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  • Ährenpflücken am Sabbat
    Der größte Mensch, der je lebte
    • SCHON bald verlassen Jesus und seine Jünger Jerusalem, um wieder nach Galiläa zurückzukehren. Es ist Frühling, und auf den Feldern steht das Getreide auf dem Halm.

  • Was ist am Sabbat erlaubt?
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Was ist am Sabbat erlaubt?

      AN EINEM Sabbat besucht Jesus eine Synagoge in der Nähe des Galiläischen Meeres. Unter den Anwesenden ist auch ein Mann mit einer verdorrten Hand. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer beobachten aufmerksam, ob Jesus ihn heilt. Schließlich fragen sie: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?“

      Die religiösen Führer der Juden vertreten die Ansicht, am Sabbat seien Heilmaßnahmen nur erlaubt, wenn Lebensgefahr bestehe. Sie lehren zum Beispiel, man dürfe am Sabbat weder einen Knochen einrichten noch ein verstauchtes Gelenk bandagieren. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer stellen Jesus nur deshalb diese Frage, weil sie nach einem Vorwand suchen, ihn anzuklagen.

      Jesus kennt jedoch ihre Überlegungen. Er weiß auch, daß sie eine extreme, unbiblische Ansicht vertreten, was Tätigkeiten betrifft, die das Sabbatgebot verletzen. Es kommt daher zu einer Auseinandersetzung, als Jesus zu dem Mann mit der verdorrten Hand sagt: „Steh auf und komm in die Mitte.“

      Dann wendet sich Jesus an die Schriftgelehrten und die Pharisäer: „Welcher Mensch unter euch, der ein einziges Schaf hat, wird dieses, wenn es am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreifen und es herausheben?“ Da ein Schaf eine Geldanlage ist, würden sie es nicht bis zum nächsten Tag in der Grube lassen, wo es krank werden könnte, wodurch sie einen Verlust erleiden würden. Außerdem heißt es in der Bibel: „Der Gerechte sorgt für die Seele seines Haustiers.“

      Nach diesem Vergleich fährt Jesus fort: „Wenn man alles in Betracht zieht: Wieviel wertvoller ist doch ein Mensch als ein Schaf! Somit ist es erlaubt, am Sabbat etwas Vortreffliches zu tun.“ Die religiösen Führer sind unfähig, diese logische, von Mitgefühl zeugende Schlußfolgerung zu widerlegen, und bleiben stumm.

      Empört, aber auch betrübt wegen ihrer Gefühllosigkeit, blickt Jesus um sich. Dann sagt er zu dem Mann: „Strecke deine Hand aus!“ Als dieser die Hand ausstreckt, ist sie geheilt.

      Statt sich darüber zu freuen, daß die Hand des Mannes wiederhergestellt wurde, gehen die Pharisäer hinaus und verschwören sich sofort mit den Parteianhängern des Herodes gegen Jesus, um ihn zu töten. Diese politische Partei, zu der offensichtlich auch Sadduzäer gehören, liegt zwar im allgemeinen mit den Pharisäern in offenem Streit, aber in ihrem Widerstand gegen Jesus sind sie fest vereint. Matthäus 12:9-14; Markus 3:1-6; Lukas 6:6-11; Sprüche 12:10; 2. Mose 20:8-10.

  • An ihm erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas
    Der größte Mensch, der je lebte
    • An ihm erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas

      ALS Jesus erfährt, daß die Pharisäer und die Parteianhänger des Herodes ihn töten wollen, zieht er sich mit seinen Jüngern an das Galiläische Meer zurück. Hier strömen große Volksmengen aus ganz Palästina und sogar aus anderen Gebieten zu ihm. Er heilt viele, so daß alle, die ein lästiges Leiden haben, auf ihn eindrängen, um ihn anzurühren.

      Jesus weist seine Jünger an, wegen der großen Volksmenge stets ein Boot für ihn bereitzuhalten. Dadurch, daß er vom Strand wegrudert, kann er die Massen daran hindern, ihn zu bedrängen. Er kann sie vom Boot aus belehren oder sich in ein anderes Gebiet am Ufer begeben, um den Menschen dort zu helfen.

      Der Jünger Matthäus stellt fest, daß sich durch Jesu Tätigkeit das erfüllt, „was durch Jesaja, den Propheten, geredet wurde“. Dann zitiert er die Prophezeiung, die sich an Jesus erfüllt:

      „Siehe! Mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen gefunden hat! Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Nationen das Recht erklären. Er wird weder zanken noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den breiten Straßen hören. Ein zerstoßenes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Flachsdocht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht erfolgreich aussendet. In der Tat, auf seinen Namen werden die Nationen hoffen.“

      Jesus ist natürlich der geliebte Knecht, an dem Jehova Wohlgefallen gefunden hat. Und er erklärt deutlich, was das wahre Recht ist, das durch falsche religiöse Traditionen verschleiert wird. Die Pharisäer würden wegen ihrer unberechtigten Anwendung des Gesetzes Gottes am Sabbat nicht einmal einem Kranken zu Hilfe kommen. Jesus befreit die Menschen von der Last bedrückender Traditionen, indem er ihnen klarmacht, was in Gottes Augen recht ist. Deshalb versuchen die religiösen Führer, ihn zu töten.

      Was bedeutet es aber, wenn es heißt, er werde ‘weder zanken noch schreien, noch werde jemand seine Stimme auf den breiten Straßen hören’? Wenn Jesus die Menschen heilt, ‘befiehlt er ihnen ausdrücklich, ihn nicht bekannt zu machen’. Er möchte nicht, daß er lautstark auf den Straßen angekündigt wird oder daß entstellte Berichte von Mund zu Mund gehen.

      Jesus trägt seine trostreiche Botschaft zu Menschen, die einem zerstoßenen Rohr gleichen, gebeugt sind und niedergetreten werden. Sie sind wie ein glimmender Flachsdocht, dessen letzter Funke fast erloschen ist. Jesus zerbricht das zerstoßene Rohr nicht, noch löscht er den flackernden, rauchenden Flachsdocht aus. Statt dessen richtet er mit Geschick, Zuneigung und Liebe die Sanftmütigen auf. Jesus ist in der Tat derjenige, auf den die Nationen hoffen können. Matthäus 12:15-21; Markus 3:7-12; Jesaja 42:1-4.

  • Er wählt seine Apostel aus
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Er wählt seine Apostel aus

      ETWA eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Johannes der Täufer Jesus als das Lamm Gottes kenntlich gemacht hat und Jesus mit seinem öffentlichen Predigtwerk begonnen hat. Zu jener Zeit waren Andreas, Simon Petrus, Johannes und möglicherweise Jakobus (der Bruder des Johannes) sowie Philippus und Nathanael (auch Bartholomäus genannt) seine ersten Jünger geworden. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihnen viele an und folgten ebenfalls Jesus nach.

      Jesus ist jetzt bereit, seine Apostel auszuwählen. Sie werden seine engsten Gefährten sein, die er besonders schult. Doch bevor er seine Wahl trifft, begibt er sich auf einen Berg. Dort verbringt er die ganze Nacht im Gebet und bittet wahrscheinlich um Weisheit und um Gottes Segen. Als es Tag wird, ruft er seine Jünger und wählt aus ihnen 12 aus. Da sie jedoch immer noch Jesu Schüler sind, werden sie weiterhin Jünger genannt.

      Zu denen, für die sich Jesus entschieden hat, gehört neben seinen ersten sechs Jüngern, die bereits namentlich genannt wurden, auch Matthäus, den Jesus berief, als er im Steuerbüro saß. Bei den fünf anderen handelt es sich um Judas (auch Thaddäus genannt), Judas Iskariot, Simon, den Kananäer, Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus. Dieser wird auch Jakobus der Geringere genannt, vielleicht weil er von kleinerer Statur oder jünger ist als der andere Apostel Jakobus.

      Diese 12 sind schon eine gewisse Zeit mit Jesus zusammengewesen, und er kennt sie gut. Einige von ihnen sind sogar mit ihm verwandt. Jakobus und sein Bruder Johannes sind wahrscheinlich seine Cousins. Möglicherweise war Alphäus der Bruder Josephs, des Pflegevaters Jesu. Dann wäre der Sohn des Alphäus, der Apostel Jakobus, ebenfalls ein Cousin Jesu.

      Jesus hat natürlich keine Schwierigkeiten, sich die Namen seiner Apostel zu merken. Weißt du sie noch? Nun, erinnere dich, daß zwei Simon heißen, zwei Jakobus und zwei Judas, daß Simons Bruder Andreas heißt und der Bruder des Jakobus Johannes. Das ist der Schlüssel, sich acht Apostel zu merken. Die übrigen vier sind ein Steuereinnehmer (Matthäus), einer, der später einmal zweifelte (Thomas), einer, der unter einem Baum berufen wurde (Nathanael), und dessen Freund Philippus.

      Elf der Apostel stammen aus Galiläa, dem Heimatgebiet Jesu. Nathanael ist aus Kana. Philippus, Petrus und Andreas kommen ursprünglich aus Bethsaida. Petrus und Andreas ziehen später nach Kapernaum, wo anscheinend auch Matthäus wohnt. Jakobus und Johannes waren Fischer und wohnen wahrscheinlich ebenfalls in oder bei Kapernaum. Judas Iskariot, der Jesus später verrät, scheint der einzige Apostel aus Judäa zu sein. Markus 3:13-19; Lukas 6:12-16.

  • Die berühmteste Predigt, die je gehalten wurde
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Die berühmteste Predigt, die je gehalten wurde

      DIE Szene ist eine der bekanntesten der ganzen Bibel: Jesus sitzt an einem Abhang und hält seine berühmte Bergpredigt. Der Ort liegt in der Nähe des Galiläischen Meeres, wahrscheinlich in der Umgebung von Kapernaum. Nachdem Jesus die ganze Nacht gebetet hat, erwählt er 12 seiner Jünger zu Aposteln. Dann begibt er sich mit ihnen allen an einen ebenen Platz auf dem Berg.

      Man sollte eigentlich annehmen, daß Jesus jetzt sehr müde ist und ein wenig schlafen möchte. Es hat sich jedoch eine große Volksmenge versammelt. Einige sind aus Judäa und Jerusalem gekommen und haben somit etwa 100 Kilometer zurückgelegt. Andere stammen aus den Hafenstädten Tyrus und Sidon, die im Norden liegen. Sie haben sich hier eingefunden, um Jesus zu hören und um von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Sogar Menschen, die von Dämonen, den bösen Engeln Satans, belästigt werden, sind darunter.

      Als Jesus hinuntergeht, drängen sich die Kranken in seine Nähe, um ihn zu berühren, und er heilt sie alle. Später steigt Jesus offensichtlich wieder etwas höher auf den Berg hinauf. Dort setzt er sich nieder und beginnt die Volksmenge zu belehren, die sich auf dem ebenen Platz vor ihm befindet. Und denke nur, kein einziger unter seinen Zuhörern leidet mehr an einer schweren Krankheit!

      Die Menschen warten gespannt darauf, den Lehrer zu hören, der diese erstaunlichen Wunder wirken kann. Jesus hält seine Predigt jedoch hauptsächlich zum Nutzen seiner Jünger, die wahrscheinlich in seiner unmittelbaren Nähe Platz genommen haben. Doch damit auch wir noch etwas davon haben, wurde sie von Matthäus und Lukas aufgezeichnet.

      Der von Matthäus verfaßte Bericht über die Predigt ist etwa viermal so lang wie der von Lukas. Bestimmte Teile aus der Aufzeichnung des Matthäus werden von Lukas einer anderen Zeit des Dienstes Jesu zugeordnet, was einem Vergleich von Matthäus 6:9-13 mit Lukas 11:1-4 und von Matthäus 6:25-34 mit Lukas 12:22-31 zu entnehmen ist. Das sollte uns jedoch nicht überraschen. Jesus lehrte dieselben Dinge offensichtlich mehr als einmal, und Lukas hat einige Lehren in einem anderen Zusammenhang aufgezeichnet.

      Jesu Bergpredigt ist nicht nur wegen des tiefgründigen Inhalts so wertvoll, sondern auch deshalb, weil er die Wahrheiten so einfach und verständlich darlegt. Er bezieht sich auf alltägliche Begebenheiten und auf Dinge, mit denen die Menschen vertraut sind. Dadurch können alle, die noch besser gemäß Gottes Willen leben möchten, seine Gedanken leicht verstehen.

      Wer ist wirklich glücklich?

      Jeder möchte glücklich sein. Da sich Jesus dessen bewußt ist, beschreibt er zu Beginn seiner Bergpredigt, wer wirklich glücklich ist. Wir können uns vorstellen, wie sehr das von Anfang an seine große Zuhörerschaft fesselt. Dennoch müssen seine einleitenden Worte vielen widersprüchlich erscheinen.

      Jesus richtet seine Äußerungen an seine Jünger und beginnt wie folgt: „Glücklich seid ihr Armen, denn euer ist das Königreich Gottes. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Glücklich seid ihr, wann immer die Menschen euch hassen ... Freut euch an jenem Tag, und hüpft; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.“

      Das ist der Bericht des Lukas über die Einleitung der Predigt Jesu. Aber gemäß dem Bericht des Matthäus sagt Jesus auch, daß die Mildgesinnten, die Barmherzigen, diejenigen, die reinen Herzens sind, und die Friedsamen glücklich sind. Wie Jesus erklärt, sind sie glücklich, denn sie werden die Erde erben, ihnen wird Barmherzigkeit erwiesen werden, sie werden Gott sehen und werden Söhne Gottes genannt werden.

      Wenn Jesus vom Glücklichsein spricht, meint er jedoch nicht einfach, heiter und vergnügt zu sein, als ob es darum ginge, sich zu amüsieren. Wahres Glück geht tiefer; es bedeutet Zufriedenheit, das Gefühl der Befriedigung und Erfüllung im Leben.

      Die wirklich Glücklichen sind, wie Jesus zeigt, Menschen, die ihre geistigen Bedürfnisse erkennen, traurig sind über ihren sündhaften Zustand und Gott kennenlernen und ihm dann dienen. Ja selbst wenn sie gehaßt oder verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun, sind sie glücklich, denn sie wissen, daß sie Gott gefallen und seinen Lohn, ewiges Leben, erhalten werden.

      Viele Leute von heute gleichen einem Großteil der Zuhörer Jesu, weil sie glauben, der Mensch sei glücklich, wenn er vermögend und erfolgreich sei und sein Vergnügen habe. Jesus dagegen weiß es besser. Er zeigt einen Gegensatz auf, der wohl viele seiner Zuhörer überrascht:

      „Wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt bereits euren vollen Trost. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen. Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn desgleichen taten ihre Vorväter den falschen Propheten.“

      Was will Jesus damit sagen? Warum ist es ein Unheil, reich zu sein, lachend Vergnügungen nachzugehen und den Beifall der Menschen zu genießen? Dem ist so, weil im Leben eines Menschen, der diese Dinge hat und ihnen zugetan ist, der Dienst für Gott, der allein wahres Glück bringt, ausgeklammert wird. Andererseits will Jesus nicht sagen, ein Mensch sei allein dadurch glücklich, daß er arm und hungrig sei oder trauere. Oft gehen jedoch solche benachteiligten Menschen auf Jesu Lehren ein und werden dadurch mit wahrem Glück gesegnet.

      Als nächstes wendet sich Jesus an seine Jünger mit den Worten: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Natürlich meint er nicht, sie seien buchstäbliches Salz. Salz ist ein Konservierungsstoff. Beim Tempel Jehovas lag neben dem Altar ein großer Haufen Salz, und die dort amtierenden Priester nahmen davon, um die Opfer zu salzen.

      Die Jünger Jesu sind insofern das „Salz der Erde“, als sie einen lebenerhaltenden Einfluß auf die Menschen ausüben. Ja, die Botschaft, die sie verkündigen, wird bewirken, daß alle, die darauf eingehen, am Leben erhalten werden. Sie wird in ihr Leben Beständigkeit, Loyalität und Treue bringen und sie vor geistigem und moralischem Verfall bewahren.

      „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Eine Lampe stellt man nicht unter ein Gefäß, sondern auf einen Leuchter. Daher sagt Jesus: „Ebenso laßt euer Licht vor den Menschen leuchten.“ Jesu Jünger tun das, indem sie öffentlich Zeugnis ablegen und durch einen den biblischen Grundsätzen entsprechenden Lebenswandel als leuchtendes Vorbild dienen.

      Ein hoher Maßstab für seine Nachfolger

      In den Augen der religiösen Führer ist Jesus ein Übertreter des Gesetzes Gottes, und sie sind sogar übereingekommen, ihn zu töten. Jesus sagt daher, als er mit seiner Bergpredigt fortfährt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das GESETZ oder die PROPHETEN zu vernichten. Nicht um zu vernichten, bin ich gekommen, sondern um zu erfüllen.“

      Jesus hat höchste Achtung vor Gottes Gesetz und fordert das auch von anderen. So sagt er: „Wer immer daher eines dieser geringsten Gebote bricht und die Menschen demgemäß lehrt, der wird hinsichtlich des Königreiches der Himmel ‚Geringster‘ genannt werden“, d. h., ein solcher wird überhaupt nicht in das Königreich eingehen.

      Jesus mißachtet keineswegs Gottes Gesetz; er verurteilt sogar jede Geisteshaltung, die dazu beiträgt, daß jemand es bricht. Er führt an, daß es im Gesetz heißt: „Du sollst nicht morden“, und fügt dann hinzu: „Doch ich sage euch, daß jeder, der seinem Bruder fortgesetzt zürnt, dem Gerichtshof Rechenschaft wird geben müssen.“

      Da es eine so ernste Sache ist, seinem Mitmenschen fortgesetzt zu zürnen — es kann sogar zu Mord führen —, veranschaulicht Jesus, wie weit man um des Friedens willen gehen soll. Seine Anweisung lautet: „Wenn du nun deine [Opfer-]Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh weg; schließe zuerst mit deinem Bruder Frieden; und dann, wenn du zurückgekommen bist, bringe deine Gabe dar.“

      Jesus lenkt nun die Aufmerksamkeit auf das siebente der Zehn Gebote: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ‚Du sollst nicht ehebrechen.‘ “ Er verurteilt jedoch schon die Bereitschaft zum Ehebruch: „Ich aber sage euch, daß jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat.“

      Es geht hier nicht bloß um einen vorübergehenden unmoralischen Gedanken, sondern darum, jemand ‘fortwährend anzusehen’. Solch ständiges Betrachten weckt leidenschaftliche Begierden, die bei passender Gelegenheit zum Ehebruch führen können. Wie kann man das verhindern? Jesus veranschaulicht, welch extreme Maßnahmen erforderlich sein mögen: „Wenn nun dein rechtes Auge dich straucheln macht, so reiß es aus und wirf es von dir weg. ... Und wenn deine rechte Hand dich straucheln macht, so hau sie ab und wirf sie von dir weg.“

      Viele Menschen sind bereit, ein erkranktes buchstäbliches Glied zu opfern, um ihr Leben zu retten. Gemäß Jesu Worten ist es jedoch noch wichtiger, wirklich alles ‘wegzuwerfen’, selbst etwas so Wertvolles wie ein Auge oder eine Hand, um sich vor unmoralischem Denken und Handeln zu hüten. Andernfalls, so sagt Jesus, würde man in die Gehenna (ein brennender Müllplatz bei Jerusalem) geworfen, was ewige Vernichtung symbolisiert.

      Jesus spricht auch über den Umgang mit Personen, die Schaden stiften und Kränkung verursachen. „Widersteht nicht dem, der böse ist“, lautet sein Rat. „Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, so wende ihm auch die andere zu.“ Jesus meint damit nicht, daß man sich oder seine Angehörigen nicht verteidigen darf, wenn man angegriffen wird. Ein solcher Schlag soll den anderen nicht körperlich verletzen, sondern beleidigen. Christus wollte zeigen, daß es verkehrt wäre, zurückzuschlagen, wenn jemand versuchen würde, einen durch buchstäbliche Schläge mit der flachen Hand oder durch beleidigende Worte herauszufordern.

      Nachdem Jesus die Aufmerksamkeit auf Gottes Gesetz, seinen Nächsten zu lieben, gelenkt hat, sagt er: „Doch ich sage euch: Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen.“ Er gibt dafür auch einen überzeugenden Grund an: „Damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist, da er seine Sonne über Böse und Gute aufgehen ... läßt.“

      Jesus schließt diesen Teil seiner Bergpredigt mit der Ermahnung ab: „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Er meint damit nicht, daß wir in absolutem Sinne vollkommen sein können. Wer Gott nachahmt, kann jedoch in seiner Liebe so weit werden, daß sie sogar Feinde einschließt. In dem von Lukas verfaßten Parallelbericht werden Jesu Worte wie folgt wiedergegeben: „Fahrt fort, barmherzig zu werden, wie euer Vater barmherzig ist.“

      Gebet und Gottvertrauen

      Im weiteren Verlauf seiner Predigt verurteilt Jesus die Heuchelei derjenigen, die ihre vermeintliche Gottergebenheit zur Schau stellen. „Wenn du also Gaben ... spendest“, sagt er, „so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler ... tun.“

      Jesus fährt fort: „Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht wie die Heuchler sein; denn sie beten gern stehend in den Synagogen und an den Ecken der breiten Straßen, um von den Menschen gesehen zu werden.“ Seine Anweisung lautet: „Wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ Da Jesus selbst öffentliche Gebete sprach, verurteilt er diese nicht. Er prangert jedoch Gebete an, die jemand spricht, um die Zuhörenden zu beeindrucken und ihre Bewunderung auf sich zu ziehen.

      Des weiteren gibt Jesus den Rat: „Wenn ihr aber betet, sagt nicht immer und immer wieder dasselbe wie die Leute von den Nationen.“ Jesus meint damit nicht, daß Wiederholungen an sich verkehrt seien. Bei einer Gelegenheit sprach er selbst wiederholt „dasselbe Wort“, als er betete. Er mißbilligt es jedoch, auswendig gelernte Sätze „immer und immer wieder“ herzusagen, wie es beispielsweise jemand tut, der den Rosenkranz betet und dabei seine Gebete mechanisch wiederholt.

      Um seinen Zuhörern zu zeigen, wie man beten soll, lehrt Jesus sie ein Mustergebet, das sieben Bitten enthält. In den drei ersten werden passenderweise die Souveränität Gottes und seine Vorsätze anerkannt. Es sind Bitten um die Heiligung des Namens Gottes, um das Kommen seines Königreiches und darum, daß sein Wille geschehen möge. Die vier übrigen sind persönliche Bitten um die tägliche Nahrung, um Vergebung von Sünden und daß man nicht über sein Vermögen versucht, sondern vom Bösen befreit werden möge.

      Dann zeigt Jesus, daß es zu einer Schlinge werden kann, ungebührlichen Nachdruck auf materiellen Besitz zu legen. Er sagt: „Hört auf, euch Schätze auf der Erde aufzuhäufen, wo Motte und Rost sie verzehren und wo Diebe einbrechen und stehlen.“ Solche Schätze sind nicht nur vergänglich, sondern auch ohne Wert bei Gott.

      Er empfiehlt statt dessen: „Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel auf.“ Das tut man, indem man den Dienst für Gott im Leben an die erste Stelle setzt. Niemand kann einem diese „Schätze“, die auf diese Weise bei Gott aufgehäuft werden, oder die großartige Belohnung wegnehmen. Dann fügt Jesus noch hinzu: „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“

      In Verbindung mit der Schlinge des Materialismus führt Jesus noch folgende Veranschaulichung an: „Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.“ Ein gesundes Auge ist für den Körper wie eine brennende Lampe an einem dunklen Ort. Damit man jedoch deutlich sehen kann, muß das Auge lauter sein, d. h., es muß sich auf eine Sache genau einstellen. Kann ein Auge nicht scharf sehen, wird man die Dinge nicht richtig abschätzen können. Man wird materielle Bestrebungen vor den Dienst für Gott stellen, wodurch schließlich der ‘ganze Leib’ finster wird.

      Jesus krönt das Ganze mit einer ausdrucksstarken Veranschaulichung: „Niemand kann ein Sklave zweier Herren sein; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein.“

      Im Anschluß an diesen Rat versichert Jesus seinen Zuhörern, daß sie sich keine Sorgen um ihre materiellen Bedürfnisse zu machen brauchen, wenn sie den Dienst für Gott an die erste Stelle setzen. „Beobachtet aufmerksam die Vögel des Himmels“, sagt er, „denn sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie etwas in Vorratshäuser ein; dennoch ernährt sie euer himmlischer Vater.“ Dann stellt er die Frage: „Seid ihr nicht mehr wert als sie?“

      Als nächstes verweist Jesus auf die Lilien des Feldes und erwähnt, „daß nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit wie eine von diesen bekleidet war“. Er fährt fort: „Wenn nun Gott die Pflanzen des Feldes ... so kleidet, wird er nicht vielmehr euch kleiden, ihr Kleingläubigen?“ Daher sagt Jesus abschließend: „Macht euch nie Sorgen und sprecht: ‚Was sollen wir essen?‘ oder: ‚Was sollen wir trinken?‘ oder: ‚Was sollen wir anziehen?‘ ... Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all diese Dinge benötigt. So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden.“

      Der Weg zum Leben

      Wer den Weg gehen möchte, der zum Leben führt, muß Jesu Lehren befolgen. Das ist jedoch nicht leicht. Die Pharisäer neigen zum Beispiel dazu, andere streng zu richten, und wahrscheinlich ahmen viele sie darin nach. Als Jesus seine Bergpredigt fortsetzt, mahnt er daher: „Hört auf zu richten, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden.“

      Es ist gefährlich, der Führung der überkritischen Pharisäer zu folgen. Gemäß dem Bericht des Lukas veranschaulicht Jesus diese Gefahr folgendermaßen: „Kann wohl ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube stürzen?“

      Anderen gegenüber zu kritisch zu sein, ihre Fehler aufzubauschen und darauf herumzuhacken ist ein ernstes Vergehen. Jesus fragt deshalb: „Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‚Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen‘, wenn, siehe, ein Balken in deinem eigenen Auge ist? Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst.“

      Das bedeutet jedoch nicht, daß Jesu Jünger im Umgang mit anderen kein Unterscheidungsvermögen anzuwenden brauchten, denn Jesus sagt: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor.“ Die Wahrheiten aus Gottes Wort sind heilig. In übertragenem Sinne sind sie wie Perlen. Wenn jemand jedoch gleich einem Hund oder einem Schwein keine Wertschätzung für diese kostbaren Wahrheiten hat, sollen sich Jesu Jünger nicht weiter mit diesem Menschen abgeben, sondern nach jemand suchen, der empfänglicher ist.

      Jesus hat in seiner Bergpredigt zwar schon einmal über das Gebet gesprochen, jetzt betont er jedoch die Notwendigkeit, darin zu beharren. „Bittet fortwährend“, sagt er, „und es wird euch gegeben werden.“ Um Gottes Bereitschaft, Gebete zu erhören, zu veranschaulichen, fragt Jesus: „Wer ist der Mensch unter euch, den sein Sohn um Brot bittet — er wird ihm doch nicht etwa einen Stein reichen? ... Darum, wenn ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen gute Dinge geben, die ihn bitten!“

      Als nächstes stellt Jesus eine bekannte Verhaltensregel auf, die gewöhnlich die „Goldene Regel“ genannt wird. Er sagt: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun.“ Nach dieser Regel zu leben schließt positives Handeln gegenüber anderen ein, d. h., man muß sie so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

      Daß der Weg zum Leben nicht leicht ist, geht aus folgender Anweisung Jesu hervor: „Geht ein durch das enge Tor; denn breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen; doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden.“

      Die Gefahr, irregeleitet zu werden, ist groß. Daher warnt Jesus: „Nehmt euch vor den falschen Propheten in acht, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie raubgierige Wölfe.“ Jesus zeigt, daß genauso, wie gute und schlechte Bäume an ihren Früchten erkannt werden können, auch falsche Propheten an ihrem Wandel und an ihren Lehren erkannt werden können.

      Des weiteren erklärt Jesus, daß jemand nicht einfach durch das, was er sagt, sondern durch das, was er tut, zu seinem Jünger wird. Einige behaupten, Jesus sei ihr Herr, aber sie tun nicht den Willen seines Vaters. Auf sie treffen folgende Worte Jesu zu: „Ich [will] ihnen dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit.“

      Schließlich äußert Jesus die denkwürdigen Schlußworte seiner Predigt. Er sagt: „Jeder nun, der diese meine Worte hört und danach handelt, wird mit einem verständigen Mann verglichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und schlugen gegen jenes Haus, aber es stürzte nicht ein, denn es war auf den Felsen gegründet worden.“

      Andererseits erklärt Jesus: „Jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, [wird] mit einem törichten Mann verglichen, der sein Haus auf den Sand baute. Und der Regen strömte hernieder, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus, und es stürzte ein, und sein Zusammensturz war groß.“

      Als Jesus seine Rede beendet hat, sind die Volksmengen über seine Art zu lehren erstaunt, da er sie wie jemand lehrt, der Gewalt hat, und nicht wie ihre religiösen Führer.

  • Der große Glauben eines Offiziers
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Der große Glauben eines Offiziers

      DIE Bergpredigt kennzeichnet etwa die Mitte des öffentlichen Dienstes Jesu. Er hat demnach nur noch ungefähr ein Jahr und neun Monate Zeit, sein Werk auf der Erde zu vollenden.

      Jesus geht nach Kapernaum hinein, das ihm sozusagen als Stützpunkt für seine Tätigkeit dient. Hier treten einige ältere Männer der Juden mit einer Bitte an ihn heran. Geschickt hat sie ein römischer Offizier, ein Heide, d. h. jemand, der nicht dem jüdischen Volk angehört.

      Der geliebte Diener des Offiziers ist ernsthaft erkrankt und liegt im Sterben. Dieser möchte daher, daß Jesus seinen Diener gesund macht. Die Juden setzen sich nachdrücklich für den Offizier ein: „Er ist würdig, daß du ihm das gewährst“, sagen sie, „denn er liebt unsere Nation, und er selbst hat für uns die Synagoge gebaut.“

      Ohne zu zögern, geht Jesus mit den Männern. Als sie ihr Ziel fast erreicht haben, sendet ihnen der Offizier Freunde entgegen, um Jesus sagen zu lassen: „Herr, bemühe dich nicht, denn ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach kommst. Darum betrachtete ich mich nicht für würdig, zu dir zu kommen.“

      Welch ein Ausdruck der Demut von einem Offizier, der gewohnt ist, anderen zu befehlen! Möglicherweise denkt er jedoch auch an Jesus, da er weiß, daß die Sitte es einem Juden verbietet, gesellschaftlichen Kontakt mit Nichtjuden zu haben. So sagte Petrus zum Beispiel einmal: „Ihr wißt wohl, daß es einem Juden nicht erlaubt ist, sich einem Menschen von einer anderen Rasse anzuschließen oder sich ihm zu nähern.“

      Vielleicht möchte der Offizier Jesus die Folgen ersparen, die eine Verletzung dieser Sitte mit sich bringen würde, und deshalb bittet er ihn durch die Freunde: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund werden. Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Befehlsgewalt steht, und habe Soldaten unter mir, und sage ich zu diesem: ‚Geh hin!‘, so geht er hin, und zu einem anderen: ‚Komm!‘, so kommt er, und zu meinem Sklaven: ‚Tu dies!‘, so tut er’s.“

      Jesus staunt, als er das hört. „Ich sage euch die Wahrheit“, sagt er. „Bei niemand in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.“ Nachdem Jesus den Diener des Offiziers geheilt hat, nutzt er die Gelegenheit und legt dar, daß viele gläubige Nichtjuden die Segnungen empfangen werden, die die ungläubigen Juden zurückweisen.

      Jesus erklärt, daß „viele von östlichen Gegenden und westlichen Gegenden kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Königreich der Himmel zu Tisch liegen werden, während die Söhne des Königreiches in die Finsternis draußen hinausgeworfen werden. Dort wird ihr Weinen und ihr Zähneknirschen sein.“

      Die „Söhne des Königreiches“, die „in die Finsternis draußen hinausgeworfen werden“, sind natürliche Juden, die die Gelegenheit, Mitherrscher mit Christus zu werden — eine Gelegenheit, die zuerst die Juden erhielten —, nicht wahrnahmen. Abraham, Isaak und Jakob stellen Gottes Königreichsvorkehrung dar. Jesus gibt so zu verstehen, daß Menschen von den Nationen willkommen geheißen würden, um „im Königreich der Himmel“ sozusagen zu Tisch zu liegen. Lukas 7:1-10; Matthäus 8:5-13; Apostelgeschichte 10:28.

  • Jesus läßt eine Witwe ihre Trauer vergessen
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Jesus läßt eine Witwe ihre Trauer vergessen

      KURZ nachdem Jesus den Diener eines Offiziers geheilt hat, begibt er sich nach Nain, das über 30 km südwestlich von Kapernaum liegt. Seine Jünger und eine große Volksmenge begleiten ihn. Es ist wahrscheinlich schon gegen Abend, als sie sich dem Stadttor von Nain nähern. Hier stoßen sie auf einen Leichenzug. Man trägt einen verstorbenen jungen Mann aus der Stadt hinaus, um ihn zu begraben.

      Die Mutter des Toten befindet sich in einer äußerst tragischen Situation, da sie Witwe ist und nur das eine Kind hatte. Als ihr Mann starb, konnte sie sich damit trösten, daß sie noch ihren Sohn hatte. Ihre Hoffnung, ihre Wünsche und ihr Streben konzentrierten sich völlig auf seine Zukunft. Aber jetzt hat sie niemand mehr, bei dem sie Trost finden kann. Sie ist von tiefer Trauer erfüllt, als sie zusammen mit den Leuten aus der Stadt zur Begräbnisstätte geht.

      Die große Traurigkeit der Frau rührt sofort das Herz Jesu. Sanft, aber mit einer Entschlossenheit, die Vertrauen einflößt, sagt er zu ihr: „Hör auf zu weinen.“ Sein Auftreten und sein Tun fesseln die Aufmerksamkeit der Volksmenge. Als er sich der Bahre, auf der der Tote liegt, nähert und sie berührt, stehen die Träger still. Alle fragen sich, was er wohl tun wird.

      Diejenigen, die Jesus begleiten, haben zwar gesehen, daß er durch Wunder viele geheilt hat. Doch offensichtlich haben sie noch nie gesehen, daß er jemand von den Toten auferweckt hat. Besitzt er diese Fähigkeit? Zu dem Toten gewandt, gebietet Jesus: „Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!“ Und der Mann setzt sich auf! Er fängt an zu reden, und Jesus übergibt ihn seiner Mutter.

      Als die Menschen sehen, daß der junge Mann tatsächlich lebt, beginnen sie auszurufen: „Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden.“ Andere sagen: „Gott hat seine Aufmerksamkeit seinem Volk zugewandt.“ Schnell verbreitet sich die Kunde von dieser erstaunlichen Tat in ganz Judäa und in der gesamten Umgegend.

      Johannes der Täufer befindet sich noch immer im Gefängnis, und er möchte mehr über die Werke erfahren, die Jesus vollbringen kann. Seine Jünger berichten ihm von den Wundern. Wie reagiert Johannes darauf? Lukas 7:11-18.

  • Mangelte es Johannes an Glauben?
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Mangelte es Johannes an Glauben?

      JOHANNES dem Täufer, der sich seit einem Jahr im Gefängnis befindet, wird von der Auferweckung des Sohnes der Witwe aus Nain berichtet. Da Johannes von Jesus persönlich erfahren möchte, was das zu bedeuten hat, schickt er zwei seiner Jünger zu ihm, um ihn zu fragen: „Bist du der Kommende, oder sollen wir einen anderen erwarten?“

      Das scheint eine seltsame Frage zu sein, vor allem da Johannes etwa zwei Jahre zuvor bei Jesu Taufe selbst den Geist Gottes auf Jesus herabkommen sah und die Stimme hörte, durch die Gott sein Wohlgefallen zum Ausdruck brachte. Aufgrund der Frage, die Johannes stellt, könnte man schlußfolgern, sein Glaube sei schwach geworden. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn wären Johannes Zweifel gekommen, würde Jesus ihn bei dieser Gelegenheit nicht so lobend erwähnen. Doch warum stellt Johannes diese Frage?

      Vielleicht möchte sich Johannes einfach nur von Jesus bestätigen lassen, daß er der Messias ist. Für den im Kerker schmachtenden Johannes wäre das eine große Stärkung. Aber offensichtlich beabsichtigt er mit seiner Frage noch mehr. Er möchte wahrscheinlich wissen, ob nach Jesus noch ein anderer kommt, ein Nachfolger, der das, was der Messias gemäß den Verheißungen vollbringen soll, vollständig erfüllt.

      Johannes kennt nämlich die biblischen Prophezeiungen, daß der Gesalbte Gottes ein König, ein Befreier sein soll. Doch Johannes wird — viele Monate nach Jesu Taufe — immer noch gefangengehalten. Daher möchte Johannes von Jesus offensichtlich folgendes wissen: Bist du wirklich derjenige, der das Königreich Gottes in sichtbarer Macht aufrichtet, oder gibt es noch einen anderen, einen Nachfolger, auf den wir warten müssen, der all die wunderbaren Prophezeiungen über die Herrlichkeit des Messias erfüllt?

      Statt den Jüngern des Johannes zu sagen: „Natürlich bin ich derjenige, der kommen sollte“, gibt Jesus in jener Stunde ein bemerkenswertes Zeichen, indem er viele Menschen von allen möglichen Krankheiten und Gebrechen heilt. Dann sagt er den Jüngern: „Geht hin, berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde erhalten das Augenlicht, Lahme gehen umher, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird die gute Botschaft erzählt.“

      Mit anderen Worten: Aus der Frage des Johannes geht die Erwartung hervor, daß Jesus noch mehr tun wird als bisher und er Johannes vielleicht befreien wird. Jesus sagt ihm jedoch, er solle nicht mehr erwarten als die Wunder, die Jesus wirkt.

      Als die Jünger des Johannes gegangen sind, wendet sich Jesus den Volksmengen zu und erklärt ihnen, daß Johannes sowohl der Bote Jehovas ist, der in Maleachi 3:1 vorausgesagt wurde, als auch der in Maleachi 4:5, 6 vorausgesagte Prophet Elia. Auf diese Weise rühmt er Johannes und reiht ihn unter die Propheten ein, die vor ihm lebten. Des weiteren sagt Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer erweckt worden als Johannes der Täufer; doch jemand, der ein Geringerer ist im Königreich der Himmel, ist größer als er. Aber seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis jetzt ist das Königreich der Himmel das Ziel, dem Menschen entgegendrängen.“

      Jesus zeigt hier, daß Johannes nicht in das himmlische Königreich eingehen wird, da dort ein Geringerer größer ist als er. Johannes bereitete zwar den Weg für Jesus, stirbt jedoch, bevor dieser den Bund oder die Übereinkunft mit seinen Jüngern besiegelt, wonach sie Mitherrscher mit ihm in seinem Königreich sein sollen. Daher, so legt Jesus dar, wird Johannes keinen Platz im himmlischen Königreich haben. Johannes wird statt dessen ein irdischer Untertan des Königreiches Gottes sein. Lukas 7:18-30; Matthäus 11:2-15.

  • Die Stolzen und die Demütigen
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Die Stolzen und die Demütigen

      NACHDEM Jesus die Tugenden Johannes’ des Täufers erwähnt hat, wendet er seine Aufmerksamkeit den stolzen, wankelmütigen Menschen zu, die ihn umgeben. „Diese Generation“, sagt er, „ist kleinen Kindern gleich, die auf den Marktplätzen sitzen und ihren Spielgefährten zurufen, indem sie sagen: ‚Wir haben euch auf der Flöte vorgespielt, doch ihr habt nicht getanzt; wir haben gewehklagt, doch ihr habt euch nicht vor Leid geschlagen.‘ “

      Was meint Jesus damit? Er gibt folgende Erklärung: „Johannes [kam], aß nicht und trank nicht, doch sagen die Leute: ‚Er hat einen Dämon‘; es kam der Menschensohn, der aß und trank, dennoch sagen die Leute: ‚Siehe! Ein Mensch, der ein Fresser ist und dem Weintrinken ergeben, ein Freund von Steuereinnehmern und Sündern.‘ “

      Man kann es den Menschen einfach nicht recht machen. Nichts gefällt ihnen. Johannes hat in Übereinstimmung mit der Erklärung des Engels, er solle „auf keinen Fall Wein und starkes Getränk trinken“, als Nasiräer ein asketisches Leben der Selbstverleugnung geführt. Und dennoch sagen die Leute, er sei von einem Dämon besessen. Jesus lebt dagegen wie alle anderen, er ist also kein Asket, und ihn beschuldigt man der Ausschweifung.

      Wie schwer die Menschen doch zufriedenzustellen sind! Sie sind wie Spielgefährten, die nicht tanzen wollen, wenn andere Kinder Flöte spielen, oder die nicht trauern wollen, wenn ihre Gefährten klagen. Dessenungeachtet sagt Jesus: „Die Weisheit [erweist sich] durch ihre Werke als gerecht.“ Ja, die Beweise — die Werke — belegen eindeutig, daß die Anschuldigungen gegen Johannes und Jesus ungerechtfertigt sind.

      Als nächstes hebt Jesus die drei Städte Chorazin, Bethsaida und Kapernaum, in denen er die meisten seiner machtvollen Werke gewirkt hat, als besonders tadelnswert hervor. Hätte er diese Werke in den phönizischen Städten Tyrus und Sidon vollbracht, sagt Jesus, so hätten diese Städte in Sacktuch und Asche bereut. Als Jesus Kapernaum verurteilt, das ihm während der Zeit seines Dienstes offensichtlich als Stützpunkt gedient hat, sagt er: „Es wird dem Land Sodom am Gerichtstag erträglicher ergehen als dir.“

      Dann preist Jesus öffentlich seinen himmlischen Vater. Er fühlt sich dazu gedrängt, weil Gott seine kostbaren geistigen Wahrheiten vor den Weisen und Intellektuellen verbirgt, doch Demütigen, gleichsam Unmündigen, diese wunderbaren Dinge offenbart.

      Schließlich läßt Jesus die herzliche Einladung ergehen: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

      In welcher Hinsicht bringt Jesus Erquickung? Er befreit die Menschen von den sie versklavenden Traditionen, die die religiösen Führer dem Volk aufgebürdet haben, zum Beispiel von ihren einschränkenden Sabbatvorschriften. Außerdem zeigt er, wo sowohl diejenigen Erleichterung finden können, die unter der erdrückenden Last leiden, die ihnen die herrschende politische Obrigkeit aufbürdet, als auch diejenigen, die die Last ihrer Sünden spüren, weil sie von ihrem Gewissen geplagt werden. Er gibt solchen Niedergedrückten zu verstehen, wie sie Vergebung der Sünden erlangen und in ein kostbares Verhältnis zu Gott kommen können.

      Das sanfte Joch, das Jesus anbietet, ist die völlige Hingabe an Gott, die es uns möglich macht, unserem mitfühlenden, barmherzigen himmlischen Vater zu dienen. Und die leichte Last, die Jesus allen anbietet, die zu ihm kommen, ist der Gehorsam gegenüber Gottes Anforderungen für das Erlangen von Leben, nämlich gegenüber seinen Geboten, die in der Bibel aufgezeichnet sind. Und diesen zu gehorchen ist keineswegs schwer. Matthäus 11:16-30; Lukas 1:15; 7:31-35; 1. Johannes 5:3.

  • Eine Lektion in Barmherzigkeit
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Eine Lektion in Barmherzigkeit

      JESUS hält sich entweder noch in Nain auf, wo er kürzlich den Sohn einer Witwe auferweckt hat, oder er besucht eine nahe gelegene Stadt. Ein Pharisäer namens Simon möchte den Mann kennenlernen, der so bemerkenswerte Werke vollbringt. Er lädt Jesus daher zum Essen ein.

      Da Jesus die Gelegenheit wahrnehmen möchte, den Anwesenden zu helfen, nimmt er die Einladung an, wie er auch schon Einladungen angenommen hat, mit Steuereinnehmern und Sündern zu essen. Als er Simons Haus betritt, wird ihm jedoch nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die man Gästen gegenüber gewöhnlich bekundet.

      Wenn man auf staubigen Straßen unterwegs ist, werden die mit Sandalen beschuhten Füße heiß und schmutzig. Es ist daher üblich, Gästen als Ausdruck der Gastfreundschaft die Füße mit kaltem Wasser zu waschen. Jesus werden aber bei seiner Ankunft weder die Füße gewaschen, noch erhält er einen Begrüßungskuß, noch das Öl der Gastfreundschaft für sein Haar, wie es sonst Brauch ist.

      Als die Gäste zu Tisch liegen und essen, betritt eine ungeladene Frau leise den Raum. Es ist in der Stadt bekannt, daß sie ein unmoralisches Leben führt. Wahrscheinlich hat sie von Jesu Lehren gehört und von seiner Einladung ‘an alle, die sich abmühen und beladen sind, zu ihm zu kommen, um Erquickung zu finden’. Das, was sie gesehen und gehört hat, hat sie so tief beeindruckt, daß sie Jesus jetzt aufsucht.

      Die Frau begibt sich hinter Jesus, der zu Tisch liegt, und kniet zu seinen Füßen nieder. Ihre Tränen, die auf seine Füße fallen, trocknet sie mit ihrem Haar ab. Sie nimmt auch wohlriechendes Öl aus einem Gefäß, und während sie seine Füße zärtlich küßt, reibt sie sie damit ein. Simon beobachtet es mit Mißfallen. „Wenn dieser ein Prophet wäre“, denkt er bei sich, „so wüßte er, wer und was für eine Frau es ist, die ihn anrührt, daß sie eine Sünderin ist.“

      Da Jesus seine Gedanken erkennt, spricht er ihn darauf an: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“

      „Lehrer, sag es!“ erwidert er.

      „Zwei Männer waren die Schuldner eines gewissen Geldverleihers“, beginnt Jesus. „Der eine hatte eine Schuld von fünfhundert Denaren, der andere aber von fünfzig. Da sie nichts hatten, womit sie hätten zurückzahlen können, erließ er es beiden in freigebiger Weise. Welcher von ihnen wird ihn daher mehr lieben?“

      „Ich vermute, daß es der ist, dem er in freigebiger Weise mehr erlassen hat“, sagt Simon, wobei er möglicherweise eine gleichgültige Miene aufsetzt, da ihm die Frage bedeutungslos erscheint.

      „Du hast richtig geurteilt“, antwortet Jesus. Und zu der Frau gewandt, sagt er zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus eingetreten; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Diese Frau aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese Frau aber hat von der Stunde an, da ich hereinkam, nicht aufgehört, meine Füße zärtlich zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl eingerieben, diese Frau aber hat meine Füße mit wohlriechendem Öl eingerieben.“

      Die Frau hat auf diese Weise bewiesen, daß sie ihre unmoralische Vergangenheit von Herzen bereut. Jesus sagt daher abschließend: „Deshalb sage ich dir: Ihre Sünden sind vergeben, obwohl es ihrer viele sind, weil sie viel geliebt hat; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“

      Jesus entschuldigt oder übersieht auf keinen Fall die Unmoral. Vielmehr offenbart dieser Fall sein Mitgefühl und sein Verständnis für die Menschen, die in ihrem Leben zwar Fehler machen, dann aber zeigen, daß es ihnen leid tut, und zu Jesus kommen, um Erleichterung zu finden. Für die Frau ist es eine wahre Erquickung, als Jesus zu ihr sagt: „Deine Sünden sind vergeben. ... Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.“ Lukas 7:36-50; Matthäus 11:28-30.

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