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Wie sollten wir andere behandeln?Der Wachtturm 2008 | 15. Mai
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Wie sollten wir andere behandeln?
„Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut auch ihnen“ (LUK. 6:31).
1, 2. (a) Was war die Bergpredigt? (b) Womit möchten wir uns in diesem und im nächsten Artikel beschäftigen?
JESUS CHRISTUS war wirklich der große Lehrer. Einmal wollten seine Feinde ihn verhaften lassen, aber die Beamten kamen ohne ihn wieder zurück und sagten als Erklärung: „Nie hat ein anderer Mensch auf diese Weise geredet“ (Joh. 7:32, 45, 46). Ein meisterhaftes Beispiel dafür ist die Bergpredigt. Sie steht in Kapitel 5 bis 7 des Matthäusevangeliums, und ähnliche Aussagen sind in Lukas 6:20-49 zu finden.a
2 Das bekannteste Zitat aus der Bergpredigt dürfte die sogenannte Goldene Regel sein. Sie zeigt, wie man andere behandeln sollte: „Wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun, so tut auch ihnen“, sagte Jesus (Luk. 6:31). Und wie viel Gutes er doch für seine Mitmenschen tat! Er heilte Kranke und weckte sogar Tote auf. Am meisten aber profitierten Personen, die die gute Botschaft vom Königreich annahmen. (Lies Lukas 7:20-22.) Wie Jesus macht es auch uns Zeugen Jehovas viel Freude, diese Botschaft zu verkündigen (Mat. 24:14; 28:19, 20). In diesem und im nächsten Artikel wollen wir uns etwas näher mit der Bergpredigt beschäftigen. Was sagte Jesus darin über das Predigen vom Königreich und darüber, wie wir unsere Mitmenschen behandeln sollten?
Seid mild gesinnt
3. Wie würdest du Milde definieren?
3 Jesus sagte: „Glücklich sind die Mildgesinnten, da sie die Erde erben werden“ (Mat. 5:5). Milde, wie die Bibel sie definiert, hat nichts mit Schwäche zu tun. Es ist vielmehr eine Sanftmut, die sich vor allem darin zeigt, wie man auf Gottes Anforderungen reagiert. Dieser Wesenszug spiegelt sich im Verhalten gegenüber den Mitmenschen wider. Zum Beispiel ‘vergelten wir niemandem Böses mit Bösem’ (Röm. 12:17-19).
4. Warum sind Mildgesinnte glücklich?
4 Die Mildgesinnten sind glücklich, weil sie „die Erde erben werden“. ‘Erbe aller Dinge’ und damit auch Haupterbe der Erde ist Jesus, der „mild gesinnt und von Herzen demütig“ war (Mat. 11:29; Heb. 1:2; Ps. 2:8). Gemäß den Prophezeiungen über den Messias sollte der „Menschensohn“ in seinem himmlischen Königreich nicht allein regieren (Dan. 7:13, 14, 21, 22, 27). 144 000 mild gesinnte gesalbte Christen werden als „Miterben mit Christus“ die Erde zum Erbe erhalten (Röm. 8:16, 17; Offb. 14:1). Andere mild gesinnte Menschen werden unter der Königreichsregierung ewig auf der Erde leben dürfen (Ps. 37:11).
5. Wie wirkt es sich auf unsere Persönlichkeit aus, wenn wir Jesu Milde nachahmen?
5 Behandelt jemand seine Mitmenschen grob oder unfreundlich, wird er ihre Geduld schnell überstrapazieren, sodass sie ihm lieber aus dem Weg gehen. Nehmen wir uns dagegen an Jesu Milde ein Beispiel, fühlen sich unsere Glaubensbrüder durch uns aufgebaut und sind gern mit uns zusammen. Milde gehört zu der Frucht, die Gottes wirksame Kraft in uns wachsen lässt, wenn wir ‘durch den Geist leben und wandeln’. (Lies Galater 5:22-25.) Bestimmt möchte jeder von uns gern zu den Mildgesinnten gehören, die sich von Jehovas heiligem Geist leiten lassen.
Wie glücklich sind die Barmherzigen!
6. Durch welche schönen Wesenszüge zeichnen sich die Barmherzigen aus?
6 Weiter sagte Jesus in der Bergpredigt: „Glücklich sind die Barmherzigen, da ihnen Barmherzigkeit erwiesen wird“ (Mat. 5:7). Die Barmherzigen zeichnen sich durch Zartgefühl für Benachteiligte aus, nehmen freundlich Rücksicht auf sie, ja sie haben Mitleid mit ihnen. Jesus wirkte Wunder, um das Leid von Menschen zu lindern, denn er „empfand Mitleid“, ja er war „von Mitleid bewegt“ (Mat. 14:14; 20:34). Mitleid und Rücksicht sollten daher auch uns dazu bewegen, barmherzig zu sein (Jak. 2:13).
7. Wozu fühlte sich Jesus aus Mitleid bewogen?
7 Einmal wollte sich Jesus eigentlich gerade ausruhen, als ihm eine Volksmenge begegnete. Da „ergriff ihn Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten“. Seine Reaktion? „Er fing an, sie viele Dinge zu lehren“ (Mar. 6:34). Geht es uns nicht ähnlich, wenn wir die Königreichsbotschaft predigen und anderen von Gottes großer Barmherzigkeit erzählen? Das macht einfach viel Freude!
8. Warum sind die Barmherzigen glücklich?
8 Die Barmherzigen sind glücklich, weil „ihnen Barmherzigkeit erwiesen wird“. Erweisen wir jemand Barmherzigkeit, ist er normalerweise auch uns gegenüber barmherzig (Luk. 6:38). Dazu kommt, dass Jesus sagte: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben“ (Mat. 6:14). Wie glücklich man ist, wenn einem vergeben wurde und man wieder Gottes Gunst genießt — dieses schöne Gefühl kennen nur barmherzige Menschen!
Warum die Friedsamen glücklich sind
9. Wie verhalten wir uns, wenn wir friedsam sind?
9 Einen weiteren Schlüssel zum Glück nennt Jesus mit den Worten: „Glücklich sind die Friedsamen, da sie ‚Söhne Gottes‘ genannt werden“ (Mat. 5:9). Das griechische Wort für „Friedsame“ bedeutet wörtlich „Friedensstifter“. Wer Frieden stiften will, wird nichts, was ‘miteinander Vertraute trennt’ — wie zum Beispiel Verleumdungen —, tolerieren, geschweige denn sich daran beteiligen (Spr. 16:28). Im Umgang mit Glaubensbrüdern wie mit Außenstehenden wollen wir durch das, was wir sagen und tun, ‘dem Frieden nachjagen’ (Heb. 12:14). In erster Linie aber setzen wir alles daran, mit Jehova Gott Frieden zu haben. (Lies 1. Petrus 3:10-12.)
10. Warum sind die Friedsamen glücklich?
10 Jesus pries die Friedsamen glücklich, weil sie „ ‚Söhne Gottes‘ genannt werden“. Christen, die Glauben an Jesus als den Messias ausüben und mit heiligem Geist gesalbt werden, erhalten die „Befugnis, Kinder Gottes zu werden“ (Joh. 1:12; 1. Pet. 2:24). Wie ergeht es Jesu „anderen Schafen“, die ebenfalls friedsam sind? Ihnen wird Jesus zum „Ewigvater“, während er und seine himmlischen Miterben für 1 000 Jahre regieren (Joh. 10:14, 16; Jes. 9:6; Offb. 20:6). Wenn die Millenniumsherrschaft zu Ende ist, werden diese Friedensstifter im eigentlichen Sinn des Wortes irdische Kinder Gottes (1. Kor. 15:27, 28).
11. Wie gehen wir mit anderen um, wenn wir uns von der „Weisheit von oben“ leiten lassen?
11 Wer ein vertrauter Freund Jehovas sein möchte, muss sich an seinen Eigenschaften ein Beispiel nehmen — und Jehova ist unter anderem „der Gott des Friedens“ (Phil. 4:9). Lassen wir uns von der „Weisheit von oben“ anleiten, dann gehen wir friedlich mit anderen um (Jak. 3:17). Und Friedensstifter sind glückliche Menschen!
‘Lasst euer Licht leuchten’
12. (a) Was sagte Jesus über das Licht der Wahrheit? (b) Wie lassen wir unser Licht leuchten?
12 Unseren Mitmenschen das Licht der Wahrheit erkennen zu helfen ist das Beste, was wir für sie tun können (Ps. 43:3). Jesus sagte seinen Jüngern, sie seien „das Licht der Welt“, und forderte sie auf, ihr Licht leuchten zu lassen, damit man ihre „vortrefflichen Werke“, ihre guten Taten für andere, sehen könne. Was wäre das Ergebnis? Das Licht der Wahrheit wäre „vor den Menschen“ klar erkennbar. (Lies Matthäus 5:14-16.) Heute lassen wir unser Licht leuchten, indem wir unseren Mitmenschen Gutes tun und die gute Botschaft „in der ganzen Welt“, „unter allen Nationen“, predigen (Mat. 26:13; Mar. 13:10). Das ist uns eine große Ehre!
13. Wodurch fallen wir den Menschen auf?
13 Jesus sagte: „Eine Stadt kann nicht verborgen sein, wenn sie auf einem Berg liegt.“ Im Gegenteil, sie fällt geradezu ins Auge. Auch wir fallen den Menschen auf: durch unsere Predigttätigkeit, durch gute Taten und durch gute Eigenschaften wie Mäßigkeit in den Gewohnheiten und Keuschheit (Tit. 2:1-14).
14. (a) Was für Lampen waren im ersten Jahrhundert in Gebrauch? (b) Was ist damit gemeint, das Licht der Wahrheit nicht unter den Scheffel zu stellen?
14 Jesus sprach davon, dass man eine angezündete Lampe nicht unter ein Maßgefäß stellt, sondern auf einen Leuchter, damit sie allen leuchtet, die im Haus sind. Im ersten Jahrhundert waren Lampen gewöhnlich aus Ton und hatten einen Docht. Dieser saugte aufgrund der Kapillarwirkung eine brennbare Flüssigkeit (meist Olivenöl) an und speiste die Flamme. Stand die Lampe auf einem Ständer, oft aus Holz oder Metall, leuchtete sie ‘allen, die im Haus waren’. Niemand wäre auf die Idee gekommen, eine Lampe anzuzünden und dann unter ein „Maßgefäß“ zu stellen, einen rund 10 Liter fassenden Behälter. Jesus wollte nicht, dass seine Jünger das Licht der Wahrheit gewissermaßen unter den Scheffel stellten. Wir müssen also unser Licht leuchten lassen und dürfen uns nie durch Widerstand oder Verfolgung dazu bringen lassen, das Licht der Wahrheit zu verstecken oder für uns zu behalten.
15. Welche Wirkung haben unsere „vortrefflichen Werke“ auf manche Menschen?
15 Nachdem Jesus die Lampe erwähnt hatte, sagte er weiter zu seinen Jüngern: „Ebenso lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure vortrefflichen Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ Unsere „vortrefflichen Werke“ veranlassen einige dazu, Gott zu „verherrlichen“, indem sie seine Diener werden. Spornt uns das nicht an, beständig ‘wie Lichtspender in der Welt zu leuchten’? (Phil. 2:15).
16. Was gehört alles dazu, das „Licht der Welt“ zu sein?
16 Als das „Licht der Welt“ ist es unsere Aufgabe, eifrig die gute Botschaft vom Königreich zu predigen und Jünger zu machen. Das ist aber noch nicht alles. Der Apostel Paulus schrieb: „Fahrt fort, als Kinder des Lichts zu wandeln, denn die Frucht des Lichts besteht aus jeder Art von Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Eph. 5:8, 9). Wir sollten demnach in unserem christlichen Verhalten leuchtende Vorbilder sein. Deshalb nehmen wir den Rat des Apostels Petrus ernst, der schrieb: „Führt euren Wandel vortrefflich unter den Nationen, damit sie in dem, worin sie gegen euch als von Übeltätern reden, zufolge eurer vortrefflichen Werke, von denen sie Augenzeugen sind, Gott verherrlichen mögen am Tag seiner Besichtigung“ (1. Pet. 2:12). Was aber, wenn zwischen Glaubensbrüdern Spannungen aufkommen?
‘Schließe mit deinem Bruder Frieden’
17—19. (a) Worum handelte es sich bei der in Matthäus 5:23, 24 erwähnten „Gabe“? (b) Wie wichtig ist es, sich mit seinem Bruder zu versöhnen? Wie machte Jesus das deutlich?
17 Jesus warnte seine Jünger in der Bergpredigt davor, anhaltend auf einen Bruder zornig zu sein oder ihn zu verachten. Man sollte sich stattdessen bemühen, möglichst schnell Frieden mit ihm zu schließen. (Lies Matthäus 5:21-25.) Ist dir aufgefallen, was Jesus genau riet? Stell dir vor, du hättest damals eine Gabe zum Altar gebracht und dich dort daran erinnert, dass ein Bruder etwas gegen dich hat. Was tun? Du hättest deine Gabe vor dem Altar lassen und weggehen sollen, um Frieden mit ihm zu schließen. Anschließend hättest du zurückkommen und deine Gabe darbringen können.
18 Bei der „Gabe“ handelte es sich häufig um ein Schlachtopfer, das im Tempel Jehovas dargebracht wurde. Tieropfer spielten eine wichtige Rolle im Gesetz Mose, in dem Gott vorgeschrieben hatte, wie er von den Israeliten angebetet werden wollte. Aber wenn du dich nun vor dem Altar daran erinnert hättest, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann gab es etwas noch Wichtigeres, als das Opfer darzubringen, nämlich die Angelegenheit zu regeln! Jesus sagte: „Lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar.“ Sich mit dem Bruder zu versöhnen hatte Vorrang vor einer im Gesetz vorgeschriebenen Verpflichtung!
19 Jesus beschränkte seine Anweisung nicht auf bestimmte Opfer oder ein bestimmtes Fehlverhalten. Jedes Opfer war zurückzustellen, wenn sich jemand erinnerte, dass sein Bruder etwas gegen ihn hatte. Sollte ein Tier geopfert werden, musste es „vor dem Altar“ im Vorhof der Priester im Tempel zurückgelassen werden. Erst wenn das Problem gelöst war, konnte der Betreffende zurückkehren und sein Opfer darbringen.
20. Warum sollten wir uns schnell mit jemand versöhnen, über den wir uns geärgert haben?
20 Wie wir mit unseren Brüdern umgehen, ist aus Jehovas Sicht mitentscheidend dafür, ob er unsere Anbetung annehmen kann. Tieropfer waren ihm nichts wert, wenn der Opfernde seinen Nächsten nicht gut behandelte (Mi. 6:6-8). Deshalb forderte Jesus seine Jünger auf, sich „eilends zu verständigen“ (Mat. 5:25). Paulus schrieb zu diesem Thema: „Seid erzürnt, und doch sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurer gereizten Stimmung untergehen, auch gebt dem Teufel nicht Raum“ (Eph. 4:26, 27). Selbst wenn wir zu Recht ärgerlich sind, sollten wir uns schnell versöhnen, damit wir nicht in einer gereizten Stimmung bleiben und so dem Teufel in die Hände spielen (Luk. 17:3, 4).
Behandle andere immer respektvoll
21, 22. (a) Wie gelingt es uns, den gerade besprochenen Rat Jesu umzusetzen? (b) Worum geht es im nächsten Artikel?
21 Uns mit Jesu Aussagen in der Bergpredigt zu beschäftigen spornt uns wirklich an, unsere Mitmenschen freundlich und respektvoll zu behandeln. Natürlich sind wir alle unvollkommen; trotzdem können wir Jesu Rat befolgen, denn weder er noch unser himmlischer Vater erwarten mehr von uns, als wir tun könnten. Wenn wir um Hilfe beten und uns aufrichtig Mühe geben, wird es uns mit dem Segen Jehovas gelingen, mild gesinnt, barmherzig und friedsam zu sein. Wir werden das Licht der Wahrheit widerspiegeln können, wodurch Jehova verherrlicht wird. Und wir werden es schaffen, bei Spannungen mit einem Bruder schnell Frieden zu schließen.
22 Damit Jehova unsere Anbetung annehmen kann, müssen wir unsere Mitmenschen gut behandeln (Mar. 12:31). Im nächsten Artikel gehen wir auf weitere Aussagen Jesu aus der Bergpredigt ein, die uns helfen, anderen beständig Gutes zu tun. In Anbetracht all der gerade besprochenen Gedanken aus jenem unvergleichlichen Vortrag Jesu könnte sich aber jeder von uns zunächst fragen: Wie gut behandle ich eigentlich meine Mitmenschen?
[Fußnote]
a Vor dem persönlichen Studium dieses und des folgenden Artikels empfiehlt es sich, zunächst diese Bibelpassagen zu lesen.
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Tut weiter GutesDer Wachtturm 2008 | 15. Mai
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Tut weiter Gutes
„Fahrt fort, . . . Gutes zu tun“ (LUK. 6:35).
1, 2. Warum ist es nicht immer einfach, anderen Gutes zu tun?
ANDEREN Gutes zu tun ist gar nicht immer so einfach. Nicht jeder, dem wir Liebe erweisen, dankt es uns auch. Viele, denen wir die ‘herrliche gute Botschaft des glücklichen Gottes’ und seines Sohnes bringen — das Beste, was wir für sie tun können —, reagieren gleichgültig oder undankbar (1. Tim. 1:11). Manche sind sogar hasserfüllte „Feinde des Marterpfahls des Christus“ (Phil. 3:18). Wie sollten Christen solche Menschen behandeln?
2 Jesus forderte seine Jünger auf: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und Gutes zu tun“ (Luk. 6:35). Diese Ermahnung wollen wir etwas genauer unter die Lupe nehmen. Und es gibt noch einige weitere sehr nützliche Aussagen Jesu zum Thema Gutestun.
‘Liebt eure Feinde’
3. (a) Wie würdest du Jesu Aussage nach Matthäus 5:43-45 in eigenen Worten zusammenfassen? (b) Wie dachten jüdische Religionsführer im ersten Jahrhundert über Juden und Nichtjuden?
3 In seiner berühmten Bergpredigt ermahnte Jesus seine Zuhörer, ihre Feinde zu lieben und für die zu beten, die sie verfolgen. (Lies Matthäus 5:43-45.) Jesus sprach bei dieser Gelegenheit zu Juden, die das Gebot Gottes kannten: „Du sollst nicht Rache nehmen an den Söhnen deines Volkes noch Groll gegen sie hegen; und du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mo. 19:18). Allerdings lehrten jüdische Religionsführer im ersten Jahrhundert, die Ausdrücke „Söhne deines Volkes“ und „Mitmensch“ würden sich ausschließlich auf Juden beziehen. Nun stand zwar im mosaischen Gesetz, die Israeliten sollten sich von anderen Nationen getrennt halten, aber daraus hatte sich die Auffassung entwickelt, jeder Nichtjude sei ein Feind und müsse gehasst werden.
4. Wie sollten sich Jünger Jesu gegenüber ihren Feinden verhalten?
4 Jesus dagegen erklärte: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Mat. 5:44). Seine Jünger sollten alle, die ihnen feindlich gesinnt waren, liebevoll behandeln. Der Evangelist Lukas gibt Jesu Worte wie folgt wieder: „Ich sage euch, die ihr zuhört: Fahrt fort, eure Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die euch hassen, die zu segnen, die euch fluchen, für die zu beten, die euch beleidigen“ (Luk. 6:27, 28). Wie diejenigen, die seine Worte im ersten Jahrhundert beherzigten, tun auch wir ‘denen Gutes, die uns hassen’, indem wir ihrer Feindseligkeit freundliche Handlungen entgegensetzen. Wir ‘segnen die, die uns fluchen’, sprechen also liebenswürdig mit ihnen. Und wir ‘beten für die, die uns verfolgen’ — die uns körperliche Gewalt antun oder uns ‘beleidigend’ behandeln. Wir richten liebevolle Fürbitten an Jehova, dass sich die Verfolger doch ändern und die richtigen Schritte unternehmen, um ihm zu gefallen.
5, 6. Warum sollten wir unsere Feinde lieben?
5 Warum sollten wir unsere Feinde lieben? Jesus sagte: „Damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist“ (Mat. 5:45). Befolgen wir diesen Rat, erweisen wir uns als „Söhne“ Gottes, das heißt, wir nehmen uns Jehova zum Vorbild, der „seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt“. Wie Lukas es ausdrückt, ist Gott „gütig gegen die Undankbaren und Bösen“ (Luk. 6:35).
6 Warum es für Jünger Christi so wichtig ist, dass sie ‘fortfahren, ihre Feinde zu lieben’, betonte Jesus mit den Worten: „Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Steuereinnehmer dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Handeln nicht auch die Leute von den Nationen ebenso?“ (Mat. 5:46, 47). Würden wir nur denen Liebe erweisen, die sie uns erwidern, hätten wir keinen „Lohn“, also keine Gunst von Jehova verdient. Sogar die allgemein verachteten Steuereinnehmer behandelten die liebevoll, die ihnen mit Liebe begegneten (Luk. 5:30; 7:34).
7. Warum wäre es nichts Besonderes, wenn wir nur unsere „Brüder“ grüßen würden?
7 Zum üblichen jüdischen Gruß gehörte das Wort „Friede“ (Ri. 19:20; Joh. 20:19). Man drückte damit aus, dass man dem anderen Gesundheit, Wohlergehen und Wohlstand wünschte. Würden wir nur die grüßen, die wir als „Brüder“ betrachten, wäre das nichts „Besonderes“. Wie Jesus sagte, handelten „Leute von den Nationen“ genauso.
8. Wozu forderte Jesus mit den Worten auf: „Ihr sollt . . . vollkommen sein“?
8 Kein Jünger Christi kann fehlerlos sein, denn wir haben alle die Sünde geerbt (Röm. 5:12). Trotzdem schloss Jesus diesen Teil seines Vortrags mit der Aussage ab: „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Mat. 5:48). Damit forderte er seine Zuhörer auf, sie sollten sich ihren „himmlischen Vater“, Jehova, zum Vorbild nehmen und ihre Liebe vervollkommnen — sie vervollständigen, indem sie lernten, ihre Feinde zu lieben. Dasselbe wird auch von uns erwartet.
Warum bereitwillig vergeben?
9. Was ist mit den Worten „Vergib uns unsere Schulden“ gemeint?
9 Unbeirrt Gutes zu tun schließt ein, dass wir barmherzig sind und vergeben, wenn jemand gegen uns gesündigt hat. Sogar Jesu Mustergebet enthält ja die Worte: „Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben“ (Mat. 6:12). Hier ist natürlich nicht von Geldschulden die Rede. Gemäß dem Lukasevangelium gebrauchte Jesus „Schulden“ im Sinn von „Sünden“; es heißt darin nämlich: „Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns verschuldet ist“ (Luk. 11:4).
10. Worin können wir uns noch an Jehova ein Beispiel nehmen?
10 Auch darin sollten wir uns ein Beispiel an Jehova Gott nehmen, der reumütigen Sündern bereitwillig vergibt. Der Apostel Paulus schrieb: „Werdet . . . gütig zueinander, voll zarten Erbarmens, einander bereitwillig vergebend, so wie auch Gott euch durch Christus bereitwillig vergeben hat“ (Eph. 4:32). Und der Psalmist David schrieb in einem Lied: „Jehova ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte. . . . Er hat uns selbst nicht nach unseren Sünden getan; noch hat er nach unseren Vergehungen das auf uns gebracht, was wir verdienen. . . . So fern der Sonnenaufgang ist vom Sonnenuntergang, so weit hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. Wie ein Vater seinen Söhnen Barmherzigkeit erweist, hat Jehova denen Barmherzigkeit erwiesen, die ihn fürchten. Denn er selbst kennt ja unser Gebilde, ist eingedenk dessen, dass wir Staub sind“ (Ps. 103:8-14).
11. Wem vergibt Gott?
11 Nur wer schon denen vergeben hat, die gegen ihn gesündigt haben, dem vergibt Gott auch seine Sünden (Mar. 11:25). Das betonte Jesus, als er weiter sagte: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben“ (Mat. 6:14, 15). Gott vergibt also nur denen, die selbst bereitwillig anderen vergeben. Beständig Gutes zu tun schließt somit ein, den Rat des Apostels Paulus zu befolgen: „So, wie Jehova euch bereitwillig vergeben hat, so tut auch ihr“ (Kol. 3:13).
„Hört auf zu richten“
12. Was sagte Jesus zum Thema Richten?
12 Jesu Zuhörer sollten auch dadurch Gutes tun, dass sie aufhörten, andere zu richten. Wie wichtig das ist, machte er mit einer eindrucksvollen Veranschaulichung deutlich. (Lies Matthäus 7:1-5.) Betrachten wir genauer, was er mit der Formulierung „Hört auf zu richten“ sagen wollte.
13. Wie konnten Jesu Zuhörer ‘fortfahren freizulassen’?
13 Im Matthäusevangelium wird Jesus wie folgt zitiert: „Hört auf zu richten, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mat. 7:1). Nach Lukas sagte Jesus: „Hört . . . auf zu richten, und ihr werdet bestimmt nicht gerichtet werden; und hört auf zu verurteilen, und ihr werdet bestimmt nicht verurteilt werden. Fahrt fort freizulassen, und ihr werdet freigelassen werden“ (Luk. 6:37). Die Pharisäer im ersten Jahrhundert spielten sich als strenge Richter über andere auf und stützten sich dabei auf unbiblische Traditionen. Falls unter Jesu Zuhörern jemand war, der das ebenfalls tat, sollte er damit „aufhören“. Stattdessen sollte er ‘fortfahren freizulassen’, das heißt, die Fehler anderer zu vergeben. Der Apostel Paulus gab, wie bereits erwähnt, ähnlichen Rat.
14. Wozu würden Jesu Jünger die bewegen, denen sie vergaben?
14 Jesu Jünger würden die, denen sie vergaben, dadurch motivieren, selbst auch zum Vergeben bereit zu sein. Jesus sagte: „Mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch messen“ (Mat. 7:2). Auch für zwischenmenschliche Beziehungen gilt: Man erntet, was man sät (Gal. 6:7).
15. Wie machte Jesus deutlich, dass es falsch ist, überkritisch zu sein?
15 Um zu verdeutlichen, wie falsch es wäre, überkritisch zu urteilen, stellte Jesus ja die Frage: „Warum schaust du also auf den Strohhalm im Auge deines Bruders, beachtest aber nicht den Balken in deinem eigenen Auge? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‚Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen‘, wenn, siehe, ein Balken in deinem eigenen Auge ist?“ (Mat. 7:3, 4). Wer der Versuchung nachgibt, seinen Bruder zu kritisieren, weil er einen geringfügigen Mangel in seinem „Auge“ entdeckt hat, unterstellt ihm, seine Wahrnehmung sei beeinträchtigt, sodass er nicht richtig urteilen könne. So minimal die Beeinträchtigung — ein winziges Stückchen Stroh — auch ist, der Kritiker will sie beheben. Scheinheilig bietet er dem Bruder Hilfe an, den Strohhalm ‘aus seinem Auge zu ziehen’, damit er klarer sehen könne.
16. Warum konnte von den Pharisäern gesagt werden, dass sie einen „Balken“ im Auge hatten?
16 Ausgesprochen kritisch gingen die jüdischen Religionsführer mit anderen um. Einmal erklärte zum Beispiel ein Blinder, den Christus geheilt hatte, Jesus müsse von Gott gesandt worden sein. Darauf konterten die Pharisäer scharf: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren worden, und dennoch lehrst du uns?“ (Joh. 9:30-34). Die auf Jehovas Sichtweise gestützte Fähigkeit, klar zu sehen und richtig zu urteilen, fehlte den Pharisäern völlig; sie hatten sozusagen einen „Balken“ im Auge und waren stockblind! Kein Wunder, dass Jesus ausrief: „Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst“ (Mat. 7:5; Luk. 6:42). Wer entschlossen ist, Gutes zu tun und seine Mitmenschen gut zu behandeln, schwingt sich nicht zum strengen Kritiker auf, ständig auf der Suche nach „Strohhalmen“ im Auge seines Bruders. Stattdessen ist er sich bewusst, dass wir alle unvollkommen sind und er sich davor hüten muss, selbstgerecht über seine Glaubensbrüder zu urteilen und sie zu kritisieren.
Wie wir unsere Mitmenschen behandeln sollten
17. Wie sollten wir laut Matthäus 7:12 andere behandeln?
17 Jesus wies in der Bergpredigt darauf hin, dass sich Gott als Vater für seine Diener erweist, indem er ihre Gebete erhört. (Lies Matthäus 7:7-12.) Besondere Aufmerksamkeit verdient folgende Verhaltensregel, die Jesus aufstellte: „Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Mat. 7:12). Nur wer seine Mitmenschen so behandelt, erweist sich als echter Nachfolger Jesu Christi.
18. Wie zeigte das „Gesetz“, dass wir andere so behandeln sollten, wie wir es auch von ihnen erwarten?
18 Der Aussage, wir sollten andere so behandeln, wie wir von ihnen behandelt werden möchten, fügte Jesus die Worte hinzu: „In der Tat, das ist es, was das GESETZ und die PROPHETEN bedeuten.“ Wer so mit anderen umgeht, wie von Jesus beschrieben, lebt das Wesen des „Gesetzes“ aus — die Schriften, aus denen die ersten fünf Bibelbücher bestehen. Darin ließ Jehova nicht nur mitteilen, dass er für einen „Samen“ sorgen würde, der das Böse beseitigen soll, sondern sie enthalten auch das Gesetz, das Gott der Nation Israel 1513 v. u. Z. durch Moses übermitteln ließ (1. Mo. 3:15). Dieses Gesetz machte unter anderem deutlich, dass die Israeliten ihre Mitmenschen gerecht zu behandeln hatten, unparteiisch sein mussten und Benachteiligten und Ausländern Gutes tun sollten (3. Mo. 19:9, 10, 15, 34).
19. Wie zeigen die „Propheten“, dass wir Gutes tun sollten?
19 Mit den „Propheten“ meinte Jesus die prophetischen Bücher der Hebräischen Schriften. Sie enthalten messianische Prophezeiungen, die sich an ihm selbst erfüllten. Und sie zeigen, dass Gott seine Diener segnet, wenn sie sich an seine Anleitung halten und andere gut behandeln. Die Prophezeiung Jesajas zum Beispiel enthält folgenden Rat: „Dies ist, was Jehova gesprochen hat: ‚Bewahrt das Recht und tut, was gerecht ist. . . . Glücklich ist der sterbliche Mensch, der dieses tut, und der Menschensohn, der daran festhält . . . und der seine Hand bewahrt, um nicht irgendetwas Schlechtes zu tun‘ “ (Jes. 56:1, 2). Gott erwartet von seinen Dienern also eindeutig, dass sie nicht aufhören, Gutes zu tun.
Beständig Gutes tun
20, 21. Wie reagierten die Volksmengen, die Jesus zuhörten, und warum sollten wir die Bergpredigt auf uns wirken lassen?
20 Wir haben zwar nur einige von den vielen wichtigen Punkten betrachtet, die Jesus in seiner unvergleichlichen Bergpredigt behandelte. Trotzdem können wir die Reaktion seiner Zuhörer damals bestimmt gut nachvollziehen. Die Bibel berichtet: „Als nun Jesus diese Reden beendet hatte, waren die Volksmengen über seine Art zu lehren höchst erstaunt; denn er lehrte sie wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (Mat. 7:28, 29).
21 Jesus Christus war wirklich der versprochene „Wunderbare Ratgeber“ (Jes. 9:6). Die Bergpredigt ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut er die Denkweise seines himmlischen Vaters kannte. Dieser Vortrag enthält noch viele weitere wichtige Aussagen, zum Beispiel darüber, was für echtes Glück nötig ist, wie man sich vor Unsittlichkeit hütet, wie man wahre Gerechtigkeit praktiziert und was man für eine sichere, glückliche Zukunft tun muss. Es lohnt sich, Matthäus, Kapitel 5 bis 7 noch einmal aufmerksam zu lesen und darüber zu beten. Lass Jesu wunderbaren Rat aus der Bergpredigt auf dich wirken. Setze seine Aussagen in deinem Leben um. Dann wird es dir noch besser gelingen, Jehova Freude zu machen, deine Mitmenschen gut zu behandeln und beständig Gutes zu tun.
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