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  • „Komm und sieh“ den Christus
    „Komm, folge mir nach“
    • ABSCHNITT 1

      „Komm und sieh“ den Christus

      Das Leben Jesu als Mensch liegt zwar schon rund 2000 Jahre zurück, aber wir können auch heute noch „kommen“ und Gottes Sohn „sehen“ (Johannes 1:46). Die Evangelien beschreiben sehr anschaulich, was für ein Mensch Jesus war, wie er dachte und wie er handelte. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über seine außergewöhnlichen Eigenschaften.

  • „Ich … bin von Herzen demütig“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL DREI

      „Ich … bin von Herzen demütig“

      Jesus reitet auf einem jungen Esel. Menschen am Wegesrand rufen ihm zu und winken mit Palmwedeln. Andere breiten Palmwedel und ihre Obergewänder auf dem Weg aus.

      „Sieh nur! Dein König kommt zu dir“

      1-3. Wie zieht Jesus in Jerusalem ein, und warum sind manche Zuschauer wahrscheinlich verwundert?

      JERUSALEM ist in heller Aufregung. Ein bedeutender Mann wird erwartet! Vor der Stadt versammeln sich Menschen an der Straße. Sie wollen diesen Mann unbedingt willkommen heißen, denn man sagt, er soll ein Erbe König Davids und der rechtmäßige Herrscher Israels sein. Etliche haben Palmwedel zur Begrüßung mitgebracht, andere legen Kleider oder Zweige auf dem Weg aus (Matthäus 21:7, 8; Johannes 12:12, 13). Bestimmt sind viele auf den Einzug dieses Mannes gespannt.

      2 Manche erwarten wahrscheinlich ein beeindruckendes Spektakel, wie sie es von anderen Persönlichkeiten her kennen. Davids Sohn Absalom zum Beispiel, der sich einst zum König ausrufen ließ, fuhr auf einem Wagen, vor dem 50 Männer herliefen (2. Samuel 15:1, 10). Der römische Herrscher Julius Cäsar setzte sich noch mehr in Szene; er zog einmal, flankiert von 40 Lampen tragenden Elefanten, an der Spitze eines Triumphzugs zum Kapitol in Rom. Der Mann, der jetzt in Jerusalem erwartet wird, ist jedoch viel bedeutender. Ob die Zuschauermenge sich dessen bewusst ist oder nicht, er ist der Messias, der größte Mensch, der je lebte. Als sie den künftigen König kommen sehen, sind manche wahrscheinlich verwundert.

      3 Kein Wagen, keine Läufer, keine Pferde und schon gar keine Elefanten. Jesus kommt auf einem einfachen Lasttier – einem Esel – angeritten.a Weder er noch sein Reittier ist besonders herausgeputzt. Er sitzt nicht auf einem teuren Sattel, sondern auf Kleidern, die seine Jünger über den Rücken des Tieres gelegt haben. Warum zieht Jesus bewusst so bescheiden in Jerusalem ein, wo doch viel unbedeutendere Männer viel größeren Aufwand betrieben haben?

      4. Was wurde in der Bibel über den Einzug des messianischen Königs in Jerusalem vorausgesagt?

      4 An Jesus erfüllt sich eine Prophezeiung, die lautet: „Sei überglücklich … Brich in Triumphgeschrei aus, Tochter Jerusalem. Sieh nur! Dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und bringt Rettung, ist demütig und reitet auf einem Esel“ (Sacharja 9:9). Gottes Gesalbter, der Messias, würde sich gemäß dieser Prophezeiung eines Tages in Jerusalem als der von Gott ernannte König offenbaren. Außerdem würde schon durch die Art seines Einzugs, einschließlich der Wahl seines Reittiers, eine hervorragende Eigenschaft bei ihm deutlich werden – Demut.

      5. Warum geht Jesu Demut so zu Herzen, und warum müssen wir unbedingt lernen, Jesus in dieser Hinsicht nachzuahmen?

      5 Demut gehört zu den ansprechendsten Eigenschaften Jesu. Über seine Demut nachzudenken geht richtig zu Herzen. Wie im vorigen Kapitel gezeigt wurde, ist allein Jesus „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14:6). Keiner der vielen Milliarden Menschen, die je gelebt haben, war auch nur annähernd so bedeutend wie Gottes Sohn. Trotzdem fand sich in ihm nicht die geringste Spur von dem Stolz, der Überheblichkeit oder der Wichtigtuerei, die bei unvollkommenen Menschen so oft zu beobachten sind. Um Nachfolger Christi zu sein, dürfen wir uns nicht zu unangebrachtem Stolz hinreißen lassen (Jakobus 4:6). Vergessen wir nicht: Jehova hasst Hochmut. Deswegen müssen wir unbedingt lernen, Jesu Demut nachzuahmen.

      Eine lange Geschichte der Demut

      6. Was ist Demut, und woher wusste Jehova, dass der Messias demütig sein würde?

      6 Demut ist das Freisein von Überheblichkeit oder Stolz. Es ist eine Eigenschaft, die im Herzen wurzelt und im Reden, im Verhalten und im Umgang mit anderen zum Ausdruck kommt. Woher wusste Jehova, dass der Messias demütig sein würde? Er wusste es, weil Jesus seine – Gottes – Demut auf vollkommene Weise widerspiegelte (Johannes 10:15). Außerdem hatte Jehova gesehen, wie sein Sohn bereits Demut bewiesen hatte. Bei welcher Gelegenheit?

      7-9. (a) Wie bewies Michael bei einer Konfrontation mit Satan Demut? (b) Wie können sich Christen an Michaels Demut ein Beispiel nehmen?

      7 Eine interessante Begebenheit wird im Judasbrief geschildert: „Als … [der Erzengel Michael] eine Auseinander­setzung mit dem Teufel hatte und sich mit ihm um den Körper von Moses stritt, wagte er es nicht, mit abfälligen Worten ein Urteil über ihn zu sprechen, sondern sagte: ‚Jehova soll dich in die Schranken weisen‘“ (Judas 9). Michael ist ein anderer Name für Jesus in seiner Rolle als Erzengel oder oberster Engel der himmlischen Engelheere Jehovas vor und nach seinem Leben auf der Erde (1. Thessalonicher 4:16).b Es ist bemerkenswert, wie sich Michael bei dieser Konfrontation mit Satan verhielt.

      8 Judas berichtet zwar nicht, was der Teufel mit Moses’ Leichnam vorhatte, aber es war bestimmt nichts Gutes. Vielleicht wollte er den Körper dieses treuen Mannes missbrauchen, um die falsche Anbetung zu fördern. Michael widerstand Satans boshaftem Ansinnen mit bewundernswerter Beherrschung. Satan hatte bestimmt eine Rüge verdient, doch Michael, dem zu jener Zeit noch nicht „die gesamte Rechtsprechung“ übergeben worden war, wollte Jehova Gott richten lassen (Johannes 5:22). Obwohl Michael als Erzengel weitreichende Autorität besaß, hielt er sich demütig zurück und versuchte nicht, irgendwelche Befugnisse an sich zu reißen. Dadurch bewies er außer Demut auch Bescheidenheit; er war sich seiner Grenzen bewusst.

      9 Judas wurde nicht ohne Grund inspiriert, diesen Vorfall aufzuschreiben. Es gab zu seiner Zeit einige Christen, die leider nicht demütig waren. Hochmütig redeten sie abfällig über alles, wovon sie eigentlich nichts verstanden (Judas 10). Wie schnell kann es uns unvollkommenen Menschen doch passieren, dass uns unangebrachter Stolz überkommt! Wie reagieren wir zum Beispiel, falls uns eine – vielleicht von den Ältesten beschlossene – Vorgehensweise in der Versammlung unverständlich ist? Würde es nicht mangelnde Demut verraten, wenn wir uns negativ oder kritisch darüber äußern würden, obwohl uns nicht alle Hintergründe bekannt sein können? Nehmen wir uns doch ein Beispiel an Michael, das heißt Jesus, und urteilen wir nicht, wenn wir von Gott keine Befugnis dazu haben.

      10, 11. (a) Was ist bemerkenswert daran, dass Gottes Sohn bereitwillig auf die Erde kam? (b) Wie könnten wir Jesu Demut nachahmen?

      10 Gottes Sohn bewies auch dadurch Demut, dass er bereitwillig auf die Erde kam. Dafür musste er viel aufgeben. Er war der Erzengel. Er war „das Wort“, das heißt der Wortführer Jehovas (Johannes 1:1-3). Und er lebte im Himmel, Jehovas „erhabenem Wohnsitz der Heiligkeit und Herrlichkeit“ (Jesaja 63:15). Trotzdem „gab … [er] alles auf, was er hatte, nahm Sklavengestalt an und wurde Mensch“ (Philipper 2:7). Überlegen wir einmal, was das für ihn bedeutete! Sein Leben wurde in den Mutterschoß einer jüdischen Jungfrau übertragen. Nach neun Monaten kam er als hilfloser Säugling in der Familie eines armen Zimmermanns zur Welt. Dann wurde er als Baby und Kleinkind versorgt und wuchs zum Jugendlichen heran. Obwohl selbst vollkommen, ordnete er sich als Kind und Jugendlicher seinen unvollkommenen Eltern immer unter (Lukas 2:40, 51, 52). Was für eine Demut!

      11 Können wir Jesu Demut nachahmen, indem wir bereit sind, auch weniger angesehene Aufgaben auszuführen? Manche finden es vielleicht erniedrigend, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu verkünden, wenn die Menschen gleichgültig, spöttisch oder gegnerisch reagieren (Matthäus 28:19, 20). Doch wenn wir beharrlich weiterpredigen, können wir helfen, Menschenleben zu retten. Auf jeden Fall lernen wir eine Menge über Demut und wir treten in die Fußspuren unseres Herrn, Jesus Christus.

      Jesu Demut als Mensch

      12-14. (a) Wie zeigte sich Jesu Demut, wenn er von Menschen gelobt wurde? (b) Inwiefern war Jesus im Umgang mit anderen demütig? (c) Woran zeigt sich, dass Jesu Demut keine Formsache oder Frage des guten Benehmens war?

      12 Jesu Dienst auf der Erde war durchweg von Demut geprägt. Das zeigte sich darin, dass er Lobpreis und Ehre stets an seinen Vater weitergab. Wenn er wegen seiner Weisheit, seiner eindrucksvollen Wunder, ja sogar wenn er wegen seines guten Charakters gelobt wurde, lenkte er immer von sich ab und gab alle Ehre an Jehova weiter (Markus 10:17, 18; Johannes 7:15, 16).

      13 Jesus war auch gegenüber den Menschen, mit denen er zu tun hatte, demütig. Er sagte ausdrücklich, dass er nicht auf die Erde gekommen war, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Matthäus 20:28). Seine Demut zeigte sich in seinem sanften, überlegten Umgang mit anderen. Als ihn seine Nachfolger enttäuschten, wies er sie nicht schroff zurecht, sondern versuchte weiterhin, ihr Herz anzusprechen (Matthäus 26:39-41). Als ihm die Menschen ständig nachliefen und ihm keine Ruhe gönnten, schickte er sie nicht weg, sondern schenkte ihnen seine Kraft und Zeit, indem er sie vieles lehrte (Markus 6:30-34). Und als eine Nichtisraelitin ihn immer wieder inständig bat, ihre Tochter zu heilen, gab er ihr zunächst zu verstehen, dass er nicht dazu bereit sei. Er wies sie aber nicht ärgerlich ab. Wie wir in Kapitel 14 sehen werden, kam er der Bitte dieser Frau in Anbetracht ihres großen Glaubens schließlich nach (Matthäus 15:22-28).

      14 Jesus lebte auf vielfältige Weise die Worte aus: „Ich habe ein mildes Wesen und bin von Herzen demütig“ (Matthäus 11:29). Seine Demut war nicht oberflächlich, keine reine Formsache oder Frage des guten Benehmens. Sie kam von Herzen, aus seinem tiefsten Innern. Kein Wunder, dass ihm so viel daran lag, seine Nachfolger ebenfalls Demut zu lehren!

      Er lehrte seine Nachfolger, demütig zu sein

      15, 16. Welchen Unterschied zwischen der Einstellung weltlicher Herrscher und der Einstellung, die seine Nachfolger entwickeln mussten, hob Jesus hervor?

      15 Die Apostel lernten Demut nur langsam. Jesus musste immer wieder versuchen, ihr Herz anzusprechen. Als Jakobus und Johannes einmal ihre Mutter vorschickten, um sich bei Jesus eine hohe Stellung im Königreich Gottes sichern zu lassen, antwortete Jesus bescheiden: „Die Plätze rechts und links von mir habe ich nicht zu vergeben. Sie stehen denen zu, die mein Vater dafür vorgesehen hat.“ Die zehn anderen Apostel ärgerten sich über Jakobus und Johannes (Matthäus 20:20-24). Wie verhielt sich Jesus?

      16 Er redete ihnen allen freundlich ins Gewissen, indem er sagte: „Ihr wisst ja, dass sich die Herrscher der Völker als Herren aufspielen und dass die Mächtigen das Volk ihre Macht spüren lassen. Unter euch darf das aber nicht so sein, sondern wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch an erster Stelle stehen will, soll euer Sklave sein“ (Matthäus 20:25-27). Die Apostel hatten wahrscheinlich gesehen, wie stolz, ehrgeizig und selbstsüchtig „die Herrscher der Völker“ sein konnten. Jesus erklärte ihnen, dass seine Nachfolger anders sein mussten als diese machtgierigen Tyrannen. Sie mussten demütig sein. Verstanden die Apostel das?

      17-19. (a) Welche einprägsame Lehre in Demut vermittelte Jesus den Aposteln am Abend vor seinem Tod? (b) Was war der eindrucksvollste Demutsbeweis Jesu auf Erden?

      17 Sie taten sich schwer. Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass Jesus ihnen etwas über Demut beibrachte. Als sie sich schon vorher einmal gestritten hatten, wer von ihnen der Größte sei, hatte Jesus ein kleines Kind in ihre Mitte geholt und gesagt, sie sollten wie die Kinder werden, das heißt nicht so stolz, ehrgeizig und standesbewusst sein, wie das bei Erwachsenen oft der Fall ist (Matthäus 18:1-4). Am Abend vor seinem Tod musste Jesus feststellen, dass die Apostel immer noch mit Stolz zu kämpfen hatten. Da erteilte er ihnen eine sehr einprägsame Lehre. Er band sich ein Handtuch um und verrichtete eine äußerst niedrige Arbeit, etwas, das damals Diener gewöhnlich tun mussten, wenn Gäste kamen. Er wusch jedem seiner Apostel die Füße – auch Judas, der ihn wenig später verraten würde! (Johannes 13:1-11).

      18 Als Jesus damit fertig war, erklärte er: „Ich habe euch … ein Vorbild gegeben“ (Johannes 13:15). Hatten die Apostel die Lektion jetzt gelernt? Noch am selben Abend stritten sie erneut darüber, wer von ihnen als der Größte galt (Lukas 22:24-27). Jesus aber blieb geduldig und lehrte sie demütig weiter. Schließlich erteilte er ihnen die eindrucksvollste Lehre überhaupt: „[Er] demütigte … sich und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod an einem Marterpfahl“ (Philipper 2:8). Jesus war bereit, als vermeintlicher Verbrecher und Gotteslästerer einen entwürdigenden Tod zu sterben. Das machte ihn zu etwas Einzigartigem: Bei keinem anderen Geschöpf Jehovas kam Demut auf so vollkommene, auf so herausragende Weise zum Ausdruck wie bei ihm.

      19 Vielleicht war es dieser letzte Demutsbeweis Jesu auf Erden, der den treuen Aposteln die Bedeutung dieser Eigenschaft so unauslöschlich ins Herz einprägte. Wie die Bibel berichtet, waren sie noch nach Jahren und Jahrzehnten demütig tätig. Wie steht es mit uns?

      Werden wir Jesu Beispiel nachahmen?

      20. Woran ist zu erkennen, ob wir von Herzen demütig sind?

      20 Paulus gibt uns den Rat: „Behaltet diese innere Einstellung bei, die auch Christus Jesus hatte“ (Philipper 2:5). Wir müssen wie Jesus von Herzen demütig sein. Woher wissen wir, ob das der Fall ist? Paulus erinnert uns daran: „Tut nichts aus Streitsucht oder Egoismus, sondern achtet andere in Demut höher als euch selbst“ (Philipper 2:3). Ausschlaggebend ist also, wie wir andere im Verhältnis zu uns sehen. Wir müssen sie höher achten oder als wichtiger betrachten als uns selbst. Werden wir diesen Rat befolgen?

      21, 22. (a) Warum ist Demut für christliche Aufseher wichtig? (b) Woran zeigt sich, dass wir uns mit Demut „kleiden“?

      21 Noch Jahre nach Jesu Tod dachte der Apostel Petrus über die Wichtigkeit der Demut nach. Er mahnte christliche Aufseher, ihren Aufgaben demütig nachzukommen und sich nie als Herren über Jehovas Schafe aufzuspielen (1. Petrus 5:2, 3). Verantwortung ist kein Freibrief für Stolz. Ganz im Gegenteil, wenn jemand Verantwortung trägt, ist echte Demut sogar noch wichtiger (Lukas 12:48). Natürlich ist diese Eigenschaft nicht nur für Aufseher, sondern für alle Christen unerlässlich.

      22 Petrus hat bestimmt nie den Abend vergessen, an dem Jesus ihm – trotz Widerspruch – die Füße wusch (Johannes 13:6-10). Er gab Christen den Rat: „Ihr alle …, kleidet euch im Umgang miteinander mit Demut“ (1. Petrus 5:5). Der Ausdruck „sich kleiden“ kann auf einen Diener bezogen sein, der sich vor einer niedrigen Arbeit eine Schürze umbindet. Wenn man bedenkt, dass sich Jesus an jenem Abend wie ein Diener ein Handtuch umband, sich hinkniete und den Aposteln die Füße wusch, könnte da ein Auftrag von Gott für uns als Nachfolger Jesu unter unserer Würde sein? Echte, aufrichtige Demut sollte bei uns so sichtbar sein, als hätten wir sie uns wie ein Kleidungsstück angezogen.

      23, 24. (a) Warum sollten wir gegen jede Neigung zum Hochmut ankämpfen? (b) Welche falsche Auffassung über Demut wird durch das nächste Kapitel richtiggestellt?

      23 Hochmut ist wie Gift und kann verheerende Auswirkungen haben. Hochmut kann den begabtesten Menschen für Gott unbrauchbar machen. Durch Demut dagegen kann ein ganz unbedeutender Mensch für Jehova sehr wertvoll werden. Wenn wir tagtäglich an dieser wertvollen Eigenschaft arbeiten und uns anstrengen, den Fußspuren Christi demütig zu folgen, dann erwartet uns ein großartiger Lohn. Petrus schrieb: „Begebt euch … in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch zur gegebenen Zeit erhöht“ (1. Petrus 5:6). Jesus hat sich sehr weit erniedrigt und Jehova hat ihn dafür hoch erhöht. Unser Gott freut sich sehr, wenn er auch uns für unsere Demut belohnen kann.

      24 Leider wird Demut manchmal als Zeichen von Schwäche gedeutet. Das Beispiel Jesu zeigt, wie falsch diese Auffassung ist, denn er, der demütigste Mensch aller Zeiten, war gleichzeitig auch der mutigste. Um Jesu Mut geht es im nächsten Kapitel.

      a In einem Nachschlagewerk heißt es zu dieser Begebenheit, Esel seien „keine edlen Tiere“. Weiter wird gesagt: „Sie sind die Arbeitstiere der Armen, langsam, störrisch und nicht sonderlich schön.“

      b Weitere Beweise, dass mit Michael und Jesus dieselbe Person gemeint ist, enthält der Artikel „Wer ist der Erzengel Michael?“ unter der Rubrik „Antworten auf Fragen zur Bibel“ auf jw.org, der offiziellen Website von Jehovas Zeugen.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie kann uns Jesu Beispiel helfen, wenn wir versucht sind, mit Leistungen zu prahlen? (Matthäus 12:15-19; Markus 7:35-37).

      • Wie können wir Jesu Beispiel nachahmen, wenn es darum geht, Glaubensbrüdern und -schwestern demütig zu dienen? (Johannes 21:1-13).

      • Wie kann Jesu Beispiel jemandem helfen, der versucht ist, in der heutigen Welt nach Erfolg und Ansehen zu streben? (Johannes 6:14, 15).

  • „Der Löwe vom Stamm Juda“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL VIER

      „Der Löwe vom Stamm Juda“

      Jesus gibt sich einer wütenden Menschenmenge, darunter einige Soldaten, zu erkennen. Seine treuen Apostel beobachten das Ganze aus einiger Entfernung.

      „Ich bin es“

      1-3. In welche Gefahr gerät Jesus, und wie reagiert er?

      EINE aufgebrachte Menschenmenge ist auf der Suche nach Jesus. Mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet und in Begleitung von Soldaten, zieht die Menge wie von einem gemeinsamen bösen Willen getrieben durch die finsteren Straßen Jerusalems und das Kidrontal zum Ölberg. Obwohl Vollmond ist, haben die Leute Fackeln und Lampen dabei. Brauchen sie Licht, weil Wolken den Mond verdecken, oder glauben sie, dass sich ihr Opfer im Dunkeln verbirgt? Wir wissen es nicht, aber eines steht fest: Wer erwartet, dass sich Jesus aus Angst versteckt, kennt ihn schlecht.

      2 Jesus weiß, welche Gefahr ihm droht, doch er bleibt stehen und wartet. Die Menge kommt näher; Judas, ein ehemaliger vertrauter Freund, führt sie an. Eiskalt verrät er seinen früheren Herrn mit einem Gruß und einem Kuss. Jesus bleibt gefasst. Er tritt vor die Menge und fragt: „Wen sucht ihr?“ Sie antworten: „Jesus, den Nazarener.“

      3 Beim Anblick einer solchen bewaffneten Horde würde wahrscheinlich jeder andere in Panik geraten. Vielleicht erwarten die Leute das auch von Jesus. Aber er versteckt sich nicht, läuft nicht davon und stammelt auch keine Lügen, sondern sagt einfach: „Ich bin es.“ Jesus ist so ruhig und mutig, dass die Männer ganz irritiert sind. Sie weichen zurück und fallen zu Boden (Johannes 18:1-6; Matthäus 26:45-50; Markus 14:41-46).

      4-6. (a) Womit wird Gottes Sohn verglichen, und warum? (b) In welchen drei Bereichen bewies Jesus Mut?

      4 Wie konnte Jesus in dieser gefährlichen Lage derart gefasst und beherrscht bleiben? Er hatte ganz einfach Mut. Kaum eine Eigenschaft wird von einem Führer so sehr erwartet und kaum eine wird so sehr bewundert wie Mut; und doch hat kein Mensch Jesus diesbezüglich je erreicht, geschweige denn übertroffen. Im vorigen Kapitel haben wir gesehen, wie demütig und sanft Jesus war. Er wurde zu Recht „das Lamm“ genannt (Johannes 1:29). Jesu Mut gibt dagegen zu einer ganz anderen Beschreibung Anlass. Die Bibel nennt Gottes Sohn den „Löwen vom Stamm Juda“ (Offenbarung 5:5).

      5 Der Löwe wird oft als Sinnbild für Mut gebraucht. Hast du schon einmal vor einem ausgewachsenen Löwen gestanden? Wenn ja, dann wahrscheinlich in sicherem Abstand vor einem Löwengehege im Zoo. Aber selbst da kann einem angst und bange werden. Wenn man so ein großes, kräftiges Tier anschaut und seinem starren Blick begegnet, kann man sich kaum vorstellen, dass ein Löwe aus Angst vor irgendetwas davonlaufen würde. Die Bibel sagt, dass der Löwe „der Stärkste unter den Tieren“ ist und dass er „vor niemandem zurückweicht“ (Sprüche 30:30). Christus war mutig wie ein Löwe.

      6 Betrachten wir einmal, wie Jesus diesen Mut in folgenden drei Bereichen bewies: wenn er für die Wahrheit eintrat, wenn er für Gerechtigkeit einstand und wenn ihm Widerstand entgegenschlug. Wir werden auch feststellen, dass wir alle – ob von Natur aus mutig oder nicht – Jesu Mut nachahmen können.

      Er trat mutig für die Wahrheit ein

      7-9. (a) Was passierte, als Jesus 12 Jahre alt war, und was könnte einem in so einer Situation Angst einflößen? (b) Wie bewies Jesus Mut, als er unter den Lehrern im Tempel saß?

      7 In einer von Satan, dem „Vater der Lüge“, beherrschten Welt braucht man oft Mut, um für die Wahrheit einzutreten (Johannes 8:44; 14:30). Jesus zeigte schon als Kind großen Mut. Als er 12 Jahre alt war, verloren ihn seine Eltern, Maria und Joseph, nach dem Passahfest in Jerusalem aus den Augen. Drei Tage suchten sie verzweifelt nach dem Jungen, bis sie ihn schließlich im Tempel fanden. Was tat er dort? Die Bibel sagt, dass er „mitten unter den Lehrern saß, ihnen zuhörte und Fragen stellte“ (Lukas 2:41-50). Machen wir uns ein Bild von dieser Situation.

      8 Historiker berichten, dass nach den Festen gewöhnlich einige der bedeutendsten geistlichen Führer im Tempel blieben und dort im Bereich der geräumigen Vorhallen lehrten. Zu ihren Füßen saßen Leute, die ihnen zuhörten und Fragen stellten. Die religiösen Lehrer waren sehr gebildet. Sie waren Kenner des mosaischen Gesetzes sowie der unendlich vielen komplizierten Gesetze und Überlieferungen, die von Menschen im Lauf der Jahre hinzugefügt worden waren. Wie hättest du dich in ihrer Gegenwart gefühlt? Wärst du eingeschüchtert gewesen? Das wäre nur zu verständlich. Jetzt stell dir einmal vor, du wärst erst 12 Jahre alt. Viele Kinder und Jugendliche sind schüchtern (Jeremia 1:6). Manche wollen in der Schule um keinen Preis auffallen; sie fürchten sich, vor anderen etwas sagen zu müssen oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; sie haben Angst, in Verlegenheit gebracht oder ausgelacht zu werden.

      9 Wie war das bei Jesus? Er saß mitten unter den Gelehrten und stellte ihnen mutig knifflige Fragen. Aber damit nicht genug. Die Bibel sagt: „Alle, die ihm zuhörten, staunten die ganze Zeit über sein Verständnis und seine Antworten“ (Lukas 2:47). In der Bibel steht nicht, was Jesus bei dieser Gelegenheit sagte, aber er hat bestimmt nicht einfach falsche Lehren wiedergegeben, die bei jenen Geistlichen beliebt waren (1. Petrus 2:22). Nein, Jesus trat für die Wahrheit aus Gottes Wort ein, und die Leute müssen erstaunt gewesen sein, wie klug und mutig dieser 12-Jährige war.

      Eine junge Schwester zeigt ihrer Lehrerin etwas in dem Buch „Gibt es einen Schöpfer, der an uns interessiert ist?“.

      Viele junge Christen sprechen mutig über ihren Glauben

      10. Wie ahmen junge Christen von heute Jesu Mut nach?

      10 Heute gibt es sehr viele junge Christen, die in Jesu Fußspuren treten. Natürlich sind sie nicht vollkommen wie Jesus, aber wie er setzen sie sich schon als Kinder und Jugendliche für die Wahrheit ein. In der Schule oder an ihrem Wohnort stellen sie anderen höflich Fragen, hören zu und sprechen respektvoll über die Wahrheit (1. Petrus 3:15). So konnten schon viele von ihnen Mitschülern, Lehrern, Nachbarn und anderen helfen, Nachfolger Christi zu werden. Wie muss sich Jehova über ihren Mut freuen! In der Bibel werden sie mit Tautropfen verglichen – erfrischend, angenehm und groß an Zahl (Psalm 110:3).

      11, 12. Wie bewies Jesus als Erwachsener beim Verteidigen der Wahrheit Mut?

      11 Als Erwachsener trat Jesus immer wieder mutig für die Wahrheit ein. Schon gleich zu Beginn seines Dienstes auf der Erde kam es zu einer geradezu furchterregenden Konfrontation. Nicht als mächtiger Erzengel, sondern als ein Mensch aus Fleisch und Blut bekam er es mit dem stärksten und gefährlichsten Feind Jehovas zu tun – mit Satan. Jesus wies den Teufel entschieden ab und ließ nicht zu, dass die inspirierten Schriften falsch angewandt wurden. Er beendete die Begegnung mit einem entschiedenen „Geh weg, Satan!“ (Matthäus 4:2-11).

      12 Damit setzte Jesus den Maßstab für seine künftige Tätigkeit: Er würde das Wort seines Vaters mutig gegen Verdrehung und Missbrauch verteidigen. Nicht anders als heute wurde damals in der Religion viel verdreht. Jesus sagte zu den Religionsführern seiner Zeit: „[Ihr] setzt … Gottes Wort durch die Traditionen, die ihr weitergebt, außer Kraft“ (Markus 7:13). Obwohl diese Männer allgemein sehr angesehen waren, stellte Jesus sie furchtlos als blinde Führer und Heuchler bloß (Matthäus 23:13, 16).a Wie können wir Jesu Mut in dieser Hinsicht nachahmen?

      13. Was dürfen wir nicht vergessen, wenn wir Jesus nachahmen, aber wobei können wir helfen?

      13 Wir müssen natürlich bedenken, dass wir im Gegensatz zu Jesus niemandem ins Herz schauen können noch über ihn urteilen dürfen. Aber wir können wie er mutig für die Wahrheit eintreten. Wenn wir zum Beispiel falsche religiöse Lehren aufdecken – die vielen Lügen über Gott, sein Vorhaben und sein Wort –, bringen wir Licht in eine durch Satans Propaganda verfinsterte Welt (Matthäus 5:14; Offenbarung 12:9, 10). Wir helfen Menschen, von Irrlehren freizukommen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagen und ihr Verhältnis zu Gott vergiften. Wie schön ist es doch, erleben zu dürfen, wie sich Jesu Worte erfüllen: „Die Wahrheit wird euch frei machen“! (Johannes 8:32).

      Er stand mutig für Gerechtigkeit ein

      14, 15. (a) Nenne eine Art, wie Jesus „das Recht erklärte“. (b) Welchen Vorurteilen schenkte Jesus keine Beachtung, als er mit einer Samariterin sprach?

      14 In der Bibel wurde vorausgesagt, dass der Messias den Völkern „das Recht erklären“ würde (Matthäus 12:18; Jesaja 42:1). Man kann wirklich sagen, dass Jesus damit schon hier auf der Erde begann. Mit großem Mut zeigte er sich gegenüber allen Menschen unparteiisch und gerecht. Er lehnte zum Beispiel die Scheinheiligkeit und die unbiblischen Vorurteile ab, die damals so verbreitet waren.

      15 Als Jesus am Brunnen von Sychar mit einer Samariterin sprach, waren seine Jünger erstaunt. Warum? Weil die Samariter damals bei den Juden allgemein verhasst waren, und das schon seit Generationen (Esra 4:4). Außerdem hatten manche Rabbis eine geringschätzige Meinung über Frauen. Nach den rabbinischen Vorschriften, die später schriftlich festgehalten wurden, sollten sich Männer nicht mit Frauen unterhalten; auch seien Frauen es nicht wert, im Gesetz Gottes unterwiesen zu werden. Besonders die Samariterinnen galten als unrein. Jesus schenkte solchen diskriminierenden Vorurteilen keine Beachtung. Er lehrte die Samariterin (die übrigens ein unmoralisches Leben führte) ganz offen und sagte ihr sogar, dass er der Messias ist (Johannes 4:5-27).

      16. Warum brauchen Christen den Mut, sich im Hinblick auf Vorurteile von anderen zu unterscheiden?

      16 Heute trifft man immer wieder auf Menschen, die hässliche Vorurteile hegen. Vielleicht machen sie abfällige Witze über Ausländer, reden verächtlich über Männer beziehungsweise Frauen oder sehen auf Menschen herab, die ihnen finanziell oder sozial nicht gleichgestellt sind. Nachfolger Christi finden an solchen feindseligen Einstellungen nichts Gutes und geben sich alle Mühe, jede Spur von Voreingenommenheit aus ihrem Herzen zu beseitigen (Apostel­geschichte 10:34). Jeder von uns sollte den Mut entwickeln, in dieser Hinsicht unparteiisch zu sein.

      17. Was tat Jesus im Tempel, und warum?

      17 Mut ließ Jesus auch für die Reinheit des Volkes Jehovas kämpfen sowie für alles, was mit der wahren Anbetung zusammenhing. Als er nicht lange nach Beginn seines Dienstes das Tempelgebiet in Jerusalem betrat, sah er mit Entsetzen, wie Verkäufer und Geldwechsler dort Geschäfte machten. Zu Recht erzürnt trieb er die habgierigen Männer mit ihren Waren aus dem Tempel (Johannes 2:13-17). Gegen Ende seines Dienstes handelte er noch einmal ähnlich (Markus 11:15-18). Obwohl er sich dadurch sicher einflussreiche Leute zu Feinden machte, zögerte er nicht. Warum nicht? Der Tempel war für ihn von Kindheit an das Haus seines Vaters – und damit war es ihm ernst (Lukas 2:49). Dass die reine Anbetung dort so in den Schmutz gezogen wurde, war ein Unrecht, über das er auf keinen Fall hinwegsehen konnte. Sein Eifer gab ihm den Mut, dagegen einzuschreiten.

      18. Wie können sich Christen heute mutig für die Reinheit der Versammlung einsetzen?

      18 Nachfolgern Christi heute liegt ebenfalls sehr viel an der Reinheit des Volkes Gottes und an allem, was mit der wahren Anbetung zusammenhängt. Wenn sie merken, dass ein Christ eine schwere Sünde begeht, lassen sie das nicht einfach unbeachtet. Sie sprechen es mutig an (1. Korinther 1:11). Sie sorgen dafür, dass die Ältesten in der Versammlung informiert werden. Die Ältesten können dann denen, die im Glauben „krank“ oder schwach geworden sind, helfen und etwas unternehmen, damit die Herde Jehovas rein bleibt (Jakobus 5:14, 15).

      19, 20. (a) Welche Ungerechtigkeiten herrschten zur Zeit Jesu, und unter welchem Druck stand er? (b) Warum lassen sich Christi Nachfolger nicht in die Politik oder in gewalttätige Auseinander­setzungen hineinziehen, und was ist eine der Belohnungen für ihren Mut?

      19 Wäre es allerdings richtig, anzunehmen, dass Jesus gegen soziale Ungerechtigkeit in der Welt allgemein kämpfte? Um ihn herum gab es zweifellos viele Ungerechtigkeiten. Seine Heimat stand unter Besatzung. Die Römer unterdrückten die Juden durch einen mächtigen Militärapparat, verlangten hohe Steuern und ließen sie nicht einmal bei ihrer Religions­ausübung ungestört. Viele hätten es da natürlich gern gesehen, wenn sich Jesus politisch engagiert hätte (Johannes 6:14, 15). Hier kam sein Mut wieder ins Spiel.

      20 Jesus erklärte, sein Königreich sei kein Teil dieser Welt. Durch sein Beispiel lehrte er seine Nachfolger, sich aus politischen Auseinander­setzungen herauszuhalten und sich auf das Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich zu konzentrieren (Johannes 17:16; 18:36). Besonders eindrucksvoll zeigte Jesus, was Neutralität bedeutet, als die Volksmenge kam, um ihn festzunehmen. Petrus wollte Jesus verteidigen, zog spontan sein Schwert und verletzte einen Mann. Irgendwie kann man seine Reaktion verstehen. Wenn Gewalt überhaupt jemals angebracht gewesen wäre, dann in jener Nacht, als Gottes Sohn unschuldig angegriffen wurde. Doch Jesus setzte bei dieser Gelegenheit für seine Nachfolger einen Maßstab, der bis auf den heutigen Tag gilt. Er sagte: „Steck dein Schwert wieder weg, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26:51-54). Eine so friedfertige Haltung verlangte von den Nachfolgern Christi damals bestimmt viel Mut, und heute ist es nicht anders. Da Gottes Diener auch heute mutig ihre Neutralität bewahren, haben sie sich im Hinblick auf die zahllosen Unruhen, Kriege, Völkermorde und anderen Gewalttaten unserer Zeit nichts vorzuwerfen. Der gute Ruf, den sie sich dadurch erworben haben, ist eine von vielen Belohnungen für ihren Mut.

      Er war mutig trotz Widerstand

      21, 22. (a) Welche Hilfe erhielt Jesus vor seiner härtesten Prüfung? (b) Wie zeigte sich Jesus mutig bis ans Ende?

      21 Jehovas Sohn wusste schon lange im Voraus, dass er auf der Erde sehr viel Widerstand erdulden würde (Jesaja 50:4-7). Er schwebte oft in Lebensgefahr, was in der eingangs geschilderten Situation gipfelte. Wie schaffte er es, angesichts solcher Gefahren mutig zu bleiben? Überlegen wir einmal, was er kurz vor seiner Verhaftung tat. Er betete inbrünstig zu Jehova. Mit welchem Ergebnis? Die Bibel sagt: „Er wurde … erhört“ (Hebräer 5:7). Jehova schickte seinem mutigen Sohn einen Engel vom Himmel, um ihm Kraft zu geben (Lukas 22:42, 43).

      22 Gestärkt forderte Jesus seine Apostel dann auf: „Steht auf, lasst uns gehen“ (Matthäus 26:46). Wie viel Mut aus diesen einfachen Worten doch spricht! „Lasst uns gehen“, sagte er, obwohl er wusste, dass er die Menge später bitten würde, seine Freunde zu verschonen, dass ihn diese im Stich lassen und fliehen würden und dass er die härteste Prüfung seines Lebens allein durchmachen müsste. Ganz allein ertrug er einen rechtswidrigen, ungerechten Prozess, Spott, Folter und einen grauenhaften Tod. Doch trotz allem verlor er nie den Mut.

      23. Erkläre, warum man Jesu Verhalten unter Todesgefahr und bei anderen Gefahren nicht als waghalsig bezeichnen kann.

      23 War Jesus waghalsig? Nein, Waghalsigkeit hat mit echtem Mut wenig zu tun. Schließlich brachte Jesus seinen Nachfolgern bei, vorsichtig zu sein und sich Gefahren geschickt zu entziehen, damit sie weiterhin den Willen Gottes tun konnten (Matthäus 4:12; 10:16). Doch in dieser Situation kam für Jesus ein Rückzug nicht infrage. Er wusste, dass es um den Willen Gottes ging. Und da er auf jeden Fall treu bleiben wollte, gab es für ihn nur den Weg nach vorn – geradewegs in die Prüfung.

      Drei Brüder in Gefängniskleidung, die unter dem NS-Regime trotz Verfolgung treu geblieben sind.

      Jehovas Zeugen haben unter Verfolgung Mut bewiesen

      24. Warum können wir sicher sein, dass wir jede Prüfung mutig durchstehen können?

      24 Jesu Nachfolger sind den Fußspuren ihres Herrn immer wieder mutig gefolgt. Viele sind trotz Spott, Verfolgung, Haft, Folter, ja sogar Todesgefahr standhaft geblieben. Woher nehmen unvollkommene Menschen einen solchen Mut? Er kommt nicht einfach so von allein. Wie Jesus erhalten sie Hilfe von oben (Philipper 4:13). Wir brauchen also nie Angst vor der Zukunft zu haben. Halten wir entschlossen an unserer Integrität fest, dann wird uns Jehova den nötigen Mut geben. Schöpfen wir auch weiterhin Kraft aus dem Vorbild unseres Führers, Jesus, der sagte: „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16:33).

      a Die Gräber der Rabbis wurden nach Angaben von Historikern fast genauso in Ehren gehalten wie die Gräber von Propheten und Patriarchen.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie hilft uns das Beispiel Jesu, auch unangenehme Wahrheiten mutig anzusprechen? (Johannes 8:31-59).

      • Warum sollten wir nie zulassen, dass lähmende Angst vor Satan und den Dämonen uns davon abhält, anderen zu helfen? (Matthäus 8:28-34; Markus 1:23-28).

      • Warum sollten wir Unterdrückten Mitgefühl zeigen, auch wenn wir deshalb mit Schwierigkeiten rechnen müssen? (Johannes 9:1, 6, 7, 22-41).

      • Wie wurde Jesus durch seine Zukunftshoffnung in Prüfungen gestärkt, und wie kann uns unsere Hoffnung Mut machen? (Johannes 16:28; 17:5; Hebräer 12:2).

  • „Alle Schätze der Weisheit“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL FÜNF

      „Alle Schätze der Weisheit“

      1-3. Unter welchen Umständen spricht Jesus an einem Frühlingstag im Jahr 31 u. Z. zu einer Menschenmenge, und warum sind seine Zuhörer erstaunt?

      ES IST ein Frühlingstag im Jahr 31 u. Z. Jesus Christus hält sich in der Gegend von Kapernaum auf, einer belebten Stadt am Nordwestufer des Sees von Galiläa. Er hat die ganze Nacht allein auf einem Berg in der Umgebung gebetet. Am Morgen ruft er seine Jünger zu sich und wählt 12 aus, denen er den Namen Apostel gibt. Inzwischen sind ihm Scharen von Menschen – zum Teil von ziemlich weit her – gefolgt und haben sich am Berghang versammelt. Sie sind gespannt, was er zu sagen hat, und wollen von ihren Krankheiten und Gebrechen geheilt werden. Jesus enttäuscht sie nicht (Lukas 6:12-19).

      2 Er geht auf die Menge zu und heilt alle Kranken. Als schließlich niemand mehr von Schmerzen geplagt wird, setzt er sich hin und fängt an zu lehren.a Die Worte, die seine Zuhörer an jenem Tag hören, müssen sie verwundern. Noch nie haben sie jemand gehört, der so gut lehrte. Um seinen Lehren Gewicht zu geben, beruft sich Jesus nicht etwa auf mündliche Überlieferungen oder die Aussagen bekannter jüdischer Rabbis, sondern er zitiert wiederholt aus den inspirierten Hebräischen Schriften. Seine Botschaft ist direkt, seine Ausdrucksweise einfach und klar. Als er zu Ende geredet hat, sind die Leute höchst erstaunt. Kein Wunder! Sie haben dem weisesten Menschen aller Zeiten zugehört (Matthäus 7:28, 29).

      Jesus hält vor einer großen Menschenmenge die Bergpredigt.

      „Da staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“

      3 Diese Rede und vieles andere, was Jesus sagte und tat, ist in Gottes Wort festgehalten. Wir tun gut daran, tief in den inspirierten Aufzeichnungen über Jesus zu graben, denn in ihm sind „alle Schätze der Weisheit“ verborgen (Kolosser 2:3). Woher hatte Jesus solche Weisheit, wieso konnte er Erkenntnis und Verständnis so gut in die Praxis umsetzen? Wie zeigte sich seine Weisheit, und wie können wir uns ein Beispiel an ihm nehmen?

      „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“

      4. Was fragten sich Jesu Zuhörer in Nazareth, und warum?

      4 Auf einer seiner Predigtreisen kam Jesus nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und begann dort in der Synagoge zu lehren. Viele seiner Zuhörer fragten sich erstaunt: „Wie kommt er bloß zu dieser Weisheit?“ Sie kannten seine Familie – seine Eltern und Geschwister –, und sie wussten, dass er aus einfachen Verhältnissen stammte (Matthäus 13:54-56; Markus 6:1-3). Sicher war ihnen auch bekannt, dass dieser redegewandte Zimmermann keine der angesehenen Rabbinerschulen besucht hatte (Johannes 7:15). Somit war ihre Frage eigentlich berechtigt.

      5. Wen nannte Jesus als Quelle seiner Weisheit?

      5 Jesu Weisheit war nicht einfach das Produkt seines vollkommenen Verstandes. Als er einige Zeit später öffentlich im Tempel lehrte, machte er deutlich, dass seine Weisheit aus einer viel erhabeneren Quelle stammte. Er sagte: „Was ich lehre, kommt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7:16). Ja, die eigentliche Quelle seiner Weisheit war sein Vater, der ihn ausgesandt hatte (Johannes 12:49). Doch wie erhielt Jesus von Jehova Weisheit?

      6, 7. Auf welche Weise erhielt Jesus von seinem Vater Weisheit?

      6 In Jesu Herz und Sinn war Jehovas heiliger Geist wirksam. Jesaja sagte über den verheißenen Messias – Jesus – voraus: „Der Geist Jehovas wird sich auf ihm niederlassen, der Geist der Weisheit und des Verständnisses, der Geist des Rates und der Macht, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor Jehova“ (Jesaja 11:2). Da Jehovas Geist auf Jesus ruhte und ihn bei seinen Überlegungen und Entscheidungen leitete, ist es absolut nicht verwunderlich, dass Jesu Worte und Taten von überragender Weisheit zeugten.

      7 Jesu Weisheit war noch auf etwas anderes zurückzuführen, das ihn nachhaltig prägte. Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, konnte er sich während seines unvorstellbar langen vormenschlichen Daseins mit den Gedanken seines Vaters vertraut machen. Wir können uns nicht einmal annähernd vorstellen, was für eine Weisheit er an der Seite Jehovas erworben haben muss, während er bei der Erschaffung aller belebten und unbelebten Schöpfungswerke als Gottes „Werkmeister“ tätig war. Zu Recht wird Gottes Sohn in seiner vormenschlichen Existenz als personifizierte Weisheit beschrieben (Sprüche 8:22-31; Kolosser 1:15, 16). Während seines gesamten Dienstes auf der Erde konnte Jesus aus dem Weisheitsschatz schöpfen, den er bei seinem Vater im Himmel erworben hatte (Johannes 8:26, 28, 38).b Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Jesu Worte von so umfangreichem Wissen und so tiefem Verständnis und seine Taten von so gutem Urteilsvermögen zeugten.

      8. Wie können wir als Nachfolger Jesu Weisheit erwerben?

      8 Als Nachfolger Jesu müssen auch wir uns an Jehova orientieren, denn er ist die Quelle der Weisheit (Sprüche 2:6). Er wird uns zwar keine übernatürliche Weisheit geben, doch er erhört uns, wenn wir ihn aufrichtig um Weisheit bitten, um mit den Heraus­forderungen des Lebens zurechtzukommen (Jakobus 1:5). Gleichzeitig müssen wir unseren Teil tun. Wir müssen „wie nach verborgenen Schätzen“ ständig nach Weisheit suchen (Sprüche 2:1-6). Ja wir müssen weiterhin tief in Gottes Wort, aus dem Gottes Weisheit spricht, graben und unser Leben damit in Einklang bringen. Das Vorbild Jesu ist uns beim Erwerben von Weisheit eine besonders wertvolle Hilfe. Untersuchen wir deshalb, wie Jesus in bestimmten Bereichen Weisheit bewies, und überlegen wir, wie wir uns an ihm ein Beispiel nehmen können.

      Worte der Weisheit

      Ein Bruder liest in der Bibel. Vor ihm auf dem Tisch liegen einige geöffnete biblische Veröffentlichungen.

      In der Bibel kommt Gottes Weisheit zum Ausdruck

      9. Warum kann man sagen, dass Jesu Lehren von großer Weisheit zeugten?

      9 Jesus war oft von Menschenmengen umringt, die ihm einfach nur zuhören wollten (Markus 6:31-34; Lukas 5:1-3). Das überrascht nicht, denn alles, was er sagte, zeugte von überragender Weisheit. Wenn er lehrte, wurde deutlich, wie vertraut er mit Gottes Wort war und wie genau er die Ursache von Problemen kannte. Seine Lehren sind zeitlos und sprechen Menschen in aller Welt an. Die folgenden Beispiele sollen zeigen, welche Weisheit aus den Worten des verheißenen „Wunderbaren Ratgebers“, Jesus, spricht (Jesaja 9:6).

      10. Welche positiven Eigenschaften sollten wir nach Jesu Worten entwickeln, und warum?

      10 Die eingangs erwähnte Bergpredigt ist die längste Passage in der Bibel, in der Äußerungen Jesu ohne erzählerische oder andere Einschübe wiedergegeben werden. Jesus fordert uns in der Bergpredigt nicht einfach auf, das Richtige zu sagen und zu tun. Sein Rat geht viel tiefer. Wohl wissend, dass Worte und Taten ihren Ursprung immer in Gedanken und Gefühlen haben, rät Jesus eindringlich dazu, positive Eigenschaften zu entwickeln wie Milde, Gerechtigkeits­liebe, Barmherzigkeit, Friedsamkeit und Nächstenliebe (Matthäus 5:5-9, 43-48). Je besser uns das gelingt, desto angenehmer wird unser Reden und Handeln sein, und das macht nicht nur Jehova Freude, sondern kommt uns auch zwischenmenschlich zugute (Matthäus 5:16).

      11. Wie geht Jesus, als er über Sünden spricht, auf die Wurzel des Problems ein?

      11 Als Jesus über sündiges Verhalten spricht, geht er auf die Wurzel des Problems ein. Er warnt zum Beispiel nicht einfach vor Gewalttätig­keiten, sondern betont, dass man sich auch schon davor hüten muss, Wut im Herzen schwelen zu lassen (Matthäus 5:21, 22; 1. Johannes 3:15). Er sagt nicht einfach, dass Ehebruch Sünde ist, sondern warnt davor, im Herzen eine Leidenschaft aufkeimen zu lassen, die zu einer solchen Übertretung führt. Er ermahnt uns, nicht zuzulassen, dass über die Augen verkehrte Wünsche und erotische Begierden geweckt werden (Matthäus 5:27-30). Jesus zielt nicht nur auf Auswirkungen ab, sondern vor allem auf Ursachen. Er spricht Einstellungen und Begierden an, die Sünden sozusagen zur Welt bringen (Psalm 7:14).

      12. Wie betrachten Jesu Nachfolger seinen Rat, und warum?

      12 In Jesu Worten liegt wirklich sehr viel Weisheit! Verständlicher­weise „staunten die Leute nur so über seine Art zu lehren“ (Matthäus 7:28). Als seine Nachfolger betrachten wir seinen weisen Rat als maßgebend für unser Leben. Wir arbeiten an den Eigenschaften, die Jesus positiv hervorhob, wie etwa Barmherzigkeit, Friedsamkeit und Liebe, da wir wissen, dass sie die Grundlage für ein Verhalten bilden, das Gott gefällt. Wir möchten Jesu Warnungen beachten und negative Gefühle und Begierden – wie Verbitterung und unmoralische Wünsche – konsequent bekämpfen, weil uns das hilft, Sünden zu vermeiden (Jakobus 1:14, 15).

      Er ließ sich immer von Weisheit leiten

      13, 14. Was zeigt, dass Jesus seinen Lebensweg mit viel Verstand wählte?

      13 Jesus bewies Weisheit in Wort und Tat. Seine ganze Lebensweise – seine Entscheidungen, sein Selbstbild und sein Umgang mit anderen – ließ viele schöne Facetten der Weisheit erkennen. Betrachten wir an einigen Beispielen, wie „praktische Weisheit und Denkfähigkeit“ Jesu Leben bestimmten (Sprüche 3:21).

      14 Weisheit schließt gesundes Urteilsvermögen ein. Jesus wählte seinen Lebensweg mit viel Verstand. Stellen wir uns vor, wie er hätte leben können, was für ein Haus er sich hätte bauen können, wie weit er beruflich gekommen wäre und welches Ansehen er hätte genießen können. Doch Jesus war klar: Ein Leben für diese Ziele „ist Sinnlosigkeit – so, als wollte man den Wind einfangen“ (Prediger 4:4; 5:10). Ein solches Leben ist unvernünftig und zeugt überhaupt nicht von Weisheit. Jesus führte ganz bewusst ein einfaches Leben. Ihm lag nicht daran, Geld zu verdienen oder Besitz aufzuhäufen (Matthäus 8:20). In Übereinstimmung mit seinen Lehren fokussierte er sein Auge auf ein ganz bestimmtes Ziel: Er wollte nach dem Willen Gottes leben (Matthäus 6:22). In seiner Weisheit setzte er Zeit und Kraft für die Königreichs­interessen ein, die ja viel wichtiger und lohnender sind als materielle Güter (Matthäus 6:19-21). Dadurch hinterließ er uns ein nachahmenswertes Beispiel.

      15. Wie können Nachfolger Jesu beweisen, dass sie ihr Auge auf das Königreich fokussieren, und warum zeugt das von Weisheit?

      15 Nachfolger Jesu heute erkennen, wie klug es ist, ihr Auge auf das Königreich zu fokussieren. Deshalb vermeiden sie es, sich unnötig mit Schulden oder weltlichen Bestrebungen zu belasten, die sie zu viel Kraft und Aufmerksamkeit kosten (1. Timotheus 6:9, 10). Viele sind dabei, ihr Leben zu vereinfachen, um mehr Zeit für den Predigtdienst zu haben und vielleicht sogar Vollzeit­verkündiger zu sein. Es gibt einfach nichts Vernünftigeres, denn richtig glücklich und zufrieden wird man erst, wenn man den Königreichs­interessen im Leben den richtigen Stellenwert einräumt (Matthäus 6:33).

      16, 17. (a) Worin zeigte sich, dass Jesus in dem, was er sich selbst abverlangte, bescheiden und realistisch war? (b) Wie können wir beweisen, dass wir keine überzogenen Erwartungen an uns haben?

      16 In der Bibel wird Weisheit mit Bescheidenheit und somit auch mit dem Bewusstsein für die eigenen Grenzen in Verbindung gebracht (Sprüche 11:2). Jesus war bescheiden und realistisch in dem, was er sich selbst abverlangte. Er wusste, dass er nicht jeden für seine Botschaft gewinnen würde (Matthäus 10:32-39). Ferner war ihm klar, dass er nicht alle Menschen persönlich erreichen konnte. Deshalb vertraute er das Werk des Jüngermachens vernünftiger­weise seinen Nachfolgern an (Matthäus 28:18-20). Bescheiden sagte er, sie würden „noch größere Taten vollbringen“ als er, denn sie würden in einem größeren Gebiet und über einen längeren Zeitraum viel mehr Leute erreichen (Johannes 14:12). Außerdem erkannte Jesus an, dass auch er Hilfe brauchte. Er nahm in der Wildnis den Beistand von Engeln an, die kamen, um sich um ihn zu kümmern, und er ließ sich helfen, als im Garten Gethsemane ein Engel zu seiner Stärkung erschien. In den schlimmsten Augenblicken seines Lebens schrie der Sohn Gottes buchstäblich um Hilfe (Matthäus 4:11; Lukas 22:43; Hebräer 5:7).

      17 Auch wir müssen in unseren Erwartungen an uns selbst bescheiden und realistisch sein. Sicher möchten wir mit ganzem Herzen und ganzer Kraft predigen und Menschen zu Jüngern Jesu machen (Lukas 13:24; Kolosser 3:23). Aber denken wir daran, dass uns Jehova nicht mit anderen vergleicht, also sollten auch wir das nicht tun (Galater 6:4). Weisheit wird uns helfen, uns je nach unseren individuellen Fähigkeiten und Umständen realistische Ziele zu setzen. Und wenn jemand, der Verantwortung zu tragen hat, sich von Weisheit leiten lässt, wird er seine Grenzen anerkennen und sich eingestehen, dass er ebenfalls von Zeit zu Zeit Unterstützung braucht. Aus Bescheidenheit wird er Hilfe dankbar annehmen, weil er erkennt, dass Jehova ihn durch Mitgläubige „viel Trost erfahren“ lassen kann (Kolosser 4:11).

      18, 19. (a) Was zeigt, dass Jesus seinen Jüngern gegenüber vernünftig und positiv eingestellt war? (b) Warum haben wir allen Grund, geduldig und vernünftig miteinander umzugehen, und wie gelingt uns das?

      18 „Die Weisheit von oben … ist … vernünftig“, heißt es in Jakobus 3:17. Jesus war gegenüber seinen Jüngern vernünftig und positiv eingestellt. Obwohl er ihre Fehler genau kannte, suchte er immer das Gute in ihnen (Johannes 1:47). Er wusste, dass sie ihn in der Nacht seiner Festnahme im Stich lassen würden, doch er zweifelte nicht an ihrer Loyalität (Matthäus 26:31-35; Lukas 22:28-30). Petrus leugnete drei Mal, Jesus überhaupt zu kennen. Dennoch flehte Jesus für ihn und brachte zum Ausdruck, dass er auf seine Treue vertraute (Lukas 22:31-34). Als Jesus in der letzten Nacht seines Lebens auf der Erde zu seinem Vater betete, konzentrierte er sich nicht auf die Fehler, die seine Jünger irgendwann einmal gemacht hatten, sondern stellte fest: „Sie haben sich an dein Wort gehalten“ (Johannes 17:6). Trotz ihrer Unvollkommen­heiten übertrug er ihnen die Aufgabe, die Botschaft vom Königreich zu predigen und Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Matthäus 28:19, 20). Jesus ließ seine Jünger wissen, dass er ihnen vertraute und sich auf sie verließ; das hat sie für die vor ihnen liegende Tätigkeit bestimmt gestärkt.

      19 Nachfolger Jesu haben allen Grund, sich in dieser Hinsicht an ihm ein Beispiel zu nehmen. Wenn schon der vollkommene Sohn Gottes mit seinen unvollkommenen Jüngern geduldig war, dann sollten wir als sündige Menschen im Umgang miteinander erst recht vernünftig sein (Philipper 4:5). Statt uns auf die Fehler unserer Brüder und Schwestern zu konzentrieren, wäre es besser, das Gute in ihnen zu suchen. Vergessen wir nicht, dass Jehova sie gezogen hat (Johannes 6:44). Er muss also Gutes in ihnen sehen, und wir sollten das auch. Eine positive Einstellung lässt uns nicht nur „über Fehler hinwegsehen“, sondern auch nach Bereichen Ausschau halten, in denen wir andere loben können (Sprüche 19:11, Hoffnung für alle). Wenn wir unseren Brüdern und Schwestern in der Versammlung Vertrauen entgegenbringen, helfen wir ihnen, im Dienst für Jehova ihr Bestes zu geben und Freude an diesem Dienst zu finden (1. Thessalonicher 5:11).

      20. Wie sollten wir mit dem Weisheitsschatz in den Evangelien umgehen, und warum?

      20 Die Evangelien­berichte über Jesu Leben und Dienst sind eine echte Fundgrube voll unbezahlbarer Schätze der Weisheit. Wie sollten wir damit umgehen? Jesus forderte seine Zuhörer am Schluss der Bergpredigt auf, seine weisen Worte nicht nur zu hören, sondern auch danach zu leben (Matthäus 7:24-27). Wenn wir unsere Gedanken, unsere Beweggründe und unser Verhalten nach den weisen Worten und Taten Jesu ausrichten, können wir schon heute das bestmögliche Leben führen und auf dem Weg zum ewigen Leben bleiben (Matthäus 7:13, 14). Es gibt einfach keinen besseren oder weiseren Lebensweg!

      a Die Rede, die Jesus an jenem Tag hielt, ist heute als „die Bergpredigt“ bekannt. Die entsprechende Textpassage in Matthäus 5:3 bis 7:27 umfasst 107 Verse und würde als Vortrag wohl nur etwa 20 Minuten dauern.

      b Als sich bei Jesu Taufe der Himmel öffnete, konnte er sich offensichtlich wieder an seine vormenschliche Existenz erinnern (Matthäus 3:13-17).

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Was zu tun wäre weise, wenn man spürt, dass man einen Bruder oder eine Schwester verletzt hat? (Matthäus 5:23, 24).

      • Wie können uns Jesu Worte helfen, auf Beleidigungen oder Provokationen weise zu reagieren? (Matthäus 5:38-42).

      • Wie kann uns das Nachdenken über Jesu Worte zu einer ausgeglichenen Ansicht über Geld und Besitz verhelfen? (Matthäus 6:24-34).

      • Wie kann uns Jesu Beispiel helfen, vernünftig zu entscheiden, wenn es um Prioritäten im Leben geht? (Lukas 4:43; Johannes 4:34).

  • „Er lernte Gehorsam“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SECHS

      „Er lernte Gehorsam“

      1, 2. Warum freut sich ein liebevoller Vater, wenn er sieht, dass sein Sohn gehorcht, und inwiefern kann man ihn mit Jehova vergleichen?

      EIN Vater steht am Fenster und beobachtet, wie sein Sohn im Hof mit ein paar Freunden Ball spielt. Der Ball rollt auf die Straße. Der Kleine schaut ihm sehnsüchtig nach. Als ein Freund ihn drängt hinterherzulaufen, schüttelt der Junge den Kopf und sagt: „Nein, das darf ich nicht.“ Der Vater lächelt zufrieden.

      2 Worüber freut sich der Vater? Er hat seinem Sohn eingeschärft, dass er nicht allein auf die Straße gehen darf. Gehorcht der Junge – obwohl er sich nicht beobachtet fühlt –, dann weiß der Vater, dass sein Sohn Gehorsam lernt und dadurch viel weniger Gefahren ausgesetzt ist. Dem Vater dieses Jungen geht es ähnlich wie unserem himmlischen Vater, Jehova. Gott weiß, dass wir nur dann treu bleiben und die herrliche Zukunft, die er für uns bereithält, erleben können, wenn wir lernen, ihm zu gehorchen und auf ihn zu vertrauen (Sprüche 3:5, 6). Deshalb hat er uns den besten Lehrer aller Zeiten gesandt.

      3, 4. Wie ist es zu erklären, dass Jesus Gehorsam lernte und „vollkommen gemacht“ wurde? Führe einen Vergleich an.

      3 Die Bibel sagt etwas Erstaunliches über Jesus: „Obwohl er Sohn war, lernte er Gehorsam durch das, was er litt. Und nachdem er vollkommen gemacht worden war, wurde er für die ewige Rettung all derer verantwortlich, die ihm gehorchen“ (Hebräer 5:8, 9). Jehovas erstgeborener Sohn hatte unvorstellbar lange im Himmel gelebt. Er sah den Teufel und andere Engel rebellieren, schloss sich ihnen jedoch niemals an. In einer inspirierten Prophezeiung, die sich auf Jesus bezieht, heißt es: „Ich widersetzte mich nicht“ (Jesaja 50:5). Wieso konnte dann von Jesus, der schon in allem gehorsam war, gesagt werden, dass er Gehorsam lernte? Wie konnte solch ein vollkommenes Geschöpf „vollkommen gemacht“ werden?

      4 Dazu ein Vergleich: Ein Soldat besitzt ein eisernes Schwert. Es ist von allerbester Machart, wurde aber noch nie in der Schlacht erprobt. Nun tauscht er sein Schwert gegen ein stabileres ein, eines aus gehärtetem Stahl. Dieses neue Schwert hat sich in der Schlacht schon gut bewährt. Ist das nicht ein guter Tausch? Ähnlich verhält es sich mit Jesu Gehorsam. Jesus war bereits vollkommen gehorsam, bevor er auf die Erde kam. Doch als er die Erde verließ, war sein Gehorsam von ganz anderer Güte. Er war jetzt erprobt, sozusagen gehärtet durch Prüfungen, denen Jesus im Himmel niemals hätte begegnen können.

      5. Warum war Jesu Gehorsam so wichtig, und worauf wird in diesem Kapitel eingegangen?

      5 Für den Auftrag, den Jesus auf der Erde zu erfüllen hatte, war Gehorsam entscheidend. Als „der letzte Adam“ sollte er das tun, was unser Vorvater Adam zu tun versäumt hatte, nämlich Jehova Gott auch unter Prüfungen treu bleiben (1. Korinther 15:45). Jesu Gehorsam war allerdings nicht mechanisch. Er gehorchte von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Sinn. Und er hatte Freude dabei. Den Willen seines Vaters auszuführen war für ihn wichtiger, als zu essen! (Johannes 4:34). Wie können wir Jesu Gehorsam nachahmen? Sehen wir uns zunächst seine Beweggründe an. Wenn wir Beweggründe entwickeln, wie Jesus sie hatte, fällt es uns leichter, Versuchungen zu widerstehen und zu tun, was Gott will. Anschließend werden wir uns damit befassen, welcher Lohn uns erwartet, wenn wir wie Jesus gehorsam sind.

      Warum Jesus gehorsam war

      6, 7. Nenne Gründe, warum Jesus gehorsam war.

      6 Jesu Gehorsam kam aus seinem Herzen. Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, war er von Herzen demütig. Stolzen Menschen widerstrebt es, zu gehorchen, demütige dagegen gehorchen Jehova gern (2. Mose 5:1, 2; 1. Petrus 5:5, 6). Jesu Gehorsam war auch darauf zurückzuführen, dass er bestimmte Dinge liebte und andere hasste.

      7 Seine Liebe galt vor allem seinem himmlischen Vater Jehova. In Kapitel 13 wird darauf näher eingegangen. Diese Liebe war die Triebfeder seiner Gottesfurcht. Er liebte und achtete seinen Vater so sehr, dass er ihm unter keinen Umständen missfallen wollte. Gottesfurcht war ein Grund, warum Jesu Gebete erhört wurden (Hebräer 5:7). Außerdem ist sie ein markantes Kennzeichen seiner Herrschaft als messianischer König (Jesaja 11:3).

      Zwei Brüder stehen vor einem Plakat, das Werbung für einen brutalen Film macht. Der eine Bruder verzieht das Gesicht, der andere wendet sich ab.

      Ist an deiner Freizeit­gestaltung zu erkennen, dass du Böses hasst?

      8, 9. Wie war Jesus – in Erfüllung einer Prophezeiung – zu Gerechtigkeit und zu Schlechtigkeit eingestellt, und wie äußerte sich das?

      8 Jehova zu lieben bedeutet auch, zu hassen, was er hasst. Das zeigt zum Beispiel folgende an den messianischen König gerichtete Prophezeiung: „Gerechtigkeit hast du geliebt und Schlechtigkeit gehasst. Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl der Freude gesalbt, mehr als deine Gefährten“ (Psalm 45:7). Jesu „Gefährten“ waren die anderen Könige aus der Linie Davids. Jesus hat mehr Grund, sich über seine Salbung zu freuen, als sie alle. Warum? Weil Jesus im Vergleich zu ihnen einen weit größeren Lohn erhält und sein Königtum unendlich mehr Gutes bewirkt. Jesus wird so reich belohnt, weil er aus Liebe zur Gerechtigkeit und aus Hass auf das Böse Gott in allem gehorchte.

      9 Wie äußerte es sich, dass Jesus Gerechtigkeit liebte und Schlechtigkeit hasste? Nun, wie reagierte er zum Beispiel, als seine Nachfolger seine Predigt­anweisungen befolgten und daraufhin gesegnet wurden? Er freute sich von ganzem Herzen (Lukas 10:1, 17, 21). Und wie empfand er, als sich die Bewohner Jerusalems immer wieder ungehorsam zeigten und seine liebevollen Bemühungen zurückwiesen? Er weinte, weil sie so rebellisch waren (Lukas 19:41, 42). Ja, es berührte Jesus sehr, wenn Menschen Gutes oder wenn sie Böses taten.

      10. Welche Einstellung zu richtigem und falschem Handeln müssen wir entwickeln, und was hilft uns dabei?

      10 Über Jesu Einstellung nachzudenken hilft uns herauszufinden, aus welchen Beweggründen wir persönlich Jehova gehorchen. Trotz unserer Unvollkommenheit können wir es lernen, Gutes von Herzen zu lieben und Böses abgrundtief zu hassen. Bitten wir Jehova um Hilfe, wie er und sein Sohn zu empfinden (Psalm 51:10). Gleichzeitig müssen wir uns vor Einflüssen hüten, die diesem Wunsch entgegenwirken. Seien wir wählerisch, was Freizeit­gestaltung und Umgang betrifft (Sprüche 13:20; Philipper 4:8). Wenn wir wie Jesus eingestellt sind, ist Gehorsam für uns keine reine Formsache. Wir werden das Richtige tun, weil wir es gern tun. Und wir werden uns vor falschem Verhalten hüten, weil wir es hassen, nicht weil wir Angst haben, ertappt zu werden.

      „Er beging keine Sünde“

      11, 12. (a) In welche Lage kam Jesus bald nach Beginn seines Dienstes? (b) Wie brachte Satan Jesus als Erstes in Versuchung, und mit welcher Gerissenheit ging er dabei vor?

      11 Wie sehr Jesus das Böse hasste, stellte sich schon bald nach Beginn seines Dienstes heraus. Nach seiner Taufe verbrachte er 40 Tage und Nächte, ohne zu essen, in der Wildnis. Da kam Satan, um ihn zu versuchen. Beachten wir, wie gerissen der Teufel vorging (Matthäus 4:1-11).

      12 Zuerst sagte er: „Wenn du ein Sohn Gottes bist, dann sag diesen Steinen, sie sollen sich in Brote verwandeln“ (Matthäus 4:3). In welcher Verfassung war Jesus nach so langem Fasten? Die Bibel sagt, dass er hungrig war (Matthäus 4:2). Satan wollte also das natürliche Bedürfnis nach Nahrung ausnutzen und wartete sicher deshalb ab, bis Jesus körperlich geschwächt war. Beachten wir zudem die provokative Formulierung: „Wenn du ein Sohn Gottes bist …“ Dem Teufel war klar, dass Jesus „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“ war (Kolosser 1:15). Jesus ließ sich durch diese Provokation nicht zum Ungehorsam hinreißen. Er wusste, dass er seine Kräfte nicht eigennützig einsetzen sollte. Deshalb tat er es auch nicht und zeigte dadurch, dass er sich demütig auf Jehovas Hilfe und Anleitung verließ (Matthäus 4:4).

      13-15. (a) Worin bestanden Satans nächste zwei Versuchungen, und wie reagierte Jesus darauf? (b) Wieso wissen wir, dass Jesus vor Satan immer auf der Hut sein musste?

      13 Bei seiner zweiten Versuchung nahm Satan Jesus mit auf die Brüstung des Tempels. Durch geschicktes Verdrehen des Wortes Gottes wollte er Jesus dazu bringen, sich groß in Szene zu setzen. Er sollte sich in die Tiefe stürzen und sich dann von Engeln retten lassen. Wenn die vielen Menschen im Tempelgebiet so ein Wunder mitbekommen hätten, hätte da noch irgendjemand zu bezweifeln gewagt, dass Jesus wirklich der verheißene Messias ist? Und wenn man Jesus wegen dieses Schauspiels als Messias angenommen hätte, wären ihm da nicht viele Härten und Schwierigkeiten erspart geblieben? Schon möglich. Doch Jesus wusste, dass Jehova vom Messias erwartete, seinen Dienst in aller Demut durchzuführen und die Menschen nicht durch sensationelle Auftritte zum Glauben an ihn zu bringen (Jesaja 42:1, 2). Deshalb ließ er sich auch bei dieser Versuchung nicht zum Ungehorsam verleiten. Berühmtheit übte keinen Reiz auf ihn aus.

      14 Ließ sich Jesus durch die Aussicht auf Macht locken? Bei seiner dritten Versuchung bot Satan Jesus für einen einzigen Akt der Anbetung alle Reiche der Welt an. Zog Jesus dieses Angebot ernsthaft in Betracht? Nein, er sagte: „Geh weg, Satan! Denn in den Schriften steht: ‚Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten und für ihn allein sollst du heiligen Dienst tun‘“ (Matthäus 4:10). Jesus ließ sich durch absolut nichts dazu verleiten, einen anderen Gott anzubeten. Keine Macht und kein Einfluss dieser Welt hätten ihn dazu gebracht, Jehova in irgendeiner Weise ungehorsam zu werden.

      15 Gab Satan nun auf? Nachdem Jesus ihn so energisch abgewiesen hatte, verschwand er. Doch gemäß dem Lukasevangelium „wartete [er] auf einen anderen günstigen Zeitpunkt“ (Lukas 4:13). Ja, Satan würde bis zu Jesu Tod immer wieder Gelegenheiten suchen, ihn auf die Probe zu stellen und in Versuchung zu bringen. Wie die Bibel sagt, wurde Jesus „in allem auf die Probe gestellt“ (Hebräer 4:15). Er musste also immer auf der Hut sein, und das Gleiche gilt für uns.

      16. Wie bringt Satan Gottes Diener heute in Versuchung, und wie können wir dagegen angehen?

      16 Satan bringt Gottes Diener auch heute immer wieder in Versuchung. Wegen unserer Unvollkommen­heiten hat er dabei leider oft ein leichtes Spiel. Raffiniert appelliert er an Egoismus, Stolz und Machtgier – und durch materielle Verlockungen unter Umständen sogar an alle drei gleichzeitig! Deshalb ist es wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit innehalten und uns ehrlich prüfen. Denken wir über die Worte in 1. Johannes 2:15-17 nach. Fragen wir uns, ob das Verlangen des sündigen Körpers, das Verlangen nach Besitz oder der Wunsch zu beeindrucken die Liebe zu unserem himmlischen Vater irgendwie untergraben haben. Vergessen wir nicht, dass die heutige Welt ihrem Ende entgegengeht, ebenso ihr Herrscher, Satan. Geben wir ihm keine Chance, uns mit List zum Sündigen zu verleiten! Lassen wir uns von unserem Herrn, Jesus, anspornen, denn „er beging keine Sünde“ (1. Petrus 2:22).

      „Ich tue immer das, was ihm gefällt“

      17. Wie war Jesus zum Gehorsam gegenüber seinem Vater eingestellt, und was könnte jemand einwenden?

      17 Gehorsam zu sein bedeutet viel mehr, als nur Sünden zu unterlassen. Christus verhielt sich nie passiv, wenn es darum ging, die Gebote seines Vaters zu befolgen. Er erklärte: „Ich [tue] immer das …, was ihm gefällt“ (Johannes 8:29). Dieser Gehorsam war für ihn mit viel Freude verbunden. Natürlich könnte jetzt jemand einwenden: „Für Jesus war es nicht schwer, gehorsam zu sein. Er war ja nur Jehova verantwortlich, und Jehova ist vollkommen, während wir oft unvollkommenen Menschen rechenschafts­pflichtig sind.“ Tatsache ist jedoch, dass sich auch Jesus der Autorität unvollkommener Menschen unterordnete.

      18. Was kann man aus Jesu Kindheit über Gehorsam lernen?

      18 Als Kind und Jugendlicher unterstand Jesus der Autorität seiner unvollkommenen Eltern, Joseph und Maria. Wahrscheinlich sah er die Fehler seiner Eltern deutlicher als die meisten anderen Kinder. War er deswegen rebellisch? Setzte er sich über die Rolle, die Gott für Kinder festgelegt hatte, hinweg, und machte er seinen Eltern Vorschriften, wie sie sich um ihre Familie zu kümmern hätten? In Lukas 2:51 heißt es über den 12-jährigen Jesus: „[Er] ordnete sich ihnen weiter unter.“ Durch seinen Gehorsam ist Jesus ein hervorragendes Beispiel für christliche Jugendliche, die sich anstrengen, ihren Eltern zu gehorchen und sie entsprechend zu respektieren (Epheser 6:1, 2).

      19, 20. (a) Vor welchen besonderen Heraus­forderungen stand Jesus, was den Gehorsam gegenüber unvollkommenen Menschen betrifft? (b) Warum sollten wahre Christen heute denen gehorchen, die unter ihnen die Führung haben?

      19 Was den Gehorsam gegenüber unvollkommenen Menschen angeht, stand Jesus sogar vor Heraus­forderungen, denen wahre Christen von heute nie begegnen werden. Überlegen wir einmal, in welch einer Zeit er lebte. Der Tempel in Jerusalem, die Priesterschaft, ja das gesamte jüdische Religionssystem, das Jehova lange gutgeheißen hatte, sollte schon bald verworfen und durch die Christen­versammlung ersetzt werden (Matthäus 23:33-38). Unter dem Einfluss der griechischen Philosophie hatten viele Religionsführer begonnen, Irrlehren zu verbreiten. Im Tempel hatte sich eine derartige Korruption breitgemacht, dass Jesus ihn eine „Räuberhöhle“ nannte (Markus 11:17). Hielt er sich deswegen vom Tempel und von den Synagogen fern? Nein! Jehova benutzte diese Einrichtungen noch. Solange Gott nicht einschritt und etwas änderte, ging Jesus gehorsam in die Synagoge und zu den Festen im Tempel (Lukas 4:16; Johannes 5:1).

      20 Wenn Jesus unter solchen Umständen gehorsam war, dann sollten es wahre Christen heute erst recht sein! Schließlich leben wir jetzt in einer ganz anderen Zeit – der seit Langem vorausgesagten Epoche, in der die reine Anbetung wiederher­gestellt werden würde. Gott versichert uns, nie zuzulassen, dass sein wiederher­gestelltes Volk von Satan verdorben wird (Jesaja 2:1, 2; 54:17). Es stimmt zwar, dass wir in der Christen­versammlung mit Sünden und Unvollkommen­heiten konfrontiert werden, aber sollten wir das als Vorwand benutzen, Jehova ungehorsam zu werden und vielleicht die Zusammenkünfte nicht mehr zu besuchen oder an den Ältesten Kritik zu üben? Niemals! Wir möchten vielmehr die Brüder, die in der Versammlung die Führung haben, von Herzen unterstützen. Aus Gehorsam besuchen wir die Zusammenkünfte und Kongresse und befolgen den biblischen Rat, den wir dort erhalten (Hebräer 10:24, 25; 13:17).

      Brüder und Schwestern unterhalten sich vor einem Königreichssaal und es herrscht gute Stimmung.

      Wir setzen das, was wir in den Zusammenkünften lernen, gehorsam in die Tat um

      21. Wie reagierte Jesus, als ihn Menschen dazu bringen wollten, Gott ungehorsam zu sein, und inwiefern ist das für uns ein Beispiel?

      21 Jesus ließ sich von niemandem – auch nicht von wohlmeinenden Freunden – davon abbringen, Jehova zu gehorchen. Der Apostel Petrus zum Beispiel wollte seinem Herrn einmal einreden, er solle nicht so hart zu sich sein und es sei nicht notwendig, zu leiden und zu sterben. Jesus wies diesen gut gemeinten, aber völlig unpassenden Rat entschieden zurück (Matthäus 16:21-23). Nachfolger Jesu haben heute oft Verwandte, die in guter Absicht versuchen, sie vom Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen und Grundsätzen abzubringen. Wie die Jünger Jesu im 1. Jahrhundert vertreten wir den Standpunkt: „Wir müssen Gott als Herrscher gehorchen statt Menschen“ (Apostel­geschichte 5:29).

      Der Lohn für Gehorsam

      22. Auf welche Frage lieferte Jesus eine Antwort, und wie?

      22 Als Jesus den Tod vor Augen hatte, machte er seine härteste Gehorsamsprüfung durch. An jenem düsteren Tag „lernte er Gehorsam“ im wahrsten Sinne des Wortes. Er tat nicht, was er wollte, sondern was sein Vater wollte (Lukas 22:42). Dadurch zeigte er auf perfekte Weise, was Integrität, also vollkommene Ergebenheit gegenüber Jehova, bedeutet (1. Timotheus 3:16). Durch ihn wurde eine seit Langem im Raum stehende Frage beantwortet: Kann ein vollkommener Mensch Jehova auch unter Prüfungen treu bleiben? Adam hatte versagt, ebenso Eva. Dann kam Jesus, lebte, starb und stellte damit alles klar. Er, der Größte unter Jehovas Geschöpfen, gab eine Antwort, die überzeugender nicht hätte sein können. Er gehorchte, selbst wenn er dafür einen hohen Preis zahlen musste.

      23-25. (a) Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gehorsam und Integrität? Veranschauliche es. (b) Worum geht es im nächsten Kapitel?

      23 Von Herzen kommende Ergebenheit gegenüber Jehova kommt durch Gehorsam zum Ausdruck. Da Jesus gehorsam war, konnte er Jehova völlig ergeben bleiben und zum Wohl der ganzen Menschheit beitragen (Römer 5:19). Dafür wurde er von Jehova reich belohnt. Jehova wird auch uns belohnen, wenn wir Christus, unserem Herrn, gehorchen. Dieser Gehorsam führt zu „ewiger Rettung“ (Hebräer 5:9).

      24 Integrität ist auch an sich schon etwas Lohnendes. In Sprüche 10:9 heißt es: „Wer den Weg der Integrität geht, wird in Sicherheit leben.“ Würde man Integrität mit einem stattlichen Haus aus soliden Ziegelsteinen vergleichen, wäre jede Gehorsamstat einer dieser Ziegelsteine. So ein einzelner Stein erscheint vielleicht unbedeutend, doch jeder hat seinen Platz und seinen Wert. Werden viele Steine zusammengefügt, entsteht ein sehr wertvolles Ganzes. Wenn wir daher Tag für Tag und Jahr für Jahr bei vielen Gelegenheiten immer wieder gehorsam sind, bauen wir sozusagen unser eigenes schönes Haus der Integrität.

      25 Gehorsam, der sich über lange Zeit erstreckt, ist auch mit Ausharren verbunden. Im nächsten Kapitel geht es darum, was für ein Beispiel Jesus in dieser Hinsicht gab.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie lauten einige Gebote Christi, wie können wir sie befolgen, und welche guten Auswirkungen hat das? (Johannes 15:8-19).

      • Wie dachten Jesu Verwandte zu Beginn über seine Tätigkeit, und was lernen wir aus Jesu Umgangsweise mit ihnen? (Markus 3:21, 31-35).

      • Warum brauchen wir nie zu befürchten, dass wir uns ein glückliches Leben verbauen, wenn wir Jehova gehorchen? (Lukas 11:27, 28).

      • Was lehrt uns Jesu Bereitschaft, ein Gesetz zu befolgen, das eigentlich gar nicht auf ihn zutraf? (Matthäus 17:24-27).

  • „Betrachtet genau“ das Ausharren Jesu
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SIEBEN

      „Betrachtet genau“ das Ausharren Jesu

      1-3. (a) Unter welchem Druck steht Jesus im Garten Gethsemane, und was ist der Grund dafür? (b) Was ist über Jesu Beispiel des Ausharrens zu sagen, und welche Fragen erheben sich?

      DER Druck ist enorm. Jesus war noch nie zuvor einer solchen mentalen und emotionalen Belastung ausgesetzt. Vor ihm liegen die letzten Stunden seines Lebens auf der Erde. Mit seinen Aposteln geht er zum Garten Gethsemane, einem vertrauten Ort, an dem er schon oft mit ihnen zusammen war. An diesem Abend möchte er jedoch etwas allein sein. Er geht ohne sie weiter in den Garten hinein, kniet nieder und beginnt zu beten. Er betet so inständig und ist so voller Sorge, dass sein Schweiß wie Blutstropfen ist, die zur Erde fallen (Lukas 22:39-44).

      2 Warum ist Jesus so in Sorge? Er weiß natürlich, dass ihm große körperliche Qualen bevorstehen, doch der eigentliche Grund für seine Besorgnis ist viel schwerwiegender. Er ist tief beunruhigt wegen des Namens seines Vaters, und er weiß, dass von seiner Treue die Zukunft der Menschheits­familie abhängt. Jesus ist sich bewusst, wie wichtig es ist, dass er ausharrt. Würde er jetzt versagen, brächte er große Schande auf Jehovas Namen. Doch Jesus versagt nicht. An jenem Tag, kurz vor seinem letzten Atemzug, stößt der Mann, der das vollendetste Beispiel an Ausharren auf der Erde gab, die triumphierenden Worte aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30).

      3 Die Bibel fordert uns auf, Jesu Ausharren genau zu betrachten (Hebräer 12:3). Damit sind wichtige Fragen verbunden: Was waren einige der Prüfungen, die Jesus erduldete? Warum konnte er ausharren? Wie können wir seinem Beispiel folgen? Bevor wir diese Fragen beantworten, möchten wir uns jedoch erst darüber klar werden, was Ausharren bedeutet.

      Was ist Ausharren?

      4, 5. (a) Was bedeutet „Ausharren“? (b) Wie lässt sich veranschaulichen, dass zum Ausharren mehr gehört, als unausweichlichen Härten ausgesetzt zu sein?

      4 Jeder von uns hat von Zeit zu Zeit „unter verschiedenen Prüfungen zu leiden“ (1. Petrus 1:6). Bedeutet jedoch der Umstand, dass wir eine Prüfung durchmachen, an sich schon, dass wir darin ausharren? Nein. Das mit „Ausharren“ übersetzte griechische Substantiv bezeichnet auch „die Geduld, die im Ertragen v[on] Leiden bewiesen wird“. Das Ausharren, von dem in der Bibel die Rede ist, wird von einem Bibelgelehrten wie folgt kommentiert: „Es ist der Geist, der Belastungen tragen kann, nicht in Resignation, sondern in strahlender Hoffnung. … [Es] lässt einen Mann aufrecht stehen und dem Sturm trotzen. Es ist die Tugend, die die härteste Prüfung in Sieg verwandeln kann, weil sie hinter der Pein das Ziel sieht.“

      5 Mit Ausharren ist also nicht lediglich gemeint, unausweichlichen Härten ausgesetzt zu sein. Die biblische Bedeutung schließt Standfestigkeit ein, das Bewahren der richtigen Grundhaltung und einer zuversichtlichen Einstellung angesichts von Prüfungen. Dazu eine Veranschaulichung: Zwei Männer sind unter ähnlichen Bedingungen, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen in Haft. Der eine, ein gemeiner Verbrecher, sitzt widerwillig und mürrisch-resignierend seine Strafe ab. Der andere, ein echter Christ, der wegen seines Glaubens und seiner Treue inhaftiert ist, bleibt standhaft und positiv, weil er in dieser Lage die Möglichkeit sieht, Glauben zu beweisen. Den Verbrecher würde man bestimmt nicht als Vorbild im Ausharren ansehen, wohl aber den treuen Christen (Jakobus 1:2-4).

      6. Wie entwickeln wir Ausharren?

      6 Ausharren ist für unsere Rettung unerlässlich (Matthäus 24:13). Allerdings ist uns die Fähigkeit zum Ausharren nicht angeboren. Ausharren muss man lernen. Wie? In Römer 5:3 heißt es, dass man „durch Schwierigkeiten Ausharren lernt“. Wenn wir also wirklich Ausharren entwickeln wollen, können wir nicht allen Glaubens­prüfungen ängstlich aus dem Weg gehen. Wir müssen uns ihnen stellen. Wir müssen die großen und kleinen Heraus­forderungen, die jeder Tag mit sich bringt, annehmen und bewältigen. Jede Prüfung, die wir meistern, stärkt uns für die nächste. Allerdings können wir nicht aus eigener Kraft Ausharren entwickeln. Wir sind von der Kraft abhängig, die Gott gibt (1. Petrus 4:11). Jehova möchte, dass wir standhaft bleiben, und bietet uns daher die beste Hilfe an, die es gibt – das Vorbild seines Sohnes. Sehen wir uns einmal genauer an, was Jesus in vollkommener Treue erduldete.

      Was Jesus erduldete

      7, 8. Was ertrug Jesus am Ende seines irdischen Lebens?

      7 Am Ende seines irdischen Lebens ertrug Jesus eine Grausamkeit nach der anderen. Zu der extremen mentalen Belastung in seiner letzten Nacht kamen gewaltige Enttäuschungen und Demütigungen hinzu. Er wurde von einem engen Vertrauten verraten, von seinen besten Freunden im Stich gelassen und in einem ungesetzlichen Verhör von Mitgliedern des obersten religiösen Gerichts des Landes verspottet, angespuckt und mit Fäusten geschlagen. Das alles ertrug er jedoch mit stiller Würde und innerer Kraft (Matthäus 26:46-49, 56, 59-68).

      8 In seinen letzten Stunden war Jesus schrecklichen körperlichen Qualen ausgesetzt. Er wurde gegeißelt – eine entsetzliche Art der Auspeitschung, die laut einer Fachzeitschrift „tiefe streifenförmige Risswunden und erheblichen Blutverlust“ zur Folge hat. Er wurde auf eine Weise hingerichtet, die zu einem „langsamen Tod unter größten Qualen“ führte. Wie muss Jesus gelitten haben, als man lange Nägel durch seine Handgelenke und Füße in den Pfahl schlug! (Johannes 19:1, 16-18). Welche furchtbaren Schmerzen müssen durch seinen Körper gefahren sein, als der Pfahl aufgerichtet wurde, das Gewicht seines Körpers an den Nagelwunden zerrte und sein geschundener Rücken am Holz scheuerte! Zu diesen körperlichen Qualen kam noch die zu Beginn des Kapitels beschriebene Belastung hinzu.

      9. Was bedeutet es für uns, unseren Marterpfahl zu nehmen und Jesus nachzufolgen?

      9 Was könnten wir als Christi Nachfolger zu erdulden haben? Jesus sagte: „Wer ein Nachfolger von mir sein will, muss … seinen Marterpfahl nehmen und mir ständig folgen“ (Matthäus 16:24). Das Wort „Marterpfahl“ steht hier in übertragenem Sinn für Leiden, Schande, ja sogar Tod. Christus nachzufolgen ist nicht leicht. Durch unsere christlichen Maßstäbe heben wir uns von der Welt ab. Wir sind kein Teil der Welt und deshalb hasst uns die Welt (Johannes 15:18-20; 1. Petrus 4:4). Dennoch sind wir bereit, unseren Marterpfahl zu nehmen – ja wir sind darauf gefasst, eher zu leiden oder zu sterben, als unserem Vorbild Jesus nicht mehr nachzufolgen (2. Timotheus 3:12).

      10-12. (a) Inwiefern wurde Jesu Ausharren durch die Unvollkommen­heiten der Menschen, die ihn umgaben, auf die Probe gestellt? (b) Unter welchen schwierigen Umständen harrte Jesus aus?

      10 Jesus hatte während seines Dienstes auf der Erde auch Prüfungen durchzumachen, die auf die Unvollkommen­heiten von Menschen zurückzuführen waren. Wie wir wissen, hatte er seinem Vater als „Werkmeister“ gedient, als die Erde und alles Leben darauf erschaffen wurde (Sprüche 8:22-31). Jesus kannte somit Jehovas Vorhaben für die Menschen: Sie sollten Gottes Eigenschaften widerspiegeln und ein Leben in vollkommener Gesundheit genießen (1. Mose 1:26-28). Als Jesus auf der Erde lebte, sah er die tragischen Folgen der Sünde aus einem anderen Blickwinkel. Er war jetzt selbst ein Mensch. Er empfand und fühlte wie ein Mensch. Wie weh muss es ihm getan haben, so direkt mitzuerleben, wie weit die Menschen von der ursprünglichen Vollkommenheit Adams und Evas entfernt waren! Dadurch wurde sein Ausharren auf die Probe gestellt. Würde er die sündige Menschheit als hoffnungslosen Fall betrachten und entmutigt aufgeben? Wir werden sehen.

      11 Die Gleich­gültigkeit der Juden bedrückte Jesus so sehr, dass er öffentlich in Tränen ausbrach. Ließ er sich jedoch durch ihr Desinteresse in seinem Eifer bremsen oder hörte er auf zu predigen? Im Gegenteil, er „lehrte weiter täglich im Tempel“ (Lukas 19:41-44, 47). Er war tieftraurig über die Gefühllosigkeit der Pharisäer, die genau aufpassten, um zu sehen, ob er am Sabbat einen gewissen Mann heilen würde. Ließ er sich von diesen selbstgerechten Gegnern einschüchtern? Absolut nicht! Entschlossen heilte er den Mann – und das mitten in der Synagoge! (Markus 3:1-5).

      12 Auch die Schwächen seiner engsten Gefährten müssen für Jesus eine Prüfung gewesen sein. Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, waren sie ständig auf ihre Stellung bedacht (Matthäus 20:20-24; Lukas 9:46). Mehr als einmal gab ihnen Jesus zu verstehen, wie wichtig Demut ist (Matthäus 18:1-6; 20:25-28). Aber sie lernten nur langsam. Noch an seinem letzten gemeinsamen Abend mit ihnen kam es unter seinen Jüngern „zu einer hitzigen Auseinander­setzung darüber, wer von ihnen als der Größte galt“ (Lukas 22:24). Gab Jesus sie auf, in der Meinung, dass ihnen ja ohnehin nicht mehr zu helfen sei? Nein. Er blieb geduldig, optimistisch und zuversichtlich und konzentrierte sich auf ihre guten Seiten. Er wusste, dass diese Männer Jehova im Grunde sehr liebten und wirklich seinen Willen ausführen wollten (Lukas 22:25-27).

      Eine Schwester geht ruhig und gefasst von einer Haustür weg, von wo aus ihr eine verärgerte Frau nachsieht.

      Lassen wir uns durch Ablehnung den Mut nehmen oder predigen wir eifrig weiter?

      13. Wie könnten wir ähnlich wie Jesus auf die Probe gestellt werden?

      13 Es kann durchaus passieren, dass wir ähnlich wie Jesus auf die Probe gestellt werden. Vielleicht haben wir mit Menschen zu tun, die gleichgültig oder sogar gegnerisch auf die Königreichs­botschaft reagieren. Predigen wir dann eifrig weiter oder lassen wir uns durch solche Negativreaktionen den Mut nehmen? (Titus 2:14). Eine weitere Herausforderung könnten die Unvollkommen­heiten unserer Glaubensbrüder sein. Vielleicht werden wir durch eine gedankenlose Bemerkung oder eine unbedachte Handlung in unseren Gefühlen verletzt (Sprüche 12:18). Geben wir deswegen auf oder ertragen wir weiterhin geduldig die Fehler unserer Brüder und suchen das Gute in ihnen? (Kolosser 3:13).

      Warum Jesus ausharrte

      14. Welche zwei Faktoren trugen dazu bei, dass Jesus standhaft bleiben konnte?

      14 Was half Jesus, trotz aller Demütigungen, Enttäuschungen und Leiden standhaft und Gott ergeben zu bleiben? Zwei Faktoren spielen hier eine besondere Rolle. Zum einen blickte Jesus nach oben und flehte zu dem „Gott, der Ausharren … schenkt“ (Römer 15:5). Zum anderen schaute er nach vorn und konzentrierte sich auf das, was durch sein Ausharren erreicht würde. Sehen wir uns diese beiden Faktoren einmal gesondert an.

      15, 16. (a) Was zeigt, dass Jesus sich nicht darauf verließ, aus eigener Kraft auszuharren? (b) Inwiefern vertraute Jesus auf seinen Vater, und warum?

      15 Obwohl Jesus der vollkommene Sohn Gottes war, verließ er sich nicht auf seine eigene Kraft. Nein, er wandte sich im Gebet an seinen himmlischen Vater und bat um Hilfe von oben. Wie der Apostel Paulus schrieb, „brachte Christus Flehen und auch Bitten mit starkem Schreien und Tränen vor dem dar, der ihn aus dem Tod retten konnte“ (Hebräer 5:7). Es ist beachtenswert, dass Jesus nicht nur Bitten, sondern auch Flehen darbrachte. Das Wort „Flehen“ bezeichnet eine besonders innige, eindringliche Bitte – ja ein Betteln um Hilfe. Im ursprünglichen griechischen Text steht das Wort für „Flehen“ in der Mehrzahl, was andeutet, dass Jesus mehr als einmal zu Jehova flehte. Tatsächlich sprach Jesus im Garten Gethsemane wiederholt ein inniges Gebet (Matthäus 26:36-44).

      16 Jesus vertraute völlig darauf, dass Jehova sein Flehen erhören würde, denn er kannte seinen Vater als den „Hörer des Gebets“ (Psalm 65:2). Als er noch im Himmel lebte, war er als erstgeborener Sohn Zeuge davon, wie sein Vater auf die Gebete loyaler Anbeter reagiert. So zum Beispiel, als der Prophet Daniel ein von Herzen kommendes Gebet sprach und Jehova einen Engel aussandte, noch bevor Daniel sein Gebet beendet hatte (Daniel 9:20, 21). Wie könnte Jehova dann seinen einziggezeugten Sohn nicht erhören, wenn ihm dieser „mit starkem Schreien und Tränen“ das Herz ausschüttete? Jehova reagierte selbst­verständlich auf die eindringlichen Bitten seines Sohnes und schickte ihm einen Engel, der ihn für die vor ihm liegende Prüfung stärkte (Lukas 22:43).

      17. Warum sollten wir den Blick nach oben richten, um auszuharren, und wie können wir das tun?

      17 Auch wir können nur ausharren, wenn wir unseren Blick nach oben richten – zu dem Gott, „der … Kraft gibt“ (Philipper 4:13). Wenn schon der vollkommene Sohn Gottes das Bedürfnis verspürte, Jehova um Hilfe anzuflehen, dann sollte das bei uns erst recht der Fall sein! Vielleicht müssen wir wie Jesus immer wieder zu Jehova flehen (Matthäus 7:7). Wir erwarten zwar nicht, dass uns ein Engel erscheint, doch eines wissen wir genau: Unser liebevoller Gott reagiert auf die Bitten loyaler Christen, die Tag und Nacht unaufhörlich flehen und beten (1. Timotheus 5:5). Welche Prüfung uns auch treffen mag – ob Krankheit, ein Todesfall, Gegnerschaft oder Verfolgung –, Jehova wird uns erhören, wenn wir ihn von ganzem Herzen um Weisheit, Mut und Kraft zum Ausharren bitten (2. Korinther 4:7-11; Jakobus 1:5).

      Eine Schwester spricht ein intensives Gebet.

      Jehova wird uns erhören, wenn wir ihn inständig um Hilfe zum Ausharren bitten

      18. Wie blickte Jesus über sein Leiden hinaus auf das, was vor ihm lag?

      18 Der zweite Faktor, der Jesus ausharren half, war der Blick nach vorn. Er sah über sein Leiden hinaus auf das, was vor ihm lag. Die Bibel sagt über ihn: „Für die vor ihm liegende Freude ertrug er einen Marterpfahl“ (Hebräer 12:2). Jesu Beispiel zeigt, wie Hoffnung, Freude und Ausharren zusammenwirken. Man könnte es wie folgt auf den Punkt bringen: Aus Hoffnung entspringt Freude und Freude hilft auszuharren (Römer 15:13; Kolosser 1:11). Jesus hatte wunderbare Zukunfts­aussichten. Seine Treue würde dazu beitragen, den Namen seines Vaters zu heiligen, und es ihm möglich machen, die Menschheit von Sünde und Tod zurückzukaufen. Außerdem stand ihm in Aussicht, als König zu herrschen und als Hoher Priester zu dienen und so noch mehr für das Wohl gehorsamer Menschen zu tun (Matthäus 20:28; Hebräer 7:23-26). Da sich Jesus auf die Erfüllung dessen konzentrierte, was ihm in Aussicht stand, verspürte er unermessliche Freude, die ihm wiederum Kraft zum Ausharren gab.

      19. Wie können Hoffnung, Freude und Ausharren in Glaubens­prüfungen für uns zusammenwirken?

      19 Wie Jesus müssen auch wir Hoffnung, Freude und Ausharren für uns zusammenwirken lassen. Der Apostel Paulus schrieb: „Freut euch in der Hoffnung. Harrt in Schwierigkeiten aus“ (Römer 12:12). Hast du momentan eine schwere Glaubensprüfung durchzumachen? Dann schau unbedingt nach vorn. Verlier nie aus den Augen, dass durch dein Ausharren Jehovas Name gepriesen wird. Lass dir den Blick auf die kostbare Königreichs­hoffnung nie trüben. Versetz dich im Geist in Gottes neue Welt und stell dir vor, wie es sein wird, wenn du die vielen Segnungen im Paradies erleben wirst. Wenn du über die Erfüllung der wunderbaren Versprechen Gottes nachdenkst – zum Beispiel darüber, dass Jehovas Name geheiligt werden wird und alles Böse, sämtliche Krankheiten und der Tod nicht mehr sein werden –, dann wird dein Herz so voll Freude sein, dass du jede Prüfung durchstehen kannst. Verglichen mit dem, was das Königreich bringen wird, ist alles Leid im heutigen Weltsystem wirklich „vorübergehend und leicht“ (2. Korinther 4:17).

      „Folgt seinen Fußspuren genau“

      20, 21. Was erwartet Jehova von uns, was das Ausharren anbelangt, und wozu sollten wir entschlossen sein?

      20 Jesus wusste, dass seine Nachfolger vor Heraus­forderungen stehen und Ausharren benötigen würden (Johannes 15:20). Deshalb war er bereit, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihnen dadurch Kraft zu geben (Johannes 16:33). Er gab natürlich ein vollkommenes Beispiel des Ausharrens, während wir alles andere als vollkommen sind. Was erwartet Jehova von uns? Petrus erklärt, dass Christus für uns gelitten hat, und sagt weiter: „Er hat euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren genau folgt“ (1. Petrus 2:21). Durch die Art und Weise, wie Jesus Prüfungen begegnete, hinterließ er uns „ein Beispiel“, ein Muster, nach dem wir uns ausrichten können.a Durch sein treues Ausharren hat er uns sozusagen Fußspuren hinterlassen, denen wir zwar nicht perfekt, aber doch „genau“ folgen können.

      21 Wir möchten daher Jesu Beispiel so gut wie nur möglich nachahmen und nie vergessen: Je genauer wir seinen Fußspuren folgen, desto besser sind wir gerüstet, „bis zum Ende“ auszuharren – entweder bis zum Ende des alten Weltsystems oder bis zum Ende unseres gegenwärtigen Lebens. Wir wissen nicht, was zuerst kommt, aber eines steht fest: Jehova wird uns bis in alle Ewigkeit für unser Ausharren belohnen (Matthäus 24:13).

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