daß seine Nachfolger die Verkündigung des aufgerichteten Königreiches Gottes auf dem gesamten Erdkreis nicht vor dem Kommen des verherrlichten Königs Jesus Christus als Jehovas Urteilsvollstrecker in Harmagedon vollendet haben würden.
Jesus setzt seine Predigtanweisungen mit folgenden Worten fort: „Ein Jünger steht nicht über seinem Lehrer noch ein Sklave über seinem Herrn.“ Somit müssen Jesu Nachfolger damit rechnen, genauso schlecht behandelt und verfolgt zu werden wie er, wenn sie Gottes Königreich verkündigen. Er ermahnt sie jedoch: „Werdet nicht furchtsam vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib in der Gehenna vernichten kann.“
In dieser Hinsicht sollte Jesus das beste Beispiel geben. Furchtlos würde er den Tod erleiden, entschlossen, seine Loyalität gegenüber Jehova Gott, dem Allmächtigen, nicht aufzugeben. Ja, Jehova kann die „Seele“ (in diesem Fall sind die Zukunftsaussichten als lebende Seele gemeint) vernichten, er kann aber auch jemand zu ewigem Leben auferwecken. Welch ein liebevoller, mitfühlender himmlischer Vater Jehova doch ist!
Als nächstes ermuntert Jesus seine Jünger durch ein Gleichnis, das Jehovas liebevolle Fürsorge ihnen gegenüber hervorhebt. „Werden nicht zwei Sperlinge für eine Münze von kleinem Wert verkauft?“ fragt er. „Doch kein einziger von ihnen wird ohne eures Vaters Wissen zur Erde fallen. Aber sogar die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht: Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.“
Die Königreichsbotschaft, die zu verkündigen Jesus seine Jünger beauftragt, kann Hausgemeinschaften entzweien, wenn einige Familienglieder sie annehmen, andere sie jedoch zurückweisen. „Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen“, erklärt Jesus. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert.“ Somit erfordert es von seiten der Familienangehörigen Mut, die biblische Wahrheit anzunehmen. „Wer zum Vater oder zur Mutter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig“, sagt Jesus, „und wer zum Sohn oder zur Tochter größere Zuneigung hat als zu mir, ist meiner nicht würdig.“
Zum Abschluß seiner Anweisungen erwähnt Jesus, daß diejenigen, die seine Jünger aufnehmen, auch ihn aufnehmen. „Wer immer einem von diesen Kleinen nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: Er wird seines Lohnes keinesfalls verlustig gehen.“ Matthäus 10:16-42.
▪ Wovor warnt Jesus seine Jünger?
▪ Wie ermuntert und tröstet er sie?
▪ Warum finden Jesu Anweisungen auch auf neuzeitliche Christen Anwendung?
▪ In welcher Hinsicht steht ein Jünger Jesu nicht über seinem Lehrer?
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Mord bei einer GeburtstagsfeierDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 51
Mord bei einer Geburtstagsfeier
NACHDEM Jesus seinen Aposteln entsprechende Anweisungen gegeben hat, sendet er sie zu zweit in das Gebiet aus. Wahrscheinlich gehen die Brüder Petrus und Andreas zusammen sowie Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, Jakobus und Thaddäus und Simon und Judas Iskariot. Überall, wohin die sechs Gruppen von Evangelisten gehen, verkündigen sie die gute Botschaft vom Königreich und vollbringen Wunderheilungen.
Johannes der Täufer befindet sich immer noch im Gefängnis, und das jetzt schon seit fast zwei Jahren. Wie man sich vielleicht erinnert, hatte Johannes öffentlich verkündet, daß es Herodes Antipas nicht erlaubt sei, sich Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, zu nehmen. Da Herodes behauptete, nach dem mosaischen Gesetz zu leben, stellte Johannes zu Recht diese ehebrecherische Verbindung bloß. Daraufhin ließ Herodes — möglicherweise auf Drängen der Herodias — Johannes ins Gefängnis werfen.
Herodes Antipas weiß, daß Johannes ein gerechter Mann ist, und hört ihm sogar gern zu. Er ist daher in Verlegenheit, was er mit ihm tun soll. Herodias dagegen haßt Johannes und sucht ihn zu Tode zu bringen. Schließlich kommt die Gelegenheit, auf die sie gewartet hat.
Kurz vor dem Passah des Jahres 32 u. Z. hält Herodes anläßlich seines Geburtstags eine große Feier ab. Alle seine hochrangigen Beamten und Offiziere sind anwesend sowie vornehme Bürger von Galiläa. Im Verlauf des Abends wird Salome, die jugendliche Tochter von Herodias und ihrem früheren Mann Philippus, hineingeschickt, um vor den Gästen zu tanzen. Die anwesenden Männer sind von ihrer Vorstellung gefesselt.
Herodes ist von Salome sehr angetan. „Erbitte von mir, was immer du willst, und ich will es dir geben“, sagt er. Er schwört sogar: „Was immer du von mir erbittest, ich will es dir geben, bis zur Hälfte meines Königreiches.“
Bevor Salome antwortet, geht sie hinaus und spricht mit ihrer Mutter. „Worum sollte ich bitten?“ fragt sie sie.
Die Gelegenheit ist da! „Um das Haupt des Johannes, der taufte“, antwortet Herodias, ohne zu zögern.
Schnell kehrt Salome zu Herodes zurück und bittet: „Ich möchte, daß du mir gleich jetzt auf einer Platte das Haupt Johannes’ des Täufers gibst.“
Herodes ist tief betrübt. Doch da die Gäste seinen Schwur gehört haben, wäre es peinlich, den Wunsch abzuschlagen, obwohl es bedeutet, einen Unschuldigen umzubringen. Sofort wird ein Henker mit dem grausigen Auftrag in das Gefängnis geschickt. Kurz darauf kehrt er zurück — mit dem Haupt des Johannes auf einer Platte. Er übergibt es Salome. Diese bringt es zu ihrer Mutter. Als die Jünger des Johannes davon hören, kommen sie und holen den Leichnam, um ihn zu begraben. Anschließend berichten sie auch Jesus, was geschehen ist.
Als Herodes später hört, daß Jesus Menschen heilt und Dämonen austreibt, gerät er in Angst, weil er befürchtet, daß Jesus in Wirklichkeit der von den Toten auferstandene Johannes ist. Daher wünscht er, Jesus unbedingt zu sehen, aber nicht, um ihn predigen zu hören, sondern um sich zu vergewissern, ob seine Befürchtungen begründet sind oder nicht. Matthäus 10:1-5; 11:1; 14:1-12; Markus 6:14-29; Lukas 9:7-9.
▪ Warum befindet sich Johannes im Gefängnis, und warum will Herodes ihn am Leben lassen?
▪ Wie gelingt es Herodias schließlich, Johannes töten zu lassen?
▪ Warum wünscht Herodes nach Johannes’ Tod, Jesus zu sehen?
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Jesus speist Tausende durch ein WunderDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 52
Jesus speist Tausende durch ein Wunder
DIE 12 Apostel haben eine bemerkenswerte Evangelisationsreise durch Galiläa hinter sich. Jetzt, kurz nachdem Johannes hingerichtet worden ist, kehren sie zu Jesus zurück und erzählen ihm ihre wunderbaren Erfahrungen. Jesus sieht, daß sie müde sind, aber da so viele Leute kommen und gehen, haben sie nicht einmal Zeit zum Essen. Daher sagt er: ‘Laßt uns einen einsamen Ort aufsuchen, wo ihr euch ausruhen könnt.’
Sie besteigen — wahrscheinlich in der Nähe von Kapernaum — ihr Boot und fahren an einen abgelegenen Ort, der offensichtlich östlich des Jordanzuflusses liegt, und zwar in der Gegend von Bethsaida. Viele Leute sehen sie jedoch abfahren, und andere hören davon. Sie alle laufen am Strand entlang, und als das Boot anlegt, sind sie bereits da, um sie in Empfang zu nehmen.
Als Jesus aus dem Boot steigt und die große Volksmenge sieht, ist er von Mitleid bewegt, da diese Leute wie Schafe ohne einen Hirten sind. Daher heilt er ihre Kranken und beginnt, sie viele Dinge zu lehren.
Schnell vergeht die Zeit, und Jesu Jünger kommen zu ihm und sagen: „Der Ort ist abgelegen, und es ist schon zu später Stunde. Sende sie weg, damit sie auf das Land und in die Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen.“
Jesus erwidert jedoch: „Gebt i h r ihnen etwas zu essen.“ Dann stellt Jesus, der bereits weiß, was er zu tun gedenkt, Philippus auf die Probe, indem er ihn fragt: „Wo sollen wir Brote kaufen, damit diese essen können?“
Aus der Sicht des Philippus stehen sie vor einer unlösbaren Aufgabe. Es sind allein 5 000 Männer, vielleicht über 10 000 Menschen, wenn man Frauen und Kinder hinzurechnet. Philippus entgegnet: „Brote für zweihundert Denare [ein Denar entsprach damals einem Tagelohn] sind nicht genug für sie, damit jeder ein wenig bekomme.“
Vielleicht um zu zeigen, daß es unmöglich ist, so viele mit Nahrung zu versorgen, erlaubt sich Andreas die Bemerkung: „Hier ist ein kleiner Knabe, der fünf Gerstenbrote und zwei kleine Fische hat.“ Und er fragt: „Doch was sind diese unter so viele?“
Da es Frühling ist, kurz vor dem Passah des Jahres 32 u. Z., und es an dem Ort viel Gras gibt, gebietet Jesus seinen Jüngern, die Leute aufzufordern, sich in Gruppen von 50 und 100 im Gras zu lagern. Jesus nimmt die fünf Brote und die zwei Fische, blickt zum Himmel und spricht einen Segen. Dann beginnt er, das Brot zu brechen und die Fische zu zerteilen. Er gibt die Nahrungsmittel seinen Jüngern, die sie wiederum an die Leute verteilen. Erstaunlicherweise können alle bis zur Sättigung essen.
Später sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Sammelt die übriggebliebenen Brocken, damit nichts verschwendet werde.“ Daraufhin füllen sie zwölf Körbe mit den übriggebliebenen Brocken. Matthäus 14:13-21; Markus 6:30-44; Lukas 9:10-17; Johannes 6:1-13.
▪ Warum sucht Jesus einen abgeschiedenen Ort für seine Apostel?
▪ Wohin begibt sich Jesus mit seinen Jüngern, aber warum geht ihr Wunsch nach Ruhe nicht in Erfüllung?
▪ Worauf drängen die Jünger, als es spät wird, aber wie sorgt Jesus für die Menschen?
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Ein wünschenswerter übermenschlicher HerrscherDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 53
Ein wünschenswerter übermenschlicher Herrscher
ALS Jesus Tausende durch ein Wunder speist, sind die Menschen geradezu hingerissen. „Dieser ist bestimmt der Prophet, der in die Welt kommen soll“, sagen sie. Sie schlußfolgern nicht nur, daß Jesus der Prophet sein muß, der größer als Moses sein soll, sondern halten ihn auch für einen äußerst wünschenswerten Herrscher. Sie haben vor, ihn zu ergreifen und zum König zu machen.
Jesus kennt jedoch ihre Absichten. Daher handelt er schnell, um zu vermeiden, daß sie ihm dieses Amt aufzwingen. Er entläßt die Volksmengen und nötigt seine Jünger, ihr Boot zu besteigen und nach Kapernaum zurückzufahren. Er selbst zieht sich dann auf einen Berg zurück, um zu beten. Jesus verbringt dort die Nacht ganz allein.
Kurz vor Tagesanbruch beobachtet Jesus von seinem erhöhten Aussichtspunkt aus, daß ein starker Wind auf dem See heftigen Wellengang verursacht. Es ist kurz vor dem Passah und somit fast Vollmond. Im Mondlicht sieht Jesus das Boot mit seinen Jüngern, die sich gegen die Wellen vorwärts kämpfen. Die Männer rudern mit aller Kraft.
Als Jesus das sieht, steigt er vom Berg hinab und schreitet auf den Wellen auf das Boot zu. Das Boot hat etwa fünf oder sechs Kilometer zurückgelegt, als er es einholt. Er geht jedoch weiter, als wolle er überholen. Sobald die Jünger ihn sehen, rufen sie aus: „Es ist eine Erscheinung!“
Jesus beruhigt sie mit den Worten: „Ich bin’s; fürchtet euch nicht.“
Petrus sagt jedoch: „Herr, wenn du es bist, so gebiete mir, über die Wasser zu dir zu kommen.“
„Komm!“ antwortet Jesus.
Daraufhin steigt Petrus aus dem Boot und geht auf dem Wasser Jesus entgegen. Als Petrus jedoch auf den Windsturm blickt, gerät er in Furcht und beginnt zu sinken. Er schreit: „Herr, rette mich!“
Jesus streckt sofort seine Hand aus, faßt ihn und fragt: „Du Kleingläubiger, warum hast du dem Zweifel Raum gegeben?“
Nachdem Petrus und Jesus in das Boot gestiegen sind, legt sich der Wind. Die Jünger sind darüber erstaunt. Sollten sie es aber sein? Wenn sie „die Bedeutung der Brote“ erfaßt hätten, das heißt, wenn sie das große Wunder richtig beurteilt hätten, das Jesus einige Stunden zuvor gewirkt hat, als er Tausende mit nur fünf Broten und zwei kleinen Fischen speiste, dann wäre es für sie nicht so erstaunlich, daß er auf dem Wasser wandeln und den Wind abflauen lassen kann. Jetzt huldigen die Jünger jedoch Jesus und sprechen: „Du bist wirklich Gottes Sohn.“
Kurze Zeit später erreichen sie Genezareth, eine schöne, fruchtbare Ebene in der Nähe von Kapernaum. Dort legen sie am Ufer an. Doch sobald sie an Land gehen, erkennen die Leute Jesus und gehen in das umliegende Landgebiet, um die Kranken zu holen. Als diese auf ihren Tragbetten gebracht werden, brauchen sie nur die Fransen des äußeren Gewandes Jesu anzurühren, um völlig gesund zu werden.
Inzwischen entdeckt die Volksmenge, die Zeuge der durch ein Wunder bewirkten Speisung der Tausende von Menschen war, daß Jesus nicht mehr da ist. Als kleine Boote aus Tiberias eintreffen, besteigen die Leute diese und fahren nach Kapernaum, um nach Jesus zu suchen. Sie finden ihn und stellen ihm die Frage: „Rabbi, wann bist du hierhergekommen?“ Jesus tadelt sie, wie wir bald sehen werden. Johannes 6:14-25; Matthäus 14:22-36; Markus 6:45-56.
▪ Was wollen die Menschen mit Jesus tun, nachdem er durch ein Wunder Tausende gespeist hat?
▪ Was sieht Jesus von dem Berg aus, auf den er sich zurückgezogen hat, und was tut er daraufhin?
▪ Warum sollten die Jünger über diese Dinge nicht so erstaunt sein?
▪ Was geschieht, als sie an Land gehen?
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„Das wahre Brot vom Himmel“Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 54
„Das wahre Brot vom Himmel“
DER gestrige Tag war wirklich ereignisreich gewesen. Jesus hatte durch ein Wunder Tausende gespeist und sich anschließend dem Zugriff von Leuten entzogen, die ihn zum König machen wollten. In der Nacht war er über das aufgewühlte Galiläische Meer gegangen; dann hatte er Petrus gerettet, der unterzugehen begann, als er auf dem sturmgepeitschten Wasser ging; außerdem beruhigte er die Wellen, um seine Jünger vor dem Schiffbruch zu bewahren.
Nun finden ihn einige der Leute, die er nordöstlich des Galiläischen Meeres durch ein Wunder gespeist hat, in der Nähe von Kapernaum und fragen: „Wann bist du hierhergekommen?“ Er tadelt sie und sagt, sie würden nur deshalb nach ihm suchen, weil sie ein weiteres kostenloses Mahl erwarteten. Er fordert sie auf, nicht für die Speise zu wirken, die vergeht, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt. Daher fragen die Leute: „Was sollen wir tun, um die Werke Gottes zu wirken?“
Jesus erwähnt nur eines dieser Werke, das jedoch von höchstem Wert ist. „Dies ist das Werk Gottes“, erklärt er, „daß ihr Glauben an den ausübt, den jener ausgesandt hat.“
Die Menschen üben trotz der Wunder, die Jesus gewirkt hat, keinen Glauben an ihn aus. Es ist unglaublich, sogar nach all den Wundern, die er vollbracht hat, fragen sie: „Was für ein Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Vorväter aßen das Manna in der Wildnis, so wie geschrieben steht: ‚Er gab ihnen Brot aus dem Himmel zu essen.‘ “
In seiner Entgegnung auf ihre Bitte um ein Zeichen weist Jesus deutlich auf den Quell der Wundertaten hin. Er sagt: „Nicht Moses gab euch das Brot vom Himmel, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, der vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt.“
„Herr“, sagen die Menschen, „gib uns dieses Brot allezeit.“
„Ich bin das Brot des Lebens“, erklärt Jesus. „Wer zu mir kommt, wird überhaupt nicht hungrig werden, und wer Glauben an mich ausübt, wird überhaupt nie durstig werden. Ich habe euch aber gesagt: Ihr habt mich sogar gesehen, und dennoch glaubt ihr nicht. Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und den, der zu mir kommt, will ich keinesfalls wegtreiben; denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Dies ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern daß ich es am letzten Tag zur Auferstehung bringe. Denn dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und Glauben an ihn ausübt, ewiges Leben habe.“
Daraufhin beginnen die Juden über Jesus zu murren, weil er gesagt hat: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Sie sehen in ihm lediglich den Sohn menschlicher Eltern und bringen daher denselben Einwand vor wie die Nazarener: „Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kommt es, daß er nun sagt: ‚Ich bin vom Himmel herabgekommen.‘?“
„Hört auf, untereinander zu murren“, erwidert Jesus. „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater, der mich gesandt hat, ziehe ihn; und ich will ihn am letzten Tag zur Auferstehung bringen. Es steht in den PROPHETEN geschrieben: ‚Und sie werden alle von Jehova belehrt sein.‘ Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. Nicht, daß jemand den Vater gesehen hat, ausgenommen der, der von Gott her ist; dieser hat den Vater gesehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben.“
Jesus fährt fort und wiederholt: „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Vorväter aßen das Manna in der Wildnis und starben trotzdem. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit irgend jemand davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot ißt, wird er immerdar leben.“ Ja, wenn die Menschen Glauben an Jesus ausüben, der von Gott ausgesandt worden ist, können sie ewiges Leben erhalten. Kein Manna und kein anderes Brot dieser Art kann das bewirken.
Offensichtlich begann die Diskussion in bezug auf das Brot vom Himmel, kurz nachdem die Leute Jesus in der Nähe von Kapernaum gefunden hatten. Sie wird jedoch fortgesetzt und erreicht erst später ihren Höhepunkt, als Jesus in einer Synagoge in Kapernaum lehrt. Johannes 6:25-51, 59; Psalm 78:24; Jesaja 54:13; Matthäus 13:55-57.
▪ Welche Ereignisse sind Jesu Äußerungen in bezug auf das Brot vom Himmel vorausgegangen?
▪ Warum ist die Bitte um ein Zeichen angesichts dessen, was Jesus gerade getan hat, so unpassend?
▪ Warum murren die Juden über Jesu Behauptung, das wahre Brot vom Himmel zu sein?
▪ Wo findet die Diskussion über das Brot vom Himmel statt?
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Viele Jünger folgen Jesus nicht mehr nachDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 55
Viele Jünger folgen Jesus nicht mehr nach
JESUS spricht in der Synagoge von Kapernaum über seine Rolle als das wahre Brot vom Himmel. Er setzt hier offensichtlich das Gespräch mit jenen Leuten fort, die nach ihm gesucht hatten, als sie von der Ostseite des Galiläischen Meeres zurückgekehrt waren. Sie hatten dort von den Broten und Fischen gegessen, die durch ein Wunder beschafft worden waren.
Jesus äußert sich jetzt wie folgt: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch zugunsten des Lebens der Welt.“ Zwei Jahre zuvor, im Frühling des Jahres 30 u. Z., hatte Jesus zu Nikodemus gesagt, Gott habe die Welt so sehr geliebt, daß er seinen Sohn als Retter gesandt hat. Somit zeigt Jesus jetzt, daß jeder aus der Menschenwelt, der symbolisch von seinem Fleisch ißt, indem er Glauben an sein Opfer ausübt, das er bald darbringen wird, ewiges Leben erlangen kann.
Die Leute straucheln jedoch über Jesu Worte. „Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?“ fragen sie. Jesus möchte seinen Zuhörern verständlich machen, daß das Essen seines Fleisches sinnbildlich gemeint ist. Um das hervorzuheben, sagt er etwas, was noch anstößiger erscheint, würde man es buchstäblich nehmen.
„Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt“, erklärt Jesus, „so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer sich von meinem Fleisch nährt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn am letzten Tag zur Auferstehung bringen; denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. Wer sich von meinem Fleisch nährt und mein Blut trinkt, bleibt in Gemeinschaft mit mir und ich in Gemeinschaft mit ihm.“
Es stimmt, Jesu Lehre wäre äußerst anstößig, wenn er hier zum Kannibalismus aufforderte. Aber Jesus befürwortet natürlich nicht das buchstäbliche Essen seines Fleisches oder das Trinken seines Blutes. Er weist nur nachdrücklich darauf hin, daß alle, die ewiges Leben erlangen möchten, Glauben an das Opfer ausüben müssen, das er durch die Opferung seines vollkommenen menschlichen Körpers und das Vergießen seines Blutes darbringen wird. Doch sogar viele seiner Jünger wollen nicht verstehen, was er lehrt, und protestieren: „Diese Rede ist anstößig; wer kann sie anhören?“
Da Jesus weiß, daß viele seiner Jünger murren, sagt er: „Veranlaßt euch dies zum Straucheln? Was nun, wenn ihr den Menschensohn dahin auffahren seht, wo er zuvor war? ... Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt einige unter euch, die nicht glauben.“
Jesus fährt fort: „Darum habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, es werde ihm vom Vater gewährt.“ Daraufhin verlassen ihn viele seiner Jünger und folgen ihm nicht mehr nach. Daher wendet sich Jesus seinen 12 Aposteln zu und fragt: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“
Petrus antwortet ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist.“ Welch ein wunderbarer Ausdruck der Loyalität, obwohl Petrus und die übrigen Apostel Jesu Lehren in bezug auf diese Dinge auch nicht völlig verstehen mögen!
Jesus ist zwar über die Antwort des Petrus erfreut, aber er sagt: „Habe ich nicht euch Zwölf auserwählt? Einer von euch jedoch ist ein Verleumder.“ Er spricht von Judas Iskariot. Möglicherweise entdeckt Jesus zu diesem Zeitpunkt bei Judas den Beginn oder die ersten Schritte eines verkehrten Laufes.
Jesus hat die Menschen enttäuscht, weil er sich ihren Bemühungen widersetzte, ihn zum König zu machen, so daß sie möglicherweise überlegen: „Wie kann dieser der Messias sein, wenn er die rechtmäßige Stellung des Messias nicht einnimmt?“ Das beschäftigt die Menschen immer noch. Johannes 6:51-71; 3:16.
▪ Für wen gibt Jesus sein Fleisch, und inwiefern müssen sie ‘sein Fleisch essen’?
▪ Welche weiteren Äußerungen schockieren die Menschen, doch was will Jesus dadurch hervorheben?
▪ Was sagt Petrus, als viele aufhören, Jesus nachzufolgen?
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Was verunreinigt einen Menschen?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 56
Was verunreinigt einen Menschen?
DER Widerstand gegen Jesus nimmt immer mehr zu. Viele seiner Jünger verlassen ihn, und die Juden in Judäa suchen ihn sogar zu töten wie schon im Jahre 31 u. Z., als er sich anläßlich des Passahfestes in Jerusalem aufhielt.
Inzwischen ist das Passah des Jahres 32 u. Z. herbeigekommen. Sehr wahrscheinlich geht Jesus nach Jerusalem hinauf, um Gottes Gebot zu befolgen, dem Passah beizuwohnen. Er ist jedoch auf der Hut, um sein Leben nicht in Gefahr zu bringen. Anschließend kehrt er nach Galiläa zurück.
Jesus hält sich offensichtlich in Kapernaum auf, als Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu ihm kommen. Sie suchen nach Gründen, um ihn der Mißachtung religiöser Gesetze anzuklagen. „Wie kommt es, daß deine Jünger die Überlieferung der Männer früherer Zeiten übertreten?“ fragen sie. „Zum Beispiel waschen sie sich die Hände nicht, bevor sie ein Mahl einnehmen.“ Das hat Gott zwar nie gefordert, aber die Pharisäer betrachten es als schweren Verstoß, dieses traditionelle Ritual, bei dem man sich bis zum Ellenbogen waschen muß, nicht zu befolgen.
Statt auf ihre Anklage einzugehen, zeigt Jesus, daß sie selbst böswillig und ganz bewußt Gottes Gesetz brechen. „Wie kommt es, daß auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen übertretet?“ fragt er sie. „Zum Beispiel sprach Gott: ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter‘ und: ‚Wer Vater oder Mutter beschimpft, soll im Tod enden.‘ Ihr aber sagt: ‚Wer irgend zu seinem Vater oder seiner Mutter spricht: „Was immer ich habe, wodurch ich dir nützen könnte, ist eine Gott gewidmete Gabe“, der braucht seinen Vater gar nicht zu ehren.‘ “
Die Pharisäer lehren tatsächlich, daß Geld, Besitz oder irgend etwas, was Gott als Gabe gewidmet wird, dem Tempel gehört und für keinen anderen Zweck verwendet werden darf. Doch in Wirklichkeit verbleibt die Gabe beim Geber. Demnach kann sich ein Sohn seiner Verantwortung entziehen, seinen betagten Eltern zu helfen, selbst wenn sie sich in einer ernsten Notlage befinden, indem er einfach sagt, sein Geld oder sein Besitz sei „Korban“ — eine Gott oder dem Tempel gewidmete Gabe.
Jesus ist zu Recht über die böswillige Verdrehung des Gesetzes Gottes empört und sagt: „Ihr [habt] das Wort Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht. Ihr Heuchler, treffend hat Jesaja von euch prophezeit, als er sagte: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren.‘ “
Die Volksmenge ist wahrscheinlich etwas zurückgetreten, um den Pharisäern Gelegenheit zu geben, Jesus zu befragen. Als die Pharisäer jetzt nichts auf Jesu strengen Verweis zu erwidern wissen, fordert Jesus die Volksmenge auf, näher zu kommen. „Hört mir zu“, sagt er, „und erfaßt den Sinn. Nichts, was von außen in einen Menschen hineingeht, kann ihn verunreinigen; aber das, was aus einem Menschen hinausgeht, das ist es, was einen Menschen verunreinigt.“
Als er später in ein Haus eintritt, fragen ihn seine Jünger: „Weißt du, daß die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie hörten, was du sagtest?“
„Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird entwurzelt werden“, antwortet Jesus. „Laßt sie. Blinde Leiter sind sie. Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, so werden beide in eine Grube fallen.“
Als Petrus Jesus im Namen der Jünger bittet, ihnen näher zu erklären, was einen Menschen verunreinigt, ist dieser offensichtlich erstaunt. „Seid auch ihr noch ohne Verständnis?“ entgegnet Jesus. „Merkt ihr nicht, daß alles, was in den Mund hineingeht, in die Eingeweide wandert und in den Abort ausgeschieden wird? Was dagegen aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und dieses verunreinigt einen Menschen. Zum Beispiel kommen aus dem Herzen böse Überlegungen, Mordtaten, Ehebrüche, Hurereien, Diebstähle, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Das sind die Dinge, die einen Menschen verunreinigen; aber ein Mahl mit ungewaschenen Händen einzunehmen verunreinigt einen Menschen nicht.“
Jesus spricht sich hier nicht gegen normale Hygiene aus. Er will damit nicht sagen, daß es überflüssig sei, sich die Hände zu waschen, bevor man ein Mahl zubereitet oder einnimmt. Statt dessen verurteilt Jesus die Heuchelei der religiösen Führer, die verschlagen versuchen, Gottes gerechte Gesetze zu umgehen, indem sie sich auf unbiblische Traditionen berufen. Ja, böse Taten verunreinigen einen Menschen, und Jesus zeigt, daß diese aus dem Herzen kommen. Johannes 7:1; 5. Mose 16:16; Matthäus 15:1-20; Markus 7:1-23; 2. Mose 20:12; 21:17; Jesaja 29:13.
▪ Auf welche Weise wird Jesus Widerstand geleistet?
▪ Welche Anklage bringen die Pharisäer vor, aber wie zeigt Jesus, daß die Pharisäer ganz bewußt Gottes Gesetz brechen?
▪ Was verunreinigt einen Menschen, wie Jesus es zeigt?
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Mitgefühl für die LeidendenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 57
Mitgefühl für die Leidenden
NACHDEM Jesus die Pharisäer wegen ihrer eigennützigen Traditionen getadelt hat, geht er mit seinen Jüngern fort. Wie wir uns vielleicht erinnern, hatte er unlängst versucht, mit ihnen wegzugehen, um sich ein wenig auszuruhen, aber es war ihnen keine Ruhe vergönnt gewesen, da die Volksmengen sie gefunden hatten. Jetzt begibt er sich mit seinen Jüngern in das Gebiet von Tyrus und Sidon, das viele Kilometer weiter nördlich liegt. Es ist offenbar die einzige Reise, bei der Jesus mit seinen Jüngern die Grenze Israels überschreitet.
Als sie ein Haus gefunden haben, wo sie bleiben können, äußert er den Wunsch, ihren Aufenthaltsort geheimzuhalten. Doch selbst in diesem nichtisraelitischen Gebiet wird man auf ihn aufmerksam. Eine Griechin, die hier in Phönizien geboren ist, findet ihn und beginnt zu bitten: „Habe Erbarmen mit mir, Herr, Sohn Davids. Meine Tochter ist stark dämonisiert.“ Jesus reagiert allerdings überhaupt nicht darauf.
Schließlich sagen die Jünger zu Jesus: „Schick sie weg; denn sie schreit beständig hinter uns her.“ Jesus erklärt, warum er sie nicht beachtet: „Ich bin zu niemand gesandt worden als zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“
Die Frau gibt jedoch nicht auf. Sie nähert sich Jesus und wirft sich vor ihm nieder. Sie bittet: „Herr, hilf mir!“
Wie sehr das eindringliche Bitten der Frau Jesu Herz rühren muß! Doch er weist wiederum auf seine hauptsächliche Verantwortung hin, nämlich den Israeliten, Gottes Volk, zu predigen. Gleichzeitig spielt Jesus auf die Voreingenommenheit der Juden gegenüber Menschen anderer Nationen an. Dadurch will er wahrscheinlich den Glauben der Frau prüfen. Er sagt: „Es ist nicht recht, den Kindern das Brot zu nehmen und es kleinen Hunden hinzuwerfen.“
Durch den mitfühlenden Ton in seiner Stimme und durch seinen Gesichtsausdruck offenbart Jesus bestimmt seine innige Zuneigung zu Nichtjuden. Er schwächt sogar den Vergleich von Heiden mit Hunden ab, indem er von „kleinen Hunden“ spricht. Die Frau ist nicht beleidigt, sondern greift Jesu Bezug auf die Vorurteile der Juden auf und stellt demütig fest: „Ja, Herr; aber die kleinen Hunde fressen doch auch die Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
„O Frau, dein Glaube ist groß“, ruft Jesus aus. „Dir geschehe, wie du es wünschst.“ Und es geschieht! Als sie in ihr Haus zurückkehrt, liegt ihre Tochter völlig gesund auf dem Bett.
Vom Küstengebiet bei Sidon begeben sich Jesus und seine Jünger quer durch das Land in Richtung der Quellflüsse des Jordan. Sie überqueren den Jordan offenbar irgendwo oberhalb des Galiläischen Meeres und gelangen in das Gebiet der Dekapolis, das östlich dieses Gewässers liegt. Dort besteigen sie einen Berg. Doch die Volksmengen finden sie und bringen ihre Lahmen, Krüppel, Blinden und Stummen zu Jesus sowie viele, die in anderer Hinsicht krank oder entstellt sind. Sie werfen sie förmlich vor Jesu Füße, und er heilt sie alle. Die Leute staunen, als Stumme sprechen, Lahme gehen und Blinde sehen können, und sie preisen den Gott Israels.
Jesus wendet seine besondere Aufmerksamkeit einem Mann zu, der taub und im Sprechen behindert ist. Taube sind oft sehr verlegen, besonders in einer Menschenmenge. Jesus hat möglicherweise die außergewöhnliche Nervosität des Mannes bemerkt. Mitfühlend nimmt er ihn daher zur Seite und begibt sich mit ihm ein Stück von der Volksmenge weg. Als sie allein sind, zeigt Jesus ihm, was er für ihn tun wird. Er steckt seine Finger in die Ohren des Mannes, und nachdem er gespuckt hat, berührt er seine Zunge. Dann blickt Jesus zum Himmel, seufzt tief und sagt: „Werde aufgetan.“ Daraufhin kann der Mann wieder hören und normal sprechen.
Nachdem Jesus die vielen Heilungen vollbracht hat, reagieren die Volksmengen voller Wertschätzung. Sie sagen: „Er hat alles gut gemacht. Er macht sogar die Tauben hören und die Stummen reden.“ Matthäus 15:21-31; Markus 7:24-37.
▪ Warum heilt Jesus das Kind der Griechin nicht sofort?
▪ Wohin begibt sich Jesus anschließend mit seinen Jüngern?
▪ Wie bekundet Jesus Mitgefühl für den Mann, der taub und im Sprechen behindert ist?
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Die Brote und der SauerteigDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 58
Die Brote und der Sauerteig
IN DER Dekapolis strömen große Volksmengen zu Jesus. Viele haben einen weiten Weg in dieses hauptsächlich von Heiden bewohnte Gebiet zurückgelegt, um Jesus zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Sie haben große Körbe dabei, in denen sie auf Reisen durch Gebiete der Heiden gewöhnlich ihren Proviant mitnehmen.
Schließlich ruft Jesus seine Jünger zu sich und sagt: „Ich habe Mitleid mit der Volksmenge, denn schon drei Tage sind sie bei mir geblieben, und sie haben nichts zu essen; und wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, werden sie unterwegs ermatten. Einige von ihnen sind nämlich von weit her.“
„Woher wird jemand diese Leute hier, an einem abgelegenen Ort, mit Broten sättigen können?“ entgegnen die Jünger.
Jesus fragt sie: „Wie viele Brote habt ihr?“
„Sieben“, antworten sie, „und einige kleine Fische.“
Jesus weist die Leute an, sich auf dem Boden zu lagern. Dann nimmt er die Brote und die Fische, betet zu Gott, bricht die Brote und beginnt sie seinen Jüngern auszuteilen. Diese geben sie ihrerseits den Leuten, die bis zur Sättigung essen. Anschließend sammelt man die übriggebliebenen Brocken ein — sieben Proviantkörbe voll, obwohl über 4 000 Männer sowie Frauen und Kinder gegessen haben!
Jesus sendet anschließend die Volksmengen weg, besteigt mit seinen Jüngern ein Boot und fährt zum Westufer des Galiläischen Meeres. Hier versuchen die Pharisäer — diesmal in Begleitung von Mitgliedern der Sekte der Sadduzäer —, Jesus auf die Probe zu stellen, indem sie ihn um ein Zeichen vom Himmel bitten.
Da Jesus weiß, was sie vorhaben, erwidert er: „Wenn der Abend anbricht, pflegt ihr zu sagen: ‚Es gibt schönes Wetter, denn der Himmel ist feuerrot‘, und am Morgen: ‚Heute gibt es winterliches, regnerisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot, sieht aber düster aus.‘ Das Aussehen des Himmels wißt ihr zu deuten, aber die Zeichen der Zeiten könnt ihr nicht deuten.“
Jesus bezeichnet sie als eine böse und ehebrecherische Generation und wiederholt das, was er den Pharisäern bereits bei einer früheren Gelegenheit gesagt hat, nämlich daß ihnen kein Zeichen gegeben wird, ausgenommen das Zeichen Jonas. Dann besteigen er und seine Jünger ein Boot, um nach Bethsaida, das am Nordostufer des Galiläischen Meeres liegt, zu fahren. Unterwegs stellen die Jünger fest, daß sie vergessen haben, Brot mitzunehmen, und nur einen Laib dabeihaben.
Jesus hat noch das letzte Zusammentreffen mit den Pharisäern und den Sadduzäern, den Anhängern des Herodes, im Sinn und ermahnt die Jünger: „Haltet eure Augen offen, nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes in acht.“ Da Jesus den Sauerteig erwähnt, meinen die Jünger offensichtlich, er beziehe sich darauf, daß sie das Brot vergessen haben, und unterhalten sich über die Angelegenheit. Als Jesus das Mißverständnis bemerkt, fragt er: „Warum erörtert ihr die Tatsache, daß ihr keine Brote habt?“
Jesus hat bereits durch Wunder Brot für Tausende von Menschen beschafft, und sein letztes Wunder liegt nur ein oder zwei Tage zurück. Sie müßten eigentlich wissen, daß er nicht besorgt darüber ist, daß sie keine buchstäblichen Brote haben. „Erinnert ihr euch nicht“, fragt er sie, „wie viele Körbe voll Brocken ihr aufhobt, als ich die fünf Brote für die fünftausend brach?“
„Zwölf“, erwidern sie.
„Als ich die sieben für die viertausend brach, wie viele Proviantkörbe voll Brocken hobt ihr da auf?“
„Sieben“, antworten sie.
„Erfaßt ihr den Sinn noch nicht?“ fragt Jesus. „Wie kommt es, daß ihr nicht versteht, daß ich nicht von Broten zu euch gesprochen habe? Nehmt euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in acht.“
Endlich begreifen die Jünger. Sauerteig, ein Gärmittel, das das Brot aufgehen läßt, ist ein Wort, das gebraucht wird, um Verderbtheit zu kennzeichnen. Jetzt verstehen die Jünger, daß Jesus hier von Sauerteig in übertragenem Sinne spricht und sie auffordert, sich vor „der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer“ mit ihren verderblichen Auswirkungen in acht zu nehmen. Markus 8:1-21; Matthäus 15:32 bis 16:12.
▪ Warum haben die Leute große Proviantkörbe dabei?
▪ Wohin fährt Jesus mit dem Boot, nachdem er die Dekapolis verlassen hat?
▪ Welches Mißverständnis gibt es unter den Jüngern über Jesu Äußerung in bezug auf Sauerteig?
▪ Was meint Jesus mit dem Ausdruck „Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“?
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Wer ist Jesus eigentlich?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 59
Wer ist Jesus eigentlich?
ALS das Boot mit Jesus und seinen Jüngern in Bethsaida anlegt, bringt man einen Mann zu Jesus und bittet ihn, den Mann anzurühren und zu heilen. Jesus führt ihn an der Hand aus dem Dorf hinaus, und nachdem er auf seine Augen gespuckt hat, fragt er ihn: „Siehst du etwas?“
„Ich sehe Menschen“, antwortet der Mann, „denn ich bemerke etwas, was Bäume zu sein scheinen, aber sie gehen umher.“ Jesus legt seine Hände auf die Augen des Mannes und stellt sein Sehvermögen völlig wieder her, so daß er deutlich sehen kann. Dann schickt er ihn nach Hause und weist ihn an, nicht in den Ort zu gehen.
Jesus und seine Jünger begeben sich nun in die Dörfer von Cäsarea Philippi, in den äußersten Norden Palästinas. Es ist ein weiter Weg, etwa 50 Kilometer, bis nach Cäsarea Philippi, einer wunderschönen Stadt, die etwa 350 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Reise dauert möglicherweise zwei Tage.
Unterwegs zieht sich Jesus zurück, um zu beten. Bis zu seinem Tod sind es nur noch neun oder zehn Monate, und er sorgt sich um seine Jünger. Viele folgen ihm schon nicht mehr nach. Andere sind offensichtlich verwirrt und enttäuscht, weil er die Versuche des Volkes, ihn zum König zu machen, zurückweist und weil er seinen Feinden, die ihn herausfordern möchten, kein Zeichen vom Himmel als Bestätigung für sein Königtum gibt. Was glauben die Jünger, wer er ist? Als sie dorthin kommen, wo Jesus betet, fragt er sie: „Was sagen die Menschen, wer ich sei?“
„Einige sagen: Johannes der Täufer“, erwidern sie, „andere: Elia, noch andere: Jeremia oder einer der Propheten.“ Ja, die Leute meinen, Jesus sei einer dieser Männer und sei nun von den Toten auferstanden!
„Ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei?“ fragt Jesus.
Petrus antwortet sofort: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Jesus lobt Petrus für diese Antwort und fährt fort: „Ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen, und die Tore des Hades werden sie nicht überwältigen.“ Jesus spricht hier zunächst davon, daß er eine Versammlung aufbauen wird, deren Glieder nach ihrem treuen Lauf auf der Erde nicht einmal der Tod gefangenhalten kann. Dann sagt er zu Petrus: „Ich will dir die Schlüssel des Königreiches der Himmel geben.“
Jesus offenbart Petrus, daß er besondere Vorrechte erhalten wird. Nein, Petrus erhält nicht den ersten Platz unter den Aposteln, noch ist er die Grundlage der Versammlung. Jesus selbst ist der Felsen, auf den er seine Versammlung bauen wird. Petrus soll jedoch drei Schlüssel erhalten, mit denen er Gruppen von Menschen die Möglichkeit sozusagen erschließen soll, in das Königreich der Himmel einzugehen.
Petrus sollte den ersten Schlüssel zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. gebrauchen, um reuigen Juden zu zeigen, was sie tun müssen, um gerettet zu werden. Kurze Zeit später sollte er den zweiten Schlüssel benutzen, um gläubigen Samaritern die Möglichkeit zu erschließen, in Gottes Königreich einzugehen. Im Jahre 36 u. Z. sollte er den dritten Schlüssel verwenden, um unbeschnittenen Heiden, Kornelius und seinen Freunden, dieselbe Möglichkeit zu eröffnen.
Jesus setzt das Gespräch mit seinen Aposteln fort. Es entmutigt sie, als er davon spricht, daß er bald in Jerusalem leiden muß und zu Tode gebracht werden wird. Da Petrus nicht begreift, daß Jesus anschließend zu himmlischem Leben auferweckt wird, nimmt er Jesus beiseite. „Sei gütig mit dir selbst, Herr“, sagt er, „dieses Geschick wird dir bestimmt nicht widerfahren.“ Jesus dreht sich jedoch um und antwortet: „Tritt hinter mich, Satan! Du bist für mich eine Ursache des Strauchelns, weil du nicht Gottes Gedanken denkst, sondern die der Menschen.“
Außer den Aposteln hat Jesus offensichtlich auch noch andere Reisebegleiter. Er ruft sie nun zu sich und erklärt, daß es nicht leicht ist, ihm nachzufolgen. „Wenn jemand mir nachkommen will“, sagt er, „so verleugne er sich selbst und nehme seinen Marterpfahl auf und folge mir beständig. Denn wer immer seine Seele retten will, wird sie verlieren; wer immer aber seine Seele um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verliert, wird sie retten.“
Ja, Jesu Nachfolger müssen mutig sein und sich aufopfern, um in seiner Gunst stehen zu können, denn er sagt: „Wer immer sich meiner und meiner Worte in dieser ehebrecherischen und sündigen Generation schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln gekommen sein wird.“ Markus 8:22-38; Matthäus 16:13-28; Lukas 9:18-27.
▪ Warum sorgt sich Jesus um seine Jünger?
▪ Was meinen die Menschen, wer Jesus sei?
▪ Welche Schlüssel werden Petrus gegeben, und wie sollen sie gebraucht werden?
▪ Wie und warum wird Petrus zurechtgewiesen?
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Eine Vorschau auf Christi Herrlichkeit in seinem KönigreichDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 60
Eine Vorschau auf Christi Herrlichkeit in seinem Königreich
JESUS ist in der Gegend von Cäsarea Philippi angekommen, und er lehrt eine Volksmenge, zu der auch seine Apostel gehören. In Verbindung damit äußert er folgende aufsehenerregende Worte: „Wahrlich, ich sage euch, daß von denen, die hier stehen, einige sind, die den Tod überhaupt nicht schmecken werden, bis sie zuerst den Menschensohn in seinem Königreich kommen sehen.“
„Was meint Jesus wohl damit?“ fragen sich höchstwahrscheinlich die Jünger. Etwa eine Woche später nimmt Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Da die Jünger müde sind, ist es möglicherweise bereits Nacht. Während Jesus betet, wird er vor ihren Augen umgestaltet. Sein Gesicht beginnt zu leuchten wie die Sonne, und sein Gewand wird so glänzend wie das Licht.
Dann erscheinen zwei Gestalten, „Moses und Elia“, und sie beginnen mit Jesus über „seinen Weggang“, der sich in Jerusalem erfüllen sollte, zu reden. Bei diesem Weggang handelt es sich offensichtlich um Jesu Tod und seine anschließende Auferstehung. Somit bestätigt diese Unterhaltung, daß sein schmachvoller Tod nicht zu vermeiden ist, was Petrus gehofft hatte.
Die Jünger sind jetzt völlig wach und staunen über das, was sie sehen und hören. Es handelt sich zwar nur um eine Vision, aber sie ist so realistisch, daß sich Petrus in die Handlung einschaltet und sagt: „Herr, es ist schön, daß wir hier sind. Wenn du es wünschst, will ich hier drei Zelte errichten, eins für dich und eins für Moses und eins für Elia.“
Während Petrus noch spricht, überschattet sie eine lichte Wolke, und aus der Wolke ertönt eine Stimme: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; hört auf ihn!“ Sobald die Jünger die Stimme hören, fallen sie auf ihr Angesicht. Doch Jesus sagt: „Steht auf, und fürchtet euch nicht.“ Als sie sich erheben, sehen sie nur noch Jesus.
Beim Abstieg vom Berg am nächsten Tag gebietet Jesus ihnen: „Erzählt niemandem von der Vision, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist.“ Daß Elia in der Vision erschien, gibt den Jüngern Anlaß zu einer Frage: „Warum sagen denn die Schriftgelehrten, Elia müsse zuerst kommen?“
„Elia [ist] schon gekommen“, sagt Jesus, „und sie haben ihn nicht anerkannt.“ Jesus spricht von Johannes dem Täufer, der eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen hatte wie Elia. Johannes bereitete den Weg für Christus; Elia war der Wegbereiter Elisas.
Wie stärkend diese Vision für Jesus und seine Jünger doch war! Sie war sozusagen eine Vorschau auf Christi Herrlichkeit in seinem Königreich. Die Jünger sahen praktisch „den Menschensohn in seinem Königreich kommen“, wie es Jesus eine Woche zuvor versprochen hatte. Nach Jesu Tod schrieb Petrus, daß sie ‘Augenzeugen der herrlichen Größe Christi wurden, als sie mit ihm auf dem heiligen Berg waren’.
Die Pharisäer hatten von Jesus gefordert, durch ein Zeichen zu beweisen, daß er der von Gott erwählte König sei, der in den Schriften verheißen werde. Sie erhielten kein Zeichen. Aber den vertrautesten Jüngern Jesu wurde gestattet, Jesu Umgestaltung zu sehen, die eine Bestätigung der Königreichsverheißungen war. Petrus schrieb daher später: „Demzufolge haben wir das prophetische Wort um so fester.“ Matthäus 16:13, 28 bis 17:13; Markus 9:1-13; Lukas 9:27-37; 2. Petrus 1:16-19.
▪ Wie sehen einige Christus in seinem Königreich kommen, bevor sie den Tod schmecken?
▪ Worüber unterhalten sich Moses und Elia mit Jesus in der Vision?
▪ Warum ist die Vision eine Stärkung für die Jünger?
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Die Heilung eines besessenen JungenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 61
Die Heilung eines besessenen Jungen
WÄHREND sich Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes wahrscheinlich noch auf einem Ausläufer des Berges Hermon befinden, geraten die anderen Jünger in Schwierigkeiten. Jesus erkennt bei seiner Rückkehr sofort, daß etwas nicht stimmt. Seine Jünger, die von einer Volksmenge umgeben sind, sind von den Schriftgelehrten in eine Diskussion verwickelt worden. Als die Menschen Jesus sehen, sind sie bestürzt und kommen, um ihn zu begrüßen. „Was habt ihr da für Wortstreit mit ihnen?“ fragt Jesus.
Aus der Menge löst sich ein Mann, kniet vor Jesus nieder und erklärt: „Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, weil er einen stummen Geist hat; und wo immer er ihn ergreift, wirft er ihn zu Boden, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und verliert seine Kraft. Und ich habe deine Jünger geheißen, ihn auszutreiben, aber sie vermochten es nicht.“
Die Schriftgelehrten machen offenbar viel Aufhebens davon, daß die Jünger den Jungen nicht heilen können, und vielleicht spotten sie sogar über deren Bemühungen. Genau in diesem entscheidenden Augenblick kommt Jesus. Er sagt: „O du ungläubige Generation, wie lange muß ich noch bei euch sein? Wie lange muß ich euch ertragen?“
Jesus scheint mit seinen Äußerungen alle Anwesenden anzusprechen, aber zweifellos sind damit vor allem die Schriftgelehrten gemeint, die seinen Jüngern Schwierigkeiten bereitet haben. Dann sagt Jesus mit Bezug auf den Jungen: „Bringt ihn zu mir.“ Als sich der Junge Jesus nähert, läßt ihn der Dämon, der von ihm Besitz ergriffen hat, zu Boden fallen und wirft ihn in heftige Krämpfe. Der Junge wälzt sich auf dem Boden und hat Schaum vor dem Mund.
„Wie lange ist ihm dies schon widerfahren?“ fragt Jesus.
„Von Kindheit an“, antwortet der Vater. „Immer wieder warf er ihn sowohl ins Feuer als auch ins Wasser, um ihn zu vernichten.“ Anschließend bittet der Vater: „Wenn du etwas tun kannst, so hab Mitleid mit uns und hilf uns.“
Der Vater ist wahrscheinlich schon seit Jahren auf der Suche nach Hilfe. Und jetzt ist seine Verzweiflung groß, da Jesu Jünger versagt haben. Jesus greift die verzweifelte Äußerung des Mannes auf und ermuntert ihn: „Dieser Ausspruch ‚Wenn du kannst‘! Nun, alles ist dem möglich, der Glauben hat.“
„Ich glaube!“ schreit der Vater sofort und bittet: „Hilf mir, wo ich des Glaubens bedarf!“
Als Jesus bemerkt, daß eine Volksmenge bei ihnen zusammenläuft, schilt er den Dämon: „Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Fahre aus von ihm, und geh nicht mehr in ihn hinein!“ Beim Ausfahren veranlaßt der Dämon den Jungen wiederum, zu schreien, und wirft ihn in viele Krämpfe. Schließlich liegt der Junge bewegungslos auf dem Boden, so daß die meisten zu sagen beginnen: „Er ist tot!“ Aber Jesus nimmt ihn bei der Hand, und er steht auf.
Schon früher, als die Jünger zum Predigen ausgesandt worden waren, hatten sie Dämonen ausgetrieben. Als sie daher ein Haus betreten und unter sich sind, fragen sie Jesus: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“
Jesu Antwort zeigt, daß es auf ihren Mangel an Glauben zurückzuführen war. „Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Gebet.“ Offenbar war Vorbereitung erforderlich, um diesen besonders machtvollen Dämon auszutreiben. Es bedurfte eines starken Glaubens, und man mußte von Gott Kraft und Hilfe erbitten.
Und dann fügt Jesus hinzu: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt von der Größe eines Senfkorns, werdet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rück von hier nach dort!‘, und er wird wegrücken, und nichts wird euch unmöglich sein.“ Wie machtvoll der Glaube doch sein kann!
Hindernisse und Schwierigkeiten, die unseren Fortschritt im Dienst Jehovas behindern, mögen so unüberwindlich und so unbeweglich erscheinen wie ein buchstäblicher hoher Berg. Doch Jesus zeigte, daß wir solche berggleichen Hindernisse und Schwierigkeiten beiseite räumen können, wenn wir in unserem Herzen Glauben entwickeln, ihn stärken und ihn wachsen lassen. Markus 9:14-29; Matthäus 17:19, 20; Lukas 9:37-43.
▪ Welcher Situation sieht sich Jesus gegenüber, als er vom Berg Hermon zurückkommt?
▪ Wie ermuntert Jesus den Vater des Jungen?
▪ Warum konnten die Jünger den Dämon nicht austreiben?
▪ Wie machtvoll kann gemäß Jesu Worten der Glaube sein?
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Eine Lektion in DemutDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 62
Eine Lektion in Demut
NACHDEM Jesus in der Nähe von Cäsarea Philippi den von Dämonen besessenen Jungen geheilt hat, möchte er nach Kapernaum zurückkehren. Er will auf dem Weg dorthin jedoch mit seinen Jüngern allein sein, um sie auf seinen Tod vorzubereiten sowie auf die Verantwortung, die sie danach tragen müssen. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Der Menschensohn muß in die Hände der Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten, doch obwohl er getötet werden wird, wird er drei Tage später auferstehen.“
Obgleich Jesus schon früher davon gesprochen hat und drei der Apostel mit eigenen Augen die Umgestaltung gesehen haben, wobei ebenfalls von seinem „Weggang“ die Rede war, fehlt es seinen Nachfolgern in dieser Hinsicht immer noch an Verständnis. Zwar versucht keiner von ihnen mehr, in Abrede zu stellen, daß er getötet werden wird, wie es Petrus einmal getan hat, aber sie wagen sich auch nicht, ihn weiter darüber zu befragen.
Schließlich kommen sie nach Kapernaum, das Jesus während seines Dienstes als eine Art Stützpunkt dient. Es ist außerdem die Heimatstadt von Petrus und einigen anderen Aposteln. Petrus wird dort von Männern angesprochen, die die Tempelsteuer einsammeln. Da sie Jesus möglicherweise bezichtigen möchten, sich nicht an einen allgemeinen Brauch zu halten, fragen sie: „Zahlt euer Lehrer die Doppeldrachme [Tempel-]Steuer nicht?“
„Doch“, erwidert Petrus.
Jesus, der wahrscheinlich kurz darauf ins Haus kommt, weiß, was sich zugetragen hat. Noch bevor Petrus die Angelegenheit zur Sprache bringen kann, fragt Jesus ihn: „Was denkst du, Simon: Von wem erhalten die Könige der Erde Abgaben oder Kopfsteuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden?“
„Von den Fremden“, antwortet Petrus.
„In Wirklichkeit sind dann die Söhne steuerfrei“, stellt Jesus fest. Da Jesu Vater der König des Universums ist, der Eine, der im Tempel angebetet wird, besteht für Gottes Sohn eigentlich kein rechtliches Erfordernis, die Tempelsteuer zu entrichten. „Damit wir ihnen aber keinen Anlaß zum Straucheln geben“, sagt Jesus, „geh ans Meer, wirf einen Angelhaken aus, und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt, und wenn du sein Maul öffnest, wirst du eine Stater-Münze [vier Drachmen] finden. Nimm diese und gib sie ihnen für mich und dich.“
Als die Jünger nach ihrer Rückkehr zusammenkommen (vielleicht im Haus des Petrus), fragen sie: „Wer ist in Wirklichkeit der Größte im Königreich der Himmel?“ Jesus weiß, was sie zu dieser Frage veranlaßt, da ihm nicht entgangen ist, worüber sie sich unterhielten, als sie auf dem Weg von Cäsarea Philippi hinter ihm hergingen. Daher fragt er: „Was habt ihr auf dem Weg erörtert?“ Die Jünger schweigen verlegen, denn sie hatten diskutiert, wer von ihnen der Größte sei.
Scheint es nach nahezu drei Jahren der Lehrtätigkeit Jesu nicht unglaublich, daß die Jünger noch immer solche Diskussionen führen? Nun, es offenbart den starken Einfluß der menschlichen Unvollkommenheit und ihrer religiösen Vergangenheit. Die jüdische Religion, in der die Jünger erzogen wurden, legt vor allem Nachdruck auf Stellung oder Rang. Außerdem mag sich Petrus größer gefühlt haben, da Jesus verheißen hat, ihm bestimmte „Schlüssel“ des Königreiches anzuvertrauen. Auch bei Jakobus und Johannes, die das Vorrecht hatten, Zeugen der Umgestaltung Jesu zu sein, mögen sich ähnliche Vorstellungen geregt haben.
Ganz gleich, was der Grund war — Jesus bedient sich nun einer einprägsamen Veranschaulichung, um ihre Einstellung zu korrigieren. Er ruft ein Kind, stellt es mitten unter sie und sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie kleine Kinder werdet, so werdet ihr auf keinen Fall in das Königreich der Himmel eingehen. Wer immer sich daher selbst erniedrigen wird wie dieses kleine Kind, der ist der Größte im Königreich der Himmel; und wer immer ein solch kleines Kind aufgrund meines Namens aufnimmt, nimmt auch mich auf.“
Welch eine wunderbare Art und Weise, seine Jünger zurechtzuweisen! Jesus ist weder ungehalten über sie, noch bezeichnet er sie als hochmütig, habgierig oder ehrsüchtig. Nein, er versucht sie zurechtzubringen, indem er kleine Kinder als Beispiel hinstellt, die sich dadurch auszeichnen, daß sie bescheiden und nicht ehrgeizig sind und im allgemeinen untereinander keine Rangunterschiede kennen. So zeigt Jesus, daß seine Jünger diese Eigenschaften entwickeln müssen, die demütige Kinder kennzeichnen. Jesus kommt zu dem Schluß: „Wer sich unter euch allen als ein Geringerer benimmt, der ist groß.“ Matthäus 17:22-27; 18:1-5; Markus 9:30-37; Lukas 9:43-48.
▪ Welche Lehre wiederholt Jesus auf dem Rückweg nach Kapernaum, und wie wird sie aufgenommen?
▪ Warum ist Jesus nicht verpflichtet, die Tempelsteuer zu entrichten, doch warum tut er es trotzdem?
▪ Was hat möglicherweise Anlaß zu der Diskussion unter den Jüngern gegeben, und wie weist Jesus sie zurecht?
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Noch mehr Rat und ZurechtweisungDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 63
Noch mehr Rat und Zurechtweisung
WÄHREND sich Jesus und die Apostel noch in dem Haus in Kapernaum aufhalten, wird nicht nur über den Wortstreit der Apostel, wer der Größte sei, gesprochen. Es wird auch ein Zwischenfall zur Sprache gebracht, der sich vielleicht ebenfalls bei ihrer Rückkehr nach Kapernaum ereignet hat, als Jesus gerade nicht zur Stelle war. Der Apostel Johannes berichtet: „Wir sahen jemand unter Benutzung deines Namens Dämonen austreiben, und wir suchten ihn zu hindern, weil er uns nicht begleitete.“
Johannes betrachtet die Apostel offensichtlich als die einzige Gruppe mit der Berechtigung zu heilen. Seiner Meinung nach ist es dem Mann nicht gestattet, solche Wunder zu wirken, da er nicht zu ihrer Gruppe gehört.
Jesus gibt jedoch den Rat: „Sucht ihn nicht zu hindern, denn da ist niemand, der eine Machttat aufgrund meines Namens tun wird, der rasch imstande sein wird, mich zu beschimpfen; denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Denn wer immer euch aufgrund dessen, daß ihr Christus angehört, einen Becher Wasser zu trinken gibt, wahrlich, ich sage euch: Er wird seines Lohnes keinesfalls verlustig gehen.“
Der Mann muß Jesus nicht buchstäblich nachfolgen, um auf seiner Seite zu sein. Da die Christenversammlung noch nicht gegründet worden ist, bedeutet die Tatsache, daß er sich nicht ihrer Gruppe angeschlossen hat, nicht, daß er einer anderen Gemeinschaft angehört. Der Mann glaubt wirklich an Jesu Namen und konnte daher mit Erfolg Dämonen austreiben. Er hat etwas getan, was, wie Jesus sagte, wert ist, belohnt zu werden. Jesus zeigt, daß er dafür seines Lohnes nicht verlustig gehen wird.
Was aber, wenn die Worte und Taten der Apostel den Mann zum Straucheln bringen würden? Das wäre eine sehr ernste Angelegenheit. Jesus bemerkt dazu: „Wer immer aber einen von diesen Kleinen, die glauben, straucheln macht, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein, wie er von einem Esel gedreht wird, um den Hals gelegt und er tatsächlich ins Meer geworfen würde.“
Dann fordert Jesus seine Nachfolger auf, aus ihrem Leben alles zu entfernen, was ihnen zwar so teuer wie eine Hand, ein Fuß oder ein Auge wäre, sie aber zum Straucheln bringen könnte. Es wäre besser, auf solche geschätzten Dinge zu verzichten und in Gottes Königreich zu gelangen, als sie zu behalten und in die Gehenna (eine Müllgrube außerhalb Jerusalems, wo ständig ein Feuer brannte) geworfen zu werden, die die ewige Vernichtung symbolisiert.
Jesus warnt auch: „Seht zu, daß ihr keinen von diesen Kleinen verachtet, denn ich sage euch, daß ihre Engel im Himmel allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der im Himmel ist.“
Anschließend veranschaulicht er, wie kostbar diese „Kleinen“ sind, als er von einem Mann erzählt, der hundert Schafe besitzt, von denen sich eines verirrt. Der Mann wird die 99 verlassen, um das verlorene Schaf zu suchen, erklärt Jesus, und wenn er es findet, wird er sich mehr über das eine freuen als über die 99. „Ebenso ist es bei meinem Vater, der im Himmel ist, nicht erwünscht, daß eines von diesen Kleinen zugrunde geht“, lautet Jesu Schlußfolgerung.
Dann sagt Jesus, wobei er möglicherweise den Wortstreit der Apostel im Sinn hat: „Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander.“ Fade Speisen werden durch Salz wohlschmeckender. Sinnbildliches Salz erleichtert es somit, das, was jemand sagt, anzunehmen. Solches Salz zu haben wird dazu beitragen, den Frieden zu bewahren.
Aufgrund der menschlichen Unvollkommenheit kann es jedoch manchmal zu ernsten Streitigkeiten kommen. Jesus gibt auch Richtlinien, wie man in einem solchen Fall vorgehen sollte. „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht“, sagt er, „so gehe hin, lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Falls er jedoch nicht hört, rät Jesus zu folgendem: „Nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen festgestellt werde.“
Nach Jesu Worten gibt es noch eine letzte Möglichkeit, nämlich die Angelegenheit vor die „Versammlung“ zu bringen, das heißt vor die verantwortlichen Aufseher der Versammlung, die eine bindende Entscheidung treffen können. Hält sich der Sünder nicht daran, dann sollte er nach Jesu Worten „für dich ebenso [sein] wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer“.
Aufseher, die solche Urteile fällen, müssen sich dabei eng an die Anweisungen aus dem Wort Jehovas halten. Sollten sie feststellen, daß jemand schuldig ist und Bestrafung verdient, wird das Urteil ‘bereits im Himmel gebunden sein’. Und wenn sie etwas „auf der Erde lösen“, das heißt jemand für unschuldig erklären, wird es bereits „im Himmel gelöst“ sein. Wenn bei solchen Rechtsangelegenheiten „zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“, sagt Jesus. Matthäus 18:6-20; Markus 9:38-50; Lukas 9:49, 50.
▪ Warum war es in Jesu Tagen nicht erforderlich, ihn zu begleiten?
▪ Wie schwerwiegend ist es, einen „Kleinen“ zum Straucheln zu bringen, und wie veranschaulicht Jesus, daß die „Kleinen“ kostbar sind?
▪ Was veranlaßt Jesus wahrscheinlich dazu, die Apostel zu ermuntern, Salz in sich zu haben?
▪ Welche Bedeutung hat das ‘Binden’ und das ‘Lösen’?
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Eine Lektion im VergebenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 64
Eine Lektion im Vergeben
JESUS hält sich mit seinen Jüngern offensichtlich immer noch in dem Haus in Kapernaum auf. Nachdem er mit ihnen darüber gesprochen hat, wie Schwierigkeiten unter Brüdern zu handhaben sind, fragt Petrus ihn: „Herr, wievielmal mag mein Bruder gegen mich sündigen und soll ich ihm vergeben?“ Da die Religionslehrer der Juden empfehlen, bis zu dreimal Vergebung zu gewähren, hält es Petrus wahrscheinlich schon für großzügig zu fragen: „Bis zu siebenmal?“
Doch die Vorstellung, darüber sozusagen Aufzeichnungen zu führen, ist an sich schon verkehrt. Jesus korrigiert Petrus: „Ich sage dir: Nicht bis zu siebenmal, sondern: Bis zu siebenundsiebzigmal.“ Damit zeigt er, daß es keine Obergrenze gibt, wie oft Petrus seinem Bruder vergeben sollte.
Um den Jüngern ihre Verpflichtung zu vergeben deutlich vor Augen zu führen, erzählt Jesus nun ein Gleichnis. Es handelt von einem König, der mit seinen Sklaven abrechnen will. Ein Sklave wird vor ihn gebracht, der ihm 60 000 000 Denare schuldet. Er kann das Geld auf gar keinen Fall zurückzahlen. Daher, so erklärt Jesus, befiehlt der König, daß der Sklave, seine Frau und seine Kinder verkauft werden sollen und Zahlung erfolgen soll.
Daraufhin wirft sich der Sklave seinem Herrn zu Füßen und bittet inständig: „Hab Geduld mit mir, und ich will dir alles zurückzahlen.“
Von Mitleid mit ihm bewegt, erläßt der Herr dem Sklaven barmherzigerweise die enorme Schuld. Doch unmittelbar darauf, so fährt Jesus fort, trifft dieser Sklave einen Mitsklaven, der ihm nur 100 Denare schuldet. Der Mann packt seinen Mitsklaven, beginnt ihn zu würgen und sagt: „Zahl zurück, was du mir schuldest.“
Der andere Sklave hat das Geld jedoch nicht. Deshalb fällt er seinem Gläubiger zu Füßen und bittet: „Hab Geduld mit mir, und ich will es dir zurückzahlen.“ Der Sklave übt jedoch nicht wie sein Herr Barmherzigkeit, sondern läßt seinen Mitsklaven ins Gefängnis werfen.
Jesus erzählt weiter, daß andere Sklaven das sehen und es dem Herrn berichten. Dieser ist empört und läßt den Sklaven rufen. „Böser Sklave“, sagt er, „ich habe deine ganze Schuld getilgt, als du mich inständig batest. Hättest nicht auch du gegen deinen Mitsklaven barmherzig sein sollen, wie auch ich gegen dich barmherzig war?“ Voller Zorn überliefert der Herr den unbarmherzigen Sklaven den Gefängniswärtern, bis er alles, was er ihm schuldet, zurückgezahlt habe.
Jesus sagt abschließend: „In gleicher Weise wird mein himmlischer Vater auch mit euch verfahren, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder aus eurem Herzen heraus vergebt.“
Welch eine wunderbare Lektion im Vergeben! Verglichen mit der ungeheuren Sündenschuld, die Gott uns vergeben hat, ist jede Verfehlung eines christlichen Bruders gegen uns wirklich unbedeutend. Außerdem hat uns Jehova bereits Tausende von Malen vergeben. Oft sind wir uns unserer Sünden gegen ihn nicht einmal bewußt. Sollte es uns angesichts dessen nicht möglich sein, unserem Bruder mehrmals zu vergeben, selbst wenn wir berechtigten Grund zur Klage hätten? Denke daran, daß Gott ‘uns unsere Schulden vergeben wird, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben’, wie es Jesus in der Bergpredigt lehrte. Matthäus 18:21-35; 6:12; Kolosser 3:13.
▪ Was veranlaßt Petrus zu der Frage, wie oft er seinem Bruder vergeben sollte, und warum empfindet er es möglicherweise bereits als großzügig, jemandem siebenmal zu vergeben?
▪ Wie reagiert der König auf das Bitten seines Sklaven um Mitleid, doch wie reagiert dieser Sklave auf das Bitten eines Mitsklaven?
▪ Was lernen wir aus Jesu Gleichnis?
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Eine heimliche Reise nach JerusalemDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 65
Eine heimliche Reise nach Jerusalem
ES IST jetzt Herbst 32 u. Z., kurz vor dem Laubhüttenfest. Seit dem Passah des vorigen Jahres, als die Juden Jesus zu töten suchten, hat er seine Tätigkeit hauptsächlich auf Galiläa beschränkt. Wahrscheinlich war er seitdem nur anläßlich der drei jährlichen Feste der Juden in Jerusalem.
Jesus wird nun von seinen Brüdern aufgefordert: „Geh weg von hier, und begib dich nach Judäa.“ Jerusalem ist die Hauptstadt Judäas und das religiöse Zentrum des ganzen Landes. Seine Brüder argumentieren: „Niemand tut etwas im verborgenen, während er selbst öffentlich bekannt zu werden sucht.“
Jakobus, Simon, Joseph und Judas glauben zwar nicht, daß Jesus, ihr älterer Bruder, wirklich der Messias ist, aber sie würden es gern sehen, daß er seine Wunderkräfte allen zum Fest Versammelten demonstriert. Jesus ist sich jedoch der Gefahr bewußt. „Die Welt hat keinen Grund, euch zu hassen“, bemerkt er, „mich aber haßt sie, weil ich über sie Zeugnis ablege, daß ihre Werke böse sind.“ Daher sagt Jesus zu seinen Brüdern: „Ihr geht zum Fest hinauf; ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf.“
Die eigentliche Feier des Laubhüttenfestes dauert sieben Tage. Am achten Tag folgen zum Ausklang weitere feierliche Handlungen. Das Fest kennzeichnet den Abschluß des landwirtschaftlichen Jahres und ist eine Zeit großer Freude und der Danksagung. Einige Tage nachdem Jesu Brüder mit der Hauptgruppe der Reisenden aufgebrochen sind, macht sich auch Jesus mit seinen Jüngern heimlich auf. Sie sind darauf bedacht, möglichst nicht gesehen zu werden. Aus diesem Grund schlagen sie die Route über Samaria ein und gehen nicht auf der von den meisten benutzten Straße am Jordan.
Da Jesus und seine Begleiter Unterkunft in einem samaritischen Dorf benötigen, werden Boten vorausgesandt, die Vorbereitungen treffen sollen. Als die Leute aber erfahren, daß sie auf dem Weg nach Jerusalem sind, weigern sie sich, irgend etwas für Jesus zu tun. Aufgebracht fragen Jakobus und Johannes: „Herr, willst du, daß wir sagen, es solle Feuer vom Himmel herabkommen und sie vertilgen?“ Jesus erteilt ihnen wegen dieses Vorschlags jedoch eine Zurechtweisung, und sie begeben sich in ein anderes Dorf.
Unterwegs sagt ein Schriftgelehrter zu Jesus: „Lehrer, ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“
„Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Schlafsitze“, entgegnet Jesus, „der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt niederlegen kann.“ Jesus erklärt dem Schriftgelehrten, daß es für ihn Härten bedeuten würde, sein Jünger zu sein. Und es ist naheliegend, daß der Mann zu stolz ist, ein solches Leben zu führen.
Zu einem anderen Mann sagt Jesus: „Folge mir nach.“
„Erlaube mir, zuerst hinzugehen und meinen Vater zu begraben“, antwortet der Mann.
„Laß die Toten ihre Toten begraben“, erwidert Jesus, „du aber geh hin, und verkündige das Königreich Gottes weit und breit.“ Der Vater dieses Mannes ist offensichtlich noch gar nicht gestorben, da sein Sohn sonst wahrscheinlich nicht bei Jesus wäre, um ihm zuzuhören. Der Betreffende erbittet sich anscheinend Zeit, erst den Tod seines Vaters abzuwarten. Er ist nicht bereit, das Königreich Gottes in seinem Leben allem voranzustellen.
Während sie auf der Straße nach Jerusalem weiterziehen, sagt ein anderer Mann zu Jesus: „Ich will dir folgen, Herr; doch erlaube mir zuerst, meinen Hausgenossen Lebewohl zu sagen.“
Darauf entgegnet Jesus: „Niemand, der seine Hand an einen Pflug gelegt hat und nach den Dingen blickt, die dahinten sind, ist für das Königreich Gottes tauglich.“ Wer ein Jünger Jesu sein möchte, muß seinen Blick auf die Königreichsinteressen konzentrieren. Wie eine Furche höchstwahrscheinlich krumm wird, wenn der Pflügende nicht ständig nach vorn schaut, so kann jemand, der zum alten System der Dinge zurückblickt, vom Weg, der zum ewigen Leben führt, abkommen. Johannes 7:2-10; Lukas 9:51-62; Matthäus 8:19-22.
▪ Wer sind Jesu Brüder, und wie denken sie über ihn?
▪ Warum sind die Samariter so abweisend, und was wollen Jakobus und Johannes tun?
▪ Worum geht es in den drei Gesprächen, die Jesus unterwegs führt, und wie betont er die Notwendigkeit eines aufopferungsvollen Dienstes?
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Auf dem LaubhüttenfestDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 66
Auf dem Laubhüttenfest
JESUS ist in den fast drei Jahren des Dienstes seit seiner Taufe weithin bekannt geworden. Viele Tausende haben seine Wunder gesehen, und Berichte über seine Tätigkeit sind in jeden Teil des Landes gelangt. Als sich die Juden jetzt anläßlich des Laubhüttenfestes in Jerusalem versammeln, halten sie dort nach ihm Ausschau. „Wo ist dieser Mensch?“ wollen sie wissen.
Man ist sich über Jesus uneins. „Er ist ein guter Mensch“, sagen die einen. „Das ist er nicht, sondern er führt die Volksmenge irre“, behaupten die anderen. Während der ersten Tage des Festes gibt es viel Gemurmel dieser Art. Doch niemand hat den Mut, sich öffentlich für Jesus auszusprechen, weil das Volk Schwierigkeiten von seiten der jüdischen Führer befürchtet.
Als das Fest bereits zur Hälfte vorbei ist, trifft Jesus ein und begibt sich in den Tempel. Die Leute sind erstaunt über seine außergewöhnliche Lehrfähigkeit. Da Jesus keine der rabbinischen Schulen besucht hat, beginnen sie zu überlegen: „Wieso ist dieser Mann gelehrt, da er nicht auf den Schulen studiert hat?“
„Was ich lehre, ist nicht mein, sondern gehört dem, der mich gesandt hat“, erklärt Jesus. „Wenn jemand SEINEN Willen zu tun begehrt, wird er erkennen, ob die Lehre von Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede.“ Jesu Lehren halten sich eng an Gottes Gesetz. Es sollte daher deutlich zu erkennen sein, daß er Gottes Ehre sucht und nicht seine eigene. „Hat nicht Moses euch das GESETZ gegeben?“ fragt Jesus. Er macht den Vorwurf: „Doch niemand von euch gehorcht dem GESETZ.“
Jesus stellt dann die Frage: „Warum sucht ihr mich zu töten?“
Die versammelten Menschen, wahrscheinlich Festbesucher, wissen nichts von solchen Absichten. Sie halten es für unvorstellbar, daß jemand einen so wunderbaren Lehrer zu Tode bringen möchte. Daher meinen sie, mit Jesus müsse etwas nicht stimmen, weil er so denkt. „Du hast einen Dämon“, sagen sie. „Wer sucht dich zu töten?“
Die Führer der Juden wollen Jesus umbringen, auch wenn die Volksmenge nichts davon ahnt. Als Jesus eineinhalb Jahre zuvor am Sabbat einen Mann geheilt hatte, versuchten die Führer nämlich, ihn zu töten. Jesus weist auf ihre Unvernunft hin, indem er folgendes anführt: „Wenn ein Mensch an einem Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz Mose nicht gebrochen werde, grollt ihr mir da, weil ich einen Menschen an einem Sabbat vollständig gesund gemacht habe? Richtet nicht mehr nach der äußeren Erscheinung, sondern fällt ein gerechtes Urteil.“
Einwohner Jerusalems, die die Umstände kennen, melden sich nun zu Wort: „Ist das nicht der Mann, den sie zu töten suchen? Und doch, seht, er redet in der Öffentlichkeit, und man sagt nichts zu ihm. Die Vorsteher haben doch nicht etwa ... erkannt, daß dieser der Christus ist?“ Diese Bewohner Jerusalems erklären, warum sie nicht glauben, daß Jesus der Christus ist: „Wir ... wissen, woher dieser Mensch ist; wenn aber der Christus kommt, wird niemand wissen, woher er ist.“
Jesus antwortet: „Ihr kennt mich und wißt auch, woher ich bin. Auch bin ich nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern der mich gesandt hat, besteht wirklich, und ihr kennt ihn nicht. Ich kenne ihn, weil ich ein Vertreter von ihm bin, und jener hat mich ausgesandt.“ Daraufhin versuchen sie, sich seiner zu bemächtigen, möglicherweise um ihn ins Gefängnis zu werfen oder zu töten. Es gelingt ihnen jedoch nicht, da für Jesus noch nicht die Zeit gekommen ist zu sterben.
Dennoch glauben viele an Jesus, und das aus gutem Grund. Er ist auf dem Wasser gewandelt, hat die Winde und das aufgewühlte Meer beruhigt, durch ein Wunder Tausende mit wenigen Broten und einigen Fischen gespeist, Kranke geheilt, Lahme gesund gemacht, die Augen der Blinden geöffnet, Aussätzige geheilt und sogar Tote auferweckt. Daher fragen sie: „Wenn der Christus gekommen ist, wird er doch nicht etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat?“
Sobald die Pharisäer hören, daß das Volk hinter vorgehaltener Hand von diesen Dingen spricht, senden sie und die Oberpriester Beamte hin, um Jesus festzunehmen. Johannes 7:11-32.
▪ Wann trifft Jesus auf dem Fest ein, und was sagen die Leute über ihn?
▪ Worauf ist es möglicherweise zurückzuführen, daß einige sagen, Jesus habe einen Dämon?
▪ Was halten Einwohner Jerusalems von Jesus?
▪ Warum glauben viele an Jesus?
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Es gelingt nicht, ihn festzunehmenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 67
Es gelingt nicht, ihn festzunehmen
NOCH während des Laubhüttenfestes senden die religiösen Führer Beamte aus, die Jesus festnehmen sollen. Dennoch versucht Jesus nicht, sich zu verstecken, sondern lehrt weiterhin öffentlich. Er sagt: „Ich bleibe noch eine kleine Weile bei euch, ehe ich zu dem gehe, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, doch werdet ihr mich nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“
Die Juden können das nicht verstehen und sagen daher unter sich: „Wohin beabsichtigt dieser zu gehen, so daß wir ihn nicht finden werden? Er beabsichtigt doch nicht etwa, zu den unter den Griechen versprengten Juden zu gehen und die Griechen zu lehren? Was bedeutet das Wort, das er sprach: ‚Ihr werdet mich suchen, doch werdet ihr mich nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.‘?“ Jesus hat natürlich von seinem näher rückenden Tod gesprochen sowie von seiner Auferstehung zu Leben im Himmel, wo ihn seine Feinde nicht erreichen können.
Nun ist der siebte und somit letzte Tag des Festes gekommen. Während des Festes hat ein Priester jeden Morgen Wasser, das er aus dem Teich von Siloam geschöpft hat, ausgegossen, so daß es zum Grund des Altars floß. Jesus erinnert das Volk wahrscheinlich an diese tägliche Zeremonie, als er ausruft: „Wenn jemand durstig ist, komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, so wie die Schrift gesagt hat: ‚Aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.‘ “
Jesus spricht hier über die großartigen Auswirkungen der Ausgießung des heiligen Geistes, der zu Pfingsten des folgenden Jahres ausgegossen wird. Die Ströme lebendigen Wassers beginnen zu fließen, als die 120 Jünger anfangen, den Menschen zu predigen. Aber bis dahin gibt es in dem Sinne keinen Geist, daß noch keiner der Jünger Christi mit heiligem Geist gesalbt und zu himmlischem Leben berufen worden ist.
Aufgrund der Lehren Jesu beginnen einige zu sagen: „Dieser ist bestimmt DER PROPHET“ und meinen damit offensichtlich den Propheten, größer als Moses, dessen Kommen verheißen worden war. Andere sagen: „Dieser ist der Christus.“ Es wird jedoch der Einwand erhoben: „Der Christus kommt doch eigentlich nicht aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt, daß der Christus aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, komme, wo David zu sein pflegte?“
So entsteht eine Spaltung unter der Volksmenge. Einige wollen Jesus festnehmen, aber niemand wagt es, Hand an ihn zu legen. Als die Beamten ohne Jesus zurückkehren, fragen die Oberpriester und Pharisäer: „Wie kommt es, daß ihr ihn nicht hergebracht habt?“
„Nie hat ein anderer Mensch auf diese Weise geredet“, antworten die Beamten.
Voller Ärger lassen sich die religiösen Führer zu Spott, Falschdarstellungen und Beschimpfungen hinreißen. Sie höhnen: „Ihr seid doch nicht etwa auch irregeführt worden? Es glaubt doch niemand von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? Diese Volksmenge aber, die das GESETZ nicht kennt, verfluchte Leute sind sie.“
Daraufhin wagt es Nikodemus, ein Pharisäer und Vorsteher der Juden (d. h. ein Mitglied des Sanhedrins), für Jesus zu sprechen. Wir erinnern uns vielleicht, daß Nikodemus zweieinhalb Jahre zuvor in der Nacht zu Jesus kam, um ihm zu sagen, daß er Glauben an ihn ausübe. Jetzt sagt Nikodemus: „Unser Gesetz richtet doch einen Menschen nicht, es habe ihn denn zuvor gehört und habe erkannt, was er tut?“
Daß einer von ihnen Jesus verteidigt, schürt den Ärger der Pharisäer noch mehr. „Du bist doch nicht etwa auch aus Galiläa?“ fragen sie sarkastisch. „Forsche nach und sieh, daß kein Prophet aus Galiläa erweckt wird.“
Die Schrift spricht zwar nicht direkt vom Kommen eines Propheten aus Galiläa, aber sie deutet doch an, daß der Christus von dort kommen werde, da es heißt, daß in diesem Gebiet „ein großes Licht“ zu sehen sei. Außerdem wurde Jesus als ein Nachkomme Davids in Bethlehem geboren. Obwohl die Pharisäer das wahrscheinlich wissen, sind sie offenbar dafür verantwortlich, daß unter dem Volk falsche Ansichten über Jesus verbreitet werden. Johannes 7:32-52; Jesaja 9:1, 2; Matthäus 4:13-17.
▪ Was geschieht während des Festes jeden Morgen, und wie lenkt Jesus höchstwahrscheinlich die Aufmerksamkeit darauf?
▪ Warum können die Beamten Jesus nicht festnehmen, und wie reagieren die religiösen Führer darauf?
▪ Wer ist Nikodemus, wie ist er zu Jesus eingestellt, und was muß er sich von den anderen Pharisäern gefallen lassen?
▪ Welchen Beweis gibt es, daß der Christus aus Galiläa kommen werde?
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Weitere Belehrung am siebten TagDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 68
Weitere Belehrung am siebten Tag
ES IST immer noch der siebte und letzte Tag des Laubhüttenfestes. Jesus lehrt in einem Teil des Tempels, der die „Schatzhalle“ genannt wird. Sie befindet sich offenbar im sogenannten Vorhof der Frauen, wo die Kästen stehen, in die die Leute ihre Spenden einwerfen.
Während des Festes wird dieser Bereich des Tempels nachts auf besondere Weise beleuchtet. Vier riesige Leuchter mit je vier großen Schalen voll Öl sind dort aufgestellt worden. Das Licht dieser Leuchter, in deren 16 Schalen das Öl brennt, reicht aus, um in der Nacht auch die entferntere Umgebung zu beleuchten. Das, was Jesus jetzt sagt, mag seine Zuhörer an diese Beleuchtung erinnern. „Ich bin das Licht der Welt“, verkündet er. „Wer mir nachfolgt, wird keineswegs in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens besitzen.“
Die Pharisäer wenden ein: „Du legst Zeugnis über dich selbst ab; dein Zeugnis ist nicht wahr.“
Jesus gibt ihnen darauf zur Antwort: „Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wißt nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe.“ Er fügt hinzu: „Ich bin es, der Zeugnis über mich selbst ablegt, und der Vater, der mich gesandt hat, legt Zeugnis über mich ab.“
„Wo ist dein Vater?“ wollen die Pharisäer wissen.
„Ihr kennt weder mich noch meinen Vater“, antwortet Jesus. „Würdet ihr mich kennen, so würdet ihr auch meinen Vater kennen.“ Obwohl die Pharisäer Jesus immer noch festnehmen möchten, legt doch niemand Hand an ihn.
„Ich gehe weg“, sagt Jesus noch einmal. „Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.“
Daraufhin beginnen sich die Juden zu fragen: „Er wird sich doch nicht etwa selbst töten? Denn er sagt: ‚Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.‘ “
„Ihr seid von den unteren Bereichen“, erklärt Jesus. „Ich bin von den oberen Bereichen. Ihr seid von dieser Welt; ich bin nicht von dieser Welt.“ Dann fügt er hinzu: „Wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.“
Jesus bezieht sich hier natürlich auf seine vormenschliche Existenz und darauf, daß er der verheißene Messias oder Christus ist. Dennoch fragt man ihn, zweifellos mit großer Verachtung: „Wer bist du?“
Auf diese Zurückweisung entgegnet Jesus: „Warum rede ich überhaupt zu euch?“ Doch er fährt fort: „Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und gerade die Dinge, die ich von ihm gehört habe, rede ich in der Welt.“ Jesus sagt des weiteren: „Wenn ihr einst den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und daß ich nichts aus eigenem Antrieb tue; sondern so, wie der Vater mich gelehrt hat, rede ich diese Dinge. Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht mir selbst überlassen, weil ich allezeit das tue, was ihm wohlgefällig ist.“
Als Jesus diese Dinge redet, glauben viele an ihn. Zu diesen sagt er: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
„Wir sind Nachkommen Abrahams und sind niemals jemandes Sklaven gewesen“, wenden seine Widersacher ein. „Wieso sagst du: ‚Ihr werdet frei werden.‘?“
Obwohl die Juden oft genug unter fremder Herrschaft gestanden haben, erkennen sie keinen Bedrücker als Herrn an. Sie weisen es zurück, Sklaven genannt zu werden. Doch Jesus macht sie darauf aufmerksam, daß sie tatsächlich Sklaven sind. In welcher Hinsicht? „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist ein Sklave der Sünde.“
Daß die Juden diese Sklaverei ableugnen, bringt sie in eine gefährliche Lage. „Überdies bleibt der Sklave nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer“, erklärt Jesus. Da ein Sklave keinen Erbanspruch hat, muß er jederzeit mit Entlassung rechnen. Nur der tatsächlich in die Hausgemeinschaft hineingeborene oder adoptierte Sohn bleibt „für immer“, das heißt, solange er lebt.
„Darum, wenn euch der Sohn frei macht, werdet ihr tatsächlich frei sein“, fährt Jesus fort. Die Wahrheit, die die Menschen frei macht, ist somit die Wahrheit über den Sohn, Jesus Christus. Nur durch das Opfer seines vollkommenen menschlichen Lebens kann jemand von der todbringenden Sünde befreit werden. Johannes 8:12-36.
▪ Wo lehrt Jesus am siebten Tag? Was geschieht dort in der Nacht, und wie bezieht sich Jesus darauf?
▪ Was sagt Jesus über seine Herkunft, und was soll das in bezug auf seine Identität offenbaren?
▪ In welcher Hinsicht sind die Juden Sklaven, doch welche Wahrheit würde sie frei machen?
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Wer ist der Vater?Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 69
Wer ist der Vater?
DIE Diskussion, die Jesus im Jahre 32 u. Z. während des Laubhüttenfestes mit den jüdischen Vorstehern führt, wird immer hitziger. „Ich weiß, daß ihr Nachkommen Abrahams seid“, bestätigt Jesus, „ihr aber sucht mich zu töten, weil mein Wort keine Fortschritte unter euch macht. Was ich bei meinem Vater gesehen habe, das rede ich; und daher tut ihr die Dinge, die ihr von eurem Vater gehört habt.“
Jesus nennt zwar ihren Vater nicht, läßt aber keinen Zweifel daran, daß er einen anderen Vater hat als sie. Ohne zu wissen, wen Jesus im Sinn hat, entgegnen die jüdischen Vorsteher: „Unser Vater ist Abraham.“ Ihrer Ansicht nach haben sie denselben Glauben wie Abraham, der Freund Gottes.
Doch Jesus schockiert sie mit folgender Antwort: „Wenn ihr Abrahams Kinder seid, so tut die Werke Abrahams.“ Ein wahrer Sohn würde seinen Vater nachahmen. „Nun aber sucht ihr mich zu töten“, sagt Jesus, „einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan.“ Daher wiederholt Jesus: „Ihr tut die Werke eures Vaters.“
Sie verstehen immer noch nicht, wovon Jesus spricht, und bekräftigen ihre Behauptung, legitime Söhne Abrahams zu sein: „Wir sind nicht durch Hurerei geboren worden.“ Da sie wahre Anbeter Gottes wie Abraham zu sein behaupten, erklären sie: „Wir haben e i n e n Vater, Gott.“
Ist Gott aber wirklich ihr Vater? „Wenn Gott euer Vater wäre“, erwidert Jesus, „würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und bin hier. Auch bin ich ja nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern jener hat mich ausgesandt. Wie kommt es, daß ihr nicht versteht, was ich rede?“
Jesus wollte den religiösen Führern vor Augen führen, welche Folgen es hätte, ihn zu verwerfen. Doch jetzt sagt er unverblümt: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun.“ Welche Art von Vater ist der Teufel? Jesus bezeichnet ihn als einen Totschläger und fügt hinzu: „Er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ Die Folgerung Jesu lautet daher: „Wer aus Gott ist, hört auf die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht zu, weil ihr nicht aus Gott seid.“
Erzürnt über Jesu Tadel, antworten die Juden: „Sagen wir nicht mit Recht: Du bist ein Samariter und hast einen Dämon?“ Der Begriff „Samariter“ wird als Ausdruck der Verachtung und der Schande gebraucht, da die Juden das Volk der Samariter hassen.
Jesus ignoriert die verächtliche Verleumdung, ein Samariter zu sein, und erwidert: „Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr entehrt mich.“ Dann äußert er die aufsehenerregende Verheißung: „Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod überhaupt nie sehen.“ Damit meint Jesus natürlich nicht, daß seine Nachfolger buchstäblich den Tod nicht sehen werden. Er will damit vielmehr sagen, daß sie die ewige Vernichtung oder den „zweiten Tod“, aus dem es keine Auferstehung gibt, niemals sehen werden.
Die Juden fassen Jesu Worte jedoch buchstäblich auf. Daher sagen sie: „Jetzt erkennen wir, daß du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben, ebenfalls die Propheten; du aber sagst: ‚Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod überhaupt nie schmecken.‘ Du bist doch nicht etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten sind gestorben. Wer zu sein, beanspruchst du?“
Jesus will diese Männer ganz offensichtlich auf die Tatsache hinweisen, daß er der verheißene Messias ist. Doch statt auf die Frage nach seiner Identität direkt zu antworten, sagt er: „Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, er, von dem ihr sagt, er sei euer Gott; und doch habt ihr ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagte: Ich kenne ihn nicht, wäre ich wie ihr ein Lügner.“
Jesus bezieht sich ein weiteres Mal auf den treuen Abraham und sagt: „Abraham, euer Vater, freute sich sehr über die Aussicht, meinen Tag zu sehen, und er sah ihn und freute sich.“ Ja, mit dem Auge des Glaubens blickte Abraham dem Kommen des verheißenen Messias entgegen. In ihrem Unglauben entgegnen die Juden: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und dennoch hast du Abraham gesehen?“
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen“, antwortet Jesus. Er spricht hier natürlich von seiner vormenschlichen Existenz als mächtiges Geistgeschöpf im Himmel.
Aus Zorn über Jesu Behauptung, vor Abraham gelebt zu haben, heben die Juden Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Er verbirgt sich jedoch und kann den Tempel unbeschadet verlassen. Johannes 8:37-59; Offenbarung 3:14; 21:8.
▪ Wie zeigt Jesus, daß er einen anderen Vater hat als seine Feinde?
▪ Was bedeutet es, daß die Juden Jesus einen Samariter nennen?
▪ Was meint Jesus damit, daß seine Nachfolger den Tod nicht sehen werden?
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Die Heilung eines BlindgeborenenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 70
Die Heilung eines Blindgeborenen
ALS die Juden versuchen, Jesus zu steinigen, verläßt er keineswegs Jerusalem. Später, am Sabbat, geht er mit seinen Jüngern durch die Stadt, und dort sehen sie einen Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger fragen Jesus: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, so daß er blind geboren wurde?“
Vielleicht glauben die Jünger wie einige Rabbiner, daß jemand schon im Mutterleib sündigen könne. Jesus antwortet jedoch: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern es ist geschehen, damit die Werke Gottes in seinem Fall offenbar gemacht würden.“ Die Blindheit des Mannes ist nicht auf eine bestimmte Sünde des Mannes oder seiner Eltern zurückzuführen. Aufgrund der Sünde Adams, des ersten Menschen, sind alle seine Nachkommen unvollkommen und somit Gebrechen wie zum Beispiel angeborener Blindheit unterworfen. Das Gebrechen dieses Mannes gibt Jesus nun die Gelegenheit, die Werke Gottes zu zeigen.
Jesus betont, wie dringlich es ist, diese Werke zu tun. „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist“, sagt er. „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Bald wird der Tod Jesus in die Dunkelheit des Grabes stoßen, wo er nichts mehr tun kann. Bis dahin ist er eine Quelle der Erleuchtung für die Welt.
Nachdem Jesus diese Dinge gesagt hat, spuckt er auf den Boden und macht mit dem Speichel einen Lehmbrei. Diesen legt er dem Blinden auf die Augen und sagt: „Geh, wasche dich im Teich von Siloam.“ Der Mann gehorcht. Und als er es tut, kann er sehen! Wie er sich bei seiner Rückkehr freut, daß er zum erstenmal in seinem Leben sehen kann!
Nachbarn und andere, die ihn kennen, sind erstaunt. „Ist dieser nicht der Mann, der dazusitzen und zu betteln pflegte?“ fragen sie. „Er ist es“, antworten einige. Andere können es allerdings nicht glauben: „Keinesfalls, aber er gleicht ihm.“ Der Mann sagt jedoch: „Ich bin es.“
„Wie kommt es denn, daß deine Augen geöffnet wurden?“ möchten die Leute wissen.
„Der Mensch, Jesus genannt, machte einen Lehmbrei und strich ihn mir auf die Augen und sagte zu mir: ‚Geh nach Siloam, und wasche dich.‘ Ich ging daher und wusch mich und wurde sehend.“
„Wo ist dieser Mann?“ fragen sie.
„Ich weiß es nicht“, antwortet er.
Die Leute führen den ehemals Blinden zu ihren religiösen Führern, den Pharisäern. Auch diese beginnen ihn zu fragen, wie er sehend wurde. „Er legte mir Lehm auf die Augen, und ich wusch mich und kann nun sehen“, erklärt der Mann.
Die Pharisäer sollten sich eigentlich mit dem geheilten Bettler freuen. Doch statt dessen verleumden sie Jesus. „Dieser Mensch ist nicht von Gott“, behaupten sie. Wie können sie das sagen? „Denn er hält den Sabbat nicht.“ Andere Pharisäer fragen sich: „Wie kann ein Mensch, der ein Sünder ist, derartige Zeichen tun?“ Demzufolge entsteht eine Spaltung unter ihnen.
Darauf fragen sie den Mann: „Was sagst du über ihn, da er dir die Augen geöffnet hat?“
„Er ist ein Prophet“, antwortet dieser.
Die Pharisäer wollen das nicht glauben. Sie sind überzeugt, daß zwischen Jesus und diesem Mann eine geheime Übereinkunft besteht, die Leute zum Narren zu halten. Um die Angelegenheit zu klären, rufen sie daher die Eltern des Bettlers, die sie befragen wollen. Johannes 8:59; 9:1-18.
▪ Was ist für die Blindheit des Mannes verantwortlich und was nicht?
▪ Was ist die Nacht, in der niemand wirken kann?
▪ Wie reagieren diejenigen, die den Mann kennen, auf seine Heilung?
▪ Welche unterschiedlichen Ansichten vertreten die Pharisäer in bezug auf die Heilung des Mannes?
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Der willentliche Unglaube der PharisäerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 71
Der willentliche Unglaube der Pharisäer
DIE Eltern des ehemals blinden Bettlers sind voller Furcht, als sie zu den Pharisäern gerufen werden. Ihnen ist bekannt, daß beschlossen wurde, jeden, der an Jesus glaubt, aus der Synagoge auszuschließen. Ein solches Abgeschnittensein von der Gemeinschaft mit den anderen kann eine große Härte bedeuten, besonders für eine arme Familie. Deshalb sind die Eltern vorsichtig.
„Ist dies euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren worden?“ fragen die Pharisäer. „Wie kommt es denn, daß er jetzt sieht?“
„Wir wissen, daß dies unser Sohn ist und daß er blind geboren wurde“, bestätigen die Eltern. „Wie es aber kommt, daß er jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer ihm die Augen geöffnet hat, wissen wir nicht.“ Ihr Sohn hat ihnen bestimmt alles erzählt, was sich zugetragen hat, aber sie sind vorsichtig und sagen: „Fragt ihn. Er ist volljährig. Er soll für sich selbst reden.“
Daher lassen die Pharisäer den Mann erneut rufen. Diesmal versuchen sie, ihn einzuschüchtern, indem sie andeuten, belastende Beweise gegen Jesus gesammelt zu haben. „Gib Gott die Ehre“, fordern sie ihn auf. „Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.“
Der einstmals blinde Mann stellt ihre Anklage nicht in Abrede, denn er sagt: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.“ Er fügt jedoch hinzu: „Eines weiß ich, nämlich daß ich, obwohl ich blind war, jetzt sehe.“
Die Pharisäer möchten einen schwachen Punkt in seiner Aussage finden und fragen nochmals: „Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen geöffnet?“
„Ich habe es euch schon gesagt“, beschwert sich der Mann, „und doch hörtet ihr nicht zu. Warum wollt ihr es wiederum hören?“ Er stellt die sarkastische Frage: „Ihr wollt doch nicht etwa auch seine Jünger werden?“
Seine Erwiderung erzürnt die Pharisäer. „Du bist ein Jünger dieses Menschen“, klagen sie ihn an, „wir aber sind Moses’ Jünger. Wir wissen, daß Gott zu Moses geredet hat; aber von diesem wissen wir nicht, woher er ist.“
Erstaunt entgegnet der demütige Bettler: „Dies ist bestimmt verwunderlich, daß ihr nicht wißt, woher er ist, und doch hat er meine Augen geöffnet.“ Worauf läßt das schließen? Der Bettler verweist auf folgenden unbestreitbaren Grundsatz: „Wir wissen, daß Gott nicht auf Sünder hört, doch wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, hört er auf diesen. Seit alters hat man nie davon gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen geöffnet hat.“ Seine naheliegende Schlußfolgerung lautet daher: „Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, so könnte er gar nichts tun.“
Die Pharisäer können dieser eindeutigen Logik nichts entgegensetzen. Da diese Wahrheit für sie jedoch unerträglich ist, beschimpfen sie den Mann: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren worden, und dennoch lehrst du uns?“ Daraufhin werfen sie den Mann hinaus, das heißt, sie schließen ihn offenbar aus der Synagoge aus.
Als Jesus erfährt, was sie getan haben, sucht er den Mann und sagt zu ihm: „Glaubst du an den Menschensohn?“
In Erwiderung fragt der ehemals blinde Bettler: „Wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?“
„Der mit dir redet, der ist es“, erwidert Jesus.
Sofort beugt sich der Mann vor Jesus nieder und sagt: „Ich glaube an ihn, Herr.“
Jesus erklärt dann: „Zu diesem Gericht bin ich in diese Welt gekommen: damit die, die nicht sehen, sehen könnten und die, die sehen, blind würden.“
Die Pharisäer, die das gehört haben, fragen daraufhin: „Wir sind doch nicht etwa auch blind?“ Wenn sie anerkennen würden, daß sie geistig blind sind, wäre dies eine Entschuldigung für den Widerstand, den sie Jesus leisten. Dieser sagt zu ihnen: „Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde.“ Doch in ihrer Hartherzigkeit beteuern sie, daß sie nicht blind sind und keine geistige Erleuchtung benötigen. Daher stellt Jesus fest: „Doch nun sagt ihr: ‚Wir sehen.‘ Eure Sünde bleibt.“ Johannes 9:19-41.
▪ Warum sind die Eltern des ehemals blinden Bettlers voller Furcht, als sie zu den Pharisäern gerufen werden, und wie antworten sie daher vorsichtigerweise?
▪ Wie versuchen die Pharisäer, den einstmals Blinden einzuschüchtern?
▪ Welche logische Argumentation des Mannes erzürnt die Pharisäer?
▪ Warum gibt es für den Widerstand, den die Pharisäer Jesus leisten, keine Entschuldigung?
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Jesus sendet die Siebzig ausDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 72
Jesus sendet die Siebzig aus
ES IST nun Herbst 32 u. Z., und seit Jesu Taufe sind drei volle Jahre vergangen. Vor kurzem wohnte er zusammen mit seinen Jüngern dem Laubhüttenfest in Jerusalem bei, und offensichtlich halten sie sich immer noch in der Nähe der Stadt auf. Jesus verbringt den größten Teil der verbleibenden sechs Monate seines Dienstes in Judäa oder in Peräa, das auf der anderen Seite des Jordan liegt. Auch dieses Gebiet muß bearbeitet werden.
Nach dem Passah des Jahres 30 u. Z. predigte Jesus schon einmal etwa acht Monate in Judäa. Nachdem die Juden anläßlich des Passahs im Jahre 31 u. Z. versucht hatten, ihn zu töten, lehrte er allerdings in den nächsten eineinhalb Jahren fast ausschließlich in Galiläa. In jener Zeit schuf er eine große, gut geschulte Organisation von Predigern, über die er vorher nicht verfügt hatte. Jetzt startet er einen letzten ausgedehnten Predigtfeldzug in Judäa.
Jesus beginnt diesen Feldzug damit, daß er 70 Jünger auswählt und sie zu zweit aussendet. Insgesamt 35 Paare von Königreichsverkündigern bearbeiten also das Gebiet. Sie besuchen die Städte und Dörfer, in die Jesus, der offensichtlich von seinen Aposteln begleitet wird, anschließend zu gehen beabsichtigt.
Er sagt nicht, daß sie sich in die Synagogen begeben sollen, sondern fordert sie statt dessen auf, in die Privathäuser zu gehen, wobei er folgende Anweisung gibt: „Wo immer ihr in ein Haus eintretet, da sagt zuerst: ‚Friede sei mit diesem Hause!‘ Und wenn dort ein Freund des Friedens ist, so wird euer Frieden auf ihm ruhen.“ Wie lautet ihre Botschaft? Jesus erklärt: „Sagt ferner zu ihnen: ‚Das Königreich Gottes hat sich euch genaht.‘ “ Über die Tätigkeit der 70 wird in Matthew Henry’s Commentary gesagt: „Wie ihr Meister predigten sie überall, wohin sie kamen, von Haus zu Haus.“
Jesus gibt den 70 ähnliche Anweisungen wie seinerzeit den Zwölfen, als er sie etwa ein Jahr zuvor zu einem Predigtfeldzug in Galiläa aussandte. Er warnt die 70 vor dem Widerstand, mit dem sie rechnen müssen, und schult sie, wie sie den Wohnungsinhabern die Botschaft darbieten sollen, aber er gibt ihnen auch die Macht, Kranke zu heilen. Wenn Jesus kurz nach ihnen eintrifft, werden viele den Meister sehen wollen, dessen Jünger so wunderbare Dinge tun können.
Das Predigen der 70 und Jesu Nacharbeit dauern nur relativ kurze Zeit. Bald kehren die 35 Paare von Königreichsverkündigern zu Jesus zurück. „Herr“, sagen sie voller Freude, „selbst die Dämonen werden uns durch die Benutzung deines Namens unterworfen.“ Der vorzügliche Bericht über ihren Dienst begeistert Jesus ganz bestimmt, denn er sagt daraufhin: „Ich sah den Satan wie einen Blitz bereits aus dem Himmel gefallen. Seht! Ich habe euch die Gewalt gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten.“
Jesus weiß, daß Satan und seine Dämonen nach der Geburt des Königreiches Gottes in der Zeit des Endes aus dem Himmel hinausgeworfen werden. Daß Menschen jetzt unsichtbare Dämonen austreiben können, ist eine zusätzliche Bestätigung dieses zukünftigen Ereignisses. Daher spricht Jesus von dem künftigen Fall Satans aus dem Himmel mit absoluter Gewißheit. Es ist sinnbildlich zu verstehen, daß den 70 Gewalt gegeben wurde, auf Schlangen und Skorpione zu treten. Jesus fordert sie auf: „Freut euch nicht darüber, daß euch die Geister unterworfen werden, sondern freut euch, weil eure Namen in den Himmeln eingeschrieben sind.“
Jesus ist überglücklich und preist seinen Vater öffentlich, daß er seine einfachen Diener auf so machtvolle Weise gebraucht. Er wendet sich seinen Jüngern zu und sagt: „Glücklich sind die Augen, die die Dinge sehen, die ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige begehrten die Dinge zu sehen, die ihr seht, sahen sie aber nicht, und die Dinge zu hören, die ihr hört, hörten sie aber nicht.“ Lukas 10:1-24; Matthäus 10:1-42; Offenbarung 12:7-12.
▪ Wo predigt Jesus in den ersten drei Jahren seines Dienstes, und welches Gebiet bearbeitet er in den letzten sechs Monaten?
▪ Wo sollen die 70, die Jesus aussendet, die Menschen aufsuchen?
▪ Warum sagt Jesus, er habe bereits gesehen, daß der Satan aus dem Himmel gefallen sei?
▪ In welchem Sinne können die 70 auf Schlangen und Skorpione treten?
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Ein barmherziger SamariterDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 73
Ein barmherziger Samariter
WAHRSCHEINLICH in der Nähe des Dorfes Bethanien, etwa 3 km von Jerusalem entfernt, stellt ein Mann, der das mosaische Gesetz genau kennt, Jesus folgende Frage: „Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“
Jesus erkennt, daß der Mann, ein Gesetzeskundiger, nicht einfach um Informationen bittet, sondern ihn vielmehr auf die Probe stellen möchte. Möglicherweise verfolgt er die Absicht, Jesus zu einer Antwort zu verleiten, die die Empfindungen der Juden verletzt. Jesus veranlaßt den Gesetzeskundigen daher, selbst Stellung zu beziehen, indem er ihn fragt: „Was steht im GESETZ geschrieben? Wie liest du?“
Die Antwort des Mannes zeugt von außergewöhnlicher Kenntnis, denn er zitiert Gottes Gesetze gemäß 5. Mose 6:5 und 3. Mose 19:18: „ ‚Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Sinn‘ und ‚deinen Nächsten wie dich selbst‘.“
„Du hast richtig geantwortet“, erwidert Jesus. „Tu das weiterhin, und du wirst Leben erlangen.“
Der Gesetzeskundige ist jedoch noch nicht zufrieden. Jesu Antwort ist ihm zu allgemein gehalten. Er möchte sich von Jesus bestätigen lassen, daß seine persönlichen Ansichten richtig sind und er somit andere gerecht behandelt. Deshalb fragt er: „Wer ist in Wirklichkeit mein Nächster?“
Die Juden glauben, der Begriff „Nächster“ sei ausschließlich auf Mitjuden anzuwenden, da dies aus dem Kontext von 3. Mose 19:18 hervorzugehen scheint. So sagte später selbst der Apostel Petrus: „Ihr wißt wohl, daß es einem Juden nicht erlaubt ist, sich einem Menschen von einer anderen Rasse anzuschließen oder sich ihm zu nähern.“ Daher glaubt der Gesetzeskundige — und vielleicht glauben es auch Jesu Jünger —, daß es ausreiche, Mitjuden freundlich zu behandeln, um gerecht zu sein, da Nichtjuden, wie man meint, nicht unter den Begriff „Nächster“ fallen.
Wie kann Jesus diese Ansicht richtigstellen, ohne seine Zuhörer anzugreifen? Er erzählt eine Geschichte, die vielleicht sogar auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein gewisser Jude ging, wie Jesus berichtet, „von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auszogen und ihm auch Schläge versetzten und weggingen und ihn halb tot zurückließen“.
„Nun traf es sich“, fährt Jesus fort, „daß ein gewisser Priester jenen Weg hinabging, doch als er ihn sah, ging er auf der entgegengesetzten Seite vorüber. Ebenso ging auch ein Levit, als er an die Stelle hinabkam und ihn sah, auf der entgegengesetzten Seite vorüber. Aber ein gewisser Samariter, der des Weges zog, kam zu ihm, und als er ihn sah, wurde er von Mitleid bewegt.“
Viele Priester und levitische Tempeldiener wohnen in Jericho. Sie müssen auf dem 23 km langen, gefährlichen Weg einen Höhenunterschied von 900 m überwinden, wenn sie vom Tempel in Jerusalem kommen, wo sie Dienst leisten. Von Priestern und Leviten sollte man eigentlich erwarten, daß sie einem in Not geratenen Mitjuden helfen. Sie unterließen es jedoch. Statt dessen half ihm ein Samariter, und das obwohl die Juden die Samariter so sehr hassen, daß sie Jesus zum Beispiel kurz zuvor, als sie ihn mit den schlimmsten Worten beleidigten, einen „Samariter“ nannten.
Was tat der Samariter, um dem Juden zu helfen? „Er trat an ihn heran“, sagt Jesus, „und verband ihm seine Wunden, wobei er Öl und Wein auf sie goß. Dann hob er ihn auf sein eigenes Tier und brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag zog er zwei Denare [etwa zwei Tagelöhne] heraus, gab sie dem Herbergswirt und sprach: ‚Sorge für ihn, und was immer du darüber ausgibst, will ich dir zurückzahlen, wenn ich hierher zurückkomme.‘ “
Nachdem Jesus diese Geschichte erzählt hat, fragt er den Gesetzeskundigen: „Wer von diesen dreien hat sich, wie es dir scheint, als Nächster des Mannes erwiesen, der unter die Räuber fiel?“
Da es dem Gesetzeskundigen peinlich ist, einem Samariter irgendwelche Verdienste zuzuerkennen, antwortet er einfach: „Derjenige, der ihm gegenüber barmherzig handelte.“
„Geh hin, und handle selbst ebenso“, sagt Jesus abschließend.
Hätte Jesus dem Gesetzeskundigen einfach gesagt, daß auch Nichtjuden zu seinen Nächsten zählten, wäre es von dem Mann nicht akzeptiert worden; außerdem hätte sich wahrscheinlich ein Großteil der Zuhörer, die bei der Unterhaltung mit Jesus zugegen waren, auf die Seite des Mannes gestellt. Diese Geschichte jedoch, die aus dem wahren Leben gegriffen sein könnte, zeigt unwiderlegbar, daß nicht nur Menschen der eigenen Rasse und Nationalität unsere Nächsten sind. Auf welch wunderbare Weise Jesus doch lehrte! Lukas 10:25-37; Apostelgeschichte 10:28; Johannes 4:9; 8:48.
▪ Welche Fragen richtet der Gesetzeskundige an Jesus, und welche Absicht verfolgt er offensichtlich?
▪ Wen halten die Juden für ihre Nächsten, und wieso ist anzunehmen, daß die Jünger genauso denken?
▪ Wie legt Jesus die richtige Ansicht dar, so daß der Gesetzeskundige sie nicht widerlegen kann?
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Rat für Martha und Anleitung für das BetenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 74
Rat für Martha und Anleitung für das Beten
JESUS kommt im Verlauf seines Dienstes in Judäa auch in das Dorf Bethanien. Dort leben Martha und Maria sowie ihr Bruder Lazarus. Wahrscheinlich ist Jesus während seines Dienstes schon bei einer früheren Gelegenheit mit den dreien zusammengetroffen, und sie sind bereits enge Freunde. Auf jeden Fall geht Jesus jetzt in Marthas Haus und wird von ihr willkommen geheißen.
Martha ist darauf bedacht, Jesus mit dem Besten zu versorgen, was sie hat. Es ist tatsächlich eine große Ehre, den Messias bei sich zu Gast zu haben. Daher ist Martha eifrig damit beschäftigt, ein aufwendiges Essen zuzubereiten, und sie kümmert sich außerdem um vieles andere, weil sie Jesu Aufenthalt noch schöner und angenehmer gestalten möchte.
Maria, Marthas Schwester, hat sich dagegen zu den Füßen Jesu niedergesetzt und hört ihm zu. Nach einiger Zeit kommt Martha und sagt zu Jesus: „Herr, machst du dir nichts daraus, daß meine Schwester die Bedienung mir allein überlassen hat? Sag ihr daher, daß sie mir Hilfe leiste.“
Doch Jesus ist nicht bereit, Maria etwas zu sagen. Statt dessen gibt er Martha Rat, weil sie so übermäßig um materielle Dinge besorgt ist. „Martha, Martha“, weist er sie freundlich zurecht, „du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge. Wenige Dinge jedoch sind nötig oder nur eins.“ Jesus sagt, daß es nicht nötig ist, eine Menge Zeit darauf zu verwenden, viele Speisen für ein Mahl zuzubereiten. Es genügt, wenige Speisen oder sogar nur eine zu haben.
Marthas Beweggründe sind nicht verkehrt; sie möchte eine gute Gastgeberin sein. Doch zufolge ihrer Sorge um die materiellen Dinge versäumt sie die Gelegenheit, von Gottes Sohn persönlich unterwiesen zu werden. Jesu Schlußfolgerung lautet deshalb: „Maria ihrerseits hat das gute Teil erwählt, und es wird nicht von ihr weggenommen werden.“
Später, bei einer anderen Gelegenheit, wendet sich ein Jünger mit folgender Bitte an Jesus: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ Vielleicht war der Jünger etwa eineinhalb Jahre zuvor nicht zugegen, als Jesus in seiner Bergpredigt das Mustergebet lehrte. Daher wiederholt Jesus seine Anweisungen und fährt dann mit einer Veranschaulichung fort, um zu zeigen, daß man im Gebet beharrlich sein muß.
„Wer von euch wird einen Freund haben“, beginnt Jesus, „und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: ‚Freund, leih mir drei Brote, denn ein Freund von mir ist auf einer Reise eben zu mir gekommen, und ich habe nichts, um es ihm vorzusetzen.‘? Und jener gibt von drinnen die Antwort: ‚Stör mich nicht weiter. Die Tür ist schon verschlossen, und meine kleinen Kinder sind mit mir im Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.‘ Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, wird er bestimmt wegen seiner kühnen Beharrlichkeit aufstehen und ihm das geben, was er benötigt.“
Mit dieser Veranschaulichung will Jesus keineswegs sagen, daß Jehova Gott wie der Freund in der Geschichte nicht bereit sei, Bitten zu erhören. Er will vielmehr zeigen, daß, wenn schon ein unwilliger Freund auf fortgesetztes Bitten reagiert, unser liebevoller himmlischer Vater es noch viel eher tut. Jesus fährt deshalb fort: „Demnach sage ich euch: Bittet unablässig, und es wird euch gegeben werden; sucht fortwährend, und ihr werdet finden; klopft unaufhörlich an, und es wird euch geöffnet werden. Denn jeder, der bittet, empfängt, und jeder, der sucht, findet, und jedem, der anklopft, wird geöffnet werden.“
Jesus führt dann unvollkommene, sündige menschliche Väter an und sagt: „In der Tat, welcher Vater unter euch wird, wenn ihn sein Sohn um einen Fisch bittet, ihm statt eines Fisches wohl eine Schlange reichen? Oder wenn er auch um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion reichen? Wenn nun ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel denen heiligen Geist geben, die ihn bitten!“ Wie eindringlich Jesus uns doch anspornt, im Gebet beharrlich zu sein. Lukas 10:38 bis 11:13.
▪ Warum ist Martha bei Jesu Besuch so sehr mit Vorbereitungen beschäftigt?
▪ Was tut Maria, und warum lobt Jesus sie und nicht Martha?
▪ Was veranlaßt Jesus, seine Anweisungen für das Beten zu wiederholen?
▪ Wie veranschaulicht Jesus die Notwendigkeit, im Gebet beharrlich zu sein?
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Die Quelle des GlücksDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 75
Die Quelle des Glücks
WÄHREND seines Dienstes in Galiläa hat Jesus Wunder vollbracht, die er nun in Judäa wiederholt. Zum Beispiel treibt er aus einem Mann einen Dämon aus, der den Mann am Sprechen gehindert hat. Die Volksmengen sind erstaunt, aber einige Kritiker erheben den gleichen Einwand wie die Kritiker in Galiläa. „Er treibt die Dämonen durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen, aus“, behaupten sie. Andere möchten größere Beweise der Identität Jesu sehen, und sie wollen ihn versuchen, indem sie ihn um ein Zeichen vom Himmel bitten.
Jesus weiß, was sie denken, und gibt seinen Kritikern in Judäa die gleiche Antwort wie denen in Galiläa. Er erklärt, daß jedes Königreich, das gegen sich selbst entzweit ist, keinen Bestand hat. „Wenn nun auch der Satan gegen sich selbst entzweit ist, wie wird da sein Königreich bestehen?“ fragt er. Jesus macht deutlich, in welch einer gefährlichen Lage sich seine Kritiker befinden, und sagt: „Wenn ich ... durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so hat das Königreich Gottes euch wirklich eingeholt.“
Diejenigen, die Jesu Wunder beobachten, sollten eigentlich genauso reagieren wie diejenigen, die Jahrhunderte zuvor sahen, wie Moses ein Wunder wirkte, und ausriefen: „Es ist der Finger Gottes!“ Es war auch der „Finger Gottes“, der die Zehn Gebote auf Steintafeln schrieb. Und es ist der „Finger Gottes“ — sein heiliger Geist oder seine wirksame Kraft —, der Jesus befähigt, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Somit hat das Königreich Gottes diese Kritiker tatsächlich eingeholt, denn Jesus, der designierte König des Königreiches, befindet sich mitten unter ihnen.
Jesus erläutert dann in einem Gleichnis, daß seine Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, ein Beweis seiner Macht über Satan ist; er vergleicht es damit, daß ein gutbewaffneter Mann, der seinen Palast bewacht, von einem Stärkeren überwältigt wird. Auch wiederholt er ein Gleichnis, das er in Galiläa erzählt hat, und zwar das Gleichnis von dem unreinen Geist. Der Geist fährt aus einem Menschen aus, wenn aber der Mensch die Lücke nicht mit guten Dingen füllt, kehrt der Geist mit sieben anderen zurück, so daß der Zustand des Menschen schlimmer wird als zuvor.
Eine Frau aus der Volksmenge, die den Belehrungen lauscht, fühlt sich bewogen, laut auszurufen: „Glücklich der Schoß, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen!“ Da es der Wunsch jeder jüdischen Frau ist, die Mutter eines Propheten und vor allem die des Messias zu sein, ist es verständlich, daß die Frau dies sagt. Offensichtlich denkt sie, Maria könne sich als Mutter Jesu besonders glücklich schätzen.
Doch Jesus korrigiert die Frau unverzüglich und weist auf die Quelle wahren Glücks hin, indem er erklärt: „Nein, glücklich sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es bewahren!“ Niemals vermittelt Jesus den Gedanken, daß seiner Mutter Maria besondere Ehre erwiesen werden sollte. Statt dessen zeigt er, daß wahres Glück nicht aus verwandtschaftlichen Bindungen oder hervorstechenden Leistungen erwächst, sondern daraus, ein treuer Diener Gottes zu sein.
Ebenso wie in Galiläa fährt Jesus in Judäa fort, das Volk zurechtzuweisen, weil es um ein Zeichen vom Himmel bittet. Er sagt, es werde den Leuten kein Zeichen gegeben werden, ausgenommen das Zeichen Jonas. Jona wurde dadurch zu einem Zeichen, daß er sich drei Tage in einem Fisch befand und daß er mutig predigte, was zur Folge hatte, daß die Niniviten bereuten. „Doch siehe“, erklärt Jesus, „mehr als Jona ist hier!“ Des weiteren bewunderte die Königin von Scheba Salomos Weisheit. „Doch siehe“, bemerkt Jesus, „mehr als Salomo ist hier!“
Jesus erläutert, daß jemand, der eine Lampe anzündet, sie nicht in einen verborgenen Winkel oder unter ein Gefäß stellt, sondern auf einen Leuchter, damit die Menschen das Licht sehen können. Möglicherweise möchte er damit andeuten, daß das Lehren und Wunderwirken vor den verstockten Personen in seiner Zuhörerschaft mit dem Verbergen des Lichtes einer Lampe vergleichbar ist. Die Augen solcher Beobachter sind nicht lauter oder klar, weshalb der beabsichtigte Zweck seiner Wunder nicht erreicht wird.
Gerade hat Jesus einen Dämon ausgetrieben und einen Stummen zum Sprechen gebracht. Das sollte Menschen mit lauteren oder klaren Augen veranlassen, diese großartige Tat zu loben und die gute Botschaft zu verkünden. Aber seine Kritiker fühlen sich nicht dazu bewogen. Somit sagt Jesus abschließend: „Sei daher wachsam. Vielleicht ist das Licht, das in dir ist, Finsternis. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und gar keinen finsteren Teil hat, wird er ganz licht sein, so wie wenn eine Lampe dir durch ihre Strahlen Licht gibt.“ Lukas 11:14-36; 2. Mose 8:18, 19; 31:18; Matthäus 12:22, 28.
▪ Wie reagieren die Leute darauf, daß Jesus den Mann geheilt hat?
▪ Was ist der Finger Gottes, und inwiefern hat Gottes Königreich Jesu Zuhörer eingeholt?
▪ Was ist die Quelle wahren Glücks?
▪ Wie kann jemand ein lauteres Auge haben?
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Er ißt bei einem PharisäerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 76
Er ißt bei einem Pharisäer
NACHDEM sich Jesus mit Kritikern auseinandergesetzt hat, die den Quell seiner Kraft, mit der er einen stummen Mann heilte, in Frage stellten, lädt ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Bei den Pharisäern ist es Brauch, sich vor dem Essen die Hände bis zum Ellbogen zu waschen. Sie tun es vor und nach einem Mahl und sogar zwischen den Gängen. Diese Tradition verletzt zwar nicht Gottes geschriebenes Gesetz, aber sie geht über das hinaus, was Gott in bezug auf zeremonielle Reinheit fordert.
Als sich Jesus nicht an diese Tradition hält, zeigt sich sein Gastgeber überrascht. Auch wenn er seine Überraschung nicht unbedingt durch Worte zum Ausdruck bringt, bemerkt es Jesus und sagt: „Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit. Ihr Unvernünftigen! Hat nicht der, der das Äußere machte, auch das Innere gemacht?“
Jesus stellt damit die Heuchelei der Pharisäer bloß, die sich zwar entsprechend einem Ritus die Hände waschen, es aber versäumen, ihr Herz von Bosheit zu reinigen. Er rät ihnen daher: „Gebt ... als Gaben der Barmherzigkeit die Dinge, die darin sind, und siehe, alle anderen Dinge an euch sind rein.“ Sie sollten von einem liebevollen Herzen zum Geben angespornt werden und nicht von dem Wunsch, andere durch ihre anscheinende Gerechtigkeit zu beeindrucken.
„Wehe ... euch, ihr Pharisäer“, fährt Jesus fort, „denn ihr gebt den Zehnten von der Minze und der Raute und von jedem anderen Gartengewächs, übergeht aber das Recht und die Liebe Gottes! Diese Dinge wart ihr zu tun verpflichtet, doch jene anderen Dinge solltet ihr nicht unterlassen.“ Das Gesetz, das Gott Israel gab, fordert die Zahlung des Zehnten von den Feldfrüchten. Die Minze und die Raute sind kleine Pflanzen oder Kräuter, die zum Würzen von Speisen dienen. Die Pharisäer zahlen selbst von diesen unscheinbaren Kräutern sorgfältig den Zehnten, aber Jesus verurteilt sie dennoch, weil sie die wichtigeren Erfordernisse außer acht lassen, nämlich Liebe zu üben sowie freundlich und bescheiden zu sein.
Jesus bringt sogar noch mehr Anklagen vor und sagt: „Wehe euch, ihr Pharisäer, denn ihr liebt die vorderen Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Marktplätzen! Wehe euch, denn ihr seid wie jene Gedächtnisgrüfte, die nicht erkennbar sind, so daß Leute darüber hingehen, ohne es zu wissen!“ Ihre Unreinheit ist nicht sichtbar. Die Religion der Pharisäer hat äußeren Glanz, aber keinen inneren Wert. Sie ist auf Heuchelei gegründet.
Als ein Gesetzeskundiger — jemand, der in Gottes Wort bewandert ist — die Verurteilung hört, klagt er: „Lehrer, indem du diese Dinge sagst, beleidigst du auch uns.“
Da Jesus diese Leute ebenfalls für schuldig hält, entgegnet er: „Wehe auch euch, ihr Gesetzeskundigen, weil ihr den Menschen Lasten aufladet, die schwer zu tragen sind, doch ihr selbst rührt die Lasten mit keinem einzigen eurer Finger an! Wehe euch, denn ihr baut die Gedächtnisgrüfte der Propheten, eure Vorväter aber töteten sie!“
Die Lasten, von denen Jesus hier spricht, sind die mündlichen Überlieferungen, und die Gesetzeskundigen würden keine noch so unbedeutende Regel aufheben, um das Los der Menschen zu erleichtern. Jesus offenbart, daß sie sogar den Morden an den Propheten zustimmen, und droht ihnen: „ ‚Das Blut aller Propheten, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, [wird] von dieser Generation gefordert werden ..., vom Blut Abels an bis zum Blut Sacharjas, der zwischen dem Altar und dem Haus umgebracht wurde.‘ Ja, ich sage euch, es wird von dieser Generation gefordert werden.“
Die Welt der erlösbaren Menschheit nahm mit der Geburt der Kinder Adams und Evas ihren Anfang; somit lebte Abel zur Zeit der „Grundlegung der Welt“. Nach dem gemeinen Mord an Sacharja wurde Juda von einer syrischen Streitmacht verwüstet. Jesus kündet eine noch furchtbarere Katastrophe für seine eigene Generation an, weil sie noch bösartiger ist. Sie bricht 38 Jahre später herein, im Jahre 70 u. Z.
Jesus fährt fort, sie zu verurteilen, und sagt: „Wehe euch, ihr Gesetzeskundigen, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert!“ Die Gesetzeskundigen sind verpflichtet, dem Volk das Gesetz Gottes zu erklären, ihm seine Bedeutung zu erschließen. Aber sie versäumen dies und nehmen dem Volk sogar jede Möglichkeit, Verständnis zu erlangen.
Die Pharisäer und die Gesetzeskundigen sind wütend, weil Jesus sie bloßgestellt hat. Als er das Haus verläßt, beginnen sie, ihm heftig zuzusetzen und ihn mit vielen Fragen zu bestürmen. Sie versuchen, ihm eine Falle zu stellen und ihm etwas zu entlocken, wofür sie ihn in Gewahrsam nehmen können. Lukas 11:37-54; 5. Mose 14:22; Micha 6:8; 2. Chronika 24:20-25.
▪ Warum verurteilt Jesus die Pharisäer und die Gesetzeskundigen?
▪ Welche Lasten bürden die Gesetzeskundigen den Menschen auf?
▪ Wann erfolgte die „Grundlegung der Welt“?
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Streit um eine ErbschaftDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 77
Streit um eine Erbschaft
DIE Leute haben offensichtlich erfahren, daß Jesus im Haus des Pharisäers ein Mahl einnimmt. Daher versammeln sie sich draußen zu Tausenden und warten darauf, daß Jesus herauskommt. Im Gegensatz zu den Pharisäern, die Jesus Widerstand leisten und ihn in seinen Worten zu fangen suchen, hört ihm das Volk begeistert und voller Wertschätzung zu.
Jesus wendet sich zunächst an seine Jünger und sagt: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer in acht, der Heuchelei ist.“ Wie er bereits während des Essens gezeigt hat, ist das gesamte religiöse System der Pharisäer voller Heuchelei. Obwohl die Bosheit der Pharisäer hinter ihrer vorgetäuschten Frömmigkeit verborgen bleiben mag, wird sie eines Tages doch bloßgestellt werden. „Da ist nichts sorgsam verhüllt, was nicht geoffenbart werden wird, und verborgen, was nicht bekanntwerden wird“, betont Jesus.
Dann wiederholt er die ermunternden Worte, die er schon einmal an die 12 gerichtet hat, als er sie zu einer Predigtreise durch Galiläa aussandte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter tun können.“ Gott vergißt nicht einmal einen einzigen Sperling, versichert Jesus seinen Nachfolgern, deshalb wird Gott sie ganz bestimmt nicht vergessen. „Wenn man euch aber vor öffentliche Versammlungen und Regierungsbeamte und Gewalthaber stellt, ... [wird] der heilige Geist ... euch in ebenjener Stunde die Dinge lehren, die ihr sagen sollt.“
Ein Mann aus der Volksmenge spricht Jesus an. Er bittet: „Lehrer, sag meinem Bruder, daß er die Erbschaft mit mir teile.“ Da im Gesetz Mose festgelegt ist, daß der Erstgeborene zwei Teile des Erbes erhält, dürfte es eigentlich keinen Grund für Streitigkeiten geben. Aber der Mann möchte offensichtlich mehr als seinen gesetzlichen Anteil an der Erbschaft haben.
Jesus lehnt es richtigerweise ab, sich in diese Angelegenheit einzumischen. „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?“ fragt er. Dann wendet er sich an die Volksmenge und äußert folgende wichtige Ermahnung: „Haltet eure Augen offen, und hütet euch vor jeder Art von Habsucht, denn wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt.“ Ja, ganz gleich, wieviel ein Mensch aufhäufen mag, er wird doch sterben und alles zurücklassen müssen. Um diese Tatsache hervorzuheben und um zu zeigen, welche Torheit es ist, es zu versäumen, sich bei Gott einen guten Namen zu machen, bedient sich Jesus einer Veranschaulichung. Er erklärt:
„Das Land eines gewissen Reichen lieferte einen guten Ertrag. Demzufolge begann er bei sich zu überlegen und sagte: ‚Was soll ich tun, nun, da ich keinen Raum habe, wohin ich meine Ernten einbringen könnte?‘ Da sprach er: ‚So will ich’s machen: Ich will meine Vorratshäuser abbrechen und größere bauen, und ich will dorthin all mein Getreide und alle meine guten Dinge einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: „Seele, du hast viele gute Dinge für viele Jahre aufgehäuft; laß dir’s wohl sein, iß, trink und sei fröhlich.“ ‘ Gott aber sprach zu ihm: ‚Du Unvernünftiger, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Wer soll dann die Dinge haben, die du aufgespeichert hast?‘ “
Jesus kommt dann zu dem Schluß: „So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber.“ Die Jünger mögen sich zwar nicht dazu verleiten lassen, törichterweise Reichtum aufzuhäufen, aber sie könnten wegen der täglichen Sorgen des Lebens leicht davon abgebracht werden, Jehova ganzherzig zu dienen. Daher nutzt Jesus die Gelegenheit, um den vortrefflichen Rat zu wiederholen, den er bereits etwa eineinhalb Jahre zuvor in der Bergpredigt gab. Er fordert seine Jünger auf:
„Deswegen sage ich euch: Hört auf, euch Sorgen zu machen um eure Seele, über das, was ihr essen werdet, oder um euren Leib, über das, was ihr anziehen werdet. ... Beachtet wohl, daß die Raben weder säen noch ernten, und sie haben weder Scheune noch Vorratshaus, und doch ernährt sie Gott. ... Beachtet wohl, wie die Lilien wachsen; sie mühen sich nicht ab, noch spinnen sie; doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo war in all seiner Herrlichkeit so schön gekleidet wie eine von diesen. ...
So trachtet denn nicht mehr nach dem, was ihr essen und was ihr trinken könntet, und seid nicht mehr in sorgenvoller Spannung; denn allen diesen Dingen streben die Nationen der Welt begierig nach; euer Vater weiß aber, daß ihr diese Dinge benötigt. Sucht jedoch beständig sein Königreich, und diese Dinge werden euch hinzugefügt werden.“
Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Not gilt es, sich eng an Jesu Worte zu halten. Wer sich zu sehr um materielle Bedürfnisse sorgt und in seinen geistigen Bestrebungen nachläßt, bekundet tatsächlich zuwenig Glauben an Gottes Fähigkeit, für seine Diener zu sorgen. Lukas 12:1-31; 5. Mose 21:17.
▪ Warum könnte der Mann in Verbindung mit seiner Erbschaft eine Bitte geäußert haben, und wozu ermahnt Jesus?
▪ Welcher Veranschaulichung bedient sich Jesus, und welcher Gedanke soll dadurch hervorgehoben werden?
▪ Welchen Rat wiederholt Jesus, und warum ist er passend?
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Haltet euch bereit!Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 78
Haltet euch bereit!
JESUS hat die Volksmengen vor Habsucht gewarnt und seinen Jüngern davon abgeraten, den materiellen Dingen übermäßige Aufmerksamkeit zu schenken. Nun äußert er die ermutigenden Worte: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben.“ Er läßt somit erkennen, daß nur verhältnismäßig wenige (nämlich 144 000, wie später geoffenbart) im himmlischen Königreich sein werden. Die Mehrzahl derer, die ewiges Leben erhalten, werden irdische Untertanen des Königreiches sein.
Welch eine großartige Gabe „das Königreich“ doch ist! Jesus sagt, wie die Jünger als Empfänger dieser Gabe passenderweise reagieren sollten, indem er sie auffordert: „Verkauft die Dinge, die euch gehören, und gebt Gaben der Barmherzigkeit.“ Ja, sie sollten ihre Mittel dafür einsetzen, anderen in geistiger Hinsicht beizustehen, und auf diese Weise „einen unerschöpflichen Schatz in den Himmeln“ hinterlegen.
Dann ermahnt Jesus seine Jünger, bei seiner Rückkehr bereit zu sein: „Eure Lenden seien umgürtet und eure Lampen brennend, und ihr selbst, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm, wenn er ankommt und anklopft, sogleich öffnen. Glücklich sind jene Sklaven, die der Herr bei seiner Ankunft wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich gürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.“
In diesem Gleichnis zeigt sich die Bereitschaft der Diener bei der Rückkehr ihres Herrn darin, daß sie ihr langes Gewand hochnehmen, es unter ihrem Gürtel befestigen und fortfahren, ihren Aufgaben bis in die Nacht hinein im Licht von reichlich mit Brennstoff gefüllten Lampen nachzukommen. Jesus erklärt: ‘Wenn der Herr in der zweiten Wache [von etwa 21 Uhr bis Mitternacht] ankommt, ja wenn er in der dritten eintrifft [von Mitternacht bis etwa 3 Uhr morgens] und sie wachend vorfindet, glücklich sind sie!’
Der Herr belohnt seine Diener auf ungewöhnliche Weise. Er läßt sie sich zu Tisch legen und bedient sie. Er behandelt sie nicht wie Sklaven, sondern wie loyale Freunde. Welch eine einzigartige Belohnung für die unermüdliche Tätigkeit, die sie die ganze Nacht hindurch für ihren Herrn verrichtet haben, während sie auf seine Rückkehr gewartet haben! Abschließend sagt Jesus: „Haltet auch ihr euch bereit, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht für wahrscheinlich haltet, kommt der Menschensohn.“
Petrus fragt nun: „Herr, sagst du dieses Gleichnis für uns oder auch für alle?“
Anstatt direkt auf die Frage einzugehen, erzählt Jesus ein anderes Gleichnis. „Wer ist in Wirklichkeit der treue Verwalter, der verständige, den sein Herr über seine Dienerschaft setzen wird, um ihnen fortwährend ihr Maß an Speisevorrat zur rechten Zeit zu geben? Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet! Ich sage euch in Wahrheit: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“
Der „Herr“ ist offensichtlich Jesus Christus. Der „Verwalter“ stellt die „kleine Herde“ von Jüngern in kollektivem Sinne dar, und die Bezeichnung „Dienerschaft“ bezieht sich auf dieselbe Gruppe der 144 000, die das himmlische Königreich empfangen, doch dieser Ausdruck hebt die Tätigkeit des einzelnen hervor. Bei der „Habe“, die dem treuen Verwalter anvertraut wird, handelt es sich um die Königreichsinteressen des Herrn auf der Erde, zu denen auch die irdischen Untertanen des Königreiches zählen.
Des weiteren weist Jesus in dem Gleichnis auf die Möglichkeit hin, daß nicht alle Glieder der Verwalter- oder Sklavenklasse loyal sein werden, indem er erklärt: „Wenn aber jener Sklave in seinem Herzen je sagen sollte: ‚Mein Herr verzögert sein Kommen‘ und anfangen sollte, die Knechte und die Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und trunken zu werden, so wird der Herr dieses Sklaven an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, ... und er wird ihn mit der größten Strenge bestrafen.“
Jesus bemerkt, daß sich sein Kommen für die Juden gewissermaßen als eine Zeit der Gluthitze erwiesen hat, denn einige nehmen seine Lehren an, während andere sie ablehnen. Mehr als drei Jahre zuvor war Jesus im Wasser getauft worden, doch nun nähert sich seine Taufe in den Tod ihrem Ende, und er sagt: „Ich [bin] bedrängt, bis sie vollendet ist!“
Nachdem Jesus diese Worte an seine Jünger gerichtet hat, wendet er sich wieder den Volksmengen zu. Er beklagt, daß sie in ihrem Starrsinn den eindeutigen Beweis für seine Identität und ihre Bedeutung ablehnen. „Wenn ihr eine Wolke in westlichen Gegenden aufsteigen seht, sagt ihr sogleich: ‚Es kommt ein Sturm‘, und es wird so sein. Und wenn ihr seht, daß Südwind weht, sagt ihr: ‚Es gibt eine Hitzewelle‘, und es trifft ein. Heuchler, das Aussehen der Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen, doch wie kommt es, daß ihr diese besondere Zeit nicht zu beurteilen wißt?“ Lukas 12:32-59.
▪ Aus wie vielen Personen besteht die kleine Herde, und was empfangen sie?
▪ Wie betont Jesus seinen Jüngern gegenüber die Notwendigkeit, sich bereit zu halten?
▪ Wen oder was stellt in dem Gleichnis Jesu der „Herr“, der „Verwalter“, die „Dienerschaft“ und die „Habe“ dar?
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Eine Nation geht zugrunde — doch nicht alle ihre AngehörigenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 79
Eine Nation geht zugrunde — doch nicht alle ihre Angehörigen
KURZ nach Jesu Unterhaltung mit einigen Juden, die sich vor dem Haus eines Pharisäers versammelt haben, berichten ihm gewisse Leute „über die Galiläer ..., deren Blut [der römische Statthalter Pontius] Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte“. Diese Galiläer wurden möglicherweise getötet, als Tausende von Juden dagegen protestierten, daß Pilatus das Geld aus dem Tempelschatz für den Bau eines Aquädukts benutzte, durch den Wasser nach Jerusalem geleitet werden sollte. Diejenigen, die Jesus davon erzählen, wollen vielleicht damit sagen, dieses Unglück habe die Galiläer wegen ihrer schlechten Handlungsweise ereilt.
Jesus korrigiert sie jedoch, indem er sie fragt: „Meint ihr, daß sich diese Galiläer als schlimmere Sünder erwiesen als alle anderen Galiläer, weil sie diese Dinge erlitten haben?“ „Gewiß nicht“, lautet seine eigene Antwort. Dann benutzt er die Gelegenheit, um die Juden zu warnen: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle gleicherweise umkommen.“
Nun nimmt Jesus auf ein anderes Unglück Bezug, das sich am Ort zugetragen hat und vielleicht auch mit dem Bau des Aquädukts in Verbindung stand. Er wirft die Frage auf: „Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete, meint ihr, daß sie sich als größere Schuldner erwiesen als alle anderen Menschen, die Jerusalem bewohnen?“ Nein, diese Personen kamen, wie Jesus sagt, nicht wegen ihrer Schlechtigkeit um. Vielmehr sind solche Unglücksfälle gewöhnlich darauf zurückzuführen, daß „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen“ alle trifft. Erneut warnt Jesus bei dieser Gelegenheit: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“
Dann fährt Jesus mit einem passenden Gleichnis fort und erklärt: „Jemand hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weingarten gepflanzt war, und er kam, um Frucht daran zu suchen, fand aber keine. Da sagte er zum Winzer: ‚Ich bin nun schon drei Jahre gekommen, um Frucht an diesem Feigenbaum zu suchen, habe aber keine gefunden. Hau ihn um! Warum sollte er denn den Boden nutzlos machen?‘ Er gab ihm zur Antwort: ‚Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich rings um ihn grabe und Dünger streue, und wenn er dann in der Zukunft Frucht bringt, schön und gut, wenn aber nicht, sollst du ihn umhauen.‘ “
Mehr als drei Jahre lang hat Jesus versucht, den Glauben unter der jüdischen Nation zu fördern. Doch nur ein paar hundert Jünger können als Frucht seiner Arbeit gezählt werden. Jetzt, im vierten Jahr seines Dienstes, verstärkt er seine Bemühungen; in übertragenem Sinne gräbt und streut er Dünger rings um den jüdischen Feigenbaum, indem er in Judäa und Peräa eifrig predigt und lehrt. Doch ohne Erfolg! Die Nation weigert sich zu bereuen und geht somit der Vernichtung entgegen. Lediglich ein Überrest reagiert günstig.
Nicht lange danach lehrt Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Hier sieht er eine Frau, die schon 18 Jahre lang von einem Dämon geplagt wird und zusammengekrümmt ist. Voller Mitleid wendet er sich an sie: „Frau, du bist von deiner Schwäche befreit.“ Er legt ihr die Hände auf, und augenblicklich richtet sie sich auf und beginnt, Gott zu verherrlichen.
Der Synagogenvorsteher ist jedoch ärgerlich. „Sechs Tage sind da, an denen man arbeiten soll“, protestiert er, „an diesen also kommt und werdet geheilt und nicht am Sabbattag.“ Der Vorsteher erkennt somit Jesu Macht zu heilen an, verurteilt aber die Leute, weil sie am Sabbat Heilung suchen.
„Heuchler“, erwidert Jesus, „bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Stier oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn weg, um ihn zu tränken? War es also nicht angebracht, daß diese Frau, die eine Tochter Abrahams ist und die der Satan, siehe, achtzehn Jahre gebunden hielt, von dieser Fessel am Sabbattag gelöst werde?“
Als Jesu Gegner das hören, schämen sie sich. Die Volksmengen jedoch freuen sich über all die großartigen Taten Jesu, die sie beobachten. Jesus wiederholt daraufhin zwei prophetische Gleichnisse vom Königreich Gottes, die er schon einmal erzählt hat, und zwar ein Jahr zuvor auf dem Galiläischen Meer von einem Boot aus. Lukas 13:1-21; Prediger 9:11; Matthäus 13:31-33.
▪ Von welchen Unglücksfällen ist hier die Rede, und welche Lehre leitet Jesus davon ab?
▪ Worauf kann sich das Gleichnis von dem unfruchtbaren Feigenbaum und den Versuchen, ihn fruchtbar zu machen, beziehen?
▪ Inwiefern erkennt der Vorsteher Jesu Fähigkeit zu heilen an, doch wie deckt Jesus die Heuchelei des Mannes auf?
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Die Schafhürden und der HirteDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 80
Die Schafhürden und der Hirte
JESUS hält sich während des Einweihungs- oder Chanukkafestes in Jerusalem auf. Mit diesem Fest wird die Wiedereinweihung des Tempels Jehovas gefeiert. Im Jahre 168 v. u. Z., etwa 200 Jahre zuvor, hatte Antiochos IV. Epiphanes Jerusalem eingenommen und den Tempel und seinen Altar entweiht. Drei Jahre später wurde der Tempel nach der Zurückeroberung Jerusalems neu eingeweiht. Danach feierte man ein jährliches Wiedereinweihungsfest.
Dieses Fest der Einweihung findet am 25. Kislew statt, in dem Monat, der nach unserem Kalender in die zweite November- und die erste Dezemberhälfte fällt. Somit sind es bis zu dem bedeutsamen Passah des Jahres 33 u. Z. nur noch etwas mehr als hundert Tage. Da in dieser Jahreszeit kühles Wetter herrscht, spricht der Apostel Johannes von der „Winterzeit“.
Jesus erzählt bei dieser Gelegenheit ein Gleichnis, in dem es um drei Schafhürden und seine Rolle als vortrefflicher Hirte geht. Die erste Schafhürde, von der er spricht, veranschaulicht die Vorkehrung des mosaischen Gesetzesbundes. Das Gesetz diente als Zaun, der die Juden von den verderblichen Praktiken der Menschen abschirmte, die sich nicht in diesem besonderen Bundesverhältnis mit Gott befanden. Jesus erklärt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde hineingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Plünderer. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist Hirte der Schafe.“
Andere waren gekommen und hatten behauptet, der Messias oder Christus zu sein, aber sie erwiesen sich nicht als der wahre Hirte, von dem Jesus folgendes sagt: „Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe beim Namen und führt sie hinaus. ... Einem Fremden werden sie keineswegs folgen, sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme von Fremden nicht kennen.“
Der „Türhüter“ der ersten Schafhürde war Johannes der Täufer. Als Türhüter „öffnete“ Johannes dem Hirten, Jesus, indem er ihn den symbolischen Schafen als denjenigen kenntlich machte, der sie auf die Weide hinausführen würde. Die Schafe, die Jesus beim Namen ruft und herausführt, werden, wie er zeigt, schließlich in eine andere Hürde geleitet: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe“, das heißt die Tür zu einer neuen Hürde. Als Jesus den neuen Bund einführt und zu Pfingsten vom Himmel her den heiligen Geist auf seine Jünger ausgießt, werden sie in diese neue Schafhürde aufgenommen.
Jesus erläutert seine Rolle noch weiter und sagt: „Ich bin die Tür; jeder, der durch mich eintritt, wird gerettet werden, und er wird ein- und ausgehen und Weide finden. ... Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Fülle haben könnten. ... Ich bin der vortreffliche Hirte, und ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, so wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe meine Seele zugunsten der Schafe hin.“
Kurz zuvor hatte Jesus seine Nachfolger mit den Worten getröstet: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben.“ Diese kleine Herde, die insgesamt 144 000 Personen umfaßt, kommt in die neue oder zweite Schafhürde. Des weiteren sagt Jesus: „Ich habe andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden auf meine Stimme hören, und sie werden e i n e Herde werden unter e i n e m Hirten.“
Da die „anderen Schafe“ „nicht aus dieser Hürde sind“, müssen sie aus einer anderen Hürde, einer dritten, stammen. Die beiden letztgenannten Hürden haben unterschiedliche Bestimmungen. Die „kleine Herde“ in der einen Hürde wird zusammen mit Christus im Himmel regieren, und die „anderen Schafe“ in der anderen Hürde werden auf der paradiesischen Erde leben. Doch obwohl sich die Schafe in zwei Hürden befinden, kennen sie keine Eifersucht, noch fühlen sie sich getrennt, weil sie, wie Jesus sagt, „e i n e Herde werden unter e i n e m Hirten“.
Der vortreffliche Hirte, Jesus Christus, gibt bereitwillig sein Leben oder seine Seele für die Schafe in beiden Schafhürden hin. „Ich gebe sie aus eigenem Antrieb hin“, sagt er. „Ich habe Gewalt, sie hinzugeben, und ich habe Gewalt, sie wiederzuempfangen. Das Gebot darüber habe ich von meinem Vater empfangen.“ Als Jesus das sagt, entsteht eine Spaltung unter den Juden.
Viele aus der Volksmenge sagen: „Er hat einen Dämon und ist wahnsinnig. Warum hört ihr ihm zu?“ Andere entgegnen jedoch: „Das sind nicht die Reden eines dämonisierten Menschen.“ Dann sagen sie, wobei sie sich offensichtlich auf die Heilung eines blindgeborenen Mannes einige Monate zuvor beziehen: „Ein Dämon kann doch nicht etwa Blinden die Augen öffnen?“ Johannes 10:1-22; 9:1-7; Lukas 12:32; Offenbarung 14:1, 3; 21:3, 4; Psalm 37:29.
▪ Was ist das Fest der Einweihung, und wann wird es gefeiert?
▪ Was ist die erste Schafhürde, und wer ist der Türhüter?
▪ Inwiefern öffnet der Türhüter dem Hirten, und wohin werden die Schafe dann geführt?
▪ Wer befindet sich in den beiden Hürden des vortrefflichen Hirten, und wie viele Herden bilden sie?
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Erneute Versuche, Jesus zu tötenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 81
Erneute Versuche, Jesus zu töten
DA es Winterzeit ist, geht Jesus in dem überdachten Bereich umher, der Salomos Säulenhalle genannt wird und sich neben dem Tempel befindet. Hier wird er von den Juden umringt, und sie beginnen zu sagen: „Wie lange hältst du unsere Seele in Spannung? Wenn du der Christus bist, so sage es uns freiheraus.“
„Ich habe es euch gesagt“, entgegnet Jesus, „und doch glaubt ihr nicht.“ Jesus hatte ihnen nicht direkt gesagt, daß er der Christus ist, wie der Samariterin am Brunnen. Doch er hatte sich deutlich zu erkennen gegeben, als er ihnen erklärte, daß er aus dem himmlischen Bereich stammt und schon vor Abraham existiert hat.
Jesus möchte nämlich, daß die Menschen selbst zu dem Schluß kommen, daß er der Christus ist, indem sie seine Tätigkeit mit dem vergleichen, was in der Bibel über dessen Wirken gesagt wird. Aus diesem Grund hat er seinen Jüngern bei einer früheren Gelegenheit auch befohlen, niemand zu sagen, daß er der Christus ist. Deshalb gibt er den gegnerischen Juden weiter zur Antwort: „Die Werke, die ich im Namen meines Vaters tue, diese legen Zeugnis über mich ab. Aber ihr glaubt nicht.“
Warum glauben sie nicht? Weil es an Beweisen fehlt, daß Jesus der Christus ist? Nein. Jesus nennt ihnen folgenden Grund: „Ihr [gehört] nicht zu meinen Schafen ... Meine Schafe hören auf meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden keinesfalls je vernichtet werden, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Was mein Vater mir gegeben hat, ist größer als alles andere, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters reißen.“
Jesus beschreibt dann sein enges Verhältnis zum Vater, indem er sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Da sich Jesus auf der Erde befindet und sein Vater im Himmel, spricht er eindeutig nicht davon, daß er und sein Vater buchstäblich oder körperlich eins seien. Er meint vielmehr, daß sie eins sind in der Zielsetzung, daß sie miteinander im Einklang sind.
Aus Verärgerung über Jesu Worte heben die Juden Steine auf, um ihn zu töten, wie sie es auch schon zuvor beim Laubhüttenfest getan haben. Mutig sagt Jesus zu den Männern, die ihm nach dem Leben trachten: „Ich habe euch viele vortreffliche Werke vom Vater her sehen lassen. Für welches dieser Werke steinigt ihr mich?“
„Wir steinigen dich nicht wegen eines vortrefflichen Werkes“, erwidern sie, „sondern wegen Lästerung, ja weil du, obwohl du ein Mensch bist, dich selbst zu einem Gott machst.“ Da Jesus niemals behauptet hat, ein Gott zu sein, stellt sich die Frage, was die Juden zu dieser Äußerung veranlaßt.
Offensichtlich sagen sie das, weil Jesus Fähigkeiten für sich in Anspruch nimmt, die ihrer Meinung nach ausschließlich Gott zustehen. So sagte Jesus gerade über die „Schafe“: „Ich gebe ihnen ewiges Leben“, was kein Mensch zu tun vermag. Die Juden übersehen jedoch, daß Jesus zugibt, die Befugnis von seinem Vater erhalten zu haben.
Jesus ist sich durchaus bewußt, daß er geringer als Gott ist, was auch die Frage zeigt, die er als nächstes stellt: „Steht nicht in eurem GESETZ geschrieben [in Psalm 82:6]: ‚Ich habe gesagt: „Ihr seid Götter.“ ‘? Wenn er diejenigen ‚Götter‘ nannte, gegen die das Wort Gottes erging ..., sagt ihr da zu mir, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: ‚Du lästerst‘, weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?“
Wenn die Heilige Schrift schon ungerechte menschliche Richter „Götter“ nennt, wie können da die Juden Jesus kritisieren, weil er sagt: „Ich bin Gottes Sohn.“? Jesus fügt hinzu: „Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht. Wenn ich sie aber tue, so glaubt den Werken, auch wenn ihr mir nicht glaubt, damit ihr zu der Erkenntnis kommt und weiterhin erkennt, daß der Vater in Gemeinschaft mit mir ist und ich in Gemeinschaft mit dem Vater bin.“
Als Jesus das sagt, versuchen die Juden, ihn zu ergreifen. Doch wie seinerzeit beim Laubhüttenfest entkommt er auch diesmal. Er verläßt Jerusalem und begibt sich über den Jordan, dorthin, wo Johannes fast vier Jahre zuvor zu taufen begann. Dieser Ort liegt offenbar nicht weit vom Südufer des Galiläischen Meeres entfernt; die Reise dauert von Jerusalem aus etwa zwei Tage.
An diesem Ort kommen viele Leute zu Jesus, und sie sagen: „Johannes hat zwar kein einziges Zeichen getan, aber alles, was Johannes über diesen gesagt hat, ist wahr gewesen.“ Daher glauben hier viele an Jesus. Johannes 10:22-42; 4:26; 8:23, 58; Matthäus 16:20.
▪ Woran sollen die Menschen Jesus als den Christus erkennen?
▪ In welcher Hinsicht sind Jesus und sein Vater eins?
▪ Was veranlaßt die Juden offensichtlich zu der Äußerung, Jesus würde sich selbst zu einem Gott machen?
▪ Wie zeigt das, was Jesus aus den Psalmen zitiert, daß er nicht behauptet, Gott gleich zu sein?
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Jesus ist wieder unterwegs nach JerusalemDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 82
Jesus ist wieder unterwegs nach Jerusalem
JESUS ist bald wieder unterwegs und lehrt von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf. Offensichtlich hält er sich im Bezirk Peräa auf, der jenseits des Jordan liegt, gegenüber von Judäa. Das eigentliche Ziel Jesu ist jedoch Jerusalem.
Nach der jüdischen Anschauung verdient nur eine begrenzte Zahl von Menschen die Rettung; vielleicht deshalb stellt ein Mann die Frage: „Herr, sind derer wenige, die gerettet werden?“ Jesu Antwort zwingt die Menschen, darüber nachzudenken, was für die Rettung erforderlich ist: „Ringt danach [das heißt kämpft darum], durch die enge Tür einzugehen.“
Solch große Anstrengungen sind notwendig, weil viele, wie Jesus weiter zeigt, „hineinzukommen suchen“, „es aber nicht vermögen“. Warum ist es ihnen nicht möglich? Er erklärt, daß der Hausherr, ‘wenn er einmal aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und die Leute draußen stehen und klopfen und rufen: „Herr, öffne uns“, sagen wird: „Ich weiß nicht, woher ihr seid. Geht weg von mir, all ihr Täter der Ungerechtigkeit!“ ’
Diese ausgesperrten Leute kommen offensichtlich zu einer Zeit, die ihnen am besten paßt. Doch dann ist die Tür — das heißt die sich bietende Gelegenheit — verschlossen und verriegelt. Um hineinzugelangen, hätten sie eher kommen müssen, auch wenn das zu jener Zeit für sie unbequem gewesen wäre. Diejenigen, die es aufschieben, die Anbetung Jehovas in ihrem Leben an die erste Stelle zu setzen, erwartet tatsächlich ein trauriges Los.
Die Juden, zu denen Jesus gesandt wurde, um ihnen zu predigen, haben zum größten Teil die wunderbare Gelegenheit versäumt, Gottes Vorkehrung zur Rettung anzunehmen. Daher sagt Jesus, daß sie weinen und mit den Zähnen knirschen werden, wenn man sie hinausgeworfen hat. Dagegen werden Leute aus „östlichen und westlichen Gegenden und von Norden und Süden“, ja aus allen Nationen „zu Tisch liegen im Königreich Gottes“.
Jesus fährt fort: „Es gibt Letzte [verachtete Nichtjuden sowie unterdrückte Juden], die Erste sein werden, und es gibt Erste [die materiell und religiös begünstigten Juden], die Letzte sein werden.“ Daß solche trägen, undankbaren Menschen Letzte sind, bedeutet, daß sie auf keinen Fall in das Königreich Gottes eingehen werden.
Einige Pharisäer kommen jetzt zu Jesus und sagen: „Geh weg, und zieh fort von hier, denn Herodes [Antipas] will dich töten.“ Es könnte sein, daß Herodes das Gerücht selbst in die Welt gesetzt hat, um Jesus zur Flucht aus dem Gebiet zu veranlassen. Herodes möchte wohl nicht noch einmal etwas mit dem Tod eines Propheten Gottes zu tun haben, wie das bei der Ermordung von Johannes dem Täufer der Fall war. Doch Jesus erwidert den Pharisäern: „Geht und sagt diesem Fuchs: ‚Siehe! Ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich fertig sein.‘ “
Nachdem Jesus sein Werk dort vollendet hat, setzt er seine Reise nach Jerusalem fort und erklärt den Grund dafür wie folgt: „Es geht nicht an, daß ein Prophet außerhalb Jerusalems umgebracht wird.“ Warum ist anzunehmen, daß Jesus in Jerusalem getötet wird? Weil Jerusalem die Hauptstadt ist, in der sich der 71 Mitglieder zählende Sanhedrin, der hohe Gerichtshof der Juden, befindet und in der die Tieropfer dargebracht werden. Daher wäre es unstatthaft, das „Lamm Gottes“ irgendwo anders als in Jerusalem zu töten.
„Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind“, klagt Jesus. „Wie oft wollte ich deine Kinder versammeln, so wie eine Henne ihre Brut, ihre Küken, unter ihre Flügel sammelt, ihr aber habt nicht gewollt! Siehe! Euer Haus wird euch verödet überlassen.“ Da die Nation den Sohn Gottes verwirft, ist sie zum Untergang verurteilt.
Auf dem Weg nach Jerusalem wird Jesus in das Haus eines Vorstehers der Pharisäer eingeladen. Es ist Sabbat, und die Menschen beobachten ihn aufmerksam, da ein Mann zugegen ist, der an Wassersucht leidet, einer Wasserstauung, die möglicherweise in seinen Armen und Beinen auftritt. Jesus wendet sich an die anwesenden Pharisäer und Gesetzeskundigen und fragt: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?“
Niemand sagt ein Wort. Daher heilt Jesus den Mann und sendet ihn fort. Dann fragt er: „Wer von euch, dessen Sohn oder Stier in einen Brunnen fällt, wird ihn am Sabbattag nicht sogleich herausziehen?“ Wieder erhält er keine Antwort. Lukas 13:22 bis 14:6; Johannes 1:29.
▪ Was ist, wie Jesus zeigt, für die Rettung erforderlich, und warum werden viele ausgesperrt?
▪ Wer sind die „Letzten“, die Erste werden, und wer die „Ersten“, die Letzte werden?
▪ Warum wurde möglicherweise gesagt, Herodes wolle Jesus töten?
▪ Warum ist es nicht statthaft, daß ein Prophet außerhalb Jerusalems getötet wird?
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Zu Gast bei einem PharisäerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 83
Zu Gast bei einem Pharisäer
JESUS ist immer noch im Haus eines prominenten Pharisäers und hat gerade einen Mann geheilt, der an Wassersucht litt. Als er sieht, wie sich die anderen Gäste die besten Plätze bei dem Mahl aussuchen, erteilt er allen eine Lektion in bezug auf Demut.
„Wenn du von jemandem zu einem Hochzeitsfest eingeladen bist“, erklärt Jesus, „so lege dich nicht an dem hervorragendsten Platz nieder. Vielleicht mag ein Vornehmerer als du zur gleichen Zeit von ihm eingeladen worden sein, und der dich und ihn eingeladen hat, wird kommen und zu dir sagen: ‚Laß diesen den Platz haben.‘ Und dann wirst du beschämt davongehen, um den untersten Platz einzunehmen.“
Jesus rät daher: „Wenn du aber eingeladen bist, so geh und leg dich auf den untersten Platz, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sage: ‚Freund, rück höher hinauf.‘ Dann wirst du vor allen Mitgästen geehrt sein.“ Abschließend sagt Jesus: „Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Als nächstes wendet sich Jesus an den Pharisäer, der ihn eingeladen hat, und beschreibt, wie man ein Gastmahl bereiten kann, das bei Gott wirklich von Wert ist. „Wenn du ein Mittag- oder ein Abendessen veranstaltest, so rufe weder deine Freunde noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn herbei. Vielleicht könnten sie auch dich wieder einmal einladen, und es würde dir Vergeltung zuteil. Sondern wenn du ein Gastmahl veranstaltest, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein, und du wirst glücklich sein, weil sie nichts haben, dir zu vergelten.“
Ein solches Mahl für Minderbemittelte macht denjenigen, der es bereitet, glücklich. Den Grund dafür erklärt Jesus seinem Gastgeber wie folgt: „Es wird dir in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden.“ Jesu Beschreibung dieses Mahls ruft einem der Mitgäste eine andere Art von Mahl in den Sinn. „Glücklich ist, wer Brot ißt im Königreich Gottes“, sagt dieser Gast. Doch nicht alle schätzen diese freudige Aussicht richtig ein, wie Jesus in einem Gleichnis zeigt.
„Ein gewisser Mensch veranstaltete ein großes Abendessen, und er lud viele ein. Und ... er [sandte] seinen Sklaven aus, um zu den Geladenen zu sagen: ‚Kommt, denn alles ist nun bereit.‘ Sie aber fingen allesamt an, sich loszubitten. Der erste sagte zu ihm: ‚Ich habe ein Feld gekauft und muß hingehen und es ansehen; ich bitte dich, entschuldige mich.‘ Und ein anderer sprach: ‚Ich habe fünf Joch Rinder gekauft und gehe, sie zu prüfen; ich bitte dich, entschuldige mich.‘ Noch ein anderer sprach: ‚Ich habe eben eine Frau geheiratet, und darum kann ich nicht kommen.‘ “
Welch fadenscheinige Entschuldigungen! Ein Feld oder Vieh prüft man normalerweise, bevor man es kauft, und deshalb ist es nicht unbedingt notwendig, es sich hinterher anzuschauen. Auch sollte sich jemand durch eine Heirat nicht daran hindern lassen, eine so wichtige Einladung anzunehmen. Als der Herr daher die Entschuldigungen hört, wird er zornig und gebietet seinem Sklaven:
„ ‚Geh schnell hinaus auf die breiten Straßen und die Gassen der Stadt, und bring die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen herein.‘ Zu seiner Zeit sagte der Sklave: ‚Herr, was du befohlen hast, ist getan worden, und noch ist Raum da.‘ Und der Herr sprach zu dem Sklaven: ‚Geh hinaus auf die Wege und an die eingezäunten Orte und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus gefüllt werde. ... Keiner von jenen Männern, die eingeladen waren, wird von meinem Abendessen kosten.‘ “
Was veranschaulicht dieses Gleichnis? Nun, der „Herr“, der das Mahl bereitet, stellt Jehova Gott dar; der „Sklave“, der die Einladung austeilt, ist Jesus Christus; und das „große Abendessen“ ist die Gelegenheit, ein voraussichtlicher Teilhaber am Königreich der Himmel zu werden.
Zu den ersten, die die Einladung erhielten, ein voraussichtlicher Teilhaber am Königreich zu werden, gehörten vor allem die jüdischen religiösen Führer der Tage Jesu. Sie lehnten diese Einladung jedoch ab. Daher erging besonders von Pfingsten 33 u. Z. an eine zweite Einladung, und zwar an die Verachteten und Geringen in der jüdischen Nation. Doch es reagierten nicht genug, um alle 144 000 Plätze in Gottes himmlischem Königreich zu besetzen. Deshalb erging im Jahre 36 u. Z., dreieinhalb Jahre später, eine dritte und letzte Einladung, und zwar an unbeschnittene Nichtjuden. Die Einsammlung dieser Gruppe hat bis in unsere Tage angedauert. Lukas 14:1-24.
▪ Welche Lektion in bezug auf Demut erteilt Jesus?
▪ Wie kann ein Gastgeber ein Mahl bereiten, das in den Augen Gottes wirklich von Wert ist, und wieso wird es den Betreffenden glücklich machen?
▪ Warum sind die Entschuldigungen der geladenen Gäste fadenscheinig?
▪ Was wird durch Jesu Gleichnis von dem „großen Abendessen“ veranschaulicht?
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Die Verantwortung als JüngerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 84
Die Verantwortung als Jünger
NACHDEM Jesus das Haus des prominenten Pharisäers, der offenbar dem Sanhedrin angehört, wieder verlassen hat, setzt er seinen Weg nach Jerusalem fort. Große Volksmengen folgen ihm. Doch welche Beweggründe haben sie? Was bedeutet es in Wirklichkeit, einer seiner wahren Nachfolger zu sein?
Unterwegs wendet sich Jesus an die Volksmengen mit folgender, für sie möglicherweise schockierenden Aussage: „Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und seine Schwestern, ja selbst seine eigene Seele, so kann er nicht mein Jünger sein.“
Was meint Jesus damit? Jesus sagt hier nicht, daß seine Nachfolger ihre Verwandten buchstäblich hassen sollten. Sie müssen sie vielmehr in dem Sinne hassen, daß sie sie weniger lieben als ihn. Von Jakob, einem der Vorfahren Jesu, heißt es, er habe Lea „gehaßt“ und Rahel geliebt, was bedeutet, daß Lea weniger geliebt wurde als ihre Schwester Rahel.
Beachte außerdem, daß Jesus sagt, ein Jünger müsse „selbst seine eigene Seele“ oder sein Leben hassen. Auch damit will Jesus zeigen, daß ein wahrer Jünger ihn mehr lieben muß als sein eigenes Leben. Jesus weist somit nachdrücklich darauf hin, daß es eine schwere Verantwortung ist, einer seiner Jünger zu werden. Ein solcher Schritt muß sorgfältig bedacht werden.
Ein Jünger Jesu zu sein bringt Härten und Verfolgung mit sich, wie er in seinen weiteren Ausführungen zeigt: „Wer nicht seinen Marterpfahl trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein.“ Ein wahrer Jünger muß demnach bereit sein, eine genauso schmachvolle Behandlung über sich ergehen zu lassen wie Jesus, was sogar einschließt, nötigenfalls durch die Hand der Feinde Gottes zu sterben, wie es Jesus bevorsteht.
Diejenigen, die Jesus folgen, müssen sich daher sehr genau überlegen, ob sie seine Jünger sein wollen. Darauf weist Jesus durch eine Veranschaulichung nachdrücklich hin. Er sagt: „Zum Beispiel: Wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuerst nieder und berechnet die Kosten, um zu sehen, ob er genug habe, ihn zu vollenden? Sonst könnte er den Grund dazu legen, aber nicht imstande sein, ihn zu Ende zu bringen, und alle Zuschauenden könnten anfangen, ihn zu verspotten und zu sagen: ‚Dieser Mensch fing an zu bauen, konnte es aber nicht zu Ende bringen.‘ “
Auf diese Weise zeigt Jesus den Volksmengen, die ihm folgen, daß sich jemand, bevor er sein Jünger wird, vergewissern muß, ob er alles, was damit verbunden ist, tun kann, so wie sich ein Mann, der einen Turm bauen möchte, vor Baubeginn versichert, daß seine Mittel reichen, um ihn zu vollenden. Jesus fährt mit einer weiteren Veranschaulichung fort:
„Oder welcher König, der auszieht, um mit einem anderen König im Krieg zusammenzutreffen, setzt sich nicht zuerst nieder und hält Rat, ob er imstande ist, sich mit zehntausend Mann mit dem zu messen, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? In der Tat, wenn er es nicht tun kann, dann schickt er, während jener noch weit weg ist, eine Gesandtschaft hin und wirbt um Frieden.“
Jesus hebt dann den entscheidenden Punkt seiner Veranschaulichungen hervor und sagt: „Somit könnt ihr sicher sein, daß keiner von euch, der nicht seiner ganzen Habe Lebewohl sagt, mein Jünger sein kann.“ Dazu müssen diejenigen, die ihm folgen, ja alle, die von ihm lernen, bereit sein. Sie müssen gewillt sein, alles zu opfern, was sie haben — all ihren Besitz einschließlich des eigenen Lebens —, wenn sie seine Jünger sein möchten. Bist du dazu entschlossen?
„Das Salz ist sicherlich vortrefflich“, fährt Jesus fort. In seiner Bergpredigt hatte er gesagt, daß seine Jünger „das Salz der Erde“ sind, das heißt, daß sie einen lebenserhaltenden Einfluß auf andere haben gleich Salz, das konserviert. „Wenn aber selbst das Salz seine Kraft verliert, womit wird es gewürzt werden? Es ist weder für den Boden noch als Dünger tauglich“, sagt Jesus zum Schluß. „Man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, höre zu.“
So zeigt Jesus, daß auch diejenigen, die bereits seit einiger Zeit seine Jünger sind, in ihrer Entschlossenheit, es zu bleiben, nicht nachlassen dürfen. Sonst wären sie nicht mehr zu gebrauchen — ein Gegenstand des Spotts für die Welt und untauglich vor Gott, tatsächlich eine Schmach für Gott. Gleich kraftlosem, verunreinigtem Salz würden sie hinausgeworfen, ja vernichtet werden. Lukas 14:25-35; 1. Mose 29:30-33; Matthäus 5:13.
▪ Was bedeutet es, seine Verwandten und sich selbst zu „hassen“?
▪ Welche beiden Veranschaulichungen gebraucht Jesus, und was bedeuten sie?
▪ Was ist der entscheidende Punkt bei Jesu anschließenden Bemerkungen über das Salz?
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Auf der Suche nach den VerlorenenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 85
Auf der Suche nach den Verlorenen
JESUS ist eifrig bemüht, diejenigen zu finden, die Gott demütig dienen möchten. Er versucht, sie ausfindig zu machen, indem er mit jedem über das Königreich spricht, selbst mit eingefleischten Sündern. Solche Personen kommen nun näher, um ihm zuzuhören.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die das sehen, kritisieren Jesus, weil er mit Menschen verkehrt, die in ihren Augen dieser Aufmerksamkeit nicht würdig sind. Sie murren: „Dieser Mann heißt Sünder willkommen und ißt mit ihnen.“ So etwas wäre für sie unter aller Würde. Die Pharisäer und Schriftgelehrten betrachten das gewöhnliche Volk wie Schmutz unter ihren Füßen. Sie gebrauchen sogar den hebräischen Ausdruck ‛am-ha’árez, „Menschen des Landes [oder der Erde]“, um zu zeigen, wie sehr sie diese Leute verachten.
Jesus behandelt dagegen jeden mit Würde, Freundlichkeit und Mitgefühl. Daher sind viele dieser Niedrigen, ja selbst Personen, die für ihr schlechtes Tun bekannt sind, begierig, ihm zuzuhören. Doch wie verhält es sich mit der Kritik der Pharisäer an Jesus, weil er sich mit solchen abgibt, die sie nicht für würdig halten?
Jesus begegnet ihrem Einwand mit einer Veranschaulichung. Er geht dabei vom Standpunkt der Pharisäer aus und spricht von ihnen, als seien sie gerecht und befänden sich auf alle Fälle in der Hürde Gottes, während die verachtenswerten ‛am-ha’árez vom rechten Weg abgekommen seien und sich in einem aussichtslosen Zustand befänden. Hören wir uns einmal an, welche Frage Jesus aufwirft:
„Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat, wird nicht, wenn er eines von ihnen verliert, die neunundneunzig in der Wildnis hinter sich lassen und dem einen verlorenen nachgehen, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern und freut sich. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und seine Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.‘ “
Jesus erklärt auch gleich die Bedeutung seiner Geschichte: „Ich sage euch, daß so im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder sein wird, der bereut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Reue nicht bedürfen.“
Die Pharisäer halten sich selbst für gerecht und sehen somit keine Notwendigkeit zu bereuen. Als zwei Jahre zuvor einige von ihnen Jesus kritisierten, weil er mit Steuereinnehmern und Sündern aß, hatte er zu ihnen gesagt: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Die selbstgerechten Pharisäer, die nicht erkennen, daß sie bereuen müßten, lösen im Himmel keine Freude aus. Das ist jedoch bei Sündern der Fall, die wirklich bereuen.
Um noch einmal hervorzuheben, daß die Umkehr von verlorenen Sündern ein Grund zu großer Freude ist, bedient sich Jesus einer weiteren Veranschaulichung. Er sagt: „Welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht eine Lampe an, wenn sie eine Drachme verliert, und fegt ihr Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.‘ “
Jesus erklärt dies ähnlich und fährt fort: „So, sage ich euch, gibt es bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der bereut.“
Wie bemerkenswert diese liebevolle Anteilnahme der Engel Gottes an der Umkehr von verlorenen Sündern doch ist! Das ist besonders deshalb der Fall, weil die einst niedergedrückten, verachteten ‛am-ha’árez voraussichtliche Teilhaber an Gottes himmlischem Königreich werden können. Dadurch erhalten sie eine Stellung im Himmel, die höher ist als selbst die der Engel. Aber statt eifersüchtig oder beleidigt zu sein, erkennen die Engel demütig an, daß diese sündigen Menschen bestimmte Situationen erlebt und gemeistert haben, wodurch sie in der Lage sind, als mitfühlende und barmherzige himmlische Könige und Priester zu dienen. Lukas 15:1-10; Matthäus 9:13; 1. Korinther 6:2, 3; Offenbarung 20:6.
▪ Warum pflegt Jesus Gemeinschaft mit Menschen, die als Sünder gelten, und welche Kritik trägt ihm das von seiten der Pharisäer ein?
▪ Wie betrachten die Pharisäer das gewöhnliche Volk?
▪ Welche Veranschaulichungen gebraucht Jesus, und was können wir daraus lernen?
▪ Warum ist die Freude der Engel so bemerkenswert?
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Die Geschichte vom verlorenen SohnDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 86
Die Geschichte vom verlorenen Sohn
JESUS hat gerade den Pharisäern zwei Gleichnisse erzählt, die vom Wiederfinden eines verlorenen Schafes und einer Drachme handelten. Nun fährt er mit einem weiteren Gleichnis fort. Es geht darum, wie ein liebevoller Vater zwei Söhne behandelt, die beide schwere Fehler begehen.
Da ist zuerst der jüngere Sohn, die Hauptperson in dem Gleichnis. Er kassiert sein Erbe ein, das ihm sein Vater ohne Zögern gegeben hat. Dann verläßt er sein Zuhause und fängt an, ein sehr unsittliches Leben zu führen. Doch hören wir Jesus zu, während er die Geschichte erzählt, und versuchen wir herauszufinden, wen die Betreffenden darstellen.
„Ein gewisser Mensch“, beginnt Jesus, „hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: ‚Vater, gib mir den Anteil des Eigentums, der mir zukommt.‘ Darauf teilte er [der Vater] seine Mittel zum Lebensunterhalt unter sie.“ Was tat der jüngere Sohn mit dem, was er erhielt?
„Später“, erklärt Jesus, „nicht viele Tage danach, packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste fort in ein fernes Land und verschwendete dort sein Eigentum, indem er ein ausschweifendes Leben führte.“ Ja, er gab sein Geld aus, indem er mit Prostituierten zusammenlebte. Doch dann kamen schwere Zeiten, wie Jesus weiter erzählt:
„Als er alles verbraucht hatte, entstand eine schwere Hungersnot in jenem ganzen Land; und er fing an, Not zu leiden. Er ging sogar hin und schloß sich einem der Bürger jenes Landes an, und er sandte ihn auf seine Felder, damit er Schweine hüte. Und er begehrte jeweils, sich mit den Johannisbrotschoten zu sättigen, die die Schweine fraßen, und niemand gab ihm welche.“
Wie entwürdigend, zum Schweinehüten gezwungen zu sein, da diese Tiere nach dem Gesetz unrein waren! Was den Sohn jedoch am meisten peinigte, war der quälende Hunger, der ihn sogar veranlaßte, das Futter zu begehren, das die Schweine erhielten. Seine furchtbare Notlage brachte ihn wieder „zur Besinnung“, wie Jesus sagt.
Jesus setzt die Geschichte fort und erzählt: „Er [sagte zu sich]: ‚Wie viele Lohnarbeiter meines Vaters haben Brot in Fülle, während ich hier vor Hunger zugrunde gehe! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater ziehen und zu ihm sagen: „Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Halte mich wie einen deiner Lohnarbeiter.“ ‘ Er machte sich also auf und ging zu seinem Vater.“
Hier können wir etwas Beachtenswertes erkennen: Wenn der Vater seinen Sohn ärgerlich angeschrien hätte, als dieser von zu Hause fortging, wäre er sich wahrscheinlich nicht so sicher gewesen, was er tun würde. Er hätte sich zur Rückkehr entschließen und irgendwo in seinem Heimatland Arbeit suchen können, ohne seinem Vater unter die Augen zu treten. Solch ein Gedanke kam ihm jedoch nicht in den Sinn. Er wollte wieder nach Hause!
Der Vater in dem Gleichnis Jesu stellt eindeutig unseren liebevollen, barmherzigen himmlischen Vater, Jehova Gott, dar. Und wahrscheinlich erkennen wir auch, daß der verlorene Sohn für Menschen steht, die als Sünder bekannt sind. Die Pharisäer, zu denen Jesus spricht, haben Jesus bei einer früheren Gelegenheit kritisiert, weil er mit solchen Sündern gegessen hat. Doch wer wird durch den älteren Sohn dargestellt?
Der verlorene Sohn wiedergefunden
Wie wird der verlorene Sohn aus dem Gleichnis Jesu aufgenommen, als er in das Haus seines Vaters zurückkehrt? Hören wir, wie Jesus es beschreibt:
„Als er noch weit weg war, erblickte ihn sein Vater und wurde von Mitleid bewegt, und er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich.“ Welch ein barmherziger, liebevoller Vater, der in vortrefflicher Weise Jehova, unseren himmlischen Vater, darstellt!
Wahrscheinlich hat der Vater von dem ausschweifenden Leben seines Sohnes gehört. Doch er heißt ihn zu Hause willkommen, ohne eine ausführliche Erklärung abzuwarten. Auch Jesus hat eine solch herzliche Art, denn er geht auf Sünder und Steuereinnehmer zu, Personen, die in dem Gleichnis durch den verlorenen Sohn dargestellt werden.
Bestimmt kann sich der verständnisvolle Vater in Jesu Geschichte ein gewisses Bild von der Reue seines Sohnes machen, da er den traurigen, niedergeschlagenen Gesichtsausdruck des Heimkehrers beobachtet. Die liebevolle Initiative des Vaters erleichtert es dem Sohn allerdings auch, seine Sünden zu bekennen, wie Jesus erzählt: „Da sagte der Sohn zu ihm: ‚Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Halte mich wie einen deiner Lohnarbeiter.‘ “
Kaum hat der Sohn diese Worte ausgesprochen, wird der Vater aktiv und befiehlt seinen Sklaven: „Schnell! Bringt ein langes Gewand heraus, das beste, und kleidet ihn damit, und tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße. Und bringt den gemästeten jungen Stier her, schlachtet ihn, und laßt uns essen und fröhlich sein, denn dieser mein Sohn war tot und kam wieder zum Leben; er war verloren und wurde gefunden.“ Dann fangen sie an, „fröhlich zu sein.“
Währenddessen war der ältere Sohn des Vaters „auf dem Feld“. Versuche jetzt, aus dem übrigen Teil der Geschichte herauszufinden, wen er darstellt. Jesus sagt von dem älteren Sohn: „Als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Konzertklänge und Tanz. Da rief er einen von den Knechten herbei und erkundigte sich, was diese Dinge bedeuteten. Er sprach zu ihm: ‚Dein Bruder ist gekommen, und weil dein Vater ihn gesund zurückerhalten hat, hat er den gemästeten jungen Stier geschlachtet.‘ Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen. Da kam sein Vater heraus und begann ihm zuzureden. Als Antwort sagte er zu seinem Vater: ‚Sieh, ich habe so viele Jahre wie ein Sklave für dich gearbeitet, und kein einziges Mal habe ich dein Gebot übertreten, und doch hast du mir kein einziges Mal ein Böckchen gegeben, damit ich mit meinen Freunden hätte fröhlich sein können. Sobald aber dieser dein Sohn, der deine Mittel zum Lebensunterhalt mit Huren verpraßt hat, angekommen ist, hast du den gemästeten jungen Stier für ihn geschlachtet.‘ “
Wer hat wie der ältere Sohn Barmherzigkeit und Aufmerksamkeit gegenüber Sündern kritisiert? Waren es nicht die Schriftgelehrten und die Pharisäer? Da Jesus das Gleichnis als Reaktion auf ihre Kritik, daß er Sünder willkommen hieß, erzählte, ist es ganz eindeutig diese Personengruppe, die durch den älteren Sohn dargestellt wird.
Jesus beendet die Geschichte mit folgenden Worten, die der Vater an seinen älteren Sohn richtet: „Kind, du bist immer bei mir gewesen, und alles, was mein ist, ist dein; aber wir mußten einfach fröhlich sein und uns freuen, denn dieser dein Bruder war tot und kam zum Leben, und er war verloren und wurde gefunden.“
Jesus gibt keinen weiteren Aufschluß darüber, was der ältere Sohn schließlich tut. Tatsächlich begann später, nach Jesu Tod und Auferstehung, „eine große Menge Priester ... dem Glauben gehorsam zu sein“, möglicherweise auch einige, die zu der Klasse des „älteren Sohnes“ gehörten, von der Jesus hier spricht.
Doch wer wird durch die beiden Söhne in der Neuzeit dargestellt? Es müssen Personen sein, die genug über Jehovas Vorsätze erfahren haben, um auf dieser Grundlage ein Verhältnis zu ihm zu entwickeln. Der ältere Sohn stellt bestimmte Glieder der „kleinen Herde“ oder der „Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln eingetragen worden sind“, dar. Diese entwickelten eine ähnliche Einstellung wie der ältere Sohn. Sie wollten keine irdische Klasse — die „anderen Schafe“ — willkommen heißen, da diese sie ihrer Meinung nach in den Schatten stellen würde.
Der verlorene Sohn stellt dagegen diejenigen aus Gottes Volk dar, die es verlassen, um die Vergnügungen der Welt zu genießen, die aber im Laufe der Zeit reumütig zurückkehren und wieder aktive Diener Gottes werden. Wie liebevoll und barmherzig der Vater doch denen gegenüber ist, die erkennen, daß sie der Vergebung bedürfen, und zu ihm zurückkehren! Lukas 15:11-32; 3. Mose 11:7, 8; Apostelgeschichte 6:7; Lukas 12:32; Hebräer 12:23; Johannes 10:16.
▪ Wem erzählt Jesus dieses Gleichnis oder diese Geschichte, und warum?
▪ Wer ist in der Geschichte die Hauptperson, und was widerfährt ihm?
▪ Wen stellen in den Tagen Jesu der Vater und der jüngere Sohn dar?
▪ Inwiefern ahmt Jesus das Beispiel des barmherzigen Vaters aus seinem Gleichnis nach?
▪ Wie denkt der ältere Sohn darüber, daß sein Bruder mit offenen Armen willkommen geheißen wird, und inwiefern gleicht das Verhalten der Pharisäer dem des älteren Sohnes?
▪ Welche Anwendung hat das Gleichnis Jesu in unseren Tagen?
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Mit praktischer Weisheit für die Zukunft sorgenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 87
Mit praktischer Weisheit für die Zukunft sorgen
JESUS hat einer Volksmenge, zu der auch seine Jünger, unehrliche Steuereinnehmer und andere Sünder sowie Schriftgelehrte und Pharisäer gehören, gerade die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt. Nun wendet er sich an seine Jünger und erzählt ein Gleichnis, in dem es um einen reichen Mann geht, der einen ungünstigen Bericht über seinen Hausverwalter erhält.
Wie Jesus sagt, ruft der reiche Mann seinen Verwalter zu sich, um ihm mitzuteilen, daß er ihn zu entlassen gedenke. „Was soll ich tun, da mir mein Herr die Verwaltung wegnehmen wird?“ fragt sich der Verwalter. „Zum Graben bin ich nicht stark genug, zu betteln schäme ich mich. Ah, ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, in ihre Häuser aufnehmen.“
Welchen Plan hat der Verwalter? Er läßt diejenigen kommen, die bei seinem Herrn Schulden haben. „Wieviel schuldest du meinem Herrn?“ fragt er den ersten.
Dieser antwortet: ‘2 200 Liter Olivenöl’.
‘Nimm deinen schriftlichen Vertrag zurück, und setz dich, und schreib schnell 1 100’, fordert er ihn auf.
Dann wendet er sich an den nächsten: ‘Du nun, wieviel schuldest du ihm?’
Der Betreffende erwidert: ‘22 000 Liter Weizen’.
‘Nimm deinen schriftlichen Vertrag zurück, und schreib 18 000.’
Der Verwalter hat das Recht, die Schuldscheine seines Herrn zu ändern, da er immer noch für dessen finanzielle Angelegenheiten verantwortlich ist. Indem er die Mengen verringert, macht er sich diejenigen zu Freunden, die ihm als Gegenleistung eine Gefälligkeit erweisen können, wenn er seine Arbeit verliert.
Als sein Herr von der Sache erfährt, ist er beeindruckt, ja er „lobte den Verwalter, weil er, obwohl ungerecht, mit praktischer Weisheit gehandelt hatte“. Jesus fügt sogar noch hinzu: „Die Söhne dieses Systems der Dinge sind ihrer eigenen Generation gegenüber in praktischer Hinsicht weiser als die Söhne des Lichts.“
Dann zeigt er, welche Lehre seine Jünger daraus ziehen sollen, und ermuntert sie: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Reichtum, damit, wenn dieser versagt, sie euch in die ewigen Wohnstätten aufnehmen.“
Jesus lobt den Verwalter nicht für seine Unredlichkeit, sondern für seine Weitsicht, für seine praktische Weisheit. Oft verwenden „die Söhne dieses Systems der Dinge“ ihr Geld oder ihre Stellung in kluger Weise dafür, sich Freunde zu machen, die ihnen ihrerseits einen Gefallen tun können. Gottes Diener, „die Söhne des Lichts“, sollten ihren materiellen Besitz, ihren „ungerechten Reichtum“, somit auch auf kluge Weise zu ihrem eigenen Nutzen verwenden.
Wie Jesus jedoch sagt, sollen sie sich durch diesen Reichtum diejenigen zu Freunden machen, die sie „in die ewigen Wohnstätten“ aufnehmen können. Für die Glieder der kleinen Herde befinden sich diese Stätten im Himmel, für die „anderen Schafe“ auf einer paradiesischen Erde. Da nur Jehova Gott und sein Sohn Menschen in diese Stätten aufnehmen können, sollten wir eifrig eine Freundschaft mit ihnen entwickeln, indem wir jeden „ungerechten Reichtum“, den wir besitzen mögen, zur Unterstützung der Königreichsinteressen einsetzen. Wenn dann der materielle Reichtum versagt oder verschwindet, was ganz bestimmt der Fall sein wird, bleibt uns die sichere Hoffnung auf eine ewige Zukunft.
Jesus sagt des weiteren, daß Personen, die selbst diese materiellen oder geringen Dinge treu verwalten, sich auch als treu erweisen werden, wenn es um Dinge von größerer Bedeutung geht. Er fährt fort: „Wenn ihr euch also in Verbindung mit dem ungerechten Reichtum nicht als treu erwiesen habt, wer wird euch das Wahre [d. h. die geistigen Interessen oder Königreichsinteressen] anvertrauen? Und wenn ihr euch in Verbindung mit dem, was einem anderen gehört [d. h. die Königreichsinteressen, die Gott seinen Dienern anvertraut], nicht als treu erwiesen habt, wer wird euch das Eure [Lohn in Form von Leben in den ewigen Wohnstätten] geben?“
Wir können auf keinen Fall wahre Diener Gottes und gleichzeitig Sklaven des ungerechten Reichtums, des materiellen Besitzes, sein, wie Jesus zum Schluß zeigt: „Kein Hausknecht kann ein Sklave zweier Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein.“ Lukas 15:1, 2; 16:1-13; Johannes 10:16.
▪ Wie macht sich der Verwalter in Jesu Gleichnis diejenigen zu Freunden, die ihm später helfen können?
▪ Was ist der „ungerechte Reichtum“, und wie können wir uns damit Freunde machen?
▪ Wer kann uns in „die ewigen Wohnstätten“ aufnehmen, und um welche Stätten handelt es sich?
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Der reiche Mann und LazarusDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 88
Der reiche Mann und Lazarus
JESUS spricht mit seinen Jüngern über den richtigen Gebrauch von materiellem Besitz und erklärt, daß wir nicht gleichzeitig Sklaven des Reichtums und Sklaven Gottes sein können. Die geldliebenden Pharisäer, die ebenfalls zuhören, beginnen Jesus deshalb zu verhöhnen. Daher sagt er zu ihnen: „Ihr seid es, die sich vor Menschen selbst gerechtsprechen, aber Gott kennt euer Herz; denn was bei den Menschen hoch ist, ist etwas Abscheuliches in Gottes Augen.“
Es ist an der Zeit, daß sich die Situation für jene Leute ändert, die reich sind an weltlichen Gütern, an politischer Gewalt sowie an Macht und Einfluß auf religiösem Gebiet. Sie sollen erniedrigt werden. Diejenigen jedoch, die ihre geistigen Bedürfnisse erkennen, sollen erhöht werden. Jesus weist auf einen solchen Wechsel hin, als er zu den Pharisäern weiter sagt:
„Das GESETZ und die PROPHETEN waren bis zu Johannes [dem Täufer]. Von da an wird das Königreich Gottes als gute Botschaft verkündigt, und Menschen von jeder Art drängen vorwärts, ihm entgegen. Es ist tatsächlich leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein Teilchen eines Buchstabens des GESETZES unerfüllt bleibe.“
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer sind stolz auf ihre an sich scheinheilige Befolgung des mosaischen Gesetzes. Wie wir uns erinnern, prahlten sie bei einer Gelegenheit, als Jesus in Jerusalem einen gewissen Mann durch ein Wunder sehend machte: „Wir ... sind Moses’ Jünger. Wir wissen, daß Gott zu Moses geredet hat.“ Doch nun hat das Gesetz Mose seinen eigentlichen Zweck so gut wie erfüllt, nämlich demütige Menschen zu Gottes auserwähltem König, Jesus Christus, zu führen. Deshalb bemühen sich — seit Johannes mit seinem Dienst begann — alle Arten von Menschen, vor allem die demütigen und die armen, Untertanen des Königreiches Gottes zu werden.
Da das mosaische Gesetz nun im Begriff ist, sich zu erfüllen, soll die Verpflichtung, es zu halten, aufgehoben werden. Das Gesetz gestattet beispielsweise die Scheidung aus den verschiedensten Gründen, aber Jesus sagt jetzt: „Jeder, der sich von seiner Frau scheiden läßt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und wer eine von ihrem Mann Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch.“ Wie solche Äußerungen die Pharisäer doch verärgern müssen, denn sie lassen für eine Scheidung zahlreiche Gründe gelten.
An die Pharisäer gewandt, erzählt Jesus nun ein Gleichnis, in dem es um zwei Männer geht, deren Stellung oder Lage eine völlige Veränderung erfährt. Weißt du, wer durch diese Männer dargestellt wird und was ihre veränderte Lage bedeutet?
„Ein gewisser Mensch aber war reich“, sagt Jesus, „und er pflegte sich Purpur und Leinwand umzulegen und lebte Tag für Tag fröhlich und in Prunk. Ein gewisser Bettler aber namens Lazarus, der voller Geschwüre war, wurde jeweils an sein Tor gelegt und begehrte, sich mit dem zu sättigen, was vom Tisch des Reichen fiel. Ja auch die Hunde kamen und beleckten seine Geschwüre.“
Jesus benutzt hier den reichen Mann, um die geistlichen Führer der Juden darzustellen, zu denen nicht nur die Pharisäer und die Schriftgelehrten gehören, sondern auch die Sadduzäer und die Oberpriester. Sie sind reich an geistigen Privilegien und Möglichkeiten, und ihr Lebenswandel entspricht dem des reichen Mannes. Ihre Kleidung aus königlichem Purpur stellt ihre begünstigte Stellung dar und die weiße Leinwand ihre Selbstgerechtigkeit.
Diese stolze Klasse, dargestellt durch den reichen Mann, betrachtet die Armen, das gemeine Volk, mit äußerster Verachtung und nennt sie ‛am-ha’árez oder Menschen der Erde. Der Bettler Lazarus stellt somit jene Menschen dar, denen die geistlichen Führer eine angemessene geistige Ernährung und irgendwelche Vorrechte verwehren, ja sie blicken auf das gemeine Volk — wie auf den mit Geschwüren bedeckten Lazarus — als gleichsam geistig Kranke herab, deren einzig passende Gesellschaft Hunde sind. Doch diejenigen, die zur Lazarus-Klasse gehören, hungern und dürsten nach geistiger Speise und suchen daher am Tor das zu erhalten, was an Brosamen geistiger Speise vom Tisch des Reichen fällt.
Jesus beschreibt nun, daß sich sowohl in bezug auf den Zustand des reichen Mannes als auch den des Lazarus etwas ändert. Was sind das für Veränderungen, und was wird dadurch dargestellt?
Der reiche Mann und Lazarus erfahren eine Veränderung
Der Reiche stellt die geistlichen Führer dar, die aufgrund ihrer Vorrechte und Möglichkeiten begünstigt sind, und Lazarus das gemeine Volk, das nach geistiger Speise hungert. Jesus fährt mit seiner Erzählung fort und beschreibt eine dramatische Veränderung der Verhältnisse der beiden Männer.
„Nun starb im Laufe der Zeit der Bettler“, sagt Jesus, „und er wurde von den Engeln an den Busenplatz Abrahams getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Und im Hades erhob er seine Augen, da er in Qualen war, und er sah Abraham von fern und Lazarus am Busenplatz bei ihm.“
Da der reiche Mann und Lazarus keine buchstäblichen Personen sind, sondern für Klassen von Menschen stehen, ist ihr Tod ebenfalls symbolisch. Was wird dadurch dargestellt?
Jesus hatte unmittelbar vorher auf eine Veränderung der Verhältnisse hingewiesen, indem er sagte, daß ‘das GESETZ und die PROPHETEN bis zu Johannes dem Täufer waren, daß aber von da an das Königreich Gottes verkündigt wird’. Somit hat es mit der von Johannes und Jesus Christus durchgeführten Predigttätigkeit zu tun, daß sowohl der reiche Mann als auch Lazarus in bezug auf ihre früheren Umstände oder Verhältnisse sterben.
Diejenigen, die zur demütigen und reumütigen Lazarus-Klasse gehören, sterben in bezug auf ihren früheren geistig benachteiligten Zustand und gelangen in eine Stellung göttlicher Gunst. Während sie vorher zu den geistlichen Führern aufblicken mußten, um zu erhaschen, was von dem geistigen Tisch herabfiel, werden ihre Bedürfnisse nun durch die biblischen Wahrheiten, die Jesus ihnen vermittelt, befriedigt. Sie gelangen dadurch an den Busenplatz des größeren Abraham, d. h. in eine begünstigte Stellung bei Jehova Gott.
Diejenigen dagegen, die die Klasse des reichen Mannes bilden, ziehen sich Gottes Mißfallen zu, weil sie sich beharrlich weigern, die von Jesus gelehrte Königreichsbotschaft anzunehmen. Sie sterben deshalb in bezug auf ihre frühere Stellung scheinbarer Gunst. Von ihnen heißt es sogar, sie würden sinnbildliche Qualen leiden. Hören wir nun, was der reiche Mann sagt:
„Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle, denn ich leide Pein in diesem lodernden Feuer.“ Die feurigen Gerichtsbotschaften Gottes, die Jesu Jünger verkündigen, quälen die Glieder der Klasse des reichen Mannes. Sie möchten, daß die Jünger die Verbreitung dieser Botschaften einstellen, um so ein gewisses Maß an Erleichterung von ihren Qualen zu erwirken.
„Abraham aber sagte: ‚Kind, bedenke, daß du dein Gutes zu deinen Lebzeiten schon völlig empfangen hast, Lazarus aber entsprechend das Schlechte. Nun aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. Und außer all diesem ist zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, so daß die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch können Leute von dort zu uns herüberkommen.‘ “
Wie gerecht und wie angebracht, daß eine solch völlige Umkehrung der Verhältnisse der Lazarus-Klasse und der Klasse des reichen Mannes erfolgt! Diese Veränderung wird einige Monate später, zu Pfingsten 33 u. Z., vollzogen, als der alte Gesetzesbund durch den neuen Bund ersetzt wird. Zu diesem Zeitpunkt wird unmißverständlich klargemacht, daß die Jünger und nicht die Pharisäer oder die anderen geistlichen Führer von Gott begünstigt werden. Die „große Kluft“, die den sinnbildlichen reichen Mann von Jesu Jüngern trennt, stellt daher Gottes unveränderliches, gerechtes Gericht dar.
Der reiche Mann bittet „Vater Abraham“ als nächstes, Lazarus in das Haus seines Vaters zu senden, denn er habe fünf Brüder. Dadurch läßt der reiche Mann erkennen, daß er zu einem anderen Vater, bei dem es sich in Wirklichkeit um Satan, den Teufel, handelt, ein engeres Verhältnis hat. Er bittet darum, daß Lazarus Gottes Gerichtsbotschaften verwässern möge, damit seine „fünf Brüder“, seine religiösen Verbündeten, nicht „an diesen Ort der Qual kommen“.
„Abraham aber sprach: ‚Sie haben Moses und die Propheten; mögen sie auf diese hören.‘ “ Ja, wenn die „fünf Brüder“ der Qual entgehen möchten, brauchen sie nur die Schriften des Moses und der Propheten zu beachten, die Jesus als den Messias kennzeichnen, und dann seine Jünger zu werden. Der reiche Mann wendet jedoch ein: „Nicht doch, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen geht, werden sie bereuen.“
Ihm wird jedoch gesagt: „Wenn sie nicht auf Moses und die Propheten hören, werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn einer von den Toten aufersteht.“ Gott wird keine besonderen Zeichen oder Wunder wirken, um solche Personen zu überzeugen. Sie müssen die Heilige Schrift lesen und anwenden, wenn sie in seine Gunst gelangen möchten. Lukas 16:14-31; Johannes 9:28, 29; Matthäus 19:3-9; Galater 3:24; Kolosser 2:14; Johannes 8:44.
▪ Warum muß der Tod des reichen Mannes und des Lazarus symbolisch sein, und was wird durch ihren Tod dargestellt?
▪ Welche Veränderung bringt der Beginn des Dienstes des Johannes mit sich, wie Jesus andeutet?
▪ Was soll nach Jesu Tod aufhören, und welche Auswirkungen hat dies auf das Scheidungsrecht?
▪ Wer wird in dem Gleichnis Jesu durch den reichen Mann und wer durch Lazarus dargestellt?
▪ Welche Qualen leidet der reiche Mann, und worum bittet er, um sich Erleichterung zu verschaffen?
▪ Was wird durch die „große Kluft“ dargestellt?
▪ Wer ist der wahre Vater des reichen Mannes, und wer sind seine fünf Brüder?
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Aus Barmherzigkeit wieder nach JudäaDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 89
Aus Barmherzigkeit wieder nach Judäa
EINIGE Wochen vorher, während des Festes der Einweihung, hatten die Juden in Jerusalem versucht, Jesus zu töten. Daher war er nordwärts gezogen, offensichtlich in ein Gebiet unweit des Galiläischen Meeres.
Jetzt ist er jedoch wieder auf dem Weg nach Süden, in Richtung Jerusalem. Unterwegs predigt er in den Dörfern von Peräa, einem Bezirk östlich des Jordan. Nachdem er sein Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus beendet hat, fährt er fort, seine Jünger Dinge zu lehren, über die er bereits früher in Galiläa gesprochen hat.
So sagt er beispielsweise, daß es für jemanden vorteilhafter wäre, „wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde“, als einen von Gottes „Kleinen“ zum Straucheln zu bringen. Er betont außerdem, daß es notwendig ist zu vergeben, indem er folgendes äußert: „Auch wenn er [ein Bruder] siebenmal am Tag gegen dich sündigt, und er kommt siebenmal zu dir zurück und sagt: ‚Ich bereue‘, sollst du ihm vergeben.“
Auf die Bitte der Jünger: „Gib uns mehr Glauben“ entgegnet Jesus: „Wenn ihr Glauben von der Größe eines Senfkorns hättet, würdet ihr zu diesem Schwarzen Maulbeerbaum sagen: ‚Werde entwurzelt und ins Meer verpflanzt!‘, und er würde euch gehorchen.“ Sogar ein geringer Glaube kann also große Dinge vollbringen.
Darauf zieht Jesus eine Situation aus dem Alltagsleben heran, um die richtige Einstellung eines Dieners des allmächtigen Gottes zu veranschaulichen. „Wer von euch, der einen Sklaven hat, der pflügt oder auf die Herde achtgibt, wird zu ihm sagen, wenn er vom Feld heimkommt: ‚Komm gleich her, und leg dich zu Tisch.‘? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ‚Mache mir etwas zum Abendessen bereit, und bind dir eine Schürze um, und bedien mich, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach kannst du essen und trinken.‘? Er wird sich dem Sklaven gegenüber doch nicht etwa zu Dank verpflichtet fühlen, weil er die ihm aufgetragenen Dinge getan hat? So auch ihr, wenn ihr alles, was euch aufgetragen worden ist, getan habt, sagt: ‚Wir sind unnütze Sklaven. Was wir getan haben, ist das, was wir zu tun schuldig gewesen sind.‘ “ Somit sollten Diener Gottes niemals denken, sie würden Gott dadurch, daß sie ihm dienen, einen Gefallen tun. Sie sollten es vielmehr stets als ein Vorrecht betrachten, ihn als vertrauenswürdige Glieder seines Hauses anzubeten.
Offensichtlich nur kurze Zeit nachdem Jesus dieses Gleichnis erzählt hat, trifft ein Bote ein. Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus, die in Bethanien in Judäa wohnen, haben ihn gesandt. „Herr, siehe, der, zu dem du Zuneigung hast, ist krank“, berichtet der Bote.
Jesus erwidert: „Der Zweck dieser Krankheit ist nicht der Tod, sondern die Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.“ Jesus bleibt zunächst noch zwei Tage an dem Ort, wo er ist, und sagt dann zu seinen Jüngern: „Laßt uns wieder nach Judäa gehen.“ Sie erinnern ihn jedoch: „Rabbi, erst kürzlich suchten dich die Judäer zu steinigen, und du gehst wieder dorthin?“
„Gibt es nicht zwölf Stunden Tageslicht?“ entgegnet Jesus darauf. „Wenn jemand im Tageslicht wandert, stößt er nirgends an, weil er das Licht dieser Welt sieht. Wenn aber jemand in der Nacht wandert, stößt er irgendwo an, weil das Licht nicht in ihm ist.“
Damit will Jesus offensichtlich sagen, daß die ‘Stunden des Tageslichts’ — die Zeit, die Gott für Jesu irdischen Dienst bestimmt hat — noch nicht abgelaufen sind und daß ihm so lange niemand etwas anhaben kann. Er muß die kurze Zeit des „Tageslichts“, die ihm noch verbleibt, gut nutzen, da anschließend, wenn ihn seine Feinde getötet haben, die „Nacht“ kommt.
Jesus fügt noch hinzu: „Lazarus, unser Freund, ist zur Ruhe gegangen, doch begebe ich mich dorthin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.“
Die Jünger, die anscheinend glauben, daß Lazarus im Schlaf ruht, und dies als gutes Zeichen dafür deuten, daß er auf dem Weg der Besserung ist, entgegnen: „Herr, wenn er zur Ruhe gegangen ist, wird er gesund werden.“
Darauf sagt Jesus freiheraus zu ihnen: „Lazarus ist gestorben, und ich freue mich euretwegen, daß ich nicht dort war, damit ihr glaubt. Doch laßt uns zu ihm gehen.“
Thomas, der sich bewußt ist, daß Jesus in Judäa getötet werden könnte, ermuntert seine Mitjünger: „Laßt auch uns gehen, um mit ihm zu sterben.“ Die Jünger begleiten Jesus somit unter Lebensgefahr auf der Reise nach Judäa, die er aus Barmherzigkeit unternimmt. Lukas 13:22; 17:1-10; Johannes 10:22, 31, 40-42; 11:1-16.
▪ Wo hat Jesus gepredigt?
▪ Welche Lehren wiederholt Jesus, welche Situation aus dem Alltagsleben beschreibt er, und was veranschaulicht er dadurch?
▪ Welche Nachricht erhält Jesus, und was meint er mit dem „Tageslicht“ und der „Nacht“?
▪ Warum sagt Thomas: „Laßt auch uns gehen, um mit ihm zu sterben.“?
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Die AuferstehungshoffnungDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 90
Die Auferstehungshoffnung
JESUS kommt schließlich an den Ortsrand des Dorfes Bethanien, das ungefähr 3 km von Jerusalem entfernt liegt. Da seit dem Tod und dem Begräbnis des Lazarus erst wenige Tage vergangen sind, trauern seine Schwestern Maria und Martha immer noch, und viele sind in ihr Haus gekommen, um sie zu trösten.
Während sie trauern, unterrichtet jemand Martha über Jesu Ankunft. Sie verläßt das Haus und eilt ihm entgegen, offensichtlich ohne ihrer Schwester etwas zu sagen. Als Martha bei Jesus ist, wiederholt sie das, was sie und ihre Schwester in den vergangenen vier Tagen wohl viele Male gesagt haben: „Wenn du hiergewesen wärst, so wäre mein Bruder nicht gestorben.“
Aber Martha hat noch Hoffnung, denn sie deutet an, daß Jesus etwas für ihren Bruder tun könne. ‘Ich weiß, daß, so vieles du von Gott erbittest, Gott dir geben wird’, sagt sie.
„Dein Bruder wird auferstehen“, verspricht Jesus.
Martha ist der Meinung, daß Jesus von einer künftigen irdischen Auferstehung spricht, die auch Abraham und andere Diener Gottes erwarteten. Daher erwidert sie: „Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tag.“
Die Worte Jesu geben jedoch Hoffnung auf sofortigen Trost: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Er erinnert Martha daran, daß Gott ihm Gewalt über den Tod gegeben hat: „Wer Glauben an mich ausübt, wird zum Leben kommen, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und Glauben an mich ausübt, wird überhaupt nie sterben.“
Damit will Jesus Martha nicht sagen, daß derzeit lebende Treue niemals sterben würden. Er weist statt dessen darauf hin, daß es zu ewigem Leben führen kann, wenn man Glauben an ihn ausübt. Die meisten Menschen werden dieses Leben durch die Auferstehung am letzten Tag empfangen. Andere, die treu bleiben, werden dagegen das Ende des gegenwärtigen Systems auf der Erde überleben, und an ihnen werden sich Jesu Worte buchstäblich bewahrheiten. Sie werden überhaupt nie sterben! Nach dieser bemerkenswerten Erklärung fragt Jesus Martha: „Glaubst du das?“
„Ja, Herr“, antwortet sie, „ich habe geglaubt, daß du der Christus, der Sohn Gottes, bist, der in die Welt kommt.“
Dann eilt Martha zurück, um ihre Schwester zu holen, und sagt ihr, ohne daß es andere hören: „Der Lehrer ist da und ruft dich.“ Sofort verläßt Maria das Haus. Die Leute, die sie weggehen sehen, folgen ihr in der Annahme, daß sie zur Gedächtnisgruft gehe.
Als Maria zu Jesus kommt, fällt sie ihm weinend zu Füßen. „Herr, wenn du hiergewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben“, sagt sie. Jesus ist tief bewegt, als er sieht, daß Maria und die ihr folgenden Menschen weinen. „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ fragt er.
„Herr, komm und sieh“, antworten sie.
Auch Jesus bricht in Tränen aus, weshalb die Juden sagen: „Seht, welche Zuneigung er zu ihm gehabt hat!“
Verschiedene erinnern sich daran, daß Jesus einige Monate zuvor zur Zeit des Laubhüttenfestes einen blind geborenen jungen Mann geheilt hat, und sie fragen: „War nicht dieser, der dem Blinden die Augen öffnete, imstande, diesen vor dem Sterben zu bewahren?“ Johannes 5:21; 6:40; 9:1-7; 11:17-37.
▪ Wann kommt Jesus schließlich nach Bethanien, und welche Situation findet er dort vor?
▪ Welche Grundlage hat Martha für den Glauben an eine Auferstehung?
▪ Wie berührt Jesus der Tod des Lazarus?
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Die Auferweckung des LazarusDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 91
Die Auferweckung des Lazarus
JESUS trifft mit seinen Begleitern an der Gedächtnisgruft des Lazarus ein. Dabei handelt es sich um eine Höhle, deren Eingang mit einem Stein verschlossen ist. „Nehmt den Stein weg“, gebietet Jesus.
Da Martha Jesu Absicht noch nicht erkennt, wendet sie ein: „Herr, er wird nun riechen, denn es ist schon vier Tage her.“
Doch Jesus fragt: „Habe ich dir nicht gesagt, daß du, wenn du glaubtest, die Herrlichkeit Gottes sehen würdest?“
Nun wird der Stein entfernt. Dann erhebt Jesus seine Augen zum Himmel und betet: „Vater, ich danke dir, daß du mich erhört hast. Zwar wußte ich, daß du mich immer erhörst; aber wegen der Volksmenge, die ringsum steht, habe ich geredet, damit sie glauben könnten, daß du mich ausgesandt hast.“ Jesus betet öffentlich, damit die Menschen wissen, daß das, was er zu tun vorhat, durch Kraft vollbracht wird, die er von Gott erhält. Anschließend ruft er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“
Daraufhin kommt Lazarus heraus. Seine Hände und Füße sind noch mit den Leichenbinden umwickelt, und sein Gesicht ist mit einem Tuch bedeckt. „Bindet ihn los, und laßt ihn gehen“, sagt Jesus.
Viele der Juden, die gekommen waren, um Maria und Martha zu trösten, und nun das Wunder gesehen haben, glauben an Jesus. Andere dagegen gehen fort, um den Pharisäern zu berichten, was geschehen ist. Die Pharisäer und die Oberpriester treffen sofort Vorbereitungen für eine Zusammenkunft des Sanhedrins, des obersten jüdischen Gerichts.
Zum Sanhedrin gehören der derzeitige Hohepriester Kaiphas, Pharisäer und Sadduzäer, die Oberpriester und ehemalige Hohepriester. Diese klagen: „Was sollen wir tun, denn dieser Mensch tut viele Zeichen? Wenn wir ihn so gewähren lassen, werden sie alle an ihn glauben, und die Römer werden kommen und sowohl unsere Stätte als auch unsere Nation wegnehmen.“
Die geistlichen Führer geben zwar zu, daß Jesus „viele Zeichen“ tut, aber sie sind einzig und allein um ihre eigene Stellung und Autorität besorgt. Die Auferweckung des Lazarus ist ein besonders schwerer Schlag für die Sadduzäer, da sie nicht an die Auferstehung glauben.
Kaiphas, der möglicherweise ein Sadduzäer ist, ergreift nun das Wort und sagt: „Ihr wißt überhaupt nichts, und ihr bedenkt nicht, daß es zu eurem Nutzen ist, daß ein einziger Mensch zugunsten des Volkes sterbe und nicht die ganze Nation vernichtet werde.“
Gott hat Kaiphas beeinflußt, das zu sagen, denn der Apostel Johannes schreibt später: „Das sagte er [Kaiphas] jedoch nicht von sich selbst aus.“ Kaiphas meint eigentlich, daß Jesus getötet werden soll, damit er ihre einflußreiche Stellung und Autorität nicht noch weiter untergraben kann. Doch gemäß den Worten des Johannes ‘prophezeite Kaiphas, daß Jesus dazu bestimmt war zu sterben, nicht für die Nation allein, sondern damit er auch die Kinder Gottes versammle’. Und es ist tatsächlich Gottes Vorsatz, daß sein Sohn als Lösegeld für alle sterben soll.
Es gelingt Kaiphas nun, den Sanhedrin zu beeinflussen, Pläne zu schmieden, wie man Jesus töten kann. Aber Jesus erfährt vermutlich von Nikodemus, einem Mitglied des Sanhedrins, der ihm freundlich gesinnt ist, von diesen Plänen und geht von dort weg. Johannes 11:38-54.
▪ Warum betet Jesus öffentlich, bevor er Lazarus auferweckt?
▪ Wie reagieren diejenigen, die Zeuge der Auferweckung geworden sind?
▪ Wie offenbart sich die Bosheit der Mitglieder des Sanhedrins?
▪ Welche Absicht verfolgt Kaiphas, aber was zu prophezeien, gebraucht ihn Gott?
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Jesus heilt zehn Aussätzige auf seiner letzten Reise nach JerusalemDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 92
Jesus heilt zehn Aussätzige auf seiner letzten Reise nach Jerusalem
JESUS vereitelt die Bemühungen des Sanhedrins, ihn zu töten, indem er Jerusalem verläßt und sich in die möglicherweise nur 25 km nordöstlich von Jerusalem gelegene Stadt Ephraim begibt. Dort, in sicherer Entfernung von seinen Feinden, bleibt er mit seinen Jüngern.
Da jedoch die Zeit für das Passah des Jahres 33 u. Z. näher rückt, ist Jesus bald wieder unterwegs. Er zieht durch Samaria und hinauf nach Galiläa. Zum letztenmal vor seinem Tod besucht er diese Gegend. In Galiläa schließt er sich mit seinen Jüngern wahrscheinlich anderen Leuten an, die zur Passahfeier nach Jerusalem gehen. Sie schlagen den Weg ein, der durch das Gebiet von Peräa, östlich des Jordan, führt.
Zu Beginn der Reise trifft Jesus in Samaria oder in Galiläa in der Nähe eines Dorfes auf zehn aussätzige Männer. Der Aussatz ist eine furchtbare Krankheit, die nach und nach bestimmte Körperteile eines Menschen verzehrt — seine Finger, seine Zehen, seine Ohren, seine Nase und seine Lippen. Um andere vor Ansteckung zu schützen, heißt es in Gottes Gesetz in bezug auf einen Aussätzigen: „Er sollte den Schnurrbart bedecken und ausrufen: ‚Unrein, unrein!‘ Alle Tage, da die Plage an ihm ist, wird er unrein sein. ... Er sollte abgesondert wohnen.“
Die zehn Aussätzigen beachten die Gebote des Gesetzes Aussätzige betreffend und bleiben in großer Entfernung von Jesus stehen. Sie rufen jedoch mit lauter Stimme: „Jesus, Unterweiser, hab Erbarmen mit uns!“
Als Jesus sie erblickt, fordert er sie auf: „Geht und zeigt euch den Priestern.“ Das sagt er, weil Gottes Gesetz die Priester ermächtigt, Aussätzige, die von ihrer Krankheit genesen sind, für rein zu erklären. Auf diese Weise erhalten die Betreffenden die Erlaubnis, wieder unter gesunden Menschen zu leben.
Die zehn Aussätzigen haben Vertrauen in Jesu Wunderkräfte. Daher eilen sie zu den Priestern, obwohl sie noch nicht geheilt sind. Während sie unterwegs sind, wird ihr Glaube an Jesus belohnt. Sie können sehen und fühlen, daß ihre Gesundheit wiederhergestellt wird!
Neun der gereinigten Aussätzigen setzen ihren Weg fort, doch der zehnte, ein Samariter, kehrt zu Jesus zurück. Warum? Weil er für das, was mit ihm geschehen ist, wirklich dankbar ist. Er preist Gott mit lauter Stimme, und als er Jesus findet, fällt er ihm zu Füßen und dankt ihm.
Darauf fragt Jesus: „Sind nicht die zehn gereinigt worden? Wo sind denn die anderen neun? Haben sich keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott zu verherrlichen, als nur dieser Mensch von einer anderen Nation?“
Dann sagt er zu dem Samariter: „Steh auf, und geh deines Weges; dein Glaube hat dich gesund gemacht.“
Wenn wir von Jesu Heilung der zehn Aussätzigen lesen, sollten wir uns die Lehre zu Herzen nehmen, die durch seine Frage „Wo sind denn die anderen neun?“ zum Ausdruck kommt. Die Undankbarkeit, die die neun offenbarten, war ein schwerer Fehler. Werden wir uns wie der Samariter als dankbar erweisen für die Dinge, die wir von Gott erhalten, einschließlich der sicheren Verheißung auf ewiges Leben in Gottes gerechter neuer Welt? Johannes 11:54, 55; Lukas 17:11-19; 3. Mose 13:16, 17, 45, 46; Offenbarung 21:3, 4.
▪ Wie vereitelt Jesus die Bemühungen, ihn zu töten?
▪ Wohin begibt sich Jesus als nächstes, und was ist sein Ziel?
▪ Warum bleiben die Aussätzigen in gewisser Entfernung stehen, und warum fordert Jesus sie auf, zu den Priestern zu gehen?
▪ Welche Lehre sollten wir aus dieser Begebenheit ziehen?
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Wenn der Menschensohn geoffenbart wirdDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 93
Wenn der Menschensohn geoffenbart wird
ALS sich Jesus noch im Norden (entweder in Samaria oder in Galiläa) aufhält, befragen ihn gewisse Pharisäer über das Kommen des Königreiches. Sie glauben, daß es mit großem Pomp und Zeremoniell komme, aber Jesus sagt: „Das Königreich Gottes kommt nicht in auffallender Weise, so daß man es beobachten könnte, noch wird man sagen: ‚Siehe hier!‘ oder: ‚Dort!‘ Denn siehe, das Königreich Gottes ist in eurer Mitte.“
Jesu Worte „in eurer Mitte“ werden manchmal mit „in euch“ wiedergegeben. Daher denken einige, Jesus habe sagen wollen, das Königreich Gottes herrsche im Herzen der Diener Gottes. Aber das Königreich Gottes ist ganz offensichtlich nicht im Herzen dieser ungläubigen Pharisäer, mit denen Jesus spricht. Doch es befindet sich in ihrer Mitte, weil der designierte König des Königreiches Gottes, Jesus Christus, mitten unter ihnen weilt.
Nun spricht Jesus mit seinen Jüngern weiter über das Kommen des Königreiches — die Pharisäer sind wahrscheinlich nicht mehr zugegen. Er hat insbesondere seine künftige Gegenwart in Königreichsmacht im Sinn, als er folgende Warnung äußert: „Man wird zu euch sagen: ‚Siehe dort!‘ oder ‚Siehe hier!‘ Geht nicht hin, noch lauft hinter ihnen [den falschen Messiassen] her. Denn so, wie der Blitz durch sein Aufblitzen von einer Gegend unter dem Himmel zu einer anderen Gegend unter dem Himmel leuchtet, so wird der Menschensohn sein.“ Jesus zeigt damit, daß der Beweis für seine Gegenwart in Königreichsmacht für alle, die darauf achten, deutlich sichtbar sein wird, gleich einem Blitz, der in einem großen Gebiet zu sehen ist.
Dann zieht Jesus Vergleiche zu Ereignissen in früherer Zeit, um darauf aufmerksam zu machen, welche Einstellung die Menschen während seiner künftigen Gegenwart haben würden. Er sagt: „Geradeso wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein ... Ebenso wie es in den Tagen Lots geschah: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten. An dem Tag aber, als Lot aus Sodom herauskam, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete sie alle. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn geoffenbart wird.“
Jesus will damit nicht sagen, daß die Menschen in den Tagen Noahs und in den Tagen Lots vernichtet wurden, nur weil sie sich alltäglichen Dingen wie Essen, Trinken, Kaufen, Verkaufen, Pflanzen und Bauen widmeten. Auch Noah und Lot und ihre Angehörigen taten dies. Aber die anderen gingen ihren alltäglichen Geschäften nach, ohne dem Willen Gottes irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken, und aus diesem Grund wurden sie zu Tode gebracht. Aus demselben Grund werden Menschen vernichtet werden, wenn Christus während der großen Drangsal, die über das gegenwärtige System der Dinge kommt, geoffenbart wird.
Um hervorzuheben, wie wichtig es ist, schnell auf den Beweis seiner künftigen Gegenwart in Königreichsmacht zu reagieren, fügt Jesus noch hinzu: „An jenem Tag steige die Person, die auf dem Hausdach ist, aber ihre bewegliche Habe im Haus hat, nicht hinab, um diese zu holen; und die Person, die auf dem Feld ist, kehre gleichfalls nicht zu den Dingen zurück, die dahinten sind. Denkt an Lots Frau.“
Wenn das Zeichen für die Gegenwart Christi erscheint, dürfen sich die Menschen nicht dadurch am sofortigen Handeln hindern lassen, daß sie an ihrem materiellen Besitz hängen. Lots Frau blickte beim Verlassen Sodoms offensichtlich sehnsüchtig nach den Dingen zurück, die sie zurückgelassen hatte, und sie wurde zu einer Salzsäule.
Jesus beschreibt seinen Jüngern weiter, welche Situation während seiner künftigen Gegenwart herrschen wird, und sagt: „In jener Nacht werden zwei Männer in einem Bett sein; der eine wird mitgenommen, der andere aber wird verlassen werden. Es werden zwei Frauen an derselben Mühle mahlen; die eine wird mitgenommen, die andere aber wird verlassen werden.“
Mitgenommen zu werden entspricht dem Sachverhalt, daß Noah mit seinen Angehörigen in die Arche ging und daß die Engel Lot und seine Angehörigen aus Sodom herausführten. Es bedeutet Rettung; verlassen zu werden dagegen Vernichtung.
Nun fragen die Jünger: „Wo, Herr?“
„Wo der Leib ist, da werden auch die Adler versammelt werden“, antwortet Jesus. Diejenigen, die zur Rettung „mitgenommen“ werden, gleichen weitsichtigen Adlern, da sie sich beim „Leib“ versammeln. Der Leib bezieht sich auf den wahren Christus während seiner unsichtbaren Gegenwart in Königreichsmacht sowie auf das geistige Festmahl, das Jehova bereitet. Lukas 17:20-37; 1. Mose 19:26.
▪ Inwiefern befindet sich das Königreich in der Mitte der Pharisäer?
▪ In welcher Hinsicht ist Christi Gegenwart wie ein Blitz?
▪ Warum werden Menschen während der Gegenwart Christi vernichtet werden?
▪ Was bedeutet es, mitgenommen oder verlassen zu werden?
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Die Notwendigkeit des Gebets und der DemutDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 94
Die Notwendigkeit des Gebets und der Demut
JESUS hatte bei einer früheren Gelegenheit, als er in Judäa war, ein Gleichnis erzählt, in dem es darum ging, wie wichtig die Beharrlichkeit im Gebet ist. Jetzt, auf seiner letzten Reise nach Jerusalem, betont er erneut die Notwendigkeit, im Gebet nicht nachzulassen. Möglicherweise hält sich Jesus noch in Samaria oder Galiläa auf, als er seinen Jüngern folgendes Gleichnis erzählt:
„In einer gewissen Stadt war ein gewisser Richter, der weder Gottesfurcht noch Respekt vor einem Menschen hatte. Da war aber eine Witwe in jener Stadt, und sie ging immer wieder zu ihm und sagte: ‚Sieh zu, daß mir von seiten meiner Gegenpartei Recht zuteil wird.‘ Nun, eine Zeitlang wollte er nicht, doch danach sagte er bei sich: ‚Wenn ich auch Gott nicht fürchte noch vor einem Menschen Respekt habe, will ich doch auf jeden Fall, weil diese Witwe mir beständig Mühe macht, zusehen, daß ihr Recht widerfährt, damit sie nicht weiterhin kommt und mich schließlich durch Schläge ins Gesicht bezwingt.‘ “
Gleich im Anschluß daran erklärt Jesus die Anwendung seines Gleichnisses: „Hört, was der Richter, obwohl er ungerecht war, sprach! Wird Gott also bestimmt nicht auch seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, Recht verschaffen, auch wenn er ihnen gegenüber langmütig ist?“
Damit will Jesus nicht sagen, daß Jehova Gott in irgendeiner Hinsicht dem ungerechten Richter gleicht. Es sollte eigentlich außer Frage stehen, daß, wenn schon ein ungerechter Richter auf ständiges Flehen reagiert, Gott, der völlig gerecht und gut ist, sein Volk, das beharrlich betet, erst recht erhört. Daher fährt Jesus fort: „Ich sage euch: Er [Gott] wird ihnen eilends Recht verschaffen.“
Den Geringen und den Armen wird das Recht oft vorenthalten, Mächtige und Reiche werden dagegen nicht selten begünstigt. Gott wird jedoch nicht nur dafür sorgen, daß die Bösen ihre gerechte Strafe erhalten, sondern auch dafür, daß seine Diener gerecht behandelt werden, indem er ihnen ewiges Leben gibt. Doch wie viele glauben fest daran, daß Gott den Menschen eilends Recht verschaffen wird?
Jesus bezieht sich insbesondere auf den Glauben, der mit der Kraft des Gebets in Verbindung steht, und fragt: „Wird der Menschensohn, wenn er gekommen ist, wirklich den Glauben auf der Erde finden?“ Er läßt seine Frage zwar unbeantwortet, aber möglicherweise will er damit sagen, daß ein solcher Glaube nicht bei allen vorhanden sein wird, wenn er in Königreichsmacht kommt.
Unter denen, die Jesus zuhören, befinden sich einige, die in bezug auf ihren Glauben sehr selbstsicher sind. Sie halten sich für gerecht und blicken auf andere herab. Einige der Jünger Jesu gehören vielleicht sogar zu dieser Personengruppe. An sie richtet er sich mit dem folgenden Gleichnis:
„Zwei Menschen gingen in den Tempel hinauf, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Steuereinnehmer. Der Pharisäer stand da und begann folgendes bei sich zu beten: ‚O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen, Erpresser, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Steuereinnehmer. Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.‘ “
Die Pharisäer sind dafür bekannt, daß sie ihre Gerechtigkeit in der Öffentlichkeit zur Schau stellen, um andere zu beeindrucken. Der Montag und der Donnerstag sind gewöhnlich ihre selbstauferlegten Fasttage, und sie bezahlen übergewissenhaft den Zehnten sogar von den winzigen Gewürzen des Feldes. Einige Monate zuvor, während des Laubhüttenfestes, war die Geringschätzung, mit der sie auf das gewöhnliche Volk herabblickten, deutlich geworden, als sie sagten: „Diese Volksmenge ..., die das GESETZ [das heißt dessen Auslegung durch die Pharisäer] nicht kennt, verfluchte Leute sind sie.“
Im weiteren Verlauf des Gleichnisses spricht Jesus von einer solchen ‘verfluchten’ Person: „Der Steuereinnehmer aber, der in einiger Entfernung stand, wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich wiederholt an die Brust und sprach: ‚O Gott, sei mir, einem Sünder, gnädig.‘ “ Weil der Steuereinnehmer seine Verfehlungen demütig eingestand, kommt Jesus zu dem Schluß: „Ich sage euch: Dieser ging als gerechter erwiesen als jener in sein Haus hinab; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Damit betont Jesus noch einmal die Notwendigkeit der Demut. Da Jesu Jünger in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, in der die selbstgerechten Pharisäer großen Einfluß ausüben und Stellung und Rang stets in den Vordergrund gerückt werden, überrascht es nicht, daß dies auch auf sie abgefärbt hat. Aber welch vortreffliche Lektionen in Demut Jesus ihnen doch erteilt! Lukas 18:1-14; Johannes 7:49.
▪ Warum erhört der ungerechte Richter die Bitte der Witwe, und welche Lehre können wir aus dem Gleichnis Jesu ziehen?
▪ Nach welcher Art Glauben wird Jesus bei seinem Kommen Ausschau halten?
▪ An wen richtet sich Jesus mit dem Gleichnis von dem Pharisäer und dem Steuereinnehmer?
▪ Vor welcher Einstellung der Pharisäer muß man sich hüten?
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Belehrungen über Scheidung und über Liebe zu KindernDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 95
Belehrungen über Scheidung und über Liebe zu Kindern
JESUS und seine Jünger sind auf dem Weg nach Jerusalem, um dem Passah des Jahres 33 u. Z. beizuwohnen. Sie überqueren den Jordan und schlagen die Route durch den Bezirk von Peräa ein. Es ist erst einige Wochen her, daß Jesus in Peräa war, allerdings wurde er damals nach Judäa zu seinem kranken Freund Lazarus gerufen. Während seines damaligen Aufenthalts in Peräa hatte Jesus mit den Pharisäern über die Scheidung gesprochen; jetzt bringen sie diese Angelegenheit erneut zur Sprache.
Unter den Pharisäern gehen die Meinungen über die Scheidung auseinander. Moses sagte, daß man sich von einer Frau scheiden lassen könne, wenn „etwas Anstößiges an ihr gefunden“ werde. Einige glauben, daß sich das einzig und allein auf ein unkeusches Verhalten bezieht. Andere sind dagegen der Ansicht, daß „etwas Anstößiges“ schon geringste Vergehen einschließt. Um Jesus auf die Probe zu stellen, fragen die Pharisäer: „Ist es einem Mann erlaubt, sich von seiner Frau aus jedem beliebigen Grund scheiden zu lassen?“ Sie sind davon überzeugt, daß Jesus, ganz gleich, was er sagt, mit den Pharisäern Schwierigkeiten bekommen wird, die eine andere Ansicht vertreten.
Jesus beantwortet die Frage jedoch auf geschickte Weise, indem er sich nicht einer menschlichen Meinung anschließt, sondern auf die ursprüngliche Form der Ehe verweist. Er fragt: „Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an männlich und weiblich gemacht hat und sprach: ‚Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird fest zu seiner Frau halten, und die zwei werden e i n Fleisch sein‘, so daß sie nicht mehr zwei, sondern e i n Fleisch sind? Was also Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander.“
Wie Jesus zeigt, bestand Gottes ursprünglicher Vorsatz darin, daß Eheleute zusammenbleiben und sich nicht scheiden lassen sollten. Obschon das so ist, entgegnen die Pharisäer: „Warum schrieb denn Moses vor, ihr ein Entlassungszeugnis zu geben und sich von ihr scheiden zu lassen?“
„Im Hinblick auf eure Herzenshärte hat Moses euch das Zugeständnis gemacht, daß ihr euch von euren Frauen scheiden lassen könnt“, antwortet Jesus, „aber von Anfang an ist dies nicht der Fall gewesen.“ Ja, als Gott in Eden den wahren Maßstab für die Ehe festlegte, traf er keine Vorkehrung für eine Scheidung.
Weiter sagt Jesus zu den Pharisäern: „Ich sage euch, daß, wer immer sich von seiner Frau scheiden läßt, ausgenommen aufgrund von Hurerei [griechisch: pornéiai (sprich: pornéia)], und eine andere heiratet, Ehebruch begeht.“ Er zeigt dadurch, daß pornéia, das heißt eine schwere sexuelle Verfehlung, der einzig zulässige Scheidungsgrund ist.
Als den Jüngern bewußt wird, daß die Ehe eine dauerhafte Gemeinschaft sein soll und es nur einen einzigen Scheidungsgrund gibt, fühlen sie sich zu der Äußerung veranlaßt: „Wenn die Stellung eines Mannes zu seiner Frau so ist, ist es nicht ratsam zu heiraten.“ Ohne Frage sollte sich jeder, der die Ehe in Betracht zieht, der Dauerhaftigkeit der Ehebande bewußt sein.
Jesus spricht dann über das Ledigsein. Er zeigt, daß es einige männliche Kinder gibt, die als Eunuchen geboren werden und nicht heiraten können, da ihre Geschlechtsorgane nicht entsprechend entwickelt sind. Andere werden von Menschen durch grausame Verstümmelung der Geschlechtsorgane zu Eunuchen gemacht. Aber es gibt auch manche, die den Wunsch, zu heiraten und Geschlechtsbeziehungen zu haben, zurückstellen, um sich in noch vollerem Maße den Dingen zu widmen, die mit dem Königreich der Himmel in Verbindung stehen. „Wer dafür [für die Ehelosigkeit] Raum schaffen kann, schaffe dafür Raum“, schließt Jesus ab.
Nun bringen die Leute ihre kleinen Kinder zu Jesus. Die Jünger verwehren es ihnen allerdings und versuchen, die Kinder wegzuschicken, zweifellos weil sie Jesus vor unnötigen Belastungen bewahren wollen. Jesus sagt jedoch: „Laßt die kleinen Kinder zu mir kommen; versucht nicht, sie daran zu hindern, denn das Königreich Gottes gehört solchen, die wie sie sind. Wahrlich, ich sage euch: Wer immer das Königreich Gottes nicht aufnimmt wie ein kleines Kind, wird bestimmt nicht in dasselbe eingehen.“
Welch ausgezeichnete Belehrung Jesus hier doch vermittelt! Damit wir Gottes Königreich empfangen können, müssen wir die Demut und die Gelehrigkeit kleiner Kinder nachahmen. Aber Jesu Beispiel macht auch deutlich, wie wichtig es ist, daß Eltern mit ihren Kindern Zeit verbringen. Jesus zeigt jetzt seine Liebe zu Kindern, indem er sie in die Arme schließt und sie segnet. Matthäus 19:1-15; 5. Mose 24:1; Lukas 16:18; Markus 10:1-16; Lukas 18:15-17.
▪ Welche unterschiedlichen Ansichten vertreten die Pharisäer in bezug auf die Scheidung, und wie stellen sie daher Jesus auf die Probe?
▪ Wie begegnet Jesus dem Versuch der Pharisäer, ihn auf die Probe zu stellen, und welchen einzigen Grund für eine Scheidung nennt er?
▪ Wieso sagen Jesu Jünger, daß es nicht ratsam sei zu heiraten, und was empfiehlt Jesus?
▪ Was lehrt uns Jesus durch sein Verhalten gegenüber kleinen Kindern?
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Jesus und ein reicher junger VorsteherDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 96
Jesus und ein reicher junger Vorsteher
ALS Jesus durch den Bezirk von Peräa in Richtung Jerusalem weiterzieht, läuft ein junger Mann herbei und fällt vor ihm auf die Knie. Der Betreffende wird als Vorsteher bezeichnet, was bedeuten kann, daß er eine prominente Stellung in einer örtlichen Synagoge einnimmt oder sogar Mitglied des Sanhedrins ist. Außerdem ist er sehr reich. Er fragt: „Guter Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“
„Warum nennst du mich gut?“ entgegnet Jesus. „Niemand ist gut als nur einer: Gott.“ Wahrscheinlich gebraucht der junge Mann „gut“ im Sinne eines Titels, weshalb Jesus ihn wissen läßt, daß ein solcher Titel allein Gott gebührt.
Jesus fährt fort: „Wenn du indes ins Leben eingehen willst, so halte stets die Gebote.“
„Welche?“ fragt der Mann.
In seiner Antwort zitiert Jesus fünf der Zehn Gebote: „Nun: ‚Du sollst nicht morden‘, ‚Du sollst nicht ehebrechen‘, ‚Du sollst nicht stehlen‘, ‚Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen‘, ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter.‘ “ Und dann fügt Jesus ein noch wichtigeres Gebot hinzu, indem er sagt: „ ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ “
„Das alles habe ich von meiner Jugend an gehalten“, antwortet der Mann in aller Aufrichtigkeit. „Was fehlt mir noch?“
Als Jesus die eindringliche, ernstgemeinte Frage hört, empfindet er Liebe zu dem Mann. Doch Jesus erkennt auch, daß der Mann an materiellen Dingen hängt, und zeigt ihm daher, was er noch tun muß: „Eines fehlt dir: Geh, verkauf, was du hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach.“
Jesus beobachtet zweifellos mit Bedauern, daß sich der Mann daraufhin erhebt und sich tief betrübt abwendet. Sein Reichtum macht ihn für den Wert wahrer Schätze blind. „Wie schwierig wird es für die sein, die Geld haben, in das Königreich Gottes einzugehen!“ sagt Jesus traurig.
Die Jünger sind über Jesu Worte erstaunt. Noch mehr überrascht sie jedoch folgender Grundsatz, den er dann aufstellt: „Es ist tatsächlich leichter für ein Kamel, durch das Öhr einer Nähnadel zu gehen, als für einen Reichen, in das Königreich Gottes einzugehen.“
„Wer kann dann tatsächlich gerettet werden?“ fragen die Jünger.
Jesus blickt sie direkt an und sagt: „Bei Menschen ist es unmöglich, nicht aber bei Gott, denn bei Gott sind alle Dinge möglich.“
Petrus weist darauf hin, daß sie eine ganz andere Wahl getroffen haben als der reiche junge Vorsteher: „Siehe! Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“ Er fragt daher: „Was wird uns eigentlich zuteil werden?“
„In der Wiedererschaffung, wenn sich der Menschensohn auf seinen Thron der Herrlichkeit setzt, werdet auch ihr selbst, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“, verspricht Jesus. Ja, Jesus zeigt, daß es eine Wiedererschaffung der Verhältnisse auf der Erde geben wird, die im Garten Eden herrschten. Petrus und die anderen Jünger werden den Lohn erhalten, mit Jesus über dieses weltweite Paradies zu herrschen. Diese großartige Belohnung ist bestimmt jedes Opfer wert.
Doch auch jetzt schon gibt es einen Lohn, wie Jesus deutlich zeigt: „Niemand hat Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Felder um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verlassen, der nicht jetzt, in dieser Zeitperiode, hundertfach empfängt: Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Felder, unter Verfolgungen, und in dem kommenden System der Dinge ewiges Leben.“
Jesus verspricht, daß sich seine Jünger, wohin sie in der Welt auch gehen, eines Verhältnisses zu Mitchristen erfreuen werden, das enger und kostbarer ist als das Verhältnis zu Blutsverwandten. Dem reichen jungen Vorsteher entgeht offensichtlich beides — sowohl diese Belohnung als auch das ewige Leben in Gottes himmlischem Königreich.
Dann fügt Jesus noch hinzu: „Doch werden viele, die Erste sind, Letzte sein und die Letzten Erste.“ Was meint er damit?
Er will sagen, daß viele Menschen, die in bezug auf religiöse Vorrechte — wie der reiche junge Vorsteher — „Erste“ sind, nicht in das Königreich eingehen werden. Sie werden „Letzte“ sein. Doch viele, einschließlich der demütigen Jünger Jesu, auf die die selbstgerechten Pharisäer als „Letzte“ herabblicken — die sie als Menschen der Erde oder ʽamhaʼárez betrachten —, werden „Erste“ sein, das heißt das Vorrecht erhalten, Mitregenten im Königreich Christi zu sein. Markus 10:17-31; Matthäus 19:16-30; Lukas 18:18-30.
▪ Welche Stellung nimmt der reiche junge Mann wahrscheinlich ein?
▪ Warum wehrt sich Jesus dagegen, „gut“ genannt zu werden?
▪ Wie veranschaulicht die Erfahrung des jungen Vorstehers die Gefahren des Reichtums?
▪ Welchen Lohn verspricht Jesus seinen Nachfolgern?
▪ Inwiefern werden die Ersten Letzte und die Letzten Erste?
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Arbeiter im WeingartenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 97
Arbeiter im Weingarten
„VIELE ..., die Erste sind“, hat Jesus eben gesagt, „werden Letzte sein und die Letzten Erste.“ Nun veranschaulicht er dies anhand einer Geschichte. „Das Königreich der Himmel“, beginnt er, „ist gleich einem Menschen, einem Hausherrn, der frühmorgens ausging, um Arbeiter für seinen Weingarten einzustellen.“
Jesus fährt mit den Worten fort: „Als er [der Hausherr] mit den Arbeitern um einen Denar für den Tag übereingekommen war, sandte er sie aus in seinen Weingarten. Als er auch um die dritte Stunde ausging, sah er andere unbeschäftigt auf dem Marktplatz stehen; und zu diesen sagte er: ‚Geht auch ihr in den Weingarten, und ich will euch geben, was immer recht ist.‘ Da gingen sie hin. Wieder ging er um die sechste und die neunte Stunde aus und tat ebenso. Schließlich ging er um die elfte Stunde aus und fand andere, die dastanden, und er sprach zu ihnen: ‚Warum steht ihr den ganzen Tag unbeschäftigt da?‘ Sie sprachen zu ihm: ‚Weil uns niemand eingestellt hat.‘ Er sagte zu ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weingarten.‘ “
Der Hausherr, der Besitzer des Weingartens, ist Jehova Gott, und der Weingarten ist die Nation Israel. Die Arbeiter im Weingarten sind Personen, die in den Gesetzesbund aufgenommen worden sind, vor allem die Juden, die in den Tagen der Apostel leben. Nur mit den Ganztagsarbeitern wird eine feste Lohnvereinbarung getroffen. Die Tagesarbeit wird mit einem Denar entlohnt. Da „die dritte Stunde“ um 9 Uhr vormittags ist, arbeiten diejenigen, die zur 3., 6., 9. und 11. Stunde gerufen wurden, nur 9 beziehungsweise 6, 3 oder 1 Stunde.
Die 12-Stunden- oder Ganztagsarbeiter stellen die Führer der Juden dar, die ständig im Dienste der Religion gestanden haben, nicht wie die Jünger Jesu, die den größten Teil ihres Lebens dem Fischen oder anderen weltlichen Beschäftigungen nachgegangen sind. Erst im Herbst 29 u. Z. sandte der „Hausherr“ Jesus Christus aus, um diese als seine Jünger zusammenzubringen. Sie wurden daher die „letzten“ oder die Arbeiter der 11. Stunde.
Schließlich endet der sinnbildliche Arbeitstag mit dem Tod Jesu, und nun kommt die Zeit für die Auszahlung der Arbeiter. Sie erfolgt nach der ungewöhnlichen Regel, daß die letzten zuerst ausbezahlt werden. Das geht aus den Worten hervor: „Als es Abend wurde, sagte der Herr des Weingartens zu seinem Beauftragten: ‚Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen ihren Lohn, angefangen bei den letzten bis hin zu den ersten.‘ Als die von der elften Stunde kamen, empfingen sie jeder einen Denar. Als nun die ersten kamen, folgerten sie, daß sie mehr empfangen würden; doch auch sie erhielten je einen Denar ausbezahlt. Als sie ihn empfingen, begannen sie gegen den Hausherrn zu murren und sprachen: ‚Diese letzten leisteten eine Stunde Arbeit; dennoch hast du sie uns gleichgestellt, uns, die wir die Bürde des Tages und die sengende Hitze getragen haben!‘ Doch e i n e m von ihnen antwortete er und sprach: ‚Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? Nimm, was dein ist, und geh. Ich will diesem letzten dasselbe geben wie dir. Ist es mir nicht erlaubt, mit meinen eigenen Dingen zu tun, was ich will? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gut bin?‘ “ Abschließend wiederholte Jesus die Worte: „Auf diese Weise werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“
Der Denar wird nicht beim Tod Jesu ausbezahlt, sondern zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z., als Christus, der „Beauftragte“, heiligen Geist auf seine Jünger ausgießt. Die Jünger Jesu sind mit den „letzten“ oder den Arbeitern der 11. Stunde vergleichbar. Der Denar versinnbildlicht nicht die Gabe des heiligen Geistes an sich. Er stellt etwas dar, was die Jünger hier auf der Erde gebrauchen sollen, etwas, wovon ihr Lebensunterhalt abhängt, ihr ewiges Leben. Der Denar ist das Vorrecht, zum geistigen Israel zu gehören und zum Predigen des Königreiches Gottes gesalbt zu sein.
Schon bald merken diejenigen, die zuerst eingestellt worden sind, daß die Jünger Jesu den Lohn erhalten haben, und sie sehen, wie diese den sinnbildlichen Denar gebrauchen. Sie wollen jedoch mehr als den heiligen Geist und die damit verbundenen Königreichsvorrechte. Ihr Murren und ihre Einwände kommen in der Verfolgung der Jünger Christi, der „letzten“ Arbeiter im Weingarten, zum Ausdruck.
Findet dieses Gleichnis Jesu nur im ersten Jahrhundert Anwendung? Nein, die Geistlichen der Christenheit des 20. Jahrhunderts wären aufgrund ihrer Stellung und ihrer Verantwortung die „ersten“ gewesen, die für die Arbeit in Gottes sinnbildlichem Weingarten hätten eingestellt werden sollen. In ihren Augen waren die mit der Watch Tower Bible and Tract Society verbundenen, gottergebenen Prediger die „letzten“, die ein Recht hatten, im Dienste Gottes zu stehen. Aber gerade diese von der Geistlichkeit Verachteten haben den Denar — die Ehre, als gesalbte Gesandte des himmlischen Königreiches Gottes zu dienen — empfangen. Matthäus 19:30 bis 20:16.
▪ Was stellt der Weingarten dar? Wer wird durch den Besitzer des Weingartens dargestellt und wer durch die Arbeiter, die 12 Stunden beziehungsweise 1 Stunde gearbeitet haben?
▪ Wann endete der sinnbildliche Arbeitstag, und wann erfolgte die Auszahlung?
▪ Was wird durch die Auszahlung des Denars dargestellt?
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Streit unter den Jüngern, als Jesu Tod näher rücktDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 98
Streit unter den Jüngern, als Jesu Tod näher rückt
JESUS und seine Jünger sind in der Nähe des Jordan, den sie überqueren müssen, um vom Bezirk Peräa nach Judäa zu kommen. Ihnen haben sich viele andere angeschlossen, die wie sie in etwa einer Woche das Passah des Jahres 33 u. Z. feiern wollen.
Jesus geht vor seinen Jüngern her, und sie sind erstaunt über seinen mutigen Entschluß; denn bekanntlich hatte einige Wochen zuvor, als Lazarus gestorben war und Jesus von Peräa nach Judäa gehen wollte, Thomas die anderen aufgefordert: „Laßt auch uns gehen, um mit ihm zu sterben.“ Es gilt außerdem zu bedenken, daß der Sanhedrin Pläne geschmiedet hat, Jesus töten zu lassen, nachdem dieser Lazarus auferweckt hatte. Kein Wunder, daß die Jünger von Furcht ergriffen werden, als sie jetzt wieder nach Judäa kommen.
Um die Zwölf auf das vorzubereiten, was ihnen bevorsteht, nimmt Jesus sie beiseite und sagt: „Seht, wir gehen nach Jerusalem hinauf, und der Menschensohn wird den Oberpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und werden ihn den Menschen der Nationen ausliefern, und sie werden Spott mit ihm treiben und werden ihn anspeien und ihn geißeln und ihn töten, aber drei Tage später wird er auferstehen.“
Damit spricht Jesus zum drittenmal innerhalb der letzten Monate mit seinen Jüngern über seinen Tod und seine Auferstehung. Doch obwohl sie ihm zuhören, verstehen sie ihn nicht. Vielleicht deshalb nicht, weil sie an eine Wiederherstellung des Königreiches Israel auf der Erde glauben und erwarten, in einem irdischen Königreich mit Christus Ruhm und Ehre zu genießen.
Unter denen, die zum Passah hinaufgehen, befindet sich auch Salome, die Mutter der Apostel Jakobus und Johannes. Jesus hat die beiden als „Donnersöhne“ bezeichnet, zweifellos wegen ihres aufbrausenden Temperaments. Seit einiger Zeit hegen sie den Ehrgeiz, in Christi Königreich prominente Stellungen einzunehmen, und sie haben ihrer Mutter von ihrem Wunsch erzählt. Diese wendet sich nun für sie an Jesus, beugt sich vor ihm nieder und bittet ihn um einen Gefallen.
„Was willst du?“ fragt Jesus.
Sie antwortet: „Gib dein Wort, daß diese meine beiden Söhne in deinem Königreich einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen können.“
Da Jesus sich denken kann, von wem diese Bitte eigentlich stammt, sagt er zu Jakobus und Johannes: „Ihr wißt nicht, worum ihr bittet. Könnt ihr den Becher trinken, den ich zu trinken im Begriff bin?“
„Wir können es“, geben sie zur Antwort. Obwohl Jesus ihnen gegenüber gerade erwähnt hat, daß ihn schreckliche Verfolgung und schließlich die Hinrichtung erwartet, verstehen sie offensichtlich nicht, daß er dies mit dem „Becher“ meint, den zu trinken er im Begriff ist.
Dessenungeachtet sagt Jesus ihnen: „In der Tat, ihr werdet meinen Becher trinken, aber dieses Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu vergeben steht nicht mir zu, sondern gehört denen, für die es von meinem Vater bereitet worden ist.“
Als die zehn anderen Apostel erfahren, was Jakobus und Johannes sich erbeten haben, ärgern sie sich. Vielleicht hatten sich Jakobus und Johannes bereits bei dem früheren Wortstreit unter den Aposteln, wer von ihnen der größte sei, hervorgetan. Ihre jetzige Bitte offenbart, daß sie den Rat, den Jesus in dieser Hinsicht gegeben hatte, nicht beherzigt haben. Ihr Wunsch nach einer prominenten Stellung ist leider immer noch groß.
Jesus ruft die Zwölf zusammen, um mit ihnen über die jüngste Auseinandersetzung und die Mißhelligkeiten, die dadurch ausgelöst wurden, zu reden. Liebevoll gibt er ihnen auf folgende Weise Rat: „Ihr wißt, daß die Herrscher der Nationen den Herrn über sie spielen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch ist es nicht so, sondern wer immer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer immer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“
Jesus hat ihnen ein Beispiel gegeben, das sie nachahmen sollten, wie er weiter zeigt: „... geradeso wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele zu geben.“ Jesus dient anderen nicht nur, sondern wird sogar so weit gehen, für die Menschheit zu sterben. Die Jünger müssen dieselbe Einstellung haben wie Christus, nämlich bereit sein zu dienen, statt sich bedienen zu lassen, und eher ein Geringerer zu sein, als eine prominente Stellung einzunehmen. Matthäus 20:17-28; Markus 3:17; 9:33-37; 10:32-45; Lukas 18:31-34; Johannes 11:16.
▪ Warum werden die Jünger von Furcht ergriffen?
▪ Wie bereitet Jesus seine Jünger auf das vor, was ihnen bevorsteht?
▪ Welche Bitte wird an Jesus herangetragen, und wie reagieren die anderen Apostel darauf?
▪ Wie behandelt Jesus das Problem unter den Aposteln?
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Jesus lehrt in JerichoDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 99
Jesus lehrt in Jericho
BALD treffen Jesus und die Volksmenge, die mit ihm unterwegs ist, in Jericho ein, das von Jerusalem etwa eine Tagereise entfernt ist. Jericho ist offensichtlich eine Doppelstadt — die alte, jüdische Siedlung liegt etwa eineinhalb Kilometer von der neuen, römischen Stadt entfernt. Die Volksmenge, die sich, aus der alten Stadt kommend, der neuen geräuschvoll nähert, weckt die Aufmerksamkeit von zwei blinden Bettlern. Einer der beiden heißt Bartimäus.
Sobald Bartimäus und sein Gefährte erfahren, daß sich Jesus unter den Vorübergehenden befindet, beginnen sie laut zu rufen: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“ Als die Volksmenge ihnen streng gebietet, still zu sein, rufen sie nur noch lauter: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“
Schließlich hört Jesus die Rufe und bleibt stehen. Er bittet seine Begleiter, die Männer zu holen, die so laut schreien. Darauf gehen sie zu den blinden Bettlern und sagen zu einem von ihnen: „Fasse Mut, steh auf, er ruft dich.“ In grenzenlosem Erstaunen wirft der Blinde sein äußeres Gewand von sich, springt auf und geht zu Jesus.
„Was wollt ihr, daß ich für euch tun soll?“ fragt Jesus.
„Herr, laß unsere Augen geöffnet werden“, bitten die beiden Männer.
Von Mitleid bewegt, rührt Jesus ihre Augen an. Gemäß dem Bericht des Markus sagt Jesus zu einem: „Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“ Auf der Stelle erhalten die blinden Bettler das Augenlicht, und zweifellos beginnen beide, Gott zu verherrlichen. Als die Volksmenge sieht, was geschehen ist, preist sie ebenfalls Gott. Bartimäus und sein Gefährte folgen Jesus unverzüglich nach.
Viele Menschen laufen zusammen, als Jesus durch Jericho hindurchzieht. Jeder möchte den Mann sehen, der die Blinden geheilt hat. Weil Jesus ständig von Menschen umringt ist, können einige nicht einmal einen flüchtigen Blick auf ihn werfen. Zu diesen gehört Zachäus, der Obersteuereinnehmer von Jericho und Umgebung. Weil er so klein ist, kann er nicht sehen, was vor sich geht.
Zachäus klettert deshalb auf einen Maulbeerfeigenbaum, der an dem Weg steht, den Jesus nimmt. Von seinem Aussichtspunkt aus kann er alles gut sehen. Als sich die Volksmenge nähert, ruft Jesus in den Baum hinauf: „Zachäus, beeil dich und steig herab, denn heute muß ich mich in deinem Haus aufhalten.“ Voller Freude steigt Zachäus herab und eilt nach Hause, um alles für seinen berühmten Gast vorzubereiten.
Die Leute, die das beobachten, beginnen jedoch zu murren. Sie halten es nicht für richtig, daß Jesus bei einem solchen Mann zu Gast ist. Zachäus ist nämlich dadurch reich geworden, daß er als Steuereinnehmer Geld auf unehrliche Weise erpreßt hat.
Als Jesus das Haus des Zachäus betritt, entrüsten sich die vielen, die ihm folgen: „Bei einem Mann, der ein Sünder ist, ist er eingekehrt, um Unterkunft zu nehmen.“ Aber Jesus erkennt, daß Zachäus bereuen könnte. Und er wird nicht enttäuscht, denn Zachäus steht auf und erklärt: „Siehe! Die Hälfte meiner Habe, Herr, gebe ich den Armen, und was immer ich von jemand durch falsche Anklage erpreßt habe, erstatte ich vierfach.“
Zachäus beweist die Echtheit seiner Reue, indem er die eine Hälfte seines Besitzes den Armen gibt und die andere dazu verwendet, denjenigen, die er betrogen hat, alles zurückzuerstatten. Aus seinen Steuerlisten kann er offensichtlich ersehen, wieviel er diesen Personen schuldet. Er schwört, alles vierfach zu erstatten, entsprechend dem Gesetz Gottes, das lautet: ‘Falls ein Mann ein Schaf stehlen sollte, soll er mit vier Stück Kleinvieh für das Schaf Ersatz leisten.’
Jesus freut sich darüber, daß Zachäus verspricht, seine Habe auszuteilen, denn er sagt: „An diesem Tag ist diesem Hause Rettung widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war.“
Unlängst hat Jesus die Lage jener „Verlorenen“ in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn veranschaulicht. Dies ist nun die wirkliche Erfahrung eines Menschen, der verloren war und gefunden wurde. Obwohl die religiösen Führer und diejenigen, die ihnen nachfolgen, darüber murren und entrüstet sind, daß sich Jesus mit Leuten wie Zachäus abgibt, fährt er fort, nach den verlorenen Söhnen Abrahams zu suchen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Matthäus 20:29-34; Markus 10:46-52; Lukas 18:35 bis 19:10; 2. Mose 22:1.
▪ Wo trifft Jesus offensichtlich die blinden Bettler, und was tut er für sie?
▪ Wer ist Zachäus, und warum klettert er auf einen Baum?
▪ Wie beweist Zachäus seine Reue?
▪ Was können wir aus der Art und Weise lernen, wie Jesus Zachäus behandelt?
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Das Gleichnis von den MinenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 100
Das Gleichnis von den Minen
JESUS hält sich möglicherweise noch im Haus des Zachäus auf, bei dem er auf dem Weg nach Jerusalem eingekehrt ist. Seine Jünger glauben, er werde sich in Jerusalem als Messias zu erkennen geben und sein Königreich aufrichten. Um dies richtigzustellen und um zu zeigen, daß das Königreich erst später kommt, erzählt Jesus folgendes Gleichnis:
„Ein gewisser Mensch von vornehmer Geburt reiste in ein fernes Land, um Königsmacht für sich zu erlangen und zurückzukehren.“ Der „Mensch von vornehmer Geburt“ ist Jesus, und das „ferne Land“ ist der Himmel. Wenn Jesus dorthin kommt, wird ihm sein Vater königliche Macht geben.
Vor seiner Abreise ruft der Mensch von vornehmer Geburt jedoch zehn seiner Sklaven, gibt jedem eine Silbermine und sagt: „Macht Geschäfte damit, bis ich komme.“ Die zehn Sklaven stellen in der ersten Erfüllung die frühchristlichen Jünger Jesu dar. In einer erweiterten Anwendung versinnbildlichen sie alle voraussichtlichen Teilhaber am himmlischen Königreich.
Die Silberminen sind wertvolle Geldstücke — jede Mine entspricht dem Lohn eines Landarbeiters für drei Monate. Aber was wird durch die Minen dargestellt? Und was für Geschäfte sollen die Sklaven damit machen?
Die Minen stellen etwas Wertvolles dar, was die geistgezeugten Jünger gebrauchen konnten, um weitere Erben des himmlischen Königreiches hervorzubringen, bis Jesus als König des verheißenen Königreiches käme. Als er nach seiner Auferstehung den Jüngern erscheint, gibt er ihnen die symbolischen Minen, damit sie noch mehr Jünger machen und auf diese Weise weitere Glieder zur Klasse derer, die am Königreich der Himmel teilhaben, hinzufügen können.
Jesus erzählt weiter: „Seine Bürger aber haßten ihn [den Menschen von vornehmer Geburt] und sandten eine Gesandtschaft hinter ihm her, die sagen sollte: ‚Wir wollen nicht, daß dieser über uns König wird.‘ “ Die Bürger sind die Israeliten oder Juden mit Ausnahme der Jünger Jesu. Nach Jesu Auffahrt in den Himmel ließen die Juden dadurch, daß sie seine Jünger verfolgten, erkennen, daß sie ihn nicht als ihren König wünschten. Auf diese Weise handelten sie wie jene Bürger, die eine Gesandtschaft aussandten.
Wie haben die zehn Sklaven ihre Minen verwendet? Jesus erklärt: „Als er schließlich zurückkam, nachdem er die Königsmacht erlangt hatte, gebot er, daß jene Sklaven, denen er das Silbergeld gegeben hatte, zu ihm gerufen würden, um festzustellen, was sie durch ihre geschäftliche Tätigkeit gewonnen hätten. Da trat der erste herzu und sprach: ‚Herr, deine Mine hat zehn Minen gewonnen.‘ Somit sagte er zu ihm: ‚Wohlgetan, guter Sklave! Weil du dich in einer sehr kleinen Sache als treu erwiesen hast, so habe Gewalt über zehn Städte.‘ Dann kam der zweite und sprach: ‚Herr, deine Mine hat fünf Minen eingetragen.‘ Zu diesem sprach er ebenfalls: ‚Auch du sollst über fünf Städte gesetzt sein.‘ “
Der Sklave mit den zehn Minen stellt eine Klasse oder Gruppe von Jüngern dar — zu der auch die Apostel gehören —, die seit Pfingsten 33 u. Z. bis heute existiert. Diejenigen, die fünf Minen erlangten, stellen ebenfalls eine in dieser Zeit existierende Gruppe dar, die gemäß ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten den Besitz ihres Königs auf der Erde vermehrt. Beide Gruppen predigen eifrig die gute Botschaft, und demzufolge haben schon viele aufrichtige Menschen den christlichen Glauben angenommen. Neun der Sklaven machten erfolgreich Geschäfte und vermehrten ihren Besitz.
„Aber“, fährt Jesus fort, „ein anderer kam und sagte: ‚Herr, hier ist deine Mine, die ich in einem Tuch aufbewahrt hielt. Du siehst, ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mensch bist; du hebst ab, was du nicht hinterlegt, und du erntest, was du nicht gesät hast.‘ Er sprach zu ihm: ‚Aus deinem eigenen Mund richte ich dich, böser Sklave. Du wußtest also, daß ich ein strenger Mensch bin und das abhebe, was ich nicht hinterlegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du denn mein Silbergeld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei meiner Ankunft mit Zins eingezogen.‘ Darauf sagte er zu den Dabeistehenden: ‚Nehmt ihm die Mine weg, und gebt sie dem, der die zehn Minen hat.‘ “
Für den bösen Sklaven bedeutet der Verlust der symbolischen Mine, daß er keinen Platz im himmlischen Königreich erhält. Ja, ihm wird das Vorrecht verwehrt, sozusagen über zehn oder fünf Städte zu regieren. Es gilt auch zu beachten, daß der Sklave nicht deshalb böse genannt wird, weil er etwas Schlechtes getan hat, sondern weil er es versäumt hat, zur Vermehrung des Reichtums des Königreiches seines Herrn beizutragen.
Als die Mine des bösen Sklaven dem ersten Sklaven übergeben wird, wendet jemand ein: „Herr, er hat zehn Minen!“ Doch Jesus erwidert: „Jedem, der hat, wird mehr gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. Im übrigen, diese meine Feinde, die nicht wollten, daß ich König über sie werde: Bringt sie her, und schlachtet sie vor mir.“ Lukas 19:11-27; Matthäus 28:19, 20.
▪ Was veranlaßt Jesus, das Gleichnis von den Minen zu erzählen?
▪ Wer ist der Mensch von vornehmer Geburt, und in welches Land geht er?
▪ Wer sind die Sklaven, und was wird durch die Minen dargestellt?
▪ Wer sind die Bürger und wie zeigen sie ihren Haß?
▪ Warum wird einer der Sklaven böse genannt, und was bedeutet für ihn der Verlust seiner Mine?
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Im Haus Simons in BethanienDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 101
Im Haus Simons in Bethanien
JESUS verläßt nun Jericho und geht nach Bethanien. Die Reise nimmt den größten Teil des Tages in Anspruch, da der 19 km lange Weg ständig bergan geht und durch schwieriges Gelände führt. Jericho liegt etwa 250 m unter dem Meeresspiegel, Bethanien dagegen 760 m über dem Meeresspiegel. Wie wir uns vielleicht erinnern, wohnen Lazarus und seine Schwestern in Bethanien. Das kleine Dorf ist am Ostabhang des Ölbergs gelegen, etwa 3 km von Jerusalem entfernt.
Viele, die das Passah in Jerusalem feiern wollen, sind bereits in der Stadt eingetroffen. Sie sind früher gekommen, um sich zeremoniell zu reinigen. Möglicherweise haben sie einen toten Körper berührt oder sind aus irgendeinem anderen Grund unrein. Deshalb unterziehen sie sich dem Reinigungsritual, damit sie das Passah in annehmbarer Weise feiern können. Als sich diese frühzeitig Eingetroffenen im Tempel versammeln, stellen viele Vermutungen darüber an, ob Jesus wohl zum Passah kommen wird.
In Jerusalem ist ein heftiger Meinungsstreit wegen Jesus im Gange. Es ist allgemein bekannt, daß die geistlichen Führer ihn ergreifen möchten, um ihn zu töten. Sie haben sogar angeordnet, daß jeder, der Jesu Aufenthaltsort kennt, sie davon zu unterrichten hat. In den letzten Monaten haben diese Vorsteher dreimal versucht, ihn zu töten — beim Laubhüttenfest, beim Fest der Einweihung und nach der Auferweckung des Lazarus. Daher überlegen die Leute, ob Jesus überhaupt wieder in der Öffentlichkeit auftreten wird. „Was ist eure Meinung?“ fragen sie sich gegenseitig.
Sechs Tage vor dem Passah, das gemäß dem jüdischen Kalender auf den 14. Nisan fällt, trifft Jesus in Bethanien ein. Er erreicht den Ort am Freitag gegen Abend, das heißt zu Beginn des 8. Nisan. Am Samstag hätte er die Reise nach Bethanien nicht machen können, da das jüdische Gesetz das Reisen am Sabbat — vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang am Samstag — einschränkt. Wie schon bei früheren Gelegenheiten begibt sich Jesus wahrscheinlich in das Haus des Lazarus und verbringt dort die Nacht von Freitag auf Samstag.
Ein anderer Bewohner Bethaniens namens Simon lädt Jesus und seine Gefährten für Samstag abend zum Essen ein. Dieser Mann war früher aussätzig und wurde möglicherweise von Jesus geheilt. Ihrem fleißigen Charakter entsprechend, bewirtet Martha die Gäste. Aber wie nicht anders zu erwarten, schenkt Maria ihre volle Aufmerksamkeit Jesus, und zwar diesmal auf eine Weise, die eine Auseinandersetzung auslöst.
Maria öffnet ein Alabastergefäß mit etwa einem Pfund wohlriechendem ‘echten Nardenöl’. Dies ist sehr kostbar, ja sein Wert entspricht einem ganzen Jahreslohn! Als Maria das Öl über Jesu Kopf und Füße ausgießt und seine Füße mit ihrem Haar abtrocknet, erfüllt der aromatische Duft das ganze Haus.
Die Jünger sind jedoch verärgert und fragen: „Wozu diese Verschwendung?“ Judas Iskariot entrüstet sich: „Warum wurde dieses wohlriechende Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben?“ In Wirklichkeit sorgt sich Judas aber nicht um die Armen, denn er hat Geld aus der Kasse der Jünger gestohlen.
Jesus verteidigt Maria. „Laßt sie“, gebietet er. „Warum sucht ihr ihr Mühe zu machen? Sie hat eine vortreffliche Tat an mir getan. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wann immer ihr wollt, könnt ihr ihnen stets Gutes tun, mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat es im voraus, im Hinblick auf mein Begräbnis, unternommen, wohlriechendes Öl auf meinen Leib zu tun. Wahrlich, ich sage euch: Wo immer die gute Botschaft in der ganzen Welt gepredigt wird, wird auch das, was diese Frau getan hat, zur Erinnerung an sie erzählt werden.“
Jesus hält sich nun schon mehr als 24 Stunden in Bethanien auf, und die Kunde von seiner Anwesenheit hat sich weithin verbreitet. Daher kommen viele zum Haus Simons, um Jesus und Lazarus zu sehen, der ebenfalls dort ist. Die Oberpriester halten deshalb Rat, um sowohl Jesus als auch Lazarus zu töten, denn viele Menschen glauben an Jesus, weil sie den Mann am Leben sehen, den er von den Toten auferweckt hat. Wie böse diese geistlichen Führer doch sind! Johannes 11:55 bis 12:11; Matthäus 26:6-13; Markus 14:3-9; Apostelgeschichte 1:12.
▪ Worüber wird im Tempel in Jerusalem diskutiert, und warum?
▪ Warum muß Jesus am Freitag in Bethanien angekommen sein und nicht am Samstag?
▪ Wo verbringt Jesus wahrscheinlich den Sabbat, nachdem er in Bethanien eingetroffen ist?
▪ Welche Handlung Marias löst eine Auseinandersetzung aus, und wie verteidigt Jesus die Frau?
▪ Wie zeigt sich die große Bosheit der Oberpriester?
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Christi triumphaler Einzug in JerusalemDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 102
Christi triumphaler Einzug in Jerusalem
AM FOLGENDEN Morgen — es ist Sonntag, der 9. Nisan — verläßt Jesus Bethanien und geht mit seinen Jüngern über den Ölberg in Richtung Jerusalem. Bei Bethphage, einem Dorf auf dem Ölberg, das sie nach kurzer Zeit erreichen, weist Jesus zwei seiner Jünger an:
„Geht hin in das Dorf, das ihr vor euch seht, und ihr werdet sogleich eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los, und bringt sie zu mir. Und wenn jemand etwas zu euch sagt, sollt ihr sprechen: ‚Der Herr benötigt sie.‘ Darauf wird er sie sogleich senden.“
Die Jünger erkennen zunächst nicht, daß diese Anweisung etwas mit der Erfüllung einer biblischen Prophezeiung zu tun hat. Das wird ihnen erst später bewußt. Der Prophet Sacharja hatte vorausgesagt, daß Gottes verheißener König auf einem Esel in Jerusalem einreiten werde, ja „auf einem ausgewachsenen Tier, dem Sohn einer Eselin“. König Salomo war ebenfalls auf dem Nachkommen eines Esels zu seiner Salbung geritten.
Als die Jünger in Bethphage das Füllen und dessen Mutter nehmen, fragen einige der Dabeistehenden: „Was tut ihr da?“ Doch als die Männer erfahren, daß die Tiere für den Herrn sind, hindern sie die Jünger nicht daran, sie zu Jesus zu bringen. Die Jünger legen ihre äußeren Kleider auf die Eselin und das Füllen; Jesus steigt jedoch auf das Füllen.
Die Volksmenge wird immer größer, als Jesus in Richtung Jerusalem reitet. Die meisten Leute breiten ihre äußeren Kleider auf dem Weg aus, während andere Zweige von den Bäumen abhauen und diese auf den Weg legen. „Gesegnet ist, der als der König im Namen Jehovas kommt!“ rufen sie aus. „Frieden im Himmel und Herrlichkeit in den höchsten Höhen!“
Einige Pharisäer aus der Volksmenge sind wegen dieser Ausrufe aufgebracht, und sie verlangen von Jesus: „Lehrer, verweise es deinen Jüngern.“ Aber Jesus erwidert: „Ich sage euch: Wenn diese stumm blieben, würden die Steine schreien.“
Als sich Jesus Jerusalem nähert, betrachtet er sich die Stadt und beginnt über sie zu weinen. Dann sagt er: „Wenn du, ja du, an diesem Tag die Dinge erkannt hättest, die mit Frieden zu tun haben — doch nun sind sie vor deinen Augen verborgen.“ Jerusalem wird wegen seines bewußten Ungehorsams bezahlen müssen, wie Jesus es voraussagt:
„Deine Feinde [die Römer unter General Titus] [werden] eine Befestigung aus Spitzpfählen um dich bauen und werden dich ringsum einschließen und dich von allen Seiten bedrängen, und sie werden dich und deine Kinder in deiner Mitte zu Boden schmettern, und sie werden in dir keinen Stein auf dem anderen lassen.“ Die von Jesus vorausgesagte Zerstörung Jerusalems erfolgt 37 Jahre später, im Jahre 70 u. Z.
Nur einige Wochen zuvor waren viele aus der Volksmenge Zeuge, wie Jesus Lazarus auferweckte. Jetzt erzählen sie anderen von diesem Wunder. Als Jesus daher in Jerusalem einzieht, gerät die ganze Stadt in Bewegung. „Wer ist dieser?“ fragen die Menschen. Und die Volksmengen sagen fortgesetzt: „Dies ist der Prophet, Jesus aus Nazareth in Galiläa!“ Die Pharisäer, die das Geschehen beobachten, sind enttäuscht, daß sie gar nichts ausrichten können. Deshalb sagen sie: „Die Welt ist ihm nachgelaufen.“
Gemäß seiner Gewohnheit begibt sich Jesus auch bei diesem Besuch in Jerusalem in den Tempel, um zu lehren. Dort kommen die Blinden und die Lahmen zu ihm, und er heilt sie. Als die Oberpriester und die Schriftgelehrten die wunderbaren Dinge sehen, die Jesus tut, und die Knaben im Tempel rufen hören: „Rette, bitte, den Sohn Davids!“, ärgern sie sich. „Hörst du, was diese sagen?“ protestieren sie.
„Ja“, antwortet Jesus. „Habt ihr niemals dies gelesen: ‚Aus dem Mund von Unmündigen und Säuglingen hast du Lobpreis bereitet.‘?“
Jesus fährt fort zu lehren, und er schaut sich im Tempel alles genau an. Darüber ist es spät geworden. Daher verläßt er nun Jerusalem und geht mit den Zwölfen die etwa 3 km zurück nach Bethanien. Dort verbringt er die Nacht von Sonntag auf Montag, möglicherweise im Haus seines Freundes Lazarus. Matthäus 21:1-11, 14-17; Markus 11:1-11; Lukas 19:29-44; Johannes 12:12-19; Sacharja 9:9.
▪ Wann und wie zieht Jesus als König in Jerusalem ein?
▪ Von welcher Bedeutung ist es, daß die Volksmenge Jesus lobpreist?
▪ Wie empfindet Jesus, als er Jerusalem betrachtet, und welche Prophezeiung äußert er?
▪ Was geschieht, als sich Jesus in den Tempel begibt?
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Erneuter Besuch im TempelDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 103
Erneuter Besuch im Tempel
JESUS und seine Jünger haben nun ihre dritte Nacht in Bethanien verbracht, seit sie von Jericho hierhergekommen sind. Am Montag, dem 10. Nisan, sind sie bereits frühmorgens unterwegs nach Jerusalem. Jesus ist hungrig. Als er daher einen Feigenbaum mit Blättern sieht, geht er hin, um zu sehen, ob sich nicht schon einige Früchte daran befinden.
Der Baum trägt ungewöhnlich früh Blätter, denn die Zeit für Feigen ist erst im Juni, und jetzt ist es Ende März. Da die Blätter eher gekommen sind, ist Jesus offensichtlich überzeugt, daß es auch früher Feigen gibt. Er wird aber enttäuscht, denn die Blätter am Baum trügen. Daraufhin verflucht Jesus ihn mit den Worten: „Niemand esse mehr Frucht von dir immerdar.“ Die Folgen dieser Tat Jesu und was sie bedeutet werden am nächsten Morgen sichtbar.
Bald darauf treffen Jesus und seine Jünger in Jerusalem ein. Er geht in den Tempel, den er am vergangenen Nachmittag inspiziert hat. Heute wird er jedoch in einer Weise aktiv wie schon vor genau drei Jahren, 30 u. Z., als er ebenfalls zum Passah gekommen war. Jesus treibt diejenigen hinaus, die im Tempel verkaufen und kaufen, und stößt die Tische der Geldwechsler sowie die Bänke der Taubenverkäufer um. Er läßt nicht einmal zu, daß jemand ein Gerät durch den Tempel trägt.
Die Geldwechsler und die Tierverkäufer verurteilt er mit den Worten: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Nationen genannt werden.‘? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“ Sie sind Räuber, weil sie von denjenigen, die Opfertiere benötigen und denen kaum eine andere Wahl bleibt, als bei ihnen zu kaufen, völlig überhöhte Preise verlangen. Deshalb betrachtet Jesus diese Geschäfte als eine Form des Wuchers oder Raubes.
Als die Oberpriester, die Schriftgelehrten und die Prominenten des Volkes hören, was Jesus getan hat, suchen sie erneut nach einer Möglichkeit, ihn töten zu lassen. Dadurch beweisen sie, daß sie unverbesserlich sind. Noch wissen sie jedoch nicht, wie sie Jesus vernichten können, denn das gesamte Volk hängt ihm an, um ihn zu hören.
Außer Juden sind auch Nichtjuden zum Passah gekommen. Es sind Proselyten, das heißt Personen, die sich zum jüdischen Glauben bekehrt haben. Gewisse Griechen, offensichtlich Proselyten, wenden sich an Philippus mit dem Wunsch, Jesus zu sehen. Philippus geht zu Andreas, vielleicht um ihn zu fragen, ob ein solches Treffen passend ist. Jesus befindet sich offenbar noch im Tempel, wo ihn die Griechen sehen können.
Da Jesus weiß, daß er nur noch wenige Tage zu leben hat, veranschaulicht er seine Situation auf folgende wunderbare Weise: „Die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn verherrlicht werden soll. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ein Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es nur e i n Korn; wenn es aber stirbt, dann bringt es viel Frucht.“
Ein Weizenkorn ist nur von geringem Wert. Was geschieht jedoch, wenn es in die Erde kommt und „stirbt“, sein Dasein als Samen beendet? Es keimt, und mit der Zeit wächst daraus ein Halm, der viele, viele Weizenkörner hervorbringt. In ähnlicher Weise ist Jesus nur e i n vollkommener Mensch. Wenn er allerdings in Treue Gott gegenüber stirbt, können Gläubige, die denselben Geist der Opferbereitschaft haben wie er, durch ihn ewiges Leben erhalten. Daher sagt Jesus: „Wer seine Seele liebhat, vernichtet sie; wer aber seine Seele in dieser Welt haßt, wird sie zum ewigen Leben bewahren.“
Jesus denkt offensichtlich nicht nur an sich, denn er sagt als nächstes: „Will jemand mir dienen, so folge er mir nach, und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren.“ Welch wunderbarer Lohn für jemanden, der Jesus nachfolgt und ihm dient! Er erhält vom Vater die Auszeichnung, mit Jesus am Königreich teilzuhaben.
Mit Blick auf das vor ihm Liegende — schwere Leiden und ein qualvoller Tod — fährt Jesus fort: „Jetzt ist meine Seele beunruhigt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde.“ Wenn das, was ihn erwartet, nur vermieden werden könnte! Doch das geht nicht, wie er selbst sagt: „Deswegen bin ich in diese Stunde gekommen.“ Jesus ist mit der gesamten Vorkehrung Gottes einverstanden, die auch seinen Opfertod einschließt. Matthäus 21:12, 13, 18, 19; Markus 11:12-18; Lukas 19:45-48; Johannes 12:20-27.
▪ Wieso erwartet Jesus, Feigen zu finden, obwohl es nicht die Zeit der Feigen ist?
▪ Warum nennt Jesus die Verkäufer im Tempel „Räuber“?
▪ In welcher Hinsicht ist Jesus wie ein Weizenkorn, das stirbt?
▪ Wie denkt Jesus über die Leiden, die ihm bevorstehen, und den Tod, der ihn erwartet?
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Gottes Stimme ein drittes Mal gehörtDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 104
Gottes Stimme ein drittes Mal gehört
WÄHREND sich Jesus im Tempel aufhält, ist er sehr beunruhigt wegen seines baldigen Todes. Da er hauptsächlich darum besorgt ist, wie sich sein Tod auf den Ruf seines Vaters auswirken wird, betet er: „Vater, verherrliche deinen Namen.“
Daraufhin verkündet eine laute Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wieder verherrlichen.“
Die Volksmenge, die Jesus umringt, ist verwirrt. „Ein Engel hat zu ihm geredet“, beginnen einige zu sagen. Andere behaupten, es habe gedonnert. In Wirklichkeit hat jedoch Jehova gesprochen! Das ist indes nicht das erste Mal, daß Gottes Stimme in Verbindung mit Jesus gehört worden ist.
Bei Jesu Taufe, dreieinhalb Jahre zuvor, hatte Johannes der Täufer Gott über Jesus sagen hören: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Einige Zeit nach dem Passah des Vorjahres hörten Jakobus, Johannes und Petrus, vor deren Augen Jesus umgestaltet wurde, daß Gott sagte: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; hört auf ihn!“ Und heute, am 10. Nisan, vier Tage vor Jesu Tod, hören Menschen erneut Gottes Stimme. Doch diesmal kann eine große Menschenmenge die Worte Jehovas hören.
Jesus erklärt: „Diese Stimme ist nicht um meinetwillen, sondern um euretwillen geschehen.“ Was diese Stimme gesagt hat, beweist, daß Jesus wirklich Gottes Sohn, der verheißene Messias, ist. „Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt“, fährt Jesus fort, „jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.“ Durch sein Leben in Treue hat Jesus gezeigt, daß Satan, der Teufel, der Herrscher der Welt, es verdient, „hinausgeworfen“, hingerichtet zu werden.
Dann weist Jesus auf das hin, was durch seinen kurz bevorstehenden Tod bewirkt werden wird, indem er sagt: „Und doch werde ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, Menschen von allen Arten zu mir ziehen.“ Sein Tod ist keineswegs eine Niederlage, denn dadurch wird er andere zu sich ziehen können, damit sie sich des ewigen Lebens erfreuen.
Die Volksmenge erhebt jedoch Einspruch: „Wir hörten aus dem GESETZ, daß der Christus für immer bleibt; und wie kommt es, daß du sagst, der Menschensohn müsse erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn?“
Trotz aller Beweise und obwohl sie Gottes Stimme gehört haben, glauben die meisten nicht, daß Jesus der wahre Menschensohn ist, der verheißene Messias. Doch wie schon während des Laubhüttenfests vor sechs Monaten spricht Jesus erneut von sich als dem „Licht“ und ermuntert seine Zuhörer: „Solange ihr das Licht habt, bekundet Glauben an das Licht, damit ihr Söhne des Lichts werdet.“ Nachdem Jesus all das gesagt hat, geht er weg und verbirgt sich, offenbar weil sein Leben in Gefahr ist.
Dadurch, daß die Juden nicht an Jesus glauben, erfüllen sich die Worte Jesajas, daß ‘die Augen des Volkes blind gemacht und ihr Herz verhärtet wurde, damit sie nicht umkehren und geheilt werden mögen’. Jesaja sah in einer Vision die himmlischen Höfe Jehovas mit Jesus in seiner vormenschlichen Herrlichkeit und Jehova selbst. Doch in Erfüllung der Worte Jesajas weisen die Juden halsstarrig die Beweise dafür zurück, daß Jesus der ihnen verheißene Befreier ist.
Andererseits glauben sogar einige Vorsteher (offensichtlich Mitglieder des höchsten jüdischen Gerichts, des Sanhedrins) an Jesus. Nikodemus und Joseph von Arimathia sind zwei von ihnen. Jedoch bekennen diese Vorsteher — wenigstens zu diesem Zeitpunkt — ihren Glauben nicht, aus Angst, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden. Wieviel den Betreffenden doch entgeht!
Jesus sagt dann weiter: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht nur an mich, sondern auch an den, der mich gesandt hat; und wer mich sieht, sieht auch den, der mich gesandt hat. ... Wenn indes jemand meine Reden hört und sie nicht bewahrt, so richte ich ihn nicht; denn nicht um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten, bin ich gekommen. ... Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.“
Die Liebe zur Menschenwelt hat Jehova veranlaßt, Jesus zu senden, damit diejenigen, die Glauben an ihn ausüben, gerettet werden. Die Rettung hängt jedoch davon ab, daß die Menschen das befolgen, was Gott Jesus zu reden aufgetragen hat. Das Gericht wird „am letzten Tag“, während der Tausendjahrherrschaft Christi, stattfinden.
Zum Schluß sagt Jesus noch: „Ich habe nicht aus eigenem Antrieb geredet, sondern der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat mir ein Gebot in bezug auf das gegeben, was ich sagen und was ich reden soll. Auch weiß ich, daß sein Gebot ewiges Leben bedeutet. Daher rede ich die Dinge, die ich rede, so wie der Vater sie mir gesagt hat.“ Johannes 12:28-50; 19:38, 39; Matthäus 3:17; 17:5; Jesaja 6:1, 8-10.
▪ Bei welchen drei Gelegenheiten ist Gottes Stimme in Verbindung mit Jesus zu hören?
▪ Inwiefern sieht der Prophet Jesaja Jesu Herrlichkeit?
▪ Wer sind die Vorsteher, die an Jesus glauben, aber warum bekennen sie sich nicht offen zu ihm?
▪ Was ist der ‘letzte Tag’, und auf welcher Grundlage werden die Menschen dann gerichtet werden?
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Der Beginn eines entscheidenden TagesDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 105
Der Beginn eines entscheidenden Tages
AM Montag abend verläßt Jesus Jerusalem und kehrt nach Bethanien zurück, das am Ostabhang des Ölbergs liegt. Zwei der letzten Tage seines Dienstes in Jerusalem sind nun vorbei. Jesus verbringt die Nacht zweifellos wiederum bei seinem Freund Lazarus. Es ist bereits die vierte Nacht, die er in Bethanien verbracht hat, denn er ist am Freitag von Jericho hierhergekommen.
In aller Frühe ist er am Dienstag, dem 11. Nisan, wieder mit seinen Jüngern unterwegs. Vor Jesus liegt ein entscheidender Tag seines Dienstes, der geschäftigste bisher überhaupt. Es ist der letzte Tag, an dem er in den Tempel geht. Ja es ist der letzte Tag seines öffentlichen Dienstes vor seiner Verurteilung und Hinrichtung.
Jesus und seine Jünger nehmen von Bethanien den gewohnten Weg über den Ölberg nach Jerusalem. An jenem Weg steht der Baum, den Jesus am Morgen zuvor verflucht hat. Als Petrus ihn erblickt, ruft er aus: „Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt.“
Aber warum hat Jesus den Baum absterben lassen? Der Grund geht aus seinen Worten hervor: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nur Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur das tun, was ich mit dem Feigenbaum getan habe, sondern auch wenn ihr zu diesem Berg [dem Ölberg, auf dem sie stehen] sagt: ‚Werde emporgehoben und ins Meer geworfen‘, so wird es geschehen. Und alles, worum ihr glaubensvoll im Gebet bittet, werdet ihr empfangen.“
Dadurch, daß Jesus den Baum verdorren ließ, erteilt er seinen Jüngern eine einprägsame Lektion in bezug darauf, daß sie Glauben an Gott haben müssen. Er sagt weiter: „Alle Dinge, um die ihr betet und bittet, glaubt, daß ihr sie sozusagen empfangen habt, und ihr werdet sie haben.“ Welch wichtige Lektion sie daraus lernen, vor allem angesichts der schweren Prüfungen, die bald über sie kommen werden! Doch es gibt noch eine weitere Verbindung zwischen dem Verdorren des Feigenbaums und dem Maß des Glaubens.
Die Nation Israel hat wie jener Feigenbaum ein trügerisches Äußeres. Obwohl sie sich in einem Bundesverhältnis mit Gott befindet und sich den Anschein gibt, seine Gebote zu beachten, hat es sich erwiesen, daß sie ohne Glauben ist, ohne gute Früchte. Aufgrund ihres Unglaubens ist sie sogar im Begriff, Gottes eigenen Sohn zu verwerfen. Daher zeigt Jesus dadurch, daß er den unfruchtbaren Feigenbaum verdorren ließ, auf anschauliche Weise, was mit der fruchtlosen, ungläubigen Nation letztlich geschehen wird.
Kurz darauf kommen Jesus und seine Jünger in Jerusalem an, und wie üblich gehen sie in den Tempel, wo Jesus zu lehren beginnt. Die Oberpriester und die älteren Männer des Volkes, die die Aktion nicht vergessen haben, die Jesus am Vortag gegen die Geldwechsler unternommen hat, stellen ihm herausfordernde Fragen: „Mit welcher Befugnis tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Befugnis gegeben?“
In Erwiderung sagt Jesus: „Auch ich will euch e i n e s fragen. Wenn ihr es mir sagt, will auch ich euch sagen, mit welcher Befugnis ich diese Dinge tue: Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen?“
Die Priester und die älteren Männer beginnen sich zu beraten, was sie antworten sollen. „Wenn wir sagen: ‚Vom Himmel‘, wird er zu uns sagen: ‚Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt?‘ Sagen wir aber: ‚Von Menschen‘, so müssen wir das Volk fürchten, denn sie alle halten Johannes für einen Propheten.“
Die Vorsteher sind sich unschlüssig, was sie antworten sollen. Deshalb sagen sie zu Jesus: „Wir wissen es nicht.“
Darauf entgegnet Jesus: „Dann sage ich euch auch nicht, mit welcher Befugnis ich diese Dinge tue.“ Matthäus 21:19-27; Markus 11:19-33; Lukas 20:1-8.
▪ Warum ist Dienstag, der 11. Nisan, so bedeutsam?
▪ Welche Lektionen erteilt Jesus dadurch, daß er den Feigenbaum verdorren läßt?
▪ Was antwortet Jesus denjenigen, die ihn fragen, mit welcher Befugnis er bestimmte Dinge tue?
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Bloßstellung durch Gleichnisse vom WeinbergDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 106
Bloßstellung durch Gleichnisse vom Weinberg
JESUS ist im Tempel. Eben hat er die geistlichen Führer aus der Fassung gebracht, die wissen wollten, mit welcher Befugnis er alles tue. Bevor sie ihre Fassung wiedererlangen, fragt Jesus: „Was denkt ihr?“ Und dann führt er ihnen anhand eines Gleichnisses vor Augen, was für Menschen sie in Wirklichkeit sind.
„Ein Mensch hatte zwei Kinder“, erzählt Jesus. „Er ging zu dem ersten hin und sprach: ‚Kind, geh heute im Weingarten arbeiten.‘ Als Antwort sagte dieser: ‚Ich will, Herr‘, ging aber nicht hin. Da trat er zum zweiten hin und sagte das gleiche. In Erwiderung sagte dieser: ‚Ich will nicht.‘ Nachher gereute es ihn, und er ging hin. Welcher von den beiden hat den Willen seines Vaters getan?“ fragt Jesus.
„Der letztere“, antworten seine Gegner.
Darauf erklärt Jesus: „Wahrlich, ich sage euch, daß die Steuereinnehmer und die Huren vor euch in das Königreich Gottes eingehen.“ Die Steuereinnehmer und die Huren weigerten sich anfänglich, Gott zu dienen. Doch dann tat es ihnen leid, so wie dem zweiten Kind, und sie dienten ihm. Dagegen sagten die geistlichen Führer wie das erste Kind, sie würden Gott dienen, handelten jedoch anders, wie Jesus bemerkt: „Johannes [der Täufer] ist auf einem Weg der Gerechtigkeit zu euch gekommen, doch habt ihr ihm nicht geglaubt. Die Steuereinnehmer und die Huren aber haben ihm geglaubt, und obwohl ihr dies saht, gereute es euch danach nicht, so daß ihr ihm geglaubt hättet.“
Anschließend zeigt Jesus, daß das Versagen jener geistlichen Führer nicht nur darin besteht, daß sie Gott nicht dienen. Nein, sondern sie sind wirklich böse, schlechte Menschen. „Da war ein Mensch, ein Hausherr“, erzählt Jesus, „der einen Weingarten pflanzte und ihn mit einem Zaun umgab und eine Weinkelter darin grub und einen Turm errichtete und ihn an Weingärtner verpachtete und außer Landes reiste. Als dann die Zeit der Früchte herbeikam, sandte er seine Sklaven zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu holen. Aber die Weingärtner nahmen seine Sklaven, und den einen prügelten sie, einen anderen töteten sie, einen weiteren steinigten sie. Wieder sandte er andere Sklaven hin, mehr als die ersten, doch mit diesen taten sie ebenso.“
Die „Sklaven“ sind die Propheten, die der „Hausherr“, Jehova Gott, zu den „Weingärtnern“ seines „Weingartens“ sandte. Bei den Weingärtnern handelt es sich um führende Persönlichkeiten der Nation Israel, und diese Nation ist, wie die Bibel zeigt, Gottes „Weingarten“.
Nachdem Jesus erzählt hat, daß die „Weingärtner“ die „Sklaven“ mißhandelt und getötet haben, erklärt er: „Zuletzt sandte er [der Besitzer des Weingartens] seinen Sohn zu ihnen, indem er sprach: ‚Sie werden vor meinem Sohn Respekt haben.‘ Als die Weingärtner den Sohn sahen, sagten sie unter sich: ‚Dieser ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbe antreten!‘ Da nahmen sie ihn und warfen ihn aus dem Weingarten hinaus und töteten ihn.“
Jetzt wendet sich Jesus mit der Frage an die geistlichen Führer: „Wenn nun der Besitzer des Weingartens kommt, was wird er mit diesen Weingärtnern tun?“
„Weil sie Übeltäter sind“, antworten die religiösen Führer, „wird er eine üble Vernichtung über sie bringen und wird den Weingarten an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte zur rechten Zeit abliefern werden.“
Sie sprechen sich ungewollt selbst ihr Urteil, denn sie gehören zu den israelitischen „Weingärtnern“, die in Jehovas „Weingarten“, dem Volk Israel, tätig sind. Die Frucht, die Jehova von diesen Weingärtnern erwartet, ist Glauben an seinen Sohn, den wahren Messias. Weil sie diese Frucht nicht hervorbringen, sagt Jesus warnend: „Habt ihr nie in den Schriften [in Psalm 118:22, 23] gelesen: ‚Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Haupteckstein geworden. Von Jehova aus ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen.‘? Darum sage ich euch: Das Königreich Gottes wird von euch genommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte hervorbringt. Auch wird der, welcher auf diesen Stein fällt, zerschmettert werden. Auf wen immer er aber fällt, den wird er zu Staub machen.“
Die Schriftgelehrten und die Oberpriester merken jetzt, daß Jesus von ihnen spricht, und sie wollen ihn, den rechtmäßigen „Erben“, töten. Deshalb wird das Vorrecht, in Gottes Königreich zu herrschen, von Israel genommen, und eine neue Nation von „Weingärtnern“ wird gebildet werden, eine, die entsprechende Früchte hervorbringt.
Da die geistlichen Führer die Volksmengen fürchten, die Jesus für einen Propheten halten, versuchen sie nicht, ihn bei dieser Gelegenheit zu töten. Matthäus 21:28-46; Markus 12:1-12; Lukas 20:9-19; Jesaja 5:1-7.
▪ Wen stellen die beiden Kinder im ersten Gleichnis Jesu dar?
▪ Wer wird im zweiten Gleichnis durch den „Hausherrn“, den „Weingarten“, die „Weingärtner“, die „Sklaven“ und den „Erben“ dargestellt?
▪ Wie wird es den „Weingärtnern“ ergehen, und durch wen werden sie ersetzt werden?
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Das Gleichnis vom HochzeitsfestDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 107
Das Gleichnis vom Hochzeitsfest
JESUS hat die Schriftgelehrten und die Oberpriester durch zwei Gleichnisse bloßgestellt, und sie wollen ihn töten. Aber Jesus ist noch lange nicht mit ihnen fertig. Er erzählt ihnen noch ein Gleichnis und sagt:
„Das Königreich der Himmel ist einem Menschen, einem König, gleich geworden, der für seinen Sohn ein Hochzeitsfest veranstaltete. Und er sandte seine Sklaven aus, um die Geladenen zum Hochzeitsfest zu rufen, aber sie wollten nicht kommen.“
Jehova Gott ist der König, der ein Hochzeitsfest für seinen Sohn, Jesus Christus, vorbereitet. Die Braut, bestehend aus seinen 144 000 gesalbten Nachfolgern, wird schließlich mit Jesus im Himmel vereint sein. Die Untertanen des Königs sind das Volk Israel, das 1513 v. u. Z. die Gelegenheit erhielt, „ein Königreich von Priestern“ zu werden, als es unter den Gesetzesbund kam. Daher wurden die Israeliten ursprünglich bei dieser Gelegenheit zu dem Hochzeitsfest eingeladen.
Jedoch erging der erste Ruf an die Geladenen nicht vor dem Herbst 29 u. Z., als Jesus und seine Jünger (die Sklaven des Königs) begannen, das Königreich zu predigen. Aber die natürlichen Israeliten, die von den Sklaven von 29 bis 33 u. Z. gerufen wurden, wollten nicht kommen. Daher räumte Gott der eingeladenen Nation eine weitere Gelegenheit ein, wie Jesus erzählt:
„Wieder sandte er andere Sklaven aus, indem er sprach: ‚Sagt den Geladenen: „Siehe, ich habe mein Essen zubereitet, meine Stiere und Masttiere sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zum Hochzeitsfest.“ ‘ “ Dieser zweite und letzte Ruf an die Geladenen erging zu Pfingsten 33 u. Z., als heiliger Geist auf Jesu Nachfolger ausgegossen wurde, und er erging bis 36 u. Z.
Die große Mehrheit der Israeliten verschmähten allerdings auch diesen Ruf. „Sie gingen“, wie Jesus sagte, „uninteressiert weg, der eine auf sein eigenes Feld, der andere seinen Handelsgeschäften nach; die übrigen aber ergriffen seine Sklaven, behandelten sie schmählich und töteten sie.“ „Der König aber“, fährt Jesus fort, „wurde zornig und sandte seine Heere aus und brachte jene Mörder um und verbrannte ihre Stadt.“ Das ereignete sich 70 u. Z., als Jerusalem von den Römern vollkommen zerstört wurde und jene Mörder getötet wurden.
Jesus erklärt dann, was sich in der Zwischenzeit zugetragen hat: „Dann sprach er [der König] zu seinen Sklaven: ‚Das Hochzeitsfest ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. Geht daher auf die Straßen, die aus der Stadt hinausführen, und ladet irgend jemand, den ihr findet, zum Hochzeitsfest ein.‘ “ Die Sklaven taten es, und „der Raum für die Hochzeitsfeierlichkeiten wurde mit den zu Tisch Liegenden gefüllt“.
Das Sammeln der Gäste von den Straßen außerhalb der Stadt der Geladenen begann 36 u. Z. Der römische Offizier Kornelius und seine Familie waren die ersten unbeschnittenen Nichtjuden, die eingesammelt wurden. Die Einsammlung der Nichtjuden, die diejenigen ersetzen, die ursprünglich den Ruf zurückgewiesen haben, ist bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt worden.
Heute, im 20. Jahrhundert, wird der Raum für die Hochzeitsfeierlichkeiten gefüllt. Jesus erzählt, was dann geschieht. Er sagt: „Als der König hereinkam, um sich die Gäste zu besehen, erblickte er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war. Da sagte er zu ihm: ‚Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du doch kein Hochzeitskleid anhast?‘ Er wurde zum Schweigen gebracht. Darauf sagte der König zu seinen Dienern: ‚Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die Finsternis draußen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein.‘ “
Der Mann ohne Hochzeitskleid stellt die unechten Christen der Christenheit dar. Diese hat Gott niemals als solche anerkannt, die die richtigen Erkennungsmerkmale geistiger Israeliten aufweisen. Gott hat sie niemals mit heiligem Geist zu Königreichserben gesalbt. Deshalb werden sie hinausgeworfen in die Dunkelheit, wo sie Vernichtung erleiden.
Jesus schließt sein Gleichnis ab, indem er sagt: „Denn es sind viele eingeladen, doch wenige auserwählt.“ Ja, viele aus dem Volk Israel waren eingeladen, Glieder der Braut Christi zu werden, aber nur wenige natürliche Israeliten wurden auserwählt. Die meisten der 144 000 Gäste, die die himmlische Belohnung erhalten, sind Nichtisraeliten. Matthäus 22:1-14; 2. Mose 19:1-6; Offenbarung 14:1-3.
▪ Wer sind die ursprünglich zum Hochzeitsfest Geladenen, und wann wird die Einladung ausgesprochen?
▪ Wann ergeht der Ruf an die Geladenen das erste Mal, und wer sind die Sklaven, die ihn ergehen lassen?
▪ Wann ergeht der zweite Ruf, und wer wird danach eingeladen?
▪ Wer wird durch den Mann ohne Hochzeitskleid dargestellt?
▪ Wer sind die vielen Geladenen und wer die wenigen Auserwählten?
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Der Versuch, Jesus eine Falle zu stellen, mißlingtDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 108
Der Versuch, Jesus eine Falle zu stellen, mißlingt
WEIL Jesus immer noch im Tempel lehrt und gerade durch drei Gleichnisse die Bosheit seiner religiösen Gegner bloßgestellt hat, halten die verärgerten Pharisäer Rat, wie sie ihm eine Falle stellen können, so daß er etwas sagt, weswegen man ihn festnehmen kann. Sie schmieden einen Plan und senden dann ihre Jünger zusammen mit Parteianhängern des Herodes zu ihm, die ihn veranlassen sollen, sich in seinen eigenen Worten zu fangen.
„Lehrer“, sagen diese Männer, „wir wissen, daß du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst, und du kümmerst dich um niemand, denn du schaust nicht auf die äußere Erscheinung der Menschen. Sag uns daher: Was denkst du? Ist es erlaubt, Cäsar Kopfsteuer zu zahlen, oder nicht?“
Jesus läßt sich durch die Schmeichelei nicht täuschen. Er ist sich bewußt, daß er sich der Aufwiegelung gegen Rom schuldig machen würde, wenn er sagte: „Nein, es ist nicht erlaubt, diese Steuer zu zahlen.“ Sagt er jedoch: „Ja, ihr müßt diese Steuer zahlen“, trifft ihn der Haß der Juden, für die das römische Joch etwas Verächtliches ist. Jesus entgegnet daher: „Warum stellt ihr mich auf die Probe, Heuchler? Zeigt mir die Kopfsteuermünze.“
Man bringt sie ihm, worauf er fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist dies?“
„Cäsars“, antworten sie.
„Zahlt daher Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott.“ Verwundert über Jesu geniale Antwort gehen die Männer davon und lassen ihn in Frieden.
Als die Sadduzäer sehen, daß es den Pharisäern nicht gelungen ist, etwas zu finden, um gegen Jesus vorzugehen, sprechen sie ihn an. Sie, die sagen, es gebe keine Auferstehung, fragen ihn: „Lehrer, Moses hat gesagt: ‚Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen erwecken.‘ Nun gab es bei uns sieben Brüder; und der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder. Ebenso erging es auch dem zweiten und dem dritten, ja schließlich allen sieben. Als letzte von allen starb die Frau. Wer von den sieben wird sie demnach in der Auferstehung zur Frau haben? Denn sie alle hatten sie.“
Darauf gibt Jesus folgendes zur Antwort: „Seid ihr nicht deshalb im Irrtum, weil ihr weder die Schriften noch die Macht Gottes kennt? Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten Männer nicht, noch werden Frauen verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln. Was aber die Toten betrifft, daß sie auferweckt werden, habt ihr nicht in dem Buch Mose, in dem Bericht über den Dornbusch, gelesen, wie Gott zu ihm sprach: ‚Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.‘? Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Ihr seid sehr im Irrtum.“
Erneut sind die Volksmengen über Jesu Antwort erstaunt. Selbst einige von den Schriftgelehrten müssen anerkennen: „Lehrer, du hast gut geredet.“
Als die Pharisäer sehen, daß Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hat, tun sie sich zu einer Gruppe zusammen und kommen zu ihm. Um Jesus weiter auf die Probe zu stellen, fragt einer der Schriftgelehrten: „Lehrer, welches ist das größte Gebot im GESETZ?“
Jesus antwortet: „Das erste ist: ‚Höre, o Israel: Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova, und du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn und mit deiner ganzen Kraft.‘ Das zweite ist dieses: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ Kein anderes Gebot ist größer als diese.“ Jesus fügt sogar noch hinzu: „An diesen zwei Geboten hängt das ganze GESETZ und die PROPHETEN.“
Der Schriftgelehrte stimmt ihm zu: „Lehrer, treffend hast du der Wahrheit gemäß gesagt: ‚ER ist E i n e r, und da ist kein anderer als ER‘; und dieses, ‚ihn zu lieben mit ganzem Herzen und mit ganzem Verstand und mit ganzer Kraft‘, und dieses, ‚seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst‘, ist weit mehr wert als alle Ganzbrandopfer und Schlachtopfer.“
Da Jesus erkennt, daß der Schriftgelehrte verständig geantwortet hat, sagt er zu ihm: „Du bist nicht fern vom Königreich Gottes.“
Drei Tage lang — Sonntag, Montag und Dienstag — hat Jesus im Tempel gelehrt. Das Volk hat ihm gern zugehört, doch die geistlichen Führer suchen ihn zu töten, aber bisher sind ihre Versuche vereitelt worden. Matthäus 22:15-40; Markus 12:13-34; Lukas 20:20-40.
▪ Welchen Plan schmieden die Pharisäer, um Jesus in seinen eigenen Worten zu fangen, und wie würde es ihm ergehen, wenn er mit Ja oder mit Nein antwortete?
▪ Wie vereitelt Jesus die Bemühungen der Sadduzäer, ihn in eine Falle zu locken?
▪ Welchen weiteren Versuch unternehmen die Pharisäer, um Jesus auf die Probe zu stellen, und was ist das Ergebnis?
▪ Wie viele Tage lehrt Jesus am Ende seines Dienstes in Jerusalem im Tempel, und was wird dadurch bewirkt?
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Jesus verurteilt seine WidersacherDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 109
Jesus verurteilt seine Widersacher
JESUS hat seine religiösen Widersacher so gründlich beschämt, daß sie sich nicht mehr trauen, ihn weiter zu befragen. Daher ergreift er die Initiative, um ihre Unwissenheit aufzudecken. „Wie denkt ihr über den Christus?“ fragt er. „Wessen Sohn ist er?“
„Davids“, antworten die Pharisäer.
Ohne in Abrede zu stellen, daß David ein fleischlicher Vorfahr des Christus oder Messias war, fragt Jesus: „Wie kommt es denn, daß David ihn durch Inspiration [in Psalm 110] ‚Herr‘ nennt, wenn er sagt: ‚Jehova sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege.“ ‘? Wenn also David ihn ‚Herr‘ nennt, wieso ist er sein Sohn?“
Die Pharisäer schweigen, denn sie kennen die wahre Identität des Christus oder Gesalbten nicht. Der Messias ist nicht einfach ein menschlicher Nachkomme Davids, wie die Pharisäer offensichtlich glauben, sondern er existierte bereits im Himmel und war deshalb größer als David, d. h. sein Herr.
An die Volksmengen und an seine Jünger gewandt, warnt Jesus nun vor den Schriftgelehrten und Pharisäern. Da diese das Gesetz Gottes lehren, „haben [sie] sich auf Moses’ Stuhl gesetzt“, weshalb Jesus rät: „Alles daher, was sie euch sagen, tut und haltet.“ Er fügt jedoch hinzu: „Handelt nicht nach ihren Taten, denn sie sagen es wohl, aber handeln nicht entsprechend.“
Sie sind Heuchler, und Jesus verurteilt sie weitgehend mit denselben Worten, die er einige Monate zuvor anläßlich eines Essens im Haus eines Pharisäers gebrauchte. „Alle Werke, die sie tun“, sagt er, „tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden.“ Und er führt dafür folgende Beispiele an:
„Sie machen die Schrifttexte enthaltenden Kapseln breit, die sie als Schutzmittel tragen.“ Diese relativ kleinen Kapseln, die an der Stirn oder am Arm getragen werden, enthalten vier Teile des Gesetzes: 2. Mose 13:1-10, 11-16 und 5. Mose 6:4-9; 11:13-21. Die Pharisäer vergrößern diese Kapseln allerdings, um sich den Anschein zu geben, für das Gesetz zu eifern.
Wie Jesus weiter zeigt, „vergrößern [sie] die Fransen ihrer Kleider“. Gemäß 4. Mose 15:38-40 wird den Israeliten geboten, sich Fransen an die Kleider zu machen; die Pharisäer machen ihre jedoch größer als die anderen Israeliten. Das alles tun sie aber nur, um aufzufallen. „Sie haben gern den hervorragendsten Platz“, erklärt Jesus.
Leider haben sich seine eigenen Jünger von dem Wunsch nach Prominenz anstecken lassen. Er gibt ihnen daher den Rat: „Ihr aber, laßt euch nicht Rabbi nennen, denn e i n e r ist euer Lehrer, während ihr alle Brüder seid. Des weiteren nennt niemand auf der Erde euren Vater, denn e i n e r ist euer Vater, der himmlische. Auch laßt euch nicht ‚Führer‘ nennen, denn e i n e r ist euer Führer, der Christus.“ Die Jünger müssen den Wunsch unterdrücken, an erster Stelle zu stehen. „Der Größte ... unter euch soll euer Diener sein“, lautet Jesu Anweisung.
Als nächstes spricht er mehrere Wehe über die Schriftgelehrten und die Pharisäer aus und nennt sie wiederholt Heuchler. Sie ‘verschließen das Königreich der Himmel vor den Menschen’, und „sie sind es, die die Häuser der Witwen verzehren und zum Vorwand lange Gebete sprechen“.
„Wehe euch, blinde Leiter“, sagt Jesus. Er verurteilt den Mangel an geistigen Werten bei den Pharisäern, der sich unter anderem durch ihre willkürlichen Unterscheidungen offenbart. So sagen sie beispielsweise: „Wenn jemand beim Tempel schwört, ist es nichts; wenn jemand aber beim Gold des Tempels schwört, ist er verpflichtet.“ Dadurch, daß sie dem Gold des Tempels größeres Gewicht beimessen als dem geistigen Wert der Anbetungsstätte, offenbaren sie ihre geistige Blindheit.
Wie schon bei einer früheren Gelegenheit verurteilt Jesus die Pharisäer auch diesmal, weil sie die „gewichtigeren Dinge des GESETZES außer acht gelassen [haben], nämlich das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue“, während sie peinlichst genau darauf bedacht sind, selbst von unscheinbaren Gewürzen den Zehnten zu zahlen.
Jesus stellt die Pharisäer mit den Worten bloß: „Blinde Leiter, die ihr die Mücke aussiebt, das Kamel aber hinunterschluckt!“ Sie sieben eine Mücke aus dem Wein aus, nicht, weil es sich um ein Insekt handelt, sondern weil sie zeremoniell unrein ist. Daß sie die gewichtigeren Dinge des Gesetzes nicht beachten, ist mit dem Hinunterschlucken eines Kamels — ebenfalls ein zeremoniell unreines Tier — vergleichbar. Matthäus 22:41 bis 23:24; Markus 12:35-40; Lukas 20:41-47; 3. Mose 11:4, 21-24.
▪ Warum schweigen die Pharisäer, als Jesus sie über Davids Aussage in Psalm 110 befragt?
▪ Wieso vergrößern die Pharisäer die Schrifttexte enthaltenden Kapseln und die Fransen ihrer Kleider?
▪ Welchen Rat gibt Jesus seinen Jüngern?
▪ Welche willkürlichen Unterscheidungen treffen die Pharisäer, und wie verurteilt Jesus sie dafür, daß sie die gewichtigeren Dinge außer acht lassen?
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Abschließender Dienst im TempelDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 110
Abschließender Dienst im Tempel
JESUS ist zum letztenmal im Tempel und beendet damit seinen öffentlichen Dienst auf der Erde, wenn man von den Ereignissen in Verbindung mit seiner Verurteilung und Hinrichtung drei Tage später einmal absieht. Er setzt seine scharfe Kritik an den Schriftgelehrten und den Pharisäern fort.
Drei weitere Male ruft er aus: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler!“ Als erstes spricht er ein Wehe über sie aus, weil sie „das Äußere des Bechers und der Schüssel“ reinigen, „innen aber sind sie mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt“. Er gibt daher den Rat: „Reinige zuerst das Innere des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde.“
Dann spricht Jesus ein Wehe über die Schriftgelehrten und die Pharisäer aus wegen ihrer inneren Verderbtheit und ihres geistigen Verfalls, was sie jedoch durch äußerliche Frömmigkeit zu verbergen suchen. „Ihr [gleicht] getünchten Gräbern“, sagt er, „die zwar von außen schön scheinen, innen aber voll von Totengebeinen und jeder Art Unreinheit sind.“
Außerdem offenbart sich ihre Heuchelei dadurch, daß sie Gräber für die Propheten bauen und schmücken, um die Aufmerksamkeit auf ihre eigene Wohltätigkeit zu lenken. Wie Jesus jedoch offenbart, sind sie „Söhne derer ..., die die Propheten ermordet haben“. Ja, jeder, der es wagt, ihre Heuchelei aufzudecken, ist in Gefahr!
Im weiteren Verlauf prangert Jesus sie mit äußerst scharfen Worten an: „Schlangen, Otternbrut“, sagt er, „wie solltet ihr dem Gericht der Gehenna entfliehen?“ Gehenna wird jenes Tal genannt, das als Müllabladeplatz von Jerusalem dient. Jesus gibt somit zu verstehen, daß die Schriftgelehrten und die Pharisäer für ihren bösen Lauf die ewige Vernichtung erleiden werden.
Mit Bezug auf diejenigen, die er als seine Vertreter aussendet, sagt er: „Einige von ihnen werdet ihr töten und an den Pfahl bringen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und von Stadt zu Stadt verfolgen, damit alles gerechte Blut über euch komme, das auf der Erde vergossen worden ist, vom Blut des gerechten Abel an bis zum Blut Sacharjas, Barachias’ [im zweiten Buch der Chronika Jehojada genannt] Sohn, den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordet habt. Wahrlich, ich sage euch: Dies alles wird über diese Generation kommen.“
Weil Sacharja die Führer Israels mit scharfen Worten tadelte, „verschworen sie sich gegen ihn und bewarfen ihn auf das Gebot des Königs im Vorhof des Hauses Jehovas mit Steinen“. Aber wie Jesus voraussagt, wird Israel für all das gerechte Blut bezahlen, das vergossen wurde. Die Abrechnung erfolgt 37 Jahre später, 70 u. Z., als die römischen Heere Jerusalem zerstören und über eine Million Juden umkommen.
Es bedrückt Jesus, an dieses furchtbare Geschehen zu denken. „Jerusalem, Jerusalem“, ruft er ein weiteres Mal aus, „wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel versammelt! Ihr aber habt nicht gewollt. Seht! Euer Haus wird euch verödet überlassen.“
Er fügt dann hinzu: „Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ‚Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas kommt!‘ “ Das wird zur Zeit der Gegenwart Christi sein, wenn er in sein himmlisches Königreich kommt und Menschen ihn mit dem Auge des Glaubens sehen werden.
Darauf begibt sich Jesus an einen Platz, von dem aus er beobachten kann, wie die Leute Geld in die Schatzkästen des Tempels werfen. Die Reichen geben viele Münzen. Es kommt aber auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen von ganz geringem Wert spendet.
Jesus ruft seine Jünger und sagt: „Wahrlich, ich sage euch, daß diese arme Witwe mehr eingeworfen hat als alle, die Geld in die Schatzkästen einwarfen.“ Die Jünger fragen sich offenbar, wie das möglich sei. Daher erklärt Jesus ihnen: „Sie alle haben von ihrem Überfluß eingeworfen; sie aber hat von ihrem Mangel alles eingeworfen, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt.“ Nach diesen Worten verläßt Jesus zum letztenmal den Tempel.
Einer seiner Jünger ruft voller Bewunderung für die Größe und Schönheit des Tempels aus: „Lehrer, schau, was für Steine und was für Bauten!“ Tatsächlich, die Steine sollen über 11 m lang, über 5 m breit und über 3 m hoch gewesen sein.
„Siehst du diese großen Bauten?“ entgegnet Jesus. „Bestimmt wird hier nicht ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.“
Nachdem Jesus das gesagt hat, durchqueren er und seine Apostel das Kidrontal und steigen den Ölberg hinauf. Von hier aus haben sie einen schönen Blick auf den prächtigen Tempel. Matthäus 23:25 bis 24:3; Markus 12:41 bis 13:3; Lukas 21:1-6; 2. Chronika 24:20-22.
▪ Was tut Jesus bei seinem letzten Besuch im Tempel?
▪ Worin offenbart sich die Heuchelei der Schriftgelehrten und der Pharisäer?
▪ Was ist mit dem „Gericht der Gehenna“ gemeint?
▪ Warum sagt Jesus, die Witwe habe mehr gespendet als die Reichen?
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Zeichen der letzten TageDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 111
Zeichen der letzten Tage
INZWISCHEN ist es Dienstag nachmittag geworden. Jesus sitzt auf dem Ölberg und blickt auf den Tempel hinab, als Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes allein zu ihm kommen. Sie machen sich Gedanken wegen des Tempels, da Jesus vorausgesagt hat, daß davon kein Stein auf dem anderen gelassen werden wird.
Als sie an Jesus herantreten, haben sie jedoch offensichtlich noch mehr im Sinn. Einige Wochen zuvor hat er über seine „Gegenwart“ gesprochen, die Zeit, in der „der Menschensohn geoffenbart wird“. Und noch früher hatte er ihnen gegenüber bereits den „Abschluß des Systems der Dinge“ erwähnt. Die Apostel sind daher sehr neugierig.
Sie bitten ihn deshalb: „Sag uns: Wann werden diese Dinge [die zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels führen] geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ Ihre Frage gliedert sich somit in drei Teile. Erstens wünschen sie Aufschluß über das Ende Jerusalems und des Tempels, zweitens über Jesu Gegenwart in Königreichsmacht und drittens über das Ende des gesamten Systems der Dinge.
In seiner ausführlichen Erwiderung beantwortet Jesus alle drei Teile der Frage. Er nennt ein Zeichen, an dem das bevorstehende Ende des jüdischen Systems der Dinge zu erkennen sein wird; aber er zeigt noch mehr. Er beschreibt auch das Zeichen, das seine künftigen Jünger wachsam werden und erkennen läßt, daß sie während seiner Gegenwart und kurz vor dem Ende des gesamten Systems der Dinge leben.
Im Laufe der Jahre beobachten die Apostel die Erfüllung der Prophezeiung Jesu. Ja, genau die Dinge, die er vorausgesagt hat, beginnen sich in ihren Tagen zu erfüllen. Deshalb werden die Christen 37 Jahre später, 70 u. Z., nicht von der Vernichtung des jüdischen Systems und der Zerstörung des Tempels überrascht.
Christi Gegenwart und der Abschluß des Systems der Dinge kommen allerdings nicht 70 u. Z. Seine Gegenwart in Königreichsmacht beginnt erst viel später. Aber wann? Das offenbart eine Untersuchung seiner Prophezeiung.
Jesus sagt voraus, daß von „Kriegen und Kriegsberichten“ zu hören sein wird. „Nation wird sich gegen Nation erheben“, sagt er, und es wird Lebensmittelknappheit, Erdbeben und Seuchen geben. Man wird seine Jünger hassen und töten. Falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen. Die Gesetzlosigkeit wird zunehmen und die Liebe der meisten erkalten. Gleichzeitig wird die gute Botschaft von Gottes Königreich gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis.
Jesu Prophezeiung hat vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. zwar eine Erfüllung im kleinen, im großen erfüllt sie sich jedoch während seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge. Eine genaue Betrachtung der Weltereignisse seit 1914 offenbart, daß sich diese bedeutsame Prophezeiung seit jenem Jahr in größerem Rahmen erfüllt.
Als weiteren Teil des Zeichens nennt Jesus das Erscheinen des ‘abscheulichen Dings, das Verwüstung verursacht’. Im Jahre 66 u. Z. erscheint dieses abscheuliche Ding in Form der Heere Roms, die Jerusalem umlagern und die Tempelmauer untergraben. Das „abscheuliche Ding“ steht dort, wo es nicht stehen sollte.
In der größeren Erfüllung der Prophezeiung über das Zeichen ist das abscheuliche Ding der Völkerbund und sein Nachfolger, die Vereinten Nationen. Die Christenheit betrachtet diese Organisation für den Weltfrieden als Ersatz für Gottes Königreich. Wie abscheulich! Zur gegebenen Zeit werden sich daher die mit den Vereinten Nationen verbundenen politischen Mächte gegen die Christenheit (das gegenbildliche Jerusalem) wenden und sie vernichten.
Jesus sagt deshalb voraus: „Dann wird große Drangsal sein, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird.“ In Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems 70 u. Z. ist tatsächlich eine große Drangsal eingetreten, in der über eine Million Menschen umgekommen sein sollen, aber diese Drangsal ist nicht so groß wie die globale Flut in den Tagen Noahs gewesen. Daher steht die größere Erfüllung dieses Teils der Prophezeiung Jesu noch aus.
Zuversicht während der letzten Tage
Als sich der 11. Nisan, ein Dienstag, seinem Ende zuneigt, setzt Jesus das Gespräch mit seinen Aposteln über das Zeichen seiner Gegenwart in Königreichsmacht und des Endes des Systems der Dinge fort. Er warnt sie davor, falschen Christussen zu folgen. Wie er sagt, würde man versuchen, „wenn möglich, selbst die Auserwählten irrezuführen“. Aber die Auserwählten würden sich gleich weitsichtigen Adlern dort versammeln, wo die wahre geistige Speise zu finden sei, nämlich bei dem wahren Christus während seiner unsichtbaren Gegenwart. Sie würden sich nicht irreführen lassen und sich keinem falschen Christus zugesellen.
Falsche Christusse können nur sichtbar erscheinen. Im Gegensatz dazu wird die Gegenwart Jesu unsichtbar sein. Und es wird sich dabei um eine furchterregende Zeit der Menschheitsgeschichte handeln, wie Jesus zeigt: „Die Sonne [wird] verfinstert werden, und der Mond wird sein Licht nicht geben.“ Tatsächlich wird es die finsterste Epoche sein, seit es Menschen auf der Erde gibt. Ja es wird gleichsam sein, als ob die Sonne während des Tages verfinstert wäre und der Mond in der Nacht sein Licht nicht geben würde.
„Die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden“, fährt Jesus fort. Er deutet damit an, daß das Aussehen der buchstäblichen Himmel als Vorzeichen dienen wird. Die Himmel werden nicht mehr nur den Vögeln vorbehalten sein; auch Kriegsflugzeuge, Raketen und Satelliten werden dort in großer Zahl ihre Bahn ziehen. Die Furcht und die Gewalttätigkeit wird alles übersteigen, was die Menschen in früheren Zeiten erlebt haben.
Deshalb herrscht, wie Jesus sagt, „Angst unter den Nationen, die wegen des Tosens des Meeres und seiner Brandung weder aus noch ein wissen, während die Menschen ohnmächtig werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über die bewohnte Erde kommen“. Dieser dunkelste Abschnitt der Menschheitsgeschichte wird jene Zeit einleiten, in der gemäß Jesu Worten „das Zeichen des Menschensohnes im Himmel erscheinen [wird], und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen“.
Doch nicht alle werden wehklagen, wenn der ‘Menschensohn mit Macht kommt’, um das gegenwärtige böse System der Dinge zu vernichten. Die „Auserwählten“, die 144 000, die mit Jesus einen Anteil an seinem himmlischen Königreich haben werden, werden nicht wehklagen, ebensowenig ihre Gefährten, diejenigen, die Jesus bei einer früheren Gelegenheit als seine „anderen Schafe“ bezeichnet hat. Sie leben zwar während der dunkelsten Zeit der Menschheitsgeschichte, aber sie nehmen sich Jesu Ermunterung zu Herzen: „Wenn ... diese Dinge zu geschehen anfangen, dann richtet euch auf und hebt eure Häupter empor, denn eure Befreiung naht.“
Damit diejenigen der Jünger Jesu, die in den letzten Tagen leben würden, die Nähe des Endes erkennen könnten, führt er folgendes Gleichnis an: „Beachtet den Feigenbaum und alle anderen Bäume: Wenn sie bereits ausschlagen, so erkennt ihr selbst, indem ihr es beobachtet, daß nun der Sommer nahe ist. Ebenso auch ihr, wenn ihr diese Dinge geschehen seht, erkennt, daß das Königreich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis alle Dinge geschehen.“
Daran, daß die vielen verschiedenen Einzelheiten des Zeichens eintreffen, können die Jünger erkennen, daß das Ende des Systems der Dinge nahe ist und Gottes Königreich bald aller Bosheit ein Ende machen wird. Das Ende wird tatsächlich zu Lebzeiten der Menschen kommen, die die Erfüllung aller Dinge sehen, die Jesus voraussagt. Als Ermahnung für jene Jünger, die während der bedeutsamen letzten Tage leben würden, sagt Jesus:
„Gebt aber auf euch selbst acht, damit euer Herz niemals durch unmäßiges Essen und unmäßiges Trinken und Sorgen des Lebens beschwert wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt wie eine Schlinge. Denn er wird über alle die kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. Bleibt also wach, und fleht allezeit, damit es euch gelingt, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen und vor dem Menschensohn zu stehen.“
Die verständigen und die törichten Jungfrauen
Jesus hat die Frage seiner Apostel nach einem Zeichen seiner Gegenwart in Königreichsmacht beantwortet. Nun schildert er in drei Gleichnissen weitere Merkmale des Zeichens.
Die Erfüllung jedes Gleichnisses würde von denen, die während seiner Gegenwart leben, zu beobachten sein. Das erste führt er folgendermaßen ein: „Dann wird das Königreich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und auszogen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren verständig.“
Mit den Worten: „Das Königreich der Himmel [wird] zehn Jungfrauen gleich werden“ meint Jesus nicht, daß die eine Hälfte derer, die das himmlische Königreich erben, töricht und die andere Hälfte verständig sei. Nein, sondern er meint, daß es in Verbindung mit dem Königreich der Himmel ein ähnliches Merkmal gebe oder daß Angelegenheiten in Verbindung mit dem Königreich damit zu vergleichen seien.
Die zehn Jungfrauen stellen alle Christen dar, die Aussicht auf das himmlische Königreich haben oder zu haben behaupten. Zu Pfingsten 33 u. Z. wurde die Christenversammlung dem auferweckten, verherrlichten Bräutigam, Jesus Christus, zur Ehe versprochen. Jedoch sollte die Hochzeit irgendwann in der Zukunft im Himmel stattfinden.
In dem Gleichnis ziehen die zehn Jungfrauen in der Absicht aus, den Bräutigam willkommen zu heißen und sich ihm im Hochzeitszug anzuschließen. Bei seiner Ankunft ehren sie ihn, indem sie den Weg mit ihren Lampen beleuchten, wenn er seine Braut zu dem für sie vorbereiteten Haus bringt. Jesus erklärt indes: „Die törichten nahmen wohl ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit sich, die verständigen dagegen nahmen samt ihren Lampen Öl in ihren Behältern mit. Während der Bräutigam noch ausblieb, nickten sie alle ein und begannen zu schlafen.“
Das lange Ausbleiben des Bräutigams zeigt an, daß Christi Gegenwart als herrschender König in ferner Zukunft liegen soll. Er kommt schließlich im Jahre 1914 zu seinem Thron. In der langen Nacht, die dem vorausgeht, schlafen alle Jungfrauen ein. Doch deswegen werden sie nicht verurteilt. Die törichten Jungfrauen werden verurteilt, weil sie kein Öl für ihre Behälter haben. Jesus erklärt, was geschieht, als die Jungfrauen vor dem Eintreffen des Bräutigams erwachen: „Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: ‚Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihm entgegen!‘ Da erhoben sich alle jene Jungfrauen und brachten ihre Lampen in Ordnung. Die törichten sagten zu den verständigen: ‚Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Lampen sind daran, zu erlöschen.‘ Da antworteten die verständigen und sprachen: ‚Vielleicht mag es nicht ganz für uns und euch genügen. Geht statt dessen hin zu denen, die es verkaufen, und kauft für euch selbst.‘ “
Das Öl stellt etwas dar, was bewirkt, daß wahre Christen als Lichtquelle scheinen. Es ist das inspirierte Wort Gottes, an das sich Christen klammern, in Verbindung mit dem heiligen Geist, der ihnen hilft, es zu verstehen. Das geistige Öl ermöglicht es den verständigen Jungfrauen, Licht auszustrahlen, wobei sie den Bräutigam auf dem Zug zum Hochzeitsfest willkommen heißen. Die törichten Jungfrauen haben jedoch in sich, d. h. in ihren Behältern, nicht das nötige geistige Öl. Jesus beschreibt daher, was geschieht:
„Während sie [die törichten Jungfrauen] hingingen, um [Öl] zu kaufen, traf der Bräutigam ein, und die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zum Hochzeitsfest; und die Tür wurde verschlossen. Danach kamen auch die übrigen Jungfrauen und sprachen: ‚Herr, Herr, öffne uns!‘ Er gab zur Antwort: ‚Ich sage euch die Wahrheit: Ich kenne euch nicht.‘ “
Nachdem Christus in sein himmlisches Königreich gekommen ist, erwachen die verständigen Jungfrauen — die Klasse wahrer gesalbter Christen — hinsichtlich ihres Vorrechts, in dieser finsteren Welt zur Ehre des zurückgekehrten Bräutigams Licht leuchten zu lassen. Diejenigen aber, die durch die törichten Jungfrauen dargestellt werden, sind nicht vorbereitet, ihn so bei seiner Ankunft zu lobpreisen. Wenn also die Zeit da ist, öffnet Christus ihnen nicht die Tür zum Hochzeitsfest im Himmel. Er läßt sie draußen in der stockfinsteren Nacht der Welt, wo sie mit allen übrigen Tätern der Gesetzlosigkeit umkommen. „Wacht daher beharrlich“, sagt Jesus abschließend, „denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.“
Das Gleichnis von den Talenten
Jesus setzt das Gespräch mit seinen Aposteln auf dem Ölberg mit einem weiteren Gleichnis fort, dem zweiten von insgesamt dreien. Einige Tage zuvor, noch in Jericho, hatte er das Gleichnis von den Minen erzählt, um zu zeigen, daß das Königreich erst in ferner Zukunft komme. Das folgende Gleichnis weist eine Reihe von Ähnlichkeiten auf, und seine Erfüllung betrifft Vorgänge während Christi Gegenwart in Königreichsmacht. Es weist darauf hin, daß seine Jünger damit beschäftigt sein müssen, „seine Habe“ zu vermehren, solange sie auf der Erde sind.
Jesus beginnt seine Darlegungen wie folgt: „Denn es [Umstände in Verbindung mit dem Königreich] ist so, wie wenn ein Mensch, der im Begriff stand, außer Landes zu reisen, seine eigenen Sklaven zu sich rief und ihnen seine Habe übergab.“ Dieser Mensch ist Jesus, der, bevor er außer Landes geht, d. h. in den Himmel, seinen Sklaven — den Jüngern als voraussichtlichen Teilhabern am himmlischen Königreich — seine Habe übergibt. Bei der Habe handelt es sich nicht um materiellen Besitz; sie stellt statt dessen ein vorbereitetes Feld dar, auf dem er günstige Bedingungen geschaffen hat, so daß weitere Jünger hervorgebracht werden können.
Jesus vertraut seinen Jüngern seine Habe kurz vor seiner Himmelfahrt an. Wie tut er dies? Indem er ihnen gebietet, das vorbereitete Feld weiterhin zu bearbeiten, und zwar durch das Predigen der Königreichsbotschaft bis zu den entferntesten Teilen der Erde. Er beschreibt es folgendermaßen: „Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, noch einem anderen eines, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und er ging außer Landes.“
Die acht Talente — Christi Habe — werden somit gemäß den Fähigkeiten oder geistigen Möglichkeiten der Sklaven verteilt. Die Sklaven stehen für Klassen von Jüngern. Im ersten Jahrhundert gehörten die Apostel offensichtlich zu der Klasse, die die fünf Talente empfing. Jesus führt weiter aus, daß die Sklaven, die die fünf und die zwei Talente erhalten hatten, diese verdoppelten, indem sie das Königreich verkündigten und Jünger machten. Der Sklave dagegen, der das eine Talent empfangen hatte, vergrub es in der Erde.
„Nach langer Zeit kam der Herr jener Sklaven und rechnete mit ihnen ab“, fährt Jesus fort. Da Christus erst im 20. Jahrhundert, etwa 1 900 Jahre später, zurückkehrte, um abzurechnen, war es wirklich „nach langer Zeit“. Dann erklärt Jesus:
„Da trat der herzu, der fünf Talente empfangen hatte, und brachte fünf weitere Talente und sprach: ‚Herr, du hast mir fünf Talente übergeben; siehe, ich habe fünf weitere Talente gewonnen.‘ Sein Herr sagte zu ihm: ‚Wohlgetan, du guter und treuer Sklave! Du warst über weniges treu. Ich will dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn.‘ “ Der Sklave, dem die zwei Talente übergeben worden waren, hatte sie ebenfalls verdoppelt und wurde genauso gelobt und belohnt.
Inwiefern gehen diese treuen Sklaven in die Freude ihres Herrn ein? Nun, die Freude ihres Herrn, Jesus Christus, besteht darin, das Königreich als Besitz zu erhalten, als er in ein fernes Land ging, d. h. zu seinem Vater in den Himmel. Die treuen Sklaven in der Neuzeit erfüllt es mit großer Freude, mit weiterer Verantwortung in Verbindung mit dem Königreich betraut zu sein, und wenn sie ihren irdischen Lauf vollenden, werden sie die alles übertreffende Freude erleben, auferweckt und in das himmlische Königreich aufgenommen zu werden. Wie verhält es sich jedoch mit dem dritten Sklaven?
„Herr, ich wußte, daß du ein strenger Mann bist“, klagt jener Sklave. „Da fürchtete ich mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Hier hast du das Deine.“ Der Sklave lehnte es bewußt ab, auf dem vorbereiteten Feld tätig zu sein, d. h. zu predigen und Jünger zu machen. Der Herr nennt ihn daher ‘böse und träge’ und fällt folgendes Urteil: „Nehmt ihm das Talent weg ... Und den unnützen Sklaven werft hinaus in die Finsternis draußen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein.“ Wer zur Klasse des bösen Sklaven gehört, wird hinausgeworfen und somit jeglicher geistiger Freude beraubt.
Das ist eine ernste Lektion für alle, die sich als Nachfolger Christi ausgeben. Wenn sie von ihrem himmlischen Herrn Lob und Belohnung erhalten und nicht in die Finsternis draußen geworfen werden und schließlich Vernichtung erleiden wollen, müssen sie damit beschäftigt sein, seine Habe zu vermehren, indem sie einen vollen Anteil am Predigtwerk haben. Setzt du dich in dieser Hinsicht eifrig ein?
Wenn Christus in Königreichsmacht kommt
Jesus befindet sich mit seinen Aposteln noch auf dem Ölberg. Als Antwort auf ihre Frage nach einem Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge erzählt er ihnen nun das letzte von drei Gleichnissen. „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit gekommen sein wird und alle Engel mit ihm“, beginnt Jesus, „dann wird er sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen.“
Menschen können Engel in ihrer himmlischen Herrlichkeit nicht sehen. Das Kommen des Menschensohnes, Jesus Christus, mit den Engeln muß also für Menschenaugen unsichtbar sein. Es erfolgt im Jahr 1914. Aber zu welchem Zweck kommt er? Jesus sagt: „Alle Nationen werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirt die Schafe von den Ziegenböcken trennt. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken.“
Was mit denen geschehen wird, die auf die Seite der Gunst gestellt werden, erklärt Jesus wie folgt: „Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: ‚Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid, erbt das Königreich, das von der Grundlegung der Welt an für euch bereitet ist.‘ “ Die Schafe in diesem Gleichnis werden nicht mit Christus im Himmel herrschen, sondern das Königreich in dem Sinn erben, daß sie dessen irdische Untertanen sind. Die „Grundlegung der Welt“ erfolgte, als Adam und Eva Kinder hervorbrachten, die aus Gottes Vorkehrung zur Erlösung der Menschheit Nutzen ziehen konnten.
Aber warum werden die Schafe zur Rechten des Königs, auf die Seite seiner Gunst, gestellt? „Denn ich wurde hungrig“, antwortet der König, „und ihr gabt mir etwas zu essen; ich wurde durstig, und ihr gabt mir etwas zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr nahmt mich gastfreundlich auf, nackt, und ihr bekleidetet mich. Ich wurde krank, und ihr saht nach mir. Ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.“
Da die Schafe auf der Erde sind, möchten sie gern wissen, wie sie ihrem himmlischen König so etwas Gutes erweisen konnten. „Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich“, fragen sie, „oder durstig und gaben dir etwas zu trinken? Wann sahen wir dich als einen Fremden und nahmen dich gastfreundlich auf oder nackt und bekleideten dich? Wann sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?“
„Wahrlich, ich sage euch“, erwidert der König: „In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.“ Christi Brüder sind die auf der Erde Übriggebliebenen der 144 000, die mit ihm im Himmel herrschen werden. Und ihnen Gutes zu tun ist, wie Jesus sagt, dasselbe, wie wenn man ihm Gutes tut.
Dann wendet sich der König an die Böcke. „Geht weg von mir, ihr, die ihr verflucht worden seid, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist. Denn ich wurde hungrig, aber ihr gabt mir nichts zu essen, und ich wurde durstig, aber ihr gabt mir nichts zu trinken. Ich war ein Fremder, aber ihr nahmt mich nicht gastfreundlich auf, nackt, aber ihr bekleidetet mich nicht, krank und im Gefängnis, aber ihr saht nicht nach mir.“
Die Böcke beklagen sich jedoch: „Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als einen Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und dienten dir nicht?“ Die Grundlage für die Verurteilung der Böcke und das günstige Urteil, das über die Schafe gefällt wird, ist ein und dieselbe. „In dem Maße, wie ihr es einem dieser Geringsten [geringsten meiner Brüder] nicht getan habt“, antwortet Jesus, „habt ihr es mir nicht getan.“
Christi Gegenwart in Königreichsmacht — bevor das jetzige verderbte System der Dinge in der großen Drangsal endet — ist folglich eine Zeit des Gerichts. Die Böcke „werden in die ewige Abschneidung weggehen, die Gerechten [die Schafe] aber in das ewige Leben“. Matthäus 24:2 bis 25:46; 13:40, 49; Markus 13:3-37; Lukas 21:7-36; 19:43, 44; 17:20-30; 2. Timotheus 3:1-5; Johannes 10:16; Offenbarung 14:1-3.
▪ Was veranlaßt die Apostel zu ihrer Frage, aber woran denken sie dabei offensichtlich auch?
▪ Welcher Teil der Prophezeiung Jesu erfüllt sich 70 u. Z., aber was geschieht zu jener Zeit nicht?
▪ Wann hat Jesu Prophezeiung eine erste Erfüllung, aber wann erfüllt sie sich in großem Maßstab?
▪ Was ist das abscheuliche Ding in der ersten und in der endgültigen Erfüllung?
▪ Warum erfüllt sich das über die große Drangsal Gesagte bei der Zerstörung Jerusalems noch nicht endgültig?
▪ Welche Weltverhältnisse kennzeichnen die Gegenwart Christi?
▪ Wann „werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen“, aber was werden Christi Nachfolger tun?
▪ Welches Gleichnis erzählt Jesus, das seinen künftigen Jüngern helfen soll, zu erkennen, daß das Ende nahe ist?
▪ Was sagt Jesus als Ermahnung für diejenigen seiner Jünger, die in den letzten Tagen leben würden?
▪ Wer wird durch die zehn Jungfrauen dargestellt?
▪ Wann wurde die Christenversammlung dem Bräutigam zur Ehe versprochen, aber wann kommt der Bräutigam, um seine Braut zum Hochzeitsfest zu bringen?
▪ Was stellt das Öl dar? Was können die verständigen Jungfrauen tun, weil sie Öl haben?
▪ Wo findet das Hochzeitsfest statt?
▪ Welche großartige Belohnung entgeht den törichten Jungfrauen, und was ist ihr Geschick?
▪ Welche Lehre können wir aus dem Gleichnis von den Talenten ziehen?
▪ Wer sind die Sklaven, und was ist die Habe, die ihnen anvertraut ist?
▪ Wann kommt der Herr, um mit ihnen abzurechnen, und was findet er vor?
▪ Was ist die Freude, in die die treuen Sklaven eingehen, und was geschieht mit dem dritten, bösen Sklaven?
▪ Warum muß Christi Gegenwart unsichtbar sein, und welches Werk führt er zu dieser Zeit durch?
▪ In welchem Sinn erben die Schafe das Königreich?
▪ Wann war die „Grundlegung der Welt“?
▪ Auf welcher Grundlage wird beurteilt, ob Menschen entweder unter die Schafe oder unter die Böcke eingereiht werden?
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Jesu letztes Passah rückt näherDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 112
Jesu letztes Passah rückt näher
ALS sich der 11. Nisan, ein Dienstag, dem Ende zuneigt, schließt Jesus die Belehrung der Apostel auf dem Ölberg ab. Welch ein geschäftiger, anstrengender Tag hinter ihnen liegt! Jetzt, möglicherweise schon auf dem Rückweg zu ihrer Unterkunft in Bethanien, sagt er zu seinen Aposteln: „Ihr wißt, daß in zwei Tagen das Passah sein wird, und der Menschensohn soll überliefert werden, um an den Pfahl gebracht zu werden.“
Jesus verbringt den nächsten Tag, Mittwoch, den 12. Nisan, offenbar in ungestörter Ruhe mit seinen Aposteln. Am Tag zuvor hat er die geistlichen Führer in aller Öffentlichkeit getadelt, und ihm ist bewußt, daß sie darauf aus sind, ihn zu töten. So zeigt er sich am Mittwoch nicht unter den Menschen, weil er alles vermeiden möchte, was sich störend auf die Passahfeier mit seinen Aposteln am folgenden Abend auswirken könnte.
Unterdessen haben sich die Oberpriester und die älteren Männer des Volkes im Hof des Hohenpriesters Kaiphas versammelt. Voller Wut über Jesu Angriffe am Vortag schmieden sie Pläne, ihn durch einen listigen Anschlag zu ergreifen und ihn töten zu lassen. Sie sagen jedoch wiederholt: „Nicht beim Fest, damit unter dem Volk kein Aufruhr entstehe.“ Sie fürchten das Volk, da Jesus dessen Gunst genießt.
Während die geistlichen Führer ihr heimtückisches Komplott schmieden, Jesus zu töten, bekommen sie Besuch. Zu ihrer Überraschung ist es Judas Iskariot, ein Apostel Jesu, dem Satan den Gedanken eingegeben hat, seinen Herrn zu verraten. Groß ist ihre Freude, als Judas sie fragt: „Was wollt ihr mir geben, daß ich ihn an euch verrate?“ Sie erklären sich gern bereit, ihm 30 Silberstücke zu bezahlen — gemäß dem mosaischen Gesetz der Preis für einen Sklaven. Von da an sucht Judas nach einer passenden Gelegenheit, Jesus zu verraten, nämlich wenn sich keine Volksmenge in seiner Nähe befindet.
Der 13. Nisan beginnt am Mittwoch bei Sonnenuntergang. Am Freitag ist Jesus von Jericho gekommen, und er verbringt somit die sechste und letzte Nacht in Bethanien. Am nächsten Tag, dem Donnerstag, sind abschließende Vorbereitungen für das Passah zu treffen, das bei Sonnenuntergang beginnt. Das Passahlamm muß an jenem Tag geschlachtet und am Stück gebraten werden. Wo werden sie das Fest feiern, und wer wird die Vorbereitungen treffen?
Jesus hat noch keine Einzelheiten genannt, vielleicht um zu verhindern, daß Judas die Oberpriester informiert und man ihn während der Passahfeier festnimmt. Doch nun, möglicherweise am frühen Donnerstagnachmittag, schickt Jesus Petrus und Johannes aus Bethanien weg und sagt zu ihnen: „Geht und bereitet für uns das Passah, damit wir es essen.“
„Wo willst du, daß wir es bereiten?“ fragen sie.
„Wenn ihr in die Stadt hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der ein irdenes Gefäß mit Wasser trägt. Folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht. Und ihr sollt zu dem Eigentümer des Hauses sagen: ‚Der Lehrer sagt dir: „Wo ist das Gastzimmer, in dem ich das Passah mit meinen Jüngern essen kann?“ ‘ Und jener wird euch ein großes, ausgestattetes Obergemach zeigen. Dort bereitet es.“
Der Eigentümer des Hauses ist zweifellos ein Jünger Jesu, der möglicherweise Jesu Bitte, sein Haus für dieses besondere Ereignis benutzen zu dürfen, schon erwartet. Auf jeden Fall finden Petrus und Johannes bei ihrer Ankunft in Jerusalem alles so vor, wie Jesus es vorausgesagt hat. Die beiden kümmern sich darum, daß das Lamm zubereitet wird und daß alle anderen Vorbereitungen getroffen werden, damit für die Bedürfnisse der 13 Personen bei der Passahfeier — Jesus und seine 12 Apostel — gesorgt ist. Matthäus 26:1-5, 14-19; Markus 14:1, 2, 10-16; Lukas 22:1-13; 2. Mose 21:32.
▪ Was tut Jesus offenbar am Mittwoch, und warum?
▪ Was für eine Zusammenkunft wird im Haus des Hohenpriesters abgehalten, und weshalb sucht Judas die geistlichen Führer auf?
▪ Wen sendet Jesus am Donnerstag nach Jerusalem, und mit welchem Auftrag?
▪ Was finden die Ausgesandten vor, wodurch einmal mehr Jesu Wunderkräfte offenbart werden?
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Demut beim letzten PassahDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 113
Demut beim letzten Passah
PETRUS und Johannes sind auf Anweisung Jesu nach Jerusalem vorausgegangen, um Vorbereitungen für das Passah zu treffen. Jesus kommt — offensichtlich mit den zehn anderen Aposteln — am späten Nachmittag dort an. Die Sonne beginnt bereits am Horizont zu sinken, als er und seine Begleiter den Ölberg hinuntergehen. Zum letztenmal vor seiner Auferstehung bietet sich Jesus von diesem Berg aus der Anblick der Stadt bei Tageslicht.
Bald sind Jesus und seine Begleiter in der Stadt, und sie begeben sich zu dem Haus, in dem sie das Passah feiern werden. Sie steigen die Treppen zu dem großen Obergemach hinauf, wo alle Vorbereitungen für ihre private Passahfeier getroffen wurden. Jesus hat dieser Gelegenheit erwartungsvoll entgegengesehen, denn er sagt: „Ich habe sehnlich begehrt, dieses Passah mit euch zu essen, bevor ich leide.“
Gemäß der Tradition werden von den Teilnehmern des Passahs vier Becher Wein getrunken. Wahrscheinlich nach Empfang des dritten Bechers sagt Jesus Dank und spricht: „Nehmt diesen, und reicht ihn unter euch von einem zum anderen; denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht wieder von dem Erzeugnis des Weinstocks trinken, bis das Königreich Gottes gekommen ist.“
Irgendwann im Verlauf des Mahls erhebt sich Jesus, legt seine äußeren Kleider ab, nimmt ein Tuch und füllt ein Becken mit Wasser. Gewöhnlich würde ein Gastgeber dafür sorgen, daß seinen Gästen die Füße gewaschen werden. Doch da bei dieser Gelegenheit kein Gastgeber anwesend ist, verrichtet Jesus diesen persönlichen Dienst. Jeder der Apostel hätte die Gelegenheit ergreifen können, das zu tun, aber alle haben es unterlassen, möglicherweise weil unter ihnen immer noch eine gewisse Rivalität besteht. Sie sind verlegen, als Jesus beginnt, ihnen die Füße zu waschen.
Als Jesus zu Petrus kommt, protestiert dieser: „Du wirst mir bestimmt niemals die Füße waschen!“
„Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Teil mit mir“, sagt Jesus.
Darauf erwidert Petrus: „Herr, nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und den Kopf.“
„Wer gebadet ist“, antwortet Jesus, „braucht weiter nichts mehr, als sich die Füße zu waschen, sondern ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.“ Er sagt dies, weil er weiß, daß Judas Iskariot ihn verraten will.
Nachdem Jesus den Zwölfen — auch Judas, seinem Verräter — die Füße gewaschen hat, zieht er seine äußeren Kleider an und legt sich wieder zu Tisch. Dann fragt er: „Wißt ihr, was ich euch getan habe? Ihr redet mich mit ‚Lehrer‘ und ‚Herr‘ an, und ihr sagt es mit Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich euch, obwohl Herr und Lehrer, die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr verpflichtet, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit so, wie ich euch getan habe, auch ihr tun sollt. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr, noch ist ein Abgesandter größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr diese Dinge wißt, glücklich seid ihr, wenn ihr sie tut.“
Welch eine wunderbare Lektion in demütigem Dienen! Die Apostel sollten nicht danach trachten, den ersten Platz einzunehmen, und nicht denken, sie seien so wichtig, daß andere sie stets bedienen müßten. Für sie gilt das Beispiel, das Jesus gab, denn hier ging es nicht um eine rituelle Fußwaschung, sondern um die Bereitschaft zu dienen, ohne Parteilichkeit zu bekunden, ungeachtet wie niedrig oder unangenehm die Aufgabe sein mag. Matthäus 26:20, 21; Markus 14:17, 18; Lukas 22:14-18; 7:44; Johannes 13:1-17.
▪ Was ist das Besondere an dem Anblick, den Jerusalem bietet, als Jesus in die Stadt kommt, um das Passah zu feiern?
▪ Welchen Becher reicht Jesus offensichtlich den 12 Aposteln, nachdem er Dank gesagt hat?
▪ Welcher persönliche Dienst wird zur Zeit Jesu gewöhnlich Gästen erwiesen, aber warum ist dies bei Jesus und den Aposteln anläßlich der Passahfeier unterblieben?
▪ Welchen Zweck verfolgt Jesus damit, daß er den niedrigen Dienst verrichtet, seinen Aposteln die Füße zu waschen?
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Das AbendmahlDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 114
Das Abendmahl
NACHDEM Jesus seinen Aposteln die Füße gewaschen hat, zitiert er Psalm 41:9 mit den Worten: „Der sich stets von meinem Brot ernährte, hat seine Ferse gegen mich erhoben.“ Danach wird er im Geist beunruhigt, und er erklärt: „Einer von euch wird mich verraten.“
Die Apostel werden sehr betrübt, und einer nach dem anderen sagt zu Jesus: „Ich bin es doch nicht etwa?“ Selbst Judas Iskariot schließt sich dieser Frage an. Johannes, der direkt neben Jesus am Tisch liegt, lehnt sich an die Brust Jesu zurück und fragt: „Herr, wer ist es?“
„Einer von den Zwölfen ist es, der mit mir in die gemeinsame Schüssel eintaucht“, antwortet Jesus. „Allerdings geht der Menschensohn weg, so wie über ihn geschrieben steht, wehe aber jenem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre besser für diesen Menschen, wenn er nicht geboren worden wäre.“ Daraufhin fährt Satan wieder in Judas, wobei er es sich zunutze macht, daß dessen Herz böse geworden ist und sich ihm geöffnet hat. Später in dieser Nacht nennt Jesus Judas daher passenderweise den „Sohn der Vernichtung“.
Doch jetzt sagt Jesus zu Judas: „Was du tust, tu schneller.“ Keiner der anderen Apostel versteht, was Jesu Worte bedeuten. Einige meinen, weil Judas die Kasse führe, habe Jesus zu ihm sagen wollen: „Kaufe, was wir für das Fest benötigen“ oder daß er gehen und den Armen etwas geben solle.
Nachdem Judas gegangen ist, führt Jesus in Gegenwart seiner treuen Apostel eine völlig neue Gedenkfeier ein. Er nimmt ein Brot, spricht ein Dankgebet, bricht das Brot und gibt es ihnen mit den Worten: „Nehmt, eßt!“ Dann erklärt er: „Dies bedeutet meinen Leib, der zu euren Gunsten gegeben wird. Tut dies immer wieder zur Erinnerung an mich.“
Als jeder von dem Brot gegessen hat, nimmt Jesus einen Becher mit Wein, offensichtlich den vierten beim Passahfest verwendeten Becher. Wieder spricht er ein Dankgebet. Er reicht ihnen den Becher, fordert sie auf zu trinken und erklärt: „Dieser Becher bedeutet den neuen Bund kraft meines Blutes, das zu euren Gunsten vergossen werden wird.“
Bei der Feier handelt es sich also in Wirklichkeit um ein Gedenken an Jesu Tod. Jedes Jahr soll sie am 14. Nisan, wie Jesus sagt, in Erinnerung an ihn wiederholt werden. Sie wird diejenigen, die sie begehen, an das erinnern, was Jesus und sein himmlischer Vater getan haben, damit die Menschen von der Verurteilung zum Tod befreit werden können. Für die Juden, die Christi Nachfolger werden, wird diese Feier das Passah ersetzen.
Der alte Bund oder Gesetzesbund wird durch den neuen Bund ersetzt, der durch Jesu vergossenes Blut in Kraft tritt und dessen Mittler Jesus Christus ist. Die zwei Parteien dieses Bundes sind auf der einen Seite Jehova Gott und auf der anderen 144 000 geistgezeugte Christen. Der Bund sorgt nicht nur für die Vergebung von Sünden, sondern ermöglicht auch die Bildung einer himmlischen Nation von König-Priestern. Matthäus 26:21-29; Markus 14:18-25; Lukas 22:19-23; Johannes 13:18-30; 17:12; 1. Korinther 5:7.
▪ Welche biblische Prophezeiung bezüglich eines Gefährten zitiert Jesus, und wie wendet er sie an?
▪ Warum werden die Apostel sehr betrübt, und was fragen sie alle?
▪ Wozu fordert Jesus Judas auf? Doch wie deuten die anderen Apostel die Aufforderung?
▪ Welche Feier führt Jesus ein, nachdem Judas gegangen ist? Welchem Zweck dient sie?
▪ Welche Parteien gibt es in dem neuen Bund, und was wird durch den Bund erreicht?
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Ein Wortstreit bricht ausDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 115
Ein Wortstreit bricht aus
IM Verlauf des Abends hat Jesus seinen Aposteln eine wunderbare Lektion in demütigem Dienen erteilt, indem er ihnen die Füße wusch. Anschließend führte er die Gedenkfeier an seinen unmittelbar bevorstehenden Tod ein. Doch nun kommt es zu einem überraschenden Zwischenfall, überraschend vor allem angesichts dessen, was sich kurz zuvor abgespielt hat. Unter seinen Aposteln bricht ein hitziger Wortstreit aus, wer von ihnen der Größte zu sein scheint. Offensichtlich handelt es sich dabei um die Fortführung einer seit längerer Zeit schwelenden Auseinandersetzung.
Wir erinnern uns, daß sich die Apostel, nachdem Jesus auf dem Berg umgestaltet worden war, bereits darüber gestritten hatten, wer von ihnen der Größte sei. Und Jakobus und Johannes erbaten sich prominente Stellungen im Königreich, was zu weiterer Zwietracht unter den Aposteln führte. Wie traurig muß Jesus sein, daß sie sich wieder zanken, besonders jetzt, in seiner letzten Nacht mit ihnen. Was tut er?
Statt die Apostel wegen ihres Verhaltens zu schelten, versucht Jesus erneut voller Geduld, sie durch Argumente zu überzeugen: „Die Könige der Nationen spielen sich als Herren über sie auf, und die, die Gewalt über sie haben, werden Wohltäter genannt. Ihr aber sollt nicht so sein ... Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der Dienende? Ist es nicht der zu Tisch Liegende?“ Er erinnert sie dann an sein Beispiel: „Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende.“
Die Apostel haben trotz ihrer Unvollkommenheiten mit Jesus in seinen Prüfungen durchgehalten. Daher sagt er: „Ich mache einen Bund mit euch, so wie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich.“ Dieser persönliche Bund zwischen Jesus und seinen loyalen Nachfolgern bindet sie an ihn und gewährt ihnen einen Anteil an seiner königlichen Herrschaft. Nur eine begrenzte Zahl von 144 000 Menschen wird letztlich in diesen Bund für ein Königreich aufgenommen.
Obwohl die Apostel die wunderbare Aussicht haben, an Christi Königreichsherrschaft beteiligt zu sein, sind sie gegenwärtig geistig schwach. „Ihr alle werdet in dieser Nacht meinetwegen zum Straucheln gebracht werden“, sagt Jesus. Jedoch gibt er Petrus zu verstehen, daß er für ihn gebetet hat, und fordert ihn auf: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder.“
„Kindlein“, fährt Jesus fort, „noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen; und so, wie ich zu den Juden gesagt habe: ‚Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen‘, sage ich jetzt auch zu euch. Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, daß auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt.“
„Herr, wohin gehst du?“ fragt Petrus.
„Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen“, erwidert Jesus, „du wirst aber später folgen.“
„Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen?“ möchte Petrus wissen. „Ich will meine Seele zu deinen Gunsten hingeben.“
„Deine Seele willst du zu meinen Gunsten hingeben?“ fragt Jesus. „Wahrlich, ich sage dir: Selbst du wirst mich heute, ja diese Nacht, bevor ein Hahn zweimal kräht, dreimal verleugnen.“
„Selbst wenn ich mit dir sterben müßte, will ich dich auf keinen Fall verleugnen“, protestiert Petrus. Und während die anderen Apostel dasselbe sagen, prahlt Petrus: „Wenn auch alle anderen deinetwegen zum Straucheln kommen, werde ich niemals zum Straucheln gebracht werden!“
Jesus bezieht sich nun auf die Zeit, als er die Apostel ohne Geldbeutel und ohne Speisetasche auf eine Predigtreise durch Galiläa aussandte, und fragt: „Ihr [hattet] doch nicht an etwas Mangel?“
„Nein!“ antworten sie.
„Jetzt aber nehme der, der einen Geldbeutel hat, ihn an sich, ebenso auch eine Speisetasche“, sagt er, „und wer kein Schwert hat, verkaufe sein äußeres Kleid und kaufe eins. Denn ich sage euch, daß das, was geschrieben steht, an mir vollendet werden muß, nämlich: ‚Und er wurde unter die Gesetzlosen gerechnet.‘ Denn das, was mich betrifft, hat eine Vollendung.“
Jesus weist hier darauf hin, daß er zusammen mit Übeltätern oder Gesetzlosen an den Pfahl gebracht werden wird. Er deutet auch an, daß seine Nachfolger danach heftiger Verfolgung ausgesetzt sein werden. „Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter“, sagen sie.
„Es ist genug“, antwortet er. Wie wir noch sehen werden, wird Jesus dadurch, daß sie die Schwerter dabeihaben, eine weitere wichtige Lektion erteilen können. Matthäus 26:31-35; Markus 14:27-31; Lukas 22:24-38; Johannes 13:31-38; Offenbarung 14:1-3.
▪ Warum ist der Wortstreit der Apostel so überraschend?
▪ Wie reagiert Jesus auf den Wortstreit?
▪ Was wird durch den Bund bewirkt, den Jesus mit seinen Jüngern schließt?
▪ Welches neue Gebot gibt Jesus seinen Jüngern, und wie wichtig ist es?
▪ Wie bekundet Petrus ein übersteigertes Selbstvertrauen, und was sagt Jesus?
▪ Warum unterscheiden sich die Anweisungen Jesu über das Tragen eines Geldbeutels und einer Speisetasche von seinen früheren Anweisungen?
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Jesus bereitet die Apostel auf seinen Weggang vorDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 116
Jesus bereitet die Apostel auf seinen Weggang vor
DAS Gedächtnismahl ist vorüber, aber Jesus und seine Apostel befinden sich immer noch in dem Obergemach. Obwohl Jesu Weggang kurz bevorsteht, hat er ihnen noch vieles zu sagen. „Euer Herz werde nicht beunruhigt“, tröstet er sie. „Übt Glauben aus an Gott.“ Doch er fügt hinzu: „Übt auch Glauben aus an mich.“
„Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen“, fährt Jesus fort. „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten ..., damit dort, wo ich bin, auch ihr seid. Und wohin ich gehe, dahin kennt ihr den Weg.“ Da die Apostel nicht verstehen, daß Jesus über den Weggang in den Himmel spricht, fragt Thomas: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie kennen wir denn den Weg?“
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, antwortet Jesus. Ja, nur wer ihn annimmt und seine Handlungsweise nachahmt, kann in das himmlische Haus des Vaters eintreten, denn, so sagt Jesus: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
„Herr, zeige uns den Vater“, bittet Philippus, „und es genügt uns.“ Er wünscht offensichtlich, daß Jesus für sie eine sichtbare Offenbarung Gottes bewirkt, wie sie in alter Zeit Moses, Elia und Jesaja in Visionen gewährt wurde. Die Apostel haben allerdings etwas viel Besseres als Visionen dieser Art, wie Jesu Erwiderung erkennen läßt. „So lange Zeit bin ich bei euch gewesen, und dennoch hast du mich nicht kennengelernt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen.“
Jesus ist ein vollkommenes Ebenbild der Persönlichkeit seines Vaters, so daß man gleichsam den Vater sieht, wenn man mit Jesus zusammen ist und ihn beobachtet. Doch der Vater steht über dem Sohn, wie Jesus anerkennt: „Die Dinge, die ich zu euch spreche, rede ich nicht aus mir selbst.“ Richtigerweise gibt Jesus alle Ehre für sein Lehren seinem himmlischen Vater.
Wie ermunternd muß es für die Apostel sein, von Jesus jetzt folgendes zu hören: „Wer Glauben an mich ausübt, der wird auch die Werke tun, die ich tue; und er wird größere Werke als diese tun.“ Jesus meint damit nicht, daß seine Nachfolger größere Wundertaten vollbringen werden als er. Nein, sie sollen den Dienst wesentlich längere Zeit und in einem weit größeren Gebiet durchführen und viel mehr Menschen erreichen.
Jesus wird seine Jünger nach seinem Weggang nicht im Stich lassen. „Worum immer ihr in meinem Namen bittet, das will ich tun“, verspricht er ihnen. Des weiteren versichert er: „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Helfer geben, damit er für immer bei euch sei: den Geist der Wahrheit.“ Später, nach seiner Auffahrt in den Himmel, gießt Jesus den heiligen Geist, diesen anderen Helfer, auf seine Jünger aus.
Jesu Weggang ist nahe, daher sagt er: „Noch eine kleine Weile, und die Welt wird mich nicht mehr sehen.“ Als Geistgeschöpf wird Jesus für Menschen unsichtbar sein. Doch erneut verspricht er seinen treuen Aposteln: „Ihr aber werdet mich sehen, weil ich lebe und ihr leben werdet.“ Ja, Jesus wird ihnen nach seiner Auferstehung nicht nur in Menschengestalt erscheinen, sondern zur gegebenen Zeit wird er sie auferwecken, damit sie als Geistgeschöpfe mit ihm im Himmel leben.
Nun stellt Jesus eine einfache Regel auf: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich will ihn lieben und mich ihm deutlich zeigen.“
Daraufhin wirft der Apostel Judas, der auch Thaddäus genannt wird, ein: „Herr, was ist geschehen, daß du dich uns und nicht der Welt deutlich zeigen willst?“
„Wenn jemand mich liebt“, erwidert Jesus, „wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben ... Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht.“ Im Gegensatz zu seinen gehorsamen Nachfolgern läßt die Welt die Lehren Jesu außer acht. Deshalb offenbart er sich ihr nicht.
Während seines irdischen Dienstes hat Jesus seine Apostel vieles gelehrt. Wie werden sie sich an all das erinnern können, vor allem, da sie bis zu diesem Zeitpunkt so vieles noch nicht einmal begriffen haben? Zum Glück verheißt Jesus ihnen folgendes: „Der Helfer ..., der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, dieser wird euch alle Dinge lehren und euch an alle Dinge erinnern, die ich euch gesagt habe.“
Dann gibt Jesus die trostreiche Zusicherung: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. ... Euer Herz werde nicht beunruhigt.“ Ja, Jesus muß sie verlassen, doch er erklärt: „Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater hingehe, denn der Vater ist größer als ich.“
Jesus kann nur noch kurze Zeit bei ihnen sein. „Ich werde nicht mehr viel mit euch reden“, sagt er, „denn der Herrscher der Welt kommt. Und er kann mir nicht beikommen.“ Satan, der Teufel, der in Judas fahren und diesem beikommen konnte, ist der Herrscher der Welt. Jesus weist dagegen keinerlei sündige Schwäche auf, die Satan ausnutzen könnte, um ihn davon abzubringen, Gott zu dienen.
Sich eines vertrauten Verhältnisses erfreuen
Im Anschluß an das Gedächtnismahl hat Jesus seine Apostel durch eine offene Aussprache ermuntert. Es ist nun möglicherweise schon nach Mitternacht. Daher drängt Jesus: „Steht auf, laßt uns von hier weggehen.“ Doch bevor sie den Ort verlassen, fühlt sich Jesus aus Liebe zu ihnen veranlaßt, noch einiges zu sagen, und er legt einen anspornenden Vergleich dar.
„Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner“, beginnt er. Jehova Gott, der große Weingärtner, pflanzte diesen symbolischen Weinstock, als er Jesus bei seiner Taufe im Herbst 29 u. Z. mit heiligem Geist salbte. Jesus zeigt jedoch mit seinen weiteren Worten, daß nicht nur er allein durch den Weinstock dargestellt wird: „Jeden Zweig an mir, der nicht Frucht trägt, nimmt er weg, und jeden, der Frucht trägt, reinigt er, damit er mehr Frucht trage. ... So, wie der Zweig nicht von sich selbst Frucht tragen kann, es sei denn, er bleibe am Weinstock, so könnt auch ihr es nicht, wenn ihr nicht in Gemeinschaft mit mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Zweige.“
Zu Pfingsten, 51 Tage später, werden die Apostel und andere Jünger durch die Ausgießung des heiligen Geistes zu Zweigen des symbolischen Weinstocks, deren Zahl sich letztlich auf 144 000 belaufen soll. Zusammen mit dem Stamm, Jesus Christus, bilden sie einen sinnbildlichen Weinstock, der die Früchte des Königreiches Gottes hervorbringt.
Jesus zeigt, welche Voraussetzung erfüllt sein muß, damit Frucht hervorgebracht werden kann: „Wer in Gemeinschaft mit mir bleibt und ich in Gemeinschaft mit ihm, der trägt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr gar nichts tun.“ Falls jemand keine Frucht hervorbringt, sagt Jesus, „wird er wie ein Zweig hinausgeworfen und verdorrt; und man sammelt diese Zweige und wirft sie ins Feuer, und sie werden verbrannt“. Andererseits verheißt Jesus: „Wenn ihr in Gemeinschaft mit mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so bittet, was immer ihr wünscht, und es wird für euch geschehen.“
Des weiteren sagt Jesus zu seinen Aposteln: „Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr fortwährend viel Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist.“ Als Frucht erwartet Gott von den Zweigen christusähnliche Eigenschaften, vor allem Liebe. Da Christus außerdem ein Verkündiger des Königreiches Gottes war, schließt die gewünschte Frucht auch ein, daß sie wie Jesus Jünger machen.
„Bleibt in meiner Liebe“, fordert Jesus sie nun auf. Doch wie können seine Apostel das tun? „Wenn ihr meine Gebote haltet“, sagt er, „werdet ihr in meiner Liebe bleiben.“ Des weiteren erklärt Jesus: „Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Niemand hat größere Liebe als die, daß einer seine Seele zugunsten seiner Freunde hingebe.“
In wenigen Stunden wird Jesus diese alles übertreffende Liebe beweisen, indem er sein Leben zugunsten seiner Apostel und all derer hingibt, die Glauben an ihn ausüben. Sein Beispiel sollte seine Nachfolger veranlassen, untereinander dieselbe aufopfernde Liebe zu bekunden. Diese Liebe wird sie kennzeichnen, wie Jesus bereits erwähnte: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt.“
Jesu weitere Worte zeigen, wer zu seinen Freunden gehört: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch nicht mehr Sklaven, denn ein Sklave weiß nicht, was sein Herr tut. Ich habe euch aber Freunde genannt, weil ich euch alle Dinge, die ich von meinem Vater gehört habe, bekanntgegeben habe.“
Welch ein kostbares Verhältnis — vertraute Freunde Jesu zu sein! Seine Nachfolger müssen allerdings ‘fortgesetzt Frucht tragen’, um dieses Verhältnis zu bewahren. Wie Jesus zeigt, wird dadurch folgendes möglich: „Was immer ihr den Vater in meinem Namen bittet, [wird] er euch gebe[n].“ Bestimmt ein großartiger Lohn dafür, Königreichsfrüchte zu tragen! Nachdem Jesus die Apostel ein weiteres Mal aufgefordert hat, ‘einander zu lieben’, erklärt er, daß die Welt sie hassen wird. Doch er tröstet sie: „Wenn die Welt euch haßt, wißt ihr, daß sie mich gehaßt hat, bevor sie euch haßte.“ Jesus zeigt dann, warum die Welt seine Nachfolger haßt: „Weil ihr ... kein Teil der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, deswegen haßt euch die Welt.“
Er erklärt den Grund für den Haß der Welt noch eingehender: „Alle diese Dinge ... werden sie euch um meines Namens willen antun, weil sie den [Jehova Gott] nicht kennen, der mich gesandt hat.“ Jesus macht deutlich, daß diejenigen, die ihn hassen, durch seine Wunderwerke verurteilt werden: „Wenn ich unter ihnen nicht die Werke getan hätte, die niemand sonst getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie sowohl mich als auch meinen Vater gesehen und gehaßt.“ Dadurch hat sich, wie Jesus sagt, das Schriftwort erfüllt: „Sie haben mich ohne Ursache gehaßt.“
Wiederum tröstet Jesus die Apostel durch das Versprechen, den Helfer, den heiligen Geist oder Gottes wirksame Kraft, zu senden. „Dieser [wird] Zeugnis von mir ablegen; und auch ihr sollt Zeugnis ablegen.“
Weitere Abschiedsermahnungen
Jesus und die Apostel sind im Begriff, das Obergemach zu verlassen. Er sagt: „Ich habe diese Dinge zu euch geredet, damit ihr nicht zum Straucheln gebracht werdet.“ Dann kündigt er ihnen mit ernsthaften Worten an: „Man wird euch aus der Synagoge ausschließen. Ja die Stunde kommt, da jeder, der euch tötet, meinen wird, er habe Gott einen heiligen Dienst erwiesen.“
Die Apostel sind offensichtlich wegen dieser Ankündigung sehr beunruhigt. Jesus hat ihnen zwar schon früher gesagt, daß die Welt sie hassen würde, daß sie getötet würden, hat er ihnen jedoch nicht direkt enthüllt. „Ich [habe] euch [dies] zuerst nicht gesagt“, erklärt Jesus, „weil ich bei euch war.“ Doch wie gut, daß er ihnen das mitteilt, bevor er weggeht!
„Jetzt aber“, fährt Jesus fort, „gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und doch fragt mich keiner von euch: ‚Wohin gehst du?‘ “ Am frühen Abend hatten sie sich erkundigt, wohin er gehen würde, aber jetzt sind sie so erschüttert über das, was er ihnen erzählt hat, daß sie ihn nicht weiter darüber befragen. Treffend sagt Jesus: „Weil ich aber diese Dinge zu euch geredet habe, hat Kummer euer Herz erfüllt.“ Die Apostel sind nicht nur bekümmert, weil sie erfahren haben, daß sie unter schrecklicher Verfolgung zu leiden hätten und getötet würden, sondern auch, weil ihr Herr sie verlassen würde.
Jesus erklärt: „Es ist zu eurem Nutzen, daß ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Helfer keinesfalls zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden.“ Als Mensch kann Jesus jeweils nur an einem Ort sein, wenn er jedoch im Himmel ist, kann er seinen Nachfolgern den Helfer, Gottes heiligen Geist, senden, wo immer sie auf der Erde sein mögen. Daß Jesus sie verläßt, ist somit zu ihrem Nutzen.
Der heilige Geist, sagt Jesus, „wird ... der Welt überzeugende Beweise hinsichtlich Sünde und hinsichtlich Gerechtigkeit und hinsichtlich Gericht geben“. Die Sünde der Welt, ihr Versäumnis, Glauben an den Sohn Gottes auszuüben, wird aufgedeckt werden. Außerdem wird der überzeugende Beweis der Gerechtigkeit Jesu durch seine Auffahrt zum Vater erbracht. Daß Satan und seine böse Welt Jesu Lauterkeit nicht brechen konnten, ist ein überzeugender Beweis dafür, daß der Herrscher der Welt gerichtet worden ist.
„Ich habe euch noch vieles zu sagen“, fährt Jesus fort, „aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.“ Daher verheißt Jesus ihnen, daß er den heiligen Geist, Gottes wirksame Kraft, ausgießen wird und daß dieser ihnen gemäß dem, was sie begreifen können, zu einem Verständnis dieser Dinge verhelfen wird.
Die Apostel können vor allem nicht verstehen, daß Jesus sterben wird und ihnen, nachdem er auferstanden ist, erscheinen wird. Sie fragen einander: „Was bedeutet dies, daß er zu uns sagt: ‚In einer kleinen Weile werdet ihr mich nicht schauen, und wieder in einer kleinen Weile werdet ihr mich sehen‘ und: ‚Denn ich gehe zum Vater.‘?“
Jesus erkennt, daß sie ihn befragen wollen, und so erklärt er ihnen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und wehklagen, die Welt aber wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird in Freude verwandelt werden.“ Als Jesus am Nachmittag desselben Tages getötet wird, freuen sich die weltlichgesinnten religiösen Führer, die Jünger sind indes bekümmert. Doch sobald Jesus auferstanden ist, schlägt ihr Kummer in Freude um. Sie freuen sich weiterhin, als er zu Pfingsten Gottes heiligen Geist auf sie ausgießt und sie ermächtigt, seine Zeugen zu sein.
Jesus vergleicht die Situation der Apostel mit der einer Frau, die Geburtsschmerzen hat, indem er sagt: „Eine Frau hat Kummer, wenn sie gebiert, weil ihre Stunde gekommen ist.“ Aber Jesus bemerkt, daß sie nicht mehr an die Drangsal denkt, sobald ihr Kind geboren ist, und er ermuntert seine Apostel mit den Worten: „So habt auch ihr jetzt tatsächlich Kummer; doch werde ich euch wiedersehen [wenn er auferstanden ist], und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.“
Bis zu dieser Zeit haben die Apostel niemals etwas in Jesu Namen erbeten. Jetzt sagt er jedoch: „Wenn ihr den Vater um etwas bittet, so wird er es euch in meinem Namen geben. ... Denn der Vater selbst hat Zuneigung zu euch, weil ihr Zuneigung zu mir gehabt und geglaubt habt, daß ich als Vertreter des Vaters ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen. Ferner verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“
Jesu Worte sind für seine Apostel eine großartige Ermunterung. Sie erklären: „Deswegen glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.“ „Glaubt ihr jetzt?“ fragt Jesus sie. „Seht! Die Stunde kommt, ja sie ist gekommen, da ihr zerstreut werdet, jeder zu seinem eigenen Haus, und ihr werdet mich allein lassen.“ Das geschieht, so unglaublich es auch klingt, noch bevor die Nacht vorüber ist!
„Ich habe euch diese Dinge gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt.“ Jesus sagt abschließend: „In der Welt habt ihr Drangsal, doch faßt Mut! Ich habe die Welt besiegt.“ Jesus hat die Welt besiegt, indem er trotz all dem, was Satan und seine Welt versucht haben, um seine Lauterkeit zu brechen, treu Gottes Willen getan hat.
Das abschließende Gebet im Obergemach
Jesus hat tiefe Liebe zu seinen Aposteln, daher bereitet er sie auf seinen baldigen Weggang vor. Nachdem er sie ausführlich ermahnt und getröstet hat, erhebt er die Augen zum Himmel und bittet seinen Vater: „Verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche, so wie du ihm Gewalt über alles Fleisch gegeben hast, damit er der ganzen Anzahl derer, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.“
Welch ein aufrüttelndes Thema Jesus hier anschneidet — ewiges Leben! Da Jesus „Gewalt über alles Fleisch“ erhalten hat, kann er der gesamten sterblichen Menschheit den Nutzen seines Loskaufsopfers zugute kommen lassen. Er gewährt allerdings nur denjenigen „ewiges Leben“, die der Vater anerkennt. Auf dem Thema „ewiges Leben“ aufbauend, fährt Jesus in seinem Gebet fort:
„Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“ Ja, Rettung hängt davon ab, daß wir Erkenntnis über Gott und seinen Sohn in uns aufnehmen. Es ist jedoch mehr erforderlich als bloßes Kopfwissen.
Wir müssen Gott und seinen Sohn genau kennenlernen und eine innige Freundschaft zu ihnen entwickeln, über alles genauso denken wie sie und die Dinge mit ihren Augen sehen. Und vor allem müssen wir uns bemühen, im Umgang mit anderen ihre unvergleichlichen Eigenschaften nachzuahmen.
Jesus betet weiter: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und habe das Werk vollendet, das du mir zu tun gegeben hast.“ Da er seinen Auftrag bisher erfüllt hat und zuversichtlich ist, ihn erfolgreich zu Ende zu führen, bittet er: „Vater, verherrliche mich an deiner Seite mit der Herrlichkeit, die ich an deiner Seite hatte, ehe die Welt war.“ Ja, er bittet hier darum, durch eine Auferstehung seine frühere himmlische Herrlichkeit zurückzuerhalten.
Sein hauptsächliches Werk auf der Erde faßt Jesus wie folgt zusammen: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort gehalten.“ Jesus hat Gottes Namen, Jehova, in seinem Dienst gebraucht und gezeigt, wie man ihn richtig ausspricht, aber er hat mehr getan, als seinen Aposteln lediglich Gottes Namen offenbar zu machen. Er hat auch ihre Erkenntnis über Jehova, über seine Persönlichkeit und über seine Vorsätze erweitert, was ihre Wertschätzung vertieft hat.
Demütig anerkennt Jesus, daß Jehova über ihm steht und er unter ihm dient, als er sagt: „Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie empfangen und haben wirklich erkannt, daß ich als dein Vertreter ausgegangen bin, und sie haben geglaubt, daß du mich ausgesandt hast.“
Im weiteren Verlauf seines Gebets macht Jesus einen Unterschied zwischen seinen Nachfolgern und der übrigen Menschheit: „Ich bitte sie betreffend; nicht hinsichtlich der Welt bitte ich, sondern hinsichtlich derer, die du mir gegeben hast ... Als ich bei ihnen war, pflegte ich über sie zu wachen ...; und ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist vernichtet worden, ausgenommen der Sohn der Vernichtung“, nämlich Judas Iskariot. Judas ist gerade in seiner niederträchtigen Mission unterwegs, Jesus zu verraten. Auf diese Weise erfüllt Judas unwissentlich die Schriften.
„Die Welt hat sie gehaßt“, fährt Jesus fort zu beten. „Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt wegzunehmen, sondern um dessentwillen, der böse ist, über sie zu wachen. Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin.“ Jesu Nachfolger sind in der Welt — der von Satan beherrschten organisierten menschlichen Gesellschaft —, aber sie müssen sich von ihr und ihrer Bosheit stets getrennt halten.
„Heilige sie durch die Wahrheit“, bittet Jesus weiter, „dein Wort ist Wahrheit.“ Hier nennt Jesus die inspirierten Hebräischen Schriften, aus denen er ständig zitierte, die „Wahrheit“. Das, was er seine Jünger lehrte und was sie später unter Inspiration als die Christlichen Griechischen Schriften aufzeichneten, ist natürlich ebenfalls die „Wahrheit“. Diese Wahrheit kann einen Menschen heiligen, sein Leben völlig verändern und ihn veranlassen, sich von der Welt getrennt zu halten.
Jesus betet jetzt „nicht nur in bezug auf diese, sondern auch in bezug auf diejenigen, die durch ihr Wort an ... [ihn] glauben“. Er bittet somit sowohl für seine gesalbten Nachfolger als auch für andere künftige Jünger, die noch in die „e i n e Herde“ eingesammelt werden. Was erbittet er für sie?
Daß „sie alle eins seien, so wie du, Vater, in Gemeinschaft bist mit mir und ich in Gemeinschaft bin mit dir, ... damit sie eins seien, so wie wir eins sind“. Jesus und sein Vater sind nicht buchstäblich e i n e Person, aber sie sind sich in jeder Hinsicht einig. Jesus betet darum, daß unter seinen Nachfolgern dieselbe Einheit herrsche, damit „die Welt Kenntnis davon habe, daß du mich ausgesandt und daß du sie geliebt hast, so wie du mich geliebt hast“.
Hinsichtlich seiner gesalbten Nachfolger bittet Jesus seinen himmlischen Vater, daß sie einmal bei ihm seien, „damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, weil du mich vor der Grundlegung der Welt geliebt hast“. Schon in ferner Vergangenheit, lange bevor Adam und Eva Nachkommen hatten, liebte Gott seinen einziggezeugten Sohn, der später Jesus Christus wurde.
Am Schluß seines Gebets betont Jesus erneut: „Ich habe ihnen deinen Namen bekanntgegeben und werde ihn bekanntgeben, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in Gemeinschaft mit ihnen.“ Die Apostel haben dadurch, daß sie den Namen Gottes kennengelernt haben, auch die Liebe Gottes kennengelernt. Johannes 14:1 bis 17:26; 13:27, 35, 36; 10:16; Lukas 22:3, 4; 2. Mose 24:10; 1. Könige 19:9-13; Jesaja 6:1-5; Galater 6:16; Psalm 35:19; 69:4; Sprüche 8:22, 30.
▪ Wohin zu gehen, steht Jesus im Begriff, und welche Antwort erhält Thomas, was den Weg dorthin betrifft?
▪ Was erbittet sich Philippus offensichtlich von Jesus?
▪ Warum hat jemand, der Jesus sieht, auch den Vater gesehen?
▪ Inwiefern werden Jesu Nachfolger größere Werke verrichten als er?
▪ In welchem Sinne kann Satan Jesus nicht beikommen?
▪ Wann pflanzte Jehova den symbolischen Weinstock, und wann und wie werden andere ein Teil des Weinstocks?
▪ Wie viele Zweige hat der symbolische Weinstock schließlich?
▪ Welche Frucht erwartet Gott von den Zweigen?
▪ Wie können wir Freunde Jesu sein?
▪ Warum haßt die Welt Jesu Nachfolger?
▪ Welche Ankündigung Jesu beunruhigt seine Apostel?
▪ Warum fragen die Apostel Jesus nicht, wohin er geht?
▪ Was können die Apostel vor allem nicht verstehen?
▪ Wie veranschaulicht Jesus, daß der Kummer der Apostel in Freude umschlagen wird?
▪ Was werden die Apostel bald tun, wie Jesus sagt?
▪ Wie besiegt Jesus die Welt?
▪ In welchem Sinne erhält Jesus „Gewalt über alles Fleisch“?
▪ Was bedeutet es, Erkenntnis über Gott und seinen Sohn in sich aufzunehmen?
▪ Auf welche Weise macht Jesus Gottes Namen offenbar?
▪ Was ist die „Wahrheit“, und wie ‘heiligt’ sie einen Christen?
▪ Inwiefern sind Gott, sein Sohn und alle wahren Anbeter eins?
▪ Wann war die „Grundlegung der Welt“?
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Sorgenvolle Erregung im GartenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 117
Sorgenvolle Erregung im Garten
NACHDEM Jesus sein Gebet beendet hat, singt er mit seinen 11 treuen Aposteln Lieder zum Lobpreis Jehovas. Dann verlassen sie das Obergemach, begeben sich hinaus in die kühle, dunkle Nacht und gehen durch das Kidrontal in Richtung Bethanien. Unterwegs machen sie jedoch halt an einem beliebten Ort, dem Garten Gethsemane. Dieser liegt an oder auf dem Ölberg. Jesus hat sich dort schon des öfteren mit seinen Jüngern unter den Olivenbäumen eingefunden.
Acht der Apostel läßt er — möglicherweise nahe dem Eingang des Gartens — zurück und weist sie an: „Setzt euch hier nieder, während ich dorthinüber gehe und bete.“ Mit den drei anderen — Petrus, Jakobus und Johannes — geht er tiefer in den Garten hinein. Jesus ist betrübt und schmerzlich beunruhigt. „Meine Seele ist tief betrübt, ja bis zum Tod“, sagt er zu diesen Aposteln. „Bleibt hier und wacht mit mir.“
Jesus geht ein wenig weiter, wirft sich nieder und beginnt mit zu Boden gerichtetem Angesicht inbrünstig zu beten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Becher an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Was meint er damit? Warum ist er „tief betrübt, ja bis zum Tod“? Möchte er seine Entscheidung, zu sterben, um das Lösegeld zu erbringen, rückgängig machen?
Keineswegs. Jesus bittet nicht darum, vom Tod verschont zu bleiben. Allein der Gedanke, nicht einen Opfertod zu sterben, was ihm ja einmal von Petrus nahegelegt wurde, ist ihm zuwider. Grund für seine sorgenvolle Erregung ist vielmehr die Befürchtung, daß dadurch, wie er in kurzem sterben wird — als verachteter Verbrecher —, Schmach auf den Namen seines Vaters gebracht wird. Ihm ist nun bewußt, daß er in wenigen Stunden als ein Mensch übelster Art — als Gotteslästerer — an einen Pfahl genagelt werden wird. Das ist es, was ihn so tief betrübt.
Nachdem Jesus längere Zeit gebetet hat, kehrt er zu den drei Aposteln zurück und findet sie schlafend. Er fragt Petrus: „Konntet ihr denn nicht auch nur e i n e Stunde mit mir wachen? Wacht und betet unablässig, damit ihr nicht in Versuchung geratet.“ In Anerkennung der Belastungen, unter denen sie standen, und der späten Stunde sagt er jedoch: „Der Geist ist zwar voller Eifer, aber das Fleisch ist schwach.“
Jesus geht dann ein zweites Mal hin und bittet Gott, „diesen Becher“ — das heißt Jehovas Willen ihn betreffend oder den Teil, den er für ihn bestimmt hat — von ihm zu entfernen. Als er zu den dreien zurückkehrt, schlafen sie wiederum, statt darum zu beten, nicht in Versuchung zu geraten. Sie vermögen Jesus auf das, was er ihnen sagt, nichts zu erwidern.
Schließlich begibt sich Jesus ein drittes Mal etwa einen Steinwurf weit von ihnen weg, beugt seine Knie und betet unter starkem Schreien und Tränen: „Vater, wenn du willst, entferne diesen Becher von mir.“ Jesus empfindet wirklich heftige Schmerzen wegen der Schmach, die sein Tod als Verbrecher auf den Namen seines Vaters bringen wird. Als Gotteslästerer — jemand, der Gott flucht — angeklagt zu werden ist fast unerträglich für ihn.
Dennoch fährt Jesus fort zu beten: „Nicht, was ich will, sondern was du willst.“ Jesus unterwirft seinen Willen gehorsam dem Willen Gottes. Daraufhin erscheint ein Engel vom Himmel und stärkt ihn mit einigen ermunternden Worten. Wahrscheinlich versichert er Jesus, daß er die volle Anerkennung seines Vaters hat.
Doch welch eine Last auf Jesu Schultern ruht! Sein eigenes ewiges Leben und das der gesamten Menschheitsfamilie steht auf dem Spiel. Die emotionale Belastung ist enorm. Daher fährt Jesus fort, noch inbrünstiger zu beten, und sein Schweiß wird wie Blutstropfen, die zur Erde fallen. „Es ist zwar ein sehr seltenes Phänomen“, hieß es in der Zeitschrift The Journal of the American Medical Association, „aber blutiger Schweiß ... kann in extremen emotionellen Streßsituationen auftreten.“
Ein drittes Mal kehrt Jesus zu seinen Aposteln zurück, und wiederum schlafen sie. Sie sind allein schon durch die Trauer erschöpft. „Zu einer solchen Zeit, wie diese es ist, schlaft ihr und ruht euch aus!“ tadelt er sie. „Es ist genug! Die Stunde ist gekommen! Seht! Der Menschensohn wird in die Hände von Sündern verraten. Steht auf, laßt uns gehen! Seht! Mein Verräter hat sich genähert.“
Während er noch redet, nähert sich Judas Iskariot in Begleitung einer großen Volksmenge mit Fackeln, Lampen und Waffen. Matthäus 26:30, 36-47; 16:21-23; Markus 14:26, 32-43; Lukas 22:39-47; Johannes 18:1-3; Hebräer 5:7.
▪ Wohin führt Jesus die Apostel, nachdem sie das Obergemach verlassen haben, und was tut er dort?
▪ Was tun die Apostel, während Jesus betet?
▪ Was ist der Grund für Jesu sorgenvolle Erregung, und welche Bitte richtet er an Gott?
▪ Was wird dadurch angezeigt, daß Jesu Schweiß wie Blutstropfen wird?
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Verrat und FestnahmeDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 118
Verrat und Festnahme
ES IST schon weit nach Mitternacht, als Judas eine große Volksmenge, zu der unter anderem Soldaten, Oberpriester und Pharisäer gehören, in den Garten Gethsemane führt. Die Priester wollen Judas 30 Silberstücke geben, wenn er Jesus verrät.
Judas war nach dem Passahmahl fortgeschickt worden und hatte sich offensichtlich unverzüglich zu den Oberpriestern begeben. Diese riefen sofort ihre Beamten und eine Abteilung Soldaten zusammen. Möglicherweise führte Judas sie zunächst dorthin, wo Jesus mit seinen Aposteln das Passah gefeiert hatte. Da diese allerdings schon fort waren, folgte die bewaffnete große Volksmenge, die Lampen und Fackeln trug, Judas aus Jerusalem hinaus und durchquerte das Kidrontal.
Als Judas die Schar den Ölberg hinaufführt, ist er sich sicher, wo Jesus zu finden ist. Im Laufe der vergangenen Woche haben Jesus und die Apostel auf dem Weg zwischen Bethanien und Jerusalem häufig im Garten Gethsemane haltgemacht, um sich auszuruhen und sich zu unterhalten. Aber wie werden die Soldaten Jesus erkennen, falls er sich in der Dunkelheit unter den Olivenbäumen verbirgt? Sie haben ihn vielleicht noch nie gesehen. Daher verabredet Judas mit ihnen folgendes Zeichen: „Wen immer ich küsse, der ist es; nehmt ihn in Gewahrsam und führt ihn sicher ab.“
Judas geleitet die große Volksmenge in den Garten, und als er Jesus mit seinen Aposteln sieht, geht er direkt auf ihn zu. „Guten Tag, Rabbi!“ sagt er und küßt ihn sehr zärtlich.
„Freund, zu welchem Zweck bist du hier?“ will Jesus von ihm wissen, beantwortet seine Frage dann jedoch selbst: „Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuß?“ Doch genug von diesem Verräter! Jesus tritt vor in das Licht der brennenden Fackeln und Lampen und fragt: „Wen sucht ihr?“
„Jesus, den Nazarener“, lautet die Antwort.
„Ich bin es“, entgegnet Jesus, der unerschrocken vor ihnen allen steht. Die Männer weichen zurück und fallen zu Boden, weil sie über seine Kühnheit erstaunt sind und nicht wissen, was sie erwartet.
„Ich habe euch gesagt, daß ich es bin“, fährt Jesus ruhig fort. „Wenn ihr also mich sucht, so laßt diese gehen.“ Kurz zuvor im Obergemach hat Jesus im Gebet zu seinem Vater erwähnt, daß er seine treuen Apostel bewahrt hat und keiner von ihnen verlorengegangen ist, „ausgenommen der Sohn der Vernichtung“. Damit sich seine Worte erfüllen, bittet er nun darum, seine Nachfolger gehen zu lassen.
Als die Soldaten ihre Fassung wiederfinden, aufstehen und beginnen, Jesus zu binden, wird den Aposteln klar, was vor sich geht. „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“ fragen sie. Ohne Jesu Antwort abzuwarten, greift Petrus mit einem der beiden Schwerter, die die Apostel bei sich haben, Malchus, einen Sklaven des Hohenpriesters, an. Der Schlag des Petrus verfehlt zwar den Kopf des Sklaven, trennt diesem jedoch das rechte Ohr ab.
„Laßt ab, nicht weiter“, schreitet Jesus ein. Er rührt das Ohr des Malchus an und heilt die Wunde. Dann erteilt er eine wichtige Lektion, indem er Petrus gebietet: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Platz, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder denkst du, ich könne nicht meinen Vater anrufen, daß er mir in diesem Augenblick mehr als zwölf Legionen Engel sende?“
Jesus ist bereit, sich festnehmen zu lassen, denn er sagt: „Wie ... würden ... die Schriften erfüllt werden, daß es so geschehen muß?“ Und er fügt hinzu: „Sollte ich den Becher, den der Vater mir gegeben hat, nicht unter allen Umständen trinken?“ Er geht völlig mit Gottes Willen ihn betreffend einig.
Dann wendet sich Jesus an die Volksmenge. „Seid ihr mit Schwertern und Knüppeln wie gegen einen Räuber ausgezogen, um mich festzunehmen?“ fragt er. „Tag für Tag pflegte ich im Tempel zu sitzen und zu lehren, und doch nahmt ihr mich nicht in Gewahrsam. Aber all dies ist geschehen, damit die Schriftworte der Propheten erfüllt werden.“
Daraufhin ergreifen die Soldaten, der Militärbefehlshaber und die Beamten der Juden Jesus und binden ihn. Als die Apostel das sehen, verlassen sie Jesus und fliehen. Ein junger Mann — vielleicht der Jünger Markus — bleibt jedoch bei der Volksmenge. Er könnte sich in dem Haus aufgehalten haben, wo Jesus das Passah gefeiert hat, und später von dort der Volksmenge gefolgt sein. Jetzt wird er allerdings erkannt, und man versucht, ihn zu ergreifen. Doch er läßt sein leinenes Kleid zurück und entkommt. Matthäus 26:47-56; Markus 14:43-52; Lukas 22:47-53; Johannes 17:12; 18:3-12.
▪ Warum ist sich Judas so sicher, Jesus im Garten Gethsemane zu finden?
▪ Wodurch zeigt Jesus, daß er sich um seine Apostel sorgt?
▪ Was tut Petrus, um Jesus zu verteidigen, aber was sagt Jesus diesbezüglich zu Petrus?
▪ Wie zeigt Jesus, daß er mit Gottes Willen ihn betreffend völlig einiggeht?
▪ Wer bleibt zurück, als die Apostel Jesus verlassen, und was geschieht mit ihm?
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Erst zu Annas, dann zu Kaiphas gebrachtDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 119
Erst zu Annas, dann zu Kaiphas gebracht
JESUS wird wie ein gemeiner Verbrecher gebunden zu Annas geführt, dem einflußreichen ehemaligen Hohenpriester. Er hatte dieses Amt inne, als der 12jährige Jesus die Lehrer im Tempel, die Rabbis, in Erstaunen versetzte. Mehrere Söhne des Annas dienten später als Hohepriester, und gegenwärtig bekleidet sein Schwiegersohn Kaiphas dieses Amt.
Man bringt Jesus wahrscheinlich deshalb zuerst zum Haus des Annas, weil dieser Oberpriester im religiösen Leben der Juden seit langem eine bedeutende Rolle spielt. Dieser Zwischenaufenthalt bei Annas gibt dem Hohenpriester Kaiphas außerdem Zeit, den Sanhedrin, das 71 Mitglieder zählende hohe Gericht der Juden, einzuberufen und falsche Zeugen beizubringen.
Der Oberpriester Annas befragt Jesus inzwischen über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus entgegnet ihm jedoch: „Ich habe öffentlich zur Welt geredet. Ich habe immer in einer Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen; und ich habe nichts im verborgenen geredet. Warum fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen redete. Siehe! Diese wissen, was ich gesagt habe.“
Daraufhin gibt einer der dabeistehenden Beamten Jesus einen Backenstreich und sagt: „So antwortest du dem Oberpriester?“
„Wenn ich unrecht geredet habe“, erwidert Jesus, „so lege Zeugnis über das Unrecht ab, wenn aber recht, warum schlägst du mich?“ Nach diesem Wortwechsel sendet Annas Jesus gebunden zu Kaiphas.
Währenddessen versammeln sich alle Oberpriester, die älteren Männer und die Schriftgelehrten, ja der gesamte Sanhedrin. Der Ort ihres Zusammenkommens ist offensichtlich das Haus des Kaiphas. Eine solche Gerichtsverhandlung in der Passahnacht abzuhalten verstößt eindeutig gegen das jüdische Gesetz. Die religiösen Führer lassen sich dadurch jedoch nicht von ihrem bösen Tun abhalten.
Einige Wochen zuvor war Jesu Tod im Sanhedrin bereits beschlossen worden, nämlich nachdem er Lazarus auferweckt hatte. Und erst zwei Tage vorher, am Mittwoch, waren die geistlichen Führer übereingekommen, Jesus durch einen listigen Anschlag zu ergreifen und ihn zu töten. Man stelle sich das einmal vor: Das Urteil stand bereits vor dem Gerichtsverfahren fest!
Angestrengt bemüht man sich nun, Zeugen beizubringen, aus deren Falschaussagen sich eine Anklage gegen Jesus konstruieren läßt. Es finden sich jedoch keine Zeugen, deren Zeugnis übereinstimmt. Schließlich treten zwei vor, die versichern: „Wir hörten ihn sagen: ‚Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht wurde, niederreißen, und in drei Tagen will ich einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht ist.‘ “
„Gibst du keine Antwort?“ fragt Kaiphas. „Was ist das, worin diese gegen dich zeugen?“ Doch Jesus schweigt. Zur Schande des Sanhedrins stimmen auch die Berichte dieser Zeugen nicht überein. Daher versucht es der Hohepriester mit einer anderen Taktik.
Kaiphas weiß, wie empfindlich die Juden reagieren, wenn jemand behauptet, der Sohn Gottes zu sein. Bei zwei Gelegenheiten hatten sie Jesus bereits unverzüglich zum Gotteslästerer gestempelt, der den Tod verdiente, wobei sie einmal irrtümlicherweise dachten, er würde behaupten, Gott gleich zu sein. Voller Hinterlist fordert Kaiphas Jesus jetzt auf: „Bei dem lebendigen Gott stelle ich dich unter Eid, uns zu sagen, ob du der Christus, der Sohn Gottes, bist!“
Jesus ist, ungeachtet dessen, was die Juden denken, tatsächlich Gottes Sohn. Würde er schweigen, könnte man meinen, er leugne, daß er der Christus ist. Deshalb erklärt Jesus mutig: „Ich bin es; und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.“
Daraufhin zerreißt Kaiphas theatralisch seine Kleider und ruft aus: „Er hat gelästert! Wozu brauchen wir weiter Zeugen? Seht! Jetzt habt ihr die Lästerung gehört. Was ist eure Meinung?“
„Er ist des Todes schuldig“, verkündet der Sanhedrin. Dann beginnt man, Spott mit Jesus zu treiben und viele Dinge in lästerlicher Weise gegen ihn zu sagen. Einige schlagen ihm ins Gesicht und speien ihn an. Andere verhüllen sein Gesicht vollständig und schlagen ihn mit den Fäusten, worauf sie ihn sarkastisch auffordern: „Prophezeie uns, du Christus: Wer ist es, der dich schlug?“ Zu solch einem beleidigenden, ungesetzlichen Verhalten kommt es während der nächtlichen Gerichtsverhandlung. Matthäus 26:57-68; 26:3, 4; Markus 14:53-65; Lukas 22:54, 63-65; Johannes 18:13-24; 11:45-53; 10:31-39; 5:16-18.
▪ Zu wem wird Jesus zunächst geführt, und was geschieht dort mit ihm?
▪ Wohin bringt man Jesus anschließend, und zu welchem Zweck?
▪ Wie kann Kaiphas den Sanhedrin veranlassen, zu verkünden, daß Jesus des Todes schuldig sei?
▪ Zu welchem beleidigenden, ungesetzlichen Verhalten kommt es während der Verhandlung?
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Verleugnungen im HofDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 120
Verleugnungen im Hof
PETRUS und Johannes sowie die übrigen Apostel haben Jesus im Garten Gethsemane im Stich gelassen und sind aus Furcht geflohen. Jetzt beenden die beiden ihre Flucht. Sie holen Jesus wahrscheinlich ein, als er zum Haus des Annas gebracht wird. Während Annas Jesus abführen und zum Hohenpriester Kaiphas bringen läßt, folgen Petrus und Johannes Jesus in gutem Abstand. Offensichtlich sind sie hin und her gerissen zwischen der Angst um ihr Leben und der großen Sorge, was mit ihrem Herrn geschehen wird.
Als Johannes zu dem großen Palast des Kaiphas kommt, gelingt es ihm, den Hof zu betreten, weil er dem Hohenpriester bekannt ist. Petrus aber bleibt draußen an der Tür. Kurz darauf kommt Johannes zurück und redet mit der Türhüterin, einem Dienstmädchen, und Petrus wird gestattet hereinzukommen.
Weil es mittlerweile kalt geworden ist, haben die Diener des Hauses und die Beamten des Hohenpriesters ein Kohlenfeuer angezündet. Petrus begibt sich zu ihnen, um sich zu wärmen, während er auf den Ausgang des Verhörs Jesu wartet. Im Licht des hellen Feuers kann die Türhüterin Petrus, den sie hereingelassen hat, etwas genauer sehen. „Auch du warst bei Jesus, dem Galiläer!“ ruft sie aus.
Bestürzt darüber, daß er erkannt worden ist, leugnet Petrus vor allen Anwesenden, Jesus jemals gekannt zu haben. „Ich kenne ihn nicht und verstehe auch nicht, was du sagst“, antwortet er.
Danach geht er zum Torhaus hinaus. Als ein anderes Mädchen ihn bemerkt, sagt sie ebenfalls zu den Dabeistehenden: „Dieser war bei Jesus, dem Nazarener.“ Petrus leugnet es nochmals und schwört: „Ich kenne den Menschen nicht!“
Petrus bleibt im Hof und versucht, sowenig wie möglich aufzufallen. Vielleicht ist jetzt der Moment, wo Petrus im Morgengrauen durch einen Hahnenschrei aufgeschreckt wird. Inzwischen ist das Verhör Jesu im Gange, und es wird offensichtlich in einem oberen Teil des Hauses, der dem Hof zugewandt ist, durchgeführt. Zweifellos warten Petrus und die anderen unten und beobachten das Kommen und Gehen der verschiedenen Zeugen, die hineingebracht werden, um auszusagen.
Ungefähr eine Stunde ist vergangen, seit Petrus zuletzt als ein Gefährte Jesu erkannt wurde. Nun kommen einige der Herumstehenden zu ihm und sagen: „Bestimmt bist auch du einer von ihnen, denn dein Dialekt macht dich tatsächlich kenntlich.“ Einer davon ist ein Verwandter des Malchus, dem Petrus das Ohr abgehauen hat. „Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?“ fragt er.
„Ich kenne den Menschen nicht“, beteuert Petrus. Tatsächlich versucht er, sie durch Fluchen und Schwören davon zu überzeugen, daß sie alle einem Irrtum erliegen, ja er ruft Übles auf sich herab, falls er nicht die Wahrheit gesagt habe.
Gerade als Petrus zum dritten Mal leugnet, kräht ein Hahn. Genau in diesem Augenblick erscheint Jesus — offensichtlich auf einem Balkon über dem Hof —, dreht sich um und sieht ihn an. Sofort erinnert sich Petrus an das, was Jesus nur wenige Stunden zuvor im Obergemach gesagt hat: „Selbst du wirst mich ..., bevor ein Hahn zweimal kräht, dreimal verleugnen.“ Niedergeschmettert durch die Last seiner Sünde, geht Petrus hinaus und weint bitterlich.
Wie konnte das geschehen? Wie konnte Petrus, obwohl er von seiner geistigen Stärke derart überzeugt war, seinen Herrn dreimal kurz hintereinander verleugnen? Petrus ist ohne Zweifel von den Umständen überrascht worden. Die Wahrheit ist verdreht worden, und Jesus hat man als gemeinen Verbrecher hingestellt. Was richtig ist, wird als falsch dargestellt, der Unschuldige als schuldig. Unter dem Druck der Verhältnisse ist Petrus aus dem Gleichgewicht geraten; plötzlich ist sein Loyalitätsempfinden gestört. Zu seinem Leidwesen ist er vor Menschenfurcht wie gelähmt. Möge uns das niemals widerfahren! Matthäus 26:57, 58, 69-75; Markus 14:30, 53, 54, 66-72; Lukas 22:54-62; Johannes 18:15-18, 25-27.
▪ Wie ist es Petrus und Johannes möglich, den Hof des Hohenpriesters zu betreten?
▪ Was geschieht im Haus, während Petrus und Johannes im Hof sind?
▪ Wievielmal kräht ein Hahn, und wievielmal leugnet Petrus, Christus zu kennen?
▪ Was bedeutet es, daß Petrus flucht und schwört?
▪ Was veranlaßt Petrus, zu leugnen, daß er Jesus kennt?
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Vor dem Sanhedrin, dann zu PilatusDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 121
Vor dem Sanhedrin, dann zu Pilatus
DIE Nacht geht zu Ende. Petrus hat Jesus zum drittenmal verleugnet, die Mitglieder des Sanhedrins haben ihren Scheinprozeß beendet und sind auseinandergegangen. Am Freitag bei Tagesanbruch kommen sie jedoch wieder zusammen, diesmal im Saal des Sanhedrins. Sie haben wahrscheinlich vor, dem nächtlichen Prozeß einen einigermaßen rechtsgültigen Anschein zu verleihen. Als Jesus ihnen vorgeführt wird, sagen sie wie schon in der Nacht: „Wenn du der Christus bist, so sag es uns.“
„Auch wenn ich es euch sagte, würdet ihr es gar nicht glauben“, antwortet Jesus. „Überdies, wenn ich euch fragte, würdet ihr ... nicht antworten.“ Jesus weist indes mutig darauf hin, wer er ist, wenn er sagt: „Der Menschensohn wird von nun an zur machtvollen Rechten Gottes sitzen.“
„Bist du also der Sohn Gottes?“ wollen alle wissen.
„Ihr selbst sagt, daß ich es bin“, erwidert Jesus.
Für diese Männer, die Mordabsichten haben, reicht die Antwort aus. Sie betrachten sie als Gotteslästerung. „Wozu brauchen wir ein weiteres Zeugnis?“ fragen sie einander. „Denn wir haben es selbst aus seinem eigenen Mund gehört.“ Daher binden sie Jesus und führen ihn ab, um ihn dem römischen Statthalter Pontius Pilatus zu übergeben.
Judas, der Verräter Jesu, hat das Verfahren beobachtet. Als er sieht, daß Jesus verurteilt wird, hat er Gewissensbisse. Er geht daher zu den Oberpriestern und den älteren Männern, um die 30 Silberstücke zurückzugeben, und erklärt: „Ich habe gesündigt, als ich gerechtes Blut verriet.“
„Was geht das uns an? Das ist deine Sache!“ erwidern sie herzlos. Da wirft Judas die Silberstücke in den Tempel, geht weg und versucht sich zu erhängen. Der Ast, um den er den Strick gebunden hat, bricht aber offensichtlich ab, und Judas stürzt auf die tiefer liegenden Felsen, wo sein Körper entzweibirst.
Die Oberpriester sind sich nicht sicher, was sie mit den Silberstücken anfangen sollen. „Es ist nicht erlaubt, sie in den heiligen Schatz zu werfen“, folgern sie, „denn sie sind der Blutpreis.“ Nachdem sie sich miteinander beraten haben, kaufen sie mit dem Geld das Feld des Töpfers, um darauf Fremde zu begraben. Das Feld wird daher „Blutfeld“ genannt.
Es ist immer noch früh am Morgen, als Jesus zum Palast des Statthalters gebracht wird. Die Juden, die ihn begleiten, weigern sich jedoch hineinzugehen, da sie glauben, ein solch vertrauter Umgang mit den Heiden verunreinige sie. Aus Gefälligkeit kommt Pilatus heraus. „Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?“ fragt er sie.
„Wenn dieser nicht ein Missetäter wäre, so hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert“, geben sie ihm zur Antwort.
Pilatus möchte sich nicht in die Sache hineinziehen lassen und erwidert: „Nehmt ihn selbst, und richtet ihn nach eurem Gesetz.“
Die Juden offenbaren ihre mörderische Absicht, indem sie behaupten: „Uns ist es nicht erlaubt, jemand zu töten.“ Wenn sie Jesus tatsächlich während des Passahfestes töteten, käme es wahrscheinlich zu einem öffentlichen Aufruhr, da Jesus von vielen sehr geachtet wird. Sollten sie aber die Römer dazu bringen können, ihn aus politischen Gründen hinzurichten, wären sie letztlich in den Augen des Volkes ohne Schuld.
Die religiösen Führer haben Jesus während des vorausgegangenen Prozesses wegen Gotteslästerung verurteilt, erwähnen es aber nicht und erfinden nun andere Anklagen. Sie klagen ihn in drei Punkten an: „Wir fanden, daß dieser Mensch [1.] unsere Nation aufwiegelt und [2.] verbietet, Cäsar Steuern zu zahlen, und [3.] sagt, er selbst sei Christus, ein König.“
Der Anklagepunkt, mit dem sich Pilatus befaßt, ist, daß Jesus behauptet, ein König zu sein. Er betritt daher wieder den Palast, läßt Jesus zu sich rufen und fragt ihn: „Bist du der König der Juden?“ Mit anderen Worten: Hast du das Gesetz übertreten, indem du dich zum König erklärst, der gegen Cäsar ist?
Jesus möchte wissen, wieviel Pilatus bereits über ihn gehört hat. Deshalb fragt er ihn: „Sagst du das aus dir selbst, oder haben dir andere von mir erzählt?“
Pilatus gibt zu, daß er nichts über ihn weiß, und möchte die Wahrheit erfahren. „Ich bin doch nicht etwa ein Jude?“ erwidert Pilatus. „Deine eigene Nation und die Oberpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“
Jesus versucht keinesfalls, der Streitfrage in bezug auf das Königtum auszuweichen. Pilatus ist von der Antwort, die Jesus daraufhin gibt, zweifellos überrascht. Lukas 22:66 bis 23:3; Matthäus 27:1-11; Markus 15:1; Johannes 18:28-35; Apostelgeschichte 1:16-20.
▪ Zu welchem Zweck kommt der Sanhedrin am Morgen wieder zusammen?
▪ Wie stirbt Judas, und was geschieht mit den 30 Silberstücken?
▪ Warum wollen die Juden Jesus nicht selbst töten, sondern es den Römern überlassen?
▪ Welche Anklagen bringen die Juden gegen Jesus vor?
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Von Pilatus zu Herodes und wieder zurückDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 122
Von Pilatus zu Herodes und wieder zurück
JESUS macht vor Pilatus zwar keinen Hehl daraus, daß er ein König ist, stellt allerdings klar, daß sein Königreich für Rom keine Bedrohung darstellt. „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt“, sagt Jesus. „Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher.“ Jesus bestätigt somit dreimal, daß er ein Königreich hat, obgleich es kein irdisches ist.
Doch Pilatus bedrängt ihn weiter: „Nun denn, bist du ein König?“ Er will also von ihm wissen, ob er ein König ist, auch wenn sein Königreich kein Teil dieser Welt ist.
Jesus gibt Pilatus zu verstehen, daß er die richtigen Schlüsse gezogen hat, denn er antwortet: „Du selbst sagst, daß ich ein König bin. Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“
Ja, der eigentliche Zweck der Existenz Jesu auf der Erde ist, für die „Wahrheit“ Zeugnis abzulegen, besonders für die Wahrheit über sein Königreich. Jesus ist bereit, dieser Wahrheit treu zu bleiben, selbst wenn es ihn das Leben kostet. Pilatus fragt zwar noch: „Was ist Wahrheit?“, wartet aber keine weitere Erklärung ab. Er hat genug gehört, um ein Urteil zu fällen.
Er kehrt zu den Volksmengen zurück, die vor dem Palast warten. Offensichtlich steht Jesus bei ihm, als er den Oberpriestern und deren Begleitern erklärt: „Ich finde kein Verbrechen an diesem Menschen.“
Verärgert über diese Entscheidung, behaupten die Volksmengen nun: „Er wiegelt das Volk auf, indem er in ganz Judäa lehrt, ja von Galiläa angefangen bis hierher.“
Der sinnlose Fanatismus der Juden muß Pilatus verwundern. Während die Oberpriester und die älteren Männer ihr Geschrei fortsetzen, wendet er sich an Jesus und fragt: „Hörst du nicht, wie vieles sie gegen dich bezeugen?“ Jesus gibt auch darauf keine Antwort. Daß er trotz der wüsten Anschuldigungen so ruhig bleibt, versetzt Pilatus in Erstaunen.
Als Pilatus erfährt, daß Jesus ein Galiläer ist, sieht er eine Möglichkeit, sich der Verantwortung zu entziehen. Herodes Antipas (der Sohn Herodes’ des Großen), der Herrscher über Galiläa, hält sich anläßlich des Passahs in Jerusalem auf, und Pilatus läßt Jesus zu ihm bringen. Herodes Antipas hatte einige Zeit zuvor Johannes den Täufer enthaupten lassen und war daher in Furcht geraten, als er von den Wundern Jesu hörte, da er befürchtete, Jesus sei in Wirklichkeit der von den Toten auferstandene Johannes.
Herodes freut sich nun sichtlich über die Möglichkeit, Jesus zu sehen. Das tut er jedoch nicht, weil er sich um Jesu Wohlergehen sorgt oder weil er wirklich herausfinden will, ob die Anklagen gegen ihn zutreffen. Er ist tatsächlich nur neugierig und hofft, ein Wunder Jesu mitzuerleben.
Jesus weigert sich jedoch, die Neugier des Herodes zu befriedigen. Ja, er sagt nicht ein Wort, als Herodes ihn befragt. Aus Enttäuschung darüber beginnen Herodes und seine Wachmannschaften, Spott mit Jesus zu treiben. Sie bekleiden ihn mit einem hellglänzenden Kleid und verhöhnen ihn. Dann senden sie ihn zu Pilatus zurück. Daraufhin werden Herodes und Pilatus, die früher verfeindet waren, gute Freunde.
Bei Jesu Rückkehr ruft Pilatus die Oberpriester, die jüdischen Vorsteher und das Volk zusammen und sagt: „Ihr habt mir diesen Menschen gebracht als einen, der das Volk zur Auflehnung reizt, und seht, ich habe ihn vor euch verhört, habe aber an diesem Menschen keinen Grund für die Beschuldigungen gefunden, die ihr gegen ihn vorbringt. Tatsächlich fand auch Herodes keinen, denn er hat ihn zu uns zurückgesandt; und seht, nichts, was den Tod verdient, ist von ihm begangen worden. Ich will ihn daher züchtigen und ihn freigeben.“
Somit erklärt Pilatus Jesus zweimal für unschuldig. Er ist darauf bedacht, ihn freizugeben, denn er erkennt, daß die Priester ihn lediglich aus Neid überliefert haben. Pilatus erhält in seinem Bemühen, Jesus freizugeben, sogar noch einen starken Ansporn. Während er auf seinem Richterstuhl sitzt, erreicht ihn eine Botschaft seiner Frau, die ihn auffordert: „Habe nichts mit diesem gerechten Menschen zu schaffen, denn ich habe heute seinetwegen in einem Traum [offensichtlich göttlichen Ursprungs] viel gelitten.“
Pilatus weiß, daß er den unschuldigen Mann freilassen müßte. Aber wie kann er das tun? Johannes 18:36-38; Lukas 23:4-16; Matthäus 27:12-14, 18, 19; 14:1, 2; Markus 15:2-5.
▪ Was antwortet Jesus auf die Frage über sein Königtum?
▪ Was ist die „Wahrheit“, über die Jesus während seines irdischen Dienstes Zeugnis ablegt?
▪ Welches Urteil fällt Pilatus, wie reagieren die Volksmengen darauf, und was tut Pilatus mit Jesus?
▪ Wer ist Herodes Antipas, warum freut er sich sehr, Jesus zu sehen, und was tut er mit ihm?
▪ Warum ist Pilatus darauf bedacht, Jesus freizulassen?
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„Seht! Der Mensch!“Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 123
„Seht! Der Mensch!“
PILATUS, der von Jesu Verhalten beeindruckt und von dessen Unschuld überzeugt ist, sucht nach einer anderen Möglichkeit, ihn freizulassen. „Bei euch [besteht] ein Brauch“, sagt er zu den Volksmengen, „wonach ich euch am Passah einen Menschen freigeben soll.“
Ein berüchtigter Mörder namens Barabbas befindet sich gerade in Haft. Deshalb fragt Pilatus: „Wen soll ich euch nach eurem Willen freigeben, Barabbas oder Jesus, den sogenannten Christus?“
Die von den Oberpriestern überredeten und aufgewiegelten Leute bitten darum, Barabbas freizulassen, Jesus dagegen zu töten. Pilatus gibt jedoch noch nicht auf und fragt erneut: „Welchen von den beiden soll ich euch nach eurem Willen freigeben?“
„Barabbas“, schreien sie.
„Was soll ich denn mit Jesus, dem sogenannten Christus, tun?“ fragt Pilatus bestürzt.
Mit ohrenbetäubendem Geschrei antworten sie: „An den Pfahl mit ihm!“ „An den Pfahl! An den Pfahl mit ihm!“
Da Pilatus weiß, daß sie den Tod eines Unschuldigen verlangen, fragt er: „Nun, was hat dieser Mensch denn Schlechtes getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; ich will ihn daher züchtigen und freilassen.“
Seinen Bemühungen zum Trotz schreien die wütenden, von ihren geistlichen Führern angestachelten Volksmengen weiter: „An den Pfahl mit ihm!“ Die von den Priestern in Raserei versetzten Volksmengen wollen Blut sehen. Es ist kaum zu glauben — nur fünf Tage zuvor haben möglicherweise auch einige dieser Leute Jesus in Jerusalem als König willkommen geheißen! Währenddessen verhalten sich Jesu Jünger, sofern sie überhaupt zugegen sind, still und unauffällig.
Als Pilatus sieht, daß seine Appelle nichts nützen, sondern statt dessen einen Aufruhr heraufbeschwören, nimmt er Wasser, wäscht sich vor der Volksmenge die Hände und sagt: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache.“ Darauf erwidern die Leute: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder.“
Ihrer Forderung entsprechend — und mehr, um den Volksmengen zu gefallen, als das zu tun, was recht ist —, gibt Pilatus Barabbas frei. Er läßt Jesus abführen, entkleiden und geißeln. Das war kein normales Auspeitschen. Das Journal of the American Medical Association beschreibt die Geißelung nach Art der Römer wie folgt:
„Das übliche Instrument war eine kurze Peitsche (flagrum oder flagellum) mit mehreren einzelnen oder geflochtenen Lederriemen unterschiedlicher Länge, an denen in bestimmten Abständen kleine Eisenkugeln oder scharfkantige Schafsknochenstücke befestigt waren. ... Wenn die römischen Soldaten wiederholt mit voller Kraft auf den Rücken des Opfers schlugen, verursachten die Eisenkugeln tiefe Quetschungen, und die Lederriemen mit den Schafsknochen schnitten in die Haut und das unter der Haut liegende Gewebe ein. Im weiteren Verlauf der Auspeitschung klafften die Wunden bis in die tiefer liegenden Skelettmuskeln, und es wurden zuckende Fetzen blutenden Fleisches herausgerissen.“
Nach dieser qualvollen Auspeitschung wird Jesus in den Palast des Statthalters gebracht, und man ruft die ganze Truppeneinheit zusammen. Dort spielen ihm die Soldaten weiter übel mit, indem sie eine Krone aus Dornen flechten und ihm auf den Kopf setzen. Sie geben ihm ein Rohr in die rechte Hand und bekleiden ihn mit einem purpurnen äußeren Kleid, wie es von Königen getragen wird. Dann sagen sie spottend zu ihm: „Guten Tag, du König der Juden!“ Auch speien sie ihn an und schlagen ihn ins Gesicht. Sie nehmen ihm das massive Rohr weg und schlagen ihn damit auf den Kopf, wodurch sie die scharfen Dornen seiner entwürdigenden „Krone“ noch tiefer in seine Kopfhaut treiben.
Jesu bemerkenswerte Würde und Kraft angesichts dieser Mißhandlung beeindrucken Pilatus so sehr, daß er sich zu einem weiteren Versuch, ihn zu retten, veranlaßt fühlt. „Seht! Ich bringe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, daß ich keine Schuld an ihm finde“, sagt er zu den Volksmengen. Er glaubt möglicherweise, daß der Anblick des geschundenen Jesus ihr Herz erweichen wird. Als Jesus mit der Dornenkrone, dem purpurnen äußeren Kleid sowie seinem von Schmerz gezeichneten, blutenden Gesicht vor dem herzlosen Pöbel steht, ruft Pilatus aus: „Seht! Der Mensch!“
Obwohl übel zugerichtet und mißhandelt, steht hier die herausragendste Person der gesamten Geschichte, der größte Mensch, der je lebte! Ja, Jesus offenbart eine stille Würde und eine Gelassenheit, die eine Größe verraten, die selbst Pilatus anerkennen muß, denn seine Worte sind offensichtlich eine Mischung aus Respekt und Mitleid. Johannes 18:39 bis 19:5; Matthäus 27:15-17, 20-30; Markus 15:6-19; Lukas 23:18-25.
▪ Wie bemüht sich Pilatus, Jesus freizugeben?
▪ Wie versucht Pilatus, die Verantwortung von sich zu weisen?
▪ Was bedeutet es, gegeißelt zu werden?
▪ Wie wird Jesus nach der Geißelung verspottet?
▪ Welchen weiteren Versuch unternimmt Pilatus, um Jesus freizugeben?
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Ausgeliefert und abgeführtDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 124
Ausgeliefert und abgeführt
ALS Pilatus, gerührt von der stillen Würde des geschundenen Jesus, erneut versucht, ihn freizulassen, geraten die Oberpriester in noch größere Wut. Sie sind entschlossen, ihre bösen Absichten auf keinen Fall durchkreuzen zu lassen. Wieder schreien sie: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“
„Nehmt ihn selbst, und bringt ihn an den Pfahl“, antwortet Pilatus. (Die Juden haben entgegen ihren früheren Behauptungen möglicherweise doch das Recht, Verbrecher wegen entsprechend schwerer religiöser Vergehen hinzurichten.) Dann erklärt Pilatus Jesus wohl zum fünftenmal für unschuldig, indem er sagt: „Ich finde keine Schuld an ihm.“
Die Juden nun, da sie sehen, daß ihre politischen Anklagen nichts bewirken, greifen auf die religiöse Anklage der Gotteslästerung zurück, die schon einige Stunden zuvor bei der Verhandlung gegen Jesus vor dem Sanhedrin vorgebracht worden war. „Wir haben ein Gesetz“, sagen sie, „und nach dem Gesetz muß er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.“
Diese Anklage ist für Pilatus neu, und sie versetzt ihn in noch größere Furcht. Er erkennt jetzt, daß Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist, was auch durch den Traum seiner Frau und durch die bemerkenswerte Stärke der Persönlichkeit Jesu bezeugt wird. Aber „Gottes Sohn“? Pilatus weiß, daß Jesus aus Galiläa stammt. Doch könnte er womöglich schon früher gelebt haben? Er nimmt ihn wieder mit in den Palast hinein und fragt ihn: „Woher bist du?“
Jesus bleibt stumm. Er hat Pilatus bereits gesagt, daß er ein König ist, sein Königreich jedoch kein Teil dieser Welt ist. Jede weitere Erklärung zum jetzigen Zeitpunkt wäre sinnlos. Aber Pilatus fühlt sich durch die Verweigerung der Antwort in seinem Stolz verletzt, und er fährt Jesus mit den Worten an: „Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Gewalt habe, dich freizulassen, und Gewalt habe, dich an den Pfahl zu bringen?“
„Du hättest gar keine Gewalt über mich, wenn sie dir nicht von oben her gewährt worden wäre“, entgegnet Jesus respektvoll. Er bezieht sich darauf, daß Gott menschlichen Herrschern Gewalt gewährt, damit sie sich der Angelegenheiten auf der Erde annehmen. Jesus fügt hinzu: „Deshalb hat der, welcher mich dir ausgeliefert hat, größere Sünde.“ Ja, der Hohepriester Kaiphas und seine Komplizen sowie Judas Iskariot tragen alle eine größere Verantwortung für die ungerechte Behandlung Jesu als Pilatus.
Pilatus ist von Jesus nun noch mehr beeindruckt, und aus Furcht davor, daß Jesus möglicherweise göttlicher Herkunft ist, bemüht er sich nochmals, ihn freizulassen. Doch die Juden erteilen Pilatus eine schroffe Abfuhr. Sie wiederholen ihre politischen Anklagen und drohen hinterlistig: „Wenn du diesen Mann freiläßt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zu einem König macht, redet gegen Cäsar.“
Trotz der unheilverkündenden Andeutungen bringt Pilatus Jesus ein weiteres Mal hinaus. „Seht! Euer König!“ ruft er aus.
„Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“
„Soll ich euren König an den Pfahl bringen?“ fragt Pilatus verzweifelt.
Die Juden ärgern sich sehr über die Herrschaft der Römer. Ja, sie verachten die Herrschaft Roms. Doch heuchlerisch sagen die Oberpriester: „Wir haben keinen König außer Cäsar.“
Da Pilatus um seine politische Stellung und seinen Ruf fürchtet, gibt er schließlich den unerbittlichen Forderungen der Juden nach. Er liefert ihnen Jesus aus. Die Soldaten ziehen ihm den purpurnen Mantel aus und bekleiden ihn mit seinem äußeren Gewand. Als Jesus abgeführt wird, um an den Pfahl gebracht zu werden, zwingt man ihn, seinen eigenen Marterpfahl zu tragen.
An diesem Freitag, dem 14. Nisan, ist es inzwischen später Vormittag geworden; möglicherweise ist bald Mittag. Jesus ist seit dem frühen Donnerstagmorgen auf den Beinen, und er hat eine Quälerei nach der anderen durchgemacht. Verständlicherweise verlassen ihn unter dem Gewicht des Pfahls bald die Kräfte. Daher wird ein Passant, ein gewisser Simon von Kyrene (Afrika), gezwungen, den Pfahl für ihn zu tragen. Während sie weitergehen, folgen ihnen viele Menschen, darunter Frauen, die sich vor Leid schlagen und um Jesus wehklagen.
Jesus wendet sich den Frauen zu und sagt: „Töchter Jerusalems, hört auf, über mich zu weinen. Weint im Gegenteil über euch und über eure Kinder; denn siehe, Tage kommen, an denen man sagen wird: ‚Glücklich sind die unfruchtbaren Frauen und die Schöße, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht genährt haben!‘ ... Denn wenn man diese Dinge tut, während der Baum saftig ist, was wird geschehen, wenn er verdorrt ist?“
Jesus bezieht sich auf die jüdische Nation als einen Baum, der noch einen gewissen Lebenssaft in sich hat, weil Jesus gegenwärtig ist und weil ein Überrest an ihn glaubt. Aber wenn jene aus der Nation herausgenommen sein werden, wird nur ein geistig toter Baum zurückbleiben, ja eine verdorrte nationale Organisation. O welch einen Grund zum Weinen wird es geben, wenn die römischen Heere als Gottes Urteilsvollstrecker die jüdische Nation verwüsten werden! Johannes 19:6-17; 18:31; Lukas 23:24-31; Matthäus 27:31, 32; Markus 15:20, 21.
▪ Welche Anklage erheben die geistlichen Führer gegen Jesus, als ihre politischen Anklagen nichts bewirken?
▪ Warum gerät Pilatus in noch größere Furcht?
▪ Wer hat die größere Sünde in bezug auf das, was Jesus widerfährt?
▪ Wie veranlassen die Priester Pilatus, ihnen Jesus auszuliefern, um ihn hinzurichten?
▪ Was sagt Jesus zu den Frauen, die über ihn weinen, und was meint er damit, daß der Baum zunächst „saftig“ und dann „verdorrt“ ist?
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Qualen am PfahlDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 125
Qualen am Pfahl
ZUSAMMEN mit Jesus werden zwei Räuber zur Hinrichtung abgeführt. Nicht weit außerhalb der Stadt erreicht der Zug die Stätte, die Golgotha oder Schädelstätte genannt wird.
Die Gefangenen werden entkleidet. Dann gibt man ihnen mit Myrrhe gewürzten Wein. Dieser ist offenbar von den Frauen Jerusalems zubereitet worden, und die Römer verwehren den zur Hinrichtung Bestimmten das schmerzbetäubende Getränk nicht. Als Jesus ihn probiert, lehnt er es jedoch ab, davon zu trinken. Warum? Offensichtlich möchte er in seiner schwersten Glaubensprüfung im Vollbesitz seiner Geisteskräfte sein.
Die Hände über dem Kopf, wird Jesus nun auf den Pfahl gelegt. Die Soldaten schlagen dann lange Nägel durch seine Hände und Füße. Jesus windet sich vor Schmerzen, als die Nägel durch Fleisch und Sehnen dringen. Unerträglich sind die Schmerzen beim Aufrichten des Pfahls, weil das Gewicht des Körpers an den Nagelwunden zerrt. Doch statt zu drohen, betet Jesus für die römischen Soldaten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Pilatus hat an Jesu Pfahl ein Schild anbringen lassen mit der Inschrift: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“. Das hat er offensichtlich nicht nur aus Respekt vor Jesus geschrieben, sondern auch aus Abscheu vor den jüdischen Priestern, die ihm Jesu Todesurteil abgerungen haben. Damit alle das Schild lesen können, hat Pilatus es in drei Sprachen verfaßt — in Hebräisch, im offiziellen Latein und in der griechischen Gemeinsprache.
Die Oberpriester, Kaiphas und Annas eingeschlossen, sind entsetzt. Diese positive Proklamation verdirbt ihnen die Stunde des Triumphs. Daher protestieren sie: „Schreibe nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern daß er gesagt hat: ‚Ich bin König der Juden.‘ “ Verärgert darüber, daß er von den Priestern für deren Zwecke mißbraucht worden ist, antwortet Pilatus mit abgrundtiefer Verachtung: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“
Die Priester versammeln sich nun mit einer großen Volksmenge an der Hinrichtungsstätte, und sie versuchen, das Zeugnis des Schildes zu bestreiten. Sie wiederholen das falsche Zeugnis, das bereits in den Verhandlungen vor dem Sanhedrin vorgebracht wurde. Es überrascht demnach nicht, daß Passanten lästerlich zu reden beginnen, spöttisch den Kopf schütteln und sagen: „Oh, der du den Tempel niederreißen und ihn in drei Tagen aufbauen wolltest, rette dich selbst! Wenn du ein Sohn Gottes bist, so steige vom Marterpfahl herab!“
„Andere hat er gerettet; sich selbst kann er nicht retten!“ pflichten die Oberpriester und ihre geistlichen Kumpane bei. „Er ist König von Israel; er steige nun vom Marterpfahl herab, und wir wollen an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut; ER befreie ihn nun, wenn ER ihn haben will, denn er sagte: ‚Ich bin Gottes Sohn.‘ “
Die Soldaten lassen sich von diesem Geist anstecken und machen sich ebenfalls über Jesus lustig. Höhnisch bieten sie ihm sauren Wein an, den sie ihm aber offensichtlich nur vor die ausgetrockneten Lippen halten. „Wenn du der König der Juden bist“, spotten sie, „rette dich selbst.“ Sogar die beiden Räuber, die zur Rechten und zur Linken Jesu an den Pfahl gebracht wurden, verhöhnen ihn. Man stelle sich das einmal vor! Der größte Mensch, der je lebte, ja derjenige, der gemeinsam mit Jehova Gott alle Dinge erschaffen hat, erträgt entschlossen alle diese Beleidigungen!
Die Soldaten nehmen die äußeren Kleider Jesu und machen daraus vier Teile. Sie werfen Lose, um zu entscheiden, wer welches Teil erhält. Das innere Gewand ist jedoch ohne Naht, also von höchster Qualität. Daher sagen die Soldaten zueinander: „Laßt es uns nicht zerreißen, sondern laßt uns durch das Los darüber bestimmen, wem es gehören soll.“ Unwissentlich erfüllen sie dadurch das Schriftwort: „Sie verteilten meine äußeren Kleider unter sich, und über mein Gewand warfen sie Lose.“
Nach einiger Zeit wird einem der Räuber bewußt, daß Jesus tatsächlich ein König sein muß. Er tadelt deshalb seinen Gefährten mit den Worten: „Fürchtest du Gott denn gar nicht, jetzt, da du im gleichen Gericht bist? Und wir allerdings gerechterweise, denn wir empfangen völlig das, was wir für unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Ungehöriges getan.“ Dann wendet er sich an Jesus mit der Bitte: „Gedenke meiner, wenn du in dein Königreich kommst.“
„Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“, antwortet Jesus. Diese Verheißung wird sich erfüllen, wenn Jesus im Himmel als König regiert und den reumütigen Übeltäter zum Leben auf der Erde im Paradies auferweckt — das Paradies, das zu bebauen die Überlebenden von Harmagedon und ihre Gefährten bevorrechtet sein werden. Matthäus 27:33-44; Markus 15:22-32; Lukas 23:27, 32-43; Johannes 19:17-24.
▪ Warum weigert sich Jesus, den mit Myrrhe gewürzten Wein zu trinken?
▪ Wahrscheinlich aus welchem Grund wird ein Schild an Jesu Pfahl angebracht, und welchen Wortwechsel zwischen Pilatus und den Oberpriestern verursacht es?
▪ Welche weiteren Beleidigungen muß Jesus am Pfahl über sich ergehen lassen, und wodurch werden sie offensichtlich ausgelöst?
▪ Inwiefern wird durch das, was mit den Kleidern Jesu geschieht, eine Prophezeiung erfüllt?
▪ Welche Veränderung geht in einem der Räuber vor sich, und wie wird Jesus dessen Bitte erfüllen?
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„Bestimmt war dieser Gottes Sohn“Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 126
„Bestimmt war dieser Gottes Sohn“
JESUS hängt noch nicht lange am Pfahl, als gegen Mittag eine unerklärliche, drei Stunden dauernde Dunkelheit eintritt. Eine Sonnenfinsternis kann es nicht sein, da eine solche nur bei Neumond möglich ist. Aber zur Passahzeit ist Vollmond. Sonnenfinsternisse dauern außerdem nur wenige Minuten. Diese Finsternis ist somit göttlichen Ursprungs. Möglicherweise bringt sie diejenigen, die Jesus verhöhnen, zum Nachdenken und macht ihrem Spott ein Ende.
Falls das unheimliche Geschehnis eingetreten ist, bevor einer der Übeltäter seinen Genossen scharf zurechtwies und Jesus bat, seiner zu gedenken, könnten die Vorgänge zu seiner Reue beigetragen haben. Dem Marterpfahl nähern sich — vielleicht während der Finsternis — vier Frauen, nämlich Jesu Mutter und ihre Schwester Salome, Maria Magdalene sowie Maria, die Mutter des Apostels Jakobus des Geringeren. Johannes, der geliebte Apostel Jesu, ist bei ihnen.
Wie das Herz der Mutter Jesu gleichsam ‘von einem Schwert durchdrungen’ wird, als sie den Sohn, den sie genährt und aufgezogen hat, von Qualen gepeinigt dort hängen sieht! Doch Jesus denkt weniger an seine Schmerzen als an ihr Wohl. Unter großen Anstrengungen deutet er mit dem Kopf auf Johannes und sagt zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Und dann, auf Maria deutend, zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!“
Auf diese Weise beauftragt Jesus den Apostel, den er besonders liebt, sich um seine Mutter zu kümmern, die mittlerweile offenbar verwitwet ist. Er tut dies, weil die anderen Söhne Marias bis jetzt noch nicht an ihn glauben. Wirklich ein vorzügliches Beispiel, da er nicht nur für die physischen, sondern auch für die geistigen Bedürfnisse seiner Mutter sorgt.
Gegen drei Uhr nachmittags sagt Jesus: „Mich dürstet.“ Jesus spürt, daß sein Vater sozusagen seinen Schutz von ihm zurückgezogen hat, damit seine Lauterkeit bis zum Äußersten geprüft werden kann. Daher ruft er mit lauter Stimme aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einige der Dabeistehenden sagen daraufhin: „Seht! Er ruft den Elia.“ Sofort läuft einer von ihnen hin, steckt einen in sauren Wein getauchten Schwamm an einen Ysopstengel und gibt ihm zu trinken. Andere sagen jedoch: „Laßt ihn! Wir wollen sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzunehmen.“
Nachdem Jesus den sauren Wein empfangen hat, ruft er aus: „Es ist vollbracht!“ Ja, er hat alles ausgeführt, wozu ihn sein Vater auf die Erde gesandt hat. Seine letzten Worte sind: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an.“ Jesus übergibt Gott damit seine Lebenskraft in dem Vertrauen, daß dieser sie ihm wiedergeben wird. Dann neigt er seinen Kopf und stirbt.
Als Jesus seinen letzten Atemzug tut, ereignet sich ein schweres Erdbeben, das die Felsen spaltet. Das Erdbeben ist so stark, daß die außerhalb Jerusalems liegenden Gedächtnisgrüfte aufgebrochen und die Leichname herausgeschleudert werden. Vorbeigehende, die die freigelegten Toten sehen, gehen in die Stadt und berichten davon.
Außerdem wird in dem Augenblick, wo Jesus stirbt, der Vorhang, der in Gottes Tempel das Heilige vom Allerheiligsten trennt, von oben bis unten entzweigerissen. Dieser schön bestickte Vorhang soll 18 Meter lang und sehr schwer gewesen sein. Das erstaunliche Wunder offenbart nicht nur Gottes Zorn über die Mörder seines Sohnes, sondern zeigt auch, daß durch Jesu Tod jetzt der Eingang in das Allerheiligste, den Himmel selbst, möglich geworden ist.
Als die Menschen das Erdbeben spüren und Zeugen der Geschehnisse werden, geraten sie in große Furcht. Der für die Hinrichtung zuständige Offizier gibt Gott die Ehre. „Bestimmt war dieser Gottes Sohn“, verkündet er. Wahrscheinlich war er zugegen, als bei der Verhandlung vor Pilatus die Frage, ob Jesus Gottes Sohn sei, zur Sprache kam. Und nun ist er überzeugt, daß Jesus der Sohn Gottes war, ja tatsächlich der größte Mensch, der je lebte.
Auch andere sind von den außergewöhnlichen Ereignissen überwältigt, und als sie sich auf den Heimweg machen, schlagen sie sich an die Brust als Zeichen dafür, daß sie zutiefst betrübt und beschämt sind. Viele Frauen, die Jünger Jesu sind, beobachten das Geschehen aus einiger Entfernung, und sie sind tief bewegt von diesen bedeutsamen Ereignissen. Der Apostel Johannes ist ebenfalls dort. Matthäus 27:45-56; Markus 15:33-41; Lukas 23:44-49; 2:34, 35; Johannes 19:25-30.
▪ Warum kann die dreistündige Dunkelheit nicht durch eine Sonnenfinsternis hervorgerufen worden sein?
▪ Welches vortreffliche Beispiel gibt Jesus kurz vor seinem Tod denjenigen, die betagte Eltern haben?
▪ Wie lauten die letzten vier Äußerungen Jesu, bevor er stirbt?
▪ Was bewirkt das Erdbeben, und was bedeutet es, daß der Vorhang des Tempels entzweigerissen wird?
▪ Wozu fühlt sich der für die Hinrichtung zuständige Offizier durch die Wunder bewogen?
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Am Freitag bestattet — am Sonntag ein leeres GrabDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 127
Am Freitag bestattet — am Sonntag ein leeres Grab
AN DIESEM Freitag ist es inzwischen später Nachmittag geworden, und der bei Sonnenuntergang beginnende 15. Nisan ist ein Sabbat. Jesu Leichnam hängt schlaff am Pfahl; die beiden Räuber neben ihm leben dagegen noch. Der Freitag wird Vorbereitungstag genannt, da man dann die Mahlzeiten vorbereitet und andere dringende Arbeiten erledigt, die nicht bis nach dem Sabbat verschoben werden können.
Der bald beginnende Sabbat ist kein gewöhnlicher Sabbat (der siebte Tag der Woche), sondern ein doppelter oder „großer“ Sabbat. Er wird so genannt, weil der 15. Nisan, der erste Tag des siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote (und dieser ist immer ein Sabbat, ungeachtet auf welchen Wochentag er fällt), auf denselben Tag fällt wie der reguläre Sabbat.
Gemäß Gottes Gesetz dürfen Leiber nicht über Nacht am Pfahl hängen gelassen werden. Deshalb bitten die Juden Pilatus, den Tod der Delinquenten dadurch zu beschleunigen, daß man ihnen die Beine bricht. Die Soldaten tun dies daher bei den beiden Räubern. Da Jesus offensichtlich schon tot ist, werden ihm die Beine nicht gebrochen. So erfüllt sich das Schriftwort: „Kein Knochen von ihm wird zermalmt werden.“
Um allerdings jeden Zweifel auszuräumen, daß Jesus wirklich tot ist, stößt ihm einer der Soldaten einen Speer in die Seite. Der Speer dringt bis in die Herzgegend ein, und sofort kommt Blut und Wasser heraus. Der Apostel Johannes, der Augenzeuge davon ist, berichtet, daß sich dadurch eine weitere Schriftstelle erfüllt: „Sie werden auf DEN schauen, den sie durchstochen haben.“
Die Hinrichtung beobachtet auch Joseph aus der Stadt Arimathia, ein geachtetes Mitglied des Sanhedrins. Er hatte dem ungerechten Vorgehen des obersten Gerichts gegen Jesus nicht zugestimmt. Joseph ist tatsächlich ein Jünger Jesu, obwohl er sich aus Furcht bisher noch nicht als solcher zu erkennen gegeben hat. Jetzt faßt er jedoch Mut, geht zu Pilatus und bittet ihn um den Leib Jesu. Pilatus läßt den verantwortlichen Offizier rufen, und nachdem dieser bestätigt hat, daß Jesus tot ist, überläßt Pilatus Joseph den Leib.
Joseph nimmt den Leichnam und wickelt ihn zur Vorbereitung auf das Begräbnis in reine, feine Leinwand. Nikodemus, ein anderes Mitglied des Sanhedrins, hilft ihm dabei. Auch Nikodemus hat bisher noch nicht bekannt, daß er an Jesus glaubt, weil er befürchtete, seine Stellung zu verlieren. Doch nun bringt er eine Rolle, die etwa hundert römische Pfund (33 kg) Myrrhe und kostbare Aloe enthält. Jesu Leib wird mit Binden, zwischen die diese Gewürze gelegt werden, gebunden, so wie es bei den Juden Sitte ist, einen Leichnam für das Begräbnis vorzubereiten.
Der Leib wird dann in Josephs neue Gedächtnisgruft gelegt, die in einem nahen Garten in den Fels gehauen war. Vor das Grab rollt man schließlich einen großen Stein. Um das Begräbnis vor Beginn des Sabbats zu vollenden, erfolgt die Vorbereitung des Leichnams in großer Hast. Daher eilen Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus des Geringeren, die möglicherweise bei der Vorbereitung geholfen haben, nach Hause, um weitere Gewürze und wohlriechende Öle zu bereiten. Nach dem Sabbat wollen sie Jesu Leib weiter behandeln, damit dieser länger erhalten bleibt.
Am nächsten Tag, dem Samstag (oder Sabbat), gehen die Oberpriester und die Pharisäer zu Pilatus und sagen: „Herr, wir haben uns daran erinnert, daß jener Betrüger, als er noch lebte, gesagt hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferweckt werden.‘ Daher gebiete, daß das Grab bis zum dritten Tag gesichert werde, damit nicht etwa seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: ‚Er ist von den Toten auferweckt worden!‘ und dieser letzte Betrug schlimmer werde als der erste.“
„Ihr habt eine Wache“, erwidert Pilatus. „Geht und sichert es so, wie ihr es versteht.“ Da gehen sie hin und sichern das Grab, indem sie den Stein versiegeln und römische Soldaten als Wache aufstellen.
Früh am Sonntagmorgen bringen Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus, zusammen mit Salome, Johanna und anderen Frauen Gewürze zum Grab, um damit Jesu Leib zu behandeln. Unterwegs sagen sie zueinander: „Wer wird uns den Stein von der Türöffnung der Gedächtnisgruft wegwälzen?“ Doch bei ihrer Ankunft stellen sie fest, daß sich ein Erdbeben ereignet hat und daß Jehovas Engel den Stein weggerollt hat. Die Wache ist fort, und das Grab ist leer! Matthäus 27:57 bis 28:2; Markus 15:42 bis 16:4; Lukas 23:50 bis 24:3, 10; Johannes 19:14, 31-42; 20:1; 12:42; 3. Mose 23:5-7; 5. Mose 21:22, 23; Psalm 34:20; Sacharja 12:10.
▪ Warum wird der Freitag Vorbereitungstag genannt, und was ist ein „großer“ Sabbat?
▪ Welche Schriftworte erfüllen sich in Verbindung mit Jesu Leib?
▪ Was haben Joseph und Nikodemus mit dem Begräbnis Jesu zu tun, und welches Verhältnis haben sie zu Jesus?
▪ Was erbitten die Priester von Pilatus, und wie reagiert er darauf?
▪ Was geschieht am frühen Sonntagmorgen?
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Jesus lebt!Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 128
Jesus lebt!
ALS die Frauen Jesu Grab leer vorfinden, läuft Maria Magdalene los, um es Petrus und Johannes zu erzählen. Die anderen Frauen bleiben offensichtlich am Grab. Bald darauf erscheint ein Engel und fordert sie auf, in die Gedächtnisgruft hineinzugehen.
Drinnen sehen die Frauen einen weiteren Engel, und einer der beiden sagt zu ihnen: „Fürchtet ihr euch nicht, denn ich weiß, daß ihr Jesus sucht, der an den Pfahl gebracht wurde. Er ist nicht hier, denn er ist auferweckt worden, wie er es gesagt hat. Kommt, seht den Ort, wo er gelegen hat. Und geht eilends und sagt seinen Jüngern, daß er von den Toten auferweckt worden ist.“ Mit Furcht und großer Freude eilen auch diese Frauen davon.
Inzwischen hat Maria Petrus und Johannes gefunden, und sie berichtet ihnen: „Sie haben den Herrn aus der Gedächtnisgruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Sofort laufen die beiden Apostel los. Johannes ist schneller — weil er offenbar jünger ist — und erreicht als erster das Grab. Die Frauen sind mittlerweile fort, so daß niemand sonst da ist. Johannes bückt sich nach vorn und schaut in die Gruft hinein, wo er die Binden liegen sieht, aber er bleibt draußen.
Petrus geht dagegen nach seinem Eintreffen ohne Zögern hinein. Er sieht die Binden daliegen und auch das Tuch, das um Jesu Kopf gebunden war. Es liegt an einer Stelle für sich zusammengerollt. Johannes betritt jetzt ebenfalls die Gruft, und nun glaubt er dem Bericht Marias. Doch weder Petrus noch Johannes begreifen, daß Jesus auferweckt worden ist, obwohl er ihnen das oft genug gesagt hat. Verwirrt gehen beide nach Hause; Maria, die zum Grab zurückgekommen ist, bleibt dagegen dort.
Unterdessen eilen die anderen Frauen zu den Jüngern, um ihnen zu sagen, daß Jesus auferweckt worden ist, wie ihnen von den Engeln geboten wurde. Während sie so schnell laufen, wie sie können, begegnet ihnen Jesus und sagt: „Guten Tag! “ Sie fallen ihm zu Füßen und huldigen ihm. Dann fordert Jesus sie auf: „Fürchtet euch nicht! Geht, berichtet meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa fortgehen sollen; und dort werden sie mich sehen.“
Zuvor, als sich das Erdbeben ereignet hatte und die Engel erschienen waren, waren die Wächter wie betäubt gewesen, wie Tote. Nachdem sie wieder zu sich gekommen waren, hatten sie sich sofort in die Stadt begeben und den Oberpriestern berichtet, was geschehen war. Als diese mit den „älteren Männern“ der Juden Rat gehalten hatten, wurde beschlossen, die Sache möglichst zu vertuschen, indem man die Soldaten besticht. Sie wurden angewiesen: „Sagt: ‚Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen.‘ “
Da römische Soldaten, die auf dem Posten einschlafen, mit dem Tod bestraft werden können, versprachen die Priester: „Wenn dies [der Bericht, daß sie eingeschlafen waren] dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn bereden und veranlassen, daß ihr ohne Sorge sein könnt.“ Das Bestechungsgeschenk war ausreichend bemessen, deshalb taten die Soldaten so, wie ihnen geboten worden war. Aufgrund dessen verbreitete sich der unwahre Bericht über den Diebstahl des Leibes Jesu überall unter den Juden.
Maria Magdalene, die am Grab geblieben ist, wird von Trauer überwältigt. Wo mag Jesus wohl sein? Als sie sich nach vorn bückt, um in die Gruft hineinzublicken, sieht sie die beiden weißgekleideten Engel dasitzen, die zurückgekehrt sind. Der eine sitzt beim Kopf und der andere bei den Füßen der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hat. „Frau, warum weinst du?“ fragen sie.
„Sie haben meinen Herrn weggenommen“, antwortet Maria, „und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Dann dreht sie sich um, und vor ihr steht jemand, der ihr ebenfalls die Frage stellt: „Frau, warum weinst du?“ Und der Betreffende fragt weiter: „Wen suchst du?“
Da sie den Mann für den Gärtner hält, der für den Garten und das Grab darin zuständig ist, sagt sie zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, so sage mir, wohin du ihn gelegt hast, und ich will ihn wegnehmen.“
„Maria!“ sagt der Mann daraufhin. Aufgrund der vertrauten Art, mit der er zu ihr spricht, wird ihr sofort bewußt, daß es Jesus ist. „Rabbuni!“ (was „Lehrer“ bedeutet) ruft sie aus. Und in grenzenloser Freude hält sie ihn fest. Doch Jesus fordert sie auf: „Hör auf, dich an mich zu klammern. Denn ich bin noch nicht zum Vater aufgefahren. Geh jedoch zu meinen Brüdern hin, und sag ihnen: ‚Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott.‘ “
Maria läuft nun dorthin, wo sich die Apostel und andere Jünger versammelt haben. Sie fügt ihren Bericht dem der anderen Frauen hinzu, die den auferstandenen Jesus ebenfalls gesehen haben. Die Männer, die schon den ersten Frauen nicht glaubten, wollen aber offensichtlich auch Maria nicht glauben. Matthäus 28:3-15; Markus 16:5-8; Lukas 24:4-12; Johannes 20:2-18.
▪ Was tut Maria Magdalene, als sie das Grab leer vorfindet, und was erleben die anderen Frauen?
▪ Wie verhalten sich Petrus und Johannes angesichts des leeren Grabes?
▪ Was erleben die anderen Frauen, als sie unterwegs sind, um den Jüngern von der Auferstehung Jesu zu berichten?
▪ Was war mit den Wächtern geschehen, und wie reagierte man auf das, was sie den Priestern berichten?
▪ Was geschieht, als Maria Magdalene allein am Grab ist, und wie nehmen die Jünger die Berichte der Frauen auf?
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Jesus erscheint bei weiteren GelegenheitenDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 129
Jesus erscheint bei weiteren Gelegenheiten
DIE Jünger sind immer noch mutlos. Weder verstehen sie, was das leere Grab zu bedeuten hat, noch glauben sie den Berichten der Frauen. So machen sich im weiteren Verlauf des Sonntags Kleopas und ein anderer Jünger auf den etwa 11 Kilometer langen Weg von Jerusalem nach Emmaus.
Während sie sich unterwegs über die Ereignisse des Tages unterhalten, schließt sich ihnen ein Fremder an. „Was sind das für Reden, die ihr auf der Wanderung miteinander wechselt?“ fragt er.
Die Jünger bleiben traurigen Angesichts stehen, und Kleopas antwortet: „Wohnst du als Fremdling für dich allein in Jerusalem und weißt deshalb nicht, welche Dinge in diesen Tagen dort geschehen sind?“ „Was für Dinge?“ fragt der Mann.
„Die Dinge in bezug auf Jesus, den Nazarener“, antworten sie. „Wie ihn unsere Oberpriester und Vorsteher zum Todesurteil überlieferten und ihn an den Pfahl brachten. Wir aber hofften, daß dieser der sei, der dazu bestimmt ist, Israel zu befreien.“
Kleopas und sein Begleiter erzählen ihm die erstaunlichen Ereignisse des Tages — sie erzählen ihm von dem Bericht über die übernatürliche Erscheinung von Engeln und über das leere Grab —, aber sie geben auch zu, daß sie nicht wissen, was diese Dinge zu bedeuten haben. Der Fremde rügt sie: „O ihr Unverständigen und die ihr langsamen Herzens seid, an alle Dinge zu glauben, die die Propheten geredet haben! Mußte nicht der Christus diese Dinge leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Dann legt er ihnen Passagen aus der Heiligen Schrift aus, die den Christus betreffen.
Schließlich kommen sie in die Nähe von Emmaus, und der Fremde tut so, als gehe er weiter. Die Jünger möchten jedoch mehr hören und bitten: „Bleib bei uns, denn es geht gegen Abend hin, und der Tag hat sich schon geneigt.“ Daher geht er mit ihnen, um etwas zu essen. Als er betet, das Brot bricht und es ihnen reicht, erkennen sie, daß es in Wirklichkeit Jesus ist, der einen menschlichen Körper angenommen hat. Doch dann verschwindet er.
Jetzt begreifen sie, wieso der Fremde so viel wußte! „Brannte nicht unser Herz“, sagen sie zueinander, „als er auf dem Weg zu uns redete, als er uns die Schriften völlig erschloß?“ Unverzüglich machen sie sich auf den Weg und eilen nach Jerusalem zurück, wo sie die Apostel und die bei ihnen Versammelten finden. Bevor Kleopas und sein Gefährte etwas sagen können, berichten die anderen voller Begeisterung: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden, und er ist Simon erschienen!“ Nun erzählen die beiden, daß auch sie Jesus gesehen haben. Somit hat sich Jesus im Verlauf dieses Tages viermal verschiedenen Jüngern gezeigt.
Plötzlich erscheint Jesus ein fünftes Mal. Obwohl die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen haben, steht er direkt in ihrer Mitte und begrüßt sie: „Friede sei mit euch!“ Sie sind ganz erschrocken, da sie meinen, einen Geist zu sehen. Deshalb sagt Jesus, um zu zeigen, daß er keine Erscheinung ist: „Warum seid ihr beunruhigt, und warum steigen Zweifel in eurem Herzen auf? Seht meine Hände und meine Füße, daß ich selbst es bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß ich habe.“ Sie zögern aber immer noch zu glauben.
Um ihnen begreiflich zu machen, daß er tatsächlich Jesus ist, fragt er: „Habt ihr etwas zu essen da?“ Nachdem er ein Stück gebratenen Fisch genommen und gegessen hat, beginnt er sie zu lehren, indem er sagt: „Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich [vor meinem Tod] noch bei euch war, daß sich alles, was im Gesetz Mose und in den PROPHETEN und Psalmen über mich geschrieben steht, erfüllen muß.“
Jesu Erläuterungen laufen auf ein regelrechtes Bibelstudium mit ihnen hinaus, und er erklärt ihnen: „So steht es geschrieben, daß der Christus leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen werde, und aufgrund seines Namens würde in allen Nationen Reue zur Vergebung der Sünden gepredigt werden — angefangen von Jerusalem, sollt ihr Zeugen von diesen Dingen sein.“
Thomas fehlt aus irgendeinem Grund bei dieser wichtigen Zusammenkunft am Sonntag abend. Daher berichten ihm später die anderen voller Freude: „Wir haben den Herrn gesehen!“
„Wenn ich nicht in seinen Händen die Spur der Nägel sehe“, wendet Thomas ein, „und meinen Finger in die Spur der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, will ich es bestimmt nicht glauben.“
Nun, acht Tage später treffen sich die Jünger wieder. Diesmal ist Thomas unter ihnen. Obwohl die Türen verschlossen sind, tritt Jesus in ihre Mitte und sagt: „Friede sei mit euch!“ Darauf wendet er sich Thomas zu und fordert ihn auf: „Reich deinen Finger her, und sieh meine Hände, und nimm deine Hand, und leg sie in meine Seite, und sei nicht länger ungläubig, sondern werde gläubig.“
„Mein Herr und mein Gott!“ ruft Thomas aus.
„Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt?“ fragt Jesus. „Glücklich sind die, die nicht sehen und doch glauben.“ Lukas 24:11, 13-48; Johannes 20:19-29.
▪ Was fragt der Fremde die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus?
▪ Zufolge welcher Äußerungen des Fremden brennt das Herz der Jünger?
▪ Woran erkennen die Jünger, daß der Fremde Jesus ist?
▪ Welchen wunderbaren Bericht hören Kleopas und sein Begleiter, als sie nach Jerusalem zurückgekehrt sind?
▪ Wann erscheint Jesus seinen Jüngern zum fünftenmal, und was geschieht in Verbindung damit?
▪ Was geschieht acht Tage später, und wie wird Thomas schließlich überzeugt, daß Jesus lebt?
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Am Galiläischen MeerDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 130
Am Galiläischen Meer
DIE Apostel kehren nun nach Galiläa zurück, wie Jesus ihnen zuvor geboten hat. Sie wissen jedoch nicht so recht, was sie dort tun sollen. Nach einiger Zeit sagt Petrus zu Thomas, Nathanael, Jakobus und dessen Bruder Johannes sowie zu zwei weiteren Aposteln: „Ich gehe fischen.“
„Wir kommen auch mit dir“, antworten die sechs.
Während der ganzen Nacht fangen sie nichts. Als es hell wird, steht Jesus am Strand, aber die Apostel erkennen nicht, daß es Jesus ist. Er fragt: „Kindlein, habt ihr nichts zu essen?“
„Nein!“ rufen sie über das Wasser zurück.
„Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet welche finden“, sagt er. Und als sie das tun, können sie das Netz wegen der vielen Fische nicht wieder einziehen.
„Es ist der Herr!“ schreit Johannes.
Petrus gürtet sein Oberkleid wieder um, das er zuvor abgelegt hat, wirft sich ins Meer und schwimmt die etwa 90 Meter ans Ufer. Die anderen Apostel folgen in dem kleinen Boot und schleppen das Netz voller Fische nach.
Als sie an Land kommen, ist dort ein Kohlenfeuer und Fisch darauf und Brot. „Bringt einige von den Fischen, die ihr soeben gefangen habt“, sagt Jesus. Petrus geht an Bord und zieht das Netz ans Land. Es enthält 153 große Fische!
„Kommt her, frühstückt“, lädt Jesus sie ein.
Keiner hat den Mut, ihn zu fragen: „Wer bist du?“, denn sie wissen, daß es Jesus ist. Er erscheint damit seit seiner Auferstehung zum siebten Mal — den Aposteln als Gruppe zum dritten Mal. Er gibt ihnen jetzt das Frühstück, indem er jedem von ihnen Brot und Fisch reicht.
Als sie gegessen haben, stellt Jesus, wobei er möglicherweise auf den großen Fischfang blickt, Petrus die Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Zweifellos meint er damit: „Hängst du mehr an der Fischerei als an dem Werk, auf das ich dich vorbereitet habe?“
„Du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe“, antwortet Petrus.
„Weide meine Lämmer“, sagt Jesus darauf.
Und wieder, zum zweiten Mal, fragt er: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“
„Ja, Herr, du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe“, erwidert Petrus ernst.
„Hüte meine Schäflein“, gebietet Jesus wiederum.
Und dann fragt er zum dritten Mal: „Simon, Sohn des Johannes, hast du Zuneigung zu mir?“
Petrus ist betrübt. Er fragt sich wahrscheinlich, ob Jesus seine Loyalität anzweifelt. Immerhin hat Petrus unlängst, als es vor Gericht um Jesu Leben ging, dreimal geleugnet, ihn zu kennen. Daher sagt Petrus: „Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich Zuneigung zu dir habe.“
„Weide meine Schäflein“, trägt Jesus ihm ein drittes Mal auf.
Er gebraucht Petrus, um den anderen einzuprägen, welche Tätigkeit er von ihnen erwartet. Er wird die Erde bald verlassen, und er möchte, daß sie für diejenigen sorgen, die zu Gottes Schafhürde hingezogen werden, ja daß sie in diesem Werk die Führung übernehmen.
Jesus wurde gebunden und hingerichtet, weil er das Werk verrichtete, das Gott ihm aufgetragen hatte. Ähnlich wird es auch Petrus ergehen, wie Jesus ihm offenbart: „Als du jünger warst, pflegtest du dich selbst zu gürten und umherzugehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich hintragen, wohin du nicht wünschst.“ Trotz des Märtyrertodes, der Petrus erwartet, fordert Jesus ihn auf: „Folge mir nach.“
Als Petrus sich umwendet, sieht er Johannes und fragt: „Herr, was wird dieser tun?“
„Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme“, antwortet Jesus, „was geht das dich an? Folge du mir nach.“
Diese Worte Jesu werden von vielen Jüngern so verstanden, daß der Apostel Johannes nie sterben werde. Doch wie der Apostel Johannes später erklärte, sagte Jesus nicht, daß er nicht sterben werde, sondern er sagte einfach: „Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme, was geht das dich an?“
Später macht Johannes folgende bedeutsame Bemerkung: „Es gibt tatsächlich noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese jemals bis in alle Einzelheiten aufgeschrieben würden, so könnte — denke ich — selbst die Welt die geschriebenen Buchrollen nicht fassen.“ Johannes 21:1-25; Matthäus 26:32; 28:7, 10.
▪ Was zeigt, daß die Jünger nicht recht wissen, was sie in Galiläa tun sollen?
▪ Wie erkennen die Apostel Jesus am Galiläischen Meer?
▪ Wie viele Male ist Jesus nun seit seiner Auferstehung erschienen?
▪ Wie betont Jesus das, was er von seinen Aposteln getan haben will?
▪ Wie deutet Jesus an, auf welche Weise Petrus sterben wird?
▪ Welche Äußerung Jesu über Johannes wird von vielen mißverstanden?
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Letztes Erscheinen und Pfingsten 33 u. Z.Der größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 131
Letztes Erscheinen und Pfingsten 33 u. Z.
BEI einer Gelegenheit verabredet sich Jesus mit allen seinen 11 Aposteln auf einem Berg in Galiläa. Andere Jünger erfahren offensichtlich von der Zusammenkunft, so daß über 500 Personen kommen. Welch ein glückliches Beisammensein daraus wird, als Jesus erscheint und sie zu lehren beginnt!
Unter anderem erklärt Jesus der großen Volksmenge, daß Gott ihm alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben hat. „Geht daher hin“, sagt er, „und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“
Das muß man sich einmal vorstellen! Alle — Männer, Frauen und Kinder — erhalten denselben Auftrag, nämlich sich am Werk des Jüngermachens zu beteiligen. Gegner würden versuchen, ihrem Predigen und Lehren ein Ende zu machen, aber Jesus tröstet sie: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Systems der Dinge.“ Jesus bleibt durch den heiligen Geist bei seinen Nachfolgern; dieser soll ihnen helfen, ihren Dienst durchzuführen.
Nach seiner Auferstehung zeigt sich Jesus seinen Jüngern über einen Zeitraum von 40 Tagen als lebend. Wenn er erscheint, unterweist er sie über das Königreich Gottes, und er hebt die Verantwortung hervor, die sie als seine Jünger haben. Einmal erscheint er sogar seinem Halbbruder Jakobus und überzeugt diesen einst Ungläubigen, daß er tatsächlich der Christus ist.
Während die Apostel noch in Galiläa sind, weist Jesus sie offensichtlich an, nach Jerusalem zurückzukehren. Als er dort mit ihnen zusammentrifft, sagt er zu ihnen: „Entfernt euch nicht von Jerusalem, sondern wartet weiterhin auf das, was der Vater verheißen hat, worüber ihr von mir hörtet; denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet nicht viele Tage nach diesem in heiligem Geist getauft werden.“
Später kommt Jesus wieder mit seinen Aposteln zusammen und führt sie aus der Stadt hinaus nach Bethanien, das am Osthang des Ölberges liegt. Trotz allem, was er über seinen baldigen Weggang in den Himmel gesagt hat, glauben sie erstaunlicherweise immer noch, daß sein Königreich auf der Erde aufgerichtet wird. Daher fragen sie: „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Königreich wieder her?“
Statt zu versuchen, ihre falschen Vorstellungen zu korrigieren, antwortet Jesus einfach: „Es ist nicht eure Sache, über die Zeiten oder Zeitabschnitte Kenntnis zu erlangen, die der Vater in seine eigene Rechtsgewalt gesetzt hat.“ Danach legt er erneut Nachdruck auf das Werk, das sie zu tun haben, indem er sagt: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet Zeugen von mir sein sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde.“
Vor ihren Augen wird Jesus nun himmelwärts emporgehoben, und dann entschwindet er in einer Wolke ihren Blicken. Nachdem er seinen Fleischesleib abgelegt hat, fährt er als Geistperson in den Himmel auf. Als die Elf weiterhin unverwandt zum Himmel schauen, erscheinen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern. Diese materialisierten Engel fragen: „Männer von Galiläa, warum steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, in derselben Weise, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen.“
Jesus hat gerade ohne großes Aufsehen die Erde verlassen; seine treuen Nachfolger waren die einzigen Beobachter. Er wird somit in derselben Weise zurückkehren — ohne großes Aufsehen, und nur seine treuen Nachfolger werden erkennen, daß er zurückgekehrt ist und daß seine Gegenwart in Königreichsmacht begonnen hat.
Die Apostel steigen nun vom Ölberg hinab, durchqueren das Kidrontal und gehen wieder nach Jerusalem hinein. Jesu Gebot gehorchend, bleiben sie dort. Zehn Tage später, als sich während des jüdischen Pfingstfestes in jenem Jahr, 33 u. Z., etwa 120 Jünger in Jerusalem in einem Obergemach versammeln, erfüllt plötzlich ein Geräusch wie das einer dahinstürmenden starken Brise das ganze Haus. Zungen wie von Feuer werden ihnen sichtbar und setzen sich auf jeden der Anwesenden, und die Jünger beginnen alle, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Das ist die von Jesus verheißene Ausgießung des heiligen Geistes. Matthäus 28:16-20; Lukas 24:49-52; 1. Korinther 15:5-7; Apostelgeschichte 1:3-15; 2:1-4.
▪ Wem gibt Jesus auf einem Berg in Galiläa letzte Anweisungen, und wie lauten diese?
▪ Welchen Trost gibt Jesus seinen Jüngern, und inwiefern wird er bei ihnen sein?
▪ In welchem Zeitraum nach seiner Auferstehung erscheint Jesus seinen Jüngern, und was lehrt er sie?
▪ Welcher Person, die offensichtlich vor Jesu Tod noch kein Jünger war, erscheint Jesus?
▪ Welche zwei abschließenden Zusammenkünfte hat Jesus mit seinen Aposteln, und was geschieht bei diesen Gelegenheiten?
▪ Inwiefern wird Jesus in derselben Weise zurückkehren, wie er gegangen ist?
▪ Was geschieht zu Pfingsten 33 u. Z.?
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Zur Rechten GottesDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 132
Zur Rechten Gottes
DIE Ausgießung des heiligen Geistes zu Pfingsten deutet darauf hin, daß Jesus in den Himmel zurückgekehrt ist. Auch die Vision, die kurz danach dem Jünger Stephanus gewährt wird, beweist das. Unmittelbar bevor Stephanus wegen seines treuen Zeugnisgebens gesteinigt wird, ruft er aus: „Siehe! Ich sehe die Himmel aufgetan und den Menschensohn, zur Rechten Gottes stehend.“
Jesus befindet sich zur Rechten Gottes und erwartet den Befehl seines Vaters: „Schreite zur Unterwerfung inmitten deiner Feinde.“ Aber was tut er bis zu der Zeit, wo er gegen seine Feinde vorgehen wird? Er regiert oder herrscht über seine gesalbten Jünger, indem er sie in ihrer Predigttätigkeit leitet und sie darauf vorbereitet, durch die Auferstehung Mitkönige mit ihm im Königreich seines Vaters zu werden.
Zum Beispiel wählt Jesus Saulus (später besser bekannt unter seinem römischen Namen Paulus) aus, damit er in anderen Ländern bahnbrechend im Werk des Jüngermachens vorangeht. Saulus eifert für Gottes Gesetz, doch ist er von den religiösen Führern der Juden irregeleitet worden. Demzufolge stimmt Saulus nicht nur der Ermordung des Stephanus zu, sondern er geht auch nach Damaskus mit der Befugnis des Hohenpriesters Kaiphas, alle Männer und Frauen, die er dort als Nachfolger Jesu ausfindig macht, gefangen nach Jerusalem zu bringen. Unterwegs umblitzt ihn jedoch plötzlich ein helles Licht, und er fällt zu Boden.
„Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ fragt ihn die Stimme eines Unsichtbaren. „Wer bist du, Herr?“ will Saulus wissen.
„Ich bin Jesus, den du verfolgst“, lautet die Erwiderung.
Saulus, der durch das übernatürliche Licht geblendet worden ist, wird von Jesus aufgefordert, nach Damaskus zu gehen und auf weitere Anweisungen zu warten. In einer Vision erscheint Jesus dann Ananias, einem seiner Jünger. Zu ihm sagt Jesus in bezug auf Saulus: „Dieser Mann ist mir ein auserwähltes Gefäß, um meinen Namen sowohl zu den Nationen als auch zu Königen und den Söhnen Israels zu tragen.“
Mit der Unterstützung Jesu haben Saulus (jetzt als Paulus bekannt) und andere Evangeliumsverkündiger in ihrem Predigt- und Lehrwerk tatsächlich gewaltigen Erfolg. Ja, Paulus schreibt, etwa 25 Jahre nachdem ihm Jesus auf der Straße nach Damaskus erschienen ist, die „gute Botschaft“ sei „in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt worden“.
Viele Jahre danach läßt Jesus seinen geliebten Apostel Johannes mehrere Visionen haben. Durch diese Visionen, die Johannes im Bibelbuch Offenbarung beschreibt, erlebt er praktisch Jesu Wiederkunft in Königreichsmacht. „Durch Inspiration“ wird Johannes, wie er sagt, in die Zukunft versetzt und befindet sich am „Tag des Herrn“. Was ist dieser „Tag“?
Ein sorgfältiges Studium biblischer Prophezeiungen — einschließlich Jesu eigener Prophezeiung hinsichtlich der letzten Tage — ergibt, daß der „Tag des Herrn“ in dem epochemachenden Jahr 1914 begann, ja in unserer Generation. Jesus kam also 1914 unsichtbar wieder, ohne öffentliches Tamtam, und nur seine treuen Diener waren sich seiner Wiederkunft bewußt. In jenem Jahr befahl Jehova Jesus: „Schreite zur Unterwerfung inmitten deiner Feinde.“
Dem Befehl seines Vaters gehorchend, reinigte Jesus die Himmel, indem er Satan und seine Dämonen zur Erde hinabschleuderte. Nachdem Johannes dies in einer Vision gesehen hat, hört er eine Stimme im Himmel ausrufen: „Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus herbeigekommen.“ Ja, Christus begann 1914, als König zu regieren.
Welch eine gute Botschaft für Anbeter Jehovas im Himmel! Sie werden aufgefordert: „Seid fröhlich, ihr Himmel und ihr, die ihr darin weilt!“ Doch in welcher Lage befinden sich diejenigen auf der Erde? „Wehe der Erde und dem Meer“, fährt die Stimme aus dem Himmel fort, „weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat.“
Wir leben jetzt in dieser kurzen Zeit. Die Menschen werden gegenwärtig voneinander getrennt — in solche, die in Gottes neue Welt gelangen, und in solche, die vernichtet werden. Tatsache ist, daß dein Geschick davon abhängt, wie du auf die gute Botschaft von Gottes Königreich reagierst, die Botschaft, die unter der Leitung Christi weltweit gepredigt wird.
Wenn die Trennung der Menschen zu Ende ist, wird Jesus Christus im Auftrag Gottes Satans gesamtes System der Dinge und alle, die es unterstützen, von der Erde vertilgen. In dem Krieg, den die Bibel Har-Magedon oder Harmagedon nennt, wird Jesus alles Böse beseitigen. Anschließend wird er — die nach Jehova Gott zweithöchste Person im Universum — Satan und seine Dämonen ergreifen und sie für tausend Jahre in einem „Abgrund“, einem todähnlichen Zustand der Untätigkeit, gebunden halten. Apostelgeschichte 7:55-60; 8:1-3; 9:1-19; 16:6-10; Psalm 110:1, 2; Hebräer 10:12, 13; 1. Petrus 3:22; Lukas 22:28-30; Kolosser 1:13, 23; Offenbarung 1:1, 10; 12:7-12; 16:14-16; 20:1-3; Matthäus 24:14; 25:31-33.
▪ Wo befindet sich Jesus nach seiner Himmelfahrt, und worauf wartet er?
▪ Über wen herrscht Jesus nach seiner Himmelfahrt, und wie zeigt sich seine Herrschaft?
▪ Wann begann der „Tag des Herrn“, und was geschah bei seinem Beginn?
▪ Welches Trennungswerk, das heute durchgeführt wird, wirkt sich auf jeden einzelnen von uns aus, und auf welcher Grundlage erfolgt die Trennung?
▪ Was wird geschehen, wenn das Trennungswerk zu Ende ist?
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Jesus führt alles aus, was Gott ihm aufgetragen hatDer größte Mensch, der je lebte
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Kapitel 133
Jesus führt alles aus, was Gott ihm aufgetragen hat
WELCH ein Grund zur Freude, wenn der kriegführende König Jesus Christus Satan und seine ungerechte Welt beseitigt! Dann beginnt endlich die friedliche Tausendjahrherrschaft Jesu.
Unter der Leitung Jesu und seiner Mitkönige werden die Überlebenden von Harmagedon die Erde von den Ruinen reinigen, die dieser gerechte Krieg hinterlassen wird. Wahrscheinlich werden die Überlebenden auch eine Zeitlang noch Kinder hervorbringen, und diese werden sich an der freudigen Arbeit beteiligen, die Erde in einen herrlichen, parkähnlichen Garten umzugestalten.
Zur bestimmten Zeit wird Jesus unzählige Millionen aus dem Grab zurückbringen, die sich an dem wunderbaren Paradies erfreuen werden. So wird er sein eigenes Versprechen erfüllen: „Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, ... herauskommen werden.“
Jesus wird auch den früheren Übeltäter auferwecken, der an seiner Seite an einem Marterpfahl starb. Ihm versprach er bekanntlich: „Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.“ Nein, dieser Mann wird nicht in den Himmel kommen, um mit Jesus als König zu herrschen, noch wird Jesus wieder ein Mensch werden und mit ihm auf der paradiesischen Erde leben. Jesus wird vielmehr in dem Sinne mit dem früheren Übeltäter im Paradies sein, daß er ihn zum Leben im Paradies auferwecken und dafür sorgen wird, daß seine physischen und geistigen Bedürfnisse befriedigt werden, wie es auf der nächsten Seite dargestellt wird.
Man stelle sich vor: Die gesamte Menschheitsfamilie wird unter der liebevollen Fürsorge Jesu allmählich vollkommen werden — die Überlebenden von Harmagedon, ihre Nachkommen und die Milliarden der vom Tode Auferweckten, die ihm gehorchen. Jehova wird durch seinen königlichen Sohn, Jesus Christus, in geistigem Sinne bei den Menschen weilen. „Und er wird“, wie Johannes eine Stimme aus dem Himmel sagen hörte, „jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein.“ Niemand auf der Erde wird leiden oder krank sein.
Am Ende der Tausendjahrherrschaft Jesu wird das erreicht sein, was Gott ursprünglich vorhatte, als er das erste Menschenpaar, Adam und Eva, anwies, sich zu mehren und die Erde zu füllen. Ja, die Erde wird mit einem gerechten, vollkommenen Menschengeschlecht gefüllt sein. Das ist möglich, weil der Wert des Loskaufsopfers Jesu auf jeden einzelnen angewandt worden ist. Den durch Adams Sünde bewirkten Tod wird es nicht mehr geben.
So wird Jesus alles ausgeführt haben, was Jehova ihm aufgetragen hat. Daher wird er am Ende der tausend Jahre das Königreich und die vollkommen gemachte Menschheitsfamilie seinem Vater übergeben. Dann wird Gott Satan und seine Dämonen aus dem Abgrund der todähnlichen Untätigkeit loslassen. Zu welchem Zweck?
Nun, am Ende der tausend Jahre wird es sich bei den meisten im Paradies Lebenden um Auferweckte handeln, deren Glaube noch nie geprüft worden ist. Vor ihrem Tod kannten sie Gottes Verheißungen nicht und konnten deshalb keinen Glauben daran bekunden. Nachdem sie auferweckt und über die biblischen Wahrheiten belehrt worden sind, ist es für sie im Paradies einfach gewesen, Gott ohne Gegnerschaft zu dienen. Würden sie sich aber auch in einer Prüfung als loyal erweisen, wenn Satan die Gelegenheit zu dem Versuch hätte, sie vom Dienst für Gott abzubringen? Zur Klärung dieser Frage wird Satan losgelassen.
Aus der Offenbarung, die Johannes erhielt, geht hervor, daß es Satan nach der Tausendjahrherrschaft Jesu gelingen wird, eine unbestimmte Zahl Menschen vom Dienst für Gott abwendig zu machen. Doch nach der Schlußprüfung werden Satan, seine Dämonen und alle, die er irreführen konnte, für immer vernichtet werden. Alle Loyalen, die die Prüfung bestanden haben, werden dagegen weiterleben und sich bis in alle Ewigkeit der Segnungen erfreuen, die ihr himmlischer Vater ihnen zuteil werden läßt.
Es liegt auf der Hand, daß Jesus eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung der glorreichen Vorsätze Gottes gespielt hat und noch weiterhin spielen wird. Welch großartige Zukunft wir doch erleben können aufgrund all dessen, was er als Gottes großer himmlischer König leistet! Wir dürfen jedoch auch nicht vergessen, was er in seinem Dasein als Mensch alles getan hat.
Bereitwillig kam Jesus auf die Erde und belehrte Menschen über seinen Vater. Zudem spiegelte er die wertvollen Eigenschaften Gottes wider. Sein großer Mut und seine erhabene Männlichkeit, seine unvergleichliche Weisheit, seine überragende Lehrfähigkeit, seine Furchtlosigkeit als Führer sowie sein zartes Mitgefühl und sein liebevolles Einfühlungsvermögen — all das bewegt uns tief. Wenn wir daran denken, daß er unbeschreiblich zu leiden hatte, als er das Lösegeld erbrachte, durch das allein ewiges Leben möglich ist, wird unser Herz gewiß von Dankbarkeit ihm gegenüber erfüllt.
Ja, welch einen Menschen haben wir doch durch unser Studium des Lebens Jesu kennengelernt! Seine überwältigende Größe ist offensichtlich. Wir fühlen uns zu den gleichen Worten gedrängt wie der römische Statthalter Pontius Pilatus: „Seht! Der Mensch!“ Ja, tatsächlich: „Der Mensch“, der größte Mensch, der je lebte!
Dadurch, daß wir uns die Vorkehrung seines Loskaufsopfers zunutze machen, kann die von Adam ererbte Last der Sünde und des Todes von uns genommen werden, und Jesus kann unser „Ewigvater“ werden. Alle, die ewiges Leben erlangen möchten, müssen nicht nur Erkenntnis über Gott, sondern auch über seinen Sohn, Jesus Christus, in sich aufnehmen. Möge das Lesen und Studieren dieses Buches eine Hilfe sein, solch lebengebende Erkenntnis in sich aufzunehmen! 1. Johannes 2:17; 1:7; Johannes 5:28, 29; 3:16; 17:3; 19:5; Lukas 23:43; 1. Mose 1:28; 1. Korinther 15:24-28; Offenbarung 20:1-3, 6-10; 21:3, 4; Jesaja 9:6.
▪ Welches freudige Vorrecht wird den Überlebenden von Harmagedon und ihren Kindern zuteil werden?
▪ Wer außer den Überlebenden von Harmagedon und ihren Kindern wird im Paradies leben, und in welchem Sinne wird Jesus bei ihnen sein?
▪ Was wird am Ende der tausend Jahre erreicht sein, und was wird Jesus dann tun?
▪ Warum wird Satan aus dem Abgrund losgelassen werden, und was wird schließlich mit ihm und allen seinen Anhängern geschehen?
▪ Wie kann Jesus unser „Ewigvater“ werden?
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