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Gerechtigkeit nicht durch mündliche ÜberlieferungenDer Wachtturm 1990 | 1. Oktober
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Gerechtigkeit nicht durch mündliche Überlieferungen
„Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, [werdet ihr] keinesfalls in das Königreich der Himmel eingehen“ (MATTHÄUS 5:20).
1, 2. Was geschah, unmittelbar bevor Jesus die Bergpredigt hielt?
JESUS hatte die Nacht auf einem Berg zugebracht. Über ihm breitete sich der Sternenhimmel aus, und im Gebüsch war das Rascheln der Nachttiere zu hören. Im Osten bespülten sanfte Wellen das Ufer des Galiläischen Meeres. Doch Jesus wurde sich der friedlichen, beruhigend wirkenden Schönheit dieser Umgebung wohl kaum bewußt. Die ganze Nacht hatte er im Gebet zu seinem himmlischen Vater, Jehova, verbracht. Er benötigte seine Leitung, denn ein entscheidender Tag lag vor ihm.
2 Am östlichen Himmel dämmerte der Morgen herauf. Schon regten sich mit lieblichem Gezwitscher die Vögel. Die Blumen wiegten sich in einem sanften Lüftchen. Als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont aufleuchteten, rief Jesus seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus, die seine Apostel sein sollten. Anschließend machte er sich mit ihnen allen auf den Weg und ging den Berg hinab. Man konnte bereits die Volksmengen aus Galiläa, Tyrus und Sidon sowie aus Judäa und Jerusalem herbeiströmen sehen. Sie kamen, um sich von ihren Krankheiten heilen zu lassen. Kraft von Jehova ging von Jesus aus, und alle, die ihn anrührten, wurden geheilt. Sie waren aber auch gekommen, um ihm zuzuhören, und seine Worte wirkten auf diese geplagten Seelen wie heilender Balsam (Matthäus 4:25; Lukas 6:12-19).
3. Warum lauschten die Jünger und die Volksmengen von Anfang an gespannt den Worten Jesu?
3 Wenn ein Rabbi offiziell die Menschen unterwies, setzte er sich gewöhnlich, und das tat auch Jesus an diesem besonderen Frühlingsmorgen im Jahr 31 u. Z., anscheinend an einer ebenen, höher gelegenen Stelle am Berg. Als seine Jünger und die Volksmengen dies sahen, wußten sie, daß etwas Bedeutsames folgen würde. Erwartungsvoll versammelten sie sich daher um ihn und lauschten von Anfang an gespannt seinen Worten. Als er nach einiger Zeit zum Schluß kam, waren sie über seine Äußerungen höchst erstaunt. Wir wollen sehen, warum (Matthäus 7:28).
Zwei Arten der Gerechtigkeit
4. (a) Um welche zwei Arten der Gerechtigkeit ging es? (b) Welchen Zweck hatten die mündlichen Überlieferungen, und wurde er erfüllt?
4 Jesus stellte in der Bergpredigt, die sowohl in Matthäus 5:1 bis 7:29 als auch in Lukas 6:17-49 aufgezeichnet ist, zwei Klassen einander gegenüber: die Schriftgelehrten und Pharisäer einerseits und das einfache Volk, das von ihnen unterdrückt wurde, andererseits. Er sprach von zwei Arten der Gerechtigkeit, nämlich von derjenigen der heuchlerischen Pharisäer und von der wahren Gerechtigkeit Gottes (Matthäus 5:6, 20). Die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer beruhte auf mündlichen Überlieferungen. Diese hatte man im 2. Jahrhundert v. u. Z. als einen „Zaun um das Gesetz“ eingeführt, um es vor den Einflüssen des Hellenismus (der griechischen Kultur) zu schützen. Man betrachtete sie schließlich als einen Teil des mosaischen Gesetzes. Tatsächlich stuften die Schriftgelehrten die mündlichen Überlieferungen höher ein als das geschriebene Gesetz. In der Mischna heißt es: „Die Auflehnung gegen die Worte der Schriftgelehrten [ihre mündlichen Überlieferungen] ist eine schwerere Sünde als die gegen die Worte der Thora [des Gesetzes].“ Statt ein „Zaun um das Gesetz“ zu sein und dieses zu schützen, verwässerten die Überlieferungen das Gesetz und machten es ungültig. Jesus sagte: „Geschickt setzt ihr das Gebot Gottes beiseite, um an eurer Überlieferung festzuhalten“ (Markus 7:5-9; Matthäus 15:1-9).
5. (a) In welchem Zustand befand sich das gewöhnliche Volk, das gekommen war, um Jesus zu hören, und wie wurden diese Menschen von den Schriftgelehrten und Pharisäern betrachtet? (b) Wodurch wurden die mündlichen Überlieferungen zu einer sehr schweren Last auf den Schultern der Arbeiter?
5 Das gewöhnliche Volk, das in Scharen herbeiströmte, um Jesus zu hören, war geistig verarmt und war ‘umhergestoßen worden wie Schafe, die keinen Hirten haben’ (Matthäus 9:36). In ihrer Arroganz und ihrem Hochmut verachteten die Schriftgelehrten und Pharisäer die einfachen Menschen und nannten sie ʽam-haʼárez (Volk des Landes). Sie bezeichneten sie geringschätzig als unwissende, verfluchte Sünder, die einer Auferstehung unwürdig wären, weil sie nicht die mündlichen Überlieferungen beachteten. Zur Zeit Jesu waren diese Überlieferungen so umfangreich und ein derartiger Wirrwarr von bedrückenden kleinlichen Vorschriften — so sehr mit zeitraubenden Ritualen überladen —, daß wahrscheinlich kein Arbeiter sie wirklich einhalten konnte. Kein Wunder, daß Jesus die Überlieferungen als ‘schwere Lasten auf den Schultern der Menschen’ verurteilte (Matthäus 23:4; Johannes 7:45-49).
6. Was war an Jesu einleitenden Worten aufsehenerregend, und welche Änderung deuteten sie für seine Jünger und für die Schriftgelehrten und Pharisäer an?
6 Wer also zu Jesus kam, um ihm zuzuhören, als er sich am Berg niedersetzte, waren seine Jünger und die geistig hungernden Volksmengen. Für sie müssen Jesu einleitende Worte aufsehenerregend gewesen sein. ‘Glücklich die Armen, glücklich die Hungrigen, glücklich die Weinenden, glücklich die Gehaßten.’ Aber wer kann glücklich sein, wenn er arm oder hungrig ist, wenn er weint oder gehaßt wird? Jesus sprach über die Reichen, die Satten, die Lachenden und die Bewunderten ein Wehe aus (Lukas 6:20-26). Mit wenigen Worten stellte er alle üblichen Bewertungen und anerkannten menschlichen Maßstäbe auf den Kopf. Stellungen wurden auf dramatische Weise umgekehrt, was Jesu späteren Worten entsprach: „Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lukas 18:9-14).
7. Wie müssen die ersten Worte der Bergpredigt auf die geistig hungernden Volksmengen gewirkt haben, die Jesus zuhörten?
7 Im Gegensatz zu den selbstzufriedenen Schriftgelehrten und Pharisäern waren sich diejenigen, die an diesem bestimmten Morgen zu Jesus kamen, ihres traurigen geistigen Zustands bewußt. Seine ersten Worte müssen sie mit Hoffnung erfüllt haben: „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört.“ Und wie sehr ihre Stimmung gestiegen sein muß, als er hinzufügte: „Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, da sie gesättigt werden“ (Matthäus 5:3, 6; Johannes 6:35; Offenbarung 7:16, 17). Ja, gesättigt mit Gerechtigkeit, aber nicht mit pharisäerhafter!
‘Vor Menschen gerecht zu sein’ reicht nicht aus
8. Warum mögen sich einige gefragt haben, wie ihre Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer übertreffen könne, doch warum mußte sie das?
8 „Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft“, sagte Jesus, „[werdet ihr] keinesfalls in das Königreich der Himmel eingehen“ (Matthäus 5:17-20; siehe Markus 2:23-28; 3:1-6; 7:1-13). Einige müssen gedacht haben: „Gerechter sein als die Pharisäer? Sie fasten und beten, geben den Zehnten und Almosen und verbringen das ganze Leben mit dem Studium des Gesetzes. Wie kann da unsere Gerechtigkeit je die ihre übertreffen?“ Sie mußte sie jedoch weit übertreffen. Die Pharisäer mögen bei Menschen sehr geachtet gewesen sein, doch nicht bei Gott. Ein andermal erklärte Jesus den Pharisäern: „Ihr seid es, die sich vor Menschen selbst gerechtsprechen, aber Gott kennt euer Herz; denn was bei den Menschen hoch ist, ist etwas Abscheuliches in Gottes Augen“ (Lukas 16:15).
9—11. (a) Worin bestand nach Ansicht der Schriftgelehrten und Pharisäer eine Möglichkeit, einen gerechten Stand vor Gott zu erlangen? (b) Mit welcher zweiten Möglichkeit, Gerechtigkeit zu erlangen, rechneten sie? (c) Auf welchen dritten Weg zählten sie, und welche Worte des Apostels Paulus verurteilten diesen Weg als Fehlschlag?
9 Die Rabbis hatten ihre eigenen Regeln aufgestellt, wie Gerechtigkeit zu erlangen sei. Eine besagte, dies sei dank der Abstammung von Abraham möglich: „Die Schüler unseres Vaters Abraham geniessen in dieser Welt und ererben die zukünftige Welt“ (Mischna). Möglicherweise um dieser Überlieferung entgegenzutreten, empfing Johannes der Täufer die Pharisäer, die zu ihm kamen, mit den Worten: „Bringt ... Frucht hervor, die der Reue entspricht; und maßt euch nicht an, euch einzureden: ‚Wir haben Abraham zum Vater [als ob dies ausreichen würde]‘“ (Matthäus 3:7-9; siehe auch Johannes 8:33, 39).
10 Eine zweite Möglichkeit, Gerechtigkeit zu erlangen, war ihrer Ansicht nach das Almosengeben. Zwei apokryphische Bücher, die im 2. Jahrhundert v. u. Z. von frommen Juden geschrieben wurden, spiegeln diese Überlieferung wider. Eine Aussage ist im Buch Tobit (Tobias) zu finden: „Almosen errettet vom Tode und befreit von jeder Sünde“ (12:9, Herder). Das Buch Sirach stimmt damit überein: „Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so sühnt Mildtätigkeit Sünde“ (3:30, Neue Jerusalemer Bibel).
11 Der dritte Weg, auf dem die Rabbis Gerechtigkeit zu erlangen suchten, bestand in Gesetzeswerken. Ihre mündlichen Überlieferungen besagten, jemand werde gerettet, wenn bei seinen Handlungen das Gute überwiege. Im Gericht gelte: „Alles nach der Mehrheit der That“ — ob gut oder böse (Mischna). Um im Gericht bestehen zu können, waren sie bestrebt, „sich Verdienste zu erwerben, durch die die Sünden im Gerichte Gottes aufgewogen würden“. Wenn die guten Werke eines Menschen seine schlechten um eines überstiegen, würde er gerettet — als ob Gott richte, indem er über jede Kleinigkeit Buch führe! (Matthäus 23:23, 24). Paulus gab die richtige Ansicht wieder, als er schrieb: „Durch Gesetzeswerke [wird] kein Fleisch vor ihm [Gott] gerechtgesprochen werden“ (Römer 3:20). Mit Sicherheit muß die christliche Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertreffen.
„Ihr habt gehört, daß gesagt wurde“
12. (a) Inwiefern nahm Jesus in der Bergpredigt anders als sonst auf die Hebräischen Schriften Bezug, und warum? (b) Was lernen wir durch den sechsten Gebrauch des Hinweises „... daß gesagt wurde“?
12 Wenn Jesus zuvor aus den Hebräischen Schriften zitierte, sagte er: „Es steht geschrieben“ (Matthäus 4:4, 7, 10). Aber in der Bergpredigt führte er sechsmal Aussagen, die sich wie Zitate aus den Hebräischen Schriften anhörten, mit den Worten ein: „... daß gesagt wurde“ (Matthäus 5:21, 27, 31, 33, 38, 43). Warum? Weil er sich auf die Auslegung von Schrifttexten im Lichte der pharisäischen Überlieferungen bezog, die den Geboten Gottes widersprachen (5. Mose 4:2; Matthäus 15:3). Das wird deutlich in Jesu sechster und letzter Bezugnahme aus dieser Reihe: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.‘“ Doch keine Vorschrift des mosaischen Gesetzes lautete: „Hasse deinen Feind.“ Das sagten die Schriftgelehrten und Pharisäer. Es war ihre Auslegung des Gesetzes, den Nächsten zu lieben — den jüdischen Nächsten, keinen anderen.
13. Wie warnte Jesus schon vor den Anfängen eines Verhaltens, das zu tatsächlichem Mord führen könnte?
13 Betrachten wir nun die erste aus dieser Reihe von sechs Aussagen. Jesus erklärte: „Ihr habt gehört, daß zu denen, die in alten Zeiten lebten, gesagt wurde: ‚Du sollst nicht morden; wer immer aber einen Mord begeht, wird dem Gerichtshof Rechenschaft geben müssen.‘ Doch ich sage euch, daß jeder, der seinem Bruder fortgesetzt zürnt, dem Gerichtshof Rechenschaft wird geben müssen“ (Matthäus 5:21, 22). Zorn im Herzen führt vielleicht zu Lästerreden, dann zu einer Verurteilung, ja letzten Endes sogar zu einem Mord. Zorn, der lange im Herzen gehegt und genährt wird, kann den Tod nach sich ziehen: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Totschläger“ (1. Johannes 3:15).
14. Wie rät uns Jesus, uns gar nicht auf den Weg zu begeben, der zu Ehebruch führt?
14 Jesus sagte als nächstes: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Du sollst nicht ehebrechen.‘ Ich aber sage euch, daß jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat“ (Matthäus 5:27, 28). Du möchtest keinen Ehebruch begehen? Dann begib dich gar nicht auf diesen Weg, indem du keine derartigen Gedanken hegst. Behüte dein Herz, aus dem so etwas entspringt (Sprüche 4:23; Matthäus 15:18, 19). In Jakobus 1:14, 15 finden wir die warnenden Worte: „Jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollbracht ist, bringt Tod hervor.“ Manchmal hört man: „Fang nicht an, was du nicht zu Ende führen kannst.“ Doch in diesem Falle sollten wir sagen: „Fang nicht an, womit du nicht aufhören kannst.“ Einige, die sogar treu blieben, als ihnen mit dem Tod durch Erschießen gedroht wurde, haben später der heimtückischen Verlockung zu geschlechtlicher Unmoral nachgegeben.
15. Inwiefern unterschied sich Jesu Standpunkt in bezug auf Ehescheidung völlig von demjenigen, der in den mündlichen Überlieferungen der Juden vertreten wurde?
15 Nun kommen wir zur dritten Aussage Jesu: „Außerdem ist gesagt worden: ‚Wer immer sich von seiner Frau scheiden läßt, gebe ihr ein Scheidungszeugnis.‘ Doch ich sage euch, daß jeder, der sich von seiner Frau scheiden läßt, ausgenommen wegen Hurerei, sie dem Ehebruch aussetzt, und wer eine Geschiedene [das heißt eine aus anderen Gründen als geschlechtlicher Unmoral geschiedene Frau] heiratet, begeht Ehebruch“ (Matthäus 5:31, 32). Einige Juden handelten an ihrer Frau treulos und ließen sich aus den fadenscheinigsten Gründen scheiden (Maleachi 2:13-16; Matthäus 19:3-9). Die mündlichen Überlieferungen gestatteten einem Mann sogar, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, „wenn sie seine Speise anbrennen ließ“ oder „wenn er eine andere gefunden hat, die schöner ... als sie“ war (Mischna).
16. Durch welchen jüdischen Brauch wurde das Schwören sinnlos, und welchen Standpunkt nahm Jesus dazu ein?
16 Jesus fuhr fort: „Ferner habt ihr gehört, daß zu denen, die in alten Zeiten lebten, gesagt wurde: ‚Du sollst nicht schwören, ohne entsprechend zu handeln‘ ... Doch ich sage euch: Schwört überhaupt nicht.“ Zu dieser Zeit trieben die Juden Mißbrauch mit Eiden und schworen oftmals wegen belangloser Dinge, ohne entsprechend zu handeln. Jesus sagte indes: „Schwört überhaupt nicht ... Euer Wort Ja bedeute einfach ja, euer Nein nein.“ Seine Regel war einfach: Man sage stets die Wahrheit, dann braucht man sein Wort nicht durch einen Eid zu bekräftigen. Eide behalte man wichtigen Angelegenheiten vor (Matthäus 5:33-37; vergleiche 23:16-22).
17. Welche bessere Handlungsweise als „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ lehrte Jesus?
17 Anschließend erklärte Jesus: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Auge um Auge und Zahn um Zahn.‘ Doch ich sage euch: Widersteht nicht dem, der böse ist, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, so wende ihm auch die andere zu“ (Matthäus 5:38-42). Jesus sprach hier nicht von einem Schlag in der Absicht zu verletzen, sondern von einem beleidigenden Schlag mit dem Handrücken auf die Wange. Wahre deine Würde, indem du bei Beleidigungen nicht mit gleicher Münze zurückzahlst. Weigere dich, Böses mit Bösem zu vergelten. Du solltest lieber mit Gutem vergelten und so „das Böse stets mit dem Guten“ besiegen (Römer 12:17-21).
18. (a) Welche Änderung nahmen die Juden bei dem Gesetz über die Nächstenliebe vor, doch wie trat Jesus dieser Änderung entgegen? (b) Was antwortete Jesus einem gewissen Gesetzeskundigen, der die Anwendung des Begriffes „Nächster“ begrenzen wollte?
18 Mit dem sechsten und letzten Beispiel zeigte Jesus deutlich, wie die rabbinischen Überlieferungen das mosaische Gesetz schwächten: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.‘ Doch ich sage euch: Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Matthäus 5:43, 44). Im mosaischen Gesetz stand nichts geschrieben, was der Liebe Grenzen zog. „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18). Den Pharisäern behagte dieses Gebot nicht, und sie suchten es dadurch zu umgehen, daß sie die Bezeichnung „Nächster“ auf diejenigen beschränkten, die sich an die Überlieferungen hielten. Ein gewisser Gesetzeskundiger, den Jesus an das Gebot erinnerte: ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’, stellte deshalb die spitzfindige Frage: „Wer ist in Wirklichkeit mein Nächster?“ Jesus antwortete mit dem Gleichnis vom Barmherzigen Samariter: Mache dich zum Nächsten desjenigen, der dich benötigt (Lukas 10:25-37).
19. Welches Verhalten Jehovas gegenüber den Bösen nachzuahmen, empfahl uns Jesus?
19 Im weiteren Verlauf seiner Predigt erklärte Jesus, daß ‘Gott den Bösen Liebe erweist. Er läßt die Sonne auf sie scheinen und läßt es über sie regnen. Es ist nichts Besonderes, diejenigen zu lieben, die euch lieben. Das tun auch die Bösen. Es besteht kein Grund, dafür belohnt zu werden. Erweist euch als Söhne Gottes. Ahmt ihn nach. Macht euch zum Nächsten aller, und liebt euren Nächsten. So könnt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist’ (Matthäus 5:45-48). Welch ein anspruchsvoller Maßstab! Und wie winzig dagegen die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer erscheint!
20. Inwiefern verlieh Jesus dem mosaischen Gesetz wesentlich mehr Nachdruck und stufte es sogar höher ein, statt es zu verwerfen?
20 Als sich Jesus auf Teile des mosaischen Gesetzes bezog und die Worte hinzufügte: „Doch ich sage euch ...“, verwarf er dieses Gesetz nicht, noch ersetzte er es durch etwas anderes, sondern er verlieh ihm wesentlich mehr Nachdruck, indem er zeigte, welcher Geist dahinterstand. Ein höheres Gesetz der Bruderschaft erklärt fortgesetzten Groll zum Mord. Ein höheres Gesetz der Reinheit bezeichnet fortgesetztes lüsternes Denken als Ehebruch. Ein höheres Gesetz der Ehe lehnt eine leichtfertige Scheidung als Vorstufe zu ehebrecherischen Wiederverheiratungen ab. Ein höheres Gesetz der Wahrheit zeigt, daß häufiges Schwören unnütz ist. Ein höheres Gesetz der Milde verurteilt Vergeltung. Ein höheres Gesetz der Liebe fordert eine gottgemäße Liebe, die keinerlei Schranken kennt.
21. Was ließen Jesu Ermahnungen in bezug auf die rabbinische Selbstgerechtigkeit erkennen, und was lernten die Volksmengen noch?
21 Welch tiefen Eindruck diese beispiellosen Ermahnungen bei denen hinterlassen haben müssen, an deren Ohr sie zum ersten Mal drangen! Wie wertlos dadurch die heuchlerische Selbstgerechtigkeit wurde, die sich aus der sklavischen Einhaltung der rabbinischen Überlieferungen ergab! Während jedoch Jesus die Bergpredigt fortsetzte, sollten die Volksmengen, die nach Gottes Gerechtigkeit hungerten und dürsteten, noch ausdrücklich lernen, wie man Gerechtigkeit erlangen kann. Das zeigt der folgende Artikel.
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Suche weiterhin das Königreich und Gottes GerechtigkeitDer Wachtturm 1990 | 1. Oktober
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Suche weiterhin das Königreich und Gottes Gerechtigkeit
„So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden“ (MATTHÄUS 6:33).
1, 2. Was machten die Schriftgelehrten und Pharisäer aus Handlungen, die an sich gut waren, und wovor warnte Jesus seine Nachfolger?
DIE Schriftgelehrten und Pharisäer suchten auf ihre eigene Weise Gerechtigkeit, nicht auf Gottes Weise. Und nicht nur das. Aus Handlungen, die an sich gut waren, machten sie eine heuchlerische Zurschaustellung, um von den Menschen gesehen zu werden. Sie dienten nicht Gott, sondern ihrer persönlichen Eitelkeit. Jesus verbot seinen Jüngern eine solche Schauspielerei: „Achtet gut darauf, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden; sonst werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater haben, der in den Himmeln ist“ (Matthäus 6:1).
2 Jehova schätzt Menschen, die den Armen etwas geben — aber nicht Personen, die so geben wie die Pharisäer. Jesus warnte seine Jünger davor, die Pharisäer nachzuahmen: „Wenn du also Gaben der Barmherzigkeit spendest, so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn“ (Matthäus 6:2).
3. (a) In welcher Hinsicht wurde den Schriftgelehrten und Pharisäern der Lohn für ihr Geben voll ausbezahlt? (b) Inwiefern vertrat Jesus einen gegenteiligen Standpunkt in bezug auf das Geben?
3 Das griechische Wort für „sie haben bereits ... vollen“ (apékō) erschien im Geschäftsleben oft auf Quittungen. In der Bergpredigt bedeutet es: „Sie haben ihren Lohn erhalten“, das heißt, „sie haben die Quittung über ihren Lohn unterschrieben: Ihrem Recht, ihren Lohn zu empfangen, ist entsprochen worden, so, als hätten sie bereits eine Quittung dafür gegeben“ (An Expository Dictionary of New Testament Words von W. E. Vine). Man verpflichtete sich öffentlich auf der Straße, den Armen Almosen zu geben. In den Synagogen wurden die Namen von Spendern bekanntgemacht. Personen, die große Beträge spendeten, wurden besonders geehrt, und zwar dadurch, daß sie während des Gottesdienstes neben dem Rabbi sitzen durften. Sie gaben, um von den Menschen gesehen zu werden; und sie wurden von den Menschen gesehen und verherrlicht; somit konnten sie gewissermaßen die Quittung über den Lohn für ihre Gabe mit dem Vermerk „Voll ausbezahlt“ versehen. Welch einen gegenteiligen Standpunkt doch Jesus vertrat! Er sagte: „[Gib] im Verborgenen ...; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (Matthäus 6:3, 4; Sprüche 19:17).
Gebete, die Gott wohlgefallen
4. Warum fühlte sich Jesus veranlaßt, die Pharisäer wegen ihrer Gebete als Heuchler zu bezeichnen?
4 Jehova schätzt an ihn gerichtete Gebete — aber keine pharisäerhaften. Jesus sagte zu seinen Nachfolgern: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht wie die Heuchler sein; denn sie beten gern stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen, um von den Menschen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn“ (Matthäus 6:5). Die Pharisäer kannten viele Gebete, die sie täglich zu bestimmten Zeiten zu sprechen hatten, ungeachtet, wo sie sich gerade aufhielten. Theoretisch sollten sie privat beten. Sie richteten es aber absichtlich so ein, daß sie sich bei Anbruch der Gebetsstunde „an den Ecken der breiten Straßen“ befanden und so von den Leuten, die in vier Richtungen vorbeigingen, gesehen werden konnten.
5. (a) Welche weiteren Bräuche trugen dazu bei, daß die Gebete der Pharisäer von Gott nicht erhört wurden? (b) Welche Punkte erwähnte Jesus in seinem Mustergebet an erster Stelle, und gehen die Menschen heutzutage damit einig?
5 Sie stellten eine falsche Heiligkeit zur Schau und sprachen „zum Schein lange Gebete“ (Lukas 20:47). Eine mündliche Überlieferung lautete: „Die vormaligen Frommen pflegten eine Stunde zu verweilen und dann erst zu beten“ (Mischna). So waren sie sicher, daß ihre Frömmigkeit gesehen und bewundert wurde. Solche Gebete stiegen aber nicht höher als ihre Köpfe. Jesus sagte, man solle in der Abgeschiedenheit beten, ohne leere Wiederholungen, und er gab den Jüngern ein einfaches Muster (Matthäus 6:6-8; Johannes 14:6, 14; 1. Petrus 3:12). In Jesu Mustergebet stand Vorrangiges an erster Stelle: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe“ (Matthäus 6:9-13). Wenige Menschen kennen heutzutage Gottes Namen, und noch weniger möchten, daß er geheiligt wird. Dadurch ist er für sie ein namenloser Gott. Gottes Königreich komme? Viele meinen, es sei bereits da — in ihnen. Sie beten vielleicht, daß sein Wille geschehe, doch die meisten tun ihren eigenen (Sprüche 14:12).
6. Warum verwarf Jesus das Fasten der Juden als sinnlos?
6 Fasten ist Jehova wohlgefällig — aber kein pharisäerhaftes. Wie Jesus die Almosen und die Gebete der Schriftgelehrten und Pharisäer als sinnlos verwarf, so auch ihr Fasten: „Hört auf, wenn ihr fastet, ein trübseliges Gesicht zu machen wie die Heuchler, denn sie verstellen ihr Gesicht, um den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn“ (Matthäus 6:16). Die mündlichen Überlieferungen schrieben den Pharisäern vor, sich während des Fastens weder zu waschen noch zu salben, sondern Asche auf das Haupt zu tun. Wenn die Juden nicht fasteten, wuschen sie sich regelmäßig und rieben den Körper mit Öl ein.
7. (a) Wie sollten sich Jesu Nachfolger verhalten, wenn sie fasteten? (b) Was wünschte Jehova in den Tagen Jesajas in Verbindung mit dem Fasten?
7 In Verbindung mit dem Fasten wies Jesus seine Nachfolger an: „Öle dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater“ (Matthäus 6:17, 18). In den Tagen Jesajas fasteten abtrünnige Juden gern, wobei sie ihre Seele wie auch ihr Haupt in Betrübnis beugten und in Sacktuch und Asche dasaßen. Aber Jehova wollte, daß sie die Niedergedrückten freiließen, die Hungernden speisten, die Heimatlosen aufnahmen und die Nackten kleideten (Jesaja 58:3-7).
Himmlische Schätze aufhäufen
8. Wodurch verloren die Schriftgelehrten und Pharisäer den Blick dafür, wie man Gottes Wohlgefallen erlangt, und welchen später von Paulus geäußerten Grundsatz ließen sie außer acht?
8 Die Schriftgelehrten und Pharisäer verloren in ihrem Streben nach Gerechtigkeit den Blick dafür, wie man Gottes Wohlgefallen erlangt; sie wollten vor allem von den Menschen bewundert werden. Sie waren so sehr von den Überlieferungen der Menschen eingenommen, daß sie das geschriebene Wort Gottes beiseite setzten. Sie richteten ihr Herz auf eine irdische Stellung statt auf himmlische Schätze. Sie ließen eine einfache Wahrheit außer acht, die ein Christ, der früher ein Pharisäer war, Jahre später niederschrieb: „Was immer ihr tut, arbeitet daran mit ganzer Seele als für Jehova und nicht für Menschen, denn ihr wißt, daß ihr den gebührenden Lohn, das Erbe, von Jehova empfangen werdet“ (Kolosser 3:23, 24).
9. Welche Gefahren können einem irdischen Schatz drohen, aber wodurch bleibt ein wahrer Schatz in Sicherheit?
9 Jehova ist nicht an deinem Bankkonto interessiert, sondern an der Ergebenheit deines Herzens. Er weiß: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Können Rost und Motten deinen Schatz verzehren? Können Diebe Lehmmauern durchbohren und ihn stehlen? Oder kann die Kaufkraft deines Schatzes in der heutigen Zeit wirtschaftlicher Instabilität durch Inflation gemindert werden, oder kann er durch einen Börsenkrach seinen Wert völlig verlieren? Besteht angesichts der steigenden Verbrechensrate die Möglichkeit, daß dein Schatz gestohlen wird? Nicht, wenn er im Himmel aufbewahrt ist. Nicht, wenn dein Auge — eine Lampe, die deinen ganzen Körper erleuchtet — lauter ist, wenn es auf Gottes Königreich und seine Gerechtigkeit gerichtet ist. Reichtum hat es an sich, einfach zu verschwinden. „Mühe dich nicht, Reichtum zu gewinnen. Laß ab von deinem eigenen Verständnis. Hast du deine Augen darauf hinfliegen lassen, da er doch nichts ist? Denn ganz bestimmt macht er sich Flügel gleich denen eines Adlers und entfliegt den Himmeln zu“ (Sprüche 23:4, 5). Warum sich also wegen Reichtum den Schlaf rauben lassen? „Der Überfluß, der dem Reichen gehört, läßt ihn nicht schlafen“ (Prediger 5:12). Denke an Jesu warnende Worte: „Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein“ (Matthäus 6:19-24).
Glauben, der Sorgen vertreibt
10. Warum ist es so bedeutsam, an Gott zu glauben statt an materiellen Besitz, und welchen Rat gab Jesus?
10 Jehova möchte, daß du an ihn glaubst, nicht an deinen materiellen Besitz. „Ohne Glauben ... ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen, denn wer sich Gott naht, muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird“ (Hebräer 11:6). Jesus sagte: „Wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt“ (Lukas 12:15). Millionen auf der Bank bewirken nicht, daß eine kranke Lunge weiterarbeitet oder ein müdes Herz weiterpumpt. „Deswegen sage ich euch“, fuhr Jesus in der Bergpredigt fort, „hört auf, euch Sorgen zu machen um eure Seele über das, was ihr essen oder was ihr trinken werdet, oder um euren Leib über das, was ihr anziehen werdet. Bedeutet die Seele nicht mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“ (Matthäus 6:25).
11. Woher hatte Jesus viele seiner Gleichnisse und Veranschaulichungen, und inwiefern ist die Bergpredigt ein Beispiel dafür?
11 Jesus war ein Meister im Erzählen von Gleichnissen. Bei allem, was er sah, dachte er darüber nach, wie er es für ein Gleichnis verwenden konnte. Als er eine Frau sah, die eine angezündete Lampe auf einen Leuchter stellte, verwandelte er seine Beobachtung in ein Gleichnis. Als er sah, wie ein Hirte die Schafe von den Ziegenböcken trennte, wurde daraus ein Gleichnis. Als er Kinder auf einem Marktplatz spielen sah, wurde daraus ein Gleichnis. Und so war es auch bei der Bergpredigt. Während er über Sorgen und materielle Bedürfnisse redete, gebrauchte er die umherfliegenden Vögel und die Lilien am Bergabhang als Veranschaulichung. Säen und ernten die Vögel? Spinnen oder weben die Lilien? Nein. Gott hat sie erschaffen, und er sorgt auch für sie. Du bist jedoch mehr wert als Vögel und Lilien (Matthäus 6:26, 28-30). Nicht für sie gab Gott seinen Sohn, sondern für dich (Johannes 3:16).
12. (a) Bedeutete die Veranschaulichung von den Vögeln und den Blumen, daß Jesu Jünger nicht zu arbeiten brauchten? (b) Was hob Jesus in bezug auf Arbeit und Glauben hervor?
12 Jesus wollte seinen Nachfolgern damit keineswegs sagen, sie brauchten nicht für ihre Nahrung und Kleidung zu arbeiten. (Siehe Prediger 2:24; Epheser 4:28; 2. Thessalonicher 3:10-12.) An jenem Frühlingsmorgen scharrten die Vögel geschäftig auf der Suche nach Nahrung, warben umeinander, bauten Nester, brüteten oder fütterten ihre Jungen. Sie arbeiteten, doch ohne sich Sorgen zu machen. Auch die Blumen waren sozusagen beschäftigt, indem sie ihre Wurzeln auf der Suche nach Wasser und Mineralien in den Boden trieben und ihre Blätter dem Sonnenlicht entgegenstreckten. Sie mußten heranwachsen und blühen und ihren Samen ausstreuen, bevor sie starben. Sie arbeiteten, doch ohne sich Sorgen zu machen. Gott sorgt für die Vögel und die Lilien. ‘Wird er nicht vielmehr für euch sorgen, ihr Kleingläubigen?’ (Matthäus 6:30).
13. (a) Warum war es passend, daß Jesus die Elle als Maß gebrauchte, als er vom Verlängern des Lebens sprach? (b) Wie kannst du dein Leben gewissermaßen um endlose Millionen von Kilometern verlängern?
13 Haben wir also Glauben. Seien wir nicht besorgt. Durch Sorgen ändert man nichts. „Wer von euch kann dadurch, daß er sich sorgt“, fragte Jesus, „seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?“ (Matthäus 6:27). Aber warum brachte Jesus ein Längenmaß (eine Elle) mit einem Zeitmaß (eine Lebenslänge) in Verbindung? Vielleicht weil die Bibel das Leben von Menschen häufig mit einem Weg vergleicht und zum Beispiel vom „Weg der Sünder“, vom „Pfad der Gerechten“, von einem ‘breiten Weg in die Vernichtung’ und von einem ‘eingeengten Weg zum Leben’ spricht (Psalm 1:1; Sprüche 4:18; Matthäus 7:13, 14). Sorgen um die täglichen Bedürfnisse können unser Leben auch nicht um einen Bruchteil, sozusagen um „eine einzige Elle“, verlängern. Es gibt aber eine Möglichkeit, unser Leben gewissermaßen um endlose Millionen von Kilometern zu verlängern. Nicht dadurch, daß wir uns Sorgen machen und sagen: „Was sollen wir essen?“ oder: „Was sollen wir trinken?“ oder: „Was sollen wir anziehen?“, sondern indem wir Glauben haben und das tun, wozu uns Jesus auffordert: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden“ (Matthäus 6:31-33).
Gottes Königreich und seine Gerechtigkeit erlangen
14. (a) Was ist das Thema der Bergpredigt? (b) Auf welche falsche Weise suchten die Schriftgelehrten und Pharisäer das Königreich und Gerechtigkeit?
14 Im einleitenden Satz der Bergpredigt erklärte Jesus, das Königreich der Himmel gehöre denen, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt seien. Im vierten Satz sagte er, daß die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, gesättigt würden. Damit rückte Jesus sowohl das Königreich als auch Jehovas Gerechtigkeit an die erste Stelle. Beides bildet gemeinsam das Thema der Bergpredigt. Durch beides werden die Bedürfnisse der ganzen Menschheit befriedigt. Wodurch können wir jedoch das Königreich und Gottes Gerechtigkeit erlangen? Wie fahren wir fort, beides zu suchen? Nicht so, wie es die Schriftgelehrten und Pharisäer taten. Sie suchten das Königreich und die Gerechtigkeit durch das mosaische Gesetz, zu dem gemäß ihrer Behauptung auch die mündlichen Überlieferungen gehörten, denn sie glaubten, Moses habe am Berg Sinai sowohl das geschriebene Gesetz als auch die mündlichen Überlieferungen erhalten.
15. (a) Wann entstanden nach jüdischen Angaben die mündlichen Überlieferungen, und wie wurden sie von den Juden über das erhoben, was im mosaischen Gesetz geschrieben stand? (b) Wann entstanden sie in Wirklichkeit, und wie wirkten sie sich auf das mosaische Gesetz aus?
15 In den Überlieferungen heißt es diesbezüglich: „Moses hat die Thora [Fußnote: „hier vorzugsweise die mündliche Lehre“] auf dem Sinai empfangen und sie dem Josua überliefert, und Josua den Aeltesten, und die Aeltesten den Propheten, und die Propheten haben sie den Männern der grossen Versammlung überliefert.“ Schließlich stellte man das mündliche Gesetz sogar über das geschriebene Gesetz. Es heißt: „Die Vorschriften der Thora [des geschriebenen Gesetzes] zu übertreten ist nicht strafbar.“ Wagt es indes jemand, „zu den Worten der Schriftgelehrten etwas hinzuzufügen, ist [er] schuldig“ (Mischna). Die mündlichen Überlieferungen haben aber nicht etwa am Sinai ihren Ursprung. Ihre rasche Anhäufung begann im Grunde genommen erst etwa zweihundert Jahre vor Christus. Durch die Überlieferungen wurde dem, was im mosaischen Gesetz geschrieben stand, nicht nur etwas hinzugefügt, sondern es wurde auch etwas davon weggenommen, und auf diese Weise wurde das Gesetz zunichte gemacht. (Vergleiche 5. Mose 4:2; 12:32.)
16. Wie kommt Gottes Gerechtigkeit für die Menschen?
16 Gottes Gerechtigkeit kommt nicht durch das mosaische Gesetz, sondern getrennt davon: „Durch Gesetzeswerke [wird] kein Fleisch vor ihm gerechtgesprochen werden, denn durch Gesetz kommt die genaue Erkenntnis der Sünde. Nun aber ist Gottes Gerechtigkeit ohne Gesetz offenbar gemacht worden, wie sie durch das GESETZ und die PROPHETEN bezeugt wird, ja, Gottes Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus Christus“ (Römer 3:20-22). Gottes Gerechtigkeit kommt also durch Glauben an Christus Jesus — was ausführlich „durch das GESETZ und die PROPHETEN bezeugt wird“. Die messianischen Prophezeiungen erfüllten sich an Jesus. Und er erfüllte das mosaische Gesetz; es wurde aus dem Weg geräumt, indem es an seinen Marterpfahl genagelt wurde (Lukas 24:25-27, 44-46; Kolosser 2:13, 14; Hebräer 10:1).
17. Wieso erkannten die Juden, wie der Apostel Paulus zeigte, nicht die Gerechtigkeit Gottes?
17 Deshalb schrieb der Apostel Paulus über das Versagen der Juden bei der Suche nach Gerechtigkeit: „Denn ich bezeuge ihnen, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht gemäß genauer Erkenntnis; denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten, sondern ihre eigene aufzurichten suchten, unterwarfen sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes. Denn Christus ist das Ende des GESETZES, jedem zur Gerechtigkeit, der Glauben ausübt“ (Römer 10:2-4). Und über Christus Jesus schrieb Paulus: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn Gottes Gerechtigkeit würden“ (2. Korinther 5:21).
18. Wie betrachteten die jüdischen Traditionalisten, die griechischen Philosophen und die „Berufenen“ „Christus am Pfahl“?
18 In den Augen der Juden war ein sterbender Messias ein Schwächling, ein Nichts. Den griechischen Philosophen, die über einen solchen Messias spotteten, war er Torheit. Doch es verhält sich so, wie Paulus erklärte: „Die Juden bitten um Zeichen, und auch die Griechen suchen nach Weisheit; wir aber predigen Christus am Pfahl, den Juden eine Ursache zum Straucheln, den Nationen aber Torheit; den Berufenen jedoch, sowohl Juden wie Griechen, Christus, die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes. Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen“ (1. Korinther 1:22-25). Christus Jesus ist eine Manifestation der Macht und Weisheit Gottes sowie Gottes Mittel zur Gerechtigkeit und zum ewigen Leben für gehorsame Menschen. „Es [gibt] in keinem anderen Rettung, denn es gibt keinen anderen Namen unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben worden ist, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apostelgeschichte 4:12).
19. Was zeigt der folgende Artikel?
19 Wenn wir der Vernichtung entrinnen und ewiges Leben erhalten möchten, müssen wir, wie der folgende Artikel zeigt, fortfahren, Gottes Königreich und seine Gerechtigkeit zu suchen. Das sollte nicht nur dadurch geschehen, daß wir den Worten Jesu Gehör schenken, sondern auch dadurch, daß wir entsprechend handeln.
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Täter des Wortes sein, nicht bloß HörerDer Wachtturm 1990 | 1. Oktober
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Täter des Wortes sein, nicht bloß Hörer
„Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr‘, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist“ (MATTHÄUS 7:21).
1. Was sollten Jesu Nachfolger weiterhin tun?
BITTE fortwährend. Suche unablässig. Klopfe immer wieder an. Verharre im Gebet, befasse dich eingehend mit Jesu Worten aus der Bergpredigt, und handle danach. Wie Jesus erklärte, sind seine Nachfolger das Salz der Erde, und sie haben sozusagen eine mit Salz gewürzte lebensrettende Botschaft, die sie nicht fad werden lassen dürfen, eine Botschaft, die ihren Geschmack oder ihre lebensrettende Kraft nicht verlieren darf. Sie sind das Licht der Welt und spiegeln das von Christus Jesus und Jehova Gott stammende Licht nicht nur durch ihre Äußerungen wider, sondern auch durch ihre Handlungen. Ihre guten Werke leuchten ebenso hell wie ihre Licht spendenden Worte, ja sie mögen sogar noch lauter reden als Worte — und das in einer Welt, die an die pharisäerhafte Heuchelei der religiösen und politischen Führer gewöhnt ist, die viele Worte machen, aber wenig tun (Matthäus 5:13-16).
2. Was schrieb Jakobus, doch welchen bequemen Standpunkt nehmen einige ein?
2 Jakobus schrieb: „Werdet ... Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, indem ihr euch selbst durch falsche Überlegungen betrügt“ (Jakobus 1:22). Viele betrügen sich selbst durch die Ansicht „Einmal gerettet, für immer gerettet“ — als ob sie sich jetzt zur Ruhe setzen und auf einen himmlischen Lohn warten könnten. Aber diese Ansicht ist falsch und die daran geknüpfte Hoffnung vergeblich. Jesus sagte: „Wer ... bis zum Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden“ (Matthäus 24:13). Um ewiges Leben zu erlangen, muß man sich „als treu selbst bis in den Tod“ erweisen (Offenbarung 2:10; Hebräer 6:4-6; 10:26, 27).
3. Welche Anweisung in bezug auf Richten gab Jesus in der Bergpredigt als nächstes?
3 Jesus äußerte im Verlauf der Bergpredigt noch vieles, was Christen beachten sollten. Der folgende Ausspruch scheint zwar einfach zu sein, doch verurteilt er eine Neigung, die mit am schwierigsten zu überwinden ist: „Hört auf zu richten, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird man euch messen. Warum schaust du also auf den Strohhalm im Auge deines Bruders, beachtest aber nicht den Balken in deinem eigenen Auge? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‚Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen‘, wenn, siehe, ein Balken in deinem eigenen Auge ist? Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst“ (Matthäus 7:1-5).
4. Welche zusätzliche Anweisung enthält der Bericht des Lukas, und wozu führt ihre Befolgung?
4 Gemäß dem Bericht des Lukas über die Bergpredigt forderte Jesus seine Zuhörer auf, nicht an anderen herumzunörgeln, sondern fortzufahren, sie „freizulassen“, das heißt, den Mitmenschen ihre Fehler zu vergeben. Das würde andere veranlassen, ebenso zu reagieren: „Übt euch im Geben, und man wird euch geben. Man wird euch ein treffliches, vollgedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß in euren Schoß schütten. Denn mit dem Maß, mit dem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden“ (Lukas 6:37, 38).
5. Warum ist es viel einfacher, die Fehler anderer zu sehen, als die eigenen wahrzunehmen?
5 Im ersten Jahrhundert u. Z. neigten die Pharisäer aufgrund der mündlichen Überlieferungen im allgemeinen dazu, ein hartes Urteil über andere zu fällen. Diejenigen unter Jesu Zuhörern, die dies zu tun gewohnt waren, sollten damit aufhören. Es ist natürlich viel einfacher, den Strohhalm im Auge anderer zu sehen als den Balken im eigenen Auge — und viel beruhigender für das eigene Ich noch dazu! Jemand sagte einmal: „Ich kritisiere gern andere, weil ich mich dann wohl fühle.“ Andere gewohnheitsmäßig zu tadeln verleiht einem vielleicht das Gefühl, Tugenden zu haben, die die eigenen Mängel, die man gern verbergen möchte, scheinbar aufwiegen. Ist aber eine Zurechtweisung wirklich nötig, sollte sie im Geist der Milde erteilt werden. Wer jemand zurechtweist, sollte sich stets seiner eigenen Fehler bewußt sein (Galater 6:1).
Versuche zu verstehen, bevor du richtest
6. Worauf sollten sich die Urteile, die wir zu fällen haben mögen, stützen, und welche Hilfe sollten wir suchen, damit wir nicht überkritisch sind?
6 Jesus kam nicht, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Alle Urteile, die er fällte, stammten nicht von ihm selbst, sondern stützten sich auf das, was Gott ihm zu reden geboten hatte (Johannes 12:47-50). Alle Urteile, die wir fällen, sollten ebenfalls mit Jehovas Wort im Einklang sein. Wir müssen die menschliche Neigung unterdrücken, andere zu richten. Bei diesem Bemühen sollten wir ständig um die Hilfe Jehovas beten: „Bittet fortwährend, und es wird euch gegeben werden; sucht unablässig, und ihr werdet finden; klopft immer wieder an, und es wird euch geöffnet werden“ (Matthäus 7:7, 8). Selbst Jesus sagte: „Ich kann gar nichts aus mir selbst tun; so, wie ich höre, richte ich; und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen eigenen Willen, sondern den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat“ (Johannes 5:30).
7. Was sollten wir uns zur Gewohnheit machen, das uns helfen wird, die Goldene Regel anzuwenden?
7 Wir sollten es uns zur Gewohnheit machen, andere nicht zu richten, sondern Verständnis für sie aufzubringen, indem wir uns in ihre Lage versetzen. Das ist zwar nicht leicht, aber unerläßlich, wenn wir uns an die Goldene Regel halten möchten, die Jesus anschließend erwähnte: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun; in der Tat, das ist es, was das GESETZ und die PROPHETEN bedeuten“ (Matthäus 7:12). Jesu Nachfolger sollten also feinfühlig sein und den geistigen Zustand, die emotionale Verfassung und den Grad des Glaubens anderer berücksichtigen. Sie sollten ihre Bedürfnisse erkennen und verstehen sowie persönliches Interesse bekunden, indem sie ihnen beistehen (Philipper 2:2-4). Jahre später schrieb Paulus: „Das ganze GESETZ ist in e i n e m Ausspruch erfüllt, nämlich: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘“ (Galater 5:14).
8. Von welchen zwei Wegen sprach Jesus, und warum entscheiden sich die meisten Menschen für den einen?
8 „Geht ein durch das enge Tor“, sagte Jesus als nächstes; „denn breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen; doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden“ (Matthäus 7:13, 14). Viele entschieden sich damals für den Weg in die Vernichtung, und auch heute tun das viele. Der breite Weg erlaubt es ihnen, so zu denken, wie es ihnen gefällt, und so zu leben, wie es ihnen gefällt: keine Regeln, keine Verpflichtungen, ein unbekümmertes Leben und nur ja keine Anstrengung! ‘Danach zu ringen, durch die enge Tür einzugehen’, liegt ihnen nicht (Lukas 13:24).
9. Was erfordert es, den schmalen Weg zu gehen, und wovor warnt Jesus diejenigen, die ihn gehen?
9 Aber auf den Weg zu ewigem Leben gelangt man nur durch die enge Tür. Es ist ein Weg, der Selbstbeherrschung verlangt. Er mag Zucht mit sich bringen, durch die die Beweggründe auf die Probe gestellt werden und die Tiefe der Hingabe geprüft wird. Wenn Verfolgung auftritt, wird der Weg holprig und erfordert Ausharren. Jesus warnt alle, die auf diesem Weg gehen: „Nehmt euch vor den falschen Propheten in acht, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie raubgierige Wölfe“ (Matthäus 7:15). Diese Beschreibung paßte haargenau auf die Pharisäer (Matthäus 23:27, 28). Sie hatten „sich auf Moses’ Stuhl gesetzt“ und behaupteten, für Gott zu sprechen, während sie den menschlichen Überlieferungen anhingen (Matthäus 23:2).
Wie die Pharisäer ‘das Königreich verschlossen’
10. Auf welche besondere Weise suchten die Schriftgelehrten und Pharisäer ‘das Königreich vor den Menschen zu verschließen’?
10 Überdies versuchte die jüdische Geistlichkeit diejenigen, die durch das enge Tor eingehen wollten, daran zu hindern. „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschließt! Denn ihr selbst geht nicht hinein, noch erlaubt ihr, daß die hineingehen, die sich auf dem Weg dorthin befinden“ (Matthäus 23:13). Die Methode der Pharisäer bestand, wie Jesus warnend sagte, darin, den „Namen [seiner Jünger] als böse [zu] verwerfen um des Menschensohnes willen“ (Lukas 6:22). Der Mann, der von Geburt an blind war und von Jesus Christus geheilt wurde, glaubte, daß dieser der Messias war. Deshalb wurde er aus der Synagoge ausgeschlossen. Seine Eltern lehnten es ab, irgendwelche Fragen zu beantworten, weil sie befürchteten, ebenfalls aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden. Andere, die glaubten, daß Jesus der Messias war, zögerten aus demselben Grund, dies öffentlich zu bekennen (Johannes 9:22, 34; 12:42; 16:2).
11. Welche kennzeichnenden Früchte bringt die Geistlichkeit der Christenheit hervor?
11 „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagte Jesus. „Jeder gute Baum [bringt] vortreffliche Frucht hervor, aber jeder faule Baum bringt wertlose Frucht hervor“ (Matthäus 7:16-20). Die gleiche Regel gilt heute. Viele Geistliche der Christenheit sagen das eine und tun das andere. Obwohl sie behaupten, gemäß der Bibel zu lehren, unterstützen sie solch gotteslästerliche Lehren wie die von der Dreieinigkeit und dem Höllenfeuer. Andere leugnen das Lösegeld, lehren die Evolution statt die Schöpfung und predigen volkstümliche Psychologie, um den Menschen die Ohren zu kitzeln. Wie die Pharisäer sind viele der heutigen Geistlichen geldliebend, und sie scheren ihre Herde, was ihnen Millionen von Dollar einbringt (Lukas 16:14). Sie alle rufen: „Herr, Herr“, doch Jesus antwortet ihnen: „Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit“ (Matthäus 7:21-23).
12. Warum haben einige den schmalen Weg, den sie einmal gegangen sind, verlassen, und mit welchen Folgen?
12 Einige haben den schmalen Weg, den sie einmal gegangen sind, verlassen. Sie sagen, sie liebten Jehova, gehorchen aber nicht seinem Gebot zu predigen. Sie sagen, sie liebten Jesus, weiden aber nicht seine Schafe (Matthäus 24:14; 28:19, 20; Johannes 21:15-17; 1. Johannes 5:3). Sie möchten sich nicht mit denen zusammenjochen lassen, die in Jesu Fußstapfen treten. Sie empfanden den eingeengten Weg als zu eingeengt. Sie wurden im Gutestun müde und sind daher „von uns ausgegangen, aber sie sind nicht von unserer Art gewesen; denn wenn sie von unserer Art gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben“ (1. Johannes 2:19). Sie sind in die Finsternis zurückgekehrt. Und „wie groß ist diese Finsternis“! (Matthäus 6:23). Sie ließen die Ermahnung des Johannes außer acht: „Kindlein, laßt uns lieben, nicht mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit“ (1. Johannes 3:18).
13, 14. Durch welches Gleichnis zeigte Jesus die Notwendigkeit, seine Worte im Leben anzuwenden, und wieso war das Gleichnis für die Bewohner Palästinas so passend?
13 Jesus schloß die Bergpredigt mit einem aufrüttelnden Gleichnis ab: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und danach handelt, wird mit einem verständigen Mann verglichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und schlugen gegen jenes Haus, aber es stürzte nicht ein, denn es war auf den Felsen gegründet worden“ (Matthäus 7:24, 25).
14 In Palästina konnte es bei heftigen Regenfällen vorkommen, daß sich gewaltige Wassermassen in die sonst trockenen Wildbachtäler ergossen und plötzlich verheerende Überschwemmungen verursachten. Wenn Häuser den Fluten standhalten sollten, mußten sie eine solide Felsgrundlage haben. Der Bericht des Lukas zeigt, daß der Mensch „grub und in die Tiefe ging und ein Fundament auf den Felsen legte“ (Lukas 6:48). Das war harte Arbeit, die sich jedoch bei einem Unwetter bezahlt machte. Christliche Eigenschaften auf den Worten Jesu aufzubauen wird sich lohnen, wenn „Überschwemmungen“, das heißt Unbilden, auftreten.
15. Wie wird es mit denen ausgehen, die sich nach den Überlieferungen der Menschen richten, statt den Worten Jesu zu gehorchen?
15 Das andere Haus wurde auf Sand gebaut: „Jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, [wird] mit einem törichten Mann verglichen, der sein Haus auf den Sand baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus, und es stürzte ein, und sein Zusammensturz war groß.“ So wird es sich mit denen verhalten, die „Herr, Herr“ sagen, aber nicht nach Jesu Worten handeln (Matthäus 7:26, 27).
„Nicht wie ihre Schriftgelehrten“
16. Wie wirkte die Bergpredigt auf diejenigen, die sie hörten?
16 Welche Wirkung hatte die Bergpredigt? „Als nun Jesus diese Reden beendet hatte, waren die Volksmengen über seine Art zu lehren höchst erstaunt; denn er lehrte sie wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (Matthäus 7:28, 29). Sie waren zutiefst beeindruckt, denn er hatte mit einer Autorität gesprochen, wie sie sie noch nie zuvor beobachtet hatten.
17. Was mußten die Schriftgelehrten tun, um ihrer Lehre Gültigkeit zu verschaffen, und was behaupteten sie in bezug auf verstorbene Weise, die sie zitierten?
17 Kein Schriftgelehrter sprach je mit eigener Autorität, wie folgender Geschichtsbericht zeigt: „Die Schriftgelehrten stützten die Glaubwürdigkeit ihrer Lehre durch die Überlieferungen und deren Väter. Keine Predigt eines Schriftgelehrten hatte Autorität oder Wert ohne [den Zusatz:] ... Die Rabbinen haben eine Überlieferung oder ... Die Weisen sagen; oder ein traditionelles Orakel dieser Art. Hillel der Alte lehrte wahrheitsgemäß und was die Überlieferung in bezug auf etwas Bestimmtes besagte. ‚Aber obwohl er den ganzen Tag lang über etwas redete, nahmen sie seine Lehre nicht an, bis er schließlich sagte: So habe ich von Schemaja und Abtaljon [Autoritäten vor Hillel] gehört‘“ (John Lightfoot, A Commentary on the New Testament From the Talmud and Hebraica). Die Pharisäer behaupteten selbst von längst verstorbenen Weisen: „Die Lippen der Gerechten murmeln, wenn jemand in ihrem Namen eine Gesetzeslehre anführt — ihre Lippen murmeln bei ihnen im Grab“ (Torah—From Scroll to Symbol in Formative Judaism).
18. (a) Worin unterschied sich das Lehren der Schriftgelehrten von demjenigen Jesu? (b) In welcher Hinsicht war Jesu Art zu lehren so überragend?
18 Die Pharisäer zitierten tote Männer als Autoritäten; Jesus redete mit der Autorität, die ihm von dem lebendigen Gott verliehen worden war (Johannes 12:49, 50; 14:10). Die Rabbiner schöpften gewissermaßen abgestandenes Wasser aus geschlossenen Zisternen; Jesus ließ frisches Wasser hervorsprudeln, das einen inneren Durst löschte. Er betete die Nacht hindurch und dachte nach. Als er dann redete, schlug er in den Menschen eine verborgene Saite an, deren sie sich nie zuvor bewußt gewesen waren. Er redete mit einer für sie spürbaren Macht, einer Autorität, die anzufechten sich selbst die Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadduzäer schließlich nicht mehr wagten (Matthäus 22:46; Markus 12:34; Lukas 20:40). Niemals hatte ein Mensch so gesprochen wie dieser! Am Ende der Bergpredigt waren die Volksmengen höchst erstaunt.
19. Inwiefern besteht eine Ähnlichkeit zwischen einigen Lehrmethoden der Zeugen Jehovas und denjenigen Jesu in der Bergpredigt?
19 Wie verhält es sich heute? Als Diener Gottes, die von Haus zu Haus gehen, wenden Jehovas Zeugen ähnliche Methoden an. Ein Wohnungsinhaber sagt zu dir: „Meine Kirche lehrt, daß die Erde mit Feuer vernichtet wird.“ Du antwortest: „In Ihrer Lutherbibel ist in Prediger 1:4 zu lesen: ‚Die Erde ... bleibt immer bestehen.‘“ Der Betreffende ist überrascht. „Ich habe gar nicht gewußt, daß das in meiner Bibel steht!“ Ein anderer sagt: „Man hört immer, daß Sünder im Höllenfeuer schmoren werden.“ „Ihre eigene Bibel sagt jedoch in Römer 6:23: ‚Der Sünde Sold ist der Tod.‘“ Oder zu dem Thema Dreieinigkeit: „Mein Geistlicher sagt, daß Jesus und sein Vater gleich sind.“ „Jesus sagte aber gemäß Johannes 14:28 in Ihrer Bibel: ‚Der Vater ist größer als ich.‘“ Jemand anders sagt zu dir: „Wie ich gehört habe, ist das Königreich Gottes in einem selbst.“ Deine Antwort: „In Daniel 2:44 heißt es in Ihrer Bibel: ‚Zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird ... Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben.‘ Wie könnte so etwas in Ihnen vor sich gehen?“
20. (a) Welcher Gegensatz besteht zwischen den Zeugen Jehovas und den Geistlichen der Christenheit, was die Art des Lehrens betrifft? (b) Wozu ist es nun an der Zeit?
20 Jesus redete mit der ihm von Gott verliehenen Autorität. Jehovas Zeugen reden mit der Autorität des Wortes Gottes. Die Geistlichen der Christenheit vertreten religiöse Überlieferungen, die durch Lehren aus Babylon und Ägypten verunreinigt worden sind. Wenn aufrichtige Menschen hören, daß ihre Glaubensansichten durch die Bibel widerlegt werden, sind sie höchst erstaunt und rufen aus: „Ich habe gar nicht gewußt, daß das in meiner Bibel steht!“ Aber es steht darin. Für alle, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, ist es nun an der Zeit, nach Jesu Worten aus der Bergpredigt zu handeln und so auf eine dauerhafte Felsgrundlage zu bauen.
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