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„Seine Stunde war noch nicht gekommen“Der Wachtturm 2000 | 15. September
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„Seine Stunde war noch nicht gekommen“
„Niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen“ (JOHANNES 7:30).
1. Von welchen zwei Faktoren wurde Jesu Wirken bestimmt?
‘DER Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele zu geben’, sagte Jesus zu seinen Aposteln (Matthäus 20:28). Gegenüber dem römischen Statthalter Pontius Pilatus erklärte Jesus: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18:37). Jesus wußte genau, warum er sterben würde und welches Werk er vor seinem Tod verrichten sollte. Er wußte auch, wieviel Zeit ihm dafür zur Verfügung stand, seinen Auftrag auszuführen. Sein Dienst auf der Erde als Messias sollte nur dreieinhalb Jahre dauern. Er begann mit seiner Wassertaufe im Jordan (29 u. Z.) zu Anfang der letzten der vorausgesagten 70 sinnbildlichen Wochen und endete in der Mitte dieser Woche mit seinem Tod an einem Marterpfahl (33 u. Z.) (Daniel 9:24-27; Matthäus 3:16, 17; 20:17-19). Jesu gesamtes Wirken auf der Erde wurde also im wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: von dem Zweck seines Kommens und von dem starken Bewußtsein, was zu welcher Zeit zu tun war.
2. Wie wird Jesus Christus in den Evangelien dargestellt, und wie zeigte er, daß er sich seines Auftrags bewußt war?
2 In den Evangelien wird Jesus Christus als ein Mann der Tat dargestellt, der überall im Land Palästina umherreiste, die gute Botschaft von Gottes Königreich verkündigte und viele machtvolle Werke tat. In bezug auf einen frühen Teil des dynamischen Dienstes Jesu heißt es von ihm: „Seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Jesus selbst sagte: „Meine bestimmte Zeit [ist] noch nicht völlig gekommen.“ Gegen Ende seines Dienstes gebrauchte er die Wendung: „Die Stunde ist gekommen“ (Johannes 7:8, 30; 12:23). Das, was Jesus sagte und tat, muß dadurch geprägt gewesen sein, daß er sowohl die Stunde oder Zeit für das ihm aufgetragene Werk kannte als auch die Zeit seines Opfertodes. Wenn wir verstehen, inwiefern das der Fall war, erhalten wir Einblick in seine Persönlichkeit und seine Denkweise, was uns hilft, seinen Fußstapfen noch genauer nachzufolgen (1. Petrus 2:21).
Entschlossen, den Willen Gottes zu tun
3, 4. (a) Was geschieht auf einem Hochzeitsfest in Kana? (b) Warum weist der Sohn Gottes die Anregung Marias zurück, etwas gegen den Weinmangel zu unternehmen, und was können wir daraus lernen?
3 Man schreibt das Jahr 29 u. Z. Es sind erst wenige Tage vergangen, seit Jesus seine ersten Jünger ausgewählt hat. Sie alle halten sich jetzt anläßlich eines Hochzeitsfestes in Kana auf, einem Dorf im Gebiet von Galiläa. Auch Maria, Jesu Mutter, ist anwesend. Als der Wein knapp wird, gibt sie ihrem Sohn zu verstehen, daß er etwas unternehmen sollte, indem sie zu ihm sagt: „Sie haben keinen Wein.“ Aber Jesus antwortet: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Johannes 1:35-51; 2:1-4).
4 Jesu Antwort „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ war eine im Altertum gebräuchliche Frage, durch die man zu erkennen gab, daß man einem Vorschlag oder einer Einmischung widersprach. Wieso geht Jesus nicht auf die Worte Marias ein? Immerhin ist er jetzt 30 Jahre alt. Erst vor wenigen Wochen ließ er sich taufen, er wurde mit heiligem Geist gesalbt und von Johannes dem Täufer als „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“, vorgestellt (Johannes 1:29-34; Lukas 3:21-23). Er muß sich jetzt auf jeden Fall von der höchsten Autorität anleiten lassen, von demjenigen, der ihn aussandte (1. Korinther 11:3). Niemandem, auch keinem nahen Verwandten, konnte gestattet werden, sich in das Werk einzumischen, das zu verrichten Jesus auf die Erde gekommen war. Welch eine Entschlossenheit, den Willen seines Vaters zu tun, spricht doch aus Jesu Worten, die er Maria erwiderte! Seien wir ebenso entschlossen, unsere „ganze Pflicht“ Gott gegenüber zu tun! (Prediger 12:13).
5. Welches Wunder wirkt Jesus Christus in Kana, und was bewirkt es bei anderen?
5 Maria erfaßt den Sinn der Worte ihres Sohnes, tritt sogleich zur Seite und weist die Diener an: „Was immer er euch sagt, tut.“ Und Jesus löst das Problem. Er läßt die Diener die Krüge mit Wasser füllen und macht aus dem Wasser den besten Wein. Durch dieses Geschehen wird Jesu Macht, Wunder zu wirken, zum erstenmal kund, und es wird bewiesen, daß Gottes Geist auf ihm ist. Die neuen Jünger, die Zeuge dieses Wunders sind, werden dadurch im Glauben gefestigt (Johannes 2:5-11).
Eifer für das Haus Jehovas
6. Warum ist Jesus entrüstet über das, was er im Tempel in Jerusalem beobachtet, und was unternimmt er dagegen?
6 Schon bald ist es Frühjahr 30 u. Z.; Jesus und seine Gefährten befinden sich auf dem Weg nach Jerusalem, um das Passah zu feiern. Dort sehen die Jünger ihren Führer auf eine Art und Weise handeln, wie sie es bei ihm wahrscheinlich noch nie beobachtet haben. Habgierige jüdische Händler verkaufen innerhalb des Tempels Vögel und andere Tiere zu Opferzwecken. Und sie verlangen von treuen jüdischen Anbetern sehr hohe Preise. Entrüstet schreitet Jesus zur Tat. Aus Stricken macht er sich eine Peitsche und treibt die Verkäufer hinaus. Er schüttet die Münzen der Geldwechsler aus und stößt ihre Tische um. „Schafft diese Dinge von hier weg!“ weist er die Taubenverkäufer an. Als Jesu Jünger ihn mit einem solchen Eifer handeln sehen, erinnern sie sich an folgende Prophezeiung über Gottes Sohn: „Der Eifer um dein Haus wird mich verzehren“ (Johannes 2:13-17; Psalm 69:9). Auch wir sollten eifrig darüber wachen, daß nicht weltliche Tendenzen unsere Anbetung beeinträchtigen.
7. (a) Was veranlaßt Nikodemus, den Messias aufzusuchen? (b) Was lernen wir daraus, daß Jesus einer Samariterin Zeugnis gab?
7 Während seines Aufenthalts in Jerusalem wirkt Jesus mehrere Wunder, und viele Menschen glauben an ihn. Selbst Nikodemus, ein Mitglied des Sanhedrins (des hohen Gerichts der Juden), ist von Jesus beeindruckt und sucht ihn nachts auf, um mehr zu erfahren. Anschließend bleiben Jesus und seine Jünger noch etwa acht Monate im ‘judäischen Land’, wo sie predigen und Jünger machen. Nach der Gefangensetzung Johannes’ des Täufers verlassen sie jedoch Judäa und begeben sich nach Galiläa. Auf ihrer Reise durch Samaria nimmt Jesus die Gelegenheit wahr und gibt einer Samariterin ein gründliches Zeugnis. Das ebnet für viele Samariter den Weg, gläubig zu werden. Achten auch wir auf Gelegenheiten, über das Königreich zu sprechen! (Johannes 2:23; 3:1-22; 4:1-42; Markus 1:14).
Umfangreiches Lehren in Galiläa
8. Welches Werk beginnt Jesus in Galiläa?
8 Vor der „Stunde“ seines Todes hat Jesus im Dienst für seinen himmlischen Vater noch viel zu tun. In Galiläa beginnt er mit einem noch größeren Predigtwerk als in Judäa und Jerusalem. Er ‘geht in ganz Galiläa umher, lehrt in ihren Synagogen, predigt die gute Botschaft vom Königreich und heilt jede Art von Leiden und jede Art von Gebrechen unter dem Volk’ (Matthäus 4:23). In der ganzen Gegend sind seine aufrüttelnden Worte zu hören: „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht“ (Matthäus 4:17). Als nach wenigen Monaten zwei Jünger Johannes’ des Täufers kommen, um sich über Jesus zu erkundigen, sagt er zu ihnen: „Geht hin, berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde erhalten das Augenlicht, Lahme gehen umher, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird die gute Botschaft erzählt. Und glücklich ist, wer nicht Anstoß an mir nimmt“ (Lukas 7:22, 23).
9. Warum kommen die Volksmengen zu Christus Jesus, und was können wir daraus lernen?
9 ‘Gute Kunde verbreitet sich von Jesus in der ganzen Umgegend’, und große Volksmengen kommen zu ihm aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem, Judäa und von jenseits des Jordan (Lukas 4:14, 15; Matthäus 4:24, 25). Die Menschen kommen nicht nur wegen seiner Wunderheilungen zu ihm, sondern auch wegen seiner wunderbaren Lehren. Seine Botschaft spricht sie an und ermuntert sie (Matthäus 5:1 bis 7:27). Jesus äußert gewinnende und gefällige Worte (Lukas 4:22). Die Volksmengen sind „über seine Art zu lehren höchst erstaunt“, denn er lehrt mit Autorität an Hand der Schriften (Matthäus 7:28, 29; Lukas 4:32). Wer würde sich zu einem solchen Menschen nicht hingezogen fühlen? Entwickeln wir ebenfalls die Kunst des Lehrens, damit sich aufrichtige Menschen zur Wahrheit hingezogen fühlen.
10. Warum versuchen die Bewohner von Nazareth, Jesus zu töten, und warum gelingt es ihnen nicht?
10 Aber nicht alle Zuhörer Jesu zeigen sich für seine Botschaft empfänglich. Bereits zu Beginn seines Dienstes, als er in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth lehrt, versucht man, ihn zu töten. Die Bewohner der Stadt staunen zwar über seine „gewinnenden Worte“, doch sie wollen Wunder sehen. Statt dort viele machtvolle Werke zu wirken, prangert Jesus ihre Selbstsucht und ihren Unglauben an. Voller Wut erheben sich die in der Synagoge Anwesenden, ergreifen Jesus und führen ihn auf einen Berg, um ihn von einem Felsvorsprung aus kopfüber hinabzustürzen. Doch Jesus entzieht sich ihrem Zugriff und geht seines Weges. Die „Stunde“ für seinen Tod ist noch nicht gekommen (Lukas 4:16-30).
11. (a) Warum wollen einige geistliche Führer Jesus hören? (b) Warum wird Jesus angeklagt, den Sabbat zu brechen?
11 Dort, wo Jesus predigt, sind auch oftmals geistliche Führer anwesend — Schriftgelehrte, Pharisäer, Sadduzäer und andere. Viele von ihnen kommen nicht deswegen, weil sie zuhören und etwas lernen möchten, sondern weil sie Kritikpunkte finden und ihm eine Falle stellen wollen (Matthäus 12:38; 16:1; Lukas 5:17; 6:1, 2). Als er zum Beispiel 31 u. Z. die Passahfeier in Jerusalem besucht, heilt er einen Mann, der 38 Jahre krank gewesen ist. Die geistlichen Führer der Juden klagen Jesus daraufhin an, den Sabbat zu brechen. Er entgegnet ihnen: „Mein Vater hat bis jetzt fortwährend gewirkt, und ich wirke fortwährend.“ Nun beschuldigen ihn die Juden der Gotteslästerung, weil er behauptet, Gottes Sohn zu sein, indem er Gott seinen Vater nennt. Sie suchen Jesus zu töten, doch er verläßt mit seinen Jüngern Jerusalem und bricht nach Galiläa auf. Wir handeln ebenfalls klug, wenn wir unnötigen Konfrontationen mit Gegnern aus dem Weg gehen und unsere Kraft für das Predigen des Königreiches und das Jüngermachen einsetzen (Johannes 5:1-18; 6:1).
12. In welchem Umfang bearbeitet Jesus das Gebiet in Galiläa?
12 In den folgenden etwa eineinhalb Jahren beschränkt Jesus seinen Dienst meist auf Galiläa und besucht Jerusalem nur anläßlich der drei jährlichen Feste der Juden. Alles in allem unternimmt Jesus in Galiläa drei Predigtreisen: die erste mit 4 neuen Jüngern, die zweite mit den 12 Aposteln, und die dritte ist eine ausgedehnte Predigtreise, auf der er auch die geschulten Apostel aussendet. Welch eingehendes Zeugnis doch in Galiläa für die Wahrheit abgelegt wird! (Matthäus 4:18-25; Lukas 8:1-3; 9:1-6).
In Judäa und Peräa mutig Zeugnis abgelegt
13, 14. (a) Bei welcher Gelegenheit versuchen die Juden, sich Jesu zu bemächtigen? (b) Warum nehmen die Beamten Jesus nicht fest?
13 Es ist Herbst 32 u. Z., und Jesu „Stunde“ liegt immer noch in der Zukunft. Das Laubhüttenfest steht vor der Tür. Jesu Halbbrüder fordern ihn auf: „Geh weg von hier, und begib dich nach Judäa.“ Sie möchten, daß Jesus seine Wunderkräfte allen zum Fest in Jerusalem Versammelten demonstriert. Jesus ist sich jedoch der Gefahr bewußt. Daher sagt er zu seinen Brüdern: „Ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf, weil meine bestimmte Zeit noch nicht völlig gekommen ist“ (Johannes 7:1-8).
14 Jesus bleibt noch einige Zeit in Galiläa und geht dann nach Jerusalem hinauf, „nicht öffentlich, sondern wie im verborgenen“. Tatsächlich suchen ihn die Juden beim Fest und sagen: „Wo ist dieser Mensch?“ Als das Fest zur Hälfte vorüber ist, begibt sich Jesus in den Tempel, und mutig beginnt er zu lehren. Man versucht, sich seiner zu bemächtigen, möglicherweise um ihn ins Gefängnis zu werfen oder ihn töten zu lassen. Es gelingt jedoch nicht, da ‘seine Stunde noch nicht gekommen ist’. Viele glauben jetzt an Jesus. Selbst die Beamten, die von den Pharisäern gesandt worden sind, um ihn zu ergreifen, kommen unverrichteter Dinge zurück und sagen: „Nie hat ein anderer Mensch auf diese Weise geredet“ (Johannes 7:9-14, 30-46).
15. Warum heben die Juden Steine auf, um sie auf Jesus zu werfen, und mit welchem Predigtfeldzug beginnt er anschließend?
15 Die Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen jüdischen Gegnern hält an, als er während des Festes Menschen über seinen Vater belehrt. Am letzten Tag des Festes sind die Juden verärgert über Jesu Aussage bezüglich seines vormenschlichen Daseins und heben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Doch er verbirgt sich und kommt unversehrt davon (Johannes 8:12-59). Jesus hält sich außerhalb von Jerusalem auf und beginnt mit einem ausgedehnten Predigtfeldzug in Judäa. Er wählt 70 Jünger aus und sendet sie, nachdem er sie unterwiesen hat, zu zweit aus, um das Gebiet zu bearbeiten. Sie besuchen alle Ortschaften und Städte, in die Jesus mit seinen Aposteln zu gehen beabsichtigt (Lukas 10:1-24).
16. Welcher Gefahr kann sich Jesus beim Einweihungsfest entziehen, und mit welchem Werk ist er wiederum beschäftigt?
16 Im Winter 32 u. Z. ist Jesu „Stunde“ wesentlich näher gerückt. Er kommt anläßlich des Einweihungsfestes nach Jerusalem. Immer noch trachten die Juden ihm nach dem Leben. Als sich Jesus in der Säulenhalle des Tempels aufhält, umringen sie ihn. Erneut beschuldigen sie ihn der Gotteslästerung und heben Steine auf, um ihn zu töten. Doch wie bei früheren Gelegenheiten entkommt Jesus. Schon bald ist er wieder unterwegs und lehrt, diesmal von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf im Bezirk Peräa — jenseits des Jordan gegenüber von Judäa. Und viele glauben an ihn. Aber durch eine Botschaft, die von seinem geliebten Freund Lazarus handelt, wird er wieder nach Judäa gerufen (Lukas 13:33; Johannes 10:20-42).
17. (a) Welche dringende Botschaft erhält Jesus, als er in Peräa predigt? (b) Was zeigt, daß Jesus nicht nur Sinn und Zweck dessen, was er tun muß, kennt, sondern auch die zeitliche Abfolge der Ereignisse?
17 Die dringende Botschaft kommt von Martha und Maria, den Schwestern des Lazarus, die in Bethanien in Judäa wohnen. „Herr, siehe, der, zu dem du Zuneigung hast, ist krank“, berichtet der Bote. Jesus entgegnet: „Der Zweck dieser Krankheit ist nicht der Tod, sondern die Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.“ Deshalb bleibt Jesus absichtlich noch zwei Tage dort, wo er sich gerade aufhält. Dann sagt er zu seinen Jüngern: „Laßt uns wieder nach Judäa gehen.“ Ungläubig entgegnen sie: „Rabbi, erst kürzlich suchten dich die Judäer zu steinigen, und du gehst wieder dorthin?“ Aber Jesus ist sich bewußt, daß die verbleibenden „Stunden Tageslicht“ oder die Zeit, die Gott ihm für seinen irdischen Dienst eingeräumt hat, kurz ist. Er weiß ganz genau, was er zu tun hat, und warum (Johannes 11:1-10).
Ein Wunder, das niemand leugnen konnte
18. Welche Situation trifft Jesus in Bethanien an, und was geschieht nach seiner Ankunft?
18 In Bethanien ist Martha die erste, die Jesus trifft. Sie sagt: „Herr, wenn du hiergewesen wärst, so wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Anschließend kommen Maria und diejenigen, die sich in ihrem Haus eingefunden haben. Sie alle weinen. „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ erkundigt sich Jesus. Sie antworten: „Herr, komm und sieh.“ Als sie die Gedächtnisgruft erreichen, eine Höhle, deren Öffnung mit einem Stein abgedeckt ist, sagt Jesus: „Nehmt den Stein weg.“ Da Martha Jesu Absicht nicht erkennt, wendet sie ein: „Herr, er wird nun riechen, denn es ist schon vier Tage her.“ Aber Jesus erwidert: „Habe ich dir nicht gesagt, daß du, wenn du glaubtest, die Herrlichkeit Gottes sehen würdest?“ (Johannes 11:17-40).
19. Warum betet Jesus öffentlich, bevor er Lazarus auferweckt?
19 Als man den Stein, der sich vor dem Grab des Lazarus befindet, wegnimmt, betet Jesus laut, damit die Menschen wissen, daß das, was er zu tun vorhat, durch die Kraft Gottes vollbracht wird. Anschließend ruft er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Und Lazarus kommt heraus. Seine Hände und Füße sind noch mit den Leichenbinden umwickelt, und sein Gesicht ist mit einem Tuch umbunden. Jesus erklärt: „Bindet ihn los, und laßt ihn gehen“ (Johannes 11:41-44).
20. Wie reagieren diejenigen, die sehen, daß Lazarus von Jesus auferweckt wird?
20 Viele Juden, die gekommen sind, um Martha und Maria zu trösten, glauben an Jesus, als sie dieses Wunder sehen. Andere gehen weg, um den Pharisäern zu erzählen, was geschehen ist. Wie reagieren diese? Sie und die Oberpriester berufen sogleich eine Krisensitzung des Sanhedrins ein. In panischer Angst sagen sie: „Was sollen wir tun, denn dieser Mensch tut viele Zeichen? Wenn wir ihn so gewähren lassen, werden sie alle an ihn glauben, und die Römer werden kommen und sowohl unsere Stätte als auch unsere Nation wegnehmen.“ Aber der Hohepriester Kaiphas sagt zu ihnen: „Ihr wißt überhaupt nichts, und ihr bedenkt nicht, daß es zu eurem Nutzen ist, daß ein einziger Mensch zugunsten des Volkes sterbe und nicht die ganze Nation vernichtet werde.“ Daher beraten sie sich von diesem Tag an, wie sie Jesus töten können (Johannes 11:45-53).
21. Was bahnt sich durch das Wunder der Auferweckung des Lazarus an?
21 So hat sich Jesus durch sein verzögertes Eintreffen in Bethanien die Möglichkeit geboten, ein Wunder zu wirken, das niemand bestreiten kann. Von Gott ermächtigt, hat Jesus einen Mann auferweckt, der schon vier Tage tot war. Selbst der angesehene Sanhedrin muß davon Notiz nehmen und sieht sich gezwungen, über den Wundertäter das Todesurteil zu verhängen! So bahnt sich durch das Wunder eine bedeutsame Wende in Jesu Dienst an: Die Zeit, in der ‘seine Stunde noch nicht gekommen ist’, geht zu Ende, und die Zeit, in der ‘die Stunde gekommen ist’, beginnt.
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„Die Stunde ist gekommen!“Der Wachtturm 2000 | 15. September
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„Die Stunde ist gekommen!“
„Seine Stunde [war] gekommen . . ., aus dieser Welt hinaus zum Vater zu gehen“ (JOHANNES 13:1).
1. Welche Mutmaßungen sind in Jerusalem zu hören, während das Passah 33 u. Z. näher rückt, und warum?
BEI seiner Taufe im Jahr 29 u. Z. begab sich Jesus auf einen Weg, der zu der „Stunde“ seines Todes, seiner Auferstehung und seiner Verherrlichung führen sollte. Es ist jetzt Frühling des Jahres 33 u. Z. Erst wenige Wochen sind vergangen, seitdem der Sanhedrin, das oberste jüdische Gericht, Rat gehalten hat, Jesus zu töten. Dieser hat von dem Plan möglicherweise durch Nikodemus, ein ihm freundlich gesinntes Mitglied des Sanhedrins, erfahren und daraufhin Jerusalem verlassen und sich in die ländliche Gegend jenseits des Jordan begeben. Als das Passahfest näher rückt, brechen viele Menschen vom Land nach Jerusalem auf, wo eine Menge Mutmaßungen über Jesus zu hören sind. „Was ist eure Meinung?“ sagen die Leute zueinander. „Daß er gar nicht zum Fest kommen wird?“ Die Oberpriester und die Pharisäer haben zur Aufregung beigetragen, weil sie die Weisung gegeben haben, wer Jesus sehe, solle ihnen berichten, wo er sich aufhalte (Johannes 11:47-57).
2. Welche Tat Marias löst eine Kontroverse aus, und was weiß Jesus über „seine Stunde“, wie aus seinen Worten zur Verteidigung Marias hervorgeht?
2 Am 8. Nisan, sechs Tage vor dem Passah, hält sich Jesus wieder in der Nähe von Jerusalem auf. Er kommt nach Bethanien, dem Heimatort seiner geliebten Freunde Martha, Maria und Lazarus, etwa 3 Kilometer von Jerusalem entfernt. Es ist Freitagabend, und Jesus verbringt den Sabbat dort. Als sich Maria am Abend des folgenden Tages um sein Wohl kümmert und dabei kostbares, wohlriechendes Nardenöl verwendet, erheben die Jünger Einspruch. Jesus entgegnet: „Laß sie, damit sie diesen Brauch im Hinblick auf den Tag meines Begräbnisses einhalte. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber werdet ihr nicht allezeit haben“ (Johannes 12:1-8; Matthäus 26:6-13). Jesus weiß, daß ‘seine Stunde gekommen ist, aus dieser Welt hinaus zum Vater zu gehen’ (Johannes 13:1). Fünf Tage später wird er „seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele . . . geben“ (Markus 10:45). Alles, was Jesus fortan tut oder lehrt, wird von einem Dringlichkeitsbewußtsein bestimmt. Welch ein wunderbares Beispiel für uns, während wir gespannt das Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge erwarten! Beachten wir, was in Verbindung mit Jesus schon am nächsten Tag geschieht.
Der Tag des triumphalen Einzugs Jesu
3. (a) Wie zieht Jesus am Sonntag, den 9. Nisan in Jerusalem ein, und wie reagieren die meisten Menschen, die bei ihm sind? (b) Was antwortet Jesus den Pharisäern, die sich über die Volksmenge beschweren?
3 Auf Sonntag, den 9. Nisan, fällt Jesu triumphaler Einzug in Jerusalem. Als er sich der Stadt nähert — er reitet in Erfüllung von Sacharja 9:9 auf einem Eselsfüllen —, breiten die meisten Leute, die sich bei ihm eingefunden haben, ihre äußeren Kleider auf dem Weg aus, während andere von den Bäumen Zweige abschneiden und diese ausbreiten. „Gesegnet ist, der als der König im Namen Jehovas kommt!“ rufen sie. Einige Pharisäer in der Volksmenge verlangen von Jesus, seine Jünger zurechtzuweisen. Doch Jesus entgegnet: „Ich sage euch: Wenn diese stumm blieben, würden die Steine schreien“ (Lukas 19:38-40; Matthäus 21:6-9).
4. Warum gerät Jerusalem in Aufregung, als Jesus in die Stadt einzieht?
4 Nur wenige Wochen zuvor sind viele aus der Volksmenge Zeuge davon gewesen, wie Jesus Lazarus auferweckte. Jetzt erzählen sie anderen von diesem Wunder. Die ganze Stadt gerät daher in Bewegung, als Jesus in Jerusalem einzieht. „Wer ist dieser?“ fragen die Menschen. Und die Volksmengen sagen fortgesetzt: „Dies ist der Prophet, Jesus aus Nazareth in Galiläa!“ Die Pharisäer, die das Geschehen beobachten, klagen: „Die Welt ist ihm nachgelaufen“ (Matthäus 21:10, 11; Johannes 12:17-19).
5. Was geschieht, als sich Jesus in den Tempel begibt?
5 Nach seiner Gewohnheit geht Jesus, der Große Lehrer, auch bei diesem Besuch in Jerusalem in den Tempel, um zu lehren. Dort kommen die Blinden und die Lahmen zu ihm, und er heilt sie. Als die Oberpriester und die Schriftgelehrten dies sehen und die Knaben im Tempel rufen hören: „Rette, bitte, den Sohn Davids!“, ärgern sie sich. „Hörst du, was diese sagen?“ protestieren sie. „Ja“, antwortet Jesus. „Habt ihr niemals dies gelesen: ‚Aus dem Mund von Unmündigen und Säuglingen hast du Lobpreis bereitet.‘?“ Jesus fährt fort zu lehren und schaut sich alles, was im Tempel geschieht, genau an (Matthäus 21:15, 16; Markus 11:11).
6. Inwiefern geht Jesus jetzt anders vor als früher, und warum?
6 Jetzt verhält sich Jesus ganz anders als sechs Monate zuvor. Damals kam er „nicht öffentlich, sondern wie im verborgenen“ zum Laubhüttenfest nach Jerusalem (Johannes 7:10). Und stets unternahm er etwas, um sich in Sicherheit zu bringen, wenn sein Leben in Gefahr war. Nun betritt er in aller Öffentlichkeit die Stadt, wo Befehl gegeben worden ist, ihn zu ergreifen. Auch pflegte Jesus nicht, für sich als Messias zu werben (Jesaja 42:2; Markus 1:40-44). Er wünschte nicht, daß man lautstark für ihn Reklame machte, noch wollte er, daß entstellte Berichte über ihn von Mund zu Mund gingen. Jetzt wird er allerdings von den Volksmengen freiheraus als König und Retter — als Messias — bezeichnet, und die Bitte der geistlichen Führer, die Volksmengen zum Schweigen zu bringen, weist er zurück. Weshalb dieser Wandel? Weil „die Stunde . . . gekommen [ist], da der Menschensohn verherrlicht werden soll“, wie Jesus schon am folgenden Tag ankündigt (Johannes 12:23).
Eine mutige Tat — dann lebensrettende Lehren
7, 8. Inwiefern erinnern Jesu Handlungen am 10. Nisan 33 u. Z. an das, was er beim Passahfest 30 u. Z. tat?
7 Als Jesus am Montag, den 10. Nisan in den Tempel kommt, handelt er gemäß dem, was er am Nachmittag des Vortages beobachtete. Er fängt an, ‘diejenigen, die im Tempel verkaufen und kaufen, hinauszutreiben, und er stößt die Tische der Geldwechsler und die Bänke der Taubenverkäufer um; und er läßt nicht zu, daß jemand ein Gerät durch den Tempel trägt’. Er verurteilt die Missetäter und erklärt: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Nationen genannt werden.‘? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“ (Markus 11:15-17).
8 Jesu Handlungen erinnern an das, was er drei Jahre zuvor tat, als er anläßlich des Passahfestes 30 u. Z. im Tempel war. Dieses Mal prangert er die Mißstände noch schärfer an. Die Kaufleute im Tempel bezeichnet er jetzt als „Räuber“ (Lukas 19:45, 46; Johannes 2:13-16). Und das sind sie auch, weil sie von denjenigen, die Opfertiere benötigen, völlig überhöhte Preise verlangen. Die Oberpriester, die Schriftgelehrten und die Prominenten des Volkes hören, was Jesus getan hat, und suchen erneut nach einer Möglichkeit, ihn töten zu lassen. Sie wissen jedoch nicht, wie sie Jesus vernichten können, denn das gesamte Volk ist über sein Lehren höchst erstaunt und hängt ihm an, um ihn zu hören (Markus 11:18; Lukas 19:47, 48).
9. Was lehrt Jesus, und welche Einladung läßt er an seine Zuhörer im Tempel ergehen?
9 Während Jesus im Tempel weiter lehrt, erklärt er: „Die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn verherrlicht werden soll.“ Er weiß, daß er nur noch wenige Tage als Mensch leben wird. Nach dem Hinweis darauf, daß ein Weizenkorn sterben muß, damit es Frucht bringt — was seinem Tod entspricht, durch den er anderen ewiges Leben vermitteln kann —, lädt Jesus seine Zuhörer ein, indem er sagt: „Will jemand mir dienen, so folge er mir nach, und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren“ (Johannes 12:23-26).
10. Wie denkt Jesus über den qualvollen Tod, der ihm bevorsteht?
10 Mit Blick auf seinen qualvollen Tod, den er in nur vier Tagen erleiden wird, fährt Jesus fort: „Jetzt ist meine Seele beunruhigt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde.“ An dem, was Jesus erwartet, führt aber kein Weg vorbei. „Doch deswegen“, sagt er, „bin ich in diese Stunde gekommen.“ Ja, Jesus ist mit der gesamten Vorkehrung Gottes einverstanden. Entschlossen möchte er sich bis zu seinem Opfertod in seinem Handeln von Gottes Willen leiten lassen (Johannes 12:27). Welch ein Beispiel völliger Unterwürfigkeit unter den göttlichen Willen er uns doch gegeben hat!
11. Worüber belehrt Jesus die Volksmenge, die soeben die Stimme aus dem Himmel gehört hat?
11 Da Jesus sehr darum besorgt ist, wie sich sein Tod auf den Ruf seines Vaters auswirken wird, betet er: „Vater, verherrliche deinen Namen.“ Zum Erstaunen der im Tempel versammelten Volksmenge kommt eine Stimme aus dem Himmel, die erklärt: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wieder verherrlichen.“ Der Große Lehrer nutzt diese Gelegenheit, den Anwesenden zu erklären, warum die Stimme zu hören gewesen ist, was durch seinen Tod bewirkt wird und warum sie Glauben ausüben sollten (Johannes 12:28-36). Die letzten beiden Tage waren für Jesus bestimmt erlebnisreich. Aber ein entscheidender Tag liegt noch vor ihm.
Der Tag, an dem er vieles anprangert
12. Wie versuchen die geistlichen Führer am Dienstag, den 11. Nisan, Jesus eine Falle zu stellen, und wie geht die Sache aus?
12 Am Dienstag, den 11. Nisan begibt sich Jesus wieder in den Tempel, um zu lehren. Er findet ablehnende Zuhörer vor. Die Oberpriester und die älteren Männer des Volkes beziehen sich auf Jesu Taten am Vortag und fragen ihn: „Mit welcher Befugnis tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Befugnis gegeben?“ Der Meisterlehrer verwirrt sie durch seine Antwort und erzählt drei eindrucksvolle Gleichnisse — zwei handeln von einem Weinberg und eines von einem Hochzeitsfest —, Gleichnisse, durch die er die Bosheit seiner Gegner anprangert. Erzürnt über das Gehörte, suchen ihn die geistlichen Führer zu ergreifen. Doch sie fürchten die Volksmengen, die Jesus für einen Propheten halten. Daher versuchen sie, ihm eine Falle zu stellen, damit er etwas sagt, weswegen sie ihn festnehmen lassen können. Was Jesus ihnen antwortet, bringt sie zum Schweigen (Matthäus 21:23 bis 22:46).
13. Was rät Jesus seinen Zuhörern in bezug auf die Schriftgelehrten und die Pharisäer?
13 Da die Schriftgelehrten und die Pharisäer vorgeben, Gottes Gesetz zu lehren, fordert Jesus seine Zuhörer auf: „Alles daher, was sie euch sagen, tut und haltet, aber handelt nicht nach ihren Taten, denn sie sagen es wohl, aber handeln nicht entsprechend“ (Matthäus 23:1-3). Welch eine eindrucksvolle öffentliche Bloßstellung! Aber Jesus ist mit ihnen noch nicht fertig. Dies ist sein letzter Tag im Tempel. Freimütig prangert er vieles nacheinander an, und seine Äußerungen wirken wie Donnerschläge.
14, 15. Mit welchen scharfen Worten stellt Jesus die Schriftgelehrten und die Pharisäer bloß?
14 „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler“, erklärt Jesus sechsmal. Und das sind sie auch, denn sie verschließen, wie er sagt, das Königreich der Himmel vor den Menschen, indem sie diejenigen nicht hineingehen lassen, die sich auf dem Weg dorthin befinden. Diese Heuchler durchreisen das Meer und das trockene Land, um einen einzigen Proselyten zu machen, den sie dann zu einem Gegenstand der Vernichtung machen. Sie ‘lassen die gewichtigeren Dinge des GESETZES außer acht, nämlich das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue’, legen jedoch großen Wert darauf, den Zehnten zu geben. In Wirklichkeit ‘reinigen sie das Äußere des Bechers und der Schüssel, innen aber sind sie mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt’, und zwar insofern, als ihre innere Fäulnis und Zersetzung hinter der Frömmigkeit verborgen ist, die sie zur Schau stellen. Außerdem finden sie nichts dabei, für die Propheten Gräber zu bauen und zu schmücken, um die Aufmerksamkeit auf ihre eigene Wohltätigkeit zu lenken, obwohl sie ‘Söhne derer sind, die die Propheten ermordet haben’ (Matthäus 23:13-15, 23-31).
15 Jesus verurteilt den Mangel an geistigen Werten bei seinen Gegnern und sagt: „Wehe euch, blinde Leiter.“ Sie sind moralisch blind, weil sie dem Gold des Tempels größeres Gewicht beimessen als dem geistigen Wert der Anbetungsstätte. Im weiteren Verlauf prangert Jesus sie so scharf an wie nie, indem er erklärt: „Schlangen, Otternbrut, wie solltet ihr dem Gericht der Gehenna entfliehen?“ Ja, Jesus sagt ihnen, daß sie für ihren bösen Lauf die ewige Vernichtung erleiden werden (Matthäus 23:16-22, 33). Zeigen wir ebenfalls Mut beim Verkündigen der Königreichsbotschaft, selbst wenn es darum geht, die falsche Religion anzuprangern.
16. Welche bedeutsame Prophezeiung äußert Jesus gegenüber seinen Jüngern auf dem Ölberg?
16 Jesus verläßt nun den Tempel. Im dämmrigen Licht der Spätnachmittagssonne begibt er sich mit seinen Aposteln auf den Ölberg. Dort äußert er die Prophezeiung über die Zerstörung des Tempels sowie über das Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge. Diese prophetischen Worte sind bis in unsere heutige Zeit von Bedeutung. An jenem Abend sagt Jesus seinen Jüngern auch: „Ihr wißt, daß in zwei Tagen das Passah sein wird, und der Menschensohn soll überliefert werden, um an den Pfahl gebracht zu werden“ (Matthäus 24:1-14; 26:1, 2).
Jesus ‘liebte die Seinen bis ans Ende’
17. (a) Worüber belehrt Jesus die Zwölf beim Passah am 14. Nisan? (b) Welche Gedenkfeier setzt Jesus ein, nachdem er Judas Iskariot weggeschickt hat?
17 An den folgenden beiden Tagen — am 12. und 13. Nisan — zeigt sich Jesus nicht öffentlich im Tempel. Die geistlichen Führer suchen ihn zu töten, und er möchte alles vermeiden, was sich störend auf die Passahfeier mit seinen Aposteln auswirken könnte. Mit dem Sonnenuntergang am Donnerstag beginnt der 14. Nisan, der letzte Tag des Lebens Jesu als Mensch auf der Erde. An jenem Abend sind Jesus und seine Apostel in einem Haus in Jerusalem zusammen, wo Vorbereitungen für sie getroffen worden sind, das Passah zu feiern. Während der gemeinsamen Passahfeier erteilt er den Zwölfen eine einzigartige Lektion in Demut, indem er ihnen die Füße wäscht. Nachdem er Judas Iskariot weggeschickt hat, der sich einverstanden erklärt hat, seinen Herrn für 30 Silberstücke — gemäß dem mosaischen Gesetz der Preis für einen Sklaven — zu verraten, setzt Jesus die Feier zum Gedenken an seinen Tod ein (2. Mose 21:32; Matthäus 26:14, 15, 26-29; Johannes 13:2-30).
18. Worüber belehrt Jesus des weiteren seine 11 treuen Apostel liebevoll, und wie bereitet er sie auf seinen bevorstehenden Weggang vor?
18 Nach der Einsetzung des Gedächtnismahls bricht unter den Aposteln ein heftiger Wortstreit aus, wer von ihnen der Größte sei. Statt sie zu schelten, lehrt Jesus sie geduldig, von welchem Wert es ist, anderen zu dienen. Er schätzt es, daß sie in seinen Prüfungen mit ihm durchgehalten haben, und schließt mit ihnen einen persönlichen Bund für ein Königreich (Lukas 22:24-30). Er gebietet ihnen, daß sie einander lieben, wie er sie geliebt hat (Johannes 13:34). Bei seinem Zusammensein mit ihnen in jenem Raum bereitet Jesus sie die ganze Zeit liebevoll auf seinen bevorstehenden Weggang vor. Er versichert sie seiner Freundschaft, ermuntert sie, Glauben auszuüben, und verspricht ihnen die Hilfe des heiligen Geistes (Johannes 14:1-17; 15:15). Bevor sie gemeinsam das Haus verlassen, bittet Jesus seinen Vater: „Die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche.“ Jesus hat die Apostel wirklich auf seinen Weggang vorbereitet, und zweifellos ‘liebt er die Seinen bis ans Ende’ (Johannes 13:1; 17:1).
19. Warum gerät Jesus im Garten Gethsemane in sorgenvolle Erregung?
19 Es ist vielleicht schon lange nach Mitternacht, als Jesus und seine 11 treuen Apostel im Garten Gethsemane ankommen. Hier ist er mit seinen Aposteln häufig gewesen (Johannes 18:1, 2). In wenigen Stunden soll er wie ein verabscheuungswürdiger Verbrecher sterben. Auf Grund dessen, was ihn erwartet und welche Schmach dies auf seinen Vater bringen mag, gerät Jesus in so große sorgenvolle Erregung, daß sein Schweiß, während er betet, wie Blutstropfen wird, die zur Erde fallen (Lukas 22:41-44). „Die Stunde ist gekommen!“ sagt er zu seinen Aposteln. „Seht! Mein Verräter hat sich genähert.“ Während er noch redet, nähert sich Judas Iskariot, begleitet von einer großen Volksmenge, die außer Fackeln und Lampen auch Waffen bei sich hat. Sie sind gekommen, um Jesus festzunehmen. Er leistet keinen Widerstand. „Wie . . . würden in diesem Fall die Schriften erfüllt werden, daß es so geschehen muß?“ erklärt er (Markus 14:41-43; Matthäus 26:48-54).
Der Menschensohn verherrlicht!
20. (a) Welch grausame Behandlung muß Jesus nach seiner Festnahme über sich ergehen lassen? (b) Warum ruft Jesus wenige Augenblicke vor seinem Tod aus: „Es ist vollbracht!“?
20 Nach seiner Festnahme wird Jesus von falschen Zeugen beschuldigt, von befangenen Richtern für schuldig erklärt, von Pontius Pilatus verurteilt, von Priestern und dem Pöbel verlacht und von Soldaten verspottet und gequält (Markus 14:53-65; 15:1, 15; Johannes 19:1-3). Am Freitag gegen Mittag wird Jesus an einen Marterpfahl genagelt, und er erleidet unerträgliche Schmerzen, als das Gewicht des Körpers an den Nagelwunden in Händen und Füßen zerrt (Johannes 19:17, 18). Etwa um drei Uhr nachmittags ruft Jesus aus: „Es ist vollbracht!“ Ja, er hat alles ausgeführt, weswegen er auf die Erde gekommen war. Er vertraut seinen Geist Gott an, neigt sein Haupt und stirbt (Johannes 19:28, 30; Matthäus 27:45, 46; Lukas 23:46). Am dritten Tag danach auferweckt Jehova seinen Sohn (Markus 16:1-6). Vierzig Tage nach seiner Auferstehung fährt Jesus in den Himmel auf und wird verherrlicht (Johannes 17:5; Apostelgeschichte 1:3, 9-12; Philipper 2:8-11).
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