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Das Judentum — Die Suche nach Gott mit Hilfe der Bibel und der TraditionDie Suche der Menschheit nach Gott
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Woher stammen die Juden?
5, 6. Woher stammen, kurz gesagt, die Juden und ihr Name?
5 Im großen und ganzen sind die Juden Nachkommen eines alten, Hebräisch sprechenden Zweiges der semitischen Rasse (1. Mose 10:1, 21-32; 1. Chronika 1:17-28, 34; 2:1, 2). Vor nahezu 4 000 Jahren wanderte ihr Vorvater Abram aus dem Ur der Chaldäer, einer blühenden Metropole in Sumer, nach Kanaan aus, dem Land, von dem Gott gesagt hatte: „Deinem Samen will ich dieses Land geben“b (1. Mose 11:31 bis 12:7). In 1. Mose 14:13 ist von ihm als „Abram, dem Ebräer“, die Rede; doch später wurde sein Name auf Abraham umgeändert (1. Mose 17:4-6). Von ihm leiten die Juden eine Abstammungslinie ab, die mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob beginnt, dessen Name auf Israel umgeändert wurde (1. Mose 32:27-29). Israel hatte 12 Söhne, die die Begründer von 12 Stämmen wurden. Einer von ihnen war Juda, von dessen Namen schließlich die Bezeichnung „Jude“ abgeleitet wurde (2. Könige 16:6).
6 Im Laufe der Zeit wurde die Bezeichnung „Jude“ nicht mehr nur auf einen Nachkommen Judas angewandt, sondern auf alle Israeliten (Esther 3:6; 9:20). Da die jüdischen Geschlechtsregister vernichtet wurden, als die Römer im Jahre 70 u. Z. Jerusalem schleiften, kann heute kein Jude mehr genau feststellen, welchem Stamm seine Vorfahren angehörten. Wie dem auch sei, die alte jüdische Religion hat Jahrtausende überdauert und war Veränderungen unterworfen. Heute wird die jüdische Religion in der Republik Israel und in der Diaspora (der Zerstreuung) von Millionen Juden ausgeübt. Worauf beruht diese Religion?
Moses, das Gesetz und eine Nation
7. Welchen Eid schwor Gott Abraham, und warum?
7 Im Jahre 1943 v. u. Z.c erwählte Gott Abram zu seinem besonderen Diener und schwor ihm später — wegen seiner Treue und seiner Bereitschaft, ihm seinen Sohn Isaak zu opfern — einen feierlichen Eid, obwohl das Opfer nie vollzogen wurde (1. Mose 12:1-3; 22:1-14). In Verbindung mit diesem Eid sagte Gott: „Bei mir habe ich geschworen, ist der Spruch des Ewigen [hebräisch: יהוה, JHWH], daß, weil du solches getan und deinen einzigen Sohn nicht geweigert hast, ich dich segnen will und deinen Samen zahlreich machen gleich den Sternen des Himmels ... Und segnen sollen sich mit deinem Samen alle Völker der Erde, dafür, daß du meiner Stimme gehorcht hast.“ Dieser Eidschwur wurde Abrahams Sohn und seinem Enkel gegenüber wiederholt und blieb dann im Stamm Juda und in der Linie Davids weiter bestehen. Diese streng monotheistische Vorstellung von einem persönlichen Gott, der mit Menschen direkt verkehrte, war in der damaligen Welt etwas Einmaliges, und sie bildete dann die Grundlage der jüdischen Religion (1. Mose 22:15-18; 26:3-5; 28:13-15; Psalm 89:4, 5, 29, 30, 36, 37 [Psalm 89:3, 4, 28, 29, 35, 36, NW]).
8. Wer war Moses, und welche Rolle spielte er in Israel?
8 Um die Verheißungen, die er Abraham gegeben hatte, zu erfüllen, schloß Gott mit den Nachkommen Abrahams einen besonderen Bund und schuf so die Grundlage für eine Nation. Dieser Bund wurde durch Moses, den großen hebräischen Führer und den Mittler zwischen Gott und Israel, eingeführt. Wer war Moses, und warum ist er für die Juden so wichtig? Aus dem Bibelbuch 2. Mose geht hervor, daß er in Ägypten geboren wurde (1593 v. u. Z.) und daß seine Eltern Israeliten waren, die wie die übrigen Israeliten in der Sklaverei lebten. Er war es, den „der Ewige erkannte“ und dazu bestimmte, sein Volk in die Freiheit zu führen, nach Kanaan, in das Land der Verheißung (5. Mose 6:23; 34:10). Moses spielte die wichtige Rolle des Mittlers, als Gott mit den Israeliten den Gesetzesbund schloß; außerdem war er ihr Prophet, ihr Richter, ihr Führer und ihr Geschichtsschreiber (2. Mose 2:1 bis 3:22).
9, 10. (a) Woraus bestand das Gesetz, das durch Moses übermittelt wurde? (b) Welche Lebensbereiche umfassen die Zehn Gebote? (c) Wozu wurde Israel durch den Gesetzesbund verpflichtet?
9 Das Gesetz, das die Israeliten annahmen, bestand aus den Zehn Worten oder Geboten und über 600 Gesetzen, die einen umfangreichen Kodex von Richtlinien und Satzungen für das tägliche Verhalten bildeten. (Siehe Kasten, Seite 211.) Dieses Gesetz umfaßte Weltliches und Heiliges — Hygienevorschriften und Sittengesetze sowie Anweisungen für die Gottesanbetung.
10 Durch den Gesetzesbund oder diese religiöse Verfassung wurde der Glaube der Patriarchen formuliert. Demzufolge wurden die Nachkommen Abrahams eine dem Dienst Gottes gewidmete Nation. So begann die jüdische Religion feste Formen anzunehmen, und die Juden wurden eine für die Anbetung und den Dienst ihres Gottes organisierte Nation. Gemäß 2. Mose 19:5, 6 verhieß ihnen Gott: „Wenn ihr nun auf meine Stimme hören und meinen Bund wahren werdet, ... sollt [ihr] mir sein ein Reich von Priestern und ein heilig Volk.“ Die Israeliten sollten also ein „auserwähltes Volk“ sein, das Gottes Vorsätzen diente. Die Erfüllung der Bundesverheißungen war jedoch an die Bedingung geknüpft: „Wenn ihr ... auf meine Stimme hören ... werdet.“ Dieses Volk war nun seinem Gott verpflichtet. Daher konnte Gott später (im achten Jahrhundert v. u. Z.) zu den Juden sagen: „Ihr seid mir Zeugen / ist des Ewgen [hebräisch: יהוה, JHWH] Spruch / und Knecht mein“ (Jesaja 43:10, 12).
Eine Nation mit Priestern, Propheten und Königen
11. Wie entstanden das Priestertum und das Königtum?
11 Als sich das Volk Israel noch in der Wüste auf dem Weg in das Land der Verheißung befand, wurde im Geschlecht Aarons, des Bruders Mose, ein Priestertum gegründet. Eine Stiftshütte, ein großes tragbares Zelt, bildete den Mittelpunkt der Anbetung und des Opferdienstes der Israeliten (2. Mose, Kapitel 26 bis 28). Nach einiger Zeit erreichte die Nation Israel das Land Kanaan, das Land der Verheißung, und nahm es ein, wie Gott es geboten hatte (Josua 1:2-6). Schließlich wurde ein irdisches Königtum gegründet, und im Jahre 1077 v. u. Z. wurde David aus dem Stamm Juda König. Unter seiner Herrschaft wurden Königtum und Priestertum in Jerusalem, einem neuen nationalen Mittelpunkt, fest gegründet (1. Samuel 8:7).
12. Welche Verheißung hatte Gott David gegeben?
12 Nach Davids Tod baute sein Sohn Salomo in Jerusalem einen prächtigen Tempel, der die Stiftshütte ersetzte. Da Gott mit David einen Bund geschlossen hatte, wonach das Königtum für immer in Davids Linie bleiben sollte, nahm man an, daß der Messias, ein gesalbter König, eines Tages aus seiner Abstammungslinie hervorgehen werde. Eine Prophezeiung wies darauf hin, daß durch diesen messianischen König oder „Samen“ sowohl Israel als auch alle übrigen Nationen eine vollkommene Regierung erhalten würden (1. Mose 22:18). Diese Erwartung schlug Wurzeln, und der messianische Charakter der jüdischen Religion nahm deutlich feste Formen an (2. Samuel 7:8-16; Psalm 72:1-20; Jesaja 11:1-10; Sacharja 9:9, 10).
13. Durch wen wies Gott die abtrünnigen Israeliten zurecht? Führe ein Beispiel an.
13 Die Juden ließen sich aber von der falschen Religion der Kanaaniter und anderer Nachbarvölker beeinflussen. So kam es, daß sie die Bestimmungen ihres Bundes mit Gott übertraten. Um sie zurechtzuweisen und zur Umkehr zu veranlassen, sandte Jehova eine Reihe von Propheten zu ihnen, die ihnen seine Botschaften ausrichteten. Demzufolge wurden Prophezeiungen ein weiteres charakteristisches Merkmal der jüdischen Religion, und ein großer Teil der Hebräischen Schriften besteht aus Prophezeiungen. 18 Bücher der Hebräischen Schriften tragen sogar den Namen von Propheten (Jesaja 1:4-17).
14. Wie bestätigten die Ereignisse die Worte der Propheten in Israel?
14 Unter diesen Propheten traten besonders Jesaja, Jeremia und Hesekiel hervor, die alle die Nation vor Jehovas drohender Bestrafung wegen ihres Götzendienstes warnten. Zu dieser Bestrafung kam es im Jahre 607 v. u. Z., als Jehova wegen Israels Abtrünnigkeit zuließ, daß die damalige Weltmacht Babylon Jerusalem samt seinem Tempel zerstörte und das Volk in die Gefangenschaft führte. Das Wort der Propheten hatte sich bewahrheitet, und die 70jährige Gefangenschaft Israels während des größten Teils des sechsten Jahrhunderts v. u. Z. ging in die Geschichte ein (2. Chronika 36:20, 21; Jeremia 25:11, 12; Daniel 9:2).
15. (a) Wie kam unter den Juden eine neue Form des Gottesdienstes auf? (b) Wie wirkte sich der Synagogengottesdienst auf die Anbetung im Tempel in Jerusalem aus?
15 Im Jahre 539 v. u. Z. besiegte Cyrus, der Perser, Babylon und gestattete den Juden, ihr Land wieder zu besiedeln und den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Ein Überrest nahm diese Gelegenheit zwar wahr, doch die meisten blieben unter dem Einfluß der babylonischen Gesellschaft. Später kamen die Juden unter den Einfluß der persischen Kultur. So entstanden im Nahen Osten und im ganzen Mittelmeerraum jüdische Siedlungen. In jeder Gemeinde kam eine neue Form des Gottesdienstes auf, die mit der Synagoge (dem örtlichen Versammlungszentrum der Juden) verbunden war. Dadurch büßte der wieder erbaute Tempel in Jerusalem natürlich an Bedeutung ein. Die weitverstreuten Juden waren nun im wahrsten Sinne des Wortes eine Diaspora (Esra 2:64, 65).
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[Kasten/Bild auf Seite 211]
Zehn Gebote für Anbetung und Lebenswandel
Millionen Menschen haben schon von den Zehn Geboten gehört, aber wenige haben sie je gelesen. Deshalb geben wir hier die wichtigsten Passagen ihres Wortlauts wieder.
▪ „Du sollst keine anderen Götter haben vor mir!
▪ Du sollst dir kein Bildnis machen und keinerlei Gestalt dessen, was im Himmel oben und was auf Erden unten und was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen ... [Damals, 1513 v. u. Z., war dieses Gebot, das den Götzendienst verwarf, einzigartig.]
▪ Du sollst den Namen des Ewigen [hebräisch: יהוה], deines Gottes, nicht zur Unwahrheit aussprechen ...
▪ Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen! ... der Ewige [hat] den Sabbattag gesegnet und ihn geheiligt.
▪ Ehre deinen Vater und deine Mutter ...
▪ Du sollst nicht morden!
▪ Du sollst nicht ehebrechen!
▪ Du sollst nicht stehlen!
▪ Du sollst nicht aussagen wider deinen Nächsten als falscher Zeuge!
▪ Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren das Weib deines Nächsten, noch seinen Knecht, seine Magd, seinen Ochsen, seinen Esel, noch alles, was deinem Nächsten gehört“ (2. Mose 20:3-14).
Zwar beziehen sich nur die ersten vier Gebote auf den Glauben und die Anbetung, aber die anderen lassen die Verbindung zwischen einem einwandfreien Lebenswandel und dem richtigen Verhältnis zum Schöpfer erkennen.
[Bild]
Trotz des einzigartigen Gesetzes, das die Israeliten von Gott erhalten hatten, ahmten sie den Kälberkult ihrer heidnischen Nachbarn nach (Goldenes Kalb, Byblos)
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