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Auf dem LaubhüttenfestDer größte Mensch, der je lebte
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Auf dem Laubhüttenfest
JESUS ist in den fast drei Jahren des Dienstes seit seiner Taufe weithin bekannt geworden. Viele Tausende haben seine Wunder gesehen, und Berichte über seine Tätigkeit sind in jeden Teil des Landes gelangt. Als sich die Juden jetzt anläßlich des Laubhüttenfestes in Jerusalem versammeln, halten sie dort nach ihm Ausschau. „Wo ist dieser Mensch?“ wollen sie wissen.
Man ist sich über Jesus uneins. „Er ist ein guter Mensch“, sagen die einen. „Das ist er nicht, sondern er führt die Volksmenge irre“, behaupten die anderen. Während der ersten Tage des Festes gibt es viel Gemurmel dieser Art. Doch niemand hat den Mut, sich öffentlich für Jesus auszusprechen, weil das Volk Schwierigkeiten von seiten der jüdischen Führer befürchtet.
Als das Fest bereits zur Hälfte vorbei ist, trifft Jesus ein und begibt sich in den Tempel. Die Leute sind erstaunt über seine außergewöhnliche Lehrfähigkeit. Da Jesus keine der rabbinischen Schulen besucht hat, beginnen sie zu überlegen: „Wieso ist dieser Mann gelehrt, da er nicht auf den Schulen studiert hat?“
„Was ich lehre, ist nicht mein, sondern gehört dem, der mich gesandt hat“, erklärt Jesus. „Wenn jemand SEINEN Willen zu tun begehrt, wird er erkennen, ob die Lehre von Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede.“ Jesu Lehren halten sich eng an Gottes Gesetz. Es sollte daher deutlich zu erkennen sein, daß er Gottes Ehre sucht und nicht seine eigene. „Hat nicht Moses euch das GESETZ gegeben?“ fragt Jesus. Er macht den Vorwurf: „Doch niemand von euch gehorcht dem GESETZ.“
Jesus stellt dann die Frage: „Warum sucht ihr mich zu töten?“
Die versammelten Menschen, wahrscheinlich Festbesucher, wissen nichts von solchen Absichten. Sie halten es für unvorstellbar, daß jemand einen so wunderbaren Lehrer zu Tode bringen möchte. Daher meinen sie, mit Jesus müsse etwas nicht stimmen, weil er so denkt. „Du hast einen Dämon“, sagen sie. „Wer sucht dich zu töten?“
Die Führer der Juden wollen Jesus umbringen, auch wenn die Volksmenge nichts davon ahnt. Als Jesus eineinhalb Jahre zuvor am Sabbat einen Mann geheilt hatte, versuchten die Führer nämlich, ihn zu töten. Jesus weist auf ihre Unvernunft hin, indem er folgendes anführt: „Wenn ein Mensch an einem Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz Mose nicht gebrochen werde, grollt ihr mir da, weil ich einen Menschen an einem Sabbat vollständig gesund gemacht habe? Richtet nicht mehr nach der äußeren Erscheinung, sondern fällt ein gerechtes Urteil.“
Einwohner Jerusalems, die die Umstände kennen, melden sich nun zu Wort: „Ist das nicht der Mann, den sie zu töten suchen? Und doch, seht, er redet in der Öffentlichkeit, und man sagt nichts zu ihm. Die Vorsteher haben doch nicht etwa ... erkannt, daß dieser der Christus ist?“ Diese Bewohner Jerusalems erklären, warum sie nicht glauben, daß Jesus der Christus ist: „Wir ... wissen, woher dieser Mensch ist; wenn aber der Christus kommt, wird niemand wissen, woher er ist.“
Jesus antwortet: „Ihr kennt mich und wißt auch, woher ich bin. Auch bin ich nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern der mich gesandt hat, besteht wirklich, und ihr kennt ihn nicht. Ich kenne ihn, weil ich ein Vertreter von ihm bin, und jener hat mich ausgesandt.“ Daraufhin versuchen sie, sich seiner zu bemächtigen, möglicherweise um ihn ins Gefängnis zu werfen oder zu töten. Es gelingt ihnen jedoch nicht, da für Jesus noch nicht die Zeit gekommen ist zu sterben.
Dennoch glauben viele an Jesus, und das aus gutem Grund. Er ist auf dem Wasser gewandelt, hat die Winde und das aufgewühlte Meer beruhigt, durch ein Wunder Tausende mit wenigen Broten und einigen Fischen gespeist, Kranke geheilt, Lahme gesund gemacht, die Augen der Blinden geöffnet, Aussätzige geheilt und sogar Tote auferweckt. Daher fragen sie: „Wenn der Christus gekommen ist, wird er doch nicht etwa mehr Zeichen tun, als dieser getan hat?“
Sobald die Pharisäer hören, daß das Volk hinter vorgehaltener Hand von diesen Dingen spricht, senden sie und die Oberpriester Beamte hin, um Jesus festzunehmen. Johannes 7:11-32.
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Es gelingt nicht, ihn festzunehmenDer größte Mensch, der je lebte
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Es gelingt nicht, ihn festzunehmen
NOCH während des Laubhüttenfestes senden die religiösen Führer Beamte aus, die Jesus festnehmen sollen. Dennoch versucht Jesus nicht, sich zu verstecken, sondern lehrt weiterhin öffentlich. Er sagt: „Ich bleibe noch eine kleine Weile bei euch, ehe ich zu dem gehe, der mich gesandt hat. Ihr werdet mich suchen, doch werdet ihr mich nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“
Die Juden können das nicht verstehen und sagen daher unter sich: „Wohin beabsichtigt dieser zu gehen, so daß wir ihn nicht finden werden? Er beabsichtigt doch nicht etwa, zu den unter den Griechen versprengten Juden zu gehen und die Griechen zu lehren? Was bedeutet das Wort, das er sprach: ‚Ihr werdet mich suchen, doch werdet ihr mich nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.‘?“ Jesus hat natürlich von seinem näher rückenden Tod gesprochen sowie von seiner Auferstehung zu Leben im Himmel, wo ihn seine Feinde nicht erreichen können.
Nun ist der siebte und somit letzte Tag des Festes gekommen. Während des Festes hat ein Priester jeden Morgen Wasser, das er aus dem Teich von Siloam geschöpft hat, ausgegossen, so daß es zum Grund des Altars floß. Jesus erinnert das Volk wahrscheinlich an diese tägliche Zeremonie, als er ausruft: „Wenn jemand durstig ist, komme er zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, so wie die Schrift gesagt hat: ‚Aus dessen Innerstem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.‘ “
Jesus spricht hier über die großartigen Auswirkungen der Ausgießung des heiligen Geistes, der zu Pfingsten des folgenden Jahres ausgegossen wird. Die Ströme lebendigen Wassers beginnen zu fließen, als die 120 Jünger anfangen, den Menschen zu predigen. Aber bis dahin gibt es in dem Sinne keinen Geist, daß noch keiner der Jünger Christi mit heiligem Geist gesalbt und zu himmlischem Leben berufen worden ist.
Aufgrund der Lehren Jesu beginnen einige zu sagen: „Dieser ist bestimmt DER PROPHET“ und meinen damit offensichtlich den Propheten, größer als Moses, dessen Kommen verheißen worden war. Andere sagen: „Dieser ist der Christus.“ Es wird jedoch der Einwand erhoben: „Der Christus kommt doch eigentlich nicht aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt, daß der Christus aus der Nachkommenschaft Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, komme, wo David zu sein pflegte?“
So entsteht eine Spaltung unter der Volksmenge. Einige wollen Jesus festnehmen, aber niemand wagt es, Hand an ihn zu legen. Als die Beamten ohne Jesus zurückkehren, fragen die Oberpriester und Pharisäer: „Wie kommt es, daß ihr ihn nicht hergebracht habt?“
„Nie hat ein anderer Mensch auf diese Weise geredet“, antworten die Beamten.
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Weitere Belehrung am siebten TagDer größte Mensch, der je lebte
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Weitere Belehrung am siebten Tag
ES IST immer noch der siebte und letzte Tag des Laubhüttenfestes. Jesus lehrt in einem Teil des Tempels, der die „Schatzhalle“ genannt wird. Sie befindet sich offenbar im sogenannten Vorhof der Frauen, wo die Kästen stehen, in die die Leute ihre Spenden einwerfen.
Während des Festes wird dieser Bereich des Tempels nachts auf besondere Weise beleuchtet. Vier riesige Leuchter mit je vier großen Schalen voll Öl sind dort aufgestellt worden. Das Licht dieser Leuchter, in deren 16 Schalen das Öl brennt, reicht aus, um in der Nacht auch die entferntere Umgebung zu beleuchten. Das, was Jesus jetzt sagt, mag seine Zuhörer an diese Beleuchtung erinnern. „Ich bin das Licht der Welt“, verkündet er. „Wer mir nachfolgt, wird keineswegs in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens besitzen.“
Die Pharisäer wenden ein: „Du legst Zeugnis über dich selbst ab; dein Zeugnis ist nicht wahr.“
Jesus gibt ihnen darauf zur Antwort: „Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wißt nicht, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe.“ Er fügt hinzu: „Ich bin es, der Zeugnis über mich selbst ablegt, und der Vater, der mich gesandt hat, legt Zeugnis über mich ab.“
„Wo ist dein Vater?“ wollen die Pharisäer wissen.
„Ihr kennt weder mich noch meinen Vater“, antwortet Jesus. „Würdet ihr mich kennen, so würdet ihr auch meinen Vater kennen.“ Obwohl die Pharisäer Jesus immer noch festnehmen möchten, legt doch niemand Hand an ihn.
„Ich gehe weg“, sagt Jesus noch einmal. „Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.“
Daraufhin beginnen sich die Juden zu fragen: „Er wird sich doch nicht etwa selbst töten? Denn er sagt: ‚Wohin ich gehe, könnt ihr nicht hinkommen.‘ “
„Ihr seid von den unteren Bereichen“, erklärt Jesus. „Ich bin von den oberen Bereichen. Ihr seid von dieser Welt; ich bin nicht von dieser Welt.“ Dann fügt er hinzu: „Wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.“
Jesus bezieht sich hier natürlich auf seine vormenschliche Existenz und darauf, daß er der verheißene Messias oder Christus ist. Dennoch fragt man ihn, zweifellos mit großer Verachtung: „Wer bist du?“
Auf diese Zurückweisung entgegnet Jesus: „Warum rede ich überhaupt zu euch?“ Doch er fährt fort: „Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und gerade die Dinge, die ich von ihm gehört habe, rede ich in der Welt.“ Jesus sagt des weiteren: „Wenn ihr einst den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, daß ich es bin und daß ich nichts aus eigenem Antrieb tue; sondern so, wie der Vater mich gelehrt hat, rede ich diese Dinge. Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht mir selbst überlassen, weil ich allezeit das tue, was ihm wohlgefällig ist.“
Als Jesus diese Dinge redet, glauben viele an ihn. Zu diesen sagt er: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
„Wir sind Nachkommen Abrahams und sind niemals jemandes Sklaven gewesen“, wenden seine Widersacher ein. „Wieso sagst du: ‚Ihr werdet frei werden.‘?“
Obwohl die Juden oft genug unter fremder Herrschaft gestanden haben, erkennen sie keinen Bedrücker als Herrn an. Sie weisen es zurück, Sklaven genannt zu werden. Doch Jesus macht sie darauf aufmerksam, daß sie tatsächlich Sklaven sind. In welcher Hinsicht? „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist ein Sklave der Sünde.“
Daß die Juden diese Sklaverei ableugnen, bringt sie in eine gefährliche Lage. „Überdies bleibt der Sklave nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer“, erklärt Jesus. Da ein Sklave keinen Erbanspruch hat, muß er jederzeit mit Entlassung rechnen. Nur der tatsächlich in die Hausgemeinschaft hineingeborene oder adoptierte Sohn bleibt „für immer“, das heißt, solange er lebt.
„Darum, wenn euch der Sohn frei macht, werdet ihr tatsächlich frei sein“, fährt Jesus fort. Die Wahrheit, die die Menschen frei macht, ist somit die Wahrheit über den Sohn, Jesus Christus. Nur durch das Opfer seines vollkommenen menschlichen Lebens kann jemand von der todbringenden Sünde befreit werden. Johannes 8:12-36.
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Wer ist der Vater?Der größte Mensch, der je lebte
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Wer ist der Vater?
DIE Diskussion, die Jesus im Jahre 32 u. Z. während des Laubhüttenfestes mit den jüdischen Vorstehern führt, wird immer hitziger. „Ich weiß, daß ihr Nachkommen Abrahams seid“, bestätigt Jesus, „ihr aber sucht mich zu töten, weil mein Wort keine Fortschritte unter euch macht. Was ich bei meinem Vater gesehen habe, das rede ich; und daher tut ihr die Dinge, die ihr von eurem Vater gehört habt.“
Jesus nennt zwar ihren Vater nicht, läßt aber keinen Zweifel daran, daß er einen anderen Vater hat als sie. Ohne zu wissen, wen Jesus im Sinn hat, entgegnen die jüdischen Vorsteher: „Unser Vater ist Abraham.“ Ihrer Ansicht nach haben sie denselben Glauben wie Abraham, der Freund Gottes.
Doch Jesus schockiert sie mit folgender Antwort: „Wenn ihr Abrahams Kinder seid, so tut die Werke Abrahams.“ Ein wahrer Sohn würde seinen Vater nachahmen. „Nun aber sucht ihr mich zu töten“, sagt Jesus, „einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan.“ Daher wiederholt Jesus: „Ihr tut die Werke eures Vaters.“
Sie verstehen immer noch nicht, wovon Jesus spricht, und bekräftigen ihre Behauptung, legitime Söhne Abrahams zu sein: „Wir sind nicht durch Hurerei geboren worden.“ Da sie wahre Anbeter Gottes wie Abraham zu sein behaupten, erklären sie: „Wir haben e i n e n Vater, Gott.“
Ist Gott aber wirklich ihr Vater? „Wenn Gott euer Vater wäre“, erwidert Jesus, „würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und bin hier. Auch bin ich ja nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern jener hat mich ausgesandt. Wie kommt es, daß ihr nicht versteht, was ich rede?“
Jesus wollte den religiösen Führern vor Augen führen, welche Folgen es hätte, ihn zu verwerfen. Doch jetzt sagt er unverblümt: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun.“ Welche Art von Vater ist der Teufel? Jesus bezeichnet ihn als einen Totschläger und fügt hinzu: „Er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ Die Folgerung Jesu lautet daher: „Wer aus Gott ist, hört auf die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht zu, weil ihr nicht aus Gott seid.“
Erzürnt über Jesu Tadel, antworten die Juden: „Sagen wir nicht mit Recht: Du bist ein Samariter und hast einen Dämon?“ Der Begriff „Samariter“ wird als Ausdruck der Verachtung und der Schande gebraucht, da die Juden das Volk der Samariter hassen.
Jesus ignoriert die verächtliche Verleumdung, ein Samariter zu sein, und erwidert: „Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr entehrt mich.“ Dann äußert er die aufsehenerregende Verheißung: „Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod überhaupt nie sehen.“ Damit meint Jesus natürlich nicht, daß seine Nachfolger buchstäblich den Tod nicht sehen werden. Er will damit vielmehr sagen, daß sie die ewige Vernichtung oder den „zweiten Tod“, aus dem es keine Auferstehung gibt, niemals sehen werden.
Die Juden fassen Jesu Worte jedoch buchstäblich auf. Daher sagen sie: „Jetzt erkennen wir, daß du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben, ebenfalls die Propheten; du aber sagst: ‚Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod überhaupt nie schmecken.‘ Du bist doch nicht etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten sind gestorben. Wer zu sein, beanspruchst du?“
Jesus will diese Männer ganz offensichtlich auf die Tatsache hinweisen, daß er der verheißene Messias ist. Doch statt auf die Frage nach seiner Identität direkt zu antworten, sagt er: „Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, er, von dem ihr sagt, er sei euer Gott; und doch habt ihr ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagte: Ich kenne ihn nicht, wäre ich wie ihr ein Lügner.“
Jesus bezieht sich ein weiteres Mal auf den treuen Abraham und sagt: „Abraham, euer Vater, freute sich sehr über die Aussicht, meinen Tag zu sehen, und er sah ihn und freute sich.“ Ja, mit dem Auge des Glaubens blickte Abraham dem Kommen des verheißenen Messias entgegen. In ihrem Unglauben entgegnen die Juden: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt, und dennoch hast du Abraham gesehen?“
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen“, antwortet Jesus. Er spricht hier natürlich von seiner vormenschlichen Existenz als mächtiges Geistgeschöpf im Himmel.
Aus Zorn über Jesu Behauptung, vor Abraham gelebt zu haben, heben die Juden Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Er verbirgt sich jedoch und kann den Tempel unbeschadet verlassen. Johannes 8:37-59; Offenbarung 3:14; 21:8.
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Die Heilung eines BlindgeborenenDer größte Mensch, der je lebte
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Die Heilung eines Blindgeborenen
ALS die Juden versuchen, Jesus zu steinigen, verläßt er keineswegs Jerusalem. Später, am Sabbat, geht er mit seinen Jüngern durch die Stadt, und dort sehen sie einen Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger fragen Jesus: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, so daß er blind geboren wurde?“
Vielleicht glauben die Jünger wie einige Rabbiner, daß jemand schon im Mutterleib sündigen könne. Jesus antwortet jedoch: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern es ist geschehen, damit die Werke Gottes in seinem Fall offenbar gemacht würden.“ Die Blindheit des Mannes ist nicht auf eine bestimmte Sünde des Mannes oder seiner Eltern zurückzuführen. Aufgrund der Sünde Adams, des ersten Menschen, sind alle seine Nachkommen unvollkommen und somit Gebrechen wie zum Beispiel angeborener Blindheit unterworfen. Das Gebrechen dieses Mannes gibt Jesus nun die Gelegenheit, die Werke Gottes zu zeigen.
Jesus betont, wie dringlich es ist, diese Werke zu tun. „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist“, sagt er. „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Bald wird der Tod Jesus in die Dunkelheit des Grabes stoßen, wo er nichts mehr tun kann. Bis dahin ist er eine Quelle der Erleuchtung für die Welt.
Nachdem Jesus diese Dinge gesagt hat, spuckt er auf den Boden und macht mit dem Speichel einen Lehmbrei. Diesen legt er dem Blinden auf die Augen und sagt: „Geh, wasche dich im Teich von Siloam.“ Der Mann gehorcht. Und als er es tut, kann er sehen! Wie er sich bei seiner Rückkehr freut, daß er zum erstenmal in seinem Leben sehen kann!
Nachbarn und andere, die ihn kennen, sind erstaunt. „Ist dieser nicht der Mann, der dazusitzen und zu betteln pflegte?“ fragen sie. „Er ist es“, antworten einige. Andere können es allerdings nicht glauben: „Keinesfalls, aber er gleicht ihm.“ Der Mann sagt jedoch: „Ich bin es.“
„Wie kommt es denn, daß deine Augen geöffnet wurden?“ möchten die Leute wissen.
„Der Mensch, Jesus genannt, machte einen Lehmbrei und strich ihn mir auf die Augen und sagte zu mir: ‚Geh nach Siloam, und wasche dich.‘ Ich ging daher und wusch mich und wurde sehend.“
„Wo ist dieser Mann?“ fragen sie.
„Ich weiß es nicht“, antwortet er.
Die Leute führen den ehemals Blinden zu ihren religiösen Führern, den Pharisäern. Auch diese beginnen ihn zu fragen, wie er sehend wurde. „Er legte mir Lehm auf die Augen, und ich wusch mich und kann nun sehen“, erklärt der Mann.
Die Pharisäer sollten sich eigentlich mit dem geheilten Bettler freuen. Doch statt dessen verleumden sie Jesus. „Dieser Mensch ist nicht von Gott“, behaupten sie. Wie können sie das sagen? „Denn er hält den Sabbat nicht.“ Andere Pharisäer fragen sich: „Wie kann ein Mensch, der ein Sünder ist, derartige Zeichen tun?“ Demzufolge entsteht eine Spaltung unter ihnen.
Darauf fragen sie den Mann: „Was sagst du über ihn, da er dir die Augen geöffnet hat?“
„Er ist ein Prophet“, antwortet dieser.
Die Pharisäer wollen das nicht glauben. Sie sind überzeugt, daß zwischen Jesus und diesem Mann eine geheime Übereinkunft besteht, die Leute zum Narren zu halten. Um die Angelegenheit zu klären, rufen sie daher die Eltern des Bettlers, die sie befragen wollen. Johannes 8:59; 9:1-18.
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Der willentliche Unglaube der PharisäerDer größte Mensch, der je lebte
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Der willentliche Unglaube der Pharisäer
DIE Eltern des ehemals blinden Bettlers sind voller Furcht, als sie zu den Pharisäern gerufen werden. Ihnen ist bekannt, daß beschlossen wurde, jeden, der an Jesus glaubt, aus der Synagoge auszuschließen. Ein solches Abgeschnittensein von der Gemeinschaft mit den anderen kann eine große Härte bedeuten, besonders für eine arme Familie. Deshalb sind die Eltern vorsichtig.
„Ist dies euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren worden?“ fragen die Pharisäer. „Wie kommt es denn, daß er jetzt sieht?“
„Wir wissen, daß dies unser Sohn ist und daß er blind geboren wurde“, bestätigen die Eltern. „Wie es aber kommt, daß er jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer ihm die Augen geöffnet hat, wissen wir nicht.“ Ihr Sohn hat ihnen bestimmt alles erzählt, was sich zugetragen hat, aber sie sind vorsichtig und sagen: „Fragt ihn. Er ist volljährig. Er soll für sich selbst reden.“
Daher lassen die Pharisäer den Mann erneut rufen. Diesmal versuchen sie, ihn einzuschüchtern, indem sie andeuten, belastende Beweise gegen Jesus gesammelt zu haben. „Gib Gott die Ehre“, fordern sie ihn auf. „Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.“
Der einstmals blinde Mann stellt ihre Anklage nicht in Abrede, denn er sagt: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.“ Er fügt jedoch hinzu: „Eines weiß ich, nämlich daß ich, obwohl ich blind war, jetzt sehe.“
Die Pharisäer möchten einen schwachen Punkt in seiner Aussage finden und fragen nochmals: „Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen geöffnet?“
„Ich habe es euch schon gesagt“, beschwert sich der Mann, „und doch hörtet ihr nicht zu. Warum wollt ihr es wiederum hören?“ Er stellt die sarkastische Frage: „Ihr wollt doch nicht etwa auch seine Jünger werden?“
Seine Erwiderung erzürnt die Pharisäer. „Du bist ein Jünger dieses Menschen“, klagen sie ihn an, „wir aber sind Moses’ Jünger. Wir wissen, daß Gott zu Moses geredet hat; aber von diesem wissen wir nicht, woher er ist.“
Erstaunt entgegnet der demütige Bettler: „Dies ist bestimmt verwunderlich, daß ihr nicht wißt, woher er ist, und doch hat er meine Augen geöffnet.“ Worauf läßt das schließen? Der Bettler verweist auf folgenden unbestreitbaren Grundsatz: „Wir wissen, daß Gott nicht auf Sünder hört, doch wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, hört er auf diesen. Seit alters hat man nie davon gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen geöffnet hat.“ Seine naheliegende Schlußfolgerung lautet daher: „Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, so könnte er gar nichts tun.“
Die Pharisäer können dieser eindeutigen Logik nichts entgegensetzen. Da diese Wahrheit für sie jedoch unerträglich ist, beschimpfen sie den Mann: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren worden, und dennoch lehrst du uns?“ Daraufhin werfen sie den Mann hinaus, das heißt, sie schließen ihn offenbar aus der Synagoge aus.
Als Jesus erfährt, was sie getan haben, sucht er den Mann und sagt zu ihm: „Glaubst du an den Menschensohn?“
In Erwiderung fragt der ehemals blinde Bettler: „Wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?“
„Der mit dir redet, der ist es“, erwidert Jesus.
Sofort beugt sich der Mann vor Jesus nieder und sagt: „Ich glaube an ihn, Herr.“
Jesus erklärt dann: „Zu diesem Gericht bin ich in diese Welt gekommen: damit die, die nicht sehen, sehen könnten und die, die sehen, blind würden.“
Die Pharisäer, die das gehört haben, fragen daraufhin: „Wir sind doch nicht etwa auch blind?“ Wenn sie anerkennen würden, daß sie geistig blind sind, wäre dies eine Entschuldigung für den Widerstand, den sie Jesus leisten. Dieser sagt zu ihnen: „Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde.“ Doch in ihrer Hartherzigkeit beteuern sie, daß sie nicht blind sind und keine geistige Erleuchtung benötigen. Daher stellt Jesus fest: „Doch nun sagt ihr: ‚Wir sehen.‘ Eure Sünde bleibt.“ Johannes 9:19-41.
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