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  • Hört zu und erfasst den Sinn
    Der Wachtturm 2014 | 15. Dezember
    • Hört zu und erfasst den Sinn

      Jesu Gleichnis vom Sauerteig, reisenden Kaufmann und vom verborgenen Schatz

      „Hört mir zu, ihr alle, und erfasst den Sinn“ (MAR. 7:14)

      WAS LERNEN WIR AUS DEM GLEICHNIS VOM . . .

      • Senfkorn?

      • Sauerteig?

      • reisenden Kaufmann und vom verborgenen Schatz?

      1, 2. Warum verstanden viele nicht, was Jesus ihnen sagen wollte?

      ANGENOMMEN wir hören, wie jemand etwas zu uns sagt. Wir bemerken sogar den Tonfall. Was würde uns das aber nützen, wenn wir den Sinn der Worte nicht verstehen? (1. Kor. 14:9). Ähnlich erging es Tausenden, die hörten, was Jesus sagte. Er redete sogar in einer Sprache zu ihnen, die sie verstanden. Und trotzdem erfassten nicht alle den Sinn seiner Worte. Aus diesem Grund sagte Jesus zu seinen Zuhörern: „Hört mir zu, ihr alle, und erfasst den Sinn“ (Mar. 7:14).

      2 Warum haben viele nicht verstanden, was Jesus ihnen sagen wollte? Weil sie vorgefasste Meinungen und falsche Motive hatten. Über sie sagte Jesus: „Geschickt setzt ihr das Gebot Gottes beiseite, um an eurer Überlieferung festzuhalten“ (Mar. 7:9). Sie haben also gar nicht wirklich versucht, die Bedeutung der Worte Jesu zu erfassen. Sie wollten weder ihre Ansichten noch ihre Handlungsweise ändern. Ihre Ohren waren vielleicht offen, aber ihre Herzen waren fest verschlossen! (Lies Matthäus 13:13-15.) Wie können wir daher sicherstellen, dass unser Herz weiterhin empfänglich bleibt, damit uns Jesu Lehren von Nutzen sein können?

      AUS JESU LEHREN NUTZEN ZIEHEN

      3. Warum konnten Jesu Jünger seine Worte verstehen?

      3 Wir müssen dem Beispiel der demütigen Jünger Jesu folgen. Über sie sagte Jesus: „Glücklich aber sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören“ (Mat. 13:16). Warum konnten sie verstehen, was andere nicht verstanden? Erstens, weil sie bereit waren, Fragen zu stellen und die wahre Bedeutung der Worte Jesu herauszufinden (Mat. 13:36; Mar. 7:17). Zweitens waren sie bereit, auf dem aufzubauen, was sie im Herzen bereits angenommen hatten. (Lies Matthäus 13:11, 12.) Und drittens waren sie bereit, von dem Gebrauch zu machen, was sie gehört und verstanden hatten, und zwar nicht nur im eigenen Leben, sondern auch, um anderen zu helfen (Mat. 13:51, 52).

      4. Welche drei Schritte helfen uns, Jesu Gleichnisse zu verstehen?

      4 Wollen wir Jesu Gleichnisse verstehen, machen wir es am besten wie Jesu treue Jünger. Erstens müssen auch wir bereit sein, uns mit Jesu Worten zu befassen und über sie nachzudenken, dann dazu Fragen zu stellen und wo nötig nachzuforschen. Das führt zu Erkenntnis (Spr. 2:4, 5). Als Nächstes müssen wir herausfinden, wie das Gelernte mit dem zusammenpasst, was wir bereits wissen, um so den Nutzen für uns persönlich zu sehen. Das führt zu Verständnis (Spr. 2:2, 3). Zum Schluss sollten wir das Gelernte in die Tat umsetzen. Das zeugt von Weisheit (Spr. 2:6, 7).

      5. Veranschauliche den Unterschied zwischen Erkenntnis, Verständnis und Weisheit.

      5 Was ist der Unterschied zwischen Erkenntnis, Verständnis und Weisheit? Ein Vergleich: Stell dir vor, du stehst mitten auf einer Straße und etwas fährt direkt auf dich zu. Zunächst erkennst du, dass es ein Bus ist — das ist Erkenntnis. Dann wird dir klar, wenn du da stehen bleibst, wirst du womöglich überfahren — das ist Verständnis. Also springst du zur Seite — das ist Weisheit. Deshalb betont die Bibel zu Recht, wie wichtig es ist, „praktische Weisheit“ zu bewahren. Sie bedeutet schließlich unser Leben! (Spr. 3:21, 22; 1. Tim. 4:16).

      6. Welche vier Fragen ziehen sich durch diesen und den nächsten Artikel? (Siehe auch Kasten.)

      6 In diesem und im nächsten Artikel werden wir sieben Gleichnisse Jesu etwas genauer betrachten. Dabei stellen wir uns folgende Fragen: 1. Was bedeutet das Gleichnis? (So erlangen wir Erkenntnis.) 2. Warum hat Jesus dieses Gleichnis erzählt? (Das führt zu Verständnis.) 3. Wie können wir das Gelernte für uns und für andere nutzen? (Das ist Weisheit.) 4. Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      DAS SENFKORN

      7. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Senfkorn?

      7 Lies Matthäus 13:31, 32. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Senfkorn? Das Senfkorn steht für die Königreichsbotschaft und für das, was durch das Predigen entsteht: die Christenversammlung. Ähnlich wie das Senfkorn, das zu den „winzigsten von allen Samenarten“ gehört, fing die Christenversammlung im Jahr 33 ganz klein an. Doch in nur wenigen Jahrzehnten wuchs sie sehr schnell und breitete sich aus. Dies übertraf alle Erwartungen (Kol. 1:23). Wie Jesus sagte, kommt dieses Wachstum den „Vögeln des Himmels“ zugute, da sie sich in den „Zweigen niederlassen“ können. Die Vögel stellen aufrichtige Menschen dar, die in der Christenversammlung Nahrung, Schatten und Schutz finden. (Vergleiche Hesekiel 17:23.)

      8. Warum verwendete Jesus das Gleichnis vom Senfkorn?

      8 Warum verwendete Jesus dieses Gleichnis? Durch das erstaunliche Wachstum des Senfkorns veranschaulichte er, dass Gottes Königreich die Macht hat, sich auszudehnen, zu schützen und jeden Widerstand zu überwinden. Seit 1914 ist das Wachstum des sichtbaren Teils der Organisation Gottes geradezu überwältigend! (Jes. 60:22). Wer sich dieser Organisation anschließt, genießt einen einzigartigen geistigen Schutz (Spr. 2:7; Jes. 32:1, 2). Außerdem beweist das ständige Wachstum, dass die Königreichsinteressen trotz Widerstand nicht aufzuhalten sind (Jes. 54:17).

      9. (a) Was können wir aus dem Gleichnis vom Senfkorn lernen? (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      9 Was können wir aus dem Gleichnis vom Senfkorn lernen? Vielleicht gibt es dort, wo wir leben, nur wenig Zeugen oder wir können die Ergebnisse unseres Predigens nicht sofort sehen. Doch zu wissen, dass das Königreich jeden Widerstand überwinden kann, gibt uns die Kraft auszuharren. Als zum Beispiel Bruder F. E. Skinner 1926 in Indien ankam, gab es dort nur eine Handvoll Zeugen. Anfangs gab es nur wenig Wachstum und der Dienst war schwierig. Aber er predigte weiter und konnte beobachten, wie die Königreichsbotschaft große Hindernisse überwand. Heute sind in Indien über 37 000 Zeugen tätig und letztes Jahr kamen über 108 000 Personen zum Abendmahl. Sehen wir uns noch ein weiteres Beispiel an, das zeigt, wie eindrucksvoll sich das Königreich ausgedehnt hat. Im selben Jahr, in dem Bruder Skinner in Indien eintraf, hatte man in Sambia gerade mit dem Predigen begonnen. Nun predigen dort über 170 000 Verkündiger und 2013 waren 763 915 beim Abendmahl anwesend. Das war jeder 18. in Sambia. Was für ein erstaunliches Wachstum!

      DER SAUERTEIG

      10. Was bedeutet das Gleichnis vom Sauerteig?

      10 Lies Matthäus 13:33. Was bedeutet das Gleichnis vom Sauerteig? Auch dieses Gleichnis bezieht sich auf die Königreichsbotschaft und auf das, was sie bewirkt. Die Teigmasse stellt alle Nationen dar und der Gärungsprozess veranschaulicht die Verbreitung der Königreichsbotschaft durch das Predigtwerk. Während das Wachstum des Senfkorns deutlich sichtbar ist, breitet sich der Sauerteig zunächst unbemerkt aus. Erst später werden die Auswirkungen offensichtlich.

      11. Warum verwendete Jesus das Gleichnis vom Sauerteig?

      11 Warum verwendete Jesus dieses Gleichnis? Er veranschaulichte dadurch die Macht der Königreichsbotschaft, sich überallhin zu verbreiten und Veränderungen zu verursachen. Mittlerweile hat sie den „entferntesten Teil der Erde“ erreicht (Apg. 1:8). Die Veränderungen, die durch die Botschaft bewirkt werden, sind jedoch nicht immer gleich sichtbar und manche werden deshalb anfangs nicht bemerkt. Doch es verändert sich etwas — nicht nur die Zahl derer, die die durchdringende Botschaft annehmen, sondern auch ihre Persönlichkeit (Röm. 12:2; Eph. 4:22, 23).

      12, 13. Welche Beispiele bestätigen, dass das Königreichswerk wie im Gleichnis vom Sauerteig wächst?

      12 Dass die Auswirkungen des Predigtwerkes oft erst Jahre später offensichtlich werden, zeigt folgendes Beispiel: Das Ehepaar Franz und Margit, das einst im Zweigbüro in Brasilien diente, predigte 1982 in einer kleinen Stadt. Dort studierte es unter anderem mit einer Mutter und ihren vier Kindern die Bibel. Der älteste Sohn war damals gerade mal 12 Jahre alt, extrem schüchtern und versuchte sich oft sogar zu verstecken, bevor das Studium anfing. Dann bekam das Ehepaar eine neue Zuteilung und konnte das Studium nicht fortsetzen. Doch 25 Jahre später besuchten die beiden diese Stadt wieder. Was fanden sie dort vor? Eine Versammlung mit 69 Verkündigern — darunter 13 allgemeine Pioniere —, die sich in einem neuen Königreichssaal versammelten. Und was ist aus dem schüchternen Jungen geworden? Er ist jetzt Koordinator der Ältestenschaft! Genau wie der Sauerteig in Jesu Gleichnis hat sich die Königreichsbotschaft ausgebreitet und das Leben vieler verändert — zur großen Freude des Ehepaars!

      13 Die Macht der Königreichsbotschaft, Menschen zu verändern, wird besonders in Ländern offensichtlich, wo das Königreichswerk rechtlich eingeschränkt ist. Es ist schwer zu sagen, wie weit die gute Botschaft in solchen Ländern vorgedrungen ist und oft sind wir von den Ergebnissen überrascht. Da ist beispielsweise Kuba. Die Königreichsbotschaft erreichte Kuba 1910, und 1913 besuchte Bruder Russell die Insel. Anfangs ging es nur langsam voran. Wie sieht es heute aus? Es gibt dort über 96 000 Verkündiger der guten Botschaft und 2013 waren 229 726 beim Abendmahl anwesend. Das war jeder 48. Einwohner des Inselstaates. Sogar in Ländern, in denen unser Werk nicht verboten ist, mag die Königreichsbotschaft also bereits in Gebieten wirken, von denen einheimische Zeugen denken, es könne dort kaum gepredigt oder nur wenig erreicht werden (Pred. 8:7; 11:5).a

      14, 15. (a) Welchen Nutzen können wir persönlich aus dem Gleichnis vom Sauerteig ziehen? (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      14 Welchen Nutzen können wir aus Jesu Gleichnis vom Sauerteig ziehen? Wenn wir über die Bedeutung des Gleichnisses nachdenken, stellen wir fest, dass wir uns nicht übermäßig sorgen brauchen, wie die Königreichsbotschaft die zahllosen Menschen erreichen soll, die noch nichts von ihr gehört haben. Jehova hat alles im Griff. Was ist aber unsere Aufgabe? Gottes Wort gibt die Antwort: „Am Morgen säe deinen Samen, und bis zum Abend lass deine Hand nicht ruhen; denn du weißt nicht, wo dies Erfolg haben wird, entweder hier oder dort, oder ob beides gleicherweise gut sein wird“ (Pred. 11:6). Gleichzeitig dürfen wir natürlich nicht vergessen, für den Erfolg des Predigtwerkes zu beten, besonders für Länder, in denen das Werk eingeschränkt ist (Eph. 6:18-20).

      15 Außerdem brauchen wir nicht entmutigt zu sein, wenn wir bei unserer Predigttätigkeit nicht gleich Ergebnisse sehen. Wir sollten „den Tag kleiner Dinge“ nie verachten (Sach. 4:10). Letztendlich können die Ergebnisse noch beeindruckender und schöner sein, als wir je erwartet hätten (Ps. 40:5; Sach. 4:7).

      DER REISENDE KAUFMANN UND DER VERBORGENE SCHATZ

      16. Was bedeutet das Gleichnis vom reisenden Kaufmann und vom verborgenen Schatz?

      16 Lies Matthäus 13:44-46. Was bedeutet das Gleichnis vom reisenden Kaufmann und vom verborgenen Schatz? Zur Zeit Jesu reisten einige Kaufleute sogar bis zum Indischen Ozean, um die edelsten Perlen zu bekommen. Der Kaufmann in diesem Gleichnis steht für aufrichtige Menschen, die alles Erdenkliche tun, um ihre geistigen Bedürfnisse zu stillen. Die „Perle von hohem Wert“ versinnbildlicht die kostbare Wahrheit über das Königreich. Nachdem der Kaufmann den Wert der Perle erkannt hatte, war er „sogleich“ bereit, alles, was er hatte, zu verkaufen, um sie zu erwerben. Jesus sprach aber auch von einem Mann, der in einem Feld einen „verborgenen Schatz“ fand. Anders als der Kaufmann hat er nicht nach dem Schatz gesucht. Aber auch er war bereit, alles zu verkaufen, um den Schatz zu bekommen.

      17. Warum erzählte Jesus das Gleichnis vom reisenden Kaufmann und vom verborgenen Schatz?

      17 Warum erzählte Jesus diese beiden Gleichnisse? Er zeigte damit, dass die Wahrheit auf unterschiedliche Weise gefunden wird. Manche suchen danach und nehmen dafür einiges auf sich. Andere suchen zwar nicht danach, finden sie aber trotzdem — vielleicht weil jemand sie mit der Wahrheit in Berührung gebracht hat. In jedem Fall erkannten beide Männer den Wert der Wahrheit, die sie gefunden hatten, und waren bereit, dafür große Opfer zu bringen.

      18. (a) Wie können wir aus diesen beiden Gleichnissen Nutzen ziehen? (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      18 Wie können wir aus diesen beiden Gleichnissen Nutzen ziehen? (Mat. 6:19-21). Fragen wir uns: „Bin ich so eingestellt wie diese beiden Männer? Schätze ich die Wahrheit genauso? Bin ich zu Opfern bereit, um an ihr festzuhalten? Oder lasse ich mich zum Beispiel von den Sorgen des Lebens ablenken?“ (Mat. 6:22-24, 33; Luk. 5:27, 28; Phil. 3:8). Je mehr wir uns darüber freuen, die Wahrheit gefunden zu haben, desto fester sind wir entschlossen, sie in unserem Leben an die erste Stelle zu setzen.

      19. Was wird im nächsten Artikel betrachtet?

      19 Zeigen wir doch, dass wir zugehört und die Bedeutung dieser Königreichsgleichnisse verstanden haben. Das erfordert, nicht nur die Bedeutung zu kennen, sondern auch das Gelernte umzusetzen. Im nächsten Artikel werden wir drei weitere Gleichnisse betrachten und sehen, welche Lehren wir daraus ziehen können.

  • Hast du die Bedeutung erfasst?
    Der Wachtturm 2014 | 15. Dezember
    • Jesu Gleichnis vom Sämann, der schläft, vom Schleppnetz und vom verlorenen Sohn

      Hast du die Bedeutung erfasst?

      „Dann öffnete er ihnen den Sinn völlig, damit sie die Schriften begriffen“ (LUK. 24:45)

      WAS LERNEN WIR AUS DEM GLEICHNIS VOM . . .

      • Sämann, der schläft?

      • Schleppnetz?

      • verlorenen Sohn?

      1, 2. Wie stärkte Jesus seine Jünger am Tag seiner Auferweckung?

      ES WAR immer noch der Tag der Auferweckung Jesu. Zwei seiner Jünger gingen in ein Dorf, das etwa 11 km von Jerusalem entfernt lag. Sie wussten nicht, dass Jesus auferweckt worden war und waren deshalb sehr betrübt. Doch plötzlich erschien Jesus und begleitete sie. Wie hat er diese Jünger getröstet? „Ausgehend von Moses und allen PROPHETEN, legte er ihnen in allen Schriften die Dinge aus, die ihn betrafen“ (Luk. 24:13-15, 27). Als er ihnen „die Schriften völlig erschloss“, brannte ihr Herz (Luk. 24:32).

      2 Noch am selben Abend kehrten beide Jünger nach Jerusalem zurück. Als sie die Apostel fanden, erzählten sie ihnen, was sie erlebt hatten. Während sie sich unterhielten, erschien Jesus ihnen allen. Doch seine Apostel erschraken und fürchteten sich. Sie zweifelten. Wie stärkte Jesus sie? Wir lesen: „Dann öffnete er ihnen den Sinn völlig, damit sie die Schriften begriffen“ (Luk. 24:45).

      3. Womit haben wir manchmal zu kämpfen, und was kann uns helfen unseren Predigtdienst ausgeglichen zu sehen?

      3 Genau wie die Jünger sind auch wir von Zeit zu Zeit betrübt. Vielleicht sind wir entmutigt, weil wir im Werk des Herrn zwar sehr beschäftigt sind, aber keine Ergebnisse sehen (1. Kor. 15:58). Oder es erscheint uns so, als würden diejenigen, mit denen wir die Bibel studieren, kaum Fortschritte machen. Und andere wenden sich eventuell sogar von Jehova ab. Was verhilft uns zu einer ausgeglichenen Ansicht über unseren Predigtdienst? Eine Hilfe ist, die volle Bedeutung der Gleichnisse Jesu zu verstehen. Sehen wir uns drei Gleichnisse genauer an und überlegen dabei, was wir daraus lernen können.

      DER SÄMANN, DER SCHLÄFT

      4. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Sämann, der schläft?

      4 Lies Markus 4:26-29. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Sämann, der schläft? Der Sämann steht für die einzelnen Königreichsverkündiger. Der Same stellt die Königreichsbotschaft dar, die aufrichtigen Menschen gepredigt wird. Der Sämann „schläft nachts und steht bei Tag auf“, was einem normalen Lebensrhythmus entspricht. Das Wachstum erstreckt sich über einen gewissen Zeitraum — von der Aussaat bis zur Ernte. In dieser Zeit „sprosst“ der Same und „wächst empor“. Das Wachstum erfolgt „von selbst“, allmählich und stufenweise — und genauso ist es auch mit dem geistigen Wachstum. Hat jemand soweit Fortschritte gemacht, dass er Gott dienen möchte, bringt er insofern Frucht hervor als er sich Jehova hingibt und taufen lässt.

      5. Warum erzählte Jesus das Gleichnis vom Sämann, der schläft?

      5 Warum erzählte Jesus dieses Gleichnis? Er erklärt uns, dass es niemand anders als Jehova ist, der die Wahrheit im Herzen derer wachsen lässt, die „richtig eingestellt“ sind (Apg. 13:48; 1. Kor. 3:7). Wir pflanzen und begießen zwar, aber das Wachstum können wir nicht bestimmen. Wir können es weder erzwingen noch beschleunigen. Wie der Sämann im Gleichnis wissen auch wir nicht, wie das Wachstum vor sich geht. Es geht oft unbemerkt vor sich, während wir unserer normalen Beschäftigung nachgehen. Doch der Königreichssamen kann aufgehen, sodass die Pflanze mit der Zeit wächst und Frucht hervorbringt: Ein neuer Verkündiger schließt sich uns im Erntewerk an und wir freuen uns über seine Unterstützung (Joh. 4:36-38).

      6. Was müssen wir anerkennen, wenn es um das geistige Wachstum geht?

      6 Was können wir aus diesem Gleichnis lernen? Als Erstes müssen wir anerkennen, dass wir das geistige Wachstum eines Studierenden nicht bestimmen können. Wir werden ihn nicht drängen, sich taufen zu lassen. Wir tun zwar alles, was wir können, um ihm beizustehen und ihn zu unterstützen. Trotzdem erkennen wir aber demütig und bescheiden an, dass er letztendlich selbst entscheiden muss, ob er sich Jehova hingibt oder nicht. Die Hingabe muss aus einem bereitwilligen Herzen kommen, das Gott liebt. Alles andere ist für Jehova nicht annehmbar (Ps. 51:12; 54:6; 110:3).

      7, 8. (a) Was können wir aus Jesu Gleichnis vom Sämann, der schläft, noch lernen? Erzähle ein Beispiel. (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      7 Zweitens macht uns das Gleichnis Mut, wenn wir die Ergebnisse unseres Predigens nicht gleich sehen. Wir müssen geduldig sein (Jak. 5:7, 8). Und selbst wenn der Samen keine Frucht trägt, lag es sicher nicht an uns — wenn wir unser Bestes gegeben haben, um dem Studierenden zu helfen. Jehova lässt den Samen der Wahrheit nur in einem demütigen Herzen wachsen, das zu Veränderungen bereit ist (Mat. 13:23). Wie wirkungsvoll unser Predigtdienst ist, sollten wir also nicht bloß an den Ergebnissen festmachen. In Jehovas Augen hängt der Erfolg unseres Dienstes nämlich nicht davon ab, wie der Studierende reagiert. Vielmehr schätzt er unsere treuen Bemühungen, ungeachtet der Ergebnisse. (Lies Lukas 10:17-20; 1. Korinther 3:8.)

      8 Drittens nehmen wir die Veränderungen in einer Person nicht immer sofort wahr. Zum Beispiel studierte ein Missionar mit einem Ehepaar. Die beiden kamen auf ihn zu und wollten ungetaufte Verkündiger werden. Daraufhin erinnerte der Missionar sie daran, dass sie erst mit dem Rauchen aufhören müssten, um die Voraussetzung dafür zu erfüllen. Zu seinem Erstaunen sagten sie ihm, das hätten sie schon vor einigen Monaten getan. Warum hatten sie aufgehört? Ihnen war bewusst geworden, dass Jehova sie beim Rauchen sehen kann und dass er Heuchelei hasst. Deshalb motivierte sie ihr Herz, eine Entscheidung zu treffen — entweder im Beisein des Missionars zu rauchen oder ganz damit aufzuhören. Sie hatten angefangen Jehova zu lieben, und das half ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen. Sie waren also geistig gewachsen, obwohl der Missionar von der Veränderung nicht das Geringste ahnte.

      DAS SCHLEPPNETZ

      9. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Schleppnetz?

      9 Lies Matthäus 13:47-50. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom Schleppnetz? Jesus verglich das weltweite Predigen der Königreichsbotschaft mit dem Hinablassen eines großen Schleppnetzes ins Meer. Ähnlich wie ein Netz eine große Anzahl „Fische von jeder Art“ unterschiedslos einfängt, werden Millionen Menschen aller Art durch unser Predigen angezogen (Jes. 60:5). Jahr für Jahr bestätigen das die hohen Anwesendenzahlen bei den Kongressen und dem Abendmahl. Einige dieser sinnbildlichen Fische sind „vortrefflich“ und werden in die Christenversammlung eingesammelt. Andere hingegen stellen sich als „unbrauchbar“ heraus, denn nicht alle erweisen sich für Jehova als annehmbar.

      Ein Schleppnetz fängt Fische von jeder Art. Die vortrefflichen werden in einem Gefäß gesammelt

      Denke nach dem Lesen von Matthäus 13:47-50 . . .

      10. Warum erzählte Jesus das Gleichnis vom Schleppnetz?

      10 Warum erzählte Jesus dieses Gleichnis? Das symbolische Aussortieren der Fische bezieht sich nicht auf das endgültige Gericht in der großen Drangsal. Vielmehr steht es für das, was in den letzten Tagen des bösen Systems geschieht. Jesus zeigte, dass nicht alle, die sich zur Wahrheit hingezogen fühlen, auch für Jehova Stellung beziehen. Viele von ihnen besuchen die Zusammenkünfte. Andere sind bereit, die Bibel zu studieren, wollen sich aber nicht binden (1. Kö. 18:21). Wieder andere kommen nicht mehr in die Christenversammlung. Dann gibt es Jugendliche, die in der Wahrheit erzogen wurden, aber noch keine Liebe zu Jehovas Maßstäben entwickelt haben. Wie auch immer die Situation ist: Jesus betont, dass die Entscheidung bei jedem selbst liegt. Wer sich richtig entscheidet, gehört zu den „begehrenswerten Dingen aller Nationen“ (Hag. 2:7).

      Ein Verkündiger gibt einer Gruppe von Männern Zeugnis, aber nur einer von ihnen bezieht für Jehova Stellung

      . . . über eine neuzeitliche Anwendung nach

      11, 12. (a) Was lernen wir aus dem Gleichnis vom Schleppnetz? (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      11 Was lernen wir aus dem Gleichnis vom Schleppnetz? Das Gleichnis zu verstehen, wird uns helfen, nicht allzu verzweifelt oder enttäuscht zu sein, wenn ein Studierender oder eines unserer Kinder die Wahrheit nicht annimmt. Auch wenn wir unser Bestes gegeben haben, kann das vorkommen. Nur weil jemand mit einem Bibelstudium einverstanden oder in der Wahrheit aufgewachsen ist, wird er nicht automatisch ein starkes Verhältnis zu Jehova aufbauen. Möchte sich jemand Jehovas Herrschaft nicht unterordnen, wird er schließlich aus Gottes Volk aussortiert.

      Es gibt Menschen, die sich von der Wahrheit angezogen fühlen und für Jehova klar Stellung beziehen (Siehe Absatz 9—12)

      12 Heißt das, jemand dürfe nie wieder zur Versammlung zurückkehren, wenn er die Wahrheit verlassen hat? Oder dass jemand für immer „unbrauchbar“ ist, wenn er sich Jehova nicht gleich hingibt? Nein. Solange die große Drangsal nicht ausgebrochen ist, steht die Tür noch offen. Jehova sagt gewissermaßen nach wie vor: „Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren“ (Mal. 3:7). Das wird auch in einem anderen Gleichnis Jesu betont — dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. (Lies Lukas 15:11-32.)

      DER VERLORENE SOHN

      13. Was bedeutet Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn?

      13 Was bedeutet Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn? Der mitfühlende Vater steht für unseren liebevollen, himmlischen Vater, Jehova. Der Sohn, der sein Erbteil verlangt und es dann verschleudert, stellt diejenigen dar, die sich von der Versammlung entfernt haben. Sie reisen gewissermaßen in Satans Welt, „ein fernes Land“, das von Jehova entfremdet ist (Eph. 4:18; Kol. 1:21). Einige kommen später jedoch zur Besinnung und nehmen die beschwerliche „Reise“ zurück zu Jehovas Organisation auf sich. Diese demütigen, reuevollen Personen heißt unser Vater, der gern verzeiht, mit offenen Armen willkommen (Jes. 44:22; 1. Pet. 2:25).

      14. Warum erzählte Jesus dieses Gleichnis?

      14 Warum erzählte Jesus dieses Gleichnis? Er veranschaulichte sehr ansprechend, wie sehr sich Jehova wünscht, dass „verlorene Söhne“ zu ihm zurückkehren. Der Vater in dem Gleichnis gab die Hoffnung auf die Rückkehr seines Sohnes nie auf. Sobald der Vater ihn sah, handelte er schnell, um ihn willkommen zu heißen, und das obwohl „er noch weit weg“ war. Ist das nicht ein großer Ansporn für alle, die die Wahrheit verlassen haben, unverzüglich zu Jehova zurückzukehren? Da ihr Glaube jedoch sehr gelitten hat, sind sie wahrscheinlich am Ende ihrer Kräfte. Und der Weg zurück erscheint ihnen womöglich unangenehm und schwer. Aber die Mühe lohnt sich, denn auch der Himmel freut sich über ihre Rückkehr (Luk. 15:7).

      15, 16. (a) Was lernen wir aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn? Erzähle Beispiele. (b) Was können wir dadurch über Jehova und Jesus lernen?

      15 Was lernen wir aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn? Wir sollten Jehovas Beispiel nachahmen. Wir wollen bestimmt nie „allzu gerecht“ werden und einen reuevollen Sünder nicht willkommen heißen. Das würde unserer Freundschaft zu Jehova nämlich nur schaden (Pred. 7:16). Wir lernen auch noch etwas anderes daraus. Wer die Versammlung verlassen hat, sollte als „verlorenes Schaf“ betrachtet werden, nicht als hoffnungsloser Fall (Ps. 119:176). Begegnen wir also jemandem, der sich entfernt hat, aber nicht ausgeschlossen ist — werden wir ihm dann nicht liebevoll praktische Hilfe anbieten, damit er zurückkehren kann? Ob nun ausgeschlossen oder nicht, werden wir nicht in jedem Fall sofort die Ältesten informieren, damit sie passende Hilfe anbieten können? Ganz bestimmt, wenn wir Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn verstanden haben.

      16 Wie haben einige „verlorene Söhne“ ihre Dankbarkeit für Jehovas Barmherzigkeit sowie für die Liebe und Unterstützung der Versammlung zum Ausdruck gebracht? Hier zwei Beispiele: Ein Bruder, der 25 Jahre lang ausgeschlossen war, sagt: „Seit meiner Wiederaufnahme vergrößert sich meine Freude ständig, da mir Jehova ‚Zeiten der Erquickung‘ schenkt (Apg. 3:19). Alle sind so hilfsbereit und nett zu mir! Ich habe jetzt eine wundervolle geistige Familie.“ Eine junge Schwester, die fünf Jahre untätig war und dann zu Jehova zurückkehrte, erzählt: „Ich kann gar nicht beschreiben, wie es ist, die Liebe, von der Jesus sprach, so deutlich zu spüren. Zu Jehovas Organisation zu gehören ist einfach unbezahlbar!“

      17, 18. (a) Was haben wir aus diesen drei Gleichnissen für die Praxis gelernt? (b) Wozu sind wir entschlossen?

      17 Welche praktischen Lehren haben wir aus diesen drei Gleichnissen gezogen? Erstens: Wir müssen anerkennen, dass wir geistiges Wachstum nicht bestimmen können. Das kann nur Jehova. Zweitens: Nicht alle, die mit uns studieren oder irgendwie mit uns verbunden sind, werden für die Wahrheit Stellung beziehen. Das wäre zu viel erwartet. Drittens: Auch wenn jemand die Wahrheit verlässt und sich von Jehova abwendet, geben wir die Hoffnung nie auf, dass er zurückkehrt. Und kehrt er zurück, wollen wir ihn bestimmt so willkommen heißen, wie es Jehova tun würde.

      18 Suchen wir also weiterhin nach Erkenntnis, Verständnis und Weisheit. Wenn wir eines der Gleichnisse Jesu lesen, dann fragen wir uns doch: Was bedeutet es? Warum steht es in der Bibel? Wie können wir das, was Jesus damit sagen wollte, anwenden? Und was können wir daraus über Jehova und Jesus lernen? Wenn wir das tun, zeigen wir, dass wir den Sinn der Worte Jesu erfasst haben.

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