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Was wirklich glücklich machtJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 75
Was wirklich glücklich macht
JESUS TREIBT DIE DÄMONEN DURCH „DEN FINGER GOTTES“ AUS
JESUS ERKLÄRT, WAS WIRKLICH GLÜCKLICH MACHT
Jesus hat gerade wiederholt, wie man beten sollte. Das Gebet ist allerdings nicht das einzige Thema, das während seines Dienstes immer wieder zur Sprache kommt. In Galiläa wurde er zu Unrecht beschuldigt, seine Wunder durch den Herrscher der Dämonen zu wirken. Und hier in Judäa wird er wieder mit dieser Anschuldigung konfrontiert.
Das geschieht, als Jesus aus einem Mann einen Dämon austreibt, der Stummheit verursacht. Die Leute staunen zwar sehr darüber, doch seine Kritiker beschuldigen ihn: „Der kann die Dämonen doch nur durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen, austreiben“ (Lukas 11:15). Andere verlangen von ihm ein Zeichen vom Himmel, um zu sehen, wer er wirklich ist.
Jesus merkt, dass sie ihn auf die Probe stellen wollen, und antwortet ihnen so wie schon anderen Kritikern in Galiläa. Er argumentiert, dass jedes Reich, das in sich gespalten ist, untergeht, und folgert: „So ist es auch mit Satan. Wenn er in sich selbst gespalten ist, wie soll sein Reich bestehen?“ Dann sagt er offen: „Wenn ich die Dämonen aber durch den Finger Gottes austreibe, dann ist Gottes Königreich schon gekommen, ohne dass ihr es gemerkt habt“ (Lukas 11:18-20).
Das Stichwort „Finger Gottes“ sollte seine Gesprächspartner eigentlich an die Geschichte Israels erinnern. Als Moses ein Wunder wirkte, riefen die Umstehenden nämlich: „Das ist der Finger Gottes!“ Und der „Finger Gottes“ war es, der die Zehn Gebote auf die zwei Steintafeln schrieb (2. Mose 8:19; 31:18). Ebenso ist es auch der „Finger Gottes“ — Gottes heiliger Geist oder wirksame Kraft — der Jesus dazu befähigt, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Gottes Königreich ist also tatsächlich gekommen, ohne dass diese Gegner es gemerkt haben, denn Jesus, der designierte König des Königreiches, vollbringt mitten unter ihnen große Taten.
Jesu Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, beweist auch, dass er Macht über den Teufel hat — ähnlich wie ein starker Mann, der einen gut bewaffneten Palastwächter überwältigt. Dann wiederholt Jesus das Gleichnis von dem Mann, aus dem ein böser Geist auszieht. Wenn der Mann die Leere nicht mit guten Dingen füllt, kommt der Geist mit sieben anderen zurück und der Mann ist letztlich schlimmer dran als vorher (Matthäus 12:22, 25-29, 43-45). So wird es auch mit der Nation Israel sein.
Da ruft eine Zuhörerin: „Glücklich ist der Mutterleib, der dich getragen hat, und glücklich sind die Brüste, die dich gestillt haben!“ Doch Jesus weist sie darauf hin, was wirklich glücklich macht: „Nein, sondern glücklich ist, wer Gottes Wort hört und danach lebt!“ (Lukas 11:27, 28). Viele Jüdinnen hoffen, einen Propheten oder sogar den Messias zur Welt zu bringen. Daher denkt die Frau wahrscheinlich, Maria könne sich als die Mutter eines solchen Lehrers besonders glücklich schätzen. Jesus hat jedoch nie davon gesprochen, dass Maria besonders geehrt werden sollte. Verwandtschaftliche Beziehungen oder besondere Leistungen führen nicht zu wahrem Glück. Ob Mann oder Frau, wirklich glücklich ist, wer Gott treu dient.
Wie schon in Galiläa kritisiert Jesus nun alle, die ein Zeichen vom Himmel verlangen. Er sagt, sie werden keins bekommen, außer das „Zeichen des Propheten Jona“. Jona diente in zweierlei Hinsicht als Zeichen: Erstens war er drei Tage im Bauch des Fisches, und zweitens predigte er mutig, woraufhin die Niniviten bereuten. Jesus sagt: „Aber seht! Hier ist jemand, der bedeutender ist als Jona“ (Lukas 11:29-32). Jesus ist auch bedeutender als Salomo, zu dem die Königin von Scheba eigens kam, um zu hören, wie weise er ist.
Dann sagt Jesus: „Nachdem man eine Lampe angezündet hat, versteckt man sie nicht und stellt sie auch nicht unter ein Messgefäß, sondern auf den Lampenständer“ (Lukas 11:33). Womöglich deutet er an, er könne genauso gut eine Lampe verstecken, wenn er diese Leute belehrt und ihnen seine Wunder zeigt. Ihre Augen sind nicht fokussiert und daher begreifen sie nicht, was der Zweck seiner Wunder ist (Lukas 11:34).
Jesus hat gerade einen Dämon ausgetrieben und einen Stummen zum Sprechen gebracht. Das sollte die Leute dazu bringen, Gott zu verherrlichen und anderen zu berichten, wozu Jehova in der Lage ist. Daher hat Jesus folgende Warnung an seine Gegner: „Achte . . . darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist. Wenn also dein ganzer Körper voller Licht ist und nichts davon finster, dann wird er so hell sein, als würde dir eine Lampe durch ihre Strahlen Licht spenden“ (Lukas 11:35, 36).
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Zu Gast bei einem PharisäerJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 76
Zu Gast bei einem Pharisäer
JESUS VERURTEILT DIE HEUCHLERISCHEN PHARISÄER
Während sich Jesus in Judäa aufhält, wird er von einem Pharisäer zum Essen eingeladen, wahrscheinlich zum Mittagessen (Lukas 11:37, 38). Die Pharisäer reinigen sich vor dem Essen rituell, indem sie sich die Hände und Unterarme bis zum Ellbogen waschen. Doch Jesus macht das nicht (Matthäus 15:1, 2). Es verstößt zwar nicht gegen Gottes Gesetz, sich bis zum Ellbogen zu waschen, aber Gott verlangt es auch nicht.
Der Pharisäer ist überrascht, dass Jesus sich nicht an diese Tradition hält. Jesus bemerkt das und sagt: „Ihr Pharisäer, ihr macht den Becher und die Schüssel außen sauber, aber innen seid ihr voll von Gier und Schlechtigkeit. Ihr Unvernünftigen! Hat nicht der, der das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht?“ (Lukas 11:39, 40).
Sich vor dem Essen nicht die Hände zu waschen ist nicht weiter schlimm — religiöse Heuchelei hingegen schon. Die Pharisäer und andere reinigen zwar rituell ihre Hände, versäumen es aber, ihr Herz von Schlechtigkeit zu reinigen. Daher rät Jesus ihnen: „Gebt den Armen, was aus dem Inneren kommt, und ihr werdet sehen: Alles an euch wird rein sein“ (Lukas 11:41). Wie wahr! Geben sollte einem Herzen voller Liebe entspringen und nicht dem Wunsch, andere durch einen Anschein von Gerechtigkeit zu beeindrucken.
Es ist jedoch nicht so, dass diese Männer nichts geben würden. Jesus bemerkt: „Ihr gebt ein Zehntel von der Minze und der Raute und von jedem anderen Gartenkraut, aber die Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott vernachlässigt ihr! Das eine war zwar eure Pflicht, aber das andere hättet ihr nicht vernachlässigen dürfen“ (Lukas 11:42). Gottes Gesetz fordert, dass man von allen Feldfrüchten den Zehnten zahlt (5. Mose 14:22). Das schließt auch Küchenkräuter wie die Minze oder die Raute ein. Die Pharisäer achten sehr genau darauf, auch davon ein Zehntel zu geben. Aber was ist mit den wichtigeren Dingen, die das Gesetz fordert, wie Gerechtigkeit und Bescheidenheit? (Micha 6:8).
Jesus sagt weiter: „Wehe euch, ihr Pharisäer! Denn ihr liebt es, in den Synagogen die vorderen Sitze zu bekommen und auf den Marktplätzen besonders gegrüßt zu werden. Wehe euch, denn ihr seid wie die Gräber, die nicht klar zu erkennen sind und über die man unwissentlich hinwegläuft!“ (Lukas 11:43, 44). Wer versehentlich über so ein Grab geht, wird rituell unrein. So unterstreicht Jesus, dass die Unreinheit der Pharisäer nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist (Matthäus 23:27).
Da beschwert sich ein Gesetzesexperte: „Lehrer, damit beleidigst du auch uns.“ Doch auch diese Männer müssen erkennen, dass sie den Menschen keine Hilfe sind. Jesus antwortet ihm: „Wehe auch euch, ihr Gesetzesexperten, weil ihr den Menschen Lasten aufladet, die sie kaum tragen können, doch ihr selbst rührt die Lasten mit keinem Finger an! Wehe euch, denn ihr baut Gräber für die Propheten, dabei haben eure Vorfahren sie getötet!“ (Lukas 11:45-47).
Mit den Lasten meint Jesus die mündlichen Überlieferungen sowie die Gesetzesauslegung der Pharisäer. Da die Gesetzesexperten darauf bestehen, dass sich alle daran halten, machen sie den Menschen das Leben schwer. Ihre Vorfahren haben — angefangen bei Abel — Gottes Propheten getötet. Und jetzt ahmen sie, die für die Propheten Gräber bauen und vorgeben sie zu ehren, die Einstellung und Taten ihrer Vorfahren nach. Sie sind sogar darauf aus, Gottes bedeutendsten Propheten zu töten. Doch wie Jesus sagt, wird Gott mit dieser Generation abrechnen, was sich 38 Jahre später, im Jahr 70, erfüllt.
Jesus fährt fort: „Wehe euch, ihr Gesetzesexperten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Selbst seid ihr nicht hineingegangen, hindert aber auch alle, die hineinwollen“ (Lukas 11:52). Diese Männer sollten den Menschen eigentlich die Bedeutung von Gottes Wort eröffnen. Doch stattdessen verschließen sie ihnen die Möglichkeit, Gottes Wort kennenzulernen und zu verstehen.
Was bewirken Jesu Worte bei den Pharisäern? Als er das Haus verlässt, setzen sie ihm heftig zu und bestürmen ihn mit Fragen — aber nicht weil sie von ihm lernen wollen. Sie wollen ihn dazu bringen, etwas zu sagen, wofür sie ihn festnehmen lassen können.
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Warum Reichtum eine Gefahr sein kannJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 77
Warum Reichtum eine Gefahr sein kann
DIE GESCHICHTE VOM REICHEN MANN
JESUS SPRICHT ÜBER RABEN UND LILIEN
EINE „KLEINE HERDE“ WIRD INS KÖNIGREICH KOMMEN
Während Jesus bei dem Pharisäer zum Essen war, haben sich vor dem Haus viele Leute versammelt. Ähnliches hat er auch schon in Galiläa erlebt (Markus 1:33; 2:2; 3:9). Und auch hier in Judäa wollen viele ihn sehen und hören. Sie sind so ganz anders als die Pharisäer, mit denen er gerade gegessen hat.
Was Jesus zuerst sagt, ist für seine Jünger von besonderer Bedeutung: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer in Acht, also vor ihrer Heuchelei.“ Es ist nicht das erste Mal, dass er davor warnt. Aber was er gerade bei dem Pharisäer erlebt hat, bestätigt, wie dringend dieser Rat ist (Lukas 12:1; Markus 8:15). Die Pharisäer mögen zwar versuchen, ihre Bosheit hinter einer Fassade der Frömmigkeit zu verstecken. Doch sie stellen eine Gefahr dar, die unbedingt aufgedeckt werden muss. Jesus erklärt: „Es ist . . . nichts sorgfältig verborgen, was nicht offenbart werden wird, und nichts geheim, was nicht bekannt werden wird“ (Lukas 12:2).
Viele, die Jesus umringen, sind vermutlich Judäer, die nicht dabei waren, als er in Galiläa gelehrt hat. Deshalb wiederholt er nun einige der wichtigsten Lehren. Er fordert seine Zuhörer auf: „Habt keine Angst vor denen, die zwar den Körper töten, aber danach nichts weiter anrichten können“ (Lukas 12:4). Dann betont er wie schon früher, dass seine Nachfolger darauf vertrauen müssen, dass Gott für sie sorgt. Außerdem müssen sie sich zum Menschensohn bekennen und begreifen, dass Gott in der Lage ist, ihnen zu helfen (Matthäus 10:19, 20, 26-33; 12:31, 32).
Ein Mann aus der Menge hat etwas auf dem Herzen. Er bittet Jesus: „Lehrer, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen“ (Lukas 12:13). Eigentlich dürfte das kein Streitpunkt sein, denn im Gesetz ist klar festgelegt, dass der Erstgeborene zwei Teile vom Erbe erhält (5. Mose 21:17). Doch anscheinend will der Mann mehr, als ihm zusteht. Jesus lehnt es jedoch klugerweise ab, sich einzumischen. „Mensch, wer hat mich zum Schlichter zwischen euch beiden eingesetzt?“, fragt er (Lukas 12:14).
Dann ermahnt er alle: „Haltet die Augen offen und hütet euch vor jeder Art von Gier, denn wenn jemand auch noch so viel hat, sein Besitz gibt ihm kein Leben“ (Lukas 12:15). Unabhängig davon, wie viel jemand besitzt — irgendwann muss er sterben und alles zurücklassen. Jesus unterstreicht diesen Punkt durch eine einprägsame Geschichte, die außerdem betont, wie wichtig ein guter Ruf bei Gott ist.
„Das Land eines Reichen lieferte gute Erträge. Da überlegte er: ‚Ich weiß nicht, wo ich meine ganze Ernte unterbringen soll. Was mach ich jetzt nur?‘ Schließlich beschloss er: ‚So mach ich’s: Ich reiße meine Vorratshäuser ab, baue größere, bringe mein ganzes Getreide und alle meine Güter dorthin und sage mir: „Du hast so viel Gutes angesammelt, dass es für viele Jahre reicht. Lehn dich zurück, iss, trink und genieß das Leben.“ ‘ Doch Gott sagte zu ihm: ‚Du Unvernünftiger, noch heute Nacht wird man dein Leben von dir fordern. Wer soll dann alles bekommen, was du angesammelt hast?‘ So ergeht es jemandem, der Schätze für sich ansammelt, aber in Gottes Augen nicht reich ist“ (Lukas 12:16-21).
Sowohl Jesu Jünger als auch seine anderen Zuhörer könnten in die Falle tappen, reich werden zu wollen oder noch mehr anzuhäufen. Auch die Alltagssorgen könnten sie davon abbringen, Jehova zu dienen. Daher wiederholt Jesus einige wertvolle Punkte aus der Bergpredigt, die er etwa eineinhalb Jahre zuvor gehalten hat.
„Hört auf, euch über euer Leben Sorgen zu machen, also was ihr essen sollt, oder über euren Körper, also was ihr anziehen sollt. . . . Denkt nur einmal an die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht und haben weder Scheune noch Vorratshaus. Trotzdem ernährt Gott sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als Vögel? . . . Achtet einmal darauf, wie die Lilien wachsen: Sie mühen sich nicht ab und spinnen kein Garn. Aber ich sage euch: Nicht mal Salomo in all seiner Pracht war so schön gekleidet wie eine von ihnen. . . . Hört also auf, euch Sorgen darüber zu machen, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und hört auf, vor Ungewissheit angespannt zu sein. . . . euer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Macht stattdessen immer sein Königreich zum Wichtigsten in eurem Leben und er wird euch all das geben“ (Lukas 12:22-31; Matthäus 6:25-33).
Wie Jesus verrät, wird eine relativ kleine Anzahl treuer Menschen, eine „kleine Herde“, das Königreich zum Wichtigsten in ihrem Leben machen. Später wird zusätzlich bekannt werden, dass es sich dabei um 144 000 handelt. Was erwartet sie? Jesus sichert ihnen zu: „Euer Vater hat es für gut befunden, euch das Königreich zu geben.“ Sie werden sich nicht darauf konzentrieren, auf der Erde Schätze anzuhäufen, wo Diebe sie stehlen können. Stattdessen werden sie ihr Herz auf „einen unerschöpflichen Schatz im Himmel“ richten — dort, wo sie mit Christus regieren werden (Lukas 12:32-34).
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Sei bereit, treuer Verwalter!Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 78
Sei bereit, treuer Verwalter!
DER TREUE VERWALTER MUSS SICH BEREITHALTEN
JESUS KOMMT, UM ZU ENTZWEIEN
Jesus hat erklärt, dass nur eine „kleine Herde“ einen Platz im Königreich des Himmels bekommen wird (Lukas 12:32). Doch diese großartige Belohnung zu erhalten ist nicht selbstverständlich. Jesus zeigt nämlich, wie wichtig die richtige Einstellung ist, wenn man dem Königreich angehören möchte.
Jesus ermahnt seine Jünger, sich für seine Rückkehr bereitzuhalten. Er sagt: „Seid fertig angezogen und bereit, und lasst eure Lampen brennen. Seid wie Menschen, die darauf warten, dass ihr Herr von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm, wenn er kommt und anklopft, sofort öffnen können. Glücklich sind jene Sklaven, die der Herr wachend vorfindet, wenn er kommt!“ (Lukas 12:35-37).
Die Jünger können sich gut vorstellen, welche Einstellung die Sklaven brauchen: Sie müssen stets bereit sein und die Rückkehr ihres Herrn erwarten. Jesus erklärt: „Und wenn . . . [der Herr] in der zweiten Wache [von circa 21 Uhr bis Mitternacht] kommt oder sogar in der dritten [von Mitternacht bis circa 3 Uhr morgens] und sieht, dass sie bereit sind, wie glücklich können sie sich dann schätzen!“ (Lukas 12:38).
Hier geht es um mehr als nur um gewissenhafte Diener oder Arbeiter. Das wird daran deutlich, wie sich Jesus, der Menschensohn, nun selbst ins Spiel bringt. Er fordert seine Jünger auf: „Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, den ihr nicht für wahrscheinlich haltet“ (Lukas 12:40). Jesus wird also zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft kommen. Dann sollen seine Nachfolger — besonders die, die zur „kleinen Herde“ gehören — bereit sein.
Petrus möchte das noch besser verstehen und fragt: „Herr, bringst du diesen Vergleich nur für uns oder für alle?“ Jesus antwortet mit einem weiteren Vergleich, der mit dem ersten zusammenhängt: „Wer ist in Wirklichkeit der treue Verwalter, der verständige, dem sein Herr die Verantwortung für seine Dienerschaft übertragen wird, damit er ihnen immer zur richtigen Zeit ihr Maß an Nahrung gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr kommt und sieht, dass er genau das tut! Ich sage euch die Wahrheit: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen“ (Lukas 12:41-44).
In dem ersten Vergleich bezieht sich „der Herr“ auf Jesus, den Menschensohn. Der „treue Verwalter“ muss also aus Männern bestehen, die ein Teil der „kleinen Herde“ sind, der das Königreich gegeben wird (Lukas 12:32). Wie Jesus zeigt, wird dieser Verwalter der „Dienerschaft“ „immer zur richtigen Zeit ihr Maß an Nahrung“ geben. Da Petrus und die anderen Jünger gerade von Jesus selbst belehrt und geistig ernährt werden, können sie daraus schließen, dass der Menschensohn innerhalb eines Zeitabschnitts in der Zukunft kommen wird. Während dieses Zeitabschnitts wird es eine Einrichtung geben, die Jesu Nachfolger — die „Dienerschaft“ des Herrn — geistig ernährt.
Dann sagt Jesus: „Falls sich aber jener Sklave jemals sagen sollte: ‚Mein Herr verspätet sich‘, und anfängt, die Diener und Dienerinnen zu schlagen, und anfängt, zu essen und zu trinken, ja sich zu betrinken, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, und zu einem Zeitpunkt, den er nicht kennt, und ihn äußerst hart bestrafen und ihm seinen Platz unter den Untreuen zuweisen“ (Lukas 12:45, 46). So unterstreicht Jesus, warum seine Jünger wachsam sein und auf ihre Einstellung achten müssen. Sie könnten nämlich nachlässig werden und sich letztlich sogar gegen ihre Brüder und Schwestern stellen.
Anschließend erklärt Jesus, er sei „gekommen, um ein Feuer auf der Erde zu entfachen“. Das tut er durch Fragen, die hitzige Debatten auslösen und dazu führen, dass falsche Lehren und Traditionen wie von einem Feuer verzehrt werden. Dadurch werden sogar Menschen gegeneinander aufgebracht, die eigentlich zusammengehören — „Vater gegen Sohn und Sohn gegen Vater, Mutter gegen Tochter und Tochter gegen Mutter, Schwiegermutter gegen Schwiegertochter und Schwiegertochter gegen Schwiegermutter“ (Lukas 12:49, 53).
All diese Aussagen hat Jesus vor allem an seine Jünger gerichtet. Jetzt wendet er sich wieder der Menschenmenge zu. Die meisten von ihnen weigern sich hartnäckig, die Beweise anzuerkennen, dass er der Messias ist. Darum sagt er zu ihnen: „Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: ‚Ein Unwetter zieht auf‘, und so kommt es. Und wenn ihr seht, dass Südwind weht, sagt ihr: ‚Es gibt eine Hitzewelle‘, und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen von Erde und Himmel wisst ihr einzuschätzen — warum könnt ihr dann diese besondere Zeit nicht einschätzen?“ (Lukas 12:54-56). Es liegt auf der Hand: Sie sind für den Messias nicht bereit.
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Warum die Vernichtung bevorstehtJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 79
Warum die Vernichtung bevorsteht
JESUS LEITET AUS ZWEI TRAGISCHEN EREIGNISSEN EINE WARNUNG AB
EINE BEHINDERTE FRAU WIRD AM SABBAT GEHEILT
Jesus hat alles Mögliche versucht, um die Menschen dazu zu bringen, ihr Verhältnis zu Gott zu überdenken. Im Anschluss an sein Gespräch vor dem Haus des Pharisäers ergibt sich dazu eine weitere Gelegenheit.
Einige Anwesende erwähnen ein tragisches Ereignis. Sie erzählen „von Galiläern, deren Blut [der römische Statthalter Pontius] Pilatus mit ihren Opfern vermischt“ hat (Lukas 13:1). Wovon reden sie?
Diese Galiläer wurden möglicherweise getötet, als Tausende Juden gegen Pilatus protestierten. Er hatte Gelder aus dem Tempelschatz dazu verwendet, ein Aquädukt nach Jerusalem zu bauen. Womöglich hatte er mit den Tempelvorstehern zusammengearbeitet, um an diese Gelder zu kommen. Diejenigen, die Jesus davon berichten, denken nun wahrscheinlich, dass die Galiläer dieses Unglück erleiden mussten, weil sie etwas Schlimmes getan hatten. Jesus stellt das jedoch richtig.
Er fragt: „Denkt ihr, diesen Galiläern ist es so ergangen, weil sie schlimmere Sünder waren als alle anderen Galiläer? Nein, sage ich euch!“ Doch er gebraucht diesen Zwischenfall für eine Warnung an die Juden: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13:2, 3). Dann nimmt er auf ein anderes tragisches Ereignis Bezug, das eventuell ebenfalls mit dem Bau des Aquädukts zu tun hat. Er sagt:
„Oder die 18, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete — denkt ihr, sie hatten größere Schuld als alle anderen Einwohner Jerusalems?“ (Lukas 13:4). Die Leute denken vielleicht, diese 18 seien gestorben, weil sie schlechte Menschen waren. Wieder stellt Jesus die Sache richtig. Er weiß, dass „Zeit und unerwartete Ereignisse“ einfach geschehen können und wohl auch die Ursache für diese Tragödie sind (Prediger 9:11). Auch daraus leitet Jesus die Warnung ab: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen“ (Lukas 13:5). Doch warum betont er gerade jetzt, wie wichtig Reue ist?
Das hat damit zu tun, in welcher Phase seines Dienstes sich Jesus gerade befindet. Er bringt dazu einen Vergleich: „Ein Mann hatte einen Feigenbaum in seinen Weingarten gepflanzt und kam, um nachzusehen, ob er Früchte trug, fand aber keine. Da sagte er zum Winzer: ‚Ich komme nun schon seit drei Jahren zu diesem Feigenbaum und warte auf Früchte, habe aber keine gefunden. Hau ihn um! Warum sollte der Boden durch ihn ungenutzt bleiben?‘ Der Winzer erwiderte: ‚Herr, lass ihn noch ein Jahr stehen. So kann ich um ihn herum graben und ihn düngen. Wenn er in Zukunft Früchte trägt, gut, wenn aber nicht, dann hau ihn um‘ “ (Lukas 13:6-9).
Mehr als drei Jahre lang hat Jesus sich bemüht, den Glauben der Juden zu fördern. Doch nur relativ wenige sind seine Jünger geworden und damit die Früchte seiner Arbeit. Jetzt, im vierten Jahr seines Dienstes, strengt er sich noch mehr an. Er lockert und düngt sozusagen die Erde um den jüdischen Feigenbaum, indem er in Judäa und Peräa predigt und lehrt. Mit welchem Ergebnis? Nur einige wenige Juden reagieren positiv. Das Volk als Ganzes lehnt es ab zu bereuen. Ihm steht nun die Vernichtung bevor.
Die mangelnde Resonanz zeigt sich erneut, als Jesus kurz darauf an einem Sabbat in einer Synagoge lehrt. Dort sieht er eine Frau, die seit 18 Jahren verkrümmt ist, weil sie von einem Dämon geplagt wird. Voller Mitgefühl sagt Jesus zu ihr: „Frau, du bist von deiner Krankheit befreit“ (Lukas 13:12). Er legt ihr die Hände auf und sofort richtet sie sich auf und beginnt Gott zu verherrlichen.
Da sagt der Synagogenvorsteher verärgert: „Es gibt sechs Tage zum Arbeiten. Also kommt an diesen Tagen, um euch heilen zu lassen, und nicht am Sabbat“ (Lukas 13:14). Er bestreitet zwar nicht, dass Jesus die Macht hat zu heilen. Doch er verurteilt die Menschen, weil sie ausgerechnet am Sabbat kommen, um sich heilen zu lassen. Jesus entgegnet mit zwingender Logik: „Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Stier oder seinen Esel los und führt ihn vom Stall zur Tränke? Sollte da nicht diese Frau, die eine Tochter Abrahams ist und die Satan 18 Jahre gefangen hielt, am Sabbat von diesen Fesseln befreit werden?“ (Lukas 13:15, 16).
Da schämen sich seine Gegner, aber die Menschenmenge freut sich über all das Wunderbare, was Jesus tut. Anschließend wiederholt Jesus hier in Judäa zwei prophetische Gleichnisse, die er bereits auf dem See von Galiläa von einem Boot aus erzählt hat (Matthäus 13:31-33; Lukas 13:18-21).
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Der gute Hirte und die SchafhürdenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 80
Der gute Hirte und die Schafhürden
JESUS SPRICHT ÜBER DEN GUTEN HIRTEN UND DIE SCHAFHÜRDEN
Während Jesus in Judäa lehrt, spricht er in einer Veranschaulichung über Schafe und Schafhürden — etwas, was seine Zuhörer gut kennen. Dadurch werden die Juden womöglich an die Worte Davids erinnert, der sagte: „Jehova ist mein Hirte. Mir wird nichts fehlen. Auf saftigen Weiden lässt er mich lagern“ (Psalm 23:1, 2). In einem anderen Psalm lud David die Nation ein: „Lasst uns vor Jehova knien, der uns gemacht hat. Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide“ (Psalm 95:6, 7). Ja, die Israeliten unter dem Gesetz wurden schon vor Langem mit einer Schafherde verglichen.
Diese „Schafe“ sind in einer „Hürde“, weil sie von Geburt an unter dem mosaischen Gesetz stehen. Das Gesetz war wie eine Barriere, die sie vor den verderblichen Praktiken der Menschen schützte, die nicht unter dem Gesetz standen. Allerdings fügten einige Israeliten Gottes Herde Schaden zu. Jesus bemerkt: „Wer nicht durch die Tür in die Schafhürde geht, sondern anderswo hineinklettert, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer dagegen durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe“ (Johannes 10:1, 2).
Das erinnert seine Zuhörer möglicherweise an Männer, die behauptet haben, sie seien der Messias oder Christus. Sie sind wie Diebe und Räuber, und das Volk sollte nicht auf diese Betrüger hören. Stattdessen sollten sie dem „Hirten der Schafe“ folgen, über den Jesus sagt:
„Ihm öffnet der Türwächter und die Schafe hören auf seine Stimme. Er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgeführt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden werden sie auf keinen Fall folgen, sondern sie werden vor ihm weglaufen, weil sie die Stimme von Fremden nicht kennen“ (Johannes 10:3-5).
Als „Türwächter“ hat Johannes der Täufer Jesus als denjenigen kenntlich gemacht, dem die „Schafe“, die unter dem Gesetz stehen, folgen sollten. Und tatsächlich haben einige in Galiläa und hier in Judäa Jesu Stimme erkannt. Aber andere, die seinen Vergleich hören, verstehen nicht, was er damit sagen will. Deshalb fragen sie sich womöglich, wohin er sie führt und was diejenigen erwartet, die ihm folgen (Johannes 10:6).
Jesus erklärt: „Eins steht fest: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die anstelle von mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Jeder, der durch mich hineingeht, wird gerettet werden, und er wird hinein- und hinausgehen und Weiden finden“ (Johannes 10:7-9).
Jesus führt ganz offensichtlich etwas Neues ein. Seine Zuhörer können sich denken, dass er nicht die Tür zum Gesetzesbund sein kann, der schon seit Jahrhunderten besteht. Er muss die Schafe, die er hinausführt, also in eine andere Hürde bringen. Mit welchem Ergebnis?
Jesus beschreibt seine Rolle noch genauer und erklärt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben — Leben in seiner ganzen Fülle. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10:10, 11). Zuvor hat Jesus seinen Jüngern mit den Worten Mut gemacht: „Hab keine Angst, kleine Herde, denn euer Vater hat es für gut befunden, euch das Königreich zu geben“ (Lukas 12:32). Tatsächlich wird Jesus diejenigen, die zur „kleinen Herde“ gehören, in eine neue Hürde führen, „damit sie Leben haben — Leben in seiner ganzen Fülle“. Was für ein Geschenk es doch ist, zu dieser Herde zu gehören!
Jesus schließt das Thema hier jedoch nicht ab, sondern fügt hinzu: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind. Auch sie muss ich herbringen und sie werden auf meine Stimme hören und sie alle werden zu einer einzigen Herde unter einem einzigen Hirten“ (Johannes 10:16). Diese „anderen Schafe“ gehören nicht zu der Hürde der „kleinen Herde“, die das Königreich erben wird. Doch auch wenn die Schafe aus beiden Hürden unterschiedliche Zukunftsaussichten haben, kommt Jesu Rolle dennoch beiden Gruppen zugute. Er sagt: „Deshalb liebt mich der Vater: weil ich mein Leben gebe“ (Johannes 10:17).
Viele aus der Menge erwidern daraufhin: „Er hat einen Dämon und ist verrückt. Warum hört ihr ihm zu?“ Aber andere lassen erkennen, dass sie sich für Jesu Worte interessieren und ihm als guten Hirten gern folgen möchten. Sie geben zu bedenken: „So redet doch kein Besessener. Kann ein Dämon etwa Blinden die Augen öffnen?“ (Johannes 10:20, 21). Sie denken dabei wahrscheinlich daran, dass Jesus vor einiger Zeit einen blind geborenen Mann geheilt hat.
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Eins mit dem Vater — was das bedeutetJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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KAPITEL 81
Eins mit dem Vater — was das bedeutet
„ICH UND DER VATER SIND EINS“
JESUS WIDERLEGT DEN VORWURF, ER MACHE SICH SELBST ZU EINEM GOTT
Jesus ist zum Fest der Einweihung (Chanukka) nach Jerusalem gekommen. Es erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels. Vor weit über 100 Jahren hatte der syrische König Antiochos IV. Epiphanes auf dem großen Altar in Gottes Tempel einen heidnischen Altar gebaut. Als die Söhne eines jüdischen Priesters Jerusalem später zurückeroberten, weihten sie den Tempel wieder Jehova. Seitdem wird das Fest jedes Jahr ab dem 25. Kislew gefeiert. Dieser Monat fällt in die Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember.
Es ist kalt in dieser Jahreszeit. Jesus geht im Tempel in der Säulenhalle Salomos umher, als ihn einige Juden umringen und fragen: „Wie lange lässt du uns noch im Ungewissen? Wenn du der Christus bist, dann sag es uns klar und deutlich“ (Johannes 10:22-24). „Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt mir nicht“, erwidert er. Anders als der Samariterin am Brunnen hat er ihnen zwar nicht direkt gesagt, dass er der Christus ist, doch er hat ihnen durchaus seine Identität verraten, als er sagte: „Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen“ (Johannes 4:25, 26; 8:58).
Jesus möchte, dass die Menschen seine Taten mit den Prophezeiungen über den Christus vergleichen und so selbst zu dem Schluss kommen, dass er der Christus ist. Deshalb hat er seine Jünger immer wieder angewiesen, niemandem zu sagen, wer er ist. Doch jetzt sagt er den feindseligen Juden geradeheraus: „Die Taten, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, sind mein Zeuge. Aber ihr glaubt mir nicht“ (Johannes 10:25, 26).
Warum glauben sie nicht, dass Jesus der Christus ist? „Ihr glaubt mir nicht, weil ihr nicht meine Schafe seid“, erklärt er. „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden auf keinen Fall jemals vernichtet werden und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Was mein Vater mir gegeben hat, ist größer als alles andere.“ Dann beschreibt er, wie nahe er seinem Vater steht: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:26-30). Das heißt nicht, er und sein Vater seien buchstäblich eine Person. Jesus ist ja auf der Erde und sein Vater im Himmel. Es bedeutet vielmehr, dass sie sich in allem einig sind und auf dasselbe Ziel hinarbeiten.
Die Juden ärgern sich so sehr über Jesu Worte, dass sie Steine aufheben, um ihn zu töten. Doch das jagt ihm keine Angst ein. „Ich habe euch vonseiten des Vaters viele gute Taten sehen lassen. Für welche dieser Taten steinigt ihr mich?“ „Wir steinigen dich nicht für eine gute Tat, sondern wegen Gotteslästerung, denn obwohl du ein Mensch bist, machst du dich selbst zu einem Gott“ (Johannes 10:31-33). Jesus hat aber nie behauptet, ein Gott zu sein. Warum also dieser Vorwurf?
Nun, Jesus hat erklärt, dass er über Fähigkeiten verfügt, die die Juden nur Gott zuschreiben. Zum Beispiel hat er gesagt, er würde seinen „Schafen“ ewiges Leben geben — etwas, wozu kein Mensch fähig ist (Johannes 10:28). Allerdings hat Jesus zugegeben, dass er die Macht dazu von seinem Vater bekommt. Diese Tatsache ignorieren die Juden.
Um ihre Anklage zu widerlegen, fragt Jesus sie: „Steht nicht in eurem Gesetz [in Psalm 82:6]: ‚Ich habe gesagt: „Ihr seid Götter“ ‘? Wenn er diejenigen ‚Götter‘ nannte, gegen die sich Gottes Wort richtete . . ., wie könnt ihr da zu mir, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: ‚Du bist ein Gotteslästerer‘, weil ich gesagt habe: ‚Ich bin Gottes Sohn‘?“ (Johannes 10:34-36).
In den Schriften werden selbst ungerechte Richter als Götter bezeichnet. Die Juden dürften sich daher nicht daran stoßen, dass sich Jesus als Gottes Sohn bezeichnet. Jesus weist auf etwas hin, was sie überzeugen sollte: „Wenn ich nicht die Taten meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. Wenn ich sie aber vollbringe, dann glaubt den Taten, auch wenn ihr mir nicht glaubt. So werdet ihr erkennen und auch weiterhin wissen, dass der Vater mit mir verbunden ist und ich mit dem Vater“ (Johannes 10:37, 38).
Darauf versuchen die Juden, Jesus festzunehmen, doch er entkommt ihnen erneut. Er überquert den Jordan und geht in die Gegend, wo Johannes vor fast vier Jahren begonnen hat zu taufen — offenbar nicht weit vom Südufer des Sees von Galiläa entfernt.
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