Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Jesus sendet die Siebzig aus
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Jesus sendet die Siebzig aus

      ES IST nun Herbst 32 u. Z., und seit Jesu Taufe sind drei volle Jahre vergangen. Vor kurzem wohnte er zusammen mit seinen Jüngern dem Laubhüttenfest in Jerusalem bei, und offensichtlich halten sie sich immer noch in der Nähe der Stadt auf. Jesus verbringt den größten Teil der verbleibenden sechs Monate seines Dienstes in Judäa oder in Peräa, das auf der anderen Seite des Jordan liegt. Auch dieses Gebiet muß bearbeitet werden.

      Nach dem Passah des Jahres 30 u. Z. predigte Jesus schon einmal etwa acht Monate in Judäa. Nachdem die Juden anläßlich des Passahs im Jahre 31 u. Z. versucht hatten, ihn zu töten, lehrte er allerdings in den nächsten eineinhalb Jahren fast ausschließlich in Galiläa. In jener Zeit schuf er eine große, gut geschulte Organisation von Predigern, über die er vorher nicht verfügt hatte. Jetzt startet er einen letzten ausgedehnten Predigtfeldzug in Judäa.

      Jesus beginnt diesen Feldzug damit, daß er 70 Jünger auswählt und sie zu zweit aussendet. Insgesamt 35 Paare von Königreichsverkündigern bearbeiten also das Gebiet. Sie besuchen die Städte und Dörfer, in die Jesus, der offensichtlich von seinen Aposteln begleitet wird, anschließend zu gehen beabsichtigt.

      Er sagt nicht, daß sie sich in die Synagogen begeben sollen, sondern fordert sie statt dessen auf, in die Privathäuser zu gehen, wobei er folgende Anweisung gibt: „Wo immer ihr in ein Haus eintretet, da sagt zuerst: ‚Friede sei mit diesem Hause!‘ Und wenn dort ein Freund des Friedens ist, so wird euer Frieden auf ihm ruhen.“ Wie lautet ihre Botschaft? Jesus erklärt: „Sagt ferner zu ihnen: ‚Das Königreich Gottes hat sich euch genaht.‘ “ Über die Tätigkeit der 70 wird in Matthew Henry’s Commentary gesagt: „Wie ihr Meister predigten sie überall, wohin sie kamen, von Haus zu Haus.“

      Jesus gibt den 70 ähnliche Anweisungen wie seinerzeit den Zwölfen, als er sie etwa ein Jahr zuvor zu einem Predigtfeldzug in Galiläa aussandte. Er warnt die 70 vor dem Widerstand, mit dem sie rechnen müssen, und schult sie, wie sie den Wohnungsinhabern die Botschaft darbieten sollen, aber er gibt ihnen auch die Macht, Kranke zu heilen. Wenn Jesus kurz nach ihnen eintrifft, werden viele den Meister sehen wollen, dessen Jünger so wunderbare Dinge tun können.

      Das Predigen der 70 und Jesu Nacharbeit dauern nur relativ kurze Zeit. Bald kehren die 35 Paare von Königreichsverkündigern zu Jesus zurück. „Herr“, sagen sie voller Freude, „selbst die Dämonen werden uns durch die Benutzung deines Namens unterworfen.“ Der vorzügliche Bericht über ihren Dienst begeistert Jesus ganz bestimmt, denn er sagt daraufhin: „Ich sah den Satan wie einen Blitz bereits aus dem Himmel gefallen. Seht! Ich habe euch die Gewalt gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten.“

      Jesus weiß, daß Satan und seine Dämonen nach der Geburt des Königreiches Gottes in der Zeit des Endes aus dem Himmel hinausgeworfen werden. Daß Menschen jetzt unsichtbare Dämonen austreiben können, ist eine zusätzliche Bestätigung dieses zukünftigen Ereignisses. Daher spricht Jesus von dem künftigen Fall Satans aus dem Himmel mit absoluter Gewißheit. Es ist sinnbildlich zu verstehen, daß den 70 Gewalt gegeben wurde, auf Schlangen und Skorpione zu treten. Jesus fordert sie auf: „Freut euch nicht darüber, daß euch die Geister unterworfen werden, sondern freut euch, weil eure Namen in den Himmeln eingeschrieben sind.“

      Jesus ist überglücklich und preist seinen Vater öffentlich, daß er seine einfachen Diener auf so machtvolle Weise gebraucht. Er wendet sich seinen Jüngern zu und sagt: „Glücklich sind die Augen, die die Dinge sehen, die ihr seht. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige begehrten die Dinge zu sehen, die ihr seht, sahen sie aber nicht, und die Dinge zu hören, die ihr hört, hörten sie aber nicht.“ Lukas 10:1-24; Matthäus 10:1-42; Offenbarung 12:7-12.

  • Ein barmherziger Samariter
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Ein barmherziger Samariter

      WAHRSCHEINLICH in der Nähe des Dorfes Bethanien, etwa 3 km von Jerusalem entfernt, stellt ein Mann, der das mosaische Gesetz genau kennt, Jesus folgende Frage: „Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“

      Jesus erkennt, daß der Mann, ein Gesetzeskundiger, nicht einfach um Informationen bittet, sondern ihn vielmehr auf die Probe stellen möchte. Möglicherweise verfolgt er die Absicht, Jesus zu einer Antwort zu verleiten, die die Empfindungen der Juden verletzt. Jesus veranlaßt den Gesetzeskundigen daher, selbst Stellung zu beziehen, indem er ihn fragt: „Was steht im GESETZ geschrieben? Wie liest du?“

      Die Antwort des Mannes zeugt von außergewöhnlicher Kenntnis, denn er zitiert Gottes Gesetze gemäß 5. Mose 6:5 und 3. Mose 19:18: „ ‚Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Sinn‘ und ‚deinen Nächsten wie dich selbst‘.“

      „Du hast richtig geantwortet“, erwidert Jesus. „Tu das weiterhin, und du wirst Leben erlangen.“

      Der Gesetzeskundige ist jedoch noch nicht zufrieden. Jesu Antwort ist ihm zu allgemein gehalten. Er möchte sich von Jesus bestätigen lassen, daß seine persönlichen Ansichten richtig sind und er somit andere gerecht behandelt. Deshalb fragt er: „Wer ist in Wirklichkeit mein Nächster?“

      Die Juden glauben, der Begriff „Nächster“ sei ausschließlich auf Mitjuden anzuwenden, da dies aus dem Kontext von 3. Mose 19:18 hervorzugehen scheint. So sagte später selbst der Apostel Petrus: „Ihr wißt wohl, daß es einem Juden nicht erlaubt ist, sich einem Menschen von einer anderen Rasse anzuschließen oder sich ihm zu nähern.“ Daher glaubt der Gesetzeskundige — und vielleicht glauben es auch Jesu Jünger —, daß es ausreiche, Mitjuden freundlich zu behandeln, um gerecht zu sein, da Nichtjuden, wie man meint, nicht unter den Begriff „Nächster“ fallen.

      Wie kann Jesus diese Ansicht richtigstellen, ohne seine Zuhörer anzugreifen? Er erzählt eine Geschichte, die vielleicht sogar auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein gewisser Jude ging, wie Jesus berichtet, „von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter Räuber, die ihn auszogen und ihm auch Schläge versetzten und weggingen und ihn halb tot zurückließen“.

      „Nun traf es sich“, fährt Jesus fort, „daß ein gewisser Priester jenen Weg hinabging, doch als er ihn sah, ging er auf der entgegengesetzten Seite vorüber. Ebenso ging auch ein Levit, als er an die Stelle hinabkam und ihn sah, auf der entgegengesetzten Seite vorüber. Aber ein gewisser Samariter, der des Weges zog, kam zu ihm, und als er ihn sah, wurde er von Mitleid bewegt.“

      Viele Priester und levitische Tempeldiener wohnen in Jericho. Sie müssen auf dem 23 km langen, gefährlichen Weg einen Höhenunterschied von 900 m überwinden, wenn sie vom Tempel in Jerusalem kommen, wo sie Dienst leisten. Von Priestern und Leviten sollte man eigentlich erwarten, daß sie einem in Not geratenen Mitjuden helfen. Sie unterließen es jedoch. Statt dessen half ihm ein Samariter, und das obwohl die Juden die Samariter so sehr hassen, daß sie Jesus zum Beispiel kurz zuvor, als sie ihn mit den schlimmsten Worten beleidigten, einen „Samariter“ nannten.

      Was tat der Samariter, um dem Juden zu helfen? „Er trat an ihn heran“, sagt Jesus, „und verband ihm seine Wunden, wobei er Öl und Wein auf sie goß. Dann hob er ihn auf sein eigenes Tier und brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag zog er zwei Denare [etwa zwei Tagelöhne] heraus, gab sie dem Herbergswirt und sprach: ‚Sorge für ihn, und was immer du darüber ausgibst, will ich dir zurückzahlen, wenn ich hierher zurückkomme.‘ “

      Nachdem Jesus diese Geschichte erzählt hat, fragt er den Gesetzeskundigen: „Wer von diesen dreien hat sich, wie es dir scheint, als Nächster des Mannes erwiesen, der unter die Räuber fiel?“

      Da es dem Gesetzeskundigen peinlich ist, einem Samariter irgendwelche Verdienste zuzuerkennen, antwortet er einfach: „Derjenige, der ihm gegenüber barmherzig handelte.“

      „Geh hin, und handle selbst ebenso“, sagt Jesus abschließend.

      Hätte Jesus dem Gesetzeskundigen einfach gesagt, daß auch Nichtjuden zu seinen Nächsten zählten, wäre es von dem Mann nicht akzeptiert worden; außerdem hätte sich wahrscheinlich ein Großteil der Zuhörer, die bei der Unterhaltung mit Jesus zugegen waren, auf die Seite des Mannes gestellt. Diese Geschichte jedoch, die aus dem wahren Leben gegriffen sein könnte, zeigt unwiderlegbar, daß nicht nur Menschen der eigenen Rasse und Nationalität unsere Nächsten sind. Auf welch wunderbare Weise Jesus doch lehrte! Lukas 10:25-37; Apostelgeschichte 10:28; Johannes 4:9; 8:48.

  • Rat für Martha und Anleitung für das Beten
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Rat für Martha und Anleitung für das Beten

      JESUS kommt im Verlauf seines Dienstes in Judäa auch in das Dorf Bethanien. Dort leben Martha und Maria sowie ihr Bruder Lazarus. Wahrscheinlich ist Jesus während seines Dienstes schon bei einer früheren Gelegenheit mit den dreien zusammengetroffen, und sie sind bereits enge Freunde. Auf jeden Fall geht Jesus jetzt in Marthas Haus und wird von ihr willkommen geheißen.

      Martha ist darauf bedacht, Jesus mit dem Besten zu versorgen, was sie hat. Es ist tatsächlich eine große Ehre, den Messias bei sich zu Gast zu haben. Daher ist Martha eifrig damit beschäftigt, ein aufwendiges Essen zuzubereiten, und sie kümmert sich außerdem um vieles andere, weil sie Jesu Aufenthalt noch schöner und angenehmer gestalten möchte.

      Maria, Marthas Schwester, hat sich dagegen zu den Füßen Jesu niedergesetzt und hört ihm zu. Nach einiger Zeit kommt Martha und sagt zu Jesus: „Herr, machst du dir nichts daraus, daß meine Schwester die Bedienung mir allein überlassen hat? Sag ihr daher, daß sie mir Hilfe leiste.“

      Doch Jesus ist nicht bereit, Maria etwas zu sagen. Statt dessen gibt er Martha Rat, weil sie so übermäßig um materielle Dinge besorgt ist. „Martha, Martha“, weist er sie freundlich zurecht, „du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge. Wenige Dinge jedoch sind nötig oder nur eins.“ Jesus sagt, daß es nicht nötig ist, eine Menge Zeit darauf zu verwenden, viele Speisen für ein Mahl zuzubereiten. Es genügt, wenige Speisen oder sogar nur eine zu haben.

      Marthas Beweggründe sind nicht verkehrt; sie möchte eine gute Gastgeberin sein. Doch zufolge ihrer Sorge um die materiellen Dinge versäumt sie die Gelegenheit, von Gottes Sohn persönlich unterwiesen zu werden. Jesu Schlußfolgerung lautet deshalb: „Maria ihrerseits hat das gute Teil erwählt, und es wird nicht von ihr weggenommen werden.“

      Später, bei einer anderen Gelegenheit, wendet sich ein Jünger mit folgender Bitte an Jesus: „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ Vielleicht war der Jünger etwa eineinhalb Jahre zuvor nicht zugegen, als Jesus in seiner Bergpredigt das Mustergebet lehrte. Daher wiederholt Jesus seine Anweisungen und fährt dann mit einer Veranschaulichung fort, um zu zeigen, daß man im Gebet beharrlich sein muß.

      „Wer von euch wird einen Freund haben“, beginnt Jesus, „und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: ‚Freund, leih mir drei Brote, denn ein Freund von mir ist auf einer Reise eben zu mir gekommen, und ich habe nichts, um es ihm vorzusetzen.‘? Und jener gibt von drinnen die Antwort: ‚Stör mich nicht weiter. Die Tür ist schon verschlossen, und meine kleinen Kinder sind mit mir im Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.‘ Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, wird er bestimmt wegen seiner kühnen Beharrlichkeit aufstehen und ihm das geben, was er benötigt.“

      Mit dieser Veranschaulichung will Jesus keineswegs sagen, daß Jehova Gott wie der Freund in der Geschichte nicht bereit sei, Bitten zu erhören. Er will vielmehr zeigen, daß, wenn schon ein unwilliger Freund auf fortgesetztes Bitten reagiert, unser liebevoller himmlischer Vater es noch viel eher tut. Jesus fährt deshalb fort: „Demnach sage ich euch: Bittet unablässig, und es wird euch gegeben werden; sucht fortwährend, und ihr werdet finden; klopft unaufhörlich an, und es wird euch geöffnet werden. Denn jeder, der bittet, empfängt, und jeder, der sucht, findet, und jedem, der anklopft, wird geöffnet werden.“

      Jesus führt dann unvollkommene, sündige menschliche Väter an und sagt: „In der Tat, welcher Vater unter euch wird, wenn ihn sein Sohn um einen Fisch bittet, ihm statt eines Fisches wohl eine Schlange reichen? Oder wenn er auch um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion reichen? Wenn nun ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel denen heiligen Geist geben, die ihn bitten!“ Wie eindringlich Jesus uns doch anspornt, im Gebet beharrlich zu sein. Lukas 10:38 bis 11:13.

  • Die Quelle des Glücks
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Die Quelle des Glücks

      WÄHREND seines Dienstes in Galiläa hat Jesus Wunder vollbracht, die er nun in Judäa wiederholt. Zum Beispiel treibt er aus einem Mann einen Dämon aus, der den Mann am Sprechen gehindert hat. Die Volksmengen sind erstaunt, aber einige Kritiker erheben den gleichen Einwand wie die Kritiker in Galiläa. „Er treibt die Dämonen durch Beelzebub, den Herrscher der Dämonen, aus“, behaupten sie. Andere möchten größere Beweise der Identität Jesu sehen, und sie wollen ihn versuchen, indem sie ihn um ein Zeichen vom Himmel bitten.

      Jesus weiß, was sie denken, und gibt seinen Kritikern in Judäa die gleiche Antwort wie denen in Galiläa. Er erklärt, daß jedes Königreich, das gegen sich selbst entzweit ist, keinen Bestand hat. „Wenn nun auch der Satan gegen sich selbst entzweit ist, wie wird da sein Königreich bestehen?“ fragt er. Jesus macht deutlich, in welch einer gefährlichen Lage sich seine Kritiker befinden, und sagt: „Wenn ich ... durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so hat das Königreich Gottes euch wirklich eingeholt.“

      Diejenigen, die Jesu Wunder beobachten, sollten eigentlich genauso reagieren wie diejenigen, die Jahrhunderte zuvor sahen, wie Moses ein Wunder wirkte, und ausriefen: „Es ist der Finger Gottes!“ Es war auch der „Finger Gottes“, der die Zehn Gebote auf Steintafeln schrieb. Und es ist der „Finger Gottes“ — sein heiliger Geist oder seine wirksame Kraft —, der Jesus befähigt, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Somit hat das Königreich Gottes diese Kritiker tatsächlich eingeholt, denn Jesus, der designierte König des Königreiches, befindet sich mitten unter ihnen.

      Jesus erläutert dann in einem Gleichnis, daß seine Fähigkeit, Dämonen auszutreiben, ein Beweis seiner Macht über Satan ist; er vergleicht es damit, daß ein gutbewaffneter Mann, der seinen Palast bewacht, von einem Stärkeren überwältigt wird. Auch wiederholt er ein Gleichnis, das er in Galiläa erzählt hat, und zwar das Gleichnis von dem unreinen Geist. Der Geist fährt aus einem Menschen aus, wenn aber der Mensch die Lücke nicht mit guten Dingen füllt, kehrt der Geist mit sieben anderen zurück, so daß der Zustand des Menschen schlimmer wird als zuvor.

      Eine Frau aus der Volksmenge, die den Belehrungen lauscht, fühlt sich bewogen, laut auszurufen: „Glücklich der Schoß, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen!“ Da es der Wunsch jeder jüdischen Frau ist, die Mutter eines Propheten und vor allem die des Messias zu sein, ist es verständlich, daß die Frau dies sagt. Offensichtlich denkt sie, Maria könne sich als Mutter Jesu besonders glücklich schätzen.

      Doch Jesus korrigiert die Frau unverzüglich und weist auf die Quelle wahren Glücks hin, indem er erklärt: „Nein, glücklich sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es bewahren!“ Niemals vermittelt Jesus den Gedanken, daß seiner Mutter Maria besondere Ehre erwiesen werden sollte. Statt dessen zeigt er, daß wahres Glück nicht aus verwandtschaftlichen Bindungen oder hervorstechenden Leistungen erwächst, sondern daraus, ein treuer Diener Gottes zu sein.

      Ebenso wie in Galiläa fährt Jesus in Judäa fort, das Volk zurechtzuweisen, weil es um ein Zeichen vom Himmel bittet. Er sagt, es werde den Leuten kein Zeichen gegeben werden, ausgenommen das Zeichen Jonas. Jona wurde dadurch zu einem Zeichen, daß er sich drei Tage in einem Fisch befand und daß er mutig predigte, was zur Folge hatte, daß die Niniviten bereuten. „Doch siehe“, erklärt Jesus, „mehr als Jona ist hier!“ Des weiteren bewunderte die Königin von Scheba Salomos Weisheit. „Doch siehe“, bemerkt Jesus, „mehr als Salomo ist hier!“

      Jesus erläutert, daß jemand, der eine Lampe anzündet, sie nicht in einen verborgenen Winkel oder unter ein Gefäß stellt, sondern auf einen Leuchter, damit die Menschen das Licht sehen können. Möglicherweise möchte er damit andeuten, daß das Lehren und Wunderwirken vor den verstockten Personen in seiner Zuhörerschaft mit dem Verbergen des Lichtes einer Lampe vergleichbar ist. Die Augen solcher Beobachter sind nicht lauter oder klar, weshalb der beabsichtigte Zweck seiner Wunder nicht erreicht wird.

      Gerade hat Jesus einen Dämon ausgetrieben und einen Stummen zum Sprechen gebracht. Das sollte Menschen mit lauteren oder klaren Augen veranlassen, diese großartige Tat zu loben und die gute Botschaft zu verkünden. Aber seine Kritiker fühlen sich nicht dazu bewogen. Somit sagt Jesus abschließend: „Sei daher wachsam. Vielleicht ist das Licht, das in dir ist, Finsternis. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und gar keinen finsteren Teil hat, wird er ganz licht sein, so wie wenn eine Lampe dir durch ihre Strahlen Licht gibt.“ Lukas 11:14-36; 2. Mose 8:18, 19; 31:18; Matthäus 12:22, 28.

  • Er ißt bei einem Pharisäer
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Er ißt bei einem Pharisäer

      NACHDEM sich Jesus mit Kritikern auseinandergesetzt hat, die den Quell seiner Kraft, mit der er einen stummen Mann heilte, in Frage stellten, lädt ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Bei den Pharisäern ist es Brauch, sich vor dem Essen die Hände bis zum Ellbogen zu waschen. Sie tun es vor und nach einem Mahl und sogar zwischen den Gängen. Diese Tradition verletzt zwar nicht Gottes geschriebenes Gesetz, aber sie geht über das hinaus, was Gott in bezug auf zeremonielle Reinheit fordert.

      Als sich Jesus nicht an diese Tradition hält, zeigt sich sein Gastgeber überrascht. Auch wenn er seine Überraschung nicht unbedingt durch Worte zum Ausdruck bringt, bemerkt es Jesus und sagt: „Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit. Ihr Unvernünftigen! Hat nicht der, der das Äußere machte, auch das Innere gemacht?“

      Jesus stellt damit die Heuchelei der Pharisäer bloß, die sich zwar entsprechend einem Ritus die Hände waschen, es aber versäumen, ihr Herz von Bosheit zu reinigen. Er rät ihnen daher: „Gebt ... als Gaben der Barmherzigkeit die Dinge, die darin sind, und siehe, alle anderen Dinge an euch sind rein.“ Sie sollten von einem liebevollen Herzen zum Geben angespornt werden und nicht von dem Wunsch, andere durch ihre anscheinende Gerechtigkeit zu beeindrucken.

      „Wehe ... euch, ihr Pharisäer“, fährt Jesus fort, „denn ihr gebt den Zehnten von der Minze und der Raute und von jedem anderen Gartengewächs, übergeht aber das Recht und die Liebe Gottes! Diese Dinge wart ihr zu tun verpflichtet, doch jene anderen Dinge solltet ihr nicht unterlassen.“ Das Gesetz, das Gott Israel gab, fordert die Zahlung des Zehnten von den Feldfrüchten. Die Minze und die Raute sind kleine Pflanzen oder Kräuter, die zum Würzen von Speisen dienen. Die Pharisäer zahlen selbst von diesen unscheinbaren Kräutern sorgfältig den Zehnten, aber Jesus verurteilt sie dennoch, weil sie die wichtigeren Erfordernisse außer acht lassen, nämlich Liebe zu üben sowie freundlich und bescheiden zu sein.

      Jesus bringt sogar noch mehr Anklagen vor und sagt: „Wehe euch, ihr Pharisäer, denn ihr liebt die vorderen Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Marktplätzen! Wehe euch, denn ihr seid wie jene Gedächtnisgrüfte, die nicht erkennbar sind, so daß Leute darüber hingehen, ohne es zu wissen!“ Ihre Unreinheit ist nicht sichtbar. Die Religion der Pharisäer hat äußeren Glanz, aber keinen inneren Wert. Sie ist auf Heuchelei gegründet.

      Als ein Gesetzeskundiger — jemand, der in Gottes Wort bewandert ist — die Verurteilung hört, klagt er: „Lehrer, indem du diese Dinge sagst, beleidigst du auch uns.“

      Da Jesus diese Leute ebenfalls für schuldig hält, entgegnet er: „Wehe auch euch, ihr Gesetzeskundigen, weil ihr den Menschen Lasten aufladet, die schwer zu tragen sind, doch ihr selbst rührt die Lasten mit keinem einzigen eurer Finger an! Wehe euch, denn ihr baut die Gedächtnisgrüfte der Propheten, eure Vorväter aber töteten sie!“

      Die Lasten, von denen Jesus hier spricht, sind die mündlichen Überlieferungen, und die Gesetzeskundigen würden keine noch so unbedeutende Regel aufheben, um das Los der Menschen zu erleichtern. Jesus offenbart, daß sie sogar den Morden an den Propheten zustimmen, und droht ihnen: „ ‚Das Blut aller Propheten, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, [wird] von dieser Generation gefordert werden ..., vom Blut Abels an bis zum Blut Sacharjas, der zwischen dem Altar und dem Haus umgebracht wurde.‘ Ja, ich sage euch, es wird von dieser Generation gefordert werden.“

      Die Welt der erlösbaren Menschheit nahm mit der Geburt der Kinder Adams und Evas ihren Anfang; somit lebte Abel zur Zeit der „Grundlegung der Welt“. Nach dem gemeinen Mord an Sacharja wurde Juda von einer syrischen Streitmacht verwüstet. Jesus kündet eine noch furchtbarere Katastrophe für seine eigene Generation an, weil sie noch bösartiger ist. Sie bricht 38 Jahre später herein, im Jahre 70 u. Z.

      Jesus fährt fort, sie zu verurteilen, und sagt: „Wehe euch, ihr Gesetzeskundigen, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert!“ Die Gesetzeskundigen sind verpflichtet, dem Volk das Gesetz Gottes zu erklären, ihm seine Bedeutung zu erschließen. Aber sie versäumen dies und nehmen dem Volk sogar jede Möglichkeit, Verständnis zu erlangen.

      Die Pharisäer und die Gesetzeskundigen sind wütend, weil Jesus sie bloßgestellt hat. Als er das Haus verläßt, beginnen sie, ihm heftig zuzusetzen und ihn mit vielen Fragen zu bestürmen. Sie versuchen, ihm eine Falle zu stellen und ihm etwas zu entlocken, wofür sie ihn in Gewahrsam nehmen können. Lukas 11:37-54; 5. Mose 14:22; Micha 6:8; 2. Chronika 24:20-25.

  • Streit um eine Erbschaft
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Streit um eine Erbschaft

      DIE Leute haben offensichtlich erfahren, daß Jesus im Haus des Pharisäers ein Mahl einnimmt. Daher versammeln sie sich draußen zu Tausenden und warten darauf, daß Jesus herauskommt. Im Gegensatz zu den Pharisäern, die Jesus Widerstand leisten und ihn in seinen Worten zu fangen suchen, hört ihm das Volk begeistert und voller Wertschätzung zu.

      Jesus wendet sich zunächst an seine Jünger und sagt: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer in acht, der Heuchelei ist.“ Wie er bereits während des Essens gezeigt hat, ist das gesamte religiöse System der Pharisäer voller Heuchelei. Obwohl die Bosheit der Pharisäer hinter ihrer vorgetäuschten Frömmigkeit verborgen bleiben mag, wird sie eines Tages doch bloßgestellt werden. „Da ist nichts sorgsam verhüllt, was nicht geoffenbart werden wird, und verborgen, was nicht bekanntwerden wird“, betont Jesus.

      Dann wiederholt er die ermunternden Worte, die er schon einmal an die 12 gerichtet hat, als er sie zu einer Predigtreise durch Galiläa aussandte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter tun können.“ Gott vergißt nicht einmal einen einzigen Sperling, versichert Jesus seinen Nachfolgern, deshalb wird Gott sie ganz bestimmt nicht vergessen. „Wenn man euch aber vor öffentliche Versammlungen und Regierungsbeamte und Gewalthaber stellt, ... [wird] der heilige Geist ... euch in ebenjener Stunde die Dinge lehren, die ihr sagen sollt.“

      Ein Mann aus der Volksmenge spricht Jesus an. Er bittet: „Lehrer, sag meinem Bruder, daß er die Erbschaft mit mir teile.“ Da im Gesetz Mose festgelegt ist, daß der Erstgeborene zwei Teile des Erbes erhält, dürfte es eigentlich keinen Grund für Streitigkeiten geben. Aber der Mann möchte offensichtlich mehr als seinen gesetzlichen Anteil an der Erbschaft haben.

      Jesus lehnt es richtigerweise ab, sich in diese Angelegenheit einzumischen. „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?“ fragt er. Dann wendet er sich an die Volksmenge und äußert folgende wichtige Ermahnung: „Haltet eure Augen offen, und hütet euch vor jeder Art von Habsucht, denn wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt.“ Ja, ganz gleich, wieviel ein Mensch aufhäufen mag, er wird doch sterben und alles zurücklassen müssen. Um diese Tatsache hervorzuheben und um zu zeigen, welche Torheit es ist, es zu versäumen, sich bei Gott einen guten Namen zu machen, bedient sich Jesus einer Veranschaulichung. Er erklärt:

      „Das Land eines gewissen Reichen lieferte einen guten Ertrag. Demzufolge begann er bei sich zu überlegen und sagte: ‚Was soll ich tun, nun, da ich keinen Raum habe, wohin ich meine Ernten einbringen könnte?‘ Da sprach er: ‚So will ich’s machen: Ich will meine Vorratshäuser abbrechen und größere bauen, und ich will dorthin all mein Getreide und alle meine guten Dinge einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: „Seele, du hast viele gute Dinge für viele Jahre aufgehäuft; laß dir’s wohl sein, iß, trink und sei fröhlich.“ ‘ Gott aber sprach zu ihm: ‚Du Unvernünftiger, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Wer soll dann die Dinge haben, die du aufgespeichert hast?‘ “

      Jesus kommt dann zu dem Schluß: „So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber.“ Die Jünger mögen sich zwar nicht dazu verleiten lassen, törichterweise Reichtum aufzuhäufen, aber sie könnten wegen der täglichen Sorgen des Lebens leicht davon abgebracht werden, Jehova ganzherzig zu dienen. Daher nutzt Jesus die Gelegenheit, um den vortrefflichen Rat zu wiederholen, den er bereits etwa eineinhalb Jahre zuvor in der Bergpredigt gab. Er fordert seine Jünger auf:

      „Deswegen sage ich euch: Hört auf, euch Sorgen zu machen um eure Seele, über das, was ihr essen werdet, oder um euren Leib, über das, was ihr anziehen werdet. ... Beachtet wohl, daß die Raben weder säen noch ernten, und sie haben weder Scheune noch Vorratshaus, und doch ernährt sie Gott. ... Beachtet wohl, wie die Lilien wachsen; sie mühen sich nicht ab, noch spinnen sie; doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo war in all seiner Herrlichkeit so schön gekleidet wie eine von diesen. ...

      So trachtet denn nicht mehr nach dem, was ihr essen und was ihr trinken könntet, und seid nicht mehr in sorgenvoller Spannung; denn allen diesen Dingen streben die Nationen der Welt begierig nach; euer Vater weiß aber, daß ihr diese Dinge benötigt. Sucht jedoch beständig sein Königreich, und diese Dinge werden euch hinzugefügt werden.“

      Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Not gilt es, sich eng an Jesu Worte zu halten. Wer sich zu sehr um materielle Bedürfnisse sorgt und in seinen geistigen Bestrebungen nachläßt, bekundet tatsächlich zuwenig Glauben an Gottes Fähigkeit, für seine Diener zu sorgen. Lukas 12:1-31; 5. Mose 21:17.

  • Haltet euch bereit!
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Haltet euch bereit!

      JESUS hat die Volksmengen vor Habsucht gewarnt und seinen Jüngern davon abgeraten, den materiellen Dingen übermäßige Aufmerksamkeit zu schenken. Nun äußert er die ermutigenden Worte: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben.“ Er läßt somit erkennen, daß nur verhältnismäßig wenige (nämlich 144 000, wie später geoffenbart) im himmlischen Königreich sein werden. Die Mehrzahl derer, die ewiges Leben erhalten, werden irdische Untertanen des Königreiches sein.

      Welch eine großartige Gabe „das Königreich“ doch ist! Jesus sagt, wie die Jünger als Empfänger dieser Gabe passenderweise reagieren sollten, indem er sie auffordert: „Verkauft die Dinge, die euch gehören, und gebt Gaben der Barmherzigkeit.“ Ja, sie sollten ihre Mittel dafür einsetzen, anderen in geistiger Hinsicht beizustehen, und auf diese Weise „einen unerschöpflichen Schatz in den Himmeln“ hinterlegen.

      Dann ermahnt Jesus seine Jünger, bei seiner Rückkehr bereit zu sein: „Eure Lenden seien umgürtet und eure Lampen brennend, und ihr selbst, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm, wenn er ankommt und anklopft, sogleich öffnen. Glücklich sind jene Sklaven, die der Herr bei seiner Ankunft wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich gürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.“

      In diesem Gleichnis zeigt sich die Bereitschaft der Diener bei der Rückkehr ihres Herrn darin, daß sie ihr langes Gewand hochnehmen, es unter ihrem Gürtel befestigen und fortfahren, ihren Aufgaben bis in die Nacht hinein im Licht von reichlich mit Brennstoff gefüllten Lampen nachzukommen. Jesus erklärt: ‘Wenn der Herr in der zweiten Wache [von etwa 21 Uhr bis Mitternacht] ankommt, ja wenn er in der dritten eintrifft [von Mitternacht bis etwa 3 Uhr morgens] und sie wachend vorfindet, glücklich sind sie!’

      Der Herr belohnt seine Diener auf ungewöhnliche Weise. Er läßt sie sich zu Tisch legen und bedient sie. Er behandelt sie nicht wie Sklaven, sondern wie loyale Freunde. Welch eine einzigartige Belohnung für die unermüdliche Tätigkeit, die sie die ganze Nacht hindurch für ihren Herrn verrichtet haben, während sie auf seine Rückkehr gewartet haben! Abschließend sagt Jesus: „Haltet auch ihr euch bereit, denn zu einer Stunde, da ihr es nicht für wahrscheinlich haltet, kommt der Menschensohn.“

      Petrus fragt nun: „Herr, sagst du dieses Gleichnis für uns oder auch für alle?“

      Anstatt direkt auf die Frage einzugehen, erzählt Jesus ein anderes Gleichnis. „Wer ist in Wirklichkeit der treue Verwalter, der verständige, den sein Herr über seine Dienerschaft setzen wird, um ihnen fortwährend ihr Maß an Speisevorrat zur rechten Zeit zu geben? Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet! Ich sage euch in Wahrheit: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“

      Der „Herr“ ist offensichtlich Jesus Christus. Der „Verwalter“ stellt die „kleine Herde“ von Jüngern in kollektivem Sinne dar, und die Bezeichnung „Dienerschaft“ bezieht sich auf dieselbe Gruppe der 144 000, die das himmlische Königreich empfangen, doch dieser Ausdruck hebt die Tätigkeit des einzelnen hervor. Bei der „Habe“, die dem treuen Verwalter anvertraut wird, handelt es sich um die Königreichsinteressen des Herrn auf der Erde, zu denen auch die irdischen Untertanen des Königreiches zählen.

      Des weiteren weist Jesus in dem Gleichnis auf die Möglichkeit hin, daß nicht alle Glieder der Verwalter- oder Sklavenklasse loyal sein werden, indem er erklärt: „Wenn aber jener Sklave in seinem Herzen je sagen sollte: ‚Mein Herr verzögert sein Kommen‘ und anfangen sollte, die Knechte und die Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und trunken zu werden, so wird der Herr dieses Sklaven an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet, ... und er wird ihn mit der größten Strenge bestrafen.“

      Jesus bemerkt, daß sich sein Kommen für die Juden gewissermaßen als eine Zeit der Gluthitze erwiesen hat, denn einige nehmen seine Lehren an, während andere sie ablehnen. Mehr als drei Jahre zuvor war Jesus im Wasser getauft worden, doch nun nähert sich seine Taufe in den Tod ihrem Ende, und er sagt: „Ich [bin] bedrängt, bis sie vollendet ist!“

      Nachdem Jesus diese Worte an seine Jünger gerichtet hat, wendet er sich wieder den Volksmengen zu. Er beklagt, daß sie in ihrem Starrsinn den eindeutigen Beweis für seine Identität und ihre Bedeutung ablehnen. „Wenn ihr eine Wolke in westlichen Gegenden aufsteigen seht, sagt ihr sogleich: ‚Es kommt ein Sturm‘, und es wird so sein. Und wenn ihr seht, daß Südwind weht, sagt ihr: ‚Es gibt eine Hitzewelle‘, und es trifft ein. Heuchler, das Aussehen der Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen, doch wie kommt es, daß ihr diese besondere Zeit nicht zu beurteilen wißt?“ Lukas 12:32-59.

  • Eine Nation geht zugrunde — doch nicht alle ihre Angehörigen
    Der größte Mensch, der je lebte
    • Eine Nation geht zugrunde — doch nicht alle ihre Angehörigen

      KURZ nach Jesu Unterhaltung mit einigen Juden, die sich vor dem Haus eines Pharisäers versammelt haben, berichten ihm gewisse Leute „über die Galiläer ..., deren Blut [der römische Statthalter Pontius] Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte“. Diese Galiläer wurden möglicherweise getötet, als Tausende von Juden dagegen protestierten, daß Pilatus das Geld aus dem Tempelschatz für den Bau eines Aquädukts benutzte, durch den Wasser nach Jerusalem geleitet werden sollte. Diejenigen, die Jesus davon erzählen, wollen vielleicht damit sagen, dieses Unglück habe die Galiläer wegen ihrer schlechten Handlungsweise ereilt.

      Jesus korrigiert sie jedoch, indem er sie fragt: „Meint ihr, daß sich diese Galiläer als schlimmere Sünder erwiesen als alle anderen Galiläer, weil sie diese Dinge erlitten haben?“ „Gewiß nicht“, lautet seine eigene Antwort. Dann benutzt er die Gelegenheit, um die Juden zu warnen: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle gleicherweise umkommen.“

      Nun nimmt Jesus auf ein anderes Unglück Bezug, das sich am Ort zugetragen hat und vielleicht auch mit dem Bau des Aquädukts in Verbindung stand. Er wirft die Frage auf: „Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete, meint ihr, daß sie sich als größere Schuldner erwiesen als alle anderen Menschen, die Jerusalem bewohnen?“ Nein, diese Personen kamen, wie Jesus sagt, nicht wegen ihrer Schlechtigkeit um. Vielmehr sind solche Unglücksfälle gewöhnlich darauf zurückzuführen, daß „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen“ alle trifft. Erneut warnt Jesus bei dieser Gelegenheit: „Wenn ihr nicht bereut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“

      Dann fährt Jesus mit einem passenden Gleichnis fort und erklärt: „Jemand hatte einen Feigenbaum, der in seinem Weingarten gepflanzt war, und er kam, um Frucht daran zu suchen, fand aber keine. Da sagte er zum Winzer: ‚Ich bin nun schon drei Jahre gekommen, um Frucht an diesem Feigenbaum zu suchen, habe aber keine gefunden. Hau ihn um! Warum sollte er denn den Boden nutzlos machen?‘ Er gab ihm zur Antwort: ‚Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich rings um ihn grabe und Dünger streue, und wenn er dann in der Zukunft Frucht bringt, schön und gut, wenn aber nicht, sollst du ihn umhauen.‘ “

      Mehr als drei Jahre lang hat Jesus versucht, den Glauben unter der jüdischen Nation zu fördern. Doch nur ein paar hundert Jünger können als Frucht seiner Arbeit gezählt werden. Jetzt, im vierten Jahr seines Dienstes, verstärkt er seine Bemühungen; in übertragenem Sinne gräbt und streut er Dünger rings um den jüdischen Feigenbaum, indem er in Judäa und Peräa eifrig predigt und lehrt. Doch ohne Erfolg! Die Nation weigert sich zu bereuen und geht somit der Vernichtung entgegen. Lediglich ein Überrest reagiert günstig.

      Nicht lange danach lehrt Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Hier sieht er eine Frau, die schon 18 Jahre lang von einem Dämon geplagt wird und zusammengekrümmt ist. Voller Mitleid wendet er sich an sie: „Frau, du bist von deiner Schwäche befreit.“ Er legt ihr die Hände auf, und augenblicklich richtet sie sich auf und beginnt, Gott zu verherrlichen.

      Der Synagogenvorsteher ist jedoch ärgerlich. „Sechs Tage sind da, an denen man arbeiten soll“, protestiert er, „an diesen also kommt und werdet geheilt und nicht am Sabbattag.“ Der Vorsteher erkennt somit Jesu Macht zu heilen an, verurteilt aber die Leute, weil sie am Sabbat Heilung suchen.

      „Heuchler“, erwidert Jesus, „bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Stier oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn weg, um ihn zu tränken? War es also nicht angebracht, daß diese Frau, die eine Tochter Abrahams ist und die der Satan, siehe, achtzehn Jahre gebunden hielt, von dieser Fessel am Sabbattag gelöst werde?“

      Als Jesu Gegner das hören, schämen sie sich. Die Volksmengen jedoch freuen sich über all die großartigen Taten Jesu, die sie beobachten. Jesus wiederholt daraufhin zwei prophetische Gleichnisse vom Königreich Gottes, die er schon einmal erzählt hat, und zwar ein Jahr zuvor auf dem Galiläischen Meer von einem Boot aus. Lukas 13:1-21; Prediger 9:11; Matthäus 13:31-33.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen