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  • Eine liebevolle Einladung an die Ermatteten
    Der Wachtturm 1995 | 15. August
    • Eine liebevolle Einladung an die Ermatteten

      „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken“ (MATTHÄUS 11:28).

      1. Was sah Jesus auf seiner dritten Predigtreise in Galiläa?

      KURZ vor Beginn des Jahres 32 u. Z. befand sich Jesus auf seiner dritten Predigtreise im Gebiet von Galiläa. Er bereiste die Städte und Dörfer, „lehrte in ihren Synagogen und predigte die gute Botschaft vom Königreich und heilte jede Art Krankheit und jede Art Gebrechen“. Während er dies tat, sah er die Volksmengen, und „er [empfand] Mitleid mit ihnen, weil sie zerschunden waren und umhergestoßen wurden wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9:35, 36).

      2. Wie half Jesus den Menschen?

      2 Doch Jesus ließ es nicht dabei bewenden, lediglich Mitleid mit den Volksmengen zu empfinden. Nachdem er seine Jünger angewiesen hatte, zu dem „Herrn der Ernte“, Jehova Gott, zu beten, sandte er sie aus, damit sie den Menschen halfen (Matthäus 9:38; 10:1). Außerdem sicherte er ihnen persönlich zu, daß es einen Weg zu wahrer Befreiung und zu echtem Trost gebe. Er ließ an sie die herzliche Einladung ergehen: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele“ (Matthäus 11:28, 29).

      3. Warum ist Jesu Einladung auch heute noch ansprechend?

      3 Wir leben heute in einer Zeit, in der sich viele schwer beladen fühlen (Römer 8:22; 2. Timotheus 3:1). Allein der Erwerb des Lebensunterhalts kostet einige so viel Zeit und Kraft, daß zum Beispiel für die Angehörigen oder die Freunde kaum noch etwas übrigbleibt. Viele sind mit schweren Krankheiten, mit Gebrechen, Depressionen oder anderen physischen und psychischen Problemen belastet. Wegen des Drucks versuchen einige dadurch Erleichterung zu finden, daß sie sich völlig dem Streben nach Vergnügungen, dem Essen und Trinken oder sogar dem Drogenmißbrauch hingeben. Durch dieses Treiben geraten sie jedoch in einen tückischen Strudel, der sie in immer mehr Probleme hineinzieht und unter immer stärkeren Druck geraten läßt (Römer 8:6). Die liebevolle Einladung Jesu klingt heute gewiß genauso ansprechend wie damals.

      4. Mit welchen Fragen sollten wir uns beschäftigen, damit wir aus der liebevollen Einladung Jesu Nutzen ziehen können?

      4 Welchen Dingen waren denn die Menschen in Jesu Tagen ausgesetzt, so daß sie ‘zerschunden und umhergestoßen’ wirkten, weshalb sich Jesu Mitgefühl regte? Welche Mühen und Lasten mußten sie tragen, und inwiefern würde ihnen das, wozu Jesus sie einlud, eine Hilfe sein? Die Antworten auf diese Fragen können für uns äußerst aufschlußreich sein, damit auch wir aus der liebevollen Einladung Jesu an die Ermatteten Nutzen ziehen können.

      Wer ‘sich abmühte und beladen war’

      5. Warum war es passend, daß der Apostel Matthäus über dieses Ereignis in Jesu Dienstzeit berichtete?

      5 Interessanterweise berichtet nur Matthäus über dieses Ereignis in Jesu Dienstzeit. Als Steuereinnehmer war Matthäus, der auch Levi genannt wurde, mit einer speziellen Last der Menschen gut vertraut (Matthäus 9:9; Markus 2:14). In dem Buch Er kam in sein Eigentum heißt es: „Die Juden ... drückte die Last der Steuern schwer, die sie in Geld oder Naturalien zahlen mußten. Vor allem überlagerten sich zwei Steuern, von denen jede für sich bereits wichtig war: die bürgerlichen und die religiösen Steuern.“

      6. (a) Wie sah in Jesu Tagen das Steuersystem aus? (b) Warum hatten die Steuereinnehmer einen so schlechten Ruf? (c) Woran wollte Paulus seine Glaubensbrüder erinnern?

      6 Besonders belastend wurde das Ganze durch das damalige Steuersystem. Die römischen Beamten veräußerten das Recht, in den Provinzen Steuern einzuziehen, an die Meistbietenden. Diese stellten wiederum Leute ein, die in den jeweiligen Ortschaften die eigentliche Tätigkeit des Steuereinzugs erledigten. In dieser Hierarchie nahm jeder das Recht in Anspruch, seine Provision oder seinen Anteil aufzuschlagen. Lukas berichtet beispielsweise von einem „Mann namens Zachäus; und er war ein Obersteuereinnehmer, und er war reich“ (Lukas 19:2). Der „Obersteuereinnehmer“ Zachäus und seine Untergebenen wurden offensichtlich auf Kosten des Volkes reich. Der Mißbrauch und die Korruption, die mit einem solchen System einhergingen, veranlaßten die Menschen, die Steuereinnehmer auf eine Stufe mit den Sündern und den Huren zu stellen, und wahrscheinlich war das in den meisten Fällen sogar gerechtfertigt (Matthäus 9:10; 21:31, 32; Markus 2:15; Lukas 7:34). Da das Volk eine fast unerträgliche Last drückte, ist es nicht verwunderlich, daß sich der Apostel Paulus veranlaßt sah, Mitchristen daran zu erinnern, sich nicht über das römische Joch zu ärgern, sondern „allen [zu erstatten], was ihnen gebührt: dem, der die Steuer verlangt, die Steuer; dem, der den Tribut verlangt, den Tribut“ (Römer 13:7a; vergleiche Lukas 23:2).

      7. Inwiefern trug das römische Strafrecht zu den auf dem Volk lastenden Bürden bei?

      7 Paulus erinnerte Christen auch daran, „dem, der Furcht verlangt, die Furcht [zu erstatten]; dem, der Ehre verlangt, die Ehre“ (Römer 13:7b). Die Römer waren bekannt für die Grausamkeit und Härte ihres Strafrechts. Geißelung, Auspeitschung und schwere Gefängnisstrafen sowie Hinrichtungen dienten oft dazu, sich die Menschen untertan zu halten (Lukas 23:32, 33; Apostelgeschichte 22:24, 25). Sogar die Führer der Juden hatten die Befugnis erhalten, solche Strafen zu verhängen, wenn sie es für angebracht hielten (Matthäus 10:17; Apostelgeschichte 5:40). Ein solches System war gewiß für jeden, der darunter lebte, äußerst repressiv, wenn nicht sogar tyrannisch.

      8. Was bürdeten die geistlichen Führer dem Volk auf?

      8 Doch noch schlimmer als die römischen Steuern und Gesetze war die Last, die der Allgemeinheit von den geistlichen Führern jener Tage aufgebürdet wurde. Tatsächlich scheint sich Jesus hauptsächlich darauf bezogen zu haben, als er von dem Volk sagte, daß es ‘sich abmühte und beladen war’. Die geistlichen Führer vermittelten dem niedergedrückten Volk weder Hoffnung noch Trost; Jesus zeigte, was sie statt dessen taten: „Sie binden schwere Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbst aber wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen“ (Matthäus 23:4; Lukas 11:46). In den Evangelien fällt jedem die schonungslose Beschreibung der geistlichen Führer ins Auge, wonach sie — vor allem die Schriftgelehrten und die Pharisäer — eine hochmütige, herzlose und heuchlerische Klasse waren. Sie blickten auf die Allgemeinheit als ungebildet und unrein herab, und sie verachteten die Ausländer in ihrer Mitte. In einem Kommentar wird über ihre Einstellung gesagt: „Ein Mann, der ein Pferd überlädt, muß sich heutzutage vor dem Gesetz verantworten. Wie verhielt es sich mit einem Menschen, der dem ‚Volk des Landes‘, das keine religiöse Schulung erhielt, 613 Gebote auflud und es dann, ohne ihm zu helfen, als gottlos verdammte?“ Die eigentliche Bürde war tatsächlich nicht das mosaische Gesetz, sondern die Unmenge an Traditionen, die dem Volk aufgezwungen wurden.

      Die eigentliche Ursache der Not

      9. Ließen sich die Verhältnisse unter dem Volk zur Zeit Jesu mit den Verhältnissen in den Tagen König Salomos vergleichen?

      9 Die finanzielle Bürde, die auf dem Volk lastete, war teilweise so schwer, daß weit verbreitet Armut herrschte. Ursprünglich hatten die Israeliten lediglich die zumutbaren Steuern zahlen müssen, die im mosaischen Gesetz festgelegt waren. Unter der Herrschaft Salomos unterstützte das Volk dann sehr kostspielige nationale Projekte wie die Errichtung des Tempels und anderer Bauwerke (1. Könige 7:1-8; 9:17-19). Doch wie die Bibel berichtet, „aßen und tranken [sie] und waren voll Freude. Und Juda und Israel wohnten fortwährend in Sicherheit, ein jeder unter seinem eigenen Weinstock und unter seinem eigenen Feigenbaum, von Dan bis Beerscheba, alle Tage Salomos“ (1. Könige 4:20, 25). Warum war es zur Zeit Jesu anders als zur Zeit Salomos?

      10. Was war der Grund dafür, daß im ersten Jahrhundert in Israel solche Zustände herrschten?

      10 Solange die Nation an der wahren Anbetung festhielt, genoß sie die Gunst Jehovas und wurde mit Sicherheit sowie mit Wohlstand gesegnet — und das trotz der hohen Staatsausgaben. Jehova warnte die Israeliten allerdings davor, daß sich alles zum Schlechten ändern würde, wenn sie sich ‘entschieden davon abwenden sollten, ihm zu folgen, und seine Gebote nicht halten’ würden. Ja, Israel würde „wirklich zum Sprichwort und zum Hohn werden unter allen Völkern“ (1. Könige 9:6, 7). Und genauso kam es. Israel geriet unter Fremdherrschaft, und das einst herrliche Königreich hatte nur noch den Status einer Kolonie. Welch ein hoher Preis für die Vernachlässigung der religiösen Pflichten!

      11. Warum sah Jesus den Menschen an, daß sie „zerschunden waren und umhergestoßen wurden wie Schafe, die keinen Hirten haben“?

      11 All das hilft uns zu verstehen, warum Jesus den Menschen ansah, daß sie „zerschunden waren und umhergestoßen wurden“. Es waren Israeliten, die zum Volk Jehovas gehörten und sich im großen und ganzen bemühten, gemäß Gottes Gesetzen zu leben sowie eine annehmbare Form der Anbetung zu pflegen. Trotzdem wurden sie nicht nur von den in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht Mächtigen ausgebeutet und niedergedrückt, sondern auch von den abtrünnigen geistlichen Führern in ihren eigenen Reihen. Sie waren „wie Schafe, die keinen Hirten haben“, weil sich niemand um sie kümmerte oder sie verteidigte. Sie benötigten Hilfe, um mit der wirklich harten Realität fertig zu werden. Wie zeitgemäß war doch Jesu liebevolle, freundliche Einladung!

      Jesu Einladung heute

      12. Welchen Druck verspüren heute Diener Gottes und andere aufrichtige Menschen?

      12 Heute verhält es sich in mancher Hinsicht ähnlich. Aufrichtigen Menschen, die versuchen, ein ehrliches Leben zu führen, fällt es schwer, dem Druck von seiten des verdorbenen Systems der Dinge standzuhalten und den Anforderungen zu entsprechen. Selbst diejenigen, die sich Jehova hingegeben haben, sind dagegen nicht immun. Berichte zeigen, daß es einigen Dienern Jehovas immer schwerer fällt, all ihren Verpflichtungen nachzukommen, selbst wenn sie es möchten. Sie fühlen sich beladen, ermattet, ausgelaugt. Einige denken sogar, daß es eine Befreiung wäre, alles hinzuwerfen und irgendwohin zu gehen, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Haben wir auch schon einmal so empfunden? Kennen wir jemand aus unserer näheren Umgebung, dem es so ergeht? Ja, die zu Herzen gehende Einladung Jesu ist für uns heute sehr bedeutungsvoll.

      13. Warum können wir darauf vertrauen, daß Jesus uns helfen kann, Trost und Erquickung zu finden?

      13 Bevor Jesus seine liebevolle Einladung äußerte, hatte er erklärt: „Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn völlig als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater völlig als nur der Sohn und jeder, dem der Sohn ihn offenbaren will“ (Matthäus 11:27). Auf Grund dieses innigen Verhältnisses zwischen Jesus und seinem Vater können wir sicher sein, daß wir in ein enges, persönliches Verhältnis zu Jehova, dem „Gott allen Trostes“, gelangen, wenn wir Jesu Einladung annehmen und seine Jünger werden (2. Korinther 1:3; vergleiche Johannes 14:6). Und da Jesus Christus ‘alles übergeben worden ist’, hat er allein die Macht und die Befugnis, unsere Lasten zu erleichtern. Welche? Die Lasten, die uns von dem korrupten politischen, kommerziellen und religiösen System aufgebürdet werden, ferner die Last, die die ererbte Sünde und unsere Unvollkommenheit mit sich bringen. Welch ein durch und durch ermunternder und beruhigender Gedanke!

      14. In Verbindung mit welchem Abmühen könnte uns Jesus erquicken?

      14 Jesus sagte weiter: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken“ (Matthäus 11:28). Damit sprach sich Jesus gewiß nicht gegen harte Arbeit aus, denn er riet seinen Jüngern oft, sich in dem vor ihnen liegenden Werk anzustrengen (Lukas 13:24). Doch „abmühen“ („angestrengt arbeitend“, Kingdom Interlinear Translation) bedeutet unter anderem langes und ermüdendes Arbeiten, oft ohne lohnendes Ergebnis. Und „beladen sein“ beinhaltet den Gedanken, über das normale Vermögen hinaus belastet zu sein. Als Veranschaulichung für den Unterschied könnte man zwei Männer nehmen: Der eine gräbt nach einem verborgenen Schatz, der andere hebt in einem Arbeitslager Gräben aus. Beide verrichten ähnlich schwere Arbeit. Der eine verrichtet sie voller Begeisterung, für den anderen ist es dagegen eine endlose Schinderei. Der Zweck der Tätigkeit beziehungsweise das Fehlen dieses Zwecks macht den Unterschied aus.

      15. (a) Was sollten wir uns fragen, wenn wir das Gefühl haben, daß die Last auf unseren Schultern zu schwer ist? (b) Was kann über die Ursache unserer Belastungen gesagt werden?

      15 Haben wir das Gefühl, daß wir ‘uns abmühen und beladen sind’, daß wir zuviel von unserer Zeit und Kraft geben müssen? Erscheinen uns die Lasten, die wir tragen, zu schwer? In diesem Fall kann es eine Hilfe sein, uns folgendes zu fragen: „Wofür mühe ich mich ab? Was für eine Last trage ich?“ Ein Bibelkommentator äußerte vor über 80 Jahren in Verbindung damit folgenden Gedanken: „Wenn wir die Belastungen des Lebens betrachten, dann zerfallen sie in zwei Kategorien; man könnte sie als die selbstauferlegten und als die unvermeidlichen bezeichnen: solche, die auf unser eigenes Handeln zurückzuführen sind, und solche, die es nicht sind.“ Er fügte dann hinzu: „Viele von uns wären überrascht, wenn sie nach einer strengen Selbstprüfung feststellen würden, welch ein großer Teil all unserer Belastungen zu den selbstauferlegten gehört.“

      16. Was für Belastungen könnten wir uns unklugerweise selbst aufladen?

      16 Was fällt unter die Belastungen, die wir uns selbst aufladen? Wir leben heute in einer materialistischen, vergnügungssüchtigen und unmoralischen Welt (2. Timotheus 3:1-5). Selbst Gott hingegebene Christen sind ständig dem Druck ausgesetzt, sich der Mode oder dem Lebensstil der Welt anzupassen. Der Apostel Johannes sprach von ‘der Begierde des Fleisches und der Begierde der Augen und der auffälligen Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat’ (1. Johannes 2:16). Dabei handelt es sich um starke Einflüsse, denen wir leicht erliegen können. Bekanntlich sind einige bereit, sich hoch zu verschulden, um mehr weltliche Vergnügungen genießen oder einen bestimmten Lebensstil führen zu können. Dann müssen sie jedoch feststellen, daß sie übermäßig lange arbeiten oder mehrere Arbeitsstellen annehmen müssen, um das Geld zur Bezahlung ihrer Schulden zu verdienen.

      17. Welche Situation kann es noch erschweren, die Last zu tragen, doch was kann Erleichterung verschaffen?

      17 Jemand mag zwar denken, daß es nicht verkehrt sei, etwas zu haben oder etwas zu tun, was auch andere haben oder tun, aber er muß sich unbedingt überlegen, ob er seine Belastung dadurch nicht unnötig vergrößert (1. Korinther 10:23). Da das, was man tragen kann, begrenzt ist, muß man etwas ablegen, wenn man eine andere Last auf sich nehmen möchte. Häufig werden die Dinge, die für unser geistiges Wohl unerläßlich sind, als erstes abgelegt — das persönliche Bibelstudium, der Besuch der Zusammenkünfte und der Predigtdienst. Die Folge ist ein Verlust an geistiger Kraft, wodurch es noch schwerer wird, die Last zu tragen. Jesus Christus warnte vor dieser Gefahr, als er sagte: „Gebt aber auf euch selbst acht, damit euer Herz niemals durch unmäßiges Essen und unmäßiges Trinken und Sorgen des Lebens beschwert wird und jener Tag plötzlich, in einem Augenblick, über euch kommt wie eine Schlinge“ (Lukas 21:34, 35; Hebräer 12:1). Wenn man beladen und ermattet ist, fällt es einem schwer, eine Schlinge zu erkennen und ihr zu entgehen.

      Erleichterung und Erquickung

      18. Was bot Jesus denjenigen an, die zu ihm kamen?

      18 Liebevollerweise bot Jesus daher folgende Abhilfe an: „Kommt zu mir ..., und ich will euch erquicken“ (Matthäus 11:28). Den Wörtern „erquicken“ und „Erquickung“ (in Vers 29) liegt ein griechisches Wort zugrunde, das in der Septuaginta für „Sabbat“ oder „Halten des Sabbats“ verwendet wird (2. Mose 16:23). Jesus verhieß somit nicht, daß diejenigen, die zu ihm kamen, nichts mehr zu tun brauchten, sondern er verhieß, sie so zu erquicken, daß sie für die Tätigkeit, die sie im Einklang mit Gottes Vorsatz verrichten müßten, bereit wären.

      19. Wie kann man ‘zu Jesus kommen’?

      19 Doch wie kann man ‘zu Jesus kommen’? Er sagte zu seinen Jüngern: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme seinen Marterpfahl auf und folge mir beständig“ (Matthäus 16:24). Zu Jesus zu kommen schließt somit ein, seinen eigenen Willen dem Willen Gottes und Christi zu unterwerfen und fortwährend eine bestimmte Last der Verantwortung zu tragen. Ist all das für uns zu belastend? Ist der Preis zu hoch? Wir wollen einmal betrachten, was Jesus sagte, nachdem er die liebevolle Einladung an die Ermatteten ausgesprochen hatte.

  • „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“
    Der Wachtturm 1995 | 15. August
    • „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“

      ‘Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir’ (MATTHÄUS 11:29).

      1, 2. (a) Welche Erfahrungen im Leben bereiten uns Erquickung? (b) Was muß man tun, um die von Jesus versprochene Erquickung zu erhalten?

      WIE erquickend ist doch eine kühle Dusche am Ende eines feuchtheißen Tages oder eine gute Nachtruhe nach einer langen, ermüdenden Reise! Und genauso angenehm ist es, wenn eine schwere Last von einem genommen wird oder wenn einem Sünden und Übertretungen vergeben werden (Sprüche 25:25; Apostelgeschichte 3:19). Belebende Erfahrungen dieser Art erquicken uns, wir werden regeneriert und erhalten die Kraft weiterzumachen.

      2 Alle, die sich beladen und ermattet fühlen, können zu Jesus kommen, denn er verspricht ihnen eine solche Erquickung. Doch nur wer bereit ist, etwas zu tun, kann die begehrte Erfrischung finden. „Nehmt mein Joch auf euch“, sagte Jesus, „und lernt von mir, ... und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele“ (Matthäus 11:29). Worum handelt es sich bei diesem Joch? Und inwiefern bringt es Erquickung?

      Ein sanftes Joch

      3. (a) Was für Joche waren in biblischer Zeit in Gebrauch? (b) Welche sinnbildliche Bedeutung ist mit dem Joch verbunden?

      3 Da Jesus und seine Zuhörer in einer Agrargesellschaft lebten, wußten sie genau, was ein Joch ist. Ein Joch ist eigentlich ein hölzerner Balken mit zwei Aussparungen an der Unterseite, den man auf dem Nacken von zwei Zugtieren, gewöhnlich Ochsen, befestigt, wodurch sie zusammengespannt werden, um einen Pflug, einen Karren oder irgendeine andere Last zu ziehen (1. Samuel 6:7). Es sind auch Joche für Menschen in Gebrauch. Dabei handelt es sich um einfache Stangen, die man auf den Schultern trägt und an deren beiden Enden Lasten angehängt werden. Mit Hilfe eines Joches können Arbeiter schwere Lasten tragen (Jeremia 27:2; 28:10, 13). Das Joch wird auf Grund der Verbindung zu Lasten und zu Arbeit in der Bibel oft sinnbildlich gebraucht, um Herrschaft und Beherrschung zu veranschaulichen (5. Mose 28:48; 1. Könige 12:4; Apostelgeschichte 15:10).

      4. Was wird durch das Joch veranschaulicht, das Jesus denjenigen anbietet, die zu ihm kommen?

      4 Worum handelt es sich bei dem Joch, das gemäß Jesu Einladung diejenigen aufnehmen sollen, die zu ihm kommen, um erquickt zu werden? Erinnern wir uns daran, daß er sagte: ‘Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir’ (Matthäus 11:29). Ein Lernender ist ein Jünger. Jesu Joch auf sich zu nehmen bedeutet somit ganz einfach, sein Jünger zu werden (Philipper 4:3). Das setzt jedoch mehr voraus, als eine rein intellektuelle Kenntnis seiner Lehren zu haben. Man muß Taten verrichten, die mit diesen Lehren im Einklang sind, das heißt die Tätigkeit verrichten, die Jesus durchführte, und so leben wie er (1. Korinther 11:1; 1. Petrus 2:21). Außerdem erfordert es, sich bereitwillig sowohl Jesu Autorität unterzuordnen als auch denjenigen, denen er Autorität übertragen hat (Epheser 5:21; Hebräer 13:17). Es schließt ein, sich als Christ Gott hinzugeben und sich taufen zu lassen sowie sämtliche Vorrechte und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, die die Hingabe mit sich bringt. Das ist das Joch, das Jesus all denen anbietet, die zu ihm kommen, um Trost und Erquickung zu erhalten. Sind wir bereit, es auf uns zu nehmen? (Johannes 8:31, 32).

      5. Warum ist es keine harte Erfahrung, Jesu Joch auf sich zu nehmen?

      5 Erquickung finden, indem man ein Joch auf sich nimmt — ist das nicht ein Widerspruch in sich? Keineswegs, denn Jesus bezeichnete sein Joch als „sanft“. Dieses Wort hat die Bedeutung mild, angenehm, annehmbar (Matthäus 11:30; Lukas 5:39; Römer 2:4; 1. Petrus 2:3). Als Zimmermann hatte Jesus sehr wahrscheinlich Pflüge und Joche hergestellt, weshalb er sicher wußte, wie ein Joch geformt sein mußte, damit es so gut paßte, daß man die schwerste Arbeit möglichst bequem verrichten konnte. Vielleicht hatte er Joche mit Stoff oder Leder gepolstert. Das wurde häufig getan, damit ein Joch nicht übermäßig am Nacken scheuerte. Auch das sinnbildliche Joch, das Jesus uns anbietet, ist „sanft“. Zwar bringt es bestimmte Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten mit sich, ein Jünger Jesu zu sein, doch diese Erfahrung ist nicht hart oder bedrückend, sondern erfrischend. Auch die Gebote Jehovas, seines himmlischen Vaters, sind nicht belastend (5. Mose 30:11; 1. Johannes 5:3).

      6. Was könnte Jesus mit der Aussage „Nehmt mein Joch auf euch“ gemeint haben?

      6 Noch etwas bewirkt, daß Jesu Joch „sanft“ oder leicht zu tragen ist. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Jesu Aussage „Nehmt mein Joch auf euch“ zu verstehen ist. Wenn er das doppelte Joch im Sinn hatte, das heißt jene Art von Joch, mit dem zwei Zugtiere zusammengespannt wurden, um eine Last zu ziehen, dann ist es eine Einladung, mit ihm unter dasselbe Joch zu kommen. Welch ein Segen es wäre, Jesus an unserer Seite zu haben, der mit uns unsere Last zieht! Hatte Jesus dagegen die Jochstange im Sinn, die der gewöhnliche Arbeiter benutzte, dann bietet er uns die Hilfsmittel an, durch die für uns jede Last, die wir tragen müssen, leichter und kontrollierbarer wird. Sein Joch ist in jedem Fall ein Quell echter Erfrischung, denn er versichert uns: „Ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig.“

      7, 8. Welchen Fehler machen einige, die sich überlastet fühlen?

      7 Was sollten wir also tun, wenn wir das Gefühl haben, daß die Last der Probleme des Lebens, die wir tragen, unerträglich wird und wir kurz vor dem Zusammenbruch stehen? Einige mögen fälschlicherweise annehmen, das Joch, ein Jünger Jesu zu sein, sei zu hart oder stelle zu hohe Anforderungen; in Wirklichkeit sind es jedoch die Sorgen des Lebens, die auf ihnen lasten. Manche, die sich in dieser Situation befinden, besuchen die christlichen Zusammenkünfte nicht mehr oder beteiligen sich nicht mehr am Predigtdienst, weil sie meinen, sie könnten sich dadurch etwas Erleichterung verschaffen. Das ist jedoch ein Trugschluß.

      8 Uns ist bewußt, daß das von Jesus angebotene Joch „sanft“ ist. Es kann allerdings scheuern, wenn wir es nicht richtig aufsetzen. In diesem Fall sollten wir das Joch auf unseren Schultern einmal überprüfen. Sollte es aus irgendeinem Grund reparaturbedürftig sein oder nicht richtig passen, werden wir, wenn wir es tragen, nicht nur mehr Kraft aufwenden müssen, sondern auch Schmerzen verspüren. Oder anders ausgedrückt: Falls es den Anschein hat, daß uns theokratische Aktivitäten zu einer Last werden, müssen wir überprüfen, ob wir richtig damit umgehen. Was ist der Beweggrund für unser Handeln? Sind wir angemessen vorbereitet, wenn wir die Zusammenkünfte besuchen? Sind wir physisch und geistig entsprechend vorbereitet, wenn wir in den Predigtdienst gehen? Haben wir ein enges, gutes Verhältnis zu den anderen in der Versammlung? Und wie ist es vor allem um unser persönliches Verhältnis zu Jehova Gott und seinem Sohn, Jesus Christus, bestellt?

      9. Warum sollte das christliche Joch niemals eine unerträgliche Belastung sein?

      9 Wenn wir das Joch, das Jesus uns anbietet, vorbehaltlos auf uns nehmen und lernen, es richtig zu tragen, besteht kein Grund, es jemals als unerträgliche Last zu betrachten. Ja, wenn wir uns das Bild vorstellen können — Jesus zusammen mit uns unter demselben Joch —, werden wir unschwer erkennen, wer den größten Teil der Last trägt. Es ist ähnlich wie bei einem Kleinkind, das sich auf die Griffstange seines Kinderwagens stützt und glaubt, ihn vorwärts zu bewegen, was in Wirklichkeit natürlich die Mutter oder der Vater tut. Jehova Gott ist sich als liebevoller Vater durchaus unserer Grenzen und Schwächen bewußt, und durch Jesus Christus kümmert er sich um unsere Bedürfnisse. „Gott seinerseits wird alle eure Bedürfnisse nach dem Maße seines Reichtums in Herrlichkeit durch Christus Jesus völlig befriedigen“, sagte Paulus (Philipper 4:19; vergleiche Jesaja 65:24).

      10. Welche Erfahrung hat jemand gemacht, der es ernst nimmt, ein Jünger zu sein?

      10 Viele ergebene Christen haben das am eigenen Leib verspüren können. Da ist zum Beispiel Jenny, für die es ziemlich viel Streß bedeutet, trotz einer anstrengenden Ganztagsarbeit jeden Monat als Hilfspionier zu dienen. Sie hat jedoch das Gefühl, daß ihr der Pionierdienst tatsächlich hilft, ausgeglichen zu bleiben. Für sie ist es die größte Freude in ihrem geschäftigen Leben, Menschen zu helfen, die biblische Wahrheit kennenzulernen, und zu sehen, wie sie in ihrem Leben Änderungen vornehmen, um Gottes Anerkennung zu erlangen. Sie stimmt völlig mit den Worten des Bibelspruchs überein, der lautet: „Der Segen Jehovas — er macht reich, und keinen Schmerz fügt er ihm hinzu“ (Sprüche 10:22).

      Eine leichte Last

      11, 12. Was meinte Jesus, als er sagte: „Meine Last ist leicht.“?

      11 Jesus verspricht uns nicht nur ein ‘sanftes’ Joch, sondern versichert uns auch: „Meine Last ist leicht.“ Ein ‘sanftes’ Joch erleichtert bereits die Arbeit; wenn die Last außerdem noch erleichtert wird, ist die Arbeit wirklich ein Vergnügen. Doch was hatte Jesus bei seiner Aussage im Sinn?

      12 Betrachten wir, was ein Bauer tun würde, wenn er mit seinen Zugtieren eine andere Arbeit verrichten möchte, sagen wir, daß sie nach dem Pflügen eines Feldes einen Wagen ziehen sollen. Er wird sie zunächst vom Pflug abspannen und sie dann vor den Wagen schirren. Es wäre absurd, die Tiere vor beides, den Pflug und den Wagen, zu spannen. Auch Jesus forderte die Menschen nicht auf, seine Last noch zu der hinzuzufügen, die sie bereits trugen. Er sagte zu seinen Jüngern: „Kein Hausknecht kann ein Sklave zweier Herren sein“ (Lukas 16:13). Daher stellte Jesus die Menschen vor folgende Wahl: Wollten sie lieber weiter die bereits vorhandene schwere Last tragen, oder wollten sie diese absetzen und das annehmen, was er anbot? Jesus gab ihnen den liebevollen Ansporn: „Meine Last ist leicht.“

      13. Welche Last trugen die Menschen in den Tagen Jesu, und wozu führte es?

      13 In den Tagen Jesu mühten sich die Menschen unter der schweren Last ab, die ihnen von den bedrückenden römischen Herrschern und den auf Äußerlichkeiten bedachten heuchlerischen geistlichen Führern auferlegt wurde (Matthäus 23:23). In dem Bemühen, sich von den Belastungen durch die Römer zu befreien, versuchten einige, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie ließen sich auf politische Auseinandersetzungen ein, doch es führte nur zu ihrem Untergang (Apostelgeschichte 5:36, 37). Andere waren entschlossen, ihr Los dadurch zu verbessern, daß sie völlig in materialistischen Bestrebungen aufgingen (Matthäus 19:21, 22; Lukas 14:18-20). Als Jesus ihnen die Möglichkeit der Entlastung anbot, indem er sie einlud, seine Jünger zu werden, waren nicht alle dazu bereit. Obwohl die Last, die sie trugen, so schwer war, zögerten sie, diese abzulegen und statt dessen Jesu Last aufzunehmen (Lukas 9:59-62). Welch ein tragischer Fehler!

      14. Wie können uns die Sorgen des Lebens und materielle Wünsche belasten?

      14 Wenn wir nicht achtgeben, können wir heute denselben Fehler machen. Als Jünger Jesu haben wir nicht mehr dieselben Ziele und Wertvorstellungen wie die Menschen in der Welt. Wir müssen zwar immer noch schwer arbeiten, um für das Lebensnotwendige zu sorgen, aber wir machen diese Dinge nicht zum Mittelpunkt unseres Lebens. Allerdings können die Sorgen des Lebens und die Verlockung des materiellen Komforts einen starken Einfluß auf uns ausüben. Würden wir nicht dagegen angehen, könnten solche Wünsche sogar die Wahrheit ersticken, die wir voller Begeisterung angenommen haben (Matthäus 13:22). Wir könnten so sehr mit der Befriedigung irgendwelcher Wünsche beschäftigt sein, daß unsere christlichen Aufgaben für uns zu ermüdenden Verpflichtungen werden, die wir schnell und ohne großes Engagement hinter uns bringen möchten. Wir dürfen gewiß nicht erwarten, daß der Dienst für Gott uns erfrischt, wenn wir ihn mit dieser Einstellung verrichten.

      15. Welche Warnung sprach Jesus in bezug auf materielle Wünsche aus?

      15 Jesus zeigte, daß ein zufriedenes Leben nicht durch das Bemühen erreicht wird, sich alle Wünsche zu erfüllen, sondern dadurch, daß man sich der wichtigeren Dinge im Leben vergewissert. „Hört auf, euch Sorgen zu machen um eure Seele über das, was ihr essen oder was ihr trinken werdet, oder um euren Leib über das, was ihr anziehen werdet“, sagte er mahnend. „Bedeutet die Seele nicht mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“ Dann lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Vögel des Himmels und erklärte: „Sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie etwas in Vorratshäuser ein; dennoch ernährt sie euer himmlischer Vater.“ Mit Bezug auf die Lilien des Feldes wies er auf folgendes hin: „Sie mühen sich nicht ab, noch spinnen sie; doch sage ich euch, daß nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit wie eine von diesen bekleidet war“ (Matthäus 6:25-29).

      16. Wozu führen materielle Bestrebungen erfahrungsgemäß?

      16 Können wir aus diesen einfachen, praktischen Beispielen etwas lernen? Folgendes erlebt man immer wieder: Je angestrengter jemand bemüht ist, sich finanziell zu verbessern, desto stärker wird er in weltliche Bestrebungen verstrickt und desto schwerer wird die Last auf seinen Schultern. Die Welt ist voller Unternehmer, die ihren materiellen Erfolg mit einer entzweiten Familie, einer zerbrochenen Ehe oder einer ruinierten Gesundheit bezahlt haben (Lukas 9:25; 1. Timotheus 6:9, 10). Der Nobelpreisträger Albert Einstein sagte einmal: „Besitz, scheinbarer Erfolg, Publizität, Luxus — für mich ist das stets bedeutungslos gewesen. Ich glaube, daß ein einfaches und bescheidenes Leben für jeden das beste ist.“ Das ist lediglich eine Wiederholung des einfachen Rates, den schon der Apostel Paulus gab: „Sie [ist] ein Mittel zu großem Gewinn, diese Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit“ (1. Timotheus 6:6).

      17. Was für ein Leben empfiehlt die Bibel?

      17 Es gibt einen wichtigen Aspekt, den wir nicht übersehen dürfen. Ein „einfaches und bescheidenes Leben“ hat zwar viele Vorteile, aber das allein bringt noch keine Zufriedenheit mit sich. Viele führen ein einfaches Leben, weil sie durch die Umstände dazu gezwungen werden, aber sie sind auf keinen Fall glücklich und zufrieden. Die Bibel fordert uns nicht auf, materiellen Genuß zu verwerfen und wie ein Eremit zu leben. Der Nachdruck wird auf die Gottergebenheit gelegt, nicht auf die Selbstgenügsamkeit. Nur wenn wir beides miteinander verbinden, haben wir das „Mittel zu großem Gewinn“. Was für ein Gewinn? Im weiteren Verlauf seines Briefes wies Paulus darauf hin, daß diejenigen, die „ihre Hoffnung nicht auf unsicheren Reichtum ... setzen, sondern auf Gott, ... für sich sichere Schätze sammeln als vortreffliche Grundlage für die Zukunft, damit sie das wirkliche Leben fest ergreifen“ (1. Timotheus 6:17-19).

      18. (a) Wie kann man echte Erquickung finden? (b) Wie sollten wir Änderungen betrachten, die wir möglicherweise vornehmen müssen?

      18 Uns wird Erquickung zuteil, wenn wir es lernen, unsere persönliche schwere Last, die wir tragen mögen, abzulegen und die leichte Last aufzunehmen, die uns Jesus anbietet. Viele, die in ihrem Leben Änderungen vorgenommen haben, um im Königreichswerk mehr zu tun, haben den Weg zu einem Leben in Glück und Zufriedenheit gefunden. Es erfordert natürlich Glauben und Mut, diesen Schritt zu tun, und der Weg ist möglicherweise nicht frei von Hindernissen. In der Bibel werden wir jedoch auf folgendes aufmerksam gemacht: „Wer auf den Wind achtet, wird nicht Samen säen; und wer nach den Wolken schaut, wird nicht ernten“ (Prediger 11:4). Vieles ist wirklich nicht so schwer, wenn wir uns erst einmal dazu entschieden haben, es zu tun. Das Schwierigste ist offenbar, den Entschluß zu fassen. Vielleicht erschöpfen wir uns in dem Kampf oder Widerstand gegen diesen Gedanken. Raffen wir uns aber auf und nehmen die Herausforderung an, sind wir möglicherweise überrascht, wenn wir feststellen, wie segensreich sich das auswirkt. Der Psalmist gab den Rat: „Schmeckt und seht, daß Jehova gut ist“ (Psalm 34:8; 1. Petrus 1:13).

      „Erquickung ... für eure Seele“

      19. (a) Womit müssen wir rechnen, da sich die Weltverhältnisse verschlimmern? (b) Was wird uns zugesichert, solange wir uns unter Jesu Joch befinden?

      19 Der Apostel Paulus erinnerte die Jünger des ersten Jahrhunderts an folgendes: „Wir müssen durch viele Drangsale in das Königreich Gottes eingehen“ (Apostelgeschichte 14:22). Das ist heute nicht anders. Da sich die Weltverhältnisse verschlimmern, wird immer größerer Druck auf diejenigen ausgeübt, die entschlossen sind, ein Leben der Gerechtigkeit und der Gottergebenheit zu führen (2. Timotheus 3:12; Offenbarung 13:16, 17). Wir empfinden jedoch genauso wie Paulus, der sagte: „Wir werden auf jede Weise bedrängt, doch nicht bewegungsunfähig eingeengt; wir sind ratlos, doch nicht gänzlich ohne Ausweg; wir werden verfolgt, doch nicht im Stich gelassen; wir werden niedergeworfen, doch nicht vernichtet.“ Das ist deshalb so, weil wir darauf vertrauen können, daß Jesus Christus uns die Kraft gibt, die über das Normale hinausgeht (2. Korinther 4:7-9). Wenn wir das Joch der Jüngerschaft vorbehaltlos auf uns nehmen, werden wir die Erfüllung dessen erleben, was Jesus verheißen hat: „Ihr werdet Erquickung finden für eure Seele“ (Matthäus 11:29).

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