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  • Jesu Dienst in Peräa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine Henne versammelt ihre Küken unter ihren Flügeln

      KAPITEL 82

      Jesu Dienst in Peräa

      LUKAS 13:22 BIS 14:6

      • SICH BEMÜHEN, DURCH DIE ENGE TÜR ZU KOMMEN

      • JESUS MUSS IN JERUSALEM STERBEN

      Nachdem Jesus längere Zeit in Judäa und Jerusalem gelehrt und geheilt hat, überquert er den Jordan und predigt in Peräa von Stadt zu Stadt. Doch bald wird er nach Jerusalem zurückkehren.

      Ein Mann bemüht sich mit aller Kraft, durch eine enge Tür zu kommen

      In Peräa wird Jesus von einem Mann gefragt: „Herr, werden nur wenige gerettet?“ Vielleicht weiß der Mann, dass die religiösen Führer über diese Frage diskutieren. Jesus lenkt das Gespräch jedoch weg von der Zahl derer, die gerettet werden, hin zu dem Erfordernis für Rettung: „Bemüht euch mit aller Kraft, durch die enge Tür zu kommen.“ Dazu muss man sich anstrengen, ja sogar kämpfen. Jesus verrät auch den Grund: „Viele werden versuchen hineinzukommen, es aber nicht schaffen“ (Lukas 13:23, 24).

      Um zu veranschaulichen, warum man sich mit aller Kraft anstrengen muss, sagt Jesus: „Wenn der Hausbesitzer aufsteht und die Tür verschließt, werdet ihr draußen stehen, an die Tür klopfen und sagen: ‚Herr, mach uns auf!‘ . . . Aber er wird entgegnen: ‚Ich weiß nicht, woher ihr seid. Geht weg von mir, ihr Ungerechten!‘ “ (Lukas 13:25-27).

      Das beschreibt die verzweifelte Lage von jemandem, der zu spät kommt. Er kommt offensichtlich erst, als es ihm am besten passt, und nun steht er vor verschlossener Tür. Er hätte früher da sein müssen, selbst wenn es für ihn ungünstig gewesen wäre. Ähnlich ist es bei vielen, die die Chance hätten, von Jesus persönlich belehrt zu werden. Stattdessen lassen sie sich die Gelegenheit entgehen, die wahre Anbetung zum Wichtigsten in ihrem Leben zu machen. Die meisten, zu denen Jesus gesandt wurde, nehmen Gottes Mittel zur Rettung nicht an. Wie Jesus sagt, werden sie „hinausgeworfen“ werden und deshalb „weinen und mit den Zähnen knirschen“. Doch es werden „Menschen aus Ost und West und aus Nord und Süd“, ja aus allen Völkern kommen „und im Königreich Gottes zu Tisch liegen“ (Lukas 13:28, 29).

      Jesus erklärt: „Es gibt Letzte [zum Beispiel Nichtjuden und verachtete Juden], die Erste sein werden, und es gibt Erste [die religiösen Führer, die auf ihre Abstammung von Abraham stolz sind], die Letzte sein werden“ (Lukas 13:30). Diejenigen, die „Letzte“ werden, sind undankbare Menschen, die auf keinen Fall in Gottes Königreich kommen.

      Dann kommen einige Pharisäer mit dem Rat zu Jesus: „Geh weg, verlass diesen Ort, Herodes [Antipas] will dich umbringen!“ Vielleicht hat König Herodes dieses Gerücht sogar selbst in Umlauf gebracht, damit Jesus aus seinem Gebiet flieht. Womöglich hat er Angst, nach dem Mord an Johannes dem Täufer wieder in den Tod eines Propheten verwickelt zu werden. Doch Jesus erwidert: „Geht und sagt diesem Fuchs: ‚Heute und morgen treibe ich Dämonen aus und heile Kranke und am dritten Tag werde ich fertig sein‘ “ (Lukas 13:31, 32). Mit der Bezeichnung „Fuchs“ spielt Jesus wohl auf die Listigkeit dieser Tiere an. Er hat allerdings nicht vor, sich von Herodes noch von sonst jemandem beeinflussen oder zu etwas drängen zu lassen. Er wird den Auftrag seines Vaters erfüllen — und zwar nach dessen Zeitplan.

      Jesus setzt seinen Weg nach Jerusalem fort und erklärt auch den Grund: „Es darf nicht sein, dass ein Prophet außerhalb von Jerusalem umgebracht wird“ (Lukas 13:33). Es gibt aber keine Prophezeiung, die besagt, der Messias müsse in Jerusalem sterben. Warum sagt Jesus also, er müsse dort getötet werden? Weil Jerusalem die Hauptstadt ist, wo sich der Sanhedrin, der Hohe Rat der Juden, mit seinen 71 Mitgliedern befindet. Dort finden die Verhandlungen gegen solche statt, die als falsche Propheten angeklagt werden. Außerdem werden nur in Jerusalem Tieropfer dargebracht. Jesus ist also klar, dass kein anderer Ort für seinen Tod in Frage kommt.

      Eine Henne versammelt ihre Küken unter ihren Flügeln

      Traurig sagt er: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt werden! Wie oft wollte ich deine Kinder zusammenbringen, so wie eine Henne ihre Brut unter ihren Flügeln zusammenbringt! Aber ihr wolltet nicht. Seht! Euer Haus wird verlassen für euch zurückbleiben“ (Lukas 13:34, 35). Das Volk lehnt den Sohn Gottes ab und dafür muss es auch die Folgen tragen!

      Bevor Jesus Jerusalem erreicht, wird er am Sabbat von einem führenden Pharisäer zum Essen eingeladen. Es ist auch ein Mann da, der an Wassersucht leidet (einer krankhaften Ansammlung von Flüssigkeit, oftmals in Beinen und Füßen). Die anderen Gäste beobachten Jesus ganz genau. Er fragt die Gesetzesexperten und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?“ (Lukas 14:3).

      Er bekommt keine Antwort. Da heilt Jesus den Mann und sagt zu ihnen: „Angenommen, euer Sohn oder Stier fällt in einen Brunnen. Wer von euch würde ihn dann nicht sofort herausziehen — auch an einem Sabbat?“ (Lukas 14:5). Und wieder wissen sie darauf nichts zu erwidern.

  • Einladungen zu einem Abendessen
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde kommen zu einem großen Abendessen

      KAPITEL 83

      Einladungen zu einem Abendessen

      LUKAS 14:7-24

      • WARUM DEMUT WICHTIG IST

      • DIE EINGELADENEN REDEN SICH HERAUS

      Jesus ist noch immer bei einem Pharisäer zu Gast. Gerade hat er dort einen Mann von seiner Wassersucht geheilt. Nun beobachtet er, wie sich einige Gäste die Ehrenplätze aussuchen, und er nutzt die Gelegenheit, um zu zeigen, warum Demut wichtig ist.

      „Wenn du zu einer Hochzeitsfeier eingeladen bist“, sagt Jesus, „such dir nicht den Ehrenplatz aus. Vielleicht befindet sich unter den Gästen jemand, der angesehener ist als du. Derjenige, der euch beide eingeladen hat, wird dann kommen und zu dir sagen: ‚Lass diesen Mann hier Platz nehmen‘, und du wirst beschämt aufstehen und zum untersten Platz gehen“ (Lukas 14:8, 9).

      Dann fügt Jesus hinzu: „Bist du also eingeladen, leg dich am untersten Platz zu Tisch. Wenn dann der Gastgeber kommt und zu dir sagt: ‚Rück auf einen höheren Platz, mein Freund‘, wirst du dadurch vor allen Gästen geehrt. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“ (Lukas 14:10, 11). Ja, Jesus ermuntert seine Zuhörer dazu, an ihrer Demut zu arbeiten.

      Dann erklärt er dem Pharisäer, bei dem er zu Gast ist, wann eine Essenseinladung Gott gefällt. „Wenn du ein Essen gibst, ob am Mittag oder am Abend, dann lade nicht deine Freunde, Brüder, Verwandten oder reichen Nachbarn ein, denn sie werden sich wahrscheinlich mit einer Gegeneinladung revanchieren. Lade lieber Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, wenn du ein Festessen gibst, und du wirst glücklich sein, weil sie nichts haben, womit sie sich revanchieren können“ (Lukas 14:12-14).

      Es ist nur normal, Freunde, Verwandte oder Nachbarn zum Essen einzuladen, und Jesus verurteilt das auch nicht. Doch er betont, dass es großen Segen bringen kann, benachteiligte Menschen wie Arme, Verkrüppelte oder Blinde einzuladen. Jesus erklärt seinem Gastgeber: „Deine Belohnung bekommst du bei der Auferstehung der Gerechten.“ Da sagt ein anderer Gast: „Glücklich ist, wer im Königreich Gottes essen darf“ (Lukas 14:15). Er erkennt, was für ein großes Vorrecht das wäre. Aber nicht jeder hat so eine Wertschätzung, wie Jesus in einer Veranschaulichung zeigt:

      „Ein Mann gab ein großes Abendessen und lud viele dazu ein. Zur Essenszeit schickte er seinen Sklaven los, um den Eingeladenen zu sagen: ‚Kommt, es ist schon alles vorbereitet.‘ Doch alle hatten irgendwelche Ausreden. Der Erste sagte zu ihm: ‚Ich habe ein Feld gekauft und muss hingehen und es mir ansehen. Bitte entschuldige mich.‘ Ein anderer sagte: ‚Ich habe fünf Rindergespanne gekauft und wollte sie gerade begutachten. Bitte entschuldige mich.‘ Noch ein anderer sagte: ‚Ich habe gerade erst geheiratet, deswegen kann ich nicht kommen‘ “ (Lukas 14:16-20).

      Was für fadenscheinige Ausreden! Normalerweise begutachtet man ein Feld oder Tier, bevor man es kauft. Daher muss man es sich hinterher nicht gleich noch einmal ansehen. Und der dritte Mann ist ja schon verheiratet und steckt nicht mehr in den Hochzeitsvorbereitungen. Damit hat auch er keinen Grund, diese wichtige Einladung auszuschlagen. Als der Herr die Ausreden hört, weist er seinen Sklaven wütend an:

      „Geh schnell auf die Hauptstraßen und in die Gassen der Stadt und bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen her.“ Der Sklave tut, wie ihm befohlen, aber es ist immer noch Platz. Da sagt der Herr zu ihm: „Geh auf die Landstraßen und Wege und dränge die Leute, zu kommen, damit mein Haus voll wird. Denn ich sage euch: Keiner von den ursprünglich Eingeladenen wird etwas von meinem Abendessen abbekommen“ (Lukas 14:21-24).

      Das veranschaulicht gut, dass Jehova Gott Jesus Christus den Auftrag erteilt, Menschen ins Königreich des Himmels einzuladen. Die Juden, allen voran die religiösen Führer, haben als Erste die Einladung erhalten. Der Großteil von ihnen hat sie während Jesu Dienst jedoch abgelehnt. Doch die Einladung sollte nicht auf sie beschränkt bleiben. Jesus deutet darauf hin, dass eine zweite Einladung an die einfachen Menschen im jüdischen Volk sowie an Proselyten ergehen wird. Danach wird eine dritte und letzte Einladung an Menschen ausgesprochen, die bei den Juden als Gottes nicht würdig gelten (Apostelgeschichte 10:28-48).

      Was Jesus sagt, bestätigt wirklich die Worte des Gastes, der erklärt hat: „Glücklich ist, wer im Königreich Gottes essen darf.“

  • Die große Verantwortung, ein Jünger zu sein
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Bewaffnete Truppen folgen einem König in den Krieg

      KAPITEL 84

      Die große Verantwortung, ein Jünger zu sein

      LUKAS 14:25-35

      • WAS ES MIT SICH BRINGT, EIN JÜNGER ZU SEIN

      Nachdem Jesus im Haus eines führenden Pharisäers zum Essen war und einige bedeutsame Lehren vermittelt hat, setzt er seine Reise nach Jerusalem fort. Viele Menschen begleiten ihn. Doch was ist ihr Beweggrund? Wollen sie ihm wirklich nachfolgen, koste es, was es wolle?

      Unterwegs sagt Jesus etwas, was bestimmt viele von ihnen schockiert: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater, seine Mutter, seine Frau, seine Kinder und seine Brüder und Schwestern hasst, ja selbst sein eigenes Leben, dann kann er nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14:26). Aber was meint Jesus damit?

      Er will damit nicht sagen, seine Nachfolger müssten ihre Verwandten buchstäblich hassen. Mit „hassen“ meint Jesus vielmehr, sie weniger zu lieben als ihn. Sie dürfen nicht so sein wie der Mann in der Veranschaulichung vom großen Abendessen, der eine wichtige Einladung ausschlägt, nur weil er gerade geheiratet hat (Lukas 14:20). Von Jakob, einem Vorfahren der Juden, wird gesagt, er habe Lea „gehasst“ und ihre Schwester Rahel geliebt. Das heißt, dass er Lea weniger geliebt hat als Rahel (1. Mose 29:31, Fußnote).

      Wie Jesus sagt, sollte ein Jünger sogar „sein eigenes Leben“ hassen. Das bedeutet: Ein wahrer Jünger muss Jesus mehr lieben als sein eigenes Leben und, wenn nötig, sogar bereit sein, sein Leben zu verlieren. Ein Jünger Christi zu werden bringt also große Verantwortung mit sich. Diese Entscheidung darf man nicht leichtfertig treffen.

      Wie Jesus als Nächstes zeigt, kann es Schwierigkeiten und Verfolgung mit sich bringen, sein Jünger zu sein: „Wer nicht seinen Marterpfahl trägt und mir folgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14:27). Ein Jünger muss demnach bereit sein, so große Demütigungen über sich ergehen zu lassen wie Jesus. Und wie Jesus angekündigt hat, wird er durch die Hand seiner Feinde sogar sterben.

      Ein Christ im ersten Jahrhundert berechnet die Kosten eines Bauprojekts

      Die Menschen, die mit Jesus Richtung Jerusalem reisen, müssen sich bewusst machen, was es bedeutet, sein Jünger zu sein. Das verdeutlicht Jesus durch ein Beispiel: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, wird er sich dann nicht zuerst hinsetzen und die Kosten berechnen, um zu sehen, ob er genug hat, um ihn dann auch fertig zu bauen? Sonst legt er vielleicht das Fundament, kann aber nicht zu Ende bauen“ (Lukas 14:28, 29). Bevor Jesu Mitreisende also seine Jünger werden, müssen sie sich fest dazu entschließen, dieser Verantwortung völlig nachzukommen. Jesus unterstreicht das durch einen weiteren Vergleich:

      „Welcher König wird gegen einen anderen König in den Krieg ziehen, ohne sich vorher hinzusetzen und zu beratschlagen, ob er mit seinen 10 000 Soldaten gegen den 20 000 Mann starken Gegner ankommt? Wenn er dazu nicht in der Lage ist, wird er, solange der andere König noch weit weg ist, eine Abordnung losschicken und Friedensverhandlungen führen.“ Deshalb erklärt Jesus: „Genauso könnt ihr sicher sein, dass keiner von euch mein Jünger sein kann, wenn er sich nicht von allem, was er hat, verabschiedet“ (Lukas 14:31-33).

      Damit richtet sich Jesus natürlich nicht nur an die Leute, die gerade mit ihm unterwegs sind. Alle, die Christus kennenlernen und seine Jünger werden wollen, müssen bereit sein, ihren Besitz und sogar ihr Leben aufzugeben, ja alles, was sie haben. Darüber sollte man unter Gebet nachdenken.

      Dann spricht Jesus etwas an, worüber er bereits in der Bergpredigt geredet hat. Er sagt, seine Jünger seien „das Salz der Erde“ (Matthäus 5:13). Wahrscheinlich spielt er darauf an, dass seine Jünger einen ebenso lebenserhaltenden Einfluss haben wie Salz, das Dinge haltbar macht. Sie können Menschen vor moralischer Verdorbenheit schützen und deren Verhältnis zu Gott fördern. Jetzt, wo sich sein Dienst dem Ende nähert, sagt Jesus: „Salz ist eindeutig etwas Gutes. Doch wenn das Salz seine Kraft verliert, wie soll seine Würzkraft dann wiederhergestellt werden?“ (Lukas 14:34). Seine Zuhörer wissen, dass manches Salz durch andere Mineralien und Erde verunreinigt ist. Geht der Salzgehalt verloren, ist das, was übrigbleibt, kaum noch zu gebrauchen.

      Folglich dürfen selbst die, die Jesus schon lange nachfolgen, nicht zulassen, dass ihre Entschlossenheit nachlässt. Sonst würden sie so unbrauchbar werden wie Salz, das seine Würzkraft verloren hat — und sich dem Spott der Leute aussetzen. Und was noch schlimmer ist: Sie würden die Anerkennung Gottes verlieren und sogar Schande auf seinen Namen bringen. Wie Jesus betont, darf man es nie so weit kommen lassen: „Wer Ohren hat, soll gut zuhören“ (Lukas 14:35).

  • Freude über den Sünder, der bereut
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Eine Frau freut sich, weil sie ihre verlorene Münze wiedergefunden hat

      KAPITEL 85

      Freude über den Sünder, der bereut

      LUKAS 15:1-10

      • DIE GLEICHNISSE VOM VERLORENEN SCHAF UND VON DER VERLORENEN MÜNZE

      • DIE ENGEL IM HIMMEL FREUEN SICH ÜBER SÜNDER, DIE BEREUEN

      Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, wie sehr es auf Demut ankommt (Lukas 14:8-11). Er tut alles, um Männer und Frauen zu finden, die Gott demütig dienen möchten — selbst wenn sie momentan noch gewohnheitsmäßige Sünder sind.

      Ein jüdischer Mann mit verächtlicher Miene trägt auf seiner Stirn einen Gebetsriemen (Phylakterion)

      Die Pharisäer und Schriftgelehrten bemerken, dass sich diese Menschen — die sie selbst als wertlos betrachten — zu Jesus und seiner Botschaft hingezogen fühlen. Sie beschweren sich: „Dieser Mann empfängt Sünder mit offenen Armen und isst mit ihnen“ (Lukas 15:2). Die religiösen Führer fühlen sich den einfachen Menschen überlegen und behandeln sie wie den Dreck unter ihren Füßen. Sie bezeichnen sie als ʽam-haʼárez, als „Menschen des Landes [oder der Erde]“, wodurch sie zeigen, wie sehr sie sie verachten.

      Jesus ist da ganz anders. Er behandelt jeden freundlich, mitfühlend und mit Würde. Daher wollen ihm diese einfachen Menschen — einschließlich derer, die als Sünder bekannt sind — unbedingt zuhören. Doch Jesus wird dafür kritisiert, dass er ihnen hilft. Wie reagiert er darauf?

      Er bringt einen bewegenden Vergleich, der ähnlich ist wie der, den er einmal in Kapernaum erzählt hat (Matthäus 18:12-14). Jesus stellt die Situation so dar, als seien die Pharisäer gerecht und in der Schafhürde Gottes sicher. Die einfachen Menschen dagegen sind wie Schafe, die vom rechten Weg abgekommen sind und sich in einem hoffnungslosen Zustand befinden. Er sagt:

      Ein Hirte trägt das Schaf, das verloren gegangen war, auf seinen Schultern und freut sich, dass er es wiedergefunden hat

      „Wer von euch, der 100 Schafe hat, wird nicht, wenn er eins von ihnen verliert, die 99 in der Wildnis zurücklassen und das eine suchen, bis er es gefunden hat? Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern und freut sich. Sobald er dann heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden‘ “ (Lukas 15:4-6).

      Was möchte Jesus damit sagen? Er erklärt: „Genauso gibt es im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder, der bereut, als über 99 Gerechte, die keine Reue nötig haben“ (Lukas 15:7).

      Es muss die Pharisäer befremden, dass Jesus von Reue spricht. Sie selbst halten sich für gerecht und sehen überhaupt keine Notwendigkeit zu bereuen. Schon zwei Jahre zuvor haben sie Jesus kritisiert, weil er mit Steuereinnehmern und Sündern gegessen hat, und seine Antwort war: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Markus 2:15-17). Da die selbstgerechten Pharisäer aber nicht erkennen, dass sie bereuen müssten, lösen sie im Himmel auch keine Freude aus — anders als die Sünder, die aufrichtig bereuen.

      Wie groß die Freude im Himmel über einen Sünder ist, der umkehrt, unterstreicht Jesus durch einen zweiten Vergleich: „Angenommen, eine Frau hat zehn Drachmen und verliert eine davon. Wird sie dann nicht eine Lampe anzünden, ihr Haus fegen und alles genauestens absuchen, bis sie die Drachme findet? Und sobald sie die Drachme gefunden hat, ruft sie ihre Freunde und Nachbarn zusammen und sagt: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe meine verlorene Drachme wiedergefunden‘ “ (Lukas 15:8, 9).

      Jesus betont hier einen ähnlichen Gedanken wie in dem Gleichnis von dem verlorenen Schaf. Er sagt: „Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der bereut“ (Lukas 15:10).

      Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel Gottes Engeln daran liegt, dass ein verloren geglaubter Sünder umkehrt! Vor allem, wenn man Folgendes bedenkt: Ein Sünder, der umkehrt und einen Platz im Königreich des Himmels erhält, wird letztendlich eine höhere Stellung haben als die Engel! (1. Korinther 6:2, 3). Doch die Engel sind deswegen nicht eifersüchtig. Wie sollten dann wir zu Sündern eingestellt sein, die voller Reue zu Gott kommen?

  • Der verlorene Sohn kommt zurück
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Vater umarmt seinen Sohn

      KAPITEL 86

      Der verlorene Sohn kommt zurück

      LUKAS 15:11-32

      • DIE GESCHICHTE VOM VERLORENEN SOHN

      Jesus befindet sich wahrscheinlich noch in Peräa, östlich vom Jordan, als er die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Münze erzählt. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten ihn dafür kritisiert, dass er reuevolle Sünder mit offenen Armen empfängt. Durch die beiden Gleichnisse hat er aber deutlich gemacht, dass wir uns freuen sollten, wenn ein Sünder bereut und zu Gott umkehrt. Haben die Pharisäer und Schriftgelehrten etwas daraus gelernt? Haben sie begriffen, wie unser Vater im Himmel für Sünder empfindet, die bereuen? Jesus erzählt nun eine Geschichte, die genau diesen Lehrpunkt hervorhebt.

      Der jüngere Sohn bittet seinen Vater um seinen Erbteil

      Darin geht es um einen Vater, der zwei Söhne hat, wobei der jüngere Sohn die zentrale Figur ist. Aus seinem Beispiel können sowohl die Pharisäer und Schriftgelehrten als auch alle anderen Zuhörer Jesu etwas lernen. Doch auch aus der Einstellung des Vaters und des älteren Sohnes kann man viel lernen. Wir sollten uns also für alle drei Charaktere interessieren. Jesus beginnt:

      „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte eines Tages: ‚Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht.‘ Darauf teilte der Vater seinen Besitz unter den beiden auf“ (Lukas 15:11, 12). Der Sohn erhob nicht etwa Anspruch auf sein Erbteil, weil sein Vater gestorben wäre. Der Vater war ja noch am Leben. Tatsächlich verlangte er seinen Anteil deshalb schon jetzt, weil er unabhängig sein und so leben wollte, wie es ihm gefiel. Was machte er also mit dem Erbe?

      Der verlorene Sohn isst, trinkt und amüsiert sich mit Frauen

      „Ein paar Tage später“, erzählt Jesus, „packte der jüngere Sohn alle seine Sachen zusammen und reiste in ein fernes Land. Dort führte er ein ausschweifendes Leben und verschleuderte alles, was er besaß“ (Lukas 15:13). Statt zu Hause zu bleiben, wo er geborgen war und wo sein Vater für ihn und seinen Bruder sorgte, ging er in ein fremdes Land. Dort führte er ein genusssüchtiges, unmoralisches Leben und verprasste sein ganzes Erbe. Doch dann brachen schwere Zeiten an, wie Jesus weitererzählt:

      „Als er nichts mehr hatte, brach im ganzen Land eine schwere Hungersnot aus und er geriet in Not. Es kam so weit, dass er sich einem Bürger des Landes anschloss, der ihn dann zum Schweinehüten auf seine Felder schickte. Er sehnte sich danach, sich an den Johannisbrotschoten satt zu essen, die die Schweine fraßen, aber niemand gab ihm etwas“ (Lukas 15:14-16).

      Der verlorene Sohn sitzt unter einem Baum und beobachtet Schweine, die Johannisbrotschoten fressen

      Jetzt musste der Sohn sogar als Schweinehirt arbeiten — und das, wo Schweine in Gottes Gesetz als unrein gelten! Er hatte so schrecklichen Hunger, dass er sogar das Futter der Schweine gegessen hätte. In seiner Not und Verzweiflung „kam er zur Besinnung“ und sagte sich: „Wie viele Lohnarbeiter meines Vaters haben mehr Brot als genug und ich sterbe hier vor Hunger! Ich werde mich zu meinem Vater aufmachen und zu ihm sagen: ‚Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich verdiene es nicht mehr, dein Sohn genannt zu werden. Behandle mich wie einen deiner Lohnarbeiter.‘ “ Also machte er sich auf und ging zu seinem Vater (Lukas 15:17-20).

      Aber wie würde sein Vater reagieren? Würde er auf ihn wütend sein und ihm wegen seiner Dummheit Vorhaltungen machen? Würde er ihm gegenüber gleichgültig oder sogar abweisend sein? Wie hättest du anstelle des Vaters reagiert? Was, wenn es dein Kind gewesen wäre?

      DER VERLORENE SOHN WIRD GEFUNDEN

      Jesus beschreibt nun die Gefühle und die Reaktion des Vaters: „Als . . . [der Sohn] noch weit weg war, entdeckte ihn sein Vater und empfand tiefes Mitgefühl. Er rannte seinem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn herzlich“ (Lukas 15:20). Der Vater wusste womöglich von dem ausschweifenden Leben seines Sohnes. Trotzdem empfing er ihn mit offenen Armen. Werden die religiösen Führer — die ja behaupten, Jehova zu kennen und anzubeten — nun verstehen, wie unser himmlischer Vater für Sünder empfindet, die bereuen? Werden sie erkennen, dass Jesus genauso eingestellt ist wie sein Vater?

      Als der Vater die tiefe Traurigkeit in den Augen seines Sohnes sah, war ihm bestimmt klar, dass sein Sohn wirklich bereut hatte. Und er machte es ihm leicht, seine Sünden auch zu gestehen, indem er liebevoll auf ihn zuging. Jesus erzählt, wie der Sohn zu seinem Vater sagte: „Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich verdiene es nicht mehr, dein Sohn genannt zu werden“ (Lukas 15:21).

      Doch der Vater wies seine Sklaven an: „Schnell! Holt ein langes Gewand, das beste, und kleidet ihn damit. Steckt ihm auch einen Ring an den Finger und zieht ihm Sandalen an. Und holt das Mastkalb, schlachtet es und lasst uns essen und feiern, denn mein Sohn war tot und ist wieder am Leben. Er war verloren und wurde gefunden.“ Dann begannen sie zu feiern (Lukas 15:22-24).

      Der Vater spricht mit seinem ältesten Sohn

      Der ältere Sohn war die ganze Zeit auf dem Feld gewesen. Jesus erzählt: „Als er zurückkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen Diener zu sich und fragte, was da los ist. Der Diener berichtete: ‚Dein Bruder ist gekommen, und weil dein Vater ihn wieder gesund zurückhat, hat er das Mastkalb geschlachtet.‘ Da wurde er wütend und wollte nicht hingehen, worauf sein Vater herauskam und ihm gut zuredete. Doch er erwiderte: ‚Ich habe diese vielen Jahre für dich wie ein Sklave gearbeitet und mich kein einziges Mal deinen Anweisungen widersetzt. Doch du hast mir noch nie eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden feiern kann. Aber kaum ist dieser Sohn von dir, der deinen Besitz mit Prostituierten verprasst hat, wieder hier, schon schlachtest du das Mastkalb für ihn‘ “ (Lukas 15:25-30).

      Wer ist wie der ältere Sohn und hat Jesus dafür kritisiert, dass er den einfachen Menschen und den Sündern Aufmerksamkeit schenkt und sie barmherzig behandelt? Die Schriftgelehrten und Pharisäer. Ihre Kritik ist schließlich der Grund, warum Jesus diese Geschichte erzählt. Doch natürlich sollte sich jeder den Lehrpunkt zu Herzen nehmen, den es stört, wenn Gott jemandem Barmherzigkeit erweist.

      Zum Abschluss erzählt Jesus, wie der Vater seinem älteren Sohn zu Herzen redete: „Mein Sohn, du bist doch immer bei mir gewesen, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber wir mussten einfach feiern und uns freuen, denn dein Bruder war tot und ist wieder am Leben. Er war verloren und wurde gefunden“ (Lukas 15:31, 32).

      Jesus lässt in seiner Geschichte offen, wie der ältere Sohn reagiert. Doch nach Jesu Tod und Auferstehung wird tatsächlich „eine große Menge Priester“ gläubig (Apostelgeschichte 6:7). Einige von ihnen sind vielleicht sogar dabei, als Jesus die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt. Ja, selbst sie erhalten die Gelegenheit, zur Besinnung zu kommen, zu bereuen und zu Gott zurückzukehren.

      Jesu eindrucksvolle Erzählung enthält wichtige Lehrpunkte, die sich alle Jünger Jesu zu Herzen nehmen sollten. Ein Punkt ist: Lassen wir uns von Versuchungen nicht „in ein fernes Land“ locken, sondern bleiben wir in der Geborgenheit von Gottes Volk, wo wir die Liebe und Fürsorge unseres Vaters verspüren.

      Ein zweiter Punkt ist: Wer von Gottes Weg abkommt, muss demütig zu ihm zurückkehren. Nur so ist es möglich, ihm wieder zu gefallen.

      Ein dritter Lehrpunkt wird durch den Gegensatz zwischen dem Vater und dem älteren Bruder deutlich: Der Bruder ist abweisend und nachtragend, wohingegen der Vater herzlich ist und gern vergibt. Als Diener Gottes wollen wir jeden, der aufrichtig bereut und nach Hause zum Vater zurückkehrt, mit offenen Armen empfangen. Wir wollen uns darüber freuen, dass unser Bruder, der „verloren“ und „tot“ war, „gefunden“ wurde und „wieder am Leben“ ist.

  • Sei klug und plane voraus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein reicher Mann entlässt seinen Hausverwalter

      KAPITEL 87

      Sei klug und plane voraus

      LUKAS 16:1-13

      • DIE VERANSCHAULICHUNG VOM UNGERECHTEN VERWALTER

      • SICH MITHILFE DES REICHTUMS „FREUNDE MACHEN“

      Die Geschichte vom verlorenen Sohn, die Jesus soeben erzählt hat, sollte den zuhörenden Steuereinnehmern, Schriftgelehrten und Pharisäern klarmachen, dass Gott reuevollen Sündern gern vergibt (Lukas 15:1-7, 11). Jetzt wendet sich Jesus mit einer weiteren Veranschaulichung an seine Jünger. Darin erfährt ein reicher Mann, dass sein Hausverwalter seine Arbeit nicht gut macht.

      1. Der Verwalter überlegt, was er machen soll, 2. Der Verwalter senkt die Schulden, die ein Mann bei seinem Herrn hat

      Wie Jesus berichtet, hat dieser das Vermögen seines Herrn nicht gut verwaltet. Deshalb erklärt ihm sein Herr, dass er entlassen wird. „Was soll ich jetzt tun, wo mein Herr mich nicht mehr als Verwalter haben will?“, fragt er sich. „Zum Graben bin ich nicht stark genug und ich schäme mich zu betteln.“ Da hat er einen Einfall: „Ich weiß, was ich mache, damit ich nach meiner Entlassung in den Häusern der Leute willkommen bin.“ Sofort ruft er alle, die bei seinem Herrn Schulden haben, zu sich und fragt: „Wie viel schuldest du meinem Herrn?“ (Lukas 16:3-5).

      Der Erste antwortet: „100 Maß Olivenöl.“ Das sind etwa 2 200 Liter. Möglicherweise besitzt der Mann einen Olivenhain oder handelt mit Öl. Der Verwalter sagt zu ihm: „Hier hast du deine schriftliche Vereinbarung. Setz dich und schreib schnell 50 [1 100 Liter]“ (Lukas 16:6).

      Dann fragt er den Nächsten: „Und du, wie viel Schulden hast du?“ Er antwortet: „100 große Maß Weizen.“ Das sind ungefähr 22 000 Liter. „Hier ist deine schriftliche Vereinbarung“, sagt der Verwalter. „Schreib 80.“ Damit verringert er die Schuld um 20 Prozent (Lukas 16:7).

      Der Verwalter ist nach wie vor für die Finanzen seines Herrn verantwortlich. Damit steht es ihm gewissermaßen zu, anderen einen Schuldennachlass zu gewähren. So macht er sich Freunde unter denen, die ihm später einen Gefallen tun könnten, wenn er arbeitslos ist.

      Dann erfährt sein Herr von der Sache. Obwohl es einen finanziellen Verlust für ihn bedeutet, ist er doch von dem Verwalter beeindruckt und lobt ihn. Denn obwohl der Verwalter „ungerecht war“, hat er klug gehandelt. Jesus fügt hinzu: „Die Söhne dieses Weltsystems handeln im Umgang mit ihrer eigenen Generation klüger als die Söhne des Lichts“ (Lukas 16:8).

      Das heißt nicht, dass Jesus die Methoden des Verwalters billigen oder zu fragwürdigen Geschäftspraktiken ermuntern würde. Vielmehr rät er seinen Jüngern: „Macht euch mit dem ungerechten Reichtum Freunde, damit sie euch, wenn dieser Reichtum versagt, in die ewigen Wohnorte aufnehmen“ (Lukas 16:9). Es geht also darum, klug und vorausschauend zu sein. Gottes Diener, „die Söhne des Lichts“, sollten ihren Besitz weise gebrauchen, mit Blick auf ihre ewige Zukunft.

      Nur Jehova Gott und sein Sohn können uns ins Königreich des Himmels aufnehmen oder ins Paradies auf der Erde unter der Königreichsherrschaft. Wir sollten uns anstrengen, die Freundschaft zu ihnen zu vertiefen, indem wir mit unserem Besitz das Königreich unterstützen. Selbst wenn Gold, Silber und andere Reichtümer einmal nichts mehr wert sind oder es sie gar nicht mehr gibt — unsere ewige Zukunft wird uns dann sicher sein.

      Jesus sagt außerdem, dass diejenigen, die ihren Besitz „treu“ verwalten und gebrauchen, auch treu mit wichtigeren Dingen umgehen werden. Er gibt zu bedenken: „Wenn ihr euch also im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht als treu erwiesen habt, wer wird euch dann das Wahre [die Dinge, die mit dem Königreich zu tun haben] anvertrauen?“ (Lukas 16:11).

      Jesus führt seinen Jüngern vor Augen, dass viel von ihnen verlangt werden wird, wenn sie „in die ewigen Wohnorte“ aufgenommen werden wollen. Man kann nicht ein wahrer Diener Gottes sein und sich gleichzeitig zum Sklaven des „ungerechten Reichtums“ machen. Abschließend sagt Jesus: „Kein Diener kann ein Sklave von zwei Herren sein. Den einen würde er hassen und den anderen lieben — zu dem einen würde er halten und den anderen würde er verachten. Ihr könnt nicht Sklaven Gottes und des Reichtums sein“ (Lukas 16:9, 13).

  • Der reiche Mann und Lazarus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Hund leckt an den Geschwüren von Lazarus

      KAPITEL 88

      Der reiche Mann und Lazarus

      LUKAS 16:14-31

      • DIE GESCHICHTE VOM REICHEN MANN UND LAZARUS

      Jesus hat seinen Jüngern gerade Rat gegeben, wie sie mit Geld und Besitz umgehen sollten. Auch einige Pharisäer haben zugehört, und sie sollten sich Jesu Rat wirklich zu Herzen nehmen, denn sie hängen sehr am Geld. Doch stattdessen verziehen „sie spöttisch das Gesicht“ (Lukas 15:2; 16:13, 14).

      Jesus lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern, sondern sagt zu ihnen: „Ihr erklärt euch vor den Menschen selbst für gerecht, aber Gott kennt euer Herz. Was bei den Menschen hoch angesehen ist, ist für Gott abstoßend“ (Lukas 16:15).

      Seit Langem sind die Pharisäer „bei den Menschen hoch angesehen“, aber jetzt wendet sich das Blatt. Sie, die angesehen sind und reich, was Besitz, politische Macht und religiösen Einfluss betrifft, werden erniedrigt werden. Die einfachen Menschen jedoch, die erkennen, dass sie noch mehr über Gott lernen müssen, werden erhöht werden. Jesus macht deutlich, dass eine Zeit großer Veränderung angebrochen ist:

      „Das Gesetz und die Propheten gab es bis Johannes. Seitdem wird Gottes Königreich als gute Botschaft bekannt gemacht, und die verschiedensten Menschen drängen vorwärts, ihm entgegen. Eher vergehen Himmel und Erde, als dass auch nur ein einziger Strich eines Buchstabens aus dem Gesetz unerfüllt bleibt“ (Lukas 3:18; 16:16, 17). Wie deutet Jesus hier eine Veränderung an?

      Die religiösen Führer der Juden erklären stolz, das Gesetz Mose zu halten. Als Jesus in Jerusalem einen Blinden geheilt hat, haben die Pharisäer großspurig verkündet: „Wir . . . sind Jünger von Moses. Von Moses wissen wir, dass Gott zu ihm geredet hat“ (Johannes 9:13, 28, 29). Ein Zweck des Gesetzes, das durch Moses übermittelt wurde, war allerdings, demütige Menschen zum Messias hinzuführen, also zu Jesus. Johannes der Täufer hat Jesus als das Lamm Gottes kenntlich gemacht (Johannes 1:29-34). Seit dem Beginn von Johannes’ Dienst haben demütige Juden, darunter vor allem arme, von Gottes Königreich erfahren. Ja, es gibt eine gute Botschaft für alle, die sich Gottes Königreich unterstellen und seine Segnungen genießen möchten.

      Bald hat das mosaische Gesetz, das die Menschen zum Messias hingeführt hat, seinen Zweck erfüllt. Dann ist es für Gottes Volk nicht mehr bindend. Zum Beispiel konnte man sich bis dahin aus den verschiedensten Gründen scheiden lassen. Doch nun erklärt Jesus: „Jeder, der sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und wer eine Geschiedene heiratet, begeht ebenfalls Ehebruch“ (Lukas 16:18). Wie das die regelverliebten Pharisäer erzürnen muss!

      Dann erzählt Jesus eine Geschichte, die die Tragweite der aktuellen Veränderung deutlich macht. Es geht um zwei Männer, deren Stellung und Umstände sich drastisch ändern. Beim Lesen sollte man daran denken, dass unter Jesu Zuhörern die hoch angesehenen, geldgierigen Pharisäer sind.

      Ein in Purpur gekleideter reicher Mann schaut aus dem Fenster

      Jesus erzählt: „Es gab einmal einen reichen Mann, der sich in Purpur und Leinen kleidete und Tag für Tag im Luxus schwelgte. Vor sein Tor brachte man immer einen Bettler namens Lazarus. Er war mit Geschwüren übersät und sehnte sich danach, seinen Hunger mit dem zu stillen, was vom Tisch des Reichen fiel. Und ständig kamen Hunde und leckten an seinen Geschwüren“ (Lukas 16:19-21).

      Da die Pharisäer so am Geld hängen, besteht kein Zweifel, wen Jesus durch den reichen Mann veranschaulicht. Diese religiösen Führer tragen gern kostspielige, edle Kleidung. Und unabhängig davon, wie wohlhabend sie wirklich sind — auf jeden Fall sind sie reich, was ihre Privilegien und Chancen betrifft. Der königliche Purpur des Reichen erinnert an die begünstigte Stellung der Pharisäer und das weiße Leinen an ihre Selbstgerechtigkeit (Daniel 5:7).

      Wie betrachten diese reichen, stolzen Führer die armen, einfachen Menschen? Voller Verachtung bezeichnen sie sie als ʽam-haʼárez, als Menschen des Landes oder der Erde, die weder das Gesetz kennen noch es verdienen, darin belehrt zu werden (Johannes 7:49). Das wird durch die Situation des Bettlers Lazarus dargestellt, der sich nach den kargen Resten sehnt, die „vom Tisch des Reichen“ fallen. Diesen Menschen geht es ähnlich wie dem mit Geschwüren übersäten Lazarus — man blickt auf sie herab, als seien sie in Gottes Augen krank.

      Diese traurige Situation besteht seit geraumer Zeit. Doch Jesus weiß, dass die Zeit für eine große Veränderung nun gekommen ist. Die Umstände derjenigen, die wie der reiche Mann sind, und derjenigen, die wie Lazarus sind, werden sich ändern.

      DAS BLATT WENDET SICH

      Lazarus an der Seite von Abraham

      Jesus beschreibt, wie drastisch sich die Umstände ändern: „Eines Tages starb der Bettler und wurde von den Engeln an die Seite Abrahams getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Als er im Grab Qualen litt, blickte er hoch und sah von Weitem Abraham und an dessen Seite Lazarus“ (Lukas 16:22, 23).

      Jesu Zuhörern ist klar, dass Abraham schon lange tot ist und sich im Grab befindet. Die Schriften lassen keinen Zweifel daran, dass die, die im Grab oder Scheol sind, weder sehen noch sprechen können — auch Abraham nicht (Prediger 9:5, 10). Aber wie verstehen die religiösen Führer wohl Jesu Geschichte? Und was deutet er in Bezug auf die einfachen Leute und die geldgierigen religiösen Führer an?

      Jesus hat eben erst auf eine Veränderung hingewiesen, als er sagte: „Das Gesetz und die Propheten gab es bis Johannes. Seitdem wird Gottes Königreich als gute Botschaft bekannt gemacht.“ Daher verändern sich mit dem Predigen von Johannes und Jesus Christus die Umstände von „Lazarus“ und dem „Reichen“ so sehr, als würden sie sterben.

      Die demütigen und armen Menschen waren lange benachteiligt. Sie mussten mit dem zurechtkommen, was vom geistigen Tisch der religiösen Führer fiel. Aber nun erhalten sie Hilfe durch die Königreichsbotschaft, die ihnen zuerst von Johannes dem Täufer überbracht wurde und jetzt von Jesus. Sie werden mit lebenswichtigen Wahrheiten aus den Schriften ernährt, besonders mit den wunderbaren Lehren Jesu. Was Jehova Gott betrifft, sind sie nun endlich in einer begünstigten Stellung.

      Die vermögenden und einflussreichen religiösen Führer hingegen weigern sich, die Königreichsbotschaft anzunehmen, die Johannes bekannt gemacht und Jesus im ganzen Land verbreitet hat (Matthäus 3:1, 2; 4:17). Diese Botschaft ärgert, ja quält sie regelrecht, denn sie weist auf Gottes Gericht hin, das so vernichtend sein wird wie Feuer (Matthäus 3:7-12). Die geldgierigen religiösen Führer wären sehr erleichtert, wenn Jesus und seine Jünger Gottes Botschaft nicht mehr bekannt machen würden. Sie sind wie der Reiche, der ruft: „Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt, denn ich mache in diesem lodernden Feuer qualvolle Leiden durch“ (Lukas 16:24).

      Der reiche Mann wird im Feuer gequält

      Aber das wird nicht geschehen. Und die meisten religiösen Führer werden sich auch nicht ändern. Sie wollten nicht „auf Moses und die Propheten hören“, deren Schriften sie eigentlich dazu hätten bringen müssen, Jesus als den Messias Gottes anzuerkennen (Lukas 16:29, 31; Galater 3:24). Und sie sind auch nicht bereit, sich zu demütigen und sich durch das Predigen der Armen überzeugen zu lassen, die Jesus als Messias angenommen haben und nun Gottes Gunst genießen. Jesu Jünger können aber nicht einfach Zugeständnisse machen und die Wahrheit verwässern, nur damit die religiösen Führer zufrieden sind oder es ihnen besser geht. Jesus macht das durch die Antwort von „Vater Abraham“ an den Reichen deutlich:

      „Kind, denk daran, dass du zu deinen Lebzeiten genug Gutes hattest, aber Lazarus nur Schlechtes. Nun aber wird er hier getröstet und du machst qualvolle Leiden durch. Außerdem wurde eine feste Trennung zwischen uns und euch geschaffen, eine große Kluft, sodass diejenigen, die von hier zu euch wollen, es nicht können und auch niemand von dort zu uns herüberkommen kann“ (Lukas 16:25, 26).

      Religiöse Führer der Juden ärgern sich über Jesus

      Es ist wirklich nur fair und auch an der Zeit, dass sich die Verhältnisse ändern! Letztendlich bedeutet das für die stolzen religiösen Führer, mit den demütigen Menschen den Platz zu tauschen — mit denen, die Jesu Joch annehmen. Endlich werden diese geistig gut ernährt und bekommen neue Kraft (Matthäus 11:28-30). Die Veränderung wird noch offensichtlicher werden, wenn der Gesetzesbund einige Monate später durch den neuen Bund ersetzt wird (Jeremia 31:31-33; Kolosser 2:14; Hebräer 8:7-13). Am Pfingsttag 33 wird Gott seinen heiligen Geist ausgießen. Dann kann keiner mehr bestreiten, dass nicht die Pharisäer und ihre Verbündeten Gottes Gunst haben, sondern Jesu Jünger.

  • Jesus lehrt in Peräa auf dem Weg nach Judäa
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Ein Bote richtet Jesus aus, dass Lazarus sehr krank ist

      KAPITEL 89

      Jesus lehrt in Peräa auf dem Weg nach Judäa

      LUKAS 17:1-10 JOHANNES 11:1-16

      • ANDERE NICHT ZU FALL BRINGEN

      • JESUS SPRICHT ÜBER VERGEBUNG UND GLAUBEN

      Jesus ist seit einiger Zeit auf der anderen Jordanseite in Peräa (Johannes 10:40). Aber bald wird er auf dem Weg Richtung Jerusalem sein, das weiter südlich liegt.

      Seine Jünger sowie „große Menschenmengen“ begleiten ihn, darunter auch Steuereinnehmer und Sünder (Lukas 14:25; 15:1). Es sind auch Pharisäer und Schriftgelehrte da, die alles, was Jesus sagt und tut, kritisch beäugen. Doch durch die Veranschaulichungen über das verlorene Schaf, den verlorenen Sohn sowie den reichen Mann und Lazarus hat er ihnen viel zum Nachdenken gegeben (Lukas 15:2; 16:14).

      Wahrscheinlich denkt Jesus an die Kritik und das Gespött seiner Gegner, als er sich seinen Jüngern zuwendet und einige Lehren wieder aufgreift, über die er schon früher in Galiläa gesprochen hat.

      Er sagt: „Ursachen, durch die man ins Stolpern kommt, sind unvermeidlich. Aber wehe dem, durch den sie entstehen. . . . Passt auf euch auf. Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, dann rede ein ernstes Wort mit ihm, und wenn er bereut, vergib ihm. Selbst wenn er sieben Mal am Tag gegen dich sündigt und dann sieben Mal zu dir zurückkommt und sagt: ‚Ich bereue‘, musst du ihm vergeben“ (Lukas 17:1-4). Die letzte Bemerkung erinnert Petrus bestimmt an seine Frage, ob man jemandem bis zu sieben Mal vergeben muss (Matthäus 18:21).

      Werden Jesu Jünger in der Lage sein, seinen Rat zu befolgen? Sie bitten ihn: „Gib uns mehr Glauben.“ Daraufhin versichert er ihnen: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn wäre, würdet ihr zu diesem Schwarzen Maulbeerbaum sagen: ‚Heb dich mit deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!‘, und er würde auf euch hören“ (Lukas 17:5, 6). Ja, selbst mit ein wenig Glauben kann man Großes erreichen.

      Dann spricht Jesus darüber, dass es wichtig ist, eine demütige, ausgeglichene Sicht von sich selbst zu haben. Er sagt zu den Aposteln: „Angenommen, ihr habt einen Sklaven und er kommt nach dem Pflügen oder Schafehüten vom Feld zurück. Wer von euch würde dann zu ihm sagen: ‚Komm doch gleich her und nimm am Tisch Platz‘? Würde man nicht eher zu ihm sagen: ‚Mach mir etwas zum Abendessen und bind dir eine Schürze um und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach kannst du essen und trinken‘? Wird man sich etwa dem Sklaven zu Dank verpflichtet fühlen, weil er seinen Auftrag erfüllt hat? So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was man euch aufgetragen hat, dann sagt: ‚Wir sind nutzlose Sklaven. Wir haben nur unsere Pflicht getan‘ “ (Lukas 17:7-10).

      Ein Diener Gottes sollte sich bewusst sein, wie wichtig es ist, Gottes Interessen allem voranzustellen. Und er sollte daran denken, dass es wirklich ein Vorrecht ist, in Gottes Haushalt zu dienen.

      Offensichtlich nicht lange nach diesem Gespräch trifft ein Bote aus Judäa ein. Er kommt von Maria und Martha, den Schwestern von Lazarus, die in Bethanien leben. Sie lassen Jesus ausrichten: „Herr, der Mann, den du so liebst, ist krank“ (Johannes 11:1-3).

      Auch wenn sein Freund Lazarus sehr krank ist, lässt Jesus sich von der Sorge um ihn nicht lähmen, sondern sagt: „Diese Krankheit soll letztendlich nicht im Tod enden, sondern Gott verherrlichen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht wird.“ Er bleibt noch zwei Tage, wo er ist, und sagt dann zu seinen Jüngern: „Lasst uns wieder nach Judäa gehen.“ Doch sie wenden ein: „Rabbi, in Judäa wollte man dich vor Kurzem noch steinigen und jetzt willst du wieder dorthin?“ (Johannes 11:4, 7, 8).

      Jesus antwortet: „Gibt es nicht 12 Stunden Tageslicht? Wenn jemand im Tageslicht wandert, stolpert er nirgendwo hinein, weil er das Licht dieser Welt sieht. Wenn dagegen jemand in der Nacht wandert, stolpert er, weil das Licht nicht in ihm ist“ (Johannes 11:9, 10). Er spricht offenbar davon, dass die Zeit, die Gott für seinen Dienst festgelegt hat, noch nicht abgelaufen ist. Bis dahin muss er die kurze Zeit, die ihm noch bleibt, bestmöglich nutzen.

      Dann fügt Jesus hinzu: „Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich gehe jetzt hin, um ihn zu wecken.“ In der Meinung, dass Lazarus sich wirklich nur ausruht und es ihm bald besser geht, wenden die Jünger ein: „Herr, wenn er schläft, wird er gesund werden.“ Da sagt Jesus offen: „Lazarus ist gestorben . . . Aber jetzt lasst uns zu ihm gehen“ (Johannes 11:11-15).

      Thomas ist sich bewusst, dass Jesus in Judäa getötet werden könnte. Er möchte ihm aber gern zur Seite stehen und fordert die anderen Jünger deshalb auf: „Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben“ (Johannes 11:16).

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