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Die Apostel erkundigen sich nach einem ZeichenJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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Die Apostel erkundigen sich nach einem Zeichen
MATTHÄUS 24:3-51 MARKUS 13:3-37 LUKAS 21:7-38
VIER APOSTEL ERKUNDIGEN SICH BEI JESUS NACH EINEM ZEICHEN
DIE ERFÜLLUNG IM ERSTEN JAHRHUNDERT UND SPÄTER
WIR MÜSSEN WACHSAM BLEIBEN
Es ist Dienstagnachmittag und der 11. Nisan neigt sich langsam dem Ende. Jesus hat sehr ausgefüllte Tage hinter sich. Tagsüber hat er im Tempel gelehrt und die Nächte hat er außerhalb der Stadt verbracht. Etliche vom Volk haben ihm sehr gern zugehört und sind „immer schon frühmorgens zum Tempel“ gekommen (Lukas 21:37, 38). Doch das ist nun vorbei. Jetzt sitzt Jesus mit vier Aposteln — Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes — auf dem Ölberg.
Diese vier sind allein zu ihm gekommen. Sie machen sich Gedanken, weil Jesus angekündigt hat, dass vom Tempel kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Es beschäftigt sie allerdings noch etwas anderes. Zuvor hatte Jesus sie aufgefordert: „Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einem Zeitpunkt, den ihr nicht für wahrscheinlich haltet“ (Lukas 12:40). Er hatte auch von dem Tag gesprochen, „an dem der Menschensohn offenbart wird“ (Lukas 17:30). Hängt das irgendwie mit dem zusammen, was er gerade über den Tempel gesagt hat? Das würden die Apostel zu gern wissen und fragen: „Sag uns: Wann wird das passieren und an welchem Zeichen wird man deine Gegenwart und den Abschluss des Weltsystems erkennen?“ (Matthäus 24:3).
Vielleicht denken sie dabei an die Zerstörung des Tempels, den sie vor sich sehen. Außerdem fragen sie nach der Gegenwart des Menschensohnes. Womöglich erinnern sie sich noch an Jesu Veranschaulichung von dem „Mann von vornehmer Herkunft“, der verreist, „um sich die Königsmacht zu sichern und dann zurückzukehren“ (Lukas 19:11, 12). Und sie würden gern wissen, woran der „Abschluss des Weltsystems“ zu erkennen wäre.
Darauf beschreibt Jesus ausführlich ein Zeichen, an dem die baldige Zerstörung des Tempels und des jüdischen Systems zu erkennen wäre. Dieses Zeichen würde aber auch Christen in der Zukunft erkennen helfen, dass sie während Jesu „Gegenwart“ leben und dass das Ende des gesamten Weltsystems nahe ist.
Viele Einzelheiten aus Jesu Prophezeiung beginnen sich schon zu Lebzeiten der Apostel zu erfüllen. Daher wird es 37 Jahre später für wachsame Christen nicht unerwartet kommen, wenn das jüdische System samt Tempel vernichtet wird. Allerdings erfüllt sich bis zum Jahr 70 nicht alles, was Jesus vorhersagt. Was wird daher seine Gegenwart in Königsmacht kennzeichnen?
Wie Jesus voraussagt, wird es „Kriege und Kriegsberichte“ geben und „ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Land gegen das andere“ (Matthäus 24:6, 7). Er kündigt auch an: „Es wird große Erdbeben geben und in einer Gegend nach der anderen Lebensmittelknappheit und Seuchen“ (Lukas 21:11). Und er warnt seine Jünger: „Man [wird] gegen euch vorgehen und euch verfolgen“ (Lukas 21:12). Falsche Propheten werden auftreten und viele täuschen. Und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten. Wie Jesus aber auch sagt, wird „die gute Botschaft vom Königreich . . . auf der ganzen bewohnten Erde bekannt gemacht werden als Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).
Wie bereits erwähnt, erfüllt sich vor und während der Zerstörung Jerusalems durch die Römer nicht alles, was Jesus voraussagt. Die hauptsächliche Erfüllung seiner bedeutsamen Prophezeiung fällt in die heutige Zeit. Erkennen wir die Beweise dafür?
In seiner Beschreibung des Zeichens erwähnt Jesus das Erscheinen eines „abscheulichen Verwüsters“ (Matthäus 24:15). Im Jahr 66 ist dieser Verwüster das römische Heer mit seinen götzenhaften Feldzeichen, das Jerusalem belagert und einige Mauerabschnitte untergräbt (Lukas 21:20). Damit steht der „abscheuliche Verwüster“ an einem Ort, wo er nicht hingehört — am „heiligen Ort“ der Juden.
Jesus sagt außerdem voraus: „Dann kommt eine große Drangsal, wie es sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gegeben hat und auch nie wieder geben wird.“ Im Jahr 70 zerstören die Römer Jerusalem. Die Zerstörung der „heiligen Stadt“ der Juden samt ihrem Tempel erweist sich als eine große Drangsal, in der Hunderttausende ihr Leben verlieren (Matthäus 4:5; 24:21). Diese Drangsal ist das Schlimmste, was die Stadt und das jüdische Volk bis dahin erleben. Darüber hinaus beendet sie das System der Anbetung, das die Juden seit Jahrhunderten pflegen. Daher muss jede spätere, größere Erfüllung von Jesu Prophezeiung einfach fürchterlich sein.
IN DER ZEIT DES ENDES ZUVERSICHTLICH
Jesu Beschreibung des Zeichens seiner Gegenwart in Königsmacht und des Abschlusses des Weltsystems ist noch lange nicht zu Ende. Nun warnt er seine Apostel davor, „falschen Christussen und falschen Propheten“ nachzulaufen. Wie er sagt, würde man versuchen, „wenn möglich sogar die Auserwählten zu täuschen“ (Matthäus 24:24). Aber diese würden sich nicht in die Irre führen lassen. Falsche Christusse können nur sichtbar in Erscheinung treten. Aber Jesu Gegenwart würde unsichtbar sein.
Über die große Drangsal am Ende des gegenwärtigen Weltsystems sagt Jesus: „Die Sonne [wird sich] verfinstern, der Mond hört auf zu leuchten, die Sterne fallen vom Himmel und die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Matthäus 24:29). Wahrscheinlich können die Apostel nur erahnen, wie sich diese erschreckende Beschreibung erfüllen wird. Doch eins ist sicher — die Drangsal wird entsetzlich sein.
Wie werden sich diese erschütternden Ereignisse auswirken? „Die Menschen werden ohnmächtig werden vor Angst und Erwartung dessen, was auf die bewohnte Erde zukommt, denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ (Lukas 21:26). Jesus beschreibt hier tatsächlich die dunkelste Zeit der Menschheitsgeschichte.
Doch wie Jesus seinen Aposteln versichert, werden nicht alle verzweifeln, wenn der „Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit“ kommt (Matthäus 24:30). Er hat schon angedeutet, dass Gott „wegen der Auserwählten“ eingreifen würde (Matthäus 24:22). Wie sollten diese Treuen also auf die erschreckenden Ereignisse reagieren, die Jesus ankündigt? Sie können zuversichtlich sein, denn Jesus sagt: „Wenn das alles anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Kopf, denn eure Befreiung rückt immer näher“ (Lukas 21:28).
Woran könnten die Jünger, die dann leben, also erkennen, dass das Ende nahe ist? Jesus vergleicht dies mit einem Feigenbaum: „Sobald seine Zweige saftig und grün werden, wisst ihr, dass der Sommer nah ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr all das seht, dass er nah ist, ja vor der Tür steht. Ich versichere euch: Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen, bis das alles passiert“ (Matthäus 24:32-34).
Wenn seine Nachfolger daher die unterschiedlichen Merkmale des Zeichens beobachten, werden sie wissen, dass das Ende nahe ist. Jesus führt ihnen jedoch deutlich vor Augen:
„Den Tag und die Stunde kennt niemand, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. So wie die Zeit Noahs war, so wird die Gegenwart des Menschensohnes sein. Denn in der Zeit vor der Sintflut aßen und tranken die Menschen, sie heirateten und wurden verheiratet bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging, und sie nahmen keine Notiz von allem, bis die Flut kam und sie alle mit sich riss. So wird auch die Gegenwart des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24:36-39). Jesus stellt hier eine Parallele zur Sintflut her — einem Ereignis, von dem die ganze Welt betroffen war.
Bestimmt erkennen die vier Apostel, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Schließlich fordert Jesus sie auf: „Passt . . . auf euch auf, damit euer Herz niemals durch zu viel Essen und zu viel Trinken und die Sorgen des Lebens schwer beladen wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt wie eine Schlinge. Denn er wird über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen. Bleibt also wach und fleht dabei ständig, damit ihr es schafft, allem, was geschehen muss, zu entkommen und vor dem Menschensohn zu stehen“ (Lukas 21:34-36).
So betont Jesus noch einmal, dass er in seiner Prophezeiung nicht lediglich Ereignisse voraussagt, die sich in 30 oder 40 Jahren erfüllen und nur Jerusalem oder die jüdische Nation betreffen werden. Nein, er weist auf Ereignisse hin, die „über alle kommen, die auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“.
Jesus rät seinen Jüngern eindringlich, wachsam zu bleiben und bereit zu sein. Das unterstreicht er mit einem weiteren Beispiel: „Eins ist klar: Wenn der Hausbesitzer weiß, zu welcher Zeit der Dieb kommt, dann bleibt er wach und lässt ihn nicht bei sich einbrechen. Deshalb: Haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr nicht damit rechnet“ (Matthäus 24:43, 44).
Jesus liefert seinen Jüngern einen weiteren Grund, zuversichtlich zu sein. Anhand einer Alltagssituation zeigt er ihnen, dass es in der Zeit, in der sich seine Prophezeiung erfüllt, einen „Sklaven“ geben wird, der wachsam und aktiv ist. Er sagt: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, dem sein Herr die Verantwortung für seine Hausdiener übertragen hat, damit er ihnen zur richtigen Zeit ihre Nahrung gibt? Glücklich ist jener Sklave, wenn sein Herr kommt und sieht, dass er genau das tut! Ich versichere euch: Sein Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen.“ Sollte der Sklave allerdings eine schlechte Einstellung entwickeln und andere misshandeln, würde der Herr „ihn äußerst hart bestrafen“ (Matthäus 24:45-51; vergleiche Lukas 12:45, 46).
Damit sagt Jesus jedoch nicht voraus, dass es unter seinen Nachfolgern eine Gruppe geben wird, die so eine schlechte Einstellung entwickeln würde. Worum geht es ihm dann? Er möchte seine Jünger dazu anspornen, wachsam und aktiv zu bleiben, und das verdeutlicht er in einer weiteren Veranschaulichung.
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Die zehn Jungfrauen — ein Appell zur WachsamkeitJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN
Jesus hat seinen Aposteln gerade die Frage beantwortet, an welchem Zeichen seine Gegenwart und der Abschluss des Weltsystems zu erkennen wären. Daran anknüpfend erzählt er nun eine weitere Geschichte, die eine eindringliche Aufforderung enthält. Die Erfüllung werden diejenigen beobachten können, die während seiner Gegenwart leben.
Einleitend sagt Jesus: „Mit dem Königreich des Himmels ist es . . . wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen waren unvernünftig und fünf waren umsichtig“ (Matthäus 25:1, 2).
Jesus meint damit nicht, die eine Hälfte seiner Jünger, die das Königreich des Himmels erben, sei unvernünftig und die andere Hälfte umsichtig. Er macht stattdessen Folgendes deutlich: Jeder seiner Jünger kann sich dafür entscheiden, in Bezug auf das Königreich entweder wachsam zu sein oder sich ablenken zu lassen. Jesus hat allerdings keine Zweifel, dass jeder seiner Diener treu bleiben und von seinem Vater gesegnet werden kann.
In der Geschichte gehen alle zehn Jungfrauen hinaus, um den Bräutigam zu begrüßen und sich dem Hochzeitszug anzuschließen. Sobald der Bräutigam kommt, wollen sie ihm die Ehre erweisen und ihm den Weg leuchten, wenn er seine Braut zu dem für sie vorbereiteten Haus führt. Es kommt aber anders.
Jesus sagt: „Die unvernünftigen nahmen . . . nur ihre Lampen mit, aber kein Öl zum Nachfüllen, die umsichtigen dagegen nahmen außer ihren Lampen noch Ölflaschen mit. Doch da der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle müde und schliefen ein“ (Matthäus 25:3-5). Der Bräutigam kommt nicht so früh wie erwartet. Er scheint sich sehr zu verspäten und alle Jungfrauen nicken ein. Das erinnert die Apostel vielleicht an die Geschichte von dem Mann von vornehmer Herkunft, der verreiste, um sich die Königsmacht zu sichern. Von ihm sagte Jesus, dass er „schließlich zurückkehrte“ (Lukas 19:11-15).
Dann schildert Jesus, was geschieht, als der Bräutigam endlich kommt: „Mitten in der Nacht hörte man auf einmal den Ruf: ‚Hier kommt der Bräutigam! Geht hinaus, ihm entgegen!‘ “ (Matthäus 25:6). Aber sind die Jungfrauen wachsam und bereit?
Jesus erzählt weiter: „Da standen alle Jungfrauen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Die unvernünftigen sagten zu den umsichtigen: ‚Gebt uns etwas von eurem Öl ab, sonst gehen unsere Lampen aus.‘ Da sagten die umsichtigen Jungfrauen: ‚Vielleicht reicht es dann nicht für uns und euch. Geht doch zu den Händlern und kauft euch welches‘ “ (Matthäus 25:7-9).
Die unvernünftigen Jungfrauen sind also weder wachsam noch auf die Ankunft des Bräutigams vorbereitet. Sie haben nicht genug Öl dabei und müssen nun zusehen, wo sie welches bekommen. Jesus sagt: „Während sie weggingen, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die vorbereitet waren, gingen mit ihm zur Hochzeitsfeier, und die Tür wurde geschlossen. Danach kamen auch die anderen Jungfrauen und sagten: ‚Herr, Herr, mach uns auf!‘ Doch er erwiderte: ‚Ich sage euch die Wahrheit: Ich kenne euch nicht‘ “ (Matthäus 25:10-12). Was für traurige Folgen es für sie hat, nicht wachsam und bereit gewesen zu sein!
Den Aposteln dürfte klar sein, dass Jesus mit dem Bräutigam sich selbst meint, denn er hat sich vorher schon mit einem Bräutigam verglichen (Lukas 5:34, 35). Und was ist mit den umsichtigen Jungfrauen? Als Jesus über die „kleine Herde“ sprach, der das Königreich gegeben wird, sagte er: „Seid fertig angezogen und bereit, und lasst eure Lampen brennen“ (Lukas 12:32, 35). Die Apostel können daher schlussfolgern, dass Jesus diejenigen meint, die wie sie zur kleinen Herde gehören. Was will Jesus durch dieses Gleichnis also sagen?
Das erklärt er selbst, als er abschließend sagt: „Bleibt deshalb wachsam, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde“ (Matthäus 25:13).
Jesus fordert seine treuen Nachfolger somit nachdrücklich auf, während seiner Gegenwart wachsam zu bleiben. Er wird kommen, und sie müssen — wie die fünf umsichtigen Jungfrauen — bereit und wachsam sein. Nur dann verlieren sie ihre kostbare Hoffnung nicht aus dem Blick und lassen sich ihre Belohnung nicht entgehen.
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Die Talente — warum Fleiß wichtig istJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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JESUS ERZÄHLT DIE VERANSCHAULICHUNG VON DEN TALENTEN
Jesus und seine vier Apostel sind nach wie vor auf dem Ölberg, und er setzt nun zu einer weiteren Veranschaulichung an. Sie weist einige Ähnlichkeiten zu der Geschichte von den Minen auf, die er vor ein paar Tagen in Jericho erzählt hat, um zu zeigen, dass das Königreich noch in weiter Ferne liegt. Die Veranschaulichung ist Teil seiner Erklärung zu seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems. Und sie macht deutlich, dass sich Jesu Jünger fleißig in dem Werk einsetzen müssen, das er ihnen anvertraut.
Jesus beginnt: „Es ist wie mit einem Mann, der sich auf eine weite Reise machen wollte, seine Sklaven zu sich rief und ihnen sein Vermögen anvertraute“ (Matthäus 25:14). Jesus hat sich schon einmal mit einem Mann verglichen, der, „um sich die Königsmacht zu sichern“, in ein fernes Land reist (Lukas 19:12). Daher ist es für die Apostel nicht schwer zu erkennen, dass es sich bei dem Mann in dieser Veranschaulichung ebenfalls um Jesus handelt.
Vor der Abreise vertraut der Mann sein Vermögen seinen Sklaven an. Jesus hat sich in den dreieinhalb Jahren seines Dienstes darauf konzentriert, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen, und hat auch seine Jünger darin geschult. Jetzt wird er bald gehen — zuversichtlich, dass sie sein Werk fortsetzen werden (Matthäus 10:7; Lukas 10:1, 8, 9; vergleiche Johannes 4:38; 14:12).
Wie teilt der Mann in der Geschichte sein Vermögen auf? Jesus sagt: „Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei und noch einem anderen eins — jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab“ (Matthäus 25:15). Was werden die Sklaven mit den ihnen anvertrauten Talenten nun anfangen? Werden sie sie im Interesse ihres Herrn verwalten? Jesus erzählt:
„Der mit den fünf Talenten ging sofort los, machte Geschäfte damit und verdiente fünf Talente dazu. Und der mit den zwei Talenten verdiente zwei dazu. Doch der mit dem einen Talent ging weg, grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn“ (Matthäus 25:16-18). Was passiert, als der Herr zurückkommt?
„Nach langer Zeit kam der Herr und machte mit den Sklaven die Abrechnung“ (Matthäus 25:19). Die ersten beiden haben ihren Fähigkeiten entsprechend alles getan, was ihnen möglich war. Beide haben sich fleißig und gewissenhaft um das gekümmert, was ihnen anvertraut wurde, und das Vermögen ihres Herrn vergrößert. Sowohl der mit den fünf Talenten als auch der mit den zwei hat das Geld verdoppelt. (Zu dieser Zeit braucht ein Arbeiter normalerweise über 19 Jahre, um das zu verdienen, was einem Talent entspricht.) Der Herr lobt beide Sklaven mit den Worten: „Gut gemacht, du guter und treuer Sklave! Du hast das wenige treu verwaltet, deshalb werde ich dir viel anvertrauen. Komm und hab teil an der Freude deines Herrn“ (Matthäus 25:21).
Doch der Sklave, der das eine Talent bekommen hat, gesteht: „Herr, ich wusste, dass du ein fordernder Mann bist und dass du erntest, wo du nicht gesät hast, und einsammelst, wo du nicht geworfelt hast. Deshalb bekam ich Angst und hab dein Talent in der Erde vergraben. Hier hast du zurück, was dir gehört“ (Matthäus 25:24, 25). Er hat das Geld nicht einmal zu den Bankleuten gebracht, damit sein Herr wenigstens Zinsen dafür bekommt. In Wirklichkeit hat der Sklave gegen die Interessen seines Herrn gearbeitet.
Zu Recht nennt ihn sein Herr deshalb einen „schlechten und faulen Sklaven“. Was er hat, wird ihm daher genommen und dem ersten Sklaven gegeben, der bereit ist, sich fleißig einzusetzen. Der Herr erklärt: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen und Überfluss haben. Aber wer nicht hat, dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden“ (Matthäus 25:26, 29).
Da haben Jesu Jünger einiges zum Nachdenken. Ihnen ist bestimmt bewusst, dass Jesus ihnen etwas sehr Kostbares anvertraut: das unschätzbare Vorrecht, Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Und er erwartet von ihnen, fleißig zu sein. Allerdings erwartet er nicht, dass alle beim Predigen gleich viel leisten. Wie die Veranschaulichung zeigt, sollte sich jeder „nach seinen Fähigkeiten“ anstrengen. Wer aber wie der faule Sklave nicht sein Bestes gibt, um das Vermögen des Herrn zu vermehren, wird Jesus auf keinen Fall zufriedenstellen.
Doch die Apostel können sich bestimmt über die Zusicherung freuen: „Jeder, der hat, wird mehr bekommen.“
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Wenn der Christus die Schafe und Ziegen richtetJesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
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JESUS ERZÄHLT DAS GLEICHNIS VON DEN SCHAFEN UND DEN ZIEGEN
Jesus hat auf dem Ölberg seinen Aposteln gerade die Veranschaulichungen von den zehn Jungfrauen und von den Talenten erzählt. Nun schließt er seine Antwort auf ihre Frage nach seiner Gegenwart und dem Abschluss des Weltsystems ab. Er bringt ein letztes Gleichnis, in dem es um Schafe und Ziegen geht.
Jesus schildert zuerst den Rahmen: „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, wird er sich auf seinen herrlichen Thron setzen“ (Matthäus 25:31). Es ist offensichtlich, dass er selbst die zentrale Figur ist, denn er hat sich schon oft als den „Menschensohn“ bezeichnet (Matthäus 8:20; 9:6; 20:18, 28).
Wann wird sich dieses Gleichnis erfüllen? Wenn Jesus zusammen mit den Engeln „in seiner Herrlichkeit kommt“ und sich „auf seinen herrlichen Thron“ setzt. Er hat bereits davon gesprochen, dass der Menschensohn mit seinen Engeln „mit großer Macht und Herrlichkeit in den Wolken“ kommen wird. Wann wird das sein? „Direkt nach der Drangsal“ (Matthäus 24:29-31; Markus 13:26, 27; Lukas 21:27). Dieses Gleichnis wird sich also erfüllen, wenn Jesus in der Zukunft in Herrlichkeit kommt. Was wird er dann tun?
„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt“, erklärt Jesus, „[werden] alle Völker . . . vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt. Die Schafe wird er an seine rechte Seite stellen und die Ziegen an seine linke“ (Matthäus 25:31-33).
Wie Jesus sagt, wird der König zu den Schafen an seiner rechten Seite — der Seite der Gunst — sagen: „Kommt alle her, die mein Vater gesegnet hat, erbt das Königreich, das seit Grundlegung der Welt für euch vorbereitet wurde“ (Matthäus 25:34). Aus welchem Grund erhalten die Schafe die Gunst des Königs?
Der König erklärt: „Ich bekam Hunger und ihr habt mir etwas zu essen gegeben. Ich hatte Durst und ihr habt mir etwas zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder und ihr habt mich gastfreundlich aufgenommen, ich hatte nichts anzuziehen und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich wurde krank und ihr habt nach mir gesehen. Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.“ Als die Schafe — „die Gerechten“ — nachfragen, wann sie ihm all das Gute getan haben, antwortet der König: „Was immer ihr für einen dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan“ (Matthäus 25:35, 36, 40, 46). Das kann nicht im Himmel gewesen sein, denn dort gibt es niemand, der krank oder hungrig ist. Die Gerechten müssen daher auf der Erde Christi Brüdern Gutes getan haben.
Und was ist mit den Ziegen, die der König an seine linke Seite stellt? Wie Jesus erklärt, wird er zu ihnen sagen: „Geht weg von mir, die ihr verflucht worden seid, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist. Denn ich bekam Hunger, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich hatte Durst, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Ich war ein Fremder, aber ihr habt mich nicht gastfreundlich aufgenommen, hatte nichts anzuziehen, aber ihr habt mir keine Kleidung gegeben. Ich wurde krank und war im Gefängnis, aber ihr habt nicht nach mir gesehen“ (Matthäus 25:41-43). Sie hätten Christi Brüder auf der Erde gut behandeln sollen. Da sie das aber nicht getan haben, ist dieses Urteil verdient.
Wie Jesus erklärt, wird der König zu den Ziegen sagen: „Ich versichere euch: Was immer ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch für mich nicht getan.“ Jesus fährt fort: „Sie werden in die ewige Abschneidung gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Matthäus 25:45, 46). Den Aposteln dürfte somit klar sein, dass das Urteil in diesem zukünftigen Gericht endgültig sein wird.
Jesu Antwort auf die Frage seiner Apostel gibt allen seinen Nachfolgern viel Stoff zum Nachdenken — und hilft ihnen, ihr Denken und Tun zu überprüfen.
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