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Wieso Jesu Worte wirklich glücklich machenDer Wachtturm 2009 | 15. Februar
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Wieso Jesu Worte wirklich glücklich machen
„[Jesus stieg] auf den Berg; . . . seine Jünger [kamen] zu ihm; und er . . . begann sie zu lehren“ (MAT. 5:1, 2).
1, 2. (a) Was ging Jesu Bergpredigt voraus? (b) Worüber sprach Jesus als Erstes?
ES WAR im Jahr 31 u. Z. Jesus unterbrach kurz seine Predigtreise durch Galiläa, um in Jerusalem das Passah zu feiern (Joh. 5:1). Wieder zurück in Galiläa, betete er eine ganze Nacht um Gottes Anleitung bei der Auswahl von 12 Aposteln. Am nächsten Tag lief eine Volksmenge zusammen, als Jesus Kranke heilte. Später setzte er sich mit seinen Jüngern und anderen an einen Berghang und begann sie zu lehren (Mat. 4:23 bis 5:2; Luk. 6:12-19).
2 In den ersten Worten der Bergpredigt zeigte Jesus, was wirklich glücklich macht: ein gutes Verhältnis zu Gott. (Lies Matthäus 5:1-12.) Glück kann definiert werden als Zustand des Wohlbefindens, als Gefühl, das von einfacher Zufriedenheit bis zu tief empfundener Freude reicht. Die neun Glücklichpreisungen Jesu heben hervor, was Christen glücklich macht; deshalb geben sie uns heute genauso viel wie den Menschen vor fast 2 000 Jahren. Befassen wir uns einmal mit diesen Aussagen im Einzelnen.
„Die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“
3. Was bedeutet es, sich seiner geistigen Bedürfnisse bewusst zu sein?
3 „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört“ (Mat. 5:3). Diejenigen, „die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“, wissen, dass sie Gott brauchen und auf seine Barmherzigkeit angewiesen sind.
4, 5. (a) Warum sind die glücklich, „die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“? (b) Wie können wir unsere geistigen Bedürfnisse befriedigen?
4 Menschen, „die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“, können glücklich sein, „da das Königreich der Himmel ihnen gehört“. Weil Jesu erste Jünger ihn als Messias annahmen, eröffnete sich ihnen die Möglichkeit, mit ihm in Gottes himmlischem Königreich zu regieren (Luk. 22:28-30). Ob wir nun ebenfalls die Aussicht haben, ein Miterbe Christi im Himmel zu sein, oder ob wir uns auf ewiges Leben im irdischen Paradies unter dem Königreich freuen: Wir können glücklich sein, solange wir uns unserer geistigen Bedürfnisse und unserer Abhängigkeit von Gott vollkommen bewusst sind.
5 Nicht jeder ist sich seiner geistigen Bedürfnisse bewusst, denn so mancher hat weder Glauben noch schätzt er heilige Dinge (2. Thes. 3:1, 2; Heb. 12:16). Wie können wir dagegen unseren Glauben stärken? Unter anderem durch fleißiges Bibelstudium, durch eifrige Beteiligung am Jüngermachen und durch regelmäßigen Zusammenkunftsbesuch (Mat. 28:19, 20; Heb. 10:23-25).
„Glücklich sind die Trauernden“
6. Wer sind „die Trauernden“? Warum sind sie „glücklich“?
6 „Glücklich sind die Trauernden, da sie getröstet werden“ (Mat. 5:4). „Die Trauernden“ sind keine anderen Menschen als „die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind“. Sie trauern auch nicht in dem Sinn, dass sie ihr Los im Leben beklagen. Sie sind vielmehr innerlich traurig über ihre eigene Sündhaftigkeit und über die Folgen menschlicher Unvollkommenheit. Warum sind sie trotzdem „glücklich“? Weil sie einen lebendigen Glauben an Gott und Christus haben und in ihrem guten Verhältnis zu Jehova Trost finden (Joh. 3:36).
7. Wie sollten wir zu Satans Welt stehen?
7 Sind wir wirklich traurig über die Ungerechtigkeit, die in Satans Welt grassiert? Was halten wir denn von dem, was die heutige Welt zu bieten hat? Der Apostel Johannes schrieb: „Alles in der Welt — die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat — stammt nicht vom Vater“ (1. Joh. 2:16). Was ist, wenn wir feststellen müssten, dass unser Glaube bereits vom „Geist der Welt“ geschwächt wurde, von der treibenden Kraft hinter der von Gott entfremdeten menschlichen Gesellschaft? Beten wir inbrünstig zu Gott, studieren wir sein Wort und bitten wir die Ältesten um Hilfe. Ganz gleich, was uns bedrückt: Wir „finden Trost“, wenn wir Jehova wieder näherkommen (1. Kor. 2:12; Ps. 119:52; Jak. 5:14, 15).
Wie glücklich „die Mildgesinnten“!
8, 9. Was bedeutet es, mild gesinnt zu sein, und warum sind solche Menschen glücklich?
8 „Glücklich sind die Mildgesinnten, da sie die Erde erben werden“ (Mat. 5:5). „Mildgesinntheit“ oder Sanftmut hat nichts mit Schwäche oder geheuchelter Freundlichkeit zu tun (1. Tim. 6:11). Wer mild gesinnt ist, beweist das dadurch, dass er den Willen Jehovas tut und sich von ihm leiten lässt. Mildgesinntheit wird sich auch darin zeigen, wie wir Glaubensbrüder und andere behandeln. Solche Sanftmut ist im Einklang mit einem Rat, den der Apostel Paulus gab. (Lies Römer 12:17-19.)
9 Warum sind die „Mildgesinnten“ glücklich? Weil „sie die Erde erben werden“, sagte Jesus, der selbst mild gesinnt ist. Er ist der Haupterbe der Erde (Ps. 2:8; Mat. 11:29; Heb. 2:8, 9). Mild gesinnte „Miterben mit Christus“ werden ebenfalls die Erde erben (Röm. 8:16, 17). Außerdem werden im irdischen Bereich des Königreiches Jesu zahllose andere Sanftmütige ewig leben dürfen (Ps. 37:10, 11).
10. Wie wirkt sich ein Mangel an Milde auf das Verhältnis zu anderen aus sowie darauf, ein Dienstamt auszuüben?
10 Wie Jesus müssen auch wir mild gesinnt sein. Was wäre jedoch, wenn wir als streitsüchtig bekannt sind? Eine aggressive, feindselige Haltung kann dazu führen, dass man uns aus dem Weg geht. Wer einen solchen Charakterzug aufweist, kommt nicht für verantwortliche Aufgaben in der Versammlung infrage (1. Tim. 3:1, 3). Paulus wies Titus an, die Christen auf Kreta weiterhin daran zu erinnern, „nicht streitsüchtig zu sein, sondern vernünftig, indem sie allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag legen“ (Tit. 3:1, 2). Milde ist immer etwas Angenehmes!
Sie hungern nach „Gerechtigkeit“
11—13. (a) Was bedeutet es, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten? (b) Wie werden diejenigen „gesättigt“, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten?
11 „Glücklich sind die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, da sie gesättigt werden“ (Mat. 5:6). Unter der „Gerechtigkeit“, die Jesus im Sinn hatte, versteht man, das Rechte zu tun, das, was dem Willen und den Geboten Gottes entspricht. Der Psalmist sagte, er fühle sich „zermalmt vor Verlangen“ nach Gottes gerechten „richterlichen Entscheidungen“ (Ps. 119:20). Schätzen auch wir diese Gerechtigkeit so sehr, dass wir danach hungern und dürsten?
12 Jesus sagte, dass diejenigen glücklich sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, weil sie „gesättigt“ werden, das heißt ihr Wunsch nach Gerechtigkeit völlig befriedigt wird. Das wurde nach Pfingsten 33 u. Z. möglich, denn ab dieser Zeit lieferte Jehovas heiliger Geist „der Welt überzeugende Beweise . . . hinsichtlich Gerechtigkeit“ (Joh. 16:8). Durch den heiligen Geist inspirierte Gott Menschen, die Christlichen Griechischen Schriften niederzuschreiben, die nützlich sind „zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim. 3:16). Gottes Geist befähigt uns auch dazu, „die neue Persönlichkeit an[zu]ziehen . . ., die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit . . . geschaffen worden ist“ (Eph. 4:24). Wie tröstlich, dass jemand, der auf der Grundlage des Loskaufsopfers Jesu reumütig um Vergebung seiner Sünden bittet, vor Gott als gerecht dastehen kann! (Lies Römer 3:23, 24.)
13 Der Hunger und der Durst nach Gerechtigkeit derjenigen von uns, die die irdische Hoffnung haben, wird erst dann völlig gestillt werden, wenn wir unter gerechten Verhältnissen ewig auf der Erde leben. Bis es so weit ist, sind wir entschlossen, in Übereinstimmung mit den Grundsätzen Jehovas zu leben. Jesus sagte: „Fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE [Gottes] Gerechtigkeit zu suchen“ (Mat. 6:33). Wenn wir das tun, werden wir uns im Dienst für Gott eifrig einsetzen, und das macht wirklich glücklich (1. Kor. 15:58).
Warum „die Barmherzigen“ glücklich sind
14, 15. Wie können wir barmherzig sein, und warum sind „die Barmherzigen“ glücklich?
14 „Glücklich sind die Barmherzigen, da ihnen Barmherzigkeit erwiesen wird“ (Mat. 5:7). „Die Barmherzigen“ zeigen anderen gegenüber echtes Mitleid. Jesus wirkte oft aus Mitleid Wunder, um Menschen von ihren Leiden zu befreien (Mat. 14:14). Barmherzigkeit wird aber auch in dem Sinn geübt, dass man jemand vergibt, der gegen einen gesündigt hat, wie auch Jehova Reumütigen barmherzig vergibt (2. Mo. 34:6, 7; Ps. 103:10). Wir können aber nicht nur auf diese Weise Barmherzigkeit beweisen, sondern auch durch freundliche Worte und Taten, mit denen wir Benachteiligten beistehen. Die biblische Wahrheit an andere weiterzugeben ist ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit, Barmherzigkeit zu erweisen. Jesus hatte mit einer Volksmenge so viel Mitleid, dass er anfing, „sie viele Dinge zu lehren“ (Mar. 6:34).
15 Wir haben guten Grund, uns der Aussage Jesu anzuschließen: „Glücklich sind die Barmherzigen, da ihnen Barmherzigkeit erwiesen wird.“ Wenn wir anderen gegenüber barmherzig sind, werden sie es uns gegenüber wahrscheinlich ebenfalls sein. Und wenn Gott uns richtet, werden wir womöglich erleben, dass die Barmherzigkeit, die wir anderen erwiesen haben, über ein für uns ansonsten ungünstiges Urteil triumphiert (Jak. 2:13). Nur den Barmherzigen wird die Vergebung ihrer Sünden und ewiges Leben gewährt (Mat. 6:15).
Warum die glücklich sind, „die reinen Herzens sind“
16. Was bedeutet es, „reinen Herzens“ zu sein, und in welchem Sinn können solche Menschen „Gott sehen“?
16 „Glücklich sind die, die reinen Herzens sind, da sie Gott sehen werden“ (Mat. 5:8). Ob wir „reinen Herzens“ sind, zeigt sich in unseren Neigungen, Wünschen und Beweggründen sowie an unserer „Liebe aus reinem Herzen“ (1. Tim. 1:5). Weil wir innerlich rein sind, werden wir „Gott sehen“. Das ist nicht unbedingt buchstäblich gemeint, „denn kein Mensch kann . . . [Gott] sehen und dennoch leben“ (2. Mo. 33:20). Jesus spiegelte Gottes Persönlichkeit vollkommen wider und konnte daher sagen: „Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen“ (Joh. 14:7-9). Als Anbeter Jehovas auf der Erde können wir „Gott sehen“, wenn wir beobachten, wie er für uns handelt (Hiob 42:5). Für die Gesalbten ist es der absolute Höhepunkt, ihren himmlischen Vater tatsächlich zu sehen, nachdem sie zu geistigem Leben auferweckt worden sind (1. Joh. 3:2).
17. Worin zeigt sich ein reines Herz?
17 Wer reinen Herzens ist, ist in sittlicher und religiöser Hinsicht rein; er gibt sich also nicht mit Dingen ab, die in Jehovas Augen unrein sind (1. Chr. 28:9; Jes. 52:11). Wenn wir reinen Herzens sind, wird alles, was wir sagen und tun, rein sein, und unser Dienst für Jehova wird frei sein von jeglicher Heuchelei.
„Die Friedsamen“ werden Söhne Gottes
18, 19. Wie verhalten sich „die Friedsamen“?
18 „Glücklich sind die Friedsamen, da sie ‚Söhne Gottes‘ genannt werden“ (Mat. 5:9). „Die Friedsamen“ sind an dem zu erkennen, was sie tun beziehungsweise nicht tun. Wenn wir zu den Menschen gehören, die Jesus hier im Sinn hatte, sind wir friedlich und vergelten „niemand Böses mit Bösem“. Stattdessen bemühen wir uns, anderen jederzeit Gutes zu tun (1. Thes. 5:15).
19 Das griechische Wort, das in Matthäus 5:9 mit „Friedsame“ wiedergegeben ist, bedeutet buchstäblich „Friedensstifter“. Wer zu den Friedsamen gehören möchte, muss bewusst den Frieden fördern. Friedensstifter tun nichts, was „die miteinander Vertrauten“ trennt (Spr. 16:28). Sie sind darauf bedacht, „mit allen“ Frieden zu halten (Heb. 12:14).
20. Wer sind heute die „Söhne Gottes“, und wer wird schließlich noch zu Gottes Kindern gehören?
20 Die Friedsamen sind glücklich, weil „sie ‚Söhne Gottes‘ genannt werden“. Jehova adoptiert die treuen gesalbten Christen, die dadurch „Söhne Gottes“ werden. Als seine Kinder haben sie bereits ein vertrautes Verhältnis zu dem „Gott der Liebe und des Friedens“, weil sie ihn mit ungeteiltem Herzen anbeten und Glauben an Christus ausüben (2. Kor. 13:11; Joh. 1:12). Was ist mit Jesu friedsamen „anderen Schafen“? Jesus wird während seiner Tausendjahrherrschaft ihr „Ewigvater“ sein; sobald diese zu Ende ist, wird er sich allerdings Jehova unterwerfen, und sie werden im absoluten Sinn Kinder Gottes (Joh. 10:16; Jes. 9:6; Röm. 8:21; 1. Kor. 15:27, 28).
21. Wie werden wir uns verhalten, wenn wir „durch den Geist leben“?
21 Wenn wir „durch den Geist leben“, wird unsere Friedsamkeit für andere offensichtlich sein. Wir werden nicht „miteinander wetteifern“ oder „einander herausfordern“ (Gal. 5:22-26, Elberfelder Studienbibel). Stattdessen möchten wir „mit allen Menschen Frieden“ halten (Röm. 12:18).
Glücklich, obwohl verfolgt
22—24. (a) Wieso können diejenigen glücklich sein, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden? (b) Was wird in den nächsten beiden Studienartikeln behandelt?
22 „Glücklich sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt worden sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört“ (Mat. 5:10). Jesus vertiefte das weiter mit den Worten: „Glücklich seid ihr, wenn man euch schmäht und euch verfolgt und lügnerisch allerlei Böses gegen euch redet um meinetwillen. Freut euch, und springt vor Freude, da euer Lohn groß ist in den Himmeln; denn ebenso verfolgte man vor euch die Propheten“ (Mat. 5:11, 12).
23 Wie Gottes Propheten in alter Zeit müssen Christen damit rechnen, geschmäht, verfolgt und diffamiert zu werden — alles „um der Gerechtigkeit willen“. Doch wenn wir solche Erprobungen treu durchstehen, können wir uns sicher sein, dass wir Jehova gefallen und ihn ehren (1. Pet. 2:19-21). Nichts, worunter wir zu leiden haben, kann unsere Freude mindern, Jehova heute und in Zukunft zu dienen. Es kann weder das Glück derer schmälern, die mit Christus im himmlischen Königreich regieren werden, noch die Freude derjenigen, die einmal unter dieser Regierung ewig auf der Erde leben dürfen. Diese Segnungen beweisen Gottes Gunst, sein Wohlwollen und seine Großzügigkeit.
24 Die Bergpredigt enthält noch viel mehr nützliche Gedanken. Einige davon werden in den beiden folgenden Studienartikeln behandelt. Sehen wir uns an, wie wir weitere Aussagen Jesu Christi persönlich umsetzen können.
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Wie Jesu Worte unsere Einstellung prägenDer Wachtturm 2009 | 15. Februar
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Wie Jesu Worte unsere Einstellung prägen
„Der, den Gott ausgesandt hat, redet die Worte Gottes“ (JOH. 3:34).
1, 2. Womit können Jesu Worte in der Bergpredigt verglichen werden, und warum kann man sagen, dass sie sich fest auf „die Worte Gottes“ stützt?
DER „Stern von Afrika“ ist mit 530 Karat einer der größten geschliffenen Diamanten überhaupt. Was für ein kostbarer Edelstein! Noch viel wertvoller sind jedoch die „Juwelen“ in Jesu Bergpredigt. Das ist auch kein Wunder, denn Christi Worte stammen letzten Endes von Jehova. Über Jesus lesen wir in der Bibel: „Der, den Gott ausgesandt hat, redet die Worte Gottes“ (Joh. 3:34-36).
2 Die Bergpredigt hat womöglich keine halbe Stunde gedauert, doch sie beinhaltet 21 Zitate aus 8 Büchern der Hebräischen Schriften. Ihr Fundament sind also „die Worte Gottes“. Schauen wir uns nun einmal an, wie wir einige der wertvollen Gedanken umsetzen können, die Gottes geliebter Sohn in dieser meisterhaften Predigt geäußert hat.
„Schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden“
3. Welchen Rat gab Jesus seinen Jüngern, nachdem er sie vor den Folgen des Zorns gewarnt hatte?
3 Wir Christen sind glücklich und friedsam, da wir Gottes heiligen Geist haben, zu dessen Frucht Freude und Frieden gehören (Gal. 5:22, 23). Weil Jesus seine Jünger davor bewahren wollte, ihren Frieden und ihr Glück zu verlieren, warnte er sie zunächst vor den tödlichen Folgen von andauerndem Zorn. (Lies Matthäus 5:21, 22.) Dann sagte er: „Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar“ (Mat. 5:23, 24).
4, 5. (a) Was war die „Gabe“, von der Jesus gemäß Matthäus 5:23, 24 sprach? (b) Wie wichtig ist es, mit einem Bruder, der auf uns böse ist, Frieden zu schließen?
4 Bei der „Gabe“, von der Jesus sprach, handelte es sich um ein Opfer, das im Tempel in Jerusalem dargebracht werden sollte. Damals spielten Tieropfer bei der Anbetung Jehovas eine wichtige Rolle. Jesus stellte jedoch heraus, was noch wichtiger war: mit einem Bruder, der auf einen böse ist, Frieden zu schließen, bevor man Gott eine Gabe darbringt.
5 „Frieden schließen“ bedeutet hier „sich versöhnen“. Was lehren uns also Jesu Worte? Ganz bestimmt, dass es sich unmittelbar auf unser Verhältnis zu Jehova auswirkt, wie wir mit anderen umgehen (1. Joh. 4:20). Für Gott waren die damals dargebrachten Opfer bedeutungslos, solange der Opfernde seine Mitmenschen schlecht behandelte. (Lies Micha 6:6-8.)
Die wichtige Rolle der Demut
6, 7. Warum ist Demut erforderlich, wenn wir das gute Verhältnis zu einem gekränkten Bruder wiederherstellen möchten?
6 Wollen wir mit einem gekränkten Bruder Frieden schließen, kann unsere Demut ziemlich auf die Probe gestellt werden. Wer demütig ist, wird mit Glaubensbrüdern nicht diskutieren oder streiten, um unbedingt Recht zu behalten. Das würde das Verhältnis eher noch trüben — ähnlich wie es unter den Christen im alten Korinth geschah. Paulus sagte ihnen unverblümt: „Nun bedeutet es tatsächlich durchaus eine Niederlage für euch, dass ihr Prozesse miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber Unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?“ (1. Kor. 6:7).
7 Jesus forderte uns also auf, zu unserem Bruder zu gehen, aber nicht, um ihn zu überzeugen, dass wir im Recht sind und er im Unrecht ist. Unser Ziel sollte sein, wieder ein gutes Verhältnis zu schaffen. Damit Frieden geschlossen werden kann, müssen wir ehrlich sagen, was wir denken und empfinden. Gleichzeitig müssen wir allerdings anerkennen, dass die Gefühle des anderen verletzt wurden. Haben wir einen Fehler gemacht, werden wir so demütig sein, uns aufrichtig zu entschuldigen.
„Wenn . . . dein rechtes Auge dich straucheln macht“
8. Fasse Jesu Worte gemäß Matthäus 5:29, 30 zusammen.
8 Jesus gab in der Bergpredigt deutlichen Rat zu sittlichem Verhalten. Er wusste, welche Gefahren durch die Unvollkommenheit in unserem Körper lauern. Daher sagte er: „Wenn nun dein rechtes Auge dich straucheln macht, so reiß es aus und wirf es von dir weg. Denn es ist dir nützlicher, dass dir eines deiner Glieder verloren gehe, als dass dein ganzer Leib in die Gehenna gestürzt werde. Und wenn deine rechte Hand dich straucheln macht, so hau sie ab und wirf sie von dir weg. Denn es ist nützlicher für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Gehenna kommt“ (Mat. 5:29, 30).
9. Wie könnte unser „Auge“ oder unsere „Hand“ uns „straucheln machen“?
9 Das „Auge“, von dem Jesus hier sprach, steht für das, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet, und mit der „Hand“ ist das gemeint, was man mit den Händen tun kann. Diese „Glieder“ oder Körperteile können uns, wenn wir nicht aufpassen, „straucheln machen“, sodass wir aufhören, „mit Gott zu wandeln“ (1. Mo. 5:22; 6:9). Sollten wir versucht sein, Jehova ungehorsam zu werden, müssen wir so energisch dagegen angehen, als würden wir uns ein Auge ausreißen oder eine Hand abhauen.
10, 11. Was kann jemand helfen, sich nicht auf Unsittlichkeit einzulassen?
10 Wie können wir unsere Augen denn davon abhalten, sich auf Unmoralisches zu konzentrieren? Der gottesfürchtige Hiob sagte: „Einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen. Wie also könnte ich mich einer Jungfrau gegenüber aufmerksam zeigen?“ (Hiob 31:1). Hiob war als Ehemann fest entschlossen, Gottes Sittengesetze nicht zu übertreten. So sollten auch wir eingestellt sein, ob ledig oder verheiratet. Damit wir keine unsittlichen Handlungen begehen, brauchen wir Gottes heiligen Geist: Er hilft Menschen, die Gott lieben, sich in Selbstbeherrschung zu üben (Gal. 5:22-25).
11 Außerdem sollten wir uns ehrlich fragen: Habe ich meine Augen so unter Kontrolle, dass in mir gar nicht erst ein Verlangen nach unsittlichem Material geweckt wird, wie es überall in Büchern, im Fernsehen oder im Internet zu finden ist? Vergessen wir auch nicht, was der Jünger Jakobus schrieb: „Jeder wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollbracht ist, bringt Tod hervor“ (Jak. 1:14, 15). Demnach muss jeder Gott hingegebene Christ, der jemand vom anderen Geschlecht mit unsittlichen Hintergedanken „fortwährend . . . ansieht“, drastische Maßnahmen ergreifen, die damit vergleichbar sind, sich das Auge auszureißen und es wegzuwerfen. (Lies Matthäus 5:27, 28.)
12. Was ist laut Paulus erforderlich, um unsittliche Begierden zu bekämpfen?
12 Da wir durch den verkehrten Gebrauch unserer Hände sogar ernsthaft gegen die sittlichen Normen Jehovas verstoßen können, müssen wir ganz fest entschlossen sein, sittlich rein zu bleiben. Setzen wir daher das um, wozu Paulus uns auffordert: „Ertötet . . . die Glieder eures Leibes, die auf der Erde sind, in Bezug auf Hurerei, Unreinheit, sexuelle Gelüste, schädliche Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist“ (Kol. 3:5). Das Wort „ertötet“ unterstreicht, was für drastische Maßnahmen nötig sind, um unsittliche Begierden zu bekämpfen.
13, 14. Warum ist es so wichtig, dass wir uns vor unsittlichem Denken und Handeln hüten?
13 Wenn es um Leben oder Tod geht, wäre man wahrscheinlich bereit, sich sogar ein Körperteil amputieren zu lassen. Vergleichbar damit werden wir nur dann gegen unmoralisches Denken und Handeln, das uns die Gunst Jehovas kosten kann, angehen können, wenn wir bereit sind, sozusagen unser Auge oder unsere Hand „wegzuwerfen“. Nur wer im Denken sowie in sittlicher und religiöser Hinsicht rein bleibt, kann der ewigen Vernichtung entgehen, die durch die Gehenna symbolisiert wird.
14 Die Erbsünde und unsere Unvollkommenheit machen es zu einem echten Kampf, sittlich rein zu bleiben. Paulus sagte dazu: „Ich zerschlage meinen Leib und mache ihn zum Sklaven, damit ich mich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst irgendwie als unbewährt erweise“ (1. Kor. 9:27). Setzen wir also konsequent das um, was Jesus über sittliches Verhalten sagte. Lassen wir uns auch niemals zu Handlungen hinreißen, die von fehlender Dankbarkeit für sein Loskaufsopfer zeugen (Mat. 20:28; Heb. 6:4-6).
„Übt euch im Geben“
15, 16. (a) Wodurch bewies Jesus Großzügigkeit? (b) Was meinte Jesus mit seinen Worten gemäß Lukas 6:38?
15 Jesus regte zur Freigebigkeit an, und das nicht nur durch sein Wort, sondern vor allem durch sein Beispiel. Immerhin war er bereit, zum Nutzen unvollkommener Menschen auf die Erde zu kommen, wodurch er echte Großzügigkeit bewies. (Lies 2. Korinther 8:9.) Bereitwillig gab er seine himmlische Herrlichkeit auf, um als Mensch schließlich sein Leben für sündige Menschen zu geben. Als Miterben des Königreiches erlangen einige von ihnen sogar Schätze im Himmel (Röm. 8:16, 17). Jesus ermunterte ganz offen zur Freigebigkeit, als er sagte:
16 „Übt euch im Geben, und man wird euch geben. Man wird euch ein treffliches, vollgedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß in euren Schoß schütten. Denn mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden“ (Luk. 6:38). Die Wendung „in den Schoß schütten“ nimmt Bezug auf die Gewohnheit mancher Händler, ihren Kunden die Waren in die Falten des weiten Obergewands zu schütten. Da dieses von einem Gürtel zusammengehalten wurde, konnte man wie in einer Art Beutel etwas darin tragen. Unsere spontane Großzügigkeit kann bewirken, dass auch uns gern gegeben wird — vielleicht gerade dann, wenn wir in Not sind (Pred. 11:2).
17. Wodurch gab Jehova das beste Beispiel im Geben, und wann macht Geben wirklich Freude?
17 Jehova liebt und belohnt diejenigen, die gern geben. Er ist selbst das beste Beispiel für solches Geben, denn schließlich gab er seinen einziggezeugten Sohn, „damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Joh. 3:16). Paulus schrieb: „Wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten. Jeder tue so, wie er es in seinem Herzen beschlossen hat, nicht widerwillig oder aus Zwang, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber“ (2. Kor. 9:6, 7). Wir werden Freude erleben und reich belohnt werden, wenn wir unsere Zeit, Kraft und Mittel zur Förderung der wahren Anbetung einsetzen. (Lies Sprüche 19:17, Lukas 16:9.)
„Posaune nicht vor dir her“
18. Wann dürfen wir von unserem himmlischen Vater „keinen Lohn“ erwarten?
18 „Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden; sonst werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater haben, der in den Himmeln ist“ (Mat. 6:1). Mit „Gerechtigkeit“ meinte Jesus hier, sich so zu verhalten, wie Gott es wünscht. Er meinte damit nicht, dass man gottgefällige Taten niemals vor den Augen anderer verrichten darf. Schließlich hatte er seine Jünger aufgefordert, ihr „Licht vor den Menschen leuchten“ zu lassen (Mat. 5:14-16). Doch wir werden „keinen Lohn“ von unserem himmlischen Vater erhalten, wenn wir — als wären wir Schauspieler auf einer Bühne — etwas nur tun, um „beobachtet“ oder bewundert zu werden. Wer so berechnend handelt, kann weder ein enges Verhältnis zu Gott haben noch wird er die ewigen Segnungen der Königreichsherrschaft erleben.
19, 20. (a) Warum warnte Jesus davor, wegen seiner „Gaben der Barmherzigkeit“ vor sich her zu „posaunen“? (b) Wie lassen wir unsere linke Hand nicht wissen, was die rechte tut?
19 Wer die richtige Einstellung hat, beachtet die mahnenden Worte Jesu: „Wenn du also Gaben der Barmherzigkeit spendest, so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn“ (Mat. 6:2). Die „Gaben der Barmherzigkeit“ waren Spenden für Bedürftige. (Lies Jesaja 58:6, 7.) Auch Jesus und seine Apostel hatten eine gemeinsame Kasse, um Arme zu unterstützen (Joh. 12:5-8; 13:29). Offensichtlich bediente sich Jesus einer Übertreibung, als er sagte, wir sollten wegen unserer „Gaben der Barmherzigkeit“ nicht vor uns her „posaunen“. Wir hängen wohltätiges Geben nicht an die große Glocke wie die jüdischen Pharisäer. Jesus bezeichnete sie als Heuchler, weil sie ihre wohltätigen Spenden „in den Synagogen und auf den Straßen“ publik machten. Diese Heuchler hatten „bereits ihren vollen Lohn“: bestenfalls das Lob von Menschen und in der Synagoge vielleicht einen Platz in der ersten Reihe neben prominenten Rabbis. Von Jehova hatten sie jedenfalls keinen Lohn mehr zu erwarten (Mat. 23:6). Doch wie sollten Jünger Christi handeln? Jesus sagte ihnen und damit auch uns:
20 „Du aber, wenn du Gaben der Barmherzigkeit spendest, so lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit deine Gaben der Barmherzigkeit im Verborgenen seien; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (Mat. 6:3, 4). Unsere Hände arbeiten normalerweise zusammen. Die linke Hand nicht wissen zu lassen, was die rechte tut, bedeutet, unsere guten Taten nicht publik zu machen, nicht einmal vor jemand, der uns so nahe ist wie unsere linke Hand der rechten.
21. Womit belohnt uns derjenige, „der im Verborgenen zusieht“?
21 Wenn wir mit unseren Spenden oder guten Taten nicht prahlen, bleiben unsere „Gaben der Barmherzigkeit“ im Verborgenen. Dann wird unser Vater, „der im Verborgenen zusieht“, uns vergelten, das heißt belohnen. Unser himmlischer Vater bleibt für Menschenaugen „im Verborgenen“, weil er sich im Himmel befindet und unsichtbar ist (Joh. 1:18). Jehova, „der im Verborgenen zusieht“, belohnt uns unter anderem damit, dass wir ein inniges Verhältnis zu ihm haben dürfen, dass er unsere Sünden vergibt und uns ewiges Leben gewährt (Spr. 3:32; Joh. 17:3; Eph. 1:7). Ist das nicht viel mehr wert als jedes Lob von Menschen?
Kostbare Worte, die uns lieb und teuer sind
22, 23. Warum sollten uns die Worte Jesu lieb und teuer sein?
22 Die Bergpredigt enthält zweifellos zahllose „Juwelen“ mit vielen wunderbaren Facetten — kostbare Worte, die uns auch in der heutigen unruhigen Welt Freude schenken. Wenn uns Jesu Worte lieb und teuer sind und wir unsere Einstellung und unsere Lebensweise davon beeinflussen lassen, können wir wirklich glücklich sein.
23 Jeder, der „hört“ und „tut“, was Jesus gelehrt hat, wird gesegnet werden. (Lies Matthäus 7:24, 25.) Deshalb sind wir bestimmt fest entschlossen, Jesu Rat anzunehmen. Im letzten Artikel dieser Serie werden wir uns mit weiteren Worten aus der Bergpredigt beschäftigen.
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Beeinflussen Jesu Worte unsere Gebete?Der Wachtturm 2009 | 15. Februar
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Beeinflussen Jesu Worte unsere Gebete?
„Als nun Jesus diese Reden beendet hatte, waren die Volksmengen über seine Art zu lehren höchst erstaunt“ (MAT. 7:28).
1, 2. Warum waren die Volksmengen so erstaunt darüber, wie Jesus lehrte?
WIR haben allen Grund, in unserem Leben die Worte Jesu Christi, des einziggezeugten Sohnes Gottes, zu beherzigen und umzusetzen. Er hatte eine unvergleichliche Art, zu den Menschen zu sprechen. Deshalb waren sie auch so erstaunt darüber, wie er in der Bergpredigt lehrte. (Lies Matthäus 7:28, 29.)
2 Jehovas Sohn ging ganz anders vor als die Schriftgelehrten, die ihre langatmigen Reden auf Ansichten unvollkommener Menschen stützten. Christus lehrte „wie einer, der Gewalt hat“, weil seine Aussagen letzten Endes von Gott stammten (Joh. 12:50). Befassen wir uns jetzt einmal damit, wie Jesu Worte in der Bergpredigt unsere Gebete beeinflussen können und sollten.
Betet nicht wie die Heuchler
3. Fasse zusammen, was Jesus gemäß Matthäus 6:5 sagte.
3 Da das Gebet ein fester Bestandteil des wahren Glaubens ist, müssen wir regelmäßig zu Jehova beten. Zudem sollte das, was Jesus in der Bergpredigt sagte, unsere Gebete beeinflussen: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht wie die Heuchler sein; denn sie beten gern stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen, um von den Menschen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn“ (Mat. 6:5).
4—6. (a) Warum beteten die Pharisäer gern „stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen“? (b) Wieso hatten diese Heuchler „bereits ihren vollen Lohn“?
4 Jesu Jünger durften beim Beten keine „Heuchler“ sein wie die selbstgerechten Pharisäer, die ihre Frömmigkeit heuchlerisch zur Schau stellten (Mat. 23:13-32). Diese beteten gern „stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen“. Warum? „Um von den Menschen gesehen zu werden.“ Im 1. Jahrhundert beteten die Juden meistens gemeinsam, wenn im Tempel das Brandopfer dargebracht wurde (gegen 9 Uhr und gegen 15 Uhr). Viele Bewohner Jerusalems beteten gleichzeitig mit den im Tempelgebiet versammelten Gläubigen. Auch gottesfürchtige Juden außerhalb der Stadt beteten zweimal am Tag „stehend in den Synagogen“. (Vergleiche Lukas 18:11, 13.)
5 Da sich die meisten Menschen zur Zeit der erwähnten Gebete nicht in der Nähe des Tempels oder einer Synagoge aufhielten, beteten sie wahrscheinlich dort, wo sie gerade waren. Einige richteten es wohl gern so ein, dass sie sich zur Zeit des Gebets „an den Ecken der breiten Straßen“ befanden. Sie wollten „von den Menschen gesehen . . . werden“, die dort vorbeikamen. Die frömmlerischen Heuchler sprachen „zum Schein lange Gebete“, um von Passanten bewundert zu werden (Luk. 20:47). Wir beten natürlich aus ganz anderen Beweggründen.
6 Wie Jesus erklärte, hatten diese Heuchler „bereits ihren vollen Lohn“. Sie wünschten sich nichts mehr als die Anerkennung und das Lob anderer Menschen — und das war auch alles, was sie erhielten. Es war ihr voller Lohn, denn Jehova erhörte ihre heuchlerischen Gebete nicht. Ganz anders reagiert er auf die Gebete wahrer Nachfolger Jesu. Das zeigen die weiteren Ausführungen zu diesem Thema.
7. Was ist mit der Aufforderung gemeint, in einem „Privatraum“ zu beten?
7 „Du hingegen, wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (Mat. 6:6). Worum ging es Jesus mit seiner Aufforderung, in einem Privatraum hinter verschlossenen Türen zu beten? Meinte er, man dürfe eine Versammlung nicht im Gebet vertreten? Nein, er sprach sich vielmehr gegen Gebete aus, die in der Öffentlichkeit gesprochen werden, um die Aufmerksamkeit auf den Betenden zu lenken und von anderen Lob einzuheimsen. Das sollte jedem bewusst sein, der ein öffentliches Gebet sprechen darf. Berücksichtigen wir auch Jesu weitere Hinweise zum Beten.
8. Was müssen wir gemäß Matthäus 6:7 beim Beten unbedingt vermeiden?
8 „Wenn ihr . . . betet, sagt nicht immer und immer wieder dasselbe wie die Leute von den Nationen, denn sie meinen, dass sie erhört werden, weil sie viele Worte machen“ (Mat. 6:7). Damit zeigte Jesus, was beim Beten noch zu vermeiden ist: ständige Wiederholungen. Er sprach sich allerdings nicht dagegen aus, innige Bitten oder Dankesäußerungen zu wiederholen. Jesus betete im Garten Gethsemane in der Nacht vor seinem Tod selbst wiederholt „dasselbe Wort“ (Mar. 14:32-39).
9, 10. Was ist damit gemeint, sich im Gebet nicht ständig zu wiederholen?
9 Es war jedoch verkehrt, die formelhaften Gebete der „Leute von den Nationen“ nachzuahmen. Mit vielen überflüssigen Worten wiederholten sie auswendig gelernte Phrasen „immer und immer wieder“. Schon den Baalsanbetern hatte es überhaupt nichts genutzt, „vom Morgen bis zum Mittag“ ihren falschen Gott mit den Worten anzurufen: „O Baal, antworte uns!“ (1. Kö. 18:26). Millionen sprechen heute langatmige, formelhafte Gebete, doch sie brauchen nicht darauf zu hoffen, „dass sie erhört werden“. Wie Jesus zeigte, hat es bei Jehova keinen Wert, in langen, immer gleichen Gebeten „viele Worte [zu] machen“. Er sagte weiter:
10 „So macht euch ihnen nicht gleich, denn Gott, euer Vater, weiß, welche Dinge ihr benötigt, schon ehe ihr ihn überhaupt bittet“ (Mat. 6:8). Viele geistliche Führer der Juden machten sich durch weitschweifige Gebete den Nichtjuden gleich. Von Herzen kommende Gebete, in denen wir Lobpreis, Dank und Bitten zum Ausdruck bringen, sind ein wichtiger Bestandteil des wahren Glaubens (Phil. 4:6). Es wäre jedoch verkehrt, immer wieder dasselbe zu sagen, weil wir meinen, Gott durch ständiges Wiederholen daran erinnern zu müssen, welche Dinge wir benötigen. Denken wir beim Beten daran, an wen wir uns wenden: an denjenigen, der unsere Bedürfnisse kennt, schon ehe wir ihn überhaupt bitten.
11. Woran sollte jemand denken, der ein öffentliches Gebet sprechen darf?
11 Jesu Hinweise zu unannehmbaren Gebeten sollten uns zeigen, dass Gott sich durch salbungsvolle, überflüssige Worte nicht beeindrucken lässt. Ein öffentliches Gebet darf weder dazu dienen, die Anwesenden zu beeindrucken, noch sollte es so lange dauern, bis sich alle fragen, wann endlich das „Amen“ kommt. Ebenso wenig lässt es sich mit dem Geist der Worte Jesu in der Bergpredigt vereinbaren, ein Gebet für Bekanntmachungen zu nutzen oder um die Zuhörer zu ermahnen.
Jesus lehrt uns beten
12. Was ist mit der Bitte „Dein Name werde geheiligt“ gemeint?
12 Jesus warnte zwar davor, das einzigartige Vorrecht des Gebets zu missbrauchen, lehrte seine Jünger aber auch, wie sie beten sollten. (Lies Matthäus 6:9-13.) Das Mustergebet sollte allerdings nicht auswendig gelernt werden, um es immer wieder herzusagen. Es ist vielmehr ein Beispiel für den Inhalt unserer persönlichen Gebete. Gleich in den ersten Worten wird die Aufmerksamkeit auf unseren Gott gelenkt: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt“ (Mat. 6:9). Wir sprechen Jehova zu Recht mit „unser Vater“ an, weil er unser Schöpfer ist, der nicht auf der Erde wohnt, sondern „in den Himmeln“ (5. Mo. 32:6; 2. Chr. 6:21; Apg. 17:24, 28). Das persönliche Fürwort „unser“ erinnert daran, dass unsere Glaubensbrüder ebenfalls ein enges Verhältnis zu Gott haben. Die Bitte „Dein Name werde geheiligt“ schließt den Gedanken ein, dass Jehova etwas unternehmen möge, um sich zu heiligen — seinen Namen von aller Schmach zu befreien, die seit der Rebellion in Eden darauf gehäuft worden ist. In Erhörung dieses Gebets wird Jehova die Bosheit von der Erde beseitigen, wodurch er sich heiligt (Hes. 36:23).
13. (a) Wie wird die Bitte „Dein Königreich komme“ erhört werden? (b) Was schließt es ein, wenn Gottes Wille auf der Erde geschieht?
13 „Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde“ (Mat. 6:10). In Verbindung mit dieser Bitte im Mustergebet darf eines nicht vergessen werden: Bei dem „Königreich“ handelt es sich um die himmlische messianische Regierung in den Händen Christi und der auferweckten „Heiligen“ an seiner Seite (Dan. 7:13, 14, 18; Jes. 9:6, 7). Um das „Kommen“ des Königreiches zu beten beinhaltet die Bitte, dass es gegen alle irdischen Gegner der göttlichen Herrschaft vorgeht. Das wird bald geschehen, wodurch der Weg für ein weltweites Paradies geebnet wird, in dem Gerechtigkeit, Frieden und Wohlfahrt herrschen werden (Ps. 72:1-15; Dan. 2:44; 2. Pet. 3:13). Im Himmel geschieht der Wille Jehovas bereits. Wenn wir darum beten, dass er auch auf der Erde geschehe, bitten wir Gott, das auszuführen, was er für unseren Planeten vorgesehen hat. Dazu gehört, seine heutigen Gegner ebenso zu beseitigen wie jene in alter Zeit. (Lies Psalm 83:1, 2, 13-18.)
14. Warum ist es angebracht, um „unser Brot für diesen Tag“ zu bitten?
14 „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag“ (Mat. 6:11; Luk. 11:3). Durch diese Bitte beweisen wir das Vertrauen zu Jehova, für unsere alltäglichen Bedürfnisse zu sorgen und uns für den betreffenden Tag die nötige Speise zu geben. Dabei geht es nicht darum, etwas im Überfluss zu erhalten. Bei der Bitte um unser tägliches Brot könnten wir an die Israeliten denken, denen Gott gebot, Manna zu sammeln, und zwar „jeder seine Menge Tag für Tag“ (2. Mo. 16:4).
15. Erkläre, was mit der Bitte „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben“ gemeint ist.
15 Die nächste Bitte im Mustergebet weist auf etwas hin, was wir selbst tun müssen. Jesus sagte: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben“ (Mat. 6:12). Wie das Lukasevangelium zeigt, handelt es sich bei diesen „Schulden“ um „Sünden“ (Luk. 11:4). Nur wenn wir jemand, der gegen uns gesündigt hat, bereits „vergeben haben“, können wir von Jehova Vergebung erwarten. (Lies Matthäus 6:14, 15.) Wir müssen anderen sogar bereitwillig vergeben (Eph. 4:32; Kol. 3:13).
16. Wie sind die Bitten zu verstehen, nicht in Versuchung gebracht und von dem Bösen befreit zu werden?
16 „Bringe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns von dem, der böse ist“ (Mat. 6:13). Wie sind diese beiden zusammenhängenden Bitten in Jesu Mustergebet zu verstehen? Eines ist sicher: Jehova führt uns nicht in Versuchung zu sündigen. (Lies Jakobus 1:13.) Der eigentliche „Versucher“ ist Satan — der, „der böse ist“ (Mat. 4:3). In der Bibel heißt es des Öfteren von Gott, er würde bestimmte Dinge tun, obwohl er sie in Wirklichkeit nur zulässt (Ruth 1:20, 21; Pred. 11:5). „Bringe uns nicht in Versuchung“ ist daher die an Jehova gerichtete Bitte, nicht zuzulassen, dass wir einer Versuchung zum Ungehorsam nachgeben. Und wenn wir beten: „Befreie uns von dem, der böse ist“, bitten wir Jehova, uns davor zu bewahren, von Satan überwunden zu werden. Uns wird zugesichert: „Gott . . . wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet.“ (Lies 1. Korinther 10:13.)
„Bittet fortwährend, . . . sucht unablässig, . . . klopft immer wieder an“
17, 18. Was bedeutet es, unermüdlich zu bitten, zu suchen und anzuklopfen?
17 Der Apostel Paulus forderte seine Glaubensbrüder auf: „Verharrt im Gebet“ (Röm. 12:12). Jesus unterstrich diesen Gedanken ebenfalls sehr nachdrücklich mit den Worten: „Bittet fortwährend, und es wird euch gegeben werden; sucht unablässig, und ihr werdet finden; klopft immer wieder an, und es wird euch geöffnet werden. Denn jeder, der bittet, empfängt, und jeder, der sucht, findet, und jedem, der anklopft, wird geöffnet werden“ (Mat. 7:7, 8). Es ist angebracht, „fortwährend“ um etwas zu bitten, was gemäß dem Willen Jehovas ist. Im Einklang mit Jesu Worten schrieb der Apostel Johannes: „Dies ist die Zuversicht, die wir ihm [Gott] gegenüber haben, dass er uns hört, ungeachtet dessen, was wir gemäß seinem Willen bitten“ (1. Joh. 5:14).
18 Mit der Aufforderung, fortwährend zu bitten und unablässig zu suchen, meinte Jesus inbrünstiges, beharrliches Beten. Ebenso wichtig ist es für uns, immer wieder anzuklopfen, um schließlich mit den Segnungen des Königreiches belohnt zu werden. Kann tatsächlich jeder darauf vertrauen, dass Gott seine Gebete erhört? Solange er Jehova treu ist, auf jeden Fall, denn Christus sagte: „Jeder, der bittet, empfängt, und jeder, der sucht, findet, und jedem, der anklopft, wird geöffnet werden.“ Wie viele Diener Jehovas haben schon persönlich erlebt, dass Gott wirklich der „Hörer des Gebets“ ist! (Ps. 65:2).
19, 20. Wodurch erweist sich Jehova gemäß Matthäus 7:9-11 als liebevoller Vater?
19 Jesus verglich Gott mit einem liebevollen Vater, der seinen Kindern gute Dinge gibt. Stellen wir uns vor, wir wären bei der Bergpredigt dabei gewesen! Dann hätten wir Jesus jetzt sagen hören: „Wer ist der Mensch unter euch, den sein Sohn um Brot bittet — er wird ihm doch nicht etwa einen Stein reichen? Oder vielleicht wird er um einen Fisch bitten — er wird ihm doch nicht etwa eine Schlange reichen? Darum, wenn ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen gute Dinge geben, die ihn bitten!“ (Mat. 7:9-11).
20 Ein menschlicher Vater ist wegen der Erbsünde zwar gewissermaßen „böse“, hat aber natürliche Zuneigung zu seinen Kindern. Kein Vater wird sein Kind bewusst täuschen; er bemüht sich stattdessen, ihm „gute Gaben“ zu geben. Unser liebevoller himmlischer Vater hat uns gegenüber väterliche Gefühle und schenkt uns „gute Dinge“ wie zum Beispiel seinen heiligen Geist (Luk. 11:13). Dieser kann uns die Kraft geben, Jehova, von dem „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk“ stammt, auf annehmbare Weise zu dienen (Jak. 1:17).
Jesu Worte weiterhin umsetzen
21, 22. Was ist so besonders an der Bergpredigt? Wie denkst du über diese Worte Jesu?
21 Die Bergpredigt war der herausragendste Lehrvortrag, der je vor Menschen gehalten wurde. Bemerkenswert sind ihre deutlichen Worte und vor allem die wertvollen Hinweise für unser Glaubensleben. Wie diese Artikelserie gezeigt hat, ist es für uns äußerst nützlich, die in der Bergpredigt gegebenen Ratschläge umzusetzen. Es sind Worte Jesu, die heute schon unser Leben verbessern und uns die Aussicht auf eine glückliche Zukunft geben können.
22 In diesen Artikeln haben wir uns nur mit einigen „Juwelen“ aus Jesu Bergpredigt befasst. Bestimmt verstehen wir jetzt noch besser, warum die damaligen Zuhörer „über seine Art zu lehren höchst erstaunt“ waren (Mat. 7:28). Wenn wir all die kostbaren Worte des Großen Lehrers, Jesus Christus, verinnerlichen, wird es uns gewiss genauso ergehen.
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