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  • „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“
    „Komm, folge mir nach“
    • ABSCHNITT 3

      „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“

      Was motiviert uns, Jesus beständig zu folgen? Der Apostel Paulus gibt die Antwort: „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an“ (2. Korinther 5:14). In diesem Abschnitt werden wir uns damit befassen, welche Liebe Jesus hatte – zu Jehova, zur Menschheit insgesamt und zu uns als Einzelne. Eine solche Betrachtung ist wirklich anspornend. Sie geht zu Herzen, und wir fühlen uns gedrängt, zu handeln und uns immer mehr nach dem Vorbild unseres Herrn auszurichten.

  • „Ich liebe den Vater“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL DREIZEHN

      „Ich liebe den Vater“

      1, 2. Was berichtet Johannes über den letzten Abend, den die Apostel mit Jesus verbrachten?

      EIN betagter Mann taucht seine Feder in die Tinte, den Kopf voller Erinnerungen. Sein Name ist Johannes. Er ist der letzte noch lebende Apostel Jesu Christi. Mit fast 100 Jahren versetzt sich Johannes in Gedanken rund 70 Jahre in die Vergangenheit an einen überaus denkwürdigen Abend – den letzten, den er und die anderen Apostel mit Jesus vor dessen Tod verbrachten. Unter der Leitung des heiligen Geistes Gottes kann sich Johannes an die damaligen Ereignisse erinnern und sie sehr detailliert aufschreiben.

      2 An jenem Abend kündigte Jesus seinen kurz bevorstehenden Tod an. Nur Johannes berichtet, welchen Grund Jesus selbst für sein qualvolles Ende angab: „Damit die Welt … erkennt, dass ich den Vater liebe, befolge ich seine Anweisungen genau. Jetzt steht auf und lasst uns weggehen“ (Johannes 14:31).

      3. Woran war erkennbar, dass Jesus seinen Vater liebte?

      3 „Ich liebe den Vater.“ Das war für Jesus am allerwichtigsten. Nicht, dass er diese Worte ständig wiederholt hätte. Johannes 14:31 ist genau genommen die einzige Stelle in der Bibel, wo wir lesen, dass Jesus so direkt über seine Liebe zu seinem Vater sprach. Jesus lebte diese Worte vielmehr aus. Seine Liebe zu Jehova war Tag für Tag erkennbar. Sein Mut, sein Gehorsam und sein Ausharren bewiesen, wie sehr er Gott liebte. Diese Liebe war die Motivation für seinen gesamten Dienst.

      4, 5. Von welcher Art Liebe spricht die Bibel hauptsächlich, und was ist über die Liebe Jesu zu Jehova zu sagen?

      4 Liebe ist für viele heute oft eine reine Gefühlssache. Man denkt an Liebesgedichte, Liebeslieder oder vielleicht an das vorübergehende Kribbeln, das Verliebte manchmal verspüren. Auch die Bibel spricht über die sinnliche Liebe – allerdings würdiger, als es heute üblich ist (Sprüche 5:15-21). Viel häufiger geht es in Gottes Wort jedoch um eine andere Art Liebe, eine Liebe, die keine reine Leidenschaft ist, kein flüchtiges Gefühl und auch keine trockene, vom Intellekt bestimmte Philosophie. Bei dieser Liebe sind Herz und Sinn beteiligt. Sie entspringt dem innersten Ich, wird von erhabenen Grundsätzen bestimmt und drückt sich in konkretem Handeln aus. Sie ist alles andere als oberflächlich. Gottes Wort sagt: „Die Liebe versagt nie“ (1. Korinther 13:8).

      5 Von allen Menschen, die je gelebt haben, hat keiner Jehova so geliebt wie Jesus. Niemand hat so vollkommen ausgelebt, was Jesus selbst als das erste der Gebote Gottes bezeichnete: „Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft“ (Markus 12:30). Wie kam es, dass Jesus Jehova so sehr liebte? Wie erhielt er auf der Erde seine Liebe zu Gott stark? Und wie können wir uns an ihm ein Beispiel nehmen?

      Das älteste und stärkste Band der Liebe

      6, 7. Warum kann man sagen, dass in Sprüche 8:22-31 Gottes Sohn beschrieben wird und nicht einfach die Weisheit als bloße Eigenschaft?

      6 Hast du schon einmal mit einem Freund an einem Projekt gearbeitet und festgestellt, dass euch das noch enger zusammen­geschweißt hat? Diese schöne Erfahrung lässt in etwa erahnen, welch eine Liebe sich zwischen Jehova und seinem einziggezeugten Sohn entwickelt haben muss. Sprüche 8:30 wurde in diesem Buch schon mehrmals angeführt, doch sehen wir uns diesen Vers noch einmal im Zusammenhang etwas genauer an. In den Versen 22 bis 31 finden wir eine inspirierte Beschreibung der personifizierten Weisheit. Warum kann man sagen, dass sich diese Worte auf Gottes Sohn beziehen?

      7 In Vers 22 sagt die Weisheit: „Jehova brachte mich als den Anfang seines Weges hervor, als das früheste seiner Werke vor langer Zeit.“ Hier kann nicht einfach die Weisheit als Eigenschaft gemeint sein; sie wurde niemals „hervorgebracht“. Sie hat keinen Anfang, denn Jehova hat schon immer existiert und war schon immer weise (Psalm 90:2). Gottes Sohn dagegen, „der Erstgeborene der gesamten Schöpfung“, wurde hervorgebracht oder erschaffen; er war das früheste aller Werke Jehovas (Kolosser 1:15). Wie im Bibelbuch Sprüche beschrieben wird, existierte Gottes Sohn bereits vor der Erschaffung von Himmel und Erde. Und als „das Wort“, das heißt Gottes Sprecher, brachte er die Weisheit Jehovas vollkommen zum Ausdruck (Johannes 1:1).

      8. Womit war der Sohn während seiner vormenschlichen Existenz beschäftigt, und woran könnten wir denken, wenn wir die Schöpfung bewundern?

      8 Womit war Gottes Sohn während der so langen Zeit vor seinem Erdendasein beschäftigt? Wie wir aus Vers 30 erfahren, war er neben Gott als „Werkmeister“ tätig. Was ist damit gemeint? Kolosser 1:16 gibt die Antwort: „Durch ihn ist alles andere im Himmel und auf der Erde erschaffen worden … Alles andere ist durch ihn und für ihn erschaffen worden.“ Jehova, der Schöpfer, brachte also durch seinen Sohn, den Werkmeister, alle anderen Schöpfungswerke ins Dasein – die Geistwesen im Himmel, das weite Universum, die Erde und ihre herrliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen bis hin zum Höhepunkt der irdischen Schöpfung, dem Menschen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Vater und seinem Sohn ist in mancher Hinsicht mit der eines Architekten und eines Bauunternehmers vergleichbar: Der eine liefert geniale Entwürfe und der andere setzt sie gekonnt um. Wenn wir eines der vielen Schöpfungswerke bestaunen, gilt unsere Bewunderung eigentlich dem großartigen Architekten, Jehova (Psalm 19:1). Wir könnten dabei jedoch auch an die lange, freudige Zusammenarbeit zwischen dem Schöpfer und seinem „Werkmeister“ denken.

      9, 10. (a) Was stärkte die Bindung zwischen Jehova und seinem Sohn? (b) Was kann unsere Bindung zu unserem himmlischen Vater stärken?

      9 Wenn zwei unvollkommene Menschen eng zusammen­arbeiten, geht das nicht immer ganz reibungslos ab. Nicht so bei Jehova und seinem Sohn! Der Sohn arbeitete unvorstellbar lange mit seinem Vater zusammen und freute sich vor ihm die ganze Zeit (Sprüche 8:30). Für ihn war es eine Freude, mit seinem Vater zusammen zu sein, und der Vater empfand ebenso. Natürlich wurde der Sohn dem Vater dabei immer ähnlicher und lernte dessen Eigenschaften widerzuspiegeln. Kein Wunder, dass sich zwischen Vater und Sohn eine so starke Bindung entwickelte! Man kann wirklich sagen, dass zwischen den beiden das älteste und stärkste Band der Liebe besteht, das es gibt.

      10 Was kann das für uns bedeuten? Vielleicht denkst du: „Eine solche Bindung zu Jehova kann ich nie entwickeln.“ Natürlich ist keiner von uns in einer so erhabenen Stellung wie Jesus, doch wir können uns über ein bemerkenswertes Vorrecht freuen. Wie wir wissen, kam Jesus seinem Vater dadurch näher, dass er mit ihm zusammenarbeitete. Und nun bietet Jehova uns liebevollerweise an, seine „Mitarbeiter“ zu sein (1. Korinther 3:9). Wenn wir im Dienst dem Beispiel Jesu folgen, sollte uns immer bewusst sein, dass wir Gottes Mitarbeiter sind. So wird das Band der Liebe, das uns mit Jehova verbindet, immer stärker. Könnte es ein größeres Vorrecht geben?

      Wie Jesus seine Liebe zu Jehova stark erhielt

      11-13. (a) Warum ist es hilfreich, sich die Liebe als etwas Lebendiges vorzustellen, und wie erhielt Jesus in jungen Jahren seine Liebe zu Jehova stark? (b) Woran zeigte sich – sowohl im Himmel als auf der Erde –, dass Gottes Sohn mit Interesse von seinem Vater lernte?

      11 Stellen wir uns die Liebe im Herzen doch einmal als etwas Lebendiges vor – als eine schöne Pflanze zum Beispiel. Eine Pflanze braucht Pflege, damit sie wächst und gedeiht. Vernachlässigt man sie, verkümmert sie und geht ein. Ähnlich ist es mit der Liebe. Für Jesus war die Liebe zu Jehova nichts Selbst­verständliches. Er sorgte während seines ganzen Lebens auf der Erde dafür, dass sie stark blieb. Sehen wir uns an, wie.

      12 Denken wir noch einmal an die Situation, als sich Jesus mit 12 Jahren im Tempel in Jerusalem zu Wort meldete oder als er zu seinen besorgten Eltern sagte: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ (Lukas 2:49). Jesus konnte sich damals offenbar noch nicht an sein vormenschliches Dasein erinnern. Trotzdem war seine Liebe zu seinem Vater Jehova sehr stark. Er wusste, dass sich eine solche Liebe naturgemäß in der Anbetung ausdrückt. Deshalb gab es für Jesus keinen anderen Ort auf der Erde, zu dem es ihn so hinzog wie zum Haus seines Vaters, dem Haus der wahren Anbetung. Er war gern dort und ging nur ungern wieder weg. Außerdem war er kein passiver Beobachter. Er wollte etwas über Jehova lernen und über das sprechen, was er wusste. Diese Einstellung entwickelte er nicht erst mit 12 Jahren, und er gab sie später auch nicht auf.

      13 Schon im Himmel hatte der Sohn gern von seinem Vater gelernt. Gemäß einer Prophezeiung in Jesaja 50:4-6 bereitete Jehova seinen Sohn auf die Rolle als Messias gut vor. Jesus erfuhr dabei auch, dass Jehovas Gesalbter so manches erleiden würde; dennoch nahm er alles mit größtem Interesse auf. Als er später auf die Erde kam und zum Mann heranwuchs, war es für ihn immer sehr wichtig, das Haus seines Vaters aufzusuchen, um an der Anbetung und der Belehrung teilzuhaben, die dort gemäß Jehovas Willen gefördert wurden. Wie die Bibel berichtet, war es daher Jesu Gewohnheit, zum Tempel und in die Synagoge zu gehen (Lukas 4:16; 19:47). Wenn wir unsere Liebe zu Jehova stark und lebendig erhalten möchten, dürfen wir den Besuch der Zusammenkünfte nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn wir beten dort Jehova an und lernen ihn immer mehr kennen und schätzen.

      Jesus betet auf einem Berg.

      „Er ging allein auf einen Berg, um zu beten“

      14, 15. (a) Warum wollte Jesus manchmal allein sein? (b) Wie zeigte sich in Jesu Gebeten zu seinem Vater Vertrautheit und Respekt?

      14 Jesus erhielt seine Liebe zu Jehova außerdem dadurch stark, dass er regelmäßig betete. Obwohl er ein umgänglicher, geselliger Mensch war, schätzte er es auch, allein zu sein. In Lukas 5:16 heißt es zum Beispiel: „Er zog sich … oft in einsame Gegenden zurück, um zu beten.“ In Matthäus 14:23 wird gesagt: „Als er die Leute weggeschickt hatte, ging er allein auf einen Berg, um zu beten. Es war Abend und er war dort ganz für sich.“ Auch bei anderen Gelegenheiten suchte Jesus die Einsamkeit, aber nicht weil er ein Einzelgänger war oder sich unter Menschen nicht wohlfühlte, sondern weil er mit Jehova allein sein und im Gebet frei mit seinem Vater sprechen wollte.

      15 Wenn Jesus betete, sagte er manchmal: „Abba, Vater“ (Markus 14:36). Das Wort „Abba“ war zur Zeit Jesu eine vertrauliche Bezeichnung für „Vater“, ein Kosename. Es gehörte oft zu den ersten Wörtern, die ein Kind lernte. Dennoch war es respektvoll. In diesem Wort kam die Vertrautheit zum Ausdruck, mit der Jesus zu seinem geliebten Vater sprach, und gleichzeitig zeigte sich darin sein tiefer Respekt vor Jehovas väterlicher Autorität. Diese Kombination von Vertrautheit und Respekt zieht sich durch alle in der Bibel aufgezeichneten Gebete Jesu. Johannes, Kapitel 17 enthält beispielsweise das lange, innige Gebet, das Jesus am Abend vor seinem Tod sprach. Es ist sehr bewegend, dieses Gebet bewusst zu durchdenken, und es sollte uns als Orientierung dienen – natürlich nicht in dem Sinn, dass wir es wörtlich wiederholen, sondern dass wir Wege suchen, möglichst oft von Herzen zu unserem himmlischen Vater zu sprechen. Dann wird unsere Liebe zu Jehova stark und lebendig bleiben.

      16, 17. (a) Wie drückte Jesus seine Liebe zu seinem Vater in Worten aus? (b) Wie schilderte Jesus die Großzügigkeit seines Vaters?

      16 Wie schon erwähnt, wiederholte Jesus nicht ständig: „Ich liebe den Vater.“ Er drückte seine Liebe zu Jehova jedoch oft in anderen Worten aus. Beispielsweise sagte er: „Ich preise dich öffentlich, Vater, Herr des Himmels und der Erde“ (Matthäus 11:25). Wie wir in Abschnitt 2 dieses Buches gesehen haben, pries Jesus seinen Vater gern dadurch, dass er Menschen half, ihn kennenzulernen. Einmal verglich er Jehova mit einem Vater, der seinem auf Abwege geratenen Sohn so gern verzeihen wollte, dass er auf den reumütigen jungen Mann wartete und, als er ihn von Weitem kommen sah, auf ihn zulief und ihn in die Arme schloss (Lukas 15:20). Wird einem nicht richtig warm ums Herz, wenn man liest, wie Jesus hier Jehovas Liebe und Bereitschaft zum Vergeben beschreibt?

      17 Jesus pries seinen Vater auch oft wegen dessen Großzügigkeit. Am Beispiel unvollkommener Eltern zeigte er, dass wir sicher sein können, von unserem Vater Jehova immer das nötige Maß an heiligem Geist zu erhalten (Lukas 11:13). Jesus sprach außerdem über die Hoffnung, die Jehova in seiner Großzügigkeit bietet. Voller Sehnsucht sagte er, dass er selbst in den Himmel an die Seite seines Vaters zurückkehren würde (Johannes 14:28; 17:5). Er erzählte seinen Nachfolgern, was Jehova der „kleinen Herde“ Christi in Aussicht stellte – sie würde im Himmel wohnen und mit dem messianischen König zusammen regieren (Lukas 12:32; Johannes 14:2). Einen sterbenden Verbrecher tröstete er mit der Hoffnung auf ein Leben im Paradies (Lukas 23:43). Dass Jesus auf diese Weise von der überwältigenden Großzügigkeit seines Vaters sprach, hat ihm sicher geholfen, seine Liebe zu Jehova stark zu erhalten. Viele Nachfolger Christi können bestätigen, dass nichts ihren Glauben und ihre Liebe zu Jehova mehr stärkt, als über Jehova zu sprechen und über die Hoffnung, die er für Menschen bereithält, die ihn lieben.

      Wirst du dir an Jesu Liebe zu Jehova ein Beispiel nehmen?

      18. Was ist für einen Nachfolger Jesu am wichtigsten, und warum?

      18 Wir müssen Jesus auf vielerlei Weise nachahmen, doch nichts ist dabei wichtiger, als Jehova mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Denken und ganzer Kraft zu lieben (Lukas 10:27). Diese Liebe lässt sich nicht nur daran messen, wie stark wir sie empfinden, sondern auch daran, zu welchen Taten sie uns motiviert. Jesus gab sich nicht damit zufrieden, Liebe zu seinem Vater zu empfinden oder einfach nur zu sagen: „Ich liebe den Vater.“ Er erklärte: „Damit die Welt … erkennt, dass ich den Vater liebe, befolge ich seine Anweisungen genau“ (Johannes 14:31). Satan hatte behauptet, kein Mensch würde Jehova aus selbstloser Liebe dienen (Hiob 2:4, 5). Jesus wollte auf diese boshafte Verleumdung des Teufels die bestmögliche Antwort geben und bewies deshalb mutig vor aller Welt, wie sehr er seinen Vater liebte. Sein Gehorsam ging sogar so weit, dass er sein Leben opferte. Wirst du Jesus nachfolgen? Wirst du der Welt beweisen, dass du Jehova Gott wirklich liebst?

      19, 20. (a) Aus welchen wichtigen Gründen besuchen wir regelmäßig die Zusammenkünfte? (b) Wie sollten wir das persönliche Studium, das Nachdenken und das Gebet ansehen?

      19 Wir haben ein tief verwurzeltes Bedürfnis, unsere Liebe zu Jehova zum Ausdruck zu bringen. Deshalb hat er für eine Art der Anbetung gesorgt, durch die unsere Liebe zu ihm vertieft und gefestigt wird. Wenn wir die Zusammenkünfte besuchen, sollten wir immer daran denken, dass wir dort sind, um unseren Gott anzubeten. Das tun wir unter anderem durch innige Gebete, das Singen von Liedern, aufmerksames Zuhören und Beteiligung, wenn möglich. Zudem bieten die Zusammenkünfte Gelegenheiten, unseren Brüdern und Schwestern Mut zu machen (Hebräer 10:24, 25). In den Zusammenkünften regelmäßig zur Anbetung Jehovas zusammenzukommen trägt dazu bei, dass unsere Liebe zu Gott immer stärker wird.

      20 Ganz ähnlich verhält es sich mit dem persönlichen Studium, dem Nachdenken und dem Gebet. Das sind alles Gelegenheiten, mit Jehova allein zu sein. Wenn wir sein Wort studieren und gründlich darüber nachdenken, lässt uns Jehova an seinen Gedanken teilhaben. Und im Gebet können wir ihm unser Herz öffnen. Denken wir jedoch daran, dass beten nicht nur bitten bedeutet. Im Gebet haben wir auch die Möglichkeit, uns bei Jehova für all das Gute zu bedanken, das er für uns getan hat, und ihn für seine wunderbaren Werke zu preisen (Psalm 146:1). Außerdem können wir Jehova am besten danken und ihm unsere Liebe zeigen, wenn wir mit Freude und Begeisterung anderen von ihm erzählen.

      21. Wie wichtig ist die Liebe zu Jehova, und worum geht es in den folgenden Kapiteln?

      21 Liebe zu Gott ist der Schlüssel zu ewigem Glück. Adam und Eva wären gehorsam geblieben, wenn sie genügend Liebe entwickelt hätten, aber genau daran fehlte es ihnen. Die Liebe ist das Allerwichtigste, was wir brauchen, denn dann können wir jede Glaubensprüfung bestehen, jeder Versuchung widerstehen und jede Schwierigkeit ertragen. Sie ist in der Nachfolge Jesu das A und O. Die Liebe zu Gott hängt natürlich eng mit der Liebe zu unseren Mitmenschen zusammen (1. Johannes 4:20). In den folgenden Kapiteln geht es darum, wie Jesus Menschen Liebe zeigte. In Kapitel 14 werden wir uns mit der Frage befassen, warum sich so viele zu Jesus hingezogen fühlten.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie können wir im Gebet Vertrauen zu Jehova zum Ausdruck bringen, wie es auch Jesus tat? (Johannes 11:41, 42; Hebräer 11:6).

      • Wie können wir durch die Art und Weise, wie wir Jehovas Namen gebrauchen, beweisen, dass wir Jehova von Herzen lieben? (Johannes 17:6-8).

      • Warum verlangt die Liebe zu Jehova, sich wie Jesus von der Welt getrennt zu halten? (Johannes 17:14-16; Jakobus 4:8).

      • Wie können wir Jesu Rat umsetzen und unsere tiefe Liebe zu Jehova bewahren? (Offenbarung 2:1-5).

  • „Große Menschenmengen kamen zu ihm“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL VIERZEHN

      „Große Menschenmengen kamen zu ihm“

      Jesus schließt im Beisein der Eltern Kinder unterschiedlichen Alters liebevoll in die Arme.

      „Lasst die Kinder zu mir kommen!“

      1-3. Was geschieht, als Eltern ihre Kinder zu Jesus bringen, und was verrät diese Begebenheit über Jesus?

      JESUS weiß, dass sein Leben auf der Erde bald zu Ende sein wird. Er hat nur noch ein paar Wochen Zeit, und es gibt noch so viel zu tun! Er predigt mit seinen Aposteln in Peräa, einer Gegend östlich des Jordan. Sie arbeiten sich in Richtung Süden nach Jerusalem vor, wo Jesus sein letztes, höchst wichtiges Passah feiern wird.

      2 Nach einer ernsten Diskussion mit einigen religiösen Führern kommt es zu einem kleinen Zwischenfall. Eltern bringen ihre Kinder zu Jesus. Die Kinder sind offensichtlich unterschiedlich alt, denn Markus gebraucht für sie dasselbe Wort, das er vorher für eine 12-Jährige gebraucht hat, während bei Lukas ein Wort steht, das für kleinere Kinder verwendet wird (Lukas 18:15; Markus 5:41, 42; 10:13). Wo Kinder sind, geht es natürlich oft laut und turbulent zu. Jesu Jünger wollen die Eltern von Jesus fernhalten. Sie denken wahrscheinlich, dass er sich jetzt unmöglich mit Kindern abgeben kann. Wie reagiert Jesus?

      3 Als er sieht, was vor sich geht, wird er ärgerlich. Über wen? Über die Kinder? Über die Eltern? Nein – über seine Jünger! Er sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen! Hindert sie nicht daran, denn Gottes Königreich gehört solchen Menschen. Ich versichere euch: Wer Gottes Königreich nicht wie ein Kind willkommen heißt, wird auf keinen Fall dort hineinkommen.“ Dann schließt Jesus die Kinder in die Arme und segnet sie (Markus 10:13-16). Die Wortwahl des Markus lässt darauf schließen, dass Jesus die Kinder liebevoll umarmte; vielleicht nahm er sogar einige von den ganz Kleinen auf den Arm und „herzte“ sie, wie es ein Übersetzer ausdrückte. Ganz offensichtlich hatte Jesus Kinder gern. Doch wir lernen hier noch etwas anderes über ihn: Er war zugänglich.

      4, 5. (a) Warum muss Jesus zugänglich gewesen sein? (b) Mit welchen Fragen werden wir uns in diesem Kapitel beschäftigen?

      4 Wäre Jesus ein strenger, unfreundlicher oder stolzer Mensch gewesen, hätten sich die Kinder wahrscheinlich nicht zu ihm hingezogen gefühlt und die Eltern wären auch nicht so ohne Weiteres zu ihm gekommen. Wie müssen die Eltern gestrahlt haben, als sie sahen, wie liebevoll und freundlich dieser Mann mit ihren Kindern umging, wie er hervorhob, welchen Wert die Kleinen in Gottes Augen haben, und wie er sie segnete! Obwohl Jesus unter größter Belastung stand, blieb er so zugänglich wie kein anderer.

      5 Wer fühlte sich sonst noch zu Jesus hingezogen? Warum kamen die Menschen so gern zu ihm? Und wie können wir Jesus in dieser Hinsicht ähnlicher werden? Wir wollen sehen.

      Wer fühlte sich zu Jesus hingezogen?

      6-8. Von wem war Jesus oft umgeben, und inwiefern war er zu diesen Menschen anders eingestellt als die religiösen Führer?

      6 Beim Lesen der Evangelien­berichte fällt auf, dass immer wieder große Menschenmengen ohne Zögern Jesu Nähe suchten. Zum Beispiel lesen wir: „Daraufhin folgten ihm große Menschenmengen aus Galiläa“ oder: „Dort [bei Jesus] versammelten sich große Menschenmengen“ oder auch: „Nun waren große Menschenmengen mit Jesus unterwegs“ (Matthäus 4:25; 13:2; 15:30; Lukas 14:25). Ja, die Menschen versammelten sich oft scharenweise um Jesus.

      7 Im Allgemeinen handelte es sich dabei um Leute aus dem einfachen Volk, von den religiösen Führern verächtlich „Volk des Landes“ genannt. Die Pharisäer und Priester sagten ganz offen: „Diese Menge jedoch, die das Gesetz nicht kennt, das sind verfluchte Leute“ (Johannes 7:49). In späteren rabbinischen Schriften findet man diese Einstellung bestätigt. Viele religiöse Führer betrachteten einfache Menschen mit Verachtung; sie aßen nicht mit ihnen, kauften nicht bei ihnen und verkehrten auch sonst nicht mit ihnen. Manche behaupteten sogar, wer das mündliche Gesetz nicht kenne, könne nicht auf eine Auferstehung hoffen! Viele einfache Leute müssen vor solchen Führern eher zurückgeschreckt sein, als dass sie bei ihnen Rat oder Hilfe gesucht hätten. Jesus dagegen war anders.

      8 Jesus mischte sich ganz ungezwungen unter das einfache Volk. Er aß mit den Menschen, heilte sie, lehrte sie und machte ihnen Hoffnung. Natürlich war er realistisch, wusste er doch, dass die meisten Jehova nicht dienen würden (Matthäus 7:13, 14). Dennoch stand er jedem Einzelnen positiv gegenüber und sah in vielen das Potenzial, das Richtige zu tun. Was für ein Unterschied zu jenen hartherzigen Priestern und Pharisäern! Erstaunlicher­weise kamen jedoch auch Priester und Pharisäer zu Jesus, und eine ganze Reihe von ihnen änderte sich und folgte ihm nach (Apostel­geschichte 6:7; 15:5). Selbst unter den Reichen und Mächtigen gab es einige, die Jesus als nahbar empfanden (Markus 10:17, 22).

      9. Warum fühlten sich Frauen zu Jesus hingezogen?

      9 Frauen scheuten sich ebenfalls nicht, zu Jesus zu kommen. Sie müssen oft den Hohn und die Verachtung religiöser Führer zu spüren bekommen haben. Die Rabbis missbilligten es im Allgemeinen, wenn Frauen unterrichtet wurden. Frauen durften nicht als Zeuge vor Gericht aussagen, weil man sie für unzuverlässig hielt. Es gab sogar ein Gebet, in dem die Rabbis Gott dafür dankten, dass sie keine Frau waren! Bei Jesus war jedoch keine solche Verachtung zu spüren. Viele Frauen kamen voller Wissbegierde zu ihm, um von ihm zu lernen. Die Bibel berichtet zum Beispiel, dass Maria, die Schwester von Lazarus, Jesus zu Füßen saß und ihm gespannt zuhörte, während ihre Schwester Martha geschäftig hin- und herlief und übermäßig um das Essen besorgt war. Jesus lobte Maria, weil sie erkannt hatte, was wirklich zählte (Lukas 10:39-42).

      10. Wie unterschied sich Jesus im Umgang mit Kranken von den religiösen Führern?

      10 Auch Kranke kamen in Scharen zu Jesus. Sie wurden von den religiösen Führern ebenfalls oft wie Geächtete behandelt. Das mosaische Gesetz sah zwar vor, Aussätzige wegen der Ansteckungsgefahr unter Quarantäne zu stellen, doch Entwürdigungen und Lieblosigkeiten waren damit nicht zu rechtfertigen (3. Mose, Kapitel 13). In späteren rabbinischen Vorschriften hieß es dagegen, Aussätzige seien so widerlich wie Exkremente. Manche religiöse Führer gingen sogar so weit, Aussätzige mit Steinen zu bewerfen, um sie auf Distanz zu halten! Man kann sich schwer vorstellen, dass jemand bei einer solchen Behandlung noch den Mut aufbringen und auf irgendeinen Lehrer zugehen konnte, doch zu Jesus zog es auch Aussätzige hin. Einer äußerte glaubensvoll die bekannten Worte: „Herr, wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen!“ (Lukas 5:12). Im nächsten Kapitel werden wir sehen, wie Jesus darauf reagierte. Vorerst sei nur gesagt: Nichts könnte deutlicher beweisen, dass Jesus zugänglich war.

      11. Welches Beispiel zeigt, dass schuldbeladene Menschen sich trauten, zu Jesus zu kommen, und warum ist das wichtig?

      11 Zu Jesus trauten sich auch Menschen zu kommen, die von Schuldgefühlen geplagt wurden. Als er zum Beispiel einmal bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen war, kam eine als Sünderin bekannte Frau herein und kniete sich zu seinen Füßen nieder. Sie weinte vor Schuldgefühl. Ihre Tränen tropften auf Jesu Füße und sie trocknete sie mit ihren Haaren ab. Der Gastgeber war sichtlich entrüstet und verurteilte es scharf, dass Jesus diese Frau in seine Nähe kommen ließ. Jesus dagegen lobte freundlich ihre aufrichtige Reue und sicherte ihr Jehovas Vergebung zu (Lukas 7:36-50). Heute ist es wichtiger denn je, dass sich schuldbeladene Menschen ohne Hemmungen an jemand wenden können, der zugänglich ist und ihnen helfen kann, mit Gott ins Reine zu kommen. Was machte denn Jesus so zugänglich?

      Was machte Jesus zugänglich?

      12. Warum überrascht es nicht, dass Jesus zugänglich war?

      12 Wie wir wissen, ahmte Jesus seinen geliebten himmlischen Vater vollkommen nach (Johannes 14:9). Die Bibel zeigt, dass Jehova „einem jeden von uns nicht fern“ ist (Apostel­geschichte 17:27). Als „Hörer des Gebets“ ist er für seine treuen Diener und für alle anderen, die ihn aufrichtig suchen und ihm dienen möchten, jederzeit erreichbar (Psalm 65:2). Stellen wir uns das vor: Die mächtigste und wichtigste Persönlichkeit überhaupt ist gleichzeitig die zugänglichste! Wie sein Vater, so liebt auch Jesus die Menschen. In den nachfolgenden Kapiteln werden wir darauf eingehen, was für eine tiefe Liebe Jesu Herz durchdrang. Zugänglich war er für die Menschen jedoch im Wesentlichen deshalb, weil seine Liebe zu ihnen deutlich sichtbar war. Betrachten wir einige Wesenszüge Jesu, durch die sich seine Liebe zeigte.

      13. Wie könnten Eltern Jesus nachahmen?

      13 Die Menschen spürten sofort, dass Jesus an ihnen persönlich interessiert war. Das änderte sich selbst dann nicht, wenn er unter Druck stand. Als einmal Eltern, wie schon erwähnt, ihre Kinder zu ihm brachten, wies er sie nicht ab, obwohl er beschäftigt war und schwere Verantwortung auf ihm lastete. Was für ein schönes Beispiel für Eltern! Kinder zu erziehen ist heute wirklich nicht einfach. Doch es ist sehr wichtig, dass Eltern immer zugänglich sind. Wenn du Kinder hast, kennst du das Problem, dass man manchmal nicht die Zeit hat, sofort auf sein Kind einzugehen. Könntest du ihm versprechen, dir etwas später Zeit zu nehmen? Wenn du Wort hältst, merkt dein Kind, dass es sich lohnt, geduldig zu sein. Außerdem lernt es, dass es mit allen Sorgen und Problemen jederzeit zu dir kommen kann.

      14-16. (a) Welche Umstände führten zu Jesu erstem Wunder, und warum war seine Tat so erstaunlich? (b) Was verrät Jesu Wunder in Kana über ihn, und was können Eltern daraus lernen?

      14 Die Menschen spürten deutlich, dass ihre Sorgen Jesus nicht egal waren. Das zeigt beispielsweise sein erstes Wunder. Jesus war bei einem Hochzeitsfest in Kana, einer Stadt in Galiläa, zu Gast, als dort eine peinliche Situation entstand: Der Wein ging aus! Jesu Mutter Maria erzählte das ihrem Sohn. Was tat Jesus? Er ließ sechs große Steinkrüge mit Wasser füllen. Als man dem Festleiter eine Kostprobe brachte, staunte er: Es war vorzüglicher Wein! War das ein Trick, eine raffinierte Täuschung? Nein, das Wasser war „zu Wein geworden“ (Johannes 2:1-11). Die Menschheit träumt schon seit alters davon, einen Stoff in einen anderen umzuwandeln. Sogenannte Alchimisten versuchten jahrhundertelang, aus Blei Gold zu machen, doch obwohl die Elemente Blei und Gold eigentlich erstaunlich ähnlich sind, hatten sie nie Erfolg.a Wie ist es mit Wasser und Wein? Wasser ist chemisch gesehen einfach; es ist eine Verbindung aus zwei Grundstoffen. Wein dagegen enthält fast tausend Bestandteile in oft komplexen Verbindungen. Wieso wirkte Jesus ein so erstaunliches Wunder, wo es doch bloß darum ging, dass einer Hochzeits­gesellschaft nicht der Wein ausging?

      15 Für das Brautpaar war der Vorfall keine Bagatelle. Im Nahen Osten wurde damals auf Gastfreundschaft gegenüber geladenen Gästen großer Wert gelegt. Es wäre für die Braut und den Bräutigam ziemlich peinlich gewesen, wenn es bei ihrem Hochzeitsfest irgendwann keinen Wein mehr gegeben hätte. Ihr Hochzeitstag und die Erinnerung daran wären getrübt gewesen. Für das Brautpaar war das Ganze ein echtes Problem und auch Jesus war es nicht egal. Also unternahm er etwas. Man kann wirklich verstehen, weshalb die Menschen mit ihren Anliegen gern zu Jesus kamen.

      Eine Mutter tröstet ihre Tochter, die traurig ist, weil ihr Teddybär einen Arm verloren hat.

      Lass dein Kind spüren, dass es immer zu dir kommen kann und du seine Sorgen wirklich ernst nimmst

      16 In dieser Begebenheit steckt ebenfalls eine nützliche Lehre für Eltern. Wie reagierst du, wenn dein Kind zu dir kommt, weil es etwas auf dem Herzen hat? Vielleicht bist du versucht, sein Anliegen als Bagatelle abzutun oder gar darüber zu lachen. Verglichen mit deinen eigenen Belastungen mag es dir ja wirklich unbedeutend vorkommen, doch denk daran: Für dein Kind ist es keine Bagatelle! Wenn einem Menschen, den du so lieb hast, etwas am Herzen liegt, sollte es dann nicht auch dir am Herzen liegen? Gibst du deinem Kind das Gefühl, dass du seine Sorgen ernst nimmst, wird es gern zu dir kommen.

      17. Welches Beispiel gab Jesus im Hinblick auf Milde, und warum ist Milde ein Zeichen von innerer Stärke?

      17 In Kapitel 3 haben wir gesehen, dass Jesus ein mildes Wesen hatte und demütig war (Matthäus 11:29). Milde ist eine schöne Eigenschaft und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass jemand von Herzen demütig ist. Sie gehört zur Frucht, die Gottes heiliger Geist hervorbringt, und wird mit göttlicher Weisheit in Verbindung gebracht (Galater 5:22, 23; Jakobus 3:13). Jesus verlor selbst unter den schlimmsten Provokationen nie die Beherrschung. Seine Milde war alles andere als eine Schwäche. Ein Bibelgelehrter schrieb über diese Eigenschaft: „Hinter der Sanftmut ist die Festigkeit von Stahl.“ Ja, oft brauchen wir innere Stärke, um unser Temperament zu zügeln und andere mit Milde zu behandeln. Doch mit Jehovas Segen können wir es schaffen, Jesu milde Art nachzuahmen, und dadurch zugänglicher werden.

      18. Welches Beispiel zeigt, wie vernünftig Jesus war, und warum macht diese Eigenschaft deiner Meinung nach einen Menschen zugänglich?

      18 Jesus war vernünftig. Als er sich in Tyrus aufhielt, bat ihn eine Frau um Hilfe, weil ihre Tochter „ganz schlimm von einem Dämon besessen“ war. Jesus gab auf dreierlei Weise zu verstehen, dass er nicht geneigt war, ihrer Bitte nachzukommen. Zuerst gab er ihr keine Antwort; dann sagte er ihr, warum er ihre Bitte nicht erfüllen könne; und schließlich verdeutlichte er seinen Standpunkt noch durch einen Vergleich. War er dabei jedoch hart und kalt? Erweckte er den Eindruck, es sei ganz schön gewagt, einem so bedeutenden Mann wie ihm zu widersprechen? Nein, die Frau fühlte sich eindeutig sicher. Sie traute sich nicht nur, Jesus um Hilfe zu bitten, sondern ließ auch trotz seiner offensichtlichen Zurückweisung nicht locker. Als Jesus sah, was für ein bemerkenswerter Glaube hinter ihrer Beharrlichkeit steckte, heilte er ihre Tochter (Matthäus 15:22-28). Jesu Vernünftigkeit, seine Bereitschaft, zuzuhören und wo angebracht nachzugeben, ließ ihn zweifellos auf die Menschen anziehend wirken.

      Bist du zugänglich?

      19. Woran können wir erkennen, ob wir persönlich wirklich zugänglich sind?

      19 Wer hält sich selbst nicht gern für zugänglich? Manche Autoritätspersonen zum Beispiel erwähnen mit Vorliebe, dass ihre Tür für Untergebene jederzeit offen steht. Die Bibel mahnt jedoch zur Vorsicht: „Viele Menschen rühmen sich ihrer loyalen Liebe, aber wer kann einen treuen Mann finden?“ (Sprüche 20:6). Sich selbst als zugänglich zu bezeichnen ist nicht schwer, doch ahmen wir Jesu Liebe in diesem Punkt wirklich treu nach? Die Antwort hängt wahrscheinlich nicht so sehr davon ab, wie wir selbst uns sehen, sondern wie andere uns sehen. Paulus sagte: „Eure Vernünftigkeit soll allen Menschen bekannt werden“ (Philipper 4:5). Wir tun gut daran, uns zu fragen: „Welchen Eindruck hat man von mir? Was für einen Ruf habe ich?“

      Ein Ältester geht liebevoll auf einen Bruder ein, der sich mit einem Problem an ihn wendet.

      Älteste sind bestrebt, zugänglich zu sein

      20. (a) Warum ist es wichtig, dass christliche Älteste zugänglich sind? (b) Warum sollten wir in unseren Erwartungen an die Ältesten in der Versammlung vernünftig sein?

      20 Besonders Älteste bemühen sich, zugänglich zu sein. Es ist ihr aufrichtiger Wunsch, der Beschreibung in Jesaja 32:1, 2 zu entsprechen: „Jeder von ihnen wird wie ein sicherer Ort bei Sturm sein, wie ein schützender Ort bei einem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines massiven Felsens in einem trockenen Land.“ Diese Art Schutz, Erfrischung und Erleichterung kann ein Ältester nur dann bieten, wenn er immer zugänglich bleibt. Das ist natürlich nicht einfach, denn Älteste haben in den heutigen kritischen Zeiten eine schwere Last der Verantwortung zu tragen. Trotzdem möchten sie nie den Eindruck erwecken, sie seien zu beschäftigt, um sich um die Bedürfnisse der Schafe Jehovas zu kümmern (1. Petrus 5:2). Die anderen in der Versammlung werden versuchen, in ihren Erwartungen an diese treuen Männer vernünftig zu sein, und werden demütig und bereitwillig mit ihnen zusammen­arbeiten (Hebräer 13:17).

      21. Wie können Eltern für ihre Kinder zugänglich bleiben, und worum geht es im nächsten Kapitel?

      21 Eltern haben den Wunsch, immer für ihre Kinder da zu sein. Es steht so viel auf dem Spiel! Sie lassen ihre Kinder wissen, dass sie mit ihnen offen über alles reden können. Deshalb achten sie darauf, mild und vernünftig zu sein und nicht überzureagieren, wenn das Kind einen Fehler gesteht oder in irgendeinem Punkt falsch denkt. Während sie ihre Kinder geduldig erziehen, bemühen sie sich auch, die Kommunikation nie abreißen zu lassen. Ja, wir alle möchten gern – wie Jesus – immer zugänglich bleiben. Im nächsten Kapitel werden wir uns mit Jesu aufrichtigem Mitgefühl befassen. Seine mitfühlende Art trug ganz besonders dazu bei, dass sich so viele zu ihm hingezogen fühlten.

      a Wer sich in Chemie auskennt, weiß, dass Blei und Gold im Periodensystem der Elemente recht dicht beieinanderliegen. Blei hat einfach drei Protonen mehr im Atomkern als Gold. In neuerer Zeit ist es sogar gelungen, kleine Mengen Blei in Gold umzuwandeln, doch wegen des hohen Energieaufwands ist das unrentabel.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Warum werden andere gern zu uns kommen, wenn wir Fragen stellen und gute Zuhörer sind? (Matthäus 16:13-17).

      • Wie zeigte sich Jesus zugänglich, selbst als er sich gern zurückgezogen hätte, und wie können wir seinem Beispiel folgen? (Markus 6:31-34).

      • Wie betrachtete Jesus Andersgläubige, und warum werden wir auf andere zugänglich wirken, wenn wir seine ausgeglichene Einstellung übernehmen? (Lukas 5:29-32).

      • Inwiefern hilft es uns, zugänglicher zu werden, wenn wir wie Jesus anderen positiv gegenüberstehen? (Johannes 1:47).

  • „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL FÜNFZEHN

      „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“

      Jesus heilt zwei blinde Männer.

      „Herr, öffne unsere Augen“

      1-3. (a) Wie reagiert Jesus, als ihn zwei blinde Bettler um Hilfe anflehen? (b) Was steckt in dem Ausdruck „von tiefem Mitgefühl ergriffen“? (Siehe Fußnote.)

      ZWEI Blinde sitzen am Wegesrand vor Jericho. Sie kommen jeden Tag hierher, suchen sich einen Platz, wo viele Menschen vorbeigehen, und bitten um Almosen. An diesem Tag geschieht jedoch etwas, was ihr Leben grundlegend verändern wird.

      2 Die Bettler hören, dass es um sie herum plötzlich unruhig wird. Da sie nicht sehen können, was vor sich geht, erkundigt sich einer von ihnen nach dem Grund für die Unruhe. Man antwortet ihm: „Jesus, der Nazarener, geht gerade vorbei.“ Jesus ist zum letzten Mal nach Jerusalem unterwegs. Er ist jedoch nicht allein; eine große Menschenmenge folgt ihm. Als die Bettler erfahren, wer da vorbeigeht, verursachen sie einigen Aufruhr, denn sie rufen: „Herr, hab Erbarmen mit uns, Sohn Davids!“ Ärgerlich verbieten die Umstehenden ihnen das Wort. Doch die Männer sind verzweifelt. Sie lassen sich nicht zum Schweigen bringen.

      3 Jesus hört die beiden Männer durch das Stimmengewirr rufen. Was wird er tun? Er steht unter großer innerer Belastung. Die letzte Woche seines irdischen Lebens liegt vor ihm, und er weiß, dass ihn in Jerusalem Leiden und ein grausamer Tod erwarten. Trotzdem ignoriert er die beharrlichen Rufe nicht. Er bleibt stehen und lässt die Blinden zu sich bringen. Sie flehen ihn an: „Herr, öffne unsere Augen“ „Von tiefem Mitgefühl ergriffen“ berührt Jesus ihre Augen und sie können wieder sehen.a Unverzüglich folgen sie ihm (Lukas 18:35-43; Matthäus 20:29-34).

      4. Wie erfüllte sich die Prophezeiung über Jesus, er würde „Mitleid haben mit den Benachteiligten“?

      4 Diese Situation war kein Einzelfall. Jesus handelte bei vielen Gelegenheiten und unter vielerlei Umständen aus tiefem Mitleid. In der Bibel hieß es prophetisch über ihn: „Er wird Mitleid haben mit den Benachteiligten“ (Psalm 72:13). Und so war es tatsächlich. Jesus hatte ein feines Gespür für die Gefühle der Menschen. Er ergriff die Initiative und half. Aus Mitleid fühlte er sich gedrängt zu predigen. Untersuchen wir einmal anhand der Evangelien, wie viel Mitgefühl aus Jesu Worten und Taten sprach, und überlegen wir, wie wir ähnlich mitfühlend sein können.

      Rücksichtnahme auf Gefühle

      5, 6. Welche Beispiele zeigen, dass sich Jesus gut in andere Menschen einfühlen konnte?

      5 Jesus hatte sehr viel Einfühlungs­vermögen. Er versetzte sich in die Leidenden hinein und litt mit ihnen. Auch wenn er nicht in genau derselben Lage war wie sie, spürte er regelrecht ihren Schmerz in seinem Herzen (Hebräer 4:15). Als er einmal eine Frau heilte, die seit 12 Jahren an Blutungen litt, bezeichnete er ihr Leiden als „schlimme Krankheit“; ihm war also bewusst, wie sehr sie darunter gelitten hatte (Markus 5:25-34). Als er Maria und andere, die bei ihr waren, über den Tod des Lazarus weinen sah, ging ihm das so nahe, dass er innerlich ganz aufgewühlt war. Obwohl er wusste, dass er Lazarus gleich auferwecken würde, kamen ihm die Tränen (Johannes 11:33, 35).

      6 Ein andermal kam ein Aussätziger zu Jesus und flehte ihn an: „Wenn du nur willst, kannst du mich gesund machen.“ Wie reagierte Jesus, ein vollkommener Mensch, der nie krank gewesen war? Das Leid des Mannes berührte ihn sehr, ja er empfand „tiefes Mitgefühl“ (Markus 1:40-42). Dann tat er etwas Außergewöhnliches. Er wusste genau, dass Aussätzige unter dem mosaischen Gesetz unrein waren und sich von anderen fernhalten mussten (3. Mose 13:45, 46). Natürlich hätte er diesen Mann auch ohne Berührung heilen können (Matthäus 8:5-13). Aber er streckte seine Hand aus, berührte den Aussätzigen und sagte: „Das will ich! Du sollst gesund werden.“ Sofort war der Aussatz verschwunden. Wie einfühlsam das doch war!

      Eine Schwester tröstet eine andere Schwester.

      Hab Mitgefühl

      7. Wie können wir Einfühlungs­vermögen entwickeln, und wodurch kommt es zum Ausdruck?

      7 Als Christen sind wir aufgerufen, Jesus nachzuahmen und ebenfalls einfühlsam zu sein. Die Bibel fordert uns auf: „Habt Mitgefühl“ (1. Petrus 3:8).b Es ist oft nicht einfach, die Gefühle eines Menschen nachzuempfinden, der an einer chronischen Krankheit oder an Depressionen leidet – besonders wenn man selbst nie in einer solchen Lage war. Doch eigentlich braucht man nicht dasselbe erlebt zu haben. Jesus konnte sich in Kranke hineinversetzen, obwohl er selbst nie krank war. Wie aber entwickelt man Einfühlungs­vermögen? Man muss geduldig zuhören, wenn sich Menschen, die leiden, öffnen und über ihre Gefühle sprechen. Man könnte sich fragen: „Wie würde ich mich in ihrer Lage fühlen?“ (1. Korinther 12:26). Je feiner unser Gespür für die Gefühle anderer wird, desto besser können wir „die Nieder­geschlagenen … trösten“ (1. Thessalonicher 5:14). Manchmal zeigt sich Mitgefühl nicht nur durch Worte, sondern auch durch Tränen. In Römer 12:15 heißt es: „Weint mit denen, die weinen.“

      8, 9. Wie nahm Jesus auf die Gefühle anderer Rücksicht?

      8 Jesus nahm Rücksicht auf die Menschen und ihre Gefühle. Denken wir zum Beispiel an die Situation, als ein gehörloser, sprachbehinderter Mann zu ihm gebracht wurde. Jesus spürte offensichtlich, dass dieser Mann verunsichert war, und so ging er anders vor, als er es bei Heilungen sonst gewöhnlich tat: „Er [nahm] ihn mit an einen Ort, wo sie allein waren.“ Abseits von den Blicken der Menge heilte er ihn (Markus 7:31-35).

      9 Ebenso rücksichtsvoll behandelte Jesus einen Blinden, den man zu ihm brachte, damit er ihn heile. „Er nahm den Blinden an die Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus.“ Dann heilte er ihn schrittweise – vielleicht damit sich die Augen und das Gehirn des Mannes nach und nach an das grelle Sonnenlicht und die vielen neuen Eindrücke gewöhnen konnten (Markus 8:22-26). Wie rücksichtsvoll!

      10. Wie können wir auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen?

      10 Als Nachfolger Jesu müssen auch wir auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen. Da uns bewusst ist, dass wir durch gedankenlose Worte andere verletzen könnten, achten wir auf das, was wir sagen (Sprüche 12:18; 18:21). Grobe, abfällige Bemerkungen und beißender Spott zeugen nicht von Feingefühl und haben unter Christen keinen Platz (Epheser 4:31). Wie können Älteste auf die Gefühle anderer Rücksicht nehmen? Wenn sie ein Problem ansprechen, sollten sie es in freundliche Worte verpacken, damit sich der Angesprochene nicht würdelos behandelt fühlt (Galater 6:1). Wie können Eltern die Gefühle ihrer Kinder berücksichtigen? Indem sie ihnen bei Erziehungs­maßnahmen unnötige Peinlichkeiten ersparen (Kolosser 3:21).

      Die Initiative ergreifen und helfen

      11, 12. Welche biblischen Berichte zeigen, dass Jesus nicht erst gebeten werden musste, bevor er andere mitfühlend behandelte?

      11 Jesus musste nicht immer erst gebeten werden, bevor er andere mitfühlend behandelte. Mitgefühl ist nichts Passives, sondern es regt zu positivem Handeln an. Deshalb verwundert es nicht, dass Jesus oft die Initiative ergriff und von sich aus half. Als zum Beispiel eine große Menschenmenge drei Tage ohne Nahrungsmittel bei ihm war, brauchte ihm niemand erst zu sagen, dass die Leute Hunger hatten oder er etwas für sie tun solle. Im Bibelbericht heißt es: „Jesus rief seine Jünger nun zu sich und sagte: ‚Die Leute tun mir leid. Sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Ich möchte sie nicht hungrig wegschicken, sonst verlassen sie unterwegs die Kräfte.‘“ Dann versorgte er die Menschen von sich aus durch ein Wunder mit etwas zu essen (Matthäus 15:32-38).

      12 Nehmen wir noch eine andere Begebenheit. Als Jesus im Jahr 31 u. Z. nach Nain kam, bot sich ihm ein trauriger Anblick. In einem Trauerzug wurde ein Toter aus der Stadt getragen, „der einzige Sohn“ einer Witwe; er sollte wahrscheinlich in den Grabhöhlen des benachbarten Hügellandes beigesetzt werden. Wie muss die Mutter dieses jungen Mannes doch gelitten haben! Sie hatte ihren einzigen Sohn verloren und hatte keinen Ehemann, mit dem sie ihren Kummer hätte teilen können. Jesus erblickte zwischen all den Leuten in dem Trauerzug die nun kinderlose Witwe. Ihr Anblick ging ihm sehr zu Herzen – ja er „empfand … tiefes Mitgefühl“. Niemand brauchte ihn erst um Hilfe zu bitten. Tiefes Mitleid trieb ihn an, von sich aus zu handeln. Deshalb „kam er näher, berührte die Bahre“ und brachte den jungen Mann wieder zum Leben. Was geschah dann? Jesus verlangte von dem Auferweckten nicht, sich der Menschenmenge, die ihm folgte, anzuschließen und mit ihm zu gehen, sondern er „gab ihn seiner Mutter zurück“, damit sie wieder einen Angehörigen hatte, der für sie sorgen konnte (Lukas 7:11-15).

      Eine jüngere Schwester hilft einer älteren Schwester dabei, Blumen einzupflanzen.

      Ergreife die Initiative, wenn jemand Hilfe braucht

      13. Wie können wir Jesus nachahmen, wenn es darum geht, in Notlagen von uns aus die nötige Hilfe zu leisten?

      13 Wie können wir Jesu Beispiel nachahmen? Wir können natürlich nicht durch ein Wunder Nahrungsmittel beschaffen oder Tote auferwecken. Aber wir können wie Jesus die Initiative ergreifen, wenn jemand Hilfe braucht. Vielleicht hat ein Glaubensbruder oder eine Glaubens­schwester einen schweren materiellen Verlust erlitten oder die Arbeit verloren (1. Johannes 3:17). Am Haus einer Witwe sind womöglich Reparaturen fällig (Jakobus 1:27). Oder wir wissen von jemandem, der einen Todesfall in der Familie hatte und Trost oder etwas praktische Hilfe benötigt (1. Thessalonicher 5:11). Wir brauchen uns nicht erst bitten zu lassen, bevor wir in einer Notlage Hilfe anbieten (Sprüche 3:27). Wir werden aus Mitgefühl je nach unseren persönlichen Möglichkeiten von uns aus die nötige Hilfe leisten. Vergessen wir nie: Eine einfache, freundliche Geste oder ein paar herzliche Worte des Trostes können ausdrucksvolle Zeichen von Mitgefühl sein (Kolosser 3:12).

      Mitgefühl motivierte ihn zu predigen

      14. Warum hatte das Predigen der guten Botschaft für Jesus Vorrang?

      14 Wie wir in Abschnitt 2 dieses Buches gesehen haben, gab Jesus als Prediger der guten Botschaft ein hervorragendes Beispiel. Er sagte: „Ich muss die gute Botschaft von Gottes Königreich auch in anderen Städten bekannt machen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (Lukas 4:43). Warum hatte das Predigtwerk für ihn Vorrang? In erster Linie, weil er Gott liebte. Aber es gab noch einen anderen Grund: tiefes Mitgefühl mit anderen. Jesus zeigte auf vielerlei Weise Mitgefühl, vor allem aber dadurch, dass er anderen half, Jehova kennenzulernen. Befassen wir uns kurz mit zwei Begebenheiten, die zeigen, wie Jesus die Menschen sah, denen er predigte. So können wir uns darüber klar werden, was uns persönlich zum Predigen bewegt.

      15, 16. Schildere zwei Begebenheiten, die zeigen, wie Jesus die Menschen sah, denen er predigte.

      15 Nachdem Jesus etwa zwei Jahre unter großem Einsatz gepredigt hatte, dehnte er seinen Wirkungsbereich aus und unternahm im Jahr 31 u. Z. eine Reise „durch alle Städte und Dörfer“ Galiläas. Was er dort sah, ging ihm zu Herzen. Der Apostel Matthäus berichtet: „Als er die Menschenmengen sah, empfand er tiefes Mitgefühl, denn sie waren wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9:35, 36). Jesus hatte Mitgefühl mit den Menschen. Ihm war voll bewusst, in was für einem schlimmen Zustand sie eigentlich waren. Er wusste, dass sie von ihren religiösen Führern – genau denen, die eigentlich ihre Hirten hätten sein sollen – schlecht behandelt und völlig vernachlässigt wurden. Aus tiefem Mitgefühl setzte er alles daran, den Menschen eine Botschaft der Hoffnung zu bringen. Nichts brauchten sie dringender als die gute Botschaft von Gottes Königreich.

      16 Etwas Ähnliches trug sich einige Monate später kurz vor dem Passah des Jahres 32 u. Z. zu. Jesus und die Apostel bestiegen ein Boot und fuhren über den See von Galiläa, um einen abgelegenen Ort zu suchen, wo sie sich etwas ausruhen konnten. Viele Menschen liefen jedoch am Ufer entlang und kamen noch vor dem Boot auf der anderen Seite an. Wie reagierte Jesus? „Als er ausstieg, sah er eine große Menschenmenge und empfand tiefes Mitgefühl mit den Leuten, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten. Und er fing an, sie vieles zu lehren“ (Markus 6:31-34). Wieder ergriff Jesus Mitleid, weil er sah, wie schlecht es um diese Menschen bestellt war. Sie waren sich selbst überlassen und wie „Schafe ohne einen Hirten“, die dringend geistige Nahrung benötigten. Mitgefühl – nicht nur reines Pflichtgefühl – motivierte Jesus zu predigen.

      Eine Schwester predigt einer Frau und zeigt dabei Mitgefühl.

      Sei beim Predigen mitfühlend

      17, 18. (a) Was motiviert uns zu predigen? (b) Wie können wir Mitgefühl mit anderen entwickeln?

      17 Was motiviert uns als Nachfolger Christi zu predigen? In Kapitel 9 dieses Buches war davon die Rede, dass wir einen Auftrag, eine Verantwortung, haben: zu predigen und Menschen zu Jüngern Jesu zu machen (Matthäus 28:19, 20; 1. Korinther 9:16). Dazu darf uns allerdings nicht nur reines Pflichtgefühl antreiben. Wir predigen die gute Botschaft von Gottes Königreich vor allem aus Liebe zu Jehova. Ein weiteres Motiv ist Mitgefühl mit den Menschen, die nicht an Jehova glauben (Markus 12:28-31). Wie aber können wir dieses Mitgefühl entwickeln?

      18 Wir müssen die Menschen so sehen, wie Jesus sie sah: wie geschundene und herumgestoßene Schafe, die keinen Hirten haben. Stell dir vor, du findest ein Lamm, das sich hoffnungslos verirrt hat. Ohne einen Hirten, der es auf eine gute Weide und ans Wasser führt, wird das arme Tier verhungern und verdursten. Würde dir dieses Lamm nicht von Herzen leidtun? Würdest du nicht alles tun, damit es Futter und Wasser bekommt? Wie diesem Lamm geht es vielen Menschen, die von der guten Botschaft noch nichts gehört haben. Von Hirten der falschen Religion vernachlässigt, leiden sie Hunger und Durst, und das ohne echte Zukunftshoffnung. Wir haben, was sie brauchen: nahrhafte geistige Nahrung und erfrischendes Wasser der Wahrheit aus Gottes Wort (Jesaja 55:1, 2). Wenn wir darüber nachdenken, wie dringend die Menschen die Botschaft der Bibel benötigen, tun sie uns von Herzen leid. Und wenn wir wie Jesus tiefes Mitgefühl mit ihnen haben, werden wir alles daransetzen, ihnen von der Königreichs­hoffnung zu erzählen.

      19. Wie könnten wir jemand, der die Bibel studiert und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, zum Predigen ermutigen?

      19 Wie können wir andere anregen, Jesu Beispiel zu folgen? Angenommen, wir möchten jemand, der die Bibel studiert und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, zum Predigen ermutigen. Oder wir würden gern einem Untätigen helfen, sich wieder voll am Predigtdienst zu beteiligen. Was können wir tun? Wir müssen versuchen, sein Herz anzusprechen. Wie wir gesehen haben, lehrte Jesus die Menschen, weil er „tiefes Mitgefühl“ empfand (Markus 6:34). Wenn wir es also schaffen, bei einem Bibelschüler oder einem Untätigen das Mitgefühl zu wecken, kann es gut sein, dass er sich motiviert fühlt, wie Jesus über die gute Botschaft zu sprechen. Wir könnten fragen: „Was hat die Königreichs­botschaft in deinem Leben Gutes bewirkt? Was ist mit denen, die von dieser Botschaft noch nichts wissen – müssten nicht auch sie davon erfahren? Wie könntest du ihnen helfen?“ Die stärkste Motivation zu predigen ist natürlich die Liebe zu Gott und der Wunsch, ihm zu dienen.

      20. (a) Was bedeutet es, ein Nachfolger Jesu zu sein? (b) Womit werden wir uns im nächsten Kapitel befassen?

      20 Ein Nachfolger Jesu zu sein bedeutet nicht nur, so zu reden und zu handeln wie Jesus. Wir müssen die gleiche „innere Einstellung“ entwickeln wie er (Philipper 2:5). Wie dankbar können wir doch sein, dass uns die Bibel die Gedanken und Gefühle hinter Jesu Worten und Taten offenbart! Je besser wir „die Denkweise Christi“ kennenlernen, umso feinfühliger und mitfühlender werden wir, und wir behandeln dann andere so, wie Jesus die Menschen allgemein behandelte (1. Korinther 2:16). Im nächsten Kapitel werden wir uns damit befassen, auf welche unterschiedliche Art sich Jesu Liebe insbesondere zu seinen Nachfolgern zeigte.

      a Das Wort, das mit „von tiefem Mitgefühl ergriffen“ wiedergegeben wurde, gilt im Griechischen als eines der stärksten Wörter für Mitgefühl. In einem Nachschlagewerk heißt es dazu: „Es deutet nicht nur auf ein schmerzliches Gefühl angesichts von Leid hin, sondern auch auf den starken Wunsch, das Leid zu lindern und es zu beseitigen.“

      b Das griechische Adjektiv, das mit „Mitgefühl haben“ wiedergegeben wurde, bedeutet wörtlich „mitleidend“.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Wie zeigte Jesus, ein Mann mit großer Machtbefugnis, Mitgefühl, und wie können wir ihn nachahmen? (Matthäus 11:28-30).

      • Warum ist es wichtig, nach Jesu Vorbild Barmherzigkeit zu üben, das heißt, aus Mitleid etwas für andere zu tun? (Matthäus 9:9-13; 23:23).

      • Welche Handlungen Jesu ließen erkennen, dass er die Gefühle anderer verstand, und wie können wir seinem Beispiel folgen? (Lukas 7:36-50).

      • Wie zeigt die Geschichte vom barmherzigen Samariter, dass sich Mitleid positiv äußert, und wie können wir den Lehrpunkt daraus umsetzen? (Lukas 10:29-37).

  • „Jesus liebte die, die zu ihm gehörten, bis ans Ende“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SECHZEHN

      „Jesus liebte die, die zu ihm gehörten, bis ans Ende“

      1, 2. Wie verbringt Jesus seinen letzten Abend mit den Aposteln, und warum sind diese letzten Augenblicke für ihn so kostbar?

      JESUS versammelt seine Apostel im Obergeschoss eines Hauses in Jerusalem. Er weiß, dass dies sein letzter Abend mit ihnen sein wird. Nur noch kurze Zeit, dann wird er zu seinem Vater zurückkehren. In wenigen Stunden wird man ihn verhaften und sein Glaube wird wie nie zuvor geprüft werden. Doch nicht einmal sein bevorstehender Tod kann ihn von den Bedürfnissen der Apostel ablenken.

      2 Jesus hat die Apostel schon auf seinen Weggang vorbereitet, aber er möchte sie für die vor ihnen liegende Zeit noch mehr stärken. Deshalb gibt er ihnen in diesen letzten kostbaren Augenblicken wichtige Lehren mit auf den Weg, die ihnen helfen werden, treu zu bleiben. Seine Worte an jenem Abend gehören zu den herzlichsten und vertraulichsten, die er je an sie gerichtet hat. Doch warum ist Jesus mehr auf seine Apostel als auf sich selbst bedacht? Warum liegt ihm an diesen letzten Stunden mit ihnen so viel? Ganz einfach, weil er sie liebt – weil er sie von Herzen liebt.

      3. Wieso wissen wir, dass Jesu Liebe zu seinen Nachfolgern nicht erst an seinem letzten Abend zum Ausdruck kam?

      3 Jahrzehnte später schrieb der Apostel Johannes einleitend in seinem inspirierten Bericht über die Ereignisse an jenem Abend: „Da Jesus vor dem Passahfest wusste, dass für ihn die Stunde gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen, liebte er die, die zu ihm gehörten und die in der Welt waren und die er geliebt hatte, bis ans Ende“ (Johannes 13:1). Jesu Liebe zu denjenigen, „die zu ihm gehörten“, kam nicht erst an jenem Abend zum Ausdruck. Er bewies sie während seiner gesamten Tätigkeit im Großen wie im Kleinen. Sehen wir uns einmal an, wie sich das im Einzelnen äußerte, denn wenn wir ihn in dieser Hinsicht nachahmen, erweisen wir uns als seine echten Nachfolger.

      Er war geduldig

      4, 5. (a) Warum brauchte Jesus im Umgang mit seinen Jüngern Geduld? (b) Wie reagierte Jesus darauf, dass drei seiner Apostel im Garten Gethsemane nicht wachsam geblieben waren?

      4 Liebe ist eng mit Geduld verbunden. In 1. Korinther 13:4 heißt es: „Die Liebe ist geduldig.“ Geduldig zu sein schließt ein, andere zu ertragen. Brauchte Jesus im Umgang mit seinen Jüngern Geduld? Durchaus! Wie wir in Kapitel 3 gesehen haben, dauerte es eine Zeit lang, bis die Apostel Demut lernten. Mehrere Male gerieten sie darüber in Streit, wer von ihnen der Größte sei. Wie reagierte Jesus? Wurde er ärgerlich? Nahm er ihnen ihr Verhalten übel? Nein. Er redete ihnen geduldig zu, sogar noch als an ihrem letzten gemeinsamen Abend „eine hitzige Auseinander­setzung“ über diese Frage entstand! (Lukas 22:24-30; Matthäus 20:20-28; Markus 9:33-37).

      5 Als Jesus etwas später an jenem Abend mit den elf treuen Aposteln zum Garten Gethsemane ging, wurde seine Geduld erneut auf die Probe gestellt. Jesus ließ acht der Apostel zurück und ging mit Petrus, Jakobus und Johannes weiter in den Garten hinein. Er sagte zu ihnen: „Ich bin zu Tode betrübt. Wartet hier und wacht mit mir.“ Dann entfernte er sich ein Stück und begann intensiv zu beten. Nachdem er eine ganze Zeit gebetet hatte, kam er zu den drei Aposteln zurück. Was sah er? In seiner schwersten Stunde schliefen sie! Machte er ihnen Vorwürfe, weil sie nicht wachsam geblieben waren? Nein, er redete ihnen geduldig ins Gewissen. Seine freundlichen Worte zeugten von Verständnis für ihre Schwächen und für die Belastung, unter der sie gestanden hatten.a „Der Geist ist zwar voller Eifer“, sagte er, „aber der Körper ist schwach.“ Jesus blieb geduldig, obwohl er die Apostel an jenem Abend nicht nur ein Mal, sondern drei Mal schlafend vorfand! (Matthäus 26:36-46).

      6. Wie können wir Jesus im Umgang mit anderen nachahmen?

      6 Es ist ermutigend, zu sehen, dass Jesus seine Apostel nicht als hoffnungslose Fälle betrachtete. Seine Geduld trug schließlich Früchte, denn diese treuen Männer lernten, sowohl demütig als auch wachsam zu sein (1. Petrus 3:8; 4:7). Wie können wir Jesus im Umgang mit anderen nachahmen? Besonders Älteste müssen geduldig sein. Vielleicht kommt jemand gerade dann mit einem Problem zu ihnen, wenn sie erschöpft sind oder selbst Sorgen haben. Oder es dauert eine gewisse Zeit, bis jemand auf guten Rat reagiert. Geduldige Älteste leiten andere jedoch immer „mit Milde“ an und „schonen“ die Herde (2. Timotheus 2:24, 25; Apostel­geschichte 20:28, 29). Auch Eltern brauchen Geduld, denn Kinder reagieren ja auf Rat oder Erziehungs­maßnahmen manchmal nur langsam. Liebe und Geduld hilft ihnen, nicht aufzugeben, sondern ihre Kinder weiterhin konsequent zu erziehen. Dafür werden sie oft sehr belohnt (Psalm 127:3).

      Er ging auf ihre Bedürfnisse ein

      7. Wie ging Jesus auf verschiedene Weise auf die physischen Bedürfnisse seiner Jünger ein?

      7 Liebe zeigt sich durch selbstlose Taten (1. Johannes 3:17, 18). Sie „hat nicht ihre eigenen Interessen im Sinn“ (1. Korinther 13:5). Aus Liebe ging Jesus auf die physischen Bedürfnisse seiner Jünger ein. Er handelte oft schon, bevor sie etwas sagten. Als er sah, dass sie müde waren, schlug er vor: „Kommt mit, ihr allein, an einen einsamen Ort und ruht euch ein bisschen aus“ (Markus 6:31). Als er merkte, dass sie Hunger hatten, sorgte er dafür, dass sie etwas zu essen bekamen – sie und Tausende andere, die gekommen waren, um ihm zuzuhören (Matthäus 14:19, 20; 15:35-37).

      8, 9. (a) Woran ist zu erkennen, dass Jesus sah, was seine Jünger brauchten, um im Glauben stark zu bleiben, und dass er darauf einging? (b) Wie zeigte Jesus, als er am Pfahl hing, dass ihm das Wohl seiner Mutter sehr am Herzen lag?

      8 Jesus sah auch, was seine Jünger brauchten, um im Glauben stark zu bleiben, und ging darauf ein (Matthäus 4:4; 5:3). Wenn er lehrte, hatte er oft speziell seine Jünger im Sinn. Die Bergpredigt hielt er besonders für sie (Matthäus 5:1, 2, 13-16). Oft redete Jesus in Bildern, und „wenn er dann mit seinen Jüngern allein war, erklärte er ihnen alles“ (Markus 4:34). Er sagte voraus, dass er einen „treuen und verständigen Sklaven“ einsetzen würde, damit seine Nachfolger in den letzten Tagen mit geistiger Nahrung gut versorgt würden. Dieser treue Sklave, bestehend aus einer kleinen Gruppe von geistgesalbten Brüdern Jesu auf der Erde, teilt seit 1919 geistige Nahrung „zur richtigen Zeit“ aus (Matthäus 24:45).

      9 Am Tag seines Todes zeigte sich auf sehr ergreifende Weise, wie wichtig es Jesus war, dass diejenigen, die er liebte, Jehova naheblieben. Jesus hing am Pfahl und litt unerträgliche Schmerzen. Um Atem zu holen, musste er sich wahrscheinlich mit den Füßen etwas hochstemmen. Das war bestimmt sehr qualvoll, denn das Gewicht seines Körpers lastete dabei auf den Nagelwunden in seinen Füßen und sein gegeißelter Rücken scheuerte am Pfahl. Unter diesen Umständen zu sprechen muss schwierig und schmerzhaft gewesen sein. Doch kurz bevor Jesus starb, sagte er etwas, das tiefe Liebe zu seiner Mutter Maria erkennen ließ. Er sah Maria und den Apostel Johannes in der Nähe stehen und sagte zu seiner Mutter so laut, dass es die Umstehenden hören konnten: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ Dann sagte er zu Johannes: „Das ist jetzt deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27). Jesus wusste, dass der treue Apostel gut für Maria sorgen würde – sowohl für ihre physischen Bedürfnisse als auch für das, was sie brauchte, um einen starken Glauben zu haben.b

      Collage: 1. Ein Vater beim Familienstudium mit seiner Frau und seinen drei Kindern 2. Die Familie lässt einen Drachen steigen 3. Die Familie beim Essen.

      Eltern, die ihre Kinder lieben, sind geduldig mit ihnen und kümmern sich um ihre Bedürfnisse

      10. Wie können Eltern Jesus nachahmen, wenn es um die Bedürfnisse ihrer Kinder geht?

      10 Eltern haben in Jesus ein gutes Beispiel, was Fürsorglichkeit betrifft. Ein Vater, der seine Familie wirklich liebt, sorgt materiell für sie (1. Timotheus 5:8). Er schafft in einem ausgeglichenen Rahmen Gelegenheiten zur Erholung und Entspannung und – was noch wichtiger ist – er hilft seinen Kindern, einen starken Glauben zu entwickeln. Dazu studiert er mit seiner Familie regelmäßig die Bibel und bemüht sich, das Studium so zu gestalten, dass die Kinder davon profitieren und Freude daran haben (5. Mose 6:6, 7). Liebevolle Eltern werden ihren Kindern auch erklären und vorleben, wie wichtig der Predigtdienst ist und dass der Besuch der Zusammenkünfte sowie die Vorbereitung darauf zu ihrem Glaubensleben dazugehören (Hebräer 10:24, 25).

      Er war zum Vergeben bereit

      11. Was lehrte Jesus seine Nachfolger über das Vergeben?

      11 Eine weitere Facette der Liebe ist Vergebung (Kolosser 3:13, 14). Die Liebe „rechnet das Böse nicht an“, heißt es in 1. Korinther 13:5. Jesus lehrte seine Nachfolger des Öfteren, wie wichtig das Vergeben ist. Wie oft sollten sie vergeben? „Nicht bis zu 7 Mal, sondern bis zu 77 Mal“ – also unbegrenzt (Matthäus 18:21, 22). Er erklärte ihnen, dass einem Sünder, wenn er nach einer Zurechtweisung Reue zeigt, vergeben werden solle (Lukas 17:3, 4). Jesus war jedoch nicht wie die heuchlerischen Pharisäer, die nur Worte machten; er praktizierte, was er lehrte (Matthäus 23:2-4). Sehen wir uns einmal an, wie sich das äußerte, als er von einem guten Freund enttäuscht wurde.

      Jesus schaut von einem Balkon aus hinunter in den Hof und blickt auf Petrus, der leugnet, ihn zu kennen.

      12, 13. (a) Wie wurde Jesus in der Nacht seiner Festnahme von Petrus im Stich gelassen? (b) Wie zeigte sich nach Jesu Auferstehung deutlich, dass er Vergebung nicht nur predigte?

      12 Jesus hatte ein enges Verhältnis zum Apostel Petrus, einem warmherzigen, manchmal impulsiven Mann. Er sah, was für gute Eigenschaften Petrus hatte, und übertrug ihm besondere Dienstvorrechte. Zusammen mit Jakobus und Johannes wurde Petrus Zeuge bestimmter Wunder, die die übrigen Apostel nicht miterlebten (Matthäus 17:1, 2; Lukas 8:49-55). Wie schon erwähnt, war Petrus einer der Apostel, die mit Jesus in der Nacht seiner Festnahme weiter in den Garten Gethsemane hineingingen. Als Jesus in jener Nacht verraten und abgeführt wurde, lief Petrus jedoch wie die anderen Apostel davon. Später wagte sich Petrus bis in den Hof des Gebäudes, in dem Jesus illegal verhört wurde. Dort bekam er es dann mit der Angst zu tun und beging einen schweren Fehler: Er verleugnete Jesus drei Mal und behauptete sogar, ihn nicht zu kennen (Matthäus 26:69-75). Wie reagierte Jesus? Wie hättest du reagiert, wenn ein guter Freund dich so im Stich gelassen hätte?

      13 Jesus war zum Vergeben bereit. Er wusste, dass Petrus von seiner Sünde fast erdrückt wurde. Ja, der reumütige Apostel „brach … zusammen und fing an zu weinen“ (Markus 14:72). Jesus erschien ihm gleich am Tag seiner Auferstehung – wahrscheinlich um ihn zu trösten und zu beruhigen (Lukas 24:34; 1. Korinther 15:5). Keine zwei Monate später durfte Petrus am Pfingsttag in Jerusalem vor vielen Menschen Zeugnis ablegen (Apostel­geschichte 2:14-40). Auch den anderen Aposteln war Jesus interessanter­weise nicht böse, obwohl sie ihn alleingelassen hatten. Er nannte sie nach seiner Auferstehung immer noch „meine Brüder“ (Matthäus 28:10). Ganz offensichtlich hat Jesus Vergebung nicht nur gepredigt.

      14. Warum müssen wir vergeben können, und worin zeigt sich die Bereitschaft dazu?

      14 Als Jünger Christi müssen wir vergeben lernen. Warum? Weil wir im Gegensatz zu Jesus unvollkommen sind – wie diejenigen, die gegen uns sündigen. Wir machen alle oft Fehler in dem, was wir sagen oder tun (Römer 3:23; Jakobus 3:2). Wenn wir vergeben, wo eine Grundlage für Barmherzigkeit besteht, kann Gott auch unsere Sünden vergeben (Markus 11:25). Worin zeigt sich die Bereitschaft zu vergeben? Oft darin, dass wir aus Liebe über kleinere Sünden und Unzulänglichkeiten hinwegsehen (1. Petrus 4:8). Wenn uns jemand Unrecht getan hat und es ihm aufrichtig leidtut, wie es bei Petrus der Fall war, sollten wir wie Jesus vergeben. Statt nachtragend zu sein, ist es viel klüger, Groll zu begraben (Epheser 4:32). Das fördert den Frieden in der Versammlung und unseren eigenen inneren Frieden (1. Petrus 3:11).

      Er brachte Vertrauen zum Ausdruck

      15. Warum vertraute Jesus seinen Jüngern trotz ihrer Unzulänglichkeiten?

      15 Liebe ist auch eng mit Vertrauen verknüpft. Die Liebe „glaubt alles“ (1. Korinther 13:7).c Jesus war aus Liebe bereit, seinen Jüngern trotz ihrer Unzulänglichkeiten zu vertrauen. Er war zuversichtlich und davon überzeugt, dass sie Jehova von Herzen liebten und seinen Willen tun wollten. Selbst wenn sie Fehler machten, stellte er ihre Beweggründe nicht infrage. Als sich zum Beispiel die Apostel Jakobus und Johannes – offenbar durch ihre Mutter – einen Platz im Königreich an Jesu Seite sichern wollten, zweifelte Jesus weder ihre Loyalität an noch lehnte er sie als Apostel ab (Matthäus 20:20-28).

      16, 17. Welche verantwortungs­vollen Aufgaben hat Jesus seinen Jüngern übertragen?

      16 Jesu Vertrauen zu seinen Jüngern zeigte sich auch darin, dass er ihnen verantwortungs­volle Aufgaben übertrug. Als er zweimal durch ein Wunder Brote und Fische vermehrte, beauftragte er seine Jünger, sie unter die versammelte Menge zu verteilen (Matthäus 14:19; 15:36). Vor seinem letzten Passah trug er Petrus und Johannes auf, in Jerusalem die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Sie kümmerten sich um das Lamm, den Wein, das ungesäuerte Brot, um bittere Kräuter und was sonst noch nötig war. Das war nicht unwichtig, denn im mosaischen Gesetz war festgelegt, wie beim Passah im Einzelnen vorzugehen war, und Jesus musste sich daran halten. Außerdem gebrauchte er den Wein und das ungesäuerte Brot an jenem Abend als Symbole bei der Einsetzung der Feier zum Gedenken an seinen Tod (Matthäus 26:17-19; Lukas 22:8, 13).

      17 Jesus übertrug seinen Jüngern später noch größere Verantwortung. Sie erhielten von ihm den bedeutenden Auftrag, zu predigen und Menschen zu seinen Jüngern zu machen (Matthäus 28:18-20). Wie schon erwähnt, sagte er voraus, dass er eine kleine Gruppe seiner gesalbten Nachfolger auf der Erde mit der verantwortungs­vollen Aufgabe betrauen würde, geistige Nahrung auszuteilen (Lukas 12:42-44). Außerdem vertraut er in der heutigen Zeit, wo er unsichtbar vom Himmel aus regiert, seine Versammlung auf der Erde der Obhut fähiger Männer an – Menschen, die er „als Gaben“ gegeben hat (Epheser 4:8, 11, 12).

      18-20. (a) Wie können wir Glaubensbrüdern mit Vertrauen und Zuversicht begegnen? (b) Wie können wir Jesu Bereitschaft, Aufgaben abzugeben, nachahmen? (c) Worauf wird im nächsten Kapitel eingegangen?

      18 Wie können wir im Umgang mit anderen Jesu Beispiel nachahmen? Wenn wir unseren Glaubensbrüdern mit Vertrauen und Zuversicht begegnen, zeugt das von Liebe. Behalten wir immer im Sinn, dass die Liebe nicht negativ, sondern positiv ist. Sollte uns jemand enttäuschen, was ja immer wieder einmal vorkommt, hilft uns Liebe, dem Betreffenden nicht gleich schlechte Motive zu unterstellen (Matthäus 7:1, 2). Wenn wir gegenüber unseren Brüdern und Schwestern positiv eingestellt bleiben, reißen wir sie nicht nieder, sondern bauen sie auf (1. Thessalonicher 5:11).

      19 Können wir wie Jesus Aufgaben abgeben? Es ist gut, wenn Brüder in verantwortlicher Stellung sinnvolle Aufgaben an geeignete Brüder delegieren und darauf vertrauen, dass sie nach besten Kräften ausgeführt werden. So können Älteste aufgrund ihrer Erfahrung jüngeren Männern, die sich darum bemühen, in der Versammlung mitzuhelfen, wertvolle Schulung vermitteln (1. Timotheus 3:1; 2. Timotheus 2:2). Das ist notwendig und sehr wichtig, denn je mehr Jehova das Wachstum des Königreichswerks beschleunigt, desto mehr geeignete Männer müssen geschult werden, um diesem Wachstum gerecht zu werden (Jesaja 60:22).

      20 Jesus ist ein hervorragendes Vorbild dafür, wie man Liebe praktiziert. Wir können uns auf vielen Gebieten an ihm ein Beispiel nehmen, doch am wichtigsten ist es, seine Liebe nachzuahmen. Im nächsten Kapitel werden wir darauf eingehen, wie sich seine Liebe zu uns am deutlichsten gezeigt hat: Er war bereit, sein Leben für uns zu geben.

      a Die Apostel waren nicht einfach nur körperlich müde. Gemäß der Parallelstelle in Lukas 22:45 sah Jesus, dass sie „eingenickt waren“, weil sie „vor Kummer erschöpft“ waren.

      b Maria war inzwischen offensichtlich verwitwet und ihre anderen Kinder scheinen noch keine Jünger Jesu gewesen zu sein (Johannes 7:5).

      c Die Liebe ist deswegen natürlich nicht leichtgläubig oder naiv, sondern sie ist einfach nicht ungebührlich kritisch oder misstrauisch. Wer liebt, urteilt nicht vorschnell über die Beweggründe anderer und nimmt nicht gleich das Schlimmste an.

      Wie können wir Jesus nachfolgen?

      • Warum ist es wichtig, das zu befolgen, was Jesus über das Vergeben sagte? (Matthäus 6:14, 15).

      • Wie können wir die Lehre aus Jesu Gleichnis über das Vergeben in die Praxis umsetzen? (Matthäus 18:23-35).

      • Wie nahm Jesus auf seine Jünger Rücksicht, und wie können wir es ihm gleichtun? (Matthäus 20:17-19; Johannes 16:12).

      • Wie ließ Jesus den Apostel Petrus wissen, dass er ihm vertraute, und wie zeigen wir anderen, dass wir ihnen vertrauen? (Lukas 22:31, 32).

  • „Die größte Liebe“
    „Komm, folge mir nach“
    • KAPITEL SIEBZEHN

      „Die größte Liebe“

      Pontius Pilatus deutet auf Jesus, der an den Händen gefesselt ist und ein purpurrotes Gewand und eine Dornenkrone trägt.

      1-4. (a) Was geschieht, als Pilatus Jesus der wütenden Menge vor seinem Palast vorführt? (b) Wie reagiert Jesus auf Demütigungen und Leiden, und welche wichtigen Fragen erheben sich?

      „SEHT! Der Mensch!“ Mit diesen Worten präsentiert der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus Christus einer wütenden Menge, die sich am Passahmorgen des Jahres 33 u. Z. vor seinem Palast versammelt hat (Johannes 19:5). Ein paar Tage zuvor wurde Jesus bei seinem triumphalen Einzug in Jerusalem als der von Gott eingesetzte König noch bejubelt. Doch jetzt ist die Menge ihm gegenüber feindselig.

      2 Jesus ist wie ein König in Purpur gekleidet und trägt eine Krone auf dem Kopf. Der purpurrote Umhang, der um seinen zerschlagenen, blutenden Rücken geschlungen ist, und die Krone aus Dornen, die sich in seine blutige Kopfhaut bohrt, dienen jedoch nur zum Spott. Das von den Oberpriestern aufgewiegelte Volk lehnt den misshandelten Mann, der vor ihnen steht, ab. Die Priester schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“ Das Volk will Blut sehen und verlangt seine Hinrichtung (Johannes 19:1-7).

      3 Würdevoll, mutig und ohne zu klagen, erträgt Jesus Demütigungen und Leiden.a Er ist darauf gefasst, zu sterben. Später an jenem Passahtag erleidet er freiwillig einen qualvollen Tod an einem Marterpfahl (Johannes 19:17, 18, 30).

      4 Durch seinen Opfertod erwies sich Jesus seinen Nachfolgern als echter Freund. Er sagte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Das gibt zu einigen wichtigen Fragen Anlass: War es wirklich nötig, dass Jesus so viel litt und dann starb? Warum war er dazu bereit? Wie können wir als „seine Freunde“ und Nachfolger sein Beispiel nachahmen?

      Warum war es nötig, dass Jesus litt und starb?

      5. Woher wusste Jesus, was ihm alles bevorstand?

      5 Als der angekündigte Messias wusste Jesus, was ihn erwartete. Er kannte die vielen Prophezeiungen in den Hebräischen Schriften, in denen die Leiden und der Tod des Messias im Detail beschrieben wurden (Jesaja 53:3-7, 12; Daniel 9:26). Mehr als einmal sprach er mit seinen Jüngern über das, was ihm bevorstand (Markus 8:31; 9:31). Als er das letzte Mal zum Passah nach Jerusalem unterwegs war, erklärte er seinen Aposteln: „Der Menschensohn [wird] den Oberpriestern und Schrift­gelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und Menschen anderer Völker übergeben. Die werden ihn verspotten, anspucken, auspeitschen und töten“ (Markus 10:33, 34). Das waren keine leeren Worte. Wie wir gesehen haben, verspottete man Jesus tatsächlich, spuckte ihn an, peitschte ihn aus und tötete ihn schließlich.

      6. Warum war es nötig, dass Jesus litt und starb?

      6 Warum war es überhaupt nötig, dass Jesus litt und starb? Aus mehreren wichtigen Gründen. Erstens würde er dadurch, dass er bis in den Tod treu blieb, seine Ergebenheit gegenüber Jehova unter Beweis stellen und dessen Namen heiligen. Satan hatte ja behauptet, der Mensch diene Jehova nur aus selbstsüchtigen Beweggründen (Hiob 2:1-5). Durch Jesu Treue bis in den „Tod an einem Marterpfahl“ wurde diese haltlose Anklage eindeutig widerlegt (Philipper 2:8; Sprüche 27:11). Zweitens würde durch die Leiden und den Tod des Messias die Grundlage zur Sündensühnung geschaffen werden (Jesaja 53:5, 10; Daniel 9:24). Jesus gab sein Leben „als Lösegeld für viele“, und dadurch ist es uns möglich, Gottes Gunst zu erlangen (Matthäus 20:28). Drittens wurde Jesus durch die vielen verschiedenen Härten und Leiden, die er durchmachte, „in allem auf die Probe gestellt … wie wir“. Er ist so zu einem Hohen Priester geworden, der wirklich „mit unseren Schwächen … mitfühlen kann“ (Hebräer 2:17, 18; 4:15).

      Warum war Jesus bereit, sein Leben zu geben?

      7. Was gab Jesus alles auf, als er auf die Erde kam?

      7 Um uns einen Begriff davon zu machen, was Jesus auf sich nahm, könnten wir Folgendes bedenken: Welcher Mann würde seine Familie und sein Zuhause verlassen und in ein fremdes Land ziehen, wenn er schon vorher wüsste, dass ihn die meisten Menschen dort ablehnen werden und dass man ihn demütigen, foltern und schließlich umbringen wird? Und nun überlegen wir, was Jesus tat. Er hatte ursprünglich eine begünstigte Stellung an der Seite seines Vaters im Himmel. Diese gab er bereitwillig auf und kam als Mensch auf die Erde – obwohl er wusste, dass er von den meisten Menschen abgelehnt werden würde und grausame Demütigungen, starke Schmerzen und einen qualvollen Tod zu erwarten hätte (Philipper 2:5-7). Warum brachte er ein so großes Opfer?

      8, 9. Warum war Jesus bereit, sein Leben zu opfern?

      8 Jesus tat das alles in erster Linie aus tiefer Liebe zu seinem Vater. Sein Ausharren war ein Beweis dieser Liebe. Sie war der Grund, warum ihm der Name und Ruf seines Vater sehr am Herzen lag (Matthäus 6:9; Johannes 17:1-6, 26). Jesus wünschte nichts sehnlicher, als den Namen seines Vaters von aller Schande befreit zu sehen. Deshalb war es für ihn die höchste Ehre und das größte Vorrecht, um der Gerechtigkeit willen zu leiden, wusste er doch, dass er durch seine Integrität dazu beitragen würde, den guten und herrlichen Namen seines Vaters zu heiligen (1. Chronika 29:13).

      9 Jesus opferte sein Leben noch aus einem anderen Grund: aus Liebe zu den Menschen. Diese Liebe empfand er schon ganz zu Beginn der Menschheits­geschichte. Lange bevor er auf die Erde kam, hieß es in der Bibel über ihn: „Besonders die Menschen hatte ich lieb“ (Sprüche 8:30, 31). Als Jesus auf der Erde lebte, war seine Liebe deutlich zu erkennen. Wie wir in den vorausgehenden drei Kapiteln dieses Buches gesehen haben, zeigte sich seine Liebe zu den Menschen allgemein und zu seinen Nachfolgern im Besonderen auf vielerlei Weise. Doch was er am 14. Nisan 33 u. Z. tat, übertraf alles. Er gab bereitwillig sein Leben für die Menschen (Johannes 10:11). Sollten auch wir dazu bereit sein? Ja. Wir sind sogar dazu verpflichtet.

      „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“

      10, 11. Wie lautet das neue Gebot, das Jesus seinen Nachfolgern gab, was verlangt es und warum ist es wichtig, dieses Gebot zu befolgen?

      10 Am Abend vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen vertrautesten Jüngern: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:34, 35). „Liebt einander“ – was ist an diesem Gebot neu? Im mosaischen Gesetz hieß es ja schon: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18). Das stimmt, doch das neue Gebot verlangt noch größere Liebe – eine Liebe, die so weit geht, dass man sein Leben für andere gibt. Jesus machte das deutlich, als er sagte: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:12, 13). Oder anders ausgedrückt: Liebe andere nicht nur wie dich selbst, sondern mehr als dich selbst. Diese Liebe hat Jesus durch sein Leben und seinen Tod beispielhaft bewiesen.

      11 Warum ist es wichtig, das neue Gebot zu befolgen? Jesus sagte: „Daran [an der selbstlosen Liebe] werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ Ja, Liebe, die zu Opfern bereit ist, kennzeichnet uns als wahre Christen. Man könnte sie mit einem Abzeichen vergleichen. Als Zeugen Jehovas tragen wir bei unseren regionalen Kongressen Abzeichen, an denen man erkennen kann, wer wir sind, weil unser Name und der Name unserer Versammlung darauf steht. Selbstlose Liebe ist das „Abzeichen“, an dem echte Christen zu erkennen sind. Mit anderen Worten: Die Liebe, die wir untereinander haben, sollte so deutlich sichtbar sein wie ein Erkennungszeichen oder ein Abzeichen; jeder sollte daran sehen, dass wir wahre Nachfolger Christi sind. Wir tun also gut daran, uns zu fragen: „Ist das ‚Abzeichen‘ echter Christen – selbstlose Liebe – bei mir immer deutlich sichtbar?“

      Selbstlose Liebe – was schließt sie ein?

      12, 13. (a) Wozu müssen wir aus Liebe zueinander bereit sein? (b) Was bedeutet es, opferbereit zu sein?

      12 Als Nachfolger Jesu müssen wir einander lieben, wie er uns geliebt hat. Wir müssen bereit sein, für Glaubensbrüder und -schwestern Opfer zu bringen. Wie weit kann das gehen? In der Bibel heißt es: „Dadurch haben wir die Liebe kennengelernt: weil Jesus Christus sein Leben für uns gegeben hat. Und wir sind verpflichtet, unser Leben für unsere Brüder zu geben“ (1. Johannes 3:16). Wir müssen wie Jesus bereit sein, notfalls füreinander zu sterben. In Verfolgungszeiten würden wir eher unser Leben lassen, als unsere Glaubensbrüder zu verraten und sie dadurch in Gefahr zu bringen. Wenn in einem Land Volksgruppen im Streit liegen, würden wir unsere Brüder unter Einsatz unseres Lebens schützen, ganz gleich welcher Volksgruppe sie angehören. Und wenn Länder gegeneinander Krieg führen, würden wir eher Haft oder gar den Tod in Kauf nehmen, als gegen Glaubensbrüder oder irgendjemand anders die Waffe zu erheben (Johannes 17:14, 16; 1. Johannes 3:10-12).

      13 Selbstlose Liebe zeigt sich nicht nur dadurch, dass wir unser Leben für unsere Brüder opfern würden. In diese Lage kommen ohnehin nur wenige von uns. Aber wenn wir aus Liebe schon unser Leben lassen würden, sollten wir dann zu kleineren Opfern für unsere Brüder nicht erst recht bereit sein und ihnen schon jetzt nach besten Kräften helfen? Opferbereit zu sein bedeutet, zugunsten anderer auf persönliche Vorteile oder Bequemlichkeiten zu verzichten. Wir stellen ihre Bedürfnisse und ihr Wohl über unsere eigenen Interessen, auch wenn das unbequem ist (1. Korinther 10:24). Wie kann selbstlose Liebe konkret zum Ausdruck kommen?

      In der Versammlung und in der Familie

      14. (a) Zu welchen Opfern sind Älteste bereit? (b) Wie empfindest du, wenn du an die hart arbeitenden Ältesten in deiner Versammlung denkst?

      14 Versammlungs­älteste bringen viele Opfer, um Gottes „Herde“ zu „hüten“ (1. Petrus 5:2, 3). Sie sorgen für die eigene Familie und sind vielleicht abends oder am Wochenende oft zusätzlich mit Versammlungs­angelegenheiten beschäftigt, zum Beispiel mit der Vorbereitung auf Programmpunkte, mit Hirtenbesuchen oder Rechtsfällen. Viele Älteste setzen sich außerdem bei größeren und kleineren Kongressen, in Krankenhaus-Verbindungs­komitees oder in Kranken­besuchs­gruppen ein. Andere engagieren sich als Helfer der Lokalen Planungs- und Bauabteilung. Ihr Ältesten, vergesst bitte nie: Euer bereitwilliger Einsatz – die Zeit, die Kraft und die Mittel, die ihr für das Hüten der Herde aufbringt – zeugt von Opfer­bereitschaft und Liebe (2. Korinther 12:15). Jehova und die Versammlung, um die ihr euch kümmert, schätzen das wirklich sehr (Philipper 2:29; Hebräer 6:10).

      15. (a) Welche Opfer bringen die Frauen von Ältesten? (b) Wie empfindest du, wenn du an die opferbereiten Frauen denkst, die ihren Mann mit der Versammlung teilen, der du angehörst?

      15 Was ist über die Frauen von Ältesten zu sagen? Bringen diese Schwestern nicht ebenfalls Opfer, damit sich ihr Mann um die Herde kümmern kann? Es ist bestimmt ein Opfer für eine Frau, wenn ihr Mann für Versammlungs­angelegenheiten Zeit aufwenden muss, die er sonst mit der Familie verbringen könnte. Denken wir auch daran, was die Frauen der Kreisaufseher auf sich nehmen, wenn sie ihren Mann von Versammlung zu Versammlung und von Kreis zu Kreis begleiten. Sie verzichten auf ein eigenes Zuhause und müssen unter Umständen jede Woche in einem anderen Bett schlafen. Frauen, die im Interesse der Versammlung bereitwillig zurückstehen, haben für ihre große Liebe und Opfer­bereitschaft wirklich ein Lob verdient (Philipper 2:3, 4).

      16. Welche Opfer bringen christliche Eltern für ihre Kinder?

      16 Wie kommt selbstlose Liebe in der Familie zum Ausdruck? Ihr lieben Eltern bringt viele Opfer, um für eure Kinder zu sorgen und sie „nach den Maßstäben und der Anleitung Jehovas“ großzuziehen (Epheser 6:4). Vielleicht müsst ihr lange und hart arbeiten, nur um das tägliche Brot zu verdienen und dafür zu sorgen, dass die Kinder etwas Vernünftiges anzuziehen und ein angemessenes Zuhause haben. Ihr würdet eher selbst zurückstecken, als es euren Kindern an etwas Wichtigem fehlen zu lassen. Außerdem verwendet ihr viel Mühe darauf, mit euren Kindern zu studieren, sie in die Zusammenkünfte mitzunehmen und mit ihnen predigen zu gehen (5. Mose 6:6, 7). Eure Liebe und Opfer­bereitschaft macht dem Urheber der Familie Freude und kann für eure Kinder ewiges Leben bedeuten (Sprüche 22:6; Epheser 3:14, 15).

      17. Wie können christliche Ehemänner Jesu selbstlose Einstellung nachahmen?

      17 Wie können Ehemänner gemäß Jesu Beispiel selbstlose Liebe zeigen? Die Bibel sagt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen weiterhin, so wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich für sie geopfert hat“ (Epheser 5:25). Wie wir gesehen haben, liebte Jesus seine Nachfolger so sehr, dass er für sie starb. Ein christlicher Ehemann ahmt die selbstlose Einstellung Jesu nach, der „nicht einfach getan [hat], was ihm gefiel“ (Römer 15:3). Er stellt seine eigenen Bedürfnisse im Interesse seiner Frau bereitwillig zurück. Auch besteht er nicht steif und fest darauf, seinen Willen durchzusetzen, sondern ist im Rahmen biblischer Grundsätze zum Nachgeben bereit. Selbstlose Liebe bringt einem Mann Jehovas Anerkennung ein sowie die Liebe und die Achtung seiner Familie.

      Was wirst du tun?

      18. Was motiviert uns, das neue Gebot zu befolgen und einander zu lieben?

      18 Das neue Gebot, einander zu lieben, ist nicht einfach zu befolgen, doch wir haben eine starke Motivation. Paulus schrieb: „Die Liebe, die der Christus hat, treibt uns an. Wir sind nämlich zu dem Schluss gekommen, dass ein Mensch für alle gestorben ist … Und er ist für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2. Korinther 5:14, 15). Jesus ist für uns gestorben. Sollten wir uns dann nicht gedrängt fühlen, für ihn zu leben? Das tun wir, wenn wir wie er aus Liebe für andere Opfer bringen.

      19, 20. Welches kostbare Geschenk hat uns Jehova gemacht, und wie zeigt sich, dass wir es annehmen?

      19 Jesus übertrieb keineswegs, als er sagte: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt“ (Johannes 15:13). Seine Bereitschaft, für uns zu sterben, war der größte Beweis dafür, wie sehr er uns liebt. Doch jemand anders hat sogar noch größere Liebe zu uns bewiesen. Jesus erklärte: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht vernichtet wird, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3:16). Gott liebt uns so sehr, dass er seinen Sohn als Lösegeld gab und es uns dadurch ermöglicht hat, von Sünde und Tod befreit zu werden (Epheser 1:7). Mit dem Lösegeld hat uns Jehova ein kostbares Geschenk gemacht, doch er zwingt es uns nicht auf.

      20 Es liegt bei uns, es anzunehmen. Wie tun wir das? Dadurch dass wir an seinen Sohn glauben. Ein solcher Glaube erschöpft sich allerdings nicht in Worten. Er äußert sich durch Taten, durch unsere gesamte Lebensführung (Jakobus 2:26). Wenn wir Jesus Christus Tag für Tag nachfolgen, beweisen wir Glauben an ihn. Wie das letzte Kapitel zeigt, werden wir dafür jetzt und in der Zukunft sehr gesegnet.

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