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Beim Laubhüttenfest in JerusalemJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 66
Beim Laubhüttenfest in Jerusalem
JESUS LEHRT IM TEMPEL
Seit seiner Taufe hat Jesus einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Tausende Juden haben seine Wunder gesehen und die Berichte über ihn haben sich im ganzen Land verbreitet. Daher halten viele beim Laubhüttenfest in Jerusalem schon nach ihm Ausschau.
Die Meinungen über Jesus gehen allerdings stark auseinander. Die einen sagen: „Er ist ein guter Mensch.“ „Das stimmt nicht, er täuscht die Leute“, sagen die anderen (Johannes 7:12). Während der ersten Festtage wird viel über Jesus getuschelt. Doch aus Angst vor den jüdischen Führern bringt niemand den Mut auf, sich öffentlich auf seine Seite zu stellen.
Als das Fest zur Hälfte vorbei ist, kommt Jesus schließlich in den Tempel. Viele Juden staunen nur so über seine außergewöhnliche Lehrfähigkeit und wundern sich: „Wieso kennt sich dieser Mann so gut in den Schriften aus, wo er doch nicht an den Rabbinerschulen studiert hat?“ (Johannes 7:15, Fußnote).
„Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“, erklärt Jesus. „Wer den Wunsch hat, nach Gottes Willen zu leben, wird erkennen, ob die Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede“ (Johannes 7:16, 17). Was Jesus lehrt, stimmt mit Gottes Gesetz überein. Deshalb sollte es offensichtlich sein, dass es ihm nicht um seine eigene Ehre geht, sondern um die Ehre Gottes.
Dann sagt Jesus: „Moses hat euch doch das Gesetz gegeben, oder? Doch keiner von euch hält sich an das Gesetz. Warum wollt ihr mich unbedingt töten?“ Einige seiner Zuhörer, vermutlich Besucher von außerhalb, verstehen nicht, warum er das sagt. Sie können sich nicht vorstellen, dass irgendjemand einen Lehrer wie ihn umbringen will. Sie denken, mit ihm stimme etwas nicht. „Du hast einen Dämon“, sagen sie. „Wer will dich denn töten?“ (Johannes 7:19, 20).
Tatsächlich wollten vor eineinhalb Jahren die jüdischen Führer Jesus töten, nachdem er an einem Sabbat einen Mann geheilt hatte. Nun deckt er unwiderlegbar auf, dass sie dafür keine Grundlage hatten. Er weist darauf hin, dass gemäß dem Gesetz ein neugeborener Junge am achten Tag beschnitten werden muss, selbst wenn gerade Sabbat ist. Dann fragt er: „Wenn jemand an einem Sabbat beschnitten wird, damit das Gesetz von Moses nicht gebrochen wird, wieso regt ihr euch dann dermaßen darüber auf, dass ich einen Menschen an einem Sabbat völlig gesund gemacht habe? Hört auf, nach dem äußeren Eindruck zu urteilen — urteilt gerecht“ (Johannes 7:23, 24).
Einige Bewohner Jerusalems, die die Situation kennen, überlegen: „Ist das nicht der Mann, den sie töten wollen? Doch seht! Er redet hier in aller Öffentlichkeit und keiner sagt etwas dagegen. Sind die führenden Männer etwa zu der Gewissheit gelangt, dass er der Christus ist?“ Aber warum glauben sie selbst dann nicht, dass Jesus der Christus ist? Sie argumentieren: „Wir wissen, woher dieser Mann ist. Doch wenn der Christus kommt, wird keiner wissen, woher er ist“ (Johannes 7:25-27).
Mitten im Tempel sagt Jesus: „Ihr kennt mich und wisst auch, woher ich bin. Und ich bin nicht aus eigener Initiative gekommen. Aber der mich gesandt hat, den gibt es wirklich, und ihr kennt ihn nicht. Ich kenne ihn, weil ich ein Repräsentant von ihm bin und er mich gesandt hat“ (Johannes 7:28, 29). Auf diese klare Aussage hin versucht man Jesus festzunehmen, um ihn einzusperren oder sogar zu töten. Doch der Versuch misslingt, denn die Zeit für Jesu Tod ist noch nicht gekommen.
Trotz allem glauben viele aus der Menge an Jesus, und das aus gutem Grund: Er ist auf dem Wasser gegangen, hat Stürme beruhigt, Tausende mit nur ein paar Broten und Fischen versorgt, Kranke und Gelähmte geheilt, Blinden das Augenlicht geschenkt, Aussätzige gesund gemacht und sogar Tote auferweckt. Ja, die Menschen haben allen Grund zu fragen: „Wenn der Christus kommt, wird er doch nicht mehr Zeichen vollbringen als dieser Mann?“ (Johannes 7:31).
Als die Pharisäer mitbekommen, was die Leute reden, beauftragen sie und die Oberpriester einige Beamte, Jesus festzunehmen.
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„Noch nie hat ein Mensch so geredet“Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 67
„Noch nie hat ein Mensch so geredet“
BEAMTE SOLLEN JESUS FESTNEHMEN
NIKODEMUS SETZT SICH FÜR JESUS EIN
Jesus ist immer noch beim Laubhüttenfest in Jerusalem, und er freut sich, dass viele an ihn glauben. Die religiösen Führer sind darüber jedoch alles andere als erfreut und beauftragen Beamte, ihn festzunehmen (Johannes 7:31, 32). Trotzdem versteckt sich Jesus nicht.
Stattdessen lehrt er weiterhin öffentlich in Jerusalem und sagt: „Ich bleibe noch ein wenig bei euch, bevor ich zu dem gehe, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden, und wo ich dann bin, dahin könnt ihr nicht kommen“ (Johannes 7:33, 34). Die Juden verstehen nicht, wie er das meint, und sagen zueinander: „Wo will er denn hin, dass wir ihn nicht finden können? Er will doch nicht etwa zu den Juden, die verstreut unter den Griechen leben, und unter den Griechen lehren? Was meint er denn mit ‚Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden, und wo ich dann bin, dahin könnt ihr nicht kommen‘?“ (Johannes 7:35, 36). Doch Jesus spricht hier über seinen Tod, seine Auferweckung und seine Rückkehr in den Himmel. Dorthin können ihm seine Feinde nicht folgen.
Dann ist der siebte Festtag. Während des Festes hat ein Priester im Tempel jeden Morgen Wasser aus dem Teich Siloam in eine Schale gegossen, durch die es bis zum Grund des Altars geflossen ist. Jesus spielt wohl auf diesen Brauch an, als er ausruft: „Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken. Wer an mich glaubt, ‚aus dessen tiefstem Innern werden Ströme von Wasser des Lebens fließen‘, wie es in den Schriften heißt“ (Johannes 7:37, 38).
Jesus bezieht sich hier auf die Zeit, wenn seine Jünger mit heiligem Geist gesalbt werden und die Aussicht auf Leben im Himmel erhalten. Das wird nach Jesu Tod zu Pfingsten des folgenden Jahres geschehen. Ab diesem Tag werden geistgesalbte Jünger die Wahrheit predigen, sodass „Ströme von Wasser des Lebens“ zu fließen beginnen.
Einige Leute, die Jesu Worte hören, sagen: „Das ist wirklich der Prophet“, und denken dabei offensichtlich an den verheißenen Propheten, der größer als Moses sein sollte. Andere meinen: „Das ist der Christus.“ Doch einige widersprechen: „Der Christus kommt doch nicht aus Galiläa! Heißt es nicht in den Schriften, dass der Christus aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem kommt, aus dem Dorf, wo David lebte?“ (Johannes 7:40-42).
Die Menge ist also gespalten. Einige wollen, dass Jesus verhaftet wird, und trotzdem rührt niemand ihn an. Als die Beamten ohne Jesus vor den Oberpriestern und Pharisäern erscheinen, werden sie gefragt: „Warum habt ihr ihn nicht hergebracht?“ Die Beamten antworten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet.“ Das ärgert die Pharisäer und sie reagieren mit Spott und Beleidigungen. „Habt ihr euch etwa auch täuschen lassen?“, fragen sie höhnisch. „Glaubt auch nur ein einziger von den Vorstehern oder den Pharisäern an ihn? Diese Menge jedoch, die das Gesetz nicht kennt, das sind verfluchte Leute“ (Johannes 7:45-49).
In diesem Moment wagt es Nikodemus, ein Pharisäer und Mitglied des Sanhedrins, sich für Jesus einzusetzen. Vor etwa zweieinhalb Jahren hat er Jesus in der Nacht besucht und Glauben an ihn zum Ausdruck gebracht. Nikodemus argumentiert: „Nach unserem Gesetz wird doch kein Urteil über jemanden gesprochen, es sei denn, man hat ihn vorher angehört und festgestellt, was er getan hat?“ Darauf entgegnen sie heftig: „Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche nach, und du wirst sehen, dass kein Prophet aus Galiläa kommen wird“ (Johannes 7:51, 52).
In den Schriften ist zwar nicht ausdrücklich von einem Propheten die Rede, der aus Galiläa kommen soll. Dennoch weist Gottes Wort darauf hin, dass der Christus von dort kommen würde. Es heißt, „ein großes Licht“ würde im „Galiläa der anderen Völker“ gesehen werden (Jesaja 9:1, 2; Matthäus 4:13-17). Außerdem ist Jesus ein Nachkomme Davids und er wurde wie verheißen in Bethlehem geboren. Den Pharisäern ist das alles wahrscheinlich bekannt. Dennoch sind sie wohl für viele falsche Vorstellungen verantwortlich, die über Jesus im Umlauf sind.
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Der Sohn Gottes — „das Licht der Welt“Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 68
Der Sohn Gottes — „das Licht der Welt“
JESUS ERKLÄRT, WER DER SOHN IST
IN WELCHEM SINN SIND DIE JUDEN SKLAVEN?
Es ist der siebte und letzte Tag des Laubhüttenfestes. Jesus lehrt in dem Bereich des Tempels, wo die Spendenkästen stehen (Johannes 8:20; Lukas 21:1). Offenbar befinden sich diese im Vorhof der Frauen.
Während des Festes ist dieser Teil des Tempels nachts besonders beleuchtet. Dort stehen vier riesige Leuchter mit je vier großen Schalen voll Öl. Ihr Licht ist so stark, dass sie selbst die entferntere Umgebung beleuchten. Möglicherweise denken Jesu Zuhörer an diesen Anblick, als er verkündet: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird auf keinen Fall im Dunkeln laufen, sondern das Licht des Lebens besitzen“ (Johannes 8:12).
Empört wenden die Pharisäer ein: „Du bist dein eigener Zeuge, deine Aussage ist nicht wahr.“ „Auch wenn ich mein eigener Zeuge bin“, erwidert Jesus, „ist meine Aussage wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. . . . Außerdem steht ja in eurem eigenen Gesetz: ‚Die Aussage von zwei Zeugen ist wahr.‘ Ich bin mein eigener Zeuge, und auch der Vater, der mich gesandt hat, ist mein Zeuge“ (Johannes 8:13-18).
Die Pharisäer geben sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und fragen: „Wo ist denn dein Vater?“ „Ihr kennt weder mich noch meinen Vater“, antwortet Jesus freiheraus. „Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch meinen Vater kennen“ (Johannes 8:19). Obwohl die Pharisäer Jesus immer noch festnehmen wollen, rührt niemand ihn an.
Nun wiederholt Jesus eine Aussage, die er zuvor schon gemacht hat: „Ich gehe weg und ihr werdet mich suchen, und doch werdet ihr in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.“ Die Juden deuten seine Worte völlig falsch und rätseln: „Will er sich etwa umbringen? Warum sagt er sonst: ‚Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen‘?“ Sie verstehen nicht, was Jesus sagen möchte, weil sie seine Herkunft nicht kennen. Jesus erklärt: „Ihr seid von hier unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt“ (Johannes 8:21-23).
Jesus bezieht sich hier auf sein vormenschliches Leben im Himmel sowie darauf, dass er der verheißene Messias oder Christus ist, den die religiösen Führer eigentlich anerkennen sollten. Stattdessen fragen sie ihn voller Verachtung: „Wer bist du denn?“ (Johannes 8:25).
Auf ihre Ablehnung und Feindseligkeit entgegnet Jesus: „Warum rede ich überhaupt mit euch?“ Dennoch erklärt er, warum die Juden dem Sohn zuhören sollten, und richtet dabei die Aufmerksamkeit auf seinen Vater: „Der mich gesandt hat, sagt die Wahrheit, und ich sage der Welt genau das, was ich von ihm gehört habe“ (Johannes 8:25, 26).
Dann erklärt er: „Nachdem ihr den Menschensohn aufgerichtet habt, werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts aus eigener Initiative tue, sondern das sage, was der Vater mir beigebracht hat.“ Mit einem Vertrauen zu seinem Vater, das diesen Juden fehlt, fährt Jesus fort: „Der mich gesandt hat, ist bei mir. Er hat mich nicht mir selbst überlassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt“ (Johannes 8:28, 29).
Viele Juden glauben daraufhin an Jesus. Zu diesen sagt er: „Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, dann seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:31, 32).
Der Gedanke, befreit zu werden, kommt einigen jedoch seltsam vor. Sie protestieren: „Wir sind Nachkommen Abrahams und sind nie Sklaven von irgendjemandem gewesen. Wieso sagst du also: ‚Ihr werdet frei werden‘?“ Die Juden waren zwar immer wieder unter Fremdherrschaft, wollen aber nicht als Sklaven bezeichnet werden. Wie Jesus jedoch deutlich macht, sind sie trotzdem Sklaven: „Eins steht fest: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde“ (Johannes 8:33, 34).
Sich diese Form der Sklaverei nicht einzugestehen bringt die Juden in eine gefährliche Lage. Jesus erklärt: „Der Sklave bleibt nicht für immer im Haushalt. Der Sohn bleibt für immer“ (Johannes 8:35). Ein Sklave hat keinen Erbanspruch und kann jederzeit entlassen werden. Wer aber als Sohn in eine Familie hineingeboren oder adoptiert wird, „bleibt für immer“, das heißt solange er lebt.
Jesus erklärt: „Wenn euch der Sohn also frei macht, werdet ihr wirklich frei sein“ (Johannes 8:36). Es ist somit die Wahrheit über den Sohn, die die Menschen für immer von Sünde und Tod befreit.
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Jesus heilt einen BlindgeborenenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 70
Jesus heilt einen Blindgeborenen
JESUS HEILT EINEN BETTLER, DER VON GEBURT AN BLIND IST
Jesus hält sich nach wie vor in Jerusalem auf. Als er und die Jünger am Sabbat durch die Stadt gehen, treffen sie auf einen Bettler, der von Geburt an blind ist. Da fragen die Jünger Jesus: „Rabbi, wer hat gesündigt, sodass er blind geboren wurde — er selbst oder seine Eltern?“ (Johannes 9:2).
Die Jünger wissen, dass der Mann nicht in einem früheren Leben gesündigt haben kann. Sie fragen sich wohl eher, ob er bereits im Mutterleib gesündigt hat. Jesus antwortet aber: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es kam so, damit die Werke Gottes an ihm offenbart werden“ (Johannes 9:3, Fußnote). Weder der Mann noch seine Eltern haben also eine Sünde begangen, die zu seiner Blindheit geführt hätte. Als Folge der Sünde Adams kommen alle Menschen unvollkommen zur Welt. Daher bleiben ihnen Gebrechen wie Blindheit nicht erspart. Doch wie schon zuvor, als Jesus andere geheilt hat, bietet sich ihm nun eine Gelegenheit zu zeigen, wozu Gott imstande ist.
Jesus betont, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Werke Gottes zu tun. „Wir müssen die Aufgaben dessen erfüllen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand tätig sein kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt“ (Johannes 9:4, 5). Bald wird Jesus durch den Tod in die Dunkelheit des Grabes gestoßen werden, wo er nichts tun kann. Doch bis dahin ist er eine Quelle der Erleuchtung für die Welt.
Wie heilt Jesus den Mann also? Er spuckt auf den Boden, macht mit dem Speichel eine Paste und streicht sie auf die Augen des Blinden. Dann sagt er: „Geh und wasch dich im Teich Siloam“ (Johannes 9:7). Als der Mann das tut, kann er tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben sehen! Seine Freude darüber ist kaum vorstellbar!
Seine Nachbarn und andere, die ihn nur als Blinden kennen, sind sehr verwundert. „Ist das nicht der Mann, der immer dagesessen und gebettelt hat?“, fragen sie. „Ja, das ist er“, meinen die einen. Andere wollen es aber nicht glauben und sagen: „Nein, er sieht ihm nur ähnlich.“ Doch der Mann beteuert: „Ich bin es“ (Johannes 9:8, 9).
Da fragen sie ihn: „Wie sind deine Augen denn geöffnet worden?“ Er antwortet: „Der Mann, der Jesus heißt, hat eine Paste gemacht und sie mir auf die Augen gestrichen. Dann hat er zu mir gesagt: ‚Geh zum Teich Siloam und wasch dich.‘ Also bin ich hingegangen und hab mich gewaschen und dann konnte ich sehen.“ „Wo ist dieser Mann?“, wollen sie wissen. „Ich habe keine Ahnung“, sagt der Bettler (Johannes 9:10-12).
Da bringen sie ihn zu den Pharisäern. Diese wollen ebenfalls wissen, wieso er auf einmal sehen kann. Er erklärt: „Er hat mir eine Paste auf die Augen getan, dann hab ich mich gewaschen und jetzt kann ich sehen.“ Man würde erwarten, dass die Pharisäer sich für den Mann freuen, doch weit gefehlt. Einige kritisieren Jesus sogar. „Dieser Mann kommt nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht“, sagen sie. Aber andere meinen: „Wie kann ein Sünder solche Zeichen vollbringen?“ (Johannes 9:15, 16). Sie sind sich also nicht einig.
Daraufhin wenden sie sich dem Geheilten zu und fragen: „Was hältst du von dem Mann? Es sind ja schließlich deine Augen, die er geöffnet hat.“ Für den Mann steht fest: „Er ist ein Prophet“ (Johannes 9:17).
Die Pharisäer wollen das nicht glauben. Sie denken vermutlich, dass Jesus mit dem Mann gemeinsame Sache macht, um die Leute zu täuschen. Deshalb beschließen sie, die Eltern des Bettlers zu fragen, ob dieser wirklich blind geboren wurde.
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Die Pharisäer verhören den Mann, der blind warJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 71
Die Pharisäer verhören den Mann, der blind war
DIE PHARISÄER FORDERN RECHENSCHAFT VON DEM EHEMALS BLINDEN
DIE RELIGIÖSEN FÜHRER SIND „BLIND“
Die Pharisäer wollen nicht wahrhaben, dass Jesus den blind geborenen Mann geheilt hat. Deshalb lassen sie seine Eltern kommen. Diese wissen, dass sie Gefahr laufen, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (Johannes 9:22). So ein Ausschluss aus der Gemeinschaft hätte für die Familie ernste gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen.
Die Pharisäer fragen sie: „Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, er sei blind geboren? Wie kommt es dann, dass er jetzt sehen kann?“ „Wir wissen, dass er unser Sohn ist und blind zur Welt kam“, antworten die Eltern. „Aber wieso er jetzt sehen kann, wissen wir nicht, und auch nicht, wer seine Augen geöffnet hat.“ Selbst wenn ihr Sohn ihnen erzählt hat, was passiert ist, sind sie lieber vorsichtig und sagen: „Fragt ihn. Er ist alt genug. Er soll für sich selbst reden“ (Johannes 9:19-21).
Daher rufen die Pharisäer den Mann ein zweites Mal und versuchen ihn einzuschüchtern. Sie behaupten, etwas gegen Jesus in der Hand zu haben, und fordern den Geheilten auf: „Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“ Doch der Mann entgegnet auf ihre Beschuldigung: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich: Ich war blind und kann jetzt sehen“ (Johannes 9:24, 25).
Die Pharisäer sind aber nicht bereit, den Fall auf sich beruhen zu lassen, und fragen noch einmal: „Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?“ Mutig antwortet der Mann: „Das hab ich euch doch schon gesagt, aber ihr habt mir nicht zugehört. Warum wollt ihr es noch mal hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden?“ „Du bist ein Jünger dieses Mannes“, erwidern sie verächtlich, „wir aber sind Jünger von Moses. Von Moses wissen wir, dass Gott zu ihm geredet hat, aber von diesem Mann wissen wir nicht, woher er ist“ (Johannes 9:26-29).
Darüber verwundert antwortet der Bettler: „Das ist schon seltsam, dass ihr nicht wisst, woher er ist, dabei hat er doch meine Augen geöffnet.“ Dann argumentiert er: „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört, doch wenn jemand gottesfürchtig ist und das tut, was Gott will — den erhört er. Seit Menschengedenken hat man noch nie gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.“ Er kommt zu dem Schluss: „Wäre dieser Mann nicht von Gott gekommen, könnte er gar nichts tun“ (Johannes 9:30-33).
Da die Pharisäer das nicht widerlegen können, werden sie ausfallend: „Du bist ganz und gar in Sünde geboren und trotzdem willst du uns belehren?“ Dann werfen sie ihn hinaus (Johannes 9:34).
Als Jesus hört, was geschehen ist, sucht er den Mann, und als er ihn findet, fragt er: „Glaubst du an den Menschensohn?“ „Wer ist das, mein Herr, damit ich an ihn glaube?“ „Du hast ihn gesehen“, sagt Jesus freiheraus, „ja, er spricht gerade mit dir“ (Johannes 9:35-37).
Da sagt der Mann: „Ich glaube an ihn, Herr“, und verbeugt sich respektvoll vor Jesus. Dieser macht daraufhin die bedeutsame Aussage: „Ich bin zu einem Gericht in diese Welt gekommen, damit die, die nicht sehen, sehen können und die Sehenden blind werden“ (Johannes 9:38, 39).
Einige Pharisäer bekommen das mit. Sie sehen sich als geistige Führer, halten sich allerdings für alles andere als blind und fragen abwehrend: „Sind wir etwa auch blind?“ „Wärt ihr blind, hättet ihr keine Sünde“, antwortet Jesus. „Aber weil ihr sagt: ‚Wir sehen‘, bleibt eure Sünde bestehen“ (Johannes 9:40, 41). Wären sie nicht die Lehrer in Israel, dann wäre es vielleicht verständlich, dass sie den Messias ablehnen. Doch da sie das Gesetz gut kennen, ist ihre Ablehnung eine schwerwiegende Sünde.
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Ihr Vater — Abraham oder der Teufel?Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 69
Ihr Vater — Abraham oder der Teufel?
DIE JUDEN BEANSPRUCHEN FÜR SICH, KINDER ABRAHAMS ZU SEIN
JESUS HAT SCHON VOR ABRAHAM EXISTIERT
Jesus ist immer noch beim Laubhüttenfest in Jerusalem und lehrt die Menschen wichtige Wahrheiten. Jetzt kommt er noch einmal auf die Aussage einiger Juden zurück, sie seien Nachkommen Abrahams und seien nie Sklaven gewesen. Er sagt: „Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Trotzdem seid ihr darauf aus, mich zu töten, weil meine Worte bei euch nichts erreichen. Ich rede über das, was ich gesehen habe, als ich bei meinem Vater war, ihr aber tut das, was ihr von eurem Vater gehört habt“ (Johannes 8:33, 37, 38).
Mit anderen Worten: Jesus hat einen anderen Vater als sie. Aber die Juden begreifen nicht, was er meint, und beharren: „Unser Vater ist Abraham“ (Johannes 8:39; Jesaja 41:8). Als seine Nachkommen denken sie, sie hätten denselben Glauben wie Abraham, der Freund Gottes.
Doch Jesu Antwort ist ernüchternd: „Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, dann würdet ihr handeln wie Abraham“ — denn normalerweise ahmt ein Sohn seinen Vater nach. „Aber ihr seid darauf aus, mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die er von Gott gehört hat. So hat Abraham nicht gehandelt.“ Dann macht Jesus die rätselhafte Aussage: „Ihr handelt wie euer Vater“ (Johannes 8:39-41).
Aber sie begreifen immer noch nicht, von wem er spricht, und beharren darauf, legitime Söhne zu sein: „Wir wurden nicht durch Unmoral gezeugt! Wir haben nur den einen Vater: Gott.“ Aber ist Gott wirklich ihr Vater? „Wenn Gott euer Vater wäre“, sagt Jesus, „würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott gekommen und bin hier. Ich bin nicht aus eigener Initiative gekommen, sondern er hat mich gesandt.“ Dann stellt er ihnen die Frage: „Wieso versteht ihr nicht, was ich sage?“, und antwortet gleich selbst: „Weil ihr nicht fähig seid, auf meine Worte zu hören“ (Johannes 8:41-43).
Jesus hat versucht ihnen zu vermitteln, welche Folgen es hat, ihn abzulehnen. Doch jetzt erklärt er unmissverständlich: „Der Teufel ist euer Vater, und ihr wollt tun, was euer Vater wünscht.“ Und er beschreibt klar, wie ihr Vater ist: „Er fing als Mörder an und hielt nicht an der Wahrheit fest, weil er keine Wahrheit in sich hat.“ Dann fügt Jesus hinzu: „Wer von Gott kommt, hört auf die Worte Gottes. Deshalb hört ihr nicht, weil ihr nicht von Gott kommt“ (Johannes 8:44, 47).
Dieses harte Urteil macht die Juden wütend. „Haben wir nicht recht, wenn wir sagen: ‚Du bist ein Samariter und hast einen Dämon‘?“ Die Bezeichnung „Samariter“ zeigt, wie sehr sie ihn verachten. Doch Jesus ignoriert diese Beleidigung und sagt: „Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, aber ihr beraubt mich der Ehre.“ Es ist jedoch entscheidend, Jesus nicht der Ehre zu berauben, wie seine nächste Aussage zeigt: „Wer sich an meine Worte hält, wird den Tod überhaupt nie sehen.“ Das heißt nicht, die Apostel und seine anderen Nachfolger würden niemals sterben. Es bedeutet vielmehr, dass sie nie „den zweiten Tod“ erleiden werden — die ewige Vernichtung, ohne Hoffnung auf eine Auferstehung (Johannes 8:48-51; Offenbarung 21:8).
Doch die Juden nehmen seine Aussage wörtlich. Sie sagen: „Jetzt wissen wir sicher, dass du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten auch, aber du sagst: ‚Wer sich an meine Worte hält, wird überhaupt nie sterben.‘ Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? . . . Wer behauptest du zu sein?“ (Johannes 8:52, 53).
Jesus hat ihnen bereits deutlich zu verstehen gegeben, dass er der Messias ist. Anstatt ihre Frage also direkt zu beantworten, sagt er: „Wenn ich mich selbst verherrliche, bedeutet meine Herrlichkeit nichts. Es ist mein Vater, der mich verherrlicht — der, von dem ihr sagt, er sei euer Gott. Dabei habt ihr ihn nie gekannt, aber ich kenne ihn. Und wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht kenne, wäre ich wie ihr: ein Lügner“ (Johannes 8:54, 55).
Jesus kommt jetzt noch einmal auf das Beispiel ihres treuen Vorfahren zu sprechen: „Euer Vater Abraham freute sich sehr über die Aussicht, meinen Tag zu sehen, und er hat ihn gesehen und sich gefreut.“ Abraham glaubte an Gottes Verheißung und freute sich auf den Messias. Doch die Juden entgegnen Jesus: „Du bist noch nicht einmal 50 und willst Abraham gesehen haben?“ Da erklärt Jesus: „Eins steht fest: Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen.“ Er spricht von seinem vormenschlichen Leben als mächtiges Geistwesen im Himmel (Johannes 8:56-58).
Jesu Behauptung, er habe schon vor Abraham gelebt, macht die Juden so zornig, dass sie ihn steinigen wollen. Aber Jesus entkommt ihnen unbeschadet.
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