Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Jesu Kommen oder Jesu Gegenwart — Was ist korrekt?
    Der Wachtturm 1996 | 15. August
    • Jesu Kommen oder Jesu Gegenwart — Was ist korrekt?

      „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (MATTHÄUS 24:3).

      1. Welche Rolle spielten Fragen bei Jesu Predigttätigkeit?

      JESUS machte geschickt Gebrauch von Fragen, wodurch er seine Zuhörer nicht nur zum Nachdenken brachte, sondern auch dazu, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen (Markus 12:35-37; Lukas 6:9; 9:20; 20:3, 4). Er beantwortete allerdings auch Fragen, und dafür können wir wirklich dankbar sein. Seine Antworten warfen nämlich Licht auf Wahrheiten, die uns sonst womöglich unbekannt oder unverständlich geblieben wären (Markus 7:17-23; 9:11-13; 10:10-12; 12:18-27).

      2. Mit welcher Frage wollen wir uns nun beschäftigen?

      2 In Matthäus 24:3 finden wir eine der wichtigsten Fragen, die Jesus jemals beantwortete. Das nahe Ende seines irdischen Lebens vor Augen, hatte Jesus gerade warnend die Zerstörung des Tempels in Jerusalem vorausgesagt, die das Ende des jüdischen Systems kennzeichnen würde. Im Bericht des Matthäus heißt es dann: „Als er auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: ‚Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart [„für dein Kommen“, Lutherbibel] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?‘ “ (Matthäus 24:3).

      3, 4. Welchen bemerkenswerten Unterschied weisen Bibeln in Matthäus 24:3 bei der Wiedergabe eines Schlüsselwortes auf?

      3 Millionen von Bibellesern haben sich gefragt: „Warum stellten die Jünger diese Frage, und wie sollte Jesu Antwort mich berühren?“ Jesus führte in seiner Antwort das Sprießen von Blättern als Zeichen dafür an, daß der Sommer „nahe ist“ (Matthäus 24:32, 33). Auf Grund dessen lehren viele Kirchen, die Apostel hätten nach einem Zeichen für Jesu „Kommen“ gefragt, nach einem Zeichen als Beweis für seine unmittelbar bevorstehende Rückkehr. Ihrer Auffassung nach steht sein „Kommen“ für den Zeitpunkt, zu dem er Christen in den Himmel nimmt, um anschließend das Ende der Welt herbeizuführen. Ist diese Ansicht korrekt?

      4 Einige Bibelübersetzungen, die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift eingeschlossen, gebrauchen an dieser Stelle statt „Kommen“ das Wort „Gegenwart“. Könnte es sein, daß sich das, wonach die Jünger fragten, und das, was Jesus als Antwort gab, von dem unterscheidet, was in den Kirchen gelehrt wird? Wonach wurde wirklich gefragt? Und was antwortete Jesus?

      Wonach fragten sie?

      5, 6. Was hatten die Apostel anscheinend im Sinn, als sie die in Matthäus 24:3 aufgezeichnete Frage stellten?

      5 Angesichts dessen, was Jesus über den Tempel gesagt hatte, dachten die Jünger wahrscheinlich an die jüdische Ordnung, als sie nach ‘einem Zeichen seiner Gegenwart [oder: für sein „Kommen“] und des Abschlusses des Systems der Dinge [wörtlich: des „Zeitalters“]’ fragten. (Vergleiche „Welt“ in 1. Korinther 10:11 und in Galater 1:4, Lu.)

      6 Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Apostel nur ein begrenztes Verständnis der Lehren Jesu. Bei einer früheren Gelegenheit waren sie der Meinung, „das Königreich Gottes werde sich augenblicklich zeigen“ (Lukas 19:11; Matthäus 16:21-23; Markus 10:35-40). Und selbst nach dem Gespräch auf dem Ölberg, allerdings noch vor ihrer Salbung mit heiligem Geist, fragten sie Jesus, ob er in jener Zeit das Königreich für Israel wiederherstellen würde (Apostelgeschichte 1:6).

      7. Was mag die Apostel veranlaßt haben, Jesus nach seiner künftigen Rolle zu fragen?

      7 Die Apostel wußten eigentlich, daß Jesus weggehen würde, denn er hatte nicht lange vorher zu ihnen gesagt: „Noch eine kleine Weile wird das Licht unter euch sein. Wandelt, solange ihr das Licht habt“ (Johannes 12:35; Lukas 19:12-27). Sie könnten sich verständlicherweise gefragt haben: „Wenn Jesus uns verläßt, woran werden wir dann seine Rückkehr erkennen?“ Bei seinem Kommen als Messias hatten ihn die meisten nicht erkannt. Und noch über ein Jahr später hielten sich hartnäckig Zweifel, ob er all das erfüllen würde, was der Messias tun sollte (Matthäus 11:2, 3). Die Apostel hatten daher wirklich Grund, sich nach der Zukunft zu erkundigen. Aber fragten sie nun nach einem Zeichen dafür, daß er bald kommen würde, oder fragten sie nach etwas anderem?

      8. In welcher Sprache unterhielten sich die Apostel wahrscheinlich mit Jesus?

      8 Stellen wir uns vor, wir wären ein Vogel gewesen und hätten das Gespräch auf dem Ölberg mit angehört. (Vergleiche Prediger 10:20.) Wahrscheinlich hätten wir gehört, wie sich Jesus und die Apostel auf hebräisch unterhielten (Markus 14:70; Johannes 5:2; 19:17, 20; Apostelgeschichte 21:40). Doch sie beherrschten wohl auch Griechisch.

      Was Matthäus in Griechisch schrieb

      9. Was dient bei den meisten Übersetzungen des Bibelbuches Matthäus als Grundlage?

      9 Aufzeichnungen, die bis in das 2. Jahrhundert u. Z. zurückreichen, lassen erkennen, daß Matthäus sein Evangelium zunächst in Hebräisch verfaßte. Erst später schrieb er es offenbar in Griechisch. Viele griechische Handschriften sind bis heute erhalten geblieben und dienen als Grundlage für die Übersetzung seines Evangeliums in die heutigen Sprachen. Wie gab Matthäus das Gespräch auf dem Ölberg in Griechisch wieder? Was schrieb er über das „Kommen“ oder die „Gegenwart“, wonach die Jünger gefragt hatten und worüber sich Jesus geäußert hatte?

      10. (a) Welches griechische Wort für „kommen“ gebrauchte Matthäus häufig, und was kann es noch bedeuten? (b) Welches andere griechische Wort ist von Interesse?

      10 In den ersten 23 Kapiteln des Matthäusevangeliums finden wir über 80mal ein häufig verwendetes griechisches Wort für „kommen“, das érchomai lautet. Es vermittelt oft den Gedanken des Näherkommens oder Herannahens, wie zum Beispiel in Johannes 1:47: „Jesus sah Nathanael auf sich zukommen.“ Abhängig von der Verwendung, kann érchomai „eintreffen“, „hingehen“, „kommen“, „erreichen“ oder „sich begeben“ bedeuten (Matthäus 2:8, 11; 8:28; Johannes 4:25, 27, 45; 20:4, 8; Apostelgeschichte 8:40; 13:51). In Matthäus 24:3, 27, 37, 39 gebrauchte Matthäus jedoch ein anderes Wort, ein Substantiv, das sonst nirgendwo in den Evangelien zu finden ist: parousía. Warum veranlaßte Gott, der die Niederschrift der Bibel inspirierte, Matthäus, in jenen Versen dieses griechische Wort zu wählen, als er sein Evangelium in Griechisch aufzeichnete? Was bedeutet das Wort, und warum sollten wir uns dafür interessieren?

      11. (a) Was bedeutet parousía? (b) Wie wird unser Verständnis durch Beispiele aus den Schriften des Josephus gestützt? (Siehe Fußnote.)

      11 Die genaue Bedeutung von parousía ist „Gegenwart“. In einem Wörterbuch wird erklärt: „PAROUSIA, ... wörtl[ich]: eine Gegenwart, para ([da]bei, [da]neben) und ousia (Sein; abgeleitet von eimi, ‚sein‘), bezeichnet sowohl die Ankunft als auch die darauf folgende Gegenwart. Zum Beispiel spricht eine vornehme Frau in einem Papyrusbrief von der Notwendigkeit ihrer parousia an einem Ort, um Angelegenheiten in Verbindung mit ihrem dortigen Vermögen zu erledigen“ (Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words). Wie andere Wörterbücher zeigen, bezeichnet parousía auch den „Besuch eines Herrschers“. Es handelt sich somit nicht nur um den Augenblick der Ankunft, sondern um eine Gegenwart, die sich an die Ankunft anschließt. Interessanterweise gebrauchte auch der jüdische Geschichtsschreiber Josephus, ein Zeitgenosse der Apostel, das Wort parousía in diesem Sinn.a

      12. Wie wird die Bedeutung von parousía durch die Bibel selbst gezeigt?

      12 Die Bedeutung „Gegenwart“ wird durch die Literatur des Altertums also klar bestätigt, allerdings interessieren sich Christen natürlich vor allem dafür, wie parousía in Gottes Wort verwendet wird. Es hat darin dieselbe Bedeutung — Gegenwart. Das läßt sich an Hand einiger Beispiele aus den Briefen des Paulus zeigen. So schrieb er an die Philipper: „Fahrt fort, in der Weise, wie ihr allezeit gehorcht habt, nicht nur während meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel bereitwilliger während meiner Abwesenheit, ... eure eigene Rettung zu bewirken.“ Er sprach auch davon, bei ihnen zu bleiben, damit „durch ... [seine] erneute Gegenwart [parousía]“ bei ihnen ihre Freude überströme (Philipper 1:25, 26; 2:12). Andere Bibelübersetzungen sagen: „wenn ich wieder bei euch bin“ (Sigge); „wegen meiner erneuten Anwesenheit bei euch“ (Schlachter); „wenn ich noch einmal bei euch anwesend sein werde“ (Menge). Paulus stellte gemäß 2. Korinther 10:10, 11 „seine persönliche Gegenwart“ dem gegenüber, „abwesend“ zu sein. In diesen Fällen sprach er eindeutig nicht von seinem Kommen oder seiner Ankunft; er gebrauchte parousía im Sinn von anwesend sein.b (Vergleiche 1. Korinther 16:17.) Wie verhält es sich jedoch bei Bezugnahmen auf Jesu parousía? Geht es dabei um sein „Kommen“, oder wird auf eine längere Gegenwart hingedeutet?

      13, 14. (a) Warum kommen wir zu dem Schluß, daß sich eine parousía über eine gewisse Zeit erstreckt? (b) Was ist über die Länge von Jesu parousía zu sagen?

      13 In den Tagen des Paulus waren geistgesalbte Christen an Jesu parousía interessiert. Paulus warnte sie allerdings davor, ‘sich von ihrem vernünftigen Denken abbringen zu lassen’. Zunächst mußte der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ in Erscheinung treten — wie es sich erwiesen hat, handelt es sich dabei um die Geistlichkeit der Christenheit. Gemäß den Worten des Paulus „ist die Gegenwart des Gesetzlosen gemäß der Wirksamkeit des Satans mit jeder Machttat und mit lügenhaften Zeichen und Wundern“ (2. Thessalonicher 2:2, 3, 9). Mit der parousía oder Gegenwart des ‘Menschen der Gesetzlosigkeit’ konnte offensichtlich nicht nur der Moment der Ankunft gemeint sein; sie mußte sich über eine gewisse Zeit erstrecken, in der lügenhafte Zeichen auftreten würden. Warum ist das von Bedeutung?

      14 Betrachten wir den unmittelbar vorausgehenden Vers: „Der Gesetzlose [wird] geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Geist seines Mundes und zunichte machen wird durch das Offenbarwerden seiner Gegenwart.“ Genauso, wie sich die Gegenwart des ‘Menschen der Gesetzlosigkeit’ über einen gewissen Zeitraum erstrecken sollte, so würde auch die Gegenwart Jesu eine gewisse Zeit dauern und in der Vernichtung des gesetzlosen ‘Sohnes der Vernichtung’ gipfeln (2. Thessalonicher 2:8).

      Gesichtspunkte des Hebräischen

      15, 16. (a) Welches Wort wird in vielen Übersetzungen des Matthäusevangeliums in das Hebräische verwendet? (b) Wie wird bōʼ in der Bibel gebraucht?

      15 Wie erwähnt, schrieb Matthäus sein Evangelium offenbar zuerst in Hebräisch. Welches hebräische Wort gebrauchte er also in Matthäus 24:3, 27, 37, 39? In Übersetzungen des Matthäusevangeliums in das heutige Hebräisch findet man eine Form des Verbs bōʼ, und zwar sowohl in der Frage der Apostel als auch in Jesu Antwort. Die Wiedergabe lautet dann in etwa: „Was wird das Zeichen deiner ... [bōʼ] und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ und: „Geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die ... [bōʼ] des Menschensohnes sein.“ Welche Bedeutung hat bōʼ?

      16 Das hebräische Wort bōʼ hat zwar eine große Bedeutungsbreite, aber im wesentlichen bedeutet es „kommen“. Im Theologischen Wörterbuch zum Alten Testament heißt es: „Mit seinen 2532 Belegen ... gehört ... [bōʼ] innerhalb des AT zu den am häufigsten verwendeten Verben ... und steht an der Spitze der Verben, die eine Bewegung ausdrücken“ (1. Mose 7:1, 13; 2. Mose 12:25; 28:35; 2. Samuel 19:30; 2. Könige 10:21; Psalm 65:2; Jesaja 1:23; Hesekiel 11:16; Daniel 9:13; Amos 8:11). Hätten Jesus und die Apostel ein Wort mit einer solchen Bedeutungsvielfalt gebraucht, könnte man sich tatsächlich über den Sinn streiten. War das jedoch der Fall?

      17. (a) Warum geben heutige hebräische Übersetzungen des Matthäusevangeliums nicht unbedingt das wieder, was Jesus und die Apostel tatsächlich gesagt haben? (b) Wo finden wir einen Hinweis darauf, welches Wort Jesus und die Apostel gebraucht haben könnten, und aus welchem weiteren Grund ist diese Quelle für uns von Interesse? (Siehe Fußnote.)

      17 Behalten wir im Sinn, daß es sich bei den heutigen hebräischen Wiedergaben um Übersetzungen handelt, die nicht unbedingt genau die Wörter verwenden müssen, die Matthäus in Hebräisch gebrauchte. Tatsache ist, daß Jesus durchaus auch ein anderes Wort als bōʼ verwendet haben kann, eines, das der Bedeutung von parousía entspricht. Das ist aus einem 1995 erschienenen Buch von Professor George Howard zu ersehen (Hebrew Gospel of Matthew). Im Mittelpunkt des Buches steht eine polemische Abhandlung gegen das Christentum aus dem 14. Jahrhundert, verfaßt von dem jüdischen Arzt Schemtow ben Isaak ibn Schaprut. Das Werk enthält den Text des Matthäusevangeliums in Hebräisch. Manches läßt darauf schließen, daß dieser Matthäustext sehr alt ist und ursprünglich in Hebräisch verfaßt worden ist und nicht erst zu Schemtows Zeiten aus dem Lateinischen oder Griechischen übersetzt wurde.c Daher kann er uns möglicherweise näheren Aufschluß darüber geben, was auf dem Ölberg gesagt wurde.

      18. Welches interessante hebräische Wort gebrauchte Schemtow, und was bedeutet es?

      18 In Schemtows Matthäusevangelium steht in Kapitel 24, Vers 3, 27, 39 nicht das Verb bōʼ. Statt dessen wird darin das verwandte Substantiv biʼáh gebraucht. Dieses Substantiv kommt in den Hebräischen Schriften nur in Hesekiel 8:5 vor, wo es „Eingangsweg“ bedeutet. Dort wird nicht der Vorgang des Kommens beschrieben, sondern biʼáh bezieht sich in diesem Fall auf den Zugang zu einem Gebäude; wenn man im Eingang oder auf der Schwelle steht, ist man in dem Gebäude. In nichtbiblischen religiösen Dokumenten unter den Schriftrollen vom Toten Meer wird biʼáh auch oft in Verbindung mit der Einführung oder dem Beginn priesterlicher Ämter verwendet. (Siehe 1. Chronika 24:3-19; Lukas 1:5, 8, 23.) In einer 1986 erschienenen hebräischen Übersetzung der aus dem Altertum stammenden syrischen (oder aramäischen) Peschitta wird in Matthäus 24:3, 27, 37, 39 ebenfalls biʼáh gebraucht. Somit gibt es Hinweise darauf, daß in alter Zeit die Bedeutung des Substantivs biʼáh möglicherweise etwas von der des in der Bibel verwendeten Verbs bōʼ abwich. Warum ist das von Interesse?

      19. Worauf könnte man schließen, falls Jesus und die Apostel biʼáh verwendet haben?

      19 Es könnte sein, daß die Apostel in ihrer Frage und Jesus in seiner Antwort das Substantiv biʼáh verwendeten. Selbst wenn die Apostel lediglich Jesu künftige Ankunft im Sinn gehabt hätten, könnte Christus biʼáh gebraucht haben, um über das, woran sie dachten, hinauszugehen. Jesus hätte auf seine Ankunft als Beginn eines neuen Amtes hinweisen können; diese Ankunft sollte den Beginn seiner neuen Rolle anzeigen. Das würde den Sinn von parousía treffen, wie es Matthäus später verwendete. Der Gebrauch von biʼáh in diesem Sinne dürfte das stützen, was Jehovas Zeugen seit langem lehren, nämlich, daß das von Jesus gegebene kombinierte „Zeichen“ seine Gegenwart anzeigen sollte.

      Den Höhepunkt seiner Gegenwart erwarten

      20, 21. Was läßt Jesu Äußerung über die Tage Noahs erkennen?

      20 Die Beschäftigung mit der Gegenwart Jesu sollte unmittelbaren Einfluß auf unser Leben und unsere Erwartungen haben. Jesus forderte seine Nachfolger auf, wach zu bleiben. Damit man seine Gegenwart erkennen könnte, beschrieb er ein Zeichen, von dem jedoch die meisten keine Notiz nehmen würden: „Geradeso wie die Tage Noahs waren, so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein. Denn so, wie sie in jenen Tagen vor der Sintflut waren: sie aßen und tranken, Männer heirateten und Frauen wurden verheiratet bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche hineinging, und sie nahmen keine Kenntnis davon, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte: so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24:37-39).

      21 In den Tagen Noahs gingen die meisten Menschen jener Generation einfach ihren alltäglichen Geschäften nach. Wie Jesus voraussagte, sollte es bei der „Gegenwart des Menschensohnes“ genauso sein. Zu Noahs Zeiten werden die Menschen wohl gedacht haben, daß nichts geschehen wird. Wir wissen es besser. Jene Tage, die einen längeren Zeitraum umfaßten, erreichten ihren Höhepunkt, als „die Sintflut kam und sie alle wegraffte“. Lukas überlieferte einen ähnlichen Bericht, in dem Jesus die ‘Tage Noahs’ mit den „Tagen des Menschensohnes“ verglich. Jesus äußerte die mahnenden Worte: „Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn geoffenbart wird“ (Lukas 17:26-30).

      22. Warum sollten wir an der in Matthäus, Kapitel 24 aufgezeichneten Prophezeiung Jesu außerordentlich interessiert sein?

      22 All das nimmt für uns eine besondere Bedeutung an, weil zu unseren Lebzeiten die Ereignisse zu sehen sind, die Jesus vorausgesagt hat — Kriege, Erdbeben, Seuchen, Lebensmittelknappheit und die Verfolgung seiner Jünger (Matthäus 24:7-9; Lukas 21:10-12). Der Beginn ihres Eintretens deckt sich mit einem epochalen Ereignis, das bezeichnenderweise der Erste Weltkrieg genannt wird, wenngleich die Geschehnisse von den meisten Menschen für normale Bestandteile der Geschichte gehalten werden. Wahre Christen sind sich dagegen der Bedeutung dieser folgenschweren Ereignisse bewußt; sie gleichen aufmerksamen Menschen, die daran, daß ein Feigenbaum Blätter treibt, das Nahen des Sommers erkennen können. Jesus gab den Hinweis: „Ebenso auch ihr, wenn ihr diese Dinge geschehen seht, erkennt, daß das Königreich Gottes nahe ist“ (Lukas 21:31).

      23. Für wen haben Jesu Worte aus Matthäus, Kapitel 24 besondere Bedeutung, und warum?

      23 Jesus richtete einen großen Teil seiner Antwort, die er auf dem Ölberg gab, an seine Nachfolger. Sie waren es, die vor dem Kommen des Endes das lebensrettende Werk der Verkündigung der guten Botschaft auf der ganzen Erde durchführen sollten. Sie würden „das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, ... an heiliger Stätte stehen [sehen]“. Sie sollten daraufhin „fliehen“, ehe die große Drangsal beginnen würde. Und besonders das, was mit folgenden Worten geschildert wurde, sollte auf sie zutreffen: „Wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“ (Matthäus 24:9, 14-22). Doch was bedeuten diese nüchternen Worte, und warum kann gesagt werden, daß sie die Grundlage für größeres Glück, größere Zuversicht und größeren Eifer in der heutigen Zeit legen? Die nachfolgende Abhandlung über Matthäus 24:22 wird auf diese Fragen die Antwort geben.

      [Fußnoten]

      a Beispiele bei Josephus: Blitze und Donner „verkündeten die Gegenwart [parousía] Gottes“ am Berg Sinai. Die übernatürlichen Erscheinungen in der Stiftshütte dienten „als Wahrzeichen der Anwesenheit [parousía] Gottes“. Dadurch, daß Gott Elisas Diener die ihn umgebenden Kriegswagen zeigte, tat er ihm „seine Macht und Gegenwart [parousía]“ kund. Als Petronius, ein römischer Beamter, die Juden zu beschwichtigen suchte, soll ihm Gott, wie Josephus behauptete, dadurch „seine Gegenwart [parousía] und Macht“ gezeigt haben, daß er Regen sandte. Josephus gebrauchte parousía nicht für ein einfaches Kommen oder für den Augenblick der Ankunft. Es bezeichnete eine fortgesetzte, sogar unsichtbare Gegenwart (2. Mose 20:18-21; 25:22; 3. Mose 16:2; 2. Könige 6:15-17). (Vergleiche Jüdische Altertümer, Buch 3, Kapitel 5, Absatz 2; Kapitel 8, Absatz 5; Buch 9, Kapitel 4, Absatz 3; Buch 18, Kapitel 8, Absatz 6.)

      b E. W. Bullinger weist in seinem Werk darauf hin, daß parousía ein jetziges oder künftiges Gegenwärtigsein bedeutet, somit Gegenwart, Ankunft; ein Kommen, das die Vorstellung eines dauernden Aufenthalts ab diesem Kommen einschließt (A Critical Lexicon and Concordance to the English and Greek New Testament).

      c Ein Beweis dafür ist, daß der Text 19mal ausgeschrieben oder abgekürzt den hebräischen Ausdruck „Der Name“ enthält. Professor Howard schreibt: „Diese Lesart des Gottesnamens in einem christlichen Dokument, das von einem jüdischen Polemiker zitiert wird, ist bemerkenswert. Wäre es eine hebräische Übersetzung eines griechischen oder lateinischen christlichen Dokuments, würde man in dem Text adonai [Herr] erwarten, nicht ein Symbol für den unaussprechlichen göttlichen Namen JHWH. ... Es ist unvorstellbar, daß er den unaussprechlichen Namen hinzugefügt hat. Alles deutet darauf hin, daß Schemtow bereits bei Erhalt des Matthäustextes den göttlichen Namen darin vorfand und daß er ihn wahrscheinlich beibehielt, um sich nicht der Auslassung schuldig zu machen.“ Die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen gebraucht das Matthäusevangelium von Schemtow (J2) als Stütze für die Verwendung des göttlichen Namens in den Christlichen Griechischen Schriften.

  • Werden wir bei Gottes Eingreifen gerettet werden?
    Der Wachtturm 1996 | 15. August
    • Werden wir bei Gottes Eingreifen gerettet werden?

      „Wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“ (MATTHÄUS 24:22).

      1, 2. (a) Warum ist es ganz normal, sich für seine Zukunft zu interessieren? (b) Bei welchen wichtigen Fragen mag natürliches Interesse eine Rolle gespielt haben?

      WIE sehr sind wir an uns selbst interessiert? Heute übertreiben viele das Eigeninteresse, ja sind egozentrisch. Die Bibel verurteilt keineswegs ein angemessenes Interesse an dem, was einen selbst betrifft (Epheser 5:33). Das schließt auch ein, sich für die eigene Zukunft zu interessieren. Es ist somit normal, wenn man wissen möchte, was einem die Zukunft bringt. Interessieren wir uns dafür?

      2 Wir können davon ausgehen, daß Jesu Apostel das gleiche Interesse an ihrer Zukunft hatten (Matthäus 19:27). Es spielte wahrscheinlich auch eine Rolle, als vier von ihnen mit Jesus auf dem Ölberg waren. Sie fragten: „Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluß kommen sollen?“ (Markus 13:4). Jesus ignorierte weder ihr natürliches Interesse an der Zukunft, noch ignoriert er das unsere. Mehr als einmal zeigte er deutlich, was auf seine Nachfolger zukommen sollte und wie letztlich der Ausgang sein würde.

      3. Warum beziehen wir Jesu Antwort auf unsere Zeit?

      3 Jesu Antwort bestand aus einer Prophezeiung, die in unserer Zeit eine größere Erfüllung haben sollte. Das lassen sowohl die Weltkriege und die anderen Konflikte in unserem Jahrhundert erkennen als auch die Erdbeben mit ihren zahllosen Opfern, die Lebensmittelknappheit mit Krankheit und Tod als Folge sowie die Seuchen — angefangen von der spanischen Grippe des Jahres 1918 bis zur Aidsseuche heute. Allerdings erfüllte sich ein Großteil der Antwort Jesu durch Ereignisse, die zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 u. Z. führten, sowie durch die Zerstörung selbst. Jesus sagte warnend zu seinen Jüngern: „Gebt acht auf euch selbst; man wird euch örtlichen Gerichten ausliefern, und ihr werdet in Synagogen geschlagen und um meinetwillen vor Statthalter und Könige gestellt werden, ihnen zu einem Zeugnis“ (Markus 13:9).

      Was Jesus voraussagte und was geschah

      4. Welche warnenden Hinweise beinhaltet Jesu Antwort unter anderem?

      4 Jesus sagte nicht nur voraus, wie man seine Jünger behandeln würde. Er gab ihnen auch deutliche Hinweise, wie sie handeln sollten. Einer davon lautete: „Wenn ihr ... das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, dort stehen seht, wo es nicht stehen sollte (der Leser wende Unterscheidungsvermögen an), dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen“ (Markus 13:14). Im Parallelbericht in Lukas 21:20 heißt es: „Wenn ihr ... die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert seht ...“ Wie bewahrheitete sich das in der ersten Erfüllung?

      5. Was spielte sich 66 u. Z. unter den Juden in Judäa ab?

      5 In der International Standard Bible Encyclopedia (1982) heißt es: „Die Juden wurden unter der römischen Herrschaft immer aufsässiger und die Prokuratoren zunehmend gewalttätiger, grausamer und unehrlicher. 66 n. Chr. kam es zu offener Rebellion. ... Der Krieg begann damit, daß die Zeloten Masada eroberten und dann, unter Menahem, gegen Jerusalem vorrückten. Zur gleichen Zeit gab es ein Massaker an den Juden in Cäsarea, dem Sitz des Statthalters, und die Nachricht von dieser Greueltat verbreitete sich im ganzen Land. Neue Münzen wurden geprägt, versehen mit der Aufschrift Jahr eins bis Jahr fünf der Erhebung.“

      6. Wie reagierten die Römer auf die Erhebung der Juden?

      6 Die 12. Legion der Römer unter Cestius Gallus, die von Syrien aus in Marsch gesetzt worden war, verwüstete Galiläa und Judäa und griff dann die Hauptstadt an; es gelang ihr sogar, den oberen Teil von „Jerusalem, der heiligen Stadt“, einzunehmen (Nehemia 11:1; Matthäus 4:5; 5:35; 27:53). In einem Buch werden die Vorgänge wie folgt zusammengefaßt: „Fünf Tage lang versuchten die Römer, die Mauer zu ersteigen, wurden aber immer wieder zurückgeworfen. Doch schließlich mußten die Verteidiger dem übermächtigen Geschoßhagel weichen. Dann bildeten die römischen Soldaten eine Schildkröte — die Taktik, bei der sie die Schilde über ihren Köpfen miteinander verbanden, um sich zu schützen —, sie untergruben die Mauer und versuchten, das Tor in Brand zu setzen. Furchtbarer Schrecken ergriff die Verteidiger“ (The Roman Siege of Jerusalem). Die Christen in der Stadt erinnerten sich gewiß an Jesu Worte und erkannten, daß ein abscheuliches Ding an heiliger Stätte stand.a Doch wie sollten sie Jesu Rat befolgen und aus der eingeschlossenen Stadt fliehen?

      7. Was taten die Römer 66 u. Z., als der Sieg schon zum Greifen nahe war?

      7 Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtete: „Cestius [Gallus], der weder die Verzweiflung der Belagerten noch die Stimmung des Volkes zu kennen schien, ließ plötzlich seine Soldaten den Rückzug antreten, gab, obwohl er keinen Rückschlag erlitten, alle Hoffnung auf und verließ unbegreiflicherweise die Stadt“ (Der Jüdische Krieg, 2. Buch, Kapitel 19, Absatz 7). Warum zog sich Gallus zurück? Der Grund für den Rückzug ist zwar unbekannt, doch dadurch war es den Christen möglich, dem Gebot Jesu zu gehorchen und in die Berge in Sicherheit zu fliehen.

      8. Was geschah in der zweiten Phase des Vorgehens der Römer gegen Jerusalem, und was widerfuhr den Überlebenden?

      8 Gehorsam war lebensrettend. Bald rückten die Römer wieder vor, um den Aufstand niederzuschlagen. Der Höhepunkt des Feldzugs unter General Titus war die Belagerung Jerusalems von April bis August 70 u. Z. Es läßt einem das Blut in den Adern erstarren, den Bericht des Josephus über die Leiden der Juden zu lesen. Sie kamen nicht nur in den Kämpfen gegen die Römer um, nein, rivalisierende Banden der Juden ermordeten sogar die eigenen Landsleute, und die Hungersnot führte zu Kannibalismus. 1 100 000 Juden fanden den Tod, ehe die Römer den Sieg errangen.b Von den 97 000 Überlebenden wurden einige sofort hingerichtet; andere kamen in die Sklaverei. Josephus schrieb: „Von den ... Gefangenen schickte Titus die mehr als siebzehn Jahre alten in die Bergwerke Ägyptens; die meisten jedoch verschenkte er in die Provinzen, wo sie in den Arenen entweder durchs Schwert oder durch wilde Tiere umkommen sollten.“ Während des Ausleseprozesses verhungerten bereits 11 000 Gefangene.

      9. Warum blieb den Christen das Los der Juden erspart, doch welche Fragen bleiben offen?

      9 Die Christen konnten sich glücklich schätzen, daß sie die Warnung ihres Herrn beachtet hatten und vor der Rückkehr des römischen Heeres aus der Stadt geflohen waren. Sie wurden dadurch vor dem bewahrt, was Jesus als „große Drangsal“ für Jerusalem bezeichnete, eine Drangsal, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“ (Matthäus 24:21). Jesus fügte hinzu: „Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“ (Matthäus 24:22). Was bedeutete das damals, und was bedeutet es heute?

      10. Wie haben wir in der Vergangenheit Matthäus 24:22 erklärt?

      10 In der Vergangenheit wurde erklärt, daß es sich bei dem „Fleisch“, das gerettet werden sollte, um die Juden handelte, die 70 u. Z. in Jerusalem die Drangsal überlebten. Da die Christen geflohen waren, konnte Gott durch die Römer eine schnelle Vernichtung herbeiführen. Mit anderen Worten: Um der Tatsache willen, daß die „Auserwählten“ außer Gefahr waren, konnten die Tage der Drangsal verkürzt werden, wodurch jüdisches „Fleisch“ gerettet wurde. Man nahm an, die Juden, die überlebt hatten, würden prophetisch diejenigen darstellen, die in unseren Tagen die bevorstehende große Drangsal überleben werden (Offenbarung 7:14).

      11. Warum ist es angebracht, die Erklärung zu Matthäus 24:22 zu überdenken?

      11 Ist diese Erklärung jedoch im Einklang mit dem, was 70 u. Z. geschah? Wie Jesus sagte, sollte „Fleisch“, das heißt Menschen, aus der großen Drangsal gerettet werden. Könnte man die 97 000 Überlebenden angesichts dessen, daß Tausende von ihnen kurz darauf verhungerten oder in den Theatern umkamen, als „gerettet“ bezeichnen? Josephus sagte allein mit Bezug auf das Theater von Cäsarea: „Mehr als 2500 wurden teils in Kämpfen mit wilden Tieren, teils auf dem Scheiterhaufen, teils in den Kämpfen miteinander getötet.“ Sie starben zwar nicht während der Belagerung, aber sie waren gewiß nicht „gerettet“. Sollte Jesus sie wirklich als Entsprechung für die glücklichen Überlebenden der bevorstehenden „großen Drangsal“ angeführt haben?

      Fleisch gerettet — Inwiefern?

      12. Wer waren im ersten Jahrhundert die „Auserwählten“, an denen Gott interessiert war?

      12 Gott betrachtete die natürlichen Juden 70 u. Z. gar nicht mehr als sein auserwähltes Volk. Er hatte, wie Jesus zeigte, die Nation verworfen und wollte nun ihrer Hauptstadt, ihrem Tempel und ihrem System der Anbetung ein Ende machen lassen (Matthäus 23:37 bis 24:2). Als neue Nation hatte sich Gott das geistige Israel erwählt (Apostelgeschichte 15:14; Römer 2:28, 29; Galater 6:16). Es setzte sich aus Männern und Frauen zusammen, die aus allen Nationen herausgenommen und mit heiligem Geist gesalbt worden waren (Matthäus 22:14; Johannes 15:19; Apostelgeschichte 10:1, 2, 34, 35, 44, 45). Einige Jahre vor dem Angriff des Cestius Gallus schrieb Petrus an „die Auserwählten nach dem Vorherwissen Gottes, des Vaters, mit der Heiligung durch den Geist“. Diese Geistgesalbten waren „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation“ (1. Petrus 1:1, 2; 2:9). Gott würde diese Auserwählten als Mitherrscher Jesu in den Himmel nehmen (Kolosser 1:1, 2; 3:12; Titus 1:1; Offenbarung 17:14).

      13. In welchem Sinn sind Jesu Worte aus Matthäus 24:22 offenbar zu verstehen?

      13 Da Jesus voraussagte, daß die Tage der Drangsal „um der Auserwählten willen“ verkürzt werden würden, ist es durchaus wünschenswert, genau zu wissen, wer die Auserwählten sind. Das mit „um ... willen“ übersetzte griechische Wort kann auch mit „für“, „wegen“ oder „zum Besten von“ wiedergegeben werden (Markus 2:27, Einheitsübersetzung; Johannes 12:30, Rösch; 1. Korinther 8:11, 9:10, 23, 11:9, Albrecht; 2. Timotheus 2:10, Weizsäcker; Offenbarung 2:3, Holtzmann).c Geschah etwas zum Nutzen oder zum Besten der auserwählten Christen, die in Jerusalem eingeschlossen waren?

      14. Inwiefern wurde „Fleisch“ gerettet, als das römische Heer 66 u. Z. unerwartet von Jerusalem abzog?

      14 Rufen wir uns in den Sinn, daß die Römer 66 u. Z. durch das Land vorrückten, die Oberstadt von Jerusalem einnahmen und darangingen, die Mauer zu untergraben. Josephus schrieb dazu: „Hätte dieser [Cestius Gallus] die Belagerung nur noch kurze Zeit fortgesetzt, würde er die Stadt rasch in seine Gewalt bekommen haben.“ Fragen wir uns: Warum sollte das mächtige römische Heer den Feldzug plötzlich abbrechen und sich „unbegreiflicherweise“ zurückziehen? Rupert Furneaux, ein Fachmann für die Interpretation von Militärgeschichte, erklärte: „Kein Historiker konnte bisher einen plausiblen Grund für die ungewöhnliche und katastrophale Entscheidung des Gallus liefern.“ Weshalb es auch geschah, auf jeden Fall wurde dadurch die Drangsal abgekürzt. Auf ihrem Rückzug wurden die Römer wiederholt von den Juden angegriffen. Wie erging es den gesalbten christlichen „Auserwählten“, die eingeschlossen gewesen waren? Der Abbruch der Belagerung bedeutete, daß sie vor dem Blutbad bewahrt blieben, das während der Drangsal gedroht hatte. Diese Christen, die aus der Verkürzung der Drangsal 66 u. Z. Nutzen zogen, waren das gerettete „Fleisch“, von dem in Matthäus 24:22 die Rede ist.

      Was bringt uns die Zukunft?

      15. Was meinen wir persönlich, warum Matthäus, Kapitel 24 für unsere Zeit von besonderem Interesse ist?

      15 Manch einer mag sich fragen: „Von welcher Bedeutung ist dieses klarere Verständnis der Worte Jesu für mich?“ Nun, es ist durchaus begründet, zu schlußfolgern, daß Jesu Prophezeiung eine größere Erfüllung haben sollte, die über das hinausgeht, was bis einschließlich 70 u. Z. geschah.d (Vergleiche Matthäus 24:7; Lukas 21:10, 11; Offenbarung 6:2-8.) Wie Jehovas Zeugen seit Jahrzehnten predigen, beweist die größere Erfüllung in unserer Zeit, daß wir in naher Zukunft mit einer allumfassenden „großen Drangsal“ rechnen müssen. Wie werden sich die prophetischen Worte aus Matthäus 24:22 während dieser Drangsal erfüllen?

      16. Welche ermunternde Tatsache in bezug auf die herannahende große Drangsal läßt die Offenbarung erkennen?

      16 Etwa zwei Jahrzehnte nachdem die Drangsal über Jerusalem gekommen war, schrieb der Apostel Johannes das Bibelbuch Offenbarung. Darin wird bestätigt, daß eine große Drangsal bevorsteht. Und da wir an Dingen interessiert sind, die uns persönlich betreffen, wird uns die in der Offenbarung gegebene prophetische Zusicherung, daß menschliches Fleisch die kommende große Drangsal überleben wird, wahrscheinlich aufatmen lassen. Johannes sprach von ‘einer großen Volksmenge aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen’. Was sind das für Menschen? Eine Stimme vom Himmel gab die Antwort: „Das sind die, die aus der großen Drangsal kommen“ (Offenbarung 7:9, 14). Ja, es wird Überlebende geben! Die Offenbarung liefert uns sowohl Aufschluß über gewisse Entwicklungen während der kommenden großen Drangsal als auch darüber, wie Matthäus 24:22 in Erfüllung gehen wird.

      17. Was wird in der Anfangsphase der großen Drangsal geschehen?

      17 In der Anfangsphase dieser Drangsal wird ein Angriff auf eine symbolische Prostituierte unternommen werden, die als „Babylon die Große“ bezeichnet wird (Offenbarung 14:8; 17:1, 2). Sie stellt das Weltreich der falschen Religion dar, dessen tadelnswertester Teil die Christenheit ist. Gemäß den Worten in Offenbarung 17:16-18 wird Gott es den politischen Elementen ins Herz geben, die symbolische Hure anzugreifen.e Vergegenwärtigen wir uns, welcher Eindruck bei Gottes gesalbten „Auserwählten“ und ihren Gefährten, der „großen Volksmenge“, durch diesen Angriff entstehen könnte. Während der vernichtende Angriff auf die Religion fortschreitet, mag es den Anschein haben, als würden alle religiösen Organisationen beseitigt werden — auch das Volk Jehovas.

      18. Warum könnte es den Anschein haben, als würde zu Beginn der großen Drangsal kein „Fleisch“ gerettet werden?

      18 Zu dieser Zeit werden Jesu Worte aus Matthäus 24:22 eine größere Erfüllung haben. Genauso, wie sich die Auserwählten in Jerusalem offensichtlich in einer gefährlichen Situation befanden, wird es den Anschein haben, als stünden Jehovas Diener in Gefahr, während des Angriffs auf die Religion vernichtet zu werden, als würde dieser Angriff allem „Fleisch“ des Volkes Gottes ein Ende machen. Doch behalten wir im Sinn, was 66 u. Z. geschah. Die durch die Römer verursachte Drangsal wurde verkürzt, wodurch sich Gottes gesalbten Auserwählten die Gelegenheit bot, zu fliehen und am Leben zu bleiben. Es wird also mit Sicherheit nicht zugelassen werden, daß die weltweite Versammlung der wahren Anbeter durch den zerstörerischen Angriff auf die Religion ausgerottet wird. Der Angriff wird schnell vorgetragen werden, gleichsam „an e i n e m Tag“. Er wird tatsächlich auf irgendeine Weise verkürzt werden — das, was eigentlich beabsichtigt ist, wird nicht völlig erreicht werden, so daß Gottes Volk „gerettet“ werden kann (Offenbarung 18:8).

      19. (a) Was wird nach Abschluß des ersten Teils der großen Drangsal deutlich zu sehen sein? (b) Wozu wird das führen?

      19 Andere Elemente der irdischen Organisation Satans werden danach noch für eine gewisse Zeit fortbestehen und über den Verlust der Geschäfte mit ihrer ehemaligen religiösen Geliebten klagen (Offenbarung 18:9-19). Irgendwann werden sie feststellen, daß die wahren Diener Gottes — „die in Sicherheit wohnen, die allesamt ohne Mauern wohnen“ — übriggeblieben sind, und diese für eine leichte Beute halten. Doch sie werden eine Überraschung erleben. Als Reaktion auf den tatsächlichen oder drohenden Angriff gegen seine Diener wird Gott im Schlußteil der großen Drangsal aufstehen und an seinen Feinden Gericht üben (Hesekiel 38:10-12, 14, 18-23).

      20. Warum wird Gottes Volk während der zweiten Phase der großen Drangsal nicht in Gefahr sein?

      20 Die zweite Phase der großen Drangsal wird eine Parallele zu dem sein, was 70 u. Z. beim zweiten Angriff der Römer mit Jerusalem und seinen Bewohnern geschah. Sie wird sich als „große Drangsal“ erweisen, eine Drangsal, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“ (Matthäus 24:21). Wir können uns jedoch darauf verlassen, daß sich die Auserwählten Gottes und ihre Mitverbundenen weder im Gefahrenbereich befinden werden, noch wird ihr Leben in Gefahr sein. Sie werden allerdings nicht an einen bestimmten geographischen Ort fliehen müssen. Die in Jerusalem lebenden Christen des ersten Jahrhunderts konnten aus der Stadt in die Berggegend fliehen, zum Beispiel nach Pella auf der anderen Seite des Jordan. In Zukunft werden Sicherheit und Schutz dagegen nicht von einer Örtlichkeit abhängig sein, denn es wird auf der ganzen Erde treue Zeugen Gottes geben.

      21. Wer wird im Schlußkrieg den Kampf führen, und was wird der Ausgang sein?

      21 Die Vernichtung wird weder durch die Streitkräfte Roms noch durch irgendeine andere menschliche Einrichtung erfolgen. Im Bibelbuch Offenbarung werden statt dessen himmlische Hinrichtungsstreitkräfte beschrieben. In der Tat, kein menschliches Heer wird die große Drangsal zum Abschluß bringen, sondern „Das Wort Gottes“, der König Jesus Christus, unterstützt durch ‘die Heere, die im Himmel sind’, einschließlich der auferweckten gesalbten Christen. Der „König der Könige und Herr der Herren“ wird eine wesentlich größere Verheerung herbeiführen als die Römer im Jahr 70 u. Z. Er wird alle menschlichen Feinde Gottes vernichten — Könige, Militärbefehlshaber, Freie und Sklaven, die Kleinen und die Großen. Damit wird auch für die menschlichen Organisationen der Welt Satans das Ende gekommen sein (Offenbarung 2:26, 27; 17:14; 19:11-21; 1. Johannes 5:19).

      22. In welchem weiteren Sinn wird „Fleisch“ gerettet werden?

      22 Denken wir daran, daß „Fleisch“ — sowohl der gesalbte Überrest als auch die „große Volksmenge“ — bereits gerettet worden ist, wenn Babylon die Große im ersten Teil der großen Drangsal schnell und vollständig untergeht. Auch im Schlußteil der Drangsal wird „Fleisch“, das auf die Seite Jehovas geflohen ist, gerettet werden. Welch ein Gegensatz zu dem Geschick der rebellischen Juden im Jahr 70 u. Z.!

      23. Worauf kann sich das „Fleisch“, das überleben wird, freuen?

      23 Wenn wir darüber nachdenken, was die Zukunft für uns und unsere Angehörigen bereithält, sollten wir an das denken, was in Offenbarung 7:16, 17 verheißen wird: „Sie werden nicht mehr hungern und auch nicht mehr dürsten, noch wird die Sonne auf sie niederbrennen, noch irgendeine sengende Hitze, weil das Lamm, das inmitten des Thrones ist, sie hüten und sie zu Wasserquellen des Lebens leiten wird. Und Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.“ Genau das wird es bedeuten, auf wunderbare Weise auf Dauer „gerettet“ zu sein.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen