Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Ein entsprechendes Lösegeld für alle
    Der Wachtturm 1991 | 15. Februar
    • Ein entsprechendes Lösegeld für alle

      „Der Menschensohn [ist] nicht gekommen ..., um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele zu geben“ (MATTHÄUS 20:28).

      1, 2. (a) Wieso kann gesagt werden, das Lösegeld sei Gottes größte Gabe für die Menschheit? (b) Von welchem Nutzen ist es, sich mit dem Lösegeld zu befassen?

      DAS Lösegeld ist Gottes größte Gabe für die Menschheit. Aufgrund der „Befreiung durch Lösegeld“ ist „die Vergebung unserer Verfehlungen“ möglich (Epheser 1:7). Das Lösegeld bildet die Grundlage der Hoffnung auf ewiges Leben — entweder im Himmel oder auf einer paradiesischen Erde (Lukas 23:43; Johannes 3:16). Und dem Lösegeld ist es zu verdanken, daß Christen bereits heute vor Gott rein dastehen können (Offenbarung 7:14, 15).

      2 Das Lösegeld ist also nichts Vages oder Abstraktes. Da es rechtlich auf göttlichen Grundsätzen beruht, ermöglicht es wirkliche, greifbare Segnungen. Bestimmte Gesichtspunkte der Lehre vom Lösegeld mögen „schwer zu verstehen“ sein (2. Petrus 3:16). Doch eine eingehende Betrachtung dieser Lehre lohnt sich, denn das Lösegeld zeugt von Gottes überragender Liebe zur Menschheit. Die Bedeutung des Lösegeldes zu erfassen heißt, einen wesentlichen Bestandteil des unermeßlichen „Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes“ zu verstehen (Römer 5:8; 11:33).

      Zu klärende Streitfragen

      3. Wieso wurde ein Lösegeld nötig, und warum konnte Gott den Menschen nicht einfach ihre Sündhaftigkeit verzeihen?

      3 Das Lösegeld wurde nötig, weil Adam, der erste Mensch, sündigte und seinen Nachkommen ein trauriges Erbe hinterließ — Krankheiten, Leiden, Kummer und Schmerz (Römer 8:20). Aufgrund der ererbten Unvollkommenheit sind alle Nachkommen Adams „Kinder des Zorns“, die den Tod verdienen (Epheser 2:3; 5. Mose 32:5). Gott konnte nicht grundsatzlos Gefühlen folgen und den Menschen ohne weiteres vergeben. In seinem Wort heißt es: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod“ (Römer 6:23). Hätte Gott die Sündhaftigkeit der Menschen einfach verziehen, dann hätte er seine eigenen gerechten Maßstäbe ignorieren und sein eigenes Recht ungültig machen müssen (Hiob 40:8). Aber „Gerechtigkeit und Gericht sind die feste Stätte ... [seines] Thrones“ (Psalm 89:14). Jegliche Abweichung von der Gerechtigkeit seinerseits hätte nur zu Gesetzlosigkeit ermuntert und seine Stellung als universeller Souverän untergraben. (Vergleiche Prediger 8:11.)

      4. Welche Streitfragen wurden durch die Rebellion Satans aufgeworfen?

      4 Gott mußte auch die durch die Rebellion Satans aufgeworfenen Streitfragen klären, Streitfragen, die von viel größerer Bedeutung sind als die mißliche Lage der Menschen. Satan hatte Gottes Namen in ein schlechtes Licht gerückt, indem er ihn beschuldigte, ein Lügner und ein grausamer Diktator zu sein, der seinen Geschöpfen Erkenntnis und Freiheit vorenthielt (1. Mose 3:1-5). Ferner stellte Satan Gott als einen Versager hin, indem er den göttlichen Vorsatz, die Erde mit gerechten Menschen zu füllen, scheinbar vereitelte (1. Mose 1:28; Jesaja 55:10, 11). Außerdem erkühnte sich Satan, Gottes loyale Diener zu verleumden, indem er sie beschuldigte, sie würden Gott nur aus selbstsüchtigen Beweggründen dienen. Wenn sie unter Druck gesetzt würden, so prahlte Satan, würde keiner von ihnen Gott gegenüber loyal bleiben (Hiob 1:9-11).

      5. Warum durfte Gott Satans Herausforderungen nicht ignorieren?

      5 Diese Herausforderungen durften nicht ignoriert werden. Wären sie unerwidert geblieben, so wäre das Vertrauen in Gottes Herrschaft allmählich untergraben worden, und die Unterstützung seiner Herrschaft wäre geschwunden (Sprüche 14:28). Würde nicht im ganzen Universum ein Chaos herrschen, wenn Recht und Ordnung verfielen? Gott war es sich selbst und seinen gerechten Wegen schuldig, seine Souveränität zu rechtfertigen. Und er war es seinen treuen Dienern schuldig, ihnen zu erlauben, ihre unverbrüchliche Loyalität ihm gegenüber zu beweisen. Das bedeutete, mit dem bedauernswerten Zustand der sündigen Menschheit so zu verfahren, daß in bezug auf die großen Streitfragen ein Präzedenzfall geschaffen würde. Später erklärte Gott dem Volk Israel: „Ich — ich bin es, der deine Übertretungen austilgt um meinetwillen“ (Jesaja 43:25).

      Das Lösegeld — eine Decke

      6. Welches sind einige der in der Bibel gebrauchten Ausdrücke, die mit Gottes Mittel zur Rettung der Menschheit in Verbindung stehen?

      6 In Psalm 92:5 heißt es: „Wie groß deine Werke sind, o Jehova! Sehr tief sind deine Gedanken.“ Daher sind Anstrengungen erforderlich, um zu begreifen, was Gott für die Menschheit getan hat. (Vergleiche Psalm 36:5, 6.) Glücklicherweise verhilft uns die Bibel zu einem Verständnis, indem sie mehrere Ausdrücke gebraucht, die Gottes große Werke von verschiedenen Gesichtspunkten aus beschreiben oder veranschaulichen. Die Bibel spricht in Verbindung mit dem Lösegeld von einem Erlösungspreis, einem Sühnopfer, von Sühne leisten, Loskaufen und Versöhnen (Psalm 49:8; Daniel 9:24; Galater 3:13; Kolosser 1:20; Hebräer 2:17). Doch der vielleicht treffendste Ausdruck wird in Matthäus 20:28 verwendet, wo wir die Worte Jesu lesen: „Der Menschensohn [ist] nicht gekommen ..., um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld [griechisch: lýtron] im Austausch gegen viele zu geben.“

      7, 8. (a) Was sagen uns das griechische und das hebräische Wort für Lösegeld? (b) Veranschauliche, inwiefern es sich bei einem Lösegeld um etwas Entsprechendes handelt.

      7 Was ist ein Lösegeld? Das griechische Wort lýtron kommt von einem Verb, das „lösen, befreien“ bedeutet. Als Lösegeld bezeichnete man Geld, das für die Freilassung von Kriegsgefangenen gezahlt wurde. Das in den Hebräischen Schriften für Lösegeld gebrauchte Wort kópher leitet sich von einem Verb ab, das „decken, zudecken, bedecken“ bedeutet. Gott wies Noah zum Beispiel an, die Arche mit Teer zu bedecken (kaphár) (1. Mose 6:14). Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, bedeutet loskaufen oder Sünden sühnen soviel wie Sünden zudecken (Psalm 65:3).

      8 Wie in Kittels Theologischem Wörterbuch zum Neuen Testament gesagt wird, steht kópher „stets im Sinne eines Äquivalents“ oder einer Entsprechung. Zum Beispiel entsprach der Deckel (kappóreth) der Bundeslade in seiner Form der Bundeslade. Ebenso erfordert die göttliche Gerechtigkeit zur Sündensühnung oder zur Erlösung von Sünden ‘Seele für Seele, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand’ (5. Mose 19:21). Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, wird zuweilen anstelle einer strengen Strafe ein Äquivalent, etwas Entsprechendes, gefordert. Zur Veranschaulichung: In 2. Mose 21:28-32 ist von einem Stier die Rede, der einen Menschen gestoßen und ihn so getötet hat. Wenn der Besitzer wußte, daß der Stier stößig war, jedoch keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hatte, sollte er mit seinem eigenen Leben für das Leben des Getöteten bezahlen oder es zudecken. Was aber, wenn der Besitzer nur zum Teil verantwortlich war? Dann benötigte er ein kópher, etwas, was seinen Fehler zudeckte. Ernannte Richter konnten ihm ein Lösegeld oder eine Geldstrafe als Erlösungspreis auferlegen.

      9. Inwiefern veranschaulicht die Situation der Erstgeborenen der Israeliten, wie genau ein Erlösungspreis sein mußte?

      9 Ein weiteres hebräisches Wort, das mit „loskaufen“ wiedergegeben wird, ist pa·dháh, ein Verb, das die Grundbedeutung „erlösen“ hat. 4. Mose 3:39-51 diene als Veranschaulichung dafür, wie genau der Erlösungspreis sein mußte. Da Gott im Jahr 1513 v. u. Z. bei der Passahfeier die Erstgeborenen der Israeliten vor der Hinrichtung bewahrt hatte, gehörten sie ihm. Er hätte also von jedem erstgeborenen Sohn der Israeliten verlangen können, ihm im Tempel zu dienen. Statt dessen nahm Gott einen „Erlösungspreis“ (pidhjṓn, ein von pa·dháh abgeleitetes Substantiv) an; er gebot: „Du sollst die Leviten für mich ... an Stelle aller Erstgeborenen unter den Söhnen Israels nehmen.“ Es mußte jedoch ein genauer Ersatz sein. Eine Musterung des Stammes Levi ergab 22 000 Männliche, eine Musterung aller erstgeborenen Israeliten 22 273 Männliche. Die 273 überzähligen Erstgeborenen konnten nur durch die Zahlung eines „Loskaufspreises“ von je fünf Schekel vom Tempeldienst befreit oder sozusagen losgekauft werden.

      Ein entsprechendes Lösegeld

      10. Warum konnten Tieropfer die Sünden der Menschen nicht ausreichend zudecken?

      10 Das erwähnte Beispiel veranschaulicht, daß ein Lösegeld das Äquivalent für das sein muß, was es ersetzt oder zudeckt. Die Tieropfer, die von Männern des Glaubens, beginnend mit Abel, dargebracht wurden, konnten in Wirklichkeit die Sünden der Menschen nicht zudecken, denn Menschen stehen über vernunftlosen Tieren (Psalm 8:4-8). Deshalb schrieb Paulus: „Es ist unmöglich, daß das Blut von Stieren und von Ziegenböcken Sünden wegnimmt.“ Solche Opfer konnten in Erwartung des Lösegeldes, das noch erbracht werden sollte, lediglich als eine bildliche oder symbolische Decke dienen (Hebräer 10:1-4).

      11, 12. (a) Warum mußten nicht Milliarden von Menschen eines Opfertodes sterben, damit die Sündhaftigkeit der Menschheit zugedeckt werden konnte? (b) Wer nur konnte als ein „entsprechendes Lösegeld“ dienen, und welchem Zweck dient sein Tod?

      11 Das vorhergesagte Lösegeld mußte das genaue Äquivalent für Adam sein, denn die Todesstrafe, die Gott gerechterweise über Adam verhängte, brachte die Verurteilung der ganzen Menschheit mit sich. In 1. Korinther 15:22 heißt es, daß „in Adam alle sterben“. Daher brauchten nicht Milliarden Menschen eines Opfertodes zu sterben, um ein Äquivalent für jeden einzelnen Nachkommen Adams zu liefern. „Durch e i n e n Menschen [Adam] [ist] die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod“ (Römer 5:12). Und „da der Tod durch einen Menschen gekommen ist“, konnte auch die Erlösung der Menschheit „durch einen Menschen“ kommen (1. Korinther 15:21).

      12 Der Mensch, der als Lösegeld dienen konnte, mußte ein vollkommener Mensch von Fleisch und Blut sein, er mußte Adam genau gleichen (Römer 5:14). Ein Geistgeschöpf oder ein „Gottmensch“ hätte die Waagschalen der Gerechtigkeit nicht ausgeglichen. Nur ein vollkommener Mensch, jemand, der nicht unter dem adamischen Todesurteil stand, konnte „ein entsprechendes Lösegeld“ darbringen, eines, das Adam völlig entsprach (1. Timotheus 2:6).a Dieser „letzte Adam“ konnte den Lohn für die Sünde des ‘ersten Menschen, Adams’, bezahlen, indem er freiwillig sein Leben opferte (1. Korinther 15:45; Römer 6:23).

      13, 14. (a) Ziehen Adam und Eva Nutzen aus dem Lösegeld? Erkläre es. (b) Wieso ist das Lösegeld den Nachkommen Adams von Nutzen? Veranschauliche es.

      13 Aus dem Lösegeld ziehen aber weder Adam noch Eva Nutzen. Das mosaische Gesetz enthielt den Grundsatz: „Ihr sollt für die Seele eines Mörders, der zu sterben verdient, kein Lösegeld annehmen“ (4. Mose 35:31). Adam wurde nicht betrogen. Somit sündigte er willentlich, absichtlich (1. Timotheus 2:14). Seine Tat kam der Ermordung seiner Nachkommen gleich, denn sie erbten nun seine Unvollkommenheit und standen so unter dem Todesurteil. Adam verdiente eindeutig den Tod, denn als vollkommener Mensch hatte er sich willentlich für den Ungehorsam gegenüber Gottes Gesetz entschieden. Es widerspräche den gerechten Grundsätzen Jehovas, wenn er das Lösegeld auf Adam anwenden würde. Durch die Bezahlung des Lohnes für Adams Sünde wird jedoch das auf seinen Nachkommen lastende Todesurteil aufgehoben (Römer 5:16). Rechtlich gesehen, wird die zerstörerische Macht der Sünde gewissermaßen direkt an ihrer Quelle abgeschnitten. Der Loskäufer ‘schmeckt den Tod für jedermann’ und nimmt die Folgen der Sünde für alle Kinder Adams auf sich (Hebräer 2:9; 2. Korinther 5:21; 1. Petrus 2:24).

      14 Stellen wir uns zur Veranschaulichung eine große Fabrik mit Hunderten von Arbeitnehmern vor. Ein unehrlicher Direktor führt den Bankrott der Firma herbei; die Fabrik muß ihre Tore schließen. Hunderte sind jetzt arbeitslos und nicht in der Lage, anfallende Zahlungen zu leisten. Die Ehepartner und Kinder der Arbeitslosen sowie die Gläubiger haben zufolge der Korruption dieses einen Mannes zu leiden. Dann kommt ein reicher Wohltäter, der die Schulden der Firma bezahlt und die Fabrik wiedereröffnet. Die Begleichung der Schuld dieses einen Mannes bringt nun für die vielen Arbeitnehmer, ihre Familien und die Gläubiger völlige Entlastung mit sich. Zieht auch der ursprüngliche Direktor aus dem neuen Aufschwung Nutzen? Nein, er sitzt im Gefängnis und hat seinen Posten für immer verloren. Desgleichen ziehen Millionen Nachkommen Adams aus der Beseitigung seiner Schuld Nutzen — nicht aber Adam selbst.

      Wer beschaffte das Lösegeld?

      15. Wer konnte für die Menschheit ein Lösegeld beschaffen, und warum?

      15 Der Psalmist schrieb: „Nicht einer von ihnen kann irgendwie selbst einen Bruder erlösen noch Gott ein Lösegeld für ihn geben (und der Erlösungspreis ihrer Seele ist so kostbar, daß er aufgehört hat auf unabsehbare Zeit).“ Wie es in der Revidierten Elberfelder Bibel heißt, ist das Kaufgeld zu kostbar, „und er muß davon ablassen auf ewig“ (Psalm 49:7, 8). Wer würde denn für das Lösegeld sorgen? Nur Jehova konnte das vollkommene „Lamm“ beschaffen, „das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Johannes 1:29). Gott sandte keinen Engel, um die Menschheit zu retten. Er brachte das überaus große Opfer, seinen einziggezeugten Sohn zu senden, „den er ... besonders liebhatte“ (Sprüche 8:30; Johannes 3:16).

      16. (a) Wie kam es, daß Gottes Sohn als ein vollkommener Mensch geboren wurde? (b) Wie konnte er in rechtlichem Sinne genannt werden?

      16 Gottes Sohn wirkte bereitwillig an der göttlichen Vorkehrung mit und „entäußerte sich“ seiner himmlischen Natur (Philipper 2:7). Jehova übertrug die Lebenskraft und das Persönlichkeitsmuster seines erstgeborenen Sohnes in den Mutterleib einer jüdischen Jungfrau namens Maria. Heiliger Geist ‘überschattete sie’ dann, um sicherzustellen, daß das Kind, das in ihrem Schoß heranwuchs, absolut sündlos war (Lukas 1:35; 1. Petrus 2:22). Als Mensch nannte man den Sohn Gottes Jesus. Doch in rechtlichem Sinne konnte er ‘der zweite Adam’ genannt werden, weil er Adam vollkommen entsprach (1. Korinther 15:45, 47). So konnte sich Jesus als ein Opfer darbieten, als ein ‘makelloses und fleckenloses Lamm’, ein Lösegeld für die sündige Menschheit (1. Petrus 1:18, 19).

      17. (a) Wem wurde das Lösegeld gezahlt, und warum? (b) Warum war die Bezahlung des Lösegeldes überhaupt nötig, wenn doch Gott das Lösegeld sowohl beschaffte als auch empfing?

      17 Wem wurde dieses Lösegeld gezahlt? Jahrhundertelang behaupteten Theologen der Christenheit, es sei Satan, dem Teufel, gezahlt worden. Tatsache ist, daß die Menschheit „unter die Sünde verkauft“ worden ist und so unter die Herrschaft Satans gelangte (Römer 7:14; 1. Johannes 5:19). Aber nicht von Satan, sondern von Jehova wird gesagt, daß er „die Strafe [für Sünden] vollzieht“ (1. Thessalonicher 4:6). Deshalb war das Lösegeld, wie es in Psalm 49:7 ausdrücklich heißt, Gott zu zahlen. Jehova sorgte für das Lösegeld, doch nachdem das Lamm Gottes geopfert worden war, mußte der Wert seines Lösegeldes an Jehova gezahlt werden. (Vergleiche 1. Mose 22:7, 8, 11-13; Hebräer 11:17.) Das ließ die Zahlung des Lösegeldes nicht etwa zu einem sinnlosen, mechanischen Tausch werden, als ob man Geld aus der einen Hosentasche in die andere stecken würde. Bei der Bezahlung des Lösegeldes ging es nicht so sehr um einen buchstäblichen Tausch als vielmehr um ein Rechtsgeschäft. Dadurch, daß Jehova auf der Zahlung eines Lösegeldes bestand, auch wenn es ihn selbst sehr viel kostete, bekräftigte er, daß er unerschütterlich an gerechten Grundsätzen festhält (Jakobus 1:17).

      „Es ist vollbracht!“

      18, 19. Warum mußte Jesus leiden?

      18 Im Frühjahr 33 u. Z. sollte das Lösegeld bezahlt werden. Jesus Christus wurde unter falschen Anschuldigungen festgenommen, schuldig gesprochen und an einen Hinrichtungspfahl geschlagen. Wegen der heftigen Schmerzen und der damit verbundenen Demütigung brachte er vor Gott Bitten dar mit „starkem Schreien und Tränen“ (Hebräer 5:7). War es notwendig, daß Jesus auf diese Weise litt? Ja, denn indem er bis zum Schluß „loyal, arglos, unbefleckt, getrennt von den Sündern“ blieb, klärte er die Streitfrage in bezug auf die Lauterkeit der Diener Gottes auf eindrucksvolle Weise und endgültig (Hebräer 7:26).

      19 Außerdem dienten Christi Leiden dazu, ihn für seine Rolle als Hoherpriester der Menschheit vollkommen zu machen. Als solcher ist er kein kalter, distanzierter Bürokrat. „Denn worin er selbst gelitten hat, als er auf die Probe gestellt wurde, kann er denen zu Hilfe kommen, die auf die Probe gestellt werden“ (Hebräer 2:10, 18; 4:15). Mit dem letzten Atemzug konnte Jesus triumphierend ausrufen: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30). Er hatte nicht nur seine Lauterkeit unter Beweis gestellt, sondern es war ihm auch gelungen, die Grundlage für die Rettung der Menschen zu legen und — was noch wichtiger war — für die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas.

      20, 21. (a) Warum wurde Christus auferweckt? (b) Warum wurde Jesus Christus „im Geiste lebendig gemacht“?

      20 Wie würde indes das Lösegeld tatsächlich auf die sündige Menschheit angewandt werden? Und wann? Das wurde nicht dem Zufall überlassen. Jehova auferweckte Christus am dritten Tag nach dessen Tod (Apostelgeschichte 3:15; 10:40). Mit diesem denkwürdigen Akt — eine Tatsache, die von Hunderten von Augenzeugen bestätigt worden ist — belohnte Jehova nicht nur Jesu treuen Dienst, sondern räumte seinem Sohn auch die Gelegenheit ein, das Erlösungswerk zu vollenden (Römer 1:4; 1. Korinther 15:3-8).

      21 Jesus wurde „im Geiste lebendig gemacht“, während seine irdischen Überreste auf ungenannte Weise beseitigt wurden (1. Petrus 3:18; Psalm 16:10; Apostelgeschichte 2:27). Als ein Geistgeschöpf konnte der auferweckte Jesus nun triumphierend in den Himmel zurückkehren. Welch grenzenloser Jubel muß bei diesem Anlaß dort geherrscht haben! (Vergleiche Hiob 38:7.) Jesus kehrte nicht dorthin zurück, um lediglich seine Rückkehr zu feiern. Es gab für ihn noch etwas zu tun; z. B. sollte er es der ganzen Menschheit ermöglichen, aus seinem Lösegeld Nutzen zu ziehen. (Vergleiche Johannes 5:17, 20, 21.) Wie er dies tat und was es für die Menschheit bedeutet, wird im nächsten Artikel behandelt.

      [Fußnote]

      a Das griechische Wort antílytron erscheint sonst nirgendwo in der Bibel. Es ist mit dem Wort verwandt, das Jesus gemäß Markus 10:45 für Lösegeld (lýtron) gebrauchte. Wie in dem Werk The New International Dictionary of New Testament Theology gesagt wird, hebt antílytron den Gedanken des Austauschs hervor. In der Neuen-Welt-Übersetzung wird es mit „entsprechendes Lösegeld“ wiedergegeben.

  • „Ihr seid um einen Preis erkauft worden“
    Der Wachtturm 1991 | 15. Februar
    • „Ihr seid um einen Preis erkauft worden“

      „Ihr seid um einen Preis erkauft worden. Auf jeden Fall verherrlicht Gott in dem aus euch bestehenden Leibe“ (1. KORINTHER 6:20).

      1, 2. (a) Was erschloß „die Auswege aus dem Tod“? (b) Was mußte geschehen, damit Christi Opfer rechtskräftig wurde, und wodurch wurde dies vorgeschattet?

      „DER wahre Gott ist für uns ein Gott rettender Taten“, sagte der Psalmist, „und Jehova, dem Souveränen Herrn, gehören die Auswege aus dem Tod“ (Psalm 68:20). Das Opfer Jesu Christi erschloß diesen Weg. Damit aber das Opfer rechtskräftig wurde, mußte Christus persönlich vor Gott erscheinen.

      2 Das wurde dadurch vorgeschattet, daß der Hohepriester am Sühnetag das Allerheiligste betrat (3. Mose 16:12-15). Der Apostel Paulus schrieb: „Als jedoch Christus als Hoherpriester der guten Dinge kam, ... begab er sich, nein, nicht mit dem Blut von Ziegenböcken und von jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal an die heilige Stätte und erlangte eine ewige Befreiung für uns. Denn Christus begab sich nicht an eine mit Händen gemachte heilige Stätte, die ein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern in den Himmel selbst, um nun vor der Person Gottes für uns zu erscheinen“ (Hebräer 9:11, 12, 24).

      Die Kraft des Blutes

      3. (a) Wie betrachten wahre Anbeter Jehovas das Blut, und warum? (b) Was zeigt, daß Blut, rechtlich gesehen, sündensühnende Kraft hat?

      3 Welche Rolle spielt Christi Blut bei unserer Rettung? Seit den Tagen Noahs betrachten wahre Anbeter Jehovas das Blut als heilig (1. Mose 9:4-6). Blut spielt eine wichtige Rolle im Lebensprozeß, denn die Bibel sagt: „Die Seele [oder das Leben] des Fleisches ist im Blut“ (3. Mose 17:11). Deshalb wurde im mosaischen Gesetz geboten, das Blut eines Opfertieres vor Jehova auszugießen. Mitunter wurde Blut auch auf die Hörner des Altars getan. Die sündensühnende Kraft eines Opfers lag eindeutig in seinem Blut (3. Mose 8:15; 9:9). „Fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem GESETZ, und ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Hebräer 9:22).

      4. (a) Welchem Zweck diente es, daß Gott die Verwendung von Blut stark einschränkte? (b) Was war an der Art und Weise, wie Jesus getötet wurde, bemerkenswert?

      4 Kein Wunder also, daß unter dem mosaischen Gesetz auf jeglichen Mißbrauch von Blut die Todesstrafe stand! (3. Mose 17:10). Wie jeder weiß, steigt der Wert einer Sache, die rar wird oder deren Gebrauch stark eingeschränkt wird. Dadurch, daß Jehova die Verwendung von Blut stark einschränkte, stellte er sicher, daß es nicht als etwas von gewöhnlichem Wert betrachtet wurde, sondern als etwas Kostbares, Wertvolles (Apostelgeschichte 15:29; Hebräer 10:29). Das entsprach dem erhabenen Vorsatz, dem das Blut Christi dienen sollte. Er starb passenderweise auf eine Art, die bewirkte, daß sein Blut vergossen wurde. Somit war zu erkennen, daß Christus nicht nur seinen menschlichen Leib opferte, sondern auch seine Seele ausschüttete, sein Leben als ein vollkommener Mensch opferte (Jesaja 53:12). Christus verwirkte nicht — etwa aufgrund von Unvollkommenheit — das gesetzliche Recht auf dieses Leben. So hatte sein vergossenes Blut einen großen Wert und konnte vor Gott zur Sühnung der Sünden der Menschheit dargebracht werden.

      5. (a) Was nahm Christus mit in den Himmel, und warum? (b) Wie zeigte es sich, daß Gott Christi Opfer annahm?

      5 Christus konnte nicht sein buchstäbliches Blut mit in den Himmel nehmen (1. Korinther 15:50). Er nahm vielmehr das mit, was sein Blut symbolisierte: den rechtlichen Wert seines geopferten vollkommenen Menschenlebens. Vor der Person Gottes konnte er formell dieses Leben als ein Lösegeld im Austausch gegen die sündige Menschheit darbieten. Daß Jehova das Opfer annahm, zeigte sich zu Pfingsten 33 u. Z., als der heilige Geist auf 120 Jünger in Jerusalem ausgegossen wurde (Apostelgeschichte 2:1-4). Nun gehörte die Menschheit sozusagen Christus, weil er sie losgekauft hatte (Galater 3:13; 4:5; 2. Petrus 2:1). Der Nutzen des Lösegeldes konnte also der Menschheit zufließen.

      Die ersten Nutznießer des Lösegeldes

      6. Wofür hat Gott gesorgt, damit der Nutzen des Lösegeldes Christi der Menschheit zukommen kann?

      6 Das bedeutete allerdings nicht, daß den Menschen augenblicklich körperliche Vollkommenheit gewährt wurde, denn solange die sündige Natur des Menschen nicht beseitigt wird, ist keine körperliche Vollkommenheit möglich (Römer 7:18-24). Wie und wann wird denn die Sündhaftigkeit beseitigt? Zuerst hat Gott dafür gesorgt, daß es 144 000 himmlische ‘Priester für unseren Gott’ geben wird, die mit Christus Jesus „als Könige über die Erde regieren“ sollen (Offenbarung 5:9, 10; 7:4; 14:1-3). Durch sie wird während einer Zeitspanne von tausend Jahren der Nutzen des Lösegeldes der Menschheit nach und nach zukommen (1. Korinther 15:24-26; Offenbarung 21:3, 4).

      7. (a) Was ist der neue Bund, wer sind die Bundespartner, und welchem Zweck dient er? (b) Warum mußte ein Tod eintreten, damit der neue Bund möglich wurde, und welche Rolle spielte Christi Blut?

      7 Zuvor werden die 144 000 König-Priester „aus den Menschen ... erkauft“ (Offenbarung 14:4). Das wird durch einen „neuen Bund“ bewirkt. Bei diesem Bund handelt es sich um einen zwischen Jehova Gott und dem geistigen Israel Gottes geschlossenen Vertrag, der vorsieht, daß die Angehörigen des geistigen Israel als Könige und Priester dienen werden (Jeremia 31:31-34; Galater 6:16; Hebräer 8:6-13; 1. Petrus 2:9). Aber wie ist ein Bund zwischen Gott und unvollkommenen Menschen möglich? Paulus erklärte: „Wo es einen Bund [zwischen Gott und unvollkommenen Menschen] gibt, da muß der Tod des menschlichen Bundesschließers beigebracht werden. Denn ein Bund ist über toten Opfern rechtskräftig, da er zu keiner Zeit in Kraft ist, solange der menschliche Bundesschließer lebt“ (Hebräer 9:16, 17).

      8, 9. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Lösegeld und dem neuen Bund?

      8 Das Loskaufsopfer bildet somit die Grundlage des neuen Bundes, dessen Mittler Jesus ist. Paulus schrieb: „Da ist e i n Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, ein Mensch, Christus Jesus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle hingegeben hat — dies soll zu seinen eigenen besonderen Zeiten bezeugt werden“ (1. Timotheus 2:5, 6). Diese Worte beziehen sich insbesondere auf die 144 000, mit denen der neue Bund geschlossen worden ist.

      9 Als Gott mit dem fleischlichen Israel einen Bund schloß, war dieser erst rechtsgültig, nachdem das Blut von Opfertieren vergossen worden war (Hebräer 9:18-21). Ähnlich verhielt es sich beim neuen Bund. Damit er wirksam wurde, mußte Christus das „Blut des Bundes“ vergießen (Matthäus 26:28; Lukas 22:20). Gott wendet, während Christus als Hoherpriester und als „Mittler eines neuen Bundes“ dient, den Wert des Blutes Jesu auf diejenigen an, die in den neuen Bund aufgenommen worden sind, indem er ihnen, rechtlich gesehen, menschliche Gerechtigkeit zuschreibt (Hebräer 9:15; Römer 3:24; 8:1, 2). Gott kann sie dann in den neuen Bund aufnehmen, damit sie himmlische König-Priester werden. Als ihr Mittler und Hoherpriester hilft Jesus ihnen, vor Gott einen reinen Stand zu bewahren (Hebräer 2:16; 1. Johannes 2:1, 2).

      Die Dinge auf der Erde einsammeln

      10, 11. (a) Wieso ist das Lösegeld nicht nur für gesalbte Christen bestimmt? (b) Wer bildet die große Volksmenge, und welchen Stand nehmen sie vor Gott ein?

      10 Erfahren nur gesalbte Christen eine Befreiung durch Lösegeld, d. h. die Vergebung ihrer Sünden? Nein, Gott versöhnt alle Dinge mit sich, indem er durch das am Marterpfahl vergossene Blut Frieden macht, wie aus Kolosser 1:14, 20 hervorgeht. Das betrifft sowohl die Dinge in den Himmeln (die 144 000) als auch die Dinge auf der Erde. Bei den letzteren handelt es sich um diejenigen, denen irdisches Leben in Aussicht steht, Menschen, die sich des vollkommenen Lebens im Paradies auf der Erde erfreuen werden. Besonders seit 1935 werden gezielte Anstrengungen unternommen, diese Menschen einzusammeln. In Offenbarung 7:9-17 werden sie als eine „große Volksmenge“ beschrieben, die Gott und dem Lamm Rettung verdankt. Sie müssen noch die „große Drangsal“ überleben und zu ‘Wasserquellen des Lebens geleitet’ werden, denn wie Offenbarung 20:5 zeigt, werden sie erst am Ende der Tausendjahrherrschaft Christi völlig lebendig werden oder vollkommenes menschliches Leben haben. Diejenigen, die dann als vollkommene Menschen die Schlußprüfung bestehen, werden zu ewigem Leben auf der Erde gerechtgesprochen werden (Offenbarung 20:7, 8).

      11 Dennoch haben die Angehörigen der großen Volksmenge bereits jetzt „ihre langen Gewänder gewaschen und sie im Blut des Lammes weiß gemacht“ (Offenbarung 7:14). Christus handelt ihnen gegenüber nicht als Mittler des neuen Bundes, doch ziehen sie durch das Wirken des Königreiches Gottes Nutzen aus diesem Bund. Ihnen gegenüber handelt Christus als Hoherpriester, durch den Jehova das Lösegeld insoweit anwenden kann und es auch tut, als er sie jetzt als seine Freunde gerechtspricht. (Vergleiche Jakobus 2:23.) Während des Millenniums werden sie allmählich „von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht werden“, bis sie schließlich „zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ gelangen (Römer 8:21).

      12. Auf welcher Grundlage handelte Gott mit treuen Menschen in vorchristlicher Zeit?

      12 Was den Stand vor Gott betrifft, könnte es den Anschein haben, daß sich die Angehörigen der großen Volksmenge kaum von vorchristlichen Anbetern Gottes unterscheiden. Gott handelte mit den letzteren jedoch lediglich unter Berücksichtigung der künftigen Loskaufsvorkehrung (Römer 3:25, 26). Nur im Vorausblick darauf wurden ihnen ihre Sünden vergeben (Psalm 32:1, 2). Statt daß ihnen das „Bewußtsein von Sünden“ völlig genommen wurde, wurden sie durch Tieropfer „an Sünden erinnert“ (Hebräer 10:1-3).

      13. Welchen Vorteil haben wir gegenüber vorchristlichen Dienern Gottes?

      13 Anders verhält es sich mit wahren Christen heute. Ihre Anbetung erfolgt auf der Grundlage eines Lösegeldes, das bezahlt worden ist. Durch ihren Hohenpriester können sie sich ‘mit Freimut der Rede dem Thron der unverdienten Güte nahen’ (Hebräer 4:14-16). Mit Gott versöhnt zu sein ist kein erhoffter Zustand, sondern bereits Wirklichkeit (2. Korinther 5:20). Wenn sie einen Fehler begehen, können sie wahre Vergebung erlangen (Epheser 1:7). Ihr Gewissen ist wirklich gereinigt worden (Hebräer 9:9; 10:22; 1. Petrus 3:21). Diese Segnungen sind ein Vorgeschmack der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, einer Freiheit, deren sich Jehovas Diener in der Zukunft erfreuen werden.

      Die Tiefe der Weisheit und der Liebe Gottes

      14, 15. Wieso unterstreicht das Lösegeld Jehovas unermeßliche Weisheit sowie seine Gerechtigkeit und Liebe?

      14 Welch eine wunderbare Gabe Jehovas doch das Lösegeld ist! Obwohl einfach zu begreifen, ist es dennoch derart überwältigend, daß es selbst dem größten Intellekt Ehrfurcht einflößt. Bei unserer Betrachtung der Funktion des Lösegeldes sind wir bis jetzt sozusagen nur an der Oberfläche geblieben, und doch rufen wir mit dem Apostel Paulus aus: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege!“ (Römer 11:33). Jehovas Weisheit zeigte sich darin, daß er in der Lage war, nicht nur die Menschheit zu retten, sondern auch seine Souveränität zu rechtfertigen. Durch das Lösegeld „ist Gottes Gerechtigkeit ... offenbar gemacht worden, ... Gott [hat Christus] durch Glauben an sein Blut als ein Sühnopfer hingestellt“ (Römer 3:21-26).

      15 Man kann nicht Kritik an Gott üben, weil er die Sünden seiner vorchristlichen Anbeter vergab. Auch kann man nicht Kritik an ihm üben, weil er die Gesalbten als seine Söhne gerechtspricht und die Angehörigen der großen Volksmenge als seine Freunde (Römer 8:33). Es hat Gott sehr viel gekostet, daß er völlig rechtlich oder gerecht vorgegangen ist und Satans lügenhafte Behauptung vollständig widerlegt hat — die Behauptung, er, Jehova, sei ein ungerechter Herrscher. Dadurch wurde auch über jeden Zweifel erhaben bewiesen, daß Gott seine Geschöpfe selbstlos liebt (Römer 5:8-11).

      16. (a) Auf welche Weise ist durch das Lösegeld für die Klärung der Streitfrage in bezug auf die Lauterkeit der Diener Gottes gesorgt worden? (b) Wieso ist das Lösegeld eine Grundlage für den Glauben an die kommende neue Welt der Gerechtigkeit?

      16 Durch die Art und Weise, wie das Lösegeld beschafft wurde, ist zudem die Streitfrage in bezug auf die Lauterkeit der Diener Gottes geklärt worden. Das geschah allein schon durch Jesu Gehorsam (Sprüche 27:11; Römer 5:18, 19). Aber außer ihm gibt es noch 144 000 Christen, die trotz des Widerstandes Satans bis in den Tod treu bleiben (Offenbarung 2:10). Das Lösegeld ermöglicht, daß sie mit Unsterblichkeit, das heißt mit unzerstörbarem Leben, belohnt werden (1. Korinther 15:53; Hebräer 7:16). So wird Satans Behauptung sinnlos, Gottes Diener seien nicht vertrauenswürdig. Das Lösegeld ist auch eine feste Grundlage für unseren Glauben an Gottes Verheißungen. Wir können eine Rettungsvorkehrung sehen, die durch das Loskaufsopfer „gesetzlich festgelegt“ worden ist (Hebräer 8:6). Eine neue Welt der Gerechtigkeit ist somit garantiert (Hebräer 6:16-19).

      Verfehle nicht den Zweck des Lösegeldes

      17. (a) Wie zeigen einige, daß sie den Zweck des Lösegeldes verfehlen? (b) Was kann uns motivieren, sittlich rein zu bleiben?

      17 Wer aus dem Lösegeld Nutzen ziehen möchte, muß Erkenntnis in sich aufnehmen, Glauben ausüben und nach biblischen Maßstäben leben (Johannes 3:16; 17:3). Doch nur verhältnismäßig wenige sind dazu bereit (Matthäus 7:13, 14). Selbst einige wahre Christen mögen ‘die unverdiente Güte Gottes annehmen und ihren Zweck verfehlen’ (2. Korinther 6:1). Im Laufe der Jahre ist zum Beispiel Tausenden wegen sexuellen Fehlverhaltens die Gemeinschaft entzogen worden. Welch eine Schande angesichts dessen, was Jehova und Christus für uns getan haben! Sollte jemandes Dankbarkeit für das Lösegeld nicht verhindern, daß er ‘die Reinigung von seinen früheren Sünden vergißt’? (2. Petrus 1:9). Paulus schrieb an Christen daher passenderweise: „Ihr seid um einen Preis erkauft worden. Auf jeden Fall verherrlicht Gott in dem aus euch bestehenden Leibe“ (1. Korinther 6:20). Daran zu denken motiviert uns überaus, sittlich rein zu bleiben (1. Petrus 1:14-19).

      18. Wie kann sich ein Christ, der eine schwere Sünde begangen hat, das Lösegeld zunutze machen?

      18 Was aber, wenn jemand bereits eine schwere Sünde begangen hat? Er sollte sich die Vergebung zunutze machen, die das Lösegeld ermöglicht, indem er sich von liebevollen Aufsehern helfen läßt (Jakobus 5:14, 15). Selbst wenn strenge Zucht nötig ist, sollte ein reumütiger Christ bei einer solchen Zurechtweisung nicht verzagen (Hebräer 12:5). Die Bibel gibt uns die wunderbare Zusicherung: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, uns die Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen“ (1. Johannes 1:9).

      19. Wie sollte ein Christ ein Fehlverhalten betrachten, das er sich zuschulden kommen ließ, bevor er die Wahrheit kennenlernte?

      19 Mitunter sind Christen wegen eines früheren Fehlverhaltens ungebührlich entmutigt. „Bevor wir, meine Frau und ich, in die Wahrheit kamen“, schrieb ein entmutigter Bruder, „zogen wir uns Herpes genitalis zu. Manchmal fühlen wir uns unrein, so, als ob wir nicht in Jehovas reine Organisation ‚passen‘.“ Zugegeben, einige mögen — selbst nachdem sie Christen geworden sind — noch in gewissem Maße unter früheren Fehlern zu leiden haben (Galater 6:7). Dennoch besteht kein Grund, daß sie sich in Jehovas Augen unrein fühlen, wenn sie bereut haben. „Das Blut des Christus“ kann „unser Gewissen von toten Werken reinigen“ (Hebräer 9:14).

      20. Wieso kann ein Christ durch Glauben an das Lösegeld von unnötigen Schuldgefühlen befreit werden?

      20 Ja, durch Glauben an das Lösegeld können wir von unnötigen Schuldgefühlen befreit werden. Eine junge Schwester sagte: „Ich kämpfe nun schon 11 Jahre lang gegen die unreine Gewohnheit der Masturbation. Einmal hätte ich beinahe die Versammlung verlassen, weil ich dachte, Jehova möchte mit jemandem, der so abscheulich ist und seine Versammlung verunreinigt, nichts zu tun haben.“ Wir sollten jedoch daran denken, daß Jehova „gut und zum Vergeben bereit“ ist, solange wir bewußt gegen die Ungerechtigkeit kämpfen und uns ihr nicht beugen (Psalm 86:5).

      21. Wie sollte sich das Lösegeld auf unsere Einstellung zu denen auswirken, die uns beleidigen?

      21 Das Lösegeld sollte auch einen Einfluß darauf haben, wie wir andere behandeln. Wie reagierst du zum Beispiel, wenn dich ein Mitchrist beleidigt? Vergibst du ihm bereitwillig auf christliche Art? (Lukas 17:3, 4). Bist du ‘voll zarten Erbarmens und vergibst anderen bereitwillig, so wie auch Gott dir durch Christus bereitwillig vergeben hat’? (Epheser 4:32). Oder neigst du dazu, Unwillen oder Groll zu hegen? Dadurch würdest du bestimmt den Zweck des Lösegeldes verfehlen (Matthäus 6:15).

      22, 23. (a) Wie sollte das Lösegeld unsere Ziele und unsere Lebensweise beeinflussen? (b) Wozu sollten alle Christen in Anbetracht des Lösegeldes entschlossen sein?

      22 Schließlich sollte Wertschätzung für das Lösegeld großen Einfluß auf unsere Ziele und unsere Lebensweise haben. Paulus sagte: „Ihr seid um einen Preis erkauft worden; werdet nicht mehr Sklaven der Menschen“ (1. Korinther 7:23). Dreht sich dein Leben immer noch um die Grundbedürfnisse Wohnung, Arbeit, Nahrung und Kleidung? Oder suchst du zuerst das Königreich und glaubst an Gottes Verheißung, für dich zu sorgen? (Matthäus 6:25-33). Könnte es sein, daß du deinem Arbeitgeber wie ein Sklave dienst, aber es unterläßt, für theokratische Tätigkeiten genügend Raum zu schaffen? Bedenke, daß Christus „sich selbst für uns hingegeben hat, damit er ... für sich ein Volk reinige, das insbesondere sein eigen ist, eifrig für vortreffliche Werke“ (Titus 2:14; 2. Korinther 5:15).

      23 „Dank sei Gott durch Jesus Christus“ für diese überragende Gabe — das Lösegeld! (Römer 7:25). Mögen wir nie den Zweck des Lösegeldes verfehlen, sondern es zu einer echten Kraft in unserem Leben werden lassen. Mögen wir in unseren Gedanken, Worten und Taten stets Gott verherrlichen und dankbar im Sinn behalten, daß wir um einen Preis erkauft worden sind.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen