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Jesus spricht mit einem reichen VorsteherJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 96
Jesus spricht mit einem reichen Vorsteher
MATTHÄUS 19:16-30 MARKUS 10:17-31 LUKAS 18:18-30
EIN REICHER MANN FRAGT JESUS, WIE ER EWIG LEBEN KANN
Auf seinem Weg nach Jerusalem reist Jesus immer noch durch Peräa. Unterwegs läuft ein reicher junger Mann zu ihm und fällt vor ihm auf die Knie. Er ist „ein Vorsteher“, vielleicht ein Synagogenvorsteher oder ein Mitglied des Sanhedrins, und er fragt Jesus: „Guter Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ (Lukas 8:41; 18:18; 24:20).
„Warum nennst du mich gut?“, entgegnet Jesus. „Niemand ist gut außer einem: Gott“ (Lukas 18:19). Wahrscheinlich verwendet der junge Mann „gut“ als Titel, wie es die Rabbis tun. Obwohl Jesus tatsächlich ein guter Lehrer ist, lässt er den Mann wissen, dass der Titel „gut“ nur Gott zusteht.
„Doch wenn du Leben haben möchtest, dann halte dich immer an die Gebote“, rät Jesus. „An welche?“, will der Mann wissen. Darauf zitiert Jesus die Gebote über Mord, Ehebruch, Diebstahl und falsche Zeugenaussagen sowie das Gebot, die Eltern zu ehren. Dann nennt er das noch wichtigere Erfordernis: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (Matthäus 19:17-19).
Da sagt der junge Mann: „An all das hab ich mich gehalten. Was fehlt mir noch?“ (Matthäus 19:20). Offenbar meint er, ihm fehle noch irgendeine besonders herausragende Tat, um sich für das ewige Leben zu eignen. Als Jesus merkt, wie aufrichtig der Mann seine Bitte meint, empfindet er Liebe für ihn (Markus 10:21). Doch etwas steht dem Mann im Weg.
Er hängt sehr an seinem Besitz. Deshalb sagt Jesus zu ihm: „Eins fehlt dir noch: Geh und verkauf, was du hast, und gib das Geld den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!“ Der Mann könnte sein Geld den Armen geben, die ihm nichts zurückzahlen können, und ein Jünger Jesu werden. Stattdessen steht er auf und geht traurig weg, was Jesus bestimmt sehr bedauert. Dieser Mann hängt so sehr an seinem Reichtum, dass er für wahre Schätze blind ist (Markus 10:21, 22). Da sagt Jesus: „Wie schwierig wird es für die sein, die Geld haben, in Gottes Königreich zu gelangen!“ (Lukas 18:24).
Die Jünger wundern sich über Jesu Worte und erst recht über das, was er als Nächstes sagt: „Es ist tatsächlich leichter für ein Kamel, durch das Öhr einer Nähnadel zu gehen, als für einen Reichen, in Gottes Königreich zu kommen.“ Darauf fragen seine Jünger: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Man könnte fast meinen, das sei unmöglich. Doch Jesus sieht sie direkt an und antwortet: „Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lukas 18:25-27).
Petrus weist darauf hin, dass sie sich anders entschieden haben als der reiche Mann: „Wir haben alles aufgegeben und sind dir gefolgt. Was wird uns das eigentlich bringen?“ Da erklärt Jesus, wie ihre Entscheidung letztendlich belohnt werden wird: „Ich versichere euch: In der Wiedererschaffung, wenn sich der Menschensohn auf seinen herrlichen Thron setzt, werdet ihr, die ihr mir gefolgt seid, auf 12 Thronen sitzen und Richter über die 12 Stämme Israels sein“ (Matthäus 19:27, 28).
Jesus denkt dabei an die Zukunft, wenn auf der Erde die Verhältnisse, die im Garten Eden herrschten, wiederhergestellt werden. Petrus und die anderen Jünger werden dann mit Jesus über die paradiesische Erde herrschen — eine Belohnung, für die sich wirklich jedes Opfer lohnt!
Allerdings werden die Jünger nicht nur in der Zukunft belohnt, sondern auch schon jetzt. Jesus versichert ihnen: „Niemand hat wegen Gottes Königreich Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlassen, der nicht in dieser Zeit ein Vielfaches bekommt und im kommenden Weltsystem ewiges Leben“ (Lukas 18:29, 30).
Ja, wohin auch immer Jesu Jünger gehen — überall werden sie Glaubensbrüder treffen, zu denen sie ein innigeres Verhältnis haben können als zu ihrer Familie. Diesen Segen lässt sich der reiche Vorsteher wohl leider entgehen und ebenso die Belohnung, in Gottes Königreich im Himmel zu leben.
Jesus fügt hinzu: „Doch viele, die Erste sind, werden Letzte sein und die Letzten Erste“ (Matthäus 19:30). Wie meint er das?
Als reicher Vorsteher gehört der junge Mann sozusagen zu den „Ersten“ unter den Juden. Da er sich an Gottes Gesetze hält, könnte man meinen, dass er bestimmt ein Jünger Jesu wird, von dem noch viel zu erwarten ist. Doch leider kommen in seinem Leben Reichtum und Besitz an erster Stelle. Das einfache Volk dagegen erkennt in Jesu Lehren die Wahrheit und den Weg zum Leben. Sie waren sozusagen „Letzte“, aber nun werden sie „Erste“ sein. Sie können sich darauf freuen, mit Jesus im Himmel auf Thronen zu sitzen und über die paradiesische Erde zu regieren.
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Die Arbeiter im WeinbergJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 97
Die Arbeiter im Weinberg
DIE „LETZTEN“ ARBEITER IM WEINBERG WERDEN „ERSTE“ SEIN
Gerade hat Jesus seinen Zuhörern in Peräa gesagt: „Viele, die Erste sind, werden Letzte sein und die Letzten Erste“ (Matthäus 19:30). Um diese Aussage zu unterstreichen, erzählt er eine Geschichte über Arbeiter in einem Weinberg:
„Mit dem Königreich des Himmels ist es . . . wie mit einem Gutsbesitzer, der frühmorgens losging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Nachdem er mit den Arbeitern einen Tagelohn von einem Denar vereinbart hatte, schickte er sie in seinen Weinberg. Als er um die dritte Stunde noch einmal losging, sah er auf dem Marktplatz weitere Männer, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg, ich zahle euch einen fairen Lohn.‘ Da machten sie sich auf den Weg. Um die sechste und um die neunte Stunde ging er wieder los und stellte weitere Arbeiter ein. Als er sich um die 11. Stunde das letzte Mal aufmachte, sah er wieder Männer dastehen. Er fragte sie: ‚Warum habt ihr den ganzen Tag hier gestanden und nichts gearbeitet?‘ Sie antworteten: ‚Weil uns niemand eingestellt hat.‘ Da sagte er: ‚Geht doch auch in meinen Weinberg‘ “ (Matthäus 20:1-7).
Wahrscheinlich erinnern die Ausdrücke „Königreich des Himmels“ und „Gutsbesitzer“ Jesu Zuhörer an Jehova. Immerhin wurde Jehova in den Schriften als Besitzer eines Weinbergs beschrieben und die Nation Israel als der Weinberg (Psalm 80:8, 9; Jesaja 5:3, 4). Mit den Arbeitern sind diejenigen gemeint, die unter dem Gesetzesbund stehen. Jesus spricht allerdings nicht von der Vergangenheit. Vielmehr veranschaulicht er die Situation, die zu seiner Zeit vorherrscht.
Die religiösen Führer sind wie die Männer, die den ganzen Tag arbeiten. Zu ihnen gehören die Pharisäer, die Jesus vor Kurzem mit dem Thema Scheidung auf die Probe stellen wollten. Sie stehen vermeintlich durchgehend in Gottes Dienst und erwarten den vollen „Tagelohn“.
Nach Ansicht der Priester und anderer religiöser Führer dienen die einfachen Leute Gott sozusagen nur als Teilzeitarbeiter. In Jesu Geschichte sind sie die Männer, die zur „dritten Stunde“ (9 Uhr) oder später am Tag eingestellt werden — zur sechsten, neunten oder elften Stunde (17 Uhr).
Die Männer und Frauen, die Jesus nachfolgen, werden als „verfluchte Leute“ angesehen (Johannes 7:49). Sie waren für den Großteil ihres Lebens Fischer oder andere Arbeiter. Im Herbst des Jahres 29 wurde Jesus Christus jedoch von dem „Gutsbesitzer“ ausgesandt, um diese einfachen Menschen einzuladen, seine Nachfolger zu werden und für Gott zu arbeiten. In Jesu Geschichte sind sie sozusagen „die Letzten“ — die Arbeiter, die erst um 17 Uhr anfangen.
Am Schluss beschreibt Jesus, was am Ende des Arbeitstages geschieht: „Am Abend sagte der Gutsbesitzer zu seinem Verwalter: ‚Ruf die Arbeiter und zahl ihnen ihren Lohn. Fang bei den letzten an und hör bei den ersten auf.‘ Als die von der 11. Stunde kamen, erhielt jeder von ihnen einen Denar. Schließlich kamen die ersten und schlussfolgerten, dass sie mehr bekommen würden. Doch auch sie erhielten je einen Denar. Da beschwerten sie sich über den Gutsbesitzer. Sie sagten: ‚Die zuletzt gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet, und trotzdem stellst du sie uns gleich. Dabei haben wir den ganzen Tag hart durchgearbeitet und die sengende Hitze ertragen!‘ Als Reaktion darauf sagte er zu einem von ihnen: ‚Freund, ich bin nicht unfair zu dir. Hatten wir uns nicht auf einen Denar geeinigt? Nimm deinen Lohn und geh. Ich möchte dem letzten Arbeiter genauso viel geben wie dir. Mit dem, was mir gehört, darf ich doch wohl machen, was ich will. Oder ist dein Auge etwa neidisch, weil ich großzügig bin?‘ So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte“ (Matthäus 20:8-16).
Wahrscheinlich wundern sich Jesu Jünger über den Schluss der Geschichte. Wie werden die religiösen Führer, die sich als „Erste“ betrachten, „Letzte“ werden? Und wie sollen Jesu Jünger „Erste“ werden?
Jesu Jünger, die von den Pharisäern und anderen als „Letzte“ angesehen werden, haben die Aussicht, „Erste“ zu werden, also den vollen Lohn zu erhalten. Das Volk Israel wird mit Jesu Tod nämlich verworfen werden und Gott wird für sich ein neues Volk auswählen, „das Israel Gottes“ (Galater 6:16; Matthäus 23:38). Johannes der Täufer wies auf diejenigen hin, die zum „Israel Gottes“ gehören würden, als er von einer künftigen Taufe mit heiligem Geist sprach. Die Ersten, die für diese Taufe infrage kommen, sind diejenigen, die bisher „Letzte“ waren. Sie erhalten das Vorrecht, „bis zum entferntesten Teil der Erde“ Jesu Zeugen zu sein (Apostelgeschichte 1:5, 8; Matthäus 3:11). Falls die Jünger das Ausmaß der drastischen Veränderung begreifen, die Jesus hier andeutet, können sie wahrscheinlich erahnen, was für eine Wut ihnen von den religiösen Führern entgegenschlagen wird, die ja „Letzte“ werden.
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Wieder streben die Apostel nach AnsehenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 98
Wieder streben die Apostel nach Ansehen
MATTHÄUS 20:17-28 MARKUS 10:32-45 LUKAS 18:31-34
JESUS SAGT ERNEUT SEINEN TOD VORAUS
WIE JESUS MIT DEM WUNSCH DER APOSTEL NACH ANSEHEN UMGEHT
Auf dem Weg nach Jerusalem im Süden verlassen Jesus und seine Jünger nun Peräa und überqueren in der Nähe von Jericho den Jordan. Sie reisen jedoch nicht allein, sondern andere begleiten sie zum Passah des Jahres 33.
Jesus will rechtzeitig zum Passah in Jerusalem sein und geht vor seinen Jüngern her. Diese haben allerdings Angst. Als Lazarus vor einiger Zeit starb und Jesus von Peräa nach Judäa reisen wollte, sagte Thomas zu den anderen: „Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben“ (Johannes 11:16, 47-53). Nach Jerusalem zu gehen ist also gefährlich und die Angst der Jünger verständlich.
Jesus möchte die Apostel auf das vorbereiten, was ihm bevorsteht. Deshalb nimmt er sie zur Seite und erklärt ihnen: „Wir gehen hinauf nach Jerusalem und dort wird der Menschensohn den Oberpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und Menschen anderer Völker übergeben, damit er verspottet, ausgepeitscht und an einem Pfahl hingerichtet wird. Und am dritten Tag wird er auferweckt“ (Matthäus 20:18, 19).
Das ist das dritte Mal, dass Jesus mit seinen Jüngern über seinen Tod und seine Auferstehung spricht (Matthäus 16:21; 17:22, 23). Doch bisher hat er ihnen nicht gesagt, dass er an einem Pfahl hingerichtet werden wird. Obwohl sie ihm zuhören, verstehen sie die Bedeutung seiner Worte nicht. Wahrscheinlich rechnen sie damit, dass der Christus das Königreich Israel auf der Erde wiederherstellt, und sie hoffen, an seiner Seite zu Ruhm und Ehre zu gelangen.
Die Apostel Jakobus und Johannes haben vermutlich aufgrund ihres Temperaments von Jesus einen Namen erhalten, der „Donnersöhne“ bedeutet (Markus 3:17; Lukas 9:54). Diese beiden haben schon seit einiger Zeit den Ehrgeiz, in Christi Königreich eine besondere Stellung zu bekommen, und ihre Mutter — wahrscheinlich Salome — weiß das. Sie ist ebenfalls unter den Reisenden und geht nun für ihre Söhne zu Jesus. Sie verbeugt sich vor ihm und will ihn um einen Gefallen bitten. Jesus fragt sie: „Was möchtest du?“, worauf sie antwortet: „Gib mir dein Wort, dass diese beiden Söhne von mir in deinem Königreich rechts und links von dir sitzen dürfen“ (Matthäus 20:20, 21).
In Wirklichkeit kommt die Bitte von Jakobus und Johannes. Jesus, der gerade beschrieben hat, welche Schande und Demütigung er bald erdulden muss, sagt zu ihnen: „Ihr wisst nicht, worum ihr bittet. Könnt ihr den Becher trinken, den ich bald trinken werde?“ Sie antworten: „Ja, das können wir“ (Matthäus 20:22). Doch sehr wahrscheinlich wissen sie nicht, was sie da sagen.
Trotzdem erklärt Jesus ihnen: „Meinen Becher werdet ihr trinken, aber die Plätze rechts und links von mir habe ich nicht zu vergeben. Sie stehen denen zu, die mein Vater dafür vorgesehen hat“ (Matthäus 20:23).
Als die anderen zehn Apostel mitbekommen, worum Jakobus und Johannes gebeten haben, regen sie sich sehr auf. Die beiden haben sich womöglich schon früher wichtiggemacht, als die Apostel darüber diskutiert haben, wer von ihnen der Größte ist (Lukas 9:46-48). Auf jeden Fall zeigt ihre Bitte eines deutlich: Die Zwölf haben Jesu Rat, sich so zu verhalten, als seien sie nicht so wichtig, noch nicht verinnerlicht. Ihr Wunsch nach Macht und Ansehen ist immer noch stark.
Jesus ignoriert diese neue Diskussion nicht einfach, genauso wenig wie den dadurch entstandenen Unfrieden. Er ruft die Zwölf zu sich und rät ihnen liebevoll: „Ihr wisst ja, dass sich diejenigen, die über die Völker zu herrschen scheinen, als Herren aufspielen und dass ihre Großen die Leute ihre Macht spüren lassen. Unter euch darf das aber nicht so sein, sondern wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch an erster Stelle stehen will, soll der Sklave von allen sein“ (Markus 10:42-44).
Jesus erklärt ihnen, nach wessen Beispiel sie sich richten sollten, nämlich nach seinem. Er sagt: „Der Menschensohn [ist] nicht gekommen . . ., um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben“ (Matthäus 20:28). Schon seit drei Jahren dient Jesus anderen. Und bald wird er sogar so weit gehen, für die Menschheit zu sterben! Die Jünger sollten genauso eingestellt sein wie er. Sie sollten eher anderen dienen wollen, als sich bedienen zu lassen. Und sie sollten sich eher wünschen, unbedeutend zu sein, als eine besondere Stellung zu haben.
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Jesus hilft zwei Blinden und ZachäusJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 99
Jesus hilft zwei Blinden und Zachäus
MATTHÄUS 20:29-34 MARKUS 10:46-52 LUKAS 18:35 BIS 19:10
JESUS HEILT ZWEI BLINDE MÄNNER IN JERICHO
DER STEUEREINNEHMER ZACHÄUS BEREUT
Jesus und seine Mitreisenden kommen in Jericho an, das ungefähr eine Tagesreise von Jerusalem entfernt liegt. Jericho ist eigentlich eine Doppelstadt — die ältere Stadt liegt etwa eineinhalb Kilometer neben der neueren, römischen Stadt. Als Jesus und die Volksmenge die eine verlassen und auf die andere zusteuern, bekommen zwei blinde Bettler den Trubel mit. Einer von ihnen heißt Bartimäus.
Als Bartimäus und sein Gefährte hören, dass Jesus an ihnen vorbeikommt, rufen sie: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“ (Matthäus 20:30). Da befehlen ihnen einige aus der Menge, still zu sein. Aber die beiden schreien noch lauter. Jesus hört ihre Rufe, bleibt stehen und bittet seine Begleiter, die Rufenden zu holen. Diese gehen zu den Bettlern und sagen zu einem von ihnen: „Nur Mut! Steh auf, er ruft dich“ (Markus 10:49). Da wirft der blinde Mann aufgeregt sein Obergewand von sich, springt auf und geht zu Jesus.
„Was möchtet ihr? Was soll ich für euch tun?“, fragt Jesus. Die beiden Blinden bitten: „Herr, öffne unsere Augen“ (Matthäus 20:32, 33). Von Mitleid bewegt berührt Jesus ihre Augen und sagt insbesondere zu dem einen: „Geh nur, dein Glaube hat dich gesund gemacht“ (Markus 10:52). Daraufhin können die Männer wieder sehen und zweifellos beginnen beide, Gott zu verherrlichen. Als die Menschen begreifen, was passiert ist, preisen sie Gott ebenfalls. Und die Geheilten gehören von nun an zu Jesu Nachfolgern.
Als Jesus durch Jericho zieht, wird er von einer riesigen Menschenmenge begleitet. Alle wollen den Mann sehen, der die beiden Blinden geheilt hat. Die Leute drängen sich so sehr um Jesus, dass manche nicht einmal einen flüchtigen Blick auf ihn werfen können. Unter ihnen ist Zachäus, der Obersteuereinnehmer von Jericho und Umgebung. Weil er so klein ist, kann er nichts sehen. Deshalb rennt er voraus und klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum, an dem Jesus gleich vorbeikommen wird. Von dort oben hat Zachäus alles gut im Blick. Als Jesus näher kommt und ihn im Baum entdeckt, sagt er: „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich werde heute Gast in deinem Haus sein“ (Lukas 19:5). Daraufhin klettert Zachäus hinunter und eilt nach Hause, um dort seinen bedeutenden Gast willkommen zu heißen.
Als die Leute das sehen, fangen sie an zu murren. Sie stoßen sich daran, dass Jesus einen Mann besucht, den sie für einen Sünder halten. Schließlich ist der Steuereinnehmer Zachäus durch Erpressung reich geworden.
Als Jesus das Haus von Zachäus betritt, beschweren sich die Leute: „Er ist im Haus eines Sünders zu Gast!“ Doch Jesus weiß, dass Zachäus bereuen kann. Und er wird nicht enttäuscht! Zachäus steht auf und verkündet: „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und alles, was ich von irgendjemandem erpresst habe, erstatte ich vierfach“ (Lukas 19:7, 8).
Was für ein eindrucksvoller Beweis der Reue! Wahrscheinlich kann er über seine Steuerunterlagen herausfinden, wie viel er von den Leuten jeweils genommen hat. Und er verspricht vierfachen Schadensersatz zu leisten, was sogar mehr ist, als Gottes Gesetz fordert (2. Mose 22:1; 3. Mose 6:2-5). Außerdem verspricht er, die Hälfte von seinem Besitz an die Armen zu verteilen.
Jesus freut sich sehr, dass Zachäus bereut und das auch beweist. Er erklärt: „Heute ist Rettung über dieses Haus gekommen, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war“ (Lukas 19:9, 10).
Erst vor Kurzem hat Jesus die Situation derer, die Jehova verlassen haben, durch den verlorenen Sohn veranschaulicht (Lukas 15:11-24). Und nun ist tatsächlich jemand, der so gut wie verloren war, gefunden worden. Die religiösen Führer und ihre Anhänger mögen Jesus zwar dafür kritisieren, dass er sich um Leute wie Zachäus kümmert. Trotzdem hört er nicht auf, nach diesen verlorenen Söhnen Abrahams zu suchen und sie zu Jehova zurückzubringen.
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Die zehn MinenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 100
Die zehn Minen
JESUS ERZÄHLT DIE GESCHICHTE VON DEN ZEHN MINEN
Jesus und seine Jünger halten sich auf ihrem Weg nach Jerusalem wahrscheinlich immer noch bei Zachäus auf. Seine Jünger denken, Gottes Königreich würde bald mit Jesus als König aufgerichtet werden (Lukas 19:11). Aber sie verstehen das falsch, genauso wie sie nicht verstehen, dass Jesus sterben muss. Um ihnen begreiflich zu machen, dass es noch lange dauern wird, bis das Königreich kommt, erzählt er ihnen deshalb eine Geschichte.
Jesus beginnt: „Ein Mann von vornehmer Herkunft reiste in ein fernes Land, um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren“ (Lukas 19:12). Der „Mann von vornehmer Herkunft“ ist Jesus. Er reist in ein „fernes Land“, den Himmel, wo er von seinem Vater Königsmacht erhält. Und so eine „Reise“ dauert natürlich.
Bevor der „Mann von vornehmer Herkunft“ abreiste, rief er zehn Sklaven zu sich, gab jedem eine Mine aus Silber und beauftragte sie: „Macht damit Geschäfte, bis ich komme“ (Lukas 19:13). Eine Mine ist eine Menge Geld. Ein Landarbeiter muss dafür über drei Monate arbeiten.
Vielleicht erkennen sich die Jünger in den zehn Sklaven wieder, denn Jesus hat sie bei einer anderen Gelegenheit einmal mit Erntearbeitern verglichen (Matthäus 9:35-38). Aber natürlich sollen sie keine Getreideernte einbringen, sondern weitere Jünger, die ebenfalls die Aussicht auf einen Platz in Gottes Königreich erhalten. Die Jünger sollten also alles nutzen, was ihnen zur Verfügung steht, damit noch viele weitere das Königreich erben können.
Was verrät Jesus durch seine Geschichte noch? Wie er sagt, hassten die Bürger des Landes den „Mann von vornehmer Herkunft“ und „schickten eine Abordnung hinter ihm her, die sagen sollte: ‚Wir wollen diesen Mann nicht als unseren König haben!‘ “ (Lukas 19:14). Die Jünger wissen, dass die meisten Juden Jesus nicht als den Messias anerkennen und manche ihn sogar töten wollen. Ihr Hass auf ihn zeigt sich selbst nach Jesu Tod und Himmelfahrt, als sie seine Jünger verfolgen. Diese Gegner lassen keinen Zweifel daran, dass sie Jesus nicht als König haben wollen (Johannes 19:15, 16; Apostelgeschichte 4:13-18; 5:40).
Wie gebrauchten die zehn Sklaven ihre Minen, bis der „Mann von vornehmer Herkunft“ zurückkam? Jesus erzählt weiter: „Als er sich die Königsmacht gesichert hatte und schließlich zurückkehrte, rief er die Sklaven, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich, um herauszufinden, was sie erwirtschaftet hatten. Der erste trat vor und sagte: ‚Herr, deine Mine hat zehn Minen eingebracht.‘ Der Herr lobte ihn: ‚Gut gemacht, du guter Sklave! Du hast dich in einer sehr kleinen Sache als treu erwiesen, deshalb sollst du Herr über zehn Städte sein.‘ Dann kam der zweite und berichtete: ‚Herr, deine Mine hat fünf Minen eingebracht.‘ Auch ihm sicherte er zu: ‚Du sollst Herr über fünf Städte sein‘ “ (Lukas 19:15-19).
Wenn die Jünger wie die Sklaven all ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um mehr Menschen zu Nachfolgern Jesu zu machen, können sie sicher sein, dass Jesus sich über sie freut. Und sie können darauf vertrauen, dass er ihren Fleiß belohnen wird. Natürlich haben nicht alle Jünger Jesu die gleichen Lebensumstände noch die gleichen Möglichkeiten oder Fähigkeiten. Trotzdem wird Jesus, wenn er „Königsmacht“ erhält, ihren treuen Einsatz beim Jüngermachen würdigen und segnen (Matthäus 28:19, 20).
Am Ende zeigt Jesus aber ein Negativbeispiel auf: „Dann kam ein anderer [Sklave] und sagte: ‚Herr, hier ist deine Mine. Ich habe sie in einem Tuch versteckt gehalten. Denn ich hatte Angst vor dir, weil du so ein strenger Mensch bist. Du nimmst dir, was du nicht hinterlegt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.‘ Der Herr erwiderte: ‚Du böser Sklave, ich verurteile dich aufgrund deiner eigenen Worte! Du wusstest also, dass ich ein strenger Mensch bin und nehme, was ich nicht hinterlegt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du mein Geld dann nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es, als ich kam, mit Zinsen abgehoben.‘ Darauf sagte er zu denen, die dabeistanden: ‚Nehmt ihm die Mine weg, und gebt sie dem, der die zehn Minen hat‘ “ (Lukas 19:20-24).
Da dieser Sklave nichts tat, um das Vermögen des Königreiches seines Herrn zu vermehren, verlor er alles. Die Apostel, die darauf warten, dass Jesus als König von Gottes Königreich zu regieren beginnt, können an seiner Aussage über den letzten Sklaven erkennen, dass sie fleißig sein müssen. Sonst erhalten sie keinen Platz im Königreich.
Bestimmt sind Jesu Worte für seine treuen Jünger eine Motivation, sich noch fleißiger einzusetzen. Abschließend sagt er: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden.“ Doch diejenigen, die ihn „nicht als König haben wollten“, werden vernichtet werden. Dann geht Jesus weiter nach Jerusalem hinauf (Lukas 19:26-28).
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