-
Bewahrt Christi Gesinnung in euchDer Wachtturm 2009 | 15. September
-
-
Bewahrt Christi Gesinnung in euch
Habt untereinander die gleiche Gesinnung, die Christus Jesus hatte (RÖM. 15:5).
1. Warum sollten wir uns Mühe geben, die Grundeinstellung Jesu zu übernehmen?
„KOMMT zu mir“, sagte Jesus Christus, „und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele“ (Mat. 11:28, 29). Schöner als mit dieser herzlichen Einladung lässt sich Jesu liebevolle Grundeinstellung kaum in Worte fassen. Er war wirklich das mit Abstand beste Vorbild für uns. Jesus, der mächtige Sohn Gottes, war einfühlsam und liebevoll, besonders gegenüber denen, die in Not waren.
2. Welche Aspekte der Grundeinstellung Jesu wollen wir untersuchen?
2 Dieser und die beiden folgenden Artikel sollen uns verdeutlichen, wie jeder von uns Jesu Gesinnung entwickeln und beibehalten kann und woran sich im Alltagsleben zeigt, dass wir „Christi Sinn“ haben (1. Kor. 2:16). Dabei möchten wir uns vor allem auf fünf Aspekte konzentrieren: die Milde und Demut Jesu, seine Freundlichkeit, seinen Gehorsam, seinen Mut und seine nie versagende Liebe.
Von Jesus Milde lernen
3. (a) Welche Lektion in Demut gab Jesus seinen Jüngern? (b) Wie ging Jesus damit um, wenn seine Jünger Schwächen zeigten?
3 Als vollkommener Sohn Gottes war sich Jesus nicht zu schade, zur Erde zu kommen und unter sündigen, unvollkommenen Menschen zu leben. Einige davon brachten ihn letztlich sogar um. Dennoch verlor er nie die Freude oder die Beherrschung (1. Pet. 2:21-23). Halten wir unseren Blick auf Jesus gerichtet, dann werden auch wir das leichter schaffen, wenn uns die Fehler und Unvollkommenheiten unserer Mitmenschen zusetzen (Heb. 12:2). Jesus lud seine Jünger ein, mit ihm unter sein Joch zu kommen und so von ihm zu lernen (Mat. 11:29, Fn.). Was konnten sie denn von ihm lernen? Vor allem, dass Jesus mild gesinnt und trotz ihrer Fehler geduldig mit ihnen war. Am Abend vor seinem Tod wusch er ihnen die Füße — eine Lektion in von Herzen kommender Demut, die sie nie vergessen würden. (Lies Johannes 13:14-17.) Als Petrus, Jakobus und Johannes es später nicht schafften, mit ihm wach zu bleiben, hielt er ihnen mitfühlend ihre Schwachheit zugute. Er fragte: „Simon, schläfst du?“, und sagte dann: „Wacht und betet unablässig, damit ihr nicht in Versuchung kommt. Der Geist ist zwar voller Eifer, aber das Fleisch ist schwach“ (Mar. 14:32-38).
4, 5. Wie hilft uns das Beispiel Jesu, besser mit den Charakterschwächen unserer Mitmenschen zurechtzukommen?
4 Wie reagieren wir, wenn sich ein Glaubensbruder gern in den Vordergrund drängt, schnell eingeschnappt ist oder sich schwer damit tut, Rat von Ältesten oder vom „treuen und verständigen Sklaven“ anzunehmen? (Mat. 24:45-47). In der Welt Satans mit solchen Charakterschwächen konfrontiert zu werden, nehmen wir vielleicht als normal hin, kommt dasselbe aber unter Brüdern vor, kann uns das ganz schön zu schaffen machen. Wenn wir uns leicht über die Fehler unserer Mitmenschen aufregen, wäre es wichtig, sich zu fragen: Wie könnte ich „Christi Sinn“ besser widerspiegeln? Versuchen wir immer daran zu denken, dass sich Jesus nicht über seine Jünger aufregte, auch wenn sichtbar wurde, wo sie noch an sich arbeiten mussten.
5 Nehmen wir nur als Beispiel den Apostel Petrus. Als Jesus ihn aufforderte, aus dem Boot zu steigen und ihm übers Wasser entgegenzugehen, tat Petrus das einige Momente lang. Dann aber schaute er auf den Sturm und fing an zu sinken. Wurde Jesus jetzt wütend und sagte: „Das geschieht dir grade recht! Mal gespannt, ob du was draus lernst!“? Nein. Die Bibel berichtet: „Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste ihn und sprach zu ihm: ‚Du Kleingläubiger, warum hast du dem Zweifel Raum gegeben?‘ “ (Mat. 14:28-31). Können auch wir sozusagen die Hand ausstrecken und unserem Bruder helfen, im Glauben zu wachsen, wenn wir damit konfrontiert werden, dass es ihm offenbar noch daran fehlt? Genau das lernen wir ganz bestimmt, wenn wir uns anschauen, wie mild gesinnt Jesus im Umgang mit Petrus war.
6. Was lehrte Jesus seine Apostel in puncto Ehrgeiz?
6 Petrus war auch in den Dauerstreit der Apostel darüber verwickelt, wer unter ihnen der Größte sei. Jakobus und Johannes wollten in Jesu Königreich gern zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen. Als Petrus und die anderen das mitbekamen, waren sie verärgert. Jesus wusste, dass die ehrgeizige Denkweise des sozialen Umfelds, in dem sie aufgewachsen waren, auf sie abgefärbt haben musste. Also rief er sie zu sich und sagte: „Ihr wisst, dass die Herrscher der Nationen den Herrn über sie spielen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch ist es nicht so, sondern wer immer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer immer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“ Dann wies er sie auf sein eigenes Beispiel hin: „Geradeso wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele zu geben“ (Mat. 20:20-28).
7. Wie kann jeder von uns dazu beitragen, dass in der Versammlung Einheit herrscht?
7 Wenn wir uns deutlich bewusst machen, welche demütige Grundhaltung Jesus auszeichnete, wird es uns leichter fallen, uns im Kreis unserer Brüder „als ein Geringerer“ zu benehmen (Luk. 9:46-48). Das stärkt unsere Verbundenheit mit ihnen. Wie der Vater einer großen Familie wünscht sich Jehova von seinen Kindern, dass sie „in Einheit beisammenwohnen“ und gut miteinander auskommen (Ps. 133:1). Jesus betete darum, dass alle echten Christen fest zueinander halten, damit „die Welt Kenntnis davon habe, dass du mich ausgesandt und dass du sie geliebt hast, so wie du mich geliebt hast“ (Joh. 17:23). Nicht zuletzt an dieser Einheit also sind wir als echte Nachfolger Christi zu erkennen. Um fest vereint zu bleiben, müssen wir den Unvollkommenheiten der anderen so begegnen wie Christus es getan hat. Er war bereit zu vergeben, und er lehrte, dass auch uns nur dann vergeben wird, wenn wir anderen bereitwillig vergeben. (Lies Matthäus 6:14, 15.)
8. Was können wir vom Beispiel derer lernen, die Jehova schon lange dienen?
8 Wir können auch viel lernen, wenn wir uns am Glauben derer orientieren, die sich schon seit vielen Jahren Christus zum Vorbild nehmen. Wie er begegnen sie den Unvollkommenheiten anderer meist sehr verständnisvoll. Sie haben gelernt: Ahmen wir Jesu Mitgefühl nach, tun nicht nur wir selbst uns leichter damit, „die Schwachheiten derer zu tragen, die nicht stark sind“, sondern es festigt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Außerdem wird so die ganze Versammlung angespornt, sich an der Denkweise Christi auszurichten. Diese Vorbilder im Glauben wünschen sich für ihre Brüder dasselbe wie der Apostel Paulus für die Christen in Rom: „Möge nun der Gott, der Ausharren und Trost verleiht, euch gewähren, untereinander die gleiche Gesinnung zu haben, die Christus Jesus hatte, damit ihr einmütig, mit e i n e m Mund, den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlichen könnt“ (Röm. 15:1, 5, 6). Letztlich wird also Jehova dadurch verherrlicht, dass wir ihn vereint anbeten.
9. Warum brauchen wir den heiligen Geist, um uns an Jesus ein Beispiel zu nehmen?
9 Jesus brachte von Herzen kommende Demut mit Milde in Zusammenhang, und Milde gehört zur Frucht des heiligen Geistes Gottes. Wir müssen also nicht nur Jesu Beispiel studieren, sondern benötigen auch Jehovas heiligen Geist, damit wir dieses Beispiel richtig nachahmen können. Wir sollten um diesen Geist beten und uns anstrengen, dessen Frucht in uns wachsen zu lassen: „Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben, Milde, Selbstbeherrschung“ (Gal. 5:22, 23). Übernehmen wir das Muster Jesu an Demut und Milde, wird sich unser himmlischer Vater Jehova über uns freuen.
Jesus ging freundlich mit anderen um
10. Woran zeigte sich, dass Jesus freundlich war?
10 Auch Freundlichkeit gehört zur Frucht des heiligen Geistes. Jesus behandelte seine Mitmenschen immer freundlich. Jeden, der ihn mit ehrlichen Absichten aufsuchte, nahm er „freundlich auf“. (Lies Lukas 9:11.) Was können wir von Jesus über Freundlichkeit lernen? Ein freundlicher Mensch verhält sich sanft, mitfühlend, entgegenkommend und liebenswürdig. Genau so verhielt sich Jesus. Er hatte Mitleid mit den Menschen, „weil sie zerschunden waren und umhergestoßen wurden wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mat. 9:35, 36).
11, 12. (a) Welches Beispiel macht deutlich, dass Jesus mitfühlend mit anderen umging? (b) Was würdest du aus diesem Beispiel für dich ableiten?
11 Jesus empfand aber nicht nur Mitgefühl, sondern handelte auch entsprechend. Da war zum Beispiel eine Frau, die 12 lange Jahre unter ständigen Blutungen gelitten hatte. Sie wusste, dass sowohl sie, als auch jeder, der sie berührte, nach den Vorschriften für die Gottesanbetung im Gesetz Mose als unrein galt (3. Mo. 15:25-27). Doch was man sich über Jesus erzählte und sein Auftreten müssen sie überzeugt haben: Er würde sie heilen können und wollen! Sie sagte sich immer wieder: „Wenn ich nur seine äußeren Kleider anrühre, werde ich gesund werden.“ Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen, tat es — und spürte sofort, dass sie geheilt worden war.
12 Jesus merkte, dass ihn jemand berührt hatte, und schaute sich nach demjenigen um. Die Frau fiel — wahrscheinlich aus Angst, zurechtgewiesen zu werden, weil sie gegen das Gesetz verstoßen hatte — zitternd „vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit“. Schimpfte Jesus diese arme, leidende Frau jetzt aus? Absolut nicht! Stattdessen beruhigte er sie mit den Worten: „Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh hin in Frieden“ (Mar. 5:25-34). Wie viel Auftrieb muss es ihr gegeben haben, so freundliche Worte zu hören!
13. (a) Worin unterschied sich die Einstellung Jesu von der der Pharisäer? (b) Wie ging Jesus mit Kindern um?
13 Anders als die kalten, herzlosen Pharisäer missbrauchte Christus nie seine Autorität, um anderen zusätzliche Lasten aufzubürden (Mat. 23:4). Im Gegenteil: Er lehrte die Menschen freundlich und geduldig, was Jehova möchte. Seinen Jüngern war Jesus ein echter Freund: Er behandelte sie durchweg freundlich und liebevoll, hatte sie von Herzen gern (Spr. 17:17; Joh. 15:11-15). Sogar Kinder fühlten sich ihm gegenüber frei und unbefangen, und er fühlte sich unter ihnen offensichtlich genauso wohl. Er war nie zu beschäftigt, um Zeit mit den Kleinen zu verbringen, sondern ließ für sie gern alles stehen und liegen. Seine Jünger, die sich offensichtlich immer noch ein Stück weit von der Geltungssucht der damaligen Religionsführer beeinflussen ließen, versuchten einmal, die Leute davon abzuhalten, ihre kleinen Kinder zu Jesus zu bringen, damit er sie segnete. Jesus war darüber ziemlich verärgert. Er sagte zu den Jüngern: „Lasst die kleinen Kinder zu mir kommen; versucht nicht, sie daran zu hindern, denn das Königreich Gottes gehört solchen, die wie sie sind.“ Dann gebrauchte er die Kinder, um den Jüngern an ihnen Anschauungsunterricht zu erteilen, und sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Wer immer das Königreich Gottes nicht aufnimmt wie ein kleines Kind, wird bestimmt nicht in dasselbe eingehen“ (Mar. 10:13-15).
14. Wie profitieren Kinder davon, wenn man ihnen mit reinen Beweggründen Zuwendung schenkt?
14 Versuchen wir uns vorzustellen, was diese Kinder Jahre später als Erwachsene empfunden haben müssen, wenn sie sich daran erinnerten, wie Jesus Christus sie in die Arme geschlossen und gesegnet hatte! (Mar. 10:16). Auch die Kinder von heute, denen Älteste und andere selbstlos und mit reinen Beweggründen Zuwendung schenken, werden sich später als Erwachsene gern daran erinnern. Wichtiger noch: Kindern, denen man in der Versammlung von klein auf persönliche Aufmerksamkeit entgegenbringt, wird dadurch vermittelt, dass Jehova seine Diener durch seinen Geist leitet.
Freundlichkeit in einer unfreundlichen Welt
15. Warum sollte uns die Unfreundlichkeit in der Welt von heute nicht überraschen?
15 Viele in der heutigen Welt meinen, sie hätten keine Zeit, sich mit Freundlichkeiten aufzuhalten. Da ist es kein Wunder, wenn Dienern Jehovas tagaus, tagein in der Schule, am Arbeitsplatz, auf Reisen und im Predigtdienst der Geist der Welt ins Gesicht bläst. Dass uns Unfreundlichkeit wehtut, ist verständlich. Überraschen sollte sie uns aber nicht, hat Jehova doch Paulus zu unserer Warnung aufschreiben lassen, wir würden es in den kritischen „letzten Tagen“ unter anderem mit Leuten zu tun haben, die „eigenliebig“ sein würden und „ohne natürliche Zuneigung“ (2. Tim. 3:1-3).
16. Wie können wir die Freundlichkeit, die Christus vorgelebt hat, in der Versammlung fördern?
16 Erfrischend anders als in der unfreundlichen Welt von heute ist die Atmosphäre, die wir in der Christenversammlung verspüren. Und wenn wir uns an Jesu Beispiel orientieren, kann jeder von uns etwas zu dieser angenehmen Atmosphäre beitragen. Wie? Das fängt schon damit an, dass viele in der Versammlung mit gesundheitlichen oder anderen Problemen zu kämpfen haben und deshalb Hilfe und Zuspruch brauchen. Solche Probleme nehmen in den heutigen „letzten Tagen“ zwar überhand, aber neu sind sie beileibe nicht. Schon die ersten Christen hatten unter ähnlichen Schwierigkeiten zu leiden. Konkrete Hilfe zu leisten, ist also heute genauso passend wie zur damaligen Zeit. Paulus zum Beispiel legte seinen Mitchristen ans Herz: „Redet bekümmerten Seelen tröstend zu, steht den Schwachen bei, seid langmütig gegen alle“ (1. Thes. 5:14). Dazu gehört eben auch, die Freundlichkeit auszuleben, die Christus uns vorgelebt hat.
17, 18. Was gehört unter anderem dazu, Jesus in puncto Freundlichkeit nachzueifern?
17 Christen sind verpflichtet, ihre Brüder freundlich aufzunehmen, sie so zu behandeln, wie Jesus sie behandeln würde, ja sich mit echter Sorge ebenso um die zu kümmern, denen sie noch nie begegnet sind, wie um die, die sie seit Jahren kennen (3. Joh. 5-8). Wie Jesus, der andere von sich aus mitfühlend behandelte, sollten auch wir immer dafür sorgen, dass andere bei uns auftanken können (Jes. 32:2; Mat. 11:28-30).
18 Wir alle können anderen Freundlichkeit erweisen, indem wir etwas dafür tun, dass es ihnen gut geht. Suchen, ja schaffen wir Gelegenheiten dazu und bemühen wir uns von Herzen um sie! „Habt in brüderlicher Liebe innige Zuneigung zueinander“, mahnte Paulus und fügte hinzu: „In Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor“ (Röm. 12:10). Dazu ist es nötig, sich an Christus ein Beispiel zu nehmen, andere herzlich und freundlich zu behandeln und „ungeheuchelte Liebe“ zu lernen (2. Kor. 6:6). Paulus beschrieb die Liebe, die Christus vorgelebt hat, wie folgt: „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf“ (1. Kor. 13:4). Statt nachtragend zu sein, wollen wir uns bestimmt an den Rat halten: „Werdet aber gütig zueinander, voll zarten Erbarmens, einander bereitwillig vergebend, so wie auch Gott euch durch Christus bereitwillig vergeben hat“ (Eph. 4:32).
19. Was wird durch christliche Freundlichkeit Gutes bewirkt?
19 Sind wir wirklich zu jeder Zeit und unter allen Umständen wie Jesus um Freundlichkeit bemüht, dann werden wir dafür sehr belohnt. Jehova kann seinen Geist ungehindert in der Versammlung wirken und dessen gute Frucht wachsen lassen. Und dadurch, dass wir dem Beispiel Jesu folgen und anderen auch dabei helfen, können wir unseren Gott freudig und in Einheit anbeten und machen ihn dadurch glücklich. Bestimmt wollen wir deshalb im Umgang mit unseren Mitmenschen stets Jesus nacheifern und mild gesinnt und freundlich sein.
-
-
Sei wie Christus gehorsam und mutigDer Wachtturm 2009 | 15. September
-
-
Sei wie Christus gehorsam und mutig
„Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (JOH. 16:33).
1. Wie weit ging Jesu Gehorsam gegenüber seinem Vater?
JESUS CHRISTUS tat immer den Willen Gottes. Er spielte nie auch nur mit dem Gedanken, seinem himmlischen Vater ungehorsam zu sein (Joh. 4:34; Heb. 7:26). Doch was er auf der Erde erlebte, machte ihm den Gehorsam nicht gerade leicht. Gleich von Anfang seines Dienstes an zogen seine Feinde — angeführt von Satan, dem Teufel — alle Register, ihn durch Argumente, Druck oder List und Tücke von seinem treuen Lebenslauf abzubringen (Mat. 4:1-11; Luk. 20:20-25). Diese Feinde fügten Jesus massive seelische und körperliche Schmerzen zu. Am Ende gelang es ihnen dann, ihn an einem Marterpfahl hinrichten zu lassen (Mat. 26:37, 38; Luk. 22:44; Joh. 19:1, 17, 18). Obwohl man Jesus so zusetzte und er so viel leiden musste, blieb er „gehorsam bis zum Tod“. (Lies Philipper 2:8.)
2, 3. Was können wir für uns daraus ableiten, dass Jesus gehorsam war, obwohl er so viel durchmachte?
2 Durch seine Erlebnisse als Mensch auf der Erde lernte Jesus, unter für ihn völlig neuen Bedingungen gehorsam zu sein (Heb. 5:8). Man könnte meinen, dass es nichts mehr gab, was Jesus über den Dienst für Jehova noch hätte dazulernen können. Schließlich war er über unvorstellbar lange Zeit hinweg aufs Engste mit Jehova vertraut geworden und hatte bei der Schöpfung als Gottes „Werkmeister“ gearbeitet (Spr. 8:30). Aber dadurch, dass er als Mensch treu blieb, obwohl er so viel durchmachte, stellte er seine vollständige Ergebenheit unter Beweis. Er, der Sohn Gottes, kam seinem Vater noch näher. Was können wir aus seiner Erfahrung lernen?
3 Obwohl Jesus ein vollkommener Mensch war, versuchte er nicht, aus eigener Kraft vollkommen gehorsam zu bleiben. Er suchte im Gebet Gottes Hilfe dabei. (Lies Hebräer 5:7.) Wollen wir gehorsam bleiben, müssen wir auch demütig sein und regelmäßig alles mit Jehova im Gebet besprechen. Aus dem Grund legte der Apostel Paulus Christen ans Herz: „Bewahrt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war.“ Welche? Er „erniedrigte . . . sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod“ (Phil. 2:5-8). Jesus bewies durch sein Leben, dass Menschen Gott gehorsam sein können, selbst wenn sie von lauter Bosheit umgeben sind. Allerdings war Jesus ja vollkommen. Gilt dasselbe denn auch für unvollkommene Menschen wie uns?
Gehorsam trotz Unvollkommenheit
4. Was bedeutet es für uns, dass der Mensch mit einem freien Willen erschaffen wurde?
4 Als Gott Adam und Eva erschuf, gab er ihnen einen Verstand und einen freien Willen. Da wir von ihnen abstammen, haben auch wir einen freien Willen. Was ist damit gemeint? Wir können uns dafür entscheiden, richtig oder falsch zu handeln. Anders ausgedrückt: Gott gesteht uns die Freiheit zu, zu wählen, ob wir ihm gehorchen wollen oder nicht. Diese große Freiheit bringt Verantwortung mit sich: Wir müssen dafür geradestehen, wie wir mit ihr umgehen. Letzten Endes entscheidet das sogar über Leben und Tod. Und es wirkt sich auch auf unsere Mitmenschen aus.
5. Womit haben wir alle zu kämpfen? Wie können wir den Kampf gewinnen?
5 Da wir die Unvollkommenheit geerbt haben, neigen wir nicht von Natur aus zum Gehorsam. Gottes Geboten zu gehorchen, ist deshalb nicht immer einfach. Paulus hatte auch damit zu kämpfen. Er schrieb: „Ich sehe in meinen Gliedern ein anderes Gesetz, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“ (Röm. 7:23). Sind keine Opfer, Schmerzen oder Unannehmlichkeiten damit verbunden, fällt uns Gehorsam natürlich leichter. Was aber, wenn unserem Wunsch, zu gehorchen, die „Begierde des Fleisches“ oder die „Begierde der Augen“ in die Quere kommt? Diese negativen Kräfte gehen auf unsere Unvollkommenheit zurück sowie auf den Einfluss durch den „Geist der Welt“, in der wir leben, und sie sind sehr mächtig (1. Joh. 2:16; 1. Kor. 2:12). Um ihnen etwas entgegenzusetzen, müssen wir unser Herz „bereit machen“, also auf Krisen oder Versuchungen vorbereiten, bevor wir damit konfrontiert werden. Das bedeutet, sich fest vorzunehmen: „Ich will Jehova gehorchen, egal was passiert!“ (Ps. 78:8). In der Bibel sind viele Beispiele von Menschen zu finden, die das geschafft haben, eben weil sie ihr Herz „bereit gemacht“ hatten (Esra 7:10; Dan. 1:8).
6, 7. Erkläre bitte an einem Beispiel, wie uns das persönliche Studium helfen kann, richtig zu entscheiden.
6 „Bereit machen“ oder in die richtige Verfassung bringen können wir unser Herz unter anderem dadurch, dass wir fleißig die Bibel und bibelerklärende Veröffentlichungen studieren. Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Es ist dein persönlicher Studierabend. Du hast gerade darum gebetet, dass Jehova dir durch seinen Geist hilft, das anzuwenden, was du aus seinem Wort lernst. Für den nächsten Abend hast du vor, dir einen Fernsehfilm anzuschauen. Du hast positive Kritiken darüber gehört, weißt aber auch, dass einige sex- und gewaltbetonte Szenen darin vorkommen.
7 Du machst dir über den Rat des Paulus in Epheser 5:3 Gedanken: „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so wie es sich für Heilige geziemt.“ Dir fällt auch ein, was Paulus in Philipper 4:8 geraten hat. (Lies.) Du lässt diesen von Jehova stammenden Rat auf dich wirken und fragst dich dabei unwillkürlich: „Nehme ich mir wirklich an Jesus ein Beispiel, der Jehova genau gehorchte, wenn ich meine Gefühle und mein Denken bewusst dem Einfluss solcher Filme aussetze?“ Was wirst du jetzt tun? Den Film einfach trotzdem anschauen?
8. Warum müssen wir es mit Jehovas Maßstäben sehr genau nehmen?
8 Es mit Jehovas Maßstäben nicht so genau zu nehmen — vielleicht weil man sich für stark genug hält, sich von schlechter Gesellschaft nicht beeinflussen zu lassen —, wäre ein Fehler. Das gilt auch, wenn es sich bei der schlechten Gesellschaft um Unterhaltung handelt, in der Sex oder Gewalt vorkommt. Vielmehr müssen wir uns und unsere Kinder vor dem schädlichen Einfluss durch den Geist des Teufels schützen. Wer einen Computer hat, achtet peinlich genau darauf, dass er nicht mit schädlichen Viren infiziert wird, die Daten vernichten, die Funktion behindern und sich sogar darauf einnisten können, um von dort aus andere Computer zu attackieren. Können wir es uns leisten, weniger wachsam und auf der Hut zu sein vor Satans „listigen Handlungen“? (Eph. 6:11, Fn.).
9. Warum müssen wir uns fest vornehmen, Jehova jeden Tag zu gehorchen?
9 Praktisch jeden Tag stehen wir bei Entscheidungen vor der Frage: „Gehe ich so vor, wie Jehova es sich wünscht, oder nicht?“ Damit Jehova uns retten kann, müssen wir ihm gehorchen und uns an seine gerechten Lebensregeln halten. Sind wir wie Christus gehorsam — sogar „bis zum Tod“ —, dann beweist das, dass unser Glaube echt ist. Jehova wird uns für unsere Treue belohnen. Jesus hat versprochen: „Wer . . . bis zum Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden“ (Mat. 24:13). Dazu brauchen wir ganz offensichtlich echten Mut, wie Jesus ihn hatte (Ps. 31:24).
Jesus — das beste Vorbild an Mut
10. Von welchen Seiten wird Druck auf uns ausgeübt, und wie sollten wir damit umgehen?
10 Wir sind umgeben von den Denk- und Verhaltensweisen der Welt Satans. Um davon nicht angesteckt zu werden, muss man sich regelrecht wehren, und das erfordert Mut. Christen sehen sich Zwängen und Belastungen sittlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und religiöser Art ausgesetzt, die sie von den gerechten Wegen Jehovas abbringen könnten. Viele haben in der eigenen Familie starken Gegenwind. Bildungseinrichtungen in manchen Ländern propagieren immer offensiver die Evolutionstheorie, und der Atheismus wird zunehmend gesellschaftsfähig. Bei so viel Druck können wir nicht einfach den Kopf einziehen. Wir müssen alldem aktiv etwas entgegensetzen, um uns zu schützen. Jesus hat uns vorgemacht, wie man das schaffen kann.
11. Wieso werden wir mutiger, wenn wir Jesu Beispiel auf uns wirken lassen?
11 Jesus sagte zu seinen Jüngern: „In der Welt habt ihr Drangsal, doch fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Joh. 16:33). Er gab dem Einfluss der Welt nie nach. Weder ließ er sich durch sie davon abhalten, seinen Predigtauftrag zu erfüllen, noch machte er Zugeständnisse in Sachen wahre Anbetung und richtiges Verhalten. Wir sollten uns genauso wenig beeinflussen lassen. Jesus sagte im Gebet über seine Jünger: „Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Joh. 17:16). Wenn wir sein mutiges Beispiel genau untersuchen und auf uns wirken lassen, können auch wir den nötigen Mut aufbringen, konsequent Abstand von der Welt zu halten.
Von Jesus lernen, mutig zu sein
12—14. An welchen Beispielen wird deutlich, wie mutig Jesus war?
12 Seinen ganzen Dienst hindurch bewies Jesus großen Mut. Mit der ihm verliehenen Autorität als Sohn Gottes ging er furchtlos „in den Tempel und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, und stieß die Tische der Geldwechsler und die Bänke der Taubenverkäufer um“ (Mat. 21:12). Als am Abend vor seinem Tod Soldaten anrückten, um ihn zu verhaften, stellte er sich mutig vor seine Jünger und sagte: „Wenn ihr . . . mich sucht, so lasst diese gehen“ (Joh. 18:8). Wenige Augenblicke später sagte er Petrus, er solle sein Schwert wegstecken, und zeigte dadurch, dass er sich nicht auf irdische Waffen verließ, sondern auf Jehova vertraute (Joh. 18:11).
13 Unerschrocken stellte Jesus die lieblosen Irrlehrer seiner Zeit und ihre verkehrten Ansichten bloß: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschließt! . . . Ihr habt die gewichtigeren Dinge des GESETZES außer acht gelassen, nämlich das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue. . . . Ihr [reinigt] das Äußere des Bechers und der Schüssel . . ., innen aber sind sie mit Raub und Unmäßigkeit gefüllt“ (Mat. 23:13, 23, 25). Seine Jünger würden genauso mutig sein müssen, denn die Führer der falschen Religion würden auch sie verfolgen und einige von ihnen umbringen (Mat. 23:34; 24:9).
14 Sogar bösen Geistern trat Jesus mutig entgegen. Einmal kam ihm ein von Dämonen Besessener entgegen, der so stark war, dass ihn niemand hatte fesseln können, nicht einmal mit einer Kette. Kein bisschen eingeschüchtert trieb Jesus die vielen Dämonen aus, die den Mann in ihrer Gewalt hatten (Mar. 5:1-13). Christen haben heute von Gott nicht die Macht bekommen, solche Wunder zu wirken. Aber beim Predigen und Lehren müssen auch wir sozusagen Krieg führen gegen Satan, der „den Sinn der Ungläubigen verblendet hat“ (2. Kor. 4:4). Wie im Fall Jesu sind auch „die Waffen unserer Kriegführung . . . nicht fleischlich, sondern machtvoll durch Gott, um starke Verschanzungen umzustoßen“ — Ansichten, die tief verwurzelt, aber falsch sind (2. Kor. 10:4). Von Jesus können wir viel darüber lernen, wie man mit diesen Waffen, die Gott uns in die Hand gibt, richtig umgeht.
15. Worauf war Jesu Mut zurückzuführen?
15 Jesu Mut war nicht auf übersteigertes Selbstvertrauen zurückzuführen, sondern auf Glauben. Das darf bei uns nicht anders sein (Mar. 4:40). Wie können wir echten Glauben entwickeln? Auch das hat uns Jesus vorgemacht. Er kannte sich gründlich in den heiligen Schriften aus und vertraute voll und ganz darauf. Seine Waffe war ein Schwert — aber kein buchstäbliches, sondern das Schwert des Geistes, Gottes Wort. Immer wieder untermauerte er das, was er lehrte, mit Zitaten aus den Schriften. Oft leitete er eine Aussage mit der Formulierung ein: „Es steht geschrieben“ — nämlich im Wort Gottes.a
16. Wie können wir im Glauben wachsen?
16 Wie können wir den nötigen Glauben entwickeln, um die Prüfungen durchzustehen, denen jeder Jünger Christi unweigerlich ausgesetzt wird? Nur dadurch, dass wir jeden Tag die Bibel lesen und studieren sowie die Zusammenkünfte besuchen — anders ausgedrückt: unseren Sinn mit den Wahrheiten ernähren, auf denen Glaube aufbaut (Röm. 10:17). Außerdem müssen wir über das, was wir lernen, nachsinnen — gründlich nachdenken —, um es uns tief im Herzen zu eigen zu machen. Nur wenn unser Glaube lebendig ist, kann er uns dazu motivieren, mutig zu handeln (Jak. 2:17). Und wir müssen um heiligen Geist beten, denn Glaube gehört zur Frucht des Geistes (Gal. 5:22).
17, 18. Wie bewies eine junge Schwester in der Schule ihren Mut?
17 Kitty ist eine junge Schwester, die selbst erlebt hat, wie mutig echter Glaube machen kann. Schon als sie noch klein war, hatte sie ihren Mitschülern eigentlich gern von ihrem Glauben erzählen wollen, weil ihr bewusst war, dass sie sich auch in der Schule „der guten Botschaft nicht schämen“ sollte (Röm. 1:16). Jedes Jahr nahm sie sich das fest vor, aber irgendwie fehlte ihr dann doch immer das letzte Quäntchen Mut dazu. Als sie nach ein paar Jahren die Schule wechselte, sagte sie sich: „Diesmal werde ich nachholen, was ich bisher nicht geschafft habe!“ Sie betete um eine gute Gelegenheit, um das nötige Feingefühl und darum, so mutig zu sein wie Jesus.
18 Gleich am ersten Tag in der neuen Schule sollten sich alle Schüler der Reihe nach vorstellen. Einige erwähnten dabei, zu welcher Religion sie gehörten, aber dass sie sie nicht wirklich aktiv ausüben würden. Kitty ging auf: Das war die Gelegenheit, um die sie gebetet hatte! Als sie an der Reihe war, sagte sie ganz souverän: „Ich bin eine Zeugin Jehovas, und wenn es um Religion und um das richtige Verhalten geht, halte ich mich an das, was in der Bibel steht.“ Einige Mitschüler verdrehten da die Augen, aber andere hörten ihr weiter zu und stellten ihr anschließend Fragen. Der Lehrer sagte später sogar, die anderen könnten sich davon, wie sie sich für ihre Überzeugung hingestellt habe, eine Scheibe abschneiden. Kitty ist ganz glücklich darüber, dass sie von Jesus gelernt und es geschafft hat, mutig zu sein.
Wie Christus Glauben und Mut beweisen
19. (a) Was ist nötig, um echten Glauben zu haben? (b) Wie können wir dafür sorgen, dass sich Jehova von Herzen freut?
19 Auch den Aposteln war klar, dass sie einen starken Glauben brauchten, um wirklich mutig ihre Aufgaben anzugehen. Sie baten Jesus eindringlich: „Gib uns mehr Glauben.“ (Lies Lukas 17:5, 6.) Einfach nur zu glauben, dass es einen Gott gibt, reicht dazu nicht. Echter Glaube setzt eine enge, vertraute Bindung zu Jehova voraus, wie die eines kleinen Kindes zu seinem gütigen, lieben Vater. Salomo wurde von Gott inspiriert, zu schreiben: „Mein Sohn, wenn dein Herz weise geworden ist, wird sich mein Herz, ja das meine, freuen. Und meine Nieren werden frohlocken, wenn deine Lippen Geradheit reden“ (Spr. 23:15, 16). Wenn wir uns also mutig für das hinstellen, was richtig ist, dann freut sich Jehova von Herzen darüber — und das zu wissen, macht uns noch mutiger. Nehmen wir uns deshalb immer an Jesus ein Beispiel und treten wir mutig für Gerechtigkeit ein!
[Fußnote]
a Beispiele dafür finden sich in Matthäus 4:4, 7, 10; 11:10; 21:13; 26:31; Markus 9:13; 14:27; Lukas 24:46 und Johannes 6:45; 8:17.
-
-
Christi Liebe motiviert uns, einander zu liebenDer Wachtturm 2009 | 15. September
-
-
Christi Liebe motiviert uns, einander zu lieben
Jesus liebte die Seinen, die in der Welt waren und die er geliebt hatte, bis ans Ende (JOH. 13:1).
1, 2. (a) Was macht die Liebe Jesu so außergewöhnlich? (b) Um welche Aspekte der Liebe soll es in diesem Artikel gehen?
JESUS lebte auf vollkommene Weise vor, was Liebe ist. An allem, was ihn ausmachte — sein Reden und Verhalten, sein Lehren und sein Opfertod —, war sie zu erkennen. Bis zu seinem letzten Atemzug erwies Jesus denen Liebe, die ihm begegneten, insbesondere seinen Jüngern.
2 Mit diesem herausragenden Vorbild in der Liebe hat Jesus für seine Nachfolger eine hohe Messlatte gesetzt. Sein Beispiel motiviert uns auch, die gleiche Liebe gegenüber unseren Brüdern und Schwestern sowie allen anderen zu zeigen. In diesem Artikel wollen wir näher untersuchen, was Älteste von Jesus darüber lernen können, wie man Personen liebevoll behandelt, die sich verkehrt verhalten oder sogar schwere Fehler begehen. Außerdem werden wir darauf eingehen, wie Jesu Liebe Christen dazu veranlasst, konkrete Hilfe zu leisten, wenn jemand in Not gerät, Opfer einer Katastrophe wird oder schwer erkrankt.
3. Wie behandelte Jesus Petrus trotz seines Versagens?
3 In der Nacht bevor Jesus starb, leugnete Petrus, den er selbst als Apostel ausgewählt hatte, drei Mal, ihn auch nur zu kennen (Mar. 14:66-72). Aber Jesus hatte vorausgesehen, dass Petrus wieder zurückkommen würde, und als er das tat, vergab Jesus ihm. Er übertrug ihm sogar weitreichende Verantwortung (Luk. 22:32; Apg. 2:14; 8:14-17; 10:44, 45). Was können wir für uns daraus ableiten, wie Jesus zu denen eingestellt war, die schwere Fehler machten?
Sich an Christi Gesinnung ausrichten, wenn jemand gesündigt hat
4. Wann ist die Grundeinstellung, die den Christus auszeichnete, ganz besonders gefordert?
4 Von all den vielen Situationen, in denen es zu beweisen gilt, dass wir uns an der Grundeinstellung Christi ausrichten, geht uns eine oft besonders an die Nieren: und zwar wenn jemand aus unserer Familie oder Versammlung einen schweren Fehler macht. Je näher wir dem Ende der letzten Tage von Satans System kommen, desto höher ist leider der Tribut, den der Geist der Welt auf moralischem Gebiet fordert. Die verderbte oder gleichgültige Einstellung der Welt zur Moral kann auf jeden, ob jung oder alt, abfärben. Mit welchem Ergebnis? Unser fester Vorsatz, auf dem schmalen Weg zum Leben zu bleiben, könnte aufgeweicht werden. Schon im ersten Jahrhundert mussten manche aus der Christenversammlung ausgeschlossen und andere zurechtgewiesen werden. Das ist heute nicht anders (1. Kor. 5:11-13; 1. Tim. 5:20). Erweisen aber die Ältesten, die sich damit beschäftigen müssen, dem Betreffenden die Liebe, die den Christus auszeichnete, kann das für ihn von entscheidender Bedeutung sein.
5. Wie sollten Älteste, die sich an Christi Sinn orientieren, mit Personen umgehen, die schwere Fehler begangen haben?
5 Wie Jesus sind Älteste verpflichtet, den gerechten Normen Jehovas immer Geltung zu verschaffen. Dabei gehen sie so vor, dass sie Jehovas Milde, seine Freundlichkeit und seine Liebe widerspiegeln. Ist jemand wirklich völlig zerknirscht, hat wegen seiner Sünde sozusagen ein „gebrochenes Herz“ und einen „zerschlagenen Geist“, dann fällt es den Ältesten wohl nicht besonders schwer, ihn „im Geist der Milde wieder zurechtzubringen“ (Ps. 34:18; Gal. 6:1). Was aber, wenn sie jemand vor sich haben, der sich rebellisch aufführt und kaum eine Spur von Reue zeigt?
6. Wovor müssen sich Älteste hüten, wenn sie jemand vor sich haben, der verkehrt gehandelt hat? Warum?
6 Hat jemand einen schweren Fehler gemacht und will dann von einer biblischen Zurechtweisung nichts hören oder die Schuld auf andere abwälzen, kann es gut sein, dass die Ältesten und andere ziemlich aufgebracht sind. Mit all dem Schaden vor Augen, den derjenige schon angerichtet hat, könnten sie sich hinreißen lassen, ihn sich so richtig vorzuknöpfen. Doch Zorn richtet Schaden an und passt nicht zu „Christi Sinn“ (1. Kor. 2:16; lies Jakobus 1:19, 20). Jesus warnte zwar einige seiner Zeitgenossen in aller Deutlichkeit, aber kein einziges Mal wurde er dabei gehässig oder verletzend (1. Pet. 2:23). Stattdessen hielt er Sündern immer die Tür offen, zu bereuen und zu Jehova umzukehren. Schließlich war er ja nicht zuletzt deshalb in die Welt gekommen, „um Sünder zu retten“! (1. Tim. 1:15).
7, 8. Wovon sollten sich Älteste leiten lassen, wenn sie rechtliche Schritte unternehmen müssen?
7 Was sollten wir gegenüber Personen, die von der Versammlung zurechtgewiesen werden müssen, empfinden, wenn wir Jesu Vorbild auf uns wirken lassen? Denken wir daran, dass die rechtlichen Schritte, die die Versammlung laut der Bibel unternimmt, zum einen die Herde schützen, zum anderen aber auch den Betreffenden dazu veranlassen können, zu bereuen (2. Kor. 2:6-8). So tragisch es ist, dass einige nicht bereuen und ausgeschlossen werden müssen, so warm wird einem doch ums Herz, wenn man bedenkt, dass eine große Zahl von ihnen später wieder zu Jehova und zur Versammlung zurückkehren. Orientieren sich Älteste an der Gesinnung Christi, ebnen sie ihnen den Weg dafür, sich zu ändern und irgendwann wiederzukommen. Was die Ältesten alles mit ihnen aus der Bibel besprochen haben, daran erinnern sie sich später vielleicht nicht mehr. Aber woran sie sich garantiert erinnern werden: Wenn sie liebevoll und mit Würde behandelt wurden!
8 Älteste stehen deshalb in der Pflicht, die „Frucht des Geistes“ auszuleben, vor allem die Liebe, die den Christus auszeichnete — und das auch unter Umständen, die es ihnen schwer machen! (Gal. 5:22, 23). Sie dürfen es nie eilig haben, jemand aus der Versammlung auszuschließen. Sie müssen deutlich machen, wie viel ihnen daran liegt, dass jemand, der sich verirrt hat, wieder zu Jehova zurückfindet. Wenn dann ein Sünder später tatsächlich bereut — wie es ja viele tun —, dann wird er sowohl Jehova zutiefst dankbar sein als auch den „Gaben in Form von Menschen“, die es ihm leichter gemacht haben, zur Versammlung zurückzukehren (Eph. 4:8, 11, 12).
In der Zeit des Endes wie Christus Liebe erweisen
9. Welches Beispiel zeigt, dass sich Jesu Liebe zu seinen Jüngern durch konkrete Hilfe äußerte?
9 Lukas berichtet über ein herausragendes Beispiel dafür, wie sich Jesu Liebe durch konkrete Hilfe äußerte. Jesus wusste, dass irgendwann römische Soldaten die zum Untergang verurteilte Stadt Jerusalem belagern und eine Flucht unmöglich machen würden. Aus Liebe warnte er seine Jünger: „Wenn ihr . . . die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert seht, dann erkennt, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist.“ Was sollten sie dann tun? Jesus gab ihnen klare, konkrete Anweisungen: „Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen, und die in ihrer Mitte sind, sollen hinausgehen, und die, die sich an Orten auf dem Land befinden, sollen nicht in sie hineingehen; denn dies sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird, damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht“ (Luk. 21:20-22). Nachdem das römische Heer Jerusalem im Jahr 66 u. Z. umzingelt hatte, befolgten gehorsame Jünger diese Anweisungen.
10, 11. Wie hilft uns das Beispiel der ersten Christen, die aus Jerusalem flohen, uns auf die „große Drangsal“ vorzubereiten?
10 Bei ihrer Flucht aus Jerusalem mussten die Christen einander genauso Liebe erweisen, wie Jesus es ihnen vorgemacht hatte. Man kann sich gut vorstellen, wie sie alles, was sie hatten, miteinander teilten. Was Jesus voraussagte, bezog sich aber nicht einfach nur auf die Vernichtung einer Stadt im Altertum. Er kündigte eine „große Drangsal“ an, „wie es seit Anfang der Welt bis jetzt keine gegeben hat, nein, noch wieder geben wird“ (Mat. 24:17, 18, 21). Vor und während dieser noch bevorstehenden „großen Drangsal“ werden auch wir womöglich so manche Härten und Entbehrungen durchzustehen haben. Gelingen wird uns das, wenn wir die gleiche Grundeinstellung oder Gesinnung haben wie Christus.
11 Es wird dann darauf ankommen, dass wir uns an Jesus ein Beispiel nehmen und selbstlose Liebe ausleben. Der Apostel Paulus empfahl dazu dringend: „Jeder von uns gefalle seinem Nächsten in dem, was zu seiner Erbauung gut ist. Denn auch der Christus hat sich nicht selbst gefallen . . . Möge nun der Gott, der Ausharren und Trost verleiht, euch gewähren, untereinander die gleiche Gesinnung zu haben, die Christus Jesus hatte“ (Röm. 15:2, 3, 5).
12. Was für eine Art Liebe müssen wir heute entwickeln? Warum?
12 Auch Petrus, der die Liebe Jesu ganz persönlich verspüren durfte, forderte seine Mitchristen auf, „ungeheuchelte brüderliche Zuneigung“ zu entwickeln und ihren „Gehorsam gegenüber der Wahrheit“ zu beweisen. Wie er sagte, sollten sie „einander inbrünstig von Herzen“ lieben (1. Pet. 1:22). Solche Eigenschaften, die Christus auszeichneten, sind für uns heute so wichtig wie nie zuvor. Der Druck, dem alle Diener Gottes ausgesetzt sind, nimmt ja jetzt schon immer mehr zu. Jeder von uns wäre schlecht beraten, sein Vertrauen auf irgendeinen Baustein der heutigen Welt zu setzen, wie die aktuellen Turbulenzen im Finanzsystem nur allzu deutlich beweisen. (Lies 1. Johannes 2:15-17.) Stattdessen gilt es, immer enger zusammenzurücken, Jehova und unseren Brüdern immer näher zu kommen, echte Freundschaften in der Versammlung aufzubauen und zu pflegen — und das umso mehr, je näher das Ende des heutigen Systems kommt. Paulus riet: „Habt in brüderlicher Liebe innige Zuneigung zueinander. In Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor“ (Röm. 12:10). Und Petrus verstärkte das noch mit der Aufforderung: „Habt vor allem inbrünstige Liebe zueinander, denn Liebe deckt eine Menge von Sünden zu“ (1. Pet. 4:8).
13—15. Wie haben manche Brüder und Schwestern nach Naturkatastrophen die Liebe ausgelebt, die den Christus auszeichnet?
13 Weltweit sind Jehovas Zeugen dafür bekannt, dass sich ihre Liebe in konkreter Hilfe äußert. Ein Beispiel dafür ist ihre Reaktion, als 2005 nach verheerenden Wirbelstürmen und Unwettern in weiten Teilen des Südens der Vereinigten Staaten dringend Hilfe gefragt war. Über 20 000 Brüder und Schwestern stellten, von Jesu Beispiel inspiriert, ihre Zeit und Kraft zur Verfügung. Nicht wenige gaben ein komfortables Zuhause und einen sicheren Arbeitsplatz auf, um den betroffenen Glaubensbrüdern helfen zu können.
14 In einer Gegend hatte der Sturm eine bis zu 10 Meter hohe Wasserwand rund 80 Kilometer weit ins Landesinnere getragen. Nach Rückgang der Fluten war etwa ein Drittel aller Gebäude völlig unbewohnbar. Zeugen Jehovas mit dem nötigen Fachwissen kamen aus mehreren Ländern zu Hilfe, brachten Werkzeuge und Baumaterial gleich mit und waren bereit, jede erforderliche Arbeit zu übernehmen. Zwei verwitwete leibliche Schwestern packten ihre Habseligkeiten in einen Kleinlastwagen und reisten aus über 3 000 Kilometer Entfernung ins Katastrophengebiet. Eine von ihnen ist immer noch dort, stellt ihre Arbeitskraft dem regionalen Hilfskomitee zur Verfügung und ist außerdem allgemeiner Pionier.
15 Über 5 600 Wohnungen von Zeugen Jehovas und anderen sind in der Region wieder aufgebaut oder instand gesetzt worden. Was empfanden die einheimischen Zeugen, die mit so viel Liebe überschüttet wurden? Eine Schwester, deren Haus zerstört worden war, hatte in einen winzigen Wohnwagen mit undichtem Dach und einem nicht funktionierenden Herd ziehen müssen. Die Brüder bauten ihr ein schlichtes, aber bequemes neues Häuschen. Als sie schließlich vor ihrem fertigen neuen Haus stand, rollten ihr die Tränen über die Wangen, so dankbar war sie Jehova und ihren Brüdern. Etliche Zeugen Jehovas, die der Sturm vertrieben hatte und deren Häuser wieder aufgebaut worden waren, blieben danach trotzdem ein Jahr oder noch länger in ihrer Notunterkunft. Warum? Damit die Hilfskräfte vor Ort in ihrem Heim wohnen konnten, so lange sie noch gebraucht wurden. Sind das nicht schöne Beispiele von Menschen, die sich an der Grundeinstellung Christi ausrichten?
Gegenüber Kranken die Einstellung Christi zeigen
16, 17. Wie können wir uns im Umgang mit Kranken an der Denkweise Christi ein Beispiel nehmen?
16 Unter schweren Naturkatastrophen haben vergleichsweise wenige von uns zu leiden. Doch so gut wie jeder wird mit Krankheiten konfrontiert — entweder am eigenen Leib oder in der Familie. An Jesu Einstellung zu Kranken können wir uns wirklich ein Beispiel nehmen. Aufgrund seiner Liebe empfand er Mitleid für sie. Als die Volksmengen ihre Kranken zu ihm brachten, heilte er „alle, denen es schlecht ging“ (Mat. 8:16; 14:14).
17 Die Macht Jesu, Kranke durch ein Wunder zu heilen, haben Christen heute nicht. Aber sie zeichnen sich durch die gleiche mitfühlende Geisteshaltung ihnen gegenüber aus. Woran wird das deutlich? Zum Beispiel daran, dass Älteste, die sich an der Denkweise Christi ausrichten, geeignete Hilfsmaßnahmen für Kranke in ihrer Versammlung in die Wege leiten und im Auge behalten. Dem Grundsatz nach verfahren sie genauso, wie in Matthäus 25:39, 40 beschrieben.a (Lies.)
18. Wie bewiesen zwei Glaubensschwestern echte Liebe? Was war das Ergebnis?
18 Um anderen Gutes zu tun, braucht man natürlich kein Ältester zu sein. Nehmen wir den Fall von Charlene, einer 44-jährigen Schwester, bei der Krebs festgestellt wurde und der man sagte, sie hätte nur noch zehn Tage zu leben. Sharon und Nicolette, zwei Glaubensschwestern, bekamen mit, dass Charlene Hilfe brauchte und dass ihr Mann, der sie hingebungsvoll pflegte, an die Grenzen seiner Belastbarkeit stieß. Also boten sie sich an, ihr während ihrer letzten Lebenstage rund um die Uhr zur Seite zu stehen. Letztlich wurden daraus sechs Wochen, doch die beiden erwiesen ihr bis ganz zum Schluss ihre Liebe. Sharon erzählt: „Es ist alles andere als leicht, wenn man weiß, dass der Betreffende nicht mehr auf die Beine kommt, aber Jehova hat uns stark gemacht. Diese Erfahrung hat uns ihm und auch einander nähergebracht.“ Charlenes Mann sagt: „Ich werde diesen beiden lieben Schwestern nie vergessen, wie liebevoll sie uns beigestanden und praktische Hilfe geleistet haben. Mit ihrem selbstlosen Einsatz und ihrer positiven Einstellung haben sie meiner treuen Charlene die schweren letzten Tage erträglicher gemacht und mich physisch und seelisch entlastet, was ich auch dringend nötig hatte. Dafür werde ich ihnen ewig dankbar sein. Mein Glaube an Jehova und meine Liebe zur ganzen Bruderschaft ist durch den aufopferungsvollen Beistand dieser beiden noch viel stärker geworden.“
19, 20. (a) Welche fünf Aspekte der Grundeinstellung Christi haben wir untersucht? (b) Was hast du dir vorgenommen?
19 In dieser dreiteiligen Artikelserie haben wir fünf Aspekte der Grundeinstellung Jesu untersucht. Wir haben gesehen, wie wir uns an seiner Denkweise und seinem Verhalten ausrichten können. Nehmen wir uns vor, wie er „mild gesinnt und von Herzen demütig“ zu sein (Mat. 11:29). Bemühen wir uns, andere freundlich zu behandeln — auch dann, wenn ihre Schwächen und Unvollkommenheiten zum Vorschein kommen. Bringen wir den Mut auf, Jehova trotz Prüfungen in allem zu gehorchen, was er von uns erwartet.
20 Und erweisen wir nicht zuletzt allen unseren Brüdern „bis ans Ende“ die Liebe, die auch der Christus bewies und an der wir als seine echten Jünger zu erkennen sind (Joh. 13:1, 34, 35). Ja, setzen wir alles daran, dass unsere „brüderliche Liebe bleibe“ (Heb. 13:1). Halte dich nicht zurück, dein Leben dafür einzusetzen, Jehova zu preisen und anderen zu helfen! Jehova wird deine ehrlichen Bemühungen segnen.
[Fußnote]
a Dazu auch der Artikel „Sag nicht nur: ‚Haltet euch warm und wohlgenährt‘ “ im Wachtturm vom 15. Oktober 1986.
-